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SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
ACHTUIMDSECHZIGSTER BAND.
WIEN, 1871.
TN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN
ULClIIIÄNnLKR DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
SITZUNGSBERICHTE
DER
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE
DEK KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
ACHTUNDSECHZIGSTER BAND.
JAHKGANG 1871. — HEFT IV— VII.
WIEN, 1871.
IN COMMISSION BEI K.VRL GEROLD'S SOHN
BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN.
As
A53
-69
Druck von Adolf Holzhansen in Wien
k. k. I'iiivcrsitäts-Buchdruckerei.
INHALT.
Seite
X. Sitzuus? vom 12. April 1871 ! . . . 3
XI. Sitzung? vom 19. April 1871 ■ . ' . 4
XII. Sitzung' vom 26. April 1871 5
Pfizmaier. Die Wanderung eines japanischen Bonzen .... 7
Schulte. Die Summa Decreti Lipsiensis des Codex 986 der
Leipziger Universitätsbibliothek 37
Schulte. Beiträge zur Literatui- über die Decretalen Gregors IX.,
Innocenz IV., Gregors X 55
XIII. Sitzuni? vom 10. Mai 1871 131
XIV. Sitzung- vom 17. Mai 1871 132
Miklosich. Ueber die zusammengesetzte Declination in den sla-
vischen Sprachen 133
Haupt. Briuler Philipps Marienleben 157
Mayr. Beiträge aus dem Eg-Veda zur Accentuiriing des Verbum
finitum 219
XV. Sitzung vom 7. Juni 1871 . . . .• 269
Sehen kl. Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus. . 271
Hartel. Homerische Studien ' 383
XVI. 81171111^ vom 14. Jtmi 1S71 469
Reifferscheid. Bibliotheca Patrnm Latinorum Italica. IV. Die
Bibliotheken Piemonts 471
XVII. Sitziins? vom 21. Juni 1871 639
Pfizmaier. Der Geisterglaube in dem alten China 641
VI
Seite
XVm. Sitzuuyr vom 5. Juli 1871 711
Zimmermann. Ueber Kant's Widerlegung des Idealismus von
Berkeley 71 y
Mayr. Resultate der Silbenzählimg aus den vier ersten gäthäs 751
XIX. Sitzimg- vom 12. Juli 1871 781
XX. Sitzung vom 19. Juli 1871 781
Weinhold. Die Polargegenden Europas nach den Vorstel-
lungen des deutschen Mittelalters 783
Pf iz maier. Zur Geschichte der Wunder in dem alten China 809
SITZUNGSBERICHTE
DEK
KAI8KUL1CHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PHILOSOPHrSCH-HrSTOKISCHE CLASSK.
LXVIII. BAND. 1. HEFT.
JAHRGANG 1871. - APRIL.
Sitzb. (1. phil.-hist. CI. LWITI B 1. 1 Ilft.
X. SITZUNG VOM 12. APRIL 1871,
Der Vice-Präsident widmet einige Worte des Andenkens
dem dahingeschiedenen Ehrenmitgliede der k. Akademie, des
Vice- Admirals AA' i 1 h e 1 ni von T e g e 1 1 h o f f.
Die Anwesenden erheben sich zum Zeichen des Beileids
von ihren Sitzen.
Das w. M. Freiherr von Sacken legt sein mit Unter-
stützung der k. Akademie herausgegebenes Werk vor: ,Die
antiken Bronzen des k. k. Münz- und Autiken-Cabinetes in
Wien.'
Der eidgenössische Ständerath in Appenzell Herr J. B.
Rusch sendet zu seinem im I. Hefte des 43. Bandes des Ar-
chivs für österreichische Geschichte abgedruckten Aufsatze
, Geschichte St. Gerolds und seiner Propstei in Vorarlberg'
Nachträge unter dem Titel : ,Bruchstücke des Jahrzeitbuches
der Propstei St. Gerold aus dem XV. Jahrhundert.'
An Druckschriften wurde vorgelegt :
Akademie der Wissenschaften und Künste. Südslavisehe : Rad. Knjiga XIV.
TT Zagrebu, 1S71; 8*i.
1*
Jiriitke, Ernst, Die physiologischen Grnntllagen der neuhochdeutschen Vers-
kunst. Wien, 1871; 8".
Centrill- Conimission, k. k. statistische: Statistisches Jahrbuch für das
Jahr 1869. Wien, 1871; 4".
Erlangen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre
1870. 4" und 8".
Gesellschaft, k. k. mähr.-schles., zur Beförderung des Ackerbaues, der
Natur- und Landeskunde: Mittheilungen 1870. Brunn; 4" — Notizenblatt
der historisch-statistischen Section vom 1. Jäinier bis 1. December 1870.
Brunn, 1870; 4".
Jahresibericht des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht für 1870.
Wien, 1871; 4".
Mittheilungen der k. k. Central-Comniission zur Erforscliung und Erhaltung
der Baudenkmale. XVI. Jahrgang. März — April 1871. Wien; 4".
— au.s J. Perthes' geographischer Anstalt. 17. Band. 1871, Heft III — IV.
Gotha; 4".
Museum Carolino-Augusteum zu Salzbui'g: Jahresbericht für 1870. Salz-
burg; 4".
Revue des cours scientifiques et litteraires de la France et de l'etranger.
VII -^ annee Nrs. 42— 50. Paris et Bruxelles, 1869—1870; 4".
Sacken, Eduard Freiherr von. Die antiken Bronzen des k. k. Münz- und
Antiken-Cabinetes in Wien. I. Theil. (Vei'öfleutlicht mit Unterstützung der
kais. Akademie der Wissenschaften.) Wien, 1871; Folio.
Verein, Geschichts- und Alterthums-, zu Leisnig: Mittheilungen. II. Heft.
Leisnig, 1871 ; S".
— siebenbürgischer, für romanische Literatur und Cultm- des romanischen
Volkes: Transilvania. Anulu IV, No. 6—7. Kronstadt. 1871; 4".
Vimerciti, G'aido, Revista scientitico-industriale del 1870. Anno 11"^°. Firenze
1871; 12". L'cquivalente meccanicu del calore con un saggio di storia
della termodinamica. Firenze, 1870; gr. 8".
XI. SJTZUNG VOM VX APRIL LSTl.
Der Secrctür legt vor:
eine von Herrn Andreas IJaube in 1 lun(leshaiJ,en Ijci
Erfurt ein<^esendete Ahliaiidlung .IJezichiinu' der seinitisclieu
Sprachen aid' die arischen'.
5
sowie ein von Hen-ii 1». T i a m )i I c r in > Brunn oing-esand-
tes für die Schriften der historischen ( 'oniniission hcistiinnites
Manuscript ,Historia vera expedilinnis anni \hf)() seu dr i'!'])us
gestis per Unyariani etc.'
An Druckschriften wurde vorgelegt:
AUademic der Wissenscliaftcn, Köiiigl. Prou.ss., zu Berlin : Monatsbericlit.
Februar 1871. Berlin; 8".
Gesellschaft, anthi'opologisclie , in Wien: Mitthoilungen. I. Band, Nr. 7.
Wien, 1871; 8".
— geographische, in Wien: Mittheilungen. N. F. 4, 1.S71. Nr. 1. Wien; 8'^.
Hauer, Franz Ritter v.. Zur Erinnerixng an Wilhelm Hai ding er. Wien,
1871; 4".
Istituto, R., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti: Memorie. Vol. XV, Parte
2«. 1871; 4^' — Atti. Tomo XVI'-', Serie 111% Disp. 4/^ Venezia, 1870-
1871; 80.
Kadics, P. v., Die Freiherren von Grirascliitz. Wien, 1871; 8'\
XU. SITZUNG AM 26. AVlllL 1S71
Der Secretär legt vor:
eine von Herrn Prof. Hartel in Wien eingesendete
Abhandhing ^Homerische Studien I^ um deren Aufnahme in
<lie Sitzungsberichte der Verfasser ersucht.
Das w. M. Herr Dr. Pfizmaier legt eine Abhandlung
vor unter dem Titel: ,Die Wanderung eines japanischen Bonzen.'
Die Aufnahme der von Herrn Prof. R. v. S c h u 1 1 e in Prag
eingesendeten xVbhandlungen: Summa Decreti Lipsicnsis und
Jieiträge zur Litteratur der Decrete Gregors IX., Innocenz IV.,
Gregor X. wird genehmigt.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Corpus inscriptio-
num latinarnvi. Volumen IV. Berolini, MDCCC'LXXI; in Folio.
Jahres-Be rieht der Lese- und Eedehalle der deutschen Studenten zu Prag.
Vereinsjahr 1870—71. Prag, 1871; 8".
Jena, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus d. J. 1870 — 1871.
4" und 8'\
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I'fizmaicr. Die Wanderung eines japanischen Bonden.
Die Wanderimg eines japanischen Bunzen.
Von
Dr. A. Pfizmaier,
wirkl. Mitglied der k. Akademie der Wissenschaften.
Uie vorlieg-ende Abhandlung' bringt eine altjapanischc
Erzählung von einem Bonzen, der, obgleich es sein Wunsch
ist, der Welt zu entkommen, eine Wanderung antritt, um an
verschiedenen heiligen Orten zu beten und dadurch die Schuld,
mit der er sich in einer früheren W^elt beladen, zu tilgen.
Aus den bezüglichen Aufzeichnungen geht hervor, dass die
Verzichtleistung auf die Welt buchstäblich genommen wurde,
indem von einem ,die Welt verwerfenden Menschen'' ', wie im
Japanischen der Bonze heisst, verlangt wird, dass er an nichts
in der Welt, selbst nicht an edlen und leblosen Gegenständen
Gefallen ünde. Der genannte Bonze befreundet sich in diesem
Sinne mit der Welt und kehrt nach einer beschwerlichen
Wanderung, die er im Herbst beginnt und im Winter beendet,
nach seinem früheren Wohnsitze zurück. Daselbst stürzt die
Ringmauer seines Klosters, was zvu- Folge hat, dass fremd-
artige Gestalten eintreten, und Mädchen in den Räumen umhcr-
Avandeln. Hier schliesst die Erzählung, indem uocli bemerkt
wird, dass er jetzt den Bäumen und Pflanzen mittheilte, wie
traurig es in der Welt ist.
Die Erzählung, dem dritten Bande der ,Samnduug der
aufgelesenen Blätter des Fusang' entnommen, enthält Aufklä-
' Jo-sute-hito, ein Meoscli, der die Welt verwirft, ein Bonze. Der bei uns
übliche Ausdruck , Bonze' stammt von dem chinesisch -japanischen
Ip TH fjo-zti, der Vorgesetzte der Zelle.
3 Pfiziuaier.
rungen über das Leben und Denken in dem damaligen Japan,
sowie über die BeschafFenlieit des Landes. Bemerkenswerth
sind die Nachrichten von der Beschwerlichkeit des Reisens
in jenen Zeiten, die von der Art ist, dass der Bonze, selbst zm*
Winterszeit und bei Unwetter, bisweilen im Freien übernachtet '.
Der japanische Titel der Erzählung ist ^^ ^^ 1^ ^u
Kuma-no-no h'-gib ,Aufzeichnungen aus Kuma-no', und der
Verfasser, wie dessen Name ^ j^ ^ Siaku-z6-moto-i andeutet,
selbst ein Bonze. Dieselbe ist in der im achten Jahrhundert
unserer Zeitrechnung üblich gewesenen Sprache, die nur wenige
Wfirter chinesischen Ursprungs enthält, geschrieben und zeigt
nebst einigen nicht allzu zahlreichen Zeichen der Pflauzen-
schrift ein sehr mannigfaltiges Fira-ka-n<x, das zum Theil, da
in ihm auch ungewöhnliche Zeichen vorkommen, erst entziffert
werden musste. Das Ganze, zwar nicht selten in nebelhafter
und verschwommener Weise dargestellt, ist übrigens gut ver-
ständlich und entzieht sich eigentlich nur au einer einzigen
kurzen Stelle, wo von „Yamknollen" die Rede ist, aller Aus-
legung.
Eine Eigenthümlichkeit der Schreibweise ist, dass die
den Consonantlaut ändernden Punkte überall fehlen, wohin-
gegen die die Gliederung der Sätze ersichtlich machenden
Ringe sorgsam angebracht sind. Erwähnt sei hier unter anderem
die häutige pleonastische Setzung des Wortes V* ~}* nado, welches
nicht das bekannte :j^ nado, sondern offenbar die Zusammen-
ziehung von y^ '^ nani-tOj „wie, irgendwie", ferner die in einer
etwas abweichenden Bedeutung gebrauchte Conjunction zz. ^
fndo-ni.
Damit diese Arbeit auch für die Kenntniss der Sprache
von Nutzen sei, wurde überdies eine Darlegung des Textes
geliefert, wobei aus typographischen RücksieJiten eine Umände-
rung des Fira-ka-na und der Pflanzenschrift in gewöhnliche
Schrift stattfand.
' Audi ein im \<irig-fn .I;ihrliuii(l(!rtc' erschienenes Werk sagt, dass das Reisen
in Japan ehemals sehr Ix schwerlich gewesen und dureli den Ausdruck
Ktisa-muJmra „das Kopfkissen der Püau/.en" bezeichnet wurde, weil man
gewöhnlich unter freiem Iliunnel übcrnaclitete. Jetzt verhalte es sich anders,
und sei das Reisen beinahe eine Aniielnnlichkeit geworden.
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hsa-bakari-no Icoto-ni-ka ari-ken, jo-ioo nogarete kokoro-no
»uiiiia-ni aran-to omoi-te, jo-no naka-ni kiki-to kiku tokovo-tokoro ,
okasiki-tvo tadzwtete kokoro-tco jarl, katsn-ioa totoki fokoro-fokoro
0(/ami-tate-matsuri^ loaga mi-no tsimvi-ivo-mo forohosamu-to aru
ßfo ari-keri, i-wo-nnsi-to-zo i-i-kerit.
Es war ein Mensch, der, durch irgend eine Sache bewogen,
der Welt entkam und glaubte, dass dieses nach seinem Sinne
sein werde, der in der Welt an den Orten, von denen er
hörte, das Lächerliche suchte und sein Herz aussandte, der
zudem an den ehrwiüdigcn Orten seine Verehrung bezeigte
und die Schuld seines Leibes tilü:en wollte. Derselbe hiess
I-wo-nusi.
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Kami-u(i-dzuki-)io toico-ka hakari, kuma-no-je mode-keru-ni,
ßto-hito moro-tomo-ni nado iü mono ari-kere-do, iocu/a kokoro-ni
10 Pt'izmaier.
ni-taru-mo na-kari-kere-ba, tada siuobi-te dö-si ßtori-site-zo mbde-
kevH; mi-ja-ko-jori idzuru fi-ni, ja-fata-ni modete toviari-nu.
Indem er sich am zelmteii Tage des götterlosen Monats
(des zehnten Monates des Jahres) nach Kuma-no begab, be-
fanden sich Menschen in seiner Gesellschaft. Da jedoch keiner
war, der ähnlichen Sinnes mit ihm gewesen wäre, trat er nur
insgeheim zu gleicher Zeit allein die Reise an. An dem Tage,
wo er von der Hauptstadt auszog, begab er sich zu dem Berge
der acht Fahnen und weilte daselbst.
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Sono Jo fsiiki omo-sirbte, matsu-no ko-zu-e-ni kaze suzusi-
ku-te, musi-no ko-e-mo slnohi-jaka-ni , slka-no ofo faruka-ni
kikojn, tsune-no sumi-ka naranu kokovo-ne-mo , jo-no fukezu-ni
mvare-narif ki-nt kakare-ba kami-mo sumi-tamb nameri-to omoi-te.
In diesei' Nacht schien der IVIond lieblich, von den Wipfeln
der Fichten wehte der Wind kühl, der Laut der Insecten
ertönte leise, und die Stimme des Hirsches ward in der Ferne
geh'irt. Bei dem Gedanken, dass dieses sein gewöhnlicher
Wohnsitz nicht sei, empfand er, indess es in der Nacht nicht
spät wai-, Trauer. Als ihm dieses lästig war, dachte er, dass
auch die G«>tter hier wohnen und verkosten.
Verse :
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Koko-ni-si-mo loaki-te ide-karu isi-kijo-midzu kami-no kokoro-
100 kumi-fe sira-baja.
Die Wanderung eines .iapanischeu Bonzen. 1 1
Das hier sprudelnd hervurkonimt, das reine FolsenMasser,
es wird das Herz der Götter, mit dem es verbunden ist, kennen.
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Sore-jori futa-ka-to m fi-no jü-gure-ni, stimi-josi-ni mhde-
ts)(ki-nu, mlre-ba fanika-7taru timi-mte ito omosirosi, minami-ni-
wa e nagarete, midzu-tori-no sama-zania-naru asohu, ama-no ije-
ni-ja aran, asi-gaki-no ja-no ito tsi-isaki to-mo nri.
Zwei Tage später, in der Abcnddämmerunäj; gelangte er
nach Sumi-josi. Als er liinblickte, war das ferne Meer sehr
lieblich. Im Süden floss der Strom, und Wasservogel allerlei
Art vergnügten sich. Es mochte in dejn Hause des Himmels
sein. Das Haus der Schilfwände hatte auch eine sehr kleine
Thüre.
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Aki-no na-gori ju-gure-no sora-no ke-siki-mo, tada-narazK
ito aware-nari, mi-jasiro-ni-iüa soko-mo mijezu, iro-iro sama-zama-
12 Pfizniaier.
narii moniiclzi tairi-tt , fiiju-gomori-tari , kib nado jomi-goje-site
ßto sirezu kakit onio.
Das Ang-esicht des Himmels der zurückgebliebenen herbst-
lichen Abenddämmerung war ungemein traurig. Der Boden
des Feldes des göttlichen Altares war nicht zu sehen. Ahorn-
bäume von verschiedener Farbe und Gestalt waren zerstreut
und winterlich verborgen. An dem Tone des Lesens der hei-
ligen Bücher wurden die Menschen nicht erkannt. So dachte er.
Verse :
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Toki-kake-tsii koromo-no tama-iva sumi-ao je-no kand-sabi-
ni'keru matsu-no ko-zuje-uL
Die Edelsteine des Kleides des Siegesliedes sind auf
den Gipfeln der Fichten, welche die Ruhestätte; des Gottes von
Snmi-no Je.
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y'^Ft^t^-n-y't = 7
Kakii-te jasiro-jasiro-ni sofurai-te inori-mosi jo, kono jo-iva
iku-htdai-ni-mo arazn, midzu-no aioa kusa-no tstiju jon-mo faka-
nasi, saki-no jo-no tsumi-ioo forohosi-te, jiiknsu-e-iio ho-dai-ivo
toran-to, omoi-fanheni kokoro-hnkote, jo-too itn koto omoi-woko-
tarazu aran-ni jori-te nari.
Die Vv';iniloruiig eines japanischen Bunzeu. 1 ,"}
Somit diente er von Altar zu Altar, und sein Gebet war
von folgender Art: Diese Welt ist nicht so viel, sie ist halt-
loser als der Schaum des Wassers, der Thau der Pflanzen.
Indem ich tiefen Sinnes daran denke, wie ich die Schuld der
fi-iUieren AVeit tilg-e, das Heil der übrig-en Jahre empfange,
bleibe ich dabei, dass ich in Gedanken nicht .versäumen werde,
die Welt zu verschmähen.
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Neguvmku-wa wäre faru-xoa fana-ioo mi^ aki-toa momidzl-
ico miru-to-mo, niwoi-ni fvre, iro-ka-ni me-de-tsuru kokoro-naku
asita-no siku jCt-ito fsuki-ioo miru-to-mo, se-ken-no faka-naki
koto-wo wosije-tamaje.
Möchte ich doch, wenn ich im Frühlinge die Blumen
sehe, im Herbst den Ahorn sehe, nicht die Absicht haben, mit
ihrem Duft in Berührung zu kommen, ihrer Farbe mich zu
freuen. ^Mögest du, wenn ich die Breitung des Morgens, den
Mond des Abends sehe, die Haltlosigkeit der Welt mich lehren.
Verse : ^
A^)VJ:Xn:yt9
Jo-no naka-ioo itoi-sute-ten notsi-wa tada sumi-no je-ni aru
matsu-to tanomamu.
Ich werde der Welt entsagen^ sie verwerfen und sodann
blos auf die in Sumi-no Je stehenden Fichten mich verlassen.
^ ^ ^ T 7^ u y in i- y
14 Pfizmaier.
Idzumi naru si-no da-no mori-nite, aru ja aru-besi.
In dem Walde von Si-no Du in Idzumi mochte es sich
so verhalten :
Verse :
Waga omofu koto-no sigeki-ni kurahure-ha si-no da-no
mon-no tsi-je fa-mono-ka-tca.
Bei der Mannigfaltigkeit meines Denkens, wenn ich einen
Vergleich ziehe, sind es da wohl die tausendfachen Schwert-
spitzen des Waldes von Si-no Da?
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Ki-no kuni-no fnki-age-no fama-ni tomareru, tsvki ito omo-
sirosi, kono fama-ioa ten-nin tsune-ni kndari-te, asobv-to i-i-tsn-
taja-tarn tokoro nari, geni su-mo ito omo-sirosi, ko-joi-no sora-
mo kokoro-hoso atvare-nari.
Er war an dem Meerufer Fuki-age in dem Reiche Ki-i
eingekehrt, und der Mond schien sehr lieblich. Dieses Meerufer
ist der Ort, von dem überliefert wurde, dass die Himmels-
menschen gewöhnlich zu ihm herniedersteigen und lustwandeln.
In der That ist der Werder sehr lieljlich. Der Himmel dieser
Nacht war in Verzagth<Mt traurig.
Die Wanderung eines j:i panischen Bonzen. 15
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v^^^y^yyub-
Jo-no fnkezu mama-ni kamo-no uwa-ki-no simo-ivo ntsi-faro
kaze-vio sora-sahisiute, tatsn famika-nite tomo-ivo john koje-mo,
sara-ni iü-heki kata-mo no aioare-nari.
Während es nicht spät in der Nacht war, war in dem
Winde, der den Reif der schwimmenden Lnft von Kamo weg-
fegte, der Himmel einsam, in der abgeschnittenen Ferne war
der Ton des Rufens der Gefährten wieder unaussprechlich
traurig.
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Sore nnranu sama-zama-no tori-domo, amata sn-saki-ni-mo
mnra-garete nakti-mo. kokoro-naki mi-ni-mn mcare-narn koto ka-
c/t7'i-nasi.
Allerlei Vögel, welche dieses nicht waren , sammelten
sich auf den vielen Werdern und Vorgebirgen in Scharon und
sangen. In seinem unschlüssigen Selbst war die Traurigkeit
grenzenlos.
Verse :
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Woto-nie kon ama-no fa-gornmo fiki-tsurete mnbe-mo fuge-
i-no ura-ni orm-ran.
\{j Pfizmaiei.
Indess das jung-c Mädclieu das gefrorene Kleid des Him-
mels mit sich zieht, wird es geziemender Weise an der Bucht
von Fuge-I verweilen.
y T i^ ^ u, -^ ^ y
T.suki-vo vmi-no omo-ni /adoreri(-wo, nmni-no sildri arb-ico
mite.
Er sah, wie der Mond auf der Oberfläche des Meeres
einkehrte, die Wellen unablässig ihn wuschen.
Verse :
)^ ^ y # b U 0 ^ -
" ■=• / y 7 ^ X ^i> m
Tsiiki-ni naml kakaru ori mata ariki jado fvge-i-no ura-
no ama-ni towa-baja.
An dem Monde hängen die Wellen, das Einkehrhaus,
wo er weilt und auch wandelt, die Bucht von Fuge-I, wird
leider den Himmel befragen.
^ 9 3 i- n h m
Nami ito aware-naru josi-vjo mata.
Die Wellen waren darum sehr traurig. Ferner :
Verse :
^'t)V7An^3llt
Nami-ni-mo are kakaru jo-no mata ara-ba koso mukasi-iuo
sireru fama-mo kotaje-me.
Die Wanderung eines japanischen Bonzen. 17
Wenn die Nacht, die durch die Wellen öde wird, nur
noch vorhanden ist, wird das Meerufer, das die Ver^ang'enheit
kennt, Antwort geben.
y. u t ^ ^ y 7 )iy ^ M pk
ly P y ° W ^ ^^ ° ly ~ -t
Fuki-age-no fama-nl tomarern.j jo fukfiku soko-ivo tatsn-ni,
nami-no tako mijure-ha.
Er war an dem Meerufer von Fuki-age eing-ekehrt. Tief
in der Nacht erschienen, indem sie abseits sich erhoben, die
Wellen hoch.
Verse :
)v y ^ ^ )v '$, ^ ^ 7 %
y^yzLirn-y^ky
Ame-no to-wo fnki-age-no fama-ni tatsu nami-wa joru saje
mijuru mono-ni-zo an-keru.
Die sich erhebenden Wellen an dem Meerufer des Empor-
blasens der Thüre des Himmels, es geschah, dass sie in der
Nacht immer nur sichtbar w^aren.
T 9 1J ^ T ^ ty
zy IV ^ y
Sisi-no se-jama-ni ne-taru jo, sika-no naku-wo kiki-te.
In der Nacht, wo er auf dem Berge des Hirschrückens
schlief, hörte er die Hirsche brüllen.
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Verse:
A^^y^y^)y^p
ymT7\U-jLAU
y^ty-ay^ij^v
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVIII. Bi. 1. Htt. 2
7
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4^
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Jg Pfizmaier.
Ukare-semu t.mma-no jukari-m se-no jama-no na-ioo tadzu-
nete ja sika-mo nakii-ramii.
Wenn mau Lei dem Wandel der künftig herumscliwei-
fenden Gattin den Namen des Rückenberges sucht, werden
die Hirsche brüllen.
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Iioa-siro-no no-ni ne-taru-jb, aru-jo aru-besi.
Wie er auf dem Felde von Iwa-siro schlief, wird es
Thatsache sein :
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musiih i-fazime-si.
Dass er den Wald von Iwa-siro gesucht, wird er leider
sagen. Die Fichten mehrerer Geschlechtsalter haben angefangen.
Flüchte zu trafen.
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Tsika-no ura-ni ko-isi firö tote,.
Was das Auflesen kleiner Steine an dem nahen Meerufer
betrifft :
Verse :
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Utsu nami-ni makasete-ioo min wäre ßrofu fama-ma-no
kazv.-ni ßto-vio manarazi.
Die Wanderung eines japanischen Himzen. 1 \)
Was man den schlag-enden Wellen vertraut, wei'de ieli
sehen, ich lese es auf. Die Zahl zwischen den Meerufern
übertreffen die Menschen nicht.
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Mina-hn-no fama-ni siri-tavu fito-no mi-jamn. jori kajeru-nl
ai-nu, onaziu-ioa moro-tomo-ni, mbde-tariiaje-kasi-fo ije-ha, Icajeru
00 sinohi-te, mosi-tamb-koto-mo koso are-to ije-ha, i-too-nusi nani-
koto-ni-ka aran, mono-utagai fadziimi-unari tote, firoi-taru kai-
100 te-ma sayuri-ni nage-jari-tare-ha, mono-aragai-to masaru naru.
An dem Meerufer von ]VHna-be traf ein bekannter Mensch,
indem er von dem erhabenen Berge zurückkehrte, mit ihm
zusammen. Jener sag-te: Mögest du zugleich und in meiner
Gesellschaft hinziehen. — Der zurückkehrende Mensch that
geheimnissvoll und sprach: Es geschehe nur, was du gesagt
hast. — AVeil I-wo-nusi, durch irgend etwas bewogen, zwei-
felte und seufzte, befühlte Jener eine autgelesene Muschel
zwischen den Händen und warf sie. Die abschlägige Antwort
hatte den Sieg davongetragen.
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Ko-na aragai-tamo-tote, kb-na-no kara-ioo nage-okose-tari,
mata nami-ni-mo ukabi-te utsi-joseraruru-wo, kare mi-tamaje iri-
imru iso-no-to ije-ba, kajerv fito kobicru fi-wa-to , kokoro-ari-
kmvo-ni ije-ha^ an-ziu-kimia-no onodzukara-to ije-ba, ura-ni-wa
fama-jü-to irafuru-ni, kasanete dani nasi-to koso-to ije-ba, kajeru
fito naka-naka-ni tote.
Um so eine abschlägige Antwort zu geben , hatte er
eine solche Muschelschale geworfen. Diese schwamm ferner |
auf den Wellen^ und als sie herangetrieben wurde, sprach
Jener: Siehe dort! Es ist das Ufer, wo sie eintritt. — Der
zurückkehrende Mensch sprach mit zuversichtliche)- Miene :
Es ist der Tag, der mir schmeichelt. — Jener sprach : Der
Uferdamm von An-ziu selbst. — Er willigte ein mit den Worten :
An der Bucht die Baumwolle des Meerufers. — Jener sprach
allein : Nur wiederholt ist nichts. — Der zurückkehrende Mensch
bejahte es.
Verse :
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Die Wanderung eines japanischen Bonzen. 21
Mo-shoo-gnsa nami-ica ndzwnn-to udzume-dhmo ija araware-
)n arawarenu-meri.
Die Salzpflanze des Hornblattes , wenn die Welle sie
begräbt, immerhin sie begräbt, indem sie zu sichtbar, scheint
es, ist sie nicht sichtbar.
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Die Entgegnung- I-wo-nusi's.
Verse :
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Mi-kuma-no-no ura-ni ki-josiirii nnre-ginii-no naki nn-tvo
susugu fodo-tn siranamn,.
Des an der Bucht von Mi-kuma-no ankommenden feuchten
Kleides vernichteten Namen in wie fern man reinwäscht, wird
man wissen.
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Nado i-l-te tatsi-mi, sara-ha mi-ja-ko-nite-to ije-ha, an-ziii
osafuru sode-no-to irafure-hri, ana-Jnjnsi-ja, uki-se-no jnma-vi /
nado i-i-fe tatsi-nu, joru firo-no mina-to-ni tomar'i-)vi^ ki-no mn-
22 Pfizmaier.
to-ni faicaso-no momidzi-site , kvori tsuktiri-te iri-fvsi'nuru-ni,
jo-)w ßiJairu mama-ni si-gu7'e isogasiu furu-ni.
Indem er so sagte, erhob er sich. Er sprach: Lebewohl!
In Mijako. — Jener bejahte mit den Worten: Der Aermel,
den der Vorgesetzte der Hütte niederdrückt. — Es ist sehr
vortrefflich! Auf dem Berge der schwimmenden Stromschnelle.
— Indem er so sagte, erhob er sich. In der Nacht hielt er
an der breiten Wasserthüre. Er baute an dem Stamme eines
Baumes aus dem Ulmenahorn eine Hütte, trat ein und legte
sich nieder. Als es spät in der Nacht war, fiel ein Platzregen
mit Hast hernieder.
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Itotosiku nagekaslki jo-ioo kami-na-dzuki jen-no ma-ni-mo
furu si-gure ka-na.
O sehr geliebte, begehrungswürdige Welt ! In dem götter-
losen Monate ist auch in dem Inneren des Lusthauses ein
Platzregen, der niederfällt. I
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Mi-jama-ni tsttkii fodo-ni, ki-no moto-goto-ni ta-muke-no
kamt oioo-kare-ha, midzn nomi-ni tomam ja.
Da es bei dem Eintreffen vor dem erhabenen Berge
unter jedem Baume viele speiscreichende Götter gab, war es
eine Nacht, in der er nur bei dem Wasser einkehrte.
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Die Wanderung eines japanischen Bonzen. '21}
Jorodzu jo-no kamt te-u kami-ni ta-nmke-si-tsn omoi-fo
omi)fn hoto-va narl-nan.
Man reichte den Göttern, welche die Götter der zehn-
tausend Geschlechtsalter genannt werden, Speise. Das Nach-
denken und Sinnen entsteht.
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äore-jori mi-ka-to iü fi, ml-jama-id tnuki-iiu, koko kasiko
meguri-te mire-ha, an-zit-domo ni-san-ßaku hakarl, tvono-ga omoi-
omoi-ni si-faru sama-mo ito okasl, sitasiü siri-taru fito-no moto-
ni iki'tare-ha, mino-ioo kosi-ni fusuma-no jo-id site, maro-ne-tri
ne-tari, jnja-tn ije-ha odoroki-te^ tokn iri-tamaje-to i-i-te ire-tsu.
Drei Tag'e nachher kam er auf dem ci-haljenen Berge
an. Als er hier und dort herumging- und hinblickte, waren
daselbst zwei bis dreihundert Hütten. Die Weise, Avie er sich
nachdenklich benahm, war sehr lächerlich. Als er zu dem
Wohnsitze eines von ihm genau gekannten Menschen ging,
warf er den Strohmantel nach Art eines Mantels über die
Hüften und legte sich geradezu schlafen. Er rief: Gut! —
Jener erschrack und sagte: Mögest du schnell einti-etcn. —
Hiermit Hess er ihn eintreten.
24 Pfizmaier.
Owon-aruzi sen tote, isi-faziki ke-no owoki-sa naru, imo-no
kasira wodori-idete, Ja-ka-sii, kore-zo imo-no fawa-to ije-ha, sa-
fatsi-no ama-saja aran-to ije-ha, ßto-no ko-ni kvicase-me-to i-ite
sei-mei siire-ha, säte kane-iite-ba tni-do-je ma-iri-nu.
Weil er der Gebieter des Festes der grossen Zusammen-
kunft sein wollte^ sprang in dem Bretspiel ein Yamknollen
von der Grösse des Feldes heraus und bildete acht Tage. Er
sagte: Dieses ist die Mutter der Yamwurzeln. — Jener sprach:
Es wird die süsse Schote der Schüssel sein. — Er sprach:
Ich werde damit die Söhne der Menschen speisen. — Dabei
beschwoi- er den Vertrag. Als endlich die Glocke schlug, begab
er sich zu der Versammlung in der erhabenen Halle.
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Kasira ßki-tsufsmni-te mino ntsi-ki-tsntsu , koko-kasiko-ni
kazu slrazH mode atsnmari-te, rei-si-fatete makari-idzuru-ni asu-
wa kami-no jnmi-fari maje-ni todomaru-mo ari.
Die Wandeiung eines japanischen Bonzen. 25
Er wickelte das Haupt ein und kleiidete sich in den
Stt'ohmantel. Indem er hier und dort, er wusste niclit wie oft,
zusammen hinging, endete die Feier und er trat hinaus. Vor
dem ersten Mondviertel, das morgen war, hielt er inni;,
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Rai-douo naka-no fdsi-no moto-ni, mivo utsi-ki-tfiutsii sinohi-
jaka-ni kawo ßki-ire-tsutsu ani-mo ari, nukadzuki-tara-ni jomn-
mo ari, sama-zama-ni kiki-mk'nkn, arawa-ni sofo kiku-mo ari.
Es geschah, dass er an dem Fusse der Treppe der Halle
der Verehrung in den Strohmantel gekleidet war, dass er ver-
stohlen das Angesicht einführte. Es geschah, dass er, mit der
Stirne den Boden berührend, Lieder hersagte. Es geschah,
dass, wenn etwas auf allerlei Weise dem Ohre zuwider war,
er offenbar es äusserlich hörte.
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Kaku-te safurafu fodo-ni, simo-tsuki-no mi-fa-kb-ni nari-
nv, fiono ari-sama tsime-narazu moare-ni totosi, fa-ko fatete-no
asita-ni am fito ko i-i-wowosi-se-tari.
Indem er dergestalt Dienste leistete, wurde es das im
Reifmonate stattfindende Fest der acht Erklärungen. Dessen
Begehung war von ungewöhnlicher Traurigkeit und ehrwürdig.
26 P fi z m a i e r.
An dem Morgen, wo die acht Erklärungen zu Ende waren,
versuchte sich ein Mensch auf folgende Weise in Worten.
Verse :
Woroka-naru kokoro-no jami-ni onatoi-tsntsn uki-jo-ui megii-
ru loaga mi fsurasi-na.
Während ich in der Finsterniss des thörichten Herzens
getäuscht werde, bin ich, der ich in der vergänglichen Welt
umherziehe, sorgenvoll.
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I-wo-niisi-mo kono koto-ivo matsu-nl, db-sin-wo fotoke-no
cjotosi-to omo.
Indess I-wo-nusi auf diese Sache wartete, glaubte er, dass
das Herz des Weges demjenigen Buddha's gleich.
Verse :
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Siro-taje-no tsuki mala idete terasanamu kaki-naru juma-no
oku-ni iru-to-mo.
Der 1)lendend weisse Mond wird noch hervorkommen und
leuchten. Er tritt in das Innere des Gebirges, das eine Mauer ist.
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Maid tosi-goro ije-ni tsnlmsem, koto-wo kuite.
Ferner bereute er, was er seit Jahren in dem Hause zu
Ende gebi'acht.
Uie Wantleiuii!» eines japanischen Bonzen Zi
Verse :
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Tama-no wo-mo mnsuhv kokoro-no ura-mo nakv utsi-tokete
iiomi sugnsi-tsuru-ka-na.
Die Schnur der Edelsteine hat innerlich nicht die Absicht
zu Icnüpfen. Nur gelassen dringt sie durch und setzt sich fort.
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Sate safnyafu fodo-ni , simo-tmki-no fata-ka-no fodo-no
asu maga-te nan-tote, wotonasi-gawa-no tsura-ni asohe-ha , fito
Hibasi safurai-tamaje-knsi, knmi-mo juriisi kikoje-tamaivasi nado
iü fodo-ni, kasira siroki karasu ari-te.
Indem er endlich diente, vergnügte er sich, weil der
morgende Tag um die Zeit des zwanzigsten Tages des Reif-
monats Unglück hatte, auf der Fläche des grossjährigen Flusses.
Die Menschen sagten unter anderem: Mögest du nach einiger
Zeit Dienste leisten. Die Götter erlauben es und hören. —
Es gab um die Zeit einen Raben mit weissem Haupte.
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28 Pfizmaier.
Joma-rjarasn kasira-mo siroku nari-ni-ken ivaga hajeru-
heki toki-ja ki-mi-ran.
Der Bergrabe ist von Haupt weiss geworden. Die Zeit,
wo ich zurückkehren kann, wird wohl gekommen sein.
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fasiri-fatameku-ico tori-te mire-ha, muro-no aruzi, kono jama-wa
fo-takv fi-keM ari-te , fata-fata-to-zo mosu-to ije-hn , taki ko-e
naran-to i-ite tatsi-nu, säte mi-fune-sima-fo iü su-nüe.
Als er endlich zu einem Hause der Menschen ging,
brannten die Menschen den Thujabaum, wobei sie liefen und
lärmten. Er nahm das Holz und betrachtete es. Der Wirth
des Hauses sprach: Aul" diesem Berge befindet sich ein ge-
heimer Schlüssel der Räucherung, und man meldet es iinter
Lärm. — Jener sprach : Es wird das Geräusch des Brennens
sein. — Hiermit erhob er sich. Zuletzt war es ein Werder,
der „die Insel des erhabenen Schiffes" hiess.
Verse :
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Jama-no oni tare smuo sasi-te mi-fune-sima kanu'-nn fmnnri-
ni koto josase-kenm.
Die Wanderung eines japanischen Bonzen. 29
Von den Dämunen des Berg-es zeigt eijier mit der Stange.
Bei dem Einkehrhause der Gotter der Insel des erhabenen
.Scliiifes bringt er die Sache an.
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Ta-da-no jama-no taki-no moto-nite.
Es war unter dem Wasserfalle des Berges Ta-da.
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Na-ni takahu fajaku jori-ki-si taki-no ito-ni jo-jo-no tsigi-
ri-wo nmsuhi-tsuru-ka-7ia.
An den Faden des dem Namen nach hoch und schnell
herank(nnmenden Wasserfalles knüpft man die Vereinbarung
vieler öeschlechtsalter.
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Kono jama-no ari-sama , fito-ni tü-heki-m arazu aware-nt
totosi, kajeru tote soko-ni, kai ßro tote sode-no rmre-kere-ha.
Das Aussehen dieses Berges war auf eine für die Men-
schen unaussprechliche Weise traurig ehrwürdig. Indem er bei
der Rückkehr von dem Boden eine Muschel auflas, wurde sein
Aermel benetzt.
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Fudzi-goromo nngisa-ni josttru utsu-se-gai ßrofii famofo-tva
katau-zo nure-kerii.
Indess man das Flachskleid an den Strand drückt und
die liulilrückige Muschel aufliest, wird der Aermel überdies
befeuchtet.
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Kono fama-no ßto , fana-no iwa-ja-no moto-made tsnki-nu,
mire-ha jagate , iwa-ja-no jama narn naka-tvo ugatsi-te, kio-ico
kome-keri-taru nari-keri, kore-wa yni-roku-hut-no ide-tamawan
jo-ni, tori-ide-tate-matsuran-to suru kio nari.
Die Menschen dieses Meerufers g'clang'ten bis zu dem
Fusse des Felsenhauses der Blumen. Als sie hinblickten,
durchbohrten sie sogleich die Mitte, welche der Berg des Felsen-
hauses ist, und legten heilige Bücher hinein. Es sind dieses
die heiligen Bücher, die man in dem Zeitalter, wo Mi-roku
Buddha hervorkommen wollte, zu nehmen und auf die Reise
mitzugeben die Absicht hatte.
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Dil? Wanderung eines japanischen Bonzen. q1
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Ten-nin tsunt-ni kudari-tK, ku-jl» .si-keru-to iü, ki-ni mi-
kere-ha, kono jo-ni ni-tam tokoro-ni-mo urazu, so-to-ha-no koke-
ni utsu-viore-tarn nado uri, kfd<noara-ni wb-zi-no iiva-ja-to iü
ari^ tada matsu-no kagiri aru jama nari, sono naka-ni ito koki
momidzi-domo ari^ onuke-ni kaml-no jama-to mijit.
Als er mit dem Geiste den Ort sah^, von dem man sagte,
dass die Himmelsmenschen gewöhnlich zu ihm herabgestiegen
und Pflege angeboten, war es kein Ort, der dieser Welt glich.
Es war etwas, das von dem Moose von So-to-ba hohl erfüllt
worden. Zur Seite befand sich das sogenannte Felsenhaus des
Königssohnes. Es ist der Berg, der blos die Grenze der Fichten
hat. Auf dessen Mitte befinden sich sehr liebliche Ahornbäume.
Gegenüber sieht man den Berg der Götter.
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Nori-no komete tatsa-no tsubasa-ioo matsu fodo-wa aki-no
na-gori-zo fisasi-kan-kevK.
Indess ich die Vorschrift einbringe und auf die Schwingen
des Drachen warte, ist es längst das Ende des Herbstes ge-
worden.
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Jü-fi-ni iro masari-te irni-sikit wokasl.
In der Abendsonne herrschte die Farbe vor, und ci über-
trat vielfältig. ''
Verse ;
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32 Pfizmaier.
Kokoro-aru ari-ma-no nra-no ura-kaze-wa waki-te M-no fa-
mo nokosu ari-keri.
Der beherzte Buchtwind der Bucht von Ari-ma theilt und
lässt die Blätter des Baumes übrig-.
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Ten-nin-no ori-te ku-jb-si-keru-wo omoi-te.
Er p-edachte, dass die Himmelsmenschen verweilten und
Fliege angedeihen Hessen.
Verse :
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Avia-fsu fito nomvo-wo nadzurn tamoto-ni-ja nori-no tsiri-
wo-ha titsi-fai 'afu-i -amu.
Die Himmelsmenschen werden mit dem die Felsenwände
berührenden Aerniel den Staub der Vorschrift w^egfegen.
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y\)'^pi^^h^y +
^ -y M.7 ^m^v =. y ^ %
Jo-so-tsimari kokono-tsti in-no itoa-ja-no moto-ui itaru jo,
juki-no hnlHtü fnri^ kaze wari-nakv. fuke-ha.
In der Naclit, wo er an den Fuss des Felsenhauses der
neun und vierzig- ummauerten Gebäude kam, hei »Schnee in
Menge, und der Wind blies unaufhörlich.
Verse :
Die Wanderung eines japanischen Bonzen. 33
Ura-kaze-ni icaga loke-goromo fosi-icabi-^e mi-ni furi-tsu-
morn jo-naka-no jukl-ka-na.
lu dem Buchtwind indess ich mein Mooskleid trockne
und laut bete, häuft sich, an dem Leibe niederfallend, der
mitternächtliche Schnee.
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Tate-ga saki-to in tokoro ari, kari-no tatakai-si-taru tokoro
tote, tate-tco tsui-taru Jb-naru iivaioo-domo ari.
Daselbst befindet sich ein Ort, der das Vorgebirge der
Schilde heisst. Da es ein Ort ist, wo zum Scheine gekämpft
wird, gibt es Felsenwände, die aussehen, als ob Schilde an-
gelegt wären.
Verse :
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Utsii-nami-ni mitsi kuru siwo-no tatakafu-ivo tate-ga saki-
to-wa iü-ni-zo ari-keru.
Dort wo in schlagenden Wellen die voll herankommende
Salzfluth kämpft, hat man den Namen des Voi'gebirges der
Schilde gegeben.
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SiUb. (1. i.bil.-hist. Cl. LXVIll. Ud. 1 1111. 3
34 Pfizraaier.
I-se-no Jami-nite siwo-no fi-taru, fodo-ni, mi-watari-to in
fama-wo sngimu tote, jo-naka-mo oki-te kuru-ni mitsi-mo mijene-
ha, matsu-hara-no naka-ni tomari-nu , säte jo-no ake-ni kere-ha.
Weil in dem Reiche Ise die Salzfluth Ebbe hatte,
wollte er an dem Meerufer, das die erhabene Ueberfahrt hiess,
vorüberg-ehen. Da er dess wegen um Mitternacht nach dem
Gesetze herankam und auch der Weg nicht sichtbar war,
kehrte er in einem Fichtenwalde ein. Endlich war es um Tages-
anbruch.
Verse :
Jo-too komete isogi tsure-domo matsu-no ne-ni makura-ioo
site-mo akasi-tsuru-ka-na.
Obgleich die Nacht einschliessend und Eile habend, be-
reitete er sich an den Wurzeln der Fichten ein Kopfkissen
und verbrachte die Nacht bis zum Morgen.
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Afv-saka koje-sife jasnmu fodo-ni, Juki vtsi-ßo-i. iiado .^u,
mono-no kokoro-hoso-kere-ha , nara-no jama-ni tomari namasi-
mona-v-o, lilzKfsl fnfc iaoyi-tsurau nado omo fodo-ni, ki-ai.-tdrit
Die WaiiJuiuiiu eines japiiiiiscbeu Hoiizon. 3ö
fito, ikade seki-ica hoje-sase-tamai-tsurn-zo n<ido iü-ni tsugete lo
ohoju.
Indem er nach dem Ueberschreiton der Bcrgtroppo ^'(m
Atu ausruhte, schneite es heftig-. Als die Wesen zaghaft wui'deu,
kehrte er auf dem Berge von Nara ein. Indess er von den
rohen Wesen glaubte, dass sie irgend eines Ortes willen Eile
haben würden, sagten ihm die begegnenden Menschen, wie, er
den Grenzpass übersciiritten habe. Sie meldeten es und er-
innerten sich auf diese Weise.
Verse :
Juki-to miru mi-no nki kara-ni afn-saka-iio seki-mo ajenu-
wa namida nari-keri.
Was ich für Schnee ansah, ist, als mit des Leibes ver-
gänglichem (lliederbaue die Bergtreppe von Afu nicht zusam-
mentraf, zu Thränen geworden.
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To kolaje-iiu, tsidsumi-no moto-nite kio-goku-vo in-)io fsiii-
dzi kiidzitre, muma ^(si iri-fafsi mnsume-domo nado kastivo kite,
koi-ku utsi-arikii-wo miril-ni, koto-no owase-si toki omoi-mcasera-
rete^ nmco jo-)io naka kanasi-ja nado omo.
Dieses antwortete er. An dem Fusse des Dammes stürzte;
die Ringmauer des Klosters von Kio-goku. Pferde nud b'iiulci-
36 Pfiz maier. Die Wanderung eines japanischen Bonzen.
traten ein. Als er sah, wie Mädchen, mit Sonnenschirmen
bedeckt, liebreizend einherwandelten, wm-de in seinen Gedanken
die Zeit zusammeng-efasst , wo die Sache so bleiben würde,
und er dachte noch mehr darüber nach, wie traurig- es in der
Welt ist.
Verse :
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Ki-ni-zo jo-wa kamo-no kawa-nami tatsi-matsi-ni futsi-mo
se-ni naru mono-wa ari-keri.
Für den Geist ist die Welt das Wallen des Flusses Kamo.
Plötzlich geschieht es, dass der Abgrund der Wasser zur Strom-
schnelle wdrd.
IV
Nado miru koto-no, ki kusa-ni tsugete iware-keru.
Die Ding-e, die er sah, wurden den Bäumen und Pflanzen
gemeldet und so ausgesprochen.
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Schulte. Summa Decrpti Lipsiensis. 37
Die Summa Decreti Lipsiensis des Cod. 9(Sß
der Leipziger Universitätsbibliothek.
Von
Dr. Joh. Friedrich Ritter von Schulte,
ord. Prof. der Rechte in Prag.
1.
L'er Codex niini. ^(SH in Folio der Leipziger Univ. Bibl.
träg't auf dem alten Vorsetzblatte folg-enden Vermerk :
jAnno domini M.CC.XXXIX. Theodericus scriptor civis
hallensis pro remedio an i nie sue hanc sumniam super de-
creta domui lipzen. contulit sub hac forma. 8i aliqnis
iiliorum suorum factus adultus in studio voluerit operam
dare iuri. libros istos recipiet datis domui quinque marcis.'
Dass dieser Vermerk 1239 geschrieben ist, kann nach der
.Schrift keinem Zweifel unterliegen. Auf dem zweiten Blatte,
erste Seite unten, steht von einer gleich alten Hand:
jlibeR fratruiu predicatorum in lypzk.'
Das Pergament ist dick und ziemlich gelblich; das Werk um-
fasst 289 (eigentlich 288, denn 144 ist übersprungen) BLätter,
endigt auf der ersten Seite von f. 289 mit dem : ,E x p 1 i c i t
hoc opus.^ Die Schrift, in je 2 Columnen mit je 45 Zeilen
gehört dem Anfange des XIII. Jahrhunderts an, ist sehr leser-
lich und sauber; die Initia der Capitel bez. Citate meist roth
unterstrichen, die Initialen der Capitelanfänge abwechselnd roth
und blau; das h in humanuni von Goldplättchen ; selten ist
eine Initiale nicht colorirt. Es fehlt jede Ueberschrift.
Vorrede. Sie beginnt: ,Omnis qui iuste judicat, stateram
in manu gestat, in utroque penso misericordiam et justitiam
38 Schulte.
portal. Haec sunt, quae dignissimuin tenent locum in judiciis,
quao pulchrius et evidentius apparent in judicibus. Cum his
liabitis qiii lig-atur nee queri possit de injustitia nee praeten-
dere indementiam. His duobus si tertiuni adjimgatur seil, scien-
tia nihil reprehensione dig-num üet a judieante, euni etiam
instruitur, quam prudenter singula debent inquiri ante senten-
tiam' eet., geht dann auf die Arten der Gesetze ein, setzt zu-
letzt auseinander die materia, utilitas, die Eintheilung- und den
modus tractandi des Decrets. Sie ist nach der von Johannes
Faventinus g^earbeitet, aus welcher sie verschiedene Stellen
wörtlich entnommen hat.
3.
Pars I. endigt auf Fol. 84" in der 2. Spalte wie bei Joh.
Faventinus mit den Worten: ,Hactenus. exornatione rheto-
rica utitur, quae dicitur transitio , qua continuantur dicta di-
cendis et diccnda dictis,' Causa I. beginnt sofort, wie bei
Joh. Fav. nach Ruiinus mit den Worten: ,Q,uidam etc. quia
sunt tria, quae ecclesiasticae conditionis religio movetur [lege:
circa quae ecclesiasticae religionis conditio] : ministeria, ofhcio-
rum negotia, rerum sacramenta spiritualium.' Auf Fol. 230''
hört C.XXVI. auf. Die Blätter 212 — 230 tragen eine andere
Schrift; sie ist viel grösser, mit schwärzerer Tinte, lässt oben
die Buchstaben als Pfeill)uchstaben über die Linie treten.
Causa XXVII. mit Fol. 231" beginnend, hat die Einleitung von
Joh. Faventinus: ,Juxta duo genera hominum duo constat
esse genera negotiorum , aliae namque causae inter clericos,
aliae inter laicos versantur' . . . C.XXXVI. endigt Fol. 270"
erste Spalte mit den Worten : , . . ut videlicet raptor cum rapta
coniugio copulantur non inter sc sed cum aliis quamvis et
raptae et patris i'aptae sequatur consensus. ab initio enim ra-
pinae eam sibi adeo illicitam fecit, ut postea cum ea coutra-
here non possit.^ Pars III. von Fol. 270"— 289" zweite Spalte
beginnt: ,De ecclesiarum consecratione. Jure canonico tripli-
citer regitur ecclesia dei et informatur, ut diximus in principio
libri. Docetur . .' und endigt: ,significatio id est signiticat
spii'itum sanctum, id est: est Spiritus sanctus significatus.' ,Ex-
plicit hoc opus.' Der Tractatus de poenitentia hat
Summa Decreti Lipsiensis. 39
Fol. 255^ nicht eine ganze Sj)tiltc erhalten; 'es wird nui' der
Inhalt der Distinctionen angegeben.
Betrachtet man den Umfang, welchen der Apparat zu den
einzelnen Theilen einnimmt, so ist, wie bei Joh. Faventinus
und den meisten Aeltern der Pars I. etwas mehr als ein Drittel
zugewiesen, der P. II. etwas über die Hälfte , dem Eherechte
etwas über ein Siebentel (Joh. Fav. ^j^), der P. III. etwas
über ein Fünfzehntel, während Joh. Fav. ihr nur '/j^ einräumt.
Fassen wir den Charakter des Apparates ins Auge, so
darf man zunächst sagen, dass er zui- Summa des Johannes
von Faenza in einem ähnlichen Verhältnisse steht, wie diese
zu den Summen des Stephan von Tournay und Rufinus.
Wie Johannes diese beiden, am meisten Stephan, so sehr be-
nutzt hat, dass er durchgehends sein Werk denselben wört-
lich entnommen hat, indem er bald ganze Partien abschreibt,
bald mit der Aufnahme von Sätzen aus ihnen abwechselt ', in
gleicher Weise verfährt diese Summe. Sie entnimmt ganze
Materien wörtlich aus der des J(jhannes, insbesondere jene,
welche allgemeine Erörterungen enthalten, z. B. die über Pi-o-
zess C. II. q. 1., Dispensen C. IL q. 7., Infamie IL q. 4.,
Appellation, Arten der Sachen, Präscription, Patronat, Sacrileg,
die Einleitung zum Eherecht, die Theorie über die Berechnung
der Verwandtschaft und Schwägerschaft, welche 6 Spalten
(Fol. 258''— 260") füllt, die Theorie über die Materie der Sa-
cramente zu C. 27. q. 2., die Erklärung des arbor cons. et äff.
u. dgl. m. Ebenso sind unzählige Ei'klärungen einzelner Ca-
pitel wörtlich aufgenommen. Man darf daher behaupten : was
nach irgend einer Richtung in der Summa des Johannes von
Bedeutung ist, hat er entnommen, so dass jene durch diese
ziemlich ersetzt wird. IMan könnte aber im Hinblicke auf die
späteren Erörterungen und den bald hervorzuhebenden Um-
stand, dass er Johannes so oft anführt, anzunehmen versucht
sein, er habe Rufin und Stephan unmittelbar in ähnlicher
1 Dies liat zuerst hprvnro-oliol)«! Muas.sen Peaucapalea S. 11; s. ancli
meine Reclitshandschriftcn S. 586. Wie selten Johannes seine Quelle
angibt, beweisen die von mir a. a. 0. nachgewiesenen Citate.
40 Schulte.
Weise beniitzt, als Johannes. Indessen halte ich dies für nicht
zutreffend, aus folgenden Gründen. Erstens nimmt er oft wört-
lich alle Erörterungen zu einer Distinction u. s. w. auf, wie sie
Johannes hat, was für diese Theile jene Annahme ausschliesst.
Zweitens ist ihm offenbar die Summe des Johannes die ste-
hende Summe. Dies ergibt sich daraus, dass er mit sehr
wenigen Ausnahmen die Historiae auslässt, aber jedesmal,
wo Johannes eine solche hat, darauf mit der Bemerkung ver-
weist: ,Tangit historiam', wobei selten noch etwa die Stelle
der Bibel citirt wird. Solches hatte nur einen Sinn, wenn ein
bekanntes Werk alle diese historiae enthielt. Das war eben
Johannes Summe. Drittens hatte er in dem ihm, wie sich
zeigen wird, bekannten Simon deBisiniano ein Vorbild, in-
dem auch dieser die Summe des Johannes regelmässig allein
benutzt. Zugleich dürfte dieser Vorgang beweisen, dass die
Summe des Johannes allmälig vorzugsweise als eine anerkannte
Summe galt. Ein Blick in des Huguccio Summe lehrt ein
Gleiches. Uebrigens hässt sich annehmen , dass unser Autor
Rufin und Stephan gekannt hat.
5.
Trotz der gleichen Compilationsmethode, die man heutigen
Tages als eine plagiatorische bezeichnen müsste , weicht aber
unsere Summe von der des Johannes bedeutend auch in der
Art der Aufnahme ab. Zwar heisst es unzähligemalen ,qui-
dam dicunt', ,alii dicunt', wenngleich das Angeführte wört-
lich bei Johannes steht. Aber dieser wird nicht blos ein paar-
mal citirt, sondern nach meinen Notaten auf einundfünfzig
Seiten und auf vielen wiederholt, bald blos mit ,secundum
Jo.', ,Jo. dicit' u. dgl., bald auch ,in summa Jo.''. Den
Zusatz Faventinus habe ich nirgends gefunden. Weil aber
alle Stellen, zu welchen Johannes angeführt wird, in dessen
Summe stehen (ich habe sie sämmtlich im Cod. Bamb. P. II.
27 nachgesehen), so ist ausser Zweifel, dass mit .To. nur Jo-
hannes von Faenza gemeint ist.
1 z. B. zu c. 1. D. 1. .qu;ie habeiitur in summa .Jo.' fol. 8". f. SO". ,ut
in summa Jo. dicitur.' f. 252" , ,solutiones tameii ponuntur in summa
Jdh'is",
•Summa Uecreti Lir^iensis.
41
Von Johannes hat er aber niclit ])l()s die! Summe g;ekannt,
sondern auch dessen Glossen. Zum Beweise dafür setze ich
aus der Summe eine Stelle her und lasse daneben aus einer
Trierer Handschrift des Decrets eine Glosse abdrucken.
Cod. Lips. 986 fol. löS'' :
ad c. 11. fraternitas
C.XII. q. 2. ,Jo. di-
cit in iiota sua, quod
non excludit hie poenas
legitimas, quae conti-
nentur in contrariis, sed
augmentum quod pe-
tebant quidam in re-
compensationem damni
absentiae rei seil, ut
praeter furti poenam
pro sublatis per men-
sem equis tantum ec-
clesiae conferat, quan-
tum commodi per idem
tempus eisdem equis
ecclesia consequi po-
tuisset, et ita ordinat
litteram: absit ut ec-
clesia recipiat cum
augmento, quod aug-
mentum videtur terre-
nis rebus amittere per
absentiamearum rerum
et dam nis seil, tali-
bus lucra quaerere,
quia hierum usura-
rium esset. Sed haec
expositio non videtur
congrua/ j
In dei- Summe des Johannes steht nichts von dieser Er-
örterung. Uebrigens sind noch verschiedene Stellen der Glosse
Cod. Trevir. 906.
jHinc argue, quod legitimam poenam
dupli vel quadrupli vel quae in triphuu
aut novies tantum excrescit ab his qui
solvendo sunt exigi noluit secundum
qualitatem furti nee manifesti vel mani-
festi et violatae emunitatis ecclesiasti-
cae vel rapinae vel effracturae, quae
fit in locum venerabilem ut obtinetur
ex his cap. supra di LXXXVIIII. de-
center et s. C. prox. et infra XVII.
q. IUI. quisquis. Nee obviat quod
sequitur : absit ut ecclesia etc. ibi enim
non removet legitimas poenas sed au-
gmentum quod petebant quidam in re-
compensationem damni et absentiae
rerum seil, ut praeter furti prenam pro
sublatis per mensem equis tantum ec-
clesiae conferat^ quantum commodi per
idem tempus ex eisdem aquis ecclesia
consequi potuisset. Sic constitue: Ab-
sit ut e. rec. ea quae furto eccle-
siis abstulerunt cum eo subaudi au-
gmento, quod augm. de t. re. videtur
am it. per absentiam seil, earum rerum
et damnis seil, talibus lucra quae-
rere quia usurarium lucrum esset. Jo.'
42 Schulte.
des Johannes entnommen; sie einzeln nachzuweisen ist offen-
bar unnöthig '.
Merkwürdigerweise gibt sich unser Autor trotz der colos-
salen Benutzung von Johannes nicht gerade als seinen An-
hänger zu erkennen, weil er ihn nicht nur wiederholt, wie
schon die angeführte Stelle beweist, kritisirt, sondern sich in
einen gewissen Gegensatz zu ihm stellt, wenn er sagt:
zu c. 29. D.IV. de cons. Fol. 283'\ ,ex quibus videtur,
sicut magistro Jo. et sequacibus suis.'
C. XXX. q. 4. Fol. 242"". ,Jo. et eius sequaces dicunt
ita.'
Viele Citate bezwecken lediglich dessen Meinung zu wider-
legen, z. B. die Fol. 80", löS", 176'' und die drei zuletzt an-
gefühi'ten nebst andern. Mir scheint, das öftere und ausdrück-
liche Citiren von Johannes hat vorzüglich darin seinen Grund,
dass er solche Stellen als dessen eigene Meinung an-
führt, Avährend er die stillschweigend herübergenommenen als
von Anderen herrührend gewissermassen als literarisches Ge-
meingut ansieht. Bei vielen Stellen trifft dies unbedingt zu,
um so mehr, als eben Johannes den grössten Theil seines
Werkes lediglich conipilirt hat, ebenso Ruiin und Stephan aus
Paucapalea und Rolandus entlehnen. Da ich aber für diesen
Zweck nicht alle Stellen verglichen habe, noch auch ver-
gleichen konnte, indem ich nur von einigen Werken selbst
gemachte Copien besitze, die anderen nicht mehr zur Hand
habe, will ich meine Ansicht nicht als eine sichere hinstellen.
6.
Neben Johannes ruhet diese Summe vorzüglich auf der
des Gandulphus. Wie weit aber dieser Canonist dem Autor
Material geliefert hat, kann ich nicht sagen, weil dessen Summe
mir bisher nicht bekannt geworden ist und ich eben so wenig
' Maassen, Beiträge S. 27, orwälint schon, dass Cod. lat. Monac. 10244
(Pal. M. 244) Glossen des Joh. Fav. enthalte und auch Hnguccio solche
anführe. Ich kenne verschiedene Handschriften des Decrets, welche die
Glosse des Joii. Fav. haben, die meisten Cod. Trevirensis (Stadtbibl.)
906, mhr Fol. s. XIII., dann Banib. P. I. 16. mbr. Fol. s. XIII. Er-
sterer ist für die Glossen des Decrets einer der wichtigsten;, ich habe iiiu
eingehend untersucht.
Snmina Docroti Ijipsiensis. 4o
eine Notiz bei anderen üLer sie gefunden habe. Wohl kenne
ich Ghissen desselben aus verschiedenen Handschriften; diese
genügen aber nicht, um hier ein Urtheil abzugeben. Sei dem,
wie ihm wolle, der grosse Einfluss, des Gandulphus auf
unsere Summe ergibt sich aus folgenden Punkten :
1. aus der Menge der namentlichen Citate aus ihm. Ab-
gesehen von achtzehn Anführungen in der Pars III. wird er
auf sechs und vierzig Seiten citirt, oft auf einer drei, vier-
mal. Die Citate sind durchweg: ,secundum G.', ,G. dicit^,
,ut G. dicit', ,G. contradicit' und dgl. niemals wird eine summa
oder dergleichen citirt, so dass man aus diesem Werke nicht
entnehmen kann, ob eine Summe oder Glossen gemeint sind.
Dass ersteres stattfinden kann, beweist, dass auch bei den
Citaten aus Johannes nur selten die summa citirt wird, obwohl
sie meist gemeint ist.
2. Sehr oft ist es die Meinung des Gandulphus, welcher
er beipflichtet; bei schwierigen Materien und Controverseu
wird regelmässig G citirt.
3. Gandulphus wird gerade im Gegensatze zu Johannes
mit Vorliebe citirt, da an vielen Stellen erst des Johannes
Meinung, sodann die des letzteren citirt und angenommen wird.
Gleichwohl sieht er auch ihn nicht als Lehrer an, da er
F. 89'' sagt: ,secundum G. et alios, qui cum sequuntur.'
Dass alle Citate mit G auf Gandulphus gehen ist ausser
Zweifel, weil für verschiedene Stellen anderwärtsher dessen
Autorschaft sicher ist. Zugleich ergibt sich aber aus der ein-
gehenden Benutzung desselben in dieser Summe, bei Huguccio
und in der ordinaria glossa, dass er von Einfluss gewesen ist,
weshalb ich die gegentheilige Aeusserung in meinem Lehrbuche
2. Aufl. Seite 43 zurücknehme. lieber die Lebensverhältnisse
von Gandulphus sowie über die genauere Zeitbestimmung
seiner Wirksamkeit wissen wir bisher nichts. Sarti I. pag. 295
fertigt ihn mit 8 Zeilen nach Diplovataccius ab, welche
lediglich seine Verlegenheit beweisen. In unserer Summe heisst
es nun zu C. 2. D.LIV. , wo die Frage über die Anwendbar-
keit des Privilegium canonis (C.XVII. q. IV. C. 29.) auf
Deponirte u. s. w. erörtert wird:
,FIoc videtur mihi potius dicendum, ut seil, non sit ex-
C(jmmunicatus, qui in takis nianus iniicit, licet omnes fere
44 Schulte.
contradicant. Magistei- tarnen G Coventronsis epis-
copus dixit, quod nee ordinem habent tales ; sed ulterius
processit, quam debuit, ut dicunt quidam , potuit enim
concessisse, ut ordinem haberent, non tamen ut privi-
legimn/
Ich habe bei Wharton, Buleus u. a. nichts über Gan-
dulphus g-efunden. Im J. 1193 steht ein Bischof Hugo von
Coventry urkundlich fest. Vgl. die Orig. Werk. num. 412 in
Inventaire et documents. Lavettes du tresor des chartes
par Alex Teulet. Par. 1863 4. page 176^ An der Richtig-
keit der Angabe in unserer Summe ist gewiss nicht zu
zweifeln.
7.
Ausser den beiden genannten kennt und benutzt er:
1. Cardin alis. Von ihm führt er im Eherechte eine
Anzahl von Glossen an, z. B. Fol. 235^ zu c. 17. C. 27. q. 2.
,nuptiale ministerium i. e. nuptialis afFectus; non enim de
carnali copula potest intelligi, cum de quadam concabina lo-
quatur. C Wörtlich hat diese Glosse mit der Sigle C. der
-Cod. Trevir. 90<i, ebenso der Innsbrucker Cod. N. 90. und
auch Huguccio citirt sie mit vollem Namen. F. 234'' c. 8. ib.
,C. dicit cum iniciatur i. e. cum consecratur^ Fol. 236'' zu c.
35. ibid. ,cum iniciatur id est consecratur. C. vel initiatur i. e.
inchoatur' welche ebenfalls Cod. Oenip. und Huguccio dem
Cardinalis zuschreiben.
Gegen zwanzig andere Glossen mit der Sigle c. stehen
geradeso im Cod. Trevir. Dass unser Autor unmittelbar
schöpfte, beAveist erstens, dass Johannes nur einige dieser
Glossen benutzt hat, zweitens, dass unsere Summe die Sigle
beisetzt und so spricht, dass die Benutzung einer Handschrift
mit solchen Glossen schon daraus ersichtlich ist. Auch für
den Cardinalis kann ich beweisen, dass er an anderen Stellen
ebenfalls benutzt wurde, als den mit seiner Sigle versehenen.
2. Simon de Bisiniano. Wörtlich steht in unserer
Summa mit Ausschluss solcher Aenderungen, welche bedingt
waren durch das Anführen fremder Meinungen, die in meinem
ersten Beitrage Seite 26 ff. abgedruckte Stelle zu c. 26. C.XVI.
q. 7., Fol. 256" die daselbst S. 39 zu c. 7. C. 33. q. 4.,
Summa Decreti Lipsiensis. 45
welche beide Joli. Fav. ebenfalls nicht hat. * Ebeusu hat er
Fol. 206'' die S. 35 abg-edruckte Stelle zu c. 14. C. 22. q. 5
vor Augen gehabt, aus der der Passus ,nam sec. lomb ....
punietur' wörtlich steht, sodanu Fol. 252'', was Simon zu c. ] 8.
C. 32. q. 7. sagt, Fol. 283'' zu C. 31. D.IV. die a. a. O.
pag. 39 mitgetheilte Stelle; endlich führt er zu C. 35. q. 7.
pr. Simon namentlich an.
3. Albertus und
4. Stephanus. Beide werden zusammen angeführt Fol.
143^ Da diese Stelle bei Joh. Fav. vorkommt (meine
Rechtshaudschr. S. 586), da Albertus Summe bisher un-
bekannt ist, da die Benutzung der von Stephan wegen des
Verhältnisses zu Johannes sich schwer erweisen lässt, gehe ich
nicht weiter ein.
5. Eine Anzahl von Stellen haben am Ende die Sigle b.
So heisst es Fok 235'' c. 26. C. 27. q. 2. v. dissolvere:
,quantum ad servitium reddendi debiti, non quautum ad sacra-
mentum. b.' — c. 7. C. 28. q. 1. ,sequendi seil, ut cohabitet,
ut debitum reddat, ut necessaria provideat. b.' [Bei Joh.
Favent, aber ohne Sigle, steht die folgende Stelle also: ,quia,
quaravis sit legitimum, non tamen est ratum i. e. indissolubile.']
Zu c. 8. ibid. ,vel non enim i. e. non est ratum eonun con-
iugium, sed tantum legitimum. b.' So noch verschiedene,
eine Fol. 242" zu C.XXX. q. 4. pr.
, . . b. ita distinguit: compaternitas alia directa, alia in-
directa vel emergens. Directa est, quando aliquis vel ali-
qua filium alicuius de sacro fönte suscipit, cui profecto
directa compaternitate compater vel commater existet,
Vel emergens vel indirecta paternitas est, quando uxor
alicuius filium alterius de sacro fönte suscipit, cuius pueri
parentibus non solum mulier, quae filium suscipit, sed
vir eius compater efficitur, sed mulier commaternitate di-
recta, vir autem eius emergeute vel indirecta. Pono
exemplum.'
hat auch Johannes, aber ohne Nennung des Autors.
Die bestimmte Angabe der letzten Stelle, die öftere Bei-
fügung der Sigle b. beweist, dass diese und andere Stellen,
ol)wohl einige davon Johannes in der Summe bez. in Glossen
mhaltlieh hat, nicht diesem, sondern hinein .'Utcicii Glossator
46 Schulte.
b. angeh()ren. Wer ist dieser? Bazianus kann nicht g-emeint
sein, da derselbe nach Joh. Fav. fällt. Nach den Angaben
von Sarti I. pag. 287 lässt sich an Butirus denken, der in
Urkunden von llß4 angeführt wird. In alten Handschriften
des Decrets finden sich ab und zu gleichfalls Glossen mit b.
gezeichnet, die nicht Bazianus oder Bartholomaeus angehören.
Von älteren Werken, die vor die Decretistenschule fallen,
finde ich nur citirt Hugo de S. Victore. Es heisst Fol. 239"
,hugo in sententiis;' Joh. Fav. hat dies Citat auch, aber ohne
den Zusatz ,in sententiis^, nicht aber das Fol. 243'' stehende:
,nota, quod magister hugo de sancto victore dicit, quia
adulterium committitur cum secunda.'
8.
Von vorgratianischen Quellen kannte die Summa:
a. Die pseudoisidorische Sammlung, wie mehrere
Stellen beweisen.
b. Die Hadriana. Das Citat von Joh. Fav. zu C. 6.
D.XVH. hat er nicht aufgenommen, dagegen F. 13'' zu c. 2.
D.XX. folgende Bemerkung, die Johannes nicht hat :
,si decreta, non omnia, sed ea, quae magis sunt obser-
vanda, ut sunt illa, quae sunt in libro COncilioruiil.^
wodurch offenbar die Hadriana bezeichnet ist. Darnach darf
man mit dieser eine unmittelbare Bekanntschaft annehmen.
c. Dass er noch andere Sammlungen kannte, beweist das
zu c. 34. C. 32. q. 5 Gesagte:
,Illae famulae. Consilium est, quod hie datur secun-
dum quosdam [z. B. Joh. Fav.]; immo videtur esse prae-
ceptum, ut habetur ex quodam c. eiusdem leonis in
original!: De his autem, quae in sacro virginitatis pro-
posito constitutae barbaricam pertulere violentiam et pu-
doris integritatem non auimo sed corpore perdiderunt, ea
nobis observanda moderatio, ut neque in viduarum deiici-
antur gradum, nee in sacrarum virginum perseverantium
numerum transferantur. Quae si orationibus virginalibus
perseverent et castimoniae soliditatem custodiant, sacra
non est deneganda communio, quia iniustum est, illas
redargui vel notari, quod non voluntas amisit, sed vis
hostilis eripuit.'
Summa Dfcreti Lipsiensis. 47
d. Burchard. Derselbe wird ungefähr ^ünfzigmal an-
geführt und zwar wiederholt auch an Stellen, avo ihn J(»h.
Fav. nicht citirt (z. B. Fol. 16', 20'').
Da es sich bei diesen Citaten gerade wie bei den Vor-
gängern immer um Stellen handelt, welche Gratian nicht auf-
genommen hat, so ist daraus einmal ersichtlich,, dass man Bur-
chards Decret neben dem Gratianischen für anwendbar hielt,
sodann erklärlich, dass in die Decretalcnsammlungen verschie-
dene ständig angeführte Stellen übergegangen sind.
Citate aus der Historia ecclesiastica, Isidor u. dgl.
brauchen nicht hervorgehoben zu werden, weil diese Werke
zu den allgemein bekannten gehörten, übrigens auch bei Jo-
hannes die meisten Stellen vorkommen. Den Liber diurnus
hat er so wenig als seine meisten Vorgänger gekannt, da er
des Johannes Worte einfach wiedergibt und zusetzt: ,vel quia
in eo continebatur, quid octidie lieri deberet.^ Hat er diesen
aus Rulin, der noch sagt: ,quid singulis diebus facturus sit
apostolicus' [Cod. Götting. ms. jurid. 159]? Johannes hat den
Zusatz weder in der Bamberger noch Klosterneuburger Hand-
schrift.
9.
Von Legisten habe ich nur Garnerius (f. 142"), Bul-
garus und Martinus (f. 185" und 186") erwähnt gefunden;
diese Citate sind jedoch aus Johannes entnommen. Gleichwohl
zeigt der Verfasser eine quellenmässige Kenntniss des römi-
schen Rechts, da er sehr zahlreiche Citate aus den Pandecten,
dem Codex hat, Authenticum und Institutionen gleich-
falls wiederholt herbeizieht. Hat auch Johannes die meisten
Citate, so fand er doch einzelne bei ihm nicht, wobei freilich
dahin gestellt bleibt, ob er sie etwa anderen entlehnt habe.
Wahrscheinlich ist jedoch im Hinblicke auf die Zeit und den
ganzen Charakter des Werkes die eigene Kenntniss.
Eine interessante, nicht bei Johannes vortindliche Stelle,
welche seine genaue Kenntniss der Pandecten bekunden kanu,
steht zu c. 3. C. XV. q. 3. v. lege
,testamentaria seil. 1. in antiqua, quae de hoc loque-
batur; quae taiinui in nustris D.[igestisJ non continentur.^
48 Schulte.
Sein- häufig heisst es aucli^ wie bei den Vorgängern : lex
dicit u. dgl.^ iurisconsultus dicit u. s. w., ohne dass ein
Citat folgt, gewöhnlich wird aber der Satz mit den Worten
der Quellen angeführt.
Eine nähere Betrachtung verdient die Frage : ob er den
Codex Theodosianus kannte? Zu c. 24. C. LI. q. 6 wieder-
holt er die Aeusserung von Johannes (meine Rechtshandschr.
S. 591). C. 8. C. 33. q. 2. v. unum: ,supra XI. Q. I. qui-
cunque contra. Sed illud est lex theodosiana nee habet lo-
cum hodie' hat Johannes nicht, aber diese Bemerkung beweist
keine Kenntniss, weil sie zu allgemein ist und Gratian selbst
die Quelle nennt. Zu c. 3. D.XCVII. heisst es (die Stelle
steht nicht bei Joh. Fav.): ,Ex hoc apparet, quod, si quis
dicit se legatum et velit facere, quae sunt legati, quod non
potest, nisi prius litteras legationis ostendat ut C. t. de man-
datis principis 1. I.' Anzunehmen, t bedeute titulus ist gegen
den constanteu Gebrauch, da sonst nirgends also citirt wird;
einen Schreibfehler für i. idest Jiist. anzunehmen, dafür liegt
bei dem deutlichen t. kein Grund vor. Ebensowenig ist man
zur Frage berechtigt : weshalb den Cod. Theod, citiren, da die
Stelle gerade so im selben Titel im Cod. Just, steht? Mir
scheint, bis auf Weiteres darf die Bekanntschaft angenommen
werden, was bei einem Franzosen nicht auffallen kann, da
der Cod. Theod. dort bekannt war (meinen 2. Beitr. S. 27
und Maassen in Bekker u. Muther Jahrb. IL S. 221).
Auch die Lombarda ist ihm bekannt, denn ausser den
Stellen, welche er aus Joh. Fav. (meine Rechtshandschr.
S. 592 fg.) entnehmen konnte, hat er zu c. 6. C. 33. q. 2
raundanam seil, non romanam sed lombardam, und noch ein
paar andere Stellen , welche nicht bei den Vorgängern stehen.
10.
In einem sehr umfassenden Maasse wird für die Kritik
und (*onstruction des Textes Sorge getragen. Nicht nur
die zahlreichen bei Johannes Faventinus aus Rufin und Stephan
stehenden Bemerkungen sind so ziemlich sämmtlich aufge-
nommen, sondern auch viele neue hinzugetreten, z. B.
c. 2. D.XLIL V. ,eludere . . in originali non habetur
eliidere sed ei'udire, et secundum hoc planum est.'
Summa Decicti Lipsieusis. 41)
da dieses Capitel dem 3. pseiuloisidoi-iseRen Briefe Cle-
mens angehört, auch Handschriften erudire lesen (eine führt
Hin Schill s an)^ so spricht die Stelle für seine Kenntniss Pseu-
doisidors:
c. (j. C. XVI. q. 3 ,Hoc c. non est Innocentii, licet sie
introdiicat Gratianus, sed c. hispalensis concilii',
eine richtige Bemerkung.
c. 36. C.XVn. q. 4. ,Praecedit in uriginali liucscil.de
adulteris et furibus et homicidis si ad ecclesiam
confugerint id constitiiimus.'
So lautet in der That wörtlich die Rubrik in der Hispana,
Hadriana u. s. w.
c. 10. C.XXV. q. I. , legibus . . in originali habetur
regibus,'
So liest Ivo Decr. V. 358., der unzweifelhaft hier das , Ori-
ginal' ist.
c. 3. C. 35. q. 9. ibid. ,hoc tarnen c. quantum ad sententias
non debet intelligi, immo circa ordines et circa institutiones
ecclesiasticas, ut habetur ex originali, ubi hoc c. con-
tinuatur illi supra D.LV. poenitentes. In talibus enim
excessibus potest venire contra factum suum, in sententiis
nequaquam, licet Gratianus intelligat hoc et sequens de
sententiis difiinitivis^
Ganz richtig folgt c. 3. C. 35. q. 9 als viertes auf das c. 3.
D.LV. als drittes in dem Decretum synodale des P. Hilarius
in der Hadriana und Hispana.
11.
Aus dem GeScXgten ergibt sich, dass unsere Summe,
welche trotz der Auslassung der höchst ül)ei'flüssigen viehui
Ramn einnehmenden Historiae von einem Umfange ist, wie
kaum eine vorhergehende, eine Verarbeitung der bologne-
sischen Literatur enthält, welche an Vollständigkeit
wenig zu wünschen übrig lassen dürfte. Das se]l)st-
ständige und eigene Urtheil nebst umfassenden Kenntnissen
leuchtet nicht minder schon aus dem Bisherigen ein, uiul wird
noch mehr zu Tage treten im Folgenden. Was aber die
Summe daneben auszeichnet, ist die, man duri' sagen, er-
sciulpfeiidc! Art, wi(; die Extravaganten benutzt sind. Ich
Sit/.b (1. iiliü.-hist. Ol. I.XVUl. Bd. 1. im. 4
50 Schulte.
liaLe über einhuudertdreissig; Seiten notirt, auf denen Citate
vorkommen; die Citate selbst belaufen sich weit übei* zwei-
hundert. Die Schlüsse des dritten lateranensischen Concils
von 1179 werden stets citirt : ,ut in conc. later., c. lateranensis
concilii' u. dg-1.
Abgesehen von diesen werden citirt die schon von mir
(s. erster Beitrag- S. 28 ff.) aus Simon de Bisin iano ange-
führten Decretalen: Innocenz II. quotiens frater noster
mit dem Namen Innocenz f. 110''; Eugen III. inhaerentes
(122^ 207''), während er f. 167" es Honorius beileg-t und Fol.
167" und 207" das c. litteras Innocenz; Hadrian IV. nobis
in eminenti 163'', dig-num 71"; das c. videtur als Innocenz
angehürig- Fol. 120*^. von den 62 dort aufgeführten Alexanders
III. alle mit wenigen Ausnahmen, dazu eine g-rosse Zahl
anderer.
Neben diesen Decretalen hat er die bei Johannes schon
angeführten Cap. von Leo nos instituta und relatum
[164" und 164''], ,c. Greg-orii, quod ine. Manifestum' [c. 3.
IV. 2.], jGreg- . . quod ine. monachi' [c. 3, V. 34.], ,ut Aug-.
dicit in extrav. sacerdos' [f. 27"; ist als Palea in c. 24. D.L.
aufgenommen].
12.
Die Zeit der Abfassung dürfte sich mit ziemlicher
Genauig-keit bestimmen lassen. Erstens citirt er Lucius III.
zu dict. Grat, ad c. 39. v. arbitro dato:
,impeditur tale arbitrium, quin iudex est. Quidam tarnen
dicunt, ex hoc arbitrum e iudice posse dari, ut XI. q. I.
pervenit. De iudice vero delegato constat, quod potest
totam causam audiendam alii conmiittere vel ut allega-
tiones audiat et sibi causam reservet, licet non possit
a])pellatione remota eam committere. Si autem duobus
committitur, etsi non apponatur, ut unussine altero procedat,
nihilominus tarn poterit coniudici suo vires suas commit-
tere, ut in extrav. quamvis [c. 7. I. 21. Comp. I.]. dato
a iudice, ad quem secundo provocatum est. invocare
puta recusando, quod hodie non licet per decretales Alex.
IIL, quia si inhibetui- appellatio, ut in extrav. slciit
Snmui.1 Decwti Lipsieiisis. (31
saiicta, t'ui coiitradixit Lucius IIT.' dicens iudiccm
posse recusari, ut in extrav. ad aures'.
Nocliinals über denselben Gegenstand fol. 121" ,quia in hoc
contradixit Lucins III. Alexandro 111/
Damit wäre die Abfassung nach dem 6. Sept. 1181 bereits
erwiesen. Zweitens steht Fol. 117'' am P^nde der C. II. fol-
gende Formel :
,Sicque debet formari accusatio : Anno ab incarnatione
ÄI.C.LXXXVI. residente in sede apostolica domino papa
Urbano in anno pontificatus eins primo regnante victorio-
sissimo Henrico rege Anglorum anno regni eins, euim
mense hoc. ego Johannes profiteor nie deferre Thomam
reum adulterii apud sanctissimum papara Urbanmn, quia
dico eum comisisse adulterium cum Laureta in civitate
Parisiensi. in domo N. mense N. domino papa Lucio III.
residente in cathedra sancti Petri. anno apostolatus enim
imperaute christianissimo rege Anglorum Henrico anno
regni eins N. ego Johannes subscribo. et promitto me
accusatiouem quam defero usque ad linem perducturum.^
Das erste Jahr Urbans IIL geht vom 25. Nov. 1185 bis dahin
1186. Es liegt kein Grund vor anzunehmen dies sei nicht
das Jahr der Abfassung beziehungsweise das Jahr, in
welchem das Werk gearbeitet, vollendet oder an ihm gearbeitet
wurde , wohl aber sprechen dafür mehrere Gründe. Von
Lucius III. sind Decretalen citirt, von Urban III. eben so
wenig als von den Nachfolgern; ein Verfasser, der so genau
ist, hätte dies kaum unterlassen. Die Formel bei Johannes
ist absichtlich verändert, die Art der Aenderung: Ort, Zeit,
Fürst, beweist aber, dass der Verfasser das Libell in die Ge-
genwart versetzt.
Jedenfalls fällt die Summe vor die Compilatio prima und
Huguccio.
13.
Der Verfasser scheint Franzose oder Engländer, d. h. aus
dem damals englischen Theile Frankreichs, zu sein. Ich fol-
gere dies daraus, dass er jeden Anlass ei'greift, um von Paris
seine Beispiele zu entnehmen. So erwähnt er c. 3. D. 44.,
die Canonici zu Paris dürften ihren Wein verkaufen; c. 35.
4*
52 Schulte.
D. 63 führt er die Exemption der Aebte von St. Germain und
St. Denis und St. Genovefa an ; in anderen ist die Rede von
Sens und den Suffragauen , Paris und Chartres , vom franciae
rex und burgundiae dux (c. ult. C. 14. q. 4.); von den Mieths-
verliältnisseu in Paris u. dg\. m.
Es scheint mir unzulässig anzunehmen, es werde diese
Beispiele ein Niehtfranzose aufstellen, oder Jemand, der in
Paris nicht genau bekannt war. Ist aber das Werk in Paris
oder Bologna gemacht? Gegen die Abfassung in Paris scheint
zu sprechen, dass er die im zweiten Beitrage beschriebene
Summe nicht kennt. Wäre dem anders, so hätte er sicher aus
ihr bei den zahlreichen Gelegenheiten Veranlassung genommen,
von ihren Beispielen Gebrauch zu machen. Während ferner
jene Summa Parisiensis verschiedene Beispiele hat, die nur
für Leser in Paris verständlich sind, ist hier keines der Art
gewählt. Diese Beispiele sind allgemein verständlich und ver-
rathen nur den Landsmann , gerade wie der Verfasser der
Summa Coloniensis sich als Deutschen erkennen Hesse,
wenn er es auch nicht sagte. Eine Stelle könnte gegen Bo-
logna sprechen. In dem Johannes entlehnten Passus zu c. 4.
C.X. q. 2, über die precariae lässt er dessen Worte: ,apiid
nos enim tales precariae non inveniuntur' aus, nachdem
er vorher genau deren Natur dargestellt hat. Aber diese Aus-
lassung erklärt sich auch, weil er Franzose war. Für die
Abfassung in Bologna spricht: 1. die umfassende Keunt-
niss der bolognesischen Literatur-, 2. die eingehende Kenntniss
des römischen Rechtes; 3. dass nie ein Gegensatz zu Bologna
vorkommt. Ich halte diesen negativen Beweis deshalb für be-
deutsam, weil die ausserhalb Bologna's gemachte Summa Pari-
siensis sehr oft, aber auch die Summa Coloniensis wieder-
holt von Bolonienses spricht; 4. dass er sogar den italienischen
Sprachgebrauch berücksichtigt. So heisst es zu c. 15. C.XIIL
q. 3. V. exedris: ,exedre dicuntur arcus, qui adherent exterius
parietibus ccclesie, que vulgo voltc appellantur^ : Entnommen
ist dies wörtlich Joh. Fav. Im Lexicon von Ducange ist
di<!se Bedeutung gar nicht angegeben. Demselben entnimmt
er zu c. D. 53 ,origenurii . . . qui vulgo inanentes a ma-
nendo appcillantur'; 5. Die gleiche Methode mit den Bolognesen.
vor iVllem diu wörtliche Aufnahme von Glossen mit der Siglc
Snmjna Decreti Lipsiensis. o3
des Glossators, ein Vorg-ang, der kanni zu j^ner Zeit ausser-
halb Bologna's Sinn gehabt hätte.
14.
Zur Charakter! sirung der Methode dienen die folgenden
für die Dogmengeschichte des canonischen Rechtes interessanten
Stellen.
a) c. ult. D.I. ,iu eos solos constituta. Hinc collige, qaod
eges romauae solos romanos lig-ant, non clericos, ut hie et
d. XCVI, tum ad verum dici tarnen potest, hie appellari
romanos omnes latinos.^
b) C. 2. D.XIV. ,Notandum, quod ea, quae in lege et
evangelio, in apostolis et IV. conciliis generalibus coutinentur,
indispensabilia sunt, dum tarnen sint statuta de statu
generali ecclesiae A^el de articulis fidei.^ Der erste Grund,
den Johannes nicht hat, bildet in nuce das Fundament der
späteren Dispenstheorie. Stephan begnügt sich, die That-
sache der Abänderung einzelner Sätze hervorzuheben ; Ruf in
und nach ihm Johannes führen daneben die allzugrosse
Strenge an. Auch enthält keine alte Glosse diese Theorie.
Huguccio hat den ,generalis status ecclesiae' adoptirt.
c) C. 2. D.XXI. ,Nota quod Petrus a domino sacerdos
factus dicitur non quod suscepisset signaculum sacerdotii ab eo,
sed quia sacerdotis et episcopi ei dedit potestatem. Factus
est ergo sacerdos, antequam alios ordines suscepisset, unde ex
hoc videtur, quod non .est de substantia, ordines alios prius
suscipere. Quid ergo si laicus ordinatur in sacerdotem sacerdos
esset? . . quid ergo, si idiota vel puer septennis ordinaretur in
sacerdotem? Hie non est bonum praeeipitare sententiam
Petrus praefuit omnibus, sed nota, quod praelatio quandoque
attenditur ex dignitate consecrationis, ut praeest episcopus
cuilibet clerico, item quandoque ex dignitate ordinis, ut prae-
est presbyter diacono , item quandoque ex dignitate dispen-
sationis. Et haec duplex est, est enim dispensatio spiritualiuin
et ita praeest archidiaconus archipresbytero . . . Ergo umnes
erant pares ratione consecrationis et ratione ordinis, sed ratione
dispensationis Petrus praefuit omnibus, quia eis praedicandi
officium et alia huiusmodi dispensat . .' Von Petrus an hat
dasselbe wesentlich gleich Johannes, Rufinus.
,54 Schulte. Sunnna Derreti Lippiensis.
d) C. 1. D. XXIII. ,quia euiii sit papa, non potest ac-
cusari, iiisi de haeresi, ut d. XL, si papa.*
e) C. 5. D.XXVIII, Naclidem er auseinandergesetzt, der
Apostel habe nur einen Rath ertheilt, fährt er fort: ,Item
quaeritur, qiiomodo saneti patres in concilio statuentes, ne quis
uxorem duceret in illis gradibus, potuerunt me obligare ad
continentiam servandam, si eam in ordinis susceptione non
exprimam? Et dici potest, eos hoc non potuisse, sed dum statue-
runt canones prohibentes copulani coniugalem in tribus gra-
dibus, quos reeepit occidentalis ccclesia, eo ipso videtur quis
vovisse, cum aliquem istorum graduum vel ordinem suscipit,
in quo seit, sibi non Heere uxorem ducere/ Diese rein privat-
rechtliche Auffassung von der contractlichen oder durch still-
schweigendes Votum übernommenen Cölibatspflicht, welche aber
den Grund im votum findet, hat gegolten bis auf das Concil
von Trient, welches in can. 9. Sess. XXIV. die lex neben
das Votum stellt.
Schulte. Decretaleu Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. ÖO
Beiträge zur Literatur über die Decretaleu Gregors IX..
Innocenz IV., Gregors X.
Von
Dr. Johann Friedrieh Ritter von Schulte
ord. Prof. der Rechte in Prag.
JVleiue Absicht ist nicht, an diesem Orte eine Geschichte
der Literatur über die Sammkmg' Gregors IX. zu schreiben,
sondern, gestützt auf Handschriften, mehrere Punkte, Schrift-
steller und Werke zu bespreclien, welche bisher entweder gar
nicht oder nicht genügend erörtert worden sind. '
Johannes Andreae,^ nachdem er die Schriftsteller, aus
deren Werken Bernardus Parmensis seinen Apparat gemacht
hat, aufgezählt hat^ führt als dessen contemporanei und sc-
quaces,-' welche über die Gregorianische Compilation ge-
schrieben haben, nachstehende au:
Vincentius (Hispanus), Goffredus de Trano, Philippus,
Inuocentius (IV.), Hostiensis (Henri cus de Segusia), Petrus de
Sampsone, Abbas (antiquus), Bernardus Compostellanus (junior)
,qui diviua providentia non perfecit', Egidius Bonouiensis
(de Fuscarariis), Bonaguida de Aretio, Franciscus Vercellensis,
Boatinus de Mantua, Guido archidiaconus Bononiensis (de Baysio).
,Etiam tantum habuimus suffroijium wonnrliorvru, opus quidem
• Alle von mir nicht selbst benutzten Handschriften sind mit * versehen.
2 Noveila in decretales Greg. IX. voce Novclla §. Dennun con-
temporanei sqq. Dieise Angaben sind bisher nicht genügend gewürdigt
worden.
^ Ich löse die Abkürzungen auf und füge die Ergänzungen der Namen in
Klammern bei.
56 Schulte.
superfluitatibus , defectibiis et falsitatibus pleniira : liceat sie
verum loqui ex eo saltem, quod ignoramiis auctorem^, ,opus
fratris Jacobi canonici sancti Joannis in monte, qiii ad hoc
solum laboravit, ut solveret glosarum contraria non soluta'.
Den Umfang ihrer Schriften gibt er auf mehr als 800
petiae ^ an , so dass , abgesehen von den nicht als Appai'ate
erscheinenden Schriften, mit Zuzählung der Apparate Bernhards
und seiner Vorgänger über 1000 petiae scriptorum herauskämen. -
Später^ führt er an, welche Schriftsteller Vorreden voraus-
schickten, nämlich: ,Vincentius^ nomen suum apponens et
super imperfectione operis veniam postulans^ habe über die
Bildung des Rechts vom jus naturale bis auf Gregor IX. ge-
sprochen; Philippus und Goffredus"' hätten ihren Namen
nicht beigefügt, aber ähnlich gesprochen, dann das Werk ein-
getheilt; InnocenzIV. " ,dom. Symbaldus de Flesco de Janua'
fange ohne seinen Namen mit dem Spruche Ezechiels an ,Ven-
ter tuus comedet^ u. s. w.; Hostiensis,^ ohne seinen Namen
anzugeben, erzähle, dass er früher seine Summe gemacht; Ber-
nardus Comp.*^ nenne sich und sage mit Seneca, er habe.
1 Ueber Büchei-ausleiheu und das Sclireiberwesen zu Bologna v. Savigny,
Gesch. III. Seite 575 ff.
2 Damit motivirt er des Breitern die Opj^ortunität seines Werkes.
3 Gregorius an erster Stelle.
^ Sarti I. p. 333 gibt an, Cod. Barberin. 402 enthalte seinen Apparat.
Mir ist er bekannt aus Cod. 966 fol. niembr. s. XIV. der Leipziger
Universitätsbibliothek.
5 Er habe seine Summe nach dem Apparate gemacht. — Handschriften,
welche des Phil, und Gofif. Apparate enthalten, finde ich nirgends an-
gegeben ; mir selbst sind bisher auch keine vorgekommen.
6 Sein Apparat ist in zahllosen Handschriften vorhanden, sodann mehrfach
edii-t, z. B. viermal im 15. Jahrh. (1478 Strassburg, 1481, 14<)1, 1495
Venedig). Vgl Hain 9191 ff.
" Sein Apparat ist angeblich (Sarti I. p. 365) edirt, leider die xUisgabe
nicht angeführt. Ich habe keine Ausgabe gesehen, eben so wenig eine
Handschrift, die ihn sicher hat.
^ Alis diesem Citat ergibt sich, dass Joh. Andr. von keinem eigentlichen
Apparate redet, sondern von dem bereits früher als unvollendet ange-
führten Werke, welches bald als apparatus, bald als apostillae, bald
als casus in decretales angeführt wird und mit den Worten anfängt:
jHacteiius, ut loquar cum Seneca'. Es endigt mit c. 2. inter corp. X.
de translat. I. 7. Mir ist nie eine weiter gehende Handschrift vorge-
kommen (siehe 6 in meinem Iter gallicum Register, S. 494), obwohl die
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 57
bevor er schrieb, seine Unkenntniss nicht 'o-ekannt; Bona-
guida' nenne sich und sage, als er über die Decretalen ge-
lesen, habe er Glossen gemacht, worin er seine Erfahrungen
als Curialadvocat niedergelegt habe; frater Jacobus- nenne
sich und gebe das bereits Bemerkte an. Von Petrus de
Sampsone, Abbas, Franciscus, ■' Egidius,;* Guido, Boa-
tinus und dem Suffragium Monachorum sagt er, sie gingen
unmittelbar an den Text ohne Vorrede.
Johannes will mithin nur die eigentlichen Apparate be-
sprechen, nicht, was er auch ausdrücklich sagt, die Summen
und sonstigen Werke. Da er aber des Bernardus Comp, Werk
herbeizieht, lässt sich seine Absicht dahin beschränken, er
wolle nur die sich an die einzelnen Capitel anschliessen-
den Werke behandeln. Aber vollständig ist er in keinem
Falle, da Guilelmus Na so übergangen ist.
Für die Literaturgeschichte sind die übrigen Werke
(Summae, Casus u. s. w.) gerade so bedeutend, als die Glosse,
weil die spätere Literatur — ein Blick in die Werke von
Johannes Andrea lehrt es — auf ihnen mindestens ebensosehr
ruhet, als auf den Glossenapparaten. Ich nehme daher in Fol-
gendem auf die Art der Schriften keine Rücksicht, sondern
nur darauf, beizutragen, dass der innere Zusammenhang
der Werke unter einander und die Geschichte der Rechts-
entwicklung selbst aufgehellt wird.
meisten das E x p 1 i c i t haben. Die von S a r t i angeführten Ausgaben be-
ruhen auf einer Verwechsehmg mit dem Casus 1 o n g i des B e r n a r d u s
Parmensis; ich kenne keine Ausgabe.
' Oft in der Novella citirt; der Apparat ist mir handschriftlicli niclit v(ir-
gekommen.
- Wohl Jacobus Bonacosa. Vgl. Sarti I. p. 370.
■' Seine Werke kenne ich aus Handschriften bisher nicht.
' Vgl. Jo. Andr. ad Speculum L. I. tit. de dispens. §. ä. Nimis de-
trahit etc. Bei v. Savigny V. S. 52-i ist angegeben, ein kleines Stück
aus dessen Commentar zu den Decretalen stehe in einer Handschr. der
Leipziger Universitätsbibliothek. Ich kenne es nicht, alle Miscellanbände
genau durclizublättern war mir bisher nicht möglich. —
Citate aus allen Genannten und den folgenden findet man in der
Novella von Johannes in grosser Menge. Deshalb ist es leicht, den Ver-
fasser eines anonymen Commentars zu eruiren, wenn er zu den genannten
gehört. Mit Rücksicht darauf (die Novella hat wohl jede grössere Biblio-
thek) theile ich keine Stellen mit.
58 Schulte.
Giülelimis Naso.'
I. Ueber diesen Schriftsteller besass man bisher nur kurze
Notizen, die sich darauf reducirten, dass er um 1227 zu Bo-
logna gelehrt habe (Diplovataccius), Scliüler des Alanus
gewesen sei und die Compilationes antiquae glossirt habe. Diese
Glossen sind nach der Angabe der Alten von Bernhard von
Parma bei Abfassung der Glossa ordinaria vielfach benutzt
worden. Von sonstigen Werken oder Näheres über seine
Schriften weiss weder Sarti, noch ein anderer der älteren,
mit Ausschluss von Panzirolus, welchem Sarti mit Unrecht
vollständiges Ignoriren desselben zuschreibt. Panzirolus sagt,
er habe auch Glossen zu den Decretalen Gregors IX. ge-
schrieben. So unzuverlässig Panzirol ist, diesmal hat er das
Richtige getroffen, ob auf Grund der Kenntniss solcher Glossen,
oder gestützt auf fremde Mittheilungen , ist schwer zu sagen.
In der zu beschreibenden Handschrift ist der Apparat des
Naso enthalten. Ein Zweifel an der richtigen Angabe der
Handschrift kann um so weniger aufkommen, als sie nicht blos
den Namen an der Spitze der Summe hat, sondern, wie sich
zeigen wird, auch im Verlaufe der Darstellung wiederholt.
A. Lectura in decretales.
II. Sie ist enthalten im Codex der Wiener kais. Hof-
bibliothek uum. 2083. s. XIV. fol. 45 b bis 76. Vorauf geht
die Ueberschrift : Summa Guilelmi Nasonis. ,Incipit
summa magistri Guilhelmi Nasonis^
,Gregorius. Sed nonne iste dominus gg vocabatur Gre-
gorius, antequam promoveretur ad apicem summi pontificatus?
Et certe non; immo vocabatur Hugo. Ergo incougrue vocatur
Gregorius, quia inventio nominis est prohibita j. de sent. excom.
perpendimus. Immo, bene congrue vocatur Gregorius, quia hoc
nomen Gregorii interpretatur vigilans et papa vigilare debet pro
' Sai-ti ile claris archig. Bonon. profess. I. p. 342. Dij)lovataccius fol.
1()7 (nach der früher Savigny gehörigen Aksclirift der Berliner
Bii)liotli('k). I'anzirolus L. III. c. 8. — Jo. Andr. in addit. ad procni.
SiHculi Giiil. Duranti,s. — Glos.sa ord. ad c. 37. X. de appell. II. 28. Mein
Lehrbuch 2. Aufl. Seite 56, Note 40.
D( cretaleii Gregors ]X., Iniioci'iiz IV., Gregors X. Ot)
Omnibus Christi fidelibus. Alia etiam efficaciori ratione, quia, cum
omnis actio Christi nostra sit instructio II. q. I. unus et s. de
off. ord. si sacerdos^ ac ipse mutavit nomen Petri, qui primo
vocabatiir Symon et postea vocatus fuit Cephas, quod interpre-
tatur Petrus, vocando ipsmii terties Pe. et seil. h. P. e. c. m.,
patet, quo exemph) domini, qui mutavit nomen Petri, nomen
papae mutari debet^'
III. Die Methode ergeben folgende Stellen : Zu C. 1 de
const. , . . ergo secundum. canones in foro saeculari cum de
separatione agitur, vel consimilibus, iudicandimi erit. j. de
praescript. quoniam'.'-
C. 9 de const. , . . super hoc dicit magr. G. Nas. quod
haec decretalis diversis respectibus ius continet'.
C. 11. de rescr. ,peccatum. Nas. dicit, quod, licet sit falsa
latinitas in rescripto, dummodo possit haberi rectus intellectus^
et de intentione papae constet, valet rescriptum: j. de lide
instram. ex parte. Si autem ita sit intricatum, quod nullo
modo possit fieri constructio nee per constructionem possit
rectus intellectus haberi, tunc habet locum, quod hie dicit. Et
facit pro eo, quod dicit litera constructione, quia aliquo
modo ,non possunt construi i. e. coniungi dictiones. Unde, si
diceretur in rescripto: magr. P. nobis conquerendo monstravit,
valet rescriptum, quia mutatio liuius literae n. in m. non nocet;
quia, si etiam omitteretur non noceret: j. de fide instrum. ex
parte. Nee ordo scripturae attenditur, sed potius quod de jure
sumitur: j. e. eam quar^'.
So unzähligemalen : G. dicit, G. Naso dicit, in fine
glo . . . G., G. Naso dicit, oder blos Naso dicit, z. B.
cum terra de elect. Oft steht auch am Ende des caput N.,
theils ohne dass der Name vorgekommen ist, z. B. c. nullus,
significasti, cum inter, qualiter, 18. 26. 28. 20. (G. N.)
' Dazu am Eande: ,Vel potest dici, qnod ideo fit nnitatio nominis, nt mala
nomina mutarentur in papa, cum qiiidam vocaretur ns poc-i cui non erat
nomen mutatum.'
- Dass diese Glosse Naso angehört, folgt aus Petrus de Sampsone. Vgl.
dessen unten abgedruckte Glosse; u. Joh. Andr. Novella ad li. 1. .per
hanc literam dicit G. Na. quod, si de re ecclesiastica agatur coram iudice
saeculari, iiulicabit causam secundum canones, non secundum leges, ut in
praescrijitione.'
60 Schulte.
31. '62. 34. de elect. u. s. w., theils selbst wenn in demselben
der Name vorkommt, z. B. c. bonae de post. ; cum terra,
ecclesia vestra (57) de elect. u. s. w.
Einig-e Glossen sind sehr ausführlicli. So enthält z. B.
die zu c. 42 de elect. einen fr)rmlichen Tractat über die Wahlen
gezeichnet N. — Der Commeutar erstreckt sich nicht über alle
Capitel, noch auf alle Titel. Im 5. Buche sind nur die de
accus., de sym., de raptor., de usuris, de poenis, de
poenit. et remiss., de sent. exe. behandelt.
B. Distinctiones.
IV. Auf das vorherg-ehende Werk folgen ohne jeden Ab-
satz, fol. 71, Erörterungen zu:
de consuetudine c. quum tanto 11. de sent. exe. c.
per tuas 40. de off. et pot. iud. del. c. quum contingat 36.
de cohab. der. c. vestra 7. gezeichnet am Ende P. de simo-
nia c. per tuas 32. gez. P. de elect. et electi pot. c. quia
propter 42. gez. P. de off. jud. 2. Judicis 2. de transact. c.
super eo 7. ^ (de in int. r.) c. auditis 3. de lib. obl. c. igna-
rus ]. de lit. cout. c. except. de dolo et cont. c. finem 5.
de conf. c. ex parte 3. de appell. c. pastoralis 53. de sent.
et re iud. c. inter monast. 20. de accusat. c. qualiter et
quando 17. de fide instrum. c. quum Joh, 10. Ende: ,Sit
nomen domini benedictum' etc.
V. Wi)' haben in dieser Handschrift eine Zusammen-
stellung der Glossen von Naso zu Capiteln, av eiche in den
Gregorianischen Decretalen stehen. Da dieselbe in der Ein-
leitung sich nur auf die Gregorianischen Capitel bezieht, da
aber Capitel commentirt werden, welche von Gregor IX. her-
rühren, so könnte nur dann noch bezweifelt werden, Naso
habe die Gregorianischen Decretalen commentirt, wenn man
annehmen wollte, die Zusammenstellung rühre von einem Dritten
her, welcher die Einleitung und die Glossen zu den von
Gregor IX. herrührenden Decretalen gemacht habe. Zu einer
solchen Annahme liegt aber kein Grund vor. Vielmehr spricht
Positives dagegen, dass in den auf die Summe zu den Decretalen
' Dieser Conimentar steht auch in des Petrus de Sampsone summa
desselben Codex fol. 15 b u. fol. 16.
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 61
folgenden Erörterungen, welche Naso nicht angehören, der
Autor bezeichnet ist. Anders aber verhält es sicli mit dei-
Frage: ob Wilhelm Naso selbst seine Glossen in Gestalt
einer Lectura zusammengestellt habe oder ein Anderer, etwa
Petrus de Sampsone? Für die Zusammenstellung durch
eine zweite Person spricht die öftere Anführung ,G., N, dicit'
u. drgl. Auch ist nicht zu bezweifeln, dass wiederholt die
Schüler solche Zusammenstellungen gemacht haben, wie Avir
dies von Tancredus positiv wissen. ' Wohl aber dürfen wir
aus der Kürze des Werkes und dem Vorwiegen der blossen
Commentirung einzelner Capitel und den sonstigen Nachrichten
schliessen, dass die Thätigkeit Wilhelm's nicht viel über das
Jahr 1234 hinaufgeht. Dass sie vor die Glossa Bernhard's
von Parma fällt, folgt daraus, dass letztere Naso citirt. -
Johamies Hispauus de Petesella
und seine
Summa super titulis decretalium.
VI. Sarti (I. pag, 351., II. p. 116, wo die ersten Zeilen
der Vorrede mitgetheilt werden) erwähnt nach * Cod. Vatic.
254o p. 138 bei Johannes de Deo ein Werk, das ebenso
anfängt als das zu besprechende, und meint, es könne Joh. de
Deo angehören, weil er in den Zusätzen zu Huguccio eine
solche Summe als von ihm geschrieben angebe ; Sarti hebt aber
zugleich hervor, es stehe entgegen, dass er sich nicht de Deo
nenne und als Compostellanus bezeichne, was auf einen andern
Autor deute, wenn nicht die Unwissenheit des Schreibers die
Schuld trage. Er hat unzweifelhaft das Werk nicht genauer
untersucht. Savigny (V. S. 479) meint, vielleicht könne dies
von Sarti beschriebene Werk identisch sein mit der tabula
decreti^ tab. decretalium, notabilia cum summis super
titulis decretalium (et decretorum); Seite 4()7 Noto d.
sucht er aber positiv sogar das Compostellanus auf .1 olian luis
de Deo zu deuten und verwirft ganz die bei Sarti offen ge-
' Meine Lifcratnrgesch. der Comp. ;mt. S. 7 1 (Sitz.-Ber. LXVI. VA. S. I •_>!).
- Siehe jiiieli unten bei Abbau ant.iquus unter Guil. Naso.
62 Schulte.
lassene Beziehung auf eiueu andren. Das ist so ziemlich Alles,
was über dies Werk gesagt ist, von dem bisher nur ein paar
Zeilen bekannt sind.
VII. Meiner Erörterung liegt zu Grunde der Cod. ms.
raembran. num. 1009 (847) der Leipziger Universitäts-
bibliothek in 8° saec. XIV. enthaltend 299 Blätter; die Schrift
in je 2 Columnen mit 31 Zeilen ist sehr leserlich. Das A\'erk
füllt den ganzen Band, weicht dadurch im Umfange bedeutend
ab von den meisten des Johannes de Deo.
Die Vorrede lautet :
jPrecibus socioruni et instantia congruenti et mandato
domini F. illustrissimi A. quondam regis Legionensis filii, ego
magister Johannes Hyspamis Compostellamis natione, ad honorem
sanctae ecclesiae Romanae ac studentium utilitatem, summam
super titulis decretalinm aggredior componere, super operis im-
perfectione veniam a lectoribus postulando. Unde videamus
primo, quae sit compilationis materia, quae intentio, quis auc-
tor, quae utilitas. quis modus agendi, cui parti philosophiae
supponitur. Materia sunt quaedam utilia capitula, quae in cor-
pore canonum, in registro Gregorii et in Brocado dimi-
serat Clratianus; decretales epistolae et summorum pontifi-
cum constitutiones. Intentio domini Gregorii, prout ipse in
prooemio profitetur, est, decretales et constitutiones in diversa
Volumina dispersas ad unum reducere et multa inde superjluo
et incerta, quae in praedictis compilationibus continebautur,
rescindere et ad certitudiuem revocare, et quaedam addere, per
quae jus canonicum illuminatur. Auetor, quantum ad auctori-
tatem, fuit Gregorius IX., quantum ad ordinandam compila-
tiouem fuit frater Reiraundus. Utilitas evidens est, quia, per-
lecta et intellecta compilatione, seiet qiülibet discernere inter
aequum et iniquum, et jus suum cuique tribuere. Modus agendi
est talis : dividit opus in v. libros, in primo tractat de consti-
tutiouibus et rescriptis, de clericorum ordinationibus et judici-
bus eorumque ofticiis; in secundo de judiciis et eorum [eis],
quae ad processum judiciorum requiruntur; in tertio de vita
et honestate clericorum et rebus eo rundem; in quarto de
sponsalibus et matrimonio et eorum impedimentis; in quinto de
accusationibus clericorum, de criminibus et poenis eorum. In
qualibet rubrica primo ponit priorum constitutiones et secun-
Decretalen Giogors IX., Innocenz IV., Gregors X. 63
dum quod fuerunt in ordine positae sie eoruln ordinat consti-
tutiones. Supponitur ethicae i. e. morali scientiae secuiidum
quüd alii libri juris/
De summa trinitate et fide catholiea.
Cum omnia ab ipsa triuitate processeriut, ut in exordio
Johannis: ,iu principio erat verbum' et C. de vct. jure enucl.
1. i. circa princ, et iatra e. firmiter circa princ, merito prius
de summa trinitate et fide catholiea rubrica supponitur' cet.
Was zunächst das Verhältniss der Theile zu einander und
die Vollständigkeit der Handschrift betrifft, so umfasst Buch I.
fol. 1—85 erste CoL, B. 2. fol. 87—179 erste CoL, B. 3. fol.
181—252 erste Col., B. 4^ fol. 253—276. Von Buch V. steht
fol. 277, 278a nur ein Stück des ersten Titels, dann beginnt
der Text wieder fol. 281a mit dem Titel de clerico percus-
sore, dessen Kubrik der Rubricator die Bemerkung vor an-
schickt: jhic desunt XXII. tituli.' Der Zwischeraum ist leer,
jedes Buch hat sein Incipit und Explicit. In B. 3 geht die
Summe sofort vom tit. de baptismo zu dem de observ. je-
juniorum, fol. 249 hat der Rubricator beigefügt: ,hic ti-an-
sit tres titulos, nichil tractans de eis^
Es endigt also : , . . Nihil enim est tarn generaliter dictum,
quod non recipiat exceptionem. Sed jam huic opusculo finem
imponentes in hiis, quae tum ex ignorantia tum ex universo
negotio in cursu minus prudenter, minus sufficienter scripsimus,
a vobis, Karissimi socii, veniam postulamus, ei autem, qui est
bonorum omnium retributor, de nostris scriptis grates referendo,^
,Explicit liber quintus.^
VIII. Verfasser des Werkes ist ganz unzweifelhaft nicht
Johannes de Deo, sondern, wie der Eingang sagt, Johannes
Hispanus. Weil über diesen gar wenig bekannt ist, bietet
die Schrift zugleich für sein Leben und Wirken einen wün-
schenswerthen Beleg. Bei Durantis und Johannes Andreae
wird nur der ältere Johannes Hispanus genannt, von dem letz-
terer angibt, ' er habe eine lectura super decreto gemacht,
worin er keine Decretale citire. Diplovataccius - kennt auch
' Additi«) ad Guil. Durantis, Speculuin in prooemio.
2 Abschrift Savigny's in der Berliner Kön. 13ibl. fol. 148.
64 Schulte.
nur diesen älteren. Sarti ' weist urkundlich einen zweiten
Johannes Hispanus mit dem Beinamen de Petesella nach,
der magister genannt wird und 1223 bei dem Compromiss
mit Tancred und Petrus Hispanus intervenirt, v^ermuthet auch,
derselbe sei Professor des canonischen Rechts gewesen. Savioli"-^
führt an, dieser Johannes Hispanus sei von Bologna nach Pa-
dua gegangen. Diese Angabe führt auf das Wahre und stimmt,
wie sich zeigen wird, ganz mit dem Werke überein. Wir lin-
den nun auch in der That unsern Johannes zu Padua, wo er
am 27. März 1229 zugleich mit Jacob von Piacenza und anderen
ein Gutachten abgab. •'
Ich glaube nun aus dem Werke selbst beweisen zu kön-
nen, dass sein Autor erstens aus Compostella^ stammt, zweitens
' I. pag. 289. ,Hunc (den älteren) recte Diplovataccitis seribit vixisse cnm
Eutino, Silvestro, Joanne Faventino, aliisque antiquioribus Decretorum
interpretibus. Flornit igitiir deeurrente XII. saeculo, nee XIII. attigisse
videtur: cuius circiter anno XX. Bononiae degebat Magister Joannes
Hispanus, alter a superiore, de Petesella voeatus. Atque hunc
etiam existinio canonum professorem fuisse. Interfuit hie anno MCCXXIII.
cum Taniredo Arohidiacono Bononiensi, et Mag. Petro Hispano, aliisque
viris clarissimis, cuidam eompromi.sso, de quo in tabulis Monachorum S.
Stepliani, nunc Senatus Bononiensis. (f).' Die Note flautet: ,An. MCCXXIII.
die ult. exeunt. Mart. indict. XI presentibu.s Mag. Tancredo canon.
Bonon. Mag. Petro Hispano magistro Decretorum. Mag. Joanne His-
pano de Petesella' etc. Sera f. Mazzetti Re|)ertorio di tutti i Pro-
fessori . . . di Bologna. Bol. 1847 pag. 155 schreibt trotzdem, Sarti setze
ihn in die Zeiten des altern, citirt aber die Seite bei Sarti richtig! Den
Beinamen schreibt er Retesella.
2 Annali Bolognesi vol. III. p. I. pag. 14. lieber die Bedeutung dieses
Werkes vgl. v. Savigny III. S. 138.
3 Franc. Maria Colle Storia seien tifico-letteraria dello studio di Padova.
Päd. 4". Vol. III. (1825) pag. 7. Bei Verci Storia della Marca Tom III.
])ag. ny., wie Colle schon anfülu't, erseheint ein .loliannes Hispanus 12')1
als Professor des canonischeu Rechts zu Vicenza. Ob Beide identisch seien,
überlässt Colle fremder Forschung.
■' Icli will dabei ganz davon ab.strahiren, dass Compostellanus als Schreib-
i'elilcr für Ulixbonensis anzunelimen unmfJglich ist. Dies hält Sarti für
möglich, weil er das Werk, von dem er gewiss nur die Vorrede gelesen,
Job. de Deo glaubt beilegen zu dürfen. Dass Savigny V. S. 4r)7. d.
Com pus t ( 1 l;ni US als Beiwort für .Joli. de Deo erklären zu Iviumcn,
glaubt aus folgenden Argumenten: Hispanus habe er sich nennen können,
tlioils weil dies jeden Eingebornen der ])yrenäischen Halbinsel bezeichne,
theils weil der Besitz von Allgarbieu im 1 ;{. Jalu'h. zwischen Spanien und
nocrotalcn Grcfjovs IX., Innoconz IV., Gregors X. 65
in Bologna und Padiia yelehrt hat. Wir haben einmal j^ar
keinen Grund, anzunelinien, dass ein Schriftsteller selbst sein
Vaterland nicht kenne; er gibt dies aber positiv an. ,Iedei'
Zweifel hört aber auf, sobald man folgende Stellen ins Auge
fasst. Er sagt im Eingange, dass er sein Werk schreibe auf
Geheiss des Prinzen F. von Leon; das Königreich Leon ge-
hörte zur Provinz von Compostell. Im Tit. de postulatione
fol. 21(3 steht folgendes Foi'mular:
,Iuvocato s. s. ad honorem dei sancte quoque compo-
stellane ecclcsie exaltationem eligo cancellarium domini regis
legionensis postulandum in archiepiscopum compostellan mn.'
Im Tit. de locato et conducto fol. 215b lieisst es:
,Sed pone quod talis contractus fuit initus inter praela-
tum aliquem et alium, quod ipse omnes oblationes peregrinorum
factas in aliquo eodem anno perciperet, et propter hoc dcdit
C. marchas, secundam autiquam consuetudinem, ut aliquid ex
hoc contractu lucraretur. Sed hoc anno non fuit ita bona pe-
regrinatio secundum quod consueverat esse et sie vel nihil \cl
parvum inest. Quaeritur, utrum hoc casu sit remissio facienda?
Et iste casus frequentissime de facto accidit in nobilissima
civitate Compostell. Et quidem dico, hoc casu nullam remis-
sionem faciendam, nee dico^ hoc casu esse contractum locatio-
nis sed potius emtionis.'
Im Tit. qui matrim. accusare poss. fol. 272a steht
folgendes P'ormular :
,Anno ab incarnatione domini MCCXXXVI indictionc;
nona residente domino gregorio IX. summo pon. in se. ap. et
ni.ngister b. archiepiscopo in Compostell'm X. die intrantc
ianuarii ego p. accuso mariam uxorem meani apud vos, domine
ij decane compostell'n., quia dico, eam commisisse adulterium
cum 1. tali die in civitate compostell". in domo mea in mense
auguöti anni nuper transacti, et hoc paratus suiu legit'me pro-
l)are. Unde peto ab ipsius cohabitatione et Servitute (si tene-
bat) absolvi.' ^
Fol. 107 erwähnt er bei den Ferien, dass sie Avegen der
Ernte gegeben würden und sagt: ,ut in gallecia proptcu-
Portugal streitig gewesen, Compostellanns, woil ganz Spanien unter ilcm
Schlitze des Heiligen von Compostell .stjind, — halte ich für nn lir .nls
gewagt.
Sitzb. (1. iihil.-hist. Cl. LXVHI. Bd. 1. lllt. 5
66 Schulte.
colligendas castanes/ Diese Stellen und andere im fol. 98,
99, fol. 203, 248 u, s. w., in denen von Compostell, gallicia
die Rede ist, Eigenheiten angeführt werden, lassen keinen wei-
tern Zweifel aufkommen; denn wie ein Fremder dazu käme,
solche zu Beispiele zu wählen und in solcher Art die Gegend
zu loben, wäre unbegreiflich.
Für seineu Aufenthalt in Padua und Bologna spre-
chen eine ganze Anzahl von Stellen, worin er beide Städte
erwähnt. Ich will nur einige mittheilen.
Fol. 6 a. ,Sed pone, aliquem impetrare rescriptum : ,infra
duas dietas extra provinciam' non tarnen potes ponere: extra
in padua et angiensi dioecesibus.^
Fol. 28 b. ,Fiat decretum electionis hoc modo. Anno ab
iucarnatione domini MCCXXXIII indictione VIII. die intrante
Marcio archypresbytero paduano et aliis canonicis, qui potue-
runt et voluerunt interesse, corpore bone memorie g. quondam
episcopo tradito sepulture, presentes g. in. et ceteri canonici
ecclesie eiusdem, qui ad requirenda vota singulorum a capitulo
fuerant assumpti, ibidem votis singulorum requisitis et statim
in medio publicatis, collectione habita super votis et numero
noininantium et zelo ipsoruni et super personis nominatis, quia
plures numero, quorum subscriptiones infra continentur, martid'.
montanis consenserunt, habita potestate ab illi^, qui in ppm,
in scrutiuio consenserant, cum vice omnium eligendi ipsum in
paduanum episcopum eligerunt.'
119b. ,Verbi gr. Volebam vendere decretales pro XX.,
persuasisti, quod bononie quae valebant X. quod bonun. non
valerent X. ' Fidem tibi adhibens vendidi tibi pro miuori.
Hoc casu, cum sit bone fidei contractu«, ])urgabitur dolus usque
ad ultimum denarium.'
Fol. 181 a. ,Clerici in ecclesiasticis [ecclesiis] collegiatis
debent, prout prima facie videtur, insimul vivere ita, quod in
eadem domo vescantur et sub uno tecto (biniiiant, ut j. c. ([uo-
niam. Td tarnen intelligo de regularibus, vel ubi hoc de con-
suetudiue observatur, ut in canonica bononiensi.^
Können auch diese Stellen nicht als directer Beweis gel-
ten, so ist doch evident, dass ihm beide Orte nahe standen.
• Ich habe absiclitlicli die ort'c'iibarcn Sclircilit'ililer uiclit verbessert.
Deri-ptalen Gregors IX., Innoconz TV.. Gregors X. ß7
i
Xinimt man hinzu du; darzulcgondo gciuuic Bckanntscliai't mit
der Literatur BolojJ-na'n, den Umstand^ dass kein Gegensatz zu
Bologna auftauclit: so lässt sicli nicht bestreiten, dass die an-
geführten urkundlichen Naclirichten unbedingt auf den Ver-
fasser unseres Werkes passen. Hierzu kommt für Bologna
noch die folgende Stelle, welche offenbar von einer Zeit redet,
wo Philipp US, der seit 1244 als Archidiacon erscheint', noch
nicht diese Würde bekleidete, ncämlich fol. ]P)8b.
,Sed numquid ista iudistincte intelliges, quod superius
dixi, seil, advocatum non posse testificari. Resp. pro clientnlo
SUD testificari non poterit, et sie loquitur ff, de testibus 1. ult.
Sed numquid contra ipsum? Et quidem dominus Azo dixit
indistincte, quod sie. Sed cum in causa, quam movebat comes
de pisano contra episcopum tridentinum peteretur ex parte
comitis, quod magister philippus, qui erat mecuni pro
parte episcopi, deberet deponere tanquam testis, et nos alle-
garemus de consilio dcjuiini mei et aliorum proborum vii'orum,
judices interlocuti fuerunt, quod poterat induci testis a parte
comitis super hiis, quae tanquam advocatus non didicerat ;
super hiis enim, quae didicerat tanquam advocatus, deponere
non debebat. Et hanc sententiam approbo,^
Nach den obigen Mittheilungen aus Colle kommt Johannes
in Padua 1229 urkundlich vor, (Jb er nun d(ut geblieben oder
wieder nach Bologna gegangen ist, lässt sich nicht feststellen.
P\isse ich aber das Wahlprotokollformular vom Jahre 123o ins
Auge, so darf ich wohl die Vernmthung aussprechen, er habe
zu jener Zeit und auch zur Zeit der Al)fassung dieses Werkes
in Padua nicht mehr dozii't. Das Wahlformular ist fingii't,
denn 2 im J. 1233 fand dort keine Bischofswahl statt, da der
1229 gewählte Jacobus Corradus bis 1239 regierte, worauf
bis 12Ö0 Sedisvacanz war, der dann gewählte Bapt. Forzatus
aber erst nach Jahr(^n zur Besitzerg-reifuni!- o<elani>-t(; in Folo-c
der Zustände unter Ezzelino. Das Jahr 1233 hat aber wohl
nicht im Original gestanden, da in dieses Jahr die VI. Indiction
fällt. Entweder stand also dort VI. ind. odei- 123;'). Letzteres
' Sarti II. j). o'.t. 1<j1- woiss aber iiiclits iiboi- sniiK» weitfrc Wirksamkeit zu
sacken. Joh. Andreae 1. c onvähiit nur den Namen.
2 Ughclli It;ilia Sacra T..m. V. cul. I IT. ft".
5*
08 Schulte.
scheint mir mit I\ücksicht auf das g-anz richtigo Formular von
1 23(3; wo die Indiction mit Buchstaben g-eschriehen ist, ziemlich
sicher zu sein. Ich halte nun für sehr unwahrscheinlich, dass
er in Padua lehrend den Tod des Bischofs fing-iren sollte. G.
ist freilich nicht der Name dieses, kann aber doch leicht ihn
bezeichnen (Giacomo).
IX. Die Summa selbst bildet nach dem Vorbilde der
von Bernardus Papiensis und Damasus eine eigentliche Summa,
indem die Gegenstände der einzelnen Titel olme jeden Anschluss
an die einzelnen Capitel nach selbstgewählter Ordnung theore-
tisch erörtert werden, wobei die Capitel sell)st durchweg nur
zum Belege angeführt, einer Interpretation hingegen nur inso-
weit unterzogen werden, als man dies überhaupt zur Begiün-
dung einer Ansicht bei einem Quellencitat thun mnss. Folge
dieser freieren Behandlung ist, dass die Summe über den Inhalt
der Titel hinausgeht. So erhalten wir eine Theorie der pacta
(tit. de pactis), im tit. de eo qui mittitur in poss. etc. eine
Abhandlung über Interdicte, die Theorie des Vergleichs (de
transact.), des Kauf-Mieth-Vertrags, der precariae, ein eignes
Capitel de Interesse beim tit. de emt. et venditione u. s. w.
Die Stärke unseres Autors liegt in jenen Materien, die auf dem
römischen Rechte ruhen, dem Prozesse angehören oder eine
civilistische Seite haben. Es zeigt sich dies auch in dem Ver-
hältnisse der Theile zu einander, da die zwei ersten Büchei'
weit über die Hälfte des Werkes einnehmen, das vierte sehi'
kurz ist, die civilistische Durchljildung, wo es angeht (z. 13.
de off. jud. deleg. u. a.) unbedingt überwiegt. Dies deutet
darauf, dass er von Haus aus Civilist war. Nie bezeichnet
er einen Canonisten als seinen Lehrer, der dominus mens
ist Civilist gewesen. Eigenthümlich ist dem Werke und zeichnet
es aus vor fast allen canonistischen seiner Zeit eine fortwäh-
rende Polemik. Bevor ich diese näher schildere, muss icli
einen damit zusammenhängenden Punkt besprechen.
X. Wir finden in dem Werke eine Benutzung der
Literatur unter durchgehender namentlicher Anführung der
Autoren, wie kaum ein zweites Werk sie enthält. Von Lo-
gisten führt (ü- au:
]. Ii-nerius. fol. 27")!) ,Sed quid, si emancipate tilie
pater dotem constituat, numquid idciii est dicendum (nämlich
Decrelalen Gregors IX., liiiioct'n/. IV, (hegors X. 69
die Restitution an den Vatei- und die Tocli^cr im l^^ailo des
divortium) dominus y. dixit, (juod sie, per iura tl". de Jiif(>
dot., prüfe ctitia §. penult., soluto matrimonio iilie. Sed cou-
trarium est verum: C. de rei ux. act. 1. I. §. accedit/
2. Bulgarus, bald ausgcselirieben , bald dominus b.
Vgl. fol. 103b, 117 b, 122a, 165b, 204b, 211a.
o. Martinas Gosia. Dominus M. fol. 122a, 205 b.
4. Jacobus (de Porta Ravennate). ,Uominus Ja.M'. 125a.
5. Rogerius. ,Dominus R.' fol. 220b.
6. Albericus. fol. 18 a, wo er mit vollem Namen steht
,tertia est opinio domini fdvericL' fol. 220b.
7. Placentinus. Aus ihm führt er unter ausdrücklicher
Hervorhebung dieses Umstandes Stellen (Definitionen) wörtlich
an, wie er seine Summe und sein Werk de varietate actionum
überhaupt viel benutzt hat.
8. Johannes Bassianus, der sehr oft angeführt Avird;
eine Stelle möge Platz linden fol. 100 a: ,Locum habet recon-
ventio in omuibus casibus , illis duntaxat exceptis , qui in
sequenti §. notantur. Sed utriim fieri possit reconventio lite
non contestata dubitatur. Est tarnen opinio solempnis tarn
dominorum. quam doctornm^ quod non audietur lite contestata,
nisi ab inicio reconveniat vel saltem protestetur et inducunt
pro se C. de sentent. et interloc. judic, auth. et conse-
quenter, C. de satisdat. 1. unica. Dominus Jo. fuit in con-
traria sententia, dicebat enim, quemcumque durante primo judicio
actorem posse reconveniri, et intedebat pro ff. de judicio 1.
II. §. item si extra. Ego sententiam domini Jo. approl)0
et probatur expresse infra e. c. 1.^
9. Pillius. Der Name ist einzeln ausgeschrieben, einzeln
pi. oder py. mit dominus.
10. Azo. Ihn citirt er von allen Civilisten am meisten;
fast immer ist der Name ausgeschrieben, seltener az. Einzeln
wird beigesetzt in Summa (64b, die zum Codex gemeint).
11. Nicolaus Furiosus. Fol. 49b (tit. de bigamis non
ord.) ,Cum bigaino dico dominum papam dispensarc posse ple-
narie, licet quidam negent, ut nicholaus furiosus, et sui
sequaces, qui similiter sunt furiosi et (in) hac parte, quia
negant potestatem ecclesie romane et clavcs fuisse (latus \)('Xvi)
et per ipsum successionibus (successoribus) suis. Concedunt
70 Schulte.
tarnen, qiiod usque ad subdiaconatura posse (posset) in talibus
dispensari. / '
12. Lanfrancus. Der Leg-ist wird z. B. als dominus
la. lan. citirt fol. 101a, 113a, 151a.
13. Jacobus de Ardizone. Fol. 122b. ,Sed utrum
actor missus in possessionem, cum reali actione agit, possi-
deat vel non, dubitatur. Et quidem diversi super lioc diversa
sentiunt. Dominus hui. dixit, talem non possidere sed est tau-
tum in possessione, ut reus tedio affectus veniat responsurus.
Unde dixit, talem potius custodiam quam possessionem habere.
Inducebat ad hoc ff. de adquir. poss., possideri §. ult. 5
unde reus, praestita cautione judicio sisti et restitutis expensis
infra anniun recuperat possessionem, post annum autem incipit
possidere et reus efficietur de possessione petitor, et sie intel-
lexit legem C. de praescript. XXX. vel XL. aunor., si
quis emtionis §. ult. Et hoc dixit habere locum ante litis
contestationem. Dominus M. et dominus Jo. dixerunt, missum
in possessionem, cum ago reali actione, statim possidere, si
ante 1. con. non sit missio facta, sed reus veniens infra annum
recuperat possessionem, sed postea non auditm*, nisi velit de
proprietate litigare; et hoc coUigebant ex verbis illis praealle-
gate legis si quis emptionis §. ult. in eo quod dicit prior
possessor. q. dicat nunc non possessor. Et facit pro eis ff.
de dampno infec, a quo. Hanc sententiam approbat do-
minus ard. et eosdem sequitur lau. Et quod dicitur supra ut
lite non con., quoniam frequenter §. in aliis, et infra
de dolo et cont., conti ngit, exponit: verus constituatur post
annum i. e. vere et incommutabiliter. Unde secundum ipsos
proprie dicitur aliquis poui in poss. causa rei servande, hoc
idem asserit Jo. Et ego volo recedere a litera decretalium,
quae dicunt, taliter missum rem debere servare, et hoc proprie
secundum quod jacet. Litteram intelligo ut in praeall. decret.
et supra de dolo et con. ca. I. et infra e. e. I. et II. et III.
Unde, ut cum eorum pace loquar, dico talitei' : missum non
possidere, sed tantum possessioui insistere. Aliud est enim
Eine sonderbare Widerlegung; weil dem Papste auf Oruud alten Rechts
eine Befuguiss bestritten wird, soll ihm der Primat bestritten werden!
Man sieht nil nuvi sub seile.
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 71
possiflere et aliud in possessione esse iit ff. de adqiii. poss.
1. si quis ante; tales enini potius custodiam quam possessionem
liabent . / Dies Zeugniss bildet einen neuen Beweis, dass
Jacobus über civilistische ]\Iat(!rien gcsclinebcn hat. Vgl. v.
Savigny V. S. 85 S.
14. Roffredus. Uebcr die häutig vorkommende Schreib-
weise Ranf., Ronfr. vgl. v. Savigny V. S. 187. d.
15. Vincentius. Fol. 74b. ,Et est sciendum, quod secvm-
dum leges diflinitiva sentcntia in personam procuratoris nun
doniini est ferenda, alias non valet ut C. de sen. et int er.
0 m I! i u m i u d. 1. I. Tamen d o m i n u s vin. voluit distinguere utrum
ab initio dominus interfuerit causae, vel semper litigaverit per pro-
curatorem, in primo casu dixit ferendam sententiam in dominum,
*m seeundo in procuratorum . . .' Auch fol. 73 a steht eine civili-
stische Frage und heisst es: ,vi)ic. qI pi.lli. dixerunt., Fol. 165b.
,Quidam dicunt, per praescriptionem directum adquiri dominium,
ut domini vinc. et />. et sui sequaces, quibus Jo. assentit,
ut ff. de damp. infec, si finita §. si de vectiga. et de
adquir. re. do., adquiritur i<. non solum, C. de bonis
mater., aut. ut, C. de edicto divi adri. 1. ult. in fi., et
supra XVI. q. III. inter memoratos, ibi sit eternum do-
minium. Dominus Jo. (et cum sequebatur dominus mens et
fere omnes moderni doctores ipsius sententiam approbant) dixit,
non adquiri per praescriptionem directum dominium, sed tantuin
utile, et sie intellexit omnia jura pi'o parte contraria allegata,
et est expressum supra XVI. q. III. §. potest circa priu. ibi
, ad versus verum dominum utiliter' (in dicto Grat, ad c.
15. 1. c.) Sed illud non est de textu legis, sed fuit appositum
per §. [lege G[ratianum] qui istam sententiam fovebat et probat,
quod utile non directum dominium adquiratur, ea ratione, quod
lex dicit: , priori domino vindicanti obstare exceptionem,' ut
C. de prae. X. vel XX. 1. penult. et de prac. XXX. si
quis empt. Ergo ei competit actio, cum exceptio sit actionis
exclusio, ut ff. de exceptionibus 1. II. I. Resp. adhuc do-
minus remanet, cum illi soli competat rei ven., qui est dominus
de jure gen. vel civili, ut ff. de rei ven., in rom i. Resp.
ergo praescribens dominus esse non potest, cum duo ciu.sdt'in
in solidum et eodem jure domiui esse non possin t ut tt. com-
iii.idati, si ut certo §. ult. Ratet ergo, praescribeutem esse
72 Schulte.
utiliter floiiiinuni, aliuni directe (lomiiiiiiii renianere. Sed poue
(prae) scribentem recidisse a possessione rei praescriptae, per-
venit ad priorem dominum, numquid poterit ille, qui praescrip-
sit, ab eodein rem revocare? Jo. et az.^ dixermit, quod sie, et
sie intellexerunt illam le. C. de prae. XXX. si quis empt/
Er wendet sich jetzt der Ansicht zu, durch Praescription werde
das Dominium verändert. Ein Civilist Vincentius kommt
bei Savig-ny und auch sonst nicht vor. An den Canonisten
Vincentius ist, obwohl derselbe immerhin auch civilistische
Arbeiten g-emacht haben kiinnte, nicht zu denken, da er den
vinc. vor b. setzt, also offenbar als älter hinstellt, wie das
die aus den mitgetheilten Stellen bereits hervorgehende Methode
beweist.
Iß. vSein Lehrer. Auf gegen 30 Seiten wird ohne jeden
Namen zu nennen bald im Gegensatze zu dem einen bald zu
dem andren, stets als verschieden von allen fünfzehn Genannten
und sämmtlichen anzuführenden Canonisten angeführt domimis
raeus, einmal (116b) auch praeceptor mens. Trotz meiner
fleissigen Nachforschung ist es mir nicht gelungen, festzustellen,
wer es war. Dass es ein Civilist ist, folgt schon allein daraus,
dass er nur bei civilistischen Materien genannt wird. Wenn
ich nach dem ähnlichen Inhalte, Avelchen die Dissensiones do-
minorum des Hugolinus an einzelneu Stellen haben, schliessen
darf, ist Hug-olinus sein Lehrer, womit die Zeit und der Um-
stand genau stimmt, dass er gerade diesen nicht nennt. Accur-
sius ist es nicht, dieser ist auch keinesfalls älter als unser
Johannes.
Fol. 211a. ,Est autem Interesse circa rem quod contingit,
vel circa pretium vel ipsam rem, de qua agitur, vel circa suas
accessiones civiles vel naturales. Interesse a (autem) extra
rem est dampnum extra rem datum cuius accessionem contingens,
ut ex predictis legibus colligitur et ff. de ac. emp. et ven.
si sterilis §. cum per. Sed haec solutio non placet azoni\
magis enim esset dicendum totum Interesse quod est circa
rem praestandum q. de eo inter contrahentes sit cogitatum quam
iUud quod est extra rem de eo contrahentes non videntur sen-
sisse. Sed sie mihi vidctui- cum domino meo distiniiucndum.
' Einer der seltenen Fälle, wo er rlo minus bei den Legisten aiislässt,
<»ffenli,ir weil kein Intlmiii inii'i'licli war. /
Deeretalen Gregors IX., Iiiiioccn/- IV., (.iregors X. 7.)
Interesse aliud est coniniune, aliiid cnnventionkle sive convent.
aliud sing-ulare seil, quod r.-itinno etfeetiouis sive singularis
utilitatis, et sie etiam ad idcni teiidit, si dicat, pretium aliud
commune' cet.
Fol. 274 b. ,■ . . Uudc dico cum donüno nieo, quod, cuui
datur res. examanitata (extimata) in dotem : Co de jure do.,
([uuciens — nee obstat quod leg-itur C de jure do. in rebus,
quia ibi fuit facta extimatio, ut sciretur quod esset sine leg'i-
tiiuo matrimonio soluto ut C. de jure do. si inter — vel sie
fuit facta extimatio, ut esset in u[)tione nuilieris, utrum vellet
rem vel pecuniam et ipsa elegit rem, ut ff. de jure do. ple-
rumque §. ult. et de fundo do. quodsi, vel est speciale ut
in rebus existimatis datis in dotem competat rei venditio (ven-
dicatio) cum modo extent res eo tempore quod datur dotis
repetitio, non ea ratione, quod sit domina, sed ideo, quia fin-
gitur domina, vel intelligitur lex praeall. — et hoc magis
approbat dominus azo — ciun vir non est solvendo ad existima-
tionem praestandam' cet.
IX. Von Cauonisten führt er an:
1. Cardinal is fol. 161b. Der Name ist ausgeschrieben.
Es wird seine Ansicht angeführt, dass die der s. g. lex jui'is-
dictionis zufallenden Rechte nicht, die der lex dioecesaua wohl
praescribirt werden könnten. Im Cod. Trevir. 90G linden
sich die Glossen dieses Inhalts.
2. Huguccio auf 24 Seiten. Er wird stets' nui' mit //.
bezeichnet. Dass aber Huguccio damit gemeint ist, folgt daraus,
• Fol. 161a steht jedoch: ,A(1 hoc dixei'iiut v. et da.^ et omne.s Icgiste
ei.sdem a.ssentiunt, qviod usucapio locuiu habeat m rebus ecelesie jiro-
fanis, sed non in ecclesiasticis sacris. Sed Jo. et /</. dixeriint contrarinni
ad instai' fiscaliuni, in quibus non currit usucapio, ut in instit. de
usuca. §. res fisci. Item res ecclesie censentur jure rei publice ut C.
de sacro. ecclesiis, ut inter divinum, sed in reljus publicis non
ciuTit usucapio ut ff. de usuc, usucapionem. Ego primam sentcntiam
magis approbo, cum non viden auctoritatem per j us canonizatam
quantum ad usucapionem, quantum vero quadrienii praescriptioneni
non tenet per jura supra XII. (p IL ((uicunque niilit., W . (|. I. in
canouibus et q. III. jjlacuit Iiic In der Suuuiia Hugucciouis
steht zu C. XVI. q. 4 priuc. ,8acre tantum a clericis nomine ecclesie,
possunt usucapi, non autem a laicis, quia eas iure communi jjossidere non
j)ossunt, nee earum commercium habere.' Darnach halte ich für unzwei-
felhaft, dass Ilug. gemeint ist. Sonst findet sich die Sigle ?/. für iim iiäufig.
,1 Schulte.
dass dies seine stete Sigle ist; auch habe ich alle verglichenen
Stellen in der Summe gefunden. Keine g-eht auf den Legisten
Hugo, keine hat dominus vor h.
8. Bernardus Papiensis. Er wird an drei Stellen mit
]). pap. citirt (fol. 2 a, 2431) und 294 a), an einer fol. 1751)
mit b. par. Dies ist ein Schreibfehler, den ich auch sonst
gefunden habe.
4. Johannes Galensis. Fol. 190a. Er sagt, wegen
einer noch so lange dauernden Krankheit könne ein Beneliziat
ohne Verschulden nicht abgesetzt werden, ,nec etiam hie est
aliqua contradictio inter modernos doctores. Jo. gal., et R.
distinxerunt, an sit curabilis egritudo vel non, in primo casu
dicebant prout modo omnes tenemus, in secundo dicebant, alium
substituendum ; inducebant ad hoc ff. de iudic, si longius,
C de officio praefector., si quos. Sed hoc non admittimus.'
5. Richardus Anglicus ausser in der so eben angeführ-
ten Stelle fol. 263b.
6. Philippus fol. 117b. ,Sed quid, si creditor rem pigno-
ratam violenter invaserit? Resp. domtnns mens dixit, creditorem
incidere in consti. Sed dominus Jo. et phi. dixtinxerunt,
utrum rem pignoratam creditor invaserit tanquam impignoratam
vel tanquam suam. Si tanquam impignoratam dicunt cessare
consti., sed ipse incidit in edictum divi marci: ff. quod nie.
causa, exstat edictum. Sed prior sententia magis placet^
Da er nicht domini Jo. et phi. sagt, bezeichnet er letztern
damit als Canonisten. Unmittelbar vorher war j)//. genannt.
Nimmt man hiezu die oben abgedruckte Stelle über das mit
iliiii geführte Geschäft, so liegt ausser Zweifel, dass Philippus
als Glossator thätig war.
7. All)(!i'tus fol. 7()b. ,Et nota in summa, quod, si re-
nunciasti prebcnde tue per metum et si iuramentum interveuit,
ratione iuramcnti non debes convenirc ut infra e. (nämlich tit.
de his quae vi metusve c. f.) ad aures. t. tamen et l<(.
et quidam aüi dixerunt contra. Sed eorum dictum non approbo,
et hoc dixerunt pi'opter penuriam intellectus, ' et in hoc con-
' Hier ist seine ,i"i,stilisclK'. J>ere(ls;inikeit' diircligogangen; ei- spricht sonst
gerade von ia. mit grosser Achtung, z. B. fol. 114b: ,1a. ogo dico salva
eiiisdcni auctniitate'.
üecretalen Gregors I.Y., Innucenz IV. (iregois X. 7ö
cordant alhertns et lau^. Icli >;('lic an (liesci^i nrj(> in eine
weitere Untersuchimg- über Albertus niclit ein.
e. Naso fol. 118a.
0. Melendus. Naehdem er referirt, Hug-uccio und sein
Anhang- lehrten, man müsse bei der Ordination die geheimen
Sünden und andere Impedimente sagen , ebenso im Gerichte!,
lieisst CS fol. 40b am Ende der ersten Col. : ,M. vero dixit
contrarium quia in iudicio nemo tenetur prodere crimen, quia
licet cuilibet qualitercunque sanguinem suum redimere ut f"f.
de bon. eorum qui ante sen. 1. I. nee in examinatione pec-
caverit de quo poenituit: XXXII. {[. I. apud, de pe. di. IIl.
illc rex^ Johannes gibt es zu, ausser wenn es sich um stdche
handle, wodurch man iiregulär werde: Symonie, Mord,
10. Bazianus fol. Gla tit. de off. jud. ord. ,nec dico
metropolitanum posse in hoc casu (ausserhalb der Synode) sen-
tentiare etiam absolveudo, licet li. et haz. dixissent contrarium
III. q. VI. accusatus; et in hac sententia est la.^ fol. LKia.
11. Petrus Hispanus fol. 237a. ,Quidam volunt dicere,
quod illa aut. (nämlich c. 9. C.XIX. q. 3.) si qua mulier
loquitur, quando abbas dat licentiam monacho ordinaiuii intcr
liberos, nam aliter ex quo est effectus monachus non potest
in aliquo disponere ut supra XII. q. I. non dicatis. j). ijapa-
»7f.s- intellexit illam aut. si qua mulicr, quando adhuc erat in
probatione, aut. nunc autem, quando iam erat effectus nm-
nachus. Alii volunt dicere, et in hoc quasi omnes legistae
consentiunt, quia illa aut. si qua mulier corrigat aliam.
lau. exponit verba illius aut. nunc autem : exinde iudicio
eius cessante i. e. si cessaverit, puta quia post ingressum
praeventus est morte antequam aliud aliquid disponeret. Ego
sententiam p. approbo, et haec sunt verba illius aut. nunc au-
tem seil, cum monachus f actus esset i. e. si mortem ingre-
ditur nichil ad monasterium pertinebit, nisi ei nominatim ali-
quid relinquatur, nee tunc totum, quia semper debita portio
parochiali ecclesie reservatur ut supra de sepult. per totum'.
Auf fol. b8b steht Folgendes: ,YA traditur in diftinitiva
sententia regula generalis, ut victus victori condempnetur in
expensis, ut V.. de judi., pro[)eran(l. i?. sin autem. Ilaec
tamen regula fallit secunduni [i. in diiobus casibus, seil, cum
absens per contumaciam aliis condempnatur ut C*. de judi.,
76 Schulte.
pro per and. §. II., vel cum justa fiiit causa ignorancie ut in
aut. de judicibus §. opt. coli. VI., ff. de leg. II., qui
solidum §. etiam'. Pillius hat nichts davon in seinem ordo
judiciarius, auch wird derselbe nie blos mit p. in dieser Summe
bezeichnet und stets dominus benamst. Man kann nun an
Petrus Hispanus denken. Dabei fällt es aber auf, dass die-
ser an der andren Stelle mit p. ysp, und gerade so in andren
Handschriften bezeichnet wird , während freilich in Hand-
schriften des Decrets (z. B. Trierer Bibl. 906) die Sig-le p.
sehr häufig für ihn steht. An Paulus Ungarns kann wohl
nicht gedacht werden, ebenso kaum an Petrus Beneventanus.
Der Gegenstand gehört an sich in eine Darstellung des Pro-
cesses. Sollte das Citat sich beziehen auf ein Werk des Petrus
Hispanus, über das nur folgende Notiz bekannt ist? Biblio-
theca hispana vetus etc. auct. D. Nicoiao Antonio His-
palensi J. C. Matriti MDCCLXXXVIH. fol. I. pag. 375.
, Petrus Hispanus. Huius nomen prae se ferebat titulus operis
cuiusdam in bibliotheca Ms. Antonii Augustini codice 397 ex-
stantis in membranis annorum quinquaginta supra centum, De
ordine judiciorum inscripti, in quo erant et alia juridica.
Catalogo eiusdem bibliothecae adhaeremus.^ Ob es das von
Durantis in der praef. des Speculum genannte sei, lässt er
unentschieden.
Bisher habe ich absichtlich jene genannt, die nur selten
citirt sind, während einzelne der folgenden fast beständig an-
geführt werden.
12. Damasus. Er hat dessen Summe vor Augen und führt
daraus einzelne Definitionen wörtlich an, z. B. fol. 2a, 4b, 80b.
13. Alanus fol. 42b. ,Dicunt tarnen quidam, ut qla. lau.
et vineen. et eins sequaces, quod , licet filii sacerdotum sint de
legitime matrimonio nati, non tamen possunt habere dignitatem
vcl bencficium, quod pater habuit per jura infra e. ad extir-
pandas etc. constitutus etc. ex transmissa VIII. q. I.
apostolica; alii dicunt, quod possunt, et iutelligunt illa jura
de illegitime natis. Et hoc magis placet^ Fol. 48a, 79a. Die
sehr interessante Stelle lautet, nachdem er auseinander gesetzt,
es komme für die rest. in int. darauf an, ob der minor durch
4 Jahre oder mehr oder weniger als 4 J. verletzt sei ; sei er
weniger verletzt ,restituitur dum est minor et factus major
Decrctiilpii GrPg-nrs IX., Iniioroiiz TV., Gm^ors X. < i
)
infra tantuin tempus, quautu est losus, ut ff. qiiando actio
de pe, est an., ciira post mortem, ff. de minor. 1. ult. ff.
ex quibus cau. sed ot si pioprio §. quociens et lex nee
non, §. siquis sepins; et hoc secundum azo et domimun Jn.
2)lac. et alii dixerunt, eimi senipcr usque ad quadriennium posse.
Hanc credo veriorem, ut C. de tempo., invite restit. Niun-
quid ultra quadriennium a tempore lesiouis? /. et f. et vhi.
dixerunt, quod non, quia omnis restitutio infra quadriennium
terminatur, ut in le. praeall. Sed obstat eis j. e. c. I.; sed
ipsi dicunt, eam uti jure minoris facti majoris et exponitur:
semper i. e. ubicunque enormiter leditur. alan. sine temporis
preiiuitione dixit, eeclesiam restituendam , quandocunque pro-
baret, se lesam ; alii ponunt eeclesiam in primo anno minoris
et dicunt, eam posse restitui usque ad XXIX. annos; alii
dicunt, eam restitui usque ad XV annum ponentes in XIIIL
anno. Memini, me vidisse decretalem domini Gregorii
confirmantem sententiam la. et suorum sequacliim;
sed quia non fuit in compilatione posita, praesumo,
eam eum revocasse. Et ideo adlierens prime decre. istius
tituli dico cum Imi., eeclesiam sine temporis prefinitione posse
restitui. Et si bene inspicias decre. j. e. cum ex litte ris,
invenies, quod innocentius contra sententiam latam ab e u-
genio in primo mense sui pontiiicatus reservat in inte, restit.
ecclesie elicensi et constans est quod a tempore eug-enii usque
ad tempus innoc. plus quam quatuor anni effluxerunt. Nee
obstat, si dicas, quod a successoribus eug;enii fuit postea causa
commissa' u. s. w.
Fol. 15G (de iurecurando) : ,Sciendum est, quod in ista
materia, quot fuerunt summi doctores, fere fuerunt tot opi-
niones. Nam la. et (eidem assentio) Jo. dixit, f[uod iuramen-
tum metu extortum , qualiscunque metus intervenerit, est oIjH-
g-atorium, dummodo possit servari sine interitu salutis eterne
ut s. de hiis quae met., ad audientiam, s. XXII. q. V. c.
I. et III., XV. q. I. merito, j. e. si vero. />c^ ' et t. dixerunt
' Im Cod. Trevir. DOG des Dccr. Grat, steht zu diesem cap. eine iiiclit
signirte, aber von derselben Hand g-escliriebene Glo.sse, von der auf der-
selben Seite eine mit bar. gezeielmeto stellt (sie gehört nicht Barth. Brix.
an) des Inhalts: , Speciale est ncc prestat hie canon generaleni absolu-
78 Scliulte.
contrarium per decre. s. qiiod metus causa, perlatum et c.
abbas, XV. q. VI. auctoritatem, tanquam divina voce pre-
tor edixerit, quod metus causa 1. I. et Jura praeall. intellige
in assertoriis, non in promissoriis juramentis, nam nulla con-
ditione aliquis inducendus est ad dejerandura. ala. et quidem alii
subtiliter moti dixerunt, referre, utrum jurans habeat propositura
se obligandi vel non ; in primo casu est Obligatorium juramen-
tum, in secundo aiinime: arg. j. de bap. et ej. effectu, ma-
jores. Ego sententiam la. approbo', was er ausführlich be-
gründet.
14. Lanfrancus und
15. Laurentius. ' Glossen mit den Siglen 1. la. lan.
lau. sind in Handschriften der Comp. I. II. III. unendlich
häufig. Bisher war es kaum möglich festzustellen, welche davon
Lanfrancus angehören, oder richtiger gesagt, ob ihm welche
überhaupt und ob von den mit 1. la. lan. bezeichneten auch
einige Laurentius angehören. Dieses Werk bietet dazu ein
prächtiges Hülfsmittel und ist damit von hohem Werthe für die
Glossa zu den Comp, antiquae, resp. der ordinaria zu den Decre-
talen Gregors IX. Denn dass die Sigle lau. auf Laurentius
geht, vei'steht sich von selbst, dass aber auch nur diese auf
ihn geht, 1. la. lan. auf Lanfrancus folgt aus mehreren Grün-
den. Erstens ist l. und la. identisch, wie das Citat aus fol. 7!)a
beweist, wo vorher des 1. Meinung angeführt und dann referirt
wird, eine Decretale Gi*egors habe des la. Meinung sanctionirt.
Ebenso wird abwechselnd la. und lan. gebraucht, wie das Citat
fol. IKJa beweist. Zweitens stehen la. und lau. im Gegensatze
zu einandei' bez. als zwei Personen nebeneinander. So fol. T'.hi,
dann fol. 114a am Ende und 114b am Anfange, fol. 50a, ganz
evident aber fol, 76b. Vor Lanfrancus hat er eine grosse
Achtung, was ausser der schon mitgetheilten Stelle fol. ;»;>a
zeigt, wo es heisst: J<i. iuris canonici lucerna^ Citate von
Lanfrancus stelKni ausser den bereits angegebenen noch auf
sii'bciiiindvierzig Seiten, oft mehrere auf einer. Durch dieses
\\ (ik ist mm di(! Thatsache, dass Lanfrancus beide Rechte
hihrte (v. Savigny V. S. 74 fg.) ausser Zweifel gestellt.
tioneni sie jiir;iiililiMs'. Der Sinn nhi^-or Aiit'iUirimo- licj^t aiicli in (Ipt iiilt
bar. gozoidinottn uiul iiiideren Glossen dusclbst.
' Vgl. iiifiiu' Lif(r:itnr;;'cs{-li. dor ('imip. nnt. Soitc 02 fg\
Decretaleii Gregors IX., Innocpir/. IV., Gregors X. (9
Laurentius' wird auf dreiunddreissig Seiten angeführt;
dessen Meinungen pflichtet er wiederholt bei.
IC). Bernardus Cuinpostellanus (antiquus). Auf eilf
Seiten stehen Citate mit &.^ welche sich auf Decretalen bezie-
hen. Da Bern. Pap. - stets mit dem Beisatze pap., Bazianus
aber mit ba. oder baz. bezeichnet ist, so bleibt^ da der jüngere
Bern. Compost. nicht in Betracht kommt, nui* der Genannte
oder Bern. Parmensis übrig. Von diesem aber kann aus dem
später Auszuführenden keine Rede sein. Dass Bernardus Comp,
antiquus die Comp. I. und IL bearbeitet hat, wissen wir aus
Johannes Andreae.
17. Johannes Teutonicus. Von ihm benutzt er den
Apparat zu der Comp. IV. und zum Beeret. Er wird schlecht-
weg Jo. citirt, und zwar auf fünfundfünfzig Seiten.
18. Vincentius Hispanus, regelmässig mit vin. oder
vinc. oder viuc'. angeführt und zwar auf einundzwanzig Seiten.
Ob er mit dem früher als Legisten bezeichneten identisch ist,
somit ein weiteres Beispiel abgibt für die Behandlung beider
Rechte durch dieselbe Person, ist, wie schon gesagt, sehr
fraglich.
19. Tancredus. Gewöhnlich ist er blos mit t. bezeich-
net, einigemalen mit tan. (z. B. fol. 25 a) oder tancr' (fol. ö;} a),
einmal auch (fol. 89 b erste Zeile) tu.'' Im Ganzen stehen Citate
von ihm auf zweiundvierzio- Seiten.
XII. Aus den angeführten Stellen ergibt sich, dass er,
wie ich dies bisher nirgends gefunden hal)e, für die (Zivilisten
den Titel domhins als spezitischen gebraucht. Am schärfsten
zeigt sich das bei Lanfrancus, den er dominus nennt, sobald
er seine civilistische Thätigkcit im Auge hat, sonst ohne Bei-
satz gleich allen Canonisten citirt. Koniiut auch der allgemeine
Ausdruck legistae (z. B. fol. 57 a) füi- die Romanisten vor.
so nennt er sie anderwärts doniini leg um (fol. li)Slj). Ent-
' Einmal fol. 18a steht ,spfniulmn ilntiihnnu. hu/.'- Das ist siciier ein Scln-cHj-
fehler für hm., wie ein soldier ancli in dem Citat fol. \'M>h vorkommt.
- Dass dieser nielit g'emeint ist, folgt daraus, d;i,ss verscliiedene Decretalen
woranf sich h. nach der Summa stützt, in (h'r Comp. II. stehen, z. B.
die fol. -24 i) citirte cnm terra de tdectione.
•* Es heisst: ,et in ha(^ sententia est til. la. aJio modo intellexit et di\it'
u. s. \v. Es kann doch liier nicht t.inien lieissen sidlen.
80 Srhulto.
gegen dem sonstigen Gehrauclie, die Romanisten doctores, die
Canonisten magistri zu Lezeichnen, nennt er gerade die letz-
teren doctores, ^ So fol. 100a, fol. 29b nostri doctores,
womit er die Canonisten meint, ebenso fol. 242a, 247a mo-
derni doctores, während übrigens einzeln der Ausdruck
doctor jeden Juristen bezeichnet z. B. fol. 46a, 47a fere
omnes doctor es, 90b ,et haec fuit sententia la. et omniuni
doctorum^, womit wieder die Canonisten allein gemeint zu sein
scheinen. Auch von juris canonici professores spricht er
fol. 100b, 110a. AVie hoch er die Canonisten stellt, zeigt fol.
188 a, wo er über die Erfordernisse für ein Benelicium spricht
und sagt:
,Inspicienda est persona et considerari debet ipsius lite-
ratura. Indignum enim esset, si tantum daretur alicui rustico
quam nobili, vel alicui logico quam decretistae, et in
talibus potius morura nobilitas quam generis est attendenda,
ut j. e. venerabili juxta illud philosophi: nobilitas sola est
animum quae moribus ornat.' Deshalb verwirft er adelige Ca-
pitei als corruptela fol. 18Sb.
XIII. Von der umfassenden Literaturkenntniss gaben die
Citate bereits ein glänzendes Zeugniss. Johannes ist mit allen
Controversen des Civil- und canonischen Rechts aufs Innigste
vertraut, seine Arbeit bildet eine beständige Kritik fremder
Ansichten. Diese ist, wie schon einzelne Stellen gezeigt haben
und viele andere beweisen, ^ oft rücksichtslos, aber durchaus
selbststäudig. Deshalb gibt er auf Autoritäten wenig, tritt oft
den Ansichten der tüchtigsten entgegen, stellt eine eigne auf,
begründet aber regelmässig sowohl die eigne, als auch weshalb
er die fremde annimmt. ' Hat er auch bisweilen eigenthümliche
Anschauungen, so ist er doch im Ganzen ein scharfer Kopf.
Diese Dinge, die Lebhaftigkeit und Lebendigkeit' der Dar-
1 Schon Tanci'cd nennt ganz allgemein in der Einleitung zum A])])ar;(to
der Cianp. III. die Glossatoren der Comp, antiquae doctores.
2 Z. B. fol. 3"2l) ,in liac quaestione inutiles solutiones posiiit Jo.'
^ Wiederholt ■/,. W. fol. 'JC)!) heisst es nach Angabe der Meinung eines
Schriftstellers ,ei fere onnies doctores assenserunt, ego tameii contra,'
worauf die Begründung folgt.
•• Dahin die Jiäufigen Uebergänge Audivistis, audivimus u. dgl., die
sondcrltaiv Wcndimg: .tractaturus niagister de probat, praemiftit titiihnii
de confcss.' fol. 1-J'.)b, älinlicli fol. löJSa u. a.
Decretaleu Gregors IX., Inuocenz IV., Gregors X. 81
Stellung^ die Exactheit der Forschunj*-, ' die bestJlndig-e Rücksicht-
nahme auf praktische Zustände, Gewohnheiten u. s. w\, - die
Präcision der Darstelkiug, die scharfen Definitionen, der histo-
rische Sinn, -^ sein persönlicher entscliiedener Standpunkt, ' alle
diese Momente geben der Lesung einen wirklichen Reiz. Ich
nehme keinen Anstand, diese Summe sehr hoch zu stellen,
weit höher als die von Goffredus de Trano, der ihn, ohne
ihn zu citiren, viel benutzt und wohl beständig vor Augen ge-
habt hat. Wie selten ist in jener Zeit — und ich darf hinzu-
setzen in unserer — ein Schriftsteller, der stets citirt, woher
er einen Gedanken hat, der nicht blos compilirt, sondern ganz
quellenmässig arbeitet, der eine rein sachliche, rücksichtslose
Kritik übt! Alles dies ist schwer, macht dem grossen Haufen
die Leetüre nicht leicht, deshalb nicht angenehm. Johannes
1 So gibt er mehrfach an (z. B. fol. 83 a, 91b, 108a, 182b, 195b, 19Ra,
197a uud 197b), welche Abweichungen in einigen Pandectenhandschriften
von den gewölmlichen vorkommen.
2 So referirt er fol. 26 a, man halte sich nicht mehr an die Vorschriften
des alten Eechts über die scientifische Würdigkeit, fügt dann freilich
für einen so gelehrten Mann sonderbar hinzu, es sei auch nicht nötliig,
,multa enim scientia inflat'. — Fol. 2t9a wird ohne jeden Zusatz
die alte Bestimmung über die regelmässig nur zu Osteru und Pfingsten
vorzunehmende feierliche Taufe referirt. — Fol. 1 40 b sagt er, die Siegel
der ,potestates lombardiae' hätten keine fides piiblica, weshalb sie mit
dem sigillum communitatis siegelten, um ihnen solche zu geben. — Fol.
Göa hebt er hervor, dass nach canon. Rechte auch ex nudo pacto actio
oritur; fiSb dass hodie der Advocat soviel bekomme, als er mit der Partei
abgemacht habe; fol. 14a gibt er die Praxis der Curie an, ein Rescript
für ungültig zu halten, das an Curatgeistliche (parochiales clericos)
oder andre erlassen worden, welche nicht in Capitelsdignitäten oder dem
Lehramte stehen.
' Fol. ]9öb ff. erhalten wir eine förmliche Geschichte des Veräusserungs-
verbots des Kirclienguts.
^ Daliin gehört auch sein schroff curialistisclier Standpunkt, von welcliciu
eine Probe schon oben vorliegt. Eine andere fol. 9-Jb, wo er trotz der
Const. K. Friedrichs II. behauptet, die scolares clerici iiätten iliiTu
Gerichtsstand vor dem Bischöfe, weil der Kaiser päi)stliclie Privilegien niclit
ändern könne; fol. 140a de test. v.t attest. gibt er an, gegen einen
Clcriker der röm. Kirche seien mehr Zeugen nöthig, Tim ihn eines Ver-
brechens zu überführen und sagt dann: ,inud tarnen liodic (juidani nun
admittunt, inter qnos cgo noln (-(mnunierari; uani Privilegium collatcraliiim
sunnni poiitificis non debet pei- uns niinui, sed, quantum in imbis fuit,
augmeutari".
Sitzl). il. iiliil.-liist. Cl. L.VVIU. l;.l. I. Mit. 6
82 . Schulte.
scheint dies erfahren zu haben. Denn während andre höchst
unbedeutende Schriften stets citii't werden, ist man nicht ein-
mal über seine Person im Reinen, kennt die spätere Literatur
sein Werk absolut nicht, weil seine Zeit es todt g-eschwie-
gen hat.
XIV. Die Zeit der Auffassung- dürfte ziemlich g-enau
in die Jahre 1230 und 1236 fallen aus folgenden Gründen.
1) Im Anfaug-e des Werkes steht ein Formular, das ins Jahr
1235 gehört; es behandelt, wie gezeigt, einen fingirten Wahl-
fall. Wollte er nun nicht gerade aus dem laufenden Jahre,
woraus ihm vielleicht keiner zu Gebote stand, einen Walilfall
citiren, weshalb verlegte er ihn dann nicht in eins, worin sich
wirklich eine Wahl ereignet hatte, z. B. 1229 für Padua?* —
2) Am Ende des Werkes gibt er ein Formular mit dem Jahre
1236 Anfangs Januar. Somit fiele die Ausarbeitung von fol.
28b bis 274a in den März 1235 bis Jan. 1236, dem nichts
entgegensteht, Avenn wir wie natürlich annehmen, dass er seine
Vorarbeiten gemacht hatte. Gerade diese unmittelbar auf ein-
anderfolgenden Daten scheinen zu dieser Erklärung zu berech-
tigen. — 3) Die bereits angeführten Daten über sein Lehi'amt.
— 4) Die jüngsten Schriftsteller, die er citirt, sind Naso,
Vincentius, Roffredus. Deren Wirksamkeit fiillt in das
erste Drittel des XIII. Jahrb., Vincentius hat noch nach
mehrfacher Angabe die Gregorianischen Decretalen glossirt und
zwar sicher sofort, ebenso Naso, wie ich vorher dargethan
habe. Von einer stehenden Glosse der Decretalen Gregors IX.
ist ihm nichts bekannt. Niemals führt er ein Citat einer sol-
chen an, wie es sonst bei allen Schriftstellern, die nach der
Glossa ordinaria schrieben, der Fall ist. Bei einem so exacten
Schriftsteller ist dieses aber entscheidend. — 5) Ich glaube in
dem oben mitgetheilten Passus bei Alanus fol. 42b über die
nicht aufgenommene Decretale Gregors IX. den Anhalt zu
linden, dass Gregor IX. noch am Leben ward, als er dies
schrieb. Denn während er bei allen anderen Citaten von Päpsten
den einfachen Namen schreibt, sagt er hier ,domini Gregorii^,
auch ohne Zahl, eine Art, den regierenden Papst zu bezeichnen,
' In Bolo<^nn (Uglielli, T. II. col. 1!) sqq.) war Henricus a Fratra Biscliof
vom Jaliro 1-213 bis Sl. Mai l-JIO. Als<i aucl} da stand 12o;5 oder 1235
kein Act zu Gebutc.
Decretalen Gregors IX., Imiocciiz IV., Gregors X. 83
)
wolche häutig ist. Dass er in der Vorrede sagt ,auctor fuit
Greg". IX/ tliut nichts dazu, weil er hier eine abgeschlossene
Thatsache, die Abfassung der Decretalen, vor Augen hat;
ebenso sagt er ,auctor fuit fr. Raymundus', der erst 1275 starb.
Gregor IX. starb 1241. — G) Das Recht der Decretalen Gre-
gors ist ihm das jus novum z. B. fol. 44b. — 7) Von Inno-
cenz IV. citirt er nicht eine einzige Decretale , obwohl dazu,
wenn er überhaupt solche kannte, reiche Veranlassung war und
ein Schriftsteller von dieser Gesetzkenntniss sie gewiss beachtet
liab(;n würde. '
Petrus de Sainpsoue. -
XV. Von ihm wissen wir - — Sarti stellt die Notizen zu-
sammen, — dass er aus Nimes oder der Gegend von Nimes
stammte, zu Bologna gleichzeitig mit Bernhard von Parma
lehrte, Schüler des Jacobus de Albenga und Lehrer des Abbas
antiquus war, ein Canonicat zu Xarbonne bekleidete. Aus den
bei Abbas unten mitzutheilendeu Stellen ei'gibt sich positiv,
dass Petrus Zeitgenosse von Odofredus (j 12G5, v. Savigny
' Man gestatte mii- zum Schlüsse einige eigenthümliche Notizen zu geben.
Fol. 264b. ,Sed quid, si laicus aliquam in necessitate ad poenitentiam
receperit, numquid postea cum ea matrimoniiim contrahere poterit? la.
dixit, quod non, si tamen contrahat dixit matrimonium valere, nam illud
tantum intellexit dictum sacerdoti. cum ex officio ille solus ad hoc tenea-
tur. Ego dico contrarium et eadem ratione laicus in necessitate baptizaus
posset contrahere cum illa, quam baptizavit.' Diese Auffassung, dass auch
ein Laie in articulo mortis reconciliiren könne, ist aus der Glosse zur
Coli. Gilberti mitgetheilt in meiner Abb. Die Coli. Gilberti u. s. w.
Wien 1870, S. 22 (Sitzungsber. LXV. S. 616).
Fol. 204 hat er auch die Dreitheilung: dolus et culjja lata, culpa
levis, levissima.
Fol. 183a (de clericis coniugatis) pflichtet er der Ansicht des
Vincentius bei: der Cölibat ruhe entweder auf einem ausdriicklicheu Ge-
lübde oder, wenn ein solches nicht abgelegt sei, bei des Rechts Kundigen
auf einem stillschweigenden, sonst auf dem Gesetze.
- Sarti I. p. 86(; sq. Diplovataccius foh 186 (er heis.st bei ihm de
Saxonia; es dürfte auf Rechmmg eines Abschreibers kommen). Job.
Andr. ad c. fratemit. de sepult., ad c. pastoralis de his q. f. a pracl.
Phillips IV. S. .328. Meine Abhaiidl. über die Decret. zw. Greg. IX.
u. B.uiif. VI II. S. 770.
6*
84 Schulte.
V. S. 3ß2) und Accursius war. Sein Aufenthalt zu Bologna
dürfte somit in die Zeit von 1230 — 1260 fallen.
Von Werken desselben werden erwähnt Comnientaria
oder Lectura in decretales Greg-orii IX., Distinctiones
zu den Decretalen, Grlossen zu den Decretalen Innocenz IV.
(diese jedoch nicht von Sarti) und Statuten von Nimes. Sarti
bezweifelt die Verscbiedenheit des Commentars von den Distinc-
tioneu und hält gleichzeitig die Lectura für einen blossen Aus-
zug aus den Distinctionen. Beides ist nicht richtig. Unser
Autor hat vielmehr in der That zu den Gregorianischen Decre-
talen zwei verschiedene Werke hinterlassen, nicht minder die
Constitutionen von Innocenz glossirt, wie sich aus Handschriften
darthun lässt.
Ich habe früher mit Phillips unentschieden gelassen, ob
er identisch sei mit Sampson de Calvomonte, muss aber
jetzt entschieden diese Identitcät bestreiten.
Sclirifteii.
A. Summa decretalium.
XV. Handschrift: ^ Wiener kais. Hofbibliothek
Cod. membr. fol. Nr. 2083 (N. 3693) <S8 Blätter, saec. XIV.
ineuntis. Bl. la bis 43b. Anfang:
,Incipit summa magistri Petri Sampsonis.
Gregorius et infra. rex pacificus. pudicos verbis seil,
et moribus. cotidie i. e. assidue. conatus i. e. vires, explica.
i. e. determinaret. lex seil, canonica. in prioribus seil, con-
stitutionibus. declarantur pone extra j. de constit. quoniam,
quae declarat illam de maj. et obed. statuimus. Nota quod"
omnis contrarietas solvitur aut per aliquod simpliciter, ut III.
q. II. sine except. et j. de his quae Hunt a prael. sine cuns,
cap., aut per aliter, ut j. de elect. quod sicut, et c. publicato
aut per secundum, ut j. de elect. Cumana et c. cum in iure.
' li lull nie. Bibl. ])a<^. 77 gibt bei der bibl. S. Martini zu LiU'CJi an: ,Pcti-ns
de 8assonia T^cctui-;i super decretales et Breviariuni juris i-aiKinici in Cod.
207'. Es ist dies wohl dasselbe Werk, ;ius jener Angabe lässt sich jedoch
nichts entnelimcn.
Decrelaleii Gregors IX , limocciiz IV., liregcrs X. iSO
Sex iikkUs eognoscitur, qiiaiulu cüiistitiilio cÄntiiict ins coiii-
imme, quando in decreto seu c-onstitutione ponitur hoc vcilniui:
hoc edicto , vel edicto jjerpetvo vel consiinile j. de elect. Mas-
sana; quando scribitur Jwnoralnli eoetvi j. e. Greg-, epc, iufra
de constit. ex litcris; quando ponitur hoc vcYhxuw.'praecipimus,
j. de iudaeis quorundam; quando ponitur: in generali consti-
tutione j. de rcscr. nonnulli; quanrlo ponitur idem in .nmilibus-,
j, de rescr. inter cetera s; quando ponitur lioc ver})um omtd-
hns, j. de iur. cal. inhaerentes/
Es überwiegt bei Petrus die Worterklärung; jedoch kom-
men auch häutige längere Auseinandersetzungen vor.
XVI. Von Commentatoren der Decretalen erwähnt er
Bernardus, Innoc. IV. (z. B. zum c. Bonae memoriae 2o.
de elect.), Guilelmus Na so, Laurentius (zu c. 23. de elect.),
Boatinus, Rodoicus, Johannes (Galensis), Vincentius,
Petrus (Collivacinus), als seinen magister nennt er oft
ausdrücklich Jacobus de Albenga. ' Ausserdem citirt er (Tot-
fredus, Johannes de Deo und von Glossatoren des Decrets
insbesondere Johannes Faventinus und Huguccio. Diese
Citate beweisen seine umfassende Kenntniss und Berücksich-
tigung der früheren Literatur.
Von seiner umfassenden Kenntniss des römischen Rechts
zeugt der grosse Gebrauch, welchen er davon macht. Auch
citirt er mehrfach Legisten, z. B. Jo. (Johannes Bassianus),-
Odofredus."*
Zum Schlüsse möge noch eine Stelle Platz finden, welche
seine Kenntniss des lombardischen Rechts beweist. Zu T. Id.
de test. III. 26. ,Et est aliquod jus lombard., quod niaiito
providet et vult, quod maritus succedat in totum uxori, si non
sint filii legitimi ex eodem matrimonio nati, ut in lomb. de
' C. per tuas de voto III. 34 (ist nicht iu die Comp. IV. aufgenommen):
,Ja. magister, p. et Vinc. dant consilium regulari, quod sie respondeat,
cum fiat de ipso elcctio: quantuni in me est consentio'. Vgl. c. 3. II.
14; c. 23. de jurej. ,liic oniisit magister unum casum, qui in atit. \o-
peritur, seil, si filius accusaA'erit parentes et per accusationem suaui eos
damna gravia fecerit sustinere ro. §. Item isti.'
- Zu c. ä. X. II. li'. de causa poss. et proprietatis.
5 Zu c. -JO. de spons. IV. 1.
86 Schulte.
succ. quae ab int. de f. 1. quicunque. ' Et est lex impe-
rialis ; fecit enim eam henrigus imperator, et ideo dicebat
hubertus, corrigi per eam hanc partem C. unde vir et uxor
1. i. et sie. no/
Unter Hubertus ist wobl Ubertus de Bobio gemeint,
der Glossen zum Codex geschrieben hat, welche Petrus vor-
lagen. -
Ich will zu erwähnen nicht unterlassen, dass am Ende
vieler Glossen die Sigle p. vorkommt. Ueber die Autorschaft
des Petrus kann kein Zweifel obwalten.
B. Distinctiones.
XVII. Handschriften: *Vatik. 655 (Sarti L p. 367).
Angers, Stadtbibl. num. ,368. membr. fol. saec. XIII.
f. 1-42.
Wien, Hofbibl. 2076 mbr. s. XIV. fol. 99a— 126a.
Leipzig, Stadtbibl. num. 249 mbr. fol. s. XIV. erstes
Stück, mit dem falschen Titel: ,In nomine domini amen. Inci-
piunt constitutiones magistri Petri de Sampsone. Sed num-
quid in hac compilatione' u. s. w.
Cassel, Landesbl. ms. jur. in fol. 12, mbr. s. XIV. zwei-
tes Stück.
Der volle Anfang lautet nach der Ang. Handschr. :
,Incipiunt distinctiones M. Pet'. d'. sa'pso. Rex paciti-
cus. quaedam propter contrarietatem, quaedam propter simili-
tudinem. Numquid in hac compilatione sunt multa contraria
ut j. de sepultura c. I. et II. et c. octavmu et c. certificari
de sepultura? Nam una mandat reddere medietatem, alia
tertiam, alia quartam indicit. Numquid quaedam similia, ut j.
de libelli oblat. significantihus et j. de appell. signißcant.?
Solutio. Jura alia sunt generalia ut constitutiones, (|uae omnes,
astringunt : j. c. prox. Jirmiter cum suis similibus; alia parti-
cularia, quorum quaedam sunt facta ex tempore, ut j. de
cons. et affin, qitod dilecto et c. non dehet.' Die letzte Di-
' Lib. Pap. Henr. II. c. 1. fMonum. Germ. Leg. IV. p. 581), in der System.
Lombarchi II. 1.'?. 1. 81. (ibid. p. 615 der Lomb. Cassin.), Lnmb. viilg.
II. 14. de successionibus 1. 31. (ib. p. 629).
' Vgl. V. Savigny Gesell, des röm. Keclits V. S. 145.
Deere} alen Gregors IX., Inuoceuz IV., Gregors X. H7
stiiiction behandelt den Titel de testamentis. Am Schlüsse
steht in der von Angers: ,Expliciunt distinctiones iHa^Mstri j).
de sampsoii. Anno doinini MCCLXXX facta fuit cclla vina-
ria juxta piiteü. mgri olivef/
Diese Distinctionen sind nicht identisch mit der verlier
beschriebenen summa. Es ergibt dies schon der Eingang-, nicht
minder die Methode, welche nicht bei der Glossirung der ein-
zelnen Capitel, sondern bei der Darstellung des Gegenstandes
verweilt. Ob das Werk unvollendet ist oder die Handschriften
sich als Abschriften von unvollständigen darstellen, ist schwer
zu sagen. Im Hinblicke jedoch auf das Explicit der Hand-
schriften, den Titel, wie er in den bei Sarti angeführten
Handschriften ' und den mir vorliegenden gleichmässig angege-
ben ist mit Distinctiones, braucht man nicht an ein sich auf
alle Bücher und Titel der Decretalen beziehendes Werk zu
denken.
Die vatikanische Handschrift hat nach Sarti am Schlüsse
die Jahreszahl 1207. Mindestens ist es also in diesem Jahre
fertig gewesen. Es düi'fte indessen doch wohl jene Handschrift
nur eine Abschrift sein. Aus dem Inhalte lässt sich ebenso
wenig als bei der ersteren Schrift die Zeit genauer bestimmen.
Gegenüber den gleichzeitigen Werken lässt sich kein besonde-
rer Fortschritt bemerken ; indessen thut die Kürze und eine
gewisse Frische ganz wohl.
C. Lectura in Decretales Innocentii IV.
XVUI. Die Handschriften, die Anzahl der commen-
tirten Decretalen, sowie die Reihenfolge, wonach sie in den
einzelnen Handschriften commentirt wei'den, sind besprochen
am Schlüsse dieser Abhandlung.
Die Glosse fängt also an: ,Cum iu multis generalem.
Bene dicitur, quia praeter illos IUI conveniri possunt omnes
expressi. IHI hoc intellige quando pro diversis causis pro eadem
causa iudivisibili, puta si conveniat plures heredes vel socii,
' In (l(?in Kataloge der Bücherverleiher zu Bologna (Sarti Append. Monum.
p. 210, V. Savigny Gesch. III. S. döO) heisst es ,disputntioiies.' Das
ist aber höchst wahrscheinlich ein Schreibfehler; man kann ühiigens die
distinctiones auch so bezeichnen.
88 Schulte.
si essent mille omnes possunt conveniri ff. de qiiibus causis
1. I. et LI. §. 1. hie notat papa [nämlich Innoc. IV.] e. t. c.
pastoralis [c. 14. x. de rescr. I. o.] citatorio facto aiictori-
tate clausulae generalis in magna glossa sie ergo in verbo illo
arbitrio principis sicut alias praetor aetatem XVIII. ä. est
apta ad postiilandum ff. de postu. 1. I. §. initium et in auten-
ticis de referendariis in princ. ubi Status est nuraero refe-
rendarionim seil. VIII. ad arbitrium principis.'
Um die Methode erkennen zu lassen, theile ich noch einige
Stellen mit: c. pro hnmani. ,ad ima i. e. ad intima. gregem
seil, tidelium. ipsius seil, gregis. firmaret seil. Petrus, nos
seil. Innocentius IV. apostoli seil, beati Petri. suae seil.
Petri. ascenderet seil. Petrus. Nos seil. Inn. IV. apostoli
seil, beati Petri. noxia i. e. nociva. profutura i. e. utilia.
eos seil, ad quorum mortem perpetrandam mittuntur. meta i.
e. terminus.'
c. Veniens. et ipsos. repete declaramus. ex illo i. p.
permissum ex illis, quas seil, ecclesias. huiusmodi seil, de
septimis. qiii seil, elerici. a quil)us seil, clericis ullius ordinis
generalis, extra de deeimis nti.per. possess. quas seil, exeo-
lunt propriis manibus et sumptibus propriis.'
Er citirt weder Schriftsteller noch Glossen, welche über
diese Decretalen handeln. Man kann daraus wohl schliessen,
dass Petrus bald nach ihrem Erscheinen die Innocentianischen
Decretalen commentirt hat.
Unmittelbar nach dem Commentar folöt in der Wiener
Handschrift fol. 45a. die Bulle Ad explicandos nodos
also: ,Inci})it prologus novellarum decretalium domini
Innoeentii.
Innocentius epc. servus servorum dei dilecto tilio archi-
diacono })ononiensi salutem et apostolicam benedictionem. Ad
explicandos nodos' [die von mir a. a. 0. S. 709 abgedruckte
Bulle mit folgenden Varianten: nectit infirmitas; novarum
const. et decret. ; eis constit. et decretalibus; eisdem iuris vin-
culis contineri. Ne igitur . . . speciem sibi . . . dedueat
errorem . . . const. et decret. epistolarum prineipia, quas t. n.
P discretioni tuae . . . mandantes, q. eas. . districte pro-
hi))eas, n. q. alias sub nostro n . . . . admittat haec sunt
pt hü sunt titnli, quibus competere dinoscunturj. Hierauf stehen
Decrelalen Gregors IX., Innncenz IV., (iregor.s X. Oi)
zuerst (roth) die Titclnibrikcii, jedesmal eine Zeile füllend,
dann, je eine Zeile jede einnehmend, die Anfäng-e der einzelnen
Decretalen (schwarz) mit rother Initiale. Es sind 1 bis :^'.',
,'>1 bis 42, genau mit denselben Rubriken und Anfängen, die
ich a. a. (). Seite 705 ff. angegeben habe. Somit fehlt c. noii
so! um. Schluss: , Datum Asisii V. id. Septembris pontiticatus
nosti'i anno XI. ^
Der Apparat zu den Innocentianischen Decretalen ist ein
ganz selbstständiges Werk, weder die Distinctionen, noch
die I^ectura in decretales behandeln die Innocentianischen
Decretalen. Er ist von Johannes Andrea beständig berück-
sichtigt worden.
D. Constitutiones synodales Nemausenses.
Diese Statuten hat Märten e Thesaurus IV. col.
1(»lM) sqq. aus einer Handschrift zu Avignon (Stadtbibk) fonds
Requien Num. 44(». fol. 17 — 47 (,Incipit liber synodalis com
positus per magistrum Petrum de Sampsone ad instantiam
domini Raimundi, dei gratia Nemausonsis episcopi') abdrucken
lassen. lieber die Zeit der Abfassung kann aus dem Werke
selbst nichts Näheres bestimmt werden , ebensowenig aus der
Zeit R. Raymunds IL der von 1242-1272 regierte, wie schon
Sarti bemerkt. Einigen Aufschluss gibt die Avignoneser Hand-
schrift. ' Sarti nimmt an, Petrus habe sich zur Zeit, als er
diese Statuten machte, als Canonicus von Narbonne in Frank-
reich aufgehalten , sein I^ehramt falle deshalb in eine frühere
Zeit. ]\Iir scheint, diese Folgerung lässt sich mit Siclierhcit
nicht machen. Denn dass Jemand zu Bologna docirte und
ausserhalb ein Canonicat hatte, ist öfter vorgekommen. Aucb
dürfte der blosse Titel Magister vielleicht dafür sprechen,
dass Petrus als Professor zur Abfassung der Statuten veran-
lasst wurde. Sarti zeigt, dass die Familie des Petrus aus
Nimes oder doch jener Provinz stammt. Es ist nun offenbar
sehr erklärlich, dass der Bischof von Nimes einen berühmten
■ In ihr findet sich (vgl. mein Iter gallicum S. :599) fol. 47 der Vermerk,
dass P. Urban V. am 7. März l.'UU ,ad .servicium et usnm canonicorunv
sie der Kirche zu Avignon geschenlvt liabc.
90 Schnlte.
Professor von Bologna, der aus seiner Diöcese oder Stadt
stammte, zur Abfassung aufforderte.
Abbas antiquus. '
XX. Von dem Leben dieses Schriftstellers wissen wir
nur, dass er Schüler von Petrus de Sampsone war. Den Namen
Abbas führt er von seiner Würde; im Geg-ensatze zu Kicolaus
Panormitanus heisst er abbas antiquus. Wo er Abt war, ist
unbekannt. Seine Werke sind :
A. Lectura s. apparatus ad decretales Gregorii IX. 2
Handschriften :
1) * Vatic. DCLV (Sarti).
2) Prag-, Böhm. Museum, 2 Ex. (Schulte Can. Hand-
schrift. S. 51).
3) Prag, Metropolitancapitel (das. S. 78).
4) Bamberg P. H. 8. fol. mbr. s. XIV. ,Incipit lectura
abbatis^ ,Explicit liber I. lect. abbatis. finis primae partis lec-
turae abbatis. expl. liber tertius . . .'
5) Bamberg P. IL 9 mbr. fol. s. XIV,
6) Leipzig Universitätsbibl. Nmn. 1024. mbr. fol. s. XIV.
zweites Stück. ^
7) Kassel Landesbibliothek, ms. jur. in fol. 5., mbr.
s. XTV.
Wie Johannes Andrea richtig angibt, beginnt das W^erk
ohne Vorrede und zwar: ,Gregorius intei-pretatur vigilans et
bene vigilavit, dum huius libri sive compilationis utilitatem
heri procuravit. Fuit enim utilitas communis, ut hie statim
subditur vero ad communem. Episcopus sed quare vocatur
' Sarti I. jj. 'Mol. Diplovataccius fol. 193. Glossa utiIIus zu c. 4. X.
de praes. II. 23. (von Abb. Sic). Jo. Ändr. sup. I. Decr. pnd. fol. 4.
col. 3. Fr. Zabarella sup. I. Decr. prooem. fol. 7. col. 4. Mein Lehr-
buch S. 65. Dazu die oben cit. Stelle der Novella von Jo. Andr.
2 Sarti behauptet ohne jede weitere Angabe, dieselbe sei gedruckt, ver-
wechselt sie aber offenbar mit dem Werke des Abbas modernus (Nie.
Panormitanus, Abbas Siculus).
3 , Petrus et Abbas super casibus quinque libr. dccretalium. Danach sclicint
es, dass Abbas ein Werk des Petrus de Sampsone umgearbeitet hat.
Decretalen Gregors IX., Innoceiiz iV., Gregors X. [) {
episcopvis, cum major dignitas inornatur quam sit cpiscopatus,
seil, patriarcliatus vel archiepiscopatus vel primatia, quarc
potius appellari voluit episcopus? Resp. quia nomen generalius
et, nam nomine episcopi dici possunt quilibet superiores ut jam
patet^ etc.
XXI. Einige Stellen sollen tlieils zur Kennzeichnung der
Methode, theils als Grundlage für die Untersuchung einzelner
Punkte, welche diesen Schriftsteller und andere betreflFen, mit-
getheilt werden.
Cap. Raynutius 16. X. de testara. et ultim. volunt. III.
26. ,Ad glo. retinebunt solvebat ma. de samp. ]). vel respon-
debat ad iura, qnae iuducit Ja. hol., quod possit intelligi in
extraneo berede, secus in filio ut hie, sed mag. ob. (magistro
obest) 1. (lex), quae in alia glosa (seil, in ea, quae incipit ex
quo) C. de tre. (ad Sc. Trebell.) 1. iubemus (1. 6. C. VI. 49.),
ubi dicitur, quod, si filius rogatus sit hereditatem restituere,
debet retinere legitimam non per imputationem fructuum et
dodrante restituere, quod esse non posset, si duas detraheret.
Sed istam intelligit accur., quando testator hoc vetat, nam si
non vetaret, duas detraheret ut hie et infra Rayualdus. Do-
minus az. aliquo tempore fuit in opinione Ja. bal., postmodwti,
dum vegeret in provincla, ' contrarium tenuit per hanc et
' V. Savigny, Gesch. V. S. 4 be.streitet entschieden, dass Azo ausserhalb
Bologna's und insbesondere in Montpellier gelehrt habe. Ein altes Zeug-
niss war dafür bi.sher nicht beigebracht, denn Diplovataccius gehört
dem 16. Jalirh. (14G8— 1541) an. Savigny gibt selbst zu, dass Azo
vor 1230 nicht gestorben ist (Seite 8). Dass nun unser Abbas, der so
positiv und an einer Stelle, wo die Notiz selbst um so entscheidender in
die Wagschaale fällt, als sie ganz ungesucht ist, jene Thatsache, welche
keine oO Jahre vor Abfassung der Schrift lag, wissen konnte, leuchtet
ein. Hierzu kommt, dass diese Decretalen (cap. Raynutius gehört dem
10. Jahre Innocenz III., also 1208, an, Raynaldus fällt noch später)
ihn zur Meinungsändenmg veranlassen konnten. Dass regere technisch
das Lehramt bedeutet, ist durch die Notizen bei Savigny III. 215: d.
250 erwiesen. Dass provincia auch Montpellier unifasst, ist un-
zweifelhaft. Ich halte demnach die für die Literaturgeschichte interes-
sante Thatsache vom Lehramte des Azo in Montpellier durch dies Zeug-
niss für erwiesen. Auch ist dadinx-h bewiesen, dass Azo das canonische
Recht berücksichtigte, dass er noch lehrte, als Jacobus Balduini, sein
Schüler, bereits als Lehrer aufgetreten war.
92 Srhulte.
inf'ra e. Raynaldus. Et hoc verius mihi videtiir, ut dicit
j^lo. iiW . . .
c. sanc 10. de regulär, et trans. III. 81. ,Dicebat ma-
gister p., quod loquitur secundum consuctudinfin louibardoruin,
qni ponunt fugere pro ire^
c. praeterea 1. de conv. conjug. III. 32. , Casus. Con-
iugis licentia non sufficit sine voto continentiae , ut coniunx
etiam convertatur, fortius quia iste fuit professus et nihilominus
revocatur. Uiide per haue decretalem resp. f., magister p.
domino Jo. gaitani cardinali: iste de voluntate coniugis reli-
gionem ingressus et professus etiam possit exire, et dicit, quod
sie auctoritate propria, nisi qui remansit velit se ad continen-
tiam expresse vel tacite obligare' ...
c. Is qui 30. de sponsal. IV. 1. ,. . . Et quid, si quis for-
nicario affectu vel maritali intret seras vel claustrum pudicitiae
mulieris, cum non seminat, ne semen efFundit, numquid est
matrimonium consummatum? Respondeo, notat vinc, quod non
infra e. c. ult. et ideo idem XXXV. q. III. extraordinaria,
tarnen ins aliquod non inducit, sed dici potest, quod ea ratio
est, quia sola carnis commixtio facit consummationem matri-
nionii, arg. s. de biga. dudum circa finem. Et sie in
foro poenitentiae audivi a DUKjistro meo, quod non con-
sulerat in causa matrimoniali. Quidam clericus fuerat cum
quodam midiere XX. noctibus et corruperat eam, tamen, licet
claustrum mulieris subintrasset , nunquam irrogaverat hortum
smun nee seminaverat; accidit, quod puella illa contraxit cum
fratre clerici, dubitavit, an possit remanere cum eo ; dixit ma-
gister mens, (piod sie, sed in foro ecclesiae contentioso per
contrarium iudicaret, cum semper, ex quo corrumpit, pi'aesu-
matur consummare, et ilhid alias approbari non posset. Item
quid, si quis seminet in vas mulieris et non intret, numquid
consummatuj- matrimonium? Resp. sie, sicut notat vinc, quia
per hoc potcst carnis commixtio intervenire et tieri; sind nh
eo audivi, contingit in francia semel, quidam contraxit cum
quadam tam arcta et tam modicam fenestram habente, quod
etiam puer IX. annorum subintrare non posset, tandem credidit
eam corrumperc et non potuit, polluit eam tamen in vase debito
et contingit, eam impraegnari et adveniente hora partus opor-
tuit eam incidere, quia aliter partum emittere non valebat. Ecce
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 93
ergo, sicut in hoc exeiuplo apparet, matrimonium consummari
potest sine effractione claustri pudoris, quia viro seniinante in
inuliere appetente fuit facta seniinatio sive carnis coramixtio
viri semine in vase debito distillante. Tarnen ecclesia, quae non
iudicat de occultis eam iudicaret virginein per aspectuni nisi
de corruptione et impraegnatione coustaret/ '
XXII. Aus diesen Stellea und zahllosen anderen, welche
mit ,Ad glosam, quae incipit, adde^ und ähnlich anfangen,
aus den beständigen Citaten Glossa, glosator, ,glosa ordi-
naria^ ergibt sich, dass Abbas antiquus die Glosse vor Augen
hat und seine Lehrmethode darin besteht, bei jedem Capitel
die Glossa ordinaria der Erklärung zu Grunde zu legen, deren
Ergänzung, Erweiterung, Verbesserung vorzugsweise als seine
Aufgabe betrachtend. Aus diesem Charakter der Vorlesung,
welchen die Schrift wiederspiegelt, erklärt sich erstens, dass
wir zusammenhängende Auseinandersetzungen über Materien,
wie solche in den Summae geboten werden, nicht erhalten,
zweitens dass die vor der Glossa ordinaria liegende Literatur
nur herbeigezogen wird, soweit sich aus derselben die Glosse
ergänzen lässt, vorzugsweise aber die mit ihr gleichzeitige oder
spätere Berücksichtigung findet. Die Glossa ordinaria ist ihm
die Bernard' s von Parma, es ergibt sich dies daraus, dass
sehr oft gesagt wird ,b. in glo. dicit^ u. s. w. ganz so, als es
anderwärts heisst: ,glosa dicit' ,in glo. ord.' u. s. w. Drittens
bringt die Beschaffenheit des Werkes mit sich, dass die Con-
trovei'sen eine grosse Rolle spielen. Es wei'den wenige Capitel
erörtert, wofern die Interpretation über eine kurze Inhaltsan-
gabe oder die blosse Erklärung einzelner Worte hinausgeht,
in denen nicht die Controversen den Hauptgegenstand bilden.
Regelmässig werden die Vertreter der verschiedenen Meinungen
mit Namen angeführt, seltener blos mit quidam, alii die variae
opiniones eingeleitet. Es gewinnt das Werk dadurch an Frische;
zugleich bietet es für die Litei'aturgeschichte reiche Belege.
Von Canonisten werden angeführt, bald öfter, bald
seltener :
1. Petrus de Sampsone, sein Lehi-or. Biswuilcn sagt
er ,mag. raeus P. de Sam.', bisweilen blos magister mens,
' Ich habe diese Stelle mitf^'ctlieilt als Probe <1er t'asiiistik. Diese ist iidcli
stärker beim Eliehiudeniiss der Affinität.
94 'Schulte.
bisweilen ,mag'. P. de Sam/ Letzteres Citat läuft auf dasselbe
hinaus, da, so viel ich bemerkt habe, er ausser Petrus keinen
durch den Zusatz magister auszeichnet. Citate von Petrus
sind unendlich häufig-, die Schreibart der Handschriften ist p.
de sam. san. samp. petri de sampson., magister petrus.
Von demselben werden angeführt: a. Glossa, womit natürlich
der Apparat gemeint ist,' b. Distinctiones.-
2. Bernardus (de Botone).^ Meist wird nur schlecht-
hin glosea citirt, oft aber auch b. beigesetzt. Die Glosse
heisst bald glossa, bald glossa ordinaria, bald glossa magna.'
3. Innocentius IV. Er wird sehr häufig citirt.
4. Vincentius. So viel ich bemerkt habe, hat er stets
Glossen zu Decretalen im Auge, welche bereits in den 3 ersten
Comp. ant. stehen, so dass er die Citate nicht aus einem Appa-
rate zu den Gregorianischen entnommen hat.
5. Tancred; Citate desselben sind selten, dessen Summa
de matrimonio citirt er zu c. 3. de cland. desp. IV. 3.
ß. Laurentius, von dem ein Gleiches gilt.
7. Guilelmus Nasso.-^ Er wird sehr häufig citirt, bald
mit dem Vornamen, bald ohne ihn.
8. Jacobus de Albenga einigemale.
9. Goffredus de Trano, bisweilen mit dem Zusätze in
summa, bisweilen ohne ihn; die Anführungen desselben sind
sehr zahlreich.
10. Johannes, und zwar, wie sich aus den Citaten selbst
ergibt, Johannes Galensis.
^ Zu c. conquestiis 5. x. de feriis II. 9. , Magister iu glo. sua nou
bene distinguit ferias, sed tu seeundum od.^ ita distingue: sunt quaedam
feriae soleranes seil, inductae in favorem et in reverentiam divini cultus' etc.
- Z. B. c. edoceri 21. x. de rescr. I. 3. ,nota quae b. inducit pro se quod
c. sine praelato non agit vel e contra resp., cum ponam distinctionem
niagistri petri de sami). in fine operis.'
3 Z. B. c. 22. X. de rescr. ,et de hoc notatiir j. de except. cum inter II.
glo. b.;' c. 25. ibid. ,ut no. in glo. ordi. infra' cet.
^ C. dilcctus 29. de rescr. ut notavit hie innoc. et idem hie vlnc. et h,
notavit idem supra eodem pastoralis ad finem glo. magnae.' Oft auch
ohne Bernhards Namen. Citate als glossa prima, secunda, ultima
sind häufig.
'■> C. cajjitulum ?>'>). de rescr. .aliuni intellectum posuit hie G. Xaso, qncMii
recitat magister //. in glo. et ita ad illam ut debitus respondet naso.'
Decretalen Gregors IX., Innoci-nz IV., Gregors X. 95
11. Cardinalis ' d. li. Ilciiricus de Seji'usia od
O"
er
Hostiensis.
Diese Citate liefern den Beweis, wie man nach Annahme
der Glosse bereits früh anfing, die ältere Literatui- zu vernach-
lässigen, insbesondere für das Decret nicht mehr auf dessen
Literatur unmittelbar zurückzugreifen. Es möge, noch bemerkt
Averden, dass ab und zu eine Bemerkung am Ende mit einer
Sigle versehen ist, dass einzelne Glossen den Umfang kleiner
Tractate annehmen (z. B. zu c. quoniam frequenter ut lite
non cont., c. Rayuutius de test.).
Von Civil isten werden angeführt Johannes Bas-
sianus, Jacobus Balduini, Bagarottus, Azo, Odofredus,
Accursius, Gaufredus.
XXni. Was die Zeit der Abfassung betrifft, so dürfte
sie ans Ende der sechsziger Jahre zu setzen sein, da kaum vor
der Mitte der sechsziger Jahre die Glosse Bernhards als abge-
schlossen anzusehen ist. Citate von Decretalen Gregors X.
sind mir nicht aufgestossen ; hierdurch wird die angenommene
Zeitgrenze gleichfalls höchst wahrscheinlich. Dass die Schrift
nicht vor 1261 fällt, ergibt sich schon daraus, dass Henricus
de Segusia erst in diesem Jahre- Cardinal wurde. Dass unser
Abbas Lehrer des canouischen Rechts und zwar in Bologna
war, dürfte aus den mitgetheiltou Stellen und der genauen Be-
kanntschaft mit der Lombarda, zur Genüge hervorgehen. Ob
er aber Italiener, oder wo er Abt war, dafür finde ich im
Werke selbst keinen Anhalt. Aus seiner Bekanntschaft mit
französischen Zuständen, die ab und zu erwähnt werden, dem
Umstände, dass er sich gerade den Franzosen Petrus de Samp-
sone als Lehrer auswählte, Hesse sich vielleicht auf franzö-
sische Abstammung schliessen.
' C. Raynaldus 18. de testam. v. ab intestatu. ,Haec verba gcufralia
iustificant sententiain card. hino., et infra plenius dieam . . .' Nun wird
an mehrei-en Stellen die xinsicht von Hostiensis dargelegt.
2 Mein Lehrbuch S. 64.
Dass unser Abbas schon vor 1-J40 in Bologna wenn niclit gidchrt, so
doch stndirt hat, ergibt sich aus der oben abgedruckten .Stelle zu C. ?,0.
de .spons., worin er eine nüindliche Aeu.sserung von Vincent ins (vgl.
mein Lehrbuch Seite öi)) mittheilt.
Als Beleg für seine Textoskritik diene c. 1. de sponsa duoruin IV. t.
jduobus hoc ca^jituhun habent quidam pro palea XVL q. ult. e. alt.'
96 Schulte.
XXIV. Fassen wir zum Schlüsse den Charakter des
Werkes, die Art der Darstellung- und darauf g-estützt die Be-
deutung des Abbas ins Aug-e, so lässt sich nicht läu^nen, dass
eine für die Zeit grosse Literaturkenntniss, vollständig-e Beherr-
schung des Quellenmateriales, gründliche Kenntniss des römi-
schen Rechts und der Literatur seiner Zeit sich in demselben
zeigt. Als Folge davon tritt uns eine lebendige Darstellung,
eine grosse Selbstständigkeit des Urtheils entgegen, welche selbst
vor schroifer Kritik nicht zurückschreckt. ^ Diese Eigenschaften
und die wirkliche umfassende Ergänzung, welche sein Werk
bietet, machen begreiflich, dass die spätere Literatur ihn be-
deutend benutzt. Ich brauche nur auf Johannes Andreae
hinzuweisen, der in der Novelle in sehr ausgedehntem Maasse
ihn benutzt hat.
B. Lectura in Constitutiones novas Innocentii IV. 2
XXV. Handschriften am Schlüsse dieser Abhandlung.
Eine Handschrift mit solchem Schlüsse hat auch Oudin
Script. III. col. 246 verleitet, diesen Anfang der lectura Bern-
hards beizulegen.
Die Bamberger Handschrift P. IL S. hat am Ende fälsch-
lich: ,explicit lectura magistri bernardi de monte mirato com-
postellano deo gratias.'
Dieser Commentar hat den Charakter einer selbststän-
digen, die Innocenzianischen Constitutionen durch Wort- und
Sacherklärungen erläuternden Arbeit. Er ist abgefasst nach
der Zeit Alexanders IV. (gest. 25. Mai 1260), wie sich aus
folgender Aeusserung zu c. pia de except. ergibt: , iudex reum
excommunicato actori respondere cogere non debet invitum,
1 Als interessantes Beispiel diene das zu c. Quoniam frequenter iit lite
non cont. Gesagte: ,tertia lectura est magistri petri de sampson, et
inagis generalis. Et attende: dicebat magister p. de samp., quia hie vi-
detur inno Cent ins respondere ad modum piierorum; si enim quaeratnr
,1 ]iupro: ,nbi est pater tuus?' ipse respondet: vel in coelo vel in terra,
vel in mari.' Ita dicit hie innoc. : ,quaindiu exspectabitiir electns absens
non per contumaciam?' et ipse respondet: ,sicut est in canunibus defi-
nituni.' Quaere igitur totum corpus iuris ro.nonici et inveniens qualiter
sit (Icliiiiliiiii.'
2 A^gl. iiii'iiM' AMi. iibei' ilic Decretalen zw. Greg. IX. niid T^ib. Vf. Seite
7t; 7 IT.
Di'crctaleii Gregors IX.. Iniinccnz IV., CirPgors X. \) i
iimuo eum excludero ab ag'endo et nedum proptei* partis peri-
culuin^ iiiiino ctiaiii propter siuiin^ cum ipse iudex incidat in
minorem communicando illi. Idcni etiaiu videtur de iure civili
per auct. (lege: authent.) de pri\il. do. haeret. mulier.
nun pi-aestandis (Coli. VIII. tit. V.), nl)i dicitui', quud iilis
est deneganda facultas agendi, quibus communio per episcopos
denegatur. Nee valet, si respondeat, quod speciale est in cri-
raine liaeresis, quod semper eadem ratio proliibitionis renianere
videtur. Et hodie videtur alex. IV. hoc statuisse expresse.'
Auch fällt die Abfassung nach der Vollendung der lectura in
decretales Gregorii IX., wie die Bemerkung zum ersten Capitel
cum in multis ergibt: ,et istud adde, si vis, his, quae no-
tavi de hoc seeundum naso. supra eodem nonnulli^ d. h. zu
c. 28. X. de rescriptis I. 3.
Gleich der lectura in decretales Gregorii IX. ist auch
dieser Commentar später, besonders von Johannes Andreae
im Apparate zum Liber sextus und der Novella dazu stark
benutzt worden.
C. Distinctiones.'
Handschriften: Prag böhm. Museum I. B. 3., I. B. 4.
Bamberg P. IL 8.
XXVI. Nach dem alten Vorgange zu Bologna, über ein-
zelne Capitel ausserhalb der ordentlichen Vorlesungen in be-
sonderen Stunden zu lesen und Repetitionen zu halten,- hat
Abbas, auch hierin seinem Lehrer folgend eine Anzahl von
solchen separat commentirt. Sie fangen also an :
, Circa statuta facta a oapitulo ita distingue : aut res, de
quibus fuit quaestio, possident ut plures aut ut capitulum . . .'
Darauf eine Rubrik de cit. jud. 8i citati sunt infames . . .
de rescr. edoceri (c. 21. x. I. 3.), de consult. cum tanto
(c. 11. X. I. 4.), de elect. cum in cunctis, auditis (c. 7., 20.
X. I. ().), de temp. (jrd. literis coram nobis (?), de off. et
1 Meine citirte Abhandlung S. 770; dort ist jedoch der Inhalt zu kurz au-
gegeben, weil der Zweck mehr nicht forderte. Sarti i.st sehr ungenau.
2 Daher die s. g. Quae.stiones dominieales, mercuriales, veneria-
les verschiedener.
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVHI. B.l. I. Illt. 7
98 Schulte.
pot. jud. del. cum conting-at (c. 3G. x. I. 29.), de off. jud.
ord. judicis off. c. 2. x. I. 32.), de tr ansäet, super eo (c. 7.
X. I. 3G.), de distinct. jud. judicis (?), de alien. jud. niut.
c. etsi clerici (c. 2. X. I. 42.); de jud. etsi clerici (c. 4. X.
II. ].), de foro comp, post., sigiiificasti (c. 14. 18. II. 2.),
accedit, de conf. ex parte (c. 3. IL 18.), de test. et attest.
fraternit. (e. 17. IL 20.), de appell. iit debitus (c. 59. IL 28.);
de coh. der. (c. 7. IIL 2.), de praeb. de monachis (c. 12.
III. 5.), de jure empliyt. potuit (c. 4. III. 18.), de pign.
(c. 8. IIL 21.); de conv. conj. (c. 9. III. 32.); de despons.
(c. 7. IV. 2.), de frig. fraternit. (c. 6. IV. 15.); de praeb.
dil. lil. (c. 27. X. IIL 5.); de accusat. (c. 17. V. 1.), de
sym. de sym. (c. 22. V. 3.), de der. exeom. si celebrat. (c.
19. V. 27.), de poen. et remiss. quod quidam (c. 5. V. 38.).
Hierauf die von mir a. a. 0. S. 770 bezeichneten Stücke der
Decretalen Innocenz IV- u. s. w.
Wie die Namen, der Charakter und die Methode der
Schriften ergeben, liat sich unser Abbas an seinen Lehrer
Petrus de Sampsone ziemlich angeschlossen. Man darf seine
Ausführungen als Ergänzungen und Uebei'arbeitungen der Werke
seines Lehrers bezeichnen. Ihm ist er auch darin nachgefolgt,
dass er die Innocenzianischen Decretalen separat commentirt,
nicht unter denen Gregors.
Boiitiuus Mautuaiius. '
Boatinus lehrte zu Padua, wurde dort 1275 auch Canonicus
und starb im August 1300 daselbst, nachdem er vom 1. Aug.
1283 das Amt eines Archipresbyter bekleidet hatte. Er soll
43 Jahre docirt haben.
♦
^ Literatur in in einem Lehrbuche, 2. Aufl., S. 70, Note 40. Das.s die zu
schildernden Werke Boatinus angehören, habe ich bewiesen in der
cit. Abh. ü))er die Decretalen zw. Greg. IX. u. .i. w., S. 771 ff., so dass
auch niclits darauf ankäme, wenn die Handschriften den Namen nicht
hätten. Neben dem von mir a. a. O. beschriebenen Codex Prag, habe
ich sj)äter den •_'. benutzt. Vor mir ist ausser dem Namen nichts seit
Joh. Andreaes Notizen über ihn bekannt gewesen; Colle, der sein Leben
beschreibt, kennt seiiu^ Werke nicht.
l)ecrpt;il(>n Grfgors IX., Tnnocpir,'. IV., Gregors X. [)\)
)
Seine Schriften sind:
A. Lectura super decretales Greg-erii IX.
Handschriften :
Cod. Musei bühemici Frag-. I. B. 4., foh, nibr. saec.
XIV. fol 1—70.
Wiener Hofbibl. nuni. 2219 ful. mbr. saec. XIV. fol.
lila bis IGTb. Am Ende stellt nach der Lectura zu den Decre-
talen Gregors X. ,finito libro laus et gluria cristo amen. Quis
scripsit scribat et long-o tempore vivat amen, (von andrer Hand)
Johanni de affelstaii juris canonici liceii. altare ecclesie
Ratisponensis^
XXVII. In beiden Handschriften beginnt das Werk also:
jincipit lectura magistri boetini ' super decretales.
Grregorius etc. Ista constitutio sive prologus dividitur
in IUI. partes, In priina Gregorius salutem praemittit, in se-
cunda rex pacificus causam sive rationem reddit ad invcn-
tionem compilationis huius sive iuris, in tertia sane diver sas
subiungit multiplicem rationem sive causam huius praesentis
compilationis superfluis Omnibus resecatis, in quarta volentes
subinfertur quoddam praeceptum sive maudatum,^
,De summa trin. et fide catliolica. Rubrica.
Firmiter. Istud symbolum dividitur in VI. partes. In
prima describuntur et inseruntur pi'Oprietates, quae conveniunt
soli deo' . . .
Ende: ,Indignum. Naturalitcr donatarius tenetur donatori
ad antidota ; sed numquid , si episcopus contulit mihi beuefi-
cium, potero ei facere homagium tamquam feudatarius domino ?
Gerte non.'
Dieser nach 1274- gemachte Apparat gehört zu den we-
nigen Werken, in welchen die neuen (Constitutionen Innocenz IV.
eingeschaltet und somit als T]ieih3 der Gregorianischen com-
mentirt werden. ^
' Cod. Vind. boventini. — Bovotino ist dio itnlicnischn Form, wcdclif
.-meh Colle hat.
2 Weil die Schliis.se de.s 2. Concils von Lyon darin or\v;ihnt werden.
' Darüber iial)e ich in der cit. Abhandlnng' gesprochen, woselbst ancli ein-
zelne Stellen mit(j,etheilt sind. Hier hel)e ich jene Pnnkte hervor, die
dort als nicht zur Sache gehörig nnberücksichtigt blieben.
KK) Schulte.
XXVIII. Es lässt sicli dem Werke eiu gewisser \Yertli
niclit abspreclien, obgleich es mit den meisten älteren Werken
nicht entfernt auf gleiche Stufe gesetzt werden kann. Es bleibt
interessant als Beleg für die Leistung-en zu Padua aus jener
Zeit. Sachlich leidet es an grosser Dürftigkeit des Stoffes,
indem eine Masse von Capiteln, bisweilen ein Dutzend hinter
einander, g;ar nicht commentirt werden. ' Diese Dürftigkeit er-
klärt sich daraus, dass, wie auch überall aus dem Werke hei'-
vorg-eht, die Glossa ordinaria zur vollen Herrschaft gelangt
war, neben ihr ergänzte oder besserte man lediglich durch
Nachtrag-en älterer Meinungen, seltener durch selbstthätiges Er-
örtern. - So zeigt sich denn auch hier der eigentliche Inhalt
zumeist darin, dass bei den Capiteln rein mechanisch die Theile
angegeben werden. Daneben wird der eine oder andere prak-
tische Fall erwähnt und dai'gelegt; dieser Theil der Arbeit hat
Interesse und gibt ihr einen gewissen Reiz. Endlich werden
auch die verschiedenen Ansichten zusammengestellt. Uebrigens
ist die Arbeit auch relativ ungleich, die zwei ersten Bücher
sind viel besser behandelt als die drei letzten , in denen z. B.
ausser einem Schriftsteller (dominus bo.) Namen selten vor-
kommen. ^ Im Vergleiche zur früheren Zeit tritt die scharf
juristische Behandlung zurück, das iVrgumentiren aus allen mög-
lichen Gründen in den Vordergrund; auf das römische Recht
wird demzufolge eine so geringe Rücksicht genommen, dass
y-ewiss nicht zwölf Citate sich finden. Auch das Decret wird
seltener berücksichtigt, es beginnt die Methode der späteren
Commentaristik, den einen Paragraphen durch den anderen und
umgekehrt zu erklären.
Von Schriftstellern werden namentlich aufgeführt Inno-
centius IV., dessen Apparat stark benutzt ist, Guilielmus
^ Schon der Unifuiig in den Hfiiidschrifteu, welche beide die grosse Schrift
des XIV. Jahrh. haben, lässt ei'kennen, dass von einem irgendwie er-
schöpfenden Werke keine Rede sein kann.
- Wie bei Andren, so finden sich ancli hier bisweilen Capitel am Ende mit
einem Namen (Sigle) unterzeichnet. - Einigemalo wird Texte.skritik
geübt, insbesondere nach Innoccnz IV. Vorgange.
3 Buch I. mrifasst im Prager Code.x toi. 1 — "ilia, 2. Spalte oben; Biicli II.
von da bis 44b, B. III. von 4.ö — 5Sa oben 1. Spalte, B. IV. von da bis
Gla, -2. Sp. in dor Mitte, B. V. bis 7<>a, _'. Spalte. Schon dieses beweist
das Gesagte.
Deeretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. iHl
Nhso. Guido de Baysio ' (giii. de ha.j, Hostiensis; Ber-
nardus; Eg-idius (Fuscararius), von dein er Quaestiones voi-
Aug'on liat;- Tancrodus jedoch nui- nach Aiduhrungen von
Petrus de Sampsone, den er I'. de saxonia bezeichnet;'
Goffredus de Trano (Go.) ; Vincentius;' Laurentius;
Rodoicus;' Johannes de Deo; einigemalen- ein Jo. oline
Beisatz, in dem man wohl Johannes Hispanus tinden darf,
weil ein Decretalist gemeint ist; Jo. d'gu., womit wahrschein-
lich Johannes de Angusellis gemeint ist.'' Die Glosse ist
ihm so stehend, dass er oft schlechtweg sie mit glossator dicit
u. dgl. citirt. Am häufigsten, auf jeder Seite fast jedesmal, wo
fremde Ansichten aufgeführt werden, stehen Citate mit domi-
nus oder do', do. ho. Entweder ist bo. Abkürzung für den
Namen, in welchem Falle damit wohl kaum ein Anderer als
■ Guido de Baysio starb 1813; die Glosse zum Sextus kommt hier nicht
iu Betracht, da Boatinus seinen Apparat bestimmt vor 1298 schrieb. Es
ist auch nicht an den Comnientar zum Decret (das Rosarium) zu denken,
dessen Vorrede ein Dedicationsbrief des Guido als Archidiaconus von
Bologna an den Cardinalbischof Gerhard von Sabina ist. Da Guido rj'.tC)
Archidiacon wurde, so niüsste man also dann annehmen, wenn man auch
festhielte, dass der Brief nach Vollendung des Werkes geschrieben wurde,
Boatinus habe das colossale Werk, das in Bologna geschrieben wurde,
sofort erhalten und seinen Apparat etwa im letzten Jahre seines Lebens
als alter Mann gemacht. Das ist offenbar gewagt. Es darf also gewiss
angenommen werden, dass Guido im Anfange seiner Thätigkeit bereits
Zusätze ziu- Glosse oder dergl. publicirt hat.
- Zu c. 1. de rcscr. .quaestio domini Egi.', welche noch dauere und ,et ego
fui advocatus, quidam saecularis mihi respondit' . . .
^ c. Causam quae de elect ,haec est etiam opinio tancredi, ut notat p.
d'saxonia in sua lectura super isto c'
•* Nach der Art. der Citate zu schliessen scheint er dessen Apparat zu den
Deeretalen Gregors IX. zu kennen.
^ Rod.' im Codex. Er hat von ilim, wie die Citate zu c Cum Winto-
niensis und In cansis de elect. darthun, eine Schrift vor sich gehabt.
Im Prager Codex fol. 4öb steht eine Stelle (zu c. \f,. III. 4. cum ad
hoc), die ganz ilim entnommen \\w\ am Ende mit der Sigle Rody. ver-
sehen ist.
*> Siehe die folgende Erörterung iihcr ihn. Die Steile zu c. I'irniitcr 1.
de summa trin. lautet: .ca. in iudiciis hoc videtur falsuni, quia multe
decretales continent indulgentiam , et ille non debent allegari in iudiciis
per omnes, ut hie dicitur. R iu glo vel aliter: iste decre. aliquid con-
tinent propter indulgentiam et illud debet allegari: bo. vel aliter: ille
decre. per illos. quibus conceditur indulgentia. Jo. d'yu,'
102 Srhulte.
Jacubus Boiijicosa' geineint ist, oder es bedeutet dominus
bononiensis und bezeichnet seinen Lehrer aus Bohjp-na. Dass
er seine Studien zu Bologna gemacht hat, halte ich für gewiss
auf Grund der mancherlei Einzelnheiten, welche er von dorther
erwähnt.
XXIX. Als Beleg für die Methode, Beitrag für das Leben
und zur Feststellung einzelner Punkte mögen einige Stellen
mitgetheilt werden.
c. dilecti ]. de ap. et rela. ,Hic in principio t. (tituli) ad
Intel] igentiam ipsius consuevit notare magistar ho.^ quod secun-
dum antiqua iura omnis audiebatur appellatio sive ap. ex causa
sive sine causa^ . . .
Zu c. clericus de vita et hon. J. de elect., u])i peri-
culum §. praeterea, quae est Gregorii decimi.^
c. quia cunctis de concess. praeb. (^Innoc. IV. novella).
,§. Item ita se habuit Innoc. papa quartus, qui semper fuit
nobilibus gratiosus, volens honorare dominum draconem de
barbone, qui fuerat de consanguinitate regis francorum, sede
carnotense vacante mandavit priori de anolama, quod conferret
domino d. praedictam praebendam vel dignitatem sine cura,
siqua vacabat' cet.
Si ecclesia de consecr. ecclesiae. ,§. lavetur. Hie Signa-
tur quaedam glo., in qua dicitur, quod simplex sacerdos potest
lavare ecclesiam non consecratam, si polluatur sanguine vel
semine, sed magister Jo. (de) deo fuit in contraria opinione
i. e. quod hoc nou nisi per episcopum fieri possit, et appellat
magistrum hernardum propter hoc haereticum seil, quia dicebat,
hoc posse lieri per simplicem sacerdotem.'
c. Verum de convers. coniug. - ,. . Iste casus fuit in per-
sona domini (juidonis de suzaria, (pii contraxerat cum quadam
' Mein Lehrbucli Seite 67. Zu c. iinidentiam de off. et pot. jud. del.
wird gesagt: ,li;uic qviaestionem disputavit dominus bo. in scolis suis'.
- Diese Stelle citirt Jo. Andr. in c. uu. de voto in ('). also: ,Item hie
Avcli. dicebat, Bi«i. in decretali verum de convers. coniug., quod
Guido de Suzaria post matrimonium per se contractum nondum consum-
matum postulatus fuerat in episcojmm Taurin. sed postulatio non fuit ad
missa'. Dieses Citat tritt also zu den von mir a. a. O. mitgetheilten
hinzu, welche des Boatinus Airtorschaft unbedingt darthun. Ueber den
C'iviUsten Guido de Suzaria siehe v. Savigny V". S. 387 ff.
Decretalen Gregors; IX., Iiinocenz IV., Gregors X. 103
et cum nondum cog-novisset eandcin, postulatus luit in cpis-
copum taurinensem, ipse laincn non obtiimit/
B. Lcctura super decretales Greg-orii X.
XXX. In beiden o-enannten Handschriften steht sie ohne
jede Ueberschrift nach dein Apparate ym den Decretalen Gre-
gors IX. Sie beginnt also :
,GregM)rius. §. In generali concilio et post videtur con-
trariari omnibus inscriptionibus, quae habent: Greg. X. in
concilio generali, ideni in eodein, et sie de ceteris-, iiani
inspectis inscriptionibus omnes decretales inducuntur facte in
concilio lug., inspecta vero hac dictione post videtur, quod
quedam facte fuerunt in concilio et quedam post' u. s. w.
Ueber die Glossa selbst habe ich a. a. O. Seite 777 fgg.
hinlänglich gesprochen.
Johannes <le Aiigiisellis.
XXXI. Ueber die Schriften dieses Juristen habe ich bei
keinem der älteren oder neueren Literaturhistoriker eine Notiz
gefunden. Aus Notizen einzelner Glossatoren und anderen
Nachrichten ist sowohl seine Existenz als sein Lehramt in Pa-
dua unzweifelhaft. Die folgende auf einer von mir genau
untersuchten Handschrift, welche dessen Commentar zu den Con-
stitutionen Gregors X. enthält, ruhende Mittheilung möge als
Beitrag zur Literaturgeschichte gütig aufgenommen werden.
Der Cod. membr. saec. XIV. der Wiener Hofbibliotliek
Nuin. 2216 (Salisb. 327.) enthält nach dem fol. 1—58 stehen-
den Ordo judiciarius des Egidius de Fuscarariis (mein
Lehrbuch des Kirchenr. S. 66.) das zu besprechende Werk
auf fol. .59 — 78 b.' Von einer spätem Hand ist beigesetzt die
Ueberschrift: ,Apparatus domini Johannis de Agusoll. (mit
dem Strich durch die zwei 1.) professoris utriusque iuris super
• Für das Aeusere ist interessant, dass die petiae angegeben werden. So steht
fol. ()ö;i neben der ersten Spalte in der Mitte: ,hic finitnr secnnda petia
floriani', ful. ()7b am Ende: ,hic finitnr tertia petia floriani'. ful. 70 1) a.
E. ,li. f. IUI. p.', fol. 7(5 b ,hic fin. VI. petia meliorati.' Die Namen ge-
hören offenbar den beanftragten Schreibern an.
104 SrhllUp.
Greg'orianas/ Anfang*: ^Greg-orius X. in generali c. liigilii-
nensi. Fideli. 8ic incipit lex C de bis qui ad ec. conf. 1.
fideli (1. 2. Cod. I. 12). Devota. Recte dicit devota quia ex
voto necessitatis tenemur ad hoc. Unusqnisque ei promittit in
haptisnio tenere fidem et servare decaloguni et alia, sine qnibns
non est salus.^ Ende: Glossa zur const. Quicnnque pro
eo quod. ,Hic finitur apparatus Johannis de Cesena sive
de Gozellis utrinsque iuris professoris super novissimis Gre-
gorii X.'
Ein Giovani Ang-usciola von Cesena wird als Pro-
fessor in Padua erwähnt von Colle Storia scientifico-letteraria
dello Studio di Padova. Vol. III. Päd. 1825. 4. pag. 19 sq.
Colle bemerkt aber, dass ihm dessen Name in keinem Doeu-
mente vorgekommen sei und er sich allein stütze auf Alber-
tus de Gandino (v. Savigny V. S. 560 ff.). Dieser sagt in
seinem Werke de maleficiis:' Tit. de poenis reorum N. 7.
jhanc autem dist. sie copiose notavit d. Jo. de Angusel. de
Cesena legani doctor in utroque jure Päd., in scholis ego
AI. didici ab eo.' Vgl, über ihn weiter Panzirolus L. III.
cap. 19, Facciolati Fasti Gymn. Patav. I. p. 33. Gegen letz- j|:
teren polemisirt Tiracoschi und nach ilim Colle, dass er
nicht im Anfange des XIV. Jahrh. gelebt haben könne, Aveil
Albertus schon 1284 in Bologna lehrte. Dass er nicht nach
Bologna gegangen sei, wie Parzirolus und nach ihm Papa-
dopoli annimmt, hält Colle durch das Schweigen von Sarti
für erwiesen. Es ist nun wohl unzweifelhaft, dass eiu selbst-
ständiger Commentar zu den Decretalen Gregors X. kaum nach
dem Erscheinen des Liber sextus, also nach 1298, gemacht sein
dürfte. Man darf ebensowohl annehmen, dass nach den sonst
bekannten Vorgängen bald zum Commentiren geschritten wurde.
Es dürfte mithin — die Autorschaft vorausgesetzt — dieser
Commentar am Ende der TOger Jahre des XIII. Jahrhunderts
gemacht sein. An der Autorschaft selbst, welche den mit der
Schrift des Textes gleichzeitigen Schlussvermerk angibt, zu
zweifeln, haben wir um so weniger Grund, als Name, Ort der
Herkunft und Zeit mit dem gut stimmen, was Albert erzählt.
Doch davon abgesehn, ist diese Handschrift allein Beweis genug.
I
l Ausgabe Lngd. 15;52. 8. fol. CCCLXXVlIb.
Decretalen Gregors IX., Iilhocoii/. IV., Gregor.s X. 105
In (Ion meisten Erörterungen zu den einzelnen iDccretalen steht
inehrnialisn, oft nach jeder (Ihisse;, oft nach grösseren Partien
der Name unzählig-emale ausgeschrieben Jo. de cesena, oft
abgekürzt Jo. de ces. oft auch blos Jo.
Dass nun der Verfasser in Padua lebte, beweist wieder
der Conimentar selbst. Es g-enüg^t hervorzuheben die Decretale
Quanquam usurarii (c. '2. de usuris in G." V. 5.), wo es
heisst: ,Sed quid si iste, qui petit restitutionem usuraruni, litig-at
per procuratorem corani episcopo, sicut contig-it de facto coram
domino episcopo Paduano in quadani causa, in qua
er am patronus. Heres fenerarius objecit illi, quod non po-
terat litigare per procuratorem, quia erat minor XXV annis.
Iudex ex aspectu pronuntiavit, eum niaiorem et sie posse per
procuratorem ag-ere . . .'
Ueber die Zeit der Abfassung- lässt sich aus dem
Werke Folgendes entnehmen. Er citirt wiederholt Borna r du s
zu den Decretalen Innocenz IV. z. B. im cap. ut circa elec-
tiones (c. 4. de elect. in (1 I. 4.), ebenso die Glosse des Bern-
hardus de Betone zu den Decretalen Gregors IX. (z. B. in dem
cap. quanquam usurarii: , licet haec allegat bernhardus ex.
de elect.^ und mehrmals), ferner die Summa Hostiensis, '
dann des Goffredus Summa.'- Von Civilisten ünde ich nur
Azo und Accursius citirt. Der Conimentar des Bernhard von
Parma zu den Decretalen Gregors IX. ist 1264, der des andren
Bernhard zu den Decretalen Innocenz IV. viel früher vollendet
worden, die Summe Godfrieds nach 1241, die von Henri cus de
Segusia (Hostiensis) zwischen 1250 und 1261. Da er keinen
der Commentatoren der Decretalen Gregors X. (Garsias,
Wilhelm Durantis) kennt, auch keine anderen nach 1260
fallenden Schriftsteller citirt: so dürfte die Annahme gerecht-
fertigt sein, er habe die Decretalen bald nach ihrem Erscheinen,
vielleicht noch 1275 commentirt. Damit stimmt, dass, so viel
ich bemerke, keine jüngere Decretale citirt wird.
' Zu cap. Quam sit dispeiidio.sa heisst es: ,nec dicitur, (jimd iiitVa illos
menses debeat prae.sentari, vel quod electus debeat consentire et ideo
hostiensis movit hanc questionem in summa sua e. t. §. quam ])cnam.'
2 Cap. decet domum dei: ,et si non veneris secundum groff. die quod
non, sec. hostiensem die quod sie et allega pro uiio ((n-Kpic iit in
summis eorum allegatnr . . .'
106 Schulte.
XXXII. Sehen wir auf die Arbeit selbst, so darf sie für
eine im Vergleiche zu den meisten jener Zeit bedeutende erklüi-t
werden. Sie enthält eine weitaus grössere Rücksichtnahme auf
das römische Recht in seinem ganzen Quellenumfange, als die
Glossa ordinaria und ziemlich die meisten Schriftsteller; daneben
kommt auch das I^ehenrecht in Betracht, aus dem einige Stellen
(z. B. de regalibus) mitgetheilt werden. Ich möchte glauben,
Johannes habe das römische Recht ebenfalls docirt, mindestens
war er darin sehr zu Hause.
Merkwürdig ist, dass wir nirgends von dem Werke eine
Erwähnung linden. Wenn Garsias und Durantis in ihren
Commentaren es nicht berücksichtigen, so erklärt sich dieses
leicht, weil wohl beide, jedenfalls aber der von Durantis gleich-
zeitig sein dürfte. Auffallend bleibt es hingegen von Johannes
Andrea und Johannes Monachus. Obwohl nicht wahr zu
sein scheint, was behauptet wird,' dass Johannes Andrea
dieses Johannes Werk de sponsalibus et matrimonio sich zuge-
schrieben habe, so lässt sich doch dessen Schweigen nicht leicht
erklären. 2 Jedenfalls hat man schon früh seine Werke nicht
mehr besessen resp. gekannt. Panzirolus L. III. cap. XVIII.
sagt: , cujus scripta teraporum injuria periere. Eruditus tamen
de Protestationibus ejus liber et alius de Sponsalibus, ac
Matrimoniis extat, quem Joannes Andreae sibi impudenter
adscribere non erubuit.' Uebrigens wäre er nicht der Ein-
zige, dessen Schriften man bald nachher nicht mehr gekannt
hätte, wie sich bei Boatinus von Mantua gezeigt hat.
• Alberic US de Rosate dictionarium ad utriusque juris facilitatem cet.
Lugd. 1548 fol. sub voce matrimonium j. (primo) est viri et mu-
lieris coniunetio: ,Et in quadam sunnnula Jo. an., quam fecit super
matrimoniis: et quae originaliter fuit do. Joa. de angosolis, qui eam
composuit; licet ipse Jo. an. eam sibi ascripserit.' Aber in Cod. tit. de
spons. rubr. sagt er: ,De hoc breviter et utiliter traditur per Jo. An.
in summa sua, quam composuit supier IV. lib. Decr., quae incipit: Christi
nomen invocans, et iii qiia<Jam etiam summa antiqua. quae dicitur
composita fuisse per dom. Jo. d. Anguselis.' Panzirolus L. III. c.
XVIII. hat wold die erste Notiz aufgenommen, die zweite aber scheint er
nicht zu kennen. Albericus lebte zu Bergamo und starb 18.54, hatte
in Padua studiert. Vgl. v. Savigny v. S. 12(i ff.
2 Denn Johannes Andrea hat ja selbst in Padua docirt inid zeigt sonst
eine so grosse Kenntniss der Literatur.
Decretalen Gregors IX., Iniiocoiix IV., Gregors X.
107
Guido de Baysio liat uiizwciiV'lltaft Vlieses Johannes
Werke gekannt, und, obwohl er nicht ein einzigesnial diese]])en
in seinem Apparate zum Liber Sextus citirt, benutzt. Dies
beweisen meines Erachtens folgende; Stellen, wobei ich keine
spätere glossirte Ausgabe des Corpus juiis canonici zu Grunde
lege, sondern die von 1476. Basel. Michael AVcnzlers.
Glossa ad c ubi pericul. 3 de
Codex fol. 60 b.
Suffragio i. e. consensu
in electionibus praestito. sie.
sumitur ff. de leg. I. senatus-
que cons. d e q u i b u s i n f i . e t ff.
quod cuiusque univ. 1. item
cor um §. 1. alibi accipitur
pro auxilio vel consilio vel
servitio ut XL q. 2. ({ui-
cunque suffragio et C. de
suffr. 1. 1.
elect. V. suffragio.
Suffragio i. e. consensu.
sie. sumitur ff. de leg. I.
de quibus in fin. ff. quod
cuiusque univers. 1. item
cor um §. 1. ad haec ff. de
decur. 1. spurii §. minores, in-
feod. c. ex eo. aliquando sumi-
tur pro auxilio consilio,
vel servitio, 12. q. 2. cap.
quicunquo suffragio. C. de
suffr. 1. i. Ärchidiacomcs.
Glossa ad c. 9 ibid. v. ce^
lebratis. Celebratis. Uno con-
textu sup. eo. c. congregato
antequam divertant ad extra-
neos actus, nam quae iu cou-
tinenti fiunt, inesse videntur.
sup. eod. c. officii ff. si cert.
pet. 1. lecta. si autem fiant ex lecta. si autem ex intervallo
interwallo: die, ut not. sup. eod. fiaut, quae pi-aevaleat, diversi
c. auditis in glos. nota quia Ar- mode dicitur ut no. e. t. audi-
chid. tis in fi. gl. no. quod die. ut
ibi. Jo.
Auch Johannes Andreac hat trotz seines Schweigens
sowohl im Apparate als in der Novella zum Sextus dies AVerk
benutzt.
Interessant ist, dass gleichzeitig in Padua zwei Professo-
ren: Boatinus und dieser Johannes, sich der Bearbeitung der
neuen Decretalen widmeten. Es zeugt das jedenfalls zu G un-
Codex fol. 64 b.
Celebratis. In una ecclesia
et simul et in continenti una
post aliam antequam ad actum
extraneum eligentes. j. c. con-
gregato, quia, quae in conti-
nenti tiunt, inesse videntur j.
c. officiit et ff. si cert um pet.
108 Schulte.
sten eines lebhaften Studiums. Auch bleibt interessant, dass,
wie für manche ältere Schriften in meinen Beiträgen zur Ge-
schichte der IJteratur über das Decret Gratians gezeigt wurde,
so die Schriften dieser beiden sich gerade in deutschen
Bibliotheken erhalten haben. Sollten sie sich auch anderwärts
noch vorfinden, jedenfalls deutet jene Thatsache auf einen leb-
haften Besuch Padua's im Anfange des XIV., am Ende des
XIII. Jahrhunderts. Dieser Besuch dauerte auch bis ins XV.
Jahrhundert hinein, wie eine Anzahl von in Padua gemachten
Abschriften Prager Bibliotheken beweisen. ^
SiiffVagiuiii 3Ioiiaclioruni.
XXXin. — Ich beschreibe dasselbe nach dem Berliner
Cod. Ms lat. fol. 276. membr. s. XIV. [,Monasterii Bledzovien.
sacri ordinis Cisterciensis.'] von fol. 1 — 133a. ,In nomine do-
mini amen. Incipiunt casus leg um qui dicuntur suffragium.'
Nach dieser Rubrik: ,Quoniam multa decretalium puncta expo-
sitione indigent ampliore, in glosis quoque additiones cum
declarationibus imminent faciende. cum nichil sit tam proprium
legis sicut claritas. in autenticis de testamentis imperfec-
tis §. nos et ar. C. de no. co. compo. 1. ult. verbum quibus,
idcirco ad honorem iudividue trinitatis et gloriosissime virginis
marie et omnium sanctorum praedicta duxi pro viribus veniam
super minus bene dicendis postulando.^
,Gregorius' episcopus et cet. Ad evidentiam istus
glose que incipit ,huius libri' nota quod ista quinque que pre-
raittuntur. materia. intencio etc. operata sunt ad similitudinem
quinque que sunt in natur. materia. forma, efficiens. finis et
accidencia. Quia secunduni prophetam.'
Das Werk enthält einen Commentar zu der Glossa ordinaria
des Bernardus Parmensis in der Weise, dass anknüpfend an
deren Worte ihr Inhalt vorzugsweise aus dem römischen Rechte
belegt wird. Hierbei werden dann allerdings eine Menge von
selbstverständlichen Dingen mit Aussprüchen begründet, viele
Citate an den Haaren herbeigezogen, so dass ihm ein beson-
' Man sehe meine Canon. Handschr. iimii. 1«4., 188., H)7., 284.
Decretalpii (in-gor IX., Iiinuccir.'. I\'., Gregors X. lülJ
ders hoher Wert nicht Ijcig'elegt \V{'.r(h;n kann. ^Gleichwohl war
es g-eeig-net, demjenig-en Tlieile des Clerus, welcher keine
besonderen Studien über das römische Kecht gemacht hatte,
als bequemes Hilfsmittel für dessen Ivenntniss zu erscheinen. Aus
diesem Grunde nimmt es eine Stelle in der Literaturg'eschichte ein,
ja verdiente wohl eine eingehende Untersuchung-.
Mit dem angegebenen Z^vecke und Charakter des Werkes
hängt der Name Suffragium magnum zusammen. Es wird
jedoch meist genannt Suffragium monachorum. Ueber
dieses spricht sich Johannes Andreae, ohne es näher zu
bezeichnen, in der Novella super decretalibus Prooem. sub v.
novella [Ausg. Impr. in oppido Tridini dominii Illustr. et
invictiss. dni dni Guiehni Marchionis Montisferrati. Impensis
dni Joannis de Ferrariis alias de Jolitis ac dni Girardi de Zeiis
pdicti loci. Anno nativitatis dni nostri Jesu xpi MCCCCCXII.
Die XVII. Mensis Mali; fol. a. col. II.] also aus:
,Etiam tantum habeinus sufragium monachorum opus
quidem superfluitatibus defectibus et falsitatibus plenum et
liceat sie verum loqui: ex eo saltem quod ignoramus auc-
torem.^
Dadurch ist, wie bereits v. Saviguy (Gesch. des röm.
Rechts VI. S. 125, II. Aufl.) bemerkt hat, die angebliche Autor-
schaft des Johannes Andrea zurückgewiesen, obwohl er das-
selbe gleichwohl vielfach zu Rathe gezogen zu haben scheint.
Ueber seine Gestalt gibt er nur a. a. O. zu dem Worte Grc-
gorius (fol. a. col. 4.) an, wo er die Vorreden der Summen
u. s. w. kurz beschreibt:
, Suffragium etiam caret prohemio et ignoramus auctionem'
[1. auctorem].
XXXIV. Das Werk sell)st kommt aber in vei'schiedener
Gestalt vor. In der von mir früher [,Die canonistischen Hand-
schriften der Bibl . . . . zu Prag. Prag 18(jS. Abhandl. der kön.
böhm. Gesellsch. d. Wiss. VI. Folge II. Bd. Nr. 121] beschrie-
benen Handschrift des böhmischen Museums M. 17. wird
ein Werk geradezu bezeichnet Suffragia monachorum, wel-
ches mit dem hier besprochenen in Vielem zusaniiiicnlritlt, oft
aber viel kürzer ist. In ihm fehlt der Anfang ,Quoniam" u. s. w.
Statt dessen steht als Einleitung die eines weiter unten be-
schriebenen Werkes :
110 Schulte.
jPone quedam mulier nolebat lugere maritiim suiim i.
aunum et statim nubebat; quaeritur quomodo debet pimiri.
Am Ende: ,expliciunt quorum suffragia sunt mona-
chorum/ Geradeso findet es sich im Cod. der Leipziger
Universitätsbibl, 992., membr., fol., s. XIV.
Es kann wohl nicht zweifelhaft sein, dass wir verschie-
dene Formen derselben Schrift vor uns haben. Die Zeit der
Entstehung wird einerseits dadurch festgestellt, dass es nicht
in die Zeit unmittelbar vor Johannes Andreae fallen kann,
indem sonst der Autor schwerlich diesem unbekannt geblieben
wäre, aber nach dem Jahre 1245 entstanden sein muss, da
die Arbeit über die Decretalen Innocenz IV. von demselben
Verfasser herrührt, wie die unbedingt gleiche Art der Behand-
lung ergibt. Wenn man aber (vgl. mein Lehrb. des Kirchenr.
2. Aufl. S. 63) annimmt, die Glosse des Bernhard von Parma
zu den Decretalen Gregors IX. sei nicht vor 1263 fertig bez.
schon in einer ersten Form verbreitet gewesen, so dürfte die
Zeit von 1266, wo Bernhard starb, ziemlich die der Entstehung
sein, da sich sonst kaum erklären Hesse, dass auf spätere Ge-
setze und Literatur keine Rücksicht genommen wird. Als Bei-
spiel der Behandlung zu c. Canonum statuta fol. 2b. palea
est conscripta paleacio sive declaracio ad instar capituli edita
et promulgata, per quam dictum aliquod quodammodo semiplene
positum paleatur i. e. paiulatur sive propalatur. dicta a palo
hoc est a stipite qui palam extenditur et videtur. vel secun-
dum quosdam palea dicitur a patho grä [Gratiani] discipulo. §.
Sunt tamen qui dicunt paleam similitudinarie dici a palea, de
qua emusa et excussa sunt grana, volentes ex hoc inferre,
quod palee inutiles sint et minus valide, quibus standum non
est cum alique palee validiores sunt ipsis capitulis et alle-
gentur et corpori decretorum compaginentur; alias fru-
stra membranas occrtparent. §. Differt autem palea a capitulo
solum in nomine et non in re, quia pro uno et eodem repu-
tantur.'
Der Ausdruck Casus legum ist rücksichtlich beider
Wörter nicht im gewöhnlichen Sinne zu nehmen. Es enthält
nflmlich das Werk keineswegs etwa eine blosse Sammlung von
casus, sond(!rn eine Sammlung, in der Casus, Citate aus dem
römischen Reclite, Verweisungen, etymologische Studien, Erzäh-
üecretalen Gregors IX., liinncenz IV., Gregors X. J 1 1
langen u. s. w. durcheinander vorkommen , > (jlme dass die
Casus vorwiegen. Mit legum ist nicht das rinnische Recht ge-
meint, weshalb die Erklärung- Rechtsfälle oder Erläuterungen
aus den leges nicht passen würde, sondern damit sind die
Deci'etalen selbst bezeichnet. Hierüber kann kein Zwcnfel sein,
da es am Ende von Buch I. auf fol. 44b heisst :
,Explicit liber primus legum
Incipit liber secundus de iudiciis.'
Der Schlass fol. 133 a lautet :
,Veniens et j. ex hoc ipsum. ff. locati. Item quaeritur
§. Julianus, ubi dicitur, quod magistro levis castigatio concessa
est nee tenetur accusacione legis aquilie, si leviter verberaverit
aliquem discipulum, ut ff. ad 1. aquil. sed etsi §. ultimo.
Expliciunt casus legum
sive suffragium magnum
benedictus sit deus. Amen.^
XXXV. Dieselbe Berliner Handschrift hat fol. 134— 147 a
einen Commeutar in derselben Art und offenbar von demsel-
ben Verfasser, als der zu den Decretalen Gregors IX., zu
den Decretalen P. Innocenz IV. Die Rubrik lautet: ,Inci-
piunt novellae Gregoriauae. Rubrica de rescriptis.'
Sie enthält ohne den Text einen Commentar zu folgenden
Nixmmern der Sammlung von Innocenz: 1 bis ,5, 9 bis 14,
IG bis 19, 15, 21, 22, 25, 27, 40, 3G, 37, 38, 39, 34.
Vor dem vorletzten Capitel ,Quia periculosum' steht
die auffällige Rubrik:
,Incipiunt Innocenciae.^
Am Schlüsse heisst es :
, expliciunt novelle constitutiones gregoriane et aliquae
innocenciane.'
Die 3 ersten (1, 2, 3) stehen unter- der Rubrik de re-
scriptis, die drei folgenden (4, 5, 9) de electionibus, 10,
11, 12 de officio legati) 13 de foro comp., 14 de lit.
cont., 16 de dolo et cont., 17 de eo (jui mitt., 18, 19 de
eonfessis, 15 de restit. spoliat., 21 de except., 22 de
sent. et re iud., 25, 27 de appell., 40, 36, 37, 38 de sent.
et re iud. (die wiederkehrt), die beiden letzteren (,Q,uia \u'v'\-
colosiun^, ,Romaua') sind ohne voi-hergehende Rubrik.
112 Scliultp.
Der Coramentar selbst hat die Glosse des Bernhardus
(J um pu stell an US vor Augen. An deren Worte knüpft er
überall an.
Der Commentar zum ersten Capitel cum in niultis
beginnt :
,Cum in multis. Glo. notat. ff. de testi. 1. i. nisi ibi
iudices debent moderare numerum testium secundum quod ne-
cessarium putaverint esse nee debet pati multitudo seil, super-
flua testium producatur causa vexandi liomines. C. de sacro-
sauctis eccles., ut inter divinum [1. 23.] ibi dicitur oliin
si aliquid reliuquebatur loco religioso videbatur quod semper
competeret ius petenti usque ad centum annos et non ultra.'
Anonymi Noiabilia decretalinni. '
XXXVI. Der Codex membr. fol. sig-nirt P. II. IS. der
königl. Bibliothek zu Bamberg enthält fol. 1 — 92 von einer
Hand des XIV. Jahrhunderts (der Catalog hat XIII.) ein Werk
mit der Aufschrift: ,Notahüia decretalium' und dem Schlüsse:
,Indignum §. dicitur quod indignum et alienum ab ecclesia
rom., ut pro spiritualibus quis facere homagium compellatur :
s. de sym. ex diligenti, XII. q. V. c. ultimo. Expliciunt cmna
et notahüia decretornm'. Voran geht eine lange Vorrede, 4'/2
Spalte fassend. Sic beginnt: ,Sicut omnium liberalium artium
disciplina suorum elementorum traditionem desiderat, ita juris
peritia, quae scientiam suam institutionum insinuationem appetit,
' Auf dem ersten Blatte: , Codex inoncasterii sei Michael', in monte prope
bbbg'. N. II. ,Quem si quis abstulerit, anathema sit'.
Von fol. n;i bis zu Ende 104 steht eine sehr interessante Samm-
lung von Quaestiones, aber ohne die Bearbeitung oder Lösung, also
oft'enbar zum Schuluebrauehe , civilistischen und canonistischen Inhalts,
und zwar Num. 14—20, 1— .31, 1 — 141, 1-21, l-lö, :52— 54. Einige
berühren die Zeit Friedrichs I. (Mailand), Viterbo, Bonns Accursus, Egi-
dius (Process gegen den, welchem er in der Krankheit sein Vermögen
übertragen, um es seinem unehelichen Sohn zu geben), Fälle über Hono-
rare, mehrere betreifend Aretia, Albertus, ,lecta est in auditorio Rofredi
beneventani juris civilis scientiae professoris in civitate Aretii cautio huius-
modi', Bologna u. s w. Die Schrift gehört dem XIII. Jahrb. an. ist eine
ganz andere, als die des ersten Theiles.
Decretaleu Gregors IX., Innoceiiz IV., Gregors X. Il3
affectat verum, qiii scientia canonuni prius ei"at per diversa
vagans volumina. Propter hoc missus est liber eunctis gentibus
desideratus, venit canoiiicae seientiae plenitudo, in qua suiuiuus
pontifex nubilosa primitus dedaravit' . . . Jetzt folg-en Excla-
mationen über den Wertli dieses Buches (Decret. Greg. IX.),
dann will er nach Horazens Spruche kurz sein , verfällt aber
wieder in Redensarten, kommt endlich zur Erklärung, dass er
sagen wolle, ,primo quae sit iuris origo, secundo, quae ratio
movit praesentem summicm j^ontißcem ad veterum canonum de-
curtationem^, dann die dignitas, materia, intentio u. s. w. des
Buches. ' Das canonische Recht wird auf das Paradies (,for-
mavit deus ad imaginem' etc.) zurückgeleitet, verfolgt, bis dann
als Grund der neuen Sammlung die Nothwendigkeit erscheint.
Er gibt die Geschichte der Compilationes autiquae, jedoch
etwas confus, preist dann die Gregorianische Sammlung, weil
an die Stelle der 25 definitiones der 5 Volumina 5 getreten
sein. ,Decurtavit in titulis; nam cum in veteribus quinquies
C. et XXX. tituli comprehenduntur, ad novies XX. sunt hodie
redacti. Item in capitulis, sed non multum. Nam cum in an-
tiquis bis mille et XL duo, ad mille et DCCCC. reducuntur'.
Folgt das Lob der Decretalen, Apostrophe an die Jugend u. s. w.
Rex pacificus. Casus. Qui pacem desiderat, ita voluit,
ita disposuit, quod eins statuta caste paciiice sobrie viverent et
modeste; sed illa, quae radix est omnium malorum, eorum
quietem perturbat, cum nova pariat iurgia . . . folgt die Angabe
des Inhalts.
Firmiter credimus. Decretalis ista dividitur in tres
partes. Primo dicitur, quod debemus credere et confiteri unum
et incommutabilem deum
XXXVII. Die Methode besteht darin, dass zuerst der
Fall des Capitels erzählt, sodann mit dem Worte nota einge-
leitet in einem oder mehreren Artikeln auf die in dem Capitel
enthaltenen , bez. daraus gezogenen Rechtssätze aufmerksam
gemacht wird. Eine Stelle sei wegen der Methode mitgetheilt.
' Interessant der Passus: ,Et qnnä priora tempora vix post qnadriennium
contingebat prioribus, ut con.stitutioiies Eo. ))ontificiini legcreiit, hoc vos,
jnvcnes, a primordio ingrediamini, Jigni tanto lionore tantaqne re-
porti felicitate.'
Sitzb. d. pliil.-liist. Cl. LXVHI. Bd. I. Ilft. , 8
114 Schulte.
c. Cum autein X. de jure patron, III. 38 : '^
ySi laicus uuum episcopo praesentet et postea alium, arbi-
trio episeopi relinquitur, quis eorum alteri praeferatur. Si autem
derlei vel monaclii praesentationem fecerint, prior tempore et
praesentatione potior erit in jure. §. Nota, eo ipso, quod venit
contra factum suum, videtur reprobare primum. §. Item cum
duo praesentantur a laico, episcopus potest, quem voluerit, gra-
tiiicare; et ita est locus gratiticationi, qiiod verum est, cum
dubitatur, quis potior sit. §. Item in praesentato a patrono cle-
rico melior est conditio primo praesentati.'
Auf Contro Versen oder die Literatur wird nicht eius-e-
gangen. Citate aus dem Decrete und den Decretalen sind
häutig, weniger um den Inhalt des Capitels zu erörtern, als um
anzudeuten, wo der Gegenstand noch behandelt ist. Die Be-
merkungen zu den aus den Compilationes antiquae in die Gre-
gorianische Sammlung übergegangenen Stellen bieten lediglich
eine Zusammenstellung aus den altern Casus und Notabilia.
Dies lehrt die oberflächlichste Vergleichung des Anfangs: Tit.
de constitutiouibus : ' ,Canonum statuta. §. In hoc capitulo
dicitur, quod canones debent ab omnibus observari et secundum
eorum auctoritate, non secundum proprium vel Ingenium debet
iudex judicare. §. No. neminem suo sensu uti debere.
Coguoscentes. Hie dicit Gg., quod antequam constitutio
emanaverit, contra faciens non est constitutionis transgressor,
et quod constitutio ad futura tantum respicit, nee extenditur
ad praeterita. §. No. neminem puniri sine culpa. §. Nota con- I
stitutiouem respicere futura tantum, §. No. neminem ligari
constitutione, antequam ad cum perveniat.^ J
Die Bemerkungen zu denjenigen Decretalen, welche von
Gregor IX. selbst herrühren, sind meist mager, bieten oft keine
Notabilia, so dass man daraus den doppelten Schluss ziehen
darf, dass der Verfasser kein selbstständiges productives Talent
besass und für diese Decretalen keine Vorarbeiten benutzen
konnte.
XXXVIII. Der innere Werth der Arbeit ist ebensowenig
von Bedeutung^ als sie zum Verständniss der Decretalen
1 Man vergleiche damit die Mittheilungeii in meiner Literatm-gesch. der
Comp. ant. Wien 1870, Seite •> fg.
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV.. Gregors X. 115
])eiträgt. Für die Literaturgeschichte hat sie dadurch Interesse,
(lass sie nach der Vorrede noch in die Lebenszeit Gregors IX.
fallt, also nach 5. Sept. 1234 (Datum der Bulle Rex Paci-
ficus) und vor 21. Aug. 1241 (Todestag Gregors IX.) gemacht
ist, somit zu den ältesten Schrift en über die Gregoria-
nische Sammlung gehört. Eine grössere Bedeutung hätte
sie, wenn sie von Bernhard von Parma benutzt wäre. Dies
aber wage ich nicht zu behaupten. Bewiesen wäre es erst
dann, wenn man die Benutzung für Decretalen von Gregor IX.
nachweisen kcinnte. Denn stimmt auch dies Werk und die
Glosse Bernhards für viele vorgregorianische Decretalen , so
liegt darin kein Beweis der Benutzung, weil Bernhard gleich
dem anderen sich unmittelbar au die Notabilia zu den Comp,
antiquae halten konnte. Ich nehme aber das Gegentheil an,
weil Bernhard die frühereu Glossen durchweg nicht aus den
Originalapparateu , sondern aus späteren Verarbeitungen ent-
nommen hat. Ich habe bei einer grossen Zahl der von Gre-
gor IX. herrührenden Stellen eine Vergleichung der Glossa
ordinaria und dieses Buches angestellt, aber nicht gefunden,
dass sich behaupten lässt : Bernhard hat diese oder jene Stelle
abgeschrieben. Dass Aehnlichkeiten vorkommen, versteht sich
ganz von selbst. Auch ist Bernhard gerade bei den von Gre-
gor IX. herrührenden Stellen meist sehr ausführlich. Die Me-
thode, im Eingange der Glosse den Casus und Notabilia zu
geben, ist nicht neu, da sie in den Notabilieu zu den Compi-
lationes antiquae bereits ' angewendet worden war.
XXXIX. Ein ähnliches Werk enthält der Codex der
Wiener Hofbibliothek Num. 217.3. saec. XIV. ine. fol. 10—
67. fünftletzte Zeile der zweiten Spalte.
,Incipiunt nota])ilia decretalium de siunma trinitate
et fide katholica.'
,Rex pacificus etc. Ibi nota quod qualis est dominus,
talis servus esse debet. Item castitas sola est quae cum tiducia
possibilis est deo animas praesentare : In a u t c n. u t 1 e n o n i b u s
C. sancimus coli. III. Item debet quis esse pudicus quia im-
pudicus oculus impudici cordis est nuntius : XXXIII. q. V. nee
solo sed licet baptismus secundum Bernh. dicatur unus
de articulis fidei tarnen in veritate non est, sed est unum de
sacramentis.
8*
ll() Schulte.
Incipiunt notabilia decretaliuiu. De summa tri-
nitate et fide Katholica.
Firmiter credimus etc. Ibi nota, quod sanctam tri-
nitatem firmiter credere debemus et simpliciter confiteri. Item
dyabolus et demones alii natura creati sunt boni, sed per se
facti sunt mali/
Das Werk bietet durchweg- eine kurze Angabe der im
( Japitel enthaltenen Sätze mit Beiseitesetzung jeder Erörterung,
ohne Citate und Parallelstellen.
XL. Unmittelbar daran fol. 67 a — 69 a fünftletzte Zeile.
Incipiunt notabilia Novellarum. de rescriptis.
Cum in multis etc. Ibi nota quod infinitas restringeuda
est sive generalitas. Item differendum est ordinariae jurisdic-
tioni ut j. de ap. ut decitus. Im selben Geiste, jedoch etwas
ausführlicher.
Die Notabilia erstrecken sich auf die Nummern 1 — 29,
31 — 42. der Sammlung Innocenz IV.
XLI. Darauf bis zu Ende 60b. Expliciunt novellae
decretales.
Incipiunt novissimae de summa trinitate et fide
katholica per Gregorium papam compilatae.
Hierauf die Notabilia zu den 29 ersten Decretalen Gre-
gors X., worunter auch das c. properandum, das im Sextus
nicht enthalten ist.
XLII. Ein Wei'k verschiedenen Charakters, abei* doch
in diese Kategorie gehörig enthält ein Codex der Berliner
Staatsbibliothek, Cod. ms. lat. in 8". Nr. 59., membr., saec.
XIV incip., 201 Blätter je 2 Col. zu 30 Zeilen, sehr klein
aber schön geschrieben mit blauen und rothen uud vergoldeten
Initialien bei jeder Rubrik, jeder Ueberschrift und jedem Ca-
pitel, ausgeführt vom Anfang' bis zu Ende. Im vordem Deckel
von einer Hand des 15. Jahrh.
jAnno domini M"C"L" liber decretorum fuit promulgatus.
Anno domini ]Vr'CC"XXXIIII promulgatae sunt decretales.
Anno domini M"CC''
Clementinen 1316.
,Incipit liber pi'imus decretalinm ahhreviatarum/
Das Werk liefert eine Abkürzung der Gregoria-
nischen Decretalen. Die Ordnung, der Name des Papstes
I
1
Decietalen Gregors IX.. Iiinoceiiz IV., Cuegors X. 117
und das Anfangswort sind beibehalten. Der lahalt wird bald
kürzer bald länger gegeben, ist vielfach zutreffend, oft aber
auch in gewisser Beziehung willkürlich. Als Beispiel diene die
Publicationsbulle.
jGregorius epc. s. s. d. dil. til. doct. etc. In hoc })ro-
logo assignat dominus papa quatiior causas, rationc quarnm
ductus fuit ad reniovenduni veteres decretales. Prima est nimia
similitudo ; secunda contrarietas ; tertia quia veteres nimis erant
prolixae et confusionem iuducebant. Quarta, quia quaedam erant
vagantes extra quinque' volumina et erant (juasi inccrtae.'
Die Excerpte erstrecken sich vielfach nur auf die Auf-
stellung eines Rechtssatzes, mag derselbe in der Stelle selbst
ausgesprochen oder aus ihr abstrahirt sein. Einzeln wird der
Sinn auch der Art wiedergegeben, dass über die Worte hinaus-
gegangen wird. Einige Beispiele genügen.
C 8. X. de constit, I. 2. ,Cum accessissent et infra. Con-
stitutio non tenet, nisi per apostolicam sedeni fuerit roborata
sive confirmata.'^
C. 11 X. de rescr. I. 2. ,Ad audientiam et j. Si aliquis
impetraverit litteras, in quibus falsa latinitas inseratur, eis tides
non est adhibenda.^-^
Von der verkehrten Ordnung bietet ein Beispiel Tit x. III.
26, wo die Capitel also folgen: 1. 2. 7- — 11. 3. 4. b. 12. 5.
13. ff.
Einen grossen Werth kann man dem Werke nicht bei-
legen. Seine Bedeutung liegt darin, dass es erstens einen
Beitrati: liefert zu einer" besonderen Art der Behandlung der
Decretalen , zweitens einen neuen Beleg bildet^ zu der
früh eintretenden Neigung, das unmittelbare Quellenstudiiun
durch diese Art von Compendien zu ersetzen, und dadurch die
Kenntniss der Quellen bez. des Rechts allgemein zugänglicher
zu machen.
' Dieses beweist des Verfassers Kenntniss der Compilationes antiquac, denn
Gregor nennt nicht .quinque', sondei'n hlos , volumina'.
- Das entspricht durchaus niclit dem Inlialte.
^ So interpretirt auch Johannes Andreae die Stelle, dem das Summarium
der Editionen sie entnommen.
' Ein andrer liegt in den Casus summarii.
118 Schulte.
Le^es extractae super (lecretsil«s.
XLlIl. Unter diesem Titel enthalten die Handschriften :
Bamberg, kön. Bibl. P. IL 16. l'ol. mbr. s. XIV.
Dieselbe P. IIL 2. mbr. s. XIV. von f. 33—119 ein
eigenthümliches Werk. Dasselbe besteht in nichts als Citaten
aus dem römischen Rechte zu den einzelnen Capiteln der
Gregorianischen Decretalen. Dass bei der Sucht, Alles
mit Stellen des römischen Rechts zu belegen, und sich darauf
zu beschränken, das Citat oft passt wie die Faust aufs Auge,
ist leicht zu begreifen und wird Jeder aus dem Eingange und
z. B. den mitgetheilten Stellen zu c. 1. de conc. praeb., c. 5.
X. de celebr. missar. ersehen. Zu vielen Stellen war es schwer,
Citate zu finden; sie sind dann entweder übergangen ohne jede
Erwähnung, oder blos mit der Bemerkung citirt, dass keine
lex passt u. dgl. Ich theile ein Stück der sonderbaren in beiden
Handschriften stehenden Einleitung, und einige Stelleu mit,
damit es möglich sei, sich ein Bild zu machen.
,Pone quaedam mulier nolebat lugere maritum suum infra
annum et statim nobebat: quaeritur, quomodo debet puniri?
Dicitur, quod infamis efFicitur, et si aliquid erat sibi relictum
legatorum causa vel fidei commissorum vel donationis mortis
causa expers erit facta, si ab intestato discedat, heredes sui
possunt vendicare sibi praedicta, quia fiscus ei non succedit,
ne corrigendo mores laicorum imperator legibus suis videat
iniustitiam aliis fecisse ut C. de secundis nupt. 1. I. §. I,
Super (leer, leges extractae.
Gregor ins episcopus. Quia sicut per servum domino
acquiritur, ita per imperium hominibus. Unde dicit lex, quod
bona parentum post mortem eorum apud filios debent mauere,
quia omne bonum quod acquiritur hominibus sive a deo sive
ab iraperio, decet esse mansurum, ut in corpore autenticorum
constitutio ((uae dignitas liberat a paterna potestate §. illud
quoi'um coli. VI. §. Itcm dicit inq)erator ; omnos dies ac noctes
nobis eontingunt cum omni lucubratione ac cogitatione (legere,
ut aliquid plaeens deo et ainabilc nostris collationibus pracbea-
Decretalen Gregors IX., Iiinoeen/, IV., Gregors X. 119
I11U&, in aiiten. ut judices sine qnoquo suffva^io , in princ.
coli. 11. §. Item dieit imperator alias volimtarios laboies appe-
tinius, ut quietem aliis pracparemus : in auten. ut divae missio-
nes, in princ. coli. VIII. Bolon.'
C. sufFraganeis palliurn x. de elect. I. 6. quia si alicpiid
est personale, non potest alii dai'c, ut ff. ad scnatuscons.
]\[aced. 1. Labeo.
C. 2. de auct. et usu pallii I. S. ,Unde dicit lex, quod
pi'ivilegiuni personae concessum persona exstincta exsting-uitiir
Privilegium, ut ff. de reg-, jur. 1. priv. non obstat, quod dicilur
ff. de relig-. et sumpt. fun. 1. I. si quis.
C. 4. ibid. ut C. de praepos. et sacr. cubiculariis 1. ult.
1. 1. XII. et ff. de off. proconsul. 1. I., quornni casus sunt in
appdrafu. §. J. d. 1., q. si ali([uis locavit alicui vestem seri-
cam, non debet uti ea, uisi tali loco, quo veste serica uten-
dum est, ut de usufr. sed si qui §. 1.
C. 5. ib. Ex tuar. coruptela. ff", de off. procons. 1. 1.,
ctiius casus non est in glo. casibus. Unde d. 1., q. si praetor
vetat aliquid in pluribus, in aliis omnibus permittere videtur,
ut ff. de jud. cum praetor.
C. 6. ib. pallio, quia proconsul extra provinciam potest
uti palli cum insigniis proconsuHs : ff. de off. procons. 1. II.
C. 13. X. de regul. III. 31. ,non continet aliquas 1 e-
ges haec decretalis^
C. 1. X. de relig. dorn. III. 36. ,liaec decretalis non
habet casus legales^ ;
Ende im Titel de sent. excom. mit C. 16. ,veniens et j.
ex hoc ipsum: ff. loca., quem §. Julianus., [rectius. Item §.
Item Jul. 1, 13. §. 4. Dig. XIX. 2.] ubi dicitur, quod magistris
levis castigatio est concessa, nee tenetur actione legis Aquiliae,
si leviter verberavit aliquem discipulum, ut ff. ad leg. Aquil.,
sed et si §. lüt.' ,Explicit. Deo gratias.^
Wäre es nicht in einigen Stellen selbst gesagt, so würde
die oberflächlichste Vergleichung zeigen, dass die Quelle die-
ser Citate die Glossa ordinaria von Bernhard von Parma
ist. Passen auch in der Glosse schon manche Citate nicht
l)esonders, weil sie mit Haaren herbeigezogen sind, so fällt es
dort nicht allzusehr auf. weil sie als P)elege der Er()rf(!rung-en
stehen. Da al)or hier diese ausl'aHcn, zeigt sich das Gczwun-
120 Si-hulte.
gene in grellem Lichte. — Ueber den Verfasser auch mir eine
Vermutluing aufzustelleu ist schwer. Ich finde das Werk nir-
gends erwähnt. Seine Abfassung fällt wohl in das Ende des
13. Jahrhunderts. Sein innerer Werth ist selbstredend null;
es ist lediglich interessant als Beitrag zur Literaturgeschichte.
Zur Literatur und Textordnung der Decretalen
Innocenz IV.
i
In der Abhandlung ,Die Decretalen zwischen den Decret.
Greg. IX. ^ u. s. w., dem Nachtrage in ,Die Rechtshandschriften*
S. 614 ff. und im ,Iter gallicum' habe ich eingehend über die ?!
Sammlungen und Bearbeitungen der Decretalen von 1234 bis
1298 gehandelt. Die grosse mir seitdem bekannt gewordene
Zahl von Handschriften gestattet einen ziemlichen Abschluss
des Gegenstandes. Deshalb soll, unter Zugrundelegung der
Forschungen in jenen Abhandlungen eine Zusammenstellung
der Resultate gegeben werden, wie eine solche durch das In-
teresse des Gegenstandes gerechtfertigt ist. Der Kiu'ze halber
bezeichne ich die erste Abhandlung mit D., die zweite mit 11.,
die dritte mit J.
A. Die Ordnung des Textes.
I. In der Form für Bologna.
Sie war unzweifelhaft die folgende, wobei die in D. Seite
705 ff. angenommene Zahlenfolge zu Grunde gelegt wird:
1. bis 29. 31. 32. 30. 33. bis 42.
Diese haben die mit der Publicationsbulle für Bologna
versehenen Handschriften :
1) Berlin, kön. Bibl. Cod. ms. lat. fol. 7, mbr. saec. XIV-^.
Hieraus hat sie Böhmer edirt.
2) Der von Mansi benutzte Codex. Vgl. jedoch D.
S. 708.
3) Cod. von Melk. R. Seite 615.
4) Montpellier, bibl. de l'ecole de medecine H. 9. Iter
Seite 403.
5) Wien, Hof bibl. num. 2056 fol. mbr. s. XIV. Ei- hört
mit 28 auf.
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 121
G) Fulda, öffentl. BihL D. 21. fd. memibr. s. XIII. auf
XIV. Es fehlt jedoch nuni. 30.
7) Leipzig-, Universitätsbibl. 973 fol. mbr. s. XIV. Er
hat (wie Böhmer) nach 5: ,Innoc. Ep.. S. S. D. dif. hl. univ.
niai;-. et scol. Paris, s. et a. p. Cum int er ven. fr. nostros
Remens. arch.^ etc. Vgl. D. Seite 706, Note 16. Geschrieben
ist er zu Leipzig vom canonicus Nicolaus s. Thomae.
n. In der Form für Paris.
Es scheint 30. gefehlt zu haben , sonst dieselbe Ordnung
obgewaltet zu haben, wie lehren die Codices
1) Chartres num. 263. — J. Seite 470. Hat 1—29,
31—33. Sane quia. 34-42.
2) Dieselbe Bibl. 326. Ist defect, hat 28. 29. 31-42.
III. Abweichende Formen nicht glossirter Handschriften.
1) Montpellier, Univ. H. 51. in altfranz. Uebersetzung
(J. Seite 405): Bulle fih- Paris, num. 1—6., 8—12. 14. 13.
15—18. 20. 19. 21. 22. 25—27. 31. 32. 34. 35—40. 28. 29.
33. 42. Es fehlen also: 7. 23. 24. 30. 41.
2) Angers 361. (J. Seite 444) hat 1—6. 8—22. 25-27.
34—40. 18. Es fehlen: 7. 23. 24. 28. 28. 30—33. 41. 42.
3) AlenQon num. 23. (J. Seite 451), der den Defect
des Anfanges zum Theile nachholt. Er hat: 20. 26. 27. 31.
32. 34. 35. 38 — 40., Roin. Pont, qui iura, Nulluni etiam eorum,
Ecclesia quac, Mediatores, 17. 14. 2. 16. 3. 1. 4. 10. 15. 21.
22. 25. 36. 37. 18. 19. 6. 8. 11. 13.
4) Trier Stadtbibl. 864. fol. mbr. s. XIH. fügt am Ende
der Titel in der Gregorianischen Sammlung bei: Rom.
Pont., 3. 1. 4., 5. (mit der Einleitung Idem in conc. Lugd.
Cum actus legitimi u. s. w.), Quia saepe (D. Seite 730),
Expediendis causarum . . praesenti 2., 12. 18. 10. 17. 20.
15. 16. 21., Ven. fratrum, 22. 25., Consuluit nos. Vom
cap. 8. X. qui tilii sint legit. IV. 17. bis einschliesslich cap. 1. X.
de novi operis nunc. V. 32. fehlt.
5) Cassel Landesbibl. ms. jur. in fol. 32., mbr. saec. XIV.
Dieser Codex ist der originellste, er schaltet auf eingelegten
Pergamentblättchen von späterer Hand geschrieben ein: Tit.
de rescr. num. 1. 2. 3., de elect. 4. 5., de off. jud. del. 9.
122 Schulte.
B. Die Bearbeitung'.
Wie die folgende Zusammenstellung beweist, weichen die
glossirten Handschriften von den unglossirten und unter-
einander nicht nur insofern bedeutend ab, wenn die Glosse ver-
schiedenen Schriftstellern gehört, sondern auch für denselben
Schriftsteller. Die Abweichungen selbst betreffen bald die
Reihenfolge der Decretalen beziehungsweise die Ein-
fügung unter die Titelrubriken, bald die Glossirung
der Decretalen, da in verschiedenen die eine oder andre
nicht glossirt ist, bald den Umfang der Sammlung, indem
in einigen Stücke aufgenommen sind, welche theils Innocenz IV.
nicht angehören, theils nicht in seiner Sannulung standen. Höchst
wahrscheinlich liegt der Grund bald darin , dass der Glossator
seine anfängliche Glosse erweiterte, bald in der Ergänzung
durch Dritte. Letzteres wird dadurch annehmbar gemacht,
dass die Einschiebsel vielfach ohne Glosse sind. Seine äussere
Erklärung findet der ganze Vorgang in dem Bedürfnisse vor
dem Erscheinen des Liber sextus die Decretalen möglichst
vollständig zu besitzen.
Die Angaben bezwecken, ein genaues Bild zu geben, es
soll jedoch, da es sich nur um eine Ergänzung handelt, blos
das neue vmd zugleich sachlich interessante Detail be-
rührt werden; die Rubriken, Inscriptionen u. s. w. brauchen
somit nur ausnahmsweise hervorgehoben zu werden.
I. Als eingefügte Theile der Gregorianischen Sammlung
haben sie glossirt.
a. Innocenz IV. in seinem Apparate (D. Seite 760,
Note 1.) und zwar Nummer 1. — 9. 11. — 16., [Cum in obti-
nendis] 17., 18. 20. 19. 21. 24. 23. 22. 25.-27., Ut super
appellat, 28. 29. 31. 33. — 41., Venerabilius, 42. Hand-
schriften dieses gedruckten Werkes anzugeben ist überflüssig.
b. Bernhard von Compostella (D. Seite 761. 765).
Handschriften:
1) Leipzig, Univ. 967. mbr. fol. s. XIV. hat die Num-
mern l — 5. 15 — 17. 31. 34. unter den betreffenden Titeln.
2) Tours, Stadtbibl. 571 (J. Seite 429) in folgender Ge-
stalt: Num. ]., Publicationsbullc Cum nuper, 2. — 11., Eccle-
sia ([uae, 12. — 18. 20. 19., Mediatores, die Publications-
Decretalen Gregors IX., Innocenz IV., Gregors X. 123
bulle Ad haec von num. 20., 21. — 29., (sTi-avem nobis,
Significasti nobis, 30. — 40. 42. Ohne Glosse: (cum
nupcr, aclhaec) ecclesia quae, mediatores, gravem, signiücasti, 30.
3) Göttingen, Univ. ms. jur. 153. mbr. fol. s. XIII.
auf XIV. Sie hat mit dem jedesmaligen Beisatze nova con-
s t i t u t i o im Buch I. Tit. de r e s c r i p t i s 1 . 2. 3. ; de
CO n SU et. als drittes ,nova const. Rom. Pont, qid iura'; de
postul. ad haec ohne den Text, dessen Raum leer ist, wäh-
rend die Glosse sich an allen vier Seiten befindet; de elect.
4. 5.; de suppl. 6.; de off. vic. 8.; am Ende des Buches:
,Incipiunt novae constitutioues Innocentii quarti in concilio Lug-
dunensi. De rescr. J. E. S. S. D. dil. hl. univ. magistroruui
et ficolsiY. parisüs et hononie studentium s. et a. b. Cum nuper^,
darauf 6. 7 . (beide unter de s ii p p 1 e n d a n e g 1 i g. p r a e 1.);
de off. leg. 10., de off. jnd. ord. 11. Dieser Anhang
ist ohne Glosse. Im Buch IL unter den gewöhnlichen
Titeln Num. 12. — 22., am Ende kein Anhang. Im Buch III.
Num. 29. 30. 32. ohne Glosse, 33. 34. Die übrigen fehlen.
4) * Breslau, Universitätsbibl. (Theiner Disquisitioncs
p. 65, 69 sq.) II. F. 29. in der D. Seite 765 Note 13 ange-
gebenen Ordnung. Die Glosse fehlt zu 19. 20. 22—24. 30. 32.
5) * Königsberg, Universitätsbibl. Vgl. D. S. 766, Note 14.
c. Boatinus von Mantua (D. Seite 772 ff.).
1) Prag, Böhm. Museum I. B. 4.
2) Wien, Hofbibliothek num. 2219 (oben num. XXVII).
II. Zur Sammlung als eines selbstständigen Ganzen finden
sich Glossen von :
a. Bernhard von Compostella.
1) * Breslau, Univ. II. F. 30. (D. Seite 761).
2) * Breslau, Univ. II. F. 32. (das. S. 762).
3) Erlangen, Univ. 464 (das.).
4) * Königsberg, Num. XII. (das. S. 765).
5) * Königsberg, Num. XIII. (das.).
6) * Florenz (das. S. 765).
7) Berlin, kön. Bibl. Cod. ms. lat. fol. 276 (das.).
8) Berlin, kön. Bibl. Cod. ms. lat. fol. 7. mbr. s. XIV.
Die reerelmässiff mit b. oder bb. siy-nirte Glosse erstreckt sich
auf alle Capitcl mit Ausnahme von 30 u. 32.
124 S('hiiitp.
0) Chartres, Stadtbibl. ?,2(i (J. S. 47.4). Sie hat 1.— 18.
20. 10. 21.— 29. 31.— 42. Ohne Glosse 24. 32., die Publi-
cationsbulle u. oO. fehlen.
10) Leipzig, Univ. DGö. mbr. Ibl. s. XIV. ohne Piibli-
cationsbulle hat 1.— (3. <S.— 18. 20. 19. 21. 22. 25.-27. 31.
34.— 40.; Grandi non 7.; 28. 29.; 30. ohne Glosse; 32. mit
Rubrik und Glosse ; 33. 42 ; dann nochmals 40. ohne Glosse,
41. mit Glosse, 23. mit Rubrik und Glosse, 24. mit Glosse,
gezeichnet b'.
11) Fulda, D. 24. mbr. fol. s. XIV. (ehemals zu Wein-
garten) mit Bulle für Paris (in der Ueberschrift aber , misse
univ. mag. et scolar. par. et in eundem modum bon.') hat:
1.— 6. 8.-22. 25.-27. 31. 32. 34. 35. 37. 36. 38. 39. 40. 28.
29. 33. 30. 42. Von 28. ab fehlt zu den 5 letzten die Glosse.
12) Wien 2056.
13) Leipzig, Univ. 966. mbr. fol. s. XIV. viertes Stück,
unvollständig, hat: 23. 24. (Glosse mit b'. gezeichnet) 28. 29.,
30. ohne Glosse, 33. 41. 42. Die Glosse folgt jedesmal auf den
Text in dessen Form. Nach 23. steht eine Bemerkung mit h.
signirt, alle anderen haben b.
14) Leipzig, Univ. 1026. fol. mbr. s. XIV. nach den
Casus decretalium Bernhardi, die mit Praemissa salu-
tatione anfangen, stehen ohne den Text die Glossen zu:
1.— 6. 8.— 14. 16.- 18. 20. 19., 15. (mit richtiger Rubrik), 20.
(ad haec), 21. 22. 2.5. — 27., Cum autem, Sententiis, Ro-
mana, 34. 35. — 40. 7. 23.; Praeterea 24. (wie sich aus dem
Inhalte ergibt); 28. 29. 41. 42, ,Expliciunt casus super Gre-
gorianas^
Anfang: ,Incipiunt innocentiana de rescriptis. Cum
in vmltis. Olim ante istam Constitutionen! per clausulam illam
generalem ,quidam alii^, quae aliquando ponebatur et adhuc
frequenter ponitur in rescriptis, conveniebantur usque ad XL
per interpretationem quorundam doctorum, per quod multum
ordinaria jurisdictio diminuebatur. Propterea statuit dominus
papa Innoc. IUI., quod de cetero per clausulam illam ,quidam
alii^ ultra III. vel quatuor quidem in Judicium non trahantur
et nomina illorum IUI. in prima citatione, quam judex fecerit
de aliquo illorum quatuor, quos convenire intendit impetrator,
Decretalfn Gipgors IX , Iiniocenz IV., Gregors X. 125
ne postea possit variare fraudulenter. §. Notüa, quod Intinitas
restriiigenda est sive g-eneralitas.^
15) Wolfenbüttel, 12. H. f., mbr. s. XIV. zweites Stück.
Nach dem letzten eap. (veniens) steht noch Dil. l'il. 41.,
Perlectis lit. vestris, Grandi 7.
16) Chartres 477 (J. Seite 490) mit Bulle für Paris,
1.— 18. 20. 19., Mediatores, 21., Vener. fratrum, 22.-27.,
Licet in beneficiis, Brevi responso, Quaesivit, 28. 29.,
Gravem nobis, Significavit nobis, 30. 31., Quondam Th.
de, 32. — 40., Perlectis vestris lit., 41. Ardua mens, Viri
eccles.. Ad expediendos inodos, 42.
17) Bibliothek Böcking-'s. Jetzt mein. Bulle für Paris,
dann 1 .— 18. 20. 19., Mediat., 21.— 27., Licet i. b., Brevi,
Quaes., 28.— 40., Perlectis, 41., Ad exped., 42. Nicht
glossirt: Med., licet, 30. 32., brevi, quaes., perl., ad exped.
Dieselben nebst Ven., Gravem, Sig-nif., Quond., Ardua, Viri
eccl. sind auch in Num. 16. ohne Glosse.
18) Leipzig, Bibl. G. Hänel's. Bulle für Bologna, dann
1.-5., Cum inter ven. G., 8.— 14. IG.— 18. 20. 19. 17. 21.
22. 25.-27. 31. 32. 34.-40., Ven. fr. n. Rothom., Gravem,
Ven. frater n., In recta statera, Exhibita nobis, Rom.
pont. qui Jura, 33. 30., Johannes Fragapane, 42.
19) Wien, Hofbibl. 2084. mbr. fol. s. XIV. von fol. 214
an, hat: 1.— G. 8. 9. 12. 10. 11. 12. 13.— 18. 20. (blosser An-
fang Praes.) 19. 21.^23. 25.-29., Gravem, Significasti
nobis, ,30.-32., Nulluni eorum, 33.— 40. 42. Dann Bulle
für Paris, 7. 11., 20. (adhaec, der Wortlaut ist verarbeitet);
24., Sane quia, 41. Eine Glosse haben und zwar nicht in
der Ordnung, welche der Text der Handschrift einhält, sondern
in nachstehender: 1.— 6. 8.— 18. 20. 19. 21.-23. 25.-29. 31.
33.-40. 42., im Nachtrage 24. 41.
20) Montpellier, H. 9. (J. Seite 40.3). Ohne Glosse
24. 30. 32.
21) Fulda, D. 21. Es fehlt nur 30.
22) Chartres, 263 (J. Seite 470). Nicht glossirt das
fehlende 30, Sane quia, 32.
In diesen zahlreichen Handschriften, worin Bernhards
Glosse vorkommt, fehlt die Glosse zum c. 30. non solum.
Hierdurch ist wohl unzweifelhaft, dass Bernhard es nicht glos-
126 Schulte.
sirt hat. Da auch alle anderen Apparate es übergehen, darf
man kühn annehmen, es sei von der Schule nicht recipirt worden.
In den Liber VI. wurde es aufgenommen, aber Alexander IV.
beigelegt. Mit Rücksicht auf dieses frühere Schreiben darf
man annehmen, es sei von Alexander IV. aufs Neue publicirt
worden.
Offenbar enthalten verschiedene der angeführten Samm-
lungen Anfänge der erweiterten Sammlung. Weil jedoch keine
der nicht schon in Innocenz IV. authentischer Sammlung
stehenden Decretalen glossirt sind, lässt sich vermuthen, diese
erweiterte Sammlung habe als solche kein Ansehen genossen.
Da die neu aufgenommenen Decretalen sämmtlich bereits
in meiner früheren Abhandlung ,Die Decretalen^ u. s. w.
besprochen worden sind, habe ich weitere Nachweise für un-
nöthig gehalten.
b. Petrus de Sampsone.
1) Wien, Hofbibl. 2083.
2) Leipzig, Universitätsbibl. 966. zweites Stück.
3) Greifswalde, Universitätsbibl. mbr. signirt /. 4., in 4^
saec. XIV. (Publ. Bulle für Paris).
4) Angers, Stadtbibl. 364. fol. mbr. saec. XIII. (Iter
S. 445.)
5) Genf, Stadtbibl. Num. 59. mbr. fol. saec. XIV. (Iter
S. 366).
6) Fulda, D. 10. mbr. fol. saec. XIH. auf XIV. (ehe-
mals Weingai'ten).
7) Wolfeubüttel, 437. H. f., mbr. saec. XIV. (defect).
Es ist unzweifelhaft, dass Petrus de Sampsone glossirt hat
die Nummern 1.— 6., 8.-22., 25.-27., 31. 32. 34.— 40. Darin
stimmen überein alle Handschriften, mit Ausschluss der etwas
defecten 7. Fasst man ins Auge, dass die Handschriften sub
2 bis 6 auch nur die aufgezählten enthalten und commentiren,
dass in der Leipziger Handschrift die Nummern 23. 24. 28.
29. 30. 33, 42. zu den betreffenden Titeln jedesmal am Rande
durch Anführung der initia angedeutet werden, wodurch in-
direct gesagt wird, dass sie zu der Arbeit nicht gehören, dass
in derselben Handschrift nach 40. noch 30. geschrieben, aber
wieder durchstrichen ist: so darf man wohl annehmen, dass
Petrus übci'haupl nur die angeführten glossirt hat. Dem steht
Decretalen Gregors IX., Innoconz IV., Gregors X. 127
entgegen die Wiener Handschrift, in der sich zu den Nummern
1.-4. G. 8.— 18. 20. 21. 22. 25.-29. 31.— 36. 38.— 40., ins-
besondere 42.; Glossen iinden. Dn al)er keine der Glossen zu
den in den übrigen Handscliriften fehlenden Decretalen die
Sigle des Petrus trägt, so darf man wohl annehmen, dieselbe
sei von anderen zugesetzt worden, Avie das ja öfter geschehen ist.
Was die Ordnung betrifft, welclie für die ursprüngliclie
►Sammlung nicht entscheidet, so weichen die Handschriften da-
durch von einander ab, dass die einen 18. 20. 19. 21. 22. haben,
nämlich 1. 4. 5., die andren die gewöhnliche Ordnung, 2. weiter
hat 35. 37. 36. 38., 7. aber 20. 22. 25. 26. 21. 27. Es zeigt
sich hieraus wohl hinlänglich , dass die äussere Ordnung eine
zufällige ist,
c. Abbas antiquus.
1) Prag, br)hm. Museum I. B. 3., nibr. fol. saec. XIV.
2) Daselbst I. B. 4. mbr. fol. saec. XIII. auf XIV.
3) Prag, Capitelsbibl. von St. Veit J. XV., mbr. fol.
s. XIV.
4) Bamberg, P. II. 8. mbr. fol. s. XIV.
5) Cassel, ms. jur. in fol. 5. mbr. saec. XIV.
6) * Vaticanus P;ilat. DCLV. (Sarti I. p. 368).
7) * München, Hofbibl. Cod. lat. 6349 (Phillips IV.
S. 329, Note 47).
Alle fünf von mir selbst benutzten Handschriften haben
den Commentar nur zu folgenden Nummern: 1. — 6. 8. — 22.
25.-29. 31. 33.— 40. 42.. Es kann daher wohl keinem Zweifel
unterliegen, dass diese Uebereinstimmung keine zufällige, son-
dern in dem Umstände begründet ist, dass Abbas nur sie
glossirt hat.
d. Henricus de Segusia (Hostiensis).
Ueber ihn vermag ich aus Handschriften nichts Neues
beizubringen.
Zum Schlüsse wei^e ich hin auf die oben in den §§,
XXXV. und XL. stehenden Mittheilungen.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WTSSENSCTTAETEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXVIII. BAND. II. HEFT.
JAHRUANG 1871. - MAI.
Sitzb. (1. pbil.-hist. Cl. LXVIII. Bd. II. llft.
XIII. SITZUNG VOM 10. MAI 1871.
Der Vice-Präsident gibt Nachricht von dem am 3. Mai
erfolgten Ableben des inländischen correspondirenden Mit-
gliedes, des liochw. Herrn P. Gregor Thomas Volny.
Die Anwesenden erheben sich zum Zeichen des Beihnds
von ihren Sitzen.
Das corr. Mitgl. Herr Dr. Beda Diidik sendet eine
für die Schriften der historischen Commission bestimmte Ab-
handhing unter dem Titel : ,Synodal-Statuten des Bischofs
Arnost von Pardubitz für die Prager Diöcese vom 18. October
1340^
Der Secretär legt vor eine von dem Herrn Dr. A ii r.
Mayr eingesendete Abhandlung , Beiträge aus dem Rg-Veda
zur Accentuirung des verbum tinitum', um (h-ren Aufnahme
in die Sitzungsberichte derselbe ersucht.
i|
An Stelle des Herrn Regierungsrathes Ritter von Berg-
mann, der seines Alters und seiner Kränklichkeit wegen die
Mitgliedschaft bei der Central-Commission für Erforschung und
Erhaltung der Bau-Denkmale niedergelegt hat, wurde von Seite
der kais. Akademie Herr Regierungsrath Ritter von Karajaii
zum Mitalied der a-enannten Commission bestimmt.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Accjulcmia Poutificüi do' Nuovi Liiu-ei: Atti. Anno XXIV", Scssione 1\
Roma, 1871; 4".
Akademie der Wissenschafton, K<)ni<?l. Preuss., zu Berlin: Monatsbericht.
März 1871. Berlin; 8".
Central-Commission, k. k. statistische: Mittheilnngen. XVIIl. Jahrgang,
1. und 2. Heft. Wien, 1871; 4".
9*
132
Freibiirg i./Br., Universität: Akademische Gelegenheitsschriften ans dem
Jahre 1869/70. 4« und 8«.
Homeyer, C. G., Die Haus- und Hofmarken. Mit 44 Tafeln. Berlin, 1870; 40.
Verein, histor., von Oberpfalz und Kegensburg: Verhandlungen. XXVH. Bd.
Stadtamhof, 1871; 8".
— siebenbürgischer , für romanische Literatur und Cultiu* des romanischen
Volkes: Transilvania. Anulu IV, Nr. 8. Eä-onstadt, 1871; 4«.
XIV. SITZUNG VOM 17. MAI 1871.
Das w. M. Herr Hofrath Ritter von Miklosich legt eine
für die Sitzung-sberichte bestimmte Abhandlung vor über die
zusammengesetzte Declination in den slavischen Sprachen.
Das c. M. Herr Josef Haupt sendet eine Abhandlung
über ^Bruder Philipps Marienleben^
Herr Dr. Arnold Luschin ersucht um Aufnahme seiner
jMünzgeschichtlichen Vorstudien' in das Archiv für österrei-
chische Geschichte.
Die Aufnahme der von Herrn Dr. Aurelius Mayr
eingesendeten Abhandlung , Beiträge aus dem Rg-Veda ziir
Accentuirung des Verbum hnitum' in die Sitzungsberichte
wird genehmigt.
An Druckschriften wurde vorgelegt :
Gelehrten-Gesellschaft, Serbische, zu Belgrad: Gla.snik XXVHI. und
XXIX. Band nebst Beilage. Belgrad, 1870 mid 1871; 8».
Gesellschaft, geographische, in Wien: Mittheiiungen. N. F. 4. 1871, Nr. 5.
Wien; 8».
Instituut, k., vor de Taal-, Land- en Volkenkunde van Nederlandsch Indie:
Bijdragen. III. Volgreeks. V. Deel, 2^ Stuk. 'S Gravenhage, 1871; 8".
Istituto, R., V(Mieto di Scienze, Lettere ed Arti: Atti. Tomo XVI", Serie
m», Disp. 5". Venezia, 1870—71; 8".
Society, The Asiatic, of Bengal: Journal. Part I, No. 3. 1870; Part II,
No. 4. 1870. Calcutta; — Prooceedings. No. X. November, 1870. Cal-
cutta; 80.
Miklosich. Über die zusammengesetzte Dcclination iu den slavischen Sprachen. 133
Über die zusammengesetzte Deeliiiatioii in den
slavischen Spracdien.
Von
Franz Miklosich,
wirklichem Mitgliede der kaiserliehen Akademie der Wissenschaften.
JN achdem ich im dritten Bande der vergleichenden Gram-
matik die zusammengesetzte Declination der slavischen Sprachen
behandelt, will ich hier diese Erscheinung abermals untersuchen
und die in mehreren Punkten abweichenden Resultate meiner
Studien seit dem Jahre 1854 mittheilen.
I. Altslorenisch.
Sing. noni. m. ^OKp'KUi : ,i,OKp'K-H ; 4,'^EAHH : ,\,OB/\j'k-H ;
f. 4,c»Kpam: ,v,c»Kpa-ra; ^OKAtara: 4,c>KAra-ra; n. ,\,0Kpc«H5: .V'^^P'-'*-'*-'!
;i,c>K/ii€i€ : ;i,OK/\i€-i€.
acc. m. ;i,ctKp'kiH : ,\c»Kp'K-n ; ,v,okahh : 4,0Ki\j'K-n ; f. ,v,o-
Bp;»;^^ : ^\,c>kp^-wk ; ,vc»BAKUJiK : ;i,obaiäv-JjK ; n. ,i,oBpc»i<-; : ,i,CBpo-K; ;
gen. m. n. ;i,c>Bpaaro : 4,c>KpA-i«ro ; ,\c»KAraArc» : ,\OK<\M-M-:rc» ;
f. ,\,OBp'MI/i\ : ^\C»Kp'M-IA ; ^\,C»BAIrt\IA : .\C»RAI/i\-l/i\.
dat. m. n. ,\,OBporoi'A\oy' : ,\c»Kpov'-i(i.\\or ; ,\,CB-\ioc>y'A\c>Y :
AOBAK'-i€A\o\('; f. .\,0Bp'kH : ,\,OBpk-ii: ,v,c»baiih: .V'^'*'^'"'-"-
loc. m. n. ^c>Kp'k'kA\k neben ,v,c»Bp'kK?i\\K : ,\,C>Bpk-M-A\k ;
AOBAHHA\k: 4,0BAH-K;A\k: f. ,V,C»Kpkn: ,\,OBp'k-M; .VOBAIIH ! ,VOBAH-ll.
instr. m. n. *^v,OKp'kiiiA\k : ,V0Bp'k-HA\k : ^.v,*»"**^'^""'^^'* • A'''*-
BAJTv-HAAk; f. *^C»BpOJ^.: ,V,C»Kp'k-l;rK ; *,V,'^'*f^'^M-*^'>^" A*''''»'M'»^-''^^
neben ^yoBp^fA^: ,ii,CBpA^-b'K ; ,v,c>BAi;Äx»/t. : ,\,obaj*.-w».
dual. nom. acc. m. ,\c»KpAid : ,v,c»BpA-ra ; ,v,c>B<\rdu ; ,\,OBAW-ia;
f. n. ,\0KpkH : ,\,CBp'k-H : ,vobahh : ,\,obaii-h.
gen. loc. m. n. f. ^\c>iipoi'»c> : ,v,OKpOY-K>; ^obaiow : ,\,okaio-K'.
134 Miklosich.
dat. instr. in. n. f. *;i,C»Bp'KiHiMa : ^OBp'k-HMa; */i,OiiAiiHMa:
AOKAJ'K-M/V\a.
Plur. nom. m. ;\,OKpHH . ^\,OKpH-ii ; ^\OKaiiii : ^vokah-ii ; f. ;\,o-
acc. m. f. ^OKp'Miwv: A'^i^P''^'-'*^ i A*^'^^^'^''^ • A'^'^'^'^-''*^ ^
n. A*^Kp^^ra : A'^Ep^'-'*' i A*^'^'^'^'^ • A*^'^'^'^-'*'-
gen. m. n. f. */k,OBp'KiH]('Tv: A'^'^pi^-HX''^' *A*^*^'^""X''*^' A*^"
EAJ'K-HY'K.
dat. m. n. f. * A'^^P''*^'"'^''^ • A*^'^P''^-M'^i^ 5 *A*^^'^"H'^i^ •
AOBAJ-K-H/U'K.
loc. m. n. f. * A'^'^P'*»^'"Y''»^ • A'''*'^PT*^-")C''^ 5 *A'^*^'^""\"'^ •
ACBAJ'k-HY-K.
instr. m. u. f. *A'''*i^P''^'"'^^" • A'^'^'^P''^""'^^" 5 *A'^'^'^*'"'"" •
AC»BAJ'K-HA\H.
'KiH, aaro , taaro, OYO^^rMO^ , k»oY'Vaoy, 'k'kaAh, 'KiiiAVk,
SIII.WK, 'KIHAAa, HHA\a, 'KIHA\Tv, IIIIAX'K, 'klHY'K uud HH\"K Weideu
nicht selten selbst in den ältesten Denkmälern zu 'kh, das nach
meiner Ansicht mit TvI identisch ist, aro, rare, OY'^^<>V' lO/WOV,
'k/Wk, 'ki/Wk, H/\\k, 'kiA\a, M/Wa, TvI/WK, HA\'k, 'ki]('k und iij^-'k con-
trahirt. Dies geschieht regelmässig im Glagolita Clozianus,
in welchem Denkmal die vollen Formen zu den Ausnahmen
gehören: aaro 310. 602. 732. 'kni'/MTs. 548.
Dass die Formen der zusammengesetzten Declination
(iurch die Verschmelzung des Adjectivs mit den entsprechenden
Casus des Pronomen j'k entstanden sind^ ist längst erkannt.
Man findet nicht selten statt der zusammengesetzten Formen
die, wie mir scheint, noch nicht zu Einem Worte verschmol-
zenen Theile : vccbna ego, gredf^sta ego, inoceda ego, krepka
ego, nova ego, pr'Lva jego, sadesta jego, byvbsju jemu, zavezenu
(zavezenu) jemu, ocrttenu jemu, poslavi>sju emu, prisnobytnu
jcmu_, bogu Ijubestu jemu rodt clovecbskyj ant.-hom. 251. u. s. w.
Casopis 1847. I. 140. BuslaevL, Istoriceskaja grammatika 1.
55. 238. Sreznc'vskij, ürevnic glagoliceskie pamjatniki 152.
Vergl. Grannnatik 3. 82.
Die Formen der zusammengesetzten Declination zerfallen
in zwei Classen, je nachdem das Adjectiv uud das Pronomen
declinirt werden, oder das erstere in seiner thematischen Form
auftritt: jenes tindet statt iin sing. gou. m. u. ,\C>Kpaaro aus
über die zusammengesetzte IJecliiuitiun in den slavischeu Sprachen. loO
/i,Oßpa-K-;rc«, dieses im siug-. iustr. ni. n. ,\OKp'Knii\\K aus ;i,OKp'K-
H/Uk. Im ersteren Falle spielt die Assimilation eine Avichtige Rolle ;
im letzteren hingegen wird 'k vor ii zu 'kl, H verstärkt, vor lif,.
in 0 verwandelt: /^OKp'kiihWk aus ,\,OKp'k-Hi\\K, ,\,ci;i\imii\k aus
,\OKi\j'k-HA\k ; ;i,OKpC>iT»» aus ;\0K()'k-ii4^, ,voiiAi6K>» aus ,\OKAJ'k-j;>^.
Dass dies der lautliche Hergang der Sache hei der Verschmel-
zung des adjectivischen Thema mit dem Pronomen j'k ist, zeigt
hinsichtlich der Verwandlung des Tv vor H die in der überwiegen-
den Mehi'zahl der Casus pronominale Declination des adjectivi-
schen Interrogativ-Pronomen K'klH, das aus K'k durch das Suftix
JTv eben so entstanden ist wie moh aus /V\o, das daher mit dem
lat. cuius, a, um und mit dem griech. izdloq hinsichtlich des Thema
und des Suffixes identisch, sich von lieiden in Betreff der Be-
deutung entfernt: sing, instr. m. n. K'kiiiA\k, w^omit KkliUK>,\*^V'"""
ausßk imc»,v,oyujHH men.-mih. o9. a. zu vergleichen ist. Bei diesem
Pronomen geht 'k vor \e in c» über: KOierc, kohsi^, KC»K-A\oy u. s. w.
Urspi-ünglich scheint der sing, instr. fem. in Überein-
stimmung mit der Mehrzahl der Casus nach dem ersten Prin-
cipe gebildet worden zu sein: HECkiT^w^ sup. 393. 28. OK'ki-
MkHA^liK sup. 128. 15. llpC»CTÄWK sup. 235. 18. TKCpAlll'l'^^lT»^
bon. ropor cßCToyio mlad. Dieselbe Form steckt in Ha ;k,OK(iki/Ä
^V'k'r'kAk neben ,\OKpAx/Ä ;i,'kT'kAk men.-mih. 127. a. Dabei wulh;
man sich an die nominalen Fornien auf ^ statt OItK erinnern,
denen man auch in den Freisinger Denkmälern begegnet. Vergl.
Grammatik 3. 42. 79.
Von dem Pronomen j'k werden in dieser Verbindung
nicht die Formen 16H, Hi\^. w.i/h und i€K>, sondern h, Itü, iwv und
10 gebraucht. Über das Verhältniss dieser beiden Reihen von
Formen zu einander folgt am Schlüsse der Abhandlung eine
Auseinandersetzung.
Die oben angeführten Formen, die sich in d(Mi ältesten
Denkmälern linden, halte ich für pannonisch-slovenisch. Wie
in anderen Punkten, so wichen auch in der Bildung der Casus
der zusammengesetzten Declination die slavischen Sprachen
schon im neunten Jahrhundert von einander ab, und wenn in
einigen Quellen diese Formen allein herrschend sind, so ist
dies dem Einflüsse des pannonischen Slovenismus zuzuschreiben,
ein Einüuss, der nicht lange gleich mächtig blieb und nach
dessen Ermatten anfänglich die pannonischen Formen neben
I
136 Miklosich.
den einheimischen gebraucht^ bis schliesslich jene ganz ver-
drängt wurden. Der sing. gen. m. n. auf aro hält sich, dem
serb. cra gegenüber, meistens, während im sing. dat. m. ii.
dieselben Quellen neben o^^^oif — OOAAOY» OO/VAOif, OMO^ ^^n^l,
in Folge der Assimilation, iM<s>\f bieten. So liest man in einer
bulgarischen Handschrift des 14. Jahrhunderts npaK/M|iO/UOi|%
HiiL|i(/V\OYI "^ einem aus derselben Zeit stammenden serbischen
Denkmal IKHKO/Woy, co^^^fipO/ixo!/*, npHte/umf/WOi/" ; in einem in
Russland im Jahre 1296 geschriebenen Psalter CTpauJHOC/Wor,
OTTvie/uaioiiifOMOtf. Opis 1. 186. drugomu sav. 34. 42. Dass in
diesen Formen 00 aus Ci\f^\f entstanden wäre, kann durch nichts
bewiesen werden, und wir haben keinen andern Ausweg als
anziuiehmen, dass diese Formen, nach einem auch im panno-
nischen Slovenisch theilweise hervortretenden Principe, aus der
Verbindung des adjectivischen Thema mit dem entsprechenden
Casus von jis hervorgegangen sind: CTpauJkHOOiMor aus cTpa-
iiJLHC-i€/VAOr. Lehrreich ist der dual, gen., der auf oyK», TviK»,
iiK>, 010, fio und endlich auf 'k\C auslautet. In cßfTKiio ist der
Auslaut des Thema Tv zu TvI gesteigert Avorden: ckatt\-io; in
pEKkUiHio ist Ts. in II übergegangen: ptKi^uiHio aus rektsJT,-ju;
OH'kiiitHOio ist aus OK'kuuH'K-io, ebenso i^pk^OßkNi^iO aus vr-L-
hovhnjt-ju hervorgegangen; RoraT'kio endlich ist wohl nur
durch die Analogie von rHi/Wa, ^v^uiv/VAa, naTpiiapuYOK'kaAa u. s. w.
zu erklären. Auch die vereinzelten Formen HHL|JHii{\ plur. acc.
m. und ^ti^/ÄTOi/Ä, coakLUHbft sing. gen. f. sind aus nistji.-je
und deveto-je, bolLsji,-je entstanden. Endlich ist wahrscheinlich,
dass nkpROOifAXO^, hctoo^a^ov" in Slovo svjatago Ippolita obt
Antichriste aus dem zwölften Jahrhundert 74. 86. dem Kampfe
beider Principien ihr Dasein verdanken.
Bei Formen wie /i,p'kKa ci'OK-iiiiim mlad. erinnere man
sich, dass nach den palatalen Consonanten im plur. nom. neutr.
neben dem Auslaut a der Auslaut h vorkommt. Vergl. Gram-
matik 3. 38.
n, N«Misloveiiisch.
A. Spracbe der Freisinger Dcnkmiller.
sing. nom. m. (h)))ri ; f. d()l)ra; n. dobro.
acc. nj. (lobri; f. dobro; n. dobro.
gen. m. n. dobrego neben dobrega; f. dobre.
über die zusammengesetzte Decliuation in den slavischeii Sprachen. 1 o7
dat. 111. 11. dübroinu; f. dobrei.
loc. m. n. dobrem ; f. dobrei.
instr. 111. 11. dobrim; f. dobro.
dual. nom. acc. in. (dobra); f. n. (dobrei).
o-en. loc. m. n. f. weder in den Denkmälern nachweisbar,
noch aus der heutigen Sprache herstellbar,
dat. instr. m. n. f. (dobriina).
|)lur. nuiii. ni. dobri; f. dobre; n. dobra.
acc, 111. f. dübre ; n. dobra.
gen. m. n. f. dobrih.
dat. 111. 11. f. dobrim.
loc. m. n. f. dobrih.
instr. m. n. f. dobrimi.
B. Die heutige Sprache.
aj im Osten.
sing. nom. m. dobri; f. dobra; n. dobro.
acc. m. dobri ; f. dobro ; n. dobro.
gen. m. n. dobrega neben dol)roga; f. dobre.
dat. m. n. dobremu neben dobromu; f. dobrej neben
dobroj, dobri.
loc. m. n. doljrem neben dobroin; f. dobrej neben dobroj, dobri.
instr. m. n. dobrim; f. dobro neben dobrom und dobrum.
dual. nom. acc. m. dobra; f. n. dobri.
gen. loc. fehlt.
dat. instr. m. n. f. dobrima.
phir. nom. m. dobri; f. n. dobre; n. auch dobra;
acc. m. u. f. dobre; n. auch dubra;
gen. m. n. f. dobrih.
dat. m. n. f. dobrim.
loc. m. n. f. dobrih.
instr. m. n. f. dobrimi.
b) Im Wvfilen.
sing. nom. n. dobrt; f. (h)bra; n. <b>bro.
acc. m. dobri,; f. dobro; n. dobro.
gen. m. n. dobrtga; f. dobre.
<lat. m. n. dobrimiu ; f. dol)ri>.
loc. m. n. dobri,m; f. doljr'L.
instr. m. n. dobrim ; f. dobro.
138 Miklosich.
dual. uom. acc. m. dobiaj n. f. dobri..
gen. loc. fehlt.
dat. instr. m. n. f. dobrtma.
plur. nom. m. dobri; u. f. dobre.
acc. in. n. f. dobre.
gen. m. n. f. dobn.h.
dat. m. n. f. dobrtm.
loc. m. n. f. dobrTjli.
instr. m. n. f. dobn.mi.
Schon in dem dem pannonischen Slovenisch so nahe
stehenden Neuslovenisch kommt bei der zusammengesetzten
Declination jenes Princip zur Herrschaft, das im Altslovenischen
nur in einigen Casus sich geltend macht: es beharrt nämlich
das Adjectiv in seiner thematischen Form.
Der Auslaut des Thema 'k verbindet sich mit dem Anlaut
des Pronomens h zu i, alt TvI: dobrim aus dohrt-im. oja ver-
kürzt sich zu a, ojo zu 6, oje zu e : dobra aus dobroja wie
tva 1. aus tvoja und noch heutzutage gospa aus gospoja, asl.
rcciio:K;l,a ; bati se aus und neben bojati se ; dobro aus dobroja
wie mo fris. 1. aus mojo, gospo aus gospojo; dobrega aus dobro-
jega, dobremu aus dobro-jemu, dobrem aus dobro-jem. Dieselbe
Verkürzung findet statt in gospe aus gospoje und in den im
ersten der Freisinger Denkmäler vorkommenden Formen me,
mega, memu aus moje, mojega, mojenm. Abweichend ist der
sing. nom. n. dobro, in welchem oje in o übergeht: der Grund
scheint in dem Auslaut der Substantiva neutr. gesucht werden
zu sollen. Die Vei-kürzung zu e ist indessen auch im sing,
nom. n. nicht unbekannt: vecne (vuecsne fris. 1.) steht für
asl. K'kHkHOi€ und das substantivirte Adjectiv lautet bei den
kärtnerischen Slovenen auf e aus: to dobre das Gute. O. Guts-
mann, Windische Sprachlehre. Klagenfurt 1829. 23. Der plur.
nom. m. scheint wie im Asl. gebildet zu sein: dobri, asl. dobrii.
Aus oji Avürde schwerlich i entstehen : der sing. dat. von gospa
lautet gospe aus gospoji, in Folge des Accentes.
Der Annahme, die zusammengesetzte Declination im Neu-
slovenischen sei mit der pronominalen identisch, beruhe daher
nicht auf Zusammensetzung, steht der IJjnstand entgegen, dass
in den Fieisinger Denkmälern die Pronomina ihre alten, von
Über die zusaiiiiiiengesetzte Doclinatiuii in den älavischen Sprachen. 1 39
der zusamnieng-esetzten Decliiiatloii verschiedenen Fornicii be-
wahrt haben : togo fris. 3, inoga 1, takoga 1, innogoga 1, tomu
1. 2, cüinu 3, vzacomu 2, tom 2, teh 1. 2, ineli 1, iizch J, iimo-
zeh 1, uuizeni 1, iizciii 1. 3, vzeni 3; temi 1. 2, nicht etwa
tegO; iuega^ takega u. s, w.
III. Bulgarisch.
A. Sprache der Sage vom tr ojan iseh c; n Kriege,
sing. noni. m. ^OKpMM, ;\,OKpki ; f. ,\OKpard ; u. ,\OKpOK-;.
ace. ni. ^.OKpKiii, ,\,CKpKi ; f. ^youpA^/Ä, ,v,OKpKiA^ ; u. ,\c>Kpoi<-;.
gen. 111. 11. /i,OKparo, /V'^'^'^P*?''*? i i- A'^'^P'^''^' A'^'^P'»^''^-
dat. in. n. ,\'^KpCA\C»\' ; f. ^ *''*i^P *•'*'« •
lüC. in. n. AOKpCAVk; f. A*^KpOii.
instr. ni. n. A*'''i^P'^''^^'h^» A'^i^P'l^'"'^ 5 f- A'^'^P'^'^-
plur. in. A'^'^'^P"" i i- A*''*'^P'^'J^» A'^'^'^P*^''»» i n- A'^'^'^P'"*'-
acc. 111. AC'Kpbi/A, A*?KpMA^; f. A'^'^'^P'^''*^' A*^'**^P''^'*^ i "• A'^'^'^P'"^-
gen. m. n. f. A'^i^P'^'*'\"i^j A''''*^pi^'\"i^-
dat. ni. n. f. A'^''*^P*^|'^^t^-
h)c. m. n. f. A*M^pi^'"X"'^' A'^'»P*»^'\"'^-
instr. m. n. f. ;i,c>KpKi(\\ii.
Im Belhim Troianmn tinden sieh folgentle sing. gen. iii.
auf ogo : Kk/\oro, kkicokopo, .{<\a'i\>ro, ii/ur.crpiiK'liC'i'orc», iipo-
CTpanHorc, iiOA*MipOi'0. Die von Safafik veröffentlichten aus
dem (h'eizelmten Jalirhundert (1259 — 127S) stammenden Ijtil-
garischeu Urkunden bieten folgende Formen: sing. gen. m.
HKCTn.\rc, CK/ATaro ne1)cn MpkHoro; f. pkMim,KA./A p'kKAx 25.
15; <lat. m. n. cIwä'I'O/WO»,' ; h»c. f. iic«/\c;kkc>h n. s. w.
B. Die heutige S j) r a c h e.
Die heutige Sprache der Bulgaren ist declinationslos,
dennoch findet man den sing. gen. und dat. m. und n. in
bestimmten Fällen in Gebrauch. Der gen. lautet nach Cankof
auf igo aus: drugigo, sekigo 30- 65, svemoguciga Nauka kri-
stianska Riiii. 1809; der dat. auf imu: drugimu, sekimii Can-
kof 30. 65. Dagegen findet man in den von den Brüdern
Miladin v(!röffentlichteii \ ulksliedei'n den Auslaut ego und
140 Miklosich.
emu: sarenego 141. birzeg-o 130. 175. 179. 206. starego 422
svetego 54. 67. surego 179. malego 32. 303. drobnego 303.
mT)rtvego 318. silnego 338. dobrego 444. visnego 7. zdravegn
473. svetemu 55. Die pronominale Declination bietet ogo, omu:
togo, onogo, ednogo, kogo, nikogo, komii, nikomu Cank. 30.
65; bei Miladin liest man dagegen togo 258. ednoga 26. edi-
noniu 148. neben onego 66. 67. onega 41. edinego 38. 75.
edncgo 91. 92. edinega 41. Da in dmgigo und drügimu das
i aus tonlosem e entstanden ist, so sind für die heutige Sprache
ego und emu anzusetzen. In Vinga spricht man indessen sve-
tugu, drügugu neben svetojgu aus sveto-jego, drügumu und
nekugu, sekugu, nikumu aus svetogo, drugogo, drugomu. Die
bei Miladin vorkommenden Formen auf ago: drobnago 4U
streberuago 41. edinago 41. dobrago 201. cesnago 466. 474!
drobnago 307. sind aus der Kirchensprache aufgenommen
während sarenoga 213. krilatoga 214. svetoga, jedinoga Naukai
kristianska. Rim. 1869. aus dem Serbischen entlehnt sind. Wenni
bei Miladin 140 geschrieben wird: Jankulago vojska obkolila.
so ist offenbar Jankula von go zu trennen. Dieselbe verkehrtt:
Schreibung findet sich auch sonst: u popatego starego 422.
Jovanago Ijuto prok^lnala 315. statt u popa tego starego und'
Jovana go Ijuto proktlnala. Einigermasseu verschieden sind
Fälle wie rateica ta s ratajetogo rustica cum rustico 506. d;
narani kumotorau konjot ut pabulum praebeat equo compatrif
469, in denen mit togo und tomu das Thema des Substantiv^
verbunden scheint, was auf demselben Principe beruht wn
asl. ,\ORpc»-Kk^. In levenego Stojana 364. endlich ist leven al-
Adjectiv angewandt.
Wie in anderen Punkten, so hat auch hierin das Bulga
risch, das einst in Siebenbürgen gesprochen wurde_, seine
Besonderheiten. Man findet da den sing, gen. m. n. sventiago
kotrago und den dat. sing. m. n. sveutumu, kotrumu, die dei
Forscher geneigt machen könnten eine nähere Verwandtschaf
dieses Dialectes mit dem altslovenischen anzunehmen, ein(
Annahme, die bei genauerer Erwägung nicht Stand hält. Wa;
den gen. auf ago anlangt, so findet iiian tago neben togo un(
dem sventumu und kotrumu steht einerseits tumu neben tomu
anderseits drugimu gegenüber, so dass die Verwandtschaft woh
nur auf einer sehr mangelhaften Bezeichnung der Laute beruht.
über die zusammengesetzte Declination in den slaviscben Sprachen. l-il
IV. Kroatisch.
sing. nom. in. dobri; f. dobi'a; n. dobro.
acc. m. dobri; f. dobru; n. dobro.
gen. in. n. dobroga; f. dobre.
dat. ni. n. dobromn; f. dobroj.
l(»c. in. n. dobrom; f. dobroj.
instr. ni. n. dobrim ; f. dobrom.
pbir. nom. m. dobri ; t". dobre ; n. dobra.
acc. m. f. dobre ; n. dobra.
gen. m. f. n. dobrih.
dat. m. f. n. dobrim.
loc. m. f. n. dobrih.
instr. m. f. n. dobrimi.
Auch hier tritt an das Thema des Adjectivs der entspre-
chende Casus des Pronomen j'k: dobrog-a: dobro-jega ; dobroj
aus dobro-j u. s. w. Die dabei vorkommenden Lautverände-
rungen treten auch bei ki, asl. kTxIII, ein: sing, ki, ka. ko aus
KTviH, koja, ask iwtra, koje; ki, ku, ko : koga, ke; komu, koj ;
kom, koj •, kirn, kom, Avelche letztere Form ich aus dei' Ana-
logie erschliesse; phxr. ki, ke, ka; kih ii. s. w. Dasselbe gilt
von den der Contraction fähigen Casus dei' Pronomina moj,
tvoj, svoj, die nur im sing. nom. n. abweichen, indem aus nu)je
nicht mo, sondern nie entst(;]it: moj, nia, mc; moga, me; momu,
moj u. s. w. Der plur. nom. m. ist wie im asl. g(!l)ildet : dobiü,
asl. ^CKpUH : bei der Entstehung des dobri aus dobro-j i wären
die Formen velici, ubozi, glusi unerklärbar. Duliovnoje (kim
drago jest moje viditi duhovnoje blago. Budin. 52.) ist wohl
aus der Kirchensprache entlehnt.
V. Serbiscli,
sing. nom. m. dobi-i; f. (bdira; n. dnlno.
acc. m. dobri; f. dobni ; ii. dobro.
gen. m. n. dobroga; f. dobre.
dat. in. II. dobromii; f. dobroj.
loc. m. n. dobrom: f. dobroj.
instr. ni. n. *dobrijein; n. dobrom.
142 Milclosich.
plur. nom. m. dobri; f. dobre; n. dobra.
acc. m. f. dobre ; n. dobra.
gen. m. n. f. *dobrijeh.
dat. m. n. f. *dobrijein.
loc. m. n. f. *dobrijem, selten *dobrijeh.
instr. ni. n. f. * dobrijem.
Statt der der südlichen Mundart eigenen Formen für den
plur. gen. dobrijeh und den plur. dat. und instr. dobrijem
finden sich sonst die Formen dobrih, dobrim neben dobrima;
der sing, instr. m. n. lautet dann dobrim. Der sing, instr. f.
dobrom ist aus dem älteren dobrovb (pravovb Monum. 2. 47.)
und dieses aus dobro-jovt (asl. iciä) entstanden^ wonach o in
verovL kurz, in prayovt hingegen lang gewesen sein dürfte;
jov glaube ich aus jou für joju erklären zu sollen.
Die Formen zerfallen in zwei Classen, indem die einen
aus der Verbindung der adjectivischen Thema mit dem ent-
sprechenden Casus des Pronomen JTx entstehen, andere nach
der pronominalen Declination gebildet werden : I. dobroga :
dobro-jega; dobromu: dobro-jemu; sing, instr. f. zutom: zuto-
jom; dobro: dobro-je u. s. w. sing. nom. m. dobri asl. ^OKp'KiH:
dobrt-JTv u. s. w. Die durch Contraction entstandenen Vocale
sind sämmtlich lang und zwar werden sie mit dem sogenannten
gewundenen, durch '^ bezeichneten Ton ausgesprochen, daher
der Unterschied zwischen toga und dobroga, tom und dobrom
u. s. w. Der plur. nom. m. ist abweichend wie im asl. gebildet;
dobri mit i, asl. ^OKpHH. IL dobrijem, dobrijeh entsteht aus dobri»
wie tijem, tijeh(asl. tHv/WK, T'k/Wk, T^k^'k) aus tTv. Die zur zweiten
Classe gehörigen Formen sind mit einem Sternchen bezeichnet.
Wie alt diese pronominalen Adjectivformen sind, ist aus dem
Grunde schwer zu entscheiden, weil die altserbischen Sprach-
denkmäler wie in anderen Dine-en so auch in der Bildung- der
zusammengesetzten Adjectivformen schwanken und weil nicht
selten 'k i'iir h und daher auch für Tvl steht. Man findet z. ß.
neben dein serbischen Singulargenitiv oga niclit nui* den alt-
slovenisch<in ago, sondern auch den l)ulgarischen ogo : svetogo
Monum. 36. svetogo 37. visokogo 37; im Singular Instrumental
nebeil dobryini» Moimin. 44. pravemr,, 210. cistemi, 25.
47; im IMiiral Dativ vernemi, 225, im Local dobrehh, starehi.
217. und im liisli-uiixiiital imenovanenii, kri^stnemi 219. Auch
über die zn^ammengesetzte Declinatioii in den slavischen Sprachen. 143
im Altslovenischen werden nanientlicli die Adjck'tiva possessiva
pronominal declinirt, wie Formenlehre 72 dargelegt wird, allein
diese altslovenischen Formen unterscheiden sich syntaktisch
nicht von den nominalen, während die entsprechenden ser-
bischen syntaktisch den znsammcniJ-esetzten g'leich stcihen. Frei-
lich ist zu bedenken, dass 'k auch aus oj hervorg-eh(!n kann, wie
namentlich irkru aus noiiTH, praes. iioi* zeigt.
VI. Kleiurussisch.
sing-, nom. m. dobryj ; f. *dobraja; n. dobroje.
acc. m. dobryj; f. *dobruju; n. dobroje.
gen. m. n. dobroho; f. dobroji neben dobroj.
dat. m. n. dobromu;f. dobroj.
loc. m. n. dobrom ; f. dobroj.
instr. m. n. dobrym; t". dol)roju neben dobroj und d obre v.
plur. nom. m. n. f. *dobryji neben dobry.
acc. m. n. f. *dobryji neben dobry.
gen. m. n. f. dobry eh.
dat. in. n. f. dobrym.
loc. in. n. f. dobrych.
insti". ni. n. f. dobrymy.
Neben dobraja und dobruju gilt dobra und dobru; fui-
dobroje wird auch dobre und selbst dobreje, aus dobi'o-
je-je (kripkeje pyvo. Pauli 1, 12), gesagt. Im sing. gen. f.
dobroji und im plur. nom. acc. dobryji ist ji aus ja, asl. i»ft,
entstanden: ja geht häufig in ji über. Wie im Serbischen, so
ist auch hier dobrov aus dobi"o-jov zu erklären, ov für ojn
findet sich im galizischen und ungrischen Dialecte aucli bei
den Substantiven: rybov aus rybou füi- ryboju.
Abweichend und zwar nach dem im Altslovenischen gel-
tenden Principe gebildet ist der sing. nom. f. dobraja, der sing.
acc. f. dobruju und der plur. nom. und acc. dobryji, asl. ^OKjVkii/A :
der Grund von dobryji ist in der Verdrängung des plur. nnin.
durch den acc. und des Genus neutrun) durch das feinininiini
zu suchen. Der plur. nom. acc. lautet auch auf i aus: ki-asni
podai-ky. Pauli 6. sribni kopyta \): i entstand in diesem Falle
aus altem 'k. welches auch im russ. tT^, asl. TH, vorkommt.
144 Miklosich.
VII. Russisch.
sing. nom. m. dobryj; f. *dobraja; n. dobroe.
acc. m. dobryj ; f. * dobruju ; n, dobroe.
gen. m. n. dobrago (richtig- dobrogo) 5 f. * dobryja.
dat. m. n. dobromu; f. dobroj.
loc. m. n. dobromi.; f. dobroj.
instr. m. n. dobrymi.; f. dobroju.
plur. nom. m. f. n. * dobryja.
acc. m. n. f. * dobryja.
gen. m. n. f. dobrychi..
dat. m. n. f. dobrynn..
loc. m. n. f. dobrych^.
instr. m. n. f. dobrymi.
Die meisten Formen enthalten das Adjectiv iindeclinirt:
dobryj : ^OKp'K-j'k, worüber zu bemerken, dass 'k wie 0, daher
y, yj wie oj hxutet, was auch sonst vorkommt ; dobrogo : dobro-
jego u. s. w. : ago — denn dies ist die aus dem Asl. in die
Schrift aufgenommene Endung — lautet in verschiedenen Ge-
genden verschieden : entweder wie ogo : voknogo, kotorogo,
lichogo, wie sclion in Denkmälern des dreizehnten Jahrhunderts
geschrieben wird, oder aga oder ava, ova. Buslaevt 1. 247.
Beachtenswerth ist der sing. loc. m. n. auf oemij d. i. o-jemi.:
vo syroemi, vo boru Stud. - vol. 20; vo meste bogatoenrt.
Jjuslaev^B 1. 242. ja na kryltce byla perenoemT. Rybn. 4. 45.
ymx, ycliT. erscheinen in den Volksliedern in der älteren P^orm
yiniT), yicln^: zelenyimi., bystryicln.. Vergl. Grammatik 3. 338.
Diejenigen Formen, in denen das Adjectiv declinirt auftritt,
sind mit einem Sternchen bezeichnet: dobraja: dobra-ja; do-
bryja als sing. gen. f., als plur. nom. und als plui-. acc. : ;i,0-
Kp'Ki-i>^ ; dobruju : ^opK/>»-W^. Der gen. dobryja lautet auch
dobryj, dobroj, dobi"oje (;i,OKpOJ, ^oupck). Über die Sprache der
ältesten riissischen Chronisten ,3.S. BuslaevT> 1. 242, und, im
Volksliede, dobi'oej : otT> obedni ott dolgoej. Buslaevi. ibid.
dobroje ist asl. *^C>Gpo-lA, dobroej hingegen würde einem asl.
"* ;\,C»KpC»-i€iA entspr(;chen. oej d. i. ojej (palicej zeleznoej Kybn.
4. 35.) w ärc asl. * O-HiKK.
über die znsammengepetzte Declination in den slavisehen Sprachen. 14ö
VIII. Cechisch.
sing. nom. m. dobry; f. dobrä; n. dobre.
acc. m. dobry; f. dobrü, jetzt dobrou; n. dobre.
gen. m. ii. dobreho; f. dobrej, dobre.
dat. m. n. dobremu; f. dobrej, dobre.
loc. m. n. dobrem; f. dobrej, dobre.
instr. 111. n. dobrym ; f. dobrü, jetzt dobrou.
dual. iiom. acc. m. dobrd; n. f. dobrej.
gen. loc. m, n. f. dobrü.
dat. instr. m. n. f. dobry ma.
plur nom. m. dobfi; f. dobre; n. dobra.
acc. m. f. dobre ; n. dobrd.
gen. m. n. f. dobrycli.
dat. in. n. f. dobrym.
loc. m. n. f. dobrych.
instr. 111. n. f. dobrymi.
Im Slovakischen findet man zdravjeho, zdravjemu neben
zdraveho, zdravemu; im sing. loc. m. ii. dobrom, dieses nach
dem Muster der Pronomina tom, kom (kdo). Wenn man zdra-
vjeho, zdravjemu aus zdravojeho, zdravojemu durch Ausstossung
des o entstehen lässt, so beachtet man nicht, dass dialektisch
je für e eintritt: chljeb, iiijest, pljest für chleb, mesti, plesti
u. s. w. Sembera, Dialektologie 71. Im plur. lautet der nom.
für alle genera auf y aus^: dobry wohl statt dobre.
Safafik, Pocätkove 53, meint, dass die zusammengesetzten
Formen dadurch entstanden seien, dass an das declinirte Ad-
jectiv das declinirte Pronomen gefügt wurde, was, allgemein
ausgesprochen, nach meiner Ansicht unrichtig ist, indem sich
die Mehrzahl der Formen ungezwungen nur aus der Verbin-
dung des adjectivischen Thema mit dem entsprechenden Casus
des Pronomen yh erklären lässt: dobry: dohrt-ji.; dobrym:
dobrt-jiin ; dobrä: dobro-ja; dobre: dobro-je; dobreho: dobro-
jeho; dobrem: dobro-jem; dobrü, im sing. acc. f. aus dobro-ju,
im sing, insti-. f. aus dubro-jü u. s. w. Wenn Safarik ferner
54 der Ansicht ist, die Doppelformen des Singular Genetivs
f. dobre, dobrej seien aus den zwei Mundarten entstanden, aus
denen das Cechische sich gebildet habe, die erste aus dem
Sit/.b. d. phil.-lüst. i:i. LXVin. Ed. IT. Hft. 10
146 Mildosich.
altslovenisclien dobr;^;je, die zweite aus einem dem russischen
dobroj analogen Form, so kann ich ihm auch hierin insoferne
nicht beipflichten, als ich dobrej und dobre auf dobro-je zu-
rückführen zu sollen glaube : aus dobroje entsteht nämlich
zuerst dobroj, woraus dobrej, dobre, wie aus toj, tej, te, aus
mojej, mej, me (Sembera, Dialektologie 35) hervorgeht; e für
ej findet sich auch sonst: pocke aus pockej Moravske närodni
pisne. V Brne. 1860. 89. 153. Der sing. dat. f. dobrej, dobi-e
aus dobroj unterliegt demnach keiner Schwierigkeit. Um dobrej
aus dobroj zu erklären , darf nicht auf hohem hingewiesen
werden: eher wäre die Hinweisung auf vevoda, vyvoda aus
vejvoda, vojevoda am Platze. Die Singular Dative auf ymu:
druhymu, milymu für druhemu, milemu finden sich auch in
dem für diesen Gegenstand lehrreichen slovakischen ky, asl.
KTviH : sing, ky, kä, ke; kyho, kü, ke; kyho, kej ; kymu, kej ;
kom, kej; kyui, kou ; plur. ki, ke^ ke; ke; kych; kym;kych;
kymi. In einigen Formen wird auch das Adjectiv declinirt :
sing. dat. loc. f. velicej, svetiej, asl. velicej, svetej ; sing. loc.
m. velicem, svetiem, asl. velicemb, svetemt; dual. nom. f.
müdfej, asl. mj^drej ; plur. nom. m. cisti, asl. cistii. Alle diese
Formen, mit Ausnahme der letzten, sind archaistisch und selten.
Hieher gehört auch svetie Avohl für svetiej in az se jejie
svetie ruce bile tak se byle zsidale vyb. 1152: svetie ist der
dual. nom. f. und entspi'icht dem asl. cßATHvH.
IX. Polnisch.
sing. nom. m. dobry; f. dobra; n. dobre.
acc. in. dobry; f. dobrf^; n. dobre.
gen. m. n. dobrego ; f. dobrej.
dat. in. n. dubremu; f. dobrej.
loc. m. n. dobrem; f. dobrej.
instr. m, n. dobrym ; f. dobra.
dual. nom. m. dobra; f. n. dobrzej.
gen. loc. m. n. f. dobru.
dat. instr. m. n. 1", dobryma.
plur. nom. m. dobrzy; f. n. dobre; n. alt dobra.
acc. m. n. f. dobre; n. alt dobra.
über die zusammengesetzte Declination in den slavischen Sprachen. 147
g-en. m. n. f. dobryeh.
dat. in. n. f. dobryin.
loc. lu. n. f. dobrycli.
iiistr. m. n. f. tlobiymi.
Ncach Malecki 112 finden sich auch Formen wie ostroe,
l)logoe (blogue), milye, was eine genauere Untersuchung ver-
dient; es ist jedoch zu bemerken, dass die zuletzt angeführte
Form dadurch eiuigermassen auffällt, dass in derselben auch
das Adjectiv declinirt erscheint. Die aus der Contraction
hervorgegangenen Vocale werden in manchen Handschriften
des 14. und 15. Jahrhunderts verdoppelt, in den Drucken von
löGO an mit dem Acut bezeichnet, wodui'ch deren Läno;e aus-
gedrückt werden soll: czyrzwonee: czyrzwouo-je; zawiteem :
zawito-jem, wie meem aus mojem; droga: droga-ja; dobrego:
dobro-jego; czystemu: czysto-jemu, im Gegensatz zu droga,
mojego, mojemu. Der plur. nom. m. ist wie im Asl. und im
(V'ch. gebildet: dobrzy, asl. dobrii.
X. Oberserbisch.
sing. nom. m. dobry; f. dobra; n. dobre neben dobro.
acc. m. dobry; f. dobru; n. dobre neben dobro.
gen. m. n. dobreho neben dobroho; f. dobreje.
dat. 111. n. dobremu neben dobromu; f. dobrej neben dobroj.
loc. m. n. dobrom neben dobrym; f. dobrej neben dobroj.
instr. m. n. dobrym neben dobrom ; f. dobreju.
dual. nom. acc. m. dobroj, dobi'ej ; n. f. dobnij, dobri.
gen. m. n. f. dobreju neben dobroju.
dat. loc. instr. m. n. f. dobrymaj.
plur. nom. m. dobri ; n. f. dobre.
acc. m. n. f. dobre.
gen. 111. n. f. dobryeh.
dat. m. n. f. dobrym.
loc. m. n. f. dobryeh.
instr. m. n. f. dobrymi.
10*
148 Miklosich.
Die auslautenden Vocale in dobroliO;, dobromu können
abfallen; der sing, instr. f. lautet meist dobrej, dobroj: die
volle Form dobreju ist selten; statt dobrymaj, dobiych, dobrym,
dobrymi wird auch dobremaj, dobrech, dobrem^ dobremi ge-
schrieben. Schneider 81. Auch im Oberserbischen ist der plur.
nom. m. abweichend gebildet: dobri^ asl. dobrii.
XI. Niederserbisch.
sing. nom. m. dobry ; f. dobra ; n. dobre.
acc. m. dobry; f. dobru; n. dobre.
gen. m. n. dobrego; f. dobreje.
dat. m. n. dobremu; f. dobrej.
loc. m. n. dobrem ; f. dobrej.
instr. m. n. dobrym ; f. dobreju.
dual. nom. acc. m. n. f. dobrej.
gen. m. n. f. dobreju.
dat. loc. instr. in. n. f. dobryma.
plur. nom. m. n. f. dobre.
gen. m. n. f. dobry eh.
dat. m. n. f. dobrym.
loc. m. n. f. dobrych.
instr. m. n. f. dobr^^mi.
Ausser den slavischen Sprachen besitzen die zusammen-
gesetzte Declination das Litauische und das Lettische.
I. Lifaiiiscli.
sing. nom. m. gerasis; f. geroji.
acc. m. geraji; f. geraje.
gen. m. gerojo; f. ger6ses.
dat. m. geramjam ; f. geraijei.
loc. m. geramjame ; f. gerojoje.
instr. m. gerüjn ; f. gerfije.
dual. noin. acc. m. geruju : f. gereje.
dat. instr. m. geremsem ; f. geromsioui.
plur. nom. m. gereji; f. geroses.
acc. m. geriisius ; f. geräses.
M
über dit* zusammeDgesetzte Declination in den tdavischen Sprachen. 149
g-en. in. f. gen'iju.
dat. 111. geremsems ; f. geromsioüis.
loc. 111. geriisiusc ; f. gerosiose.
inätr. m. geraiseis; f. geromsiomis.
Während sich im A?;!. das indefinite Adjectiv von der
nominalen Declination iu keinem Punkte entfernt, hat sich im
Litauischen das indefinite Adjectiv in der Mehrzahl der Casus
der pronominalen Declination anbequemt : sing. dat. niasc.
pönui, geräm, jam, asl. rabu, dobru, jemu; sing. loc. masc.
pone, gerame, jame, asl. rabe, dobre, jemt; plur. nom. masc.
ponai, geri (zusammengesetzt gereji), je; plur. dat. masc. pö-
näms, gerems, jems, asl. rabT.!!!!,, dohrtmi., jinri. aus jemt;
dual. dat. instr. masc. pönäm, gerem, j'e'm (dvem), asl. rabi^ma,
dobrT,ma, jima aus jema. Da nun die detiuiten Formen des
Adjectivs durch die Verbindung der indefiniten mit dem Pro-
nomen jis entstehen, so ist allerdings richtig, wenn gesagt wird,
dass in der zusammengesetzten Declination das Adjectiv in
pronominaler Form auftritt, eine Regel, der selbst der sing.
instr. masc. folgt, der in der indefiniten Form sich dem Sub-
stantiv anschliesst: ponü, gerü, jümi neben jüm und ju' —
geruju. Es ist jedoch diese Erscheinung specifisch litauisch
und daher wohl jüngeren Ursprungs.
11. Lettisch.
sing. nom. m. labbajis; f. labbäja.
acc. in. f. labbäju.
gen. m. labbäja ; f. labbäjas.
dat. m. labbäjam ; f. labbäjäi.
loc. m. f. labbajä.
plur. m. labbäji ; f. labbäjas.
acc. m. labbäjus ; f. labbäjas.
gen. m. f. labbäju.
dat. ni. labbajim; f. labbäjäin.
loc. m. labbäjiis; f. labbäjas.
Abweichend vom Litauischen tritt im Lettischen in allen
Casus das Thema des Adjectivs ein : labbajis aus labba-jis ;
150 Miklosich.
labbäja aus labba-ja; labbäju aus labbä-ju u. s, w. ; nicht ein-
mal im sing. dat. m., der in der nominalen Deciination sowohl
der substantivischen als auch der adjectivischen a-Stämme
pronominal gebildet wird : grekam, labbam, tritt die pronomi-
nale Form des Adjectivs ein.
Es haben endlich auch die deutschen Sprachen eine dop-
pelte Deciination der Adjectiva. Ich führe hier nur die gotlii-
schen Formen an.
Gothiscli.
sing. nom. m. Hubs; f. Kuba; n. liubata.
acc. m. liubana ; f. liuba ; n. liubata.
gen. m. n. liubis; f. liiibaizos.
dat. m. n. liubamma; f. liubai.
plur. n. liubai ; f. liubos 5 n. liuba.
acc. m. liubans ; f. liubos ; n. liuba.
gen. m. n. liubaize ; f. liubaizo.
dat. m. n. f. liubaim.
Die Formen dieser Deciination zerfallen wesentlich in zwei
Kategorien, indem die einen mit der nominalen zusammenfallen,
die anderen dagegen aus der Verschmelzung des adjectivischen
Thema mit dem Pronomen ja hervorgehen. Zur ersten Kate-
gorie gehören der sing. nom. m. liubs; der sing. gen. m. n.
liubis; der sing. dat. f. liubai; zur zw^eiten Kategorie sind zu
zählen der sing. nom. n. liubata aus liuba-jata; der sing. acc.
m. liubana aus liuba-jana; der sing. gen. f. liubaizos aus liuba-
jizos ; der sing. dat. m. n. liubamma aus liuba-jamma; plur.
nom. m. liubai aus liuba-jai; der plur. gen. m. liubaize aus
liuba-jize und f. liubaizo aus liuba-jizo; der plur. dat. für alle
Genera liubaim aus liuba-jaim. Die dritte Kategorie bilden
jene Formen,, welche sowohl nach 1. als nach 2. entstanden sein
können ; es sind die folgenden : der sing. nom. und acc. f.
liuba ; der plur. nom. acc. n. liuba ; der plur. acc. m, liubans ;
der plur. nom. acc. f. liubos. So Leo Meyer im Anschluss an
Ebel, Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 5. 304 —
309. 356 — 358. Über die Flexion der Adjectiva im Deutschen.
über tue zusammengesetzte Decliuation in den slavischen Sprachen. 151
Berlin. 1863. Über das deutsche insbesondene das gothische
Adjectiviun. Aus Pfeiffer's Germania 9. 129—137. Wien. 1864.
Die gothische Sprache. Berlin. 1869. 449 — 452. Dagegen be-
haupten andere die , wesentliche Identität der deutschen Adjec-
tiv- und Pronominalflexion mit Ausnahme gewisser Casus^
Scherer, Zur Geschichte der deutschen Sprache 397.
Was haben wir als das allen slavischen Sprachen zu
Grunde liegende anzusetzen? Es scheint, dass sich das beste-
hende nur durch die Annahme erklären lässt, dass die Sprache,
aus welcher die heutigen slavischen Sprachen hervorgegangen
sind, beiden Prineipien huldigte, dass demnach das sogenannte
definite A^jectiv sowohl compositionsartig durch Verschmelzung
des adjectivischen Thema mit dem entsprechenden Casus von ^t>
zu einem Worte, als auch durch die Nebeneinanderstellung des
adjectivischen und des pronominalen Casus, ursprünglich als
zweier selbständiger Worte, bezeichnet MTirde. Ob beide Prineipien
gleich ursprünglich sind oder, wenn eines von beiden das ältere
ist, welches, das sind Fragen, zu deren Entscheidung uns die
Praemissen fehlen.
Anhang.
I. Wodurch unterscheidet sich die pronomi-
nale Declination der slavischen Sprachen von der
nominalen?
Bevor ich diese Frage beantworte, glaube ich diejenigen
Pronominal-Formen anführen zu sollen, in deren Bildung ein
Unterschied zu Tage tritt. Es sind folgende: 1. sing. gen. m.
und u. : to-go aus tt, dagegen raba aus rab'i, ; 2. sing. dat. m.
und n. : to-mu, dagegen rabovi, und daraus rabu; 3. sing. loc.
m. und n. : to-nib, dagegen rabe; 4. sing, instr. m. und n.
te-mb, dagegen rabt-rat; 5. dual. dat. instr. aller Genera: te-ma,
dagegen rab^L-ma; 6. plur. gen. aller Genera: te-h-L, dagegen
rabx; 7. plur. dat. aller Genera: te-m-L, dagegen i-ab'b-mh •
8. plur. loc. aller Genera: te-h'L, dagegen rabt-hi» neben rabe-h'i. ;
9. plur. instr. aller Genera: te-mi, dagegen raby aus rab%-mi :
152 Miklosich.
mit raby für rabT>-i vergleiche man aind. gatais, tais; 10. plur.
nom. aller Genera te im Gegensatze zu rabi, welche Form
jedoch auf das Russische beschi'änkt ist. Kein Unterschied
besteht — abweichend vom Altindischen — im sing. nom. n.,
da to wie dobro aus -a-m zu erklären ist, indem aus ta-d slav.
wohl te geworden wäre.
Der Unterschied besteht demnach 1. für den sing. gen.
m. und n. in dem Casussuffix go, worüber ich im LXII. Band
48 dieser Sitzungsberichte gehandelt habe. Neben go für aind.
gha findet man ga, das aind. gha entspricht: jega, koga, ne-
koga, kojega. Monumenta palaeo-slovenica XI; 2. für den sing,
dat. und loc. m. und n. in der Anwendung des Elementes
sma, über dessen Entstehung Scherer, Zur Geschieht^ der deut-
schen Sprache 268, eine Vermuthung aufstellt. Wer die An-
wendung von sma in der pronominalen Declination zulässt,
wird gegen die Anwendung von go bei der Gleichheit der
Bedeutung von sma, worüber Bollensen in der Zeitschrift der
deutschen morgenländischeu Gesellschaft 22. 627 nachgesehen
werden kann, und gha kaum viel einwenden können; 3. für
den plur. gen. m. und n. in dem Casussuffix säm, woraus zu-
nächst ha und daraus ht entstanden ist; 4. für den sing, instr.
m. und n. so wie für den plur. gen., dat., loc. und instr. und
den dual. dat. und instr. aller Genera in der Anwendung des
Elementes i, indem das e der Formen temt, teht, temt, temi
und tema aus oi gerade so entstanden ist wie peti aus poj-ti, |
im Praesens poj.'|. Das Element i fehlt im dual. dat. instr. abl. 1
des altindischen jabhjäm. Alle übrigen Formen werden wesent-
lich nach den auch für die Nomina geltenden Regeln gebildet.
1. der sing. gen. f. toje, jeje ist hervorgegangen aus den durch
Anfügung des erwähnten Elementes i gebildeten Themen toja
und jeja, wobei zu beachten ist, dass nicht nur in den lebenden
slavischen Sprachen sich die aus ta und ja gebildeten, auf ein
älteres te und je aus ta und ja zurückweisenden Formen te
und je finden, sondern auch die altsloveuische Sprache von
ja in der zusammengesetzten Declination die Form je aufweist:
dobry-je. Dasselbe ist 2. eingetreten im sing. dat. loc. f. : toj
und jej sind aus toji und jeji von den oben angeführton Themen
toja und jeja entstanden; daraus ergibt sich die Berechtigung
des Zweifels, ob tom und ich wirklich einsilbig zu sprechen
über die zusammengesetzte Declination in den slavischen Sprachen. lÖ'J
seien. In der zusamniengesetzten Declination "i auch des Alt-
slovenischen tritt j oder vielleicht richtiger ji statt WM ein.
3. Der sing, instr. f. toja, jej;^ ist auf dieselbe Weise gebildet.
Man beachte das dem asl. tojt^ entsprechende cech. toji. Saftirik,
Pocätkove 11, und das neuslovenische to und njo und ja in
der zusammengesetzten Declination des Altslovenischeu; 4. die
Formen für den dual. gen. aller Genera toju und jeju bestehen
neben dem ju der zusammengesetzten Declination gerade sowie
sich merkwürdigerweise aind. neben jajos jos findet. Man beachte
noch folgende kürzere Formen : sing. gen. f. A\C«h<i\ sup. 93. 26.
CBC/'K für ciic>(>^ bon.; sing. dat. f. koh sup. 395. 7. 8. 9. 10.
CRC>H sup, 148. 1.; sing. loc. f. ckoh sup. 44. 17.; sing, instr. f.
KOKK sup. 410. 11.; dual. loc. a\c>k> sup. 386. 28. Vergleiche
W. Scherer, Zur Geschichte d(ir deutschen Sprache 389.
Welche Wörter der pronominalen Declination folgen,
habe ich im vierten Baude der vergl. Grammatik dargelegt.
Es scheint jedoch, dass auch Adjectiva derselben folgen können,
indem den pronominal gebildeten Casus die Bedeutung der
nominalen Formen zukommt: itvk JKiiKOro c;Ki|ia Sav.-kn. 41.
für (,\k 'AMWA c;Ki|Jit. In demselben Denkmal liest man 51.
M3H,\,tT'K c>npai;k,v»unv r'K A'^'^t^ <^B'^" "♦'^♦^- »^narc», worüber
Vergl. Grammatik 3. 71. nachgesehen werden kann.
II. Die Aussprache des h aus aind. ja, j u.
Da weder das glagolitische noch das cyrillische Alphabet
für den Consonanten j ein Zeichen hat — was, nebenbei be-
merkt, den vielleicht überflüssigen Beweis liefert, dass selbst
das ältere der genannten Alphabete nicht für das Altslovenische
geschaffen wurde — so kann darüber ein Zweifel obwalten,
ob anlautendes ii wie i oder wie ji zu sprechen sei. Dieser
Zweifel besteht namentlich hinsichtlich des sing. acc. m, ii cum
und des sing. nom. m. niKf qui.
Wenn man erwägt, dass das genannte Pronomen aus
aind. jam hervorgegangen ist, so möchte man freilich das Be-
denken für grundlos erklären und geneigt sein anzunehmen,
ja sei gerade so in ji übergegangen, wie aus aind. jesäm und
jeäu in der That asl. jih't entstanden ist. Pronomen h eum,
154 Miklosich.
sagt Dobrovsky, Institutiones 24, pronunciari mollius quam
coniunctionem h et, niinirum uti ji, iam Smotriskius docuit et
Caramanus coufirmat. Boliemi ex h diplithongum jej formarunt.
Derselben Ansicht war Kopitar, der Glagolita Clozianus 73
lehrt, dass np'k/i,JmHi" aus iip'k,\,<»A\K h tradam eum wie predam
ji zu lesen sei. Nach Schleicher, Compendium 133, ist aus ja-
jü und aus jü zunächst i, anlautend i geworden, das aller Ana-
logie nach als ji zu fassen sei. f
Diese Ansicht wird dadurch erschüttert, dass allerdings
O^KH H occidit eum gesagt wird, dass jedoch aus Ha h in eum
nicht etwa Ha h oder na hh d. i. na nji entsteht, wie aus Ha ii
in eas (duas) in der That na hh d. i. na nji wird, dass viel-
mehr in eum asl. durch na hk d. i. na nj aus na njt (Vergl.
Grammatik 1. 172) ausgedrückt wird, dass demnach in diesem
Falle an die Stelle von h, wie sich aus der Erweichung des
n ergibt, ji. getreten ist.
Diese Erscheinungen werden mit einander durch die jj
Annahme in Einklang gebracht, dass ja in jt und dieses ent-
weder in H oder in j übergeht, je nachdem es einen eigenen
Accent hat oder enklitisch mit dem vorhergehenden Wort unter
Einer Betonimg wie zu Einem Worte verbunden wird: die Ver-
wandlung in H wird durch den nothwendigen Abfall des t
herbeigeführt. Es heisst daher npH30BH h d. i. prizovi i, wohl
nicht prizovij advoca eum neben dem eum hervorhebenden
npHacBM M%rc. Dagegen h^h na hk proliciscere contra eum neben
H,i,H Ha Hi€ro. Dasselbe gilt von dem von jt abgeleiteten \i^i :
OTH;i,f, H;i,t H H'kcTTv iiH;i,'kTH abüt, ubi videri nequit sup. 301.
23 und /i,o hk;i,6 aus donjtde. Dass nach na und do und den
anderen Praepositionen ein euphonisches n eingeschaltet wird,
ist bekannt. Folgt enklitisches ji. auf ein mit t auslautendes
Wort, so wird h (d. i. h, j) geschrieben und t meist zu 'hl
gesteigert, daher ;v,OKp'KiH aus ^OKp'K-j'K; dasselbe findet vielfaltig
auch nach Verben statt: npM,3ßaK'KiH d. i. prizvavyj -poT/SKi^xq
aü-cv sup. 75. 27. j\,i\ noroYKHT'KiM (d. i. pogubityj) ornTv ut con-
sumat eura ignis 124. 24. KH^'kK'Kiii d. i. videvyj postquam
eum conspexit 142. 11; 232. 7. jy,A H.^royK/ÄTMH d. i. izgubct};)
ut.perdaut eum sup. 301. 10. Die von Dobrovsky angenommene
Schreibung nctcTaBHA'ii m posuit eum, Institutiones 24, die auch
XTbei die zusammengesetzte Declination in den slavischen Sprachen. loO
icli in den Monumenta palaeo - slovenica durciig-iifülirt habe,
halte ich nach genauerer Prüfung der Sache für unrichtig.
Consequent wird iip'k.y.iAMii" tradani cum Cloz. 172. predamij
zu lesen sein, indem vor j der Halbvocal k ebenso in H über-
geht, wie in den früher angeführten Beispielen 'k in 'Kl ver-
wandelt wurde. Anders deute icli ni\A\/Ä'rni"/\\'K aus llaA^/^TkH/\\'h
in K'k 7Ki npa3^\,KHHK'K naiV\/ÄTMi'A\'K li'KHHkHak erat autem festuni
memoria eis continua Cloz. 318, indem hier nur die Verän-
derung des k in H eingetreten ist : dasselbe ist der Fall in
BKiHHO^VOyiJJHH men.-mih. ,39. a. aus K'K HHOAoyuiiiH. H ist dem-
nach als eine w^ahrhafte Enklitika anzusehen, und nur so sind
Verbindungen wie iipiiaßaK'kiM und ii(rk,v,a-\\ni" erklärbar. Man
beachte hiebei auch OEp'kTkiii T'kac» £josv /.al ß(.)[j,6v act. 17. 23.
sis., wo H et ebenso behandelt wird wie sonst H eum.
Wie H aus aind, ja, verhält sich auch Hi\\ aus aind. jam,
daher zunächst aus j^m. jt geht im Anlaut in H über, im
Inlaut bleibt es der Wesenheit nach unverändert: iiMüf^, da-
gegen R'kHk.W/'K, CKHkAX'K aus v'inj'Lma, ST-nj-Lmi, mit eingeschal-
tetem n. Mit dem perfectiven mm, w\th prehendere hängt das
durative HAxHiTH habere und das frequentative haxath prchen-
sare, prensare zusammen: das erstere enthält die unverändcj'te
Wurzel, daher jtm, woraus sich das nsl. nemam aus nejmam
erklärt: in haxath hingegen ist der Vocal der Wurzel gestei-
gert;, woraus sich ergibt, dass maxatm für jimati steht, nicht
etwa für jemati, da daraus wohl ein asl. ra.WATH w^erden müsste.
Aus diesem Grunde kann ich mich nicht mit Öchlcicher's
Ansicht, Compendium 133, befreunden, dass iskati und iti füi-
jeskati und jeti stehen. Belehrend ist in dieser Hinsicht jad
(jamt edo), das Schleicher, Compendium 132, unbedenklich
dem aind. ad zur Seite stellt, 847 jedoch, der Wahrheit näher
kommend, aus ed entstehen lässt, das jedoch aus jcd hervor-
gegangen ist, wie das nsl. jem zeigt: aus aind. ad ergibt sich
nämlich durch Steigerung ed, und daraus nach Hinzufügung
des Vorschlags j — jad, wobei hinsichtlich der Steigerung an
sed (sesti) considere aus aind. sad erinnert werden kann.
Aus dem oben angeführten ergil)t sich die hier dargelegte
Aussprache der Casus der zusammengesetzten Declination für
die älteste Zeit als wahrscheinlich: sing. nom. m. dobryj, do-
1Ö6 Miklosich. Über die zusammengesetzte Decliuation iu den slavischeu Sprachen.
bljij ; f. dobraja^ dobljaja-, n. dobroje, dobljeje; dat. m. n. do-
bruumu, dobljuumu ; f, dobreji, dobljiji; loc. in. n. dobrejenib,
dobljijinib ; f. dobreji, dobljiji ; instr. m. n. dobi-yjimi^ dobljijimb;
dobroja, dobijejf^; dual. in. dobraja, dobljaja; f. dobreji, dobljiji;
dat. instr. m. n. f. dobryjiiiia, dobljijima; plur. noni. in. dobriji,
dobljiji; f. dobryje, dobljeje; g-en. m. n. f. dobryjiht, dobljijihi.
u. s. w.
Haupt. Kruilei- l'liilipps Miirieiilt'lu'ii. lö/
Bruder Philipps Marienleben
Joseph Haupt.
/iu den beliebtesten Büchern des XIV. und XV. Jahr-
hunderts g-ehürte in Deutschland das Marienleben des Car-
thäusers Philipp. Das geht schon aus der Zahl der uns ent-
weder vollständig oder in grösseren und kleineren Trümmern
verbliebenen Hss. hervor. Zu den bisher bekannten fünfund-
zwanzig treten in den folgenden Blättern fünf, von denen zwei
bisher zwar bekannt aber nicht erkannt waren, die andern drei
jetzt erst aus der Verborgenheit ans Licht gezogen werden.
Mit der Zahl von dreissig Hss. tritt Philipp zunächst den
Werken Wolframs. ^
H. Rückert hat dieses Reimwerk 1853 als den XXXV.
Bd. der Quedlinburger Bibliothek der deutschen National-Lite-
ratui" veröffentlicht und keinen Anstand genommen, den Text
in die gemeine mhd. Sprache umzuschreiben. Die Fülle von
Reimen, die laut gegen jede rahd. Mundart schreien, hat er
zwar nicht überhört, sie aber als österreichische zu rechtfer-
tigen gesucht. In allen Fällen, wo ihm dies unmöglicli war,
I musste entweder der Archaismus herhalten oder die Verwilde-
jrung der Sprache im XIV. .Jahrhundert Schuld tragen.
* Fr. Pfeiffer, Qnellenmaterial zu altdcTitsclieii Diclitiing'en (Denkschriften
der k. Akademie. Bd. XVII.) zählt S. lU) vrnn Tarzival 4:^, S. .'iS vom
WiHeliahii .S5 Hss. auf; Zahh^n, die von keincni .■nidcnu liiiftt-llioch-
dentsclien Dichtwerk erreicht werden. Von den Nihelinigen sind alles in
allem nur 'JS Hs.s. aufgefunden, s. Bartsch. Der Nibelunge Not, Leipzig
1870 S. XV.
158 Haupt.
Schon Fr. Pfeiffer hat in seinen , Beiträgen^ S. XV diese
Behauptung-en energ-isch zurückg-e wiesen und scheint den Dichter
unter die mitteldeutschen stellen zu wollen, obwohl er sich
weder S. XV noch S. XXX klar und deutlich darüber aus-
spricht. Offenbar war ilun nicht entgangen, dass auch gegen
den mitteldeutschen Ursprung des Werkes sich schwer wiegende
Beweise aus den Reimen beibringen lassen.
O. Schade hat sich ebenfalls gegen H. Rückerts An-
sicht erklärt und ist entschieden für die mitteldeutsche Abkunft
eingetreten; er sagt in Liber de infantia Mariae et Christi
Salvatoris Halis Saxonum 1869 S. 8c über Bruder Philipp:
extant Codices multi partim linguam mediae Germaniae, quae '
est genuina huius operis, profitentes. ceterum . . H. Rückertus
in dijudicanda, qua poeta usus sit dialecto, miro modo erravit.'
Dabei ist die Frage bis heutzutage geblieben. Ich hoffe
sie in den folgenden BLättem zwar nicht vollständig zu lösen,
aber der Lösung näher zu bringen.
In dem ersten Abschnitt werden sämmtliche von dem
streng mhd. und md. Gebrauche abweichenden Reime Philipps
zusammengestellt und zwar auf Grundlage der von K. Bartsch
für die verschiedenen Abschnitte des Karlmeinet aufgestellten
Reimgesetze. Ich habe die Schreibung Rückerts beibehalten,
denn je greller das Licht war, das so auf diese österreichischen
Reime fiel, desto besser war es.
Die nächsten Abschnitte sind dann einem andern Irrthume
über Philipp gewidmet, der nicht weniger weit verbreitet ist,
allgemein geglaubt wird und bisher keine Anfechtung zu be-
fahren gehabt hat. So wenig H. Rücke rt die österreichische
Heimat Philipps erfand, aber wohl den Irrthum auf einige Zeit '
befestigte, so wenig hat er den zweiten erfunden, aber ihm
allen Vorschub geleistet.
Wenn man seine Darstellung über das Verhältniss der
von ihm benützten Hss. liest, so wii-d man zu dem Glauben
verführt, als liege Philipps Werk nächst der niederdeutschen
Bearbeitung nur in zwei Recensionen, einer mitteldeutschen und
einer österreichischen vor/ die im ganzen und grossen über-
' So sagt er S. 281 von der Hs. 2736 der k. k. Hofbibliothek, sie sei im
gröbsten österreichischen Dialect des XIV. Jahrluuiderts geschrieben. lu
sechs gereimten und roth gescliricbenon Zeilen erklärt aber Friedereich
I
Brnder Philipps Mari^nleben. 159
einstimmen. In der That gibt es aber mehrere Recensionen,
die weit von einander abstehen, unil von denen keine öster-
reichiseh genannt werden kann.
Diese Recensionen aufznhnden war allerdings scliwer.
Die Admonter Hs. war ihm gänzHch unbekannt, sonst hätte
[I er sehen müssen, dass diese die Recension enthält, aus der das
Bamberger Blatt, von dem er S. 283 spricht, nur ein Bruch-
stück ist. Ebenso unbekannt waren nicht nur ihm die Trüm-
mer zweier pergamentenen Hss. der k. k. Holbibliothek, von
denen die eine jetzt noch 16 Blätter in 4" einer Recension
bietet, in welcher Philipps Werk mit dem Evangelium
Nicodemi combiniert ist.
In dem letzten Abschnitt versuche ich nach diesen Ergeb-
nissen die Hss. soweit ich sie kenne zu ordnen. Auf der neuen
Grundlage werden sich auch die übrigen Hss. an ihre richtige
Stelle einreihen lassen. Zunächst wünschenswert!! wäre eine
Untersuchung der Münchner Hss., die H. Rücke rt ganz uner-
wähnt gelassen hat.
I. Philipps Reime.
1. Bartsch s. 218 ,a für o allgemein niederdeutsch.'
trüebesal : wol 53.
2. s. 219 , Berührungen von langem und kurzem a sind
selten' um so häufiger bei. Philipp.
a : ä smal : mal 5016, 5062 dar : jär 5752 vai*en : waren
8354, 9024 gevaren : wären 8302, 9560 samen : kämen
9254 man : van 1874 gewant : haut 6208 stat : liät
6007 : rät 6082, 6262, 7534, 8214, 8228, 8242 blat : stät
860 uaht : volbraht 1968, 2396, 7862 : gedaht 958
machte : brähte 9018 : gedähte 8556 slahte : brähten 3502.
ä : a jär : gar 4928 wären : varen 2772, 2926, 8286, 8290 : ge-
varen 8340;, 9268 kämen : namen 3278 nämen : namen
8878 : samen 7218 häs : was 10002 hänt : bekant 4918
Grüeninger ans Weikersheim der Stadt, dass er der Schreiber sei. Wei-
kersheiiu liegt im würtenibergisclien .Taxtkreis an der Tauber 1 '/, Meile
östlich von Mergentlieim und ist bolicnlohiscli. Mit Recht sagt also der
Schreiber in Frankenlaud.
100
11 a n \tt.
^rCii : liut 4.')1 f^illxui : IimIx^i ,'>000 : liibcn 782 luäg'e : tage
24;j() g-edulit : naht IHM) hraliten : lalitoii 2(;76 : slahte 3578.
.'). s. 211) ,(i mit V. <^('\miu[vi\ aiicli sein- scltcui' iiiii so liäu-
{\^vv l»('i l*liili|>|).
ö : e swcni : lirni TS.'iS Iri- : (I<m- *.)ir)J 1)('V(^1(5 : sele 9438
Gi'toii : w(M'(l(!ii 201 S licrre : licic ,'M4().
4. s. 211) ,<l<!r Wocliscl von c und i, (1(m- LJebergang von
i in (' zeigt .sich in /ahh'oichen Heimen.'
e : i weter : wider 322.'") sw(Mt : enwirt G5.50
(! : i denken : versinken ,'),3.32 nnil)elu;nge : volhringen 707
i : e ijn : kcm ,'502 : nein 709()
i : (! rinnet : gei'onnet 2250 sitzen : ersetzen il99G kinde
eilende 4182 : ende 7330, 7480, 7490 : hende 7386, 7418
vinde : ende 705() binden : lenden 7206 : henden 6816 ,
tiinkcii : gedenken S722 : entwenkeii 6472 bringet : men
get hlOd; niht : geseht (5402 ist niet : g-esiet zu lesen.
e : i .b'rusalem : .loaeiiim 8.3, 257, 505 : im 1 108, 8850 : hin
4770 Nazareth : mit 56(K) .loachim : Jerusalem 395, 427
im : r.elhh'hr'iu .512 hin : .lei-iisalem 2526. Ueber den
X'crhalt von ac zu den übi'ig(Ui i' si(^he unten.
.5. s. 221 ,i berührt sich mit i in einigen Worten.'
i : i sit(! : ziten 5078 izzet : bizet 8187 vil : \\\\ \'V) pin :
sclun 1688 in : sehin .37.">8 Sera]ihin : in 9794.
I : i zit : sit (-= siht) 2056 wil : vil S404 kui'zewil : vil \)HH, j
1961 kuizciwile : spile .'5716 min : bin 5246 swiii : in 5580
sin : hin Sl 12.
1 >ic zahlreichen K'eime Avv pronominaliMi I<\M'men mich
dich sich aiil" rieh lieh u. s. w . bleiben ausser Hetraeht, da. sie
als ziemlich allg<'mciu nichls licwciseii.
6. S.221 ,l>eridn iing- \(Mi i und ic isl vcrhällnissm/issig' selten.'
i : ic spiltcn : lichicitcn II,". I silcn : nicicu ,'5721 tic\il : \icl
5580.
ic : i vielen : s|»ilcn 16 |S siech : sich 5500, 5510 i'wv : ir 4722.
7. s. L*'il ,o siclil l'iii- ;i nach nicdciländisi'hci- ^\'cise vor
1 ii(|uiden.*
.■i : o wait : worl llOl, H\^iiO varn : geborn 3498 gvvarn :
gcboin ;',.")7t> ni;in : Siineon 2680 : Symon 719(), 8(510.
o : a Wort : warl INI, 4(i22, .5542 geborn : varn ,'5576 ge-
noincn : namcn ;5(');5 siui : .loliaii 4214 nämlich son : ,lohan.
Hrndcr )'liili|i|is MMiiciilcliiMi
ICl
S. s. 'J'J'J ,(t hci'iiliinl sich iiiil o Musscr dem nlli^ciiicin
iniltcldciitsclicii lidilc iiiiil <;'cliiiil iVir liöilc iiikI i;;clioi-| iiiii' in
roH : los'. Um so zalilrciclicr sind riiilipps licis|»iclf, so icclil
/.um l>(iW(3iso, djiss er den l Iiitorscliicd /wisclicii ljuif>;(Mi und
kiif/cn Vocjilcn nii'lil kiuiiil.
o : o Avoilcii : lioi-lfii 17()() lor : Uoi- \W{), 9(512 i;o! : iiAt,
r)14() : l>ro( S7II : i^vl.ot 2712, 2.S;5S : lA|. 2;'.!»S, 2(;S2,
r>7()2 s|>ol : i'ot (')S()2 roc : Iriioc ( : roch : Iroch,
r)()7(;.
o : o horte : wortc •|S12 tirdioric : wcirtc (ilil i;-chrtrlc : woric
DOlO horten : woiicii I7<)(; kor : vor '.I7()S kröne : koiic
lOOlO nöl : i>H>bol 4^)'M\ bröl, : ^ot f)SS(;, SIlM, IKidC,
97!)() lAl : f^-ot 27(;0 j-obot : j^ot OälW röl, : s])oi ,sr)7()
io(h! : ,t;-ol.e 8054.
Woj>;en d : I im h'lzteu H(!is|Meh' siehe unten 2ß.
!>. s. 222 ,o liir u ist ;dl^eniein üblich'.
U : t» wurde : wm-te ScS.'M siine : kone i)!l2().
u : u woriiui : wurden '.IIK'» wollen : widteii 2851'» wohlc :
sc.iiulde 8.552 sohle : schuhh; 7882, 878(i soll. : schiill
2148.
FeriKu- nuch n mid o.
U : o wui'den : hörtcin 7'.)t>, 4'.)8(; suii : persön •)*.I72.
o : n iraslc : kiisle nn)8.
10. s. 222 ,11 wird zuweilen mit i j;-ebuM(leir.
i : u <lieke : ruck<! ;*.8,")8, kint, : vrunt. 7M8.
u : i ervidhin : wilhin 5li.')(), \ ruul : kint 4051; vrundeii : \ iu-
(Umi 47!H;.
I );i l*liiü|)|i keinen rnil;ml \(iii u kennt, so n-e|i<irl hieiiei'
iiueli i\r\- Itcini \runl : en/iindt 1 108, und ist /ii lesen \'i'unt, :
CMi/iinl. hiese IJeiuu' h;it ;iui'li II. \-on Veldi'ke, W'rrnhci- \nn
Micderrhein und ;indere. Zeitsch. ,\ . j ,'}4-.
11. s. 22.") ,1 »(uiihruni;' \(ui a : o /cifri sich in (ütii;;'en
Ruimcu :
a : o o-clAn: h',n .5:544, da: zwo 7802.
0 : a zwo : Ma,-4-<laI(uia 80(5 : d;i 7*512, 8lO(i.
I )a bei l'hili|>|> o : ö aich berühren, so ^'(duiren hiehei'
iUieh di<^ lv(;im(; :
') : a k(unen : er(ju;'nneii 4('>(5(» genomen : nänien ,'5().'» : kämen
8.574, 807 ().
Sitzi). ii. iiiiii, iiiii. ci. lAvnr r..i u im 11
162 Haupt.
Statt zwo ist zwä zu lesen, wie auch im Karlmeinet zwä :
nä 169, 11 ; 268, 2 und sonst gereimt wird^, ferner statt ver-
raetet : ertoetet 5228, verratet : ertötet.
12. s. 224 ,ä steht für ei durch Contraction ziemlich all-
gemein.' treit : genaet 3644 = trat : genät (? treget : geneget)
13. s. 224 ,e für ae allgemein in allen Theilen des Ge-
dichtes.'
ae : e staete : prophete 9650 saeh : e 4186 waene : zwene
5848.
e : ae e : saeh 4750 gen : säen 3710 gesehen : kraen 6424.
Dieser Reim ist besonders häufig mit folgendem r, die
Beispiele Hessen sich noch vermehren :
ae : e waere : ere 1824, 2098, 4990 5396 : here 3236 : wider-
kere 4792 verkeren 3926 : lere 515, 5104, 6078, 8434,
8450, 8540, 9062 : mere 5158, 8912 : sere 4274 wae-
ren : eren 1516, 2306 : keren 1842, 3114, 3416, 3442 :
lere 4750 beswaeren : eren 1366 beswaerent : verke-
reut 4742 beswaert : gesert 3102 beswaerte : erte 640
bihtegaere : here 10015 maere : lere 5460, 8946 trüge-
naere : lere 7114 zouberaere : lere 4680.
e : ae ere : waere 602, 4758 erte : beswaerte 1366 gere : waere
4464 here : gebaere 1934 : waere 753, 820, 1274, 2528,
8454 : swaere 7514 kerte : vermaerte 670 verkeren : swae-
ren 159 : trügenaeren 9050 lere : maere 5460, 7048,
7674 : swaere 3214, 8208, 8246, 9042 : waere 2272, 4906,
5386, 5894, 6596, 6602, 8154, 8530, 8880, 9076 : waeren
4930 mere : swaere 3560 sere : maere 4348 : rihtaere
7095 : swaere 111, 4430, 7564 : waere 8138.
Für Philipp existirt keine Länge oder Kürze und der Unter-
schied von gebrochenem oder offenem e und aller andern eben-
sowenig, das heisst, er reimt ae : e : e : e nach Gefallen,
ae : e waer : her 4688 laere : Lucifere 9728 beswaert : wert
2660 phlaege : wege 4922.
e : ae gesehen : jaehen 2548 knehte : brachte 1238.
e : e keren : mere 3206 herre : mere 3208 kerten : gewerten
2896 sele : quelen.
e : e here : mero 5570 geverten : kerten 2630 stet : Nazareth
5718.
e : e her : her 9228 erde : werte 2892.
Bruder Philipps Maricnlelmn. 1G3
o : e gesiebte : rehte 31, 39 perte : erde 4119.
14. s. 224 ,e für ei durch Reime gesicherte
ei : e heim : Bethlehem 1510, 1802, 1940 : Jerusalem 1525,
382n, 7730, 7946, 9500 arbeit : Nazareth 5695 leit : Na-
zareth 4704 beiii : gen 8408 beilic : selic 9764 (oder
heilieb : selicb nach den Reimen unter 31 ?).
e : ei Jerusalem : beim 117, 223, 1834, 2632, 2726, 4790,
4838, 8304 Elisabeth : treit 1678 Gabriel : meil 1840,
sei : meil 1220, 1570 Magdalene : reine 7900 Magda-
lenen : einen 5974 : weinen 7080.
Hieher gehört nach dieser und der vorigen Regel auch
swester : meister 5798;, 7804, 7914, 7940 und sinewel : meil
862 nämlich swester : mester, sinewel : mel, ebenso geheizen : ge-
sezzen 5972.
15. s. 224 ,e für ie'.
e : ie herre : schiere 8978 bogen : vlien 2404.
ie : e zierte : erte 65 zieren : meren 9726 disputieren : leren
4816.
lieber gen : vlien s. auch unter 20.
16. s. 225 ,6 für ou nicht häufig'.
o : ou poume : cynamöme 9762 (loup : lop 6144).
17. s. 225 ,6 steht für uo'.
6 : uo also : bantschuo 3642 : zuu 7506 do : zuo 1844, 2730,
3912, 4150, 4542, 4892 (und noch sehr oft) : darzuo 5142,
6606, 7676 Herode : buote 6750 tode : gemuot 5248
enböt : guot 6958 tot : guot 9306 rot : bluot 7380 ze-
stort : gevuort 7748, 9046 kor : vuor 9695 (roc : truoc
5076) ;
uo : o zuo : do 726, 734, 1514, 2770, 6622, 7760 vruo : do
8048 bluot : rot 6846, 7772 : tot 6954 vuorte : zestörte
7958 gevuort : zerstört 6308 vuor : kör 9630, 9672, 9716.
Für die UmlaÄite von ö und uo gilt nur ö.
üe : oe grüene : schoene 9202 = gröne : schöne.
oe : üe gestoerent : vüerent 5242 töten : nöten (= noeten)
8770.
Wenn Philipp uo : u reimt, so galt ihm eigentlich ö : o
uud so fallen die folgenden Reime zur Regel 9 (o : u) und 8
o : ö.
11*
164 Hanpt.
uo : u bluome : brintegomen 9638 bluomen : komen 8682 :
kumen 9786 : volkomen 10026 muomeu : kmnen 1742
siechtuome : kumen 9002 magetuom : kumen 2118 : sun
2176 : kum 1388 tuon : sun 4578, 4745, 7936 getuon : sun
7234 tuont : kunt 6250 sluogen ; zugen 7230, 8584.
u : uo briutegum : magetuom 1336, 1354, 1404, 5636 (briu-
tegom : kom 5716) sun : tuon 1900, 2746, 3668, 4364,
4556; 4772, 5090, 5302 (und nocli sehr oft) : getuon 7374,
8396, 9396 kumen : muomen 1742, 4202 gebuten : huo-
ten 9356 zugen : sluogen 7108, 8628 vruht : vervluoht
1034.
Folglich nach dieser und der folgenden Reg-el vuor : viur
8318 vuoren : viuren 2884 : schüren 3226 erhuop : üf (= er-
hüf : üf) 4162 stiuren : vüeren 3680 hüt : bluot 6834, 8566.
18. s. 226 ,ü für iu auch allgemein'.
zühten : liuhten 574, 682 nämlich zuhten : lühten. über
vrunt s. oben unter 10. über viur := vür s. unter 17 am Ende.
19. s. 226 ,ei wird mit i gebunden^
ei : i enzwei : bi 3346 erschein : sin 8152 : schin 9324 be-
leip : lip 1716 geist : wist 8258 gemeit : hochgezit 9962
leide : lide 7444 gescheiden : liden 7040 scheidest : lidest
7476 einen : schinen 3504.
i : ei lip : beleip 1700 zit : Christenheit 4904 osterzit : be-
reit 6348 liden : scheiden 7552 siten : weiten 6852, 7422.
Da Philipp keine Quantität kennt, gehört hieher auch
ist : geist 4852.
20. s. 226 ,ie ist durch Elision von h und Oontraction
entstanden^
gen : vlien 2404 geschiet (= geschiht) : vliet 6400 vie
: lie 139, 2792: enphie 275.
21. s. 225 ,ie mit i^
ie : i liep : hp 4266 : wip 5452 liebe : libe 365, 335, 5806,
8268.
i : ie liren : jubilieren 9846, 9956.
22. s. 227 ,ou für iu in allen Theilen des Gedichtes, aber
nur in wenigen Worten', nämlich nur in jenen, die auch bei
Philipp erscheinen.
ou : iu schouwe : riuwe 7414 schouwen : triuwen 5810 vrou-
wen : riuwen 7340 : triuwen 1364, 5356, 5650, 8248.
Bruder Philipps Marienleben. 165
iu : ou triiiwe : schouwe 3178 vrouwe 754o| 75;")8 : vrouwen
4072 triiiwen : vrouwen 1468, 5356, 5448 i^etriuve : vrou-
wen 1890 vntriuwe : vrouwe 4576.
Dem Philipp eigenthünilieh : oueh : iuch 4780.
23. s. 227 ,ou für öu allgemein^
ou : öu schouwen : vrouwen 6434, 6934, 8282, 9336.
öu : iu vrouwen : triuwen 10000.
24. s. 228 ,m mit n^
n : m ran : nam 4446 getan : lobcsam 3436 : vunnesam
822 in : vernim 4086 drin : im 8644 sun : Jesum 1650,
1914, 3708, 7104 : Capharnaum 5596 gegen : Jerusalem
8414 enein : heim 2506.
m : n kam : gewan 7008 Joachim : sin 29 : hin 217 : in
453, 465 Jesum : sun 4354 Naum : sun 5520, 5522,
Jerusalem : sten 269 Bethlehem : Cleophen 1178 ma-
getuom : tuon 1464 : getuon 1045.
nt : mt haut : samt 9860 zehant : samt 9720 gewant : samt
550, 7196 kunt : kumt 10094.
mt : nt samt : gesaut 10016 schämt : gemant 2402.
Klingende Reime konen : konien 3890 Cyuamome :
kröne 1006.
Andere s. unter 4. Ueber das n des Infinitivs unten,
25. s. 230 ,eine starke Form von here, das immer so
lautet, niemals herre, begegnet neben der schwachen". Die fol-
genden Beispiele gehören in a und b wegen e = ae auch
unter 13.
a. herre : dinaere 5626 : maere 940 : swaere 289, 1430,
2060, 2084, 3164, 4060, 4400 (und noch sehr oft) herrcn :
schephaere 2068, 3262.
b. maere : herre 3300, 5200, 5328 waere : herre 2494,
2529, 2538, 2580, 2588, 2864 (und noch sehr oft) swaere : herre
1904, 5684, 7892 : herren 7820.
c. herre : ere 213, 1400, 2052, 6240 : sere 4604, 6904,
6016, 7346 herren : eren 1752, 4966 : keren 8352 : leren 3806.
d. lere : herre 5830 eren : herre 5714 keren : herren 4905.
Liest man in diesen Fällen nach Bedürfniss here oder
heren, so sind die Reime vollständig in Ordnung; auch die
oben angeführten herre : mere 3208 : here 3446 u. dgl. ver-
langen blosses here.
166 Haupt.
26. s. 234 ,d für t ist ganz allgemein in allen Tbeilen
des Gedichtes^
d : t rede : hete 5194, 9138 : tete 1016, 3558, 3772, 4216,
4998, 5212 (und noch oft) : getete 221, 261, 421, 650, 1224,
1372, 3588 Widerrede : tete 3928, 3942 reden : teten
3676 : zetreten 4154, 4598 genäde : dräte 171, 5518
vride : mite 2218, 2320, 5794 : site 1484 : striten 3384
gestriten 3384 lider : siten 5070 liden : ziten 6094,
8978 erliden : ziten 5330 siden : ziten 542, 584, 3612 :
riten 2596 Juden : buten 81, 1271, 6978, 7216, 8618 :
erbuten 6870, 7046, 7356 : gebuten 1271, 1376, 1506 : ver-
hüten 6940, 8348 beide : breite 2938, 3828 : geleite 2518
beiden : beiten 7182 meide : leite 9464 scheiden : bei-
ten 6398, 9224, 9278 : beleiten 8362 : geleite 2704 ge-
scheiden : beiten 7824, 8264, 9502 : leiten 9384 : berei-
ten 8982 beschieden : geriten 2551 schieden : rieten
2562 bruoder : muoter 1398, 3888, 9128 müede : güete
3830, 5680 tode : gemuote 5248.
t : d tete : rede 1722, 7118, 8334 getete : rede 1560, 4392
stete : rede 4392 schate : entladen 2802 waten : gescha-
den 3858 bäten : genäden 1158 dräte : genäde 3058
rate : genäde 211 mite : vride 3220 weter : wider 3328 :
dweder 3792 ziten : liden 5269, 7170 : siden 534, 1626 :
vermiden 481 buten : Juden 6342, 8646 verhüten : Juden
8554 beite : leide 7132 beiten : gescheiden 8224, 8265
leiten : beiden 6280 geleite : beide 2518, 2794 : schei-
den 2704 : tageweide 3222 breite : beide 3820, 4630
rieten : schieden 6160 muoter : bruoder 1399, 3858,
7450, 8368.
27. s. 236 ,d steht im Praeteritum schwacher verba allge-
mein für t nach 1 n r^, bei Philipp tritt die media nach die-
sen Liquiden in allen Worten ein nach einer allgemein ver-
breiteten mhd. Weise. Die meisten der folgenden Beispiele
fallen auch unter schon früher dargelegte Gesetze.
d : t würde : gebürte 311, 455, 1718, 2516, 2688, 4188, 5150
enwürde : gebürte 2652 wurde : worte 8834 worden :
Worten 413, 1704, 1736, 1766, 2608 9058, 9160, 9984
geworden : Avorten 1646 wurden : horten 796, 4986 erde :
werte 2892 erden : gerten 9782 werden : gerten 1144, 1166.
Bruder Philipps Marienleben. 167
t : d gebürte : würde 2U80, 2154, 2168, 7630 : würden 2016
gerte : werde 1126 : Averdcn 2832 gerteu : werden 1138 :
werde 1244 nieldent : scheltent 10106 Oriente : ende
2442 niilte : bilde 680, 4992.
Die Reime ürde : ürte : orde : orte : urde : orte sind
alle nur als orde aiifziitVissen.
28. s. 237 ,v steht für b oder auch b für v in allen
Theilen des Gedichtes^.
neve : lebe 9176 neven : geben 9194.
29. s. 237 ,f steht im Auslaute für b und p'.
p : f treip : ergreif 670 huop : ruof 3292, 7888, 8920 er-
huop : üf 4162.
f : p ruof : huop 3396, 4554, 9368 schuof : huop 9258.
30. s. 239 ,g steht im Inlaut für h in sagen für sähen,
sege für saehe und geschaege für geschaehe.
sähen : lägen 61, 2898, 3364 besähen : phlägen 532 lägen :
sähen 3340, 4654 phlägen : sähen 2102, 2194, 2942,
9616 : gesähen 2447 vrägen : sähen 3340, 6604.
31. s. 239 ,Im Auslaute steht für die Tenuis k durchgän-
gig die Aspirata ch^
ch : c bach : erschi-ac 3854 zebrach : gelac 4346 : phlac
8492 gemach : tac 3000 ungemach : lac 1880 : mac
8740 : slac 6586 : tac 123, 8074 sach : lac 7764 : phlac
8490 : erschrac 2982, 6690, 7276 : tac 2254, 8852 be-
sach : phlac 744 ersach : erschrac 2268 gesach : phlac
1858 versach : tac 6086 geschach : lac 2650, 3186,
5524 : gelac 7628 : slac 8410 : donreslac 8314, 9316 :
tac 7722 mich : unschuldic 4408 gelich : gewaltic 5116
miselsühtic : riudic 5494 pleich : seic 926 siech : kriec
948 tuoch : genuoc 8760.
c : ch lac : geschach 4060, 5618, 5726, 5978 : sach 3430,
9530 : gesach 7338, 9286, 9892 : ensach 7278, 7784 :
sprach 1318, 4102, 4384, 5738, 6466, 7134 gelac : sprach
4764 erlac : sach 8606 : geschach 1198, 3254 : sprach
1620 mac : ungemach 970 : sprach 9926 phlac : sach
616, 800, 860, 4342, 8478 : gesach 816, 1210 : sprach
Kji'O : gesprach 8824 : geschach 1198, 3254 enphlac :
sach 740 : gesprach 8832 erschrac : sach 3402 : besacli
4286 : ersach 3434 : geschach 1810 : sprach 8080 tac :
168 Haupt.
ungemach 149, 2778, 5698, 6972, 7322 : gesach 2692 :
geschach 1156, 2780, 7672 : sprach 5832, 8762 samztac
: geschach 4130, 4512 gedulde : sich 676 truoc : tuoeh
8798.
32. s. 242. ,h steht im Praeteritum und Particip. praet.
von sagen legen u. s. w/
brähten : lagten 2676.
klagten : lachten 1956 ligt : niht 4090.
Philipp geht darin noch weiter und reimt naht : magt
9832; ebenso im Inlaute k : ch in kirchen : wirken 8758
wirken : kirchen 702, 712.
33. s. 243 ^h wird inlautend und auslautend ausgestossen
und abgeworfen^
deo : ho (= hoehe) 2116 vie (= vihe) : lie 139, 2792 : enphie
27.5, 3252 hie : vie (= vihe) 3002 nie : vie (= vihe)
3794 schriet : niet 4284 nie : gezien 4315 geschiet : vliet
6400 schiet : niet 7036 smät : enhät 6287 verlihe : ma-
rien 1088 gezihen : marien 1522 getan : trän 6698.
gän : bevän 4478 ergän : slän 5205 san : van 4498 under-
stän : slän 4568 n. s. w. Auch die Reime hähen : slahen
8542, 8596 sähen : slahen 7218 slahen : vähen 2958
vähen : slahen 2638, 2728, 3328, 3584, 7658 sind in
hän : slän : sän : vän umzusetzen.
gen : gesen 802, 4588, 7020, 7068 : gesehen 5906, 7122, 8740
ergen : gesehen 2642, 5208 erge : gesche 1690 bogen :
gesehen 7050 get : set (= sehet) 8140.
sten : sen 880,. 1226 : anesen 5066 : gesehen 5792 besten :
gesehen 3492 ersten : sen 5252, 5274, 7174 versten : ge-
sehen 3348 gesten : gesehen 2472 verstent : jent 4862.
sen : bogen 9292 : sten 1226, 7486 gesen : besten 8928
sende : gende 9468 gesende : gende 5476 gesent : gent 9008.
gesehen : gen 2204, 3082, 4786 : ergen 297, 3408, 3930,
7580 : understen 2996.
Allgemeiner kommen die folgenden Reime vor, so dass
sie nicht unter die eigentlich beweisenden zählen.
r : rh horte ; vorhte 6948 erhörte : vorhte 2290 hörten :
vorhten 3326, 3462, 4572 gehorten : vorhten 6514 gegurt:
gewurht 8804.
rh : r ervorhte : erhörte 2534 vorhte : worte 7832.
Bruder Philipps Marienleben. 1 Ot)
Ebenso allgemein ist bevelen statt be\^ellicn. Philipp
kennt nur das letzte, weshalb zu lesen ist statt schuole : be-
volhen o390 sehole : bevolen und statt sei : bevil 9350 sele :
bevele. vgl. verholen : bevolen 2967 beval : stal ()ooO.
34. s. 244 ^In einigen Absehnitten finden sich die Formen
gesot (besocht besuochet) und vervlot (vervlöcht. vervluochet).^
muote : versuochte (5462.
35. s. 244 ,ch wird im Auslaute allgemein abgeworfen^
da : nä 980, 4662, 4956), 5612, 7192.
nä : da 3874, 3982, 4794, 5612, 5750, 5828 : Magdalena 8106.
smä : da 129 wä : derna 5276.
z6 (= zochj : imvro 141 : also 4322.
ho (=h6ch) :*vr6 2796 : unvro 7376 : also 3244.
also : z6 423, 652, 8664 : hantschuo 3642.
vrö : ho 3726.
z6 (= zuo) : z6 (= zöch) 4328.
36. K. Bartsch stellt S. 251 — 256 eine Reihe ungenauer
Reime zusammen, die er theilweise zu beseitigen sucht, die
meisten haben bei Philipp ihre Seitenstücke.
, Liquiden assonieren miteinander',
bevälen : wären 507 wären : nämen 7786.
,Mediae miteinander^
tage : grabe 5258 entragent : überladent 6212 geben : phlegen
1474 phlegen : geben 746 gelouben : verlougen 7860
trüege : überhüebe 5674 schrinden : dringen 8562 bc-
gunden : sprungen 4338 gebunden : dwungen 6858.
,Die Tenues untereinander^
c : t roc : spot 6764 dinc : sint 4924 pertinc : kint 3318
luoc : stuont 1982.
Statt luoc : stuont ist zu lesen lüch : stut, wie L am-
brecht Alex. 3384 ed. Weissmann.
t : c spot : roc 8548 kint : dinc 105, 4138 gestalt : lanc 5030.
,Die Aspiraten f und ch', bei Philipp auch z und f.
loup (= lof) : ouch 1252 ergap (= ergaf) : sprach 1686 sluoc
{= sloch) : ruof 4168 greif : streich 3200, 4656 enlie-
zen : liefen 2220.
Philipp assoniert auch liquicUu; und mediae miteinander.
1 mit media phlägen : bevälen 694.
170 Haupt.
m mit media gebe : beneme 1324 nemen : geben 5908 : ge-
geben 5954 nemest : lebest 1282 nämen : gaben 8600
poume : loube 3258.
phlagen : genämen 1500 sahen (= sägen s. oben 30) : kämen
1538, 1866 kämen : sähen' 2564, 3852, 4806, 4492.
zesamen : gadem 1628.
r mit media wären : phlägen 4950.
nn mit nd und ng gewunnen : begunden 9618 gewinnen :
bringen 1030.
37. s. 256 ,Eine Reimmigenauigkeit , die sich in allen
Theilen, aber in verschiedenem Masse findet, die Bindung s : z.^
s : z gras : saz 2812 las : vergaz 764, 1530 : vaz 8486 ge-
nas : daz 2616 was : az 1996 : enaz 778 : baz 866,
4938, 5050, 7708 : daz 564, 594, 1528, 2274, 2308, 2640
(und noch sehr oft) : vergaz 147, 792, 3720, 7982 : saz
1618, 2964, 3884, 4116, 4420 : vaz 343, 4450, 9256
vlos : genoz 4550 wiselös : bloz 7464 hüs : üz 2974,
8472 tempelhüs : üz 552, 742, 1146 Aphrodisius : üz
3424 Jesus : üz 4334, 4418, 4638, 5610.
z : s az : was 4885, 5154 daz : Jesaias 4848 : Thomas 9564
: was 411, 441, 530, 824, 1806, 1838 (und noch sehr oft) |
: häs (= hast) 6680 haz : was 642 : häs [=z hast) 6536
saz : las 4808, 4846 : was 1974, 4052, 8078, 8902 säzen
: läsen 4810 vaz : was 5402 vliz : sis (= sist) 916 üz :
hüs 137, 786, 8496, 9270, 10090 : tempelhüs 107 :
Augustus 2259 : Jesus 4458, 4470, 7968, 8958.
Philipp erweitert diesen Reim dadurch, dass er hs = s
betrachtet.
groz : wuohs 4892 wuohs : groz 4046 : vuoz 3656 vuoz : wuohs
5817 vlahs : daz 700.
Ebenso gilt seh : s, von welchem Reim auch Karlmeinet
in hals : valsch 415,15 eine Probe bietet
hals : valsch 8532 ysopus : pusch 7568 evangelisten : misch-
ten 10018.
Eine Erweiterung dieses Gesetzes sind die Reime z : seh,
die auch Karlmeinct in büzen : rüschon 124,5 kennt.
göz : wuosch 6950 liez : gevriesch 1078 gcheizen : gevreischen
1456 : vleischen 357 heizet : gcvi'cischet 6906 ezzen :
vischen 5872.
i
Bruder Philipps Marieuleben. 171
vischen : ezzen 5924 wescheu : gesezzen 3036.*
Da hs = s ist, so reimt auch hs : seh.
wiioschen : wuohsen 3050.
Noch weiter geht Phihpp in den Reimen seh : st, z : st,
zt : st.
vleische : g-eiste 1702 entheizen : leisten 107.6 geheizen :
leisten 1380 heizt : geist 5122 geheizen : geleisten 17H8
ist : wizzt 1064.
38. s. 252. ,Eine Zahl anderer Reime ist darin ungenau,
dass das eine Reimwort ein t hat, das dem andern fehlte
andäht : sprach 762 üf : vruht 2830 : kluft (? = klüf) 7246
hundert : besunder 5574.
Wenn Philipp in einigen der unter 37 angeführten Reime
schon bis an die äusserste Gränze gegangen ist, wo überhaupt
noch von Reimen anstatt von Assonanzen die Rede sein kann,
so hat er sich doch in anderen noch überboten, freilich durch
die Sprache gezwungen. Die folgenden drei gereinigt : ge-
heiligt 367 gesaeligt : geheiligt 1760 gebreitet : geheiligt 1786
lassen sich entweder als gereinichet : geheilichet gesaelichet
oder als gereinet : geheilet : gesaelet zur Noth fassen, zu ver-
gleichen ist heilic : selic 9764 = hclic : selic.
Die Reime kiuschekeite : erzeigte 1276 zeigte : leite 2566
neigte : leite 2840 sind herzustellen durch Tilgung von g.
Unter 18 ward gezeigt, dass Philipp zilhten : liuhten
zz: zuhten : luhten reimt. Diese Regel verbunden mit der
unter 10, dass u mit i gebunden wird, erklärt zühten : siten
5004 = zuhten : siten, aber liuten : siten 5467 ?
Statt des stummen e niuss i angenommen werden in tievil :
wil 5186 : viel 5580 tüsint : kint 5932 sint : tüsint 5572
kint : tüsint 5870 oder in diesem Falle auch tüsund : kunt :
sunt. Ferner muoter : mitter (= mit ir) 1526 ist mödir : me-
dir, muoter : tohter 4256 Peter : mir 5950.
39. s. 245. ,Im geschlechtigen Pronomen der dritten Per-
son lautet der Singular er . . Der Pluralis lautet immer si und
ebenso im Sing., Femin., Nom. und Accus.' si : bi 63, 2820,
5892, 8126, 9282> 9954, 5450 bi : si 3242, 5892, 7298, 7600,
9622 : derbi 1966, 6296 si : si 4856, 5290 dri : si 2600,
8174 vri : si 5244, 5952 si : vri 8322 si : owi 7156.
172 Hanpt.
Für uns steht us : Ephiplianius 8500 : Marcus 5886 nacli
strenge niederrh. Weise S. W. Grimm Wernher vom Nieder-
rhein, die Note S. 86.
40. s. 245. ,Die erste Person Sing, des Praes. Indic. geht
theils in n theils vocalisch aus^
gegeben : die wil ich nf der erden leben 1010, ich bewar :
vorn 298.
41. s. 246. ,Die 2. Person Sing, geht in s aus^
häs {= hast) : was 10002 daz : häs 6536 vh^z : sis 916 lei-
des : scheidest 6100.
Schwach flectirte Substantiva rechtfertigen ein über-
schiessendes n des Infinitivs.
gewinnen : der gotes minne 195 : von minne 309, 423 än|
minne 3552.
von minne : gewinnen 209 diner minne : gewinnen 9934.
in der helle : gesellen 1600 zuo der helle : gesellen 3315,
5576, 7954.
ze gesellen : zuo der helle 5240.
manger slahte : brähten 3502 brähten : mangerslahte 3578J
trabten : welherslahte 640 under schate : entladen 2802.1
stuonden : stunden 2378 der stunde : vunden 4206, 8096.
Nicht zu beseitigen ist dieses n in andern Fällen :
we : gesehen 3330, 3370 gen : gesche 6104 Pharise : gehen]
6154 Marie : schrien 5154 komen : vrume 2944 schei-
den : mit dim geleite 2704 umbehenge : volbringen 7061
manne : anspannen 1288 hüeten : ungemüeten 1360, 14761
und in vielen dergleichen Fällen. i
Eine eben so grosse Zahl von Reimen e : en finden sich,
wenn ein starkes Particip. praet. im Spiel ist :
alle : gevallen 353 begangen : mit gesange (? mit gesangen)
260 von gote : entboten 1728 geboten : ze gote 2296
u. s. w.
Das Adjectivum war auch auf en gebildet:
1680 dens also altiu hat enphangen und doch gewesen ist so-
lange 1. langen.
2266 gap lichtes mer dann ander stcrren und lühte in die-
werlt verrc 1. verren.
Nach dem bestimmten Artikel ^\•ird das Adjectivum auch|
stark fiectiert :
Brnder Philipps Marienleben. 173
2594 si gäben ouch des kindes muoter der vil reinen und der
g-uoten 1. der vil reiner und der guoter.
3108 do sprach der reine und oueli dei- guote Joseph zuo des
kindes muotei- 1. du sprach der reiner und der guoter.
4976 so gie er heim ze siner muoter zc Nazareth der vil guote
l._ guoter.
Der Herausgeber liest ,009 : des tempels priester al gemeine
enphiengen Marien die nuigt i'eine, dagegen <')88: die liute lobten
al gemeine ]\Iarien die süezen und die reinen, 2140 diu tör-
heit daz ich die vil reinen greif an diu äne mannes gemeine,
auch in diesen und noch anderen Fällen dieser Art ist reine
zu lesen.
Eine grosse Reihe von Unreimen lassen sicli leicht ver-
bessern :
415 lernte ez huote siner zunge also kint und also jungez
1. lernte huote siner zung ez;
485 diu muoter lerte ouch die tohter swaz si si guots geleren
mohte 1. swaz si guots geleren moht ir;
898, 1142 du konien dar vil jungelinge und ouch der alten üf
den gedingen 1. üf daz gedinge;
1724 und die botschaft ir muoter und ouch den megden di ir
huoten 1. niuotir : die huoteu ir ;
2082 ich lobe dich daz du din muoter die reinen meit miner
huote 1. die muoter din : der huote min ;
2754 wand daz kint der küuc Herodes suochet und wil daz ze
tode 1. suochet unde wil ze tod ez:
3508 da bi erkandens daz da in denselben landen 1. da si bi
erkanden ;
5070 sin hend sin vüez und al sin lider diu truoa; er mit so
schoenen siten 1. lit : mit so schoenem sit;
5592 die liute die des selben vihes hnoten die begunden vlien
1. die liute die da selbe ir vie huoten, die begunden vlien.
Solcher Beispiele Hesse sich noch eine erkleckliche Zahl
hersetzen, doch die beigebi-achten genügen.
So viel Unreime sich auch tilgen lassen und zum Theil
auch von einzelnen Schreibern getilgt sind in den TIss., es
bleiben gerade diejenigen unerschüttert stehen, die Philipps
Sprache erweisen. Uebersichtlich geordnet lauten die Keim-
gesetze desselben :
174 Haupt.
1. Alle Vocale, ob kurz ob laug, gelten in stumpfen und
klingenden Keimen gleich; eine Regel, die in dieser Schärfe,
wie bei Philipp nur in mnl. und zum Theil in niederrh. vnd
mnd. Reimwerken durchgeführt ist.
2. Es gibt keinen Umlaut ausser den von a und ä.
3. Es gibt keine Diphthonge.
4. Die Aussprache von i und e so wie e steht einander
so nahe, dass sie gereimt werden können. Alle e, e, e (ae)
reimen auf einander.
5. Die hochdeutschen 6 oe uo üe fallen deshalb zu-
sammen und können aucli mit o gereimt werden nach 1.
6. Die Aussprache von u und o nähert sich, sie werden
auf einander gereimt und können, da Kürze und Länge keinen
Unterschied macht, einerseits u mit ü iu ^ ü, anderseits u mit
o und uo = ö so wie üe ;= 6 gereimt werden.
7. Die Aussprache von a und o steht einander so nahe, dass
sie auf einander gereimt werden ohne Rücksicht ob kurz
oder lang.
Philipp hat also nach seinem Vocalismus und Conso-
nantismus auf keinen Fall hochdeutsch , auch nicht einmal
mitteldeutsch geschrieben, sondern höchst wahrscheinlich mnl.
oder wenn man will niederrheinisch, ungefähr wie Heinrich
von Veldeke gedichtet. Philipp ist unm()glich in Süddeutsch-
land geboren und erwachsen, er kann auch nicht zu Seitzin
Steiermark gedichtet haben.
Das Wörtlein Seitz der Pommersfelder Hs. hat schon
Pfeiffer in den Beiträgen s. XV. für vollkommen nichtig
gegen die erdrückende Wucht der Philippischen Reime erklärt.
Zudem ist dieses Seitz eigentlich nur eine Lesart, für welche
andere Hss. andere bieten : zuo Seles St. u. G. zu tutzs H
czu seid in die niederd. Die Lesart der Jenaer ,Nu sagt ditz
selbe bücchelin' kennen auch die beiden Wiener 2709, 2735.
Nv seit ditz buchclin, eine Lesart, die vollkommen sinnlos ist.
Es ist deshalb keine Frage, dass hinter Seitz Seles ein Orts
name steckt, wofür ,seldin' nur ein gewagter Versuch ist füj
Unverstandenes etwas verständliches zu setzen.
Das was ich jetzt gebe, ist eine Vermuthung, die sich be-
stätigen kann, vielleicht auch nicht. Vor mir liegt die Hs
4058 der k. k. Hofbibliothek, die aus dem Carthäuser Klosteij
f
I
i!
Bruder Philipps Marienloben. • 175
Mauerbacli (Vallis omnium Sanctorum) bei Wien stammt,
dieselbe enthält auf 107 a — 111b ein Verzeichniss der sämmt-
liclien im Jahre 1509, wo die Hs, geschrieben wurde, noch
aufrechten Klöster des Ordens nach den Provinciae geordnet.
Da heisst es nun auf 109 a in der Provintia Theutonie XVIII:
,Montis Johannis Baptistae in zeelem prope diest/
A. Raissius, Origines Cartusiarum Belgii Duaci 1G32
sag-t p. 49 . . sita est Cartusia quinto milliari a Louanio, sexto
Mechlinia nono Antverpia atqiie Brussella abiuncta in Zeele-
mensi dominio circa annum millesimum trecentesimum vigesi-
raum octavum fundata ab illustri viro Gerardo toparcha Diest-
hemensi et Castellano Antverpiensi ejusque conjuge Joanna a
Flandria comitis Losensis lllia . . ferner p. 53 Miraeus in
Donationibus Belgicis . . Gerardus dominus oppidi Diestensis
seu Diesthemensis Arnoldi lilius collegii canonicorum S. Jo-
annis in dicto oppido et Cartusiae in Zelem primo inde milliari
sitae fundator a. inillesimo trecentesimo trigesimo tertio aut se-
quenti obijt. . in eadera Cartusia sepultus.
Dieses Zelem, auch Selem Zellem geschrieben, tritt
nahe genug zu Sei es. Dieses und Seitz kann entstanden sein
aus Selem, wenn dessen m in der Vorlage wie ein z
geschrieben war. Selbst die Lesart in H ,zü tutzs^ tiudet
vielleicht in Diest ihre Erklärung, wenn eben Di est als
Glosse über oder neben Selem von einem kundio^en beige-
fügt war.
Ist dieses Selem bei Diest die Carthause, wo Philipp
sein Werk schrieb, so erlangen wir eine gründliche Erklärung
seiner Reime, die vielfach in unseren durch mehrfache Bear-
beitungen durchgegangenen Texten scharweise als mnl. hervor-
brechen. Nur ein Dichter von dort konnte alle kurzen und
langen Vocale als gleichwerthig nehmen und überhaupt alle jene
Kunst oder Unkunst entfalten, die in der vorausgehenden
Uebersicht seiner Reime daro:eles:t wurde.
Wenn durch einen glücklichen Fund Philipp wirklich
in der Carthause Zelem nachzuweisen ist, oder wenn ein mnl.
.Stück eines Marienlebens gefunden wnrd, das sich als (original
zu den mehr oder weniger hd. Bearbeitungen in Anspruch
nehmen lässt, dann wird erst die Frage zu entscheiden sein ob
ich richtig oder nicht richtig vermuthet habe.
176 Haupt.
Für diejenigen, denen Zelem bei Die st zu entfernt ist,
will ich noch hersetzen, dass es nicht leicht möglich ist, dass
in Seles oder auch in Seitz gar nicht der Name eines Ortes
sondern eines Landes stecke, nämlich der Schlesiens, das im
XIV. Jahrhundert auf deutsch nur die Slesie Sclesie genannt
wird. Was dagegen spricht und zwar ganz entschieden, sind
die Sprache und die Reime des Werkes ; diese haben einen
entschiedenen ganz und gar nicht mitteldeutschen Charakter,
während man sich in Schlesien im XIV. Jahrhundert der mittel-
deutschen Sprache in grosser Reinheit befleissigte.
Noch mehr gegen einen Ursprung des Werkes in rein
mitteldeutscher Gegend und Sprache lässt zweifeln die merk-
würdige Thatsache, dass bereits um die Mitte des XIV. Jahr-
hunderts mehrere von einander nicht nur in einzelnen Worten,
Versen u. s. w. abweichende Recensionen vorhanden waren,
worunter mehrere mitteldeutsche, die das Werk Philipps in
der Composition angreifen und umgestalten.
Es ist dies eine Thatsache, die bis jetzt unbekannt war.
Im Avesentlichen, so ward geglaubt, seien alle Hss. einver-
standen, ein Glaube, der weder die frommen Seelen des Mittel-
alters noch die eigentlich doch unaesthetischen Köpfe desselben
Mittelalters zu würdigen die Gabe hatte.
Philipp hatte ein Marienleben geschrieben, ihm war also
das Leben und Leiden unseres Heilandes nur ein Nebenwerk,
das er auch in den Versen, 5360 — 6993 mit mehr als gewöhn-
licher Unbeholfenheit abthut. Nun war nichts bequemer, als
die Evangelien zur Ausweiterung zu benützen und schon in
der Pommersfelder Hs. werden nach 5871 drei Evangelien
von der Ehebrecherin, von dem Zöllner und Pharisäer und von
den falschen Propheten eingeschoben. H. Rücker t hat es
verschmäht, diese Stücke wenigstens in den Lesarten zu geben,!
die doch wichtiger sind als er geglaubt hat. Wenn in derj
Pommersfelder Hs. nur diese drei Evangelien eingeschoben!
sind, so existirt eine weiter verbreitete Recension, in welcher
etliche vici'zig zur Erweiterung der Lebensgeschichte des Hei-ij
landes benützt wurden, und von dieser will ich zuerst ausführ-
liche Nachricht geben, da die vollständige und die zertrüni-,]
merte Hs. seit langem bekannt aber nicht erkannt sind.
fl
Bruder Philipps Marienleben. 177
II.
Das Stift Admont in Steiermark besitzt eine Papierlis.
vom Jahre 1351,' von der bereits H. Hoff mann von Fallers-
leben in den altdeutschen Blättern 2, 82 nur die kurze Nach-
richt gegeben hat, dass dieselbe eine gereimte Bearbeitung der
Evangelien enthalte. Aus den mitgctheilten Schlussversen hat
Gödeke MA. S. 110, 28 geschlossen, dass nicht nur die P]van-
gelien, sondern auch ein Marienleben in dieser Hs. enthalten
sein müsste. Das war kein falscher Schluss.
Die Hs. besteht aus 108 Blättern in 8", auf denen
eine Beai'beitung der Evangelien in eingerahmten aber nicht
linierten Zeilen versweise geschrieben ist. Die Seite zählt
durchschnittlich 33 Zeilen. Jedes Evangelium beginnt mit
einer rothen Initiale, die Majuskeln der herausgerückten
ersten Verse jedes Reimpaares sind roth durchstrichen. Das
ist auch der ganze Schmuck, den sich der im Ganzen ziemlich
nachlässige Schreiber gestattet hat. Offenbar sind er oder der
Erzeuger der Hs. mehr fromm als reich gewesen, denn sie
haben bereits benutztes Papier auszunutzen gesucht. So sieht
man auf 34"^ unten acht lateinische Hexameter und Pentameter,
die aber mit rothen und schwarzen, krummen und geraden
Strichen so überzogen sind, dass sich nur einzelne Worte ent-
ziffern lassen. Diese lateinischen Verse standen aber darauf,
ehe der Bogen gekehrt und für die Evangelien benützt wurde.
Ebenso ist auf 107'' zu lesen ,Dem erbern man Percto' was
auf 108'' mehrmals wiederholt wird und zwar vollständiger.
Das zweitemal lautet es blos ,Dem erbern man perctolden dem
Ratgeben', dagegen das drittemal ,Dem erbern man pertolten
dem Ratgeben Richtere ze Radstat enb . . ich Jans Holfüs
prüder. '-
' Dass icli diese Hs. hier in Wien benützen konnte, dafür sage ich dem
hochw. Herrn Dh-ector Dr. R. Peinlich des k. k. Staatsgymnasiuins
und Caijitnlar des Stiftes Admont hiemit den gebührenden Dank. Ohne
die freundliche Gewährung meiner Bitte um diese Hs. wäre vieles dunkel
geblieben in der Ueberlieferung des Philippischen Textes.
- Die Ratgeben waren eine an der mittleren Donan verbreitete Familie
Diesen Berchtold den Ratgeben und Ricliter zu Radstadt bin ich nicht
Sitzl). d. phil.-hist. Cl. LXVm. Bd. II. Htt. 12
178 Haupt.
Aus diesen Worten geht hervor, dass die Hs. in Steier-
mark oder in den angrenzenden Ländern geschrieben wurde, denn
die Hand, welche hier an den Perchtold Ratgebe zu Radstadt
schreiben will, hat auch jene acht lateinischen Verse auf 34"'
geschrieben. Unter Ratstadt kann keine andere als die einst
hochbedeutende Radstat in den salzburgischen Taueru ge-
meint sein.
Da diese Hs. wie wir sehen werden, Philipps Leben der
Jungfrau vom V. 6070 an enthält, so entsteht begreiflich die
Frage ob sie vollständig ist. So weit sich aus ihrem gegen-
wärtigen Zustand urtheilen lässt, allerdings. Nicht nur dass
auf 1* an der Spitze ein rother Vers steht, mit dem fromme
Schreiber gewöhnlich ihre Abschriften einzuleiten pflegen, es
sind auch die Lagen gezählt, nur nicht wie sonst auf dem
letzten Blatte einer jeden am unteren Rande, sondern auf dem
oberen des ersten Blattes einer jeden. Die Lagen selbst zählen
nicht gleich viele Blätter: I. 10, IL 16, HL 8, IV. 16, V. 16,
VI. 18, (VII.) 14, (VIII.) 10. Die beiden letzten Lagen sind
nicht mehr gezählt.
In der folgenden Uebersicht gebe ich die ersten vier und
die beiden letzten Verse eines jeden Evangeliums sammt den
Ueberschriften genau wie in der Hs. gelesen wird. Ich habe
es nicht unterlassen an einzelnen Stellen den verwilderten Text
in den Noten zurecht zu rücken. Weitere Proben von der Art
und Weise wie die Hs. geschrieben ist, finden sich in den
mitgetheilten Einschüben, mit denen das Werk Philipps ver-
ziert wurde. •
im Stande nachzuweisen, aber ein Otto der Ratgebe riliter zu Pazzauve
erscheint in dem Verkaufsbrief Ottos von Ror au den Bischof 1290, 21.
April als Zeuge Moiii. Boic. XXIX, 11. 572. Urkundeubuch des Landes
ob der Ens . . Bd. 4. CXXXIII. Diese Ratg-eben als Richter bischöf-
licher Städte müssen weiter verbreitet gewesen sein. Uebrigens stand
Admont, wo unsere Hs. seit Jahrhunderten aufbewahrt unter den
Erzbischöfen von Salzburg.
1 Wenn ich die Evangelien in (h'u folgenden Auszügen nicht bestiiiiiut
habe, so hat das seinen guten Grund: die angegebenen Evangelisten und
die Evangelien stimmen nielit recht zusammen. Ferner lässt sich nicht
einmal die Diöceso bestimmen, da ein zweites Exemplar dieser Recension,
die wir unten kennen lernen werden, abweicht in den Angaben, auf
welche Tage dies oder jenes Evangelium trifft. Endlich besitzt die k. k.
Bruder Philipps Marienleten. 179
}
Assit principio sancta Maria meo. (Rotli.)
I. In den zeiten daz guscliah iosns ze seinen lungern sprach
Wen ier wast so huet dez Ich sag euch allen rech wez
l*" Wo dein schaczt verporge ist Do ist dein herz ze steter
vrist.
II. An dem phincztag matheus
In illo tempore ez geschach pey der allten e
Capharnaum ein stat genannt ist dar chom gegangen iesu
chi'ist
2" Zu haut au der selwen stunt Waz daz selbe chint gesunt.
III. An dem vreitag marcus
In den zeiten daz geschach got ze seinen iuugern sprach
Ez ist gesprochen e ein wart daz hab ier wol gehoert
o'' Dein vater der ez verpargen sieht der let dirs vngelonet
nicht.
IV. An dem samztag marcus
In den zeiten daz geschach daz gen abent gehengt waz
Ein schef gie auf dez wazzer fluet Als noch mangez ofte
tuet
4'' Swelch daz rueren ze der stund Di warden sazehant
gesund.
V. An dem ersten suntag Matheus
In den zeiten daz geschehen ist Daz vnser herr iesu crist
Aller genaden (ist) ein voll aist (ist) wart gufurt von
ein geist
4*" Vn chomen di engel dar vii nomen sein mit dienst war.
VI. An dem mentag Matheus
In den zeiten daz geschach got ze seinen iungern sprach
Hofbibliiithek kein Missale Colouiense, Moguntineiise oder vou dereu
Suöraganen in Würzburg u. s. f., um mittels deren Hülfe die Frage zu
beantworten, wo die Uebersetzung der Evangelien oder doch diese Eecen-
sion von Philipps Marienleben gemacht wurde. Dass aber diese raittel-
und norddeutschen Erzdiöcesen zunächst in Betracht kommen, ist aus den
Reimen zu entnehmen, deren Uebersicht unten folgt.
12*
180 Haupt.
Ew Allen daz ich chunt tuen wan so chuinpt des meuschen
sun
5i^ Di vnrechten ze der helle streben Di rechten enphahent
daz ewig leben.
VII. An dem ertag matheus
In den zeiten daz geschehen ist Daz vnser herre iesu christ
Ze ierusalem gegangen cham Als in di starcht nienig
vernam
6'' Do lert er si vil sicherleich von dem ewigen gotes reich.
VIII. An dem mitichen matheiis.
In den zeiten daz geschach Der iuden maisterschaft sprach
Vn ier chuudigen ze iesmii Dem heiligen scheffer sprach i
7*" Die muezzen ewichleichen sein Di swester vn di prueder
mein.
IX. An dem phincztag Johannes
8* In den zeiten daz geschach Daz got ze den iuden sprach
Di im daz gelowlten (!) daz er tet Den sagt er daz ze stet
8*^ Wer pechomen ist von got der hoert sein lere vn sein
gepot.
X. An dem freitag Johannes
9^ In den zeiten daz geschach Daz der iudein hochzeit waz
Vn daz Johannes gegangen cham hincz ierosolimam
9** Daz ezz iesus were der in penomen hiet sein swere.
XI. An dem sampztag matheus
In den zeiten daz geschehen ist daz hie in erde gie iesus
christ
Petrum mit im nam vn iacobeu als im gezam
10" Vncz auf die stund daz er get Daz dez menschen sun
von dem toet erstet.
XII. An dem andren suntag matheus
In den zeiten geschehen ist Daz vnser herre iesu christ
Gie vn chom in die laut Di tridesamus waz genant
11" Als tu wilt zu der stunt indez wort ier tochter gesunt.
' ? Und ir kundigaere zeiu beilegen scheffaere.
Bmder Philipps Marienlehen. 181
XIII. An dem mentag Johannas
In den zelten daz g-eschach iesus ze den luden sprach
Ich gen 1er selch mich schier Von ewern svnden ersterbt 1er
IV' Er vellet mich ze chainer vrlst ich tuen Im waz im Heb Ist.
XIV. An dem ertag Johannes
In den zelten daz geschach iesus ze dem volch vn ze
den lungeren sprach
Ver war da geschlet daz Auf dem stuel do moyses saz
\2^ Vnd wer sich nider wllllchlell (!) Der wart erhoecht slcher-
lelch.
XV. An dem mltichen inatheus
In den zelten daz geschehen Ist Daz vnser herre Iesus
chrlst
Hincz Jerusalem chani sein zw'elif iunger er mit im nam
12'' Sein leben Ist im vaile vmb maigs nigs(!) menschen valle.
XVI. An dem phincztag matheus
In den zelten daz geschach Iesus ze seinen lungern sprach
13" In nam dez nlch hei er sagt im daz pispel
lo'' Sl gelawbencz nicht ob ze in get Denne der von dem
tode erstet.
XVII. An dem freytag matheus
In den zelten daz geschach iesus ze sein lungern sprach
Vnd scheid ew der luden schar er sprach wizzet daz
ver war
14'' Do getarsten sl nlch vor der schar Di in heten vor einen
welsagen gar.
XVIII. Au dem sampztag lucas
In den zelten geschehen ist Daz seinen lungern sait christ
Ez waz ein man der het chint zwen svn die im Heb slnt
Kl" Vervarn der lebt zu diser stunden er waz verlorn vnd
ist nu funden.
XIX. An dem driten suntag Lucaz
In den zelten geschehen Ist Daz auz einem menschen
chrlst
Einen teuel tralb verware Daz njensch waz ein stumwe
gare
182 Haupt.
17" Di gotes wort zu aller zeit pehalten vn an widerstreit.
XX. An dem mentag Lucas
In den zeiten geschehen ist Di trugner sprachen wider
Christ
Zu chapharnavn hab wier vernomen Do sei vil wimders
von dier pechomen
18* Vnd si machten im nicht getuen Dem vil heiligen gotes svn.
XXI. An dem ertag matheus
In den zeiten daz geschach iesus ze seinem iunger sprach
Symon petre hoer mich ob dein prueder svndet wider dich
IS'* ich sprich nicht siben stunt zware aber siben vn siben-
czigch stund verware.
XXII. An dem miticheu matheus
In den zeiten daz geschehen ist Daz si giegen (!) zv iesu
Christ
Von ierusalem di trugnere vn fragten in der mere
19'' Ob sein hent vngewagen sint Daz vnraint den menschen
nicht.
XXni. An dem phincztag matheus
In den zeiten daz geschach iesus ze seinem volk sprach
20* Ir schult nicht vergezzen macht ew daz ewig ezzen
20" Daz in hungren oder dursten schol wann er ist aller
freuden vol.
XXIV. An dem freytag Johannes
In den zeiten geschehen ist daz vnser here iesu christ
Von ainem weg müed waz vber ein prunnen er saz
22" Daz er verwar ist erchant Der rechter werlt hailant.
XXV. An dem samptag (!) lucas
In den zeiten geschehen ist Daz vnser here iesu christ
23* Zu oliuet auf den perg gie dar nach er dez nicht enlie
23" Ge vnd huet dich sere Daz du icht sundes mere.
XXVI. An dem vierdeu svutag iohanes
In den zeiten geschehen ist daz vnser herre iesu christ
Gie vber daz mor daz haist gewis g'^lyle tyberadis
24" Ez ist der weisag iesu christ der in di werlt chomen ist.
ßriider Philipps Marienleben. 183
XXVII. An dem mentag' iohaniies
24" In den zeiten geschach daz der luden ostern nahen waz
Vn daz iesus geg-ang-en chani hincze Jerosolimam
25" Er Westes selber vil paz waz siten an dem menschen waz.
XXVIII. An dem ertag iohanes
In den zeiten geschach daz der luden hochzeit nahen waz
Do geschach zu der selben vrist Daz vnser here lesu christ
26'' Sein zeit waz nicht chomen gar manig gelaubten an in
auz der schar.
XXIX. An dein mitichen iohannes
In den zeiten daz geschach iesus einen plinten sach
Der waz gewezen verwar vor seiner gepurd plint gar
28** Gar an allen valschen wan er viel nider vn pat in an.
XXX. An dem phincztag marcus
In den zeiten geschehen ist in einer stat gie iesü christ
29" Die waz navrn genant sein iunger gie mit im alsampt
Daz doch iemant getrauet Got hat sein volk peschauet.
XXXI. An dem vreitag iohannes
In den zeiten geschehen ist ez waz ein syecher zu ainer
vrist
Daz waz Lazarus genant her von Betania erchant
32" Sahen waz iesus tet si gelaubten an in an der stet.
XXXII. An den sampztag lucas
In den zeiten daz geschach iesus wider dl schar sprach
Ich pin der werlt Hecht wenn man mier volgen siecht
32'' Im tet do nlemant verwar sein zeit waz noch nicht
chomen gar.
XXXIII. An dem fumften svntag
In den zelten daz geschach got zu der luden schar sprach
Vn ze den dl ier fursten solden sein Wer straft mich vm
dl sunde mein
33'' Jesus parg sich san vn gie auz dem tempel herdan.
XXXIV. An dem mentag iohannes
In den zeiten geschach fuer war Dl fursten vn der trug-
ner schar
Samten ier diener an der vrist Daz si viegen (!) lesum christ
184 Haupt.
34" Von dem gaist den man di sclirar,(!) di an in gelauben gar.
XXXV. An dem ertag iohannes
In den zeiten geschacli e Jesus gie zu galylee
Er wolt nicht vnder iudeuscliaft gan wann di bieten in
zu toten pestan
34'' Hiet von im imemant gutes geiehen dem wer dar vmbe
vbel gescbeben.
XXXVI. An dem miticben lucas
In den zeiten geschacb daz ze Jerusalem ein hochzeit waz
Eins winters gemacht alda Dev waz gemacht enzenya
35'' Daz ich vü der vater mein verwar ein ainvng sein.
XXXVII. An dem phincztag hicas
In den zeiten geschacb ez so Daz svmleicb vnder den
ivden do
Geborten gotes rede gar si sprachen hie ist ein weisag
verwar
36* Sie giegen dar nach sider ysleicber in sein liaus wider.
XXXVIII. An dem vreitag iohannes
36'' In den zeiten daz geschacb der iuden pischolff beten
ein sprach
Vn die gleisner dar zu si sprachen waz tuen wier nu
Di lag wuest pesunder Do pelayb er vn sein iunger.
XXXIX. An dem sampztag iohannes
In den zeiten daz geschacb iesus sach zu himmel vü
sprach
37* Herre vater iesu christ er dein svn di zeit hie ist
38" Daz si gen in sein vil gar vnd auch mit in verwar.
XL. An dem palmtag iohannes
In den zeiten geschacb als ich sag vor ostern an dem
sechsten tag
Jesus chani zu Betbainam Do Lazarus den tot nam
41* Also ret iesu clirist vn parchk sich an der vrist.
XLI. An dem meutag iohannes
In den zeiten geschacb daz fuer war e daz ostern cho-
mcn dar
Bruder Philipps Marieuleben. 185
Jesus West vil wol daz Daz di zeit nu enonien waz
42" Als ich ew han g'etan gar Also tuet ier auch verwar.
XLII. An dem eritag lucas
An einem sampztag daz geschach uach dem man dez
morgens der ostern lach
Ez chom vn wolt gen Maria Magdalen
42'' Do schult ier in sehen Als ich ew han veriesen (\).
Mit diesen beiden Versen schliesst die selbstständige Be-
arbeitung der täglichen Evangelien, und mit dem nächsten Vers
beginnt die zweite Hälfte des Lebens der Jungfrau vom Bruder
Philipp V. 6070. Im Anfang werden auch hier noch Ueber-
schriften wie bisher gemacht und zwar:
42" 1. An dem mitichen Johannes . . Br. Ph. 6070—6129.
Nach 611.5 werden die zwei Verse eingeschoben ,Ze seinen
lungern sprach Jesus Do si chomen ze dem hauz^
43" 2. An dem phinztag Johannes . . Br. Ph. 6130-6161.
43" 3. An dem vreitag Johannes . . Br. Ph. 6162—6291.
45" 4. An dem sampztag matheus . . Br. Ph. 6292 — 6345.
Nach 6327 werden die zwei Verse eingeschoben ,Jesus zu
einem iunger in nam Derselb waz im vil gram' dagegen
fehlt 6324.
46^^ 5. An dem svntag Johannes . . Br. Ph. 6346—6387.
Nach diesem Vers wird ein längeres Stück eingeschoben, auf
das ich unten zurückkommen werde. Mit diesem Absätze
schliesst die Eiutheilung in Evangelien, und die einzelnen Ab-
schnitte tragen nur mehr die auch in aiulern Hss. erscheinen-
den Ueberschriften. In den meisten Fällen stimmen Ein-
theilung und Ueberschreibung der einzelnen Abschnitte mit J,
welche der Jenaer Universitätsbibliothek gehört. ' Diese Hs.
kennt auch die Zweitheilung des Werkes und hat nach 6069
die Ptubrik: ,hie hat ein ende Marien leben Den müz uns
ewige vreude geben, hie naht ez ze der zeit un ze der stunde
Daz got sine marter uü deu wunden Leiden wolt un euch
' Ich bediene mich weiterhin der Zeichen, die H. Rücke rt für die Hss.
verwendet hat und w(n-über derselbe S. -275—287 Auskunft gibt. Dort
findet man aucli die Literatur über die Hss. beisammen , wozu noch zu
sehen ist Gödeke, il. A. S. loU.
186
Haupt.
deu tot'. Gerade mit dem Vers 6070 beginnt aber in dieser
sowie in der Admonter Hs. überhaupt der zweite Theil des
ganzen Werkes. Die Uebereinstimmung beider Hss. dauert
bis zum Ende 10065, nur dass die Admonter bedeutend schlech-
ter ist, die Nachrede hat aber Dietmar vollständig umgearbeitet
und sich damit einer absichtlichen Fälschung höchst verdächtig
gemacht. Ich setze sie ganz her und die einhelligen oder ver-
änderten Verse Philipps daneben :
106" Hie hat daz puech ein ende Vrowe Maria, hie hat ein ende
Got vns sein hulde sende min getiht daz ich dir sende.
Nv pit ich dich durch dein gut nubite ich dich durch dine güete
Daz du p wellest semphten mein daz du wellest senfte gemüete
gemiit
mir vil armen svnder erzaige mir vil armen sünder zeigen
Vnd dein genad gern mir naige vnd din genäde zuo mir neigen
vn erparni vraw dich iind erbarmen, vrouwe, dich
Genedichleichen vber mich genaedicliche über mich,
erwirf mir vraw deines chindes gewin mir dines kindes hulde,
hulde
Daz ich meiner svnde schulde
vor meines leibes ende gepuz
Dez hilf mir muter magt süz
vil hilf mur in daz hinmelreich
Daz ich da in peleib ewichleich
vn daz auch alle Christen
Chonien dar mit gueten listen
Daz muz vns got allen geben
Vnd hilf vns in daz ewig leben
vn immer an endes drum
Durch sein ewig wart ihm
Vn durch dein willen dein
Daz wir nimmer pechrenchet sein
Dez hilf vnz raine muter here
Durch dein grozzew herczen sere
Di du enphieng an dS stunt
Do dein chiiit der tot wunt
Maria vor deinen äugen hien (sie)
daz ich miner stinden schulde
vor mines libes ende büeze,
des hilf mir muoter, maget
süeze.
Hiuder Philipps Marienlehen. 187
vn ein swert von im gien (sie)
Vnd dtircli sneit dein hereze
laz vns von allem smerczen
Vn pring- vns vraw siclierleieh
in denes (sie) lieben chindes reich
Daz wir sein antliz minneclileicli
schawen immer ewigleich
Dez hilf vns vrav maria gut
durch dez rasen (sie) varben plüt
Daz dein chint vmb vns vergoz
vil avz seinem leibe floz
Vnd daz vil raine plüt
daz chomen vns allen zv eüt
Dez helf vns maria tugnreich
di da lebt in dem himmelreich
Durch deines chinde (sie) namen
nv sprechet alle amen Amen
Amen daz gesche also
daz wir stet peleiben vro
Dort an der sei hie an dem leib
alles vbel von vns vertreib
Vn muzzen al da von cheren
hail vn seid inüz sich ineren
Dez helf vns got iesus christ
dei- aller werlt loser ist.
Die absichtliche und geflissentliche Aenderung, die mit
Philipps Nachrede vorgenommen wurde, liegt auf der Hand.
Nach diesen herzlich schlechten Versen steht dann noch zu lesen:
Dv nach christes gepurd waz | ergangen dreyzeheu hun-
dert iar I Dar nach in dem ain fünczisten (sie) iar | an dem
phinchtag nach sand | bartholoincs tag wart geschriben daz
püch. I got mach vnser svnde puez | Quis hock schribebat Dit-
marus nomen | habebat Detur propenna schriptori pulchra |
puella 107" Schriptoris munus sit bos bonus et equus vnus |
Oinnis liomo vere debet peccata timere | O maria bona pro nobis
ora I O maria pia sis mecum seniper in uia | Detur pro penna
schriptori celica rengna.
188
H a u p t.
Hierauf folgt noch roth : Quis hoc schribebat | finiui
libi'um, von welchen fünf Worten die ersten drei vom Rubricator
selbst durchstrichen wurden. ')
' Von einer zweiten etwas späteren hand sind auf 107b und 108a noch fol-
gende Gebete und Sprüche eingetragen, die ich hier in die Note setzen
will wegen ihrer merkwürdigen auf Norddeutschland weisenden Ortho-
graphie.
1. Swen ich daz pueich avz sent da mit sich al mein | vanchnus ent
amen Deo Gracias.
2. Maria Maria i'ain giw mir daz hayl daz ich churzleich erstein vn gein au
alle mail vor deimien chint daz du ge | peir durch vnsre not an alle sweb'.
3. lesvs der rain Magt chint troust alle die in | travren sint zaig vns
dein eywig himmel | lieclit laz vns von dir geschayden nicht.
4. Maria Mveter raine mait ich chlag dir alle meinen | laid der geize
mich vraw der meinen sweire | mit deinnen chint daz dv gepaeire.
5. lesvs denes (sie) vater schein der leuecht mir daz heirze | mein zaig
mir dein Ewig himmel Hecht laz | von dir geschaiden nicht.
fi. Maria troust auch die chint vil arm la db- | auch die seil erparmen di
noch in den wiezen | sint pit vm sev dein liebes chint.
7. Jesus durch dein heyliges pluet wis vns an | der seile gvet laz vns
hie also der steirweu daz | wir verdienen daz Eywig leiwen.
8. Alle dev | mit mir sint die sint gehaizzen Gotes chint | Die mezze
(sie) hie mit vreyden lang leiben daz si von | den eywigen vreiden
nimmer geschaiden wei'den Amen.
9. Die gepeit sint g-vet Got hab vns zallen zeiten in seiner huet | Aal
die wider mich sint di werd hie vnd dort plint.
10. Pit vm mich so pit ich vor dich so werd wir
Riecli.
11. Swester haw gegen mir vesten steiten muet
ainniges pluet etc.
Vi. Der mir hilft auz disen sorgen | Dem ist vngemach vn lait vor
verporgen Amen.
lo. Heut auf stein ich vnser vravn nam Gein ich | als vnser vra^ geing
da si den hailigen Gaist | en pheing als ir due Gelang also muez
mir I heut geling an alle mein sachen an alle mein | ding des heilf
mir die geweicht mein vra\V | 8and Marey des heilf mir die Guet
mein | vm^ sand Marey Christes mueter des heilf | mir der man
der den Tot an dem heyligen | Chreuz na in Amen. Dico Vobis et
bene Nobis.
14. Mir Gewirt daz wer waiz waz.
15. Ich bin vorwirt ich waiz wol waz mü' gewiiTet.
Zu 5 ist unten am Rande von derselben Hand nachgetragen und
mit einem Zeichen vor ,zaig' verwiesen. ,Dein hcrleich gepurd dein scheira-
Icich tot pchuet vns vor der helle not.' Diese zwei Zeilen stören aber
die Symmetrie, denn offenbar bilden 2—8 ein Gebet von 6 vierzeiligen
payde vrouleich vnd
Want du pist mein
Bruiier Philipps Marienieten. 189
Wie hier die Nachrede des eio'entlichen Dichters keck geän-
dert ist, so finden sich auch innerlialb des Philippischen Textes
Abweichung-eu von der Ueberlieferuug-, und zwar bedeutende.
Schon oben habe ich bemerkt, dass nach 6387 ein läng^eres
Stück eingeschoben ist. Dieses Stück, das gewiss nicht vom
Schreiber Dietmar herrührt, lautet:
]. 40"' Jesus west vil wol daz daz di zeit chomen waz,
Daz er auz der werlt hin solt varn zv dem vater sein,
Daz er het lieb hie die die in der werlt warn hie.
Eer het se lieb vncz in den tot (sie. 1. not) daz in
peg-raiff der pitter tot.
10. Do daz ezzen do g-eschach vn der tevfel geriett dar nach
Judaz als er wolt (47") daz er iesum verchaufFen scholt,
Vnd iesus daz wol weste von erst vil auch ze leczte,
Daz im sein vater iesü crist allez daz het geg;eben
daz da ist,
Wann er chom von im verwar vii hin wider zu im dar,
20. Er stunt von dem tische sider vn legt sein gewant
von im nider,
Vn nam ein leinen tuech sa vn gurt daz umb sich
al da.
Er nam ein pechk mit wazzer zehant vn twueg den
iungern ier fnzz allesamt
Vn truchent ins do er se getwueg mit dem tucli daz
er vmb trueg.
Er chom zv peti'o dar. Peter sprach ze im verwar
30. Vnd vragt ,herre sol daz sein daz du mier twagst di
fuzze mein ?'
Dez antwLirt im iesus christ ,waz ich tuen zu disei' vrist
Daz waist du noch nicht ver vol, du peginst her nach
wizzen wol.^
Peter sprach ,nu la sein. Du twest mir nicht di fuzz
mein.'
,Vnd twach ich nicht di fuzz dir so hastu nicht chain
tail mit mir.'
Stropheu, die abwechselnd ;in Maria und Jesus gerichtet sind. 14 — 15
scheinen zusammen zu gehören und ein Käthsel zu bilden, dessen Schluss
in einer Zeile lOS'' enthalten, aber so verwischt und wie es scheint ab-
sichtlich getilgt ist, dass nur mehr einzelne Buchstaben zu entziöeru sind.
190 Haupt.
40. Do peter daz erhörte do ze haut sprach er also
,Herre niclit die fuzz alain haupt vll hent als gemain/
Jesus sprach an der vrist ,ez pedarf nicht waz gewa-
gen (sie) ist,
Nuer daz man in di fuzz twacli so ist er rain dar
nach.
Ir seit auch raine (47'') vnd doch nicht al gemaine^
50. Do er in twüg di fuzz sider vn nam sein gewant
wider
Vnd do er gesaz dar nach, Aber er zu im sprach
,Wizt waz ich ew han getan ier rieft herre vn mai-
ster an.
Dar an sprecht ir vil wol, wann ich pin ez vervol,
Vnd han euch ewer fuzz getwagen gare ewer lieri-e
vn maister verware.
60. Also sol euch nicht versmahen ainer dem andern di
fuzz twaheu.
Ich wil ew daz sagen, daz pild han ich euch ver
getragen.
Als ich ew han getan gar also tut auch !r verwar.'
Hier fällt mit 6388 ,Do Judaz waz gegangen auz^ der Text
Philipps wider ein. Schon nach den Reimen gehört dieses
eingeschobene Stück der Vorlage des Schreibers; diese Vor-
lage war auch sonst eine bessere als die meisten unserer Hss.
So lautet 6403 hier: ,Swenn an mir daz geschieht^, wodurch
der Reim niht : geseht beseitigt, vnd der vierfache geschiht :
vlieht : niht : geschiht hergestellt wird.
Nach 6443 Abschnitt mit Ueberschrift wie in J P. Nach
6957 wird wieder ein kleineres Stück eingeschoben, das offen-
bar echt ist:
II. 56'' Zu den iuden sprach pllat ,hort ir herren meinen rat,
57" Ich vind ehain sach nv auf im nempt daz reclit in
ewern sin,
Ir habt doch ain sIt dem volg ich nu mit.
Zv ewer iiochzeit di nv ist, ich lazze euch zv aller j
vrist,
10. Ob ez ew aHeu lieb ist »k^r iuden chvnich iesum
Christ,
Den schult ir hie lau, Barrabam an ein chrevcz hau.'
Brniler Philipps Marienleben. 191
Di luden ruefFten alle niit ainem g-rozzen schalle
,Du scholt vns barrabam lau iesuni an ein chrevcz
lian/
Ein vbel teter der waz den si nanton barrabaz.
worauf sich wieder der gedruckte Text mit G958 ,Pylatus
weip irm mau enpot' anschliesst ; nach 6993 stehen noch zwei
Verse :
III. 57^ Vnd auch zween za zchacher (!) mit im fürten si
mit iesum hin.
7002 und 7003 fehlen; nach 7103 die zwei Verse:
59 '' jVnd sach ouch die Schacher paide mit iamer vn
mit g-rozzen lavde.
Nach 7122 ,0 we mein liebes chint iesv (ßO") Auf deine
ruck waz traistu', die auch in J G H. stehen, 7165 und 7166
umgestellt. Anstatt 7366 und 7367 folgende ausg-eführte Stelle :
IV. 63*" Si sprachen vast ,daz ist der, secht in an vn g-et her!
Der den tempel wolde machen wider vü in drin ta-
gen viel nider.
Secht in alle au! er hat di toten iembtio- o-etan
Vnd di siechen macht er g-esunt (64'') die zv im cho-
meu zu der stunt,
10. Nv er selb auz der not'. als manis-er laiö-e waz ir
spot
Do si grchreuc/t heten iesum. Daz waz vnser aller
frum.
Vnd zwen Schacher mit im, Daz waz dez ainen vn-
gewin,
Wan er iesu smachait erpot vn sprach zv im ,pi-
stu got
So laz vns vnd auch dich von diser not iemerchlich^
20. Der ander Schacher sich erchant vü auch die rewe
vant.
Der genoz er sider! iesus sprach zv im wider
Jch sag dir nv daz gar an allen haz
Daz du heut werleich mit mir scholtu sein in meins
vater reicht
Di luden schinechteii iu do alle mit einem grozzen
schalle.
192 Haupt.
30. Pilatus ouch dez nicht enliezz, er tet als in sein
svn hiez,
Vnd schraib die vbersclirift vnd stacht ez auf dez
clireuczes stift.
Da waz an geschriben sus ,iesus nazarenus'.
Der luden chunicht dar nach. daz daucht di luden
alle smach,
Wann vil der luden lazen daz waz dar an geschri-
ben Avaz
40. Vnd waz nahen pey der stat da iesus gechrewczt wart.
Di geschrift waz ebralschen chrychischen geschri-
ben vnd latenischen.
64'' Dl pischolf der luden do sprachen do pilato zv
,Der luden chunich nicht schreib also! wann er sprach
aldo
luden chvnich pin ich nv'. Pilatus antwurt im da zv
50. ,Daz ich geschriben han daz niuzz also pestan.'
Do di ritter iesuni do heten gechrevczt also,
Si namen sein gewant vn tailten ez zv haut
In vier tail vnder sich. ain rok pelalb dar vber reich
Der waz nicht genet. si sprachen an der stet
60. ,Zv sneid wir sein nicht! wem daz hall geschieht
Dem daz lozz gevalle dez sey der rock mit alle.'
Daz di geschrift erfüllet wer die da geschriben stet
,Sie habent getailt mein gewant mit ir selbes hant
Vnd wui'fen daz loz vnder in*. Also spricht der ge-
schrift sin.
70. Daz teten di i'itter so. der rock pelaib dem andern do.
Pey dem chreucz stund aldo iesus muter maria
Vnd !r swester chleophe vn maria magdalene.
Hiernach tritt wieder Philipps Text mit 7368 ein; 7444
bis 7447 fehlen, ebenso 7462 und 7463. 7478—7481 lauten:
V. 66'' Awe mir wer toetet mich mit meinem lieben chiude
daz ich
Mein vil armez leben ende hie in diesem eilende.
75.56—75.59 fehlen; nach 7689 wi.'dcr folgende Stelle:
VI. 7U" l>i iiideii gedachten auch au daz daz ir uster awent waz
Vnd trachten do alle geinaiu payde groz vn chlaiue,
Bruder Philipps Marienleben. 193
wie man den leielinani ah neme e irn ostern eherne
Daz si nicht pelil)en ob der erden. Pylatum den vn-
werden
10. Paten si geniain daz man prechecht (sie) ir gepain,
Wann ez waz der poz sampztag- an dem ir er lag.
Pylat in daz vrlaub gab daz si in neanen hei'ab.
Hierauf folgen 7090 — 771.5, nach welchem wieder einge-
schoben werden :
VII. 70'' Er sprach ,En twn der mensch ist gotes svn der ist
worden mein grosser früm^
Vud der daz alles sach der gezeugnis er iach.
Dez gezeugniz ist di warhait wann er ez alles hat
gesait,
Vnd daz ir auch gelaubt daz wann ez allez also
waz.
10. Do waz ez allez vol pracht gar Alz di schrift spricht
für war,
Daz wir alle gemain ir preeht nicht sein gepain.
Ein ander schrift sprach also ,si werent her nach
selben do,
Wenn si gestochen haut' Dez secz ich ew mein twe
ze phant.
7716 — 7751 stimmen überein, hernach folgen diese Verse:
VIII. 71"Centurio sprach sam .ich sag ew werleich daz der
man
Ist dez lebentigen gotes ehint, solche zaiclien hie
geschehen sint'.
Do pat pylatum do ioseph von Aromathia,
Wann er iesus iunger waz haimlichen, niemant
weste daz,
l(j. Daz er ihs leichnam (sam) solt von dem chrevcz
enphan,
Vnd in pestaten zv der erden gar nach sein werden.
Pylatus in do gewert als er an in het gegert.
7752 — 7927 stimmen ; zwischen 7927 — 7928 diese zwei
Verse :
IX. 74" Owe sein vil grosse trewe di machet meinem herezen
rewe.
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVm. Bd. U. Hft. ]3
fi
194 Haupt.
7980, 7981 umgestellt; vun hier bis zum Ende kommen
solche wesentliche Aenderungen als die bisher verzeichneten
nicht weiter vor.
Was diese Einschübe betrifft , so stammen sie nicht vom
Schreiber der Hs., was schon aus den Reimen mit Sicher-
heit hervorgeht:
I. 1. daz : was, 3 hin : sin, 9 geschach : nach, 13 weste :
leste, 18 Avär : dar, 27 dar : war, 51. nach : sprach,
53 getan : an, 57, 63 gare : wäre ;
II. 3. im : sin;
III. 3. im : liin;
IV. 5. an : getan, 9 not : spot, 13 im : ungewin, 37 daz :
was, 43 do : zuo, 55 sich : rieh, 57 genet : stet (? genät :
stat) ;
VI. 1. 7 daz : was;
VII. 1. sun : fr um;
VIII. 1. sän : man, 7 was : daz, 9 lichnam : enphän.
Diese Reime weisen nach dem mittleren Deutschland.
Grerade da wurde aber schon vor Jahren ein Pergamentblatt
von einem Buchdeckel abgelöst, das mit dem Werke, wie es
in der Admonter Hs. sich darstellt, im nächsten Bezüge steht.
Mone im Anzeiger 1833 hat Sp. 153 fl. dieses Pergament-
blatt, das er von Jos. Heller in Bamberg erhalten hatte,
abgedruckt; dasselbe ist zweispaltig geschrieben mit Miniaturen
versehen und gehört in das XI V^. Jahrhundert.
a. col. 1. So hastu chain tajl mit mir do Sand Peter das er-
hört —
als ich ew hab getan Also thut auch Ir furbar
an dem Sambtztag 2™ Matheum
an einem Sambtztag das geschach Es cham vnd
wolt gen
Maria Magdalena vnd die andern maria —
vnd gie zu dem grab vnd chert den stain umb
col. 2. Er saz nider auf den stain sein anplitz liecht er-
schain —
da sult Ir In sehen als ich ew ha)> veriehen.
Das lesus gen Jeruzalem gie
Jesus mueter maria waz ze Bethania —
Brnder Philipps Marienleben. 195
). col. 1. Er wolt nicht sagen das das so nahent sein mar-
ter was
col. 2. In allen gab er den segen sein er sprach lat ew
enpholichen sein.
Aus diesem Pergamentblatt lernen wir: 1) Das in der
\dmonter Hs. aufbehaltene Werk war weiter verbreitet;
]) die Anordnung stammt nicht vom Schreiber Dietmar;
}) die Bamberger Hs. war nicht seine unmittelbare Vorlage,
ieun die Bamberg-er Hs. bezeichnet das Evangelium, das in
ier Admonter 42* ,An dem eritag lucas' überschrieben ist, mit
An dem Sambztag 2"" Matheum^.
Das Stück I. von der Fusswaschung ist 46''— 47'' nur
Ä'iederholt aus 4V — 42^ Sich zu wiederholen, wie das bei der
t^om ersten Urheber des Werks beliebten Anordnung des Stoffes
yar nicht anders sein konnte, ist eine Eigenheit dieses Buches.
5o erzählt es auf 7"" das Evangelium von dem unreinen Geiste
Qach Matthäus und wiederholt dasselbe mit denselben Worten
17* nach Lucas. Ich behalte mir vor auf die mhd. gereimten Evan-
»•elieu, die in verschiedenen Hss. vorkommen, bei einer andern
Grelegenheit zurückzukommen. Denselben liegt eine einzige
a,lte Version zu Grunde, die dann viellVich umgeschrieben und
mit fremdem Stoffe versetzt worden ist, wie in der Admonter
Lind der bis auf das eine Blatt verlorenen Bainberger Hs. mit
Stücken Bruder Philipps. Von den eingeschobenen Stücken
will ich noch bemerken, dass sie nach der lateinischen Quelle
Philipps gearbeitet sind. Rückert hat im Capitel-Verzeich-
niss der Vita B. M. V. S. 379 — 3901 diese in der deutschen
Bearbeitung fehlenden genau angegeben, sie sind:
149. Quod Jesus lavit pedes discipulorum.
150. Quod Jesus corpus suum dedit discipulis.
151. Quod Jesus predixit se tradeudum per Judam.
183. Quod milites diviserunt vestimenta Jesu.
187. Quod Judei deriserunt Jesum in cruce pendentem.
188. De latronibus qui pendebant cum Jesu.
198. Quod milites et Centurio videntes sigua confessi sunt
Jesum.
Diese Capitel sind alle in den Stücken I, III, IV, VI
bis VIII enthalten.
13*
1
196 Hanpt.
Dietmar hat nach seinem ausdrücklichen Zeugnisse die
Admonter Hs. 1351 geschrieben, seine Vorlage wird gewiss
um einige Jahre oder Jahrzehnte älter gewesen sein, folglich
liegt diese Umarbeitung zeitlich dem Ursprünge des Werkes
nahe genug. Dass der erste, welcher den der Admonter Hs.
zu Grunde liegenden Text herstellte, auch räumlich dem Bruder
Philipp nahe gestanden sei, ergibt sich mit Sicherheit aus
den Reimen der Evangelien, wie aus der folgenden Uebersicht
zu ersehen ist. Die voranstehenden Ziffern beziehen sich auf
die Reihenfolge im Abschnitt I. über Philipps Reime,
2. a : a man : sän 9'' 22'' : wän 26'' : getan 27'' 28"' : begän
IS*" dan : gegän 20*^ hant : unverwant 16'' gar : war
ga 14» iQb 21- dar : war U'' 22"^ 23'' schar : war 12"
13" 20" 22" 23" wart : verkärt W spi-ach : nach 14"
2T 40^^ sach : nach 37" geschach : nach 39" 4P naht :
bedäht 3" stat : lät 4" : hat 18" 19* scharen : wären
26\
ä : a sän : man 1" 2"" 21" : dan 4" 14" 33" hän : an 4"
wän : an 21" 28" 31" : kan 16" getan : an 41" offenbar :
getar 26^ war : gar 1" 3'"^ : schar 18" 19" wäre : gare
2" 14" KT 17" 19"" 23" : schare 22" zwar : gar 7" swär :
gar 17" gäch : sprach 1" nach : sprach 4" 25" 30" 38"
41" : sach 18" 23" 25" 27" vräge : tage 29" lägen : ge-
tragen 9".
4. i : i bin : schin 26" : min 32" : diu 9" in : din 32" 37" :
sin 3'' 7" 31' hin : sin 41" 42"" : swin 15" sin : darin
14".
i : i min : hin 27" 40" sin : hin 34" : in 16" 27" 36" sist :
ist 33" rieh : sich !& git : niht (= nit) 11''.
6. i : ie mich : siech 10" mir : schier 5" dir : schier 27" 28'
29" 31" 33" ir : schier 12" 22".
ie : i siech : mich 5"" : dich 5" schier : mir 9" 16" 28'
32" 34" 40" : dir 10" 18" 25" : ir 11'^ 22" geziert : wirt
7" 17" lieht : siht 32".
7. u. 11. o : 6 : ä tot : hat 11" geboren : järeu 27".
8. o : 6 wort : gehört 2" spot : not 12" got : tot 30".
13. e : ae ere : waere 22"" : unmaere 37" schribaere : lere ll^
c : e mero : here 2" 8" 15" serc : gere 5" lere : here 8^
Bruder Fluliijps Miirieiilebi3ii. 197
e : e here : inere 12'' 40" : lere 7" : sere 1*9* er : nier 7"
ger : mer 22"" gert : bekert 7''.
ae : e dienaere : here 36".
e : ae tete : imstaete 19".
17. u : uo tiion : sun 4" H" 18" suii : tuon 20'' ob^ 40"'' sune :
tuoue (S" sieclituoiii : sun 29" Lazai-iim : siechtuom 29''.
22. u : ou buch : oueh 19''.
24. m : u siechtuom : sun 29'' Lazarum : siechtuom 29'' im :
bin V' : sin 14" allesamt : zehant 24" 30" : erkant 38"".
n : m au : alsam 21" zehant : alsamt 41" behaut : alle-
samt 33" 36" genant : allesamt 29" dienen : niemen 12".
31. c : ch geschach : smac 38" phlac : geschach 40".
33. sähen : enphangen b" = sän : enphän. Ebenso ist sän :
haben 29" gegäu : haben 29" = sän : gegän : hän.
86. sagen : gäben 24'' liferhaben : tagen 25" haben : tragen
2" ninder : viuger 11" besunder : junger 36''.
37. s : z daz : was 3" 9" 15"" 24" 25" 27" 34" 39" 41" baz :
was 25" haz : Elias 10" nz : hus 24" was : daz 25"
29" 36" : saz 20" Sathanas : waz 7" 17"" betlms : üz 6".
Ais Assonanzen erscheinen stat : wart 16" sint : uiht
19" schäl" : warf 24" gewisse : erzenie (f =: erzenisse) 30".
Ein überschiessendes n dri : sin 18" ffevalle : allent-
halben 14" erkennen : denne 11" : erkennen 35". helle als sw.
f. gesellen : der hellen 5" Secunda pers. pl. mit n' ir mu-
gent : tugend 2" Partie, praes. in unde ^vragunden : stunden
23" stunde : ezzunde 24".
Zwei Reimpaare erscheinen 1" 4" 10" 22" 28" 32" 35".
Die Ergebnisse dieses Abschnittes lauten somit : 1 . um
die Mitte des XIV. Jahrhunderts war Philipps Marienleben
bereits in einer Recension vorhanden, deren Mittelstück durch
eine ausführliche Uebersetzung der Evangelien ersetzt war ;
2. von dieser Recension sind noch das bei Mone 1. c. ge-
druckte B a m b e r g e r Blatt auf Pergament mit Miniaturen und
endlich die Admonter Hs. bis jetzt bekannt: ;>. die Ueber-
setzung der Evangelien ist von einem Verfasser gearbeitet
worden, der dem Bruder Philipp räumlich und zeitlich sehr
nahe stand. Der Verfasser dieser Evangelien ist nothwendig
einer und derselbe mit dem der eingeschobenen Stücke. Nach
1
198 Haupt.
einzelnen Missverständnissen zu schliessen, ist die Admonter
Hs. unmittelbar aus einer norddeutschen Hs. genommen, die
vielleicht identisch war mit derjenig-en, aus welcher die 107" —
108"' enthaltenen Stücke stammen, die ich schon oben mitge-
theilt habe.
III.
Hat die Vorlage der Admonter Hs. den Text Philipps
mit einem andern Texte zu verschmelzen und nach dem Ge-
schmacke des Mittelalters so recht vollständig zu machen gesucht,
so hat ein anderer dies wieder auf andere Weise gethan. Von
seiner Arbeit bewahrt die k. k. Hofbibliothek unter der Nummer
Suppl. 2560 gegenwärtig 16 zweispaltige Blätter, Pergament,
4*^ aus dem XIV. Jahrhundert, mit abgesetzten Reimen, rothen
Ueberschriften der Abschnitte und in breiter sächsischer Schrift
geschrieben. Die ersten acht Blätter bilden eine vollständige
und zwar die VI. Lage, dann folgt ein Doppelblatt: 9, 10 und
hieran kommt dann eine Lage von drei Doppelblättern und
zwar die IX., der das dritte und sechste Blatt fehlt. Voll-
ständig erhalten, wenn man die geringen Verletzungen an dem
äusseren Rande nicht in Betracht zieht, sind nur die Blätter
2, 3, 6 und 7, aus denen man lernt, dass 35 Zeilen auf jeder
Spalte geschrieben waren; die übrigen Blätter und zwar 1, 4,
5, 8, 11, 12, 15, 16 haben oben, 13 und 14 unten, 9 und 10
oben und unten einige Zeilen von der Schere des Buchbinders
verloren.
In dieser Hs. wurde das bekannte Evangelium Nico-
demi benützt,' um Philipps Werk zu ergänzen, nämlich zu
1 Diese Stücke ans dem Evangelium Nicodemi waren bisher vollständig
unbekannt, sie bilden die vierte fragmentirte Hs. auf Pergament dieses
Werkes, und stimmen zunächst mit der Görlitzer Hs. überein. Pfeiffer,
altdeutsches Uebungsbtich Wien 1860 hat S. 1 — 22 ein Stück aus dem-
selben drucken lassen. Audi in diesen Stücken finden sich die zwei Verse
nach 121(5 der Görlitzer: ,dv nimest vnser missetat vn tust vnser sunde
rät' auf 13". Unter den von Pfeiffer in dir Einleitung verzeichneten
Hss. vermisse ich eine zweite auf Pajiier, uäiulicli die Heidelberger. In
dem Buche der Härterer, das der Grätin von liosenberg gewidmet
ist (Wilken CCCXLn pag. 428), findet sich das Evangelium Nicodemi
Bruder Pliilipps Marieiileben. 199
zerstören. Wenn man den gedruckten Text m5t dem in dieser
Hs. enthaltenen vergleicht, so stellt sich folgendes heraus :
r 6578-6608, l"^ 6613—6645, jedoch fehlen 6321 und
6324 und 6644, 6455 sind umgestellt.
1^ 6650—6679, l"^ 6684-6694. Umgestellt sind 6684, 6685.
Nach 6694 wird ein Stück von 698 Zeilen eingeschoben,
zwischen welchen einzelne Verse Philipps stehen.
1** 6694 daz er solt vorlaugen sein do von gevinc er iamers
pein
aus dem hous drate ginch sere zv wainen ane
vinch
vn wainet pitterliche do vorgab im is got der reich
disiv red screibt vns sant Lucas der ein ewange-
liste was
9 Johannes Marcus vn Matheus. furbas saget vns Ny-
codemus
wann er was taugen gotes cneht vn sach wol daz
er het reht
Er sterket furbas sein wort wann er was mit ienen dort
di Crist gevangen heten vn alles daz si taten
daz sach er an mit äugen im waren kunt di taugen
19 vn west ir rede zv ende gar der iunger quam chaiuer
dar
vor der vbelen Juden vorhte (2'') do er der rede gehorte
bis das si in vortailten iren leip si notveileten
vn vnder den iuden sich vorparch. Er was dez kunes
also strach (sie. 1. starch)
daz im di iuden fursten niht geschaden torsten
29 Er hört ir wart vn sach ir werch si betten vor im
kain geperch
alles daz si taten doch wolt er in niht verraten
auf f. 41 verso — f. 64 verso mit dei- i'othen Ueberschrift : Der Passion.
In der Härterer Buch ist aber dieses Evang-elium nur willkürlich auf-
genommen, fehlt auch in der Kl oster-Neuburger Hs. und passt zu den
übrigen Legenden, nämlich ihrer Sprache und Darstellung, wie das Auge
zur Faust. Die genaue Keuntniss der in Kede stehenden Heidelberger
Hs. hat mir die Güte des Hrn. Professors Wattenbach verschafft, dem
ich hiemit öffentlich allen verbindlichen Dank erstatte.
200 Haupt.
Noch ia. in vor dem gerichte vn gehal in an nihte
dez si an im begingen si vnsern heiren vingen
als ich vor geredet han das si den morgen san
39 si geugen (sie) an Pylateu vil tevr si in paten
daz er zv gerithe sezze . e . denne er ezze
vn Jhesum vor sich ladete wann er dem volke schadete
Pylatus sprach , durch welch schuld ? ir wizzet w^ol daz
ir ensult
nimant vorterben an reht' do sprach der iuden eht
49 ,der wort ger wir niht vrides diser ist Joseps sun
dez smidez
daz soltu wol merchen wir sehen in di werc wurchen
do mit er störet unser e.' Pylatus sprach ,nu sprechet me
waz ist uf in di maist clag?^ Er hallet an dem samtztage
2^ vn an andern tagen niht. Er vortreibet di gegiht
59 di lamen tut er gende, di taugen (sie) gehorent,
wol sprechen di stummen, Er tut i-eht gen di krummen
Er rainiget di miselsuht, der volget im ein michel
truht
des Volkes in dem lande. das ist der iuden scande.
daz er vnser e zv prichet wenn er ein w^ort sprich et
69 so ramneut im di teuvel dez ist vnser volk in zv vi v el
durch sein vbelich tat.' ,in Avelcher wis' sprach Pilat
dez west ich gerne mer.^ ,Er ist ein zauberere
di teufel laisten sein gebot den gewalt hat niman
wan got . . .
Diese Stelle wird genügen, um den Charakter der Hs.
kennen zu lernen; es sind, bis wieder Philipps Text T'' ein-
tritt, hier eingeschoben 698 Zeilen ohne die abgeschnittenen.
Wenn man diese Stellen, wo es möglich ist, mit den abge-
druckten des Evangeliums Nicodemi vergleicht, so stellt sich
heraus^ dass in der Hs, des Schweriner Archivs vier Verse
anders lauten, und zwar liest die Schweriner f. 2" 1 ff.
,si dir des kunigs ere liep so lieug in als einen diep
do ditz Pilatus vornam der iuden ruf er ser erquam , . .'
Nach ,diep' schiebt vnsere die Verse 6738 — 6739 aus
Pliilipp ein
7" ,auch ist er von galilee vn will hie stören vnser e.'
Bruder Philipps Marienleben. 201
Desgleichen stehen für die beiden Zeilen^ der Schweriner
Hs. f. 2''
,Do herodes in gesach vil liebe im daran geschach'
wieder aus Philipp 6748—6749
,da mit im Pilatus ere erpot do von vreut sich Herot.'
Mit dem 698. Verse ,als er zv reht soldc' endet diese
längere Stelle aus dem E. N. und Philipps Text ist folgen-
dermassen gebraucht. Es folgen 6768 — 6783, es fehlen 6784 —
6803, umgestellt sind 6803 — 6804, theilweise geändert und durch
zweie neue vermehrt, sie lauten :
,dar vm wer ez nicht gut daz ich guzze das vnschul-
dige blut
durch euch" di luden sprachen ,M'ir piten vber in räche
herre pilatus sein blut muz werden^
von Avelchem Verse 6806 wieder Philipps Text folgt bis 6947
auf S^ dann wird Avieder eine längere Stelle eingeschoben bis
auf 8'^ mit 6976 wieder Philipps Text beginnt und damit
fortgefahren wird bis 7112 auf 9''. Nach einem kleineren Ein-
schub folgen dann Philipps Verse 7116, 7117, 7120, 7121,
zwei fremde, 7122—7137, 7844, 7845, 7876—7879, 7884—
7887, 7880—7883, 7888—790.3, 7946—7949. Auf 10'— lO'' steht
wieder eine fremde Stelle mit der Ueberschrift ,daz di Juden
paten hüten ihesum.' Hierauf folgen auf lO'' Philipps Verse
795r) — 7975. Alle hier nicht verzeichneten Verse fehlen.
Im wesentlichen sind es die Verse Philipps, aber der
Schreiber der Hs. hat alle seine unreinen Reime zu beseitigen
gesucht, was allein schon bedeutende Aenderungen nothwendig
machte, er suchte aber auch die Erzählung zu verbessern und
auch dadurch wurde Philipps Text öfter sehr bedeutend an-
gegriffen. Ich will ein paar Proben geben und ohne lange zu
wählen gleich mit 7116 beginnen.
Wiener Hs. Philipp, ed. Rückert
9** do Maria iren sun ansacli Do Marjä ir sun ersach 7jj6
irm hertzen we geschach irme herzen we geschacii,
si spracli ,we mir we mein si Avest vor leit niht was si tete
liber sun
0 we waz wil man dir tun? doch erhuop si di rede :
o we mein liebes kint iesu ,we mir we, min kint, min sun ;
202 Haupt.
auf dinem ruke waz treistv? 6 we waz wil man dir nu tuon?
0 we wo solt du hin g-en o we wa solt du hin gen :
o we mir was sol dir gesehen we mir, waz sol dir gesehen ?
Die zwei Zeilen 7118, 7119 mit dem Reim ,tete rede^
sind getilgt, die zwei Verse ,o we — waz treistv? kennen auch
die drei ältesten Hss. J G H und auch die Admonter
(siehe oben). Wenn hier der Reim die Veränderung verur-
sachte, so hat ein feines Gefühl für Composition die Verse
7846 — 7875 gestrichen und die folgenden umgestellt.
Petrus klagt:
Wiener Hs. Philipp ed. Rückert.
lO'' Mein maister han gelassen minen meister han geläzen, 7i
dez muz ich sein vorwassen des muoz ich immer sin ver-
wazen,
doch seiner gut getrost ich doch siner güete troeste ich mich 7
mich
daz er barme sich daz er noch erbarmet sich
vber mich vn mein schulde über mich und mine schulde
vorgebe vn la mich haben unt laet mich wider haben hulde,
hulde
dor vm pit ich dich ihesv wan mir gebot sin heiliger munt 7
daz dv nu wellest vor- daz siben unde sibenzic stunt
gessen nv
der missetat di ich armer vergeben ich minem bruoder
han solde
wider dein hulde getan ob er des baete, sine schulde,
wan mir gepot din heiliger dar umb so bite ich dich, Jesu,
munt
daz siben stunt sibcnzich daz du Avellst vergezzen nuo
stunt
vorgeben mel brvder suUe der missetat diech armer han
ob sein er gert sein schulde wider dine hulde getan'.
Maria Magdalena hub uf Maria Magdalena huop
Mit grozzer clage ein ruf mit grozer klage einen ruof
vm ires lieben herren not vmb ir lieben herren tot 1^0
vnd vm sein iamer tot . . . und durch sin grözemarter not...
So wird überall dor vielfältig ungischlachte Text Philipps
zu glätten gesucht, seine Reime alle in reine umgewandelt.
]
Bruder Philipps Marienleben. 203
dieses rein natürlich im Sinne der Mundart* verstanden, die
dem Umarbeiter angeboren war. Diese war aber, wie aus den
mitgetheilten Proben mit aller Sicherheit hervorgeht, eine mittel-
deutsche, und höchst wahrscheinlich war er räumlich nicht
sehr weit von dem Bearbeiter des E. N. geboren.
Auf den Blättern 11 — 16 der W. Hs. stehen keine Verse
mehr aus Philipps Marienleben, nur Bruchstücke des E. N.
und zwar verhalten sich diese Stücke zu den in Pfeiffers
Uebungsbuch gedruckten also :
W. Hs. Suppl. 2560. ir = Pfeiffer 790— 823
11" = 825— 858
ir = 860— 892
ll'' = 893— 928
12'' = 929— 961
12" = ■ 962— 998
12^ = 999—1032
12'^ = 1033—1066
13'' = 1217—1249
13" = 1251—1285
13^ = 1287—1322
13* = 1324—1347
14'^ = 1359—1394
14" = 1395—1426
W = 1427—1438
Mit diesem Verse endet das bei Pfeiffer abgedruckte
Stück. Dass aber die folgenden Blätter nichts anderes als
eben das E. N. enthalten, ersieht man daraus, dass die von K.
Roth in seinen Denkmälern veröffentlichten Bruchstücke dieses
Werkes und zwar V auf 15"— 16", ferner 1" auf 15"" und 4" auf
lö*" erschienen.
IV.
Wir haben in dem vorigen Abschnitt eine Hs. vor uns
gehabt, in der entweder der Schreiber oder der seiner Vorlage
den Text Philipps wenigstens nur nach der geläufigen mittel-
deutschen Mundart zu , schlichten vnd zu richten' bestrebt war.
204 U a u p t.
wie die andern mitteldeutschen Hss. J H P es auch gethan
hatten, wenn auch in einem viel minderen Masse. Die k. k.
Hofbibliothek verwahrt aber unter Nummer Suppl. 2596 von
einer Hs. vier Blätter, worauf von Philipps Text die Verse
2370 — 2900 zweispaltijo" zu je 33 linierten Zeilen mit rothen
Ueberschrifteu der Abschnitte von einer starken festen Hand
um die Mitte, wo nicht in der ersten Hälfte des XIV. Jahr-
hunderts geschrieben sind. Auch diese Hs. war bis jetzt unbe-
kannt. Ich habe diese vier Blätter oder diese zwei innersten
Doppelblätter einer Lage von den Deckeln der Hs. 4391 vormals
Wiener Universitätsbibliothek 581 abgelöst, von denen 1 stark, 2
und 3 weniger, alle aber durch die Schere und den Leim des
Buchbinders an dem äusseren Rande und im Texte geschädigt
wurden.
Diese vier Blätter sind der Rest einer Hs., deren Schreiber
oder seine Vorlage den Versuch gemacht hat, den Text Phi-
lipps in mhd. Sprache und strenghöfische Verse umzuschreiben,
ein Versuch von dem keine andere der bisher betrachteten Hss.
etwas weiss. Derselbe ist um so merkwürdiger, als er sich
eigentlicher Zusätze und Einschübe vollständig enthält, und das
Werk nicht durch überflüssige, sinnlose und abgeschmackte
Wunder zerstört.
Diese nämliche Recension ist auch enthalten in der Hs.
2709 der k. k. Hofbibliothek. Philipps Werk ist hier auf
f. 1 — 70 in je zwei Spalten jede zu je 36 linierten Zeilen mit
rothen Ueberschriften der Abschnitte um die Mitte des XIV.
Jahrhunderts geschrieben; und zwar mit der bairisch-österrei-
chischen Diphthongierung der langen Vocale, doch so, dass
dem Schreiber eine bedeutende Zahl dieser Längen entschlüpft
ist. Der Inhalt der 4 Blätter in Suppl. 2596 findet sich hier
genau 17'' Vers 33 — 21"^ Vers 17. Auch diese Hs. stammt aus
der Wiener Universitätsbibliothek , wohin sie aus dem Ver-
mächtniss des Bischofs Johannes Faber' von Wien und
Wiener Neustadt gekommen war. Aber schon früher war
dieselbe im österreichischen Besitze. Auf dem vorderen Vor-
stichblatte stehen die Worte ,Pro domino Mawtnei- in Ascha
1 Johannes Faber starb am 21. Mai 1541. Derselbe war zu Loiitkirch in
Schwaben geboren, und bereits 15'2;^ Coadjutor von Wieuer-Noustadt. S.
Potthast Blbliotheea historica . . Siiiipl. S. 440.
Bruder Philipps Marienleben. 20o
iautoii carissimo^ von einer Hjind des Xv. Jahrlinnderts.
Ascha oder Asch ach war einst eine bedeutende Stadt und
noch im vorigen Jahrhundert eine Haupt-Zoll- und Legstätte
für die Donau-Schiffahrt. Nocli früher war die Hs. in B(ilinien.
Auf Blatt IV — 12'' hat eine Hand aus der zweiten Hälfte des
XIV. Jahrhunderts ein Gedicht auf die Jungfrau Maria einge-
tragen, dessen Verfasser, der wohl auch der Schreiber dieses
Gedichtes ist, damit schliesst:
72* der iz dir gesendet hat
der wil sich niemand nennen,
geruch in vrouw erchennen !
zu Pomuch in grawen orden
da ist er armer munch worden.
daz daz lobel ward bechant
hat er ez Iplvmel genant.
Unter dem grawen orden verstand man im Mittelalter die
Cistercienser. Ein Stift dieses Ordens bestand zu Pomuk, oder
wie es heutzutage heisst zu Nepomuk, zehu Meilen südöstlich
von Prag, das um 1153 gestiftet wurde, in den hussitischen
Unruhen aber zu Grunde ging. Die Ruinen sind noch zwischen
der Stadt Nepomuk und dem Schlosse Grüneberg zu sehen
(Baibin, Mise. 7. Sectio 1 in nota ad tab. 4. Neplacho a Gelas.
Mou. Tom. 4. p. 104 Gelas. Hist. Toui. 6. p. 344).
In den folgenden Auszügen sind die zwischen Klammern
stehenden Ergänzungen aus Hs. 2709. Trotzdem dass sie älter
ist, als die fragmentirte, enthält sie doch jüngere Sprachformen,
wie das bei allen Hss. der Fall ist, die im bairisch-österreichi-
schen Dialecte geschrieben wurden.
Su})pl. 259(3. Philipp ed. Eückert.
Alle wazzer stunden stille Ell in wazzer stille stuonden
drithalb nach gotes wille mer dan drithalbe stunde,
Daz si ZV tal nicht enrunnen daz si ze tal niht eurunnen 2380
Si erten den ewigen brvnnen und buten er dem ewegeu
brunnen
Von dem si waren alle kvmen von dem si alle waren komen
vnd vrsprinch hetten alle ge- und ursprinc alle hetengenomen,
nvmen
Do er solde geborn werden do er solt geborn werden
206
Haupt.
von siner miiter uf di erden
Ez ist einer »lachte svnde
di ich euch nv kvnde . .
von stner muoter üf der erden. 238
Ez ist einer shihte sünde
die wil ich al der werkle
künden . .
Der Sunden sich der tivel
schämt
wann er si zv dem menschen
samt
Daz er in dorzv schündet
daz er mit der sunde sundet
E er si tuet so vleuht er dan
so er aller verrste chan
den engel er vertribet
daz er do niht belibet . .
Der Sünde sich der tievel 240j
schämt :
als er den menschen des ge-
mant
daz er die sünde wil begen.
so begint er von im vlien. 240
den engel ouch diu sünde ver-
tribet '
daz er bi der nimmer belibet . .
Jesus daz chint gehaizzen wart Jesus wart daz kint geheizen
als si der engel het gelart . . als der engel het geheizen . . 24:
Daz got an alle swaere
von got geborn waere ,
weishait dem gestirn iahen
do si disen stern sahen . .
daz gotes sun, der werlt herre 24
von einer magt geborn waere . .
wisheit andern gestirne phlagen 24|j
do si disen stern gesähen . ,
daz in denselben landen
got geljorn were
si vreuten sich der maere
daz da in dem selben lande , 24|
da si den stern sähen verre
geborn ist nu der werkle herre..
Daz nv mensche worden waere daz nu mensche worden waere 24
nl der werlde scheppfere . . des himels und der erden herre..
Si fiirn walt si^lt beide breit si vuoren walt, velt unde beide 2S
der stern der was ir geleit . . der niuwe stern was ir geleite..
Die kunig nach des Sternen rat die dri künege komen hin 2S
chomen ze ierusalem in die stat in die stat ze Jerusalem
Si vragten wo geborn waere und vrägten wä geborn waere
Der in den kvnich ein wiin- der Juden künic und ir herre . .
deraere . .
Bruder Philipps Marienleben.
207
Gesagt vncl gescliribcn w(aere)
an welcher stat der wunde-
(raere) . .
Ir chunich solt g-eborn w(erden)
der herre were uf der e(rden)
Si sprachen vnd sagten im (also)
ZV hethlehem ein kun(ichho)
wirt geborn gotes crist . .
Den kvnich des nicht wider-
(striten)
Sie sagten im wan si uz rite(n) . .
gewissagt und geschriben waere
an wellier stat der Juden herre.. 2538
si sprachen vnde sagten im 2542
in der stat ze Betlehem
da wirt geborn gotes svn
christ . .
dem künec Herodes gar be-
schieden
und wenn si waeren üz ge- 2552
riten . .
Daz kint anbeten vn eren
(vnd all)e sein wirde meren .
gern anebeten und ez eren
sam den mineu rehten herren
2558
V. 2577—2581 fehlen und bilden mit den folgenden 2582
bis 2589 auch eine abscheuliche Dittologie. Sie lauten in dieser
Recension zusammeno-ezoffen :
(uf) taten si ir opfer schrin
mirre wir uch golt rieh
dem kinde si gaben alle glich
(ze) opfer si iz dar Israeliten
domit si des gedachten
Daz er got vnd mensch were
hiniels vnd erde schepfaere
Do dem kinde di kunige riche
(buten ir op)fer andehtliche
(dein he)nde bot ez in engegen
(sam i)z in gebe sinen segen
(Si ga)ben der inait marien
(vor) vntat gar der vrien
(Sil)ber siden unde golt
(Cl)ainate vil si warn ir holt . .
Philipp ed. Rückert.
ir aller opfer was gelich :
ii;olt m irren wirouch ir ieslich 2585
dem kint ze einem opfer briihten
dcimit si im lobes gedähten
daz er got und mensche waere,
des himels und der werlde herre.
do die klinge dem kindelin 2500
ir opfer buten, daz kint sin
hende üf huob in eno-eg-en
sam ez in gaebe sinen segen .
si gäben euch des kindes muoter
der vil reinen und der guoten 2505
von golt silber unde siden
kleinöt, do si wolden riten . .
Diese Stellen werden genügen, um klar zu machen, wie
der ursprüngliche Diaskeuast dieser Recension den Ungeschlacht-
heiten des Bruder Philipp beizukommen versucht hat. Wenn
also Rückert S. 282 über unsere Hs. 2709 (die er falschlich
208 Ha'npt.
2799 ans dem XV. Jalirliundeit bezeichnet) sagt, dass an vielen
Stellen alle Verwandtschaft mit dem Originaltext zerstört sei,
so ist dies durchaus falsch; vollends wenn er kaum mehr das
Eig-enthum des Verfassers darin sehen will, so ist das eine
noch grössere Uebertreibung, die mitgetheilten Stellen führen
vollkommen den Gegenbeweis. Was Rückert von Einschüben
und Zusätzen spricht, ist durchaus unrichtig, gerade diese Re-
cension sucht nicht den Text zu mehren, sondern die oft sehr
verschwommenen Worte Philipps zu concentriren. Schon arith-
metisch lässt sich zeigen, dass wir es mit keinem angeschwellten
Texte zu thun haben. Mit der Schlussrede zählt Philipps
Werk in Rücker ts Ausgabe 10,133 Verse. Multiplicirt man
nun 70 Blätter mit 4 Spalten, so muss von 280 eine Spalte
70"^ abgezogen werden ; diese Zahl der Spalten 279 mit der Zahl
der Zeilen 36 multiplicirt gibt 10,044 Zeilen, also weniger als
Rückert hat, und davon müssen zum mindesten noch 300
Zeilen als Ueberschriften der Abschnitte weggerechnet werden.
Ich habe schon oben gesagt, dass auf 71" — ^72*^ von einem
Cistercienser aus dem Stifte P o m u k oder Nepomuk ein Ge-
dicht an die Jungfrau Maria eingetragen ist. Ich will es her-
setzen zum Schlüsse dieses Abschnittes und bemerke nur, dass
die Verse hinter einander wie Prosa nur durch Punkte ge-
schieden über die ganzen Quartseiten hingeschrieben sind, ohne
alle Interpunction , mit einigen Abkürzungen, die ich bis auf
wenige aufgelöst habe, die Orthographie selber sowie alles andere
ist streng beibehalten. Die Punkte bezeichnen unlesbares. Beiden
Blättern fehlen oben mindestens je eine Zeile, die weggeschnitten
sind. Denn das Gedicht wurde eingeschrieben, noch ehe die
Hs. gebunden war, wesshalb nicht einmal auf den Falz vom
Schreiber Rücksicht genommen wurde.
(M)aria vil reyne meit, dein höh lop dein wird preit
nie zvnge molit volpreizen ; eupfach von mir vnweizen
ein lobelin nicht ein lob; daz ich vor vnwizt so tob
vnd getar sprechen von d'w daz vergib du, vrouwe, mir!
10 daz ich in grozen sunden dein \o\) getar gechünden,
daz tun ich vf genad dein, du rehter barmunge srein !
Daz Eua den apfel az geshacli von dez teuvelz haz,
da von wir geuielen all leider in des todes vall,
piz di volle ceit bequam daz got mit einem weibz nam
Bruder Philipps Marienleben. 209
20 lost vnz di ein weip e vloz. Maria, g-ot*dich erchoz
durch dein vber vlfssig gut di nie eruarn moht gemüt.
dein reinez hrez (sie) er bechand, seinen enge! er dir sand,
der warf di potshaft vil wol. ,wis gegrüzt genaden vol,
Maria mit dir ist got' sprach der himelissche bot
30 ,du gebirst emanuel.' do der engel Gabriel
gewarf di gotleichen wort, da enpfienge du deu hört
der eruvllt erd vnde himl, du louter vaz ane shim, '
du bussh der mit veuwer glam, dez bezeichnung dir gezam.
wie daz veuwer durch in prach Moises in vuuerprit sach,2
40 er grünt mitten in der flam: gotes muter vn euch am
dein magetum ward vngerurt von der seligen geburt,
da gotes sun von bequam do er daz vleissh von dir nam!
du Ezechielis tor beslossen nach vnde vor,
wie got selber durch iz giench do er di mensheit enpfiench.
50 alz die svn sheint durch daz glaz, iz ist ganz alz iz
vor waz,
im shadet nicht der sunnen shein: also vart got der
svn dein
von dir reine meit geboren alz er dich magt het erchorn.
pei der geburt pit dein kint vür all di in sunden sint,
daz iz sich geruch erbarm vber vnz eilenden arm ^
60 vnd sterch vnz an rehtem lehn daz wir sunden wider
streben.
Maria suz vnde vrut, du pist Aaronis rut
di an wiirzt vnd ane_ stam vruht vnde plüd an sich nam
wider daz reht der natevr . dez heiligen geistez veur
het dich enziindet alsam. sunder lust an mannes sam .
70 got du denpfiengd vnd geber, du Gedeonis sheper,
den got begos mit dem touw; der bezeichenneht dich,
vrouw,
daz himel touw dich begoz, got sich in dein klause sloz .
du velt plvm du viol stoud, inruch waz der iud gesnoud,
wi ein meit nicht müg geberu ; ia, hört ich von im vil gern
80 wie di dvrre gerte plüt! beweist er dez mein gemüt,
alz wol ich im daz bewer wie du reine meit geber .
' 34 1. shimel.
^ 38 '? uiiverbriut.
' 57. 58 ? erbanneu? armen.
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVIII. Bd. 11. Hft. 14
210 Haupt.
Maria du himelz krön, du kuncli Salomonis tron,
du gotes dirn, du sein trout muter tohter vnd sein prout,
du olboimi dich treit daz weit,' du israhelisshz gezelt,
90 du gesieht der patriach, du vil seldenreichev arch, '^
wan dv trüg der engel prot, daz vertreibt der sele tot;
daz ist vnd heisset manna, man singet im osauna,
wen der prister lut di still . alhie an vnz werd sein Avil
ervollt alz in himelreich, dez hilf vnz genedikleich,
100 von Jericho plünde roz, daz er durch sein gute groz
dein zarter sun ihesu krist mit dem brot daz er selb ist
an vnserm end vnz speise, daz iz di sele weise
in di ewikleichen ru . Maria da hilf vnz zu!
Maria du cederboum, vnder deinez shuten shoum ^
110 geruch vn^ lan werswizzen wan wir von sunden hizzen
der leider ist al zu vil, si vergent der zale zil
vnd beselwent vnz zu ser . Maria muter her,
beshirm vnz dein arme kint, hilf daz vnz bewe der wint,
ich mein den heiligen geist, dez viz du vrouwe volleist
120 daz er stet pei vnz beleih vnd poze gelust vertreib .
du ein ouz erweiter sal von edelem stein vber al
ouz gold helfenbein vnd gim, du pist der propheten stim
di habent von dir geseit . . swanger wirt ein meit
di oucli einen sun gebirt, Emanuel sein nam wirt .
130 dizt khundet Isaias, dar nach sprach Jeremias
der senft prophet vnd der werd ,got macht neuwez vf
der erd
ein weib vmgibt einen man ; daz haz du kheiserin getan ,
den beuahen nicht enmoht der himel alz im o-etoht
den vmvieng du vnd beslüst, den labten dein reine
brüst .
140 da pei man vnd ])it ouch in daz er vnz sterch mut
vnd sin
daz wir von den sunden lan vnd an guten ding bestan .
71'
dein shon uvr alle shon get
• 87 1. velt.
2 89. 90 V patriiircli.- : .in^lic
3 109 1. shateu.
Bruder Pbilipps Marienleben. 21 1
dein houpt ist geziret shon dai- uf von zw elf stern ein
krön ,
du pist aller wirt ein preiz, du lustigez paracieiz,
149 wir sein dein cegleichz gesind, hilf vnz gegen deinem
kind
daz iz vnz geruch ze gebn ein reinz vnd ein kheuses
lehn
niht alain an vnserm leib, svnder daz er ouch vertreib
von den liercen böz gedancli . wir sein leider alzu krancli
vnz erledig sein genad vnz beweit der sünde . . .
159 Maria dn cipresse, von Sion toliter Josse,
von khüngez art edler stani, du süze meit doch vruhtsam,
der heilig veter gesipp, du pist daz Adames ripp,
niht eua sunder aue, daz benam vnz ach vnd we .
du weise Abigail, khiinch Dauit verderwen wil
169 di« wider in haut getan, daz sholt du, vrouw, ^Tiderstan
nach deiner barmunge sit . chüm enkegen man vnd pit
khuncli Dauid von dir geborn^ daz er la von seinem zorn
den er pilleich gein vncz hat druch vnser groz missetat .
du wirouch rucli, mirre smch, du reggen wolch, du
lihter tach,
179 la reggen vnde vlizen vnz dein genad begizen
daz si di herz erraiche vnd si also erwaiche
daz vnz di sunde reuwen und si niht mer verneuwen .
Maria, du voler kram von cinamom vnd baisam,
du ceitloz du ligge weiz, du aller tugent plundez reiz,
189 du vil vreuden reicher gart beslossen stet vnd gespart,
du pist der gezaichent prun, ein vrsprich vreud vnde wun,
du pist der verzagten trost der du mangen hazt erlost,
vnd precht si zu hoffeuug daz si nach gotez huld rung J
du hoch erweltev Hester, sih an deinez Avolchez swer
199 di im der hell herr Aman stete tut vnd hat getan ;
pit den obren khvmch Aswer, daz er vnz helf vnd erner
von seinem starchen shünden daz wir enpflihen sunden.
du malgram, du mandel chei-n, du vil lihter merestern,
lait zu land dein armez her daz swebt uf dem lawer mer
209 werlt begier vleislich gelust, e dez todez wolchen prust
' 194. 195 1. hoffenungou : rungen.
14"
212 Haupt.
mit den vuden vnz ertrench vnd in daz abgrund versench .
Maria, du weinreiche cell, nu hilf vnz drot vnde snell
daz wir getri,nken von dir mit andaht vnd hercen gir
geistleich vreud vn wäre min, dez gelif vnz trosterin!'
219 Maria, khipper wein troub, anne gal du turtel toub,
eia nu hilf daz wir al di bittercheit vnser gal
vorwandeln ze suzicheit, so daz wir zorn haz vnde neit
viirbaz mugen gemeiden vnd mit gedult euch leiden
allez daz vnz wider vert, wi daz ez vnz sei beshert
229 durch gotez lieb vnd ouch dein . nu ledich vnz, rosen
vein,
Olofernes ouz der hei . er vnd alle sein gesel
hat vnz vm vnd vm beleit, du Judith, nv hilf vnd streit,
slach von dem podech daz houbt der vnz guter ding
beroubt
mit seiner groz bechorung und tegleichei' anvehtung ,
239 wilt du unz, vrouw, pei gestan so gesig wir im wol an .
Maria, du meien glänz, du pringez vreud di ist ganz .
vur rosen vnd vur plumen, vür alle kardamumen
pist du der maid vreunden karnz himlishhez herz vm-
, meswanz ^
von dir vreud vnd wunne nimt alz wol gotez muter zimt .
249 der wech der gein himel treit hilf vnz an der ceit!
dein lebsz vliesent mit honcseim wen wir von hin
varen heim
so bewar vnz af der vart. suze meit vn muter zart,
wen zwo vngeleiche shar nement vnser sele war
von tevuel vnd von engel, du plunder lügen steugel
259 so pit daz wir dir geburn. daz hijnelisshe ainhurn
daz sich in dein schoze parch, dez lieb ist gein dir so
starch
daz iz vnz dii- nicht verseit, vnd gehilf vnz, reine meit,
daz wir mit dir ewiklieich beliben in dem himelriech i
vnd enphahon da ze Ion, da .send paulus sreibet von
269 daz nie menshe inoht erspehn noch dhein ouge hat gesehn
weder ore hat vernomen noch in menshez herz ist choum.''
» 217 1. gehilf.
2 244 1. vreudenknmz.
' 271 1. chomen.
Bruder Pliilipps Marieiileben. 213
dez hilf vnz, o Maria, hiniHsslic iorarchia!
Mai'ia clor werde nam dir, vroiiw, i^'ozimt vii j^-ezam,
der ist von vünf puhstabou di siilcli bedeutung; haben :
S79 der erst ist niodiatriX;, dar nach auxiliatrix,
der drit ist reparatrix, der vierd illuminatrix,
der lezt heisset adiutrix; der erst bedeut -ein simerin,
der ander ein helfei'in, der drit widermacherin,
der vird ein erlevtherin, alz der ander ist g-esetzt
289 sulch bedeutung hat der lezt vnd bedeutet helferin
oder ein widerpringerin .
Maria, du hinielz vrouw, du vil rosenreiche ouw,
sunerin pist du uvr war sind got dein rain leip gebar
zwisshen dem niensshen vnd im . . erhör vnd vernim
vnz deine erh kint ' von Sion . daz swer loch von Babilon
300 druchzet vnz ze ser nidei", sün vnz mit deinem sun wider
daz er laz den zorn sein . . . wir verdient haben pein
mit mancherlei sunde groz, vnd mach vnz ledich vnd loz
von der sweren sunde ioch daz wir entrin ach vnd och !
72"
dein dein hilf ist manchem erchant,
309 nilit Theofilo alain dem du helferinne rain
hulfez von grozer shulde, sunder du hilfst vm hulde
allen di dich rufen an, di mach dein hilf nicht vcrlan ^
seind wir nu sein enmitten geuangen in Egypten,
so hilf vnz ouz der vanchnns mancher hand sunde gnssh
319 zu Jherusalem der stat, do di heilig trinitat
wont in der magen kerfte (!) stul, dez hilf vnz aller tugnt
shul !
Maria, der Weisheit gloz, nach got dir niem ist genoz
widermacherin du pist, wersloz dez pruchz den ein lange
vrist
der menshe led von der ceit da/ es von des teuvlez neit
329 vnz di ewig vreude prach, von einem pis daz geshach
der vnz daz pardeiz pesloz, wir liden gemainen stoz
ouz dem paradis her vur; dez selben pfort vii sein tur
haz du gemachchet offen . alle di zu dir hoffen
di enlezt du nicht hie vor, du wider machst im daz tor^
> 207 ? erbkint ? clitkiut.
2 337 1. in.
214 Haupt.
339 vnd hilfst in, vrouwe, dar ein . nu wir im eilende sein
vnd in der wüst Sinai, hilf daz vnz Adonai
allen vnsern chumber wend vnd pring vnz ouz dem eilend
in daz ewig vater lant, Maria dez wiz g-emant!
Maria, du karviinkel, di sun ist gein dir tunkel,
349 du pist ein erleuhterin . da got dein sun sliiet von hin
krist Ihesus von Nazaret vf dem perg ze Oliuet,
sein zwelf poten er ouz sand durch daz in di werld
bechand
di in grozer vinster saz und niht weste waz got waz,
do ershain daz wäre lieht daz gedanch vnd herze sieht
359 aller createur sheppher : seint du daz selb lieht geber
piz du wol erleuhterin . nu erlevht vnz herz vn sin,
daz wir erchennen den glast der benimt der sunde last,
so daz wir mit eher üb in mit troun ' vnd oueh seraphiu
loben vnde singen got sanetus sanetus sabaoth !
369 Maria, zukker suzez wort, du pist aller seiden hört,
du ein widerpringerin aller di von got entrin,
wen si mit sund vberlast sich ladent ser vnd ze uast
daz si zweuielnt an genad, di wider priugzt du ze pfad
warer reuw vn rehter puz . di deiner parmunge svz
379 suchent von gancem hercen, di pringez du von smercen
zu der ewiklichen vreud. du aller gut vbergeud,
vnd aller tugnt vberguld, nu widei- pring vnz ze huld
deinez kindez, zarte meit. im und dir sei lob geseit
nu vnd ewikleich an end. dicz lobelin ich dir send
389 vnserz heilz ein anljegin ! wi vnwirdik ich dez pin
peide an lehn vii an chunst, doch hof ich zu deiner gunnst
daz du verdolst mein tumpheit, du muter barmherczicheit
enpfach den willen üwr di tat. der iz dir gesendet hat
der wil sich niemand nennen, geruch in, vrouv, erchennen:
399 zu Pomuch in grawen ordn da ist er armer munch worden,
daz daz lobel werd bechant hat er ez Iplvmel genant.
' 365 1. troiii.
Bruder l'liilipps Marienleben. 215
V.
Wenn wir also die hier behandelten Hss. von Philipps
Work übersichtlich ordnen, so ergeben sich folgende Gruppen.
1. Philipps Werk mit einer Bearbeitung der Evau-
gelieu erweitert ist enthalten in der A d m o n t e r Hs. und von
einer B amb erger Hs. derselben Recension ist noch ein Blatt
erhalten.
2. Philipps Werk mit dem Evangelium N i c o de m i
combinirt erscheint bis jetzt erst in der einzigen zertrümmei-ten
Hs. zu AVien. Andere Hss. müssen vorhanden sein, da die
A^^iener nur Abschrift einer md. Vorlage ist, welche Abschrift
von einem Oberdeutschen geschrieben wurde.
o. Philipps Werk in die gemeine mhd. Sprache umge-
reimt ist enthalten in den Hss. der k. k. Hofbibliothek Suppl.
2596, ferner 2709 und 2735. H. Rück er t S. 281 läugnet,
dass diese letzte Hs. eine Abschrift aus der vorigen sei, sie ist
es cihev dennoch. 2709 schliesst folgendermassen :
Bruder pliilip bin ich genant gvet ist mir leider un-
bechant ,
von dem orden zecharius geschriben han iz in dem
haus
Nv seit ditz buchelin sant ioseph was der maner mari
10129 Der marieu hveter was di ihs gotes sun genas
Derselb ihs mvs yns geben durch sin gvet daz ewig
leben.
Marien gotes wrewden hört durch aue gabrielis wort
Hilf im der iz schribe daz er auch beleihe
an der zal vn an der schar di iohannes der ar
l(t fürt in des himels palas wan er der erste schriber was
Der di hailege schripft hat mit hohem sin gestipft.
Dez hilf mir chaiserliche mait durch dine barmhertzichait
Hie hat daz buch ain ende got vns ze himmel sende.
Diese sechzehn Verse, die statt der vier letzten Philipps
das Werk abschliessen, stehen auch in 2735 mit allen Fehlern
wie hier und einigen neuen dazu. Statt zecharius, was sich
aus einem verlesenen ze chartus begreifen lässt, ist hier ein
zacharius geworden, sant ioseph Avas der maner niari,
216 Haupt.
da wird nicht etwa gebessert was der maner min, sondern aus-
drücklich nachg-eschrieben :sant Joseph waz man sand
mar ei 11. Ebenso ist das sinnlose Nv seit wiederholt. kSchon
dies genügt, zu erweisen, dass 2735 aus 2709 abgeschrieben
sei; übrigens ist auch im Texte selbst, den ich an vielen
Stellen verglichen habe, nur das nämliche zu erholen ; der
Schreiber wiederholt und mehrt die Schreib- und Lesefehler
seiner Vorlage, nur die langen Vocale setzt er, hierin folge-
richtig, nicht ohne einzelne Vergessliehkeiten in die Diphthonge
um. Auch wurde die Hs. früher hier in Wien im Kloster der
Augustiner Barfüsser auf der Landstrasse aufbewahrt,
wie ein gedruckter dem vordem Deckel innen aufgeklebter
Zettel besagt.
Wenn irgend eine Gruppe den Namen der österreichischen,
bis man einen besseren findet, führen kann, so ist es diese,
da sich die Hss. seit Jahrhunderten in Oesterreich befinden;
in Oesterreich wurde aber diese Recension nicht gemacht. Von
derselben müssen noch mehrere Hss. vorhanden sein, wie ihr
denn auch die Kloster -Neuburger Hs. angehört.
Dieser Receusion liegt zu Grunde die mitteldeutsche, wie
sie zunächst in der Jenaer und P o m m e r s f e 1 d e r Hss. er-
scheint. So weit auch die Verse auseinandergehen, in den
Ueberschriften herrscht die genaueste Uebereinstiminung.
4. Ich habe schon oben bemerkt, dass die Hs. 2736 der
k. k. Hofbibliothek, von welcher H. Rückert behauptet, sie
sei im gröbsten österreichischen Dialect des XIV. Jahrhunderts
geschrieben, ihren Schreiber ganz wo anders bezeugt. Diese
Hs. schliesst mit dem Verse 1065 Vrow vnd chuniginne ewig
sein. Hierauf folgen aber sechs wie Prosa roth geschrie-
bene Verse :
Der (lit/ puech geschribeu hat Der ist von weikers-
lieim aus der stat
Daz leit in francheil laut. Fridereich ist er genant
vnd auch grveninger got sei er mer. Amen.
Da die Stadt W e i k e r s h e i m an der Tauber liegt, so
kann nur vom schwäbischcn-fränkisc hen Dialect in dieser
Hs. die Rede sein, nicht aber von einem grob (isterreichischen.
H. Rückert bemerkte bereits, diese Hs. schliesse das
Werk wie die Gothaer, mit der sie ausserdem in gar keiner
Bruder Philipps Marieiilebeu. 217
Verwandtschaft stehe. Als charakteristisch fui- die Gotliaer
tuljrt er an, dass sie den echten Text an einigen »Stellen nur in
epitomatorischer Weise g-ebe, dies ist aber auch in der Wiener
Hs. der Fall. Von kleineren Lücken oder Auslassungen ab-
gesehen, die nur zwei oder vier Verse umfassen, fehlen auch
lilngere Stücke, 5048—5823, G6G2— 6699, 9578—6585 und der-
gleichen noch mehr.
Unsere Wiener Hs. und die Gotliaer müssen eine
gemeinsame Vorlage entweder mittelbar oder unmittelbar gehabt
haben ; wie schon aus den von H. R ü c k e r t in den Lesarten
gegebenen hervorgeht, stimmen beide oft in Kleinigkeiten zu-
sammen. Auch die Hs. der königlichen Bibliothek zu Stutt-
gart aus dem XIV. Jahrhundert gehört nach den Lesarten zu
urtheilen zu dieser Kecension.
5. Zur sogenannten mitteldeutschen Recension gehören
die der Jenaer LIniversitätsbibliothek, die gräflicli Schcin-
Itornische zu P o m m e r s f e 1 d e n und die der Heidelberger
Universitätsbibliothek. Ihre genaue Verwandtschaft hat schon
H. Rücke rt gekannt und erörtert. Hieher gehört auch die
Wiener 18,337 s. XV. auf Papier 8" 17 Blätter mit abge-
setzten Zeilen enthält zwei Fragmente 558 — 911 und 8416 —
8847. Dem Schreiber lagen, scheint es, nur diese zwei Stücke vor.
Genaue Beobachtung hat gelehrt, dass das Format der Hs.
desselben Werkes nicht so ganz gleichgültig ist, um die Ver-
Avandtschaft der Hss. zu bestimmen.
Bei dem Marienleben Philipps stellt sich in dieser Be-
ziehung heraus, dass die sogenannte mitteldeutsche Recension
(1. u. 5.) zu je zwei Spalten mit 30 + x Zeilen in 4" mit ab-
gesetzten Versen geschrieben ist. Diesem Formate und seiner
Eintheilung schliessen sich g-enau an die Hss. der k. k. Hof-
biljliothek 2709 und Suppl. 2596 von der Recension, die streng
mild. Reime und Verse durchzuführen trachtet. Dagegen die
Ijciden andern Hss. derselben Recension die Wiener 2735 und
K 1 0 s t e r - N e u b u r g e r sind im Format abgewichen und jünger
als die beiden vorigen.
Wieder dem ursprünglichen Format nahe steht in ihrer
Einrichtung die G o t h a c r , abgewichen ist die jüngere
Wiener 2736.
218 Haupt. Bruder Philipps Marienleben.
Eben so hat die Recension, die mit dem Evangelio
Nicodemi combiniert ist, in der Wiener Hs. Suppl. 2560
das ursprüng'liche Format eingehalten.
Von der Admont-Bamberg-er Recension bleibt das
pergamentene Bamberger Blatt bei der alten Form, dieAd-
monter Hs. ist in 8" abgewichen.
Wenn nun die Ergebnisse der Untersuchung zusammen-
gefasst werden sollen, so lauten sie:
1. Die sogenannte mitteldeutsche Recension gewährt nur
den ältesten hochdeutschen Text. Der niederrheinische und
vielleicht weiterhin der mnl. ist bis jetzt verloren.
2. Aus der mitteldeutschen Recension hat sich entwickelt
eine gemein mhd., die weder neue Stücke einschiebt noch be-
deutende auslässt, sondern blos Vers und Reim nach höfischer
Weise zu regeln sucht.
3. Weiter giengen die beiden andern Recensionen, von
denen die eine das Werk Philipps durch das Evangelium
Nicodemi mngestaltet, die andere durch die eingefügte Ueber-
setzung der Evangelien ebenso Philipps Werk als Marien-
leben zerstört. Beide Umwandlungen waren bereits um die
Mitte des XIV. Jahrhunderts vollendete Thatsachen. Auch
diesen liegt die mitteldeutsche Recension zu Grunde und die
Einschübe rühren von mitteldeutschen Dichtern her.
4. Durch Kürzungen das Werk Philipps lesbarer zu
macheu, sucht die ebenfalls auf die mitteldeutsche Recension
zurückführende der Gotha er und Wiener Hs. 273(3.
Bei dieser Sachlage treten die beiden niederdeutschen
Hss. (die Helmstädt-Wolfenbüttlcr und die Kinderlingische) als
wichtiger hervor, denn man Ijisher geglaubt hat. (Oesterley
Niederdeutsche Dichtung im Mittelalter, Dresden 1871, S. 11,
12.) Hier in Wien lässt sich aus dem wenigen gedruckten
Bruchstücken dieser Recension nicht untersuchen, ob dieselbe aus
der sogenannten mitteldeutschen oder niederrheinischen geflossen
oder die Mutter der übrigen ist. Ich hoflfe, dass sich bald Jemand
finden wird, der sich die Mühe nicht reuen lässt, einen gründ-
lichen Nachweis für die eine oder die andere Quelle zu liefern.
Mayr. Beiträge aus dem Rg-Veda. 219
Beiträge aus dem Eg-Veda zur Accentuirung
des Verbuni finitum
von
Dr. Aurel. Mayr.
Uie erste Arbeit über den Accent im Sauskrt von Otto
Bölitlingk erschien in den Memoires de racadeniie imperiale
des sciences de St. Petersbourg-. 6"^® serie, sciences pol. histoire
philologie, tome 7. Die Reg'ebi über die Betonung des Zeitworts
geben die §§. 59, GO. Bölitlingk beschränkt sich darauf uns
mit dem bekannt zu machen, was Pänini's Grammatik enthält.
Es ist daraus zu ersehen, dass die indischen Grammatiker zwar
sehr minutiös verfuhren, doch zu allgemeineren Gesichtspunkten
nicht gelangen konnten. Ihre ganze Darstellung macht den Ein-
druck einer principlosen Casuistik.
Eine zweite Arbeit veröffentlichte Whitney im Journal of
the American Oriental Society, V. 387 — 419. ,Contributions from
the Atharva Veda to the theory of sanskrt verbal accent.'^ Hier
wird das ganze Material, das der Atharva lieferte, zu Grunde
gelegt, und der Versuch gemacht au die Stelle künstlicher, lose
aneinander gereihter Regeln ein natürliches System der Er-
kläi-ung treten zu lassen.
Statt äusserer Merkmale, die als Motive der Betonung ge-
fasst wurden, wird die syntaktische Bedeutung der Acccntuii'ung
gesucht, und als Princip die Betonung des Zeitworts aufgestellt.
Den Ton verliert es, wo es in directen Sätzen als Enklitikon
gefasst werden kann, während in indirecten Sätzen diese Enkli-
sis nicht eingetreten ist. Den Relativsätzen sind nach Whitney
oftmals parataktisch angefügte Vordersätze gleich zu stellen, die
als untergeordnet aufgeftisst werden könnten, s. 400 the coor-
220 Mayr.
dinatiou is treated as if it were a siilDordination ; the first of
the coordinate clauses is looked upon as a protasis, to which
the otlier constitutes an apodosis, and the verb of the former
is allowed to remain orthotone.
Eine dritte hieher bezügliche Arbeit ist die von Kielhorn
iu den Indischen Studien X. veröffentlichte Bhäshika Sütra
Vrtti. In dem Sütra wird die Accentuiruug- des Verbums im ^^ata-
patha Brähmana in 29 §§. behandelt — der andere Theil der
kleinen Schrift bezieht sich, wie Weber gezeigt hat, nur auf die
Bezeichnung der Tonsilbe im brähmana gegenüber der in
den Samhitatexen üblichen.
Vorliegender Versuch bestrebt sich auf Grundlage des im
Rg-Veda vorhandenen Materials Whitney's Zusammenstellung zu
ergänzen und seine Auffassung zu erhärten. Mich an ihn an-
schliessend fasse ich die Betonung des Verbums von ihrer syn-
taktischen Seite auf.
Durchgreifend ist die Regel, dass im directen Satz das
Verbum den Ton verliert; das Grewicht wird auf das handelnde
Subject gelegt; die dui-ch das Verbum ausgedrückte Thätigkeit
ist nur eine nähere Determinirung desselben und diese enge
Beziehung des prädicativen Satztheils erhält in dessen Ton-
losigkeit, d. i. in der Aussprache mit gesenkter Stimme ihren
Ausdruck. Wird dagegen durch das Verbum nicht die Thätig-
keit einfach als solche hingestellt, sondern soll durch das Ver-
bum irgend eines Satzes (der in der Syntax als Relativsatz be-
zeichnet wird) auch die Voraussetzung dej- Thätigkeit des logi-
schen Subjects ausgedrückt werden, oder wird die Handlung
selbst in Frage gestellt, wird der Grund oder Zweck des Han-
delns angegeben, oder ist das Substantivum, auf welches das
Verbum sich bezieht, eigentlich logisches Objecto, dem sich nur
Epitheten anschliessen können, so bleibt das Verbum betont.
Für den letzten Fall ein Beispiel :
Rg-Veda 7. 1. 15. sed agnir yö vanushyato ni päti
sameddliäram änhasa urushyat
sujähtäsah pari caranti virah
wo agnih das Object des Satzes ist, das nicht handelnd hervor-
tritt, sondern durch die Verbalformen des Nebensatzes näher
qualificirt wird und eben dahier eine einfache Anreihung vor-
liegt, während im Hauptsatz Subject und l*rädicat als Handeln-
Beiträge aus dem Rg-Vs!da. 221
des 1111(1 Ilandluni)' sich von einander ablieben, sind hier alle
Wörter g-leichmässig- betont.
Der Unterschied zwischen Verbuin finitum und infinituni
ist fliessend. S. Der Infinitiv in den Veden von Ludwig; 1871
Prag.
Das sogenannte Infinitum ist nichts anderes .als ein Relativ-
satz, der entweder epithetisch zu fassen ist, oder in Avelchem
das Verbum sich nicht einfach auf die Bezeichnung der Thätig-
keit beschränkt, sondern Elemente des Wunsches oder der
Voraussetzung einschliesst und emphatisch zu fassen ist. Eine
sorgfältige Untersuchung der Fälle, wo das Verbum finitum
wirklich prädicativ verwendet ist, wird ergeben, dass die lebende
Sprache — und es scheint, dass die vorliegende Accentuation ohne
jeden Vorbedacht gemacht, sich eben nur zur Aufgabe stellte,
ein treuer Reflex derselben zu sein — sich eben nicht von for-
mativen Elementen beherrschen Hess, sondern umgekehrt die
logische Nothwendigkeit walten liess, die nach dem Verhält-
niss der Unterordnung oder Hervorhebung den Ton dämpfte
oder hob. Gleichwohl ist nicht zu leugnen, dass die Bildung der
Sprache selbst sich dem logischen ganz anzubequemen suchte
und eine Beschränkung gewisser Formen auf bestimmte Ver-
hältnisse mit sich brachte. Doch wäre es unrichtig, die Re-
sultate dieser Entwickelung, welche von den Grammatikern
aufgenommen und befestigt wurden, auch in ältere Texte hin-
einzutragen. Man sollte demnach eigentlich von der Betonung
des Verbum und nicht des Verbum finitum handeln, doch die
Ueberzeugung, dass es sich hier nur um eine willkürliche
Unterscheidung handle, drängte sich mir erst im Laufe der
Untersuchung auf; der Gebj-auch des Imperativs ist dafür ein
schlagender Beweis.
Ich citii-e da, was sich im Rk. findet, folgt aus dem
Atharva Veda 1. 20. 1., doch vgl. Taittirija Brahmana ,3,
7. 5. 12.
ädäi'asrd bhavatii deva soma
asmin yajne maruto mrdätä nah
Kein Unfall wird uns zustossen, wenn ihr o Maruts l)ei
diesem Opfer uns euch gnädig erweiset.
3. 23. 5. vindäsva tväni puträm näri yasti'iltliyaiu
oämasachämu täsmäi tväm bhava.
222 Mayr.
Ein Sohn möge dir zu Tlieil werden o Weib, der dir zum
Heile sei, auf dass du ihm zum Heil sein mögest. Vergl. Whitney
410 imd 406.
Im ersten Falle ist der Imperativ als Voraussetzung zu
fassen, im zweiten Falle (der übrigens auch so verstanden
werden könnte) ist der Zweck, das Ziel, das durch die Quali-
tät des Sohnes erreicht werden /soll, durch eine imperative
Form gegeben, während dieses in der Regel durch Formen des
Infinitums geschieht.
Ferner behält das Verbum den Ton, wenn zwei Thätig-
keiten in gegenseitiger Beziehung aufeinander aufgefasst werden,
es sei denn, dass der Gegensatz hervorgehoben, oder das un-
mittelbare Vorangehen einer Handlung oder Thätigkeit vor einer
andern ausgedrückt werden soll; die Fälle sind unter C an-
geführt.
Eine äussere Ausnahme, die nicht durch den Sinn moti-
virt ist, sondern auf die Stellung des Verbums im Satze basirt,
ist die, dass Verben am Anfang directer Sätze oder auch Satz-
theile betont erscheinen, in welchen sie nach dem Gesetz der
logischen Unterordnung unter das Handelnde, in der Regel un-
betont sind. Klar bewiesen wird dieser Fall als Ausnahme eben
dadurch, dass wenn auch nur eine Präposition vorangeht, das
Verbum den Ton verliert, während in Fällen, wo das Verbum
hervorgehoben werden soll, die Präposition immer unbetont er-
scheint. S. B. und C Lediglich die Nothwendigkeit mit einem
betonten Worte den Satz zu beginnen, gibt also hier dem Ver-
bum den Ton. Hiemit sind wir zur Auffassung der indischen
Grammatiker zurückgekehrt, welche die Tonlosigkeit im Haupt-
satz als Regel aufstellt.
Die Välakhilyäs sind nicht in den Bereich der folgenden
Erörterung gezogen. Man kann wohl Schlüsse ziehen, ob deren
Betonung richtig durchgeführt, doch zur Feststellung der Grund-
sätze können sie nicht dienen. Vergl. Välakh. 10. 1, 10. 3, 11.6 etc.
„ A" Das Verbum finitum verliert, wenn es nicht am Anfang
eines in sich abgeschlossenen Satzes steht, seinen Accent. Bölit-
lingk §. 59.
Die Prä))osition, welche dem Verbum mittelbar oder un-
mittelbar vorangeht, behält ihren Ton. Böhtlingk §. 59. Whit-
ney 388.
Beiträge ans dem Rg-Veda. 223
In a direct or independent sentencc, or clause of a sen-
tence tlie linite verb is made enclitic upoii any word preceding-
it wliich is directly connected with it in construction.
Z. B. 1. 170. 3. kirn no bhratar agastya.
sakhä sjinn ati manyase
vidmä hi te yatha mano
'smabhyam in nä ditsasi. -
Warnm verschmähest du uns Bruder Ag-astya, der du sonst
unser Freund bist? wir wissen was du im Sinn hast, spenden
willst du uns nicht.
Auch R. V. 1. 126. 2, 5. 30. 5 bilden keine Ausnahme;
es liegt das Verbum ] da + a vor. Der Padapätha zerlegt diese
Formen weder im Eg-Veda noch in der Väjasaneyi-Samhitä.
I. 126. 2 catara rajüo nadhamänasya uishkäii
chatam dcvän präyataut sadyä adam
Vielen Schmuck, viele dargereichte Rosse erhielt ich sofort
vom König, wenn er der Hilfe (der Götter) bedurfte;
und r). 30. 15 gharma^ cit taptah pravrje ya asid
ayasmäyas tam v adäma viprah
Auch den ehernen Kessel, der um (die Milch) heiss zu
machen erhitzt wird, erhielten wir Hänger.
Die Bedeutung lässt keinen Zweifel darüber, dass beide
Verben in Hauptsätzen stehen. Säy. erklärt ädam, ättavän asmi,
svikrtavän asmi — adäma, ädattavantah.
Ob das Verbum finitum enklitisch gefasst werden kann,
mag dahin gestellt bleiben; gewiss ist es, dass es auch nach
Vocativen und den unbetonten Formen der Pronomina personalia,
also nach tonlosen Wörtern unbetont erscheint. Whitney 389.
Even if other unaccented words intervene between the
verb, the effect upon the latter remains the same. Z. B.
1. 63. 5 ghaneva vajrin cnathihy amiträn
1. 91. 14. sumitrah soma no bhava
Ebenso wenn ein Vocativ folgt z. B. ]. 62. 5
vi bhtimyä aprathayah indra sänu
1. Das Verbum iinitum erscheint im directen Satze betont,
I wenn ihm kein anderes Wort voi-geht. Böhtlingk §. 59. Whit-
1 ney 389.
If, however, the verb Stands at the head of the sentence,
j it canuot of course be enclitizised, but retains its accent.
224 Mayr. i
ßliäshika Sütra 2. arthädih. arthädäv äkliyatapadam vi
kriyate.
Geht dem Verbum eine Präposition vor, so behält sie den
Ton lind das Verbum erscheint unaecentuirt, z. B. 1. 44. 13.
ä sidantu barhishi mitro aryamä
Auch am Anfang eines citirten Satzes ist das Verbum
accentuirt, z. B. 10. 40. 5.
yuväm ha ghösha päry agvina yati
räjua üce duhita prche väm narä
Die herumirrende Königstochter Grhoshä sagte zu euch
o A^vin ich flehe zu euch ihr Männer.
2. Am Anfang eines päda (Böhtlingk §. 59 Bhashika Sütra
3 padädih) behält das Verbum iinitum den Ton, auch wenn der
Anfang des päda keinen Satz beginnt. Whitney 390.
in poetry each päda, — is treated as if it constituted
an independent clause, & a verb standing at the head of it
remains orthotone, even though preceded in another päda by
words directly dependent upon it.
Z. B. 7. 34. 3 im dvipädä, metrum
apac cid asmai
pinvanta prthvir
und 9. 107. 3 (dvipadä viräj bhurij)
pari suväna^
cäkshase deva
mädanah krätur
indur vicakshanah
Doch findet sich unbetont 7. 56. 10
priyä vo nama
huve turäuäm
wie auch die T. S. 2. 1. 10. 2 liest; während 7. 5ß. 9 in der-
selben Stelle accentuirt. Das dvipadä metrum besteht aus vier
füufsilbigen päda und so liest der Rg-Veda durchgängig. In-
dische Studien VIII. 15G.
Auch 10. 22. 2 (purastädbrhati) wo im ersten päda zwei
Silben fehlen; dagegen ist 9. 109. 22 keine dvipäda viräj, wie
angegeben ist, sondern eine dvipäd. Indische Studien VIII. 146.
Eine vorhergehende Präposition behält auf Kosten des
Verbum den Ton, z. B. 1. 48. 1.
Beiträge znm Rp;-Vi(la. 2i2iV^
\
sahd vämona na iislio
vy üclia duliitar divah
(Ueber divah s. Böhtlino-k i:^. öf). — Whitney Journal of
the A. O. S. 214. fasst auch den Vocativ als Enklitikon, was
kaum anzunehmen ist.)
Note. Von zwei Präpositionen erscheint regelmässig die
zweite betont z. B. 10. 130. 7: rshayah pürveshäm panthäm
anudrcya dhiräh anvälebhire rathyo na i'acmin. p. p. trennt anu-
älebhire, auch 10. 124. 4 am Anfang des päda, vergl. 10. lU.
2., 84. 7., 93. G., 159. 2.
3. Das Verbum behält den Ton, wenn demselben im Satz
oder päda ein oder mehrere Vocative vorangehen. Böhtlingk
§. 54 Bhäshika Siltra 10 ämantritam sasvaram Whitney 390.
But farther, if the verb is preceded in the sentence or päda
only by a vocative, it retains its accent. Auch die Begründung
ist richtig. The vocative really forms no part of the sentence
to which it is attached; it is neither subject nor predicate; it
is a mere excrescence, a parenthesis. Das Verbum erscheint dem-
nach eigentlich an der Spitze des Satzes oder des päda; nach
Whitney kann es folglich nicht als Enklitikon den Accent ver-
lieren; doch müsste dies auch innerhalb des Satzes der Fall sein,
wo das Verbum nach vorhergehendem Vocativ den Ton behält.
Geht dem Verbum eine Präposition vor, so behält diese
den Ton, das Verbum ist unbetont, z. B. 1. 91. 1.5.
soma ni pähy änhasah
10. 37. utadevä ävahitam
devä ün nayathä pünah
utägag cakrüsham devä
devä jiväyathä punah
mehrere Vocative stehen z. B. 3, 53. 19
äksha vilo vilita viläyasva
und 4. 41. 5
indrä yuväm varunä bhütäm asyä
dhiyäh pretarä vrshabheva dhenoh
4. a. Auch am Anfang eines Satzabschnittes behält (bis Ver-
bum den Ton. Böhtlingk §. 59. Whitney 390.
If, — a sentence be composed of several clauses a verb
! Standing at the head of any one of them will keep its own
i accent z. B. 7. 17. 3
I Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVHI. IM. II. Ilft. 15
226 Mayr.
dgne vihi havishil yäkslii devan
10. 91. 6. tarn it samänam vaninag ca virudho
'ntarvati9 ca süvate ca viQvalia
die Stelle findet sich auch Säma V. 11 9, 2, 31 auch die Bäume
und Pflanzen sind mit Agni schwanger, gebären ihn jeder Zeit.
Hieher gehört 1, d, 2.
prshtö divi dhäyy agnih prthivyam
Agni der am Himmel haftet, wurde auf die Erde gesetzt;
man könnte auch nach Analogie 1. 98. 2
prshto divi prshto agnih prthivyam
übersetzen. Dagegen liest man Atharva V. 1, 13, 1
tapto gharmo duhyate väm ishe mddhu
welche Stelle Whitney 391 emendiren will.
Derselbe Grund der Betonung scheint vorzuliegen 6, 44, 1 7
enä mandäuo jalii §iira 9ätrüii
jämim äjamim maghavann amiträn
abhisheuän abhy ädedigänän
paräca indra prä mrnä jahi ca
Nachdem du dich am Soma erfreut hast, tödte o Helc
unsre Verfolger, unsre Feinde o Spendender, seien sie Ver
wandte oder Fremde; die mit ihren Geschossen auf uns zielen
uns nachstellen, zermalme, schlage nieder, o Indra, so dass si(
fliehen.
Die Annahme, dass hier ein Samuccaya vorliege, ist höchs
unwahrscheinlich, da kein anderes Beispiel vorliegt, wo zwe
Verben, deren erstes im ersten, letztes im vierten päda stehl
in dieser Beziehung wären. 6. 23. ö :
asmai vayäm yäd väväna täd vivishma
indräya yö nah pradivo äpas käh
sute söme stamäsi 9ansad ukthä
indräya brähma värdhanam yathäsat
Für Indra, der längst für uns wirkte, vollführen wir w;
er liebt; nachdem der Soma gekeltert ist, preisen wir ihn sei
Lob sagend, ein Gebet, das Indra ein Stärkungsmittel sei.
Säyana erklärt cansat mit pansantah ; da auch der folgenc
Vers in der ersten Person pluralis gofasst ist, kann man nicl
annehmen, cansat sei ein Verbum finitum 3. pers. sing.; au(
Hesse sich aus dem Hymnus nicht entnehmen, dass eine drit)
I
Beiträge ans dem Rg-Vpila. 227
Person ang-esprochen Avcrden müsse, noch wird sie irgendwie
determinirt werden können.
Ein ähnlicher Fcall ist vitilloicht 3, 1, 1.
c) de van äcchä didyad yunje adrim
d) pamäye agne tanvam jushasva
9amaye erklärt Säyana camyamica; der padapatha ti-enut cam-
äye so auch 8, 75, 5 rtena devdh savita ^araayata padapatha
9am-ayate wo Säyana: sayamkrde svakiranasaniüham ^amayati;
doch wäre 9ainäye ein Verbum finitum, so müsste pamäye be-
tont sein.
Ludwig citirt es nicht unter den Infinitiven (vgl. S. GO
16 äye), doch auch da würde der Accent dies bedenklich er-
scheinen lassen; bleibt das tatpurusha compositum (vgl. Rg-
Veda 2, 38, 10 äye vamasya priya devdsya savitüh syäma)
wonach mit Hinzufügung der Zeilen a. b.
somasya mä tavasam väkshy agne
vähniin cakartha vidäthe yäjadhyai
zu übersetzen wäre :
31. 1. Des Soma's Kraft verlangst du von mir o Agni,
mich machtest du zum Priester, der in der Versammlung opfern
soll; indem ich den Sinn auf die Götter richte, setze ich die
Somasteine in Bewegung; in meinem Wohlergehen (daran dass
ich zum Heil gelange) erfreue dich o Agni! (d, i. mache micii
glücklich.)
Hieher gehören auch die mit einem Verbum finitum an-
fangenden Satzabschnitte, die auf ein Verbum finitum unmittel-
bar folgen, daher the familiär rul(3 given by the Indian gram-
marians, that a verb is accented if immediately preceded by
another verb. Whitney 392.
Auch hier behält die Präposition auf Kosten des Verbum
den Ton. 7. 32. 9.
taränir ij jayati ksheti pushyati
Der Energische gewinnt, erhält' (das Gewonnene), gedeiht,
(vgl. ksheme yoge.)
1. 42. 9 pagdhi pürdhi prä yansi ca
Spende, gieb reichlich, biete dar.
Das Verbum eines eingeschobenen Satzabschnittes behält
den Ton.
15*
228 Mayr.
2. 20. 1. vaväm te väya indra viddhi shü nah
prä bharäniahc väjajür na ratham
Wir biiug-en dir Speise o Indra, merke wohl auf uns,
wie ein Wettlautender den Wagten herbeisehaft.
Doch linden wir 3. 14. 2.
äyämi te nämauktini jushasva
Säyana erklärt tvadvishayäin namaskäraväkyamahamayämi,
prerayämi, uccärayämi — tarn sevasva; das pronomen personale
te kann nie am Anfana; eines Satzes stehen und somit müsste
man ayämi te — trennen ; wahrscheinlich ist, dass das Verbum irrig
unbetont erscheint, obwohl Säyana jushasva, loti rüpam, nighätah
für die Tonlosigkeit zeigt, den Grund aber nicht angibt.
Ein Beispiel, dass von zwei Präpositionen die zweite be-
tont ist, 10. 124. 6
liänäva vrträm nirchi soma
Padapätha liest nir-ehi = nir-a-ihi.
Richtig unbetont ist 10. 106. 7.
väyur na parpharat kshayad rayinäm
S. Böhtlingk und Roth. phar. Säyana erklären «s mit füllen par ;
es liegen Fehler vor : für ^^SpftjLh^d ^^^ cf MH^lf^^d ^^^ lesen
und demnach zu verstehen wie der dahinfahrende Wind (oder
Väyu) gebiete er über die Schätze, vgl. altslovenisch pera pi-ati,
gotisch faran.
4. ß. Das einen neuen Absatz beginnende Verbum bleibt ac-
centuirt, auch wenn ihm sein eigenes mit einem andern Verbum
gemeinsames Object vorgeht. Whitney 391. And even if the
object of the verb precede the latter it does not take away
its accent, provided it be also at the same time the object of
another verb. z. B. 2, 15, 2. 4. 36. 8, 4. 42. 3, 6. 18. 10, 7.
104. 1, 10. 117, 6 und wohl auch 3, 30, 20
imäm kämam mandaya gobhir äcvaic
candrävatä radhasa paprathac ca.
Befriedige meinen Wunsch mit Kühen und Pferden, mit
goldener Grabe, mehre ihn auch ; auch Säyana trennt so.
4. y. Aehnliche Fälle, in welchen ein gemeinsames Subject zum
Verbum des ersten Satzabschnittes bezogen wird, sind 1. 32. 4
Atharva Veda 7, 48, 1 bei Whitney 391, — 8, 48, 11. 10, 77, 4:
vithiii-yjUi nä mahi pratharyäti
Beiträf;e aus dem Ktr-Veda. 229
Die Erde ist wie schwankend, sie löset sich. Dies ge-
schieht auch bei gemeinsamen Vocativen
z. B. 1, 93, 7, ag'nishomä havishah pvästhitasya
vitäm häiyatain vrshana jushetham
3, 53, 11 üpa preta kucikac cetayadhvam
Hieher ist zu stellen 6. 73. 3,
c) apah sishäsant svar äpratitti
brhaspätir hänty amitram arkaih
Indem er die Wasser der Himmel zu erlangen wünscht,
schlägt Brhaspati der Unüberwindliche den Feind mit Preis-
liedern.
Ebenso accentuirt ist diese Stelle im Taittiriya Brähmana
O. O. li. O»
4. 0. Ferner behält das Verbum den Ton, wenn es zmschen
zwei Objecten steht; ^Vllitney 393 meint, das Verbum behalte
hier in Folge willkürlicher Theilung des Satztheiles seinen Accent
dadurch, dass es als an der Spitze des zweiten Satztheiles stehend,
angesehen werde. Bhäshika Sütra 16 väkya^eshah; die Regel
erstreckt sich auch auf den folgenden Fall,, und erfährt ihre
Beschränkung §. 27, wo im Commentar gesagt wird, nirvacane
vakyacesho yasmin vidyate tad äkhyätam na vikurute. Das
lObject kann in jedem der casus obliqui stehen.
Beispiele sind: für denAccusativ 1. 31. 14, 2. 16.2, 4,
136. S, 6. 44. 16, 7. 86. 1, — 9. 105. 6, — 10, 30. 12. b, 10.
1117. 6 — und 7. 83. 16 zwischen zwei verschiedene Personen
bezeichnenden Adjectiven;
zwischen zwei Accusativen und zwei Locativen 3. 31. 10,
10. 12. 7, 10. 53 11, 10. es. 11 und 10. 73. 9, wo derselbe
Accusativ auf beide Satzdieile bezogen werden muss;
zwischen zwei Instrumentalen 4. 34. 11, 8. 16. 6, 9.
71. 8, 10. 45. 10, 10. 81. 3, wohl auch 10. 11. 5;
zwischen zwei Dativen im Rg-Veda findet sich kein Bei-
spiel, doch im Atharva Veda 11. 2. 2
(piinu kroshtre ma ^äriräni kc4rtam
aliklavebhyo grdhrebhyah Whitney 412;
zwischen zwei Ablativen 1. 115. (i, 1- 124. 6, 5. 31. 9;
zwischen zwei Genitiven 10. 30. 12. b;
zwischen zwei Locativen 5. 43. 4, beide Bestimmungen
des Grundes und 10. 105. 8;
230 Mayi.
zwischen zwei Z eitbestiminiiiigen 1. 84. 2, 1. 170. 1,
2. 29. 2, 6. 49. 10, 9. 97. 9;
zwischen zwei Ortsbestimmungen 10. 85. 25.
Der Uebersicht wegen folgen die Fälle, wo keine Präpo-
sition dem Verbum vorgeht, dann die, wo die Präposition wieder-
holt wird; die Fälle mit ca oder ca — ca und na— na sind den
andern vorausgestellt. Im 10. Mandala lesen wir tän9ca pähi
gi'natä^ca surin.
7. 83. 16. däsä ca vrträ hatäm äryani ca
7. 86. 1. dvitä näkshatram papräthac ca bhtima
10. 30. 1'2, b. krätum ca bhadräm bibhrthärartam ca
räyä9 ca stha svapatyasya patnih
Wasser ihr tragt die richtige Einsicht, ihr die Ambrosia
(vgl. 1. 23. 19). Ihr seid die Herrinnen des Reichthums der
guten Nachkommenschaft.
1. 124. 6. närbhäd ishate na maho vibhati
10. 117. 6. näryamanampushyati no säkhäyam
Der Thörichte besitzt keinen Geföhrten, keinen Freund.
4. 36. 8 ä no rayim rbhavas takshatä vayah
2. 16. 2 haste väjram bhärati cirshäni krätum
5. 33. 4 gäve cakärthorvaräsu yüdhyan
Du kämpfest um Rinder und Felder.
8. 16. 6 täm ic cyautnair äryanti
täm krtebhip carshanäyah
10. 10.5. 8 uabrahmä yajnä rdhag jöshati tve
Nicht erfreut sich ein Unandächtiger sonderlich am Opfer,
an dir;
3. 31. 10. jäte nihshthäm ädadhur goshu viran
Den Lebenden setzten sie einen Führer, den Rindern
Hüter.
10. 12. 7 sftrye jyotir ädadhur masy aktün
10. 53. 1 1 gärbhe yöshäm ädadhur vatsäm äsäni
10. 58. 1 1 i'ätryäm tämo ädadhur jy<'>tir ähan
10. 73. 9 payo goshv ädadhä oshadliishu
10. 11. 5 sädäsi ranvö yavaseva pi'ishyate
hotrabhir agne mänushah svadhvaräh
Durch Opfer gedeiht der fromme Mensch wie durch eine
Weide (die der Nomade für sein Vieh findet) ; man könnte
Beiträge ans il(Mn Kg-Veda. 231
auch übersetzen: Wie das Vieh dureli Weide, ^so der Wohl-
opfernde durch Opfergaben.
2. 29. 2 adyä ca uo mrlayatä param ca
1. 170. 1 na nünäm ästi no ^väh
1. 34. 2 trir näktam yathas trir v acvinä diva
6. 49. 10 rudräm divä vardhayä rudräm aktau
9. 97. 9 divä harir dädr^e näktam rjräh
10. 85. 25 preto muncäm nämutah
1. 31. 14 prä päkam ^assi prä dico viduslitarah
Du weisest dem Einfältiü,"en, du den Himmelsgegenden.
1. 115. 6 nir aiihasah piprtä nir avadyät
4. 34. 14 säm indrena mädatha säm marüdbhih
5. 31. 9 nish shim adbhyö dhämatho nish shadhästät
6. 44. Iß 'vy äsmäd dvesho yuyävad vy änhah
9. 71. 8 säm sushtuti näsate säm goägrayä
Mit dem schönen Loblied vereinigt sich Soma und mit
dem von einer Kuh begleiteten.
10. 45. 10 üj jätena bhinädad iy jänitvaih
Oben aufkommen (d. i. reussiren) möge der mit Söhnen
und Enkeln.
10. 81. 3 säm bähiibhyäm dhämati säm pätatraih
Vgl. Atharva Veda 13. 2. 26, wo aber bhärati
9. 105. 6 ädevam kam cid atrinam
sähvän indo pari badho äpa dvayüm
Besiegend verdränge o Soma jeden Gottlosen, gefrässigen
Dämonen, jeden Falschen; (vgl. 2 bädh bei Böhtlingk und
Roth.) der einzige Fall, wo verschiedene Präpositionen vor-
kommen. Auf zwei pädäs erstrecken sich auch die oben ange-
führten Stellen 8. 16. 9, 10. 11. 5.
Die einzige Ausnahme ist 2. 27. 8
tisrö bhtimir dhärayan trinr utä dyün
ebenso betont auch die Taittiriya Samhitä 2. 1. 11, 5. Die
Citate in Taittiriya Samhitä sind allerdings meist abhängig vom
Rg- Veda, wo vielleicht ein Fehler vorliegt; oder nach Bhäshika
8ütra 28 zu erklären ist comm bhüyovädi yah cabdas tasmäc
ca parasya vikaro nä 'vadhäryate, vikäro na bhavatity arthah
vgl. Bhäshika Sütra 27.
Zwischen zwei Objecten und zwei Subjecten findet sich
das unbetonte Verbiun 10, 16, 3.
232 Mayr.
süryam cakshur gachatu vatam ätma
welche Stelle sich auch Atharva Veda findet:
stiryam cakshushä gacha vatam ätmänä
divam ca gacha prthivim ca dhärmabhih;
Ob hier die Betouimg darum unterblieb, Aveil das Verbum nicht
zwischen denselben Casus steht, lasse ich dahin gestellt. Ferner
ist im Atharva Veda das Verbum unbetont zwischen zwei Ac-
cusativen 1. 12. 3, 8. 10. 16, 15. 12. 5 und 9, zwischen zwei
Instrumentalen 19. 36. 2, zwischen zwei Ortsbestimmungen
18. 4. 11 — 17. 17 sudhäyäm ma dhehi parame vyoman
kann kaum hieher gestellt werden ; die Bedeutung scheint ,im
höchsten Himmel setze mich in das Heil ein^ Die Ortsbestim-
mungen Rg-Veda 10. 85. 25 und Atharva Veda 18. 4. 11 sind
Adverbien, so bleibt die Stelle Rg-Veda 10. 28. 2
sä röruvad vrshabhas tigmä^rngo
varsliman tasthau värimann ä prthivyah
wo väriman als nirvacana des varshman gefasst werden könnte
und so regelrecht unbetont wäre, s. Bhäshika Sütra 27. Auf
dasselbe Object beziehen sich die Epitheton 4. 18. 12
9ayiim käs tväm ajighansac cärantam
Wer wollte dich erschlagen als du lagst, als du giengst
(vgl. 7. 83. 16).
Unbetont ist das Verbum, da ilim eine Präposition vorgeht
und es so nicht an der Spitze des Satzabschnittes steht 1. 124. 6:
näjämim nä pari vrnakti jämim
Die Morgenröthe weicht noch dem fremden (menschlichen)
noch dem ihr verwandten (göttlichen Geschlecht) aus. So Säy-
ana und 5. 65. 6
mä maghonah pari khyatam
mo asmäkam fshinäm
(jänam ist aus dem vorhergehendem päda zu ergänzen) , vernachläs-
sigt nicht das Geschlecht des Opferveranstalters noch das der rshis.*
Ferner finden wir unbetont 1. 23. 24
säm magno värcasä srja
, säm prajäyä säm äyushä und
1. 48. 8 äpa dvesho maghoni duhita divä
ushä ucliad äpa sridhah
Durch ihr Aufleuchten vertreibe die gabenreiche Morgen-
röthe, die uns feindlich sind, die uns verderblich sind. Man
Beiträge ans dem Rg-VeJa. 233
könnte den Accusativ pliu'alis als nirvacana des* Accnsativ sing,
dveshah fassen, wo dann 1. 23. 24 sich als Fehler darstellen
würde, doch lässt sich darüber nicht entscheiden, da diese zwei
Fälle die einzigen sind, wo die Präposition wiederholt wird
und der Satz durch zwei pädas läuft.
Endlich scheint noch hielier zu stellen 6, 44;, IS, wo eine
Infinitiv- Construction vorliegt :
apäm tokäsya tänayasya jesha
iudra sürin krnuhi smä no ärdham
Mache o Indra, dass wir und die Ansteller des Opfers
bei der Erwerbung von Gütern und Nachkommenschaft gedeihen
mögen. Auch Sayana erklärt apäm äptavyänäm dhauänäm und
auch ärdham durch samrddhäu (vgl. die Construction Rg-Veda
1. 154. 6:
tä väm västüny uoniasi gämadhyai
Wir wünschen, dass ihr beide zu den Aufenthaltsorten
i^-elanget^ wo — ).
Note, süri heisst wohl auch Anführer, Hauptleute, prin-
cipes. Prof. Roth vermuthet, dass sma den Ton veranlasst. Das
ist die einzige Stelle im Rg-Veda wo sma nach einem, nicht
am Satzanfang stehenden Verbum vorkommt.
Man könnte versucht sein, auch 7. 68. 2 hieher zuziehen:
b) aram gantam ha vis ho vitäye me
tirö aryo havanäni 9rutäni nah
wo Säyaua asmadvirodhino havanäni tiraskrtya crutam no ha-
vanäni erklärt; obwohl es einfacher wäre ,verschmähend die
Rufe des Kargen hört auf uns, die auch opfern^ so scheint mir
auch nach Säyana's Interpretation der Accent nicht erklärt. Die
Analogie 10. 30. 12. c. ist keine vollständige, da hier die ein-
ander gegenüber stehenden Objecto räyä(? ca stha svapatyäsya
pätnih vor und nach dem Verbum gesetzt sind; während 7. 68.
2 das Object gemeinsam ist, so ist es 10. 30. 12. c das Subject,
auch ist es vielleicht richtiger, letzteren Satz unter das condi-
tionelle ca zu stellen; 7. 68. 2 dagegen nach Analogie von 7.
68. 1 unter die Fälle wo ein Imperativ, der auf Imperative
von Verben der Bewegung folgt, betont wii-d; es scheint, dass
im Sauskrt der Imperativ sehr gut im Relativsatz stehen könne
(vgl. auch die Construction 5. 65. 6).
234 Mayr.
Als weiteren Beleg-, dass es nicht genügend ist, dass sich
ein Verbiun auf zwei in verschiedenen Satzabschnitten stehende
Objecte beziehe, sondern die Stellung zwischen beiden, also am
Anfang des neuen Satzabschnittes entscheide, kann angeführt
werden 4. 19. 7.
prägruvo nabhanvo nä väkvä
dhvasra apinvad yuvatir rtajnäh
Der dahinsiechenden unverheirateten Jungfrauen (für die
Flüsse wird tropisch ägruvah gebraucht) Brüste macht, strotzen
^\ie sprudelnde Quellen, er der das rechte kennt, Indra. (rtajnah
kann nur nominativ. sing. sein. Oppert 174.)
4. s. Es entsteht nun die Frage, ob das Verbum auch accentuirt
erscheint, wenn es zwischen zwei Prädicaten oder zwei Sub-
jecten zweier Satzabschnitte steht.
Ein Beispiel wie Atharva Veda 5. 18. 8. Whitney 393
jihvä jyä bhavati kiilmalam vak
wo das Verbum zwischen zwei Prädicaten und zwei Subjecten
steht, findet sich im Rk nicht. Beispiele, wo zwischen zwei
Subjecten das Verbum betont ist, sind im Atharva Veda 6.
92. 3, 6. 106. 1 mit vä — vä, 12. 3. 48 während das auch mit
na — na construirte Beispiel Rg-Veda G. 18. 12 nicht accentuirt
ist, ferner Atharva Veda 13. 3. 12 mit anyatah — anyatah 14
1, 64:
brahmäparam yujyätäm brahma pttrvam
und 15 3 V. 4. 5. 10; die Regel des Bhäshika Sütra Indische
Studien X. erstreckt sich gewiss auf diese Fälle; so wird da-
selbst als Beispiel angeführt:
cito gärhapatyo bhävaty äcita ähavaniyah.
Auch die Analogie spricht dafür, dass dies anzunehmen
sei, doch lassen die Beispiele, welche sich im Rk tiuden, auch
eine andere Erklärung ihrer Betonung zu.
Zwischen zwei Prädicaten steht das Verbum 3. 3. 7.
väyäüsi jinva brhatä^ca jägi'va
u^ig devänäm äsi sukrätur vipäm
Auch des Vornehmen (Säyana mahato yajamänasya) Kräfte
fördere Unermüdlicher, du bist ja der Bereitwilligste unter den
Göttern, der Einsichtsvollste der Sänger. Der zweite Satz lässt
sich als untergeordnet fassen ,da du' , indem du^ Ebenso sind
zwei Nebensätze 8. 18. 2.
Beiträge aus dem Rg-Veda. 23o
anarväno hy csliiim *
pänthä ädityänäm
äclabdhäh sänti päyävali sugevfdhah
Unaufhaltsam sind die Adityäs auf ihren Balnien, unan-
tastbar sind sie Hüter, die sich an Wohlfahrt erfreuen (Sayana
erkLärt ahinsitäpca santi) man könnte adabdhäh auch auf päyävah
beziehen ; der Ton des Verbuni tinitura beruht immer nur darauf,
dass ein Nebensatz zu 8. 18. 1. vorliegt:
idam ha nünäm esham
sumnam bhiksheta märtyah
ädityänäm äpürvyam sävimani
Folgen die Beispiele, wo das Verbum zwischen zwei Sub-
jecten steht 6. 49. 3
arushdsya duhitärä virüpe
stfbhir anyä pipi^c stiro anyä
Verschiedengestaltig sind die beiden Töchter des Arusha
(rocamänasya süryasya Säy.) ; schmückt sich die eine mit Ster-
nen so die andere mit der Sonne. Abgesehen davon, dass sich
hier strbher und sürah gegenüber stehen, und so dieser Fall sich
unter die vorhergehenden einreihen Hesse, lässt sich der Accent
auch dadurch erklären, dass man den zweiten Vers als Neben-
satz fasst
4. 51. 11. täd vo divo duliitäro vibhätir
üpa bruva ushaso yajnäketuh
vayäm syäma yacäso jäneshu
täd dyau9 ca dhattam prthivi ca de vi
— um das flehe ich zu euch des Opfers kundig (oder
durch das Opfer als meinem Boten) o Morgenröthe, ihr strahlende
leichter des Himmels; angesehen seien wir unter den Leuten.
Dies mögen der Himmel, die göttliche Erde gewähren. Nach
Analogie von 4- 41. 5 nnd 7. 60. 10 könnte man aber über-
setzen: Angesehen wären wir unter den Leuten, wenn ihr es
gewähret.
Der Wunsch, die Bedingung, ist im Imperativ, der bedingte
Satz steht im Optativ. Bleibt 8. 85. 5
prä pärvatä änavanta prä gävah
Es dröhnten die Berge, es brüllten die Kühe (tiopisch
für die Wolken) und 1, 1G5, 9
236 Mayr.
c) nä jäyamäno nä9ate na jäto
d) yäni karisbyä krnuhi pravrddha.
Die Stelle scheint mir beiläufig so zu interpretiren, wie
dies Säyana that; nac wird immer mit einem Object im Accu-
sativ construirt und so kann man es vom folgenden Satz nicht
trennen; , weder jetzt noch künftig bringt einer die Aufgabe zu
Stande, die du vollziehen mögest/ Hinsichtlich des 8. 85. 5
citirten Falles ist zu bemerken^ dass man solche Fälle vielleicht
denen anreihen könnte, wo Satzhäufung stattfindet und Verbum
auf Verbum unmittelbar folgt, vgl. C. (3 bes. Rg-Veda 1. 171.;
freilich sind in allen diesen Fällen verschiedene Thätigkeiten
durch die Verben ausgedrückt.
Folgen Fälle, wo das Verbum nicht accentuirt ist; mit
na — na 6. 18. 12
c) näsya ^ätrur nä pratimänam asti
d) na pratishthih purumäyäsya sähyoh
Für Indra, den in vielen Künsten gewandten, siegreichen
gibt es keinen Feind, keinen ebenbürtigen Gegner, keinen
Widerstand. Der Grund der Tonlosigkeit des Verbum liegt
darin, dass pratishtih nur eine weitere Erklärung, Bestätigung
des vorhergehenden ist und somit kein neues Object. Diese
Beschränkung der Betonung im väkyayeshah wird, wie oben
erwähnt, im Bhäshika Sütra 27 angegeben. Andere Beispiele :
1. 31. 14. ädhräsya cit prämatir ucyase pita
Auch als des dürftigen Fürsorger, Vater wirst du genannt.
5. 3. 11 stenä adr9ran ripavo janäso
10. 18. 11 üc chvancasva prthivi ma ni bädhathäh
süpäyanäsmai bhava süpavancanä
wo das Verbum zwischen zwei prädicativen Epitheton steht, die
sich auch prthivi bezichen. ,Oeffne dich o Erde, drücke ihn
nicht, sei ihm leicht zugänglich.'
2. 42. 2 mä tvä ^ycnä üd vadhin mä suparnäh
Nicht tödte dich ein Falke, noch ein anderer Vogel. Das
Verbum ist unbetont nach Bhäshika Sütra 28 bhviyovädi variyo-
vädi kaniyovädi vä 'navadhäranäh was mit Rücksicht auf §. 27
so zu verstehen ist, dass mehr oder weniger ausdrückende
Wöj-ter, obwohl sie nicht als einfacliL' Bestätigung des vorher-
gehenden Wortes gefasst werden können, doch hinsichtlich ihrer
Beiträge aus dem Rg-Veda. 237
Einwirkung auf den Accent des Verbum den liur erläuternden
Wörtern gleichg-estellt werden können.
Möge auch 1. 140. 8 erwähnt sein:
tasäm jaram praniuncann eti nanadat
Ihr, der Finger Geräusch ablösend zieht er tosend. Da es
sich nicht um zwei Objecte handelt, kann das- Verbum niclit
unbetont sein und demnach ist 1. 140. 5 eti als von yad ab-
hängig zu fassen.
Endlich 1. 164. 44. d)
dhräjir ekasya dadrce na rüpam
Der Zug des Windes wird wahrgenommen, nicht seine
Gestalt. Auch hier erklärt Bhäshika Sütra 8. 26 die Tonlosia'-
keit hinreichend; vgl. Atharva Veda 9. 10. 26, wo dieselbe
Stelle unbetont, während Atharva Veda 10. 8. 8 richtig betont :
ayätam asya dadr9e nd yätam.
„B" Das Verbum erscheint im Relativsatz immer betont; ist
es mit einer Präposition zusammengesetzt, so verliert diese
ihren Ton_, es wäre denn, sie stünde am Anfang eines Satzab-
schnittes oder Satzes. Dies geschieht natürlich auch in den
selteneren Fällen, wenn in der sanhitä Präposition und Verbum
ungetrennt erscheinen 9. 61. 5
ye te pavitram ürmayo
'bhiksharanti dharayah
andere Beispiele: 1. 49. 2, 1. 49. 4, 1. 52. 6, 9. 14. 2 etc.
Diese Regel w^urde von Whitney 394 aufgestellt ,the
sanskrt verb retains in a dependent clause its own proper ac-
cent; & that, too, even at the cost, in case the verb be one
com pounded with^ a preposition, of the accent of the prefixed
preposition.^ The dependent clause is wont to be introduced
by some word of such signification as necessarily conditions
its dependency^ a relative or subordinating conjunction,' — die
Frage Whitney's 395. whether a clause in any case without the
presence of a word conditioning or indicating its dependent
character can be in such wise dependent as that its verb should
be rendered orthotone, kann nach dem im Rg-Veda sich vor-
findenden Belegen bejaht werden ; ebenso gleichgültig ist es, ob
die anzuführenden Partikulare oder das pronomen relativum
vor oder nach dem Verbum stehen, immer behält es den Ton.
238 Mayr.
Was folgt, ist ein Commentar zu dem Ganzen.
Schon Böhtlingk §. 60 o) führt nach den indischen Gram-
matikern an, das Vcrbum sei betont nach dem prouomen rela-
tivum yad, nach yadryanc und nach den Partikeln yadi yad yatra
yävat und yätha. Chäshika Sütra §. 14 yadyogah. Whitney 394:
1 a ya in Relativsätzen vor und nach dem Verbum stehend,
z. B. 3. 53. 12
yd ime r6dasi ubhe
aham indram atushtavam
Der ich die beiden Welten und Indra pries
8. 20. 18 ye cärhanti marütah sudänavah
sman milhüshac cäranti ye
Die euch verehren ihi' gern spendende Maruts, die euch
dienen ihr Regen bringenden. 10. 87. 13
manyor mänasah ^aravyä jäyate ya
tayä vidhya hrdaye yätudhänän
Mit dem Pfeil^ der aus dem Gefühl des Grimmes ent-
springt, mit dem stosse ins Herz den yätudhänäs.
Wenn von zwei Relativsätzen ya im ersten steht, so ist
natürlich auch der zweite accentuirt, z. B.
7. 1. 1.5 sed agnir yo vanushyatö nipäti
sameddhäram änhasa urushyat
sujätäsah pdri caranti viräh
Dem Agni, der vor dem Angreifer schützt, der den, der
ihm anzündet, aus der Noth helfen möge, dienen die wohlge-
bornen Männer.
8. 40. 4 yäyor vi^vam idam jägad
iyam dyaüh prthivi mahy
üpasthe bibhrtö vasu . . .
Wo Säyana mit bibhrtö den zweiten Satzabschnitt begin-
nen lässt ^denen alles was da lebt, dieser Himmel und die
grosse Erde gehört, die in ihrem Schoos Güter tragen^: andere
Beispiele Atharva Veda 18. 4. 54 Whitney 412 Rg-Veda 3,
16. 2, 4. 21. 4, 7. 32. 6, 8. 40, 11, 8. 41. 9, 9. 77. 4, 10. 92.
5? (Das vananvati Verbum finitum s. Ludwig der Infinitiv in
den Veden 102.) Dasselbe Verbum erscheint wiederholt 3. 32.
7; — auf drei Sätze bezogen ist ya 1. 139. 11,4. 24. 7.
Keiträge ans dem Rg-Veda. 239
Audi wird die Qiialität des Relativsatzes niclit aufge-
hoben dadurch, dass zwischen ya und das Verbum ein Satz
eingeschoben wird, daher das Verbum den Ton behält 5. 37. 1.
täsmä {^mrdhrfi ushaso vy üchän
ya indraya sunävämety aha
Unablässig mögen dem die Morgenröthen aufleuchten, der da
sagte, , keltern wir Soma für Indra/ Auch die Betonung des suna-
väma hängt von ya ab. Vgl. 4. 33. 5, wo das Verbum im citirteu
Satz unbetont, so auch Atharva Veda 12. 4. 6 Whitney 397,
wo das Verbum betont wird. So auch fi. 4.5. Ifi, 6. ,54. 1 und 2,
ß yad. z. B. ß. 5. 0
yäc chasyase dyübher akto vdcobhis
täj jushasva jaritür ghöslii manma
(gh(')shi ist adjectiv, wie es vSäyana fasst.)
3. 30. 5. ime cid indra rodasi apäre
yät samgrbhna maghavan käcir it te
Ergreifst du auch o gabenreicher Indra die unermesslichen
beiden Welten, nur eine Handvoll sind sie für dicli. 1. 14U. 5
und 4. 30. 3.
vicve caned ana tvä
deväsa indra yuyudhuh
yäd ähä naktam atirah
padapätha ä atirah vgl. 7. 82. 6, wo der pada pätha ebenso trennt
s. C. 1. Note a atirah nach 7. 83. 7 scheint es zu bedeuten selbst
nicht alle Götter überwinden dich im Kampfe, da du sie bei
Tag und bei Nacht überwältigst, vgl. 4. 30. 7 äträha dsinum
atirah padapätha ä atirah und tar bei Böhtlingk und Roth, das
immer mit Accusativ construirt wird, wonach vielleicht auch zu
bessern ist.
Auf zwei Sätze bezogen erscheint es 4. 21. 8, 7. ÖO- 2,
8. 6. 1.3, 8. 45. 31, 10. 98. 1 und
7. 32. 18 yäd indra yavatas tväm
etävad ahäm i9iya
stotäram id didhisheya radävaso
nä päpatväya räsiya
Verfügte ich über so viel als du o Indra, so beschenkte
ich meinen Lobsänger, o gütiger Spender, nicht überliessc ich
ihn dem Elend. (Säyana dhanapradänena dhärayeyam AI. Müller
I should Support the sacred bard.)
240 Mayr.
yad — ca in zwei Relativsätzen 10;, 34. 5
yad ädidhye na davishyäny ebhili
paräyädbhyo 'va hiye sakhibhyah
nyüptäc ca babhrävo väcam äkratan
emid eshäm nislikrtäm iäriniva
Muir Journal of the R. A. S. new series II. 28 wlien I
resolve not to be tormented by tliem^ because I am abandoned
by my friends wlio witli draw from nie — yet as soon as the
brown dice when the are thrown make a rattling sound, I
hasten to their rendez-vous, like a woman to her paramour. Ob
davishyäni richtig gelesen ist, darüber lässt sich schwer ent-
scheiden; intransitiv findet es sich nicht in den Veden, transi-
tiv zweimal im Atharva Veda 9, 4. 18 und düna 2. 31. 3 —
div findet sich im Rk. 10. 34. 13 akshäir mä divj^ah und
Atharva Veda 5. 29. 2 — schwerlich kann man davishyäny
akshaih, Stellen wie gitagovinda 3. 9 manmathena dunomi an
die Seite stellen.
Y yatas z. B. 7. 4. 2 etc.
1. 25. 17 b) yato me mädhv äbhrtam
c) hoteva kshadase priyäm
ist kshadase iufinitiv vgl. Ludwig §. 41 Rg-Veda 4. 58. 9, 1.
66. 5; auch 1. 122. 2 Bollensens (Orient und Occident II. 472)
Conjectur ist zu verwerfen,
a yäti z. B. 7. 43. 4, 10, 18. 6, 10. 63. 6
7. 43. 4 ä gantana sämanaso yäti shtha
s yäthä z. B. 10, 133. 7
asmäbhyam sü tvdm indra tam ciksha
yä dohate präti varam jaritre
achidrodhni pipäyad yathä nah
sahäsradhärä payasä mahi gaüh
Schenke, o Indra, uns die, welche du nach Wunsch dem
Verehrer milcht; mit Milch strotze für uns, mit nie versiegen-
dem Euter die grosse tausendström ige (d. i. jegliches spen-
dende) Kuh.
r yatha-yatha 4. 54. 5, 8. 39. 4, 10. 100. 4, 10. 1 1 1 . 1 , 4. 1 9. 1 0:
prA te pfirväni käranäni vipra
ävidväil rdia vidüshe karansi
yathä-yatha vrshnyäni svägüi'tä
äpäüsi i'ajan uäryäviveshih
lieitii'igo ans dem KgVeda. 241
Deine früheren Thaten kennend^ verkündete icli dir, der
du sie weist, wie du in jedem einzelnen Falle die dir ange-
nehmen, menschenfreundlichen, männlichen Thaten vollbrachtest.
yadä z. B. 7. 3. 2, 10. 68. 6
ij yädi 10. 161. 1, graher jagraha yddi vaitad
7. 104. 14 yadi väham anrtadeva äsa
mogham vä devan apyühe agne
Wenn ich falschen Göttern huldige, oder die wirklichen
Götter irrig (nishphahun Sayana) auffasse; anrtadeva nach Säyana:
asatyabhüta devä yasya tädrcah.)
i yädrc 5. 44. 6 yädi-g eva dtidr^e tadrg ucyate
/. Auch die Composita mit yad stehen oft im Relativsatz,
daher das Verbum betont wird; im Kk findet sich 10. 121. 10
yatkäraäs te juhumäs tan no astu
Was wünschend, wir dich anriefen, das sei uns.
A yavat 1. 108. 2, 7. 79. 4 etc. im compositum
10. 88. 19 yävanmätrara ushaso na pratikam
suparnyö väsate mritaricvah
tävad dadhäty i'ipa yajnäm fiyän
brähmano hotur avaro nishidan
So lange die Vögeln vergleichbaren Morgenröthen ihre
Gestalt nicht annehmen, d. i. nicht erscheinen —
Dagegen bleibt das Verbum unaccentuirt, da es im unab-
Mngigen Satze steht mit yathävacdm .5. 34. 6, 3. 48- 4 :
ugnis turashal abhibhütyojä
yathävapäm tanväm cakra eshah
yathrdviimam 16. 146. 5
na va aranyanir hanty
anyac cen näbhigächati
svädoh phalasya jagdhvaya
yathakamam ni padyate
Muir. Journal of the R. A. S. new series II, 28 Aranyäni
is not (herseif) murderous, if no one eise (a tiger etc.) assails
(hier wäre ,her' beizufügen); but after eating of sweet fruit,
a man rests there at his pleasure.
Ebenso ist das Verbum unaccentuii-t, wenn ya im Haupt-
satz steht 1. 80. 14
abhishtane te adrivo
yat sthä jägac ca rejate
Sitzb. il. phil.-bist. Cl. LXVm. IM. II. Hft. lO
242 Mayr.
Wenn du tosest, o mit Schleudersteinen Bewaffneter, zittert
was nur steht und geht. 1. 95. 8:
tveshäm rüpdm krnuta üttaram yät
samprilcänäh sddanc göbhir adbhih
Eine Furcht erregende, gewaltigere Form nimmt er an,
wenn er in seinem Sitz mit den Wolken, Fluthen sich ver-
einigt; (Säyana gautrbhir meghasthäbhih — rüpam utkrshtata-
ram vaidyutam prakä9am yadä karöti) in derselben Bedeutung
gebraucht ist yäd 10. 107. 7 —
7. 66. 6 utd svarajo äditir
adabdhasya vratasya ye
mahc') räjana ipate
Ueber Grosses gebieten Aditi und Adityas als Könige,
deren Satzung unantastbar, ya steht im Nebensatz, ic^ate im
Hauptsatz. Einen Beweis, dass ya auch im Hauptsatze stehen
kann, liefern ferner
6. 67. 3. ä yätam miträvarunä su^asty
üpa priyä ndmasä hüydmanä
säm yäv apnahstho apdseva jdnän
chrudhiyatA^ cid yatatho mahitvä
Kommt herbei o Miträvarunä zum Lobgesang, gerufen
durch euch genehme Verehrung, die ihr (yuväm Säyana) wie
ein Schaffner den Leuten Arbeit, den Gehorsamen Macht ver-
leiht. (Säyana crudhamannam ya(?o vätmanah icchatah) vgl.
Bollensen Orient und Occident IL 477 der yätathah lesen will
und Böhtlingk und Roth apnahstaha und yat -}- sam ; apdseva
erklärt Säyana karmanä (vgl. Böhtlingk und Roth dpas und
apds) apnahsthah karmany adhikrtah, was es sehr wahrschein-
lich etymologisch bedeuten muss.
6. 67. 4 d^vä nd ya väjinä pütabandhü
rtä ydd gdrbham dditir bhdradhyai
prd ya mdhe mahantä jay mänä
ghora mdrtäya ripdve ni didhah
Welche Rennpferden edler Race ähnliche, wahrhafte du
als Foetus trugst ; diese sehr grossen bestimmtest du, als sie ge-
boren wurden, dass sie Scheu einflössen betrügerischen Sterb-
lichen. Säyana erklärt hier yä c) mit yau; es ist wie 6. 67. 3
mit tvam zu interpretiren; man kann auch , diese schon als sie
geboren wurden sehr grossen' übersetzen.
15oitrrig(! aiiB dem Rg-Vcda. 243
Dass die Accentuation hier 3 und 4 nicht* zufällig- unter-
bliol), sondern auf richtig-cni Verständiiiss beruht, beweist 6. 67. 1
vi9veshäm vah satain jyeshthatamä
g-irbhir mitravarunä vävrdhadyäi
säm yä raymeva yamdtur yämishtha
dvä janäii dsamä bähubhih svaih
Euch aller Wesen vorzüg-lichstc Mitravarunä erfreue ich
mit Anrufungen, da ihr unverg-leichliche, wie Lenker die Zttg-el
mit ihren Armen, die Leute in eurer Gewalt habt. Dass
vavrdhadyai von Säyana gehörig- aufgefasst wurde, ,vardhayi-
tum pravrtto'smi' beweist v. 2 ^iyäm mad väm pra sti-iute
manisha;' auch das la vorkommende vah spricht gegen pas-
sive Auffassung. Auch yad findet sich im Hauptsatz
10. 23. G stomam ta indra vimadä ajijanann
äpürvyam purutämam sudanave
vidmä hy äsya bhojanam inasya
yäd ä pa9uin na gopah karämahe
Da Avir wissen^ woran der Gewaltige Genuss findet, so
locken wir ihn herbei wie ein Hirt das Vieh. Vgl. v. 5.
Ueber yäthä ist zu bemerken, dass es in der Bedeutung
,wie' häufig im Hauptsatz steht; am Ende des päda erscheint
es dann häufig unaccentuirt, z. B. 1. 50. 2
äpa tye täyavo yathä
nakshaträ yanty aktubhih
auch 5. 25. 8, 8. OL G, 9. 100. 4; andere Beispiele verzeich-
net Böhtlingk und Roth.
Schwierig ist die Stelle G. 50. 3
utd, dyäväprthivi kshatram urn
brhdd rodasi parandm sushumne
mahäs karatho varivo ydtha no
'sme kshayaya dhishane anehdh
Ich nehme wie Sayana an, es sei yatha syät zu verstehen
und ihr o Himmel und Erde huldreiche Welten verschafft Tins
weithin Herrschaft und gewaltigen Schutz, freudig gewährt uns
unbedrohte Ruhe für unsre Wohnung. In 1. 51. 12
indra yäthä sutäsomeshu cäkäno
'narvanam clokain a rohase divi
endet der Relativsatz mit Cilkänah, , Indra erfreut an den Opfern
des gekelterten Somas erhebst du ein unaufhaltsames Getöse
16*
244 Mayr.
im HimineF, d. i. indem du oder nachdem du dich ev-
j^ützet hast.
2 cet steht immer im Relativsatz Whitney 395 Bcihtlingk
GO. p., z. B. 8. 68. 5
arthino yanti ced artham l
gächan id dadüsho Tatim
vavrj}nis trshyatah kämam
7. 72. 4 vi ced nchanty a^vina ushasah
pra väm brahmäni kärdvvo bharante
auch 10. 109. 3, 10. 14G. 5
3 ca Whitney 395. But ca itself, withoiit always losing- its
proper signification ,and' or meaning distinctly ,if' is not very
infreqnently made use of to assist in indicating the conditiou
ality of a clause, whose verb is then left orthotone. Böhtlingk
(§. 60 p) ca wenn.
Da das Verbum im Nebensatze betont wird, so ist es
ebenso möglich, dass ca wenn bedeute, als dass es einfach anreihe.
Wir lassen die Beispiele folgen :
1. 40. 6 tarn id vocema vidätheshu cambhüvam
mäntram deva anehasam
imäm ca vacam pratihäryatha naro
vicved väma vo acnavat
Wenn ihr diesen Spruch gern annehmet o Männer, so
werdet ihr aller Güter theilhaftig- !
1. 91. 6 a. tväm ca soma no va^o
I jivatum na marämahe
2. 41. 11 a) indrac; ca mrläyati no
na nah paccad agham na^at
2. 42. 1 c) sumangalac ca yakune bhävasi
mä tva cid abhibha vicvya vidat
Wenn du uns günstig bist o Vogel, so stosse nirgends
auch nur auf ein Unglückszeichen.
3. 43. 4 a ca tvam eta vrshana vahäto
hart säkhaya sudhüra svdhgri
dhanavad indrah sjlvauam jushanali
säkha sdkhyuh crnavad vändanäni
8. 21. 6 achä ca tvaina namasa. vddämasi
kirn mühu9 cid vi didhayah
Beiträge aus dem Rg-Veda. 245
Wenn wir dich verehrend bcg-iäissen, wa^uia zögerst du
auch für einen Aiij^en blick.
8. 82. 10 dui'gc ein nah sug-am krdlii
gr^äna indra girvanah
tvam ca niaghavan vjiyah
8. 50. 1 ubhayam ^rnävac ca nah
indro arväg idam väcah
saträcyä niaghavä somapitayc
dhiyä (^ävishtha ä gamat
9. 79. 1 c) vi ca nayan na isho drätayo
aryo nacanta sänishanta no dhiyah
Eine schwierige Stelle ,iiud schwinden vor unserer Kraft
die Unholde, so sind des Unfromnien Bitten verloren gegangen,
Unsre zum Ziele gelangt'. Man würde näyanta erwarten nach
10. 101. 3 auch Väjasaneyi Samhitä 12. 68
yunäkta sirä vi yugä tanudhvam
krte yönau vapateha bijam
girä ca 9rushtih säbharä asan no
nediya it srnyah pakvani eyät
Schirrt die Pflüge an, steckt das Joch vor, streut in die
gezogene Furche den Samen ; wenn in Folge unsrer Bitte unsre
Thätigkeit fruchtbringend wäre, so fiele das reife Korn bald
der Sichel entgegen.
10. 108. 3 ä ca gächan mitram enä dadhäma
Und käme er auch, zum Freund machten wir ihn dadurch.
10. 108. 8 evä ca tväm sarama ajagantha
präbädhitä sähasä daivyena
sväsärani tvä krnavai ma pünar gji
Und kannst du auch o Sarama getrieben durch göttliche Gewalt.
10. 110. 1 auch Väjasaneyi Samhitä 29. 25 Taittirtya
Samhitä 3. 6. 3. 1 Atharva Veda 5. 12. 1
sämiddho adyä mänusho durone
devö devän yajasi jätavedah
ä ca väha miti'aniaha(^ cikitvän
tväm dutäh kavir asi präcetäh
Vgl. Whitney 413 und brächtest du sie, der du reich an
Freuden, so bist du —
10. 124. 5 nirmäyä u tye äsurä abhüvan
tväm ca mä varuna kämdyäsc
246 Mayr.
Kraftlüö sind jene Asuräs, wenn du o Varuna mich liebst.
4 lii Whitney 397. It is a well known fact that^ by Vedic
usage, tlie particle hi always accents the verb witli which it
is construed. This also I ascribe to the conditional force inherent
in it. Bhäshika Sütra 4. Böhtlingk §. 60 f. Anmerkung und g.
Nach der Siddhänta-Kaumudi zu schlicssen, übt hi in jeglicher
Bedeutung seinen Einfluss auf ein folgendes Verbum finitum.
In den Veden wirkt hi auch auf ein vorhergehendes Verbum
finitum ein und sogar auf das Verbum eines nachfolgenden^, mit
dem vorhergehenden in Verbindung stehenden Satzes; hier aber^
nicht unerlässlich. Auch das Bhäshika Sütra 18 — 22 gibt Regeln J
wie weit sich die Wirkung der hyädayah erstrecke; manch«
meinen bis zur sechzehnten, andere bis zur 25*®'' oder gar 32''^^
Silbe ; einige meinen von den innerhalb dieser Silbenzahl stehen-'
den Verben werde nur das erste, andere^ es werden alle ac-
centuirt.
Die Regel ist auch hier die, dass im Relativsatz das Ver-
bum acceutuirt wird, hi dagegen als hervorhebende Particula
nur in Relativsätzen gebraucht wird; erscheinen zwei Relativ-
sätze in continueller Folge, so wird dieses hi im zweiten Satz
nicht wiederholt; daher ist auch Atharva Veda 4. 1. 4. c.
askabhäyad accentuirt und es ist eben nicht wahrscheinlich,
dass man verbessern müsse. Wliitney 406
651. 6 mä no vrkäya vrkye samasmä
rghäyate riradhatä yajaträh
yüyam hi shtha rathyö nas tanünäiu
yuyäm däkshasya väcaso babhüvä
(M. Müller aghäyatc) ,o Verehrungswürdige, gebet uns
nicht in die Gewalt jedes Wüthenden, welcher uns zerreissen
will, denn ihr gebietet über unsre Körper, unsre geistigen Fähig-
keiten und Reden.
6. 51. 9. c. täii ä namobhir urucäkshaso nrn
vi9vän va ä namc maho yajaträh
10. te hi (jreshthavarcasas ta u nas
tiro vi^väni duritä näyanti
,Dcnn sie sind heilsam, wdrksam, sie geleiten uns über alle
Gefahren.'
10. 37. 4. c) tenäsmäd vi9väm äniräm änähutim
dpämiväm äpa dushväpnyam suva
Beiträge aus dem Rg-Veda. 247
5. a. vi9vasya hi prcshito rakshasi vi^atäm
b. ahclayaiiD uccarasi svadhä äiivi
~ Darum scheuche vor uns jedes Siechthum, Uufrömmio^-
keit^ Drangsal, unruhigen Schhif; denn ausgesandt achtest du
auf eines jeden Thun, wenn du deiner Gewohnheit nach freund-
lich aufgehst o Sonne, oder auch wenn du keinem zürnend
d. i. unparteiisch dich erhebst. Hier ist die Zeile b der Zeile
a untergeordnet, wie diese der vorhergehenden Strophe, Hieher
kann man als Beispiele ziehen das oben citirte 8. 18. 2 und
das später anzuführende 7. 60. 10.
Dagegen ist unbetont :
6. 10. 1. puro vo mandram divyäm suvrktim
prayati yajne agnim adhvare dadhidvam
pura ukthebhih sa hi no vibhavä
svadhvarä karati jätavedäh
Stellt ihn voran unter Lobliedern, denn unser ist der
Scheinende, ein wohlgelungenes Opfer bringt, der die Wesen
kennt. Der untergeordnete Satz ist sä hi no vibhavä; es wäre
denn karati zu lesen.
ü nahi (Whitney 397) steht immer inRelativsätzen, z. B. 7.
4. 8, 7, 23. 2, 8. 24. 12, 10. 71. 6, 10. 131. 3
2. 28. 6 dämeva vatsäd vi mumugdhy änho
nahi tvdd ärc nimisha^ cane^e
M. Müller History of ancient Sanskrt Literaturc 1 . cd. 26
,take away my sin like a ropc from a calf ; for afar from thee
I am not the master even, of a twinkling of the eye.^ Folgt
auf den Relativsatz, in welchem nahi steht, noch ein zweiter
luitergeordnctcr ijtjatz, so ist auch in diesem das Verbum betont.
8. 91. 19 nahi me ästy äghnyä
na svädhitir vänanvati
äthaitädfg bharämi te
Da ich keine Kuh habe (Säyana yasyäh payasäjyena ca
tväm yajeya), da mir keine Axt zu Gebot steht (Säyana sva-
dhitih käshthäni lianti yäis käshthäis tväm samindhiya), so bringe
ich dir auch so weniges dar.
6 nct steht nur in Relativsätzen. Whitney 399, Bhäshika
Sutra 6, Böhtlingk §. 60 q.
8. 5. 39. raäkir enä patha gäd
yeneme yänti ccdäyah
248 Mayr.
anyö net surir öhate
bliüridävattaro jäuali
Dass nicht ein andrer Besteller der Opfer für einen frei-
gebigem Mann gelte. Die bei Whitney 399 citirte Atharva Veda
Stelle 18. 2. 58 erscheint im Rg-Veda 10. 16. 7 betont; auch
Atharva Veda 2. 27. 1 ist zu corrigen, da das Verbum im
Relativsatz steht:
necchatruh pra^am jayäti 1. jäyäti sähamänabhibhürasi
Dass der Feind nicht Lebensvorrath gewinne, das bringst
du zu Stande. Die lose Construction ,der Feind erlangt keine
Lebensmittel, du bist mächtig;, überlegen^ scheint mir Weniger
Wahrscheinlichkeit für sich zu haben.
7 Es gibt aber auch Fälle, wo Relativsätze^ die an der Spitze
eines Satzgefüges stehen, weder das relative Pronomen noch
andere angeführte Conjunctionen oder Partikel enthalten z. B.
10. 148. 1
sushvänäsa indra stumäsi tvä
sasavänsap ca tuvinrmna väjam
ä no bhara suvitam yäsya cäkun
tmänä tänä sanuyäma tvötäh
Wenn wir o muthiger Indra gekelterten Trankes dich
preisen um Schätze zu erlangen, so bring uns Reichthum, wessen
wir uns erfreuend selbst und unsre Nachkommenschaft in deinem
Schutz gedeihen mögen. Auch Säma Veda 1. 4. 1. 3. 4 betont.
Andere Relativsätze, die nicht an der Spitze stehen sind:
6. 47. 31 säm äcvaparnä9 cäranti no näro
'smäkam indra rathino jayantu
Wenn unsre auf Rossen dahin fliegenden» Männer in den
Kampf ziehen, so mögen unsre Helden siegen o Indra, vgl.
Atharva Veda
6. 126. 3 säm ä9vaparnä9 patantu no näro
'smäkam indra rathino jayantu
7. 60. 10 sasvä9 cid dhi sämrtis tvcshy eshäm
apicyena sähasä sähante
yushmäd bliiyä vrshano rcjamänä
däkshasya ein maliinä mr]ätä nah
Denn geheim ist ihr Kampf, (miträdinäm Säyana) sie
siegen durch verborgne Gewalt, vor Schrecken zittern wir vor
euch 0 Helden, auch wenn ihr in eurer Gesinnungsgrösse
Beitrage aus dem Rg-Veda. 249
uns gnädig erweiset. Mit nirlnta nal.i i;inen neuen Satz l)eginnen
zu lassen wage icli nicht. Säyana eikläi't: Ijliityä kanipaniänä
Miavanti virodliinah, yasmadevam tasinadyushmakani balasya
inaliattveuäsinabhyamupadayäni kuiiita, 10. 55. 5 und Sania
Veda 1. 4. 1. 4. 3
c) devasya pa9ya kavyani nialiitvä
adyä mamära sa hyah säni äna
Und stirbt er heute;, so ist er gestern wieder aufgelebt.
Vielleicht ist auch das früher citirtc 3. 1. 1. a und b und
4. 22. 4 hieher zu ziehen.
8 Auch erseheint das Ver])uin l)etont in Fragesätzen mit
kuvid z. B. 7. 15. 4
nävam nu stöniani agnaye
diväh cyenaya jijanam
väsvah kuvid vanati nah
Ein neues Preislied habe ich für Agni den Falken des
Himmels geschaffen, ob er uns Güter verschaffen wird. Auch
in der directen Frage
3. 43. 5 kuvin mä gopäm kärase janasya
kuvid räjänam maghavann rjishin
kuvin ma i'shim papvansam sutasya
kuvin me väsvo amrtasya yikshäh
auch 7. 58. 5, 8. 69. 3, 80. 4, 85. 10, 92. 9, 9. 19. 5, 10, 04.
13, 1. 33. 1, 1. 143. 6 etc.
Die Betonung des Verbum finitum mit kuvid führt auch
Whitney 418, Bhäshika Sütra 7 und B(ihtlingk 60. i an, wähi-end
Sätze mit kirn unaccentuirt bleiben. Der Unterschied liegt darin,
dass mit kuvid die Thätigkeit selbst in Frage gezogen wird,
kirn nach dem Grund oder Object der Handlung forscht. Nur
ein unbetontes Beispiel findet sich:
5. 3. 10. c) kuvid devasya sahasä cakäuäh
d) sumnam agnir vanate vavrdhänäh
Wird Agni mit der Gewalt eines Gottes liebend, erfreut
Gnade spenden. Man könnte geneigt sein, den päda c als be-
sonderen Satz zu fassen, doch ist es einfacher vanate zu lesen.
9 Ferner bestätigt sich im Rk die von Bühtlingk §. 60 r)
angeführte Kegel, nach welcher ein Imperativ, der auf einen
Imperativ eines Verbuins der Bewegung folgt, vorausgesetzt;
250 Mayr.
dass beide Verba ein gemeinscliaftliclies Subjcct haben, den Ton
behält; der zweite Satz verhält sich untergeordnet zum ersten.
7. G8. 1 ä 9ubhrä yätam a^viuä svd^vä
giro dasrä jujushäna yuväkoh
havyäni ca prdtibhrtä vitdm nah
O glänzende A9vinä, Gefallen findend an den Anrufungen
eures Verehrers, kommt herbei auf trefflichen Rossen, um die
euch dargebrachten Gaben zu geniessen.
Wahrscheinlich auch 7. 68. 2.
7. 71. 2 upäyätam däpüshe martyäya
räthena vämäni a9vinä vahantä
yuyutam asmad aniräm amiväm
divä nahtam mädhvi träsithäm nah
Auf einen Wagen Güter herbeiführend kommt o Ayvinä
zu dem euch huldigenden Menschen, um Krankheit und Drang-
sal von uns zu scheuchen und uns o süsses Liebende, bei Tag
und Nacht zu schützen.
8. 4. 3 äpitvc nah prapitvc tüyam ä gahi
kdnveshu sü säcä piba
Beim Anbruch des Morgens komm schnell in Freund-
schaft herbei; um mit uns den Kanvideu zu trinken.
8. 17. 1 ä yähi sushuma hi ta
indra somam pibä imam
Komm herbei o Indra, diesen Soma zu trinken, da wir
ihn für dich kelterten. Zur Ausflucht zu greifen mit pibä einen
neuen Satzabschnitt beginnen zu lassen, ist man nach den vor-
hergehenden Beispielen nicht genöthigt.
8. 17. 11. auch Atharva Veda 20. 5. 5 Whitney 419
ehim asyä dravä piba
Komm, um schnell von ihm (dem Soma) zu trinken, dräva
(padapätha) scheint adverbiell gebraucht (wie andere instru-
mentale ?)
3. 33. 10 ä te käro ^rnavämä väcänsi
yayätha darad dnasä räthena
ni te nansai pipyäncva yöshä
märyäyeva kanyä 9a9vacai te
Gehört haben wir (Flüsse) deine Rede o Sänger (d. i.
tava samihitaip prayojanam kurma Säyana), von weit kamst
du mit Karron und Wagen ; nieder will ich mich vor dir beugen
Beiträge aus dem Eg-Veda. 251
wie ein strotzendes Weib, um mich dir wie ein? Mädchen ihiem
I^iebhuber zu öffnen (d. i. die Höhe meines Wasserstandes
möge sinken, dass du mich durchwaten könnest). (Vgl. Sayana's
prüde Erklärung.)
C Das Verbum erscheint ferner betont, wenn auf dasselbe
ein zweites bezogen wird; sei es, dass die unmittelbare Folge
der anderen Handlung oder Thätigkeit auf die erste ausgedrückt
werden soll, oder dass das erste Verbum als begrifflicher Gegen-
satz zu der durch das zweite bezeichneten Thätigkeit hervor-
gehoben werden soll. Einzelne der hier angeführten Fälle werden
vielleicht im Vorsatze eine untergeordnete Fassung zulassen
und der zweite Satz muss demnach als Hauptsatz aufgefasst
werden, doch der Versuch, diese Fälle insgesammt als Beistück
zu den unter B) behandelten zu fassen, scheint gewagt. Whit-
ney 399.
1 Dies geschieht, wenn anyä — anyä sich in zwei Sätzen
gegenüberstehen und die Verben verschiedene Thätigkeiten aus-
drücken. Whitney 400 when anya-anyd stand opposed to one-
another, as subject or as object, in two likc clauses, the verb
of the first clause retains its accent.
Böhtliugk §. 60 s) Nach eka-eka, anyä-anyä kann in den
Veden das erste Verbum fiuitum seinen Ton behalten.
Im Rg finden sich nur da betonte Verba wo anyä-anyä
sich als Subjecte gegenüber stehen. D(jch finden sich im Atharva
Veda 13. 2. 11 und 9. 10. IG, wo sich anyä-anyä als Subjecte
gegenüberstehen.
9. 10. 16 ny änyäm cikyür nä ni cikyur anyäm
Während sie den einen bemerkten, sahen sie den andern
nicht.
Kg- Veda 1. 164. 20 Atharva Veda 9. 9. 20.
täyor anyäh pippalam svädv ätty
äna^nann anyo abhi cäka9iti
Während der eine der beiden Vögel süsse Beeren isst,
blickt nicht essend der andere herum.
2. 40. 5 vi^väny anyo bhüvanä jajäna
vi^vam anyo abhicäkshäna eti
3. 9. 3 prä-pränye yänti päry anyä äsate
3. 55 4 anyä vatsäm bhärati ksheti matä
252 Mayr.
Während der Himmel das Feuer als Kind (den Blitz)
nährt, beherberg-t es die andere der Mütter, die Erde.
6. 68. 3 vajrenänyah pävasä hanti vrträm
sishakty anyo vrjäneshii viprah
Schlägt der eine (ludra) kraftvoll mit dem Donnerkeil
den Feind, so hält sich (Varuna) der andere, der Sänger in
eingehegten Orten (d. i. bei den Menschen) auf.
7. 82. 5 kshemena mitro värunam duvasyati
marüdbhir ugrdh pübham anya iyate
Pflegt Mitra im Frieden Varuna's Gesellschaft, so zieht der
gewaltige Indra mit den Maruts stürmend.
7. 82. 6 ajämim anyäh ^nathäyantam ätirat
dabrebhir anyah pra vrnoti bhüyasah
padapätha a -}- ätirat (vgl. 4. 30. 3 unter B. 1. ß.) be-
wältigt der eine den feindlichen Durchbohrer, so wehrt der
andere mit wenigen viele ab.
7. 83. 9 vrträny anyäh samitheshu jighnate
vratäny anyo ablii rakshate sädä
7. 85. 3 krshtir anyo dhärayati präviktä
vrträny anyo apratini hanti
Erhält der eine erschütterte Menschen, so erschlägt der
andere unwiderstehliche Feinde.
Rg-Veda 10. 85. 18 und Variante Atharva Veda 7. 8. 11.
vi^väny anyö bhi'ivanäbhicashta
rttinr anyö vidädhaj jäyate pünah
Ueberblickt der eine alle Wesen, so wird der andere die
Zeiten ordnend immer wieder geboren.
3. 55. 11 täyor anyad röcate krshnäm anyäd
Note. Zu bemerken ist, dass die Präposition ihren Ton
verliert, wenn das Verbum betont wird z. B. 10. 85. 18 ätirat
7. 82. 6 bietet in der zehnten Silbe ein vor der folgenden
natürlichen Kürze gelängtes Augment; dies wird wohl auch 4.
30. 3 der Fall sein ,yäd dhä näktam ätirah' vgl. Kuhn Beiträge
zur vergl. Sprachforschung auf dem Gebiete des arischen etc.
III. s. 4(')0 und 464.
Das erste anya ist durch das Substantivum supplirt 7.
82. 5 — es fehlt das zweite 3. 55. 4.
Dagegen erscheint das Verbum unbetont, wenn das zweite
Verbum dieselbe Thätigkeit ausdrückt, wie das erste.
Beiträge aus J^m Rg-Voda. 2Di)
1. 93. 6 anyäip divo mutaricva jal)liara
dmatlmad anyain pari (^yenö ddreh
V(jm Himmel brachte den einen Mätari(?van herbei, ans
(lern Stein rieb der Falke den andern heraus, vielleicht liss ab
vom Felsen (nämlich die Somapflanze). Säyana:
mei'orupary avasthitatsvarg-atbaladahrtavati.
6. 57. 2 sömam anya upäsadat
pätave camvoh sutam
karambham anya ichati
Der eine macht sich daran, den in der Schale g-epressten
Soma zu trinken, der andre (Püshan) wünscht Grütze.
2. 40. 4 divy anyah sadanam cakra ucca
prthivyäm any(') adliy antdrikshe
Der eine schlug- seinen Sitz im Himmel auf, der andere
über der Erde in der Luft (vgl. 10. 16. 3 das auch nicht be-
tont ist unter A. 4. o.).
1. 93. 6 ist anya-anya Object; 1. 95. 1 ,bei Nacht, bei
Tag' Zeitbestimmung. Auch ist das Verbum unbetont, wenn
der Gegensatz durch die einander gegenüber stehenden Präpo-
sitionen ausgedrückt wird. Rg-Veda 10. 137. 2 Atharva Veda
4. 13. 2
daksham te anya a vätu
paränyo vätu yäd räpah
Der Eine (wii-d) möge dir Tüchtigkeit zuwehen, der
andre jedes Gebrechen verscheuchen. Vgl. Whitney 400 der ä
vätu lesen will.
10. 37. 3 präcinam anyad änu vartate räja
üd anyena jyotishä yäsi sürya.
1. 123. 7 dpänyäd ety abhy anyad eti
vishurüpe ähani sdm carete
Auch ist das Verbum nicht betont^ wenn anyä-anyd copu-
lativ zu fassen ist 2. 35. 2 .
sam anya yanty üpa yanty anyah
samäuäm ürväm nadyah prnanti
Es vereinen sich die einen, es nähern sich die andern,
denselben Behälter füllen die fliessenden. Zu bemerken ist, dass
in den Beispielen von 6. 57. 2 an eine Präposition dem Ver-
bum vorangeht; während 2. 40. 4 nur ein Verbum enthält.
254 Mayr.
Auch kann demnach keine Betonung stattfinden 10. 97.
14, wo die Subjecte in beiden Sätzen dieselben, und auch die
durch die Verben bezeichnete Thätigkeit eine ähnliche ist.
anyä vo anyäm avatv
anyänyasyii upävata
Eine (Pflanze) möge die andere fördern, eine die andere
unterstützen (nämlich bei der Vertreibung des yakslima).
2 eka-eka. Whitney 400. Böhtlingk §. 60 s).
Das erste Verbum wird betont, wenn es eine andere
Thätigkeit ausdrückt als das zweite.
3. 2. 9 tasam ekäm adadhur martye bhüjam
u lokäm u dve üpa jämim iyatuh
Das eine der drei Feuer gaben die Unsterblichen dem
Sterblichen zur Benützung, die beiden andern erhoben sich in
die ihnen verwandte Welt, d. i. in den Himmel.
Diese ist die einzige Stelle, wo das Verbum mit eka-eka
betont ist.
Dagegen sind unbetont 1. IGl. 9, wo dasselbe Verbum
dreimal wiederholt ist,
apo bhfiyishtäh ity cko abravid
agnir bhttyishtha ity anyo abravit
vadharyantim bahüljhyah praiko abravit
1. 1G4. 44 wo die verschiedenen Erscheinungsformen des
Agni, Sürya und Väyu dargestellt werden.
b) sainvatsare vapata eka eshäm
vicvam eko abhi cashte ^acibhir -
dlirajir 6kasya dadr^e nA rüpam
b) Säyäna erklärt näpitakäryam karoti Durga: agnis prthi-
vim dahati, vgl. Nirukti 2. 27.
4. 58. 4 wo sich jajäna und nish tatakshuh gegenüber-
stehen, deren Bedeutung dieselbe. Der Rbhtis Thätigkeit beim
Opfer wird 1. 161. 10 geschildert:
9r6nam eka udakdm gam ävajati
mänsAm ekah pin^ati sünäyal)hrtam
a nimrucah ^dkrd eko dpäbharat
Der Eine Jagt die lahme; Kuh ins Wasser weg, der Eine
haut das herbei gebrachte Fleisch mit dem Messer ans, der
Eine schafft bis zum Abend den Mist weg.
Beiträge aus dorn Rg-Veda. 255
tva-tva. Das Vcrbum bleibt mit tva-tva uubotunt z. B.
10. 71. 4
utd tvah pd9yan nd dadar^a vacani
utd. tvah ^rnvdn iiA yrnoty onam
ut6 tvasmai taiivani vi sasre
jäyöva patya u^ati suväsrih
Doch ist betont 10. 71. 11 c)
rcäm tvah pösham ästö pupushvan
g-äyatram tvo i^jlyati ^akvarishu
brahma tvo vddati jätavidyäm
yajndsya maträm vi mimita u tvah
Dem einen strömt eine Stelle von Liedern 7A\, der eine
singt g-ayatris in Menge, der eine sagt vom urspi'ünglichen
Wesen der Dinge, der eine misst des Opfers Maass, s. auch
C. 5. Rg-Veda 8. 37. 6.
Die Betonung ist nach C. 6 eingetreten.
Dagegen ist richtig betont, da am Anfang das päda Atharva
Veda 8. 9. 9 vgl. Bfihtlingk und Roth tva-tva.
3 va-vä Das erste Verbum ist ausnahmlos accentuirt. Whit-
ney 401. Bhashika Sütra 15 und 23 [vgl. Böhtlingk GO t)].
Bhäshika Sütra 15. viniyogah. viniyoge yad ilkhyätam
tad vikriyate, sa ca viniyogo drashtavyo ya9 ca manträdau deva-
täpade vä bhavati, tadabhäve kvacit; und 23 viniyoge tu
pvirvapadam. viniyoge tu pürvapadam vikriyate na dvitiyam.
Beispiele 7. 16. 11, 7. 104. 9, 10. 70. 5
divö vä sann sprcdtä vdriyah
prthiväy vä mätrayä vi ^rayadhvam
Aus einem Aprisüktam, in welchen der fünfte Vers an die
devir dväräh gerichtet ist (M. Müller Hist. 4(34) ,ob ihr des
Himmels In-eite Decke erreicht, oder euch so weit aufthut,
wie die Erde ist.'
Auch ist das Verbum des ersten Satzes betont, wenn das
des zweiten hinzu gedacht werden muss. 10. 129. 7
a) iyam visrshtir ydta ä ba])hfiva
b) yddi vä dadhe yädi vä nd
ist schon des yddi wegen accentuirt.
Note. In b scheint dadhe am Ende hinzuzufügen wie d. ib.
10. 10. 14 Atharva Veda 18. 1. 16. Whitney 401.
256 Mayr.
5. 41. 1 rtäsya vä sädasi träsithäm no
yajnäyate vä pacuslio na väjän
padapatha pacu-sali also ein Genetiv sing, oder Accusativ
plur. ef. Bülitling-k Decl. 53 und Oppert §. 174; schützt uns
im Sitze der Wahrheit, oder spendet uns eurem Verehrer die
Kräfte eines Beutemachers. 1
4 ca-ca. Das erste Verbum wird immer betont Whitney
401. Böhtlingk §. 60 t) Bhäshika Sütra 9. und 26 samuccaye
und samuccadvaye pürvam äkhyätapadam vikriyate nottaram.
Die daselbst angeführten Beispiele sind sämmtlich mit ca-ca
construirt.
Schon im väkyacesha sind citirt 2. 92. 2, 4. 51. 11, 7.
83. 1, 7. 86. 1, 10. 32. 12.
Hieher gehören 1. 77. 2
sa cä b(')dhati manasä yajäti
1. 123. 12 parä ca yanti pünar a ca yanti
bhadrä näma vahamanä ushasah
auch 1. 164. 51 samänäm etad udakäm
üc caity ava cahabhih
3. 46. 2 sä yodhäyä ca kshayayä ca janän
Rege zum Kampf auf und befriede die Menschen.
3. 53. 20 ayam asmän vanaspätir
mä ca ha mä ca ririshat
Nicht möge uns dieser Wagen verloren gehen, nicht uns
schädigen.
8. 35. 11 prajam ca dhattäm dravinam ca dhattam
In den bisher angeführten Beispielen stehen die beiden
Verben im selben päda, in den folgenden dagegen in zwei auf-
einander folgenden; das Subject ist wie in den vorhergehenden
Fällen dasselbe.
2. 29. 2 abhikshattäro abhi ca kshamadhvam
adyä ca no mrläyatä param ca
Die ihr die Feinde vernichtet, zeigt euch gnädig; verr
schonet uns jetzt und künftig.
8. 11. 10 sväm cägne tanvam piprayasva
asmäbhyam ca saübhagam a j^ajasva.
Deinem Kiirpcr o Agni thue i;-ütlich und uns eropferej
Wohlstand.
Beiträge aus dem Bg-Veda. 257
Eigentlich dasselbe log-iscbe Subjeet ist auch 6. 34. 1 und
7. 38. 3
6. 34. 1 sam ca tve jag-mür gira indra pürvir
vi ca tvad yanti vibbvo manisliäh
6. 38. 3 brahmTica giro dadhire säm asmin
mabaiic ca stomo ädlii vardhad ludram
ca Uta findet sieb nur einmal^ das erste Verbum ist betont
10. Gl. 23 pärä ca väksbad uta parsliad enän
ca-id mit Betonung des ersten Verbums nur Atharva Veda
1. 17. 2 c. d. Whitney 412.
uta-uta. Das erste Verbum wird nicht betont. Atharva Veda
7. 5. 5 ist wahrscheinlich des viniyoga wegen betont; ,ob sie
mit einem Hund oder mit Gliedern einer Kuh opfern.'
Belege für die Nichtbetonung sind: 1. 153. 4, 5. 81. 4
und 5, 7. 41. 4, 10. 71. 4, 10. 117. \, 10. 142. 3, 10. 137. 1.
cid-cid. Das erste Verbum bleibt unbetont z. B. 1. 191.
10, 2. 12. 15, 4. 18. 8, 3. 53. 22
para9Üm cid vi tapati
9imbalam cid vi vr9cati
Den Donnerkeil zerschmettert er so wie er Schotten zer-
reisst. (Für diese Uebersetzung spricht 4. 20. 6
ädartä väjram sthaviram na bhima
udneva koc^am vasunä nyrshtam
bersten machte er den festen Donnerkeil durch Wasser, wie
einen mit Gold vollgestopften Schlauch.)
Auch mit cid-ca bleibt das erste Verbum unbetont 1.
129. 12.
mä-mä betont nicht z. B. 3. 53. 17, 9. 114. 4; — die
beim väkya 9eshah citirten 2. 42. 2 und 5. 65. 6 sind der vor-
gehenden Präposition wegen nicht betont.
nd nä. Betont sind da im vCd^ya 9eshah stehend ] . 1 24.
6, 1. 170. 1, 1. 1G5. 9^ 10. 117. G. Das erste Verbum bleibt
unbetont, z. B. 3. 53. 23, 3. 59. 2, 6. 28. 3 und 4. Doch ist
betont 3. 53. 14
kirn te krnvanti kikateshu gävo
• • • o
nä9iram duhre na tapanti gharnijlm
Geben sie (die Kühe) keine Milch (für das Opfer), so
; hitzen die Kikatäs auch keinen Kessel (dafür). Ich lasse dahin
' gestellt, ob uä9iram duhre als Relativsatz zu fassen sei, oder
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVm. Bd. II. Htt. 17
258 Mayr. i
ob eine Satzhäufung im päda anzunehmen, oder ein viniyoga
(vgl. auch erire 1. 6. 4, auch eine Form auf re [vgl. Ludwig
- 75 und SO.] die dem Infinitiv auf se sehr nahe steht).
5 Es folgen die Fälle, wo sich begriffliche Gegensätze gegen
über stehen und das erste Verbum betont ist.
1. 34. 11 präyus tarishtam ni räpänsi mrkshatam
Verlängert das Leben, verwischet unsre Gebrechen.
1. 152. 3 rtäm piparty änrtam ni tärit
Er fördert das Wahre, wirft nieder das Unwahre.
3. 55. 7 änv agram carati ksheti budhnah
Säyana divi süryabhuto vartate, sarvasya karmano müla'
bliütah, sann, bhümau ni vasate.
6. 10. 7 ni dveshänsinuhi vardhäy^läm
Verscheuche was uns feindlich, mehre unsre Lebenskraft
Vielleicht auch
1. 35. 9 dpämivam bädhate veti stlryam
8. 8. 23 trmi padany a9vinor
ävih sänti guhä paräh
padapätha santi Säyana ävirbhavanti
tvam ävasi
na tvam dvitha 9acipate
Jenen förderst du zur Herrschaft, jenen förderst du nicht,
0 Herr der Gewalt.
In folgendem Fall sind die Verben in den beiden ersten
pädas accentuirt, während die den Gegensatz ausdrückenden
beiden folgenden Verben unbetont bleiben. 4. 18. 8
mämac cand tvä yuvatih paräsa
mdmac canä tvä kushävä jagära
mamac cid äpah ^i^ave mamrdyur
mdmac cid indrah sahasod atishtat
Dagegen sind nicht accentuirt da als Frage gefasst der
Vorsatz 1. 170. 2
kim na indra jighänsasi
bhrätaro marütas tavä
tebhih kalpasva sädhuya
mä nah samdrane vadhih
6 Wir lassen die Fälle folgen, wo bei einfacher Häufung,
vielleicht um die schnelle Aufeinanderfolge der Handlungen
oder Thätigkeitcn auszudrücken, das erste Verbum betont wird,
Beiträge aus dem Ri,'-Veda. 259
über das zweite lässt sich eigentlich kein Urtheil fälhM), da es
in der Reg'el an der Spitze des neuen Satzabschnittes stellend,
schon darum den Ton behält. Doch s. 1. 171. 1. Hicher gehört
Atharva Veda 5. 18. 4
nir väi kshaträni näyati hänti vdrcah
bei Whitney 407.
1. 40. 8 upa kshatram prncita hanti rajabhih
1. 133. 6 avdr mahä indra dädrhi crudhi nah
2. 35. 12 säm sänu märjmi didhishänii bilmaih
Ich reinige den erhöhten Ort (wo das Opfer dargebracht
werden soll), mit Spänen will ich ihn belegen.
3. 33. 12 ä vakshänäh prnädhvam yäta Qibham
Füllt euer Bette, geht schnell (o Flüsse)
Roth zur Litteratur und Geschichte des Veda 105
3. 38. 3 sam mäträbhir mamire yemür urvi
Sie massen die beiden Welten, sie hielten sie.
4. 25. 7 äsya vedah Idiidäti nagnäm
An sich reisst er dessen Gut, erschlägt den Nackten.
9. 68. 4 säm jämibhir näsate rakshate ^irah
10. 42. 5 täsmai 9atrünt sutiikän prätär älino
ni sväshträn yuvati hanti vrtram
Dem gibt Indra schon früh am Morgen (nach dem sam-
gava wie Säyana 5. 76. 3 erklärt) seine an Kindern und Her-
den reiche Verfolger in die Hände, tödtet dessen Feinde.
In den angeführten Beispielen ist das Subject der beiden
Verben dasselbe und die Verben folgen unmittelbar aufein-
ander, nicht so in den folgenden Beispielen 1. 6. 23 =:
10. 68. 10 bi'haspatir bhinäd ädrim vidäd gäh
und 1. 171. 1 ni hclo dhattä vi mucadhvam ä^vän
Euer Zorn lege sich, spannt die Pferde ab.
2. 4. 10 indro aiiga mahad bhayam
abhi shäd dpa cucyavat
In allen Beispielen kann man bemerken, dass das zweite
Verbum eine andere Thätigkeit ausdrückt als das erste, während
in Fällen, wo der zweite Satztheil den ersten näher erklärt,
bestätigt, die Betonung des ersten Verbum nicht einzutreten
! scheint, z. B. 5. 2. 1
kumäram yuvatih mätä samubdham
gühä bibharti nä dadäti pitre
17*
260 Mayr.
Vei'schiedene Subjecte haben die unmittelbar aufeinander
folgenden Verben.
5. 45. 3 vi päivato jihita sadhata dyaüh
Vom Platze weicht die Wolke,, es glättet sich der Himmel.
5. 53. 2 säm vidyütä dädhati va^ati tritah
Die Winde vereinen sich mit dem Blitz, es brüllt Trta.
5. 83. 4 prä vatä vanti patäyanti vidyüta
ud oshadhir jihate pinvate svah
Die Winde wehen, die Blitze fliegen, die Pflanzen richten
sich auf, der Himmel schwillt an.
9. 69. 2 upö matih prcyate sicyäte mädhu
Das Gebet mehrt sich, gegossen wird der Soma.
9. 72. 1 üd väcam irayati hiuvate mati
Er erhebt seine Stimme, es eilt das Gebet.
10. 36. 5 endro barhih sidatu pinvatäm ilä
Indra setze sich auf die Opferstreu, es schwelle die Liba-
tion. Mit nicht unmittelbar aufeinander folgenden Verben 9. 71. 3
vrshäyate näbhasä vepate mati
In allen citirten Beispielen sind die bqiden Verben in
derselben Person ; ist dieses nicht der Fall, so Avird das erste
nicht accentuirt z. B. 6. 2. 2
kam etäm tväm yuvate kumäram
peshi bibharshi, mahishi jajäna
Den Knaben, den du o junge Frau als Wärterin trägst,
hat eine Gewaltige geboren. Säyana erklärt peshi hinsikä
pi^äcikä satt — kumära Agni — mähishi püjaniyäranih d. i,
Reibholz.
Hieher scheint zu stellen 10. 40. 9
jänishta yoshä patayat kaninakö
vi cäruhan virüdho daüsänä anu
äsmai riyante nivaneva sindhavo
'smä ahne bhavati tat patitvanam
Eine mystische Stelle über die Thätigkeit der A9vin b
,es trieben aus die Pflanzen in Folge ihrer Wunderthaten'
scheint sich mit den in a vorhergehenden Verben gegen c und
d durch die Betonung abzuheben, wie sonst das Verbum des
Vorsatzes gegen das des Nachsatzes; schwierig ist es, b als
Relativsatz zu fassen. Böhtlingk und Roth liest kaninaka s. ib.
Beiträge aus dem Rg-Veda. 261
Es folgen die Beispiele, wo die Verben in zwei aufein-
ander folgenden padas stehen. Dasselbe Verbuni steht I. 164. 51
bhttmim parjanyä jinvanti
divam jinvanty agnayah
Die Erde erfrischen Regenwolken, den Himmel die Opfer-
feuer, ähavaniyädyäh Säyana. 7. 38. 6:
bhägam ugrö 'vase johaviti
bhägam änugro adha yäti ratnam
Der Gewaltige fleht Indra um Schutz an, der Mittellose
fleht zu ihm mn Habe.
1. 161. 6 indro hari yuyujc acvinä rätham
bfhaspatir vicvarüpam üpäjatä
rbhür vibhvä vajo devan agacchata
sväpaso yajuiyam bhagäm aitana
Indra schirrten die Falben an, die A<?vinä den Wagen,
Brhaspätih trieb die Vielgestaltige (gam Säyana) herbei; ihi-
Rbhus gelangtet zu den Göttern, Gutes wirkend erlangtet ihr ein
an den Opfern thcilhabendes Ivoos.
In 1. 164. 51, 7. 38. 6, 1. 161. 6 könnte man die Sätze,
in welchen das Verbum unbetont ist, auch untergeordnet fassen,
besonders 1. 164. 51, was das einzige Beispiel wäre, wo das-
selbe Verbum in beiden Sätzen steht, nicht so leicht:
4. 18. 9 mamac cana te maghavan vyaiiso
nivividhvän apa hänu jaghana
ädhä nividdha üttaro babhüvän
chiro däsasya säm pinak vadhena
Hieher gehört auch das oben citirte 3. 3. 1, dessen Zeile
a) übrigens auch als Relativsatz gefasst w-erden kann ,da du
0 Agni von mir des Somas Stärke verlangst, so hast du mich*
6. 72. 2 indräsomä väsäyatha ushasam
üt sttryam nayatho jyotishä saha
üpa dyäm skambhathuh skämbhanena
aprathatam prthivini mätaram vi
O Indra und Soma ihr macht aufleuchten die Morgen-
rötlic, ihr führt hinauf die Sonne mit ihrem Glanz, ihr stütztet
den Himmel mit einer Stütze, ihr strecktet aus die Mutter Erde.
Wir lassen nun die Fälle folgen, deren Classification be-
trächtlichere Schwierigkeiten bietet, oder die aus Mangel an
analogen Beispielen un erklärbar schienen.
262 Mayr.
In den zuletzt citirten Fällen^, wo die Verben, deren erstes
betont war, in verschiedenen padas standen, bezogen sich beide
auf dasselbe Subject oder standen doch in derselben Person;
daher scheinen uns die betonten Verben 4. 22. 4 und 10. 2. 2 in
Relativsätzen zu stehen.
4. 22. 4 vi^vä rodhänsi pravata9 ca pürvir
dyaür rshvaj jdniman rejata kshäh
ä mätärä bhärati cushmy a g'ör
nrvät pärijman nonuvanta vätäh
Bei der Geburt des erhabnen Indra bebten Himmel, Erde,
alle Höhen, Halden vor ihm; wenn er der Starke, die Eltern der
Kuh herbei bringt, da brüllen die Winde ringsherum. Die
Stelle scheint sich auf das Gewitter zu beziehen; was unter
mätärä goh zu verstehen sei, darüber wird Säyana kaum auf-
klären ;,süryasya mätäpitrbhutau dyäväprthivyau.'
10. 2. 2 svähä vayam krnäväma havinshi
devö devan yajatv agnir ärhan
,Wenn wir Opfer darbringen, so — '
cana. Nach Böhtlingk §. 60 a) wird das dem canä un-
mittelbar vorgehende Verbum betont. Es gibt nur ein Beispiel
6. 59. 4 ya indrägni suteshu väm
stävat teshv rtävrdhä ,
joshaväkäm vadatah pajrahoshinä
nä devä bliasätha9 canä
Ihr verzehret nichts o Götter, die ihr feiste Opfer habt,
von dessen gekeltertem Soma, der sinnloses redet; vgl. Atharva
Veda 7. 38. 4 Whitney 416.
Auch id wird dazu verwendet, um das Verbum hervor-
zuheben.
1. 149. 1 upä dhräjantam ädrayo vidhänn it. vidhänn it
Säyana ])üjayantyeva, ählädam janayantityarthah.
7. 32. 8 päcatä paktir ävase krnudhväm it M. Müller
roast roasts ; make him to protect us.
9. 96. 15 esliä syä sömo matibhih punänö
'tyo nä väji täratid ärätih
Dieser Soma unter Gebeten geklärt, überwindet gleich
einem raschen Pferde (beim Rennen) die Unholde.
1. 104. 5 adha smä no maghavaii carkrtad in
Ulli no magheva nishshapT pärä däh
I
Beiträge aus dem Rg-Veda. 263
Da mögest du Indra unser g-edenkeii, verschleudre
uns nicht wie ein Wollüstig-er Sehätze. In dii!S(;m Beispiel
könnte die Betonung auch durch die Bedeutung der Verben
motivirt werden s. C. 5.
Auch scheint Emphase angenommen werden zu müssen
10. 111. 3
indrah kila erutyä asya veda
sa hi jisnüh pathiki't süryaya
an menain krnvann dcyuto hhuvad goh
pfltir divah sanaja äpratitah
Indra fürwahr weiss über dessen Lauf, den er der Sieg-
reiche schuf, den Weg für die Sonne, er der seit Alters her
unüberwindliche Herr des Himmels wurde unerschütterlich, als
er dem Stier ein Weib schuf? Vielleicht kann man c. d auch
als Relativsatz fassen,, indem man selbe als eine Fortsetzung
des mit b) begonneneu untergeordneten Satzgefüges betrachtet.
1. 6. 4 ad aha svadham änu
pünar garbhatväm erire
dadhanä näma yajniyam.
Nach ihrer Gewohnheit (as usual, according to their wont
M. Müller ,Hymus to the Maruts') schwängerten wiederum, die
einen zu verehrenden Namen besitzen. Auch dieser Vers könnte
als Nebensatz zum folgenden fünften gefasst werden. Dass
dha nicht accentuirt wie bei Böhtlingk 60 m) steht, auch wenn
es lobend hervorhebt, beweisen 1. 48. 4, 1. 52. 11, ]. 84. 15
etc.; auch ät betont nicht s. Böhtlingk und Roth ät.
Ein Fall ohne Analogie ist 10. 95. 14. Die Antwort des
Purürava auf den Ratli der Urva9i, er möge nach Hause gehen,
da er der Thor sich nicht in ihren Besitz setzen werde.
14. sudevö adya prapated änävrt
parävatam paramam gantavä u
ddhä cdyita nirriter updsthe
'dhainani vrkä rabhasasa adyulj
M. Müller Chips IL 106 ,then may thy former friend
now fall down never to rise again ; may he go far, far away !
may he lie down on the threshold of death & may rabid
wolves their devour him.' Muir Journal L. A. S. new seriös I.
60 not. 2 the bright god may fly away & never return. Dass
hier Purürava seinen Entschluss in dem gegebenen Falle aus-
264 Mayr.
drückt und nicht ,wenn oder während^ übersetzt werden kann,
geht aus der Antwort der Urvaoi, 15. hervor, sudeva findet
sich auch 1. 74. 5, 5. 53. 15, 8. 5. 6 sudevyk 1. 112. 19, 10.
35. 4; ersteres erklärt Säyana cobhanadaivatam, kalyäna devo-
petah, oobhanä devah yena yashtavyah — letzteres praoastam jj
dhanam — dass von keinem Gott die Rede ist, beweist der
ganze Mythos ; das Wort scheint den Verehrer der wahren
Götter zu bezeichnen, und dies hebt Purürava der apsaras J
gegenüber hervor. ,Aufmachen möge sich der sudeva um in die
entlegenste Ferne zu gehen' . . . etc.
Emphasis scheint vorzuliegen Rg-Veda 10. 129. 7 =
Taittiriya Brähmana 2. 8. 9. 3
yö asyädhyakshah parame vyomant
so anga veda yädi vä na veda
s. M. Müller Hist. 563 1. ed.
(Bei Aufrecht ist so aiigä veda gedruckt.)
Der Imperativ piba erscheint 2. 37. 1. d und 3. 32. 1
a betont, in beiden Fällen gehen ihm Vocative vor.
2. 37. 1 mändasva hoträd änu jösham dndhaso
'dhvaryavah sd pürnäm vashty äsicam
tdsmä etäm bharata tadvaoo dadir
1
hotrad somam dravinodah piba rtübhih
Ergötze dich an dem Somatrank aus der Schale des hötar,
b) 0 adhvaryus (ihre Functionen s. M. Müller Hist. 173 etc.)
vollgegossen wünscht er sie c) bringt sie ihm, darnach ver-
langt der Spendende d) aus des hötars Gefäss trink zu den
Opferzeiten o Schätzespender.
3. 32. 1 indra somam somapate pibemäm
madhyandinam savanam carvi yät te
prapnithyä cipre maghavann rjishin
vimucyä hari ilia mädayasva
Hier könnte man eine schnelle Aufeinanderfolge der Hand-
lungen annehmen.
Auch findet sich in einigen Refrains das Verbum betont,
so vavdkshitha 8. 12. 4 und 5 und 6, vivakshase im Hymnus
10. 21 — vivakshase 10. 24 1—3, und im süktam 10. 25 das-
selbe; num kann sie als an dem Anfang eines Satzabschnittes
stehend, für richtig betont annehmen.
Beiträge aas dem Rg-Vedn. 2ß5
8. 12. 10 und 11 und 12 mlinita it kann auch des folgen-
den id wegen betont sein. Bleibt der Refrain 8. 34. 1 — 15
divo amüshja oasato
divam yaja divävaso.
Die Erklärung Säyana's ist noch unklarer als die Stelle
selbst (vgl. auch Ludwig über den Infinitiv in den Verben 124).
8. 2. 40 itthä dliTvantam adrivah
känvam medhyatithini
nieslio ])hüt6 'bhi yänn äyali
Sayana erklärt niesharüpatäm präpto, abhigacchan: ya
itvanuvartate. tadyosräcca tiüo nio-häta bliävah. vas tvaniavah
aganiavah tarn tväm stumab itvarthah: bhuta & abhi vänu
müssten also dasselbe Ijedeuten ; wahrscheinlich ist es. dass yän
näyah gelesen werden müsste, bes(jnders da auch die vor-
gehenden Strophen Relativsätze sind zu 37 a. b.
yajadhvainani priyamedha
indram saträcä inänasä
Doch könnte es vielleicht auch Relativsatz zu 14 sein.
10. 105. 4 säcäyor indrao carkrsha, padapätha -e, scheint mir
ein Infinitiv, vgl. 10. 22. 1 und 10. 74. 1. wo aber der Accent
fehlt und 8. 32. 2 krshe täd indra paiinsyam vgl. Böhtlingk und
Roth 2 kar. und Ludwig 75; auch die Variante Sänia Veda
1. .3. 1. 1. 3.
6. 48. 17 an Püshan. satobrhati; die Zeile 3 hat um eine
Silbe zu wenig, wenn nicht suaro zu lesen ist. vgl. Kuhn Bei-
träge b. rV^. S. 185.
6. 48. 17 mä käkambiram ud vrho vanaspätim
äoastir vi hi ninaoah
niöta stiro aha eva cana
griva ädadhate veh
padapätha c) ahar d) griväh
Sayana erklärt yathä vyädhä ])akshino haranärtham dä-
mäni (so griväh) jälarüpänyädadhate bhümyäm nidadhate taioca
nihitaih pakshino hurantyevam asmän bandhanopäyaih oatrur
(d. i. sttro) mä härshit. Die Schwierigkeit liegt darin, diese
Erklärung in die Stelle hineinzulesen. auf das ich eben so ver-
ziehte, wie ich unfähig bin eine andere zu geben. Ich über-
setze, nicht mögest du den Käkambirabauni ausreissen, Sayana:
rshih putrapautras ahitamätmäuani bahupakshyäerayavanas-
266 Mayr. Beiträge aus dem Bg-Veda.
patitv^eua rüpayau tasyänuddhäramägäste) vernichte die uns
Verwünschenden, dass sie nicht an einem Tage der Sonne
dem Vogel (tropisch wie käkambira) Schlingen legen (vgl. alt-
slovenisch griva, grivina) oder damit sie sich nicht in den
Besitz des Nacken des Vogels setzen, d. i. ihn in ihre Gewalt
bringen mögen, oder .damit man nicht der Sonne, des Vogels
oder der dahin eilenden Sonne Nacken erpacke'; (wie der
Poet sich mit dem Käkambirabamn verglichen, so geschieht
dieses jetzt mit der Sonne) oder könnte man an die Wurzel
svar ,tönen^ denken imd des singenden d. i. preisenden über-
setzen ; adc4dhate kann eben nm* eine dritte Person pluralis sein.
Der Relativsatz erklärt die Betonung des Verbum.
Noch sind zwei Beispiele anzuführen, die unter die Re-
lativsätze zu stellen sind, woher das Verbum betont ist.
1. 71. 4 mäthid yäd im vibhrto mätariovä
grhe-grhe oyeto jenyo bhüt
1. 100. 2 yäsyänäptäh süryasyeva yämo
bhäre-bhare \Ttrahä oiishmo ästi
Das Verständniss der Stellen lässt keinen Zweifel darüber,
dass diese Fälle unter B 1 a) und B. 1 ß) zu stellen seien,
doch zum Beweis, dass im Falle des anubandha, Bhäshika
Sütra 17 nicht accentuirt wird, führe ich die Fälle an, die sich
dafür in den ersten fünf mandaläs linden.
1) 123. 8, 123. 13, 124. 11, 168. 1, 182. 4.
3) 1. 21, 4. 1, 26. % 26. 6, 29. 14, 29. 15, 31. 20, 36. 1.
4) 7. 4, 8. 7.
5) 1. 5, 5. 9, 8. 5, 11. 4, 11. 6, 14. 4, 35. 7, 41. 15,
43. 2, 43. 15, 44. 4, 49. 1, 52. 17, 53. 11, 77. 2.
Li keinem dieser Fälle ist das Verbum betont.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISKKLICIIEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXVIII. BAND. III. HEFT.
JAHRGANG 1871. — JUNL
Sitzb. ä. phiL-hist. Cl. LXVlll. ßJ. 111. Htt. 18
XV. SITZUNG VOM 7. JUNI 1871
Der Secretär legt vor:
den im Druck vollendeten 5. Band der Tabulae Codicnm
Vindohonensinm.
Das w. M. Herr Prof. Sehen kl in Graz sendet ^Studien
zu den Argonautica des Valerius Flaccns^
Der Referent der Weistliümer-Commission , Herr Prof.
Siegel, tlieilt mit, dass einige neue Weistliümer für die aka-
demische Sammlung eingelangt sind.
Herr Prof. Theod. Mairliofer in Brixeu sendet für die
Schriften der historischen Commission ein Manuscript unter dem
Titel: ,Codex diplomaticus Tirolensis saec.XIV' (1300—1350).^
und Herr Dr. AI. Hub er in Salzburg eine gleichfalls zum
Abdruck in den Schriften der histor. Commission bestimmte
Abhandlung: ,Ueber das Vorleben Arno's, ersten Erzbischofs
von Salzburg'.
Die Aufnahme der Abhandlung von Herrn Prof. Hartel
,Homerische StudieiV in die Sitzungsberichte ^yird p^cnclimigt.
if,*
270
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Monatsbericht.
April 1871. Beriin; 8".
Archivio per TAntropologia e la Etuologia, pubblicato per la parte autro-
pologica dal Dr. Paolo Mantegazza, per la parte etnologica dal Dr. Fe-
Hce Fiuzi. I". Vol., fasc. 1. & 2. Firenze, 1871; 8".
Berlin, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus d. J. 1870 — 1871.
Berlin; 4".
Mittheilungen aus J. Perthes' geograpliischer Anstalt. 17. Band, 1871,
V. Heft. Gotha; 4".
Kandier P., Codice diplomatico istriano. 4".
Tahulae codicum manu scriptormn praeter graecos tt orientales in Bibliolheca
Palathui Vivdohoiiensi asservatorum. Vol. V. Vindohonae, MDCCCXXI; S".
Verein für Kunst und Alterthuni in Ulm und Oberschwaben : Verhandlungen
N. R. 2. u. 3. Ulm, 1870 & 1871; 4".
Pclieiikl. StuiliPM z« iIpii ArafniautiiM fies Valciiu^ Flai'cui^. '211
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaeeus
Dr. Karl Schenkl
wirklichem Mitg-liede der k. Akademie der ^Visseusehafteu.
JO ür die lange vernachlässigten Argonaiitica dcp Valerius
Flaccus hat bekanntlich zuerst G. Thilo in seiner Ausgabe
(Halle 1 863) durch sorgfältige Vergleichung der wichtigen Hand-
schriften eine sichere kritische Grundlage geschaffen und dar-
nach einen gereinigten , auf festem Boden beruhenden Text
hergestellt. Zugleich hat er in den Prolegomena eine Reihe
von Fragen über das Leben des Dichters, den Wertb und die
Beschaffenheit seines Gedichtes, die Ueberlieferung desselben
und das Verhältniss der Handschriften zu einander eingehend
und erfolgreich behandelt. Seitdem haben sich mehrere Ge-
lehrte dem fast vergessenen Dichter zugewendet und es sind,
nachdem schon früher die Emendationes Valerianae von F.
Eyssenhardt (Rhein. Mus. XVII, 37S ff.) und Ph. Wagner
(Phil. XX, 617 ff.), dann die Bemerkungen zu Valerius Flaccus
von H. A. Koch (Rhein. Mus. XVIII, 16o f.) erschienen waren,
in neuerer Zeit von Ph. Wagner (in seiner Recension der Aus-
gabe Thilo's, Neue Jahrb. tiir Phil, und Päd. 89, 382 ff".), H.
A. Koch (Coniectaneorum in poetas latinos, pars IL Gymn.
Progr. Frankfurt 1864), G. Meynke (Quaestiones Valerianae
Doctordiss. Bonn 1865 und Beiträge zur Kritik des Valerius
Flaccus, Rhein. Mus. XXII, 362 ff.), M. Haupt (Hermes III,
212 ff., IV, 153, vgl. n, 142, wo einige schöne, bisher nicht
272 Sehenkl.
bekannte Oonjcctureu J. Schrader's mitgetheilt werden), von
R. Löhbach (Observationes criticae in V. F. A. Gymn. Progr.
Andernach 1869), Pli. Braun (Observationes criticae et exege-
ticae in V. F. A., Doctordiss. Marburg 18G9); B. Hirschwälder
(Curae criticae in V. F. A., Part. I. Doctordiss. Breslau 1870)
ziemlich zahlreiche, aber dem Werthe nach sehr ungleiche Bei-
träge zur Kritik dieses Dichters geliefert worden. Doch bleiben
bei der grossen Verderbtheit des Textes noch Stellen genug
übrig, welche einer erneuten Behandlung bedürfen; auch sind
manche Fragen, wie jene über die Abfassungszeit des Ge-
dichtes und seine Ueberlieferung, keineswegs endgiltig erledigt.
Ich will daher im Anschlüsse an meine kürzlich erschienene
Ausgabe der Argonautica (Berlin, Weidmann 1871) diese Fragen
nochmals eingehend behandeln und diejenigen Veränderungen,
welche ich im Texte vorgenommen habe, ausführlich begründen.
Was wir von dem Leben des C. Valerius Flaccus wissen,
ist allerdings sehr wenig. Das cognomen Setinus weist auf die
Abstammung des Dichters oder seiner Familie aus Setia hin;
es bleibt aber ungewiss, ob darunter die alte Stadt in Latium
oder eine der beiden spanischen Städte dieses Namens (in
Hispania Baetica und Tarraconensis) zu verstehen ist. Erwägt
man, dass sich in dem Gedichte des Valerius zahlreiche Härten
im Ausdrucke finden, weshalb ihn Julius Scaliger mit Recht
duriusculns nannte , dass an manchen Stellen sogar eine ent-
schiedene Ungelenkheit der Form hervortritt, so sehr auch
Valerius sich den Vergil zum Vorbilde nahm und so häutig er
ihn auch nachahmte, dass es ferner bei unserem Dichter nicht
an neuen und kühnen, aber auch verfehlten Wendungen mangelt, ')
1) Ueber die Stileigeutliiiinlichkeiten des Valerius hat Thilo in deu Prolego-
mena (S. XIII if.) gehandelt; doch sind in dieser Erörterung nicht wonige
Stellen als aufl'ällig und als Verstösse gegen den Sprachgebrauch bezeich-
net, welche sich entweder befriedigend erklären lassen oder aber un-
zweifelhaft verderbt sind, wie dies auch Ph. Wagner in seiner Anzeige
Snulicu /.u ui'u Aiiri'iiauiir.i. des Valerins Placcus. )i i'o
8() möchte man in Valerins einen Provincialen verniuthen, wel-
flier trotz aller Stndicu doch niemals vollkommen in den Geist
der nimischen Sprache eindring-en, sich nie s^anz in dieselbe
einleben konnte. Und auf wclclies Heimatland unseres Dich-
ters Hesse sich da eher schliessen, als auf Spanien, das g-erade
in dieser Zeit Rom so viele bedeutende Talente auf dein Ge-
biete der Literatur geliefert hat.
(S. 382 ff.) nächgewiesen hat. Ich denke nun nicht daran hier eine Dar-
stellung des Stiles und Sprachgebrauches der Argonautica zu geben, son-
dern will mich bloss darauf beschränken die oben ausgesprochenen Sätze
durch einige Beispiele zu 1)elegeu. So gebraucht Valerins II, -280 die
Form occulerat statt occuluerat, welche sonst nirgends vorkommt; Tliilo
will daher occiduit schreiben, was aber nicht angeht, da, wie Wagner
(S. 390) richtig bemerkt, das Plusquamperfectum notliweudig ist. 11, 142
finden wir unzweifelhaft m/niius als epicoenum für nmitia gesetzt, wovon
sieh sonst kein Beispiel findet; es scheint hiezu eine falsche Deutung von
Verg. Aen. XI, 896 Veranlassung gegeben zu haben. Mehrfach Iiegegnet
man ungewöhnlichen Stellungen von que^ z. B. IV, 387, 474, ganz be-
sonders aber I, 501 siqjeri venturaque statt sxiperique Ventura, wo auch die
Construction von gmidere mit dem Accusativ tempora eigeuthümlich ist,
welche Statins Theb. IV, 231 (gaudent natorum fata parentes) nachahmt.
Eine kühne, aber verfehlte Fügung ist conj^ressus pectore tigres I, 491,
in welcher cortpressus gleich einem Particip des medialen Aorists im
Griechischen gebraucht ist. Wie ungefüge ist die Wortstellung II, 178
vel iam patriae vidisse per ignes culmen agi statt per culmen igne-i agi
(doch ist, wie das Vorbild Aen. IV, 670 zeigt, an der Stelle nichts zu än-
dern) oder V, 240 fatorum genitor ttitela riieorii/ni ovmitttens, wo genitor,
das zu tibi gehört, unpassend zwischen ttitela und den davon abhängigen
Genetiv fatorum eingeschoben ist , wie ungeschickt der Ausdruck II, 222
confeiTe viatms etiam magnhque parutae cum facihus, wo pai-atae einmal
mit einem Infinitiv verbunden wii-d und dann wieder absolut mit dem
Beisatze niagiiis cum facibus steht. Seltsam ist auch inconditus I, 808 in
der Bedeutung ,nicht geschaffen', dem sich nur Tert. adv. Hermog. 18
(ne quid iunatimi et inconditum jjrae^e^- soluin deiivt crederemus) au die
Seite stellen lässt; nenius, was andere Dichter nur in der Bedeutung von
,Baum, Baumstamm' venvenden (Luc. I, 4.53, Sen. Herc. für. 1216), ge-
braucht Valerins im Sinne von ,Aeste und Laub' III, 444 truncus uemo-
rum quercus, wo der Genetiv von truncan abhängt, und I, 755, wie die
Verbindung mit vestemque zeigt, sogar gleich einem coronam. Nocli auf-
fälliger muss silvae VI, 2'23 in der Bedeutung ,Webebaum, Webestuhl' er-
scheinen; ist doch selbst eoae stamine silvae VI, 699 ein befremdlicher
Ausdruck. Manche unklare und dmiklc Stellen, wie z. B. Ill, 192 fi'.,
bringe ich hiebei nicht in Anschlag, da sie auch auf Rechnung der Un-
fertigkeit des Gedichtes kommen können.
274 Schenkl.
Aus dein Prooemium der Argouaiitica ersehen wir, dass
Valerius zu dem Colleg-ium der sibyllinischen Fünfzehnmäuner
gehörte (5 ff.), dass er sein Gedicht dem Vespasian gewidmet
(7 ff.) und das Prooemium nicht lange nach der Einnahme von
Jerusalem durch Titus (70 n. Chr., vgl. 12 f.) abgefasst hat.
Wenn wir noch hinzufügen, dass man aus Quintilian X, 1, 90
(mnltum in Valerio Flacco nuper amisimus) die ungefähre Zeit
seines Todes erschliessen kann (denn die Institutiones sind um
90 n. Chr. abgefasst und somit ist Valerius jedenfalls vor dieser
Zeit gestorben), so sind alle Nachrichten über das Leben un-
seres Dichters erschöpft. Dass der Freund des Martial, Flaccus
aus Patavium, niclit, wie man früher glaubte, mit Valerius iden-
tisch ist, hat Thilo (V ff.) überzeugend nachgewiesen.
Betrachten wir nun das Prooemium näher, so muss uns
auffallen , dass trotz der Widmung an Vespasian eigentlich
Domitian als Hauptperson in demselben hervortritt. Ich denke
hiebei nicht an das reiche Lob, welches den dichterischen Be-
strebungen des Domitian gespendet wird und sich namentlich
^) Wenn ich hier, trotzdem in neuester Zeit sich A. Imhof (T. Flavins Do-
mitianns, Halle 1857, S. 130 ff.) mid A. Brej^sig in seiner Ausgabe der
Aratea (Berlin 1867, S. XII) für Germanicus als Verfasser jener Ueber-
setzung ausgesprochen haben, wieder für die Ansicht von Eutgers (Var.
lect. II, 9, S. 122 f.) eintrete, wornach dieselbe ei^e Arbeit des Domitian
ist, so thue ich dies aus guten Gründen. Allerdings lautet in den
meisten und ältesten Handschriften der Titel C'/audi Caesaris Aratea und
wird das Gedicht bei Lactantius (Inst. div. I, 11 und 21, V, 5, 4) und
Hieronymus (ad Tit. I, 1) unter dem Namen des Germanicus Caesar citiert,
wie sich denn der Name Germanicus auch in einigen jüngeren Hand-
schriften und der editio princeps findet. Aber hierauf alles Gewicht zu
legen wäre doch voreilig. Denn da Domitian seit 84 immer Germanicus
Augnstus (Quint X, 1, 91), von den Dichtem auch bloss Germanicus ge-
nannt wurde, so konnte man seine Aratea recht wol als die Germanid
Augusü oder bloss Germanid bezeichnen, was in späteren Zeiten die Ver-
wechslung mit dem Sohne des Drusus und die Umänderung des Titels
herbeiführen mochte. Auch wäre es möglich, dass unter der Regierung
des Domitianus in die ursprüngliche Aufschrift Domiliani Caesaris Aratea
noch Germanid eingefügt wurde und daraus jenes Germanid Coeaaris
entstand. Ja aus Martial II, 2, 4 (et p?ier hoc dignus nomine, Caesar,
eras) könnte man sogar folgern, dass Domitian schon als pver den Bei-
namen Germanicus geführt habe, wiewol es rathsamer ist die Worte so j
zu verstehen: ,Du hättest schon als piier diesen Namen führen sollen',
womit der Schmeichler auf jene Reise nach Gallien mit Mucianus an-
Ptudipii 711 ileu Argouauticu dcK Valerius Fhiccus. 27Ö
aucli in der Benützung einzelner Verse aus dem Eingänge seiner
Aratea offenbart -), sondern an die bedeutungsvollen Worte (] 5 fF.) :
spielt, welclie in Lyon ihren für Domitian selir unerwünschten Abschluss
fond Cvgl. Jmhof S. 29 ff.). Man sieht, dass in diesem Falle der Titel
allein nicht entscheidende Beweiskraft hat. Nun erheben sich aber gegen
die Alltorschaft des Germaniciis, des Sohnes des Drusus, gegründete Be-
denken. Da nach v. 558 ff. das Gedicht erst nach dem Tode des Augustus
abgefasst ist, so müsste unter genitor im zweiten Verse des Prooemium
Tiberiiis zu verstehen sein; wie komisch es sich aber ausnimmt, wenn
der siebenimdzwanzigjährige Germanicus (so alt war er nämlich beim
Regierungsantritte des Tibeiius) diesem die Erstlinge seiner gelehrten
Müsse weiht, das hat Rutgers mit Recht hervorgehoben und diesen Grund
wird man mit aller Künstelei nicht hinwegdeiiteln können. Jedenfalls
war Germanicus schon bei Lebzeiten des Augustus als Dichter aufgetreten,
wie man wenigstens aus Plin. N. H. VIII, 42, 155 schliessen kann, so
dass er die Aratea nicht als primilias bezeichnen konnte. Auch die viel-
fachen Aeusserungen des Ovid über Germanicus als Dichter (Fast. I,
19 ff., ex Pont. U, 5, 53 ff., ^^ 8, 67 ff.) machen keineswegs den Ein-
druck, als ob dieser erst in den Jahren 15 — 17 n. Chr. schüchterne Ver-
suche in der Dichtkunst gemacht habe. Dagegen jiasst alles im Prooe-
mium auf Domitian; er konnte recht wol seine dichterischen Studien,
welche er als Maske anzunehmen für gut fimd, mit einer Uebersetzung
des Aratos beginnen und hatte seine guten Gründe mit einer Widmung
derselben vor seinen Vater hinzutreten. So erklärt sich genitor ganz un-
gezwungen und die Verse 9 f. si non tanta quies te praeside jtuppihus
aequor cultoriqne daret terras, procnl arvia silerent, sowie die Worte pax
t/i.a (v. 16) beziehen sich auf die Schliessung des Janiistempels , welche
nach Beendigung des Judäischen Krieges im September des Jahres 70
erfolgte (Oros. "\TI, 9). Ein weiterer Grund für Domitian als Verfasser
der Aratea liegt darin, dass Valerius den Eingang dieses Gedichtes für
sein Prooemium benützt hat. Wer kann verkennen, dass genitor bei Va-
lerius (V. 16) auf jenes genitor (im zweiten Verse der Aratea) zurückgeht:
auch sind die Verse 17 f. neque enim Tyriin Cynosura carinis certior mit
Grais Heiice servanda viaglüris offenbar mit Rücksicht auf v. 40 f. dat
Grais Heiice cnr.iiis maiorihus astris, Phoenicas Cynosura regit, v. 21 hatc
ut Latias vox impleat nrbes mit Hinblick auf v. 15 haec e.go duvi Latus
conor j^^'O'^dicere Mu-sis gedichtet, indem sich Valerius als Bearbeiter der
Argonautica des Apollonios Rhodios dem Domitian als Uebersetzer des
Aratos gegenüberstellt. Ueberhaupt lässt sich jene Weissagung von der
einstigen Verwandlung des Vespasian in ein glänzendes Sternbild an die-
ser Stelle nur begreifen, wenn man sich die Beziehung auf die Aratea
des Domitian klar macht. Dass dieser ausser den Aratea sich auch noch
in der epischen Dichtung versucht, wenigstens ein Epos begonnen hat,
erhellt aus Quintilian X, 1, 91 und wahrscheinlich wird dieses Epos nach
Valerius (12 ff.) den Judäischen Ki-ieg zum Gegenstand gehabt haben.
276 Schcnkl.
ille tlhl cultusque deimi delubraque cenhim ^)
instituet, cum iaui, cjemtor; lucehis ah omni
'parte poli,
in welchen Domitiau nicht bloss als der einstige Nachfolger des
Vespasian, sondern auch als der treue und dankbare Sohn ge-
feiert wird. Denn der ganze Zusammenhang und die Anspie-
lungen auf die Aratea des Domitian lassen keinen Zweifel
übrig, dass unter ille dieser und nicht etwa Titus zu verstehen
ist. Wir wissen nun, dass Jerusalem am 8 September gänzlich
in die Hände des Titus fiel und nicht lange nachher Vespasian
von Alexandria kommend in Rom seinen Einzug hielt. Domi-
tian, welcher sich durch seine Amtsführung in Rom und seine
Expedition nach Gallien schwer compromittiert und den Zorn
des Vespasian erregt hatte, war schon früher aus dem öffent-
lichen Leben zurüclcgetreten. Um jeden Verdacht zu zerstreuen,
gab er sich poetischen und wissenschaftlichen Studien hin (Tac.
Hist. IV, S(5, Suet. Dom. 2) und die Uebersetzung der Aratea,
welche er als docti lahoris primitias seinem Vater widmete, ist
um diese Zeit begonnen und wahrscheiulich im folgenden Jahre
(71) vollendet worden. Es lässt sich denken, dass Domitian
damals, wo er in der Dichtkunst dilettierte, öfters im Kreise
Wenn aber Quintilian die Aratea nicht namentlich erwähnt, so ist dies sehr
begreiflich; denn einmal waren sie doch eine blosse Uebersetzung und
dann konnte er, wie er es auch getlian hat (X, 1, 55), dem Ai-atos von
seinem Standjjuncte aus keine grosse Bedeutung beilegen. Er that daher
ganz Kecht den Domitian als epischen Dichter zu preisen, umsomchr als
er mit diesem Lobe auch den Preis des Fiü'sten und Feldherrn vereinen
konnte (vgl. quis enim canerei bella melmii quam sie gerit?) Uebrigens
sind ja die Ai'atea, wie alle Jugendwerke des Domitian, in der Stelle ge-
feiert: ,quid (amen his ipsis eius openhus, in quae donato imperio iuvenis
secesserat, suhlimius doctius omnihus denique numeris praestantius?'
5) Ich habe v. 15 mit Haupt (Hermes HI, '214) cenhim für genii geschrieben;
dagegen kann ich ihm, wenn er nach dem Vorgange von Heinsius, der
am Rande seines Handexemplares ab alta arce poli bemerkt hatte, «6
omni parle poli in ab alti arce poli verändern will, nicht beistimmen.
Haupt meint, die Ueberlieferung sei unverständlich; ,nam dicere potuit
Valerins Vespasianum post mortem lucidum sidua esse faturiim, sed uni
omnia sidera ne ineptissima qtddein adulatione tribuere polnit^. Das hat
wol auch der Dichter nicht gemeint; er wollte nin- in seinen; Hoftone
sagen, dass Vesijasian dereinst ein ähnliches Gestirn sein werde, wie der
grosse oder kleine Bär, welche für die Scliiffer der n(>rdliehen Hemisphäre,
wo sie sich auch betiiuleu mögen, von jeder Seite her sichtbar sind.
Studien zu den Arpton.iutica des Valenus Flaccus. 27 7
von Männern verweilt haben wird, welche sich cUit" dem Gebiete
der Literatur auszeichneten. So wird auch Valerius, der ent-
weder durch andere Gedichte oder durch das Epos, an welchem
er eben arbeitete, eines bedeutenden Rufes g-enoss, dem Cäsar
näher geü'eten sein und fand so Gelegenheit denselben in der
Widmung seines. Gedichtes zu feiern.
Nach dem Gesagten kann man die Abfassung des Prooe-
miiuii der Argonautica mit grosser Wahrscheinlichkeit in das
Jahr 71 setzen, woraus aber keinesweg'S folgt, dass das Ge-
dicht überhaupt um diese Zeit begonnen wurde. Wie bekannt,
haben die römischen Epiker ihre Werke nicht in einem Zuge
vollendet, sondern mit der Ausarbeitung derselben lange Jahre
zugebracht. Vergil hat eilf Jahre auf die Aeneis verwendet
und ist gestorben, ohne seinem Gedichte die letzte Feile ge-
geben zu haben ; Statins sagt am Ende seines grossen Epos
(Xn, 811): O mild hissenos muUitm vigilata per annos Tliehai.
Da nun Valerius vielmehr' ein Mann gelehrter Studien als des
unmittelbaren Schaffens war, wie dies schon aus den zahlreichen
Nachbildungen anderer Dichter, namentlich des Vergil, die sich
bei ihm finden, hervorgeht, so kann man mit Recht vermuthen,
dass er ebenso eine Reihe von Jahren an seinem Epos gear-
beitet hat.
Von dem Verfahren, welches die Dichter bei der Aus-
arbeitung ihrer Gedichte beobachteten, können uns die Nach-
richten im Leben des Vergil von Donatus (p. 59, lO R.) einen
Begriff geben. Darnach entwarf zuerst Vergil eine prosaische
Skizze unter Eintheilung des Stoffes in zwölf Bücher und be-
gann hierauf bald in jenem, bald in diesem Buche eine Partie
auszuführen 5 diese reihte er dann an einander, ohne gleich die
erforderlichen Bindeglieder, mochten nun diese einzelne Verse
oder längere Stücke sein, herzustellen, indem er diese Arbeit
bis zuletzt aufsparte. Da er aber durch den Tod daran gehin-
dert wurde, so liegt uns die ganze Aeneis in einem halbfertigen
Zustande vor, wie dies in genauer Untersuchung der einzelnen
Bücher Ribbeck in seinen schönen Prolegomena critica (p. 5G ff.)
nachgewiesen hat. Die Herausgabe des hinterlasseuen Ge-
dichtes besorgten die Freunde des Vergil, L. Varius und Plotius
Tucca, wobei sie sich, ohne eine eigentliche Rcdaction vorzu-
nehmen, möglichst an die Handschrift anschlössen ; daher füllten
278 Sclienkl.
sie die Lücken im Texte nicht ans und liesseu manche vom
Dichter verworfene oder Doppelverse stehen. Bei der Einord-
nimg von Versen, welche Vergil am Rande beigefügt, oder
solcher Stücke, die er auf besonderen Bhättern entworfen hatte,
verfuhren sie nicht mit der nöthigen Umsicht, und so ist denn
ein guter Theil jener Störungen, welche sich in unseren Hand-
schriften vorfinden, schon auf jene Herausgabe zurückzuführen
(Ribbeck Prolegg. p. 88 ff.). Da man in Rom dem langsam
fortschreitenden Werke, von welchem man das Höchste er-
wartete, mit grosser Ungeduld entgegensah vmd namentlich
Augustus wenigstens einige Partien desselben kennen zu lernen
wünschte, so entschloss sich Vergil einzelne Bücher, wenn sie
auch nicht vollständig vollendet waren, in gewählten Kreisen
vorzulesen. So recitierte er das sechste Buch (um 22 v. Chr.,
etwa sieben Jahre, nachdem er die Aeneis begonnen hatte), das
vierte und wahrscheinlich das erste (Ribbeck Prolegg. p. 58,
vgl. die Vita Vergili in der kleineren Ausgabe von Ribbeck
p. XXVH). Ich habe diese, allerdings bekannten Thatsachen
hier deshalb erwähnt, weil sie uns in der folgenden Erörterung
vielfach als Ausgangspunct dienen werden.
Von den Argonautica des Valerius sind bekanntlich sieben
Bücher und von dem achten der grössere Theil, nämlich 467
Verse, auf uns gekommen. Das Gedicht schliesst in seiner
jetzigen Gestalt mit der Verfolgung des Jason und der Medea
durch deren Bruder Absyrtus-, daher musste noch die Er-
zählung von dem Morde des Absyrtus, den weiteren Fahrten
der Argonauten und ihrer Heimkehr folgen, wie man dies bei
Apollonios im vierten Buche von 391 an bis zu Ende findet.'*)
Darnach lässt sich mit Sicherheit schliessen, dass das Gedicht
mindestens auf zehn Bücher berechnet war. Da aber gerade
') Wenn Maser zu I, 218 vermiitliet, dass Valerius, weil er den Mopsus in
seiner Verzückung auch den Flammentod der Creusa, den Mord der Kin-
der durcli ]Medea und ihre Flucht auf di^m Drachenwagen andeuten Lässt,
auch diese Dinge in seinem Epos behandeln wollte, so ist dies nicht glaub-
lich. Valerius würde sicher sein Gediclit wie Apollonios mit der glück-
lichen Heimkehr der Argonauten geschlossen haben. Dass er aber in
dieser Weissagung 'und noclnuals in dem Hilderschinucke des Palastes des
Aeetes (V, 442 if.) das künftige Geschick des .Jason und der Medea an-
deutet, ist ein feiner dichterischer Zug.
Studipii zu ilen Argniuuitini dos V;ilerius Placcus. 279
in dem letzten Theile sich viele Kpisoden linden und Valerius
dieselben vielmehr auszuführen liebt als Apollonios, so konnte
der kStoff mög'licher Weise sog-ar auf zwölf Bücher ausg-edehnt
werden. Die Zwölfzahl war, seitdem die Aeneis eine solche
Zahl von Büchern umfasste, für die Dichter Roms etwas Ge-
heilig'tes; Statins hat seine Thebais in zwölf Büchern abg-efasst/')
die Pharsalia des Lucanus war höchst wahrscheinlich auf zwölf
Bücher berechnet und, wenn Silius Italiens seine Punica in
siebenzehn Büchera schrieb, so ist der Grund nur darin zu
suchen, dass er den reichen Stoff innei'halb der Zwr)lfzahl nicht
zu bewältig-en vermochte.
Es entsteht nun die Frag-e, ob uns dieser weitere Theil
verloren g-egangen ist, indem, wie dies z. B. beim Sangallensis, der
IV, 317 endigie,der Fall g-ewesen ist, ein Mönch bei der Abschrift
seines Codex an jener Stelle des achten Buches stehen blieb und
uns nach Verlust des Archetypon nur jene Abschrift erhalten
wurde, odei* ob wir annehmen sollen, dass der Dichter sein Werk
aus irgend einer Ursache anvollendet Hess. Die erstere Ansicht,
welche N. Heinsius in der Vorrede zu seiner Ausg-abe ausge-
sprochen hat, würde viel für sich haben, wenn das Gedicht, so
wie es uns vorlieg't, deutlich den Stempel der Vollendung- ti'üg-e.
Wenn sich abei* nun in allen Büchern offenbare Spuren des
Gegentheiles zeigen, wenn sich durch eine eingehende Unter-
suchung nachweisen lässt, dass das Gedicht eine im Wesent-
lichen ähnliche Gestalt hat, wie die Aeneis, also nicht die letzte
Feile von der Hand des -Dichters erfahren haben , nicht von
ihm herausgegeben sein kann, so werden wir uns der älteren,
schon von Baptista Pius (Annot. post. c, 102) und Petrus Cri-
nitus (de poet. lat. 1. IV, c. 66) ausgesprochenen Ansicht an-
schliessen, dass Valerius an dei- Weiterführung und Vollendung
seines Epos verhindert wurde. Diese Ansicht vertritt auch
Thilo, indem er sich in den Prolegomena (S. XXVI ff.) dahin
ausspricht: ,haud j)cmci versus ntqne ampliores etiam carminis
partes ita cont.paratae sunt, id r/vin idtimam limam poeta üs non
(idhihuerit neqneat dnbitari' ; nur ist seine Ercii'terung dieses
Punctes eine keineswegs erschöpfende, weshalb wir diese Unter-
suchung hier nochmals anstellen müssen.
^) Bei Statins ist diese Bezieliuiig- auf die Aeneis unverkennbar in den Sflduss-
worten (XII, 816 nee tu (Ivoiiiam Aetteifla lempl.a) ausgesj)r()clicn.
I
280 Schenkl. ^
Wir wollen nun, wie dies Ribbeck in seinen Proleg-omena
zu Veris>'ilius gethan hat, die einzelnen Bücher si-esondert durch-
gehen und alles, was zum Beweise des obig-en Satzes dienen
kann, zusammenstellen. Es sei nur noch bemerkt, dass ich
hiebei den Vaticanus 3277 als die alleinig-e Grundlage betrachte,
indem meiner Ansicht nach alle anderen Codices, auch der des
Carrion, aus ihm abgeleitet sind. Darüber werde ich im Fol-
genden ausführlich sprechen.
Im ersten Buche fällt der Vers 410 auf, welcher ohne
Verbindung mit dem Vorhergehenden dasteht. Ein Asyndeton
ist hier gar nicht am Platze, weshalb man statt discat noth-
wendig discatque erwartet. Da sich nun diesem üebelstande
durch Emendation nicht abhelfen lässt und der Ausfall eines
Verses nicht wahrscheinlich ist, so rauss man annehmen, dass
der Dichter, weil er diese Stelle weiter ausführen wollte, sich
jenen Vers vorläufig am Rande angemerkt hatte. — Die Verse
779 — 784 unterbrechen in sehr störender Weise den Zusammen-
hang. Wie sich nämlich von selbst ergibt, muss ülum (v. 785)
auf tannift (775) bezogen werden, was aber bei der gegen-
wärtigen Gestalt des Textes nicht möglich ist; denn darnach
müsste unter ühim Orcus oder Charon verstanden werden, was
rein sinnlos ist. Dazu kommt , dass hmc (779) ebenfalls auf
tatirus i^ilb) zurückgeht, wornach es keinem Zweifel unter-
liegt, dass die Verse 779- — 784 aus dieser Stelle auszuscheiden
sind. An und für sich geben dieselben zu keinem Bedenken
Anlass. Denn retro (782), mit dessen Erklärung man sich um-
sonst abgemüht hat, ist einfach verderbt und dafür wol mit
Braun (S. 25, vgl. Hirschwälder S. 22) rite herzustellen ; minder
wahrscheinlich ist die Vermuthung Ph. Wagners Leto (Phil. XX,
G30; Neue Jahrb. H\), 392); denn derjenige, an welchen dieses
Carmen gerichtet ist, wird ja deutlich im folgenden Verse be-
zeichnet. Was weiterhin gentis nefandae anbetrifft, so liegt
darin eine V(irdammung der Magie von Seiten des Dichters,
aber keineswegs, wie J. Wagner meint, ein Schimpf für Alci-
mede, welche in dem allsremeinen Brauche ihres Landes nichts
Sträfliches erkennen konnte. Möglich, dass für diesen ver-
dammenden Ausspruch jenes Decret des Vespasian massgebend
war, wodurch derselbe gleich im Beginne seiner Regierung die
Astrologen und wahrscheinlich auch die Magier aus Rom ver-
Stmlieii zu doii Arcfonautica <los Valeiins Flac.r.us. 281
baniitu (l)i() Cass. LXVl. D). Darnach ergibt sich, dass wir
in den Versen 779 — 784 fF. einen früheren Entwurf zu scilien
liaben, welchen der Dichter, nachdem er ihn durch die Verse
785 ff. ersetzt hatte, beseitigen wollte. Da aber die letzte
Ueberarbeituug nicht zu Stande kam, so wurde derselbe von
dem Herausgeber, weil er in der Handschrift stand, im Texte
belassen. — Aehnlich verhält es sich mit der kStelle 827 ff.
Hier stehen sich nämlich die Verse 828 f. Trmiarei sedef mda
patris , von illa ruenti accessura polo , victdm si volvere molem,
hinter welchen, wie die Ijücke im Vat. zeigt, ein Vers ausgefallen
ist, und 831 f. ingenti iacef ore cliaos, quod pondere fessam ma-
teriem Iffpsumque queat consumere mundum so gegenüber, (Uxss
man in ihnen deutlich einen doppelten Entwurf für eine und
dieselbe Stelle erkennen muss. Wäre es doch schwer begreif-
lich, wie man die Verse 831 f. nach 827 ff. einordnen und
zwischen dem Gedanken victmn si volvere molem., wne man ihn
auch ergänzen mag, und qvod. pondere .... mim dum, einen
befriedigenden Zusammenhang herstellen könnte. Unter diesen
Vei-hältnissen wird man 831 f. als einen wahrscheinlich älteren
Entwurf zu betrachten haben, welcher sich neben dem späteren,
mehr ausgearbeiteten erhalten hat. - Was die Lücke nach
V. 44, wo dies im Vat. durch ein rothes schiefes Kreuz am Rande
angedeutet ist, und nach 820 anbetrifft, so gehen dieselben ohne
Zweifel nicht auf die Originalhandschrift zurück, sondern sind
auf Rechnung der Abschreiber zu setzen.") Das gleiche gilt
von den Versumstellungen 06 = 65, 303 =^ 309, 815 = 823
(verbessert im Monacensis, dem Codex des Carrion und dei-
Aldina, der Juntina), welche zu auffallend sind, als dass sie
unbemerkt bleiben konnten. Nur eine Stelle erluiischt noch
eine Bespreclmng, nämlich I, 662 i\, wo es von Salmoneus
heisst : nondum. ille furens, cum. fingeret alti quadrifida frahe tela
Jovis. Thilo i Prolegg. XXHI) nahm hier an cum fingeret, das
ganz unverbunden dasteht, Anstoss, beruhigte sich aber schliess-
I Uch damit, dass Valerius auch an anderen Stellen die Con-
j junction cum in Vergleichungen so gebrauclit habe, als oh ut
'"') Wie diese verfnlircn , k;inn man an? der Art ersehen, wie im Vfitieanus
die Verse II, 2i:? — 262, welche der Schreiber irrthünilich wiederholte, ge-
schrieben sind. In der (>rsten Abschrift fehlt v. 240, in der zweiten 211,
die erste hat v. 244 au seiner Stelle, die zweite am unteren Kande.
282 Schenkl.
oder qualis mit der entsprechenden Form des Verbum sub-
stantivum vor demselben stünde. Aber die Beispiele, welche
Thilo dafür anführt, sind verderbt und durch die Verwechslung]
von cum. mit ceu zu erklären, welche Partikeln, wie schon!
Oudendorp zu Apuleius Met. p. 94 bemerkte, in den Hand-I
Schriften häutig vertauscht werden. Bedenkt man nun, wie!
elend unser Archetypos , der Vaticanus , geschrieben ist , wiel
viele Partikeln und Wörtchen in demselben verwechselt sind'^)!
(wir werden hierüber noch ausführlich sprechen), so wird mai
um so weniger Bedenken tragen an jenen Stellen II, 103 mit
Barth'") und 453 mit Schott ceu für cum herzustellen; und dies!
muss auch noch an zwei anderen Stellen geschehen, nämlich!
I, 490, wo ceu lustra, und II, 4(37, wo ceu lapis zu schreiben]
ist.") Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 389) verwirft mit Recht'
diese Erklärung von cum, was er aber selbst beibringt, dass
nämlich durch cum der Act des furor, auf welchen schon das
Pronomen ille hinweise, vergegenwärtigt werde, ist ebensowenig
genügend. Darnach ist es wahrscheinlich, dass nach farens ein
mit ceu eingeleiteter Satz, welcher das Ende dieses und den
") So steht auch IV, 531 für ceu, das iu der editio Bononiensis II hergestellt
ist, seu ; III, 55 s hat Heinsms für das überlieferte sie ohne Zweifel richtig
ceu geschrieben (vgl. I, fi71, wo Oudendorp theilweise nach dem Vorgange
Bm-mann's das überlieferte itt supevjaii sie staret opus glänzend in vi su-
perum seu sidere opus emendiert hat). Offenbar war diese Partikel den
Abschreibern unbekannt und daher anstössig; und so ist denn selten ein
e-eu dem Verderbnisse entgangen.
S) Thilo hat an dieser Stelle, um die Leseart im Vat. reti statt tereti zu halten,
au7'0 in aureo verändert. Aber im Vaticanus sind, wie wir sehen werden,
öfters Sylben ausgefallen und tereti ist durch das Vorbild unseres Dich-
ters, Verg. Aen. X, 138 molli subnectens circulus 'auTo, geschützt.
8) IV, 564 hat man allgemein nach dem Vorgange von Heinsius cum in cen
und lahant in labent verwandelt. Davon ist ceu ohne Zweifel richtig,
aber der Gedanke , welcher durch diese Emendation entsteht , muss als
verkehrt bezeichnet werden. Was soll denn dies heissen: ,Als ob die
Grundfesten der Erde wichen, sieht man die Erde, die Häuser plötzlich
beben?' Woher kommen die tecta in dieser Wüstenei? Und wie schliesst
sich daran der folgende Satz: illae redeunt, illae aequore certantl Alle
Bedenken aber schwinden, wenn man schreibt: ceu vincula mnndi cum
ima lahant, tremere ecce solimi, freniere ipsa repente tecta, vides: illae
rediunt Der Dichter vergleicht das Toben der kreisenden Felsen
mit einem Erdbeben. Beispiele einer sohOien Synizesis, wie cinii ima,
finden sich I, 52, llfi, 475, 007, 11, KIM n. ö.
Studien zu den Argonautica des Valcnius Flaccus. 2<S3
Anfang- des folgenden Verses bildete, auso-efallen ist, indem der
Schreiber von cen auf mm abirrte. Ein ähnlicher Fall ist, wie
Ph. Wagner (a. a. O. 388) erkannt hat, VIEI, 254 pars veri-
hus^ pars undanti despumat aeno, wo man nach Verg. Aen. I,
212 und Georg. I, 296, welche Stellen unserem Dichter offen-
bar vorschwebten, den Gedanken beiläulig ergänzen kann. Wag-
ner vermuthet pars veribus figit trejndantia viscera acernis, p>o,rs
folüs nndam. ingentl despumat aeno (vielleicht eher pars foliis
h/mpham undanti despumai aeno, da Valerius bei seinen Nach-
bildungen den Ausdruck etwas zu verändern pflegt). Auch V,
316 f. will Ph. Wagner (a. a. O. 388) den unlösbaren Schwierig-
keiten durch die Annahme abhelfen, dass das Ende von 316
und der Anfang von olT ausgefallen sei. Nach viae sei ein
wieder mit nee eingeleiteter Satz verloren gegangen, welcher
mit dem vorhergehenden ein gemeinschaftliches Verbum hatte.
Wie die nachdrucksvolle Stellung von pelagi zeige, seien in
demselben die Gefahren und Leiden zu Lande (bei den Do-
lionen und Mariandynern) bezeichnet gewesen. Vielleicht ge-
hört hieher auch VIII, 404, wo nach der jetzigen Leseart die
Worte haut ultra sociis ohsistere i^ergit eine Exegese zu dem
Vorhergehenden bilden, in dem Sinne : weiter als dass er zau-
dert, geht sein Widerstand nicht. Aber der Ausdruck ohsistere
pergif scheint eher darauf hinzudeuten, dass die Stelle lücken-
haft ist. Denkt man sich, dass nach cogitat der übrige Theil
des Verses und vor haut ein Daktylus ausgeffillen ist, etwa mit
dem Gedanken ,doch da di« Minyer ihn unablässig bestürmen',
so gewinnt jenes pergit eine ganz andere Bedeutung. Es
müsste dann der Satz quamquam .... taedae mit tantis voci-
hus inpar verbunden werden. Dazu kommt noch, dass mor-
temque nicht richtig sein kann. Wie seltsam, wenn Jason sich
den Tod wünscht , und wie wenig passt dieser Gedanke zu
dem folgenden sociamque pericli cogitatl Man wird daher Mai--
temque schreiben müssen : ,Jason begehrt zu kämpfen', jeden-
falls ein passenderer Gedanke, als wenn er in sentimentaler
j Weise zu sterben verlangt. So hat auch Heinsius v. 431 Mar-
\ temque für mortemque vorgeschlagen, was sehr viel für sich hat,
wie denn überhaupt diese Wörter in den Handschriften häufig
verwechselt werden. Durch die Conjectur Ph. Wagners (a. a.
0. 387) cimctaturque moramque cupit s. p. cogitat, wird wol
Sitzb. d. phil.-List. Cl. I.XVUI. Bd. 111. ilft. lü
284 Schenkl.
ebenfalls ein passender Sinn hergestellt^ nur bleibt dabei jenes
pergit doch bedeutnng-slos und mnramqve cnjnf wiederholt eigent-
lich nur den schon in cunctatur ausgesprochenen Gedanken.
Weit mehr Spuren der Nichtvollendung zeigt das zweite
Buch. So ist der abgerissene Ausdruck im v. 170 gewiss sehr
befremdlich und wird dem Leser damit ein gewaltiger Sprung
im Gedanken zugemuthet. Allerdings könnte man hier an den
Ausfall eines oder mehrerer Verse denken, aber es hat dies
wenig Wahrscheinlichkeit für sich, da in diesem Buche noch
andere derartige Stellen vorkommen. Gleich v. 178 stösst man
an plaustra sequi an, welches ganz unvermittelt dasteht; denn
man sollte doch plmistraque erwarten und das Asyndeton ist
gar nicht berechtigt. Ph. Wagner meint zwar (a. a. O. o87),
man könne die Worte plaustra sequi als abgerissene Aeusserung
der schluchzenden Frauen auffassen, gibt aber diese Erklärung
selbst auf, indem er gleich nachher den Vorschlag macht, qiie
nach tristes im vorhergehenden Verse zu streichen und so ein
richtiges Asyndeton herzustellen. Sehr schroff ist ferner der
üebergang von v. 195 zu 196. Es ist ganz richtig, dass sich
ijysa (196) durch , leibhaftig, in ihrer eigenen Gestalt^ im Gegen-
satze zu Dryopes in imagine maestae (174) erklären lässt; auch j
kann das Herabsteigen der Venus vom Himmel nicht befrem-
den. Sie ist natürlich, nachdem sie die erborgte Hülle der
Dryope abgelegt hatte, in den Olymp zurückgekehrt. Homer
würde dies allerdings ausdrücklich erwähnt haben, aber die
spätere Epik ist in ihrer Darstellung viel kürzer und knapper, jr
Doch gibt man auch dies alles zu , so bleibt immer noch hier
ein klaffender Spalt , welchen man durch einige Uebergangs- ! '
Worte ausgefüllt wünscht. Was lässt sich nun nach dieser Er- j .
örterung anderes schliessen, als dass uns diese ganze Partie in j i
einem unfertigen Zustande vorliegt. i
Ganz ähnlich verhält es sich mit der Stelle , welche die ( !
Ankunft der Argonauten auf Lemnos schildert. Schon Pierson | >
(Verisimil. p. 201) erkannte, dass in dem Satze Protinus ingen- ! '
tevi pvncerum snh nomine tanrnm deicit (329 f.) Jason das Sub-
ject ist, dass aber dieses Subject auch ausdrücklich bezeichnet
werden müsse, da sonst Cytherea aus dem vorhergehenden zu
ergänzen wäre. Er will daher dux statt snh herstellen. So
kann man allerdings die Spur der ofienbaren Lücke verwischen,
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus. 2<Sf)
aber ein solclies Verfahren kann nicht auf den Namen Kritik
Anspruch machen. Man ersieht dies schon daraus , dass uns
gleich im Folgenden nach v. 331 wieder eine Lücke begegnet;
denn offenbar musste doch eine Bitte Jasons ihm die Esse des
Vulcan im Berge Mosychlus zu zeigen oder eine Aufforderung
der Hypsipyle zu einem Gange dahin vorausgehen, ehe der
Dichter sagen konnte: Ventum erat ad rupem. u. s. w. (332).
Also auch diese ganze Stelle liegt uns nur im ersten Entwürfe,
nicht in vollständiger Ausarbeitung vor.
Von Lücken, welche auf Abschreiber zurückzuführen sind,
haben wir nur eine zu bemerken, nändich v. 375, nach wel-
chem, wie Thilo (XLV) richtig erkannt hat, ein Vers oder
vielleicht auch mehr ausgefallen ist. Jedenfalls wird zu invi-
disse ein Object, etwa gloriam, oder ein durch ut eingeleiteter
Satz, vgl. Verg, Aeu. XI, 269, und wahrscheinlich auch ein
diesen Infinitiv regierendes Verbum, z. B. gemit, erfordert; die
folgenden Aceusative kann mau sich von einem Participium,
wie indignatus, abhängig denken , nur müsste noch vor deser-
tasque domos ein Glied, wie frustra reb'ctam patriam gestanden
haben. Wenn Thilo noch zwei andere Stellen in diesem Buche
als lückenhaft bezeichnet, so ist dies mehr als zweifelhaft. Die
erste ist jene Schilderung der Polyxo 31G ff. Hier ist im Vat.
und allen anderen Codices v. 317 non j^airiam, non certa genns,
sed maxima taete überliefert, nur cod. Carr. bietet für das sinnlose
taete die Conjectur caeM-^ v. 318 liest man im Vat. Proteaque avi-
higuum pharii se . . . ah antris, im Monac. und cod. Carr. ist die
Lücke mit patris ausgefüllt. Thilo (XLIII f.) vennuthet nun, dass
V. 317 ursprünglich gelautet habe non .... gemis inmania caete,
worauf dann ein Vers etwa derart folgte inter .... comitata
Cabiro, den Vers 319 will er aber also schreiben Proteaque am-
higuum Phariis narratw ab antris. Es lässt sich nicht leugnen,
dass die Erwähnung der Cabiro hier ganz passend wäre; an-
derei-seits aber vertragen sicli mit dieser Fassung schwerlich
die Worte non patriam , non certa genus] denn wenn Polyxo
im Gefolge des Proteus und der Cabiro von der Pharischen
Grotte her von Ptobbeu über das Meer getragen wurde, so
konnte doch wol ihre Heimat kaum zweifelhaft sein. Die
bezeichneten Worte wollen aber besagen, dass man über ihre
Heimat, ihre Abkunft nichts Gewisses zu sagen wusste, dass
286 Sehen kl.
man darüber nur unbestimmte Vermuthungen hatte ; Avorauf
sich diese gründeten, das muss in den folgenden, uns nur ver-
stümmelt erhaltenen Worten angedeutet gewesen sein. So schwer
es nun auch ist hier etwas halbweg Wahrscheinliches zu bie-
ten, so will ich doch einen anderen Versuch zur Lösung des
Räthsels machen. Bei Apollonios (A, 668) ist die Polyxo ein-
fach die Amme der Hypsipyle; Valerius hingegen macht sie
zu einer Meeresgöttin gleich der Eidothea, welche als Tochter
des Proteus im vierten Buche der Odyssee erscheint; in dem
sae])e imis se condit aquis liegt offenbar eine Hindeutung auf
Od. 4, 425 WC öIkS'jj' jTrb Tcivtsv soüasTo y.JiJ.aivovTa. Darnach darf
man also vermuthen, dass Valerius die Polyxo für eine Tochter
des Proteus erklärte, wie neben der Eidothea auch die Eury-
nome als solche genannt wird (von Zenodotos bei Eusth. p.
1500, 40), wobei es beachtenswerth ist, dass Hyginus in dem
Verzeichnisse am Eingange unter den Oceaniden neben der
Eurynome (vgl. II. 18, 398, Eusth. p. 1149 f.) auch die Polyxo
erwähnt und später (fab. 182) auch die Eidothea Oceani filia
nennt; Der Dichter aber drückte dies nicht bestimmt aus,
sondern begnügte sich mit der geheimnissvollen Andeutung:
Proteus mit seiner Gemahlin sei von der Pharischen Grotte
her auf Robben über das Meer gefahren, wornach man ver-
muthete, er habe die Polyxo als seine Tochter mitgebracht,
obgleich man über ihre Heimat und Herkunft nichts Bestimmtes
wusste. Demnach wage ich Folgendes vorzuschlagen : sed te,
vacja Ceto, Proteaqim amhiguum Phariis est rumor ab antris liuc
rexisse vias iunctis suj^r aeqnorn phocis. Darnach wäre also
Ceto, welche Apollodor I, 2, 7 unter den Nereiden nennt, von
Valerius als Gattin des Proteus und Mutter der Polyxo ange-
nommen worden. Was die Aenderungen anbetrifft, so rührt
die Conjectur Ceto und die Ergänzung rumor von Heinsius her,
est ergibt sich aus dem e nach Phariis, vcuja konnte leicht in
maga und nach dem Ausfalle von te in maxima verändert werden.
Doch sollte auch diese Vei-muthung nicht die Wahrscheinlichkeit
für sich haben, so wird es eben so wenig möglich sein eine
Lücke an unserer Stelle mit Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.
Dass nach v. 565 nicht, wie Thilo (XLIX) annimmt,
ein Vers ausgefallen ist, hat Ph. Wagner (a. a. O. S. 400)
richtig erkannt. Der Grund, weshalb Laomedon den Hercules
Studien zu den Argonautica des Valcrius Flaccus. 287
einladet seine Genossen in die Stadt zu bi-ini^lin , ist ja dent-
lieh durch fraternis moenilms ausg'csprochen, nämlich zur Be-
wirthung. Auf das überlieferte ostendat wird man schwerlich
ein so grosses Gewicht legen, um darnach den Ausfall eines
Verses anzunehmen; es ist einfach in ostendet zu verwandeln.
Auch das dritte Buch ist, wie sich bei einer eingehen-
den Untersuchung herausstellt, im unfertigen Zustande geblie-
ben. Ich verweise hier zuerst auf v. 273, dei-, wie Thilo (LXI)
bemerkt hat, an seiner jetzigen Stelle unmöglich ist, da er
ohne alle Verbindung dasteht. Thilo will ihn nach v. 310
stellen, wo er allerdings dem Gedanken nach am Platze wäre.
Aber abgesehen davon, dass man doch eher sed cur etiam
ßamnids u. s. w. erwarten sollte, ist in der ganzen Stelle kein
befriedigender Zusammenhang, kein Satz klappt so zu sagen
auf den anderen. Wenn Thilo meint, dass man zwischen v.
310 und 311 nichts vermisse, so ist dies entschieden unrichtig;
denn nach den langen schmerzlichen Klagen kommt die An--
rede vos age funereas u. s. w. ganz unerwartet. Der Dichtei-
hatte jene Aufforderung des Jason zur Bestattung der gefalle-
nen Cyzicener nicht vollständig ausgearbeitet, sondern nur drei
Verse im Texte und einen am Rande geschrieben, welcher dann
bei der Herausgabe an eine falsche Stelle gesetzt wurde.
Ebenso erhält die Klage der Clyte mit v. 329 keinen
befriedigenden Abschluss. Würde darnach der Gedanke folgen:
,Könnte ich jetzt sterben und mit dir für immer vereint wer-
den,' so würden sich daran die Verse 330 und 331 viel besser
anschliesseu, als es jetzt der Fall ist. Ich kann daher in dieser
Partie nur einen Entwurf sehen, Den Widerspruch, welcher
zwischen v. 341 f. und II, 409 stattfindet, möchte ich nicht
mit Thilo (XXVII) besonders betonen; denn einmal muss ja
der Dichter nicht an beiden Stellen ein und dasselbe Pracht-
kleid gemeint haben (vgl. Ph. Wagner a. a. O. 392), bei wel-
cher Annahme jeder Anstoss entfiele; sodann hätte auch ein
wirklicher Widerspruch dieser Art nicht viel zu bedeuten, weil
sich ein solcher, wie z. B. die bekannte Geschichte mit dem
Briefe in vSchillers Don Carlos zeigt, auch trotz dei- soi'gffiltig-
sten Ausarbeitung in ein Gedicht einschleichen kann.
Die Lücken nach v. 7() und die Versetzung des Verses
10 nach 25, welcher Fehler in der Aldina berichtigt ist, fallen
288 Schenkl.
jedenfalls Abschreibern zur Last. Bei v. 10 ergibt sich dies
schon daraus, dass ein Theil von ihm in den vorhergehenden
Vers eingedrungen ist, und das Ende desselben zerstört hat;
der Schreiber hatte durch einen Irrthum zwei Verse in einen
zusammengezogen und dann, ohne seinen Fehler zu verbessern,
blos V. 10 unten am Rande nachgetragen.
Im vierten Buche sind nur zwei Stellen bemerkbar,
welche als Beweis für unsere Behauptung dienen können. Ein-
mal V. 213, welcher entschieden nicht an seinem Platze steht.
Erscheint er doch ausser aller Verbindung mit dem vorhei'ge-
henden, während v. 214 sich ganz passend an 212 anschliesst.
Auch kann die Stelle, wohin er zu versetzen ist, nicht zweifel-
haft sein ; nach necdnm mens gnara locorum (208) muss nämlich
offenbar die Bezeichnung des Ortes folgen und diese ist eben
in den Worten Neptuni domus enthalten. Allerdings sollte man
noch mit Burmann Neptuni haec domus erwarten, aber man kann
•doch jenes haec noch allenfalls entbehren. Diese Störung kann
erst in späterer Zeit durch einen Abschreiber eingetreten sein,
sie kann aber, da man sie so lange nicht bemerkte, auch schon
in einem Versehen des Herausgebers ihi'en Grund haben. Die
andere Stelle ist v. 661 ff. Dort ist nämlich v. 662 effugit et
tenehras nimhosque intermicat ignis neben dem folgenden terH-
ficique ruunt tonitrus elisaqiie noctem lux dinmit nicht zu ertra-
gen. Dies beweist ruunt neben effugit, die beide gleichmässig
mit nuhihus zu verbinden sind, und dann elisaque noctem diri-
mit, was doch nur ein anderer Ausdruck für tenehras nimhos-
que intermicat ignis ist. Wahrscheinlich ist 662 eine ältere
Variante, welche der Dichter später verwarf und durch die
andere Fassung ersetzte.
Wenn Thilo (XXVII) in diesem Buche einen Widerspruch
finden will , weil v. 200 f. erzählt wird , dass Amycus allein
gekommen sei, während 279 von den agmina, welche den matten,
keuchenden König nicht mehr erkannten, gesprochen und 815
erzählt wird, wie die Bebryker, als sie den Riesen dahingestreckt
sahen, die Flucht ergriffen, so ist dies durchaus nicht berech-
tigt. Man muss nur v. 200 f. richtig verstehen und daselbst
die Leseart des Vat. 3277 taciti gegen die im Vaticanus 1613 |
tanti, welche man bisher allgemein angenommen hat, wieder
zur Geltung bringen. Die Worte quem nee sua turha tuendo
Studien zu den Argonautica des Va,leriu.s Flaccus. 289
it taciti secura metns geben dann den ganz |)assenden Sinn :
,mit welchem auch nicht seine eigenen Leute gehen können,
ohne sich bei seinem Anblicke einer stillen Furcht, die sie
äusserlich nicht zu zeigen wagen, erwehren zu können/
Im fünften Buche befremdet uns der v. 308 aut altos
dttris fatorum gentibus ortus. Will man ihn neben den vorher-
gehenden beibehalten, so bleibt nichts übrig als mit Columbus
alios für altos zu schreiben; denn die hella müssen doch zu
den fata gezählt werden und die Ueberlieferung enthält somit
einen logischen Fehler. Nun hat aber ein englischer Gelehrter
in den Observationes miscellae richtig erkannt, dass unsere
Stelle eine Nachahmung von Hom. II. X, 3 ff. ist '") und sonach,
wie dort r,i zcO-. zzoXiiJ.o'.o [^.eya ■:-iiJ.x zsjy.soavoT: der Schluss des
Bildes ist, auch unser Dichter mit cmt scmguinei magna ostia
belli geschlossen haben wird. Darnach hält er den Vers 308 für
unecht. Da sich aber in dem ganzen Texte der Argonautica
nirgends sonst eine Spur von Einschiebseln zeigt, so wird es
sich empfehlen in dem Verse eine Randbemerkung des Dich-
ters oder einen früheren Entwurf zu erkennen. Was Ph. Wagner
(Phil. XX, G40 f.) über diese Stelle bemerkt, ist ganz verkehrt.
Offenbare Doppelverse sind 565 qnalis ab Oceano nitidum
chorus aethera vestit und 566 qualibus adsurgens nox anrea cin-
gitnr astris, wie dies schon Ch. Buläus erkannt hat. ,Versiis
bini, sagt er in seinen Noten, festivissimi^ sed qui non admodtnn
suaviter se invicem excijnunt. Legerim ergo in posteriori pro
,qualibus' ^qualis et'. Nisi forte umts superfluit, a glossatore
insertus aut a poeta quidem f actus, sed ut eligeretur e duobtis,
qui Sit optimus/ Neuerdings hat sich Thilo (XXVI) für die-
selbe Ansicht ausgesprochen. Wenn Ph. Wagner (Neue Jahrb.
89, 391) einen von diesen Versen für eine am Rande beige-
'") Valerius hat nicht wenige Stellen aus Homer als Vorbilder benützt. So
ist in der Klage der Clyte III, v. 320 ff. der berühmten Stelle II. VI,
4 1:5 ff. und V. 326 ff. n. XXIV, 743 ff. nachgebildet. Die Vergleiche VF,
165 ff., 358 ff., 711 ff. sind aus ü. H, 459 ff. und VI, 146 ff., II XVIT,
389 ff., 73 ff. entlehnt. In der Rede des Telamon III, 697 ff. ist v. 707 ff.
II. I, 234 ff., in der Ansprache des Jason an Medea V, 378 ff. Od. VI.
149 ff. nachgeahmt. Bei der Stelle IV, 132 schwebte dem Dichter II. XVI,
459 vor, bei VI, 365 f. II. III, 375 ff., bei VI, G.S9 II. II, 7()1, bei VIII,
164 Od. XX, 347, bei VIII, 452 Od. I, 57, bei IV, 24 IL II, 20, Od, VI, 21.
290 Schenkl.
schriebene ßeminiscenz aus einem anderen Gedichte erklären
will, so hat dies bei der genauen Uebereinstimmung der beiden
Verse nichts für sich. Da v. 565 im Ausdrucke der gewähl-
tere ist, so muss man 566 als den älteren betrachten.
Versetzungen von Versen finden sich zweimal in diesem
Buche. So steht v. 407 im Vat. nach 426 und ist erst in der editio
altera Bononiensis an die rechte Stelle gesetzt worden. Dieses
Versehen fällt ohne Zweifel einem Abschreiber zur Last, da
V. 407 nach 426 gestellt den Zusammenhang in zu auffallender
Weise stört, als dass dies unbemerkt bleiben konnte. Anders
verhält es sich mit den Versen 584 — 586, welche Meynke Quaest.
Val. 51 mit Recht nach 605 versetzt hat, indem diese Störung-
schön auf die ursprüngliche Redaction zurückzugehen scheint.
Wenn Thilo (XL VI) vor v. 670 eine Lücke annimmt,
so hat dies keine innere Wahrscheinlichkeit für sich. Freilich
die Worte fas aliqvae neqneat sie femina sicher herzustellen,
das ist eine Aufgabe, welche einen Oedipus verlangt. Obwol
es nun äusserst bedenklich scheint die misslungenen Conjectu-
ren der früheren Kritiker, wozu noch die kühne und gewalt-
same Aenderung Ph. Wagner's vectas fas agitare fagamf sie
diva . et coeperat (Neue Jahrb. 89, 399) kommt, vielleicht um
eine zu vermehren, so will ich doch eine Vermuthung nicht
unterdrücken. Ich schlage nämlich vor zu lesen : fessaqne nunc
cedam sie feminaf ,Und ich soll jetzt so als kampfesmüdes Weib
weichen?* Es würde dies meiner Meinung nach einen ganz
guten Sinn geben und läge wol auch dem Buchstaben der
Ueberlieferung nicht so ferne.
Wir kommen nun zum sechsten Buche, das ebenfalls
an einigen Stellen Spuren der allmälichen Arbeit des Dichters
zeigt. Was nämlich zuerst die beiden Verse ."^l und 82 tunc
et quaeque (Burmann et quisque, Meynke Quaest. Val. 47 gens
quaeque) suis comniisit proelia felis voxqne dei pariter pugnas
audita per omnes anbelangt, so stören sie offenbar den Zusam-
menhang. Man beachte nur, wie vortrefflich sich v. oO ac simul
hinc Colchos, hinc fundit in aequora Persen an die mit v. 33
beginnende Aufzählung der Völkerschaften dos Nordens an-
schliesst. Diese Aufzählung muss, wie das Vorbild des Dich-
ters, das zweite Buch der Ilias, zeigt, jedenfalls dem Beginne
des Kampfes vorhergehen und somit können die beiden Verse
Studien zu den Argonautica det Valerius Fliiccus. 291
hier nicht geduldet wcrdiÄi. Die KröfFnung d(^s Kampfes wird
erst V. 182 ff. geschihlcrt und zwar ist in dem einleitenden
Verse Uli uhi consertis iunxere fremenfia teils ganz derselbe
Gedanke wie v. 31 f. und mit ähnlichen Worten ausgedrückt,
so dass man nicht daran denken kann den Schwierigkeiten
durch die Versetzung jener Verse an einen anderen Ort ab-
zuhelfen. Allem Anscheine nach hat der Dichter jene Verse
geschrieben, als er noch entschlossen war diese Partie kürzer
zu behandeln und noch nicht daran dachte jenen Katalogos
einzuflechten ; und da sie in der Handschrift nicht getilgt wa-
ren, so wurden sie von dem Herausgeber unbedenklich aufge-
nommen. Nicht minder anstössig ist v. 238, der sich mit dem
Vorhergehenden ohne Beeinträchtigung des Gedankens nicht
verbinden lässt. Thilo (XXXVI) hat mit Recht für die Worte
(abies) docilis relegi dociUsque relinqtd die Erklärung J. Wagners
angenommen ,ut et retrahi (erat enini amentata) et in hostis
corpore fixa relinqui -passet'. IMan sieht nun, dass sich der
Vers (itque iterum medios noii altior Ire per hostes allerdings
mit docilis relegi verbinden Hesse, obwol die Worte non al-
'tior keinen befriedigenden Sinn geben und man dafür mit
Heinsius und J. Wagner vielmehr non tardior erwarten sollte,
dass dies aber wegen der dazwischen tretenden Worte dociUs-
que relinqui nicht möglich ist. Wenn Thilo dem Dichter eine
solche Verkehrtheit zutrauen will und Ph. Wagner (a. a. O. 396)
diese Stellung sogar rechtfertigt, so bedarf dies wahrhaftig
nicht einer Widerlegung; denn wenn sich ein Dichter so etwas
gestatten darf, dann gibt es für ihn kein Gesetz mehr und
keine Grenze für seine Willkür. Wir werden daher lieber
annehmen, dass der Dichter diesen Vers für eine Fassung wie
docilis relinqui dociUsque relegi entworfen hatte, sich aber später
für die umgekehrte Stellung und eine knappere Form entschied.
Bei der letzten Ueberarbeitung hätte er den Vers sicherlich
getilgt, die Herausgeber haben ihn, weil er einmal in der Hand-
schrift stand, ohne weiteres aufgenommen.
Von Versetzungen findet sich in diesem Buche nur ein
sicheres Beispiel, nämlich v. 228, der im Vat. nach 24.Ö steht,
im Monacensis aber an seinen richtigen Platz gestellt ist, welche
Störung ohne Zweifel durch die Schuld eines Abschreibers ein-
getreten ist. Dagegen bei v. 102 bleibt die Sache fraglich.
292 Schenkl.
Dass die Worte quosque Taras niveumqne ferax Evarchus olornm
nicht für sich stehen können , ist klar ; denn wovon soll der
Accusativ quosque abhangen? Wenn nun Thilo (XLVII) nach
diesem Verse eine Lücke annimmt, so hat dies wenig Wahr-
scheinlichkeit; denn man denke sich diese wie immer ausge-
füllt , so wird doch zwischen v. 102 und dem vorhergehenden
niemals eine passende Verbindung hergestellt werden. J. Wagner
dachte daran den Vers nach 98 zu vorsetzen, was aber Thilo
mit Recht verwirft; denn was soll qnos Taras armat bedeuten
und wie lässt sich ein solcher Ausdruck rechtfertigen ? Eine
viel passendere Stelle hätte der Vers nach 67, wornach quos-
que Taras pota efferat unda zu construieren wäre, und vielleicht
sind durch eine solche Umstellung alle Schwierigkeiten behoben.
Indess kann der Vers auch eine Randbemerkung sein, welche
der Dichter späterhin ausführen wollte, ohne ihr gleich einen
bestimmten Platz anzuweisen.
Von Lücken lässt sich in diesem Buche nur eine nach
V. 77 nachweisen, die jedenfalls ihren Grund in der Nach-
lässigkeit eines Abschreibers hat. Thilo will allerdings (XL VI f.)
noch zwei andere Lücken annehmen, aber ohne irgend eine
Wahrscheinlichkeit. So sollen nach 95 einige Verse ausge-
fallen sein, die das Object zu aequat, nämlich equorum celeri-
tatem, und dann eine Schilderung der übrigen Stämme, in welche
die Batarner getheilt waren (Strab. VII, p. 306), enthielten.
Ich sehe aber keinen Grund hiezu, da sich die überlieferten
Worte ganz gut erklären lassen. Der Accusativ habenas hängt i
wol grammatisch von inter ab, lässt sich aber ganz leicht zu fi
aequat ergänzen. Darnach kann man die Verse 95 f. ast uhi
Sidonicas (Ph. Wagner Phil. XX, 641 will Sidonias, was viel
für sich hat) inter pedes aequat hahenas, ilUnc iuratos in se
trrdiit Aea Batanias so auffassen : aber von dem Lande, wo i
Fussvolk und Reiter unter einander gemischt kämpfen und
der Fussgänger im Laufe der Schnelligkeit des Rosses gleich-
kommt, was besonders bei den Sidonen, dem Hauptstamme der
Batarner, der Fall ist, von dorther u. s. w. Man mag den
Ausdruck allzukurz und dunkel finden ; es ist aber weder an
eine Corruptel noch an eine Lücke zu denken. Uebrigens
hatte der Dichter bei dieser Schilderung offenbar die Stelle
in Cäsars bell. Gall. I, 48 vor Augen. Eben so wenig darf man
Studien zu den Aigonautica de« Valerius Flaccus. 293
eine Lücke nach 571 amiolinien, wie dies Pli.* Wui>ner (Neue
Jahrb. 89, 399) gegen Tliilo nachgewiesen hat. Aucli halte
ich die Ueberlieferung in den Versen 571 und 572 für riclitig,
selbst ohne dass man die Conjectur im Codex des Carrion
praereptus statt ereptus annimmt ; denn Valerius hat auch sonst
durch die Arsis eine Verlängerung- einer kurzen Endsylbe eintreten
lassen, so in der dritten Arsis VI, 152 saevns lionor und VI, 305
genitör inquit, wofür in C inquit genitor hergestellt ist, in der
zweiten II, 225 metiis adeo und in der vierten neben unserer Stelle
noch III, 234 sanguis exuheret. Nicht hieher gehört densä spargeMs
VI, 229, wo densa zwar nicht Ablativ, sondern Accusativ ist, die
Verlängerung aber ihren Grund in der doppelten Consonans
hat, mit welcher das folgende Wort beginnt (vgl. L. Müller de re
metr. p. 320). Möglich nun, dass Valerius einige dieser Stellen,
namentlich unsere und VI, 152 bei einer Ueberarbeitung geän-
dert hätte; doch selbst daran zu bessern ist bei dem Zustande,
in welchem das Gedicht vorliegt, sicher nicht räthlich. Gram-
matisch ist unsere Stelle nicht bedenklich. Es muss hier, wie
zu reddita ein sunt, so est zu areptus ergänzt werden ; in dem
Satze hrevihns ereytus in annis! wird das vorausgehende 'pri-
maeviis emphatisch wiederholt.
Aus VII, 423 (vgl. I, 441) ersehen wir, dass der Dichter
in dem Kampfe mit Perses auch den Argonauten Iphis fallen
Hess (wie es scheint nach dem Vorgange des Dionys von Milet,
nach welchem aber Iphis in dem Kampfe umkam, den die Argo-
nauten auf der Rückkehr zu bestehen hatten, als Aeetes auf der
Verfolgung die Fliehenden erreichte Schol. Apoll. IV, 223), wäh-
rend Andere, wie Diodor IV, 48, dies von Iphitus erzählten. Nun
hat sich schon J. Wagner mit Recht darüber verwundert, dass
in diesem Buche vom Tode des Iphis nicht die Rede ist, wes-
halb er an den Ausfall einer Anzahl von Versen dachte. Thilo
erwähnt diese Vermuthung (XXVIII) , bemerkt aber hiezu :
sed hoc quoque loco de Vnlerü festinalione cogitare mala. Sollte
denn Valerius wirklich mit solcher Eile gedichtet haben? Und
wie sollte er, da er doch den Tod des Canthus erzählt (VI, 317 ff.),
den des Iphis in der Eile , ohne es zu merken , übergangen
haben? Das Wahrscheinlichste ist, dass Valerius diese Erzäh-
lung bei der ersten Ausarbeitung des Buches noch nicht aus-
294 Sclienkl.
führte, sondern sie erst später einzuflechten g-cdachte. Es lassen
sich freilich noch zwei andere Mög-lichkeiten denken. So konnte
der Dichter erst bei der Ausarbeitung- des siebenten Buches
auf den Gedanken kommen auch den Iphis im Kampfe g^egen
Perses fallen zu lassen, um so eine grössere Abwechslung in die
Schlachtenbilder des sechsten Buches zu bringen; da er aber
das Gedicht keiner Ueberarbeitung unterzog-, so blieb das sechste
Buch so, wie es entworfen war, und nur im ersten Buche
wurden VII, 423 entsprechend einige Verse 441 — 443 einge-
schoben. Auch konnte Valerius das sechste Buch später aus-
g-eführt haben als das siebente und erste und dabei zum Ent-
schlüsse g-ekommen sein bloss Canthus im Kampfe fallen zu
lassen, was natürlich bei einer Ueberarbeitung- des Gedichtes
die Streichung- von VII, 423 und die Umänderung von I, 441 ff.
nach sich g-ezogen haben würde. Doch sind diese beiden Er-
klärung-sarten weit weniger wahrscheinlich.
Auch das siebente Buch verräth an mehreren Stellen,
dass der Dichter noch nicht die letzte Hand an sein Werk an-
gelegt hatte. Eine solche Stelle ist v. .57, an welchem bisher
noch Niemand Anstoss genommen hat, obwol er den Zusam-
menhang in auffallender Weise stört. Es liegt auf der Hand,
dass sich v. 58 si tarnen his aliter perstas non cedere terris un-
mittelbar an die nachdrucksvolle Betheurung ante meus caesa
descendet Cancasus im\hra u. s. w. anschliesst. Zudem ist der
Ausdruck in v. 57 so unvollständig (zu statid müsste doch noch
ad aram hinzugefügt werden), der Gedanke so abgerissen, dass
man in diesem Verse nur eine Randbemerkung des Dichters
sehen kann, die ihm gewissermassen als ein Merkzeichen bei
der späteren Ueberarbeitung dienen sollte. Offenbar wollte
er den Aeetes sagen lassen: Nicht ich bin die Ursache, wenn
das goldne Vliess im Lande der Kolcher ist; ich habe ja
nicht die Helle und den Phrixus am Altare schlachten wollen.
Auch würde Aeetes jedenfalls, wenn Valerius diese Stelle aus-
geführt hätte , auf die " freundliche Aufnahme des Phrixus in
Kolchis hingewiesen haben (vgl. I, 519 ff.). Wo dies eiuge-
flochten werden sollte, ist ungewiss; nur kann dies nicht an
dem Orte, wo jetzt v. 57 steht, beabsichtigt gewesen sein,
weil, wie gesagt, v. b'6 und 58 unmittelbar zusammenpassen.
Studien zu den Argonantica des Valerins Flaccus. 295
V. 201 kommt im Vnt. iii doppelter Fassung" vor; es tblg-t
nämlich auf den lückenhaften Vers hoc satis ipsa etiam spectare
siipremos noch der vollständige ei mihi ne casus etiam spectare
s2(.praemos. Thilo nimmt nun (XXVII) an, dass diese beiden
Verse von dem Dichter herrühren; Valerius habe, nachdem
er den ersteren Vers gedichtet hatte, bemerkt,- dass dei'selbe
durch die Auslassung- des Verbum substantivum etwas dunkel
geworden sei; der Gedanke sei nämlich: hoc satis esset, secl
spectare etiam casus tuos supremos cogar. Daher habe er den
zweiten Vers beigefügt, der seiner Fassung nach entschieden
den Vorzug verdiene. Ich bin hievon nicht überzeugt. Vor
Allem ist es nicht wahrscheinlich, dass ein Herausgeber diese
beiden Verse neben einander stehen gelassen hat. Man ent-
gegne nicht, dass dies ja auch sonst geschehen sei und gerade
in dieser Abhandlung nachgewiesen wurde. Bei den anderen
Beispielen war noch immer eine gewisse Construction möglich,
mochte sie auch noch so verkehrt sein, was hier nicht der
Fall ist; auch liegt bei dem Gleichlaut der Verse die Sache
so auf der Hand, dass sie selbst der blödeste Abschreiber mer-
ken musste, wie denn auch in allen übrigen Handschriften der
zweite Vers gestrichen ist. Dann beachte man noch, dass
der erste Vers unvollständig überliefert ist und wol Jemaud
den Versuch machen konnte ihn zu ergänzen; auch war es
gewiss nicht schwer, casus zu finden, welches durch den Ge-
danken gefordert und durch supjvemos deutlich angezeigt war.
Was ferner ei mihi im zweiten Verse anbetrifft, so konnte es
der Emendator für das ihm minder verständliche hoc satis aus
V. 23G entnehmen. Endlich leugne ich, dass die zweite P'assung
den Vorzug verdient; im Gegentheile muss man den ersten
Vers als den gelungeneren anerkennen, nur wird man nach
swori (202) nicht einen Punkt, sondern ein Fragezeichen zu
setzen haben. Dann ist zu hoc satis bloss est zu ergänzen und
die Stelle so zu erklären : Es ist ja schon dies genug, dass
i ich über dich und dein Geschick weine ; soll ich noch deinen
j Tod mit meinen Augen schauen, soll ich wieder gezwungen
! die Begleiterin meiner hartherzigen Schwester sein? — Einen
i sicheren Doppelvers haben wir dagegen v. 571 f. Man ver-
\ gleiche nur taurus et inmani proßavit tuvhine fiammas mit ar-
j dmts atque atro volvens incendia fluctu, und man wird zugeben
296 Schenkl.
müssen, es sei in beiden Versen ganz derselbe Gedanke ausg-e-
drückt. Dass ßuctn unbedenklich ist, hat Ph. Wagner (Phil. XX,
626) mit Recht gegen Eyssenhardt bemerkt, der dafür rictn schrei-
ben wollte (Rhein. Mus. XVm, 392). Wenn Meynke in seinen
Quaestiones Valerianae (p. 53) dessenungeachtet diese Conjectur
billigt und zugleich ardum in narihus ändern will, so ist dies
die reinste Willkür. Auf diese Weise wird man allerdings
leicht einen Doppelvers beseitigen können, nui' darf ein solches
Verfahren nicht auf den Namen von Kritik Anspruch machen.
Uebrigens hat Meynke in den Nachträgen (p. 5ö) diese Aende-
rungen selbst wieder verworfen und ist zu seiner früheren An-
sicht (p. 29) zurückgekehrt, wornach dieser Vers eine Parallel-
stelle aus einem anderen Dichter sein soll, die sich ein Leser
am Rande angemerkt habe.
Eine Lücke , die auf einen Abschreiber zurückzuführen
ist, finden wir in diesem Buche nach 632, wo jedenfalls ein
Vers verloren gegangen ist. Dagegen kann ich nicht mit Thilo
V. 85 annehmen, dass nach ijraecejis das Ende dieses Verses
und vor subito der Anfang des folgenden ausgefallen sei , son-
dern erkläre die offenbare Corruptel in dieser Stelle auf eine
andere Weise. Das Bild, dessen sich der Dichter hier bedient,
haben Ph. Wagner (Phil. XX, 644) und Meynke (Quaest. Val.
p. 15) gegenüber den irrigen Auslegungen der früheren Heraus-
geber richtig erkannt. Jason hatte sich gemäss der Verspre-
chungen des Aeetes schon am Ziele seiner Wünsche gesehen
und nun stand er weit von demselben entfernt vor Gefahren,
welche nicht geringer schienen als die Cyaneischen Felsen.
Daher vergleicht ihn der Dichter mit einem Schiffer, der schon
das Ziel seiner Schiff fahrt, die Mündung des Tiber und den
Leuchtthurm von Ostia, erblickt, plötzlich aber durch einen
Windstoss verschlagen und gegen die verderblichen Syrten an
der Küste Afrikas getrieben wird. Denkt man sich nun nach
fharon eine Pause im Vortrage und verwandelt man suhito in
raptus oder actus, so wird man Meynke zugeben müssen, dass
der Gedanke vollständig und der Ausch'uck tadellos ist. Denn
des Beisatzes vento bedarf es nicht, besonders bei der Kürze
im Ausdrucke, wie sie Valerius liebt, noch weniger eines spe-
ciellen Namens, wie aquilone, da die Richtung durch Syrtes an-
gedeutet ist. Freilich scheint raptus oder actus für subito eine
Stuflion z« cIpii Argona\itica dps Valerius Placcus. 297
sehr willkürliche Aenderimg zu sein, indess lässt sich diese
Verbesserung doch sehr wahrscheinlich machen. Wir finden
nämlich im Vat. mehrfach Spuren mittelalterlicher Glosseme, wie
dies schon Thilo (LX) bemerkt hat. Zweifellos ist dies VI, 3,
wo über tueri die Glosse videre stand und daraus die Lesart
viden entstanden ist, und so hat auch VII, 503, wo Heinsius
statt videiitem richtig tuentem hergestellt hat, das Glossem das
echte Wort verdrängt; V, 151, wo die echte Lesart Mossyni
ist, steht im Vat. Moossony cid, die Bemerkung eines Mönches,
welcher den gewöhnlichen Namen Mossynoeci angeben wollte,
VI, 382 findet sich neben q^dn das überflüssige etiam. Diesen
schon von Thilo angeführten Beispielen füge ich noch drei
andere hinzu. Das seltsame litorihus II, 139, was in der Aldina
in veUeinhus verbessert ist, verdankt wol seinen Ursprung dem
Worte lahoribus, das zur Erklärung über velleribus geschrieben
war, hehia III, 511, wofür Burmann flwnina hergestellt hat,
scheint eine Bemerkung zu Nemeen zu sein, welche sich in den
Vers einschlich und ein Wort desselben verdrängte. Die di-itte
Stelle dieser Art VII, 550 ff. erheischt eine längere Erörterung.
Hier ist nämlich folgendes überliefert:
tuqiie timm ixirtim. Graium. da natu draconem
ipsius aspectu pereant in vellera et ipsa
terga mild diros servent infecta cruores.
In dem ersten Verse schreibt man allgemein nach einer
Verbesserung von Heinsius patri in Graios, wovon zwar ixiiri
in richtig, Graios aber vei'fehlt ist; warum soll man nicht das
überlieferte Grainm beibehalten, da doch hier Jason allein in
Betracht kommt. Allerdings liegt dann in der Stelle ein Dop-
pelsinn, indem man tuum sowol zu Grainm als zu draconem
beziehen kann; aber diese Ironie, dass Aeetes in seiner Rede
an Medea unbewusst den Jason als twis bezeichnet, kann recht
wol in der Absicht des Dichters gelegen sein, Ist dies richtig,
dann muss auch im folgenden Verse pereat ne (ne hat schon
die Aldina) geschrieben werden, wie es ja auch der Zusammen-
hang verlangt; denn da Jason allein das Unternehmen zu be-
stehen hat, so kann er ja auch nur allein durch den Anblick
des Drachen zu Grunde gehen. Was die folgenden Worte an-
betrifft, so hat Thilo richtig erkannt, dass vellera und ferga,
da sie ganz dasselbe bezeichnen, nicht neben einander stehen
298 Schenkl.
können. Mit villus, Avas Thilo vorscliläg-t, ist nichts geholfen.
Eben so ist die Conjectur Meynke's (Q.uaest. Val. p. 5*2) templa
für terga verfehlt. Einen Tempel des Mars gab es nämlich gar
nicht, sondern nur einen heiligen Hain (Ispbv äXaoq Apoll. IV,
100, 123, 130, vgl. in unserem Gedichte V, 640 ff.), welcher aller-
dings ganz gut templnm genannt werden kann ; diese Bedeutung
, heiliger Bezirk (Tsp-svo;), Heiligthum' hat ja auch templa V, 632,
Vin, 438, wo sich dies besonders aus der letzteren Stelle ganz
deutlich ergibt. Da aber ipsa hier jedenfalls eine Steigerung be-
zeichnet, so kann templa nicht richtig sein ; denn die heilige Eiche
mit dem ^^iesse bildet doch den Mittelpunkt des templnm und ihre
Verunreinigung ist daher noch viel schrecklicher als die Be-
fleckung des Haines. Wol aber kann man sich ipsa mit terga
verbunden denken, wenn statt vellera ein anderes Wort gesetzt
wird, das eine minder bedeutende Sache bezeichnet. Ich ver-
muthe daher, dass vellera eine GTlosse ist, welche terga erklären
sollte, und dass diese Glosse das echte Wort quercns verdrängt
hat. So erhalten die Worte einen treffenden Sinn : damit nicht
der heilige Baum und selbst das an diesem aufgehängte Vliess
vom Blute des Frevlers befleckt die Spuren desselben bewahre.
Kehren wir nun zu unserer Stelle (VII, 83) zurück, so wird
man bei dem Umstände, dass im Archetypus mehrfache Glossen
nachzuweisen sind, auch hier an eine Erklärung von praeceps
durch subito und an eine Verdrängung des echten Wortes denken
dürfen, welches wol nur raptus oder actus gewesen sein kann.
Von Versumstellungen finden wir in diesem Buche zwei
Beispiele. Es müssen nämlich, wie Thilo (LXI) richtig erkannt
hat, die beiden Gruppen von je acht Versen 276 — 283 und
284 — 291 ihre Plätze wechseln. Es ist sehr wol möglich, dass
diese Störung schon von dem Herausgeber durch Versetzimg
zweier Blätter verursacht wurde; und da die andere Stelle,
nämlich 295 und 296, welche Meynke (Quaest. Val. p. 50) mit
Recht umgestellt hat, in derselben Partie vorkommt, so kann
auch diese Verwechslung den gleichen Ursprung haben.
Die offenbarsten Beweise aber für unsere Annahme, dass
das Gedicht unfertig von dem Dichter hinterlassen wurde,
liefert das achte, wie schon gesagt, unvollständige Buch. So
ist es undenkbar, dass Valerius auf v. 139 unmittelbar 140
folgen Hess, wie dies schon Weichert (in seiner Ausgabe des
Studien zu den Argonaiitica des Valerius Flaccus. 299
achten Buches p. 139) und Thilo (XXXI) bemerkt haben; die
Partikel adhuc (140) war schon Burmann anstössig, und in der
That ist dieselbe nur dann denkbar, wenn im Vorhergehenden
ei'zählt wird, wie Aeetes mit seinen Mannen in die Stadt zurück-
kehrte , um die geeigneten Massreg-eln zui- Verfolgung' der
Flüchtigen zu treffen. Ph. Wagner (Neue Jahrb. .89, 393) meint
zwar, aus dem nequiqnam ergebe sich von selbst, dass die
Kolcher mit Aeetes wieder zurückkehren, ohne dass dies, weil
nicht nöthig, besonders bemerkt werde. Aber aus nexjuiqvam
kann man dies nicht entnehmen 5 denn 7ieqniqvam bezeichnet,
wie aus dem folgenden hervorgeht, bloss, dass die Verfolgung
der Kolchei-, ihi-e Kampflust umsonst gewesen sei, weil sie das
Meer von dem Schiffe trennte. "Wagner muss dies selbst ge-
fühlt haben, weil er nom in iam oder citri verändern will ; da-
<lurch aber würde auch nichts erreicht: mit und ohne nam
würde immer der Satz fngit inmissis u. s. w. eine ^Begründung
oder Erklärung des Vorausgehenden geben. Es sind somit
entweder nach 139 einige Verse verloren gegangen oder (und
I dies ist das Wahi'scheinlichere) der Dichter hat beim ersten
Entwui'fe diese Stelle nicht vollständig ausgeführt. — Wenn
Thilo (XXXI) aus der unnatürlichen Stellung von mit (v. 168) und
dem verkehrten Gedanken iremus et amhae in qiiasczimqiie vias
den Schluss zieht, Valerius würde dieser Stelle bei einer Ueber-
arbeitung des Gedichtes eine bessere Fassung gegeben haben,
so kann ich ihm nicht beistimmen. Allerdings ist der Gedanke
der Idyia mit Medea entfliehen zu wollen, wie schon J. Wagner
erkannte, unpassend : aber man stösst bei Valerius mehrfach
auf derlei outrierte und geradezu geschmacklose Stellen. Er
wollte hier offenbar Verg. Aen. V, 707 ff. nachahmen. Auch
i die Bemerkung über die Stellung von avt wiegt nicht schwer;
i denn es finden sich, wie wir schon gesehen haben, in den Ar-
I gonautica noch andere Beispiele solcher verrenkter Wortstel-
lungen. Ph. Wagner (a. a. O. 393) will diesem Uebelstande
j durch Emendation abhelfen und ant vor commune einsetzen,
wo es leicht von dem vorausgehenden -am verschlungen werden
konnte; doch dieser Vorschlag ist nicht ernst gemeint, da gleich
j darauf für aut certe tunc : liaud remio tmic vermuthet wird.
j Was soll denn aber hier das ganz überflüssige Urne, das noch
i dazu nur eine Conjectur von Dureau de Lamalle füi- das über-
Sitzlj. d. [.liil.-hist. Cl. LXVni. Bd. ÜI. lllt. 20
300 S c h e n k 1.
lieferte mcnc ist. Meiner Ansicht nacli wird man mtt certe,
nata, omne nefas schreiben müssen.
Zwischen 440 und 441 besteht kein Zusammenhang, wes-
halb man durch verschiedene Coujeeturen quaerit, quaero, qua re
für das überlieferte qiiaere nachzuhelfen versuchte, ohne aber
etwas Entsprechendes herzustellen. Auch mit der Versetzung
des Verses 463 ,qr(id mheasf heu dure siles'^ maymimqne minatur
nach 440 ist nichts erreicht, wie wir weiter unten zeigen werden.
Es wäre also hier wieder ein Ausfall von einem oder mehreren
Versen anzunehmen, wenn nicht die Wahrscheinlichkeit dafür
spräche, dass der Dichter diese Stelle in ganz unfertigem Zu-
stande hinterlassen hat.
An vv. 449 f. hat man bisher nicht Anstoss genommen,
obwol sie den Zusammenhang in auffallender Weise stören;
denn der Satz si .... cerner et muss sich unmittelbar an ferehat
anschliessen, während er jetzt in ganz verkehrter Weise mit
frigit verbunden ist. Dann beachte man den Sinn unserer Stelle
und das Bild, dessen sich der Dichter bedient: Medea stürmt
wie wahnsinnig davon und ersteigt in Hast einen Berggipfel
gleich einer Mänade, welche Bacchus mit seinem Thyrsus auf
den Cithäron hinauftreibt. Was soll nun hier cuncta pavens,
was die entsetzte Flucht vor den zuckenden Lanzen der Erd-
gebornen oder den Flammen schnaubenden Stieren? Diese Vi-
sionen (denn anders kann man ja die Worte nicht auffassen)
sind hier ganz und gar nicht am Platze. Was der Dichter
damit beabsichtigte, ist schwer zu sagen; nur dies ist sicher,
dass diese Verse, welche Valerius am Rande oder auf einem fl
Blatte hingeworfen hatte, von dem Herausgeber hier am un-
rechten Orte eingefügt wurden.
Von V. 458 an haben wir nur einige abgerissene Verse,
die letzte Arbeit des Dichters vor uns. Wie Thilo (XXXVHI)
richtig bemerkt hat, besteht zwischen diesem Verse und dem
vorhergehenden gar kein Gedankenzusammenhang. Ph. Wagner
(a. o. O. 394) will hier zwar den Ausfall eines Blattes im Vat.
(etwa fünfzig Verse) annehmen; wie wenig Wahrscheinlichkeit
dies aber hat, ei'sieht man gleicli aus dem folgenden, wo zwischen
4G2 lind 464 eben so wenig ein Zusammenhang besteht und auch
nicht durch die Versetzung des Verses 463 ,quid iid)eas? heu
dure sües' mcupiumque minatur zwischen diese beiden , welche
Studien zu ilen Argonautica dcti Valerius Flaccus. 301
Umstellung man seit Maser allgemein angenommen hat, her-
gestellt wird. Dass der Vers nicht nach 459 stehen kann, ist
klar, weil sich die Worte qunlis erat an decor ille iuventae an-
schliessen ; wo er aber hingehört, das lässt sich nicht enträth-
seln ; denn wenn man ihn mit Lemaire nach 440 stellt, so kann
man zur Noth quin mmc quoque q^iaere mit quid iitheas verbinden,
aber es passt weder der Ausruf heu, dure silesf noch magnum-
qiie minaUir, welches übrigens die Rede der Medea ungeschickt
unterbrechen würde. Ich begreife daher nicht, wie Thilo (XXXII)
sagen konnte, dass dieser Vers nach 440 einen ganz passenden
Platz habe.
Wenn wir nun das, was sich bei der Untersuchung der
einzelnen Bücher ergeben hat, übersichtlich zusammenstellen,
so sehen w^ir, dass sich in unserem Gedichte zahlreiche Spuren
der Unfertigkeit zeigen. Wir hnden Verse, welche der Dichter
sich am Rande bemerkt hatte, theils um sie später, wenn es
ihm passend schiene, in den Text zu verweben, wie I. 410,
ni, 273, theils um sie als Merkzeichen für Partien zu gebrauchen,
welche er erst bei der Ueberarbeitung auszuführen im Sinne
hatte, wie VII, 57, VIII, 449 f., weiter Verse, welche der Dichter
ohne Zweifel beseitigen w^ollte, wie V, 308, VI, 31 f., 23<S,
endlich Doppelverse und Doppelstellen, aus welchen er bei der
letzten Feile die Wahl zu treffen gedachte oder auch schon
bei der Ausarbeitung die Wahl getroffen hatte, ohne jedoch die
parallelen Verse oder Versgruppen, welche er verworfen hatte,
zu tilgen, wie I, 779—784, 831 f., IV, 662, V, 566, VII, 572.
Es kommen nicht wenige unfertige Stellen vor, welche sich
durch mangelhaften Gedankenzusaramenhang, fehlende Partikeln
u. dgl. als solche verrathen, wie II, 170, 178, 196, 329, 332,
III, 311, 330, VIII, 139, 440, 458, 464; im sechsten Buche ist
j der Tod des Iphis, obwohl dieser nach VII, 423 (I, 44 Ij in
I dem Kampfe mit Perses gefallen ist, der eben den Inhalt des
i sechsten Buches bildet, mit keinem Worte erwähnt. Auch sind
Versetzungen von Versen zu bemerken, welche, wie es scheint,
nicht Abschreibern zur Last zu legen sind, sondern auf die
ursprüngliche Redactiou zurückgehen, wie IV, 213, V, 584 —
I 586, VI, 102, VII, 276—283, 295. Diese Spuren linden sich
I mehr oder weniger in allen Büchern, namentlich aber enthält
I das zweite und, wie begreiflich, das unvollendete achte Buch
20*
302 Sehen kl.
eine grössere Zahl unfertiger Stellen. Es hat somit der Dichter
an kein einzig'es Buch die letzte Hand angeleg-t. Wir sehen
also, es sind uns die Argonautica in einem ganz ähnlichen Zu-
stande wie die Aeneis überliefert. Weiterhin ergibt sich, dass
der Herausgeber der Argonautica seine Aufgabe eben so schlecht
erfüllt hat, wie L. Varius und Plotius Tucca die ihre bei der
Herausgabe der Aeneis oder M. Tullius Cicero die seine bei der
Redaction des Gredichtes des Lucretius. Nur in einem Puncte
verdient er Anerkennung, nämlich dass er nichts eigenmächtig
veränderte oder hinzufügte; aber es scheint diese Zurückhal-
tung eine allgemeine Eigenschaft der Herausgeber in jenen
Jahrhunderten gewesen zu sein.
Wie wir oben gesehen haben, ist das Prooemium zu den
Argonautica um 71 n. Chr. geschrieben. Daraus aber zu
schliessen, dass Valerius schon damals die Argonautica ganz
oder zum grossen Theile ausgearbeitet hatte, wäre ganz ver-
fehlt, um so mehr als ja der Dichter im achten Buche stehen
blieb. Da das Prooemium ganz deutliche Beziehungen auf
Thatsachen und Erscheinungen jenes Jahres enthält, so muss
es dazu bestimmt gewesen sein gerade in jener Zeit veröffent-
licht zu werden. Was liegt nun hier näher als die Vermuthung,
dass Valerius das erste Buch seines Gedichtes im Jahre 71
öffentlich vorgetragen hat; die Recitationen waren ja damals
das gewöhnliche Mittel, um für ein grösseres Werk, das man
in der Arbeit hatte, das Interesse des gebildeten Publicum rege
zu machen. Nach alle dem hatte unser Dichter um 7 1 nicht
viel mehr als das erste Buch ausgearbeitet und nehmen wir,
was gewiss nicht unwahrscheinlich ist, die Zeit, welche Statins
auf seine Thebais verwendete, als Massstab an, so hat Valerius
beiläufig in je einem Jahre je ein Buch ausgeführt und war
also um 78 mit dem achten Buche beschäftigt. Einen anderen
Grund, warum er sein Gedicht unvollendet Hess, als seinen Tod
kann man sich schwerlich denken. Somit wird man etwa das
Jahr 79 als das Sterbejahr unseres Dichters anzusetzen haben.
Dieser Annahme steht der Ausspruch des Quintilian, den dieser
beiläufig zehn Jahre hernach gethan hat, vudtnm in Valerio
F/.arco nv.'per nmisimns nicht entg-egen ; denn nnper wird be-
kanntlich nicht immer von einer ganz nahe liegenden Zeit,
sondern auch von (iiner entfernteren, z. B. von drei, vier, auch
Studien zu den Argonautica de:^ Viileiius Flaccus. 303
zehn Jahren Ji^esetzt (vi^l. Hand Tui'soll. IV, 340). Das multum
amifiünus des Quintilian gilt nicht allein dem bedeutenden Ta-
lente des Dichters, sondern auch dem Umstände, dass er, ohne
seine Argonautica zu vollenden, in der Bliithc der Jahre dahin-
starb, während man von ihm noch eine weitere Entwicklung
und grössere dichterische Leistungen ei-warten konnte. Und so
kommt doch trotz aller Bedenken, die man dagegen vorgebracht
hat, die alte Ansicht des Ba})tista Pius und Petrus Crinitus
wieder zu Ehren, dass Valerius durch einen frühzeitigen Tod
den Musen entrissen wurde.
IL
Dass die Argonautica von ihrer Zeit mit grossem Beifalle
aufgenommen wurden, ersieht man nicht bloss aus dem eben
augeführten Urtheile des Quintilian, sondern auch aus der viel-
fachen Benützung derselben von Seiten zweier Zeitgenossen,
nämlich des Statins und Silius Italiens. Statins hat aus dem
Gedichte des Valerius eine grosse Menge von Vergleichungen,
Bildern, Wendungen, neu gebildeten Wörtern u. dgl. entlehnt,
bei Silius Italicus beschränkt sich die Nachahmung mit wenigen
Ausnahmen bloss auf einzelne Fügungen und Ausdrücke. ") Doch
") Dass Statins die Argonautica stark ansbentcte, hat Caspar Barth in seinem
Comnicntar zu Statins mehrfach bemerkt und neuerdings Meynke (Quaest.
Val. p. 31) hei-vorgehoben. So sind ganze Partien des Gedichtes von
Statins, freilich mit mannigfachen Umänderungen nachgebiklet worden,
z. B. die Erzähhmg vom Morde der Männer auf Lemnos imd der Ankunft
der Argonauten daselbst (II, 82—127 = Tlieb. V, 49— 498; vgl. l)esondors
n, 102 mit Theb. V, 62, H, 214 mit Theb. V, 122, II, 216 mit Theb. V,
206, II, 292 mit Theb. V, 289) oder die Schilderung des Faustkampfes
zwischen Pollux und Amycus (IV, 199—314 = Theb. VI, 731 — 812;
vgl. besonders IV, 250 mit Theb. VI, 733, IV, 265 ff. mit Theb. VI, 765
ff., IV, 330 mit Theb. VI, 783, IV, 304 mit Theb. VI, 803). Ebenso hat
er einzelne Situationen aus den Argonautica entlehnt, z. B. den mit dem
Mischkessel kämpfenden Pholus (I. 337 f. = Theb. II, 563 f.) oder die
neben dem verdammten Phlegyas in der Unterwelt gelagerte, ihn peini-
gende Furie (II, 192 ff. = Theb. I, 712 ff.), Hylas als Träger von Waffen
des Hercules (I, 109 ff., vgl. in, 486 = Theb. V, 441 ff.), nicht minder
304 Schenkl.
haben wir nirgends eine Andeutuna^, dass Valerius iu den
Schulen gelesen oder von einem Grammatiker erklärt wurde;
auch findet sich im Vaticanus keine Spur von Scholien ; denn
die wenigen Glossen, die wir früher besprochen haben, sind
mönchischen Ursprunges und vollständig unbedeutend. Kein
Grammatiker hat eine Stelle aus Valerius als Beispiel und Beleg
angeführt oder eine Erklärung irgend eines schwierigen Verses
Vergleichungen, wie II, 546 ff. = Theb. III, 33ü ff., II, 385 ff'. = Theb.
XI, 742 ff., IV, 195 ff. = Theb. VII, 438 ff., VII, 567 ff. = Theb. III,
317 ff., V, 343 ff. = Ach. II, 150 ff., VI, 383 ^ Theb. VII, 744. Häufig
findet man Versansgänge oder Versanfänge nachgeahmt z. B. ludoque edu-
cite noclem I, 251 = Theb. II, 74, verha relinqve I, 333 =: Silv. II, 1,
152, nataeque nw-nsque 11, 247 = Theb. V, 200, iaima leti III, 386
(IV, 231) = Theb. III, 68, motu pater incüat hasta IV, 609 = Theb.
IX, 72, Ostia belli V, 307 = Theb. V, 146, profundo . . mero V, 593 =
Theb. V, 187, sub ipsa (morte) VII, 336 = Theb. VIII, 648, nube soporis
VIII, 81 = Ach. I, 646, ibant VI, 160 =^ Theb. H, 230, auch andere
Verstheile, wie data copia (vennn) I, 102 = Ach. I, 495, reserata dies
I, 655 = Theb. V, 479, quae sola salus HI, 255 = Theb. X, 531, deus
haec deus III, 271 = Theb. V, 133, strepuere tuhae VI, 28 = Theb. IV, 95.
Sehr gross ist die Anzahl von Wendungen, Ausdrücken, Attributen, Wortbil-
dungen u. s. w., welche Statins aus den Argonautica entnommen hat. Man
vergleiche I, 4 {flammifero Olympo) mit Silv. I, 2, 119, I, 79 {animi
incevtum) mit Theb. III, 444, I, 104 (viagna laude canunt) mit Theb. VIII,
553, I, 241 (supe^-um consulta) mit Theb. VII, 81, I, 264 (ivipliciti oscidaj
mit Silv. II, 1, 46, I, 319 (Idaeam . . . buxumj mit Theb. V, 93, I, 328
fu7ide ego timuissem) mit Theb. VI, 142, I, 355 (celer Asterion) mit Theb.
IV, 121, I, 532 (rerinnquc a principie cursu fixa manent) mit Theb. III, 242,
II, 158 (durata yelu) mit Ach. 11, 393, II, 357 {lege poli) mit Theb. I,
298, IU, 37 (soUsque cubilia) mit Silv. III, I, 183, III, 74 {fixit pavor) mit
Ach. I, 158, III, 559 (rota Phoebi) mit Silv. V, 1, 17, III, 578 {/ähemi
Jovis) mit Theb. III, 26, III, 677 (consortia famae) mit Theb. I, 84, IV,
138 (ParrJiosio patriae de viore galeroj mit Theb. IV, 303, IV, 160 (caestu
obi-uit ora) mit Ach. I, 190, IV, 181 {rotatis viris) mit Theb. 11, 607, IV,
508 (Vesevi apex . . . ignea rtiontem . . hievis) mit Silv. III, 5, 72, V, 225
flaborati aevij mit Theb. I, 341, V, 288 (et nostros iam sudor equos) mit
Theb. III, 210, V, 356 (virginei custos jmdoris) mit Theb. XII, 205, VI,
150 (inpulit dubios) mit Theb, XI, 482, VI, 655 (mortem acerbat) mit
Theb. IX, 302, VII, 127 (7noUi ira) mit Theb. V, 732, ferner V, 448 (de-
qtiesta) mit Theb. I, 404, XI, 627, IV, 137 {iimbrataqtie) mit Theb. IV,
738, VI, 554, IV, 418 (persona) mit Ach. I, 208 u. dgl. m. Auch für die
Kritik des Valerius gibt diese Vergleichung einige Ausbeute. So erhellt
aus Silv. I, 4, 36 vaga cingitur astris Inna, dass Statius den Doppelvers
Studien zu deu Argonautica det; Valerius Flaccun. 30; )
der Argonautica zu geben versucht. INIit deh- Hadrianischen
Periode gerietli das Gedicht in Vergessenheit und erlaugte auch
später nicht mehr einen grösseren Leserkreis; wenigstens lassen
sich in den Dichtungen der folgenden Jahrhunderte nur selten
Benützungen oder Nachahmungen der Argonautica nachweisen.
Sieht man von der Uebereinstimmung in einzelneu Wendungen
oder Ausdrücken ab, die bei manchen späteren Dichtern, z. B.
bei Prudentius hervortreten, die aber auch auf blossem Zu-
falle oder auf der Benützung anderer Vorbilder beruhen können,
mithin keineswegs geeignet sind als Beweis zu dienen, so können
wir nur zwei Dichter namhaft machen , welche eifrige Leser
des Valerius gewesen sind und manches von ihm entlehnt haben.
V, 566 qualibus adsur;jens nox aurea civyüur anh-is gekannt liat. I, 144:
wird liic ense fiiiens dui'ch Theb. V, 661, IX, 303 als die echte Leseart
gegen den Codex des Carrion, in welchem hac paite fui-ens überliefert war,
gerechtfertigt; II, '29 ist dedif, wofür man iapit, tidit, vehif vorgeschlagen
hat, durch Theb. I, 568 geschützt, 1, 213 wird legem, was Kiessling (de
Dien. Hai. auct. p. 46) in regem ändern wollte, durch Ach. I, 64 iura
freti vertheidigt, ebenso 1, 356 fovit gegen die Conjectur von Heinsius
lavit dmx-h Theb.j I, 61. Dagegen bestätigt Statius , durch seine Nach-
ahmungen auch zwei Conjecturen von Heinsius, nämlich II, 151 uliits für
lales (vgl. Theb. V, \'d% ipsa fuces alias melioi-aqtie fotdera iungam, was
schon Meynke Quaest. Val. p. 32 bemerkt hat) und VI, 168 icfus für
intux (vgl. Theb. XII, 656 icla gemit lellus); auch funestaqne, das ich in
meiner Ausgabe II, 191 statt fesünaqtie hergestellt habe, jedenfalls ein
bezeichnenderes Wort als das von Friesemann (Coli. erit. p. 81), Schrader
(Hermes II, 142) und Peerlkamp (Verg. Aen. VI, 602) vorgeschlagene
iiifestaque und auch durch" die Alliteration empfohlen, erhält eine weitere
Begründung diu'ch funesta Venim .... fureidea Theb. V, 281.
Um von den Nachahmungen des Silius einige Beispiele zu geben, ver-
weisen wir auf den Vergleich VI, 260 iF. = Pun. VII, 673 tf., auf die
Schilderung des Ausbruches des Vesuvs IV, 507 tF., besonders 509 (iam-
que eous cinis induit u7-be6j = Pun. XVII, 592 ff,, besonders 595 f., auf
die gleichen Versanfänge und Versausgänge III, 659 {laetus opum) = Pun.
XIII, 33, II, 137 (castumque cuLile) = Pun. III, 28, H, 245 {Latus . . saecnla
fastis) = Pun. XVI, 131, auf Verstheile, wie V, 75 {vana Jides) = Pun.
XIV, 351; VI, 146 {veiia/Ms ulil) — Pun. VIII, 571, VIII, 85 {Imtantia
lumina) = Pun. VII, 205, auf übereinstimmende Wendungen, wie I,
8 (cvrsus ruvipere) = Pun. VII, 5(57, V, 369 {jwx accenditur) ; vgl.
III, 411, wo Burmann nicht unwahrscheinlich accenderit statt ascenderit
vorgeschlagen hat, was auch, noch durch pnniceas, das dann proleptisch
zu fassen wäre, empfohlen wird) = Pun. HL 671, VI, 614 {mutatque
cruores) — Pun. V, 286. VI, 238 u. dgl. m
306 Scheukl.
nämlich Claudianus und Claudius Murius Victor. '^) Wie wenig-
das Gedicht g-elesen wurde, ersieht man schon daraus, dass bei
keinem Schriftsteller ein Vers davon angeführt oder auf irgend
eine Stelle desselben angespielt wird. Im Commeutare des
Servius zu Vergil ist Statins an 69 Stelleu citiert, dagegen Va-
Icrius und Silius nicht ein einziges Mal.
Da nun das Gedicht in den letzten Zeiten der römischen
Literatur nur wenig bekannt war, so kann es uns nicht Wunder
nehmen, dass sich im Mittelalter jede Spur desselben verliert.
Die Handschrift, welche durch einen glücklichen Zufall gerettet
worden wai', ruhte in einer Klosterbibliotliek, und wenn auch
von ihr Abschriften gemacht wurden, so waren es nur wonige
und selbst von diesen gelangte keine in die Hände eines Ge-
lehrten, der durch seine Schriften auf diese Dichtung hätte
aufmerksam machen können. Von den Punica des Silius, welche
ebenfalls verschollen waren, hatte man doch durch Martialis (VI,
14) Kunde und kannte ihren Inhalt; von Valerius wusste man
nur aus Qiiintilian, dass er ein episches Gedicht verfasst habe,
■2) Wenn Meynke (Quaest. Val. p. 31) meint, dass Claudianus die Ai-gonau-
tica nirgends benützt hat, so ist dies entschieden unrichtig. Besonders
tritt in dem Gedichte de raptu Proserpiuae in einzelnen Wendungen und
Ausdrücken die Nachahmung des Valerius deutlich hervor. Man vergleiche
I, 70 [quercum arislu) mit de r. P. I, 31, 1, 39G {funcut nuhe diem) = de r. P. I,
liJ2, 1, 508 {rrnnpere queatus, vgl. IV, 42) = de r. P. II, 249, II, \'61 (cantwnque
cubllc) — de r. P. III, 163, II, 003 (ü«cw« Averni) — de r. P. I, 20, III,
211 {nox . . . hüjis) = d. r. P. I, 274, III, 232 (uliiUmtia Dindynia) =
de r. P. II, 2G0, IV, 449 {ex online fatis) — de r. P. III, 05 ; auch sind
die Verse I, 142 ff. und I, 151 ff. im Gedichte des Claudianus offenbar
den Stellen I, 589 f. und II, 24 ff", der Argonautica nachgebildet. Doch
auch in den übrigen Dichtungen des Claudianus finden sich hie und da
einzelne Nachahmungen, z. B. I, 355 (matre cadenteni) = in Ruf. I, 92,
II, 482 {corniger Hamnion) = IV Honor. cons. 143 u. ö.
Claudius Marius Victor hat in seinen Commentarii in Genesim vielfach
Verse und Phrasen aus Valerius benützt oder nachgebildet. Man vergleiche
III, 395 et fessos dulcis sopor cdlirjat art^is mit Val. I, 48, III, 111 fusca-
rique diem mit Val. I, 396, III, 607 lattri haeret mit Val. III, 480, III,
138 Pario de marmore mit V, 187 (eine nicht unwichtige Bestätigung der
Conjectur Maser' s), Praef. 88 frmide t.yvamii mit Val. IV, 16, III, 679
rotat Aetna mit Val. IV, 287 (wodurch auch dort rotat Aetna als die rich-
tige Leseart erwiesen wii-d); an einigen Stellen ist die Ucbereinstimmung
keine wörtliche, aber doch deutlich der Einduss des Vorbildes zu erkennen,
z. B. III, 287 fl'. verglichen mit Val. II, 274 ff.
Studien zu den Argouautica des Valcriub Flaccus. 307
Name und Inhalt waren unbekannt. Es ist ein sonderbarer
Zufall, dass die Argünautica und Punica 1417 in derselben
Bibliothek (im Kloster von St. Gallen) dureh Poggio und Bar-
tholomeo de monte Pulciano entdeckt wurden. Die beiden
Epen haben ein ganz gleiches Geschick 5 zu ihrer Zeit gefeiert,
waren sie in späterer Zeit fast vergessen, im Mittelalter unbe-
kannt; zugleich wieder aufgefunden treten sie fast um dieselbe
Zeit ans Licht und an die handschriftliche Ueberlieferung beider
knüpfen sich, wie wir gleich sehen werden, ähnliche Fragen.
Unter den jetzt vorhandenen Codices der Argonautica ist
nur einer vom höheren Alter, nämlich der Vaticanus 3277,
welcher dem neunten Jahrhunderte angehört. Baptista Pius,
der ihn für seine Ausgabe (Bologna 1519) benutzte,'-^) nennt ihn
in der Widmungsepistel an den Cardinal Julius Medici codex
Dacicus suspiclendae antiquitatis und sagt, dass er ihm van Ja-
cobus Oridryinus, scriba Apostolicus, geliehen worden sei ; V,
354 bezeichnet er ihn als ex nltimis Gei'maniis allatns, I, 441
und III, 538 bloss als ex Germania allatns. Er war einst im
Besitze des Fulvius Ursinus, der ihm in einer Bemerkung auf
dem ersten Blatte ein tausendjähriges Alter zuschreibt-, so
mochte auch Pius diese Handschrift in das sechste Jahrhundert
gesetzt haben. Wie die Nachricht bei Pius, so weist auch die
ganze Schreibart des Codex auf Deutschland als die Heimat
desselben hin; leider lässt sich nichts näheres über die Her-
kunft desselben bestimmen, da die beiden Verse am Ende , in
welchen sich der Schreiber unter Angabe seines Klosters genannt
zu haben scheint, gegenwärtig nicht mehr lesbar sind (vgl,
Thilo Prolegg. XL ff.).
Der Sangallensis, welchen Poggio 1417 auffand ist, wie
Thilo (LXIX) nachgewiesen hat, nur eine Abschrift des Vati-
canus und zwar eine unvollständige gewesen , da er mit IV,
317 endigte. Poggio hat wahrscheinlich nicht ihn selbst nach
Italien gebracht, S(jndern nur eine Abschrift davon gemacht,
j aus welcher die beiden Vaticani 1613 und 1014, der Ottobo-
I *') Dass Pius, wie dies schon Heinsius erkannte, den Vaticanus und zwar
nachdem er schon von der zweiten Hand corrig'iert war, benutzt liat, sieht
man aus seiner Note zu I, 178 ,in anfiqiio codice leijilur: frateinae eve-
nietque adcrexcere j^ evenietque ist aber im Vat. von zweiter Hand aiif einer
Rasur gescln-ieben.
308 Schenkl.
nianus 1258 und ein Oxforder Codex, den Heinsius verglichen
hat, geflossen sind; Pogg-io's Abschrift ist verloren gegangen.
Der Vaticanus 3277 wurde im 15 Jahrhunderte mehrfach
abgeschrieben, dabei aber, wie es damals Brauch war, der Text
sehr willkürlich behandelt, indem man, so gut es gieng, die Cor-
ruptelen durch Conjecturen beseitigte und die Lücken ausfüllte.
Unter diesen Vermuthungen finden sich nicht wenige, die ganz
sicher oder doch sehr wahrscheinlich sind, aber auch viele ver-
fehlte und verkehrte. Solche Abschriften sind der Monacensis
802, der Vaticanus 1(353, Reginensis 1869, zwei Codices in der
Chisi'schen Bibliothek (H. V. 172 und 173), vier in der Lau-
rentiana (plut. XXXIX, 35—38), je einer in der Marciana fll2)
und dem Kloster des h. Erlösers zu Bologna, der Codex, welchen
Heinsius in der k, Bibliothek zu Stockholm benützte (cod.
regius), der Erfurter, dessen Piccart in den Critica pericula
erwähnt, der Codex, welchen Burmann benützte, endlich der
des Thomas Coke, aus welchem D. Ferrari Burmann eine An-
zahl von Lesearten mittheilte; die vier Handschriften, welche
Maser nach den Schlussworten seines Commentares benützt zu
haben behauptet, dürften vielleicht gar nicht existiert haben.
Es entstellt nun die Frage, ob im Mittelalter vom 9 bis
zum 15 Jahrhunderte nur jener Vaticanus 3277 vorhanden war
oder neben ihm sich noch andere Codices nachweisen lassen,
welche unabhängig von ihm aus derselben oder einer anderen
Quelle entsprungen waren. Hier kommen zuerst die Excerpte
in der Pariser Handschrift 7647 aus dem 13 Jahrhundert in
Betracht, welche folgende Stellen umfassen: I, 22 f., 39, 76
f., 248 f., 320—334, 579—581, 584—596, H, 44—46, 59 f.,
117—122, 263 f., HI, 364 f., IV, 622 f., 744, V, 536, 540, VI,
200, 513 f., VII, 227—229, 416, 437, 511-513. Was die Aus-
wahl anbetrifft, so ist dabei hauptsächlich auf Sentenzen Rück-
sicht genommen, daneben auf Boschreibungen und Gleichnisse;
einmal ist auch eine Rede herausgehoben, bei einigen Stellen
lässt sich ein bestimmender Grund nicht angeben. Diese Ex-
cerpte rühren nun nicht von dem Schreiber des Parisinus her,
wie dies aus den zahlreichen Fehlern der Abschrift hervorgeht;
so ist, um nur ein Beispiel zu geben, der Vers III, 365 im
l'arisinus also entstellt : e(jros assldue meAis crwpifur ujnl. Weiter-
hin ist der Excerptor mit dem Texte sehr willkürlich umge-
Studien zu den Argouautica des Valerius Flaccus. 309
yaiigcii und hat, um die ausg-ewäliltcn Sätze selbständiji- und
für sich verständlich zu machen, vieles in denselben eigen-
mächtig geändert, z. B. II, 117 quam pater omnipotens in rex
superum famam, 263 quando in certe (vgl. VI, 513 f., VII, 227
ff.) So werden auch III, 365 animls statt virls und V, 540
qiiippe statt namqne blosse Aenderungen desselben sein, wie
sicherlich I, 586 ahrtimperet statt rtmijjeret, II, 45 mit statt noii.
Schon aus dem Gesagten geht hervor, dass der Urheber jener
Excerpte ein Mann war, der die lateinische Sprache einiger-
massen verstand und auch manches Werk der römischen Lite-
ratur gelesen haben mochte, wenn gleich seine Kenntnisse in
Prosodik sehr gering waren, wie er denn I, 585, wenn dies
nicht ein Fehler des Abschreibers ist, läcumque misst. Es darf
daher nicht Wunder nehmen, wenn er eine Reihe von groben
Fehlern im Texte beseitigte, z. B. I, 76 mentemque, das er in
mentesque, 327 <imipU, das er annäherungsweise richtig iji lunt
mihi, 330 paucos, das er in niucos, VII, 226 rediitque, das er in
7-edit itque, endlich VII, ,513 ducis, das er in dvlces freilieh mit
der Umstellung dulces totiens veränderte, kleinerer Correcturen
nicht zu gedenken; aber nuin muss auch, um nicht irre zu
gehen, darauf hinweisen, dass manche seiner Vermuthungen
verkehrt und sinnlos sind, z. B. I, 23 ore (orae) statt omnes,
249 isdem statt istem, 593 coors (coliors) tum statt colionds. In
allem dem liegt nichts, was auf eine andere Quelle als den
Vaticanus zurückgeführt werden müsste. Nur die Stelle I, 331
erheischt eine eingehende. Besprechung. Hier überliefert näm-
lich V") dcjiciamus cythicum metuens pjotumque cretamque, \\'ährend
im Parisinus und in C der Vers also lautet : deßciavi sc//fhicuni
metuens pontamque polnmqae. Allerdings empliehlt sich diese
Fassung, welche auch bei Statins Theb. XI, 67, Silv. III, 2,
10 vorkommt, '•'') schon durch die bei Valerius ungemein übliche
Alliteration;'") indessen kann sie doch auf einer blossen Conjectur
beruhen, indem der Excerptor für das sinnlose cretamque das
durch den Sinn geforderte polumque setzte, auf das ihn die
") Ich bezeichne nach Thilu den Vaticanus ;^'277 mit V, den Monacensis mit
M, den Codex des Carrio mit C.
'^) Die Stellen sind schon von Meynke (Quacst. Val. }). 10) aiigx'führt.
16) Vgl. hierüber die Dissertation von Hii'schwälder S. 16 ff.
310 Schenkl.
eben angeführtcii Beispiele aus Statins, einem im Mittelalter
vielgelesenen Dichter, hinführen konnten. Die Uebereinstim-
mung mit C beweist noch nichts, da sie recht wol eine zu-
fällige sein kann. Warum soll nicht der Gelehrte, von welchem
die Textesrecension in C herrührt, hier, wie I, 330, VII, 229,
VII, 513, wo C ebenfalls raucos, redit itque und didces bietet,
auf dieselbe Vormuthung wie der ältere Excerptor verfallen
sein? Natürlich sehe ich in C, wie ich gleich nachweisen werde,
auch nur eine italiänische Abschrift von V, Ist nun jenes
polumquG eine blosse Conjectur, so ist es noch sehr fraglich,
ob damit die richtige Leseart hergestellt ist; denn wie sollte
folumque ]e in cretamqiie verderbt worden sein? Meynke (Quaest.
Val. p. 10) vermuthet, dass Jemand, der sich au das stürmische
Meer bei Kreta oder an die kretensischen Seeräuber erinnerte,
jenes Wort beigeschrieben und dies ])olumque verdrängt habe.
Aber derartige Glossen lassen sich in V nirgends nachweisen,
und es wäre doch sehr wunderbar, wenn dieser sciolus nur an einer
Stelle seine Spur hinterlassen hätte. Viel mehr Wahrscheinlichkeit
hat die Ansicht Thilos (LX), dass über pohmique die Glosse
caelumque geschrieben war, welche in cretamqiie verderbt das
echte Wort verdrängte. Doch noch näher liegt der Gedanke,
den schon Jacobus Mycillus hatte, cretamque sei aus fretmnque
entstanden. Es ist nun möglich, dass fretam als Glosse zu
pontnm an die Stelle von polimi trat, es kann aber auch Jemand
poiitimi als Synonymum von fretmn beigeschrieben und dies
sich später statt des echten caelum in den Vers eingeschlichen
haben; denn auch die Verbindung caelimique ß-etumque i^i xächi
ungewöhnlich, z. B. Luc. V, 413, Stat. Theb. III, 308.
Es lassen sich aber, wie Meynke (Quaest. Val. p. 25)
zeigt, wirklich noch alte Handschriften neben V nachweisen,
und zwar zuerst ein Codex in einem Kataloge der Bibliothek
von Bobbio bei Muratori Ant. Ital. III, 818 ff., welcher Katalog ;
im 10. Jahrhunderte geschrieben ist. Allerdings heisst es in j
diesem Verzeichnisse (p. 821) ,GenernUnm senteutiartom Uhrnm
1, in quo Lucii Annaei Senecae, Vnlerii Flncci Über I, Araforis
subdiaconi de acübus apostolortmi Über metricus I, Phocae de
grammatica librum imumJ So undeutlich auch diese Notiz ist,
so scheint doch daraus hervorzugehen, dass die Sentenzen aus
Seneca, Valerius nud Arator in einem Bande vereinigt waren.
Stmliiu zu ilcn Argoiiautioa des Valmius Flaccus. 311
Darnach und dann nach der Bezeichnung' lüm'' I bei Valerius
und Arator ist wol der Gedanke ausg-eschh)sseu , es seien im
diesem Codex sänimtliche Bücher der Arg'onautica enthalten
gewesen. Wahrscheinlich waren es bloss Excerpte, wie im
Parisinus, und können ganz gut, wie jene, V zur Quelle ge-
habt haben. Eine andere alte Handschrift erwähnt Auffelus
Politianus misc. cent. I, 5, wo es heisst : ,sed et codicem proxime
nohis Ärgonanficon Valerii Flacci pervetei^em Taddaens Utjo-
letus Parmensis, Matthiae Pcmnoniorum srqnenfissimi et invic-
itissimi regis mdlcu^, liomo Utteratissimus ostendit, e quo fluxisse
opinor et caeteros, qui sunt in manihus, ctdus in secimdo sie est:
manet immotis nox durica fatis.' Dass Politianus eine Unwahi--
heit berichtet hat, ist gewiss nicht anzunehmen, aber die Mög-
lichkeit einer Täuschung- des Gelehrten bleibt noch offen; ]a
es gibt sein Bericht uns selbst den Anhaltspunct zu einer
solchen Vermuthung. Wie l^ekannt, wui-deu damals in Florenz
und an anderen Orten Italiens Abschriften von Codices gemacht,
in welchen die Schriftzüge des zehnten Jahrhunderts täuschend
nachgeahmt waren.'") Man nahm dazu auch älteres Pergament,
offenbar um die Täuschung, die man beabsichtigte, noch zu er-
höhen. Nun Hess König Matthias Corvinus gerade um diese Zeit
und zwar auch durch T. Ugoletus Handschriften für die Bil^liothek
kaufen, welche er in Ofen begründete. Einige dieser Codices
sind noch in der Wiener Hofbibliothek, kenntlich durch das
Wappen, das auf dem Titelblatte gemalt ist. Alles dies spricht
dafür, dass Ugoletus und Politianus jenen Codex, der kurz vor-
her in ihrer Nähe gefertigt worden war, durch die Schrift und
das Pergament getäuscht dem 10. Jahrhundert zuschrieben.
Sehen wir weiter, wie in jener Handschrift H, 573 lautete.
Nach Politianus stand dort: manet immotis nox dnricn fafls,
wofür V turica Ivstrls, M durica lustris bietet; durica fatis hat
nach seiner Ausgabe auch Pius irgendwo gelesen. Kann denn
dher fatis richtig sein? Schon Maser hat bemerkt, dass Vale-
rius, da fata qvent vorhergehe, unmöglich das gleiche Wort in
demselben Verse ohne allen Grund doppolt gebraucht haben kein ne.
Jenes fatis rührt entweder von einein Abschreiber her, der
gedankenlos das fata am Eingange wiederholte, oder von einem
I ^") Man vergleicho, w;is Tliilo (LXVII) über die Scliriftzüge dos Vat. KUH sagt.
312 Schenkl.
Corrector, der sich lustris nicht erklären konnte und es daher
unbekümmert um das Vorausgehende in fatis änderte. Es wäre
somit sehr gewagt nach dieser Probe auf ein hohes Alter oder
einen besonderen Ursprung dieses Codex zu schliessen.
Meynke hat weiter die Frage aufgeworfen, ob nicht etwa
Pius bei seiner Ausgabe neben dem Codex Dacicus, falls dieser
mit V identisch ist, noch eine andere alte Handschrift benützt hat
(p. 23 ff.). Pius nennt in seiner Widmungsepistel drei Codices,
welche ihm bei Besorgung seiner Ausgabe zu Geboten standen;
es waren dies jener Daciais, dessen schon oben gedacht wurde,
ein codex castigafior, lima Pomponii Laeti emactdatus und ein
dritter mnltts in locis manu Fahricii Varrani, episcopi Camertis,
emaculatus. Andere Handschriften hat Pius nicht benützt; denn
sonst würde er derselben wol in jenem Vorworte erwähnt ha-
ben. Der Codex Daciciis ist nun ohne Zweifel identisch mit
dem ex (nltimis) Germaniis aüatus, welchen Pius an drei Stellen
namentlich anführt (I, 441, HI, 538, V, 354). Dass es unser
V ist, ersieht man aus der Note zu IH, 538 ,Ego in codice illo
ex Germania allato mirificae maiestatis reperio scriptum ^pecida',
mox ah eadem. manu s^iperscriphmi r, ut exeat in percula^', denn
in V steht richtig pecida. Auch hat Pius, wie schon bemerkt
wurde (vgl. Anm. 13), die Leseart I, 178 (in antiquo codice le-
giüir) J'raternae evenietque adcrescere' nur aus V genommen,
wo evenietque von zweiter Hand auf einer Rasur steht, hat also
den Codex V erst, nachdem er von der zweiten Hand corri-
giert worden war, für seine Ausgabe benützt. Wenn er in der
Note zu VII, 246 sagt: ,sic enim scrihendum: redde diem noc-
temque mihi, da preliendere vestes. exemplar litteris fere exoles-
centihus sie habet, quod cum Caesar Statins Laudensis, vir in
omni discipÄina summ.us, vidisset, exoscidatus antiquitatem valide
comprohavit,^ so ist die angegebene Leseart die von V, nur dass
dort prendere steht; prehendere hat sich offenbar wider den
Willen des Schreibers aus den alten Ausgaben, die er vor sich
hatte, eingeschlichen, wahrscheinlich aus der Veneta (1501),
die er zum Abdrucke verbesserte, '^) Auch VI, 30 und 50, wo
'ä) Dass diese Ansicht richtig ist, kann man aus IT, .314 ersehen, wo man
in der ed. Venota, die sicli auf die Bononiensis II und Juntina stützt,
dederat statt dcrrat. liest und Pius die Note fjiht : de.derat] lege ,deei-at^ ;
ancli II, 477 liat Pius das Lemma venere, wie in der Veneta steht.
Studion zu den Argouautica des Valeiius Flaceus. 313
Pius den Codex Dacicus meint, wenn er ihn aüeh nieht nennt,
stimmen die angegebenen Lesearten mit V überein. Ob die
Schrift in V wirklich so verblasst ist, wie Pius behauptet, muss
ich dahingestellt sein lassen, da Thilo hierüber nichts berich-
tet; aber man sieht ja aus allem, dass es Pius besonders dar-
auf ankam der Handschrift ein hohes Alter beizulegen; und
da wird er es gewiss mit dem Ausdrucke nicht so genau ge-
nommen haben. Darum ist auch auf die Bemerkung zu III,
703 jCodicis antiqni litteraa sunt adeo vetustatis vitio exolescentes,
uf lierciin non possint' kein Gewicht zu legen. Allerdings ist die
Leseart indita vidvi so auffällig, dass Pius, der auf die Ent-
zifferung der Schrift nicht viel Zeit verAvenden mochte, wol
über die Undeutlichkeit klagen konnte; hat ja auch Langer-
mann nach dem, was Heinsius anmerkt, nicht so, sondern in-
dita vuHus gelesen.
Jede weitere Untersuchung ist dadurch erschwert, wenn
nicht unmöglich gemacht, dass Pius bei der Anführung von
Lesearten keine bestimmten Bezeichnungen für die Handschrif-
ten anwendet, sondern alles in der buntesten Weise dui-ch ein-
ander wii-ft. Singular und Plural, Positiv und Superlativ gelten
ihm dabei gleich ; V, 354 spricht er von Codices ex ultimis Germa-
niis cdlati, während doch nur von einer solchen Handschrift die
Rede sein kann; I, 178 nennt er den V codex anfiqvics und
spricht dann wieder an mehreren Stellen von einem codex an-
tiqidssim.us, der nach den angegebenen Lesearten V nicht sein
kann (z. B. I, 23, III, 48, V, 641); daneben aber lesen wir
wieder Codices antiqid, cmtiqidssvmi, vetustissimi, reverendae ve-
tustatis u. dgl., als ol) Pius eine ganze Sammlung von Hand-
schriften des Valerius aus dem 10. Jahrhunderte vor sich gehabt
hätte. Sehen Avir uns lyin einmal an , was Pius aus seinem
codex antiqidssimiis berichtet ; nach I, 23 las man in demselben
populum statt poprdis, nach HI, 48 ah oris (eine Conjectur des
Politianus) statt ad oris, (d. i. ad horas), V, 611 tantum (so
auch am Rande des Codex von Burmann j für tantns, sicher-
lich nicht Lesearten, welche uns auf eine unabhängige Quelle
schliessen lassen, sondern Vermuthungen italiänischer Gelehrten.
Darnach muss Pius eine von den beiden corrigieiten Hand-
schriften mit codex antiqidssinws bezeichnet haben. Charakte-
ristisfli für den Mann ist, dass er I, 829 sagt: in fidei sin-
314 Sclienkl.
cerae codicihus Pomponio Laeto ansam dante reperi duos versus.
Er nahm also die willkürlichen Correcturen und Interpolationen
des Laetus ohne weiteres an, '*•) während er sonst von dem Alter
seines Dacicus so viel Aufhebens macht und sich allein nach
ihm richten will. Darnach wird man nicht zweifeln, dass V,
338 ,in antiquis exemjjlaribus sin cerae lectionis apjwret indi-
cium. legitur enim : fratre tarnen conante sequi' eben jener Codex
mit den Emendationen des Laetus zu verstehen ist. Wie es
mit den Codices reverendae vetustatis bestellt ist, mag" man aus
der Bemerkung zu I, 771 ersehen: ,reverendae vetustatis exem-
jjlaria hahent /levumf, quod ßgurate dici potest, nupera recognita
,rerum' '^ nun steht aber rerum in V, evum in der Bononiensis I,
wofür die Juntina wieder rerum hei'g-estellt hat. Eine weitere
Behandlung dieser Frage wäre ganz unnütz, da sich schon aus
dem Gesagten herausstellt, dass Pius über keine andere alte
Handschrift als V verfügt hat. 2<')
''■*) Man beachte in dieser Hinsicht die Note zu VII, 344, post hoc Carmen
sequehantvr Jii versus vifio tevqwrvm deperditi', worauf drei Verse ans der
Fabrik des Laetus folgen. Pius nennt übrigens den Codex des Laetus
namentlicli nur an sieben Stellen: I, 829, II, 439, III, G7, V, s3, 5.03,
VII, 185, 201. Daher ist es schwer mit Bestimmtheit zu entscheiden, ob
der Regius des Heinsins, wie dieser vermuthet, wirklich von der Hand
des Laetus geschrieben war oder auch nur vollständig dessen Recension
enthielt, umsomehr als Heinsins aus dem Regius nur einzelne Lesearten
mitgetheilt hat. II, 439 las man in demselben allerdings die vier Verse,
welche Laetus eingeschoben hat, und ebenso den Vers nach V, 83 am
Rande; zu I, 829, III, 67 hat Heinsins nichts bemerkt; aber V, 553 stand
im Regius nicht fare avidin, wie im Codex des Laetus, sondern /are omnes.
Auch bot derselbe II, 464 die richtige Leseart tnrgentia lumina, welche
bei Pius gewiss erwähnt wäre, hätte sie im Codex des Laetus gestanden.
Darnach scheint die Ansicht von Heinsins irrig und der Regius eine
eigenthiimliche Textrecension unter Benützung jener des Laetus zu sein.
Auch Pius hatte nicht die Originalhandschrift des Laetus, sondern eine
Abschrift derselben vor sich, in welcher die Ergänzungen des Laetus din-ch
Fehler der Abschreiber entstellt waren; so besonders jene vier Verse nach
II, 439, die auch im Regius ebenso verderbt gelesen werden.
2") "Wenn Pius von Codices prisci spricht, so versteht er nach dem Sprach-
gebrauche jener Zeit darunter gewöhnlich seine beiden jüngeren Codices
im Gegensatze zu den ihm vorliegenden Drucken, z. B. I, 130, 389, IV,
402, V, 148. Das hindert ihn freilich m'cht VII, 201 von defecalis codi-
cihus non priscii, sed a Laeto emendafis zu sprechen.
Studien 7.11 den Argouantica des Valerius Flaccus. olo
Es erübrigt nur noch, um die Frag'C, ob wir V als ein-
zige Grrundlage für den Text zu betrachten haben, zum Ab-
schkisse zu bringen, noch einig-es über den Codex des Carrion
zu sprechen. Bekanntlich luit Ludwig Cai'i'ion den Valerius
zu Antwerpen 1565 herausgegeben und dabei eine Handschrift
benützt, welcher er in dem Vorworte zu den Schollen hinter
dem Texte ein Alter von 600 Jahren beilegt. Für die zweite
Ausgabe, die schon nach einem Jahre ebenfalls zu Antwerpen
erschien, hat er, wie es in der Praefatio heisst, diesen Codex,
quem ante annos sexcentos conscri'ptn'ni mnlta sunt qriae decla-
rent, nochmals genau verglichen. Die Herkunft desselben be-
zeichnet er nicht näher ; nur aus der Stelle der Vorrede ^quos
(lihros manu scrijptos) certe in toto hoc nostro Bßlgico jpraeter
illnm meAim rejjerire adJmc potm. nuUos' kann man entnehmen,
dass er einem Kloster in den spanischen Niederlanden ange-
hörte. Seit Nicolaus Heinsius, der in der Praefatio zu seiner
Ausgabe diesem Codex einen sehr hohen Werth beilegte,-') hat
man nun denselben bis auf die neueste Zeit als wahre Grund-
lage für die Texteskritik der Argonautica angesehen. Noch
Eyssenhardt sagt in seinen Emend. Val. (Rh. M. XVII, 378) :
Carrionis codicem prae omnibus lihris manu scriptis jyraestare,
quorum quidem notitia extat, quivis inteUeget, uhi jpaticas edifio-
nis Burmannianae paginas perlustraverit und später (384) Car-
rionis codex, quo si superesset solo Vnle.rius recensendus esset.
Erst Thilo hat sich in den Prolegg. (LXX ff.) gegen diese
Ansicht von dem hohen Werthe jener Handschrift ausgespro-
chen und ist nach eingehender Untersuchung zu dem Schlüsse
gekommen, dass dieser Codex erst im fünfzehnten Jahrhundert
geschrieben war und einen von italiänischen Gelehrten vielfach
corrigierten Text enthielt. Neuerdings ist wieder Meynke in
seinen Quaest. Val. (p. 2 ff.) für das Alter und die Bedeutung
jener Handschrift in die Schranken getreten und hat, wenn er
auch C nicht den Vorzug vor V zuerkennt, doch denselben
^') Er nennt, ihn notae jirae^faiifissiviae, veterrinmm ojifvnmmqtie imd vormn-
thet, dass ihn Carrion ans Köhi erhalten habe. Zn (lies(>r Annahme hat
ihn wahrscheinlich der Umstand bestimmt, dass Carrion den alten Codex
des Silius Italiens in Köln auffand ; aber nach den oben mittg(!theilten
Worten kann man nur an eine Klosterbil)liothek in den Niederlanden
denken.
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. LXVm. ßd. UI. llft. 21
316 Schenkl.
als selbststiindig und gleichberechtigt neben V nachzuweisen
versucht. --) Da ich nun dm*ch die Gründe Mejnke's nicht über-
zeugt bin und auch die Beweisführung Thilos meiner Ansicht
nach nicht vollständig ausreicht, so halte ich eine nochmalige
Erörterung dieses Streitpunctes nicht für überflüssig.
Es ist bekannt, dass Carrion schon zu seiner Zeit und
auch nachher sich keines guten Rufes erfreute. Er galt für
einen überaus eitlen Menschen , der sich gerne mit fremden
Federn schmückte. Schon Joseph Scaliger rügte an ihm neben
anderen nicht sehr rühmlichen Eigen schaftenyas^^m ingentem (vgl.
Burm. Syll. epist. I, p. 238) und ebenso sprechen andere Gelehr-
ten dieser Zeit von seiner iactantia, malajides u. dgl. (s. Burmann
praef. ad Val. p. XXV f., Thilo Sjmb. phil. Bonn. I, 399).
Späterhin schenkte mau seineu Angaben häufig keinen Glau-
ben; der grosse Radamonteur Caspar Barth, eine dem Carrion
ähnliche Xatur, sagt von diesem und seinem belgischen Codex
Adv. XIV, 6 adeo iit cum codice quoque sho viihi ubique siis-
pectzis Sit und in den Noten zu Stat. Theb. V, 200, ^^1, 229
zweifelt er, ob es je eine solche Handschrift gegeben hat ; nicht
minder abfällig lautet das Urtheil von Brouckhuys Prop. HI,
2, 29, der mit Rücksicht auf eine von Carrion angeführte Lese-
art sagt: crederem si id legisset Cantervs. Dass nun Carrion
wirklich einen Codex vor sich hatte, untei'liegt wol keinem
Zweifel; ist es doch undenkbar, dass er alle die Lesearten,
welche so häufig mit anderen, damals nicht bekannten Hand-
schriften stimmen, erdichtet hätte. Eine andei'e Frage freilich
ist es, ob dieser Codex aus dem zehnten Jahrhunderte stammte.
Carrion hat erwiesener Maassen Handschriften von bedeutendem
Alter bei seinen Arbeiten benützt und war darnach wol im
Stande alte und jimge Codices zu uuterscheiden. So hat er
den berühmten Darmstädter Codex des Censoriuus aus dem
siebenten Jahrhunderte gekannt, den er mit bescheidener
Schätzung in die Zeit Carl des Grossen setzte, ebenso den;
alten Kölner Codex des Silius, der ausser von ihm noch von
22) Ebenso spricht sich Eyssenhai-dt in der Anzeige der Ausgabe von Thilo
aus (Lit. Centralblatt 18G4, 520) und erklärt in der Besprechung der
Meynke'schen Quaest. Val. (a. a. O. 1867, 22) den Nachweis fih- gelun-
gen und damit die äusserst schwierige Frage für endgiltig entschieden.
Studien zu den Ajgonautica dos Valerins Flaccns. 317
Franz Modius benützt wurde, jetzt aber verloren ist. Wenn
er daher seinen Codex vor 600 Jahren geschrieben sein liess,
wähi'eud derselbe nach Thilo's Ansicht erst dem 15 Jahrhun-
derte angehörte, so muss er entweder geradezu gelogen haben,
für welche Vermuthung doch kein genügender Anhaltspunct
vorliegt, oder er Hess sich irgendwie täuschen. Und welche
Annahme liegt hier näher als die , dass er , wie wir es oben
von Angelus Politianus vermutheten, einem im fünfzehnten
Jahrhunderte geschriebenen Codex, in welchem die Schriftzüge
des zehnten getreu nachgebildet waren, irrthümlich ein so hohes
Alter beilegte.
Dass nun der Codex des Carrion nicht im zehnten Jahr-
hundert geschrieben sein kann, geht erstlich aus den Schreib-
weisen in demselben hervor. Nach dem Zeugnisse des Carrion
fand sich in demselben fa'st durchaus die Assimilation der Prä-
positionen in zusammengesetzten Verben, z. B. I, 521 annmt,
II, 189 assunt, 203 asstricto, 378 assH, 399 ammittere, IV, 132,
alluit, 731 ai^i^operat u. dgl. ; das ist aber gerade kein Kenn-
zeichen eines hohen Alters. Ebensowenig sprechen dafür Schreib-
weisen, wie II, 20 exstruxit, 217 exseqiiar, 230 thoris, I, 233,
pennis, 34 clausus, die Aspiration in arcJiadioy ckoniscus, acha-
stns, chalpe u. s. w. (yg^. I, 108, 481), was alles auf einen
jüngeren Ursprung schliessen lässt. Viel wichtiger aber ist der
Umstand , dass d^r Codex in seinen Lesearten , wo er von V
abweicht, soviel mit den jüngeren Handschriften und den älte-
ren Drucken übereinstimmt. So finden wir in C eine grosse
Zahl von Lesearten, welche im Monacensis, besonders in seiner
zweiten Hand vorkommen ; 2:5) mit M stimmen I, Vo j)otes^ so auch
B; 82 aethera (•^.) .... imhre, auch B; 157 gerit,--^) 256 osfeiide-
23) Ziu" Abkiirziiug gebrauche ich in dieser Paiüe die Chiffera M = ISIoiia-
censis, tj. = mamis altera Mouaceusis, P = Vaticanus IG 13, B = Bo-
noniensis prior, B2 = Bononiensis altera, Pi. = Piiis, Ä = Aldina.
2*) Ohne Zweifel ist (/e7-it die richtige Leseart. In V, wo jetzt vegit, aber
ve von zweiter Hand auf einer Rasui- geschrieben ist, stand ursprünglich
regit, worauf auch die Schreibweisen von M gerit {ger von erster Hand
auf einer Rasur) und P i-apif führen. Nun ist aber nichts häufiger in den
Handschriften als die Verwechslung von rego und gero; man vergleiche
IV, 158 {regens VMP, ga-en.i a in mg.), II. 396 (gerant VMP, regant C),
VI, 186 {erigit VM. egerit C, wozu Carrion mit Recht ,0}}tivie^ bemerkt;
denn ei-igil. ist unverständlich, aber egerit ganz passend; .so verbindet
21*
318 Schenkl.
hat, was dem ostenderet in V näher liegt, als die Conjectur von
Heinsius ostentahat, 287 saevae nequiquam, 337 signiferum cra-
tera minantem \)., theilweise auch A, 710 humo [a, auch P, II,
318 patris ergänzt, 464 ßuctus, 477 Idaea [x, auch A, III, 10
primas, auch BA und Juntina, 11 ditem, \}. dites, 209 ater ;x,
274 confertae, 330 gemino [j., 455 nostrive lucmt ea \}., 520 Di-
temqne movebo [)., 595 procimibit, M percumhit, 609 compressa
trahentem, M coniprensa tr., 610 durae, 661 lassant, IV, 30
-pharetrae [j., 300 e^eto [x, auch Pi., 308 ceditque malis, 396
quo sese, 753 tt^iws [x, V, 75 Callirhoen ;j., 94 atram, auch B,
95 omina, auch A, 102 Cohylli, 105 pallentemqtie \)., 151 Mos-
sonychi, 385 »ion^ 451 domos \j., 559 ^t(<a C (nach den Scholien
in der ersten Ausgabe), 611 corpora, VI, 115 aetas, 129 odorato
spirantes \i., auch A, 170 Typlioea \j., 194 Chremedonis,
[X Cremedonis , 433 saevis , M seris, 648 venistis [x, auch
B, 666 censere, d. i. sensere ergänzt, sensere |x am Rande,
VII, 122 mvplerique |x, 127 sese semeZ (x, auch B2, 229 retZ/^
i^g'we [x, auch Pi., 394 6h& altas [x, 567 rwia^ 579 und 580 beide
Verse finden sich gleicher Weise in M und C, nur hat C im
ersten torto statt tovoo, 615 agmina, VIII, 45 novis [x. — Mit
P fallen die Lesearten von C an folgenden Stellen zusammen :
I; 130 insperato (P von zweiter Hand), 285 descendere, 479 h(ch(,
849 Peliam, II, 327 scelerisque (P von zweiter Hand), IH, 146
socios, IV, 27 inanes, 104 rapidi, ebenso mit dem Codex von Bur-
mann : I, 342 ut dent, 420 caelataque, III, 638 fiirens in, IV,
242 elechfs, V, 332 lumina, V, 518 hahenis, so auch die editio
Argentoratensis, VI, 486 ignara, VI, 554 Ämastrum, 556 cassa
ridens, auch B und wahrscheinlich M, VII, 557 stip<(tque dvcem tum.
Mit der Bononiensis I hatte C nach Carrions Vergleichung diese
Lesearten gemein: I, 412 Phlias, 535 haec, H, 179 agi, 368
arcet, 369 quem, 376 desertasque, IH, 670 nst egomet, M et ego-
met, 132 flamina, V, 84: ferentes, so auch im Regius, der Juutina 1
und A, 406 ammovet; admovet BA und Juntina, 605 manus,
Lucr. III. 718 egerere imimam und Plin. N. H. XXXI, 6, 33 eg. .mvgiii-
nem). Darnach muss man sich nnhedcnklicli für gei-it entsclieiden, was
der einfacliste und natürlichste Ausdruck ist; ei-igif im Vat. 16ö3 und B
ist gekünstelt luid verschroben, vekit, was Heinsius, und avehif., was Ph.
Wap:ner (Neue Jalirb. 8i), 405) vorgeschlagen liat, entspricht nicht dem
Buchstaben der Ueberlieferung.
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus. 319
VI, 247 Uqtmntnr, auch A und Juntina, VII, 291 meis iam, 357
ponit'^jmi dem Vat. 1653, der sonst meistens mit B übereinstimmt,
worüber wir im Folgenden sprechen werden, VII, 341 primaevns'^^)
und gewiss noch an anderen Stellen, wenn Avir eine vollständige
Collation dieser Handschrift hätten, mit Bononiensis II: I, 100
avet^ II, 467 liqiddi^ III, 120 remotae, IV, 214: caestus^Y, 410
per ergänzt, 520 ignescit, VI, 166 concentus, 247 tenerae, 265
fors ita, VII, 319 ac neqne tani, 478 qiuindo, 546 atmt, 612 quati,
635 extinmlat- mit der Aldina: I, 146 Actoi-a, 303 (der Vers
steht in CA an dieser Stelle, nach 308 in VMP), 330 rcmcos,
735 operti, 827 ahscissa, 11, 11 Amyrin, A Amyrnm, III, 5 dat,
515 Indecores (auch in den Varianten der ed. Bonon. bei Har-
les, vgl. Praef. p. 8 ff.), VI, 96 secimi Exahatarnas, A secnm
Aeabatarnas, 291 vifwi, 582 q^iot f wideret , 583 sterneret, 603
impidit, 638 necat, VII, 174 sed vor cingtdn ergänzt, was frei-
lich nicht sicher ist; denn man könnte ebenso an nam den-
ken; mit der älteren Pariser Ausgabe von 1511: IV, 698
rhehi, so auch die Juntina und A, VII, 46 ipsum me; mit der
jüngeren Pariser von Maser 1517:1, 117 Jmnc, II, 253 miserae
retine, IV, 719 Tyres; mit der Lyoner von 1545: VI, 82 vid-
nere. Vielfach sind auch die von Carrion aus seinem Codex
angeführten Lesearten identisch mit Emcndationen, welche Pius
in seiner Ausgabe vorgeschlagen hat, wie III, 207 donat, 337
longe, 433 novat, 555 pneri spes lusa, auch A, V, 125 Massa-
geten, 269 quoqne, V, 464p«iv'es, V, 692 Phlegraeas, VI, 129 Micelae,
538 rapinis, VII, 541 liherne,Wl\, 23 Isthmon (so auch A), oder
den Vermuthungen anderer italiänischer Gelehrten, welche Pius
in seinem Commentare erwähnt, wie : I, 38 tvens, auch A, 190
iuvencam, auch A, II, 411 pressit acu, auch A, III, 333 corpora,
IV, 275 integer, 402 raptatur, 645 diffugere, V, 338 fratre ta-
rnen conante sequi, 641 liicus. Vereinzelt linden sich auch Ueber-
-■') Thilo hat richtig bemerkt (Prolegg. LXXV), dass primaevus eine kecke
Coiijectiir eines italiänischen Gelehrten ist, der crudelis als Nominativ
tasste, während es otfenbar Vocativ ist, was schon der Schreiber v(m M
durch das beigesetzte o bezeichnete. Der Fehler liegt in imnc est,
wofür nesciis geschrieben werden muss. Solche emphatische Wiederho-
lungen von Wörtern finden sich oft bei Valerius, z. B. I, -JOl), '245, .344,
n, 168, 180, 4-2-2, IV, 565, 570, V, 287, 551, VII, 63.
320 Schenkl.
einstimmungen mit Emendationen des Sabellicus, wie : IV, (375
fallor, 742 eacUm ira, V, 210 ferentem, 370 hebet, 438 toto, VII, 296
ohstruit-^ die Leseart V, 147 inde Genetaei rupes JovisiäWi mit einer
Conjectur des Ang. Politiamis, V, 460 hella toros tum mit einer
Besserung des Ph. Engentinus zusammen, die Varianten V, 273
regmn und VI, 225 Uni sind auch in der ed. Bonon. bei Har-
les angemerkt.
Wenn man diese lange Reihe übersieht, so wird man noth-
wendig zu dem Schhisse hingedrängt, dass wir es hier mit einer
Textrecension zu thun haben, welche ein italiänischer Gelehr-
ter im fünfzehnten oder gar sechszehnten Jahrhunderte unter
Benützung von verschiedenen Codices emendati und vielleicht
gar einiger Drucke vorgenommen hat. Allerdings mögen nicht
alle diese Lesearten im Codex des Carrion gestanden haben;
eine ganze Reihe von Verdachtsgründen sprechen dafür, dass
Carrion vielfach Emendationen, welche er in älteren Ausgaben
fand, für Lesearten seiner Handschrift ausgegeben hat. Ich will
nicht ein Gewicht darauf legen, dass in den Castigationes (so
nennt Carrion die Noten , welche er seiner zweiten Ausgabe
beigefügt hat), manche Varianten aufgeführt sind, die in den
Scholien (dem Commentare der ersten Ausgabe) fehlen, z. B.
I, 619 in ohllquam resonat, 637 tota in misero, 827 ahcissa u. s. w.;
denn diese können aus einer zweiten, genaueren Vergleichung
des Codex herrühren, welche Carrion nach der Vorrede zur
zweiten Ausgabe auch wirklich vorgenommen hat. Auch das
ist nicht entscheidend, dass die Castigationes mitunter andere
Lesearten bieten als die Scholien, z. B. I, 42 aufugerit Sch.,'^")
effugerit Q, 152 num Seh. (wie Sabellicus), nunc C, IV, 580
exciit Seh., exiit C, VI, 1 iisdem Seh., hisdem C, VII, 373
parentem Seh., paventem C; denn Carrion kann ja bei der zwei-
ten Collation manches richtiger gelesen haben und mancher
Widerspruch kann auch auf einen Druckfehler zurückgehen;
so ist Typhoides C IV, 428, wofür die Scholien richtig Tijpho-
nides bieten, wol auf Rechnung des Setzers zu bringen. Aber
schlimmer ist es, wenn Lesearten der Scholien in der zweiten
Ausgabe ohne jede Bemerkung ausgelassen sind, und nicht
\
26) Ich bezeichne der Kürze wegen die Scholien mit Seh., die Castigationes
mit C.
Studien zu den Argouautica, des Valerius Flaccus. 321
bloss Kleinigkeiten^ wie I^ 536 ntque^ sondern ji^uch wichtigere,
z. B. V, 648 nee talia fossint, VII, 145 parentes. An einigen
Stellen aber tritt die SchAvindelei Carrions so klar hervor, dass
eine Täuschung wohl nicht möglich ist. Wer wird nicht an
der Ehrlichkeit des Mannes irre werden, wenn er in den bei-
den Ausgaben auf folgende Widersprüche stösst: 1, 227 vates
minias Seh. (so auch B), louya ndnlas C,^') IV, 272 Oehalio . . .
astu Seh., Oebalia .... arte C, VI, 113 ad aulas Seh. (so auch
A), ad auras C, in azi/ras cod. Burni., VII^ 7 modo Seh., malo C
(auch Fi.), 21 exspectata cuhili Seh., experta cidnle C Man
kann daher gar nicht zweifeln, dass Carrion eine gute Anzahl
von Lesearten, die er seinem Codex zuschreibt, aus Drucken
entlehnt hat. -^) Indessen ist dies für unsere Frage von keiner
Bedeutung ; die Uebereinstinnuung der Lesearten des Monacen-
sis und des Codex des Burmann, welche Carrion nicht gekannt
hat, mit denen in der belgischen Handschrift beweist, dass die-
selbe keineswegs alt, sondern sehr jung und, um mit Pius zu
reden, ein codex emendatus et defecatus war.
Prüfen wir nun die Lesearten, welche diesem Codex eigen-
thümlich sind, näher, so ergibt sich, dass die Zahl wirklicher
Emendationen, welche er enthält, in keinem Verhältnisse zu
den vielen kecken, ja abenteuerlichen und ganz verkehrten
Conjecturen steht. Wahre Verbesserungen, die war dem codex
Carrionis verdanken, sind folgende : I, 49 meque assiduis lacera,
93 ad, 593 cohors in, 704 or«, II, 6 fretis, 439 Samothraca
diemque, 502 passosque sinus, 595 penates, III, 1 umhras^ 106
Olenii, 157 Halyn, 162 disslcit, 169 i nunc, 182 diversa Sagen,
-'') Thilo hat Jandiidum hac Minyas vates geschrieben; leichter ist vielleicht
Janduduin tali Minyas, da die Bezeichnung des Subjectes nicht noth-
wendig ist.
-S) Sehr bezeichnend für das Verfahren Can-ions sind zwei Stellen, einmal
I, 303, wo er sich rühmt diesem Verse, der in VMP nach 308 steht, zuerst
nach Anleitung seines Codex die rechte Stelle angewiesen zw haben, wäh-
rend dies doch schon in der Aldina, die er recht gut keunt (vgl. I, 735),
geschehen ist; schon Zinzerling hat daran mit Recht Anstoss genommen;
die zweite Stelle ist IV, 544, wo er in der zweiten Ausgabe ganz eigen-
mächtig, ohne etwas in den Castigationes zu bemerken, nostra in caeca ver-
wandelt hat. Dass Carrion Lesearten alter Drucke für Varianten seines
Codex ausgegeben hat, gesteht übrigens auch Eyssenhardt zu (Lit. Centn
1864, 520).
322 Scheiikl.
210 crudesclt, 254 versique, 278 flatus, 341 festina, 367 acer-
que, IV, 111 sin, 551 tarn . . . tarn mira, bl2 fuerit, Q(X) Ancon,
676 fumo, V, 67 vehit ille, 200 -per te veJiar, 203 7nicet, 254
refusis, 342 aequali Schytidum,'^'^) 379 ora, 464 re^es, 534 teZt^
584 Choaspen, 645 c/aj-a, .680 orcZo, VI, 3 tueri^ 186 egerit,
217 Phaleri, 279 magnoque doloris, 305 inqndt genitor (übri-
g-eiis noch sehr fraglich, vgl. S. 293), 458 ^rior lianc, 474 aZie?«, 516
feri, 554 Phalcen, 572 a^ Latagum, 638 -47-i;ie?i Olbumque, 134:faUat,
748 pmdnmqne, VII, 187 festinamque, 373 vocemque Venus hlan-
disque paventem, 442 e« i(6i J?t«o ; B o «öi Juno, 486 ohiho,
490 ^?me^ 501 si meriti sim noctis et, 541 freto, 566 tenebras,
587 inque, 590 cornibus, VIII, 62 ac i;ocai, 77 me stante,^^) von
denen Thilo einige mit Unrecht nicht in den Text aufg-enom-
men hat, z. B. VI, 186 e^^eni^ VII, 587 inque (statt rtfg?te,
denn wie sich mutat, was Thilo aus dem Reg'ius aufnehmen
Avill (Prolegg-. LXXXIII), mit dem folgenden dein totis pro-
pendens viribuh- haeret zusammenreimt, begreife ich nicht; auch
ist inicit dextram und inque . . . mittit nicht dasselbe , sondern |
würde deutsch etwa so lauten : Nun greift der Aesonide zu und
packt . . .). Ob alle diese Besserungen wirklich im Codex stan-
den, lasse ich dahingestellt sein, da es nicht bloss möglich, son-
dern sogar wahrscheinlich ist, dass einige von ihnen, besonders
die, welche Eigennamen betreffen, auf Carrion's Rechnung- zu
setzen sind. Doch mag dem sein, wie es will, so viel ist ge-
wiss, dass sich neben diesen Emendationen eine bei weitem grössere
Zahl verkehrter und alberner Conjecturen findet. Man ver-
gleiche die Lesearten an folgenden Stelleu: I, 79 incaeptmn,
116 invicti, 141 extracta, 144 hac . . . hac parte (worüber wir
schon in der Anm. 11 gesprochen haben), 356 cristatus, 362
Naubidides, 535 niilii ut hinc varios, 536 iitque, 554 concidere,
558 movebo, 619 obliquam resonat, 654 ah . . , aequore, 684 in-
scia, 751 antris, 767 perlacrimans, II, 26 in alto, bl orbe, 133
hinc tibi, 156 scis sumus ut similes flammis, 159 ingrata, 166
retraliitque, 176 dedisses, 179 fultnen, 196 pjontum, 214 ductas,
218 facies, 283 bustis accendere, 294 miserum (mit Unrecht von
29) Carrion schreibt auch immer Schytae statt Scythae.
•'0; Da V mein fxmdc, hat, so empfiehlt sicli noch mit dem Regius me hie
stallte herzustellen ; denkt man sich dies meic staute geschrieben , so ist
die Corruptel in V ganz begreiflich.
Studien zu den Argüiiautica des Valerius Flaccus. 323
Thilo in den Text gesetzt, vg-1. Ph. Wagner IS^eiic Jahrb. 89,
400 fF.), 323 adveniet, 362 tortor, 547 cum colla . . . artm, 600
celeres hie prima fiamda, III, 34 velo Proconesson^ 35 et Caeam,
36 Scyllaceon unda (doch ist allerdings das ah vor nnda be-
fremdlich nnd kann leicht eingeschwärzt sein, wie gleich v. 58,
wo man in V ab altis liest; daher empfiehlt sich. die Conjectnr
von Heinsins ScylaceioN unda), 48 ad ortns, 103 at, 138 Ethe-
lum, 197 cuspide cassis, 209 Vemhis, 252 satus, 294 fatis hoc,
298 vnlnera, 321 fatales, 350 cum, 359 und 360 agros ad pa-
trios, 362 neque magnis, 399 EumcMidum, 420 Asopia, 534 ^;oce^
(möglicher Weise, wie Thilo meint, eine Glosse zu hkmda), 539
pocida, 566 de trude, 569 hcmsisse, 623 duhiis qiübus anxia pectora
ciiris,^^) 709 excussa, 715 sermonihus, 731 astris, 732 sineßatibus,
(vgl. Luc. I, 260), IV, 64 precantur, 128 /uoi^is, 130 re</es doliture
securidos,^-) 175 c^oZor e^ (i?ij*as insurgerementes,'-'^) 187 tumentis, 200
«0«^ 242 i(«He c (Thilo richtig «M>ic a)^ 287 ho^«^ ipse/'^^) 365 «es^?««
3') Meynke (Quaest. Val. p. 11) hat mit Unrecht an mjite et Anstoss genom-
men; denn Valerius hat dies aus Verg. Aen. V, 58 entlelnit. Auch das
Bedenken gegen die sehr leichte Emendation von Ileinsius duhiis variant
qnia (V hat variunt qni) pectot-a curia ist nicht gerechtfertigt; die Con-
struction ist ähnlich, wie Liv. III, 45, 2 si nee causis nee personis variet (lex).
2-) Diese Stelle, wo V regen 2Ji'enie dure secundos überliefert, leidet ohne Zwei-
fel an einem Verderbnisse; denn die sonst gani^ richtige Erklärung, dass
mit dure Juppiter angeredet werde, ist deshalb nicht haltbar, weil unmit-
telbar die Ansprache an den Sohn vorausgeht und daher die Stelle ganz
imdeutlich wird; der grammatischen Construction nach müsste man unter
diu-e den Amycus verstehen. Daher wird wol der Fehler in diesem
Worte liegen; theilen wir die Wörter ^jrewte dure so ab: premed ure, so
kann dies wol aus lireniif i/le entstanden sein ; mit (7/e würde ganz passend
Juppiter bezeichnet. Jedenfalls hat diese Conjectur den Vorzug vor den
gewaltsamen Aenderungen Schraders leyes suhitiire crnentas oder Ph.
Wagner's (Neue Jahrb. 8t), 385) regi p>eriture secundo.
2-') Diese verderbte Stelle, bei deren Heilung man jedenfalls von V ausgehen
muss, ist von Thilo (LXXIX) nicht glücklich behandelt worden. Offenbar
bilden die Worte Haec uhi .... mente den Vordersatz, terga .... gressus den
Nachsatz und das Subject des ganzen Satzes ist Dymas. Dies vorausgesetzt
möchte ich für dolet : videt schreiben, das durch eine im V sehr häufige Ver-
setzung der Buchstaben in divet und weiter in dolet verderbt werden konnte,
und dann das überlieferte ei dura sicpergere mente beibehaltcüi. Die Nach-
stellung des et kommt, wie wir noch sehen werden, bei Valerius oft vor.
^*) Auch diese Stelle liefert uns einen Beweis, wie V durchaus die kritische
.et
Grundlage für unseren Text bildet. In V ist nämUch artificuvi, notata.
o24: Sfheukl.
(übrigens wird hier statt finxisset . . . astus^ Avas Peerlkanip zu
Verg. Aen. IV, 128 für das überlieferte fimuisset . . . astus vor-
gesclilagen hat, Avahrscheiulieh das näher liegende fendisset . . as-
tus herzustellen sein; fendere astus ist ein dichterischer Ausdruck
für das prosaische tendere insidias), 314: Messenides, 426 summo-
qiie sid surgehat, 451 minquam, 573 pafranda, 583 ra/pidi, 595
ater, 624 sileo et (an der Kichtigkeit des von Löhbach S. 9
hergestellten sileam, worauf auch ich verfallen war, kann kein
Zweifel obwalten), 633 nani vere, 641 auditur, 722 glacialibus,
726 rigat, V, 25 fnnere, 55 lamherdihus, 69 laetos, 83 fatormn
(factorumf) , 84 addictasque . . . quaque, 94 atram . . . attuUt,
9Q dum, 104: Enopiae, lOö Cijfheram, 114 Äutolitum, 134 vexerit
amnis in aeqrior,^-') 147 inde Tymanios, 152 Bytheresque . . . PJd-
geschrieben, nun welchen Zügen Heinsiiis Aetna und Thilo 7'otaf. heraus-
gefunden haben; in dem Codex, welcher dem Schreiber von V vorlag, stand
.et
rotai.na, indem das vergessene et oben hinzugefügt war. Darnach ist
zu schreiben aitißcum rotat Aetna manv^, wodurch alle Schwierigkeiten beho-
ben sind. Uebrigens ist schon in der Note 12 bemerkt worden, dass diese
Leseart auch durch Claud. Mar. Victor III, 679 bestätigt wii'd. Wenn
Ph. Wagner (a. a. O.) gegen Thilo bemerkt, dass das Verbum rotare,
welches eine Kreisbewegung anzeigt, zu dieser Art von Arbeit nicht wol
passen will, so ist dies nicht begründet; denn der Hammer, mit welchem
das Metall geschlagen wird, muss doch bei seiner Wucht im Schwünge
gefühi-t werden und daher einen Bogen beschreiben. So steht volare öfters
in der Bedeutung , schwingen' mit ensem Verg. Aen. IX, 441, feluvi Stat.
Theb. IX, 802, .9«.m Claud. cons. Hon. IV, 329.
3=) Wenn Meynke (p. 12 f.) meint, dass diese Stelle für unsere Frage von
besonderer Wichtigkeit ist, so kann ich ihm nicht beistimmen. Es han-
delt sich hier gar nicht darum, dass der Thermodon die Leichen der Ge-
fallenen in das Meer schwemmt, sondern dass er die schwer Verwimdeten
in seinem Strudel fortreisst und ersäuft. Auch die Stelle des Statius Theb. XI,
277 beweist nichts; er hat jedenfalls unseren Vers vor Augen gehabt, aber
nur patrius .... amnis sammt dem gleichen Versausgange aus demselben
entlehnt; x^elago detulit war durch den ganz anderen Gedanken, welchen
Statius ausdrücken wollte, gegeben. Daher erscheint die Leseai-t bei
Carrion als eine ganz willkürliche Conjectur, die leider lange genug ihren
Platz im Texte eingenommen hat. Das verderbte sanguine scheint ein
Schreiber, dem dieses Wort noch aus v. 126 vorsehwebte, für das echte
titrhine gesetzt zu haben. Wir werden später noch andere Beispiele einer
solchen gedankenlosen Wiederholung vorliergegangener Wörter anführen.
In den Versen 125 und 126 scheint m;ui mit .1. Wagner nach propago j
inter})ungierrii zu müssen, obwol die Wiederholung des est auf einen
Beistrich nach sanguinis schliessen Hesse; aber est vera propago sanguinis
Studien zu den Avgouautica des Valerius Flaccus. 320
'ijreiaque, 220 imagine, 260 saevi, 262 infestum, 277 (auch VII,
1 19) Aethueis, 390 sedet omnia, 437 ip-sf;, 463 praecipuos^ 465 »eiif-
laque, (vgl. Verg. Aen. I, 580 erumpere nuhem)^ 466 ejfiihit Ithaeis
484 forte, 520 apertis, 540 iamqne, 552 /«'"e ^«is^ 564 decolor,
586 genitor sie, 591 unctis, 620 ylee^rte,, 641 tacitns, 651 Bysto-
nidae, 670 fassaqne qnae nequemn (Avorüber wir .schon oben S.
290 gesprochen haben), VI, 23 alienae a sanguine {cdieno a s.
cod. Burm.), 81 Coraletae, 100 Norae, 102 Tarax, 115 Varus,
118 longaeva, 123 notosque, 140 c?f7» ^?/f/rf, 143 Ewneda, 165
quatit aethera clamor, 166 agit,''*') 200 Oehrans, 208 graviter iacit,
ist, wie Meynke (Quaest. Val. 42 f.) richtig bemerkt, rein unverständlich.
Aber auch savijuinis denn ii\x Mars ist ein seltsamer Ausdruck, der
dmx-h Luc. II, 80 rfeo« scelernvi oder 0\'id. Met. VIII, 4:iS0 poenariim dcae
noch nicht gerechtfertigt wird. Es ist daher immerhin möglich, dass in
sanguinis est eine Corruptcl steckt und urs])rünglich sanguineusque ge-
schi'ieben stand (vgl. sanguhieus Mavors Verg. Aen. XII, .332, Ovid. Rem.
Am. 153). Schliesslich noch eine Bemerkung über v. 139, wo Thilo nach
V iii signls schi'eibt, wälu-end M insignis bietet. Wie soll aber der furor
in den signa sich offenbaren? Das wilde Ungestüm zeigt sich ja nur im
Kämpfer, seinem Antlitze, seinen Bewegungen. Daher miiss insignis ge-
schi'ieben und nicht mit balteAis, was die Anaphora das Relativum verbie-
tet, sondern mit furo7- verbunden werden; qiti fwor insignis ist so viel
als qnantus furor. Natüi'lich beziehen sich die Worte qnantus .... auro
nur auf die Königin der Amazonen, HijJjDolyte, welche den berühmten,
später von Herakles erbeuteten Gürtel trägt, wodurch allein schon die
Unzulässigkeit der Leseart in signis dargethan wh'd.
36) Nimmt man die Leseart im Codex des Carrion an, so ist jede Beziehung
zwischen den Versen 163 — 1(15 und 166 ff. aufgehoben und es bleibt
dann nichts übrig als 163 — 165 mit Meynke (Quaest. Val. 13 f.) nach
170 zu stellen, obwol sie auch da ohne rechte Verbindung mit dem Vor-
hergehenden und unpassend erscheinen müssten. Hält mau sich aber an
V und setzt man die beiden Wörter volucinim damor um, woran auch
schon Meynke dachte, so ist alles in der schönsten Ordnung. Versetzun-
gen von Wörtern finden sich in unserem Texte mehrmals, z. B. I, 49,
637 (wo doch adspectu toti in miaero viel geschmackvoller ist als das
allerdings denkbare adspectii in misero toti, vgl. DI, 123, 405, IV, 183,
VU, 458), IV, 428, 651 (wo es sich jedenfalls empfiehlt viso mentes zu
schreiben, da man sonst mentes mit Amyci verbinden müsste), VII, 373,
442, VIU, 466, vielleicht auch VI, 305, wo in C die Worte genitor inqnit,
um die Verlängerung durch die Arsis zu vermeiden, umgestellt sind. Die
kleine Härte, welche in der Synizesis volucruvi aethere liegt, weil nach
volucrnm eine, übrigens nicht starke Interpunction eintritt, kann ducli
hier nicht entscheidend sein; man vergleiche um- ähnliche Fälle, z. B.
I, 150, II, 133, 478 u. ö. Bei dieser Gelegenheit möge noch die Stelle
326 Sehen kl.
225 splendentis (vielleicht, wie Thilo meint, bloss Glosse zu
candentis), 227 suhtemine, 230 proturhans (sicherlich unrichtig-;
die Leseart in V profundis d. i. profundes, wie häufig in die-
sem Codex geschrieben ist, z. B. V, 61 frondes statt frondens,
führt auf das schon in M hergestellte proftmdens, welches hier
ganz passend ist, da das Schwert mit dem herniederfahrenden
Blitze verglichen wird-, fimdere fidmina, luniina, radios ist
ganz gewöhnlich), 234 eqv/is agitur, 261 arhore, 269 en ait, 335
relinquanf , 432 seras, 433 saevis, 441 fremitns (was Thilo wol
in den Text aufgenommen , aber in den Prolegomena XCVI
mit Recht wieder verworfen hat; cantns, was er vorschlägt,
liegt doch von der Ueberlieferung flatus zu weit ab ; ich ver-
muthe daher fatus, vgl. v. 646, wo das Particip fatus ebenso
in ßetus verderbt ist. Allerdings kommt dieses Wort nur bei
Prud. Apoth. 599 vor ; aber dieser Dichter hat es sicherlich
nicht zuerst gebraucht und warum soll man nicht das Simplex
neben den Compositis, wie adfatus, lyrofatits, verwendet haben?),
443 igni (eine sinnlose Conjectur, die wahrlich niemals einen
Platz im Texte verdient hat; M hat ignis^ was auf urguens
{iirges geschrieben, vgl. IV, 92, wo für ingenfihus in V einige
jüngere Codices richtig urguentihus bieten) führt; das folgende
recolit, das ich mir nicht erklären kann, wird man wol in
recreat verändern müssen), 537 nee spes (d. i. seps, wie Salma-
sius ad Spart, p. 31 ed. Par. 1620 erkannt hat), 553 icüi, 559
laeta hominum, 571 praereptns (worüber schon oben S. 293 ge-
handelt wurde), 594 sanguinis usquam, 618 sudantem, 651 in
admoti Caput in fatwnque, 723 fuga torva, 735 quoqne et Jmnc,
755 faullis'per, 756 iaitn quocunque, VII, 84 qui porttis Tibenne
tuos, 85 suiiit^ 14:5 parentes, 159 totum, \Q1 fiiriata, (die Schwie-
rigkeiten dieser Stelle, mit welcher sich Burmann und Thilo
LXXV umsonst abgemüht haben , lassen sich leicht beheben,
wenn man nunc vor decepta in non verwandelt ; zu non decepta
VII, 514 besprochen werden, wo nitan allgemein nach einer Conjectur in
der Bon. deicit hinc für das überlieferte nunc deicit schreibt. Dies ist
aber, wenn man deicit zweisylbig liest, ganz richtig, auch entspricht nunc
vortrefflich dem vorhergehenden nunc (512). Wenn Vergil Ecl. UI, 96
reice als Trochäus, der Dichter der Ciris v. 11 8 reicere als Daktylus, Statins
Tlieb. rV, 574 reicit als Spondeus gebraucht hat, warum konnte nicht
Valerius deicit ebenfalls als Spondeus messen?
Shifiieu zu den Argonautic;i des Valeriiis Flarciis. 32 i
ist natürlich (( me zii ergänzon; Juno beklagt sich, dass es ihr
nicht gelungen sei Medea bis zu jenem Grade von Verblen-
dung, wie sie es wünschte, zu bringen. Ueber die Verwechs-
lung von nvjic und non vergleiche man VII, 512, wo im Pa-
risinus non ora steht; dagegen muss VII, 447 mit B.2 nmic
mea für non mea geschrieben werden müssen, vgl. 481 nostra
fateri munera), 176 ojncs est, \1^ letiferae, '['S'^ ne impediat nunc
acta, 186 amplexuque peti, 202 dh'ae . . . esse, 206 oris, 229
düs nata malirpiis, 241 qnomam, 291 est et, 377 s%ds, 379 vo-
limt, 380 alia Aeaeae, 394 i2^sa tremens, 564 attonitis, 587 in-
citat, 616 adverso ut .... castris, 630 ödere (steht mit Unrecht
in allen Ausgaben ; iddere im V ist durch eine gewöhnliche
Versetzung der Buchstaben aus ad,iere entstanden, vgl. Verg.
Aen. V, 379 ndire mrnm\ VIII, 17 jwofert (übrigens ist auch
prodit unhaltbar; nui" führt es zu dem richtigen, schon von
Turnebus Adv. XXIX, 4 vorgeschlagenen promit), 35 icta, 39
iam nunc.
Ich glaube kaum, dass Jemand, der unbefangen dieses
Verzeichniss durchgeht, an einen alten Codex des zehnten Jahr-
hundertes denken kann. Jedem muss sich die Ueberzeugung
aufdrängen, es liege ihm ein von einem italiänischen Gelehrten
des fünfzehnten Jahrhundertes beai'beiteter Text vor. Die Haupt-
sache bei diesen Männern war einen lesbaren Text und na-
mentlich auch das Metrum herzustellen. Um dies zu erreichen,
wurde frischweg geändert, ergänzt, interpoliert; alles, was ihnen
nicht recht verständlich oder auffällig war, musste sich ihren
kecken Conjecturen fügen, wobei man sich wenig um die Ueber-
lieferung kümmerte. So wurde nun wo! an einigen Stellen
das Richtige getroffen, aber in einer zehnmahl grösseren Zahl
von Versen wurde der Text weiter verderbt, entstellt und ver-
wässert. Beispiele für das Gesagte wird jeder leicht selbst
im Vorhergehenden finden; auch sind nicht wenige Stellen ganz
entsprechend in den Prolegomenen von Thilo besprochen, auf
welche ich begreiflicher Weise hier nicht weiter eingehe; eini-
ges, worin ich Thilo nicht beistimmen kann, ist gleich bei den
beti-effendcn Versen oder, worin längei-e Auseinandersetzung
, nothwendig schien, in den Anmerkungen erörtcii. Nui" auf
eines Avili ich noch hinweisen, weil es ganz geeignet ist, über
die Beschaffenheit des Textes im Codex des Carrion aufzu-
328 Schenkl.
klären, nämlich auf die Art und Weise, wie die Eigennamen
behandelt sind. Diese hat der Corrector, wo sie ihm nicht
bekannt oder deutlich waren, auf die keckste Weise umge-
ändert und besonders ihm bekannte Namen dafür gesetzt, z. B.
V, 105 Cytheram für Cytoron (V Cytheron), III, 399 Eimie-
oiidtim. für Cimmerium (Cummeriimi) , III, 420 Asopia für Aes&pia,
oder auch, wo er überhaupt nichts enträthseln konnte, durch
ein anderes Wort überkleistert ; so lesen wir z. B. in C I, 141
für Atracia (V racici) : extracta, I, 356 für Plresius (V crestus) :
cristatus , VI, 118 für Lagea (V lagae): longaeva. Uebrigens
mögen auch unter diesen Varianten einige den Carrion zum
Urheber haben, der seine Vermuthungen durch die Autorität
seines alten Codex zu bestätigen suchte.
Wenn dem also ist, so wird man da, wo die Leseart in
V keinen Anstoss darbietet, die in C aber nicht minder be-
rechtigt wäre, unbedenklich für V entscheiden müssen. So ist
z. B. I, 271 inde magis in C ebenso gut denkbar als inde
viae, was P und V (von zweiter Hand) haben, aber das letztere
liegt der ursprünglichen Leseart in V indeme näher; III, 125
wird ah arce , was C gibt (V hat ab urhe) , allerdings durch
das Vorbild Verg. Aen. II, 41 empfohlen; aber Valerius pflegt
in seinen Nachahmungen oft den Ausdruck zu verändern, auch
passt turbata besser zu urhe als zu a^xe ; decurrit ab urbe kann
nicht befremden, da die Stadt höher gelegen ist als der Platz
am Hafen, wo gekämpft wird; V, 196 ist passis in C, wenn
man es mit fave verbindet, ebenso tadellos wie passum, Avas
in V steht, zu dem vorhergehenden me bezogen; natürlicher
ist allerdings die Interpunction nach oris als die nach passum,
auch scheint es passender, wenn Jason bei dieser Ansprache
an Phrixus, den er per genus beschwört, nur seine Person her-
vortreten lässt; V;, 515 ist dextram in C nicht minder richtig
als dona in V; freilich ist letzteres der gewähltere Ausdruck
und passt vortrefflich zu dem Vorhergehenden; da nämlich durch
die Annahme der Gastgeschenke von Seiten des Aeetes Jason zum
qv'oq desselben wird, so schliesst sich an da lungere dona: da
ScytJiicas sociare dovios. Aehnlich verhält es sich mit anderen
Lesearten, wie II, 168 iamqne oscula C, adque o. V — 237 dirn
C, dura V — 620 fragorem C, fragore V — 639 dextraque C, dex-
tramque V (doch scheint dextramique amplexus et haerens a\i^
Studien zu do.n Argouiiutica iles Valprius Flaceus. 329
Uebersetzung des homerischen iv t' äpa oi ©u ysipi (vgl, Verg-, Aen,
VIII, 124) auch ohne Rücksicht auf die Autorität des V vorzu-
ziehen) — IV, 73 auditur Q, auditus V V, 57 und 58 dividet ....
conteget Q, dividat .... contegat V — 628 querar C, queror V (viel-
leicht ist mit B.) non für num herzustellen) — VT, 452 neque quae C,
nee quae V. Für die Eigennamen, an welchen sich, wie oben bemerkt
wurde, der Corrector vielfach versucht hat, lässt sich ebenfalls aus
C kein Schluss ziehen. So kommt z. B. VI, 572 Zetemqne^ wie V,
und nicht Zatenque, wie C liest, in Betracht; IV^, 719 ist die Oon-
jectur Melasqne C aus dem Texte zu entfernen und Novc^qne V,
das allerdings verderbt sein mag, wieder herzustellen, bis sich auf
Grund dieser Leseart eine entsprechende Emendation gefunden hat.
Eine weitere Thatsache, welche keinem Zweifel unter-
liegt, ist die, dass der Codex des Carrion nur die Abschrift
jener, von einem italiänischen Gelehrten gemachten Textes-
recension enthielt, dass er von einem unwissenden und nach-
lässigen Menschen geschrieben war, welcher jene Textes-
recension vielfach entstellte. Wenn z. B. in den Lesearten,
wo C mit M stimmt, III, 609 und VI, 666 M richtig comprensa
und sensere, C fälschlich compressa und censere gibt, oder wenn in
dem interpolierten Verse VII, 579 in M das passende torvo, in
C das sinnlose torfo steht, so wird man compressa, censere und
torto nur als Fehler jenes Abschreibers betrachten können.
Ohne Zweifel hat auch er V, 83 factorum in fatorum, VI, 537
seps in sjyes entstellt. Es finden sich aber noch viele Lese-
arten, welche schwerlich Conjecturen, sondern reine Versehen
zu sein scheinen und offenbar dem Schreiber zur Last fallen,
mag auch hie und da Carrion bei seiner gewohnten Leiclit-
fertigkeit manches falsch gelesen haben.-'") Dergleichen Varian-
'^ Wie Carrion Codices verglich, kann man aus seiner Collation der Darm-
städter Handschrift des Censorinus sehen, die allerdings nichts weniger
als genau ist (vgl. Otto Jahn praef. p. XVI). Uebrigens hat Thilo die
Lesearten von C nicht immer richtig verzeichnet. So ist es keineswegs
sicher, dass in C I, ()8 curru uf., 456 Geraesfo, 812 rjuin . . . quin stand,
weil Carrion nichts davon sagt; es scheinen dies Conjecturen des Carrion
zu sein. Auch das ut vir/ehir bei I, 1.32 corripif. Ula sedet und 242 rjvan-
doque ist nicht berechtigt. Dagegen sind manclie Varianten von C, die
Carrion ausdrücklich angibt, übergangen, z. B. I, 287 nequiquam, 678
pascei, II, 620 fragorcm, oder nicht richtig angegeben, z. H. III, 71 /?«-
tenti (vielmehr paretiti).
330 Schenkl.
ten sind: I, 385 itna pedes (ima ist durch das vorhergehende
imos hervorgerufen), II, 14 reversum, 64 conditur, 193 occuhat,
213 meritas, 396 regant, 398 .exclusaque, 431 transihatque, 517
omina, 518 ille, 611 und 558 vocantis annuet, 661 efferat, III,
71 parenti, 143 oprima, 177 iriVr, 194 venator hierimo, 251 ceZe-
hramt, 121 forcus, IV, 68 ea;i7, 173 gracia, 229 capittir, 452
/?? ^oto se?/., 457 manus, 524 comprimet, 525 laetifera, 601 iAer-
modoon, V, 72 diviserat, 80 hoetia, 112 //?/Za.9^ 364 dedere, 418
sesostres , 443 es^ tantus , 541 ac^e, 570 potitur, 592 ?^ec^ 596
laxastm (M hat laxartem), 608 arenae, 642 frigentihis, VI, 65
datliin acliimeniae, 66 claraps, 69 fidon iacesinaque, 336 r/^ro
suhitam saevi, 377 e^ henippen, 700 paiWam, 714 ta?« videt, VII,
299 dtrras, 550 ^9cr?'^i graium. Bei dieser Nachlässigkeit des
Schreibers, der übrigens schon mit VIII, 105 abschloss, kann
es nicht befremden, wenn in C mehrere Verse ausgefallen sind,
wie II, 136, IV, 86, V, 542, VI, 195 und 196, und V, 83 am
Rande steht, weil der Schreiber seinen Fehler bemerkte und
den ausgelassenen Vers nachträglich hinzufügte. Allerdings
Hessen sich IV, 86 und V, 83 im Gedichte des Valerius ent-
behren, obwol ohne IV, 86 die Stelle über das Lied des Or-
pheus etwas kahl erscheinen würde ; aber aus dem Umstände,
dass in C der eine ausgefallen ist und der andere am Räude steht,
lässt sich, wie schon die anderen Lücken zeigen, kein Schluss
auf ihre Unechtheit ziehen. Die anderen Verse, welche in C
fehlen, sind unentbehrlich; V, 142 hat der Schreiber übersehen,
weil er zunächst das Verbum zu inscius , das eingeschobene
excipit, ins Auge fasste.
Ich habe absichtlich die Stellen, wo in C Lücken des V
ei'gänzt sind, aufgespart, um sie übersichtlich zusammenzustellen
und so leichter einen Schluss auf die Beschaffenheit dieser
Handschrift zu gewähren. Sehen wir von den Ergänzungen
ab, welche C mit M, B und A gemein hat, nämlich V, 410
per^ VI, 666 sensere, VII, 579 und 580, VII, 174 sed, so haben
wir aus C eine stattliche Reihe solcher Supplemente zu er-
wähnen und darunter ganz treffliche; doch über'^'iegen die ver-
fehlten oder doch unsicheren der Zahl nach entschieden. Zu
der ersteren Classe gehören: II, 271 et, III, 298 potius, 519
l^er omnem, V, 197 lüacidus, 287 ingens, 440 j?er_, 605 qnae
(signa), VII, 24 levis, 46 me, 421 me (jjendere)-, B2 me expen-
Studien zu ilen Argonautica des Valerius Flaccus. 331
t
(lere.-^^) Man vergleiche nun damit die verkelirten (»der doch
weniger wahrscheinlichen Eri>änzungen , wie I, 227 loni/a,
worüber schon gesprochen wurde, II, 227 mann (sicherlich rich-
tig ist Burmanns metu),'^'') 322 haec hospita (gewiss unrichtig und,
wie es scheint, aus Ovid. Trist. III, 12, 32 genommen; nicht
unwahrscheinlich gibt B nobis haec), 398 amor mit kecker
^Veijderung von saeva in saevit (richtig P von zweiter Hand
saeva magis), III, 462 ce^m-, ^") IV, 29 -mos (fast sinnlos; Bur-
mann richtig foros), IV, 388 somno, (was, wie Thilo LV richtig
bemerkt, wegen som7ios am Schlüsse des folgenden Verses
unmöglich ist,*') V, 72 fristen, (ebenso unwahrscheinlich, da
tristes gleich im nächsten Verse steht (Thilo LI); ich ver-
muthe daher saevas , was wegen der Aehnlichkeit mit sedens
leicht ausfallen konnte, vgl. IV, 74r)), V, 645 anne {eist B.2,
ohne Zweifel richtig), VI, 300 q^iiem quaerit misqnam. (mit
willküi'licher Veränderung des überlieferten nov usquam-^ diese
'^) Ich habe -die Ergänzuujren II, 58ö hellua, IV, 417 Phnri nicht erwähnt,
■ da sie nicht ausdrücklich als Le.searten des Codex l)ezeichnet sind , db-
wnl man es dem Zusammenhange nacli von PIku-'i vermuthen kann,
ebenso IV, 4 te, das sicher nur eine Conjectur des Carrion ist.
3^) Die Lücken in der Mitte von Versen sind meistens dadurch eingetreten,
dass der Sclu'eiber voii einem Worte zw einem anderen, welches diesem
ähnlich war, abin-te. Man vergleiche III, 398 potins tiins, IV, 4 te
pectore, V, 197 patrins placidus, 287 ingen.s- aef/ida, VT, (56(> minei-ae
sensere, VII, 24 lanfpientes levis.
*") Die tori, mit welchen die tabulatu , d. i. der gegen das Verdeck erhöhte
Gang, der um das ganze Schiff lief und den Sitzplatz der Ruderer bildete,
belegt wurden, sind offenbar die Ruderkissen (uTTTipsoia), die niedrig und
aus Binsen gemacht wai-en. Wie daher hier reisig am Platze sein kann,
ist mir unbegreiflich. Ich habe in meiner Ausgabe scirpels vorgeschlagen,
freilich ohne für diese Vermuthnng irgend eine Gewähr bieten zu können.
") Tliiln hat nachgewiesen, dass, wie dies i)ft in den Handschriften geschah,
cantu aus ;^88 in o87 eindrang, wodurcli das Schlusswort des letzte-
ren verloren gieng. Dieses dürfte wol panlor gewesen sein. Ich
stelle hier gleich die anderen IJeispiele solcher Störungen in unserem
Texte zusammen: III, 9, wo Carrion cui tradif. amici (in der zweiten
Ausgabe «wtjm) vorgeschlagen hat. das Supi)lement der Aldina aber
oneratqxie stiperMs (vgl. Verg. Aen. III, AHb) nicht unwahrscheinlich ist ;
wenn Thilo XLV dagegen bemerkt, dass dann keine Construction möglich
sei, so scheint mir dies nicht begründet; qucifi privia» vestex ist so viel als
vestihus, appositioneil zu inunei-ilms gedacht, quas 2ii'i'>nas x\. h. w.; III, öl9,
VI, 417, Vn, 244, VIII, 161 (wo li/ora rftmi mehr für sich liat, als
aequora remi).
Sitzb. d. i.lul.-bist. Cl. LXVIH. Bd. HI. litt. 22
332 Schenkl
oft besprochene Stelle lässt sich leicht ergänzen und ver-
bessern, wenn man schreibt: agmina non nsqvani Cyrmmi videt.
utque itervm intrat vnciferans , iterum helli diversa peragrnt,
lancea u. s. w.); VI, 417 cura cavere (sinnlos, wie Thilo LVI
nachweist ; man erwartet vielmehr mittere cura) ; VII^ ] 59 totvm
(von Thilo LVII widerlegt; am ansprechendsten ergänzt Ph.
Wagner ut mecum sis hiinc)-^ VII^ 244 ardna amanti (wobei das
überlieferte arida keck umgeändert wird; sehr ansprechend ver-
muthet Thilo (LVI) arida . memhra , oder sollte man an ai-ida
lingua denken ?) ; VII, 452 in armis, (wobei ebenfalls statt superis
gewaltsam snmptis hergestellt wird; fast zweifellos ist Thilo's
Ergänzung in istis). Wie man sieht, führen alle diese Supple-
mente nirgends auf eine alte handschriftliche Quelle zurück;
sie sind blosse Versuche, von denen allerdings einige nicht übel
gerathen sind , freilich nur an solchen Stellen , wo der Sinn
offen da liegt, während an solchen, wo dies nicht der Fall ist,
der Ergänzer seltsame und geradezu verkehrte Vermuthungen
vorgebracht hat. Es offenbart sich dabei ganz die Manier der
italiänischen Correctoren, welche schnell, was ihnen in den
Sinn kam, an den Rand ihres Codex hinwarfen oder auch gleich
im Texte herstellten, ohne zu fragen, ob dieser Einfall auch
bei genauer Erwägung der ganzen Stelle, ihres Gedanken-
zusammenhanges und Ausdruckes Stand halten könnte. So hat
der Ergänzer hier IV, 388 und V, 72 die Lücken mit som.no
und tristes ausgefüllt, ohne sich darum zu kümmern, dass diese
Wörter gleich wieder in den folgenden Versen vorkommen.
Wer möchte bei solcher Bewandtniss etwa die Verse, welche
sich nur in C finden: I, 830, III, 77, IV, 196, VII, 633, von
denen die zwei ersten am Rande, nicht im Texte stehen, für
wirkliche Ergänzungen der Lücken in V ansehen? Sie sind
Machwerke italiänischer Gelehrten, einer davon (IV, 196)
nicht ungeschickt, die anderen aber recht plump und geist-
los. Man beachte noch , dass sich in C, wie schon oben be-
merkt wurde, nach VII, 578 dieselben zwei Verse wie in M
rinden, und man wird über den Ursprung aller dieser Supple-
mente gewiss nicht mehr unklar sein kiinnen.
Bedenkt man nun noch, dass C an einer grossen Anzahl
von Stellen, wie die von Thilo (LXXXIII) angeführten Bei-
spiele zeigen, in den Corruptelen mit V übereinstimmt, dass
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus. 333
ferner die (\nijecturen, wo nicht die Ueberliet'erung' allzu will-
kürlich iinii>-eiindert ist, deutlich aui die I^escarten in V zurück-
gehen, z. B. IV, 426, V, 114, VI, 208 u. di»l., so ist damit
wol der l^eweis geliefert, dass C eine junge Handschrift war,
die ebenso wie alle anderen V zur Quelle hatte, und einen v^on
italiänischen Gelehrten stark überarbeiteten Text darbot.
Ganz ähnlich verhält es sich mit den anderen Codices
des fünfzehnten Jahrhunderts, von denen M, der Vaticanus
11)53, der Codex Burmanns '-) und der von Thomas Coke näher
bekannt sind. So sind z. B. in M manche Lücken recht an-
sprechend ergänzt, wie IV, 65, VIII, 83, 228, kleinerer Supph;-
mente, wie iam^ in, est I, l(i, 750, VIII, 39, 170 nicht zu ge-
denken; aber illnm hcjo tv I, 202, das in allen Texten steht,
hat keine Wahrscheinlichkeit, da den Zügen in V ille mi . .
doch ilh mihi (nämlich poenas dahit) viel näher liegt, und der
Vers I, 45 erweist sich ebenso, wie jener nach VIII, 4G2, auf
' den ersten Blick als unecht. Ebenso sind die Conjecturen in
! M bald recht gelungen, bald willkürlich oder geradezu verkehrt.
i Darüber noch weiter zvi sprechen vmd iiachzuweisen, dass auch
I M keine andere Quelle als V hat, halte ich, trotzdem Meynke
! (Quaest. Val. 22) daran zweifelt, für überflüssig. Ich bemerke
i nur, dass M ebenso wie C bloss die Abschrift eines verbesserten
Textes ist, und zwar eine sehr incorrecte, die auf einen nach-
lässigen und gedankenlosen 8chreiber schliesseu lässt. Der
Vat. 1653, der Vaticanus II des Heinsius, hat einiges Interesse
dadurch, dass aus einem ihm sehr ähnlichen Codex die editio
princeps (Bologna 1474) geflossen ist. Da Heinsius imd Thilo
.nur einige Lesearten desselben, und letztere meistens nui' da,
Iwo Blätter in V verloren sind, mitgetheilt halben, so gebe ich
jhier, um eine genauere Kenntniss dieser Handschrift zu ermög-
lichen, nach dem Texte Thilo's eine Collation von 300 Versen
des ersten Buches, welche ich Hrn. Dr. Hugo Hinck in Rom
verdanke. Mehr abdrucken zu lassen lohnt nicht die Mühe.
I ■'2) Ist, der Codex des Bnrmium, dessüu ITcrkuiii't er liloss mit den Worten
andoiitot : ,'itninn ndhilnihniis , sed iifjpif wliixtinn m'jpir valtle. accnratiim,
ciim.i iisum ante viginti annod ipiidam noJjis conce-isit et ex quo varias
qnasd.am Ipc.fiones excei^simv-fi (Praef. jt. XXXI)' identisch mit dem Vos-
sianns, den er einigcmalc erwähnt, uhne sciiner in der Vorrede gedacht
zu haben?
22*
334 ' Schenkl.
Die Varianten , wo der Codex mit der Bononiensis überein-
stimmt, sind mit B bezeichnet :^3^ 5 concita B. 7 fronde B. 13
■potes B. 15 illa B. 17 neque in B. 23 omnes B. 27 progenie B.
30 aut B. 38 timens B. 42 Chreteos . . . audis B. 43 oefds B.
45 m^e?' ef attonite mactaf solemnia mense B. 49 lacera asskhds
namque B. 53 hahet. 56 nepMlei B. 58 propriorque B. 63 externo
B. 69 g'?to B. 73 advocaf. 74 /e?'a B. 82 aethere (aefheie B) . . .
imhrem. {liimbrem B), 83 erdjjhea B. 84 cedere {coedere B). 88
/M7ic B. 93 fhesjnca {thespiaca et B). 95 undas B. 96 macednmqite B.
100 Äa6e^ . . .forma B. 104 siniulat (stimidat B). 105 ^w.95^ . . . limine
B. 107 tirynthins B. 108 nrmata B. 115 hymbrem B. 117 co^it-
menqne. 118 nnqruim. B. — es^ (in mg. ^s?'/'). 120 o>v*5- B. 123
desolvere. — Inmma B. 125 moUri B. 126 veUifero B. 127
mtnc pervia. 130 sperafa sedens B. 131 «e/wV B. 132 coro^iptdt
silet haec B. 134 clotoqim B. — iacfataque B. 137 viridi totns B.
138 chelin B. 140 Rhoetens atracia B. 144 agnoscifur B. 146
clarus antora B. 147 acclivisque B. — napetis B. 156 conanti B.
161 exonides. 1(32 cmtji (^rtw, m. 2). 167 tyndareusque B. 169
pelagum B. 171 iolchon B. 173 ^?mc B. 176 patni sive B. 178
sedeatqne B. 180 /a^^« (om. ignarimi). 184 mofnque. 190 iuven-
cum B. 192 latifera B. 193 ^^&as. 203 alvum. 214 maplexus B.
223 vellere B. 228 idomon. 232 omnüi B. 233 pennis B. 242 quantis-
que B. 243 ajfecto B. 250 om. m B. 254 veruhi(s B. 256 ostentarat
B. 265 SIC. 266 vnltus. 270 venatos B. 271 *rt(ie w'e B. 273 redditiira
B. 275 lectantihns B. 278 steterat . . . uiYis B. 282 yer^or B. 284
diricmque . . . wtssa B. 285 descendere . . . abJttjdo B. 287 nequic-
q^iam B. 289 surgenti B. Man sieht, wie genau selbst in den Schreib-
weisen der Codex mit der ed. princeps stimmt. Richtig bietet er 1
natis (B V nautis), 1 17 columenque (B V colunieiiva-^ P columemque)]
die anderen Lesearten, welche er eigenthümlich hat, sind ent-
weder Versclilechterungen, wie 134 iactataque (V laetataque),
203 alvtim (B V <dmim) oder offenbare Schreibfehler. Auffallend
ist die Uebereinstimmung mit P vv. 5, 7, 117, 233, 271, 284. Man
kann daraus den Schluss ziehen, dass anfangs in Italien nur
Abschriften des Sangallensis verbreitet waren, welche späterhin,
**) Schreibweisen luibe ich In der Regel iik-lit beachtet. Deshalb bt'iuerke ich
hier, dass der Codex bei zusammengesetzten Verben durchaus die Assi-
milation der Präpositionen hat; für ai' steht fast immer e, ferner Uttora,
occeanus, foloe u. dgl.
Studieu zu den Aifioiiaiitica des Valerius Flaccns.
335
als mall V auffand, aus demselben ergänzt und verbessert wurden.
Zu dieser Art von Codices geliören der Vat. 1 653 und die Hand-
sebrift, aus welcher die Bononiensis geflossen ist. Auch C gehört
zu dieser Classe, Avährend M direct aus V hergeleitet ist. Man kann
daliei-j wenn man den Vaticanus 1653 mit R, den Ottobonianus mit
< >, den Vaticanus 1614 mit 8, den Oxforder Codex mit T, den Pari-
sinus 7647 mit L bezeichnet, folgendes Schema aufstellen:
V
POST ergänzter Codex
CR B
Von den anderen Codices lässt sich nicht sagen , ob sie
direct oder indirect aus V hergeleitet sind , da wir keine aus-
reichende Collation derselben besitzen.
Was die Supplemente in B anbelangt, so haben sie den-
selben Charakter, w^ie die in M. Einige sind so gelungen, dass
sie mit Recht in den Text aufgenommen worden sind, wie IV,
682 Juno, V, 1 1 capnt, VII, 201 casus, 337 et (auch R), VII I,
214 iam, andere sind verfehlt, wie IV, 2^ livects, V, 12 placidas,
645 at {(ist B^), VIII, 452 üirldl (das Richtige dürfte wol
sacro sein). Darum ist aucii auf den Vers VI, 78, den Meynke
im Rhein. Mus. XXII. 370 so besonders betont, kein Gewicht
zu legen. j\[an mag zugeben, dass er recht geschickt gemacht
ist; aber einen solchen Vers kann man einem italiänischen Ge-
lehrten ganz gut zutrauen, besonders wen« er, was wol keinem
Zweifel unterliegt, Verg. Georg, II, J23 f. als Vorbild benützte,")
III,
Aus der vorhergehenden Ercirterung ergibt sich, dass der
Vaticanus 3277 die einzige Quelle füi- den Text der Argonau-
^*) Der Text der Juntina von 1517 ist niflit aus der IJononicnsis II (1494),
sondern aus der ersten Bon. (1474) hergeleitet, ducli hat Bartli. Foutius
336 Schenkl
tica bildet und wir überall auf denselben zurückstehen müssen.
Daher ist es höchst wichtig die Schreibweise dieses Codex
dabei einen verbesserten Codex benützt; die Juntina von 1503, sowie die
erste Florentina (1476 ?) stand mir nicht zu Gebote. Dagegen stammt
difr Veneta von 15ül und wol auch die von 1.500 aus der Bon. II. Für
die Aktina bildet der Text der .Juntina II die Grundlage; freilich ist der-
selbe vielfach, besonders nach der Ausgabe des Pius verbessert. Uebrigens
wii'd sich weder aus den alten Ausgaben , noch aus den jüngeren Hand-
schriften mehr eine nur irgendwie erhebliche Nachlese von bisher unbe-
kannten Conjecturen gewinnen lassen. Da Meynke (Quaest. VaL .54) auf
ein Exemplar der ed. princeps in der Magliabecchiana zu Florenz hinge-
wiesen hat, wo im Texte und am Rande sich allerlei Anmerkungen von
der Hand des Thomas Jnghüami, genannt Phädrus, finden und am
Schlüsse geschrieben steht ,Phoedru.i duce Pomponio Latinae limjuae pa-
rente optumo incuüum cantüjavit a. u. c. MMCC'XL VP (vgl. Foss, catal.
codd. saee. XV impressorum, qui in bibl. Magliabecchiana Florentiae ad-
sei-vantui', Florenz 1794, voL II, p. 740), so ersuchte ich Hm. Hinck bei
seiner Anwesenheit in Florenz den Band dmx-hzusehen imd mir die
Varianten zum ersten Buche der Ai'gonautica mitzutheilen. Es ist wük-
lich die Bon. I (jetzt in der Bibliotheca nazionale B, 2, 15) mit zahl-
reichen Verbesserungen des Textes, welche \ms deutlich zeigen, wie die
italiänischeu Gelehrten mit der Ueberlieferung verfuhren. Ich gebe hier
die vollständigen Emendationen von v. 1 — 100 und von da an nur die
wichtigeren mit Uebergchung aller Kleinigkeiten. Die vor der Klammer
stehende Leseart ist die der Bon., die folgende gibt die Emendation des
Phädnis: 1 nautis] vel natis, l(i iamj tu, 17 neqtie in] neque enini, 23
populis] populos (auch Bi), 30 autj haud, 39 ponedra] pcnidera, 55 ani-
miquej vel annique (so die Bon. II bei Harles), 43 ottas] eetas, 58 pro-
priorque] propiorque. 67 aerii] aerei. 72 niiseranfes] miserantis. H3 eni-
pheaj enipea. 90 paler J vel. vaiier. 94 deniitterej vel cedeie. 100 habet]
hahit. heUis] hello, lli fata] facta. 117 colnmenve] vel coluiuenque. 122 docta]
vel acuta. 130 sperata üedensj sperata vuijo (ebenso Bon. II. bei Harles;
auch bei Pius erwähnt). 132 coi-ripuit silef haec] corripit ut silet haec
(auch bei Pius erwähnt). 157 erigit] vel exigit. 192 perfringere] perstrin-
gere. 208 vitamqne] vittasque. 277 noctem dulci] dulci noctem. 304 silvis]
lucis. 310 nieimas] terran. 342 videam] video. 345 super] suhit. 368
voluitve] valuilve. 384 puniceo . . . coturno] vel puniceos . . . cotunws.
400 tej ter (auch bei Pius erwähnt). 404 splendetj pendet. 405 altis] aliis
(auch im Regius). 412 phlias inviisaux] bumis/tus phlias. 420 celer aerea]
celer i)tsitu. 430 hie] hinc. 464 quem] forte quos. 491 teneroi] tenera»
(aucli Jiintina II). 493 adverso] averso (auch Aldina). 521 aras] od
oras. 70S equisj eques (auch bei Pius erwähnt). Nach 700 steht am Riindi
der Vers (815): Sumat et heu cutictas quas viii-it in aequora gentin. 770
puijnataque] cognataque. 785 tempore] tempora. 790 fasque] fas. 800 cla^s-
■lesque] claasbs. 821 removentemj revomenles (auch bei Pius erwähnt). 822
Stadien zu deu Argoiiautica des Valerius- Flaccus. 337
*
uiiliei- kennen zu lernen , weil mau durch ein^ sorgtaltijoe Be-
obachtung derselben im Stande sein dürfte manche Fehler, die
l)iöher vcrborg'en tj^eblieben sind , zu entdecken und manche
Stellen, an deren Heilung; man sich bisher umsonst versucht
hat, sicher zu verbessern.
Nun ist V im neunten Jahihundert von einig-en ganz un-
wissenden Mönchen geschrieben , die vielleicht kaum der Ele-
mente des Lateinischen kundig waren. Darnach kann es nicht
Wunder nehmen , wenn der Text von Fehlern aller Art wim-
melt. Den Bildungsgrad dieser Schreiber kann man am besten
aus III, 76 und IV, 50 kennen lernen, wo einer für galeae und
amens die ihm geläutigen Wörter gnlüeae und amen gesetzt hat,
oder aus IV, 129, wo einer den Namen eines scythischen Volks-
stammes in den des Erzengels Michael (mycaei) verwandelte
und es so wol für immer unmöglich gemacht hat die Hand
des Dichters zu errathen. Die guten Mönche sind aber auch
keine lleissigen Schreiber gewesen; sie werden wol beim
Schreiben dieselben Emptindungen verspürt haben, wie jener
Mönch zu St. Gallen, der am Ende des Codex des Justinus
(saec. IX. n. 623) in zierlicher Schrift die rührende Klage bei-
fügte: chumo kischreib, filo chumor Icipeit. Wie nachlässig sie
geschrieben haben, kann man am besten aus der Stelle II,
213 — 262 ersehen, wo der Schreiber nach 262 nochmals die-
selben 49 Verse wiederholt hat. Bezeichnen wir mit Thilo die
Lesearten der ersten Abschrift mit Va, die der zweiten mit Vb,
so kann man leicht an einigen Beispielen die gänzliche Sorg-
losigkeit des Schreibers zeigen. V. 215 hat Va in thalamos,
Vb in thamos, 231 Va inmanes, Vb inmagiiies, 239 Va fnro-
rem, Vb furoris, 240 fehlt Va, 241 fehlt Vb, 251 Va ne quere
quis auctor, Vb ne queis auctore. Man kann daraus den Schluss
ziehen, wie er an anderen Stellen den ihm vorliegenden Text
verunstaltet haben mag.
Ueber die Lücken in unserem Texte habe ich schon im
zweiten Abschnitte, so viel als nöthig, gesprochen. Ausser den
genannten Stellen, wo meistens grössere Wörter ausgefallen
(=r 815) dui-chstrichen. Nach 829 folgt der Vers Senserit atijue ijravi
totum conddere motu (bei Pins mit iiocli einem anderen ans einem
Exemplare Ibuu Pomponii Laeti elimato angeführt). Mau sieht, dass sich
hier keine Ausbeute macheu lässt.
338 Scheukl,
sind, linden sich in V nur noch kleinere Lücken, welche durch
Wörtchen, wie per, tnm, in u. dgl. auszufüllen und längst in ^
einigen Handschriften oder von Herausgebern, besonders von
Heinsius ergänzt sind. Eine einzige Stelle dieser Art ist bis- i
her unbemerkt geblieben, nämlich VHI, 232 f. adsunt unanimes
Venus hortatovque Cupido suscitut adfixain itiaestis Aeetida cnris.
Dass diese Construction, wornach Ciipido einmal mit Vemis als
Subject von adsunt und dann wieder allein als Subject von
suscitat gefasst werden müsste , unmöglich ist , hat man längst
erkannt. Aber der Versuch J. Wagner' s nach Ciqjido stärker
zu interpungieren und adßxani in hie ßxam zu verwandeln be-
friedigt nicht und Meynke's Conjectur admdt unanimis (Rhein.
Mus. XXII, 374) wird man als eine willkürliche Behandlung
des Textes verwerfen müssen. Dagegen emptiehlt sich nach
maestis ein qui einzuschieben, wodurch alle Bedenken behoben
sind.^-^) Denn was Meynke sonst gegen die Ueberlieferimg ein-
wendet, wiegt nicht schwer. Warum soll Valerius nicht an
vier Stellen die Form unaninms nnd an einer unanimis ge-
braucht haben ? Sagt doch I aicanus IV, 330 semianimes . . .
turmas und III, 747 (nach den besten Handschriften) semiani-
musque iaces. Auch ist es nicht Avalir, dass die älteren Dichter
in solchen Zusammensetzungen die Formen auf hs vorzogen;
so ist semianimis gerade bei den älteren Dichtern üblicher als
semianimus. Und warmn soll nnanimes nicht passend von dem
Zusammenwirken der Venus und des Cupido gebraucht sein?
unanimis von Jason und Medea gesagt wäre doch recht nüch-
tern. Wir schliessen hieran gleich eine andere Stelle, wo eben- i
falls das Relativum herzustellen ist , nämlich III, 30 f. adque
illum non ante sopor Inctamine tanto lenit agens divum imperiis.
Diese Worte können so, wie sie überliefert sind, nicht richtig
sein; denn non ante lässt sich mit lenit nicht vereinen. Ph.
Wagner hat richtig erkannt, dass ein Relativum fehlt, und ist
auch auf die UKÜner Ansicht nach richtige Vermuthung at qui
*'') Für die Synizesis vcrgleiclic man V, 5S4 st unmigenam. 8ynizesen ein-
sylbiger Längeu finden sicli bei Valerius öfters und zw;ir mit folgenden
Längen III, 304, V, -490, 517, VI, 536, VII, 38, 96, 131, 176, 238, 420,
VIII, 198, 387, aber auch mit folgenden Kürzen, z. B. II, 218 st aperif,
IV, (i2 quem alium, V, o9U te (ntinioA: Es durfte daher Jj. Müller (de
re metr. 283) nicht an der Richtigkeit der Leseai't IV, 02 zweifeln.
Stiiilien /.a 'leii Ar;;oii.'iutic;a 4r.v Valerius Flaccus. ob9
für (itqi(e verfallon , die er aber der Elision von qni wegen
selbst wieder uufgibt. Warum soll aber diese Synizesis so an-
stössig sein? Findet sich doch eine g-anz ähnliche VII-, (>51
nee si ijJse. Daher bedarf es nicht der Aenderung quiqtie illnm
und noch weniger der weiteren Sopor tum numine hlando oder
gar lenis adit, wie Waguer vorschlägt. Icli bemerke nur noch,
dass agens hier nicht etwa ,handelnd' heisst, sondern einem
?«-y?<e»s gleichkommt; so steht ganz ähnlich «//«v^s- IV, 111, VII,
151, Verg. Aen. I, 191, IV, 71.
Eine Reihe von Stellen, wo die ursprüngliche Ordnung
der Wörter gestört worden ist, habe ich schon in Anmerkung
36 besprochen. Es mögen hier gleich zwei andere Fälle
folffen , wo die Anfane-sworte von Versen vertauscht worden
sind. Das erste Beispiel dieser Verwechslung findet sich I, vv.
10, 20. Hier muss nämlich v. 20 jedenfalls mit Slothouwer
(Animadv. crit., s. Acta lit. soc. Kheno — Traiect. III, 1(58)
statt ,etf ,seu' hergestellt werden; denn mit J. F. Gronov
(Observ. I, IS) im vorhergehenden Verse u fv- s. d. si te . . .
zu schreiben, dazu wird sich W(»l Niemand entschliessen. Da-
gegen bleibt es fraglich, was v. l'J statt siui zu schreiben ist.
Thilo's Vermuthuug cum trifft sicherlich nicht das Richtige, da
bei ihrer Annahme nicht der verglichene Gegenstand neben
dem Bilde augegeben wäre, und hätte sie daher Wagner (Neue
Jahrb. 89, 404) nicht billigen sollen. Dem Sinne nach ent-
spricht die Vermuthung Slothouwer's qudm, welcher Haupt
(Hermes III, 215) beistimmt; aber es lässt sich so schlechter-
dings nicht die Entstehung der Corruptel erklären und der Be-
merkung Haupt's ,neque litterulis nimium inhaerescemus, prae-
sertim cum fieri potuerit, ut huius versus initium yjropter ini-
tium proximi depravaretur' können wir erst dann bei})flichten,
wenn sich kein leichteres jMittel zur Heilung darbietet. P^in
solches ist aber unstreitig vorhanden. Nimmt man nämlich an,
I dass die Anfangsworte der beiden Verse vertauscht worden
I sind, so wäre et tu zu schreiben; et aber kann recht wohl aus
1 ac entstanden sein, das sich ganz gut mit eerfior verbindet (\^gl.
! Hand Turs. I, 472). Das zweite Beispiel ist VII, 420 und
421, wo, wie Ziuzerling erkannt hat, mit Umstellung der Ein-
gangsworte quid pater und tiec meritnm geschrieben werden
muss. Freilich wird es sich noch empfehlen non statt aec her-
340 Scheukl
zustellen, welche Wörtchen oft iu den Handschriften vertauöcht
sind (vgl. Drakeuborch zu Liv. V, 54, 2 und Kreyssi^ zu Liv.
XXXVII, p. 318). Eine Störung der Anfangsworte von zwei
Versen ist auch in der Stelle IV, 714 ff. anzunehmen, welche
noch durch andere Verderbnisse entstellt ist. Ich glaube dieser
Stelle durch bei weitem leichtere Aenderuugen, als man bisher
vorgeschlagen hat, aufhelfen zu können und setze daher statt
einer längeren Besprechung diese Verse in der Foi-m her, wie
sie in meiner Ausgabe gelesen werden.
non alihi effnsis cesserimt longins tmdis
litora, nee tenues quamvis Tyrrlienus et Aegon
volvat aqnas, geniims vel desint Syrtihus undaa.
at super huc vastos telliis qitoque congerit anines.
num septemgemini memorem quas exitus Histri u. s. w.
Es ist hier tenues für tantas, vel für et, <d für nwn und
endlich mit Slothouwer (a. a. O. 176) num für non geschrieben
worden. Offenbar hat num das vorhergehende at verdrängt,
wobei es im ersten Verse in nam, im zweiten in non ver-
derbt wurde.
Auch in der Mitte von Versen haben ähnliche Verschie-
bungen stattgefunden. Einen solchen Vorgang glaube ich VIII,
285 f. zu erkennen, wo Folgendes überliefert ist: Dixerat atque
ornns iierum ventosque virosque perqne ratis snpplex et rei)dgis
mxilld imigistris. In dem ersten Verse schreibt man nun ge-
W()hnlich nach der Juntina II itque statt atque:, es bleibt aber
sehr auffällig, dass sich Absyrtus wieder flehend au die Winde
und Männer wendet, während doch im Vorausgehenden hierüber
nichts bemerkt wird. Und wie komisch klingt dies itque orans
mntos virosque, zumal von einem, der sich auf einem Schifte
befindet. Wenn man dagegen die Wörter iterum und supplex
die Plätze tauschen lässt, so erhält die dunkle Stelle augen-
blicklich (ün helles Licht; supplex passt dem Sinne nach vor-
trefflich zu orans, das aber in orat verändert werden muss. *'')
*6) So wird m.in auch VIII, 215 für sitjnificans, das nicht in die Construction
passt, .f!(j)ii/icat i)arallcl ndt fa/lif. licrzustcllcn haben. Uebrigens uniss
auch mitunter das Verbum fiidtuni in ein Participium geändert werden.
S(j liat VI, 62(i Pcerlkanip (zu Verg. Aen. X. 4()7) richtig maerens für
maeret gos'chricljen ; nur niuss man auch die Interj)unction verbessern,
indem man nach rcjuin ein Kumma setzt, und fremunt in freniant (nicht
ritudieu zu den Arsouautica ilc.-- Valürius Flaccus. 341
Im zweiten Verse hat Ruperti mizweitelliuft richtig statt vexilLa
magistri: vox alta magistri verbessert. Es inüsste nun ittnim
eingesetzt nnd et remigis in remo.sque verwandelt werden, so
(hiss der ganze Vers lauten würch;: perqne rafis remosque iterum
rox alta magistri. Man muss sich denken , dass die Schiffe
während der Rede des Absyrtus in der Fahrt eingehalten haben;
nun da er geendet hat und zugleich die Kolcher auffordert mit
allem Ungestüm vorzudringen, ertönt witsder das xsXc'jcjiJ.a.
Viele Verderbnisse in den Handschriften sind dadurch
entstanden, dass die Abschreiber, indem ihnen ein vorher-
gehendes oder folgendes Wort im Gedanken vorschwebte, die-
ses statt desjenigen setzten, was sie eben zu schreiben hatten,
wodurch der Sinn ganzer Verse erheblich gestört wurde. Ein
Beispiel davon haben wii- in der Anmerkung 85 nach-
gewiesen, drei andere mögen hier besprochen werden. VII, 70
hat Heinsius statt seminis, was aus semina (74) entstanden ist, '")
gewiss richtig dentihiis hergestellt. VII, KU) ist das doppelte
solvat unerträglich und wird auch durch die Fassung, welche
Ph. Wagner vorschlägt (Phil. XX, 644) : solvaf ef i» somnos
ingenti et solva.t ah orno um nichts glaublicher. J. Wagner
hat richtig erkannt, dass der Fehler im ersten solvat liegt, in-
dem der Schreiber im Gedanken auf" das folgende solvat ab-
irrte. Aber weder der Vorschlag Wagner's sternat, noch der
Thilo's fundat scheinen mir entsprechend; ich möchte daher
eher an vuicat denken. VII, 547 ist ßammas ohne Zweifel
aus dem gleichen Worte im folgenden Verse entstanden. Mau
hat nun gewöhnlich nach der Aldina glebas für ßammas ge-
schrieben, ohne zu bedenken, dass dann der Vers vos mild nunc
primum in glehas invertite tauri aequora nicht mit v. 62 ff.
stimmt. Durchgepflügt hat schon vor laugen Jahren Aeetes
jenes Feld mit dem Gespann der Stiere; nun soll aber das
Feld tief umgepflügt werden, damit die Saat der Gewappneten
daraus hervorgehe. Ich v(!rniuthe daher priniiim penitns iani
vertue tanri.
frevient , wie Peerlkamp will) verwandelt. Auch VI, 591 dürfte es sich
empfehlen urguenn statt nrtjuet zu schreibeu; so schliesst sich reddit besser
an ait an.
'^') So steht in P III, U',) .lomiiia statt (em^jora, durch das unmittelbar darüber
stehende somnin veranlasst. >
342 Schenkl
Ein in V oft vorkommender Fehler, durch welchen Wör-
ter ganz entstellt worden sind , besteht darin , dass die Conso-
nanten odei- auch überhaupt die Buchstaben von zwei Sylben
vertauscht wurden. Solche Fälle sind z. B. II, 154 examinat
statt exanimat, V, 624 >^idi statt divi, öfters i'egit statt gertt
(vgl. Anmerkung 24), auch nepotes statt penates (1, 721,
II, 595, III, 14), parentes statt penates (VII, 50; vgl. die
Leseart in C v. 145), parentis statt paterni (III, 346), spatio-
que statt stipatque (VII, 557), genitor statt segnior (V, 586). Die
meisten dieser Verderbnisse sind nun allerdings schon entdeckt
und beseitigt; einige aber sind noch unbemerkt geblieben. So
jenes festinaque statt fnnestaqne II, 191, worüber ich schon in
Anm. 11 gesprochen habe, dann VIII, 136 inflexit statt
infelix, was man seltsamer Weise so lange im Texte ge-
duldet hat; infelix steht mit Rücksicht auf das Geschick, wel-
ches den Absyrtus bei der Verfolgung treffen sollte (vgl. IV,
118, VII, 371), V, 207 fluentis statt /«i«m-, was Ph. Wagner
zuerst mit Recht als sinnlos bezeichnet hat, ohne aber mit
seinem Vorschlage Pheraeis das Richtige zu treffen (Phil. XX,
639 f.), V, 140 clansis statt celsis, woran schon Burmann An-
stoss genommen hat; clausa antra, könnten höchstens unterirdische
Höhlen sein, und so erklärt diese Worte auch J. Wagner;
warum sollen aber die Chalyber in Höhlen unter der Erde
gearbeitet haben? Auch w^ürde man den Schall der Häm-
mer dann schwerlich weit draussen auf dem Meere vernommen
haben. Vielleicht lässt sich auch so das verderbte externo
(I, 63 et dahat externo liventia mella veneno) verbessern. Die ein-
zig mögliche Erklärung dieses Wortes ist die schon von älteren
Erklärern gegebene und neuerdings von Delamalle und Weichert
(Act. sem. reg. Lips. II, 1, 329) vei'theidigte ,ah oris exteruis
allato'. Doch w^ozu sollte Medea diese venena aus der Fremde
holen, da sie doch, w^ie Pleinsius treffend bemerkt, den Kau-
kasus, die Heimat solcher Giftkräuter (VII, 357), in ihrer
Nähe hatte und die Colchica venena spiichwörtlich waren. Die
Conjectur hesterno , die zuerst in der Bon. II erscheint, hilft
den Schwierigkeiten nicht ab; denn fasst man hesterno glciuli
jiridie, so ist dies, wie Weichert mit Recht hervorhebt, ein
ebenso matter als ungeschickter Ausdruck und das Auskunfts-
mittel, welches Ph. Wagner (Phil. XX, 618) vorschlägt, hesterno
Studien zu iIpji Arf^ouaiitica des Valorius Flaccus. 343
mit recenfi oder vrdido zu (n-klären, bürdet dein Dichter eine
Abg-eschniacktheit auf". Älferno , was Ileinsius vermuthet, ist
unverständlich, wenigstens kann es nicht, wie er sag-t, mella
oeneiio commixta bezeichnen; das leere und nichtssagende in-
ferno, worauf Eyssenhardt (Rhein. i\Ius. XVII, 378) verfaHen
ist, wird wol Niemand dem Valerius aut(h-ängen- wollen. Auch
Thilo's insperso ist matt und liegt überdies zu weit von der
Ueberlieferung ab. Daher möchte ich an arcano denken, was
leicht in acarno und dann weiter in externo verderbt werden
konnte; so steht VI, 477 freilich im anderen Siime nrcmiis
veneais.
Wir schliessen hieran die in V so zahlreichen Verwechs-
lungen gleich oder ähnlich klingender Wörter, die zuweilen
auch durch die Uebereinstimmung der Schriftzüge bei gewissen
Verkürzungen unterstützt wird, und beginnen mit den Partikeln,
welche in allen Handschriften am meisten Verderbnissen aus-
gesetzt sind. So ist die Conjunction et in V ungemein häufig
mit aty (ul, ut, mit, ac, sed, vel, It, in, an, auch mit te ver-
wechselt, wofür wir nur einige Beispiele anführen wollen: et
und nt vertauscht III, 113 {et V, at Junt. II), VII, 86 (et V,
at Maser), HO {et V, at Burmann), et und ad I, 93 {et V, ad
C; daneben <it in V fiü- ad P I, 321), et und ut II, 164 und
638 {et V, ut Bon.; daneben VI, 300 adqne V für ntque Bur-
mann, und umgekehrt IV, 181 ut V für at Heinsius, VII, 285
itttamen V für attamen Junt. II), et und ant I, 199 {ant V, et
Slothouwer), et und ac I, 19, vgl. S. 339 (daneben VI, 683 at
V für ((c Ileinsius), et und sed III, 392 {sed V, et Heinsius),
et und vel IV, 716, vgl. S. 340, et und it II, 111 {et V, it Md.), 3iU
{et V, it Junt. II), et und in VII, 554 {in V, et Bon.; daneben VII,
587 atqne Vfür inque C), et und en I, 226 (et V, en Aid.), VII, 546 (et V,
en M): daneben auch at und an II, 51 (at V, a)i Baibus), VHI, 427
(an V, at sehr wahrscheinlich Aid.), et ujid te I, 611 {et V, te M),
vgl. VIII, 437 {qnise V, qnis te Heinsius). Man sieht schon aus
diesen wenigen Beispielen, wie viele Stellen in unserem Arche-
typus berichtigt werden mussten; es ist aber noch immer eine
kleine Nachlese übrig geblieben. So muss VI, 213/4 also ge-
sehrieben werden: himc age — - vel caeso comitem me reddite
frntri; primus at (für et) Jdc nostra u. s. w., was wol keincis
Beweises bedarf. V, 369 empfiehlt sich ant statt et schon durch
344 Schenkl. J
den Sinn und wird ;iuch durcli Verg. Aeu. X, 272 f. bestätig-t. "
Allerdings steht in der Parallelstelle VI, G07 irafoqiie, aber
jenes qne ist bei der ständigen Verwechslung von que und ve,
bedenklich und man wird wohl iratove herstellen müssen.
II, 284 habe ich in meiner Ausgabe set für et geschrieben, eine
Besserung, die sich s(^ zu sagen von selbst aufdrängt. VII,
185^ wo et vor tandem sinnlos ist, habe ich ebenfalls in meiner \
Ausgabe nt geschrieben, vgl. v. 534; o ntinam. salfem mit Koch
zu schreiben ist nicht nothwendig, da sich tandem. ganz gut
erklären lässt. III, 13 befremdet das Perfectum nddid.it, wäh-
rend sonst in der ganzen Erzählung das Präsens gebraucht ist;
daher emptiehlt sich wol die leichte Aenderung addit, at, wo-
durch auch eine ganz passende Verbindung gewonnen wird.
VIII, 434 ist te reddere poscunt für das überlieferte et r. possvnt
zu schreiben; poscunt ist schon in der Ausgabe von Maser als
eine ältere Conjectur erwähnt. Das gleiche Mittel, die Ver-
wandlung von et in te, ist bei einer anderen Stelle anzuwenden,
nämlich III, 328 f., welche aber eine längere Erörtei'ung er-
fordert. Es ist hier überliefert: quin et thalamis modo qvesta
morari, heu talem tantique metiis secvra recepi. Thilo erklärt
nun (S. XXVn) v. 328 so, dass er te ergänzt und thalamis
gleich einem in thalamis mit mirari verbindet. Bei dieser
Fassung stellt sich allerdings ein Widerspruch mit v. 58 ff.
heraus; denn dort wird erzählt, dass Cyzicus gleich, nachdem
er den Waffenlärm vernommen hatte, vom Lager autgesprungen
und zum Kampfe geeilt sei, während Clite nach jener Erklärung
unserer Stelle darüber klagte, dass Cyzicus so lange im Schlaf-
gemache gezaudert habe, bevor er in den Streit gieng. Ueber-
dies passt eine solche Klage für Clite nicht, wie denn auch
dieser Gedanke nicht dem folgenden Satze, besonders den Wor-
ten tantique metus secura entspricht , weshalb auch Thil«^ quin
a thalamis m. q. m. vorschlägt. Wie aber, wenn man et in te
verwandelt und thalamis mit qwesta verbindet. Cyzicus ruht
im Schlafgemache an der Seite der Clite; da wird er plötzlich
aus dem Schlafe aufgescheucht durch den Schall der Trom-
peten und durch die ihm allein sichtbare Erscheinung der
Bellona. Er erhebt sich vom Lager und entfernt sich, ohne
dass Clite wusste, wohin er sich begebe. Nun klagte sie allein
Stiulipii zu den Arg-onautica des ValeüuB Flaccus. 345
im Thalamus, dass er so lange ferne bleibe, bis man ihr die
blutige Leiche brachte.
Die Conjunction af ist bei Valerius häufig nachgestellt,
z. B. I, 461, 11, 53 (wo natürlich qn/mta af quotiens zu ver-
binden ist, nicht wie Feerlkamp zu llor. Od. III, 19, 7 will
et quotiens quanta-^ et quotiem steht, wie man zu sagen pHegt,
2ia ;j.i^cj), 74, III, 44, IV, 175, 201, 3()(;, V, 252, 384 u. ö.
Ein solches nachgestelltes et ist zuweilen von Abschreibern
ausgelassen worden, wodurch auch weitere Störungen entstanden.
Auf Grund dieser Bemerkung lassen sich zwei Stelleu in Vale-
rius berichtigen. In der einen III, 11 qHt(.s dahat et picto Clyte
■variaverat auro ist das Imperfectum dahat, besonders in Ver-
bindung mit vaiiaverat, nicht zu rechtfertigen. Wenn es Va-
lerius freistand das Imperfectum so zu gebrauchen, dann war
der Willkür Thür und Thor geöffnet und wir müssen wieder auf
die Erklärungsweise mittelst der Enallage temporum zurück-
greifen. Thilo hat mit Recht dahat verworfen und dederat jylcto
et vorgeschlagen, was sehr viel für sich hat; nachdem nämlich
et nach picto ausgefallen war, wurde es vor demselben einge-
schoben und dederat des Metrum wegen in dahat verwandelt.
Die andere Stelle ist der vielbesprochene Vers I, 13 (namque
potest) Solymo mgrantem imlvere fratrem.. Hier hat Carrion er-
kannt, dass das Asyndeton nicht zu halten ist, da ja keine Stei-
gerung, sondern bloss eine einfjxche Beiordnung vorliegt. Aber
sein Vorschlag Soh/moqve zu schreiben ist ebenso zu verwerfen,
wie die weitgehenden Aenderungen von Gronov und Heinsius:
ich nehme daher den Ausfall eines et nach Solymo an, wodurch
alle Schwierigkeiten behoben sind.
Die Partikel que, welche in V blos durch q bezeichnet
wird, ist eben deshalb von den Schreibern an vielen Stellen
ausgelassen und wieder an anderen ohne Grund gesetzt worden.
Beispiele der ersteren Art linden sich I, 283, 778, II, 150, li)l,
390, 419, in, 48, IV, 194, 638, 762, VI, 662, 725, 748, vgl.
IV, 298, wo der Fehler caestn velatus auf die Schreibweise
caestnqelatKs zurückzufühi-en ist. Fälle, wo que überflüssig
steht, sind I, 342, IV, ISC, VI, 3, 474, auch 586 (nur hat hier
der Schrcdber seinen Irrthum bemerkt und qve getilgt). Dar-
nach war es ganz berechtigt, wenn Heinsius II, 450 folUsqne
und Thilo VIII, 362 maestasqiie vorgeschlagen hat, da man an
346 scke»ki
beiden Stellen die Verbindungispivi'tikel nicht entbehren kann;
auch in. 2 11 dürfte sich hntisquic statt lenttjs empfehlen . ob-
wol das Asvndeton nicht geradezu verwei-flieh ist. ^Vie be^
kannt, wejrvlen in den Handschriiteu nicht selten neqtie imd nee
verwechselt. Diese Bemerkung kann ^^elleicht zur Emendation
einer vervlerbteu Stelle tiihreu. au welcher sich Heinsius, Bur-
mann. Thilo, Ph. Wagner. Koch mit zieiulieh weitgehenden
Aendenmgen vei-sucht haben, niünlich III, oo4 tt. Nimmt man
hier an, dass ftmeiyaeque in V aus funere irnque quae statt
funert nee qua« entstanden ist und schreibt man die Stelle also:
vadit sottipes ce:rcice remissti
vemitrist nee turha etmum piicudumque monoutir
funeit,. nee qiuie cuique mtmuSf quae cum suorum,
quae foHuna fuit,
so ist alles in Ordnung. Natürlich steht funere tur in funerei jj
manus aber, was man mehrfach tindera wollte, darf man nicht j
;m tasten; es bezeichnet die arbeitende, schallende Hand, Ge-j
werbe, Kunst, was freilieh eine ungewöhnliche Gebrauchsweise |
aber doch ganz im Geiste von anderen Neuerungen ist. diej
sich Yalerius erlaubt hat (vgl. Anm. 1) und dem folgendem]
qiiae ctfra suorum trefflieh entspricht.
Ein in den Handschi-it'ten häutig wiederkehrender Felder
ist die Vertanschung von P€ und que. So müssen auch in un-«i
serem Texte einige Stellen berichtigt werden, wie IL ÖC>7. wo
der Sinn patriisvef nicht ptitriisque erforden, VI, 607, wo, wie
schon früher bemerkt wurde,, iratove herzustellen ist; YJI. 83
hat Bormann das in V überlieferte ionius richtig zu JonhtsveJ
nicht JimiiLsque. wie in M von zweiter Hand am Eiinde und
in C steht, ergänzt. Di^egen kann es I. 117 nicht columenr««
mit V, sondern nur columenque mit P und Vat. lijöS heissen.
Ein Beispiel der eben so häutigen Verwechslungen von ne and
ve gibt HI, 295, wo Heinsins das zweifellos echte talisne fni*
fah'äve hergestellt hat.*^)
Wir kommen nun zu den Paitikeln euntf tum, dum, welche
die Abschreiber vielfach dm-ch einander geworfen haben. Sc
ist in. Y öfters cum überliefert, wo die Kritik tum hersteiler
^) So hat aaeb schon ein itaülmscher Gelehrter in dem HarlesisdH:
Exemplare der Bon. 11 verbessert.
«
Vß '1" .
"» y-' A^
•v,^ V
z. h. L, T'- V, i««tE BimlI IL 47 ' < V- imm
. IV, 22- V, imm'. S57
VL JI;: so Jrt gtsÄt i«a« iL .^17, h
, ■- üfj Fejj]fcr di^e*^ Art Mst j_
^n, ; ii, 90, w<» t« woi ÄBT de« limMr^sK» Oi«?-
tfäkTi. um die I* ' . t d&T Ak: 'imm m 4mm
/- ^, »j -1>-^ ,: *- T;'- -"- • -zj;- ias» lawi
'•^■7» V, Mti» R-..,,^,. v.f-^. ^jj.-^ «ry ..,, z- B- V, K4
; ich *: _. üe V \ . .._ i \\, 3
-te *??^' t< nmh L, 5»i©'
::.-■. " .' " -aäoD T*:!dbffi»dea -wt^-: .m.
. . .^ re. -los ist. Die gaaz^ ifitdlk: iM
■äml: :^:
... . - »«»f rießera iauidmm
ii**^ffrvi»rqmt est umti^mii m^ba
" -'■?•' .•---' rochtäi ■• : ^-.:^. -■- i_-^t^ t.-.., ii.rj,f;«" aadi aadt^e
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348 Schenkl.
(denn so ist mit Friesemann für nur es zu schreiben) einen
Doppelpunct , und man wird an beiden Stellen nichts mehr
auszusetzen finden. Der Versuch Ph. Wag-ners (Neue Jahrb.
89, 395) der ersteren Stelle durch eine andere Interpunction
aufzuhelfen ist ganz verkehrt. Merkwürdig ist die Corruptel
IV, 303 enim, das freilich blos durch n bezeichnet wurde und
daher auch I, 17 in in übergangen ist^ statt uhi oder ?tii; sie
kann aber einigermassen begreiflich machen, wie Vm, 67 ut
aus nam, das meiner Ansicht nach herzustellen ist, entstanden
sein kann: Jason scliAveigt, weil ihn ein Entsetzen vor der
Jungfrau anwandelt, welche über solche Zauberkräfte gebietet.
Ph. Wagner hat mit Recht ut verworfen (Neue Jahrb. 89, 404),
aber seine Conjectur suhiit discriminis geht viel zu weit. Ich
schliesse hieran gleich einige Verbesserungen solcher Fehler
in kleinen Wörtchen, die in V nur vereinzelt vorkommen, näm-
lich vel statt et IV, 716, worüber schon S. 340 gesprochen wurde,
IV, 675 nil fallis statt vel falllt (gewöhnlich schreibt man nach
einer sinnlosen Conjectur von Sabellicus, die auch angeblich in
C gestanden haben soll, vel fallor; dem Sinne wenigstens ist
Peerlkamp [zu Verg. Aen. II, 701] mit seinem Vorschlage nee
fnllor näher gekommen), V, 412 Sol statt at (indem Sol in vel
und dann weiter in at verderbt wurde), endlich VII, 198 o für
si (vgl. VIII, 10). Sie bedürfen wol sämmtlich keiner weite-
ren Rechtfertigung.
Nicht wenige Fehler in unseren Handschriften stammen
daher, dass die Abschreiber den Buchstaben h, der für sie
keine Geltung hatte, bald ausliessen, bald wieder da, wo er
nicht berechtigt war, zusetzten. Solche Fehler linden sich auch
in V; nm- stammen sie nicht von den deutschen Schreibern
desselben her, sondern fanden sich schon in dem alten Codex,
der ihnen vorlag. So steht VII, 76 in V hac füi' ac (in der
Bon. II verbessert), VI, 458 ac in M statt hanc C, 11, 233 his
V statt if (von Sabellicus hergestellt). Diese Bemerkung ist
nicht unwichtig für die Verbesserung der verderbten Stelle I,
524 et generös vocat et innctas sihi sangiiine terras. Thilo hat
hier dem Sinne nach ganz entsprechend vermuthet et generi
vocat adiunctas s. s. t.-^ nur vermissen wir bei terras eine nähere
Bezeichnung, sei es durch ein Adjectiv oder einen Genetiv oder
ein Pronomen; denn yeneri wird man wol nicht mit terras
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus. 349
verbinden sollen. Daher vermuthe ich et genero vocat lias innc-
tas s. s. t., was der Ueberlieferimg noch näher liegt als Thilo's
Emeudation. Ich füge hier gleich die Besprechung zweier
Stellen bei, deren Verbesserung sich einerseits auf die eben
erwähnte Beobachtung, andererseits auf den Umstand gründet,
dass in den Codices die Präpositionen ab und oh .so häufig ver-
wechselt werden, z. B. VTI, 328 {ablataque M, ohlataque Bon.
11), 486 (ahibo V, obiho C). Die eine Stelle ist I, 100, wo in
V habet überliefert ist, was in der Bon. II und angeblich auch
in C in avet, in M von zweiter Hand am Rande in adest ver-
ändert ist, welche Conjectur man gegenwärtig allgemein in den
Text aufgenommen hat; doch viel näher liegt es, dass habet
aus hahit, abit entstanden ist, wornach dann das ganz passende
obit herzustellen wäre. Ganz derselbe Fall ist VIII, 329, wo
man für das in V überlieferte habet nach der Bon. abit aufge-
nommen hat, obwol dieses Verbum seiner Bedeutung nach
hier nicht passend ist; es wird auch an dieser Stelle obit ge-
schrieben werden müssen.
Der beste Beweis für die Nachlässigkeit, mit welcher die
Schi-eiber des Codex V verfahren sind, liegt in der ungemein
häufigen Verwechslung von nominalen und verbalen Endungen.
Man braucht nur einige hundert Verse mit den Varianten in
V durchzugehen, um sich von der Richtigkeit des Gesagten zu
überzeugen; Beispiele anzuführen wäre bei der Massenhaftig-
keit der Fälle überflüssig. Obwol nun die meisten Fehler
dieser Art in unseren Texten bereits berichtigt sind, so habe
ich doch noch einige aufgefunden, die entweder gar nicht oder
nicht entsprechend verbessert sind. So ist VII, 620 für truncos
wohl truncum zu schreiben, da nur von dem Rumpfe desjenigen
Sparten die Rede sein kann, welchen Jason zunächst angreift, II,
368 m()chte ich für longus, das doch ein seltsames Attribut für
I metus ist, statt longe, was in der Aldina vorgeschlagen und von
Heinsius gebilligt worden ist, longuni, das mit arcet zu ver-
i binden wäre, empfehlen. VII, 230 liegt es nahe für hoc iino,
\ wenn man nicht die o-eniale, aber etwas willkürliche Emenda-
tion Bentlejs arctoo annehmen will, hoc unns zu vermuthen,
, wobei dann das überlieferte mensis beizubehalten wäre ; mit
unus mensis würde das einförmige kalte Klima bezeichnet sein.
! V, 273 hat die Conjectur Burmanns multis statt magnis aller-
23*
3Ö0 SchPiikl.
ding-s t;iniü;t;s für sich, da miih'Ksi und m(upi/)is in den Hand-
schriften nicht selten vertauscht sind und die Phrase 'multis
cum ymlihus bei Vergil , dem Vorbilde unseres Dichters , sich
findet (Aen. V, 75, 289), obwul multis regvm. cum mUihus eine
sehr starke Hyperbel wäre; indess lässt sich vielleicht jeder
Anstüss durch die Aenderung von magnis in m.agnus (mächtig-)
beheben. II, 582 lässt sich Dardaniumqne patrem nicht er-
klären; denn was soll das heissen iwadahifnr (nämlich ratis)
Dfirdanium ^^trem ? Dazu kommt, dass hmiulos vorausgeht und
somit Valeriiis an zwei Grabhügel, des Ilos und Dardanos,
dachte, obwol Homer nur den des Hos nennt II. X, 415, XI,
166, 371. Dies hat auch Peerlkamp zu Verg. Aen. VII, 8 be-
stimmt Dardauiumque ratis vorzuschlagen, wodurch zu "praela-
bitur das fehlende Subject, nämlich ratis, gewonnen würde. Da
sich dies aber von selbst versteht, so könnte Valerius auch
Dardafiiiique patris geschrieben haben. Sicherer sind einige
Emeudationen, die ich nur kurz, ohne weitere Begründung er-
wähne: III, 593 viri statt viyns, was schon das vorhergehende
ferae andeutet, VII, 486 natique für nataeque (denn wariim
sollte Medea gerade an Töchter denken?), VII, 156 pudore
statt imdori (d. i, quando a^^dor levior est pudore, ; auf pudore
ist schon G. Voss verfallen, nur hat er noch sonst an der Stelh;
geändert und falsch interpungiert), VII, 20 huc statt liunc, V,
660 cui statt qui (vgl. IV, 758, wo V ebenfalls qui bietet, das
aber schon in Junt. II in cui verbessert ist). ''") Eine längere
Auseinandersetzung verlangt I, 39, wo das 5:;,C'i-Toj-iv ß.ctis . . .
dictis schon bei den älteren italiänischen Kritikern Anstoss er-
regt hat und zwar mit Recht, da es ebenso misstönend als an
unserer Stelle unberechtigt ist. Wenn Weichert (Act. sem.
Lips. II, 1, 328), um dasselbe zu schützen, auf V, ,303 mens
rwpit undantem curis ac multa novantem vei'weist, so ist diese
Vergleichung nicht berechtigt; denn hier hat der Gleichklang
seine volle rhetorische Bedeutung. Dazu kommt aber noch ein
anderes Bedenken; es fragt sich nämlich, ob man überhaupt
ßcfis vultum dare verbis sagen könne. Die Stelle aus Ovid's
^") VI, 48 verstelle ich nicht, wie Bisalfae und Icgio neben einander stehen
können; soll etwji legio eine; Apposition zu ßiftaltae bilden? Da dies
nicht gut denkbar ist, so vermiithe ich Bisalfis (statt BisaUica) leyio.
Studien zn 'Icii Arg:n!iiiutica des VaU'rius FIuccuk. 3151
■>
Fa«ti V, 503, welche man gewöluilicli aiiiulirt, beweist dies
iiiclit; denn dort steht addidit et üoltvm verbis. Ueberdies
müsste man vulfum et ponderd, durch eine etwas aufFällic^e Hen-
diadys erklären, su dass es einem mdtus pondera i^'leichkäme.
Icli i^laube daher nicht, dass das Verderbniss in dlctis lieg't,
wofür jene alten (lelehrttsn verhis hei-stellen wollten, sondern
möchte lieber jictu dat indtu jxmdera dictis vorsclilifiL>en. Ninnnt
mau nämlicli an, dass statt mdtn- talschlich vidtnin g'clesen
wurde, so erklären sich die weiteren Veränderungen, nändich
die Verwandlung- von ßcto in ßctifi und die Einschiebung des et
von selbst. Fiiu/ere oultus hlaudon sagt Valerius III, r)U7.
Eigeuthihnlich ist die häutige Verwechslung der Endungen
or und ?*s bei ( ^)niparativen, der wir in V begegnen, z. I>.
VII, 333 u. ö. Darnach wird mau wol auch V, 47U das un-
verständliche jj/vv^^m^- in propin- ändern müssen; proprior ist
hier sehr bezeichnend; Jason als der Führer der Minyer tritt
dem Könige näher.
Wir kommen nun zu solchen Stellen, wo in verbalen En-
dungen durch die Nachlässigkeit der Abschreiber Störungen
eingetreten sind. Die Zahl derselben ist mn so grösser, je
üblicher hier Abkürzungen waren. Fehler dieser Art, die noch
nicht bemerkt oder richtig erkannt wurden, sind folgende : III,
409 tendlf (wofür tendunt herzustellen ist), VII, 226 repetentvv
(in repetnntnr zu ändern, da es sich um t^inen allgemeinen Satz
handelt), VI, 398 vldlstis (dafüi- muss videre v.t geschrieben und
die Stelle so interpungiert" werden : hydris. (p(,am aoli videre vi
equi, pavor u. s. w.). In der Rede des Juppiter an Juno IV, 7
f. ist der Gebrauch der dritten Person Jniio .... fovöt ....
ministrat so auffällig, dass man dahinter nur ein(;n Fehkü- ver-
muthenkänn; es wird wohl /o{;«,s' . . . . mlnistras diiii Richtige sein.
Der vielbesprochenen Stelle I, 563 ff. me primum rafjia mundo
. . i)ij)osidt, die trotz aller Erklärungsvei-suchc Thilo's und Ph.
Waguer's als entscliieden verderbt zu betrachten ist, weiss icli
nicht anders als durch die Vermuthung viea (so schon Bon.)
demimi regia, mundo .... inposita est aufzuhclfcui ; jedenfalls
wird so ein passender Sinn hergestellt, den ich in der Con-
jectur Hirschwälder's (13 f.) vis posidt nicht finden kann.
Sehr zahlreich sind in V die Verwechslung ähnlich klin-
gender Wörter, z. B. ciirnis und cursus (V, 132, 245), aequnre,
352 Scheukl
aethere, aegide (III, 54, 500), tempora und coijDora (II, 324, III,
333), arhore und corjjore (VIII, 82),"'^) mimen, nomen, lumen (IV,
161, 667, V, 4S3, VI, 480), höchst wahrscheinlich auch ijuteras,
2)haretras und jjJmleras (I, 661, III, 13) u. dg-l. Darnach möchte
ich folg-ende, bisher noch nicht verbesserte Stellen berichtigen:
II, 395, wo das überlieferte natorum fempora unsinnig ist; es
ist natorum corijora zu schreiben, die gewöhnliche Umschrei-
bung des einfachen Begriffes, wie virum corpora Verg. Aen. II,
18 oder im Griechischen isy-saiv abiixavx u. dgl. Ich schliesse
hieran gleich die Stelle III, 439 f.
tunc piceae mactantur oves, ^jvosectaque 'partim
pectora, per medios partem gerit obvius Idmon,
welche zuletzt Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 402), aber nicht
glücklich behandelt hat. Nur darin hat er Recht, dass 440
mit der Aldina partim hergestellt werden muss. Wir haben
hier ein Reinigungsopfer vor uns; es werden schwarze Schafe
geschlachtet und die Körper derselben theils nach religiösem
Gebrauche zugeschnitten, besonders die exta (mscera), welche
dann auf dem Altare verbrannt werden, ''2) theils trägt sie, die
eigentlichen Leiber, Idmon dreimal durch die Mitte der Genossen,
die in tiefem Schweigen bei ihm vorüberziehen, und berührt
damit dreimal die Waffen und Kleider der Männer, welche mit
Blut befleckt worden waren, worauf dann diese Instramina in
^') Man sieht hier, wie ah nach der Veränderung von rorjjore in arhore ein-
geschweärzt wm*de; ähnliche Fälle haben wir schon oben S. 323 besprochen.
Solche kleine Präpositionen sind übiügens auch oft ausgefallen und dafür
andere eingeschoben worden, z. B. VII, 558, wo V in agris überliefert,
während die Bon. II richtig ab agris bietet, auch VII, 560, wo Ph. Wagner
(Neue Jahrb. 89, 397) treffend in oi-hihns statt ah orbibun geschrieben hat.
Nur bleibt er noch immer bei dem lächerlichen Gedanken der früheren
Erklärer stehen, dass axis , Wagen' bedeute, während es unzweifelhaft als
,Pol' gefasst werden muss. Der Vergleich ist allerdings etwas ungeheuer-
lich ; aber das mag Valerius verantworten, der sich mehrfach in dieser
Hinsicht vergangen hat (z. B. VIII, 455). Schrader scheint das Richtige
erkannt zu haben, indem er 562 ruraus- vortreiflich in snrsiis emendierte.
Uebrigens kann, da die beiden Stellen (558 und 560) einander so nahe
stehen, hier auch eine Verwechslimg der beiden Präpositionen stattge-
funden haben.
^-) Vgl. Stat. TIiol). 1, 507 lustraliaque exta luvte novo perfusiis edet Vnlca-
niuK igniü.
Studien zu rlcii Artfoiiautica fies Valerius Flaccus. 3o8
}
das Meer geworfen werden (vg-1. II. 19, 267). Dai-nach wird
es wol Corpora, nicht pectora lieissen müssen und die Stelle
also zu verstellen sein: prosectaqiie partim {sunt) corpora, par-
tim per medios (corpora) gerit obvius Idmon] obvius heisst: (zu
Jedermann) hinzutretend, indem er nämlich die au ihm Vorbei-
ziehenden berührt. — IV, 681 premit nmbra ratem ist umbra
schon an und für sich bedenklich, neben dem folgenden scopulÄ-
que ferimtur com.mmus aber nicht zu ertragen. Schreibt man
aber ^mda statt umbra, so erhält man eine höchst malerische
Schilderung; durch die gegen einander rückenden Felsen wird
das Meer eingeengt und somit das Schiff von den Wogen be-
drängt. Diese Aenderung ist um so leichter, je Häufiger in V
iinda und nmbra verwechselt sind ; man vergleiche I, 95, 214/'^)
III, 1, 525, VII, 138. ■ — VIII, 265 oieque enim fugit aequore
raptor ist offenbar von dem Raube des Ganymedes die Rede;
dann muss es aber aetJiere und nicht aequore heissen. VI,
285 aut mecum, mediam, hivenefi, agife ite per urbem hat Ph.
Wagner (Phil. XX, 642) richtig erkannt, dass die überlieferte
Leseart unhaltbar ist, aber mit seinem Vorschlage age, frangite
turbam hat er nicht das Rechte getroffen ; es ist zu schreiben :
medium per orbemr. so werden v. 299 die Schlacht-
haufen gloM genannt. — VI, 451 ff. haben sich Thilo (XXXVII)
und Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 396) in ganz unmöglichen
Erklärungen versucht; letzterer deutet wenigstens leise an, dass
hier ein Verderbniss stattfinden könnte. Das ist auch wirklich
der Fall; und zwar liegt es in mente (453), wofür man nata
schreiben muss, das eine vortreffliche Construction gibt. So
ist III, 397 umgekehrt menti (denn dies scheint richtiger zu
sein als Bentleys mente) in vati verderbt worden. Auch mentes
und nocfes werden mit einander verwechselt. Einen Beleg hie-
für bietet die Stelle II, 219, wo sich die Ueberlieferung o qui
me vera canentem sistat et liac nostras exolvat imagine noctes
recht seltsam ausnimmt, fast so, als ob der Dichter in der Nacht
sich vor Gespenstern fürchtete. l\Ian muss daher mentes für
noctes schreiben. Umgekehrt verhält es sich mit der Stelle v.
*^) An dieser Stelle nelime ich natürlieli die Emendation Peerlkamp's innhrae
statt undae an, möchte aber das überlieferte deduxere gegen seinen Vor-
schlag ohduxere festhalten; die steigenden Schatten machen, dass der Tag
herabsinkt.
354 Schei.kl.
252, wo Hypsipyle zu ihrem Vater sag-t: iam fuge, lani dubiae
clonum rape »lentis et ensem tu ijotius, miserere, tene. Hier lässt
sich allerding-s duhüie mentis so erklären, dass Hypsipyle in
ihrem Herzen g-eg-en den Wahnsinn kcärapft, mit welchem Venus
die Lemnischen Fi'auen bedrängt, und in diesem Kampfe zu
unterliegen fürchtet (vgl. 280). Aber der Ausdruck donum rape
führt, wie schon Peerlkamp ahnte/'' i) auf etwas anderes, nämlich
auf dubiae d. r. )ioctis, was dem Sinne und Zusanmienhange
nach V(jllkommen entspricht. — VI, 382 ist nutuque carens
trotz der Erklärung Thilo's (LXI) unverständlich; man braucht
aber nur nutuque in motuque zu ändern, um das für die Stelle
entsprechende Wort zu erhalten. — IV, 758 haben alle Heraus-
geber bisher das verkehrte iiiviso unbeanstandet gelassen, ol)-
wol es vollkommen klar ist, dass dafür invito hergestellt
werden muss. — V, 484 totque illa cremantia divos ojypida hat
Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 404) mit seiner Emendation
totque illa haerentia clivis oppida den Weg gebahnt, jedenfalls
hat er aus divos das Wort clivus herausgefunden. Dagegen
kann man nicht begreifen, wie er illa, wofür ille geschrieben
werden muss, dulden konnte; auch führt divos d. i. divos viel-
mehr auf ornantia, was dem cremantia noch näher liegt. Dem-
nach wäre zu schreiben totque ille ornantia divos oppida. —
III, 670 et ego et quocumque voces qua tegmina ferro plura
metam lässt sich trotz der vielen Verderbnisse sicher herstellen.
Man muss nämlich unter Benützung der Conjecturen von Hein-
sius und Jacobs und unter Umänderung von plura in prima
lesen : en egomet quocumque vocas sequar, agmina ferro prima
metam. — VII, 483 ist mdli stringiuit tua lumina ßetus doch
eine sehr auffällige Wendung; denn fasst man stringere in der
Bedeutung , zusammenziehen^ oder , streifen^, so bleilit der Aus-
druck in beiden Fällen abgeschmackt. Nun hat Ruhnken nach
Santens Bericht (zu Prop. IV, 11, 79) nullo tinguuntur lumina
ßetu vorgeschlagen, wornach man mit engerem Anschlüsse an
die Uo])erlieferung nulli tingimnt t. l. fletus herstellen kann.
Das Ver])um tinguere ist auch VI, 247 von den Abschreibern
verdunkelt worden, wo- Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 384) aus
^^) Er hat in dem zehnten Bande der Mnemosyne p. 129 iam duhiae d. r.
lucis vorgeschlagen.
Studien zu den ArRonautica dos Valorius Flaccus. .i5i)
lüjHniitiii' glücklich t/iitjauntnr lici'ciusg-efuiKlcu hat. Auch 1, [){)
hat die Coujcctur von Q . . Voss tinyuent für cingent sehr viel
für sich. — VII, 213 ist ijysa nicht zu rechtfertigen und nmss
daher in (IIa geändert werden. Der umgekehrte Fall findet
sich VIII, 10, wo man wol ohne Bedenken statt ille, das
j trotz des Versuches von Ph. Wagner (a. a. (3. -8. 390) uner-
klärlich bleibt, ipse herstellen wird. Wie ille und ipse, so sind
auch ipsG und iste mehrmals verwechselt , z. B. VII , 247
(ipsaque V, istaque Ph. Wagner Phil. XX, 645), 507 (i2^sis V,
istis Bon. II), VIII, 31)X (ijjsa Y, ista Bon. II). •'•'')
Eine eigene Gattung von Fehlern bilden diejenigen Stellen,
wo die Abschreiber durcli Einfügung einer Öylbe aus dem über-
lieferten Worte ein ganz anderes gemacht haben, z. B. III,
361, V, 375, wo V silicet, in solito statt silef^ in solo l)ietet.
Solche Störungen nehme ich an folgenden Stellen an: III, 140
delicataque ora securi disiecit cervice fenus. Hier schreibt man
gewöhnlich nach ciper Conjectur von Heinsius dtiplicataqim, was
höchstens ,mit doppeltem Beilhiebe* bezeichnen könnte; hier
ist aber von einem furchtbaren Streiche die Rede, welcher den
Helm und den Kopf bis zum Nacken spaltet. Deiectaqtie (Bon.
^^) Einige Kleinigkeiten mögen hier nicbr sumniawsch behandelt werden. VI,
522 ist nicht abzusehen, warum die Rosse des A])syrtus gerade schwarz
gewesen sein sollen; auch i)assen scliwarze Pferde schlcclit für einen Son-
nenwageu, den sonst weisse ziehen. Darnach kann atriv nicht richtig
sein. Was nun Heinsius vorgeschlagen hat, aclis ist matt, besonders nach
dem vorhergehenden inpulin; Thilo's aa-i sl.ernU equ>> liegt zu weit von
der Ueberlieferung ab, auch ist der Singular, den mau collectivisch fassen
müsste, autfallend. Daher vermuthe ich altw sternit equis d. i. mit den
hochsteigenden Rossen. VI, 413 kann ill.iiic ai-dis- tenduntur erilea niclit
richtig sein, da fenduntur keine Erklärung zulässt; was J. Wagner vor-
bringt ,nmnen et, viri et eqni vires intendnnt, ut contra iiilantur^, verdient
keine ernstliche Widerlegung'. Deshalb haben schon ältere Gelehrte cw-
duntuv vorgeschlagen, was aber mit xecant identisch wäre. Ich vermuthe
daher stemuntur, das besonders bei dem vorausgehenden artus leicht mit
tenduntur verwechselt werden konnte. I, 399 hat Heinsius für das sinn-
lose vacuo gewiss passend patuhi vermuthet; nur liegt dies Wort ziemlich
weit von den Zügen der Ueberlieferung ab. Könnte man dalier nicht an
vasta denken, was doch oft einem ingens nahe kommt (vgl. VII, 1(59
incjenti ab orno, 519 ingeidi in arbore)'^ VII, 49(5 kann procumbit nicht
richtig sein; Heinsius vermuthet p/-oc?/r;-«/, doch vom diplomatischen Staud-
punkte aus dürfte sich procarsat noch mehr empfehlen.
3Ö6 Sclienkl.
II) und dadnctaqne (M von zweiter Hand) entspricht dem Sinne
nach, aber nicht den ZüsJ-en der Ueberlieferung •, ersteres ist
auch schon weg'en des folgenden disiecit nicht gut denkbar.
Ich vermuthe daher delataqtie, das sehr passend dem elatae • in
dem vorhergehenden Verse gegenüber stehen würde, vgl. Tac.
Ann. I, 35 elatumqne (ferrum) deferehaf in ijectus. — - HI, 223
lesen wir totes audifns, ea gaiidia fingit ira deum. Weder ha-
hitus und animos, was Heiusius und J. Wagner für das ver-
derbte audittis vorgeschlagen haben, noch Thilo's Conjectur '\
redifns können irgendwie entsprechen ; hahitus und aninios sind
neben gaudia matte , nichtssagende Ausdrücke , rediüis aber
passt nicht in den Zusammenhang. Ich vermuthe daher aestus,
was recht gut dem folgenden gaudia entsprechen würde. — Es
ist übrigens auch das Gregentheil vorgekommen, nämlich dass
Wörter durch den Ausfall von Buchstaben zu anderen umge-
staltet wurden, z. B. VIII, 287, wo in V frondibus statt fron-
dentihtis steht. So hat VII, 8 Heinsius erkannt, dass das über-
lieferte patdwm nicht zu halten ist; auch hat er mit seinem
Vorschlage pavidum unzweifelhaft das rechte Wort getroffen.
Der Accusativ pavidnm liesse sich allerdings nach Analogie
von Ovid. Met. IX, 569 erklären, obwol dort paviduni mit
hlandita, nicht mit dixit zu verbinden ist, aber bei viadio dolore
vermisst man die Praeposition in] deshalb möchte ich hier eher
an pavida in denken.
Was die Eigennamen anbelangt, so habe ich im Eingange
dieses Abschnittes darauf hingewiesen, dass dieselben in V ganz
besonders entstellt sind. So haben, um nur ein oder das andere
Beispiel zu geben, die Abschreiber aus Minyae gewöhnlich
minsae oder mensae gemacht, wie I, 227, 310, Piresitis in
Crestus verwandelt I, 356 u. dgl. m.; besonders häuhg haben
sie die Eigennamen in gewöhnliche Wörter verändert, wie
Canthus in candidus I, 166, Jiuio in tunc VII, 186 u. ö. Zwei
dieser lächerlichen Verkleisterungen hat man bisher noch nicht
bemerkt. VI, 438 weiss man mit dem seltsamen ante diem
nichts anzufangen; dazu kommt, dass in dem vorhergehenden
Satze, dessen Subject Äeetes ist, dies eben nicht ausgedrückt
und auch nicht aus dem Zusammhange zu entnehmen ist. Alles
dies führt darauf, dass ante diem in Aeetes emendiert werden
muss, nach welchem Worte man ein Komma zu setzen hat.
Studien zu den Argonantica den Valerins Flaccus. 3o7
)
Der zweite Fall rindet sich VII, 41. Aeetes sa|i<t dort im
Zorne zu den Minyern : Ihr seid Abenteurer ohne ein Heimat-
land; was kiünmern mich die hochtönenden Namen, mit welchen
ihr herumwerft, ,quis ragum Pelias, quis Thesficdus, mit quae
Graecia? quodnam kominnm cerno genus? mit iihi cmites CyaneaeP
Hier muss cerno nicht bloss sehr befremden, sortdern geradezu
unmöglich erscheinen ; man erwartet dafür den Namen eines
Volksstammes. Und welcher Name könnte hier mehr passen
als Grai, das sich trefflich an Graecia anschliesst und auch den
Schriftzüg-en nach dem carno nahe lieget. Man wird also wol
quodnam. hominiini Grai gemisf' schreiben müssen.''")
IV.
In diesem letzten Abschnitte werde ich erstlich noch eine
Reihe von Stellen, die entschieden verderbt oder doch sehr ver-
dächtig sind, behandeln und eigene Verbesserungsvorschläge
Ijeibringen, sodann werde ich über die Interpunction , welche
bei Valerius zum Theile noch vernachlässigt ist, sprechen und
nachweisen, dass sich durch eine richtige Interpunction manche
dunkle und angefochtene Stelle befriedigend erklären lässt,
endlich werde ich in einer Anzalil von Versen die überlieferte
Leseart gegen die Bedenken, welche mau gegen sie erhoben
hat, rechtfertigen und durch die notliwendige Exegese den Be-
weis liefern, dass man die Ueberlieferung ohne Grund ver-
dächtigt hat.
^^) in, 1 ö8 ht in V proUnus überliefert, wofür ein italiänischer Kritiker in C
Prolin et geschrieben hat. Davon ist et für vs wol richtig, aber Prolin
mehr als bedenklich, da sich ein ITpwTi; nirgends nachweisen lässt und
auch nicht wahrscheinlich ist. Thilo's Ckromin el ist aus metrischen
Gründen unzulässig (vgl. Ovid. Met. V, lOo); vielleicht hat Valerius
Pollin et geschrieben. I, 141, III, 65 wird man wohl Rhoecnm für das
überlieferte Rhoelinn herstellen müssen, vgl. Bentley zu Hör. Od. II, 19,
•23 und Verg. Georg. II, 4.56, wo der Palatinus Rhoecum hat. VI, 750
führt die Leseart in V hiheris si.doniaeqne auf Hilier I.ssidoniaeque (nicht
ItsedoniaequeJ , I, 371 ist die Form Caphereu (so V, nicht Caphareu, vgl.
Aen. XI, 260) und V, 573 die Genitivform Ccdydonos (so V, nicht Caly-
do7iis, wie allerdings IV, •223 steht, aufzunehmen (vgl. Neue Formenlehre
der lat. Sprache I, 305 ff.).
35S Seil 0 11 kl
Die folgenden Stellen, welche sich im dritten Abschnitte
nicht entsprechend unterbring-en Hessen und daher hier nach-
träglich zusanimeng-estellt werden, sind entweder von vielen
oder auch von allen Herausg-ebern als verderbt erklärt, aber bis-
her noch nicht genügend verbessert worden, weshalb ich sie
einer erneuten Behandlung unterziehe. I, 83o hlc gembiae
(letermim portae. Pli. Wagner (Neue Jahrb. 89, 40(')) wundert
sich mit Kecht darüber, dass bisher noch Niemand an dem
Worte aetermmi Anstoss genommen hat; es könnte bloss ,tur
alle Ewigkeit' bezeichnen, was aber eine sehr überflüssige Bei-
fügung wäre, da au dem ewigen Bestände des Hades Niemand
zweifelte. Wagner vernuithet altermmt, dem Sinne nach gewiss
lichtig, aber ob idtarunat neben gemmac und bei dem unmit-
telbar folgenden ultara möglich ist, steht sehr in Frage. Ich
habe daher an mtrors^mt gedacht, welches durch die Stellung
zwischen (jemimm und portae die Bedeutung , hinein führend'
erhalten würde. Oder sollte etwa antrorum das Richtige sein?
Mit grösserer Bestimmtheit kann ich mich über vv. 848 f.
aussprechen : tum- iwrta quanta sinistra poena docet maneat
Pelian quo limine monstrat. Hier muss zu quo limine offenbar
poena docet numeat Pelian ergänzt werden; das ist aber dem
Ausdrucke nach verkehrt und überdies nur eine Wiederholung
des vorausgehenden Satzes. Dalier zweifle ich nicht, dass für
quo : ac geschrieben werden muss ; er zeigt ihnen von der
Schwelle aus, wie die Frevler gestraft werden. Im folgenden
bleibt noch et loai bedenklich; ist dies richtig, dann kann es
nur in Verbindung mit et infernos rdniae virtutis Jionores durch
eine Art Hendiadys erklärt werden ; wie seltsam wäre aber
eine solche Construction, auch kann wol ruentem nicht ohne
eine nähere Bestimmung stehen. Ich vernmthe daher in loca,
wornach mit tnntos strepitun fitrharnque ruentem in loca die
Masse der Frevler bezeichnet wird, die unter den Geisseihieben
der Furien in den Tartarus stürzen, während die wenigen Aus-
erwählteu im finerlichen Zuge unter Führung des Hermes oa-
Eo5/o; nach den elysischen Gefilden wallen. — II, 58 certnsqim
ad talia Titan integer in ßuctus et in. mto decidit euro. Für
e\vro hat man fast allgemein die Emendation eines italiänischen
Gelehrten, welche Pius erwähnt, aum angenommen, wornach
also hier der reine wolkenlose Sonnenuntergang geschildert
Studien zu dou Argouautica dos Valorius Flaccus. 359
wird. Aber in nno auro lässt sich schwerlicu rechtfcrtig-en,
wie dies schou die verschiedenen Conjeeturen zeig-en , mit
welchen man sich an dieser Stelle versucht hat, so imindo anro
(J. Columbiis), nudo auro (Hirschwälder), pleno orhe (Koch). Das
nächst liegende ist wol jmro . . auro, welches Wort häuliii;' vom
Sonnenuntergänge gebraucht wird, z. B. y)ei Avlenus Prognost.
239 f. indideritque facem ijonto deus intayer, atra mibe carens
p^u-usque comris et svlendid.'n^ orhem, 295 puras 'si Phoebus condit
htbenas. Dass v. .56 puraque vorausgeht, kann nicht befremden,
da Valerius die Wiederholung von Wörtei-n nicht ängstlich ver-
meidet (vgl. z. B. III, 307 f. adirem, .... irem , VI, 351 f.
corpore . . . corpore, 704 ff. tigrin .... tifjris- man kann daher
auch III;, 61 mit G. Voss imd Peerlkamp zu Verg. Aen.
IX, 659 unbedenklich pulan für pnssii schreiben, obwoi gleich
darauf prdsans folgt). — II, 337 forsitan hoc factum taceat tarn
fuhnen in antro lässt sich allerdings zur Notli so erklären : viel-
leicht schweigt in dieser Höhle der schon fertige Blitz, oder mit
anderen Worten : vielleicht haben die Cyclopen mit der Arbeit
ausgesetzt. Aber «warum sagt Hypsipylc: , vielleicht schweigt', da
sie doch, wie die anderen Worte zeigen, ganz in der Nähe der
Höhle steht und somit selbst hören muss, wenn die Feuerkräfte
in dem Vulcane toben. Aus diesem Grunde muss ich den Vers für
verderbt halten und vermuthe: forhitan hoc fallit, taceat cur
fuhnen in aiifro, d. i. , vielleicht macht euch der Gedanke irre,
warum wol der Blitz in der Höhle schweige*, wozu dann das
folgende nox dabit ipsa fideni vorti'efflich passen win-de. — II,
386 ff. in dem schönen Vergleiche des Jason mit einem Rosse,
wobei dem Dichter 11. VI, 506 ff. und Soph. El. 25 ff. vor-
schwebten, lesen wir die verderbte Stelle longa quem frigida.
face terra iuvat, brems in laevos piger angitur orbes. Die ver-
schiedenen Conjeeturen aufzuzählen würde zu weit führen; ich
bemerke daher bloss, dass durch Thilo's Vorschlag vix statt
hrevis zu lesen (Prolegg. LIV) den Schwierigkeiten nicht ab-
geholfen wird, und auch Ph. Wagners Vorschlag (Phil. XX,
632) longa . . . tesca iuvant, brems in l. compingitur orbes dem
Sinne und Ausdrucke mu-h nicht befri(;digen kann. Der Ge-
danke, dass das geschulte Kriegsross, nachdem es im langen
Frieden steif und alt geworden ist, schwer die früher so ge-
360 Schenkl.
wohnten Uebung-en durchmacht, dennoch aber beim Klang der
Trompete stolz sich hebt und wiehert, führt vielmehr auf die
Vermuthung- longa cum (oder cid) frigida 'pace torpuerint crura,
in laevos u. s. w., wo dann frigida als proleptisches Prädicat
zu fassen wäre. Dass der Begriff crura im Vorhergehenden
nothwendig ist, hat schon Turnebus geahnt, indem er in der Aldina
longa q. f. p. crura iuvant geschrieben hat, und ebenso J. F.
Gronov in seindr Diatribe in Stat. c. 4(3, wo im Anschlüsse
an die Aldina longa q. f. p. crura ligant vorgeschlagen wird.
Die Synizesis vor der Interpunction kann nicht befremden, da
wir ähnliche Fälle bei Valcrius finden, z. B. III, 600 grata ru-
dimenta; Hercideo sub notnine pendent. — Eine wahrhaft ver-
zweifelte Stelle ist der v. 520 des zweiten Buches, wo die
furchtbare Wirkung des herannahenden Meerungethümes ge-
schildert wird 5 es wirft seinen ungeheuren Schatten weit voraus,
der Ida bebt und durch den gewaltigen Wogendrang wird die
Argo gegen das Ufer geschleudert. Hierauf folgen die Worte
pronaeciue resurgere turres, deren Sinn nur sein könnte : die
Thürme Troias neigen sich bei der furchtbaren Erderschüt-
terung und richten sich dann wieder auf. Aber eine solche
Hyperbel ist sehr unwahrscheinlich, abgesehen davon, dass man
dem Dichter den Vorwurf machen müsste sich sehr dunkel
ausgedrückt zu haben. Auch führt jede Erwägung der Stelle
zu dem Gedanken, dass hier eine weitere Ausführung des vor-
hergehenden inlidique ratis vorliegen müsse. Einen sehr glück-
lichen Griff machte Ph. Wagner (Phil. XX, 634), indem er in
pronaeque den Begrifi" prora erkannte, aber sein Vorschlag,
proramque infligere terrae ist sehr willkührlich und nicht ein-
mal dem Sinne nach entsprechend. Ich möchte daher eher
proraque resurgere tunsa schreiben. Die Argo wiixl gegen das
felsige Ufer geschleudert, wobei sie mit dem Vordertheile tief!
in das Meer hinabfährt und an den Klippen zerstossen wieder
auftaucht. — III, 524 et manicae virides et stricta myrtus hahena.
Man erklärt gewöhnlich die letzten Worte: eine Lanze aus|
einein Myrthenaste mit straff angezogener Wurfschlinge (vgl.
Vei-g. Aen. VII, 817); aber es ist doch sehr auffällig-, dassj
diese Waffe mitten unter der Beschreibung der Kleider erwähnt
wird, auch müsste man sich diese Nymphen alle darnach ii
der Stellung von Werfenden denken, was doch sehr seltsam istj
Studien zu den Argouautiea des Valerius Flaccus. 361
Deslialb liat J. Wagner nach dem Vorgange V<jn Tli. Reine-
sius stricta et corytns habena vorgeschlagen, wodurch allerding-s
das letztere Be<lenken behoben wird; doch das erstere bleibt
auch hier in Kraft; es sollte nämlich dieses Glied nicht nach
manicae virides, sondern unmittelbar nach arc}is stehen. Ver-
gleicht man nun die Stelle, welche unserem Dichter bei dieser
Schilderung- offenbar vorschwebte, nämlich Verg. Aen. I, 315
ff., so erwartet mau hier die Erwähnung- der Jagdstiefel, deren
sich wol auch diese Nymphen bedienten (vgl. Verg-. Aen. I,
337). Daher vermuthe ich strictaque coiiirmis habena^ welches
sich g-anz g-ut mit manicae und palla verbindet. Denkt man
sich cotnrnns durch eine Buchstabenversetzuug in coimirtus
verderbt, so bedürfen die anderen Veränderung-en keiner wei-
teren Ei'klärung-. — III, 737 f. non aliter gemitu quondam lea
jirolis ademptae terga dedit. Statt des sinnlosen terga hat man eine
Reihe von Conjecturen vorgeschlag-en, wie aegra dedit (genütuni)
Heinsius, orba dedit (gemitus) Burmann, signa legit Thilo. Das
nächstliegende ist wol torva dedit (gemitimi oder gemitus),
indem torva und terg<i auch sonst in Handscliriften vertauscht
zu werden pflegen. Was den objectiveu Grenetiv proi^is ademptae
anbetrifft, so vergleiche man Verg. Aen. I, 462 stmt lacrimae
rerum, II, 784 lacrimas dilectae pelle Creusae, II, 413 gemitu
atque erepdae virginis ira. — VIII, 62 uneque pavens contra solam
videt ac vocat idtra. Hier lässt sich pavens durchaus nicht er-
klären ; denn da der Drache, wie aus den folgenden Worten her-
vorgeht, Medea allein sieht und mit schmeichelndem Zischen ruft,
so hat er ja keinen Grund zur Furcht. Favens, was Heinsius
vorgeschlagen hat, genügt nicht; man verlangt ein Verbum, das
sich mit contra verbindet, und dieses kann nur tuens sein.
Ich habe schon im Vorhergehenden gelegentlich über die
Interpunction gehandelt und einigen Stellen, z. B. I, 546 ff.,
durch Verbesserung derselben zu helfen gesucht. Es mögen
nun noch einige andere Stellen besprochen werden, in welchen
die Interpunction zweifelhaft ist. I, 528 ff. qni vellera dono belli-
poteus sihi ßxa videt temptataque contra Pallas et amhorum ge-
mtdt Satnrnia qnesttis. Thilo ist hier wieder zu der älteren
Abtheilung zurückgekehrt, wornach temptataqtie zu dem Folgeu-
Iden gezogen wird. Was soll denn aber dann der Satz qni
j. . . videt für einen Sinn haben ? Das Vliess war ja doch schon
362 Schenkl.
längst im Haine des Mars aufgehängt. Auch ist die Verbin-
dung des zweiten Hauptsatzes mit dem ersten durch que, be-
sonders bei dem folgenden contra nichts weniger als wahr-
scheinlich. Es bleibt somit nichts übrig, als wieder die luterpunc-
tion Burmanns tiim])tataque, contra anzunelunen, wornach man die
Stelle so erklären muss ,der sich das Vliess einmal als Geschenk
geweiht und dann wieder bestritten sieht.' — II, 515 ff. hat
man, wie es scheint, bisher nicht bemerkt, dass die Verse
515 — 517 das Bild, 518 — 520 den verglichenen Gegenstand ent-
halten; wenigstens muss die übliche Interpunctiou, wornach
hinter caelo ein Punkt steht, auf einen solchen Schluss führen.
Es ist aber jedenfalls nach caelo ein Doppelpunkt zu setzen
und aus qualis im folgenden Satze ein talis zu ergänzen. —
III, 104 setzt man fälschlich nach optem einen Strichpunct statt
eines Komma, wodurch der Sinn der Stelle gestört wird. Die
Minyer erwarten in geschlossener Stellung die heranstürmendeu
Cyzicenei', unter denen Corythus in vorderster Reihe ist. Durch
seine glänzende Rüstung und seinen riesigen Schatten fällt er
dem Mopsus und Eurytus in's Auge, welche ihre Genossen auf
ihn aufmerksam machen. Als Corythus im Anstürmen vor sich
die Reihe der feindlichen Speere blinken sieht, hält er im
Laufe inne. Da ruft Tydeus: ,ei Mann, obwol ich dich die Sehneu
meines Arms gespannt erwarte und gerne mit dir im nahen
Kampfe ringen möchte, so sollst du doch dort, wo du stehst,
sterben.' — III, 800 hat Thilo für das überlieferte arf/uereni :
anpierim geschrieben, besonders mit Rücksicht auf Verg. Aen.
XI, 1()4, wo allerdings nee vos anjuerim steht. ^Vber die Ver-
gilische Stelle ist doch nicht entscheidend für die Leseart in
unserem Verse, zumal da nrguerim keinen passenden Sinn gibt.
Man muss vielmehr die Stelle also interpungieren :
nee Clarii nunc antra der quercusque tonantis
argneo'emf talesne acies, falesne trhimj)lws
Sorte dabantf tantnmqne nefas mens confteia vafum
conttciut, patriae exitinm. crndele fienectae
et tot acerha canens !
— III, 598 ff. ziehe ich der Interpunction Tliilos certa. mnra
est: nee parvns Hylas, welche gar keine Construction zulässt,
.entschieden die Ph. Wagners vor, der also sclireibt : fides.
Studien zu den Argoiiuutica des Valerius Flaccus. 000
i
aiistrisqtie secmidis cerfa mora est non p. H. (vgl. Phil. XX,
622). Warum soll man aber nicht die noch näher liegende
Interpunction certa, morae nee (oder mora est nee) jp. H. an-
nelmien, die noch dazu gar keine Aenderung der Ueberliefe-
rung nöthig macht? — III, 641 ff. hat man ebenfalls bisher
die richtige Abtheilung und Construction verkannt. Es ist
nämlich zu schreiben : nil se super Hercule fari, sed socio rpio-
cmnque, gemens cp.iamquani litora gentes , non alium
u. s. w. Nur so vermag ich die Stelle zu erklären; es ist näm-
lich socio quoeumqve gleich super s. q. se fari und die folgenden
Accusative, so wie der Infinitiv dari hängen von gemens ab.
Nicht minder irrig ist die Interpunction IV, 643 ff., wo man
also schreibt : dumque ocius instant ferre fugam, maria ante
ratem, maria ipsa repente diffugere adversosqne vident disee-
dere montes. IMan setze das Komma nacli instant und verbinde
ferre fugam. mit vident (vgl. 656 fugn ponti). Daran dass ferre
fugam nochmals durch diffugere aufgenommen wird, darf man
keinen Anstoss nehmen, da dei'lei Häufungen bei Valerius sehr
gewöhnlich sind. — V, 282 muss nach magna pariter quos
mole petamus nicht ein Komma, sondern ein Fragezeichen stehen,
so dass dieser Satz dem folgenden qnihus addimur armis, wel-
cher nur eine Wiederaufnahme desselben ist, entspricht. Die
spätere Einschiebung von ait kann nicht befremden, da sich
ü-anz ähnlich Fälle I, 266, V, 543 finden. — VI, 62 f. inter-
1 pungiei't man ganz verkehrt nach nodo, während, wie dies wol
' keines Beweises bedarf, also abzutheilen ist: dat longior aetas
iam spatium ; triplici percurrens tempora nodo demittit u. s. w.,
wornach percurrens mit demittit verbunden werden muss. Uebri-
gens bleibt es noch fraglich, ob nicht statt longior vielmehr
longins passender wäre. — VI, 721 fasst man allgemein die
Worte at satis hos ipsae gentes campique videbant als eine
Parenthese, bei welcher Interpunction der folgende Satz tern-
pestate pari versis incumhere turmis vollständig in der Luft
hängt. Ohne Zweifel muss man nSich^Acasti einen Strichpunct
setzen und nach Entfernung der Parenthesozeichen v. 721 und
722 mit einander verbinden. Medea hängt mit ihrem Auge
bloss an Jason und kümmert sich nicht um die Heldenthaten
der übrigen Argonauten, die doch die Völker und das Blach-
feld sich ebenso im Kampfe auszeichnen sahen. — VIII, 443 f.
Sitzt, d. phil.-lüst. Cl. LXVni. Bd. lU. litt. 24
3ß4 Schenkl.
darf man nicht nach der gewöhnlichen Weise fas eratf haud
hoc nunc genitor putat aut dare ^^oeuas iam sceleris dominnmque
jpati, da dies weder einen passenden Sinn, noch eine riclitige
Construction zulässt , sondern viehnehr fas erat (haud ....
putat) aut dare pati'? schreiben, wodurch alle Schwie-
rigkeiten beseitigt sind.
Zum Schlüsse mögen noch, wie schon oben bemerkt wurde,
einige Stellen, die man bisher nicht richtig erklärt und daher
meistentheils für verderbt erkLärt hat, kurz behandelt werden.
Die Worte, welche Peleus I, 265 ff. an die Götter richtet:
placido si currere ßuctu Pelea vidtis, ait, ventosque optare feren-
tes, hoc, siqyeri, servate caput werden noch immer anrichtig auf-
gefasst. Thilo (XIX) gibt als Sinn der Stelle an: Valerius
Pelea deos precantem fecit, ut ijjsum in itinere mallent perire,
quam ita reverti, ut Achilles in vivis non esset, was nun und
nimmer in diesen Worten liegen kann. Ph. Wagner (Neue
Jahrb. 89, 385) will optare auch in den ersten Satz hinüber-
ziehen, so dass dieser also zu construieren wäre : si vidtis Pelea
optare placido ß.uctti ctirrere, eine haarsträubende Construction,
die übrigens nicht einmal einen passenden Sinn gibt. Mau
muss bei der Erklärung dieser Stelle davon ausgehen, dass
Peleus als Enkel des Jupiter und Gemahl der Thetis von den
Göttern einen besonderen Schutz und daher eine ruhige Fahrt
auf glattem Meere und mit günstigem Winde erwartet. Daher
sagt er in seinem Gebete: Wenn ihr, o Götter, wollt, dass ich
wirklich auf ruhiger Fluth fahre und günstigen Wind Avünsche,
so müsst ihr mir die Ruhe meines Herzens und als die Grund-
lage hievon das Leben dieses meines Sohnes erhalten. —
1, 445 gebe ich das überlieferte tuis nam pendit in arvis Delius,
trotzdem Thilo den Vers als nondum emendatus bezeichnet, und
trotz der Conjecturen pascit (Eyssenhardt Rh. Mus. XVII, 882),
servit (Koch Rh. Miis. XVIII, 1G3), pendet (Ph. Wagner Phil.
XX, 628) noch immer nicht Preis. Man vorgleiche nur damit
die Stelle IV, 477 f. ^tec credite culpam saevitiae scelerumvr
mihi nunc crimina pendi, und mau wird zugeben, dass Valerius
statt poenas pendere auch das einfache pendere setzen konnte,
gerade so wie im Griechischen neben tcoivy^v (oi'y.r,v, ti!J,(op(av, xiaiv)
-ivc'.v auch -bizvi absolut steht (vgl. Od. XXII, 218, Sol. fr. 13
29 Bergk). — II, 70 die Worte et parco c.orpora Baccho (resti
Studien zu den Aigonautica des Valei-ius Flaccus. 365
)
tuunt) sind in neuester Zeit von Mcynke (Obs. crit. 8. 36 f.)
verdächtigt worden, welcher dafür et amico rohora Baccho vor-
schlägt. Hirschwälder hat diese Conjectur mit Recht als eine
ganz willkürliche zurückgewiesen (S. 27). Da er aber auch an
parco Anstoss nimmt und auf largo oder i)ascu.Ht räth, so dürfte
es nicht überflüssig sein die Ueberlieferung mit einigen Worten
zu rechtfertigen. Es scheint nämlich, dass man bei einer
solchen Küstenschiffahrt, wo man immer landen, Wasser ein-
nehmen und dann die Mahlzeit bereiten , den Wein mischen
konnte, auf dem Schiffe keine Wasserfässer, sondern bloss Wein-
krüge mitführte. Hielt man daher eine Mahlzeit auf dem
Schiffe selbst ab, so konnte man nur Brod und ungemischten
Wein geuiessen. Von solchem lauteren Wein trank man aber
nur ein geringes Mass, so viel als eben hinreichte den Durst
zu stillen. Es ist somit parco an dieser Stelle ganz passend.
— II, 259 f. voces chortis et trieterica reddunt aera sonmn
ßxaeqne frenmnt in limine tigres. Diese beiden Verse, welche
noch in neuester Zeit von Braun (S. 38 ff.) gründlich miss-
verstanden wurden, hat schon Jacobs (Additam. animadv. in
Athenaei Deipn. S. 42) im Ganzen richtig von einem Wunder
erklärt, welches als Zeichen dienen sollte, dass Bacchus die fromme
Bitte der Hypsipyle günstig aufgenommen habe. Doch bedarf
es einmal nicht seiner Conjectur tholus für chorns, sodann muss
die Stelle noch etwas anders gefasst werden. Nachdem Hyp-
sipyle den Gott um seinen Schutz angefleht und ihren Vater
unter dem Kleide desselben verborgen hatte, lässt sich ein un-
sichtbarer Chor hören, die Klapperbleche ertönen von selbst,
wie wenn das Bacchusfest gefeiert wird, und die ehernen Tiger
an der Schwelle brüllen. So erfüllt Bacchus die Bitte der
treuen Tochter und hindert, dass etwa Weiber in den Tempel
dringen und den Thoas aus demselben fortschleppen. — III, 134
möchte ich die Leseart 'pectore, so wenig sie auch auf den
ersten Blick zu entsprechen scheint, doch gegenüber der Con-
ijectur Ph. Wagners ijollice (Phil. XX, (530) festhalten. Beim
} Bogenschiessen wird nämlich die rechte Hand mit der Sehne
i bis zur Brust zurückgezogen, so dass also der Ausdruck pectore
\certa regens spicida wol denkbar ist. Ein Analogen bietet der
Vers 472 ad<pie aequora pectore tolkoit, indem nämlich beim
Rudern eine ähnliche BcAvegung stattfindet, — IV, 525 hat sich
24*
366 Scheukl
Thilo durch die Erörterung J. Wagners bestimmen lassen,
dessen Conjectur numquam non anzunehmen; es ist aber die
Ueberlieferung numqnam nova vollkommen richtig. Die Har-
pyien werden, so ruft Juppiter aus den Wolken, nicht nach
neuem Futter suchen , d. i. nicht wieder Leute peinigen , als
bis sich wieder Sterbliche durch Frevelthaten den Zorn der
Götter zugezogen haben und ich die Harpyien, meine Die-
nerinen, zur Vollstreckung des Strafgerichtes aussenden werde.
Darum lasst ab dieselben weiter zu verfolgen. Damit steht
Verg. Aen. III, 210 ff. nicht im Widerspruche; denn die Ge-
nossen des Aeneas ziehen sich die Rache der Harpyien dadurch
zu, dass sie ihre Rinder tödten (247), so wie die Gefährten
des Odysseus auf Thrinakria die heiligen Sonnenrinder schlach-
ten (Od. XII, 260 ff.). — V, 156 verwirft Ph. Wagner (Phil.
XX, 624) mit Recht die Conjectur Eyssenhardts novantem für
morantem, aber seine Erklärung dieser Stelle: , Hercules hält
des Prometheus Geschicke auf, insofern dieser nicht eher von
seinen Banden befreit werden konnte, als bis Hercules ihn er-
löste^ bleibt mir ganz unverständlich. Die Worte Titania fata
morantem bedeuten vielmehr nichts anderes, als dass Hercules
durch Erlegung des Geiers und durch Lösung der Bande dem
über Prometheus verhängten Geschicke ein Ende machte. —
Die Verse V, 187 ff. fasst Meynke (Rh. Mus. XXII, 364 f.)
so auf, als ob auf dem Grabmale des Phrixus dessen Marmor-
statue und daneben die der Helle mit dem Widder stand. Ich
verstehe aber nicht, wie man dies aus den Worten herauslesen
kann, besonders da hinc und inde nicht auf eine Figur der
Helle, sondern auf eine doppelte Darstellung derselben hin-
weisen-, denn daran zu denken, dass der Künstler etwa in der
einen Hälfte des Antlitzes der Helle das Entsetzen vor der
grausen Stiefmutter, in der anderen die Furcht vor der See
ausgedrückt haben sollte , ist doch zu abgeschmackt. Daher
möchte ich quem auf tumuhmi beziehen und die Stelle so er-
klären: neben welchem Grabmale des Phrixus seine Begleiterin
auf der Flucht, seine unglückliche Schwester Helle, aus Pari-
schem Marmor gebildet, steht, auf der einen Seite, wie sie volll
Entsetzen vor der Stiefmutter flüchtet, auf der andern Seitr
wie sie zagend auf den Widder steigt. Solche Grabmälei-, dii
auf beiden Seiten nnt Figuren, z. B. dos Eros und der Tychc
Studien zu den Aigonautica des Valeiius Flaccus. 3(07
verziert sind , sehen wir ja noch jetzt in unst^ren Museen. —
V, 329 muss natürlich deuni mit monstris verbunden werden_,
wodurch aber keineswegs, wie Meynke (Obs. crit. S. 45) meint,
ein Widerspruch zwischen diesem Ausdrucke und forte hervor-
gerufen wird.' Forte ist nämlich im Sinne der Medea gesagt; sie
war , ohne irgend eine Ahnung zu haben , was ihr begegnen
werde, in diese Gegend an den Phasis gegangen. Griechisch
könnte man forte durch l-jy^s wiedergeben, womit sich ein Aus-
druck, wie 9jßr,0£T(7a £v -:r^ vjx,-:! TtoixiXoic twv Oawv -ipacn ganz gut
vertragen würde. — VII, 224 t^^ae oenio (iam pridem iynava)
iuventae. Thilo hat hier die Conjectur Burmanns gnara für
i</nava aufgenommen. Aber wenn man auch zugeben muss,
dass gnara einen passenden Sinn gibt und dass ignara (ignava)
und gnara oft in den Handschriften verwechselt werden , so
folgt doch daraus noch nicht die Unzulässigkeit des überlieferten
ignava. J. Wagner hat richtig erkannt, dass die Worte iam
pridem ignava , schon gar lange säumig' eine Selbstanklage der
Circo enthalten, und ich sehe nicht ein, was sich dagegen ein-
wenden lässt. Diese Worte stehen im engsten Zusammenhange
mit dem, was Medea v. 220 if. sagt : früher ist das Thessalische
Schiff zum Phasis und durch so viele Meere umsonst der un-
selige Jason gekommen, ehe dich die Liebe zum Heimatlande
rührte. In dieser Klage, sowie in den Eingangsworten o tan-
dem, vix tandem reddita Circe dura tuis liegt ein Vorwurf, den
die angebliche Circe mit iam pridem ignava als begründet zu-
gesteht. — VII, 302 infectis per roscida cornua vittis. Hiezu
bemerkt Thilo: dedi lihrorum scripturam, quae nondnm emen-
data est. Warum sollten aber diese Worte verderbt sein? Va-
lerius hat in der ganzen Stelle die Scene aus Euripides Bakchen
vor Augen gehabt, wo sich Pentheus in weiblicher Kleidung
von Dionysos geleitet auf den Kithairon begibt. Dort heisst
es V. 918 f. y-x'- ~xjpc: r,ij.h zpisOsv -riYsTjOa'. ccv.iXc v.y}. jw v.ipyr.z
xpa-t Trps^Trsc-'jy.sva'., was ganz unserer Stelle entspricht; nur er-
höht Valerius das Wunder dadurch , dass er aus den Hörnern
des Bacchus Wein über die Stirnbinde herabthauen lässt. —
I VII, 45G f. nam iam matura rnebant sidera et extremum suffixerat
axe Bootem. An diesem Verse haben viele ältere Kritiker An-
stoss genommen und neuerdings auch Thilo, der, so sehr er
sonst an der Ueberlieferuug festhält, dennoch hier die Con-
368 Scheiikl.
jectur von Heinsius extremo se ßexerat axe Bootes in den Text
aufg-enomraen hat. Und doch ist die Leseart in V vollkommen
richtig, wie aus v. 499 erhellt. Dort sagt Jason zur Medea:
perque haec, virgo, tuo redeuntia sidera mdn, welche Worte für
sich unverständlich sind und offenbar durch eine Stelle im
Vorhergehenden ihr Licht erhalten müssen. Diese Stelle ist
eben unser Vers, der sich ganz gut erklären lässt: denn schon
neigten sich die Sterne zum Untergange und Medea hatte den
schon hinabsinkenden Bootes, durch ihre Zaubersprüche in
seiner Bahn festgehalten, so dass also die Nacht nicht so schnell
entweichen konnte. •^')
^^) Einige Kleinigkeiten mögen hier summarisch abgethan werden. I, 150
ist nicht etwa mit Burmann, so nahe es auch zu liegen scheint, matres-
quü für natosque zu schreiben, vgl. IV, 89 et dulces cedunt e pectore
nati. — II, 357 wird man nimhoso astro mit volvens verbinden müssen;
denn sonst bliebe nichts übrig als mit Slotliouwer (a. a. O. S. 174) nim-
bosum aslrum zu schreiben. — Die richtige Erklärung von II, 377 hat
schon vor Hirschwälder (S. 30 f.) Wunderlich in seiner Uebersetzung
(Jahn's Archiv XVI, 214 ff.) gegeben: ,und was er auch selbst den (besser:
bei den) Zaudernden solle'? — II, 413 ist refugit nicht mit Ph. Wagner (Phil.
XX, 621) zu beanstanden; Thoas flüchtet rückwärts in den tiefen Wald
hinein. — III, (313 ist ausua nicht etwa ein pluraler Accusativ, wie Thilo
(XIV) meint, denn da würde man mit Peerlkamp zu Verg. Aen. X, 831
sagen müssen ,au.ms 11011 iideUirjo,'' sondern das Participium; in der Ver-
gilischen Stelle (Aen. X, 831), welche Valerius nachgeahmt hat, steht in-
ciepat uUro cunctantis socios. — IV, 275 kann deducere cacsttis, woi'an
Thilo und Ph. Wagner (Neue Jahrb. 89, 403) Anstoss nehmen, doch ein
eigenthümlicher Gebrauch sein, wie z. B. ducere remum, das auch nm"
einmal ])ei Ovid. Met. I, 294 vorkommt. — V, 246 ist haec tibi ganz
richtig. Man braucht hier nur das in solchen Formeln häufig ausgelassene
dico zu ergänzen; Acetes erzählt seinen Traum dem Helios gerade so wie
Klytämnestra ihren in der Electra des Sophokles (424), vgl. Arg. V, 331. —
VI, 336 ist die ursprüngliche Leseart tarn saevo gegenüber der Conjectur in
der Aldina iani saevo beizubehalten, da nur so die entsprechende Anaphora
mit dem folgenden tanta hergestellt wird. — Für spargitque famem VI
614, das Meynke (Quaest. Val. 48) verdächtigt hat, vergleiche man 656
spargitur.
Studien zu den Argouautica des Valerius Flaccus. 3GU
Anhang.
In diesem Anhan^-e will ich die Nachahmungen einzelner
Verg'ilischer Stellen bei Valerius zusammenstellen und dadurch
einen Beitrag zur Kenntniss des Stiles des Valerius und zur rich-
tigen Würdigung des Dichters liefern. Ich habe hiefür die
Appendix zur Ausgabe des Verg-il von Otto liibbeck, in wel-
cher dessen Bruder Woldemar Ribbeck die Quellen und Vor-
bilder des Verg-il, sowie seine Nachahmung-en bei späteren Dich-
tern verzeichnet hat, eine Reihe von Commentaren zu Vergil ■'"')
und Valerius und dann eigene Sammlungen benützt. Einiges,
was mir noch unbekannt war, bot das Programm von J. GreifF
,de Ct. Valeri Flacci Argonauticis cum Vergili Maronis Aeneide
comparatis' (Trient 1(S69). Dasselbe behandelt in seinem ersten
Theile die Aehnlichkeiten in der Composition, worauf ich hier
nicht eingehe, in ganz verdienstlicher Weise; der zweite Theil,
welcher sich mit den einzelnen Stellen beschäftigt, die im sprach-
lichen Ausdrucke mit einander übereinstimmen, ist nicht immer
genau gearbeitet und enthält manches Unsichere und Unbe-
deutende, während Sicheres und Wichtiges übergangen ist.
Daher wird eine neue Behandlung der Sache nicht über-
flüssig sein.
Valerius ist kein reiches, schöpferisches Talent gewesen.
Es fehlt zwar in seinem Gedichte nicht an Stellen, welche für
seine dichterische Begabung Zeugniss geben; im Grossen und
Ganzen aber verdankt er, was er geleistet hat, seinen Studien,
seiner unablässigen Leetüre der bedeutendsten Dichter seit der
Augusteischen Zeit und dem beharrlichen Fleisse, mit dem er
sich in der NachbiMung derselben versuchte. Wenn man durch
eine längere Beschäftigung mit ihm einen Einblick in seine
geistige Werkstätte erhalten hat, so sieht man deutlich, \vie
j langsam er arbeitete, wie sorgfältig er die einzelnen Ausdrücke
I abwog und sich bei der Wahl derselben immer durch Vorbilder
I leiten Hess, welche er durch eine fleissige Leetüre und ein gutes
Gedächtniss unterstützt geschickt zu linden und zu wählen
I *^) Namentlich den von Hofmanu - Pccrlkaaip , aus welchem auch Woldemar
Ribbeck das Meiste, was er in seiner Sammlung gibt, geschöpft hat.
370 Scheukl.
wusste. Vor Allem war es Yergil, dem er ein eingehendes
Studium gewidmet hatte. Vergil galt damals unbestritten für
den grössten Dichter, für das Muster aller Kunst; in Compo-
sition, Sprache, Metrik galt er als Kanon. Daher erklärt es
sich, wie man ihn damals so sorgsam nachbildete; Peerlkamp
zu Verg. Aen. I, 81 sagt ganz richtig, und zwar gerade mit
Beziehung auf Valerius: ,Nam incredibill studio Virgiliana se-
quebantur isti poetae/ Man sah in einer solchen Benützung
nicht etwa ein Plagiat, nicht einmal ein Gestcändniss der eigenen
Schwäche oder Unselbständigkeit, sondern es galt geradezu
für eine Schönheit, wenn man durch diese Anklänge bei der
Leetüre au Vergil erinnert wurde. Auch konnte hiebei der
Dichter seine Kunst darin offenbaren, dass er die benützte
Stelle dm'ch mannigfache Veränderungen selbständig gestaltete
und verschönerte. Wie sehr man sich gerade an solchen Nach-
bildungen und der Vergleichung derselben mit dem Originale
ergötzte, kann man aus Gellius und Macrobius ersehen. Was
Vergil sich selbst in der Benützung des Homer gestattet hatte,
im vollen Bewusstsein dadurch die Schönheit seines Gedichtes
zu erhöhen, das thateu die späteren Dichter mit seinen Werken.
Man wird daher über die grosse Anzahl von Stellen in den
Argonautica, welche Nachbildungen Vergilischer sind, nicht er-
staunen dürfen. Es gibt aber gewiss kein besseres Mittel, um
den Dichter und die Art und Weise, wie er arbeitete, kennen
zu lernen, als ein möglichst genaues Verzeichniss dieser Nach-
ahmungen. Ich glaubte daher ein solches am Ende dieser
Studien beifügen zu sollen, um so mehr als ich^ wie schon be-
merkt, durch eigene Sammlungen in den Stand gesetzt bin, das
vorhandene Material erheblich zu erweitern. Natürlich mag
auch mir manches entgangen sein; wer wollte da eine absolute
Vollständigkeit verheissen und verbürgen? Möge ein Anderer
diese Sammlungen ergänzen und uns überhaupt eine erschöpfende
Darstellung des Stiles des Valerius liefern!'''')
^9) Ausser Vergil hat Valerius besonders Ovid, auch Lueau und die Tragödien
des Seneca nachgebildet. Ich beschränke mich liier bloss auf einige Bei-
spiele, indem ich die weitere Durchfülirung Anderen überlasse. Aus Ovid
hat der Dichter ganze Verstheile entnommen, ■/,. H. II, 157 (/acte ferino)
= Trist, m, 11, 3; IV, 48 (icta futiscit aquis) = Trist. I, 10, 8; IV,
.517 f. (imaqiie stimmis miscuit) = Met. VII, 278; V, 125 (vera propagoj
Studien zu den Argonautica des Valerius Fliiccus. 371
Ich gebe nun das Yorzeicliniss dieser Nacluilimungen in
der Weise, dass ich ohne jede weitere Bemerkung die Stelle
aus Valerius bezeichne und ihr die Vergilische gegenüberstelle.
Die Verse aus der Aeneis sind einfach ohne nähere An-
deutung angeführt, die aus den Georgica und EcJogae durch
ein beigesetztes G oder E kenntlich gemacht.
L 34 : XI, 680
l : I, 1 51 : V, 397
3 : IV, 3G1, V, 629 55 : IX, 311
4 : X, 372 56 : VI, 546
5 : VII, 41 62 : II, 211
10 : VI, 365 70 : G. I, 8
13 : VI, 366 74 : III, 544
15 : I, 416 (IV, 199, VIII, 77 : VI, 304
716) 82 : III, 194, V, 10
18 : I, 115 u. ö. 84 : VI, 463
= Met. II, 38; VI, -JOO {m!x(a perif cirtun) — Fast. II, ^L'?; VIII, 174
{fata ftrchant) = Met. III, 170; dann viele Phrasen uud neu gebraucht«
Wörter, z. B. I, 390 (fuscat dievi) — Trist. I, 11, 15; III, 107 {singul-
tibus nxpiilU haatum) = Met. XIII, 394; VI, 307 {clippÄ scplemplicLt) ^^
Met. XIII, 2 ; VII, 031 {lela volanl) = Met. V, löis ; VIII, 47 {nee iam
nunc rerjiiia loquor) = Fast. II, 790 ; das von Ovid zuerst angewendete
instimnlo (Fast. VI, 508, Met. XIV, 495 verglichen mit Arg. II, 134, III,
045, IV, 285); auch grössere Stellen, z. 13. I, 07, wobei Valerius sichtlich
Am. III, 6, 13 ff. und Trist. III, 8, 1 ff. zum Vorbilde hatte. Was Lu-
canus anbetrifft, so vergleiche man II, 521 {totaque pliaretvae nuhe) —
Luc. II, 202; III, 391 {muduerunt sanguine dextrae) mit Luc. I, 95; VI, 31
{tiinc <jens quaeque suis comviisit proelia telis) mit Luc. VII, 511; VI, 751
(solisque iuvant clmnoribus agmen) = Luc. I, 293; VII, 335 {nwrit.uraqne
coUigii iras) = Luc. I, 207, II, 93. Den Beweis, dass Valerius ein eifriger
Leser der Tragödien des Seneca war, wird die Uebereinstimmung in folgenden
Stellen zeigen, welche Beispiele sich übrigens leicht vermehren Hessen: I, 70
(tu sola aniinos vientenque jjeruris, GloiiaJ = Herc. Oet. 023; I, 205 {jjvofnlif
ut crinevi . . . ignis) = Oed. 315; I, 585 {laiumque profunduin) = Herc.
tiu'. 1110; IV, 51 (effusisque genas lucrimis rigat) = Tro. 419; bei dem
Vergleiche VI, 103 ff. ist sichtlich Oed. 013 ff. benützt. Daneben kommen
noch einzelne Nachahmungen aus anderen Dichtern vor, z. B. aus Iloraz
Od. I, 6, 14 Solyvio nigrantem ijulvere fratrem (I, 13), aus Properz II, 10, 8
stolidum jiecus (VI , 537) , vielleicht auch IV , 09 fatigat Jovem aus
Prop. II, 20, 3. Bei dieser Gelegenheit möge noch eine verderbte Stelle
kurz besprochen werden, nämlich VI, 344, wo propius, wie auch Thilo
372 Schenkl.
94 : m, 6, I, 424 287 : III, 711
100 : VIII, 151 318 : IV, 667
101 : VII, 162 323 ff. : VIII, 574 ff.
105 : IV, 358 336 f. : VIII, 560 f.
108 : X, 140 337 : G. II, 457, A. X, 196
126 : V, 829 350 : I, 223
142 : I, 150 423 : III, 280
143 (II, 409) : VIT, 248, IX, 427 ff. : IV, 262 ff.
40 433 : V, 376
147 : X, 835 448 : E. II, 8
148 : I, 739 481 : IV, 79
149 : I, 494 f. 486 : V, 37, II, 470
151 : XI, 372 488 : IV, 580
156 : V, 255, XII, 247, 505 : I, 234
vg-1. I, 102 508 (IV, 42) : IV, 553
186 : III, 128, V, 140 509 : I, (U
191 : X, 319 528 (V, 526) : XII, 894
193 : V, 77 534 : I, 382
196 : III, 602 539 : VII, 644
208 ff. : VI, 47 ff. 542 : II, 324
217 : I, 204 559 f. : I, 17 f.
218 : VIII, 34 568 ff. : II, 693 ff\
237 : I, 207 580 f. : IV, 445 f., G. II, 291 f.
249 : I, 203 583 : VIII, 425
252 : I, 214 586 f. : I, 133 f.
254 : I, 701 596 : I, 83
260 : E. V, 67 601 : I, 66
262 (V, 376) : X, 446 609 ff. : I, 81 ff.
266 (VI, 327) : III, 473 613 : VII, 31 *
269 f. : VIII, 515 f. 618 : IX, 476
271 : II, 355, IV, 310 625 : III, 687
zugibt, keinen Sinn bat. Dass dafür piignis zu schreiben ist, Hesse sich
aus Pro^J. III, 14, 18 (Idc victor pugnis, ille futurus equisj schliessen,
welche Stelle Valerius bei diesem Verse vor Augen gehabt haben kann.
Interessant ist, was Barth zu Stat. Tlieb. I, 415 bemerkt, dass unser
Dichter für seine Schilderung des Meleager (nicht des Tydeus , wie j
Barth ii-rthiimlich meint) III, 645 ff. und IV, 32 f. einige Züge aus des '
Acschylüs Sieben gegen Theben 552 ff. entlehnt hat, wo erzählt wird, wie
Aniphiaros gegen Tydeus auftrat.
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus,
37a
(.34 : VIII, 221
637 : I, 111
641 : II, 680
659 : III, 545
662 ff. : VI, 585 ff.
663 : VII, 509, G. II, 25
664 : G. I, 332
667 : III, 528, V, 235, I, 53
683 : III, 215
687 : VI, 1
694 : X, 843
696 : VII, 577
700 f. : IX, 420 f.
715 : IX, 390 f.
723 f. : I, 401
725 (VIII, 331) : VI, 122
729 : II, 528
733 : I, 209
762 : II, 673
763 : IX, 277
765 : XII, 883
770 : VIII, 629
779 : VI, 39
788 : VI, 264
789 : XI, 338 f.
817 : III, 252, VI, 605
821 (III, 326 f.) : II, 533
823 : VI, 427
836 ff. : VI, 660 ff.
844 f. : VI, 638 ff.
850 : VI, 305.
II.
8 : III, 72
13 : m, 532, III, 207, 560,
V, 189
25 : I, 44
30 f. : III, 575 ff.
43 : II, 737, IX, 385, XI, 530
48 : II, 777 *
83 : I, 563
93 : XII, 386
101 : II, 229, 585
103 : X, 138
105 : IV, 643 f.
107 : V, 49
115 : VIII, 529, X, 633
117 : IV, 190
122 : IV, 187, IX, 008
137 ff. : VIII, 411 ff.
147 : II, 662
165 : XII, 494
109 : IV, 049
171 : XII, 457 f.
174 : VII, 397
178 f. : IV, 070 f.
184 : IX, 186 f.
188 f. : II, 24« f.
190 : I, 700
193 ff. : VI, 018, vyl. 005 ff.
195 : VIII, 487
203 : VII, 518
205 : XII, 335 f.
209 : II, 199
210 (VIII, 312) : VI, 500
223 : IX, 345
227 f. : IV, 409
228 : V, 042, VIII, 001, XU,
431
230 : IX, 340
242 f. : IX, 252 f., 290, II,
535, XII, 351
245 f. : IX, 440 ff.
253 : XU, 777 f.
258 : II, 227
201 : VII, 20
203 : X, 791
288 : 11, 255
374
S ch e ukl.
327
345
34G
350
372
375
385
389
398
414
435
442
448
456
473
478
479
484
490
519
534
537
543
548
549
553
555
567
571
573
580
587
594
602
610
611
f. : VII, 251 f.
: III, 324
: I, 697 f.
ff. : I, 748 ff.
: IV, 562
: XI, 269, II, 780
: IV, 203
: E. IX, 53
f. : IV, 550 f.
: V, 252
: III, 285
: III, 289
ff. : I, 174 ff.
: II, 745
: E. I, 74
: VI, 179
: III, 658
: II, 129
: VI, 365 f.
(III, 99, V, 175, VI, 235,
VIII, 33) : X, .541
: VIII, 220, XI, 553 f.
: IV, 168
(VI, 551) : VI, 5, (IX,
736, XI, 496, XII,
327), II 175
: IX, 388, X, 723
: G. III, 227
: III, 291
: XI, 716
: IV, 563
: VII, 120, VIII, 375 u. ö.
f. : I, 26 ff.
: Vn, 8
: VI, 776
f. : VII, 293 f.
IV, 425
XII, 952
VI, 244
612
613
618
619
628
639
650
652
653
664
3
8
33
38
45
47
66
77
81
86
87
90
91
107
113
124
125
136
142
157
168
169
176
178
(III, 523) : XII, 142, IX,
405
: VI, 96 f.
ff. : m, 414 ff.
: XI, 425
f. : III, 192 f.
: VIII, 124
f. : I, 631 f.
f. : VI, 603 ff
: X, 345
f. : VI, 535
III.
: IV, 130
ff. : III, 482 ff.
: II, 9
: VI, 302
: II, 290
: IV, 378
: IV, 470
: XII, 270, VI, 594
: VII, 390, IX, 596,
XII, 95
: II, 498
: II, 341
: G. III, 91
ff. : XII, 451 ff.
: IX, 349
: II, 298, XII, 620
(VIII, 262, 276, 278) : VI,
: II, 41
: X, 340
: IX, 373
: X, 513
: XII, 300
f. : X, 829 f.
: IX, 50, XII, 89
f. : XI, 818 f.
Studien
zu Jeu Ai
i^'ouautica des V
ilerius Flancus. o i T
193 ff. : IX, 744 tf.
490
III, 473
199 : III, 467
- 499
F. : VII, 222 f.
208 : VIII, 421
514
: I, 46
210 : VII, 788
520
VII, 312
213 : V, 105
535
: I, 73
230 ff. : XI, 732 ff.
553
VII, 568-
231 f. : IX, 617 ff.
574
: IX, 211
232 : IV, 301
576
f. : IX, 812 ff.
243 f. : XI, 610
587
ff : XII, 4 ff
252 : VII, 331
589
: IX, 62 f.
257 : IV, 584
596
: E. VI, 44
259 : IX, 375
599
: XI, 157
270 : V, 742, VI, 466, E.
II, 609
: V, 487 'v
60
613
: X, 830 f.
280 : IX, 452 f.
619
: II, 339
281 : II, 438
622
: X, 510
287 : X, 731
623
: V, 58
290 ff : XI, 42 ff
637
: XII, 527, IV, 532
294 : XII, 643
657
: IV, 433
299 f. : XI, 164 f.
664
: ni, 629
301 ff : III, 712 f.
688
: II, 291 (IX, 135)
304 f. : II, 69 f, I,
540
707
ff : XII, 206 ff (vgl V
317 : IV, 327 f.
359)
334 : IV, 135
711
: XII, 188
341 : III, 70,
716
: X, .S44.
344 : VII, 246
-
IV.
346 : VII, 657
347 ff. : XI, 188 ff
1
: IX, 209, IV, 372
351 : V, 4
2
: V, 296
365 : IV, 2
12
: X, 18
370 : I, 209
25
ff : II, 776 ff
386 (IV, 231) : II,
661
29
: I, 79
431 : IX, 627, VI,
39
49
: V, 657 (IX, 14)
455 : VI, 822
83
: III, 686
457 : V, 92
92
: VI, 141
459 : III, 289
144
: II, 123 (III, 100)
485 : VIII, 221
163
: IX, 277
486 : II, 723 f.
177
ff. : VIII, 193 ff
488 : VII, 511
185
: II, 558
57f)
Sch
enkl.
189 : XI, 121
507 (VI, 632) : VII, 459
193 : XII, 282
511 : IX, 432
199 : XI, 779
547 : VIII, 60
206 : IX, 741'
556 : IX, 728
217 : XII, 892 f.
593 : I, 210
235 : XII, 670
608 : IV, 609 (vgl. XI, 662 f.)
243 : XI, 857
612 : VIII, 419
244 : V, 376, 422
615 : V, 844
246 : XI, 231
624 f. : III, 718
261 : G. I, 60
627 : XII, 699
273 : V, 446
629 f. : XI, 508 f.
274 : XII, 902
649 : XI, 731
276 : VIII, 222, V,
431 ff.,
652 : VII, 498
IX, 812 S.
654 : X, 736
278 : XII, 903
674 :U, 701
288 : Vn, 629
686 ff. : VII, 462 ff.
289 : X, 810
735 f. VIII, 119 f.
294 : X, 809
736 : VII, 229
295 : XI, 812
746 : VII, 434
303 : VIII, 299
761 : XII, 118
304 : I, 105
305 : VI, 128
V.
324 IX, 396
10 : VI, 177
327 VIII, 301
12 (VI, 628) : X, 467
334 V, 539
26 : IX, 212
386 : E.X, 51; vgl.
den un-
28 : V, 207
echteD Ein
gang der
41 : VI, 429, XI, 28
Aeneis.
60 : III, 207
387 (VI, 581) : V,
166, XI,
75 : IV, 12
855
76 : VIII, 645
389 : III, 515
82 : IV, 298
393 : VII, 514, vgl.
IV, 667
91 : V, 44
398 : II, 274
108 : III, 700
431 : III, 214
127 : VI, 620
439 : VI, 690
196 : V, 628
453 ff. : III, 227 ff.
198 : m, 304
455 : IX, 667
254 : V, 56
458 : VI, 882
259 ff. : V, 522 ff.
467 : I, 617
271 : n, 619
Studien zu den Argonautica des Valerius Flaccus.
?ul
273 : V, 75; 2>^'^J
275 : XI, 2
288 : II, 750
326 : VII, 274
329 : III, 307
353 : II, 212 f.
365 : I, 590 f.
367 : IV, 150
368 f. (VI, 607 f.) : X,
272 f.
417 : III, 105
445 : IV, 473
447 : II, 31
456 : XI, 36
458 : VII, 653
465 ff. : I, 580, 588 ff.
475 : V, 627 f. ■
479 : II, 155
499 : VII, 536
508 : VI, 66 f.
519 : IV, 437, vg]. 3(;2 ff.
533 : VI, 80
535 : XI, 304
564 : VII, 804 (XI, 433)
578 : VI, 808
588 : G. IV, 417
600 : XI, 380 f.
601 : VIII, 94
605 : VII, 642
649 (VI, 725) : II, 407
663 : VII, 237
669 : I, 524
VI.
12 : III, 83
34 : VII, 41
36 f. : VI, (;25 f.
58 : XII, 164
66 : II, 87
83 : Vli, 741
86 : IV, 13
97 : X, 485
118 : VI, 287
174 : XII, 88
178 : VI, 278 f.
229 : XI, 650
231 (IV, 266) : IX, 57
261 : G. II, 123,
269 : IX, 208
274 : II, 457
288 : XI, 158
329 : XI, 299
331 : G. III, 343
336 f. : IX, 603 f.
345 : X, 261 f.
353 ff. : X, 356 ff. .
360 : III, 626
371 : X, 410
378 : VIII, 220
379 : XI, 698
420 : XII, 753
434 f. : VIII, 19S f.
460 : IX, 132
469 f. : I, 385 f.
471 f. : IV, 322 f.
497 (VII, 181) : X, 194
509 : XI, 645
527 f. : VIII, 589 1'
554 : X, 751
561 : XI, 104
564 : X, 205
576 : X, 146
583 : G. II, 142
603 : XII, 424
022 : X, 275, G. III, 279
626 ff. : X, 467 ff.
(532, ff. : XII, 684 ff.
651 : XI, 372
378
Sehen kl.
603 f. : JX, 698 ff.
657 ff. : I, 717 ff.
673 : VII, 356
680': VII, 541
684 f. : XII, 283 f.
695
716
726
737
745
756
3
XII, 99, vgl. IV, 215
V, 374 (XII, 276)
IX, 480 (G. IV, 515)
XII, 866
I, 412
II, 61
VII.
VI, 539, VIII 369
: XI, 423
24 : XI, 69
32 : V, 649
34 : 11, 651
49 : X, 79
63 : G. II, 356
122 : I, 713, VIII, 618
124 : VII, 490
142 ff. : IV, 465 ff.
148 ff : IV, 471 ff
149 : IX, 55
155 : II, 422
172 f. : IV, 22 f.
177 : IV, 55
254 f. : I, 687 f.
256 : IV, 283
258 : XI, 41
259 : VI, 128
273 : II, 136
289 : I, 614
312 : III, 217, VI, 360
314 : II, 85
327 : E. VIII, 95
366 : III, 637
405 : III, 680
408 : X, 162
411 : XII, 65
428 : II, 660
478 f. : E. IV, 51
514 : XI, 480
555 : G. I, 162
581 ff. : XI, 624 ff.
620 : XI, 487
630 : V, 379
650 : XII, 2.
VIII.
9 : IV, 659
16 : IV, 35
21 : IV, 282
35 : X, 63
55 : VI, 476
69 : IV, 487 ff.
84 : V, 854 f.
90 f. : IX, 30 ff.
113 f. E. I, 58
114 : XII, 209
116 : IX, 5
117 : E. X, 1
136 : III, 595
139 (I, 687, V, 586) : V, 662
167 f. : V, 769
174 : II, 34
178 : IX, 525
217 : III, 210
254 : I, 212, G. I, 296
255 : VIII, 176 f.
263 : I, 324
287 : IV, 399, vgl. G. IV,
174
316 : IV, 564
409 ff. : IV, 296 ff.
444 : IV, 390, X 554
445 : II, 407
Studii'ii zu lU'ii Artjdii;^!!!^! iles Vali-rius Flaccus. 3 ( 9
Dass (liosi! Vcrglciclnuii;- dd- Arg(tn;iutiea Diit thsn Vergi-
liselifm Godichton ;vuch für die Tnxtoskritik des Valovius von
oTossciii Worllu! und zuweilen o-eeip'uet ist manche schwieria'e
Frao-en einer Lr>sung zuzufülnxjn, erhellt aus vielen Stcdlen,
welche wir im Verlaufe dieses Aufsätze;« behandelt haben, wie
II, 103, 17S, :}7r), III, 125, V, 27)5, 4(;r), ()3i), VH, 030, VIII,
254. Wir fügen hier noch (iinige bei, die sich in der früheren
Darstellung nicht gut verwerthen Hessen. II, 253 hat man statt
des in V überlieferten mherere. viele Conjecturen voi"g(;schlagen,
aber das Vorbild unseres Dichters, Aen. XII, 777 f. ,Famie precor,
mifterere/ inquif ,fiiqi(e optima ferv^im ferra fane' zeigt, uie Li'ih-
bach (ß. n) richtig erkannt hat, dass nichts zu ändern ist. IV,
273 wird das bestrittene ejfndit nvhihus irm^ durch Aen. V, 446
mre.s in vanfum effndit gerechtfertigt, während umgekehrt die
Musterstelle Aen, X, 810 sustinef et Lansiim increpitaf Lanso-
qua miuatur für das von Pius empfohlene dextraque statt dex-
Itramqve IV, 281) zu sprechen scheint. VIII, 55 will Meynke
(Rhein. ]\tus. XXII, 374) miseratur in mirafnr umändern, welche
Wörter allerdings nicht selten verwechselt werden, z. B. V,
278. Man vergleiche nun aber Aen. VI, 476 iniserafvr e,vnte.m
und man wird sich für die Beibehaltung der ursprünglichen
Leseai't entscheiden. Warum soll auch miserafnr hier nicht am
Platze sein? Verdient etwa Medea, die Heimat, Vaterhaus,
allen Glanz der Herrschaft hingibt, nicht ein inniges Be-
dauern? Dass inirnfnr auch einen guten Sinn gibt, will ich
nicht leugnen ; es wird aber dadurch diese; Conjectur ebenso-
wenig gerechtfertigt als I, 281 die Emendation Bentleys miran-
tibus statt iniseranfibvs. '•")
*") Scholl aus dem oben ii;t!g'el)t'iieii Verzcicliuissf g'clit liervor, dass Valerius
häufig dieselbou Ausdrikdie, Verstheik' u. dgd. gebniucdit liat. Nun ist es
wol natiirlifdi, dass ein Dichter, der sich einen bestiniuiteii Stil gebiklet
liat, un\villl\ülirli(di «H'ters dicsel))eu Phrasen, Cadenzen u. s. av. gebrauciit.
Bei Valerius aber sind solche Wiedcilinluiigcn so zahlreich, dass ein tie-
ferer Orniid vorliegen muss. Beknuntlich hat Vergil durch eben dieses
Mittel seiner Darstellung ein ei>isches Gei)räge zu geben gesucht und unser
Dichter wird es daher in Nachahmung des Vergil zum gleichen Zwecke
gebraucht haben. Ich füge hier noch eine Anzahl solcher Wiederholungen
in den Argonantica bei und zwar Ixm gleichen od(!r ;ihiilicheii Versaus-
gängen in Inmina pidla I, 1.32, VIII, 204, {roflaj liiprunt I, 1!)2, IV, 337,
solvfrnt mnhvas III, 1, V. HOO, virhitifi hnnofofi I 177, ^öl, vex/f xarfrdos
Sitzb. d. phil-hist. Cl. LXVUl. IJd. UI. litt. 25
380
Schenkt.
I, 840, ni, 432 .ipitmanfia pocula Baccho I, 260, 816, defixun 7iferqye VII,
511, VITT, 369, (ereptaj noverrae I, 287, IIT, 580, V, 43, 188, bei gleichen
oder ähnlichen Verseingängen giia-t dafitr II, 121, VII, 270, mibe vieri III,
66, 573 (vgl. Vm, 81), advolaf. HI, 72, IV, 300, VI, 655, VII, 618, bei
gleichen oder ähnlichen Phrasen u. dgl. hand laeta viris V, 1, I, 30, 17?/«-
teret . . . imhrem I, 82, 11, 22, caede madenx I, 225, V, 454, VI, 415, vgl.
n, 274, omnis in ununi if manus VI, 371, 380, 684, loquenti^ iret in 01a
deae VII, 294, Vm, 151, fregMxef . . . iras! II, 315, VI, 284, hhmdos . . .
icines II, 354, IV, 353, V, 110, aegro corde V, 131, 264, gemilu.i . . . /?•«-
/lenfem IV, 135, VIII, 400 u. ö.
Verze
chniss der behandelten Ställen :
I.
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13 . .
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353
Hiii'tel. Homerische Studien. 383
Huiuerische Studien
VOM
Dl-. Wilhelm Hartel,
a. 0. Professor l'iu tlass. riülosopbie an der Uiiiversilal zu Wien.
I.
JNiemaiidj der die Gescliiehte Horaerischer Forschung
aat'nierksam verfolgt, wird in Abrede stellen, dass die alt-
epische Sprache uns jetzt in einem ganz anderen Lichte
erscheint als ehedem, dass wir, gestützt auf die sicheren Er-
gebnisse der vergleichenden Sprachwissenschaft, ihre Erschei-
nungen, die man einer rein äusserlichen Analyse unterzog, im
grossen Umfange als organische Bildungen begreifen lernten.
Wir sehen in O'jvcij.x ^'ou^iy.n'. coupast tsasuo r/.c'.c;j,£vcv nicht mehr
durch metrisches Bedürfniss hervorgerufene Verlängerungen
der kurzen Vocale oder in den Conjunctivformen h\i.iv ßcjXsTa'
h(v.^z\).z'i £iGO[j.£v Kürzungen der langen Vocale aus gleichem
Grunde. Es sind gleichberechtigte Formen theils aus einander
entstanden nach bestimmten Lautgesetzen, theils Bildungen
recht alten Gepräges, nicht von der Noth des Verses willkür-
lich geschaffen, sondern für denselben vom Dichter passend
verwerthet. Die glückliche Entdeckung des Digamma gab die
I nachhaltigste Förderung der iu dieser Richtung arbeitenden
Forschung; sie berechtigte bis zu einem gewissen (:Ti'ade, nach
I volleren Foiineu und älteren Bildungen zu spüren. Dei' Aus-
! gangspunkt für derartige Untersuchungen sind die Erscheinun-
I gen des Hiatus und der Längung kurzer vocalisch oder con-
! sonantisch sehliessender Silben. .Je mehr die vero;leichende
' . . . . .
Sprachwissenschaft sich dieser Erscheinungen bemächtigt, um
384 Hartel.
weitgehende Folgerungen aus ihnen abzuleiten, desto mehr
scheint es Pflicht und Aufgabe des Philologen, den thatsäch-
lichen Umfang und die Bedingungen derselben zu bestimmen.
Die folgenden Untersuchungen behandeln nur den einen Punkt,
die Verlängerung kurzer Schlusssilben im Homerischen Verse,
welcher, auf einen kleineren Kreis von Fällen beschränkt, einige
sichere Resultate zu liefern verspricht. Ob diese bedeutend
genug erscheinen und eine erneute Behandlung des Gegen-
standes von meiner Seite entschuldigen, das mögen die folgen-
den Blätter entscheiden. Dass aber eine erneute Untersuchung
durchaus berechtigt ist, das wird ein Blick auf die mir be-
kannten Behandlungen der Frage darthun.
Abgesehen von gelegentlichen Bemerkungen der Homer-
interpreten (z. B. Clarke's zu A 51) hat zuerst G. Hermann
in seinen metrischen Arbeiten (EDM. p. 42 ff.) und ausführ-
licher in der Schrift de aetate scriptoris Ärgonauticorum (Or-
phica II. p. 697 f.) die I^ängungen im Homerischen Verse
besprochen. In dem Capitel derselben : de productlone brevinm
sylldharum oh caeswnm ist es ihm hauptsächlich darum zu
thun, für ähnliche Licenzen späterer Epiker die gleichen Fälle
des altepischen Verses zusammenzubringen , also um Constati-
rung des Thatsächlichen in bestimmt abgegrenztem Umfang;
eine Erklärung dieser Erscheinungen lag fern. Die Elementa
doctrinae metricae deuten wenigstens eine solche an (p. 43, 45,
56, 60); aber nicht in dem etymologischen Ursprünge der
Form und des Wortes wird dieselbe gesucht, sondern theils
in der leichten Verdoppelung der Liquiden, besonders aber in
dem Acccnt, dem kraftvollen Ansetzen der Stimme am Vers-
aufang und in der Interpunction. Dem metrischen Bedürfniss
wird an der Verlängerung ein bescheidener Antheil einge-
räumt, nur in Wortformen wie iOävaTO? ^-.o^fizG^y.'.^ die sonst
für das daktylische Maass unbrauchbar waren. Nichts als eine
nur etwas eingehendere Entwickeluug dieser Gesichtspimkte
ist es, welche F. Spitzner (De versu Graeconim heroicOjheiTp-
zig 1816) seinem durch fleissige Sammlung ausgezeichneten,
noch heute brauchbaren 2. Capitel : de sijUaharum hrevlnm iu
Honiericis cnrmiinhus productlone (p. 14 ff.) vorausschickt. Was
Hermann erlässlich war, unter diese Gesichtspunkte die IMassc
der Fälle einzureihen und den nicht eben unbedeutenden Rest,
Homerische Studien. 385
der diesei- Einroihung sicli nicht tuii'to, wenigstens zu vei-
zeichacii, hätte Spitznor nicht unversucht hissen sollen ; statt
dessen erhalten wir ein nach den verlängerten Endungen (a
ZV %^ £ £v IC sp ; -v '.; o ov oz u uc jv) geordnetes Verzeichniss
von Stellen.
Schon die scharfe Trennung der beiden grossen Gruppen,
ich meine die Verlängerung der vocalisch auslautenden Silben
vor einfachem consonantischen Anlaut und der auf einen Con-
sonaiiten auslautenden vor vocalischem Anlaut, hätte iiothwendig
zu fruchtbaren Erwägungen führen müssen , wie sich dies in
der nächsten Behandlung, welcher C. A. J. Hoffmann
(Qnaestiones Homericae, p, 97 ff. , Clausthal 1 842) den Gegen-
stand unterzog, schlagend zeigt. Hier wird für die erste Gruppe
die etymologische Erklärung in ihrer ausschliesslichen Geltung
behauptet. Die geringe Zahl der mit Liquiden beginnenden
Wörter, vor denen Längung kurzer Silben eintritt, muss zu
der Zeit, als die Gedichte entstanden, mit zwei Consonanten
angelautet haben, oder wenigstens der erste, im Schwinden
begriffen, muss eine damals noch fühlbare Nachwirkung in der
Aussprache gehabt haben. Für einige dieser Wörter ist Hoff-
mann der Nachweis gelungen; die consequente Durchführung
dieses Principes führte aber zu etymologischen Ungeheuerlich-
keiten , die kein vorsichtiger l^orscher heute mehr vertreten
möchte. Und gerade bei jenen Wörtern, welche die Längung
zumeist im Gefolge haben, wie i^iya;, [j^Yapov, steht der von
Haus aus einfache consoaiantische Anlaut ausser Frage. Für
die andere Gruppe von Fällen wird die Kraft der Arsis
geltend gemacht und daraus für die in der Thesis erschei-
nenden Dehnungen eine wichtige Folgerung gezogen , die
nicht immer die genügende Beachtung gefunden hat, p. 98:
(Ifnic ü/ifin- vd in fhesl producmitur terminationes, luic, si vera
est lAictio, Hut longae sint uecesse est, aut ancipites. Nicht wohl
aber wird sich, was über das Stärkeverhältniss der einzelnen
Arsen gesagt wird (p. 102 f.), vor der Gesammtzahl der Fälle
behaupten kiinnen. Den anderen Erklärungen, wie der Inter-
punetion, auf welche G. Hermann nicht wenig Gewicht
legte, wird jeder Werth abgesprochen, p. 103: nee interest
nfrimi sif interpunctio nee ne. In gleichem Sinne führt Ahrens
im Rhein. Mus. II 108 über einen Thcil der Frage, ,die Ver-
386 Hartfl.
doppehuig des anlautenden v', eine bereits von Hoffmann
in den Quaestloues (p. IUI) angekündigte Untersuchung, Nicht
die liquide Natur des Lautes erklärt ihm die Verdoppelungs-
fähigkeit, da diese nur bei einer kleinen Zahl von Wurzeln
beobachtet wird; diese oder vielmehr ,ein dickerer Laut' ist
der Rest eines ursprünglich doppelten Anlauts. ,Uebrigens
führt die Untersuchung über die ähnlichen Erscheinungen bei
den anderen anlautenden Liquiden zu ähnlichen Resultaten'
S. 1 7(>. Was Mehlhorn in seinem , Sendschreiben an Herrn
Prof. Ahrens üljer die Verlängerung durch die Liquiden'
(Ratibor 1S43) dagegen vorgebracht, kenne ich nur aus
Ahrens', seine früheren Behauptungen näher begründenden
Excurseu hn Phil. IV 592.
Die Unhaltbarkeit der von Hoffmann, Ahrens und
Anderen , welche die bezüglichen Erscheinungen in gleichem
Sinne betrachtet, aufgestellten Etymologien führte zu einer
Reaction gegen das ganze Princip , welche ihren schärfsten
xA-Usdruck in H. Düntzer's sorgtaltigem Aufsatze ,die
metrische Verlängerung bei Homer' in Fleckeisen's Jahr-
büchern (1867, S. 300 ff.) erhalten hat. Er lässt keinen dop-
pelten consonantischen Anlaut gelten , keine ursprünglichen
Längen, die etwa in alten Formeln sich erhielten oder unter
günstigen Umständen wie unter der Ki'aft der Arsis empor-
tauchten. vSämmtliche Verlängerungen sind eine Folge, nicht
etwa metrischen Zwanges, nein, eine Folge metrischer Be-
quemlichkeit, die ebenso wie in der Arsis auch in der Thesis
(vergl. S. 363) sich geltend macht. Alles andere ist neben-
sächlich. ,Freilich waren nicht alle Verlängerungen gleich
leicht, und eine folgende Liquida nioylite, wenn keine Inter-
punction dazwischen trat, sie stützen, auch eine luterpuuction
sie weniger fühlbar machen, aber solche Beihülfen waren nicht
nöthig und auch bei ihnen blieb es eine einmal angenommene
dichterische Freiheit' S. 356. Das Verdienst der Arbeit liegt
wesentlich in dem negativen Theil, der die etymologischen
Versuche einer strengen Prüfung unterzieht, sowie in der zum
Theil erschöpfenden Sammlung und bequemen Anordnung des
Materials. Der positive Theil wird schwerlich Jene befriedi-
gen, welche in dem Versemachen eine Kunst, etwas mehr als
willkürliches Umspringen mit dem prosodischen Sprachstoff
Homerische Studien. 387
crkcuiuüi. Die altcti jNIotrikc'r, welche luanclierlei -aOr; des
Verses, wie den scheinbaren Janjhus (i-i'.o-<^ U'"2) oder Trihrachyf*
(zXssvcc (7 240) an Stelle eines Spondcns und Daktylus verzeich-
neten, sind nie auf eine solche Erklärung vei-talhm. Wo wir
sonst bei einem Volke eine quantitirende Poesie finden, be
([uemt sich der Dichter den in dem gegebenen SpraclistofFo
liegenden prosodiscben Eigenthihnlichkeiten an, ohne sie durch
Zwang zu schädigen. Düntzer's Methode müsste, wenn sie
richtig wäre, sich auch auf das Lateinische übertragen lassen ;
ich müsste sagen können : Plautus gebraucht den kurzen Vocal
in h'(iit, amat, docet, m(dlt, hu/at, patar, verhant als Länge, weil
es ihm im Metrum so eben bequem ist. Das hiesse aber einen
guten Theil der auf dem Gebiete der lateinischen Sprach-
geschichte gewonnenen Resultate cassiren. Wenn wir aber auf
dem Gebiete der lateinischen Metrik berechtigt sind, aus wieder-
kehrenden Eigenthümlichkeiten des Verses auf vollere F(»rmen
und urspi-üugliche Längen, die einmal allein in Geltung waren,
zurückzuschliessen, wai'um soll uns das im epischen Verse, der
eine so viel hundert Jahre ältere Sprache redet, versagt sein ?
Soll die Homerische Sprache, die uns uralte und sehr junge
Bildungen hart nebeneinander zeigt, in dem veränderlichsten
Element, der Quantität, allein so abgeschlossen sein, das»
schlechterdings keine Koste eines älteren ursprünglicheren Zu-
standes vorhanden wären? Diese und ähnliche Bedenken, die
noch eine weitere Ausführung erfahren sollen, bleiben bei
Düntzer ohne Erledigung.- Er hätte sie um so eher berück-
sichtigen sollen, je entschiedener dieselben Westphal in
seiner , Allgemeinen griechischen Metrik' S. 277 ff. zur Sprache
gebracht hatte.
Den Hoffmann-Ahrens'schen Stand}iunkt uinnut Oscar
Meyer ein in seinen Quaestiones Homericae (Bonn, 18()8)
oder geht vielmehr über denselben hinaus. Er zieht aiu-h den
Hiatus in Betracht; dieser und die Längung kurzer Silben
weisen ihm den fest(ui Weg qua ad nuHqiilorem limjnac condi-
cionerii adducimur , iti (/im et Jlterrw spirantes in Inltlo vociim
nondmii, a lin</uae memoriit evmtuarant, et terminationes finniorem
natwarti servnvera)it. Unter vielen kühnen Behauptungen finden
sich manche berücksichtigungswerthe Vernnithungen, denen es
nur darum an der genügenden Ueberzeugungskraft fehlt, weil
388 Harte 1.
Oscar Meyer nicht auf einei' vollständig'en Saniuiluiig' des
Materialcs , nicht einmal auf den reichen ZusammenstelhiDgen
lSpitznci''s seine Untersuchungen aufgebaut hat, sondern in
dieser Hinsicht, wie es scheint, fast gänzlich von Hoffniann,
der die Odyssee doch nur nebenbei heranzog, abhängig ist.
Dabei ist durch die erneute Confundirung der beiden Gruppen,
deren Trennung Hoffmann wesentlich gefördert hatte , nichts
weniger als ein beruhigender Abschluss gewonnen.
Zuletzt hat Jacob La Roche in seinen ,Homerischen
Untersuchungen^ (Leipzig 1869, S. 47 ff.) einen Theil der
hieher gehörenden Erscheinungen , nämlich die Verlängerung
kurzer Endsilben vor einfachen Consonanten , behandelt und
neuerdings eine durch Genauigkeit ausgezeichnete Sammlung
der einschlägigen Stellen (ich vermisste nur 8) abdrucken
lassen. Neu ist in seinen Auseinandersetzungen nichts als die
weiter unvermittelte Verbindung der etymologischen und metri-
schen Erklärung : er nimmt wiederholt Bezug auf die , man
hatte geglaubt überwundenen Etymologien Iloffmann's; aber
bei Formen wie \j.z'(i\r, , .uisYäAoj und allen ähnlichen , deren
Zahl ja nicht gering ist, muss ,das metrische Bedürfniss' den
Erklärungsgrund abgeben. Richtiger hiesse es wohl die metrische
Bequemlichkeit. Die Erwägung, Avarum der Dichter gei'ade
vor liquidem Anlaut sich diese Bequemlichkeit verstattete,
kommt nicht weiter in Betracht.
Man sieht aus dieser Darlegung, dass eine Reihe wichti-
ger Fragen nichts weniger als zum Abschluss gelangt ist, und
doch wäre dies in mehrfacher Beziehung wünschenswerth, nicht
blos um für grammatische Betrachtungen schwer wiegender Art
eine festere Grundlage zu haben, sondern auch für Fragen der
niederen Kritik. -Noch immer tauchen Conjecturen auf, wie
die von Ahrens a. a. O. zuerst aufgestellten , von Oscar
INIeycr p. L'52 und La Roche p. 48 ohne Kenntniss ihres
Vorgängers wiederholten, 0 626 ävqxou ok os'.voc statt aviiJ,0'.o oe
Octvöc, (-)13o ßpovr/jaac ok ct'yiv statt ßpovif-sac o' apa oeivcv, jj.203
w534 ok C£'.cxvx(ov statt clpy. os'.aavttov, [ttOi) '6k odazii statt u7:oo£ia£T£'
zu lesen und älmliche mehr. Die Verlängerungsfähigkeit der
Arsis bei jeder Wortform gilt für etwas so ausgemachtes, dass
selbst ein umsichtiger Forscher wie G. Curtius in seinen
Studien I 2 p. 293 die Form iev für vqv, in den Erläuterungen
Ilomorischo Studien. 389
ZU seiiiei" Scliiilgraniinatik (2. Aufl., S. 70) ly.z für cjr in der
Cacsur vor Vocaleii g'laubt unl)odcuklit'li einsetzen zu (Uirfcii.
lliid docli ist das eine so unniög-lieh wie; <las andere, w'w. eine
Betrachtung- des gcsammten Thatbestandes ergeben wird. Die
Beispiele Hessen sich noch nanihaft voruieliren, einige konimeii
später zur 8praclie. Bei der nun folgenden Untersuchung ist
es nicht meine Absicht, bereits Gesagtes inid Gesammeltes zu
Aviederholen ; nur dort, wo es für die zu machenden Folgerun-
gen sich als nützlich herausstellt ;, die gesammten Fälle anzu-
führen, oder wo die von Anderen gegebenen Zusanrmenstellun-
gen sich lückenhaft zeigten , werde ich mir davon abzugehen
erlauben.
Was Zahl und Art der Verlängerungen l)etrifft, so be-
trachten wir zunächst die erste Gruppe von Fällen , die Län-
gung kurzer vocalisch auslautender Silben vor den Liquiden
! !r ^' . . -. . . .
; A ;x V p. Dieser kurzen, auch wissenschaftlich zu rechtfertigen-
den Bezeichnung , Liquiden' (vergl. Brücke, Gz. der Physio-
logie und Sy.stematik der Sprachl. (31) bediene ich mich im
Folgenden. Diesen Liquiden hat man 8 zugesellt-, denn auch
an ihm haften vielfach dieselben Erscheinungen. Ferner a;
doch die längende Kraft, wenn sie in ihm liegen sollte, er-
scheint nur in einigen wenigen Fällen an der Wortgrenze, so
dass man im Vorhinein wenig geneigt sein möchte, sie aus der
Natur des Anlautes zu erklären; häuhg zeigt es im Innern der
Worte eine Verdoppelungsfahigkeit, die auf einen etymologi-
schen Grund zurückzuführen nicht überall gelingen will. Auf
diese Längungen und Doppelungen im Innern kann im Fol-
genden nur nebenbei Rücksicht genommen werden. Mit besse-
rem Rechte hätte man den Liquiden das Digamma anreihen
können ; an ihm bemerken wir nicht minder häufig und gerade
wie bei den Liquiden zumeist an bestimmten Wurzeln Position
bildende Kraft, und zwar: E302 3;x£poaA£a ir/cov {= (-)3'^1,
n758, T41, r285. 382. 443, x8l), '.392 \}.i-(yXx liyo^ny. vixx({ \).b(a
vor ixywv Ix/oj^y. It/zvzzz A,50(3, P317, ^1(50, Z42i {= P213),
E443 {— •/.323), ferner o4ö4 ri\j.v.z 03 iä/ovT£c, 11373 o\ Zi h:/T^
-ce 9iCi(|) xc, A456 ^svexo b/f^ xt ^-'(jqc.xz (=M144, O 39(), II3G6),
0 275 Twv c£ 0' ÜTtb tay;^c — E371 GuyaTipa r,v (= ZI 92, \ 226,
N37b), PI96 6 B' äpa w -aiBi, t:71 -z^v. <;), 11542 ^OevsV w, Ü3G
T£Xc' w, y39 zxxipi (0 {—. 3175), i92 s-wtxits rp\ (pp^civ (= O240j,
390 H.rt.l.
B8o2 obok i'j; zaTSac, oo58 r/ß oO -aioc;, E34o a-ö so und an der-
selben Vcrsstelle, so dass 'io auf die Hephtliemimeres folgt noch
N163, r2(31, s459, t398. 461, 9 136. 163, und ebenso gestellt a-o
£Ö£vZ62, K465, M205, r278; <I»507 -poTt 0! (= w347), -X307t6
Ol ü-b Aa7:apr,v — p37 'ApT£ij.iot ly-rA-/; (= t54), A86 ig o' avopt v/Akt,,
■/.246 cuvaTO i'xoc, to494 'Oojcs^a z'-sa, E576 £v9a IIjAa'.j^-cvea IXstt^v,
;411 Ta: [/kv apx Ep;av ^axa v^Osa, Fl 72 siAs li^jps, ;89 otce od t;
•^aasi, v213 Tt^aiTo asTr^cT'.oc. Formen wie ZI yjv. saxOsv '.a/-(^. die
durch das paragogische v eine unbezweifelte Länge schaffen
können, siiid hier und später unberücksichtigt geblieben, was
auch immer die Handschriften bieten mochten. Bei einigen
Fällen nun ist es fraglich , ob nicht vielleicht ein Doppel-
consonant in alter Zeit gefühlt wurde, z. B. Oj^xTspa ar^v, bei
anderen ist es möglicher Weise noch etwas anderes, was die
Längung erklärt. Hier handelt es sich vorerst um Zusammen-
stellung der nach äusserlicher Betrachtung gleichen Fälle. Zu
beachten ist dabei ein Umstand, der bei den Liquiden und bei 0
wiederkehrt, dass die Längung mit Zähigkeit an festen, gleich-
bleibenden oder leicht modificirten Formeln haftet, womit der
unverrückbare Sitz an bestimmter Versstelle zusammenliängt.
80 findet zieh vn [j.t-(xpM oder vn [j.i^(ipo'.: lOOmal , wovon 24
Stellen auf die Ilias kommen, yjo' if li'. o-^v 7mal und r426
mit leichter Modification nach Aristarch's Lesart ouo' 5v 'ixi
yr,v^ WC TS Ate 3mal , sttI p-^YH-^''- öaXacrr;; 11 mal u. s. w. Diese
formelhafte Wiederkehr ist bei der Zählung genau berücksich-
tigt worden.
Wir
finden
die meisten
Vci
längerungen
vor \j.:
31Ö,
nach j
\bzug
der
V\
'^iederhohmgen 111,
n f ■
123,
V
J7
)i
91.
„ A:
71,
n
r
n
« öl,
» ''■
.59,
V
»
V
m
,, i":
59,
n
J7
n
31,
„ 5:
44,
n
n
n
29,
,, ^^
7,
r)
n
V
7,
im Ganzen: (hS^ nach Abzug der Wiederholungen 3öO.
Für die i'ichtige Erklärung liegen bedeutsame Wiidvc in
zwei Bedingungen, an welche die Erscheinung geknüpft ist:
1. unter den (578 FäHen steht die gelängte Silbe (571 mal in der
Arsis, nur 7mal in der Thesis, und zwar E358 -oaXä A'.scöjxzvo:
(= «|>3()8, XUl), v438 -'^y.vi povxAfov {=. pl98, 3109), inäö
Hfiinerischfi StuJion. 391
rStCkk pz-xCza-/.v/. (o2i)ll liest man jetzt riclitig ttoj ca-. vY;ij; statt
des ehemaligen ttoj oe vy;j;. Dies sind , wie sicli später zeig-cn
wii'd, nur scheinbare Ausnalunen. 2. Unter den OTH Fällen ist
tlie gelängte Silbe nur Unial (A454 = 112o7, ri72, A321,
Kir,, Z1S3, 1121 {= T21(), X48), riööG, M(;02, t41, T-^90, 0247)
von dem folgenden Anlaut durch Interpunction getrennt; in
allen anderen Fällen ist der Anschluss ein mfiglichst enger,
Avie sich darin recht deutlich zeigt, dass die Längung 409nial
eine Präpositi<ni (darunter svi 109mal, v.y-y. 39nial , i~i 33mal,
izz 34mal, j-c 28mal) und es (Tömal) und ts (OOmal) trifft.
Daraus ergiebt sich einerseits die Berechtigung, die Verlän-
gerung aus der Natur der betreffenden Consonanten und aus
ihr allein abzuleiten, andererseits die Verpflichtung, die paar
Ausnahmen einer speciellen Prüfung zu unterziehen, da eine
Einwirkung der Consoniinten über die Kluft der Interpunction
hinüber keine Wahrscheinlichkeit hat.
Ganz anders stellen sich die Verhältnisse in der anderen
Gruppe, bei der I^ängung consonantisch auslautender Silben
vor vocalischcm Anlaut. Hier alteriren Wiederholungen und
formelhafte Wendungen nur um ein Geringes die Gesamnitzahl
der Fälle ; es sind auf sie 58 in Abschlag zu bringen. Aber
was dort äusserst selten sich zeigte, ist hier ungemein häutig,
die Interpunction, welche bald stärker, bald schwächer auf die
gelängte Silbe folgt. Doi-t auf 678 Fälle ]4mal, hier auf 390
Fälle 155raal. Um eine vorläutige Uebersicht über den Umfang
dieser Erscheinung zu gewinnen, ist hier eine Tabelle der ver-
längerten Endungen zusammengestellt, ohne Rücksicht auf die
mannigfache Bedeutung desselben Ausgangs , ob -./ z. B. als
Accusativ- oder Dual- oder Verbalendung fungirt. Wir zählen
also Verlängerung des
oc ohne Interpunction 74mal, mit Interpunction ödmal,
°'' « „ 50 „ „ „ 44 „
''' n n 'J'J n n n O „
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~'' » » O » n j> 11 )>
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392 Harte 1.
7.p ohne Interpuuction 8mal, mit Interpunction Imal,
■'S ?» •' O >» jj )i 1 n
Aller ohne Interpunction 2o5mal, mit Interpunction I55mal.
Bei dieser Zählung sind wie billig jene Stellen über-
gangen , wo unbezweifelbares Digamma mit im Spiele ist ;
wollte man diese hinzunehmen , so würde sich die Ziffer um
über 300 (ich habe nur beiläufig dafür gesammelt) höher
stellen. Aus der Ilias sind reichlich Beispiele zusammen-
getragen von Hoffmanu im 2. Theile der Quaestiones p. 52 — 53,
aus der Odyssee von Düntzer in dem genannten Aufsatze.
Die auf jv endigenden Substantiva hätte ich mit demsel-
ben Rechte übergehen können, mit welchem ich 1323 w; o'
op^nc aTzvqGi und das 20mal in der Arsis lang erscheinende ■üpt'v
nicht zählte, würde nicht immer noch ignorirt, was Hoffmann
a. a. O. §. 70 darüber richtig lehrte. Die Grundbedingung,
dass die gelängte Silbe in der Arsis stehen müsse, findet auch
hier ihre Bestätigung durch sämmtliche 390 Fälle , so dass
man schon daraus unbedenklich die Folgerung ziehen darf,
wenn diese sich auch von anderer Seite nicht stützen liesse:
wo eine Silbe in der Thesis als Länge erscheint, muss sie von
Haus aus lang sein. Es trifft dies 10 Stellen und das häufig
in der Thesis lang erscheinende ~piv^ wir Vv^erden später darauf
zurückkommen. Das bedeutsamste Moment der Tabelle ist die
Häufigkeit der Interpunction an sich und das Schwanken ihrer
Ziffer bei den einzelnen Endungen. Um nicht der Untersuchung
vorzugreifen, sei hier nur verwiesen auf die , kräftige^ Endung
'.V, die auch in der Thesis sich als Länge behauptet und nur
ßinal unter 39mal von Interpunction begleitet ist, während ov
44mal mit und 50mal ohne Interpunction getroffen wird.
Ein den beiden Gruppen gemeinsames Moment ist die
Arsis. Al)er ist es die Arsis an sich, die jede kurze Silbe zur
Geltung einer metrischen Länge erheben kann? Oder müssen
in der afficirten Silbe oder dem nachbarlichen Anlaut liegende
Eigenschaften hinzutreten, damit die Arsis diesen ihren Ein-
fliiss entfalte V Auch auf dem Gebiete der lateinischen Metrik
glaubten man einst der blossen Arsis eine solche Wirkung zu-
schreiben zu dürfen; diese Meinung hat Ritschi durch den
I
Homerische Studien. 393
Nachweis einerseits, dass manche vocalisch und consonantisch
auslautende Silben sich erst in der Periode der altlateinischen
Verskunst zu kürzen begannen und von einem Plautus demnach
di(! im Vers lang- gebrauchten Endungen auch lang gesprochen
wurden, andererseits dass nie die Arsis allein , sondern eine
Reihe mitwirkender Umstände das Geschäft der ■ Längung voll-
ziehen, erechüttert und wohl für immer beseitigt, wenn auch
L. Müller zur alten Ansicht G. Hermanu's zurückkehrte. Auf
dem Gebiete griechischer Metrik erfreut sich der längende
Einfluss der Arsis allgemeinster Anerkennung, aber in dem
geglaubten Umfange doch nicht mit hinreichender Berechtigung.
Indem wir daran gehen die Sphäre dieses Einflusses durch den
Nachweis mitwirkender Umstände und Eigenschaften näher zu
umgrenzen und zu bestimmen, zeigen die vorstehenden Tabellen
den Weg, welchen die Untersuchung zu nehmen habe.
Bei dem innigen, jede Interpunction verschmähenden An-
schlüsse der gelängten Silbe an den consonantischen Anlaut,
welcher die Fälle der ersten Gruppe charakterisirt , gilt es in
erster Reihe bei der Natur dieses Anlautes anzufragen, üies
in erfolgreicher Weise gethan zu haben, ist, wie früher bemerkt
wurde, das grosse Verdienst der IToffmann'schen Quaestiones,
das nicht geschmälert wird durch die Berichtigungen, welche
bei dem vorgeschrittenen Stande der griechischen Etymologie
heute zu geben ein Leichtes ist. Iloffmann glaubte bei
sämmtlichen hier in Betracht kommenden mit Liquiden und o
anlautenden Wurzeln annehmen und erweisen zu können, dass
vor denselben ein Consonant abgefallen und ehedem von dem
epischen Dichter oder seinem Muster wenn auch nicht ein
doppelter Consonant gesprochen, so doch als zurückbleibende
Folge seiner ehemaligen Existenz ein dickerer Laut gefühlt
wurde, dem dieselbe Position bildende Kraft innewohnte wie
einst dem volleren Anlaut. Die neuere Forschung hat dies bei
sämmtlichen mit o beginnenden Wurzeln bestätigt. Bei den mit
W. $'. zusammenhängenden Wörtern: oioz, os-.vi;, o£iooj, osiAoc,
AeT[j.o;, Azic/^vcop, vor denen 21mal Längung sich zeigt, ist hinter
S entweder ein Digamma (vergl. Fulda, Untersuchungen über
die Sprache der TTom. Gedichte, Duisburg 1865, S. DS) oder
wie Curtius (in seinen Gruudzügen der griechischen Etymo-
logie, 2. Aufl., S. 585) mit besserem Rechte annimuit, ein j
394 Hartel.
ausg'efallen, oy^v, welches an 14 Stellen, und or,piv, welches an
nur 2 Stellen Position bildet, führte, wie ich aus Curtius a.
a. 0. 401 entnehme, Mehlhorn in seinem Sendschreiben an
Ahrens S. U auf ojr^■') , Buttmann aber Ausf. Gr. I 44 mit Ver-
werthung der für Alkman bezeug-teu (Bekker Anecd. 949, 20)
Form osxv überzeugender auf oFav , or'/jv zurück. Ueber
das Gmal verlängernde os und das einmal Position bildende
O£io{!j-/.o;j.a'. (y 411) vergl. Curtius a. a. O. 561, ö88. Bei den
in dem Hymn. V 283 einmal vorkommenden hzo oaTceocj liegt
es nahe an oya-iSov (d. i. das für Xenophanes bezeugte 'Ci~toz'i^
vergl. Hesych. II 253) wie bei spiorjuacOai '1792 au ip'.By-r^crajOai
zu denken. Damit wären alle Position bildenden Wörter dieses
Anlauts erledigt. Aber es gilt hier gleich einem bei Düntzer
öfter wiederkehrenden Argumente zu begegnen. Er führt Fälle
an, die sich für die Wurzel ot noch um zwei (062(), 0)534), von
den Hymnen und Hesiod abgesehen , vermehren lassen , in
welchen vor den betreffenden Wörtern der kurze Vocal sich
beiiauptet, um daraus zu folgern, dass die Verlängerungen ein-
fach als geläufige Freiheiten des Dichters zu betrachten seien?
Niemand betrachtet die Doppelconsonanten als etwas anderes
denn als Reste einer im Schwinden begriffenen älteren For-
mation. Ausnahmslose Wirksamkeit des vollen Anlauts sind
wir hier ebenso wenig zu erwarten berechtigt als wir sie beim
Digamma in ein und demselben Worte finden. Dies fordern
heisst den Charakter der homerischen Sprache verkennen,
welche den Dichter nach dem Bedarf des Augenblicks über
alte Formen neben den jüngsten verfügen lässt, und führt
folgerecht dazu in ouvoj-ia, -ojXüc, ocjpacj'.v und ähnlichen die or-
ganische Dehnung zu leugnen. Wer ein süvo[j.a neben ivo[JLa
als gleichberechtigt anerkennt, dei' hat sich des Rechtes be-
geben , in aoosr^; oder nach Aristarch's Schreibung aosv^; eine
Bequemlichkeitsverlängerung aus xo£-/;c (vergl. siirsp ao£i'/^c t'scti
Hl 17) oder etwas ähnliches in l'i or,pz'j x2()3 neben hi o-/;pöv
B435 zu erblicken. Und wie steht es mit Nebenformen wie
3 146 afOo'JT/); sp'.cou-cj und ol80 ipiyoc'JTioc ttöcc "Hpr^c, co6-
TüTjCcV ik Ksatov und dem einmaligen A 45 a«|ji,-'. iizl o' i-ßoö-TiCX'i^
11375 ayJ.ovJf O-b -nfior^ und U'22() ÜTislp äXa y.tova-at, B39S opsovxo
xsSaaOsv-sc und P649 qipx [xsv T/.ioaa£v, 5153 ~vApb-'f 6::' ocpp6!7t
oax,pjcv iißcv und i84 B£px,£T/.£TC 5ay,pua Xstßwv, B1G2 oCkr,: i~o
Homerische Stadien. 395
-a-pi'ooc Ä'/r^; und T 244 (fCkri sv -arpiSi yaiY), cööG r^cav 'd^q [j.aAa
p-up-x'. und ':439 y.a-s7.£tT0 [ji^ac cuc, ZI 20 a[X2/C-spo)v cJVirrjv und
A44r) /öipov i'va Euviv-sc, E801 Tjcs'j; ts-. [j-'.7.p5; und P757 /.''py.ov
ÖT£ 7[j.'.7.pY;7', 7130 rfp'.x[j.O'.o 'TTOAiv oi£'::£p!7a[j-cv und o384 ots-irpiöeTO
zt6X'.; ctvcpoJv oder 'A/iAA-^a TUToXi'-opOov, A371 oTci'nsueig zc/A£[j-o'.o
Yoojpac und V427 ava 7r:oX£[j(.0'.o ^(eo'jpoLC, A12 ahr,y~zv TroAep-itciv
und N223 £-ir:ä[j.£6a -toX£jj.(^£iv , XI 98 auxb? oh -otI tttcXigc und
rilC) "Ey.Twp 0£ Trpo-l acjrj? — epiocjiroc, xiovafj.ai, /.£cävvj[j,'., sißo), aia,
•jc, 7JV, p.'.7.pcc u. s. w. sind offenbar die aus volleren Formen
hervorgeg-angenen jüngeren Bildungen und stehen durchaus in
einer Reihe mit jenen Ausnahmen. Wie nun bei diesen bald
die jüngere bald die ältere in überwiegender Zahl vorkommt,
so haben einzelne »Stämme, die mit doppelten Consonanten be-
gannen, fast immer, andere nur einige Mal Position im Gefolge.
An die eine Reihe von Fällen nicht glauben, während man die
anderen anerkennen muss, das wäre Incousequenz oder rein
äusserlicher Buchstabenglaube.
Nach den mit c beginnenden Wurzeln lautet die Frage
nach doppeltem Anlaut am günstigsten bei denen mit p. Die
verwandten Sprachen und dialektische Nebenformen zeigen
bei den meisten ein a oder r vor dem p: so stellt sich die
Wurzel von p-/^YVj[j,i p'^Yi^iv pw; por/aAioc, welche 27mal Position
bilden, als Fpay (vergl. lat. franfjo, goth. hrikaii) dar, von p'.voc
ptv£; mit 17 Längungen als Fp'.v (vergl. TaAaup'.vc; = Ta/.arpivo;
und vielleicht ^(^v)oz bei Hesychius), von pi^w mit 16 Län-
gungen als rp£Y (r£p7, vergl. Werk), von p£0) poo; mit 12 Läu-
gungen als crpj (vergl. skt. srcwumi) ^ von pr/.o; mit 5 L. als
fpaT. (vergl. aeol. ßpa7.c?) , von '^r^v(■^^ P'l"-; mit 4 Ij. als rp£
(vergl. aeol. ßpr,TO)p), von pcBov mit 2 L. als rpoc (vergl. aeol.
,:::Bov), von pözaAcv mit 2 L. als rp£- (vergl. ySkx'jp'h = 7.aAxrp2'i/,
|| Doederlein Gloss. 2104, Curtius Gz.'^ 314), von pi'^a als rp'.o
ll (vergl. lesb. ßp-Icoa =: rpiota); und auch bei päßoci; mit 3 L., bei
:'-y; mit 7 L. und bei pia mit 2 L. ist der Ausfall eines Di-
L:;amma immerhin wahi"sch(;inlich. Es bleiben mithin nur pv;Yc;
ivoi-gl. Cui'tius Gz.- 1()9) pr^ssw (daneben apx^jw il571), pjop-xi,
P'!ov, pio-r/.iv, pj-:o), pa, po/Oio) ohne einen nachweisbaren Doppel-
consonauten, d. h. auf 99 etymologisch begründete Längungeu
kommen 24, die solcher Begründung bis jetzt ermangeln. Mit
Vorliebe zieht man die Formation der augmentirten und re-
Sitzb. d. phU. -bist. Cl.LXVUI. Bd. III. Uft. 26
396 Hartel.
duplicirten Tempora heran, deren pp für ursprüngliche Doppel-
consonanten zeugen soü. So sagt Curtius in den Er!.- 0(3:
,die Verdoppeking des p nach dem Augment hat ihren Grund
darin, dass vor diesem in der Regel ein Consonant ausge-
fallen ist/ Dagegen würden vereinzelte Bildungen wie pspu-to-
[jiva J^59, ipip'.-TC H15 (vergl. psptoöai bei Find. fr. 281 Bückh,
p£pa7:'.5[jiva Anacreon fr. 105. 1G3 Bergk, und die aus spä-
teren Autoren von Lobeck Par. p. 13 gesammelten Perfecta)
wenig zu bedeuten haben. Auch begreift man leicht, wie
aus einem fifpr,-([xy.'. icpsFov die Formen sppr,Y[xa'. 'ippzo^f hervor-
giengen, indem unter dem Einfluss des Hochtones die Assi-
milation von rp Gp zu pp stattfand. Ob aber eine so bedeutende
Zahl von Wurzeln mit ursprünglichen Doppelconsonanten sich
nachweisen lasse, dass diese den Rest durch die Macht der
Analogie in ihre Bahnen zwang, und ob nicht vielmehr die
Doppelung beim Augment, welche in älterer Zeit mehr weniger
bei allen Liquiden sich einstellte und erst nach und nach ihre
Beschi-änkung erfuhr, von einer anderen Erscheinung her Licht
empfangt, in der man allerdings auch wieder eine Spur dop-
pelten Anlautes zu erkennen vermeinte? Ich denke an die
Doppelung der Licpiiden in der Zusammensetzung, wie iuppooc,
s'jppsToc, e'jppzivqCj ßaOuppooc, ßaO'jppsir/jC, TcaAi'ppooc, äY^pp^^c, Trspi'pp'JTic,
y.ppr,x-oc^ i'jppasiT/C, app*/;TO?, ajj.s'.pp£7:Y^?, /putroppa-iric, xoAupp-/;v, TzpippiCaq^
'/.y.-ä.p'y^T^'j. v22S, ~zp'.ppTfl^^^c "/83, — £'j[X[ji,sXiy)? , a[j,[ji,opoc , «[xi^.opi-/;,
o'J!7ajj-[v.c»poc, — avvsssXcc, avavvtsoc , £uvvy;toc, — oXXosoc, zoA'jaX'.utoc,
TpfAX'.aTo;, yXKr,Yj:oc. Auch diese ist, wenngleich um vieles fester,
doch nicht stetig, nur unter dem Einfluss der Arsis behauptet
sie sich, in der Thesis erscheint einfacher Consonant Avie
wy.upoo) E598, H133, -mW'.pboio £441, p206, ä'p£XTov T,510, aivo-
\}.opoc '.53, ?7S[/opoc o209. Man nimmt nun hier an, dass in dem
Innern der Worte sich der vollere Anlaut besser erhalten, und
bei einigen wie ^Cko\i.\>.^\ör^z^ ocyoiTnooq und sämmtlicheu mit p|
beginnenden Wurzeln ist durch die verwandten Sprachen dei'
Doppelconsonant crjj-, cp oder rp sattsam verbürgt. Es kann
dagegen nicht entscheiden, dass Aristarch (vergl. La Roche,
hom. Textkr. 389 ff.) in den meisten Fällen, wie es scheint,
den einfachen Consonanton schrieb. Wissen wir doch von
Aristophanes das Gegtmtheil, und damit ist wohl das Schwan-'
keu der voralexandrinischen Quollen, welches unsere FTand-
Homerische Studien. 397
)
Schriften widerspiegeln, verbürgt. Aristarch schrieb einfaches
p A [j. V c , nicht weil er sah , dass auch sonst diese einfachen
Consonanten Position bilden, sondern weil er in der Doppelung
eine vorübergehende, unter dem Einflüsse der Arsis statt-
habende AfFection erkannte, während ausserhalb dieses Ein-
flusses das Wort in seiner gewöhnlichen Gestalt - auftrat. Aber
man wird diese Afi"ection der Liquida nicht trennen können
von derjenigen, welcher kurze Vocale in der Composition unter-
liegen, wie flcvr/AeiQ?, av^xscxoc, avr,v£[xia, avwvufjLO?, Tuav/^Y'Jp'-?, £Ür/V£[;.o;,
'jzr,y.o;;, ojcv^psT[j.o; (die homerischen Beispiele und Ausnalunen
verzeichnet Bekker ITom. Bl. 278). Die Dehnung erklärt
sich, wie a[j.c;Y^y.-^c, vs-r^xr^c, avT^xecTCV, £^-^[j,o'.ßsc, eTi-qy.o'.^oq. avr)[;,cAxx6;,
äYY7^o)p, £u-/^vo[)p, p-^^r^vwp zeigen, nicht durchaus aus der entschie-
denen Abneigung der Sprache gegen eine Abfolge kurzer
Silben, der allerdings dadurch genügt wird, sondern ist in der
Composition ein organisches Bindemittel der Theile, wie etwa
der Accent im Deutschen. Wie nun bei vocalischem Anlaut
der Vocal, so wird bei liquidem Anlaut der verlängerungsfähige
Dauerlaut gedehnt, und Ausdruck der vollzogenen Dehnung
ist die Doppelung. Als Zusammensetzung aber meine ich
wurde auch die Augmentirung gefühlt. Die hiebei stattfindende
Verdoppelung unterscheidet wesentlich das, dass sie sich auch
und nicht selten in der Thesis behauptet.
Weit weniger will es gelingen bei den mit v anlautenden
Wurzeln den Verlust eines zweiten Consonanten nachzuweisen.
Von 11 in Betracht kommenden Stämmen haben nur 4 ein c
eingebüsst: yzjpr, (ahd. snara, snuor), wioocq vwoaic; (ahd. s^ec,
lit. snü/ti)^ vj6; (skt. sriuslid^ ahd. snur\ v^sc; vau; (skt. snatmii
i fluo, vergl. Curtius Gz.^ nr. 443). Für letztere Wurzel kann
nach dem eben Bemerkten die Form svvsov 9 11, auf welche
(Jurtius sich stützt, wenig beweisen. Bei vsxog votio; so Avie
bei vico; vsssX-/; ist ein Doppelconsonant kaum wahrscheinlich.
Die andern Wörter, bei denen der Nachweis eines solchen
^•änzlich raisslang, sind 't'j\).or^^ vjs^x, vCCo), vijv, vr,t:c. Allerdings
verbindet sich mit diesen nur ITmal Längung, während mit
den 4 Wurzeln, welche die verwandten Sprachen mit vollercüu
Anlaut zeigen, dies 42mal der Fall ist. Es bleibt aber immerhin
• ■ine P-cnvagte Annahme, dass ein c; vor v sich hiei- wirksam
gezeigt hat, da die gleiche Abneigung der lateinischen und
1
26*
398 Hartel.
griechischen Sprache gegen diese Lautgruppe eine Vernichtung
derselben auf einer früheren Sprachstufe zu beweisen scheint.
Ist aber die verfolgte Methode die richtige , dann muss
sie sich vor allen bei [x bewähren, welchem nahezu die Hälfte
aller Längungen zufällt; und da an dem Position bildenden
oiKixpöq (P757 oxi cp-ixpfjc) und [x'./.p6? sich ein Formenpaar, wie
wir es brauchen, erhalten hat (vergl, c7[j,jxT7^p bei Hesych. neben
[i.u7.Trip, aiJ.oyzpöq neben [/.oyspoc und andere bei Leo Meyer
VG. I 197) und das Griechische keine Abneigung gegen die
Lautgruppe c[x zeigt, so sind müt auf eine reiche Ausbeute
wenigstens an dialektischen Nebenformen gespannt. Darin
finden wir uns getäuscht. Und auch der vergleichenden Sprach-
forschung, welche in einigen Wurzeln mit [x volleren Anlaut
(T[x nachwies (vergl. in Curtius' Gz. nr. 287 [j-saSo^, nr. 463 [j-sio'.ao),
nr. 466 [jApiJ.zpy. (j.sp'.[j.va, nr. 479 [J.'jooc), ist bei keiner der 20
Position bildenden Wurzeln dieser Nachweis seluno-en. Wenn
die eigenthümliche Perfectform £r[ji,ap-at sich aus G£-a[xapTa'. und
nur daraus erklärte, was nicht über jeden Zweifel erhaben ist,
dann wäre das 12mal längende (xoTpa und das wohl zu demsel-
ben Stamm gehörende iJ.opöziq (Hl 83, c^298) erledigt. Aber wir
hätten wenig gewonnen ; 300 Fälle , die an den 19 andern
Wurzeln haften — es sind ij.t(0(.c und seine Composita so wie
[j.£Y£Oo;, {Xf^ciki'QoiJ.oci , ij.zi'C^ndv , ferner [xs^apov , [j.sXiV^ , [J-^th; , [jAgv.^,
[xzkoq^ [j,aAay,6c, [j(.ap7UT£iv, [iek<:qo-riq^ ijAXx^ [j.svsat'vw, [j^sOtsvai, [j;jpiy.Y;,
fjLÖOoc, \)A7.p6q^ \J'y■'C^i^ [j-suov (und [xivuSs'.v), p/^^r/jp, \x-q — blieben im-
berührt. Und nicht anders steht es bei den 20 mit a beginnen-
den W()rtern: AiTrapö?, Xraa, XiaatcBxi^ A'.-ai, Xiiaveueiv, Xr,"jpo?,
AiY'jq, Xairap-^, Xiapöc, Aoq/cc, /a'c, Ai'Ooc, A'/^yw, XwTOt;, Ar,TU), Xstiisiv,
A£7,~pov. Allerdinffs sind auch hier die gewagtesten Versuche
gemacht worden, dem X einen Consonanten anzuheften, aber
sie sind, da sie sich nur auf die prosodische Thatsache der
Längung stützen, ohne methodische Berechtigung, und so weiti
ich dies verfolgen kann, ohne Bestätigung von Seite der ver-
wandten Sprachen , mit Ausnahme der von Curtius (Gz. nr.
543) vermuthcten Grundform von Xtc, nemlich "hriq, welche dem
ahd. hwon und dem ksl. livü gerecht werden will.
Die Seltenheit, mit welcher vor o Längung eintritt, gegen-
über der Häufigkeit dieses Anlautes, lässt vorerst daran zwei-
feln, ob in d(!ssen Natur der Grund d(:v Position zu suchen
lloraorische Studien. 399
sei. Wir werden an einer späteren Stelle die! Fälle prüfen.
Anders steht es mit F. In 27 früher vcrzeiehneten Versen stehen
Formen des Pronomens 3. P. Fast alle verwandten Sprachen
haben Spuren des volleren Anlauts ar (verg-1. Curtius Gz. nr.
GOl, E. Windisch, Ueber den Ursprung des Relativpronomens
in Curtius' Stud. II 333, Christ, Gr. Lautlehre 258), der auf
griechischem Boden, indem das a seinen verhärtenden Einfluss
auf die labiale Spirans ausübte, zu dem in zahlreichen Formen
vorliegenden acf wurde, wie er andererseits nach einem geläu-
figen Lautprocess zu ' sich abschwächte. Es hat demnach alle
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der epische Sänger Oxj'a-
T£pa jr^v, zöjcV 7ro) u. s. w. gesprochen habe. Diesen Formen
'lässt sich anreihen das einmalige cpiAs £/,'jp£ 5 auch hier erkannte
Hoff mann (§. lOß), dass der Spiritus asper Vertreter eines
ursprünglichen -F sei, das sich als sv in der Mehrzahl der ver-
wandten Sprachen zeigt (vergl. Curtius Gz. nr. 20). Die
übrigen Fälle spotten einer solchen Erklärung, und der Laut
des F lässt sich auch nicht leicht in eine Reihe stellen mit den
Liquiden , deren ehemalige Beschaffenheit uns die an ihnen
haftenden Erscheinungen erklären wird. Allerdings ist F eine
mit tönender Stimme gesprochene Media und deshalb an sich
verläugerungsfähig. Aber die beiden anderen, 5 und vielleicht
j auch 7 (natürlich nicht die gewöhnliche Teuuis ist gemeint)
j zeigen sich nicht so geartet, und es wäre kühn diese Kraft
j gerade dem seiner Auflösung entgegengehenden Digamma an-
! zumuthen. Dies zwingt nach einer anderen Erklärung zu
j suchen, deren Sonderbarkeit eine vorurtheilsfreie Prüfung nicht
, behindern möge. Dass im Innern des Wortes r gern in u
j übergeht^ ist eine mit zuverlässigen und vielen Beispielen be-
I legbare Thatsache (vergl. die Zusammenstellung derselben
, in Curtius' Gz.- 494 ff.), und wenn Bekker neben sÜA-^pa,
I xaXajp'i; vor Vocalen aripuc:av , äria/oi , sFacöv schrieb , so wird
j dies Niemanden hindern, in dem einen wie in dem andei'u
I Falle ej und xj zu sprechen, wie es dem Metrum gemäss ist.
; Dieser Uebergang des F in u wurde wohl kaum als eine Ent-
: Stellung des Wortes gefühlt, v\ie denn auch ebenso leicht u zu
r wird, z. B. in dem Pindarischon (P. II 28, III 24) xuaxa
oder dem Alcaeischen (Fr. 4L B) h[yjJt (vergl. Ahrens Aeol.
D. 39) oder im lateinischen gelegentlich ein ahieti zu ahjett.
400 Hartel.
Nun finden sich mit Ausnahme von 2 Stellen ('Apxep-ioi und
avBpi ly.iXr,) , wo die Dative keiner weiteren Stütze bedürfen,
nur harte Vocale und zwar in der überwiegenden Mehrzahl
a voi' dem f. Ein i'asch zusammengesprochenes [j.syaF'.äyojv
mochte einem ari'ayoi nahe genug anklingen, um sein xf oder
a'j dem Vers als Lcänge einzureihen. Der homerische Vers zeigt
übrigens noch manche Eigenthümlichkeiten, die in der veränder-
lichen Natur der Spiranten ihren Sitz haben, lieber den Ein-
fluss der vocalisirten Spiranten auf die Quantitätsverhältnisse
der benachbarten Silben finden sich werthvolle Andeutungen in
Leo Meyer's V. Gr. I 308 und besonders bei Delbrück in
Curtius' Stud. II 195 ff. ; wir werden darauf noch zurück
kommen.
Ziehen wir aus den gemachten Betrachtvmgen das Facit,
so muss man zugestehen, dass für eine Anzahl der hier in
Frage kommenden Wurzeln ein doppelconsonantischer Anlaut
erwiesen worden ist und dass dieser geeignet war, voraus-
gehende Kürze zu längen. Dagegen hat es nichts zu bedeuten,
dass in vielen Fällen, oft in der Mehrzahl bei denselben Wur-
zeln die Längung unterbleibt, noch dass Stämme, die, wie aus
den verwandten Sprachen hervorgeht, einmal einen doppelten
Anlaut hatten, au nicht einer Stelle Position bilden. Es ist
hierin nicht ein willkürliches, regelloses Gebahren des seiner
Bequemlichkeit fröhnenden Dichters zu sehen oder anzunehmen,
dass liquider Anlaut nach Belieben dünner oder dicker ge-
sprochen wurde, sondern die Sprache war an alten Formationen
reicher und diese vermochten sich zäher in festen Formeln der
epischen Dichtung zu erhalten. Und feste Verbindungen sind
es ja, wie aus der ersten Tabelle hervorgeht, vor allen, in
denen sich die Reste volleren Anlautes zeigen. Daneben ver-
wendete der Dichter nach Bedarf jüngere Bildungen, die im
allgemeinen Gebrauche bereits durchgedrungen waren. Eine
spätere Zeit, in welcher diese zu ausschliesslicher Geltung ge-
langt sind, hat in ihren metrischen Producten den Schein
grösserer Regelmässigkeit, ihr Verhalten zum Sprachstoff ist
im Ganzen dasselbe wie das der alten epischen Zeit. Aber
wird die etymologische Erklärung der Längung vor einfachen
Consonanten nicht erschüttert durch die Thatsache, dass weit
mehr als die Hälfte der Fälle bei ihr unerledigt bleibt? Können
Homerische Studien. 4Ü1
diese durch die Macht Mschcr Anah)gic erzei^g-t wcn'den sein,
oder hissen sich sämniüiche Fülle vielleicht uiif eine Qualität,
die einst dem liquiden Anlaut auf griechischem Gebiet eigen
war, zurückführen V
Ein durch seine Umsicht und Sorgfalt ausgezeichneter
Forscher wie G. Curtius steht mit unserer Auffassung in voll-
kommener Uebereinstimmung ; er verwirft eben so entschieden
,die platte Ansicht, dass zu Gunsten des Metrums alles ge-
stattet sei', wie die gewagten etymologischen Annahmen, die
auch dort Verluste an Consouanten erblicken, wo die ver-
gleichende Sprachbetrachtung für die unversehrte Erhaltung
des Anlauts entschieden hat. Er glaubt einer befriedigenden
Erklärung näher zu kommen, , durch eine richtige Einsicht in
die eigenthümliche Beschaffenheit des gesammten homerischen
Dialects. Dieser Dialect erweist sich, je weiter die Forschung
vordrinfft, um so mehr als das Froduct eines conventioneilen
Sängerbrauches, welcher eine Menge uralter Formen und
manche im Erlöschen begriffene Laute bewahrte, aber daneben
sich auch viel jüngerer, damals offenbar im Leben schon üblich
gewordener Gebilde bediente und eben dadurch jenes Gepräge
deir Buntheit, des Formenreichthums, der schwankenden Regel
erhielt, welches bei einer wirklichen gesprochenen Sprache
kaum denkbar wäre, der Sängersprache aber bei dem Baue
der Verse die allergrössten Vortheile darbot. Zur Zeit, da sich
dieser Dialect der epischen Sängerschulen — wie wir wohl
sagen dürfen — constituirte, erschien schon vieles als Licenz,
was in Wirklichkeit Antiquität war. Nichts lag daher näher,
als dass das Gebiet epischer Licenzen auch über den Bereich
der Antiquitäten hinaus — also nach falscher Analogie —
erweitert ward. In dem Glauben, dass ({likoii.iJ.eio-qc, sein doppel-
tes [j. einer blossen wenn auch altherkömmlichen Doppelsetzung
verdankte, wagte man qj.jj.aOs, ja selbst iiJ.iJ.evy.'. (1'3()5), fügte
man zu iizl Vijprj (vergl. d. Sch)iur, snar Grundz. ^ 21)5), ein ÜTzb
veifco;. Immer blieben auch diese Neuerungen durch die Auto-
rität derer, die sie mit grosser Mässigung einführten, auf einen
gewissen Kreis von Wörtern beschränkt. Aber natürlich war
zu solcher Neuerung bei sehr viel gebrauchten, wie [J^iyac mit
seinen Ableitungen, am meisten Anlass u. s. w.' Erläuterungen
z. griech. Schulgr. 2. Aufl. S. 42.
402 Hartel.
)
Oft hat eine scheinbare, rein äusserliche Aehnlichkeit
unorganische j\rissljildLmg-en in der Sprache hervorgerufen.
Aber die x4u nähme einer Bildung uacli falscher Analogie hat
doch nur dort eine methodische Berechtigung, wo alle Versuche
einer rationellen Auffassung erschöpft sind (vergl. Ritschi,
Opusc. II 542) oder, wie Curtius selbst sich ausdrückt (Stud.
III o82), wo ,unsere Forschung aus allen übrigen Positionen
herausgetrieben ist^ Und überzeugend wirkt sie doch nur
da, wo eine entschiedene Mehrheit organischer Bildungen
einer Minderzahl anderer gegenüber tritt, und wo wir den
Process der Anziehung durch eine kräftig genug in die Ohren
fallende Aehnlichkeit ich möchte sagen nachfühlen können.
Es begreift sich wie ein 75mal vor Liquiden als Länge vor-
kommendes §£ (seine organische Berechtigung vorausgesetzt)
einmal 0478 ein ol to^ov (P4(33, ^''198 ist die Lesart unsicher)
erzeugen konnte, es begreift sich wie die mit p und allenfalls
auch die mit v beginnenden Wurzeln vor einigen anderen
gleichen Anlauts Längung auftreten Hessen. Was hat aber
p im Anlaut für eine Aehnlichkeit mit X und |j., welche noch
dazu in so überwiegender Mehrheit kurze Silben längen?
Warum hat sich diese Licenz nicht auf jeglichen explosiven
Anlaut übertragen? Man kann nicht wohl darauf erwiedern :
A und p. wurden wegen ihrer liquiden Natur nach dem Muster
von V und p behandelt, oder man muss zugeben, was allerdings
meine Meinung ist, dass die Dauerlaute in der Aussprache in
bestimmtester Weise von den Explosivlauten unterschieden
waren. Damit aber bricht die Nothwendigkeit der Annahme
falscher Analogie in sich zusammen.
Bevor wir jedoch diesen Gedanken weiter verfolgen,
dürfte es sich empfehlen, auf zwei Dichtungsarten einen Blick
zu werfen, welche mit den sprachlichen Mitteln der epischen
Poesie arbeiten, und die bis zu einem gewissen Grad als
selbständige Entwickelungeu am ehesten geeignet sind, uns
zu sagen, ob der Kreis metrischer Eigenthümlichkeiten ihrer
Muster — mochten diese nun als Antiquitäten oder Licenzen
empfunden werden — sich mit der Zeit erweiterte oder be-
schränkte. Ich meine die Hymnenpoesie und die Hesiodischcn
Gedichte. Den einzelnen Stellen sind in Klammern die Verse
der Ilias und Odyssee oder kurz die Zahl der Längungen bei
Homerische Sludieu. 40d
den betreffenden Wörtern in beiden Gedichten angefügt, -[x:
bn [j.eyipom Hymn. IV 231, V 252, lies. fr. CXLII 3 (M.), £vi
\j.f(ipM Hymn. V 164 (lOOmal mit l^osition), hx [jiyapa Ilymn.
V 115 (6mal); ociv/]v ts [xsYiX-rjv -s Tlieog. 320 (r221 und il vor
[).t^(- 12mal), jixsTq ok [i.cYäXY;v Th. 649, oia Se [jAyoi aoi.pY.6q Scut.
364.461, 2e j^.rj'av spy.sv Hymn. IV 26, Bs [^-sya Oau[j.a. Hymn. V 240
(o£ vor |X£Y- 24nial), £lo£i xe [^.cysOsi Scut. 5(B58, "a337, o374, ^249),
siSc? T£ tjiYcÖc; Hymn. IV <S5, i^^aXa [j^sväA-r; Hymn. I 198 (K172,
0659, P723 und ähnlich 6mal), xooi ixeva Hymn. I 156 (B274),
Y£V£-s \j.i^{y.c Th. 931 (y£V£to [AeY« 9 412 und ähnlich 3746, i330,
?247, \307, <1>256), iv-^^ Tjp\ [j.z^^iV -laizzxzc 'Äv] Th. 694 (vergl.
acysV \>.z.'{£/M 19, ■/.247 und andere Dative E146, V459, M224,
N193, 11115, P739), c!Xf.€( \).z-;£/m Sc. 455 (A572), i-b [j.i-'yloj
Sc. 437 (eine ähnliche Verbindung fehlt), CaTpesea \j.t^(yXr,'/
Hymn. 1302 (vergl. cususa [xv^yX-q^i *^243); a'-ppw vn ij.aXay.w Hymn.
V 5 (vergl. süvr^ vr. [i.yXy:/.ri 1618, K75, X504, •/196), Xsti.;,wv'.
(jLaXay.o) Hymn. 1118, /Xxtvxv is [jSKT/:r,v Hos. Op. 537 (vergl.
a56); Y.xzk (xsOov Sc. 158 (:i: 159, «1»310). Also von allen 20
Stämmen auf [x kehren nur 4 wieder und zumeist in festgefügten
Verbindungen. Neu ist nur die Längung vor ;x£po; in dem
dreimal begegnenden %kriY-pM ir.v.pr,~(C,t y.axa [xipoq Hymn. Merc.
53. 419. 501, in welchem Niemand die alterthümliche Formel
verkennen wird. [JÄpaq selbst, das ebenso wenig wie [/spiuiv bei
Homer vorkommt (vergl. Curtius im Philologus III 738), hat
mit den W. smar, von der [}.ip\[}:iy. [uipixT^piCb) stammen, nichts
zu thun, und darf, wie wir früher sahen, ein gleicher Anlaut
aus der Perfectbildung ii\).ypxy.\ nicht für \xipoc und seine Sippe
erschlossen werden. — p : ~z 'Vv.Tt ~t Th. 135, te 'Pctr^ t; Hymn.
I 93, [rrivr^p t£ T£i'^ Hymn. IV 43 (0 187 T£y.£TO 'Pda); o-.a p-.vsu lies.
Op. 515, r.tpl pivoTo Hes. Sc. 152 (9mal) ; 'i-t t£ pbv Plymn. I 139,
xal £Tic p(ov Hymn. 1382 ('191, 625, S154); £-1 p-r;Yl^-Tvt OaXä^cY;;
Hymn. 490. 505. 508 (o430 und lOmal) ; i£pä -£ pä'Ccu^i Hymn.
I 391 (£ 102 und in anderen Verbindungen 14mal); \\xtXXr,a
prj^vivopa Th. 1007 (11228, 1146, N324, 11575); o\ oh pr^sjovis;
Hymn. I 516 (E571); a-b pi'Qr^q Hymn. V 12 (A846); O-äb p-.::-?-;
Hymn, I 447 (M462, Z414, 0171, T|358, tl»12, 6192); 'Ikb t£
poS6Tur(-/jv Hymn. XXXI 6 (£l21); o'.x po)--(^'.a 7:uy.va Hymn. XIX
8 (U'122); iNiccov -£ 'Pöotov Th. 341 (M20). Wir sehen mithin
die Hälfte der homerischen Wurzeln an Stellen, die meist auf
404 H a r t e 1.
unverkeunbarer Nachahmung beruhen. Neu mit Position er-
scheinen nur zwei Wörter. Davon ist das eine ein Eigenname
Oäai'v TZ T-^c7cv T£ Th. 341 , und findet sich nur M20 'Pr;acc 6'
'Eizm-opöq T£ KäpYjaoc ts Tsotoc ts , ein Vers der dem Dichter
der Theogonie, wie v. 341 zeigt, recht geläufig war und ein tI
T^cov durch sein -£ Tcobc bestens erklärt. Das andere zocratv
•jTcb paoivoTaiv ae^sTo Th. 195 ist vollkommen gerechtfertigt; denn
noch Sapplio singt ttcöw oajj.£iaa TcaTos? ßpaoi'vav o-.' 'Aspooi'-cav fr.
90 (B) und SpTray.i ßpasivw se /,x>a(rt' sVy.aaoo) fr. 104, und viel-
leicht hiess es U'583; wie die Handschriften bieten, /,£p<j'w
iye paoiviQv, nicht mit der Vulgata 'iy^v. Doch ist dies wie alles,
wo das paragogische v mitspielt, höchst unsicher und unbrauch-
bar. — a: Ol A'.Yswc Hymn. III 425 (y. 201, Tr216); iüostto-s
M^ouai Th. 221 (1191, 687); -OTavcTo X-.Tuapv^v Th. 901 (12mal);
•JTO X'.Yupwv Sc. 278 (N590, ^^215). Mithin von 20 nur 4 Wörter,
aber dafür zwei neue: KXwOw ts Aa-/£C7'.v Th. 218. 905; Ay;Oy;v 7£
Ai[jiv T£ Th. 227. — v: a%o v£jp^c Sc. 409 (A476. 664, Ö300.
309, N585, 0313, 0773, •M13); [j.izx vz^.izo^'. Hymn. IV 67
(vergl. y.xTa v£^££(7(Jt P594, sonst längt viooc 19mal); 0£ vü[j.cpai
Hymn. IV 119 (-.154, v355); £Sp£ o' £vl vr;o) statt des hand-
schriftlichen £up£ o' £v vr,w. Hymn. V 319 ist eine Verbesserung
Ruhnken's, die nicht evident ist, weil auch £yp£v o'h möglich.
Neu ist mithin nur £ps(i)v itpy. y.xXy. y^y-Tx v:;xov '<Xiay:rp:!x\ Th. 417.
Der einfache Anlaut der Wm-zel steht durch die verwandten
Sprachen ausser Frage (vergl. Curtius Gz. nr. 431). Herkunft
aus alter religiöser Formel ist möglich. Vor den anderen 8
Stämmen, welche bei Homer Position bilden, findet sich nir-
gend Läugung. — B : [xsva t£ c£ivdv -z Hymn. I 401 (A 10,
t322); B£ oöivoTr. Sc. 236 (vergl. Vz 3£isavx£c -.236. 396); ca
\v.\).bq T£fpsßo; t£ Sc. 195 (A37). Neu ist nur dcTub oaxiocu Hymn.
V 283, welches durch die früher genannte Nebenform ua7:£00V
seine etymologische Begründung findet. — r: \}.z-{£Ky. -.ä/iJjav
Hymn. V81, h.£Y^ •^7/'^''' ^c. 451 (hingegen \j.z-(iV \x/y> 382,
vergl. ß428, 7[A£poaA£cv liyrpz Hymn. XXVIII 11 und 6 ^h
•ay;?) Sc. 441j; a-b zo 0-^y.£ ^£oovo£ Hymn. V 253; Oj-.'aTipa -J^v Th.
819; y-al zatipa 5v ^'Xp-^v Sc. 59. Die Stelleu, deren Nach-
ahmimg hier vorliegt, sind früher ausgeschrieben worden. Ver-
hältnissmässig noch häufiger findet sich die Verdoppelung der
Consonanten in der Composition der betreffenden Wurzeln, wie
Homerische Studien. 405
ßaGyppsi-rao Th. 265, ßaöjppioj Ilymn. 111 185; aväppsov Hymu.
V 34, -Ept?p6T(o Th. 290, euppstr^v Th. US, at/sippÜTw Th. 983,
c'.appY;or;v Hymn. III 313, y^p^ipp^rj.z Hymu. III 539, IV 117,
V 355, XXIX 8. 13, appr^y-TStsi Hes. Op. 9G, avsTcippsy-xcov Op.
748, -cavüpp'.i^oi Sc. 377, X'.Ocpptvoto Hymu. III 48 (Pierson's
CoDJectur für das hdsch. ota p'.voTo), azcppaiisiv Th. -393, a-oppi'i/cvT-.
Sc. 215, c;'.Ao[x[j.£'.orj? Th. 256. 989 und sonst, y.\j.\j.opoc, Hymn. V
481, ti)\i\it/dr,q Sc. 368, -KoK'jXkiGToiai Hymn. I 347, V 28,
v£iXA2JToc Hymn. III 241, 'AixstACYi'ac; Th. 229 (ist unsichere
Lesart), 'jr^ooo^hxq Sc. 98 (neben u-aiBct'Scasv Hymn. III 165),
aYxvv'.scv Hymn. III 325. 505. Diese Fälle haben zum ^^rössten
Theil ihre Vorbilder in Ilias und Odyssee, kommen aber über-
haupt nach dem früher Bemerkten für unsere Frag-e nicht in
Betracht.
Aus diesen Thatsachen lassen sicli zwei nicht unerheb-
liche Bemerkungen ableiten. Die eine trifft die Vertreter der
Ansicht, welche die vermeintlichen Freiheiten des homerischen
Verses g-lauben aus dem Gesichtspunkte des metrischen Be-
dürfnisses oder der metrischen Bequemlichkeit rechtfertigen zu
können. Bequendichkeit und Bedürfuiss trifft so gut zu bei
den älteren Epikern wie bei den jüng-ercn, ja bei der didakti-
schen Epik mit ihrer widerspenstigen Namenmenge und einem
Objeet, das die Behandlung- in hergebrachten und abgeschlif-
fenen Formen am wenigsten vortrug, in noch höherem Masse.
Und schöpften die Dichter ja nicht ihre Kunst aus einem gra-
dus ad Parnassum, dessen- strenge Regeln gleichmässige Cor-
rectheit bezweckten und erreichten, sondern sie leitete der In-
stinet, der was bequem ist nicht meidet. Aber gerade die
Hesiodischen Werke gestatten sich in 828 Versen nur 3inal
diese Bequemlichkeit, und dies in überkommenen Fügungen.
Die andere Bemerkung geht gegen Curtius. In den durch-
suchten Dichtungen fanden wir nm- jene Verlängerungen vor
Liquiden, die in vielfachem Gebrauch zu abgegriffcnei- IMüuze
geworden waren, die man weiter cursieren lässt, ohne ihr Ge-
präge zu prüfen, und diese in höchst dürftiger Vertretung.
Darunter nur (> neue Fälle, von denen zwei (a~b caTriooj, b-o
paB'.voTsi) sich begründen Hessen. Die anderen 4 können Wie-
derholungen aus alten verlorenen Formeln sein, und wenn sie
es nicht sind , so bleibt zu erwägen , dass drei von ihnen an
406 H a r t e 1.
Eigennamen haften, also Erweiterung einer Licenz, wenn auch
nicht aus zwingendem, so doch aus verlockendem Grunde vor-
liegt (Theog. 218 = 911. 227. 341). Von den Eigennamen
heisst es bei Bekk. Anecd. 1176: öl h-'S)ei).v^y. -ävrw; x,ojAbv
-O'.ojat TTOAAaxtc ibv jt-z/ov -/.x: oCx tojtg 5 r^o':r,-r,z /.a-sspöv^ae xb
yipvM^eq xou [lixpo'j cc3c Tr;v ävav'/.viv tv;; evvci'ac. Wir sehen mit-
hin nicht ein Gebiet epischer I^icenzen über den Bereich der
Antiquitäten sich erweitern, sondern das Gebiet der Antiqui-
täten sich verengen ; die Antiquität kann nur dort ihre Exi-
stenz behaupten, wo sie der Damm einer festen Formel gegen
Vernichtung schützt. Allerdings setzt Curtius die Vermeh-
rung dieser Licenzen in die Zeit, da sich der Dialect der
epischen Sängerschulen constituirte , das ist erlieblich früher
als die muthmassliche Zeit der Hesiodischen und Hymnen-
poesie. Aber hat es etwas Wahrscheinlicbes , gleichsam eine
doppelte Strömung in der Verstechnik anzunehmen, indem
anfangs der Kreis metrischer Licenzen in entschiedener Aus-
breitung begriffen wäre, und gegen Ende ebenso entschieden
zurückgedämmt würde? Derartiges erftiliren wir auf dem Ge-
biete der Kunstpoesie. In der älteren epischen Poesie ist
dafür kein Boden, hier gehen prosodiscbe Wandlungen mit
den Wandlungen des Sprachlebens Hand in Hand. Auf die
späteren griechischen Kunstepiker, bei denen zahlreiche Ver-
längerungen getroffen werden, denen es an vollkommen pas-
senden Mustern in den homerischen Gedichten mangelt , wird
man sich nicht berufen und etwa annehmen können, dass die
fehlenden Muster mit der nachhomerischen Epik untergingen;
denn diese Freiheiten haben ihren Grund vielmehr darin, dass
die Dichter sich aus den homerischen Fällen Regeln abstra-
hirten, die noth wendig zu Anwendungen über den Kreis der
vorliegenden Induction hinaus führen mussten, z. B. dass vor
Liquiden überliaupt geläugt werden könne. Es würde zu
weit führen und für diese Untersuchung ohne Nutzen sein,
dies durch Herzählung der von Hermann (Orph. 699 ff.) ge-
sammelten Beispiele, die sich leicht vermehren lassen, näher
zu begründen.
Warum aber Hessen die Hymnendichter und Hesiod Frei-
heiten fallen, die den Bau des Verses nur zu erleichtern im
Stande waren und die in so namhafter Zahl in den Homeri-
Homerische Stndifin. 407
sehen Gedichten vorliegend zu .ausgedehnter Anwendung auf-
forderten? Ich glaube, darauf giebt es nur eine befriedigende
Antwort. Die Sprache war zum Theil eine andere geworden,
und was ehedem ein treues Abbild der wirklichen Aussprache
wai", das stellte sich nun als etwas Fremdartiges dar, das man
ohne die Autorität vorliegender Muster zu wiederholen oder zu
erneuern sich scheute. Also was ich annehme ist eine so volle
Articulation der Liquiden X [x v p, dass diese dem Werthe von
Consonantengruppen nahezu gleichkamen und wie diese
Position bilden konnten. Und das muss einmal allgemeine
Eigenschaft der griechischen Liquida gewesen sein, wie sich
aus anderen Erscheinungen noch zeigen wird. Sie sanken aber
von dieser Lautstufe herab, indem sie demselben Process der
Verwittei'ung unterlagen, der als ein allgemein giltiges Ent-
wickelungsgesetz der Sprache, nach welchem die Veränderung
der Laute sich vollzieht, erkannt ist (vergl. Curtius, Gz. 2
?>C)5, Scherer, Zur Gesch. d. d. Spr., S. 86). Man wird dies
befremdlich finden, dass ein Consonant in der Aussprache
solle nahezu die Geltung zweier gehabt haben. Man wird viel-
leicht in diesem .nahezu' eine halbe Zurücknahme der sewas:-
ten Behauptung vermuthen. Mit Unrecht. Die Physiologie lehrt
uns, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen den Mutae
und Liquidae bestehe. Bei der Erzeugung der ersteren wird
irgendwo im Mundkanal ein Verschluss gebildet, bei dessen
Lösung die Luft mit stärkerem oder schwächerem Geräusche
hervorbricht. Der p]indruck dieser Explosion auf das Ohr ist
ein augenblicklicher, wesshalb man auch passend diese Ex-
plosivlaute momentane Laute genannt hat zum Unterschied
von den Liquidae oder Dauerlauten. Bei der Erzeugung dieser
wird an bestimmten Stellen des Articulationsgebietes eine Ver-
engung gebildet, durch welche die Luft bei tönender Stimme
sich hindurchpresst und wobei durch die Reibung ndcr Viljra-
tion des Organes die Laute sich bilden (r. g, X, p), oder indem
der Mundkanal für die Luft versperrt ist, nimmt sie den AVeg
durch die Nase und hier erzeugen sich eine Art Vocale , die
Semivocales oder Resonanten [x und v. Diese Laute dauern,
man kann ein Ansetzen, Klingen und Austönen der Stimme
unterscheiden und sie haben dadurch, sowie durch die Art
ihrer Erzeugung eine gewisse Verwandtschaft mit den Vocaleu
408 H a r t e 1
(vergl. Brücke, Grundzüge der Physiologie und Systematik
der Spraclilaute, S. 30). Nun aber setzt sich der prosodische
Werth einer Silbe aus dem Vocal- und Consonantengehalt
derselben zusammen ; denn jeder Consonant beansprucht zu
seiner Bildung einige Zeit und verlängert die Dauer des
Vocals, auf welchen er folgt, um eben diese Zeit. Da nun die
verschiedenen Arten der Consonanten und vor allen die Con-
sonantengruppen nicht eine gleiche Zeit, um gebildet zu werden,
erfordern, ist es von wesentlicher Bedeutung, ob auf einen
Vocal ein oder zwei Consonanten folgen und welche , und es
ist leicht denkbar, dass ein kurzer Vocal mit einem voller
articulirten Dauerlaut eine Silbendauer ergab, die über das
Normalmass der kurzen Silbe hinausging und die metrische
Verwendung als Länge unter besonderen Umständen, z. B.
wenn die Arsis nachhalf, gestattete.
Um dies glaubhaft zu finden , muss man eine Grund-
ausicht, welche die Theorie der quantitirenden Metrik auf-
stellt, nicht unrichtig deuten. Diese glaubt die Silbe aus dem
festen Bau des Verses loslösen und je in einem der mit ,lang'
und ,kurz^ überschriebenen uniformen Fächer unterbringen zu
dürfen. In das eine Fach e-ehören die Silben mit naturkurzem
Vocal und einem oder höchstens zwei Consonanten, von denen
der zweite ein liquider ist; in das andere jene mit naturlangem
Vocal oder mit naturkurzem Vocal, auf welchen zwei in der
Regel nichtliquide Consonanten folgen, und die \>.x/,^i GuXXaßi^
hat die doppelte Dauer der ßpa/sTa. Die Zeitverschiedenheiten
der natürlichen Silben sind hiedurch nicht erschöpft noch
fixirt, wie schon daraus hervorgeht, dass kurzer Vocal mit
gewissen Consonantengruppen bald in die eine, bald in die
andere Kategorie hinüberspielt. Die alten Rhythmiker ver-
niuthlich, welche den prosodischen Lautwerth der Silben, wie
er in der Sprache zur Erscheinung kam , ohne Rücksicht auf
das rhythmische Maass untersuchten, hörten mit feinem Sinne,
ob auf den von Natur kurzen oder langen Vocal ein Conso-
nant oder zwei oder mehrere folgten, und stuften so die Silben
nach ihrer 1-, l'/.^-» 2-, 2'/2- ^^"^1 3-zeitigen Dauer ab. .Wer
möchte in Abrede stellen , dass sich in dieser Doctrin der
alten Rhythmiker eine liebevolle und (nngeheude Betrachtung
der Sprache kundgibt?' bemerkt Westphal (A. G. M. 283),
HomeriscliP Studien. 409
und Avir können hinznfügen, eine (hircliaus richtis^c , boi der
wii- ntir über die Feinheit der, wie es scheint, durch Instru-
mente niclit unterstützten Wahrnehmung staunen müssen. Diese
Thatsachen haben erst jüngst durcli die sinnreichen Experi-
mente, welche Professor Brücke an deutschem SprachstofF
vornahm, eine nicht unwichtige Bestätigung erfahren. ,Jeder
Consonant verlangt seine Zeit, um gebildet zu werden, und
jeder Consonant, der einer Silbe ein- oder angefügt wird, ver-
längert ihre Dauer, Wenn man in die erste Silbe des Wortes
hachman ein Uvular-i? einschaltet, so dass das Wort hrachnan
lautet, so wird sie dadurch nach meinen Messungen etwa um
ein Zehntheil verlängert, und eine ähnliche Verlängerung be-
wirkt die Einschiebung eines Uvular-i? oder eines L hinter
den Vocal der ersten Silbe (harchmmi , halchman). Die Ver-
wandlung von hahnan in haxmon (baksman) bewirkt eine Ver-
längerung der ersten Silbe um ein Sechstheil und darüber.
Die Einschiebung eines Consonanten kann in Rücksiclit auf
den Zeitverbrauch der Umwandlung eines kurzen Vocals in
einen langen gleichwerthig sein. So haben nach meinen Mes-
sungen die ersten Silben in hercpncm und härman nahezu
gleiche Dauer' (Brücke, Die physiologischen Grundlagen der
neuhochdeutschen Verskunst, Wien 1S71 , S. 70). Diese vom
Consonantengehalt bedingten Zeitunterschiede sind natürlich in
allen Sprachen vorhanden , weil in allen Sprachen Zeit ver-
braucht wnrd, nicht blos um dieVocale, sondern auch um die
Consonanten zxt sprechen, aber sie sind nach der Natur der
einzelnen Sprachen graduell verschieden (Brücke a. a. O.
79) ; für das Griechische mit seiner rein quantitirenden Metrik
sind sie um ein Namhaftes bedeutender anzusetzen, als für das
Lateinische und vollends für eine der modernen Sprachen, von
einigen slavischen Sprachzweigen abgesehen (vergl. Corssen
IP 618).
Die von mir aufgestellte Hypothese läuft also auf die
Frage hinaus, ol) wir uns das Gehör der Griechen fein genug
organisirt denken dürfen , dass sie einen Unterschied fühlten
zwischen Silben mit kurzen Vocalen, auf die ein Explosivlaut
folgte, itnd solchen, die sich aus kurzem Vocal und Daucrlaut
zusammensetzten, einen Unterschied, der unter Umständen
S^rnss genug war, um die letzteren auch als rliythmische Lau-
410 Harte).
gen verwerthen zii dürfen. Indem Avir die Frage bejahen,
legen wir den Griechen eine sie vor Anderen auszeichnende
Eigenschaft bei. Aber ist es nicht eine Thatsache, dass die
romanischen und slavischen Nationen uns Deutschen mit dem-
selben Vorzuge eines emphndlicheren Organes gegenüberstehen?
Und ist es nicht gerade das Gehör, das sich bei Völkern auf
früheren Culturstufen der feinsten Entwickelung erfreut?
(vergl. Scherer a. a. O. K<S). Uebrigens sind wir hier in
der günstigen Lage, Argumente nicht blos aus solchen Allge-
meinheiten herholen zu müssen. Wir können noch das griechi-
sche und lateinische Gehör vergleichend prüfen an der ver-
schiedenen Behandlung der Consonantengruppen. Ich habe
natürlich einerseits Homer, andererseits die von fremden Ein-
flüssen verhältnissmässig noch wenig berührte Plautinische
Prosodie im Auge, die, je weiter die Forschung vordringt, um
so deutlicher als treuestes Abbild der volksmässigen Aus-
sprache erkannt wird; im Laufe der Zeit und in verschiede-
nen Dichtungsarten treten in griechischer und lateinischer
Sprache wesentliche Veränderungen ein.
Mit der Bewältigung zweier Consonanten ist ein merk-
licher Zeitaufwand verbunden; je schwieriger sich der Ueber-
gang von dem einen zum anderen gestaltet, desto mehr Zeit
wird verbraucht und diese kommt dem vorausgehenden Vocal
zugute. Nun ist das grösste Quantum an Zeit erforderlich, um
zwei Verschlusslaute nacheinander oder eine Muta hinter einer
Liquida zu sprechen. Dies scheint auf den ersten Blick auf-
fällig , da ja den Verschlusslauten , namentlich den tonlosen p
t k, bei ihrer momentanen Explosion fast gar keine Dauer
innewohnt. Aber nicht die Zeit, welche der Eindruck auf das
Ohr andauert, ist entscheidend für das Ausmass, sondern jene,
welche zur Bildung des Verschlusses beansprucht wird (Brücke
a. a. O. 71). Naturkurze Vocale, auf welche solche Gruppen
folgen , sind im Griechischen durchweg als iJingen gefühlt
und behandelt worden. Allerdings finden sich bei Homer einige
Ausnahmen; so s2o7, t391 Kürze vor cxszapvsv, E77 und Khnal
vor I-/.äi/avopo? (auch Hes. Th. 345), B()34 und r)mal in der
Odyssee vor ZayjJvOoc (auch Hymn. I 420, vergl. vemorosa Za-
cynthus Aen. III 270), Ii824, AK).",. 121 vor ZiXs-.a; bei 'lattata
Homerische Studien. 411
l'>4r)7 1111(1 (lern Gmaligen AI-^ü-kv.oc ist dreisilbige Lesung mög-
lich (vergl. Thierseh, Gr. §. 146, 8).
Ich will nicht zu viel Gewiclit leaen auf die vielfach
bezeugte Lesart KaiJ.avopo; (vergl. La Koclie Hom. Unters. 4,-J,
Anm.), in der nach dem früher über c:xtova[j,at und /.iova[j.ai,
x.£oavv'jp,t und c:z.eoavv'j[^,i Bemerkten recht wohl eine Nebenform
erhalten sein kann , und darnach ein xs-apvov voraussetzen
(vergl. die reiche Sammlung solcher Nebenformen bei Lobeck
Elem. T 125), noch erinnern, dass ZaxjvOo; möglicher Weise
auf oiay.avOoc zurückgeht (Curtius, Gz.' 544) und AaxuvOo;
Averden konnte, wie aus La-socv caxsoov, aus ZY;va (H,2()5) A-^va
(auf einer Kretischen Inschrift), oder, was schlagender ist, dass
uns neben YA^r/Xr, auf Münzen Aa^y-Xv) begegnet (vergl. Ahrens
Dor. d. 90); denn Eigennamen geniessen eine privilegirte
Stellung und schlimmer ist jedenfalls der 4malige Versausgang
in TTesiod. Sc. Q}. 1(3. ,35. H2.) 'MAsy-Tputovcc und o ok TcpwTOv
|;,£[xap-oisv Sc. 252. Ganz anders steht es im älteren Latein.
In wie grossem Umfange diese Positionsvernachlässigung hier
zur Erscheinung kommt, zeigen die Zusammenstellungen
Corssen's 11^ 624 — 666. Corssen allerdings sieht den Grund
hiefür in dem verkümmerten Gehalt einzelner Consonanten.
Aber wie hätte das herabgekommene Consonantensystem sich
so rasch erholen, das Schwache zum Starken werden können,
dass Ennius doch wohl ohne der Sprache Gewalt anzuthun
die Consonantengruppen nach griechischer Art behandeln
konnte? Sollen wir nicht vielmehr annehmen dürfen, dass der
grosse Reformator das römische Gehör in bessere Zuclit nahm
und in der strengen Schule griechischen Masses zu feiner
Empfindung erzog? Uebrigens zeugt auch die vedische Metrik
Positi(»nsvernachlässigung vor mehreren Consonanten, deren
lautliche Festigkeit nicht in Frage zu stehen scheint (vergl.
Kuhn in den Beitr. z. vergl. Spraclif. III 124, 455 S).
Nicht anders steht es bei der zweiten Cousonantengrupj)e,
in welcher auf die Muta. eine Liquida folgt. Bei Hervorbrin-
gung dieser Gruppe geht das Organ unmittelbar aus der Lösung
des Verschlusses in die Verengung liber. Zwischen das Ex-
plosivgeräusch und die Ai-ticulation des Dauerlautes Iritl eine
nicht messbare Unterbrechung, währcüid die Pause zwischen
Sitzli. ,1. pliil.-liist. Cl. LXVIH. !!(]. III. llft. 27
412 Hartel.
zwei Explosivgeräusclien selbst für gewöhnliche Ohren fühlbar
ist. Das ist der eine Gewinn; der andere resultirt daraus^ dass
das Anklingen , welches die Dauerlaute begleitet , auf ein
Minimum beschränkt wird, so dass der Dauerlaut allein (in
den Fällen wo nur er Position bildet) mehr Bedeutung haben
konnte als mit dem Explosivlaut zusammen. Das Sprachorgan
vermag daher die ihm zugemuthete Arbeit in weit kürzerer
Zeit mühelos zu bewältigen, so dass selbst auf das feine grie-
chische Ohr kurzer Vocal und Muta mit Liquida vielfach
keinen anderen Eindruck machte, als kurzer Vocal mit einem
einfachen Consonariten, d. h. dass solche Vocale als Kürzen
im Metrum verwendet wurden. Bei Homer nun linden wir in
der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, wie aus der fleissigen
Zusammenstellung des Materials in lia Roche's Hom. Unters.
1—41 hervorgeht, Position; aber wie schwach die auf diesem
Wege erzeugte Länge war, erhellt daraus, dass sie zumeist
der untei'stützenden Kraft der Arsis bedurfte, um sich zu
behaupten. Dieser Gesichtspunkt findet sich bei La Roche
nicht, verlohnte aber eine erneute, zifFernmässige Unter-
suchung. Während so das griechische Ohr den Lautgehalt
solcher Complexe noch als liänge, wenn auch nicht immer
und nicht als entschiedene Länge herauszufühlen vermag, ver-
hält sich das plautinische vollständig stumpf dagegen. Denn
es ist als unverbrüchliche Regel der scenischen Versmessung
von Ritschi erwiesen, dass Muta mit Liquida niemals Posi-
tion bildet (vergl. Ritschi, Opusc. II 470. 477 ff. 4<S7. 515.
585 ff., Fleckeisen, Krit. Mise. S. .3.5). Erst Ennius be-
ginnt mit der Einführung der griechischen Regel; doch findet
man bei ihm noch .ömal so oft Positionsvernachlässigung als
Positionslänge fCorssen II'- 617), so dass also unsere Betrach-
tung bestehen könnte , wenn man den Vergleich Homerischer
und Plautiuischer Prosodie mit dem Unterschiede der poeti-
schen Gattung anfechten wollte.
Ich meine nun, dass, wenn diese vergleichenden Bemer-
kungen richtig sind, in ihnen eine nicht ganz unerhebliche
Bestätigung der aufgestellten Vermuthung enthalten sei. Denn
wenn das griechische Ohr bei den Consonantengruppcn in so
eminenter Weise seine feinere Entwicklung bewährt, so wird
auch jener Unterschied nicht ohne; Eindruck an ihm vorüber-
Homerische Studien. 413
gegang-en sein, der thatsächlicli zwischen Explosiv- und Dauer-
laut hinsichtlich des Zeitverbrauches vorhanden ist. Eine wei-
tere Unterstützung wird darin liegen, dass eine der griechischen
analoge Verlängerungs- oder Verdoppelungsfahigkeit der Dauer-
laute auch anderwärts zum Vorschein kommt, wenn auch die-
selbe zumeist nicht dui'ch metrische Thatsachen constatirt
werden kann. Dies ist der Fall im Ijatein, nur hat hier die
Doppelung einen weiteren Bereich, indem zwar vor Allen von
ihr die Dauerlaute l n, aber in Folge der geschärften Aus-
sprache, welche den lateinischen Consonanten im Anlaute und
Inlaute des Wortes im Vergleich zu den ß-riechischen eiffen
war (Corssen I^ 22S), auch andere Consonanten betroffen
werden. So finden wir, ohne dass ein zuverlässiger etymologi-
scher Grund bisher erkannt w^orden wäre, die Doppelung in
miUe milUa — letzteres auf dem Monum. Ancyr. lOmal
(Mommsen, p. 152), Avährend sich die Grammatikerdoctrin
im Plural ein / zu schreiben fvergl, Brambach, Neugestal-
tung d. 1. Orth. 201) erst später^ aber hie und da mit merk-
würdiger Con Sequenz durchsetzte — medella, qnerella, cvlhvft
(y-okzic), SicüUus (Corssen I- 226), Sahinna, Munnins, Vinnins
neben Snhiiia , Munin s , Vinivs (a. a. O. 249), qnaUnor , qnot-
fklie, littera, futtüis (a. a. O. 175. 177), Jnppiter (a. a. O. 211
Anm.), mnccidvs , hnccina fa. a. O. 227, Bergk, Beitr. 7G
Anm. 1, und Corssen II^ 665) und sonst. Die Schreibweise
der Daucrlaute (II, nii,jj) bedeutet nicht etwa, dass sie hörbar
getrennt gesprochen wurden, so dass hinter dem ersten ein
Absetzen und neues Ansetzen der Stimme stattgefunden hätte.
, Vielmehr zeigen die Schreibweisen II, LL , NN nur an, dass
die Dauerlaute j, l, v an den betreffenden Stellen im Inlaute
der Wörter die doppelte Lautdauer haben, wne da, wo
sie durch einfaches J, L, N bezeichnet sind' (Corssen I'^
301, C. F. W. Müller, Plaut. Pros. 254, Anm. 2). Es ist
also auf die Consonanten angewandt die Methode des Attius,
«7, e, ü durch aa , ee, im auszudrücken, die sich seit den
Gracchen bis zum Anfange des dritten mithridatischen Krieges
auf Inschriften findet (Ritschi, Mon. epigr. tr. 22 ff.). Die
Consonantenvcrdoppelung in der Schrift kam erst nach Ennius
auf (Ritschi, a. a. 0.4 und PLME 123), vermuthlich wohl,
weil der Unterschied zwischen einfachen und doppelten Con-
27*
414 Harte!.
sonanten dem römischen Ohre nicht viel vernehmlicher war
als zwischen km'zem Vocal mit einem und kurzem Vocal mit
zwei Consonanten; und es ist erklärlich, wie der durch die
Schrift nicht fixirte Laut in einigen Fällen auch in der Aus-
sprache zu entschieden geringer Geltung herabsank. Von der
hiedurch gegebenen Mannigfaltigkeit der Quantitätsverhältnisse
machten nun die Dichter ebenso Gebrauch nach Bedürfniss
und Laune wie Homer. Wir finden neben dem gewöhnlichen
simiUumns ^ satellites , sagittn gelegentlich ein simUumae (Asin.
215) , sätelifes (Trin. 833) , sttgitd Cripido (Pers. 25) und ähn-
liches, wie Fleckeisen in den Krit. Mise. ^1—4:2 näher ge-
zeigt; relirjio, reliqrdae, relicuos ist die bei den scenischen
Dichtern übliche Messung, hernach bei Lucretius religio
relligio , reliqniae relliqidae, relicuo , aber reUatnm (II 1001)
neben relatus (V 686), sowie reicere neben reicere; letzteres
allerdings hat gegenüber den anderen Formen , die nicht mit
red componirt sind, seine etymologische Berechtigung (Corssen
12 227).
Noch viel ausgebreiteter tritt die Consonantenverdoppe-
lung in der neapolitanischen Mundart auf. F. Wentrup hebt
in seiner diesen Dialekt behandelnden Schrift (Wittenberger
Progr. 1855) als charakteristisches Mei'kmal desselben hervor
(S. 18): ,Am auifallendsten erscheint die häufige Verdoppelung
der Consonanten im In- und Anlaut nach Vocalen zur stärke-
ren Hervorhebung der Tonsilbe. Besonders häufig tritt
dieselbe bei den Liquiden ein.' Dort finden wir delle-
cata (delicuta), le llacrime, ammare, rammo — jennero (gener),
a Nnapoli, pe nmdlo, — jerremo (£pY][j.cc), amarraggio (und so
durchwegs verdoppeltes Infinitiv- jß im Futurum, vergl. Wen-
trup 21), — che ssano, lo ssiijo ; aber auch comeddia, Copiddo,
addorare und dappo (de post), duppio (vergl. die Schreibung
dufplex). lieber die Neigung der Liquiden und besonders des
n im Umbrischeu, sich zu verdoppeln , vergl. Savelsberg im
Rhein. Mus. 1871, S. 134 Anra. Dass auch im Arabischen
besonders im Anlaute eine merklich vollere Articulation dieser
Laute vorkommt, muss ich Kennern dieser Sprache zur näheren
Entwicklung überlassen.
Niemand wird in Abrede stellen , dass diese parallelen
Erscheinungen in anderen Sprachen unserer Ansicht über die
Homerische 8tudieii. 415
Natur der g-riechischcn Daucrlaute eine niächtif^c Stütze ge-
währen. Niclits, was nielit schon durch das bisher Gesagte khir
wäre, lässt sieh aus der vor- und naehalexandrinischen Ueber-
lieferung gewinnen, die hier wenigstens mit einem Worte be-
riilirt sein mag. Aristarch schrieb in den Fällen, wo ein
einfacher Consouant Position bildete, denselben nur einmal, im
Anlaute wie es scheint ausnahmslos, im Innern des Wortes in
den meisten Fällen, so 0 123 zepiocbacja, 1299 jxsTäX-fj^av-'., 178
o'.äpat'ss'. , aber cp'.Xcy.ij.cio-/}; , /pj^oppa-'.c , suppocc u. a. (vergl. La
Roche, Honi. Textkr. 391 ff.). Für Aristophanes ist uns
durch Didymus (zu ß94) die Schreibweise h'.\j.iJ.i^;ipo:z'. bezeugt,
die sich in dem Bankes'schen Papyrus -Imal (12 219. 427. 603.
664) und gelegentlich in anderen Handschriften findet, und
ebenso =0ivvr,-5? ß388 (Merkel, Prol. zu Apollon. Arg. p. CIV.).
Es ist nicht wahrscheinlich , dass in dem Aristophanischen
Texte diese Schreib weise nur auf die paar Stellen be-
schränkt war, aber auch durch nichts zu erweisen, dass die-
selbe consequent überall eingeführt wurde. Vielmehr dürfte
Aristophanes hier wie in anderen Dingen ein Bild der ihm
vorliegenden schwankenden Tradition geboten haben. Auf alter
Leberlieferung und nicht auf Conjectur beruhte die Setzung
von Doppelconsonanten 5 auf ^aXa-i äv-fvpxsx beruft sich für
TpfA/ajTo; (0 488) und avappwvac (y^ 143) Eustathius , und die
■/.zvrr, unserer Handschriften wird auch in diesem Punkte Reste
der voraristarehischen Recension erhalten haben (vergl. die
Stellen bei La Roche a. a. O. 389 und Hom. Unters. 47 ff.).
Nur kann daraus für eine ehemals übliche wirkliche Verdoppe-
lung der Liquiden nichts gefolgert werden, so wenig aus dem
auf nicht attischen Inschriften häufigen za vor - ('Ap{77-wv,
"Ap '.77705 avr,c) etwas anderes als die geschärfte Aussprache des
7 erschlossen werden darf (vergl. K. Keil, Spee. Onomat. gr.
104 ff.). Es gilt hier das früher über die Aussprache und
Schreibung der lateinischen Dauerlaute Bemerkte. Aristarch's
Verfahren hat abgesehen vcni der besseren Ueberlieferung,
die wir dem Manne zu Ehren überall gerne voraussetzen , für
den Anlaut, wie früher bemerkt wurde, auch die ratio für sich,
und bringt uns mit unseren Handschriften in geringe Collision ;
für den Inlaut componirter Wurzeln ist es zweifelhafter und
eine consequente Durchführung misslich, ja unmöglich, da die
416 Harte).
Plandschriften die Doppelung theils treu bewahren und diese
sich vielfach in der Thesis behauptet. Doch ist dies keine
Sache, die sich so nebenbei entscheiden lässt.
Ist es durch die bisherige Untersuchung wahrscheinlich
gemacht worden, dass die Positionslänge der Liquiden aus dem
volleren Gehalte dieser I^aute abzuleiten sei und konnte doch
nicht in Abrede gestellt werden , dass vor nicht wenigen der
betreffenden Wurzeln ein anderer Consonant abgefallen, der
ehedem mit seinem Nachbar auf durchaus rechtmässigem und
gewöhnlichem Wege vorausgehende Kürze längte, so scheinen
wir von einem beruhigenden Abschluss aller Fragen noch recht
weit entfernt zu sein; denn welche Fälle sich unter dem einen,
welche unter dem anderen Gesichtspunkte erledigen, ist damit
nicht im entferntesten entschieden. Wenn es auch nicht
weiter gelänge , die beiden Gesichtspunkte zu vereinigen.
Einiges wäre immer erreicht, z. B. dass nun einmal die Ety-
mologen aufhören müssten, aus blosser Positionslänge ohne
weiters auf den Verlust eines Consonanten zu schliesseu. Aber
vielleicht ist doch eine Vereinigung möglich, die selbst wieder
auf eine Reihe anderer Thatsachen der griechischen Sprach-
entwicklung ein Licht zu werfen geeignet sein möchte. Wir
fanden , als wir früher die Wurzeln musterten , die ursprüng-
lich mit Doppelconsonanten begannen, dass f vor p (Fpay, Fpa>t,
Fpc, rpöv, FpcTu, Fpio), c vor v (cva, cvap, cvio/, avuao woher vuoi;),
und a vor p (crpu) verloren ging. Das sind gerade einige jener
gleichartigen Consonantengruppen, welche, wie die vergleichen-
den Zusammenstellungen von Stämmen beweisen (bei Leo
Meyer VG. I 182—222, Curtius Gz.2_ 621 ff., Pott EF.
II 297), im Lateinischen und Griechischen die grössten Ver-
luste erfahren haben, v ist im Latein überall abgefallen, selbst
da, wo sich im Griechischen, wenn auch meist nur in dialekti-
schen Formen, ein ß erhielt {rosa ßpooov, ragio ßp'J/ao[j-a'., vergl.
Corsseu I- 311), so dass also die Combinationen vi, vr, vn
beiden Sprachen fehlen. Ebenso verlor das Latein die Gruppen
sl, sm, sn, sr, während sich im Griechischen j'x wenigstens in
einer Anzahl von Wurzeln erhielt. Wenden wir aber unseru
Blick über diese Sprachen hinaus, so begegnen wir allenthalben
diesen Combinationen, so dass man eine erst späte Auflösung
und Erleichterung anzunehmen genöthigt ist. Leo Meyer be-
Homerische Studien. 417
liauptct demuach für die Zeit des Griccliiscli-Iatciuisclien die
Existenz von sv, sin, sn, sv, or, vi (a. a. O. 199. 78). Conso-
nauteiioruppen im Anlaut haben die Neigiini^, sich durch Er-
leichterung und Abschwächung dem Organe gefügiger zu
machen ; das enthebt uns nicht der Frage, warum gerade diese
Gruppen und gerade an dem anlautenden Elemente eine Ein-
busse erlitten. Für die eine Hälfte , die mit F beginnenden
Wurzeln , konnte man den Grund in dem später auf griechi-
schem Boden so herabgekommenen labialen lS})irantcn erblicken,
und das möchte bestätigt werden durch die Behandlung der
Gruppe cF (sv), welche durch die Zwischenstufen cF, 7, ' (pfy.o^
ffa§, ao in avoävoj, r;o6c, vergl. suafdjvts ; aFcX'jpö?, GVA'jpoq^ r/.jpd?,
vergl. socer socrus ; cjF'jtcvo;, ctutcvoc, 'jzvoc, vergl. skt. svcvpnas^
somnns), sich entlastet, nicht wie Leo Meyer annimmt durch
(jr, 'F, F5 denn im Lateinischen schwindet in solchem Falle
zunächst v, nachdem es folgendes ursprüngliche a zu o umge-
lautet hat (Corssen I^ 313), und ein 'F, d. i. Iw wird durch
gothisches hvas hveila nicht für das Griechische erwiesen.
Unter dieser Annahme würde man auch die Kräftigung des
rückbleibenden Consonantcn recht wohl begreifen; wir hätten
es mit einer Art von , Ersatzdehnung' zu thun, die sich an der
elastischen Natur der Liquiden in derselben Art nur nach
anderer Richtung vollzöge, wie dies Delbrilck's feine Be-
merkungen bei den Vocalen nachgewiesen haben (Curtius'
Stud. I. 2, 13s ff.). Aber es bliebe immer noch die Frage:
wie kommt es, dass F und besonders lateinisches v sich so
lange und so fest vor Vocalen zu conserviren wusste, vor Con-
sonantcn so bald und so vollständig unterging? Weist das
nicht darauf hin, den Grund dafür nicht blos in der Natur des
Spiranten, sondern vor allem in der des Nachbarlautes zu ver-
muthen? Diese Annahme ist gar nicht zu umgehen bei den
anderen Gruppen sl, sm., sn, sr. Allerdings bemerkt Corssen
L- 277): ,Das anlautende scharfe s ist nun abei' im Lateini-
schen in Folge einer Erschlaffung der Articulation , eines
Hanges zur Bequemlichkeit bei der Aussprache des Anlautes
der Wörter, nicht selten geschwunden^ Dadurch wird aber
kaum das Charakteristische der ganzen Erscheinung erklärt,
dass nämlich cie Gruppen af, .sm, sr, sl, sn dem Lateinischen,
die Gruppen 7\ up, zX dem Griechischen vollständig abhanden
418 Hartel.
kamen, während die Abschleifung der Verbindungen 7/., 7-, at
zu X, TC, T auf einen kleinen Kreis von Wurzeln beschränkt
blieb (vergl. Corssen a. a. 0. und S. 810, Curtius Gz.-
623 ff., Leo Meyer VG. I 189 ff.). Das drängt mich zu dem
Schlüsse, den ich mit jener Sicherheit, die auf diesem Gebiete
der Forschung erreichbar ist, hinstellen zu dürfen meine, dass
die Dauerlaute in einer früheren , der Homerischen Zeit nicht
gar zu fern liegenden Periode mit vollerem Gehalt und stär-
kerer Articulation gesprochen wurden, wodurch sie zum Theil
noch später befähigt waren, einem kurzen Vocal so viel an
Dauer beizulegen , dass dieser dem Normalmass der langen
Silbe im Hexameter nahe kam, andererseits aber einen voraus-
gehenden Consonanten vollständig zu vernichten im Stande
waren. Der Vorgang dabei war derselbe, durch welchen im
Innern des Wortes der kräftigere Consonant dem minder kräf-
tigen sich angleicht. Es ist nicht eine individuelle spätere
Entwicklung, sondern eine hohe Alterthümlichkeit des aeoli-
schen Dialccts , wenn dieser mit solcher Regelmässigkeit die
Gruppen atj- und cv in [xix und vv , vi und pt in w und pp , /.F
und vr in aX und vv verwandelte (Ahrens, Aeol. dial. 49 — 65);
denn diese Bildungen müssen sich zu einer Zeit vollzogen
haben, als noch ein älteres Accentuationsprincip in Geltung
war, als man noch oOspioj , (j^ip'.o) , xtevico , xpiviw sprach , da gar
nicht abzusehen ist, wie aus ^Öspito, c-£puo, /.tsvioj, xp'.vüo je hätte
c-Öippo) , areppio , xtivvto , /.pivv(.) werden können. Es liegt hierin
vielmehr ein wichtiges Zeugniss für die behauptete Geltung
der Liquiden in einer früheren Periode.
Ich fasse kurz die Resultate der bisherigen Untersuchung
zusammen :
1. Die Längung kurzer Silben im Homerischen Verse
vor den mit a, [j., v, p, 0, r beginnenden Wörtern hat ihren
Grund lucht in der Bequemlichkeit der Dichter oder dem Be-
(lürfniss des Verses, noch in der Natur dieser Silben, sondern
in der Beschaffenheit des Anlautes.
2. Diese J5eschaffenheit lässt sich bei einigen Wurzeln
aus dem Verluste eines anderen Consonanten erklären , aber
es geht nicht an zu behaupten, dass von diesen Wurzeln aus
durch falsche Analogie die gleiche Behandlung auf eine Reihe
anderer , denen doppelconsonantischer Anlaut von Haus aus
llomorischo Studien. 419
fremd war, sich verbreitete ; denn soweit sich über die Wand-
lungou des Gebrauches etwas aus den Hymnen und Ilesiod er-
kennen lässt, finden wir die Positionslänge hinsichtlich der
Zahl der Wurzeln und Fälle in Abnahme begriffen und nur
in üblichen Formeln sich behaupten.
3. Diese Erscheinungen haben vielmehr- ihren Grund
sowohl in der Natur der Dauerlaute, die einst mit einem
besseren Lautgehalt ausgestattet waren , der auch die Aufsau-
gung oder Vernichtung eines voraus anlautenden Gonsonanten
sattsam erklärt, als auch in der Feinheit des griechischen
Ohres , welches kurzen Vocal mit Dauerlaut noch als Länge
zu empfinden vermochte, wie es auch sonst gegenüber dem
Lateinischen seine Schärfe bewährt.
4. Aber immerhin muss dieser Lautgehalt der Dauerlaute zur
Zeit der Entstehung der Homerischen Gedichte schon im Schwin-
den begriffen gewesen sein, denn er ist nur einer kleinen Zahl
von Stämmen und nicht jedem Stamme an allen Stellen eigen,
wie auch sonst derselbe Stamm in älterer und jüngerer
Formation begegnet; ferner bedarf er zumeist des Schutzes
fester Formel und ausnahmslos der unterstützenden Hilfe der
Arsis, um sich noch entfalten zu können.
Die gewonnenen Resultate wjlren um nichts weniger
sicher , wenn sich eine kleine Anzahl von Ausnahmen , d. i.
Verlängerungen vor nichtliquidem Anlaut, nicht auf anderem
Wege beseitigen Hessen •, denn was Hesse sich erhebliches da-
gegen einwenden, dass die Längung in 38 oder mit Einschhiss
der Wiederholungen 48 Fällen nach falscher Analogie bei
jenen Endungen, welche vor liquidem xVnlaut häufig sind, auch
wenn sie vor explosivem Anlaut zu stehen kamen, eintrat?
Wir sind aber nur bei einigen wenigen von ihnen auf diese
Ausflucht angewiesen. Die Mehrzahl findet ihre befriedigende
Erklärung in der Natur der Endungen, nach denen geordnet
wir die bezüglichen Beispiele durchmustern wollen. Voran
stehen die Dative auf t:
M 244 Oebfj.sv, zlq o /,£v a'j-b? svwv "Aioi /.a'jOwiJ.a'.
H 142 ~3v AuxöopYO? iKSove ocXo), cj -'. v.py~z'i y^
s 415 li-ri TCw? {j' S7.ßa{vcvTa ßaXrj /.iOay,'. -^otl Trs-p-/^
*t241 (oOil O' £V 7ä7.£V Zl-TtOV . , .
t 194
0) 309
P152
O108
B116
0119
Man
könnte
420 [lartel.
autou Tcap vr,i xs jj.svs'.v . . . = 5^444
aUTOtp 'Oo'JCT/jl TOOS . . .
'6c toi TCÖXX' :&£Ao; y-VcTC, TiTcXct zz xat auTW
7,äpTct Tc abivd T£ oiay.pioiv . . .
O'ko) T.O'J All [J.SAAcl ■J7t£p[JI,£V£l ^lAcv £lvai (= 1 23,
i69; vergl. N226)
o&poi o' 'A/j.aX-v. 9£p£ix£v . . . (= 147. 176. 19G).
noch das häufige Aii ^fAoi^ hiehorziehcn, wenn
man die Schreibung als Compositum nicht vorzieht. Wie die
Stellen zeigen, ist es ebenso gleiehgiltig , vor welchem Couso-
uanten als in welcher Caesur die Dativendung zu stehen
komme.
Verlässlichen Aufschluss über die Natur dieses i geben
folgende Stellen :
:: 206 v)X'j6ov cixoaxo) £T£i iq Traxpi'Sa ya^av = t 484, 'f 208,
'il02. 170, 0)322
0 224 o'jiy 'Hpay.X'^i out' Eupütw Oi/aXi^i
!;248 7ua? §' ä'p' 'OSuacrv- £0£cav . . .
T259 ^, pa, 7,ai £v 0£iv(7) säy.ii sXas' ößpip-ov zy/^oc.
Dieselben mit anderen nichts beweisenden verbunden linden
sich zuerst gesammelt bei Spitzner de versu Graecorum lierolco,
p. 44 ff., dann wieder abgedruckt bei Hoffmann §. 94. 95,
Düntzer 359 , Ameis zu 'C 248 , und zweimal in demselben
Buche in La Roche's Hom. Unters. 49, Anm. 26 und 111 ff.
Nichtssagend aber sind die Fälle mit dazwischen tretender
Interpunction, wie :
>^520 tb ipiTcv aüO' uBati, £TCt o' aXcpiTa X£'j/.a 7caX6v£iv
0 285 7.p'J^^<:> ^"> oi~yX^ öcppa Xct'j^avTc xioi'tyjv.
Wenn La Roche an beiden Stellen seines Buches o 144 (soll
beidemal heissen o 149) hinzufügt, hat er seine eigene Odyssee-
ausgabe einzusehen vergessen. Nichtssagend darum, weil wir
die Längung unzweifelhafter Kürze in der Ilauptcacsur vor
Interpunction noch in einem sicheren Beispiele erhalten haben :
l366 OÜTl? £[J,Ol y' 2V0[J.a. OuilV oi [;.£ Xf/.X7^C7/,0J!7l.
Nichtssagend sind Verse wie ApT£[j,ioi ixiXr; p37 und die
früher zusammengestellten wie t£X£i o) c 175 oder auch Aii wc '
U781, weil hier ehemals nicht Vocal an Yocal stiess, nicht
Homerische Studien. 421
'miudcr die auf Contraction beruhenden Dative irf,T'. '/29\), U'"315.
316. 31S; /.vTQOTi A640; ij.x'tii H'"500, welche in der Thesis lang
'erscheinen (v£[j-E(;cri Z 335 findet sich am Versschluss, Biti 111407
in der Arsis vor /.). Was aber folgt daraus, dass diese Dative
ihr '. nicht blos in der Hauptcaesur vor folgendem Vocal lang
behaupten? ,Litellujitur ßrmiorew esse dativi Utteram i' be-
merkt Hoffmann I 1G4, und Festigkeit bewährt sich in dem
Widej'stande gegen die Elision (vergl. Lehrs, Quaest. ep, 47
;j0f.) und der häufigen Zulassung des Hiatus (Hoffmann I 83,
La Roche a. a. O. 111 ff.). Aber wir dürfen diese Festig-
keit, wie wir es für unsere Fälle brauchen, näher charakteri-
jsiren als Länge. So lange man nicht ähnliche Stellen bei-
bringen kann, wo anerkannt kurzer Vocal vor folgendem Vocal
lang gebraucht wird — und das ist unmöglich — , folgt mit
[zwingender Noth wendigkeit aus den angeführten Versen die
'ursprüngliche Länge des dativischen i. Dieser Schluss würde
■gar nichts von seiner Sicherheit verlieren, wenn wahr wäre,
was Düntzer a. a. 0. 350 behauptet, dass ,die vergleichende
; Sprachwissenschaft gerade die Kürze nachweist' (vergl. Dünt-
zer iu der Zeitsch. f. vergl. Spr. XVII 46 ff., Schleicher,
Comp.2 567. 572, Gerland, Altgriech. Dativ 61). Aber die
Sache ist nicht ausgemacht, es ist durchaus nicht unzweifel-
haft, dass im Griechischen der Locativ mit seinem kurzen •.
so durchgängig als Dativ fuugire. Corssen bemerkt I- 733:
,Der italischen Dativendung -ei von consonantischon und
/-Stämmen, die sich im Lateinischen zu einläufigem -ei, zu -c
und später zu -i trübt, im Oskischen zu -ei, einmal auch zu -i,
das heisst ebenfalls zum Mittellaut zwischen -e und -i, im
Umbrischcn zu -e und -t (A. K. Umbr. Sprd. L, 122. 127)
entspricht im Sanskrit die Endung -e, zunächst entstanden aus
i-ai .... Wenn andere indogermanische Sprachen, namentlich
|die griechische, diese Dativform nicht kennen, so kann das
unmöglich ein zureichender Grund sein, jene italischen Dativ-
formen von den lautlich ihnen genau entsprechenden altiudi-
schcn und altbaktrischen loszureissen, den consonantischen und
den /-Stämmen der italischen Sprachen alle echten Dativformen
labzusprechen, für die /-Stämme derselben anstatt einer echten
'iDativfurm eine Locativform auf -aj-l, -ej-l anzusetzen, von der,
labgesehen von der iu Rede stehenden Dativendung ei, nirgends
422 Hartel.
eine sichere Spur erweislich ist, und weiter den italischen
Sprachen aufzubürden, sie hätten diese angebliche Locativforni
von den /-Stämmen auch auf die consonantischen und die U-
Stämme missbräuchlich übertragen'. Diese Bedenken Cor-
ssen's erhalten durch die nun auf griechischem Boden erkannte
Thatsache eine bedeutende Unterstützung. Wir werden also
in Uebereinstimmung mit anderen Forschern vielmehr annehmen,
dass Dativ und liOcativ in einer früheren Periode der griechi-
schen Sprache eben so genau unterschieden wurden, wie in
den italischen Sprachen , und dass erst mit der Verkürzung
des auslautenden i der Dative consonantischer Stämpie die
Confundirung beider sich durchsetzen konnte (vergl. (Jurtius
Gz.2 647. Anm.).
Gleichartig sind ferner eine Anzahl Neutra auf a:
^ .352 Ta TTspt xaAa pssOpa . . .
s 343 pwyaXea, ta xai (xoxoz, .... (vergl. v 435)
,a396 OTCxaXea iz /.ai w[xa . . .
x353 Ttopcp'jpsa -/.aO'jzspö'
ü 7 Tfi' b-KÖllX TOXlITTcUai . . .
T255 TiiXX' £T£a xt xal ou/,i ....
il09 aAAa xi y' acj-apxa /.ai av/^pota
E 745 £? o' oyj-ci. (fki'-fza xocl ßr/ceTo . . . = 6 389
'i^225 vijv §', sTrei f,o-q ar^iJ.xx'' ap'.C'paos« /.aTeXe^ac (vergl.
W240)
'. 147 o'uo' ojv xJiJ.aTa jj.axpa ■/.'jA'.voi[j.Eva zotI yjpaov (vergl.
X64).
Man sieht dass auch hier Arsis und Consonant ganz gleich-'
giltig sind; Tnterpunction hndet sich nur einmal hinter der!
Endung ^ 343 und in dem unsichern Verse 'C 269 T.ziaiJ.2X2 xaii
GTceipä, xat, wo jetzt Giziipxc hergestellt ist. Wir sind nun hier!
nicht in dem glücklichen Falle, die Endung als lang selbst voij
vocalischem Anlaut nachweisen zu können ; denn 0 556 oaivei
apnrpc-aä, zxt wirkt die Interpunction, und nur scheinbar isl
dies der Fall in dem besprochenen cfj-spoaXia ?ä//ov und ahn
liehen. Aber eine ebenso wichtige Unterstützung liegt in der
Versen, welche das y. in der Thesis lang zeigen. Es sind:
E358 TToXXa X'.crc7S[;.£voc .... (= «I>3()(S, \91)
ü 755 "oXXa pufjTz'Csay.sv . . .
v438 ::u-/.va porfaXe-^jv . . (=: p 198, c; 109),
Ilomprisclie Studien. 423
und vielleicht darf man '.242 i^OXol T£Tp^y.'jy.AO'. az' sij5co; (gegen
öo42 "Tpaxu/.)vOv a-K-z^v^v) hinzufügen. Ich sage vielleicht, nicht
weil Barnes' von einigen recipirte Conjectur T£(;Gapäx'jy.Xcv
irgend eine Wahrscheinlichkeit hat, sondern weil Eigenthüni-
lichkeiten im Innern des Wortes für s'ch betrachtet sein
wollen. Wenn durch mehrere hundert Fälle als ausnahmlose
Bedingung der Positionslänge vor Liquiden Stellung in der
Arsis erkannt worden ist, stellt sich in den paar Fällen , wo
diese Regel nicht beachtet ist, die Annahme nicht als wahr-
scheinlich, sondern als nothwendig heraus, dass hier die Be-
schaffenheit der Endung mitwirken müsse , dass also das neu-
trale -a nicht minder wie das dativische -i ursprünglich lang
gewesen. Dies bestätigt das Latein.
Für die Länge des a sind aus der handschriftlichen Ueber-
iieferung altrömischer Dichter, vorwiegend des Plautus, eine
lAnzahl von Beispielen von neutralen Nominalstämmen, die auf
0, i und auf einen Consonanten auslauten, zu Tage gefördert
worden, auf welche wohl nicht das ablehnende Wort Ritschl's
fOpusc. TT 444 ff.) zu beziehen sein möchte, so Men. OTö
Kerberä, cmnpedes^ Rud. 033 oppidä circüm vectahor und die
Reminiscenz in dem Vergil'schen Hexameter Aen. 464 R. (/ra-
riii sectoque u. a. (vergl. Bücheier, Grundr. d. 1. Declin. 19,
Wagner Rh. Mus. XXII. 120 ff., 425 ff., Corssen T!.^ 4ß()
ind in der Zs. f. v. Spr. XVI 297). Ohne Kenntniss dieser
Thatsache sind auf dem Wege vergleichender Sprachbetrachtung
>elilcicher (Comp.2 541 und 237) und Bopp (VG. I 458) zu
lorselben Ansicht von der ursprünglichen Länge des griechi-
•chen X gelangt (vergl. Curtius Erl.- 57). Nun vindiciert
'.war Schleicher a. a. O. 237 auch dem a des Acc. Sing.
lif Länge, aber es wäre zu kühn, eine Reminiscenz an diese
Dessere Tondauer in folgenden Fällen zu erkennen :
Z,320 r, "iy.c Ilepa^a -av-o)v . . .
E827 F/^" g'jY "Ap-^a Tdvs . . .
A 45 TÖq' öiiJ.o'.g'.v r/cov iiJ/yr,pzoi'x ts oy-pi-pr,'/
i 7-141 vajAo/ov i: X[[X£vx, y.at t-.c Osoc -/jyöiaovsusv
^der eine gleiche Annahme Schleicher's (Comp.'- 004) in dem
finmaligen
' y. 42 s"y.xO£ v.j'qxsOa y.sv^a; 7'jv /sTpa; iyovze
424 Hartel.
bestätigt zu finden (so Oscar Meyer Quaest. Hom. 122). Viel-
mehr ist zu beachten , dass an 4 Stellen die Kürze in die
Hauptcäsur fällt^ einmal die Längung- durch die Sinnespause
("/.141) kaum fühlbar wurde und an den ersten beiden Stellen
eine Bildung nach falscher Analogie vorliegen könnte ; denn
Ospc-^a •äavTo)v und ''Ap-^a -covs klingen deutlich an Fälle an wie
'Oojir^a [ji,£YaX"(^-copa £81. 149, 'l>]53, "Aiavxa [i.e-^a\r,-Lopo(. PG2G,
OlvCkfjix \).eyd%iJ.o^f und ähnliche (E 547, M379, no94. 818. 488).
Der eigentliche Grund aber scheint im Stamme selbst zu liegen,
wie später gezeigt werden wird. Auf dem einen Fall x42
gestützt ein -/.H'^eäq anzunehmen mit Leo Meyer (Zs. f. vergl.
Spr. VII 219 und VG. I 79) entbehrt jeglicher Berechtigung.
Hier wie A45 ist das die Längung wenn nicht bewirkende so
doch entschuldigende, wie sich später zeigen wird, die Wortform.
Verwandt sind ferner folgende Verlängerungen kurzer
Endsilben t
0 88 opao, Oexr xaXssi . . .
2385 TiTiTs GsTi xavu-eTcXc . . . (=: 424)
<j) 192 oXßis Aaspxao zdi, izo)^i)[j:fiyc/y^ ''OouGGäu
A 15.5 ©tXe xaciYvy]T£, Oava-ov ....
E .359 cpt'Xs •/.aci'Yv/jTs, Y.6[).iGai . . .
A 338 Si ulk nsTswo
T400 SavOe TS xat BaAt's, vr^BxXum . . .
'1^474 V/jTlUTtS, -üt VJ TO^OV ....
Y 230 T-^Xqj.a'/c, TioTcv ....
Es wird keinem Widerspruche begegnen, wenn wir den Grundi
der Längung in dem Vocativ erkennen , nicht in seiner ehe-
maligen Länge, obgleich diese für die ersten 3 Fälle, die L|
Stämmen angehören, später wahrscheinlich werden wird , son
dorn in der interjectionellen Natur desselben, welche ein Aus-
halten oder Absetzen der Stimme auch da gestattet, wo dies
dem Auge durch Jntei'punction nicht angezeigt wird. Wiij
finden demnach auch H,357 IIo7£icaöv S7iä[xuv£ und was mehr bc
deuten will W493 Alav 'Icop-svEu t£, da man ja so ohneweiter;
dem 'Too[X£V£u ein Digamma nicht beilegen kann.
Es bleiben somit nur einige vereinzelte Fälle, die ein*
genauere Besprechung eriordern. Zunächst
E887 r, y.£ Uii^ a[/£vr;vbc £« yoCkv.olo Tur/fiau
Homerische Studien. 425
i .
Dehnung- in einem zweisilbigen, überall leicht unt(;rzubrin<;cii(U;n
Worte wie aulfällig! Und wie launenhaft willkülirlich zugleich,
da ja durch Benützung der anderen guten Form sov (A7G2,
'I (343; eine dritte iV,v, die noch Ahrens, Ueber die Conjng.
auf [j.i S. 30 gegen Buttmann AG. I 530 Anm. ansetzt,
existirt nur als Variante zu A 762 w? sov i(~o-:' e-v;v y^) für den
Vers auf's beste gesorgt werden konnte. In der That, wenn die
Aufklärung dieses Falles nicht vollständig gelingt, liegt hier
eine Thatsache vor, welche das Vertrauen in unsere Deduc-
tionen ernstlich zu erschüttern geeignet ist und den Glauben
an ein schrankenloses Belieben des Dichters kräftigen muss.
Man könnte auch hier zunächst an den Anlaut erinnern. Vor
der Aspirata findet sich ein kurzer Vocal, wenigstens im Innern
des Wortes lang gemessen. So in dem trochaeischen c©iv M208
und ebenfalls mit langer ersten steht oa».? bei Hipponax 49 (B)
und bei Antimach. im Schob zu Arist. Plut. 718 (vergl. Ovid.
Met. VII 383 OpMas cffufpf naforvm vulnera Comhe). zisauGza)
K 478. 502, 2 500 ist minder sicher, weil i recht wohl die ur-
sprüngliche Quantität des Vocals sein kann Aber y;119 bildet
Zsfjpr/; einen Choriambus und -. ist lang in iKtO'jo'j7i S 17.5 (doch
vergl. (1^103). Anderwärts finden wir o'.Xösö'fov in Aristoph.
Eccles. 571, ßp5/c; bei Theogn. 1099, und für Hesiod wird von
Athenaeus 498 a zweimal die Form ^xuirsoc bezeugt. Röscher
hat bereits in seiner trefflichen Abhandlung de nsplratione vtd-
gari ajmd Graecofi in Curtius' Stud. I 2, 124 auf die doppel-
consonantische Natur der griechischen Aspiraten aufmerksam
jgemacht, ohne dieselben für die Erklärung der vorliegenden
Fälle verwerthen zu wollen, weil saepiun eivsmodi (?) yrodnc-
fiones efiam. ante rdias consonas apud Homerum reperkmtnr. Ich
wäre begierig ein Beispiel einer emsmodi productio des c zu
erfahren. Daran dass Avirklich die doppelconsonantische Natiu'
(des 9 die Verlängerung erkläre, lässt die Form t/Jj-kooz (vergl.
IZaTccoj = zz'^r^ Curtius Gz.^ 029, Hermann Elem. 354) und
jvor allem der Umstand nicht zweifeln, dass die gleiche Er-
scheinung in der vedischen Metrik ])egegnet, wo bisweilen
blosse Aspirata Position bilden (Kuhn in den Beitr. z. vergl.
ftprachf. III 472 ff.). Es verdient hier ])emerkt zu werden,
!flass die mit o gebildete Gruppe c-p mit Ausnahtne zweier Fälle
im Inlaut ('A^poot'-r, und o444 zizX'^^'j.z'^zt) überall vorausgehende
426 Ilartel.
Kürze vorlilng-ei't. Doch fände es wenig- Glauben, wollte man
eine Eigentliümlichkeit, die im Inlaut und doch nur bei 9 hin-
länglich feststeht, und im Inlaut auch nur und vielleicht nur
in dialektischer Aussprache sich zäher halten konnte, auf den
Anlaut eines so häufig gebia.uchten Wortes wie /a/aoc, über-
tragen. Dies weist uns darauf, in der Form i'a den Grund der
Verlängerung zu suchen.
Der vStamm es, über dessen Bildungen jüngst Leo Meyer
(Zs. f. V. Spr. IX 373—389, 423 ff.); Corssen (I^ 59(3),
Curtius (Stud. I 2, 290) ausführlich handelten, entwickelt im
Praeteritum eine mehrfache Formenreihe, indem die Endungen
an dem einfachen (£?) oder thematisch erweiterten (^^^t) Stamm
angefügt werden und Augmentirung eintritt oder nicht ein-
tritt. Das Lateinische bildet von dem erweiterten Stamm,
dessen a sich in eräs, erämns, erätis, erant seine Ijänge be-
wahrte, in eräm, erat gemäss der Neigung der Sprache, tief-
tonige auf m und t auslautende Silben zu kürzen, sie einbüsste.
So sind im Griechischen und Lateinischen die Formen er<l-s<
und sa-c d. i. zia-q oder Ir^-ai^j. d. i. £cry;-(jOa, erat urspr. erat
(Hör. S. II, 2, 47) und -^e-v d. i. -^crs-v, -^-r^v, £V,v d. i. vjrf^-v,
izr-v XX. s. w. vollkommen parallel. Es lag nahe in dem r^ der
griechischen Formen den Stellvertreter des ursprünglicheren
lateinischen ä zu erkennen. Ahrens (Gr. Formenl.^ 98) fasst
es als eine Verstärkung, welche die Sprache dem Singular im
Unterschiede von Plural gegeben hat, so dass sich -J^-^v zu 'iyr.i
wie hxr^-) zu hxaiz verhielte. Curtius erinnert an die Formen
hä\}.'. IzoL-.i (vergl. Stud. I 2, 245) und die auffälligen auf äsds,
dsdt zurückführenden Sanskritbildungen dsis (eräs), äsit (erat) ;
aber trotz dieser analogen Formation glaubt er nicht an die
Existenz des griechischen Ir^v y;-/;v, er sieht in diesen nur Miss-
bildungen der Abschreiber. ,Wir müssen uns hier wieder an
die bei der Ueberlieferung der homerischen Gedichte noch
nicht ffenuff beachtete Umschrift aus dem alten in das neue
Alphabet erinnern. Erwägen wir, dass im alten Alphabet EEN
sowohl späterem -^sv als iVjV, fjVjv und £cv entsprach, so beruht
die Länge der zweiten Silbe offenbar nur da auf etwas au-
derem als der Autorität der Umschreiber, wo der Vers diese
Länge bezeugt, und das Misstrauen gegen £-/;v, y;y;v ist um so
gerechtfertigter, weil die früh einreissende Unsitte alle homeri-
Homerische Studien. 427
1
sehen Formen durch die attische Brille zu betrachten, das dem
attischen ^v näher liegende i'Y;v, •/;-/;v weit mehr begünstig-en
musste, als i'sv, das, obgleich es zu 'ia imd i'ov die regelrechte
dritte Person wäre, doch nirgend vorkommt' (a. a. O. 292). Es
ist interessant, hier zwei Forscher, die nicht oft dieselben
Wege wandeln , lland in Hand durch dieselben Erwägungen
zu einem Ziele gelangen zu sehen; denn Leo Meyer hatte
bereits 8 Jahre vor Curtius auf Grund einer sorgfältigen Stellen-
sammlung (Curtius benützte den für feinere Untersuchungen
der Art doch nicht ganz ausreichenden Seber), die Formen er^v
■r/r;v u. s. w. für aus der Umschrift des Alphabets entstandene
Irrthümer erklärt, die sämmtlich aus dem Text entfernt werden
müssten. Betrachten Avir das zusammengestellte Material, um
zu sehen, ob, wenn auch nicht ül)erall, so doch nahezu überall
sich Eiv für r^v und r,-/;v einsetzen lasse. Anstandslos geht das
Go (nicht 59) mal, wo r^v vor Consonanten begegnet und auch
an 5 (nicht 4) Stellen vor F, wie OIK") xpi—oz Ir^-i sicoc ts oi\}.y.c.
TS, 0499, r,201, X469 = wlT. ,Seehsmal steht das Wort vor
der Hauptcäsur des dritten Fusses , wo i'sv auch vor Vocalen
nichts aufMendes hatte (K35], X410, y180, o3G],t53, a)104'
(Curtius 293). Davon muss gleich eine Stelle ausgeschieden
werden, wo k'r,v nicht in die Hauptcäsur fällt oBGl Hspx \}.vi cOv
0-}) 7.£tv/; £-^v a/jcjca; hinzuzufügen ist yJ2v) ouos ~•^^ y.zr}.z Ir^'t ouo'
a)a';j.ov und für "53 ist 7,530 zu schreiben. Dass an den drei übrig
bleibenden Stellen (B687 oü vap |-r;v C7~'.c, Ü630 0770; r^v o'.ogTs,
5 248 -y.tz zr,v i^t) die Dehnung befremden würde, gibt Curtius
selbst zu: ob sie in der Hauptcäsur schlechterdings statthaft
sei, werden wir im weiteren Verlauf dieser Untersuchung zu
prüfen haben. Aber, fährt Curtius fort, ,der Schiffskatalog
und das letzte Buch der Blas enthalten viel singuläres und die
dritte Stelle ist nicht ohne die gewichtigsten anderen Gründe
von J. Bekker als Einschiebsel unter den Text gesetzt.' Soll
I das ,singulär' so viel bedeuten, dass man diesen Abschnitten
1 auch wohl die Dehnung eines e'sv an unerlaubter Stelle zutrauen
[dürfe oder dass die Dichter das nach vorf>;enommener Resti-
t . . .
i tution so geläufige ssv durch eine verbildete Form 'ir,v ersetzten ?
iFast scheint das letztere gemeint zu sein, da an 3 Stellen die
Form vr,v (t283 •/;-r;v aXV apa, (L31G w' aXXx [j.'.v, 0)343 W-Mx)
unmöglich durch -^sv verdrängt werden kann. Beides ist gleicli
Sitzl). (1. pliil.-liist. Cl. LXVIII. Bd. III. lUt. 28
428 Hnrtel.
misslich. Was 3 248 betrifft, besagen die Gründe, aus welchen
Friedländer (Phil. IV 580) nicht diesen Vers, sondern
eupuccYutav 246 — ^oXtv 249 als eine andere Recension ans dem
Texte ausschied, gegen das Alter der Stelle — und darauf
käme es doch wohl an — nichts. Leo Meyer nimmt für
seine kühnen Restitutionsversuche noch weniger Anstoss an
den widerspenstigen Stellen. ,Theils können hier Fehler vor-
liegen, theils aber ist ja auch zu erwägen, dass die homerische
Dichtung mehrfach auch an und für sich kurze Silben in die
Hebung des Verses stellt, und sie so gleichsam zu langen
macht^ a. a. O. 388. Aber in der Thesis enthält sie sich doch
wohl solcher Freiheit. Wie steht es also mit der Form r^r^v
vor Vocalen (w aXX'T283, d;316 und «343)? ,Da der Schluss-
gesang der Odyssee nicht schwer in's Gewicht fallen kann,
würden eigentlich nur 2 Stellen übrig bleiben, die nicht wohl
ausreichen, um der ganzen obigen Auseinandersetzung gegen-
über diese undenkbare Form zu schützen, um nicht vielmehr
den Glauben aufkommen zu lassen, dass in den wenigen an-
scheinend störenden Versen alte Irrthümer stecken^ a. a. O.
424. Wir anderen etwas zäher an der Scholle der Ueber-
lieferung klebenden Philologen werden so kühnem Fluge kaum
zu folgen wagen und aus den bezüglichen Versen etwas an-
deres herauslesen. Die Stellen, wo s'-rjv und v^-/)v vor Consonanten zu
stehen kommen, können Aveder für noch gegen entscheiden
und müssen aus dem Spiele bleiben; nur die 13 anderen kom-
men in Betracht. Von diesen gestatten 6 nach der jetzt übli-
chen , später als unhaltbar zu erweisenden Meinung die Um-
wandlung, 7 also die Mehrzahl verbieten sie, nicht eine macht
sie nothwendig. Dass je eine in den Büchern B il m 7a\ linden ist,
bleibt gleichgiltig ; ja es würde nichts daraus folgen, wenn nur
in diesen , späten^ Büchern allein die Formen erhalten wären.
Solchen Thatsachen gegenüber muss sich die vergleichende
Sprachforschung bescheiden und ihrer Grenzen bewusst bleiben;
sie muss sie anerkennen, wenn sie dieselben auch nicht zu er-
klären vermöchte. Sobald sie anfängt überlieferte Spracher-
scheinungen zu negiren und selbsterfundeue Gebilde an ihre
Stelle zu setzen, hört ihre Glaubwürdigkeit auf.
Mit einem Worte sei dabei noch der Meinung gedacht,
dass bei der Umschrift der homerischen Gedichte in das joni-
Homorischo Stmlion. 429
sehe Alphabet sich Irrthümcr in solchem Umfange festsetzten ;
eine Annahme, die, so oft und so gerne man nach ihr greift,
durch die bisher gewonnenen sicheren Resultate der rationellen
Grammatik auf einen immer kleineren Kreis beschränkt worden
ist und nur als letzte Zufluchtsstätte dienen sollte. So erklärt
Curtius auch in den Gz.- 507 die homerischen, durch si aus-
gedrückten Längungen in Osiew luAeistv als bei der Umschrift aus
0EEN nAEEN entstanden, in welchen man doch wohl mit dem-
selben Rechte eine erweiterte Präsensbildung zXer-'.-w OsF-'-w
erkennen kann, mit welchem eine solche in y.Aai'o) (urspr. xXaF-
i-(i)), -/.ato) (y.aF-t-w 5 vergl. Gerth in Curtius' Stud. I 2, 20(5)
oder in tzXsIm (islsd-i-o)), ay.cio[j.a'. (ay.s^-'.-op-ai; vergl. Leskien
in Curtius' Stud. II 94 ff.) und anderen erkannt worden ist.
Die beste Widerlegung der ganzen Annahme liegt darin, dass
sie an Worten wie tivoi-/^ neben t^vc-*^ scheitern muss ; denn für
IINOH hätte der rein äusserlich das todte Wort tractirende
Umschreiber irvw/^ oder tuvoü-<^ schreiben müssen , da im älteren
Alphabet 0 wohl oj und w, nicht aber ot vertrat. Viel vor-
sichtiger beschränkt J. Bekker die bei der Umschrift in's neue
Alphabet naheliegenden IiTungen auf den Wechsel der I^aute
£1 und r,. ,0b die Verlängerung (des s) durch ei oder -^ aus-
zudrücken sei, hätte sich noch ermitteln lassen, als die uran-
ßingliche Schrift in das jonische Alphabet umgesetzt wurde:
aber damals dachte wohl Niemand daran, dass es Nutzen und
Werth haben könne, die Töne in ihrer Ursprünglichkeit so zu
bewahren, sondern allein -um Verständlichkeit bemüht, folgte
jeder seiner Gewohnheit oder, wo sie ausging, seinem Be-
dünken' (Homer. Bl. 136; vergl. Stier in Curtius' Stud. II
130). Ist dies richtig und hat sich mehr mit Hilfe des doch
wohl auch an eine feste Tradition des Vortrages gewöhnten
Ohres als unter grammatischer Speculation die Umschreibung
in's neue Alphabet vollzogen, so liegt in der völlig überein-
stimmenden Ueberlieferung unserer Formen tr^v r;r^v ein unum-
stössliches Zeugniss, dass man in ihnen deutlich den -/j-Laut
vernahm, wie es der nicht blos quantitative, sondern qualitative
Unterschied vom e-Laut nicht anders erwarten lässt. Eine er-
schöpfende Behandlung der hier berührten Frage, welche den
Eiufluss des Alphabetwechsels an allen Spuren vor- und nach-
430 Hartel.
alexandrinischer Ueberlieferung verfolgte und delinirte, wäre
eine höchst dankenswerthe Arbeit.
Aber was hat Curtius vermocht -Jj-^jv l-rjv als organische
Bildungen zu leugnen und sich dadurch so weiter Perspectiven,
wie sie sich von diesen Formen aus auf die Erscheinungen
verwandter Sprachen eröffnen, zu berauben? — Das v. ,Nach
langen Vocalen pflegt sich doch accessorisches v nicht einzu-
stellen/ Nicht anders Leo Meyer a. a. O. 386: ,Es giebt
kein einziges sicheres Beispiel, wo das nachklingende v, mag
es nun rein lautlich hinter ursprünglich auslautende Vocale ge-
treten sein oder an die Stelle eines früheren Consonanten (wie
es doch z. B. deutlich in s^spsv im Verhältniss zum altind.
dhharat der Fall war), sich an einen langen Vocal anschliesse;
und doch würde in einer dritten Singularperson des Imperfects,
wie es l'/^v ist, das v nicht wohl anders stehen können, als
nachklingend statt des alten f.^ Kann das von solcher Bedeu-
tung sein? Ist nicht neben der Macht der Analogie der Diffe-
renzirungstrieb ein die gesammte Sprachentwicklung tief durch-
dringendes und bestimmendes Moment? Weshalb im Aeolischen
cpiXY;[Ai aber nicht (piX-r^ in 1. P., in 3. P. aber o\k'(\ für fiXYjffi
begegnet, beantwortet Curtius (Stud. III 395) treffend dahin,
dass man dann zwischen oi'X-r) ich liebe und (piX-r^ ei- liebt hätte
gar nicht unterscheiden können. Welches sind nun aber die
auf langen Vocal auslautenden Verbalformen, wo v sich hätte
einstellen können, ohne dass sofort die erste und dritte Person
(sTiO-^v-iTiö*/;, £cr^v-sGT-^) zusammenfielen? Und nimmt der St. sa
mit seinem alterthümlichen und durch bunte Manuio:falti2:keit
ausgezeichneten Formenbestand nicht eine ganz exceptionelle
Stellung ein? Hat man mit dieser einen Singularität auch alle
anderen hinweggeräumt? Ist es von keiner Bedeutung, dass das
V in -^v, -^cv, -fjYjv, s'r,v sich von dem v in kurzauslautender Form
ganz bestimmt dadurch imterscheidet, dass es unabtrennbar mit
der Länge verwachsen ist, wie das v in £[jt.fv, leiv gegenüber von
a[ji.jji,'.(v), '^\>.\i.'.{'t) '!* Könnte man nicht gerade in dieser zähen Er-
haltung in diesen Formen eine Bestätigung von Ahrens' An-
sicht (Formcnl.- 100) erblicken, ,dass das Nicp im Sing. 3. Praet.
nicht willkührlich zugesetzt, sondern vielmehr die eigentliche
Flexionsendung ist statt der ursprünglichen Endung -t, vergl.
amaha-t, ern-t', und demnach die mit v versehenen Formen als
Homerische Stinlion. 431
die älteren zu betrachten sind, wie Deventer De liffera v
Graecorum parafiogica (^Monast. 1863j in tlieilweiser Ueberein-
stimmung mit Fr. Müller näher ausführte? Wie dein auch
sei, die Formen £-/;v, T^r^-) sind so wohl bezeugt und sicher, wie
nur irgend welche im ganzen Homer,* und das r^ entspricht
augenscheinlich dem langen a der lateinischen Bildung.
Was aber folgt aus dem allen für die in Rede stehende
Form s'a ? Ausser in dem bereits mitgetheilten Vers E887 finden
wir dieselbe noch 3mal :
A321 V. -oxi Y-oiipzc. ly.^ vOv auT£ . . .
^222 "sTo; ly. h) r^o'kiiJM
H 352 vr,/C[j,evsc, \jSky. o'wxa Oüp'rjG' sa y.\}.':,\z exti-my.
Man sieht, a kann an allen Stellen lang sein, und Herodian
(II 53, 37 ed. l^entz) wäre vielleicht nicht darauf verfallen,
das y. als Kürze zu messen und mit a[j/yf,pez>ioc -£ (A45) zu ent-
schuldigen, wenn sich nicht auch die Nebenform r^y erhalten
hätte. Nach Kühner (AG.2 669) und Westphal (Meth. Gr.
I 2, 100), der Kühner gläubig folgt, stünde es freilich schlimm
um dies f,a, indem es sich nur in dem von Aristarch athc-
tirten Verse E808 finden soll. Herodian z. d. Öt. und sonst
wiederholt verweist auf ein zweites Beispiel ?212 (Herod. H
53, 37 ; 156, 27 ; 835, 39 ed. Lentz). Ausserdem findet sich
r,y A620, ^549, in fester Stelle am Versschluss ß 313, ^229,^ 19,
|u3]0, 9 95, im Anfang •::472 r,y x'.wv und y. 156, [-1.368 in der
Mitte aAA' sxc o"/^ ayeoyj r^y -/.'.wv 5 h \'y.p toutoic, sagt das Schob zu
1E533, TXJTcv V. XsYS'- ^M r,ij:r^t. Krüger Di. 38, 2, 8 bemerkt
kurz: ,-^a in der Od. zwölf Mal^. Niemand wird sich auf ^ 222
für die Kürze des a berufen ; denn diesen Vers mit Synizese
'und Verkürzung des £a zu lesen, empfiehlt sich nicht durch
die gleiche Behandlung des im A45, F 152, Hes. Op. 583 oder
des sai (vergl. Lobeck Elem. I 272) ß202, 5 811, t314, Hes.
Op. 640 , schon wegen der verschiedenen Woi'tform nicht. Wer
wollte aber lieber s' h und nicht vielmehr nach t(T> \xm^ xrj '[;,?)
JA 608, 1654 auch sa 'v schreiben, d. h. bei dem Zusammen-
jlosen das £ in dem langen a-Laut aufgehen lassen. Leo ]\feyer
k a. 0. 383 möchte £v streichen. Das ist unmöglich, weil sich
fewar einigemal [J-y'/Sd, O'ixivr, gegenüber dem häufigeren £v [/a/v;,
iv ücixivYj, niemals aber tcoAej/o) für h ~c,\i[j.u) findet (P376, £224,
5 285 sind anders). Nur indem wir dem 'ix die von Haus
432 Ha viel.
aus zukommende Länge anerkennen , verhält sich diese Form
zu -^a, wie sV/V zu '^ev, wie cuav (w3Il i^OXit scav opvMq iövxt,
worüber später mehreres) zu '^aav und wie die Gleichungen in
Bekker's Hom. Bl. 95 weiter heissen. In ist hat also das
Griechische die ursprüfigliche Qualität und Quantität des Vo-
cals gewahrt, welch letztere das Lateinische und das Sanskrit
(ermn, äsam) einbüssten. In der 2. und 3. Person erhielt sich
um vieles fester der aus ä hervorgegangene -/j-Laut, während
das Latein mit seinem ä (erq,s, erat) ursprünglicher dasteht,
das Sanskrit nur einen Rest der volleren Bildung in der Länge
des '. (asis, asU) behauptet.
Es bleiben uns von sämmtlichen Fällen, wo vor nicht-
liquidem Anlaut kurze Silbe lang erscheint, nur zwei übrig, wo
es nicht gelingt, die Dehnung aus der Natur der Silbe zu er-
klären, nämlich 0 478 &c, ©aO'- 6 ok to^ov und o 249 Mavxicq au
Tsy.sTO QoX'Jcpsiosa. Was die Länge des M betrifft, so ist bereits
früher erinnert worden, dass oi 75mal vor Dauerlauten gelängt
erscheint, und kann demnach eine einmalige Ausnahme nicht
befremden. Dieselbe ist auch nicht durch Dindorfs Vermuthung
(o' au) zu beseitigen. Im andern Falle trifft das an dieser Vers-
stelle feste T£7.£T0 in die Penthemimeres und hat an dem 20nial
rechtmässig gelängten o des Mediums einen Anhalt.
Erst jetzt, nachdem sich so vollkommen herausgestellt, •
dass, wo vor explosivem Anlaut eine Silbe als lang gemessen j
erscheint, eine Reminiscenz an den bessern Lautgehalt dieser
Silbe zu erkennen ist, wird man begreifen und zugeben, dass
wie den Dauerlauten, so auch dem a eine Position bildende
Kraft innewohne; denn kaum zwei Fälle Hessen eine andere
Erklärung zu. Wir finden aber 9mal Längung vor c : '(^ 151
'ApT£[JMoi ff£, >t238 xa-a aucpeoicjiv, 2)219 i^-s au<;, a219 'iv. adp%ot,<;,
i293 T£ azpxac, u 77 SeiBioxa' aapxac, V434 oloa, S'oti gIi [;,£v, und nach
Aristarch's Lesung P463 ots cEuaito, H'"198 üA-/j xc aaüai-o. Unter
diesen bedarf 'Apisp^iST keiner Stütze; xaii und ts, welche sonst
oft vor liiquiden als Längen stehen, können nach falscher Ana-
logie gelängt sein. Derartiges gilt niclit von den übrigen Fällen,
auch ist Verlust eines an- oder nachlautenden Consonanten bei
keiner der Wurzeln sicher erweisbar. Wir werden also acj
eine geschärfte oder (wie bei den Liquiden) dauernde Aus-
sprache des a — je nachdem wir in ihm den tonlosen odeij
Ilomeiisi'hc Studieu. 433
tüjicmicni kSpiraiiteu orkeimcii — zu denken haben , dii; ihre
eig-entliehe Ueltuug im Innern der Worte hat, und da auch
wenigstens an einer der in Rede stehenden Wurzehi (vergh
^399 i-iaasuac, 0 347 STiiacsuscOat nnd E^asua, zaa'JiJ.y.'.) liäuHg
genug getroffen wird. Sollte man in dem a das tonlose und
folglich in der Position oder Verdoppelung einen" Ansdruck ge-
schärfter Aussprache sehen wollen, was bei crü nicht gerade
durch den Ursprung (aus t), bei a'jq nicht durch die nächste
Weiterbildung (ut;) empfohlen wird , so liegt die physiologische
Erklärung dafür in der Energie , mit welcher der Verschluss
I oder Verengung gebildet wird; denn daraus ergibt sich der
grössere Zeitverbrauch.
Werfen wir noch einen Blick auf die Dichter der Hym-
nen und der hesiodischen Poesie. Wir finden sie in der Zu-
lassung der Kürze vor nichtliquidem Anlaut zu noch grösserer
Sparsamkeit hinneigen, und nur an der Hand fester Analogie
über die homerischen Beispiele einen Schi'itt hinausthun. Man
liest Hes. Th. 803 evvssc Tcav:' sxsa- Sszato), ()p. 130 ^Tsä izapa,
[rr,T£p'. (verg'l. Y 255 hi^ ts) ; Tnial Dative auf langes i aus-
lautend: Th. 49 -/.pixd T; [jÄ-^iaxoc (vergl. H 142), Op. 599 yßp^*}
ev z.'jy.i\ y.ai (doch suas' nach Friedemann, de pentam. p. 364
bei Goettling), Hymn. I 117 50ivr/.'. ßaXs, V 99 ^psaxi, cOev,
V 101 'ü:a)va'.Y£V£t svaXiYX'.oc, V 248 irupl ev. zoA/.o) (von Schneide-
win Phil. IV 764 verbessert), XXXIV 2 [rqxpl Seij.sXy]. Verein-
zelt steht Th. 656 ro;x£v oTt xspl ; Sc. 398 ist o-q /.rf/po'.^t , nicht
§£ überliefert. In dem v. '656 der Theogonie l'Sixev, c~<. •7ü£p; [;.£v
Tcpa-iOc?, •;i£pl o' £gt1 v6-r][/a sollte man, wenn man ihn zu bessern
unternimmt, an dem ctt nicht rütteln ; ich sehe darin eine wenn
auch leise Nachbildung von V43)4 oXox c' cv. crl» [j.h iaOXz;, h{M
1 B£ ff£0£V TiOA'J "/£(p(OV.
Ich glaubte in der bisherigen Untersuchung jene Fälle
\ bei Seite lassen zu sollen, wo der vor [x, v, X, o gelängte Vo-
lal eine Interpunction hinter sich hat; hier können wir dvv
I Position bildenden Kraft dieser Laute entbehi'en. Es findet
j dies 14 mal statt :
ri72 aiocTic T£ \j.O'. icrcji, i'.'Ai £/.'jp£, 0£tv6ü T£
II 21 oj 'A/iXsu IIy]X£o? ul£, iJ.v(oc ... =- T216, X 478
n 55(3 Aravt£, vuv cc.{i)tv ....
H'602 'AvTtXox£, vjv ...
434 Hartel.
K 16 utj^oö' eovTi All, [).i^(x . . .
y41 xpuffci'w SsTTai- Cci3ia7.6jj.£voc . . .
Ao21 ^''' T^STE xoupoc s'a, vuv . . .
y290 sspaaaTO, ^lyeiov . . .
9 247 £VTav6(jai ouvaTO, iJ-Eya . . .
A 454 Ti'j.vjcac ;a£v ei^i, [j.iyy. . . . z= U 237.
Die Mehrzahl der Wörter könnte in g-leicher Messung an-
standslos voi' jedem andern Anlaut gebraucht werden nach
dem, was über den Vocativ, den Dativ und über ix bemerkt
wurde. escäcaTO fände g-enüg-eude Entschuldigung durch die
Wortform und SuvaTO durch die Penthemimeres. Für das letzte
reichte der rhetorische Nachdruck und die Sinnespause hin.
Aber nicht, weil wir die Position bildende Kraft des Anlautes
hier entbehren können, sehen wir davon ab. Die Nöthip-una:
dazu liegt in einem Umstand, dessen nähere Beleuchtung eine
Seite der früheren Untersuchung abschliessen und für weitere
Erwägungen den Weg zeigen soll. Wir entnahmen aus sämnit-
lichen Fällen, wo einfache Consonanten kurze Silben längen,
als unumgängliche Bedingung, dass diese in die Arsis zu stehen
kommen. Wie dieser sprachliche Vorgang zu denken sei, was
die Arsis bewirke und wie sie es bewirke, davon sahen wir
ganz ab. Der Versaccent ist seinem Wesen nach identisch
mit dem Wortaccent. Er besteht in einer Verstärkung des
Ausathmuugsdruckes , der durch die mit ihm nothwendig im
Kehlkopf eintretenden Veränderungen, d. i. durch die stärkere
Spannung der Stimmbänder von einer Tonerliöhung begleitet
ist (das Nähere bei Brücke a. a. O. 2 ff.). Die Tondauer ist
daneben etwas durchaus anderes, selbständiges. Die Vorstel-
lung, als ob jede kurze Silbe durch den verstärkten Ausathmungs-
druck wie eine elastische Blase zu beliebiger Grösse aufge-
bläht werden könnte, muss man durchaus fern halten. Die
Arsis geht vielmehr neben der Länge und Kürze einher. Der
acustische Höhepunkt derselben, nach Brücke's Terminologie
der Arsengipfel trifft den langen Vocal irgend wo in seinem
Verlauf, den kurzen Vocal, auf welchen ein Consonant folgt,
dort wo für diesen Verschluss oder Enge gebildet wird, wäh-
rend das Maximum des Au^athnumgsdruckes etwas später in
den Verlauf des Consonanten fällt (Brücke a. a. O. 25). Wir
werden nun begreifen, wie bei solchen Lautcomplexen, die sich
nomerische Studien. 43ö
aus kurzem Vocal und Dauerlaut zu einer metrischen Länge
zusammensetzen, die Arsis über den kurzen Vocal hinweg
den Consonanten erfasst und wenn er dazu fähig ist durch ihre
Tonstärke zu vollerer Entfaltung seiner Lautdauer ani-egt, wie
durch die Arsis nun z. B. £V'.[j.a|cYapo'.c und nicht hX\iJ.e-(ipz'.c,
articulirt wird. Etwas neues schafft sie nicht., sie vermag
kein evnr;u,oAeiJ.w, ja nicht einmal ein £V'.[j,[xaA£pto zu erzeugen,
gerade wie auch sonst wo im lateinischen und griechischen
Verse kurze Silben unter ihr lang erscheinen, diese Länge nicht
geschaffen, sondern nur ermöglicht wird. Für den betreffenden
consonantischen Anlaut gilt dasselbe, was sich von dem dati-
vischen -'., dem -a der Neutra und den vielen lateinischen No-
minal- und Verbalendungen, welche in der Arsis als Längen
gemessen werden, sagen lässt. Man fasst diese Silben unter
dem Namen , mittelzeitiger' zusammen (vergl. Corssen II.^
442). Diesen Begriff sollte man nicht ein , Unding^ nennen,
,wie nie wäre ersonnen worden, hätte es nicht au deutschen
Hexametern die Trochaeen beschönigen sollen' (Bekker, Hom.
Bl. 135). Er ist unentbehrlich, will man begreifen, wie ge-
wisse Silben bald als Längen bald als Kürzen fimgieren, wie
die Arsis Vocale, die einmal lang gCAvesen, nachdem sie diese
Eigenschaft in der Aussprache verloren , noch als solche er-
halten kann ; aber er ist auch in der Natur der Sache be-
gründet. Wir machten bereits früher, da wir den Einfluss der
Consonanten auf die Quantität zu betrachten hatten, aufmerk-
sam, dass dem Längcnverhältniss der einzelnen Silben die
Zahlen 1 und 2 nicht rein zu Grunde liegen, dass die Silben
ihrer natürlichen Dauer nach sehr verschieden sind. Die Unter-
schiede, welche Brücke nach directen Messungen am Kymo-
graphion im Deutschen gefunden, dürften im Griechischen dem
ganzen Charakter der Sprache gemäss in noch höherem Grade
gegolten haben. Im Deutschen aber werden ,die kürzesten
Silben von den längsten weit mehr als bis zum doppelten über-
troffen, während sich andererseits zwischen langen und kurzen
keine bestimmte Grenze ziehen lässt'. In einem Zustande nun
meine ich, wo ein Vocal noch lang und kurz gebraucht wird,
kann er auf dem Wege der Verwitterung noch nicht völlig
bis auf das Normalmass der Kürze herabgesunken sein, er
muss vielmehr auf einer der thatsächlich vorhandenen Mittel-
436 U a r t e 1.
stufen schwebend gedacht werden, von dei* er sich unter Um-
ständen zu einem volleren ■ Werthe erhebe. Und die Zahl
solcher Vocale ist im Griechischen nicht gering-, aber in be-
deutsamer Weise auf bestimmte Qualitäten beschränkt; es sind
die weichen Vocale t und j und in wenigen Fällen a (vergl.
die Zusammenstellungen bei Bekker, Hom. Bl. 140. 279,
Düntzer a. a. O. 355, und über a Leskien in Curtius' Stud.
II 72), das sind dieselben, deren Quantitätsverhältnisse durch
besondere Zeichen auszudrücken die Griechen kein Bedürfniss
fühlten. Was uns durch directes Messen zu erfahren versagt
ist, können wir nur vermuthen, dass die Tondauer zwischen
0 und (i) , £ und r, merklicher in das Ohr fiel als die zmscheu
ö und ü, t und f, a und ä. Diese Quantitätsbe schaff enheiteu in
Abrede stellen hiesse so viel, als die im deutschen Vers in das
Gebiet des Hochtones und des Nebentones hinübergreifenden
Mitteltöne leugnen. Natürlich ist die Sache eine andere, wenn
späte Epiker Vocale , die in jener Zeit zu unzweifelhaften
Kürzen geworden waren, lang gebrauchen. Das ist eine künst-
liche Imitation, die in der wirklichen Aussprache keinen Rück-
halt hatte; es gilt dies von Vergil so gut wie von Apollonius
dem Rhodier. Aber die Möglichkeit solcher Imitation muss,
wenn auch in beschränktem Masse , für die Homerischen Ge-
dichte offen gelassen werden. Warum sollten sich nicht, be-
sonders in bestimmten Formeln, Reste alter Hymnen oder
Nachbildungen solcher erhalten haben?
Mit diesen also einst langen und später nur in der Arsis
lang gebrauchten Endungen vergleiche ich die Fälle, wo der
Dauerlaut mit vorhergehender Kürze eine metrische Länge
bildet. Die Dauerlaute sind in einigen Stämmen wenigstens
noch nicht ganz verkümmert; wie die Endungen kurz und
lang, können sie bald Position, bald nicht Position bildend
gebraucht werden, aber ohne die Arsis ist weder das eine noch
das andere der Fall; nur diese verräth uns etwas vom besseren
Lautgehalt. Ist die gegebene Darstellung dieses Vorganges
richtig, so ist das V^crfahreu, die Fälle, wo Interpunction den
Dauerlaut von der kurzen Silbe trennt, von den anderen ab-
gesondert zu haben, gerechtfertigt; denn die Interpunction hebt
die Möglichkeit des Zusanimensprechcns, das für die Einwir-
kung der Arsis als nothwendig erkannt wurde, auf; über eine
Homerische Stadion. 4ö7
l'tuise hinweg kann diese nicht mehr den Consonanten errei-
clien. Lieg-t nicht eine gute Bestätigung dieser Auffassung in
dem Umstände, dass die betreffenden Fälle wie Avir sahen von
anderer Seite her ihre vollständige Erklärung fanden?
Wir sehen dabei die Interpunction durch eine wenn auch
vielleicht kleine, so doch merkliclie Pause sich geltend machen.
Die Bedeutung der Interpunction im Verse müssen wir uns
hier klar machen, um einen festen Punkt zu gewinnen, von
dem aus wir in die andere grosse Gruppe von Fällen (die
Längung consouantisch auslautender Silben) einzudringen ver-
möchten. Es ist gewiss nicht ohne Bedeutung, dass sich die
Interpunction so gerne mit den beiden Haupt- und den wich-
tigsten Nebencaesuren zusammenündet. Der Dichter ist be-
strebt, die mit dem Satzabschluss nothwendige, vom Sinne ge-
forderte Pause mit dem rhythmischen Gange nicht in fühlbare
Collision zu bringen, Sinn und Rhythmus vielmehr auszu-
gleichen und durch einander zu kräftigen. So scbliesst auf's
natürlichste und bequemste die Mehrzahl der Sätze mit dem
Vers , entsprechend dem einfachen Satzbau, der nicht ein um-
fangreiches und künstliches Gefüge benöthigt, das Einfache
einfach zu sagen. Geht das nicht an und greift die Periode
über den Umfang eines Verses hinaus, dann strebt sie, mit
ihrem Ende bei den natürlichen Ruhepunkten des Verses, den
Caesuren, anzulangen. Ein paar statistische Daten werden das
klar machen. Wir zählen Interpunction in der Pentlie mi-
nieres: in A unter den 298 Versen von 611, wo diese Caesur
begegnet, stärkere 14mal, schwächere 75mal; in f unter den
231 Versen von 461 stärkere lo-, schwächere olmal; in 1
unter den 262 Versen von 544 stärkere 17-, schwächere 42mal;
in K stärkere 25-, schwächere 50mal ; in a stärkere 10-, schwä-
chere 31mal; in ß stärkere 11-, schwächere 42-mal; in 'Q stär-
kere 13-, schwächere 26mal. In der trochaeisc he n
Caesur: in A unter 308 Versen mit dieser Caesur lOmal
stärkere, 47mai schwächere Interpunction; in. T unter 222
5mal stärkere, 32mal schwächere, in A unter 274 7mal stär-
kere, o5nial schwächere, in K, x, ß, 'C 7-, 8-, 14-, 13mal stär-
kere, 37-, 43-, 29-, 26mal schwächere. Wenn auf eine Caesur
im 3. Fusse die Hephthemimeres folgt, so hat diese wenig zu
bedeuten, und es fällt in sie selten eine stärkere, wie A174
438 Hartel.
Xi(7ao[;.ai stvix' qj-sTo [j,£V£iv • zap' sactys xal aXXoi und in den ge-
nannten Büchern lömal, eher eine schwächere, wie ß29 rfi-q
yocp xptTov £C7t1v £TOc, laya o' zlai xstapiov und in den genannten
Büchern 94maL Ob in solchem Falle die Caesur des 3. Fusses
ihre Bedeutung* an die Hephthemimeres abtritt, wie Hoffroann
(Quaest. Hom. I 28) im Anschluss an Hermann behauptet,
dürfte zweifelhaft sein, wenn die den Rhythmus gliedernde
Caesur in etwas mehr als einem blossen Absetzen der Stimme
bestand (Lehrs, De Arist. stud.'- im Anhang 409). Wenn aber
die Penthemimeres fehlt, was unter den 27795 Versen der
llias und Odyssee mit Einreclmung der wiederholten Verse
329mal der Fall ist (die Stellen genauer gesammelt von Lehrs
a. a. O. 39ß, als von Bekker Hom. Bl. 143 Anm.) , dann
gewinnt die Hephthemimeres an Bedeutung, und das spricht
sich darin aus , dass in den 329 Fällen 77mal sich Interpunc-
tion einstellt. Stärker ist der Einschnitt nach dem 4. Fuss in
der bukolischen Caesur 5 hier beginnt gerne ein Satz, der in
den folgenden Vers übergreift, was das gewöhnliche ist, oder
mit dem Vers kraftvoll gehoben abschliesst, wie A217 &<; "^ap
aV'Sivov. Wir zählen demnach in den Büchern A, f, A, K, a, ß,
'C 88mal stärkere, 299mal schwächere Interpunction. Die Vor-
liebe, das Satzende in die erste Hälfte des Hexameters zu
verlegen, erklärt, dass die Trithemimeres häufig, in den ge-
nannten Büchern 7Gmal von stärkerer, lG9mal von schwächerer
Interpunction getroffen wird; sie erklärt, dass das gleiche ganz
bedeutungslosen Fusscaesurcn , wie der nach dem ersten Dak-
tylus, wo in den genannten Büchern stärkere Interpunction
44mal, schwächere IGOmal begegnet, oder der nach dem ersten
Trochaeus, 13mal mit stärkerer, 48mal mit schwächerer, wider-
fährt. Ja sogar nach der Arsis des 1. Fusses findet sich Satz-
ende mit schwacher Interpunction 18-, mit starker 3mal; aus
dem Umstände, dass bei letzterer jedesmal (A52, A29, K289,
vergl. A 45) , bei ersterer meistens , auch an den von Hoff-
manu I 29 namhaft gemachten Fällen, Elision hinzutritt, mag
njan entnehmen, wie man an solcher Stelle die Kluft nicht zu
erweitern, sondern zu überbrücken bemüht war. Mit dem
Trochaeus des 2. Fusses endet ein Satz in den durchsuchten
Büchern nur 7mal (vergl. Schol. zu \356), A 356 = 507,
K49() mit merklicher Pause, nicht so A53, K99. 164, al23,
Homerische Studien. 439
w285, und will man vor dem Vocativ interpungiren, nix'li a214
und ^ 141). Darf man das nicht (vergl. Bekker, Hom. Bl.
268 ff.), so entfallen auch 2 Verse (al. 214, vergl. A218), in
welchen manche Ausgaben nach dem 2. Daktyhis ein Komma
schreiben. Spärlich ist dagegen die Ausbeute in der anderen
Vershälfte: nach dem 3. Daktylus 2mal ri85, 1134 ohne
merkliche Pause und 3mal mit lautverbindender Elision E580,
A154, P459; nach der trochaeischen Caesur des 4. Fusses
nirgend; nach der Arsis des 5. A 125, T 172, A112, ZHG, zu
denen aus anderen Büchern Z 323, A397, 0 3(;0, 0 449 = P291,
*I>3G5, X 143 und wohl nicht viel mehr hinzugefügt werden
können, ausser wir wollten die Fälle in Betracht ziehen, wo nach
Nicanor's Grundsätzen irgend eine seiner schwachen Stigmen
am Platze wäre; was dann noch hinzukäme, zeigt Fried-
länder (Nicanoris rell. 131 ff.). Nicanor hielt die Inter-
punction an dieser Caesur für gestattet, nur bemerkt er zu
0 300 : iXrj'a'. o' elal -ap' 'OirqpM TO'.aO-a'. (sc. GV.--(iJ.o(.i). Eine gehal-
tene Pause ist hier verpönt. Noch mehr nach dem Trochaeus
des 5. Fusses ; oüts ykp suxaipoc i-\ to3 svvsa7,a'.o£y,axo'j y.xA , sagt
Nicanor zu M49 und verwirft mithin die Interpunction an
dieser Stelle nicht, wie man aus dem Schol. BL zu M434
entnehmen wollte. Wir finden 'C 189 scOXoTc -riok v.y.y.ol'zv)^ otmz
lOeX'/jaiv, £y.a<7T(o, A 159 MsvsXaw gsi ts, y.'JVü)7ra, und ähnlich vor
Vocativen K IGT. 280, in anderen Büchern El 17, 1195, A 172,
1129, <r»409, X258, M''G9. 83. Die Zahl der Stellen wächst ein
wenig, wenn wir freigebig wie Nicanor interpungiren (vergl.
Friedländer a. a. (), 135), sie schwindet auf ein Winziges
zusammen, wenn wir, was der Natur des Vocatives nicht un-
angemessen wäre, nicht vor und nach, sondern nach demselben
das Zeichen der Pause machten oder überhaupt weder vor
noch nach , wofür Bekker (Hom. Bl. 2G9) seine Gründe bei-
bringt. Nur Vocative wären es endlich, die sich gegen die
Regel des Grammatikers im Schol. Harl. zu ß77 suos-ots 6
Eaoj-bc yjpö-'ioz tou -ripoj'.y.cO ^--.yirl^v i'rr'.osyaxai , welche römische
Hexametriker wie Silius Italicus durch Verlegung eines
vollen Satzendes verletzen, anführen Hessen, nemlich A 8G,
K41G, B 7G1, ü 14, von dem von Hoffmann angeführton A 102
abgesehen. Und ein Vocativ folgt auch nur auf die Arsis des G.
Fusses « ()2 (oousxo Zs'j. Zu den angeführten Ziffern noch ein Wort.
1
440 Harte!.
Wenn jemand in einem nach Nicanor's Regeln interpungirten
oder auch in dem an solchen angeblichen Constructions-Er-
leichterungszeichen strotzenden Clarke-Ernestischen oder Wolfi-
schen Texte nachprüfend zählte, möchte er auf eine bedeutend
höhere Zahl kommen ; ich glaubte mich Bekker's wohl-
erwogenem Verfahren (vergl. Hom. Bl. 233. 293. 268), das in
den Altsgaben allerdings an kleinen Inconsequenzen leidet,
anschliessen zu sollen. In der Unterscheidung stärkerer und
schwächerer Interpunction weiss ich nicht, wie man nicht
subjectiv voi'gehen könnte. Doch ist dies sowie etwaige
Zahlendifferenzen für unsere weiteren Erwägungen unerheblich.
Die gegebenen Ziffern bestätigen in bester Weise, dass
die Interpunction im gesprochenen oder gesungenen Vers ein
wenn auch kleines, so doch merkliches Innehalten der Stimme
erforderte , dass durch sie ein Zeitverlust gegeben war , den
man dadurch am wenigsten fühlbar zu machen suchte, dass
man die Satz- oder Satzabschuitts-Enden mit den Caesuren
zusammenfallen Hess. Denn warum in aller Welt hätte man
sonst von 16 möglichen Stellen gerade so gerne die Haupt-
caesureu (die des 3. Fusses 713mal, die bukolische 387-, die
Trithemimeres 245mal) aufgesucht? Darauf führt noch ein
anderer Umstand. Wir sehen, dass in der ersten Vershälfte
nach jeder Silbe mit einziger Ausnahme jener, mit welcher
der 2. Daktylus schliesst, Satzende möglich ist, nicht so in
der andern, ja dass in dieser ein Durchschneiden der Thesis
geradezu als verpönt bezeichnet werden kann. Vielleicht darf
man zur Erklärung eine Beobachtung Brücke's heranziehen.
,Ich habe ferner beobachtet^, heisst es a. a. O. 52, ,dass im
Pentameter und in der ersten Hälfte des Hexameters die
zweite Kürze der Daktylen eine Neigung hat, sich auf Kosten
der ersten zu verlängern. Es zeigte sich dies ganz deutlich,
wenn ich beiden Kürzen dieselbe Silbe unterlegte, so dass die
Natur der Silben keinen Unterschied bedingen konnte ....
Weniger war dies in der zAveiten Hälfte des Hexameters der
P^all, die, wenji ich mich so ausdrücken darf, mehr anapaestisch
gesprochen wird. Da die Arsen im Hexameter gleicliabständig
sind, so werden durch den Zeitverlust, den die Caesur bedingt,
die folgenden zwei Küi'zen etwas gegen die nächste Länge
zusammengeschoben, und dieser veränderte Tact bleibt für
Homerische Studien. 441
den Rest des Hexameters massg■ebend^ Jedenfalls begreift man
es als eine Störung dieses Tactes, wenn einmal eine Thesis
durch die zwischentretende Interpunction auseinander gerissen
würde. Wäre aber mit der Interpunction kein Zeitverbrauch
verbunden, müsste es doch als ein recht arger Zufall erschei-
nen, dass nicht wenigstens einige Male Satzende in diese
Regionen falle. Mau könnte allerdings dagegen einwenden,
dass die Abneigung natürlich sei, gegen Ende des Verses
einen neuen Satz zu beginnen , und mithin die Partie nach
der bukolischen Caesur gar nicht in Betracht komme, und der
vorheiliegende Einschnitt nach dem Trochaeus des 4. Fusses
erkläre durch die Nähe der Caesuren seine exceptionelle Stel-
lung. Das kommt gewiss mit in Rechnung. Aber es bleibt
immer noch die Frage: warum sind gerade die Caesuren
Hauptanziehungspunkte der Interpunction ? Und darauf giebt
es nm' eine befriedigende Antwort: weil diese eine Pause be-
dingen und die häufigere Unterbrechung dem ruhigen Flusse
des griechischen Hexam.eters nichts Aveniger als angemessen
war. Hoffmann formulirt den Satz so I 27: accedenfe inter-
•punctione consentaneum est inultn vehement tor es fieri caesuras,
qttam. qnae efficiuntur solo vocum fine. Nur werden wir die
Vehemenz darin erblicken , dass eine mit dem Satzende zu-
sammentreffende Hauptcaesur eine merklicher in das Ohr
fallende Unterbreciumg erzeugt als das Zeitintervall der Caesur
an sich ist. Ist das richtig, so müssen sich Spuren davon
im Bau der Verse nachweisen lassen.
Die zeitlichen Abstände der Versicten sind , wie Jeder
fühlt, nach ganz bestimmten Gesetzen geregelt. Brücke hat
auch hier nach directen Messungen an deutschen Versen ge-
funden, ,dass in jambischen und trochäischen Maassen die vom
Ictus getroffenen Arsen (z. B. im Trimeter 1. 3. o) und die
nicht vom Ictus getroffenen Arsen unter sich gleichabständig
waren, und weiter, dass im Hexameter, im alcäischen und im
sapphischen Verse alle Arsen unter sich gleiche Abstände
hatten', a. a. O. 24. Obwohl wir den lebendigen Vortrag des
griechischen Hexameters nicht mehr einer Messung unterwerfen
können, wei'den wir unbedenklich das Gesetz von der Gleicli-
abständigkeit der Arsengipfcl ihm vindiciren und die sich
daraus ergebende Folge. ,Aus der Gleichmässigkeit der Ab-
442 Hartel.
stände geht nun mit Nothwendigkeit hervor, dass das, was
zwischen je zwei Arsen auszusprechen ist, auch g-leich viel
Zeit in Anspruch nehmen muss, wenn nicht üebereilungen
oder Verschleppungen , beziehungsweise Pausen eintreten
sollen^. Brücke a. a. 0. 24. Wegen mangelnder Empirie
können wir die sich hier anknüpfenden Fragen allerdings
nicht so fein ausarbeiten, wie Brücke dies in so muster-
giltiger Weise für die Verse unserer Sprache gethan. Aber
einige Punkte dürften auch so sich klar machen lassen und
das Zugeständniss erhalten, dass die Dichter mit feinem Ohr
instinctiv manches beachtet, was sich der theoretischen Be-
trachtung bisher entzogen hat. Wir messen den Abstand von
einer Arsis zur anderen, indem wir den wie früher bemerkt
sehr rohen Massstab zweier Lcäugeu zu vier Moren anlegen.
Die mannigfachen Unterschiede zwischen den kurzen und
langen Silben unter sich sind für uns unwahrnehmbar gewor-
den. Die Consonanten berücksichtigen wir nur insofern, als
gewisse Gruppen Position bilden oder nicht, also nur in ihrem
Verhältniss zu einer vorausgehenden Kürze. Dass sie auch
nach vorausgehender Länge mächtig in's Ohr fielen, zeigen
die kyklischen Hexameter, z. B. X59S aüOit; sTisixa ttsoovos xuAtv-
o£TO Xäaq avatov]?, über dessen Messung Dionysius de comp,
verb. 17 berichtet (anderes bei Hoffmann I 35), wo Conso-
nantenhäufung nach uaturlanger Silbe sichtlich gemieden wird.
Wie aber, wenn in der Caesur auf naturlangen Vocal ein
Schlussconsonant, dann Interpunction , dann eine Consonanten-
gruppe folgte, summirten sich nicht da Zeitaufwände, deren
Bewältigung innerhalb eines in demselben Verse streng be-
messenen Zeitraumes dem Organe ernstliche Schwierigkeiten
bereiten mussten, denen man auszuweichen bemüht war? Be-
trachten wir die durch Interpunction verstärkten Caesuren. In
H haben wir den einzig dastehenden Fall, dass dies in ('» auf-
einander folgenden Versen statthat.
10 x£(p-£vov £v vAiatY], 6pa(ju[j/(]S£0(; l7:7:oSa[/.oi6,
'/ßky.M TrajxcpaTvov 6 c' 'iy' aazioa. -atpoc £oTo'
£tX£TO o' aA/.i[AOv £YX°?? aY.oiyiJ.ivov o^£'. yaXyS<),
TO'j? [ikv c)pivo[X£voyc, tob? Se ■/.Xoviovxa? otcisOsv,
15 Tpwac uTTEpOufJLOUi;' ipepiTcto Sl '^€iy^oq 'A/auov.
Homerische Studien. 443
Nur eine Art jener Consonantenhäufung- , die uns hier inter-
essirt, fehlt 5 wir finden ein Beispiel 351 :
Die trochaeische Caesur, von der wir ausgehen wollen,
ist entweder so gestaltet, wie sie v. 12 zeigt, oder es folgt auf
vocalisch auslautende kurze Silbe consonantisch anlautende
kurze wie H48 xsTvo? xw? a-^ope'jv ix 3iq, oder es gerathen zwei
Vocale aneinander wie S 6 £?? ö y.s 0£p[^.x Xos-pa £ü-A6y.a[xo; (die
reichste Sammlung hiefür g-iebt La Roche in der Zeitschi-. f, öst.
Gymn. 1860, 749 ff.). Da letzteres nirgends so oft als in
dieser Caesur der Fall ist, kann man hierin eine für die Pause
ebenso beweisende Thatsache erkennen, wie in der Häufigkeit
der Interpunction an dieser Stelle. Denn der Hiatus oder die
Lücke hat fast einen etwas grösseren Zeitwerth als ein ein-
zelner Consonant, indem vor dem anlautenden Vocal vollkom-
mener Kehlkopfverschluss , den das Griechische mit dem
Spiritus lenis andeutet, gebildet VN'ird; dafür bietet die Caesur
hier und nach dem 4. Fuss die beste Zeit. Diese verschiede-
nen Lautcomplexe liegen uns hier fern, wo wir den Einfluss
der Consimantengruppen in der Thesis untersuchen. Es kann
nur ein Fall von Consonanteuhäufung in Betracht kommen,
Muta mit Liquida, die, wie früher bemerkt wurde, in weit
überwiegender Zahl Position bilden. An welchen Stellen des
Verses bilden sie nicht Position? Diese Frage haben sich jene
nicht vorgelegt, welche in fleissiger Sammlung die Wörter
zusammenbrachten, an denen Muta mit Liquida nicht Position
bilden (Spitzner, De versu Gr. heroico 88 ff., La Roche Hom.
Unters. 10 ff); und doch giebt es auf die nicht unnütze
Frage eine bestimmte Antwort. Die Positionsvernachlässigung
ist an zwei* Thesen geknüpft, an die erste Kürze des dritten
und die erste Kürze des fünften Fusses 5 z. B. wc ol y-h -oiaü-y.
i:poq ot.XA:^\GJq «Ycps'jov und v.xi [j.'.y otov/^ia? zzzx 7:~z.pivnx r.poarpoa.
Die erste Form findet sich in den beiden Gedichten 202-, die
andere 278mal. In anderen Regionen des Verses begegnet das
vereinzelt, nämlich je 25mal nach der ersten Thesis des ersten
und zweiten Fusses (s292 "/spct -pi'atvav eXwv und 3 50(3 aü-iy.'
exc'.Ta Tpfaivav sXwv), I8mal nach der zweiten Thesis des ei'sten
Fusses ("Ey.Topa llpiaiJ.io-^v) , 4mal nach der zweiten Thesis des
zweiten Fusses (1382, 0 127, 0 92, v 324), 2mal nach der zweiten
Sitzb. d. pliil.-hist. Cl. LXYIII. Bd. III. Uft. 29
444 Hartel.
Thesis des fünften Fusses (E462, /.234), je Imal nach der
zweiten Thesis des dritten Fusses (A69) und, was merkwürdig
genug ist, nach der bukolischen Caesur (W186 os XP^^'O- Dazu
biklet xp bis auf zwei Fälle (6 353, 0 795) immer Position.
Freilich bemerkt La Roche a. a. O. 41: ,070110 xpeoc 6 353
ist mit DEPSVxpswc zu schreiben, welches analog mit tuAswv
einsilbig zu sprechen ist/ Aber ich fürchte, dass der Heraus-
geber der Odyssee mit seiner Ansicht und seinen halbirten
Versen (6 353 z( y.v/ "Apr^q oi^oito || xpäw; xal oza\j.hv aXu^a?, c474
aY]v eq Tca'pio' Txc.o || TrXeojv em olvoira tovtov, vergl. H8<S, um von
der Entstellung in \xlO, 1360 nichts zu sagen) allein bleiben
werde. Den Standpunkt, sonst wohl überlieferte sprachliche
Einzelnheiten der Gleichförmigkeit zu Liebe anzutasten, haben
wir , glaube ich , glücklich hinter uns oder sollten ihn haben.
Addirt man die angegebenen Ziffern, so erhält man 556 Fälle
der Positionsvernachlässigung, in welche sich Ilias und Odyssee
ziemlich gleich theilen (267 gegen 289). Der kleine Ueber-
schuss der Odyssee kommt auf Rechnung von Formeln , die
in ihr besonders häufig begegnen, wie loiauta 'r:pQq oi.AXr,kQ\jq^ hdlija
ripzY.d[ievx und dergleichen. Desto interessantere Zahlenunter-
schiede bieten die einzelnen Bücher. K hat kein Beispiel;
denn Niemand wird verkennen, welche Lesung des Verses 252
ä'axpa OS oyj -poßsß'/^xs, Tuapcoy'rjxev oh tc'kzmv wq der Rhythmus be-
günstigt. Ein Beispiel zeigt ß im Vers 216, von zwei formel-
haften 269. 362 abgesehen; zwei y in den Versen 41. 320, die
anderen stehen in festen Formeln 119. 266. 389. Dieselbe
gleichmässige Sparsamkeit durchzieht 'C mit 4, "/) mit 4 (von
den Formeln abgesehen 2), i mit 4 Fällen. Eine weitere Ver-
folgung dieses Gesichtspunktes, den ich ebenso für berechtigt
wie für nicht ganz unergiebig halte, liegt ausserhalb der
Grenzen dieser Abhandlung und ist auch nur, wenn man andere
Eigenthümlichkeiten der Verstechnik miterwägt, die nicht
gerade an der Oberfläche liegen, in den Resultaten Vertrauen
erweckend. Aber warum begegnet die Positionsvernach-
lässigung so ausschliesslich an den beiden Stellen? Darauf
weiss ich keine befriedigende Antwort. Dass die Caesur nur
die Hälfte der Fälle erklärt, also nichts erklärt, sieht Jeder.
Aber vielleicht giebt der Umstand einen Fingerzeig, dass die
bukolische Caesur so hartnäcldg einer Muta mit Liquida hinter
Homerischo Studien. 445
sich den Platz verweigert, und können wir die Frage so for-
muliren : warum verträgt die zweite Kürze des Daktylus , von
dem auch hierin exceptionellen ersten Fuss abgesehen, so durch-
aus nicht eine lautliche Verstärkung, wie sie nun einmal in
nicht abzuleugnender Weise durch gehäufte Consonanten gege-
ben ist? Es spräche sich hierin eine Neigung des griechischen
Hexameters aus, welche der des deutschen entgegenstünde.
Bei diesem ist durch Messungen constatirt, dass in der ersten
Hälfte ,die zweite Kürze des Daktylus eine Neigung hat, sich
auf Kosten der ersten zu verlängern' (Brücke 52).
Wie dem nun auch sei, die Consonautenhäufung in der
Thcsis muss sehr fühlbar gewesen sein, wie daraus hervorgeht,
dass dieselbe an beiden Stellen eines und desselben Verses
nur zweimal sich findet (•/-354 rj o' hipTf TtpsTripoiO; Opivov £t(-
xaivc Tpx-ivac und x43H ^ 452 cx^J'ap zTzz'.-za öpivouc ■rzep'.Y.ot.Xkeoi.c
•q^k -zpa-iZs-c) , und noch mehr daraus , dass man es sichtlich
vermied, den durch die Consonanten bedingten grösseren Zeit-
verbrauch noch durch Interpunction zu steigern, so gerne diese,
wie wir sahen, gerade mit der trochäischen Caesur des dritten
Fusses sich verbindet. Nur 12 Verse dieser Art begegnen,
darunter 9 mit schwacher, zum Theil sehr schwacher Inter-
punction (T214, A119, N799, P598, a476, X527, 7 85 =116
= 9 308, -ÖGI, 'J>301), 2 mit stärkerer (M95 uTs ojui Updixoio-
-pt-o? 3' ■^v "Aj'.c; r,pMC und P 545 cupavcösv /.a-raßasa- r.pzrf/.z väp
cup'joza Zi'jc) ; ganz vereinzelt stünde der Vers A G97 zCkz-zz. y.p:-
vä[j.$voc -pi-qv^b-jC rfiz vop/^ac, wenn das Komma nicht besser fehlte.
Die Caesur des dritten Fusses nach der Arsis und wie
sie die Caesuren nach den Arsen der anderen Füsse verti'ao-en
jede Consonautenhäufung. Wenn aber Interpunction hinzutritt,
ist die Neigung vorhanden , die Umgebung möglichst zu er-
leichtern. Die früher ausgeschriebenen Verse Z13. 15 (xAtci'^c,
Tr/Ä und j-spöüp.ojc- kpipvr-.o) repräsentireu die gewöhnliche Ge-
staltung, mit Avelcher ein Fall wie N121 t-f,o£ [j.£0-/;;aoc?jv/;- aXX'
gleichwerthig ist. Eine grössere Belastung zeigt uns 1 10 vJ.'.z'.r^,
0pa{:'j[r/;c?cc und die grösste 351 y^p-JGzir,-r sT-.A-vat, indem zu dei-
an sich zur Ausfüllung der Arsissilbe genügenden Länge im
ersten Falle zwei leichter sprechbare und darum manchmal
nicht Position bildende, im anderen Falle zwei schwere regel-
mässig Position bildende Consonanten hinzutreten. Die Stimme
•29*
446 Harte 1.
musste dieses grössere Pensum innerhalb desselben Zeitraumes
bewältigen, wenn das Grundgesetz des Hexameters, die Gleich-
abständig'keit der Arsengipfel, nicht verletzt werden sollte;
solcher Arbeit entzieht man sich gerne und der schwierigsten
am liebsten. Ich suchte für dieses Verhalten den ziffermässigen
Ausdruck zu finden und durchsah säimntliche Bücher der
Odyssee. Da Consonantengruppen verhältnissmässig selten
jene Wörter beginnen, mit denen die Sätze anzuheben pflegen,
kann die geringe Ziffer der Fälle, wo hinter der von Inter-
punction gefolgten Caesur ein neuer Satz oder Satzabschnitt
mit schwereren oder leichteren Consonantengruppen anhebt, an
sich wenig besagen ; aber doch etwas , wenn man daneben die
Ziffer der Fälle hält, wo solche Consonantengruppen mit dem
Versanfang den Satz beginnen. Nun findet man, dass, wähi'end
Muta mit Liquida etwas über 200mal an Vers- und Satzanfang
steht, im Innern des Verses diese Consonanten nur etliche 80mal,
also nicht einmal an der Hälfte der Fälle, nach der Arsis
einen neuen Satz beginnen, und, während die Position bilden-
den Consonantengruppen etwas über 200mal, also gleich häufig
mit den anderen , an Vers- und Satzanfang getroffen werden,
nur ein halbes Hundert Verse gezählt wird, in denen mit ihnen
nach der Arsis ein Satz oder Satztheil anhebt. Ich fand nicht,
dass dies Verhältniss durch Vergleichung einzelner Abschnitte
der Ilias erheblich alterirt werde. Ich glaube also hierin eine
Bestätigung des Satzes erblicken zu dürfen , dass die Dichter
mit feinem Instincte dort, wo durch die Interpunction nach
den Arsen ein Zeitverlust geschaffen war, die Umgebung zu
entlasten suchten , Avie sie dies nur um so viel entschiedener
nach der ersten Kürze der Thesis durchführten.
Wenn dies richtig ist, so wird nun die Erscheinung, dass
auch entschieden kurze Silbe bei folgender Interpunction in
die Arsis gestellt werden und mit der Interpunction die zur
Aufrechthaltung der Gleichabständigkeit der Arsen erforder-
liche Zeit einer Länge ausfüllen könne, in einem etwas anderen
Lichte erscheinen. Fälle wie der aus H 12 mitgetheilte '/aAxo)
^a[xiaTvov o o' r/' aa7:(ca , finden sich in der Odyssee 70, eine
Zahl , die nur um etwas durch die folgenden Betrachtungen
ermässigt werden wird. Also eine Entlastung der um die
Interpunctionsstellc liegenden Umgebung, welche, wenn man
Homerische Studien. 447
}
die Ziffern im Auge behält, einer Entseluikliguug so wenig-
oder so sehr bedarf, Avie die durch Consonautengruppen be-
wirkte Belastung. Auch ersieht man, dass die Ansicht, als ob
die Arsis die kurze Silbe zur Länge dehne, also aus -aixisxtvov
TZT^oxi-mi mache, gar wohl entbehrt werden kann, eine Ansicht
übrigens an sich ebenso absurd, als wenn man sagte, jede un-
betonte Silbe kann im deutschen Verse in die Hebung gestellt
zur betonten werden, was bekanntlich nur in beschränktem
Umfange von den mit secundären Accenten ausgestatteten
Silben gilt (Brücke a. a. O. 7), wie wir es im Homerischen
Verse für einige mittelzeitige Silben glauben erwiesen zu haben.
Die Kürze bleibt Kürze und fungirt nur scheinbar für eine
Länge , die sich in der That aus ihrer natürlichen Dauer und
dem Zeittheilchen der Sinnespause zusammensetzt. Von den
390 Fällen, die ich zählte, wo kurze Silben in der Arsis als
Längen stehen, sind es io5, welche sich auf die angegebene
Weise erklären. Bei einigen derselben kommt allerdings noch
besserer Lautgehalt oder Mittelzeitigkeit unterstützend hinzu.
Wir finden so am häufigsten die Endung oc, gleichgiltig ob sie
Endung des Nominativs oder Genitivs, ob des Masculinums
oder Neutrmns. Da nun dies zumeist in der 3. Arsis der Fall
ist, so ist hier und im Folgenden eine Abweichung davon
durch die in Klammern beigesetzte Arsennummer bezeichnet.
Zu beachten ist, dass wo eine andere als die 3. Arsis im Spiele
ist, meistens stärkere Interpunction sich findet.
0? mit folgender Intei'punction als metrische Länge : A 153.
244 (2), B71. 696. 736. 745 (2), r329. 381, Z76, 11416 (2),
ei44, KÖ40 (4), A547. 674, M270, H405, 0 736, P42, a>361,
X513, W137 (2). 51L 603 (2). 756 (2). 779, Ü467. 736 (2),
— «226, ßll (2), 5 566, '(294, 6 238 (2), -.201. 302. 339.429.
xl70. 172 (4), A103 (2). 172. 257, ij.294. 336. 352, v 343 (2 j,
U74, olOO (2). 175, -11 (4). 64(2). 471, -507(2), ^246. 275,
X49 (2), (1/342 (4).
Fast gleich häufig begegnet so ;v, einerlei ob es Endung
des Accusativs oder Imperativs, eines Adjectivs oder Sub-
stantivs ist: A85 (5). 491. 527. 5^5, Ii734, r]03(4), W 158,
K7, A630, N587. 766, Hll. 349. 357. 466, IM96, ^224. 238
(2). 493 (2). 591 (2), T367, r472, X 198 (2j, Ü192, - al31,
3264. 531(2). 701, sl9. 266(2), (330, -rj 131. 180, 0277 (■/.204
448 Hartel.
%iOixscv ist dreisilbig), ä602 (2). 530, [jASö, v51. 157. U 13,
0 104 (2), T.Sd, p20G.
Nur der vierte Tlieil der Stellen kommt auf die Endun-
gen £v und tq. Auf £?: B449. 789, E287, H232(2), A40, M52,
n269(2). 592 (4), P135, *I'118, — a326, y.6. 64 (2), [j. 22 (2).
Auf sv: B228, r35, H389 (2). 418, W731, ß 269. 470 (4), —
>'.269 (2), Al48, er 99. 447. Ganz unbedeutend ist die Ziffer
bei den kurzen Silben ac, xv, xp, ip. Bei aq: E485, Z240 (2),
M288, T45 (2), 76. Bei av: B780 (2), H206 (2), t490, 3 301,
054. 436, >t47, 0I88, ^75 (2). Bei ap: B126 (4). Bei ep: P104.
Nicht zufällig- scheint es , dass die Silben ic, tv, uc, uv, welche
sonst sehr häufig lang gemessen vorkommen, nur in einigen
Fällen die Stütze der Intei'punction neben sich haben Wir finden
'.q:Z299(2), A711 (4); vr. A19(4), E13, Z495(2), H31, N309,
t422(2); uc: B278; -jv. B143, N731, r239, Tr294 (2), t13(2).
Liegt nicht hierin, zumal wir es mit Formen zu thun haben,
die überall leicht ein Unterkommen fanden , wie -kö'kv/ , [r^xiv,
o'.v, TcaX'.v, Tupi'v, ein deutlicher Hinweis, dass wir den Grund der
Längung in der Natur der Silbe zu suchen haben? Sehen wir,
was sich auf diesem Wege erledigen lässt.
Ich hätte von den Endungen uc, uv der oxytonirten Sub-
stantiva ganz absehen können, wenn es nicht noch immer
vorkäme, dass dieselben unter die willkürlichen Dehnungen
gerechnet würden (erst neulich wieder von La Roche, Einl,
zur Ilias XXX.), und doch giebt es nicht eine Stelle, wo sie
sich kurz gemessen finden. Das aber ist eben der Unterschied
in der Behandlung griechischer und lateinischer Quantitäts-
verhältnisse. Dort ist man, so oft in der alten Latinität lange
Endungen begegnen, welche die spätere Prosodie nur als
Kürzen kennt, geneigt und bemüht, die Länge als den der
Kürze vorausgehenden Zustand nachzuw^eisen. Hier ist die
erste Voraussetzung, dass die Dauer der Laute durch Jahr-
hunderte unverändert geblieben, dass die Endungen allesammt
zur Zeit der Entstehung der Homerischen Gedichte dieselbe
Quantität hatten wie in der späteren Gräeität. Bei den Sub-
stantiven auf uc beruft man sich auf die Kürze des u im Ge-
nitiv, aber man gedenkt des Genitivs nicht bei opv.c (öpviOo;)
und sieht z. B. M218 op^/ic r,XQz für gedehnt an {zpv.c stu-^aGs
schrieb Wolf), weil auch einmal ti219 opvX: hl [iz-^ipo'.a:
Homerische Stadien. 449
begeg-net. Gerade dieses opviq ist ein recht evidentes Beispiel
füi- das Herabsinken der Quantität, welclies gleich in grossem
Umfange sich zeigen wird. j\Iöchte nun auch die Quantität
der genannten oxytonirten Endungen schwanken, ihre ursprüng-
liche Länge ergäbe sich daraus, dass sie in beliebigen Thesen
mit und ohne Interpunction die lange Endung -bewahren; so
ohne Interpunction in erster Thesis ßpwtuv !:4()7, in zweiter
•Ojv Z 79, mit Interpunction in erster lyßjq *PV21, TrX-rjÖüv A305,
in vierter a/A6c T421, lOüv <I>303. In der Arsis findet mau
zArfijz 0 305 (2), P31 (2), V197 (2), ßpco-üv T205, ay.ovTiaxüv
^'622, -/.XtT'jv i470. An diese reihen sich zwei Adjectiva: rS/^jc
xix/.r^yJ.v. lopwc N 705 und ßapliv autov ts TiiXojpov -.257. Hier hat
wohl der Accent zur Erhaltung der Quantität der Endung bei-
getragen, die sonst überall zerrüttet ist bis auf eine Ausnahme
an dem einen Worte vr/.j;. Wir finden vivJjc Zl^O (4), X384
(4), v£-/,uv A492 (2), ^IMIO (2), H84 (4), P394 (4). 692 (4).
724 (4); sonst ist bei vi-/:jz^ vr/.jv die Quantität wiegen Position
nicht erkennbar, aber in keinem Verse stehen sie als Pyrrhi-
chien in der Thesis. Das Gleiche gilt von [xsjsyjy'j;, denn wo
eine Kürze benöthigt wird, steht die Form \j.z.a(jTijj zu Gebote
(0 560, A573, N568, r370). Doch kann der Grund der Län-
gung 0 845 |j.£Sfr/]Yl)c 'JOf/.-/;:: in dem Anlaut des folgenden
Wortes, das, wie bereits bemerkt wurde, einen Consonauten
verloren zu haben scheint, liegen , wie dies in F 60 x£Xsx,jc; w;
sicherlich der Fall ist, worüber später. Doch findet sich ein-
mal -jrar/.jv airv.cr P520 (4).
Ein gleiches Bewandtniss hat es mit den Endungen Kq
und '.V der Substantiva. Wir finden rSk'.c L 152 (2), 11 69 (4),
xzK':, 1157 (4), B329; i^/^xiv axaXavToc B 169. 407. 636, H47, K 137,
A200, ix-^T'.v £[j,ßaXAco e'JiJ.(;) >r3i;5, ~^> y72, t253, ö-.v y.524,
Ooup'.v £k'.£iij.£vo'. aXy.-z^v H 164, 0 262, IS 157, "/apiv E874 (4) doch
las Aristarch xäp-.v o', "Epic A 440 (4), rJ'.c X492 (4), X494
(4), Tix'.^ w? 0 32 (4), OUT'.? H 423. Der früher berührte Vocativ
Z385. 424 0£-:'. xavu7i;£7rA£ (vergl, 0 88 und (.)192) gehört gleich-
falls hieher. Das zur Bildung des persönlichen Femininums
dienende Suffix t ist in seiner Identität mit dem gleich func-
tionirenden % des Sanskrit erkannt worden und Curtius hat
in überzeugender Weise erklärt, dass das s dieser Wörter einem
aus dem % sich entwickelnden / seine Entstehung verdanke
450 Hartel.
(0£Ti-o;, 0af.-j-;r, OsTi-cj-o;, Hsti-gc;, vergl. Gz.2 564). Die
Länge tritt unverkennbar noch hervor in der Thesis: ßXsTjpw-ic
eoreoxvtoTO A 36, "^viv i'jpjpiTWTiov K 292, -{ 382 ; zweifelhaft ist die
Lesart 0420 ^Aauxw-'., '6t i'v, :i:357 ßowTui (0471, 0 49). Ferner
in £U7uA07.a[j.ic£; "Ayaia: ßll9, "542, üLer dessen Betonung Herod.
11 32, 15; 134, 14; 761, 24 (ed. Lentz). Damit wäre allerdings
zunächst mir die Quantität der im Genitiv u. s. w. ein c ent-
wickelnden weiblichen »Substantiva erklärt, denen Tuaiq angereiht
werden kann. Aber da neben den Formen mit o solche ohne
diesen parasitischen Laut von demselben Stamm sich bilden
(0£ti-c<;, \iri'n-oq neben 0£-'.c-oc, [jl-/]vio-oc), so hat man kein Recht
aus dem Mangel des o auf eine verschiedene Quantität, z. B.
in Ol?, izsMc zu schliessen. Dann steht der ,gesteigerte' Stamm
TCoXst, aus welchem die einzelnen Endungen sich entwickeln,
einem xoXi viel näher als einem 7:oXX. Fth* Hig verweise ich
nicht auf die Aristarchische Lesart in '.425 äpa-£V£(; zihz r,7T/
statt o'.£c, in welcher man eine dem Daktylus zu Liebe erfundene
>«t[uform erkennt, obwohl es sonst Aristarch's Art nicht ist,
die Erfordernisse des Verses durch die Schrift auszudrücken;
denn, wenn sie wirklich überliefert war, was ich annehme, ist
nicht an eine Zerdehnung zu denken, sondern aus crieq wurde
dlpitq wie aus Ir.'KC-fv/ (urspr. '.--jio-^iv), iTiTro'.-F-.v, t'jrTto'.'.v durch das
nicht seltene Vorklingen des i über vorausgehende Spii'anten
und Liquiden (vergl. Scherer, Zur Gesch. d. d. Spr. 144. 278).
Lang gebraucht erscheinen ferner einige Advei'bien auf '.?:
xX'.c avaߣßpox£v P54(4), 'il'.q i'cav (!> 236 = 344(4), aX-.c r,o' a-6o::x
•^295(4), 't'-^T-^ s'xov X412(4). iJ.ö-('.q mit aX-.q gleichgebildet,
kommt vor dem ursprünglich consonantisch anlautenden r/:v
wenig in Betracht. äXi; findet sich eben so häufig als Pyrrhi-
chius , wie vor folgenden Consonanteu als Jambus. Dass der
blosse Gleichklang mit TzoX'.q die Längung erkläre, wird Nie-
mand annehmen wollen. Wie steht es mit der Form? Li den
Adverbien i'/.'.q, \J.i'/dq, [j-iy'.?, den Multiplicativis auf -x/.i; hat
man längst pluralische l^ocative erkannt. Das c. wäre also in
denselben durch die Mittelstufen £-., i zu i herabgesunken. Bei
den singularischen I.,ocativen kann man den Uebergang des et
zu T, X deutlich vei-folgen. Für solche hat Curtius (Ber. d.
Sachs. Ges. d. W. 1864, 230 ff".) die Modaladverbien ai^r/si,
r,x/yqj.zi, y.Oeei (i 353) erklärt, die sich den dorischen Locativen
i
Homerische Studien. 451
otceT, auTcT, Tstos, tg'j—T (Ahrcns Dial. dor. 361j ii,lciclistellen. Für
die Waudlung des st zu £t bietet einen Beleg- ilas Menandrische
ol'xct (vergl. Herodian I 504, IG, II 463, 31 ed. Lentz). Anders
j iVeilich Usener in Fleckeiseu's Jahrb. 1865, 255 ff. Das • finden
1 wir in folgenden : iixo^qv. A 637, ava'.[Aa)-( P 363, ^ 149, avoux-rjTi X371,
av'.spwT-; 0 228, avo)'.-Tt $92, ac-sjc-: 6 512, 0 476, ■X304, aÜTovu/j
6 197, sYpr^Y'^P'^'' K182, [>.ZTaaxo'.yJ W358, Tpiaxo-x-: K473 (dagegen
TpioTOf/e-' Hes. Theog. 727); letzteres f'reilieh vor starker Inter-
punction in der zweiten, vorletztes vor schwacher in der dritten
Cäsur und noch dazu vor a. Kurzes t hingegen erscheint in
; iv.-q-: o319, t86, ^42, \j.e^(x/M^xi 0 776, :i2(), (o 40, ixsAs-.cjt-: Ü409,
c'.a[>.EX£'7T{ '291, 7 339 ohne Ausnahme. Hieher stellt Röscher
(in Curtius' Stud. III 143 ff.) die Formen [r*]/i, vai'/t, cü/t, f,-/'..
; Wie nun hier langes und kxu'zes t nebeneinander aber an ver-
1 schiedenen Wörtern erscheint, so könnte es nichts auffallendes
[ haben, dass gerade aX-.c seine ursprüngliche Quantität in eini-
gen Fällen gewahrt, und es wäre somit eine Zwischenstufe ge-
funden, welche der Deutung dieser Formen als pluralischer
Locative eine recht erwünschte Bestätigung brächte. Somit
sind sämmtliche Verlängerungen der Endung ic erledigt. Von
IV bleibt noch eine nicht geringe Anzahl übrig.
Zunächst das iv des Duals : I-zstiv avopojaev T 396 (5) vergl.
E 13, a)[J.oi'.v assAicjÖai N 51 1(2), ("öy.O'iv aosAsiiAsOa 11560, o);j.c;'.'.v
a.T.Qlo-jao\j.x: '(219, a-aO[j,oTiv r/.xTSpOe ^9(2), vw-.v ayacavTO -i/ 211(2),
cow'.v 'iacy.xi t: n \ . ,Das Suffix des Duals ist in seiner Grund-
form hhjäms und für eine ältere Sprachperiode des Griechisclien
-tpiv, ,einG Verkürzung und Veränderung einer älteren Form,
die etwa -oio)v gelautet hat^ (Schleicher Comp.- 590). Dies
(piv muss sein o, ehe es dasselbe gänzlich einbüsste, in r ver-
wandelt haben (Leo Meyer Lat. u. Griech. Declin. 63). Und
hätte die Endung tv ihre ursprüngliche Länge nicht mehr be-
hauptet, so könnte das Schwinden des r ihm dieselbe wieder
zurückgegeben haben, nach dein von Ebel (Zs. f. vergl. Spr.
IV 171) erkannten Gesetz, dass die Spiranten F und / einen
der Nachbarvocale im Ausfall vei-längern, oder vielmehr eine
Ai't Contraction mit ihnen eingehen (vergl. Leo Meyer VG.
I 307 und Delbrück in Curtius' Stud. II 194 ff.). Wer in
den angeführten Dualendungen eine Reminiscenz an diese ur-
sprüngliche Quantität in Abrede stellt, wird den argen Zufall
452 Haitel.
ZU erklären haben, dass die so sehr viel liüiitigere Dativ- und
Verbaleudung' w in recht unbequemen Wortfurmen sich solcher
Bequemlichkeitsdehnung zu entziehen wusste ; denn was man
dafür beigebracht hat, Gay.sciv s?Xu[j,£VO'. ^479 und eXauvwfjtv avSpiq
A68, 'jfpaivouff'.v (zAnröpcpupa vlOS, asiOYjstv sapo? "519, £TreX6o)ff'.v
lOaxv^ato'. 0)354, ist nicht anders beschaffen als -/.opwvYjatv l'xsAo'.
s308j -/oAcoToTatv sTuscaii 0 210 und derartiges mehr. Bei ctXüo)
und eap weist die Etymologie den Verlust eines r (vergl. Cur-
tius Gz. nr. 527 und nr. 589), bei aXtiripcpopa den Verlust eines
G nach. Bei av(^p ist der Verlust eines Consonanten mindestens
sehr wahrscheinlich, und wenn mau das Wort nur nicht mit
Curtius (Gz. nr. 422 und nr. 128) von jjrq (urspr. Y^3^^a)
trennt, noch ein Rest in dem boeotischen ßavoc, ßav^y.oc (Ahrens
Aeol. dial. 172), entstanden aus ^tx/a., erkennbar (vergl. Leger-
lotz Zs. f. vergl. iSpr. X374), so wie in der aspirirten Form
avBpa (vergl. Keil Schedae epigr. 6 ff.). Dazu bezeugt Diony-
sius Plal. I. 20 ausdrücklich das F von Favv^p, freilich soll er
,in dem Wahn begriffen, F könne beliebig vortreten', ein durch-
aus verdächtiger Zeuge sein. Die anderen von ihm beige-
brachten Beispiele FsAsvy), Fava^, FoIy.o? sind aber solcher Mei-
nung nicht günstig. Endlich kommen noch andere Spuren in
den Gedichten selbst hinzu , die Oscar Meyer (Quaest. Hom.
37) namhaft macht. Dieselben begegnen bei 'I6axr, und seinen
Ableitungen.
Sehr auffällig wäre die fünfmalige Dehnung des \}.v> , öt£
[j.tv 'ÜTOt; E385, äpa [xw ocAiov A876, oü ^(i^ \v:> eV s'^avTO Z501(2),
«?£i [x'.v iizX rqcLc, K 347(2), yuxe 8i [xiv ixaTspOö X578(2), wenn
hier nicht eine Nachwirkung ehemaliger Länge stattfände. Die
von Doederlein (Reden und Aufsätze II 144) aufgestellte Erklä-
rung, dass die Form \v:> aus l\).-'.\). (vergl. das altlat. aynem d. i.
eandem in Pauli Ep. p. 79) entstanden, welche Curtius (Gz.'-^
477) für evident hält, würde nicht dagegen sprechen (vergl.
Scherer a. a. O. 235). Das häufige Vorkommen des [j.'.v vor
digammirten Wörtern soll nicht unerwähnt bleiben: r386, E845,
Z176, 15(54, 11502. 855, PlBl, X361; doch wäre Annahme
einer falschen Analogie von einem häufigen (o; ä'pa [/-.v skivia
aus die letzte, hier kaum nöthige Zuflucht.
Es erübrigen noch zwei Wörter zptv und -iXiv. r.pvj wird
in der Arsis lang gebraucht B348, 11390, 6 474, 11S39, «1>179.
Homerische Studien. 453
oM», Li 245. 764, c!>54. 081, v !!):>, ; 334 = x'J\}\,o2\(). 393, p 105,
cf401, t475 (vergl. Hermann Orph. II 700~); tJ.'av/ nur K281
5c; Ol KaXiv £71:1 vyjac. Die ursprüng-lichc Länge von zpiv ei'hellt
daraus, dass es auch in der Thesis so geraessen erscheint
1403 = X 156 (~b ~ptv £-' «stp-^v^c, Tiptv iXOcTv ula; 'A/^aiwv), Z81,
N172, n 322.840, 3 660. rS/jy dürfte hinsichüich- seiner Quan-
tität eine Stütze finden, wenn es gelingt für r.ih:/ und -p(v,
was auf den ersten Blick befremden v/ird, einen geraeinsamen
Ursprung nachzuweisen. Hoffmann (I 09) hält ~piv für eine
C(mtrahirte Comparativform, aus Trpo-'.cv entstanden, und ihm
stimmt Curtius (Gz. nr. 380) bei, indem er sich auf lateini-
sches 7:>ri.s' = priiis für pro-ios, primus für pro-imns beruft.
Das ist ein nicht eben sehr zuverlässiger Beleg für jene sin-
gulare Contraction (vergl. Corssen I- 781 Anm.), die über-
dies zu einer auf griechischen Boden geläufigeren Verstüm-
melung des vollen Suffixes lovc nicht stimmt. Nun decken sich
lautlich und der Bedeutung nach die Formen 7iapo'.0£v , -izäAai
(vergl. 7:aAa{T£po;, -apct-öpoc), im Zend parc soviel wie ,vor' in
örtlicher Bedeutung nach Justi p. 186, und wie jüngst (Rhein.
I Mus. 1871, S. 144) Savelsberg nachwfes, tJj.-j.'. or^ und pri-dem,
worin er nach Usener's Vorgang (Flockeisen's Jahrb. 1865,
254) eine masculine Locativform (urspr. prä-i, dann proi, prei,
prt) erkennt, r.y.^ und rSk sind die wechsebiden Formen eines
Stammes, zu denen sich durch Metathesis der ersten eine dritte
^pa oder nach der Vocalspaltung 7:pc gesellt. Mit demselben
Suffix iv werden -po-iv Trpi'v und -iX-'.v weiter gebildet und zur
Differenzirung der Bedeutung in der Art verwendet, dass -piv
das ,von weg' oder früher in der Zeit, TcaXiv das ,von \ng^^ oder
zurück im Orte bezeichnet, eine Bedeutung, die Aristarch
an den homerischen Stellen durchzuführen suchte (vergl. Lehr's
Arist.'^ 91). Demselben Stamm wie Tcpiv gehört der erstarrte
Genitiv 7:apo; an mit gleicher Bedeutung. Was aber ist das iv
in -zi'i und ~iX-<:/? Ich möchte hierin nicht sowohl die vedischc
1 Verstärkungs])artikel tru, i erkennen, über welche das Peters-
burger Wörterbuch bemerkt, dass sie unter andern auch häufig
nach Präpositionen und Partikeln eintritt, und mit welcher
das demonstj-ative, stets lange und betonte, vor sich kurze Vo-
cale verschluckende t im Griechischen verwandt ist (vergl.
Scherer a. a. O. 38.5), sondern vielmehr au (Ui-s lateinische
454 Hartel.
Suffix -im erinnern, welches sich mit Präpositionen wie deim,
exiin = de eo, ex eo und Pronominalstänimen ülim, istim zu-
sammensetzt, über dessen Bedeutung Kitschi (Op. II. 452) be-
merkt: ,Es ist eine Thatsache der lateinischen Sprache, tue
dadurch, dass wir ihre tiefere Bewandtniss nicht nachzuweisen 1
vermög-en, nicht beseitigt wird : dass in den Adverbialbildimgen
von Pronominalstämmen durch die Endung im die Richtung
von einem Orte her ausgedrückt wird." Ist der gemein-
schaftliche Ursprung des Tupiv und ■::aXiv wahrscheinlich geworden,
so hat die Quantität des letzteren an der erwiesenen Länge
des ersten einen Ideineu Halt. rJjsi muss aber früh gekürzt
worden sein und trat dann in Analogie mit den ihr v abwer-
fenden Endungen auf iv, indem TzoCki und sjA-iraAi gebildet wurde
(vergl. Lobeck Path. I 386). In der ganzen Ilias und Odyssee
findet sich w^eiter keine Spur von besserer Quantität. Dazu
kommt, dass der Dichter der Doloneia sich mit einer Spar-
samkeit die Längung dubioser Silben erlaubte, die ich sonst
nur in den Büchern a, ß, 9, ■/, 'i, oj getroffen habe ; denn ausser
v. 281 finden sich solche Läugungen nur noch 5mal, worunter
drei (137, 347, 547) nach vorliegendem Muster. Bei dieser
Sachlage gewinnt der Umstand einige Bedeutung, dass rSkvi
häufig vor digammirten Wörtern (vergl. das nicht seltene tmK'm
oI/.6vo£ und £896, 156) als Jambus verwendet wird, mithin
eine Bildung nach falscher Analogie nicht ferne lag.
Die Endungen auf iv sind hiemit erschöpft. Nicht so
leicht ist der Nachweis, dass andere lang gemessene Endungen
die Berechtigung dazu in sich tragen. Nur für sämmtliche
auf -av und einige auf -cv dürfte er gelingen, av findet sich
als Länge in: i'^av aTriovxcC '.413(2), ecpav epi'-^ps; •/.47l(4), sßav
hd öTva 7:358(4), e'aäcv c'pviös; tovTi o)311(4), TiOe-av z-je^xioz xSkr^c, |
7,449(4). Verbalendungcn sind es auch nur, welche das av
vor der Interpunction lang gebrauchen (scpav, Xjcav, laav, lyt«-"*-,
äeaa'/, saTopsaav): von den 8 früher mitgetheiltcn Beispielen ge-
hören nur zwei (ß780, H206) der Ilias. Sonst findet sich av
nur einmal lang in IJS41 \ap17av ipißwAay.a unter der dritten
Arsis und ebenso vor stärkerer Interpunction jj-sTpav 0 54. Von
den Verbalformen auf av sind jene auf ov nicht zu trennen.
Wir finden : /.al xüvcov h(y.~ccCo[j.vfix<. (2) p 35^ x -199, 9 224, ÖTpjvsv
'Oc'jT?;a Y]341 (La Roche hat öip'jvov 0' aus einigen Hdsch. auf-
Homerische Stadien. 455
genommen), v/z-) s-.r/.a rrfiyi T43(4) und merkwürdig häufig in der
Boiotia MCaswv' er/cv rfi B500, llAaTaiav 'iyyi rfi 504, Käpusrov
lyov rto' 539, n£AA7ivr;v T^er/ov -^c' 574, ferner noch 586. 634.
635. Nun wissen wir, dass in der 3. P. PI. Praet. der
dorische Dialekt paroxytonirte, eAsyov, eXjjav, i^i/aÖEv (vergl.
Herod. I 6, 13; 460, 13 und die Zeugnisse bei Ahrens 28).
Diese Erscheinung wurde von Ahrens dahin erklärt, dass hier
eine Nachwirkung des vollen Suffixes zu Tage trete : ,Et fnit
longa (sc. ultima syllaha) positione antiquissimis temporihus,
prinsquam escfremvm ~ ahjectiim est, quod Latint servarunt,
eXsYOVT, sAusavT, sof/^aOcVT.' Da aber zwischen eAsvcv- und iXz-(ow
nothwendig die Mittelstufe eAsycvv liegen muss , fasst Curtius
(Stud. II 166) im Anschluss an Misteli den Voi-gang so auf,
dass in der dorischen Accentuation sich nicht die ui'alte volle
Endung vt, sondern die nächste Erweichung w geltend mache
oder mit andern Worten, dass wir ,voller klingendes und des-
halb Position machendes v anzuerkennen habend Nicht anders
ist der Vorgang in den angeführten Versen, wo also nicht isav
cp'n^BCj sondern ssavv cpv.ösc u. s. w. gehört wurde. Dieses icxtv
steht aber nicht vereinzelt. Auch im Skt. ist die Mittelstufe
äsaiin (vor Vocalen, z. B. in äsann afra) erhalten (vergl. Mi-
steli Zs. f. vergl. Spr. XVII 112, Delbrück Zs. f. deutsche Phil.
I 127, Curtius a. a. O. 165).
Ein voller tönendes und darum Position bildendes v und
p müssen wir in einigen einsilbigen Wörtchen anerkennen 5 ob
der vollere Ton die Einsilbigkeit begünstigte oder noch etwas
anderes, weiss ich nicht zu sagen. Aber ohne ihn wäre doch
der Misston zu grell in's Ohr gefallen, und dies zu vermeiden
war ein leichtes. So steht s? [iv' y.sv i[).t Y.ivfzq H 77 (2) , oicKutq
Xcv ideXr^z'. r243(2), -OTOt ;j,sv =>' ir.xjGOic A442(2), wo Bekker
[jL£v p' schreibt, tx [X£v z'.y.f,zz p533(4), wo alle Handschriften
\t.vf t' bieten, vuv oh. C7u [j.sv Wioxo \482(2), wo |j.sv durch fol-
gendes rj-ap i[j.e bestens geschützt wird, H 389 folgt eine schwache
Interpunction. yy.p findet sich lang: rj yap c Y A ,"542 (2), focp
£x' sVcAAsv B39(2), T«? ä-ivsjOc P520(2), ^="9 V^y-r.zz (oder viel-
mehr rfAx-^cs?) a580(2), yy.p Ixcv T49(4). Nur der letzte Fall
Hesse sich durch den Anlaut des folgenden Wortes entschul-
digen und vergleichen mit KöLpiyr^ t113 und dem, was Ameis im
Anhang zu dieser Stelle beibringt. In einem Falle liefern die
456 Hartel.
Handschriften selbst ein Zeugniss für die postulirte Aussprache
des p, x242'Ä;ap äxuAcv ßxXavcv ts, indem sie r.OLpp bieten und die
Ausgaben izip p' schreiben. Was die Einsilbigkeit in v.sv, [j.£v,
yap bewirkt, vermag in den zweimal gelängten a-rap: öcTap sv
vssTo) £l08(2), aTocp £pi-/)pac t27o(4), der Accent. Ganz vereinzelt
stehen oä;j.ap 'AXsYr,vopioas E503(4) — c 126 folgt Interpunction
auf oajxäp — und Tca-sp in der Formel /aTps TraTcp w ^sTvs 0 4O8,
CT 122, ul99. Da $aiJ,ap nur an den beiden Stellen vorkommt,
ist es erlaubt die auch hier für den Nominativ nothwendige
Mittelstufe oa[j,app vorauszusetzen, um so mehr als Herodiau
(I 246, 7) der Form oa,aapc7 neben sXp,'.v;, p.äy.apc, ^aXap? ge-
denkt. Wenn aber TraTsp als Vocativ sich nicht rechtfertigte,
läge es nahe nach dem etwas moditicirten Muster (ciXoc & Me-
vsXas ein tzoltViP w csTvc zu wagen.
Ausser den behandelten Endungen wüsste ich keine
unter denen, die lange Messung gestatten, namhaft zu machen,
bei welcher die Länge als Reminiscenz an eine bessere ur-
sprüngliche Quantität sich ei-klären Hesse. Es ist also zuzu-
sehen, ob nicht aus dem Verluste eines anlautenden Conso-
nanten eine Reihe von Längungen sich rechtfertigen lasse, wie
ja anerkanntermassen hierin ungemein häufig eine Wirkung
des Digamma vorliegt. Hier ist zunächst die Längung kurzer
Silben vor wc zu, erwähnen, überall in sechster Arsis wo nicht
das Gegentheil durch die eingeklammerte Arsennummer be-
merkt wird: aOavaxo; wc C309, oCi-^zipoq A482, a'.vj-ib; N 531,
v^sAioc H185, t234, Osb; r230, A58, ^205, -Ar/:; Z443(2),
[xsX'jßo; A237(4), g'Soc c29(4), — r.a-.cv w; 7 296, 0£bv 1155(4),
1302, 1 297 (4), M 176(4), X434, ^I'339, £36(4), r, 71 (4), 0 173(4),
t280, 6 339, ■/.r/.bv (4)B190, 0196, v/jt^ut-ov Y 200. 431, tvojystov
N470, 'fJTbv (4) Z 57. 438 — ßie; üc AI 72 (neben ßbs; w;
a^sAaTai x299), v.'Jvs? E478(4), opvcOec T2, cu£c a413(4), —
opviOac WC B764; vergl. die früher genannten Stellen ~iiq w;
3 32(4), "TziKexjc wc r60(4). Das sind im Ganzen 37 Stellen
(bei Bekker Hom. Bl. 204 fehlen 6, eine x299 ist ungehörig
und A 58 doppelt gezählt) und zum Theil in Arsen ohne Cäsur-
pausen. Consonantischen Anfang vertragen 18 Stellen nicht,
wie S' fix; E78 und llmal, xaxb; wc iv oijiAw 094, xtiXo; ri96, i
XeovO' M293, 11756, okzoi'pcyoc N137, -a-.c 0 271 (bei Bekker
sind Z443, 5 32 falsche Stellen. E78, II 605. 756 fehlen), also,
Homerische Studien. 45 i
wenn nuiu von einem halben Dutzend niclits entsclieiclendei-
Stellen wie y.aTlr,p wc absieht, nur die ILälfte. Die feste post-
positive Stellung rechtfertigt Hoffmann's Bemerkung: tarn cum.
in antiqidore poesi talis 'prodnctio in icsii esset, accepif eam,
etiam Homerns, quem constat raro a formulis qtdb^isdam recedere,
und muss uns abmahmen, was sich etwa von dem Anlaut des
WC sagen lässt, sofort der ganzen Sippe zu vindiciren. Mit
Berufung auf die von Ross (Alte lokr. Inschrift von Cha-
leion oder Oeanthea, Leipzig 1854) edirte lokrische Inschrift,
welche Z. 6 rz~t bietet, glaubt man bei dem Pronominalstamm
und demnach bei wc den Verlust eines Digamma annehmen zu
dürfen. Dies Zeugniss aber verliert jeglichen Werth durch
die Kirchhoff'sche Datirung dieser Urkunde , wonach sie
nicht lange vor, vielleicht sogar nach dem Anfang des pelo-
ponuesischen Krieges zu setzen ist (Studien zur Gesch. des
gr. Alph. 2. xVufl. 9,3). Das aus dem lebendigen Sprachgefühl
entschwindende Dio'amma hat sich nicht blos dies eine ]\Ial
irrthümlich eingeschlichen. Alle Wahrscheinlichkeit hat die
von Curtius zuerst (Philol. III 8) aufgestellte Ansicht, dass
d)? einmal mit j angelautet habe, so dass also dieses dem sanskri-
tischen jd-t (wie) genau entspricht (vergl. Gz. nr. 616, Christ.
Griech. Lautl. 15.3 ff., Scherer a. a. 0. 383).
Nicht so häutig wie vor wc finden wir kurze Silbe lang
gemessen vor e//o, das sein anlautendes c: tlieils unversehrt er-
halten (i^ov) theils in deutlichen Spuren erkennen lässt (sl/ov).
Wir gedachten des anlautenden Consonanten bereits bei -'itp
E/sv T49 und \}.i>-('.z r/cv X412. Hieher gehören: Oaij.ssc i'/ov
K264, x£v-pv;vsx£ac r/cv E 752 = 6 396(4), lph^\j:r).o^) v/j^q>
2580, ß^Xo; £X£-cT/.£c A51 ^ A129 (und doch lag nahe ßzXo;
xepnreoxs; A 845). Auch in -yvr/i; M26, '-74 (Hes. Th. 636)
und r.y.piyr^ t113 macht sich das z fühlbar.
Wenn die früher entwickelte Ansicht richtig ist, dass
aviQp digammirt war , so erledigt sich /.jv;; hlpiz -z P 65 (4),
xey.X'.;j,3vo; avcpoy.ir/^Tw A371 und bei dem in hohem Grade wahr-
scheinlichen Zusammenhange zwischen -h-qp und ä'vOpo)-3c (vergl.
Curtius Gz. nr. 422 und S. 456) auch -£p'.y.Tiovac avOpü>-ouc
ß 65 (.5), -0A'j7-£p£ac avOpw-o'JC X 365 (5) und [jApo-zz avOpwz;-. i 288
(5), drei Kürzen , die an dieser Versstelle ziemlich vereinzelt
wären.
458 Hartel.
Zu den Wörtern mit labialem Anlaut gehört auch äpvec;.
Die verwandten Sprachen (vergl. Curtius Gz. nr. 496), ßapvbv
= apv{;v bei Hesychius, der inschriftlich erhaltene Eigenname
Fapviov (Ahreus dial. aeol. 170, dor. 45) und von Hoffmann
(II 39) bemerkte Indicien in den Gedichten sprechen dafür.
Wenn aber Hoffmanu seine Bedenken dagegen damit motivirt,
etenim. jper fotam Odysseam ne iinum quidem digammi indicmm
invenitnr, so müssen wir hier wieder betonen , dass in Urkun-
den, wie die Homerischen Gedichte nun einmal sind, auch
seltene sprachliche Thatsachen, namentlich wenn sie sich
durch Ursprünglichkeit und Alter empfehlen, nicht anzutasten
sondern vor allem anzuerkennen sind. Zu der Annahme
eines Digamma stimmen sc oiopov äpva? TSIO und rSkJaziffko'/
"Apvr)v B61.
Sonst sind es nur vereinzelte Wörter, deren Endungen,
wenn in alter Zeit noch ein Consonant im Anlaut des folgenden
Wortes wirksam war, als rechtmässige Positionslängen sich dar-
stellen. Aber eine solche Annahme hat, wenn sie sich blos
auf die wenn auch noch so evidente Etymologie des Wortes
stützen kann, und durch andere prosodische Eigenthümlich-
keiten nicht begünstigt wird, keine überzeugende Kraft. So
werden wir etwa an die Nachwirkung des Digamma bei eiva-
Tcps? aX'.Q X473(5) denken, weil noch andere Spuren dafür
vorliegen, worüber Hoffmann II 42, eben so bei vsxpbv 'EXtü*/^-
vopa \j. 10 (vergl. Hoffmann II 45), an die Nachwirkung eines
G bei vvjac aXaS' B165 und bei ■::0TaiJ.bv aAi[j(.up'/^£VTa £460. Aber
wer wollte ein Bpw 0' ov loptoaa A27(2), Tpwsc eloq P7oO(2),
ohr^xq akoyov Z 366 (2) mit den sanskritischen Formen svidjämi
(sudo), jdvat (quamdiu) und der volleren Gestalt des Präfixes
sa entschuldigen? Schon darin, dass in den Fällen, die uns
noch übrig bleiben, kaum zweimal vor demselben Stamme
Verlängerungen begegnen, liegt eine Mahnung, in dem Anlaut
der einzelnen Wörter nicht weiter den Grund der Längung
aufzusuchen. Wenn nun ab(>r weder die Natur der Endimg r
noch die des Anlautes den Gebrauch kurzer Silben als Arsis- '
längen rechtfertigen, wo bleibt uns noch eine Ausflucht? Auch i
in der besonderen Kraft einer Arsis vor der anderen liegt '
kein erschöpfender Erkläruugsgrund ; denn wir linden Längung,
in der 5. Arsis, noch einmal so häufig in der 2» und 4., wenn I
Homerisclio Studien. 459
auch liäutig-er als in allen anderen zusammen Mu der dritten.
Den ganzen Rest der Längungen für ein Product falscher
Analogie anzusehen, hat auch sein Bedenkliches ; allerdings lag
hier eine Erweiterung des Gebrauches durch falsche Analogie
bei der äusseren Gleichheit der Endungen und der liäufigen
Verwendung derselben vor schwachen Inter})unctiunen näher
als anderswo. Vermöchten wir auch eine genügende Erklärung
nicht zu finden, so hätte es immer einen Ww'th, die Grenzen
des' erweiterten Gebrauches durch eine vollstäntlige Sammlung
näher zu umschreiben.
Es kommen hier zunächst eine Reihe von Wortformen in
Betracht, die, wenn nicht der günstige Fall consonantischen
Anlautes des folgenden Wortes hinzutrat, schwer anders im
Verse zu verwenden waren. Daran ist der daktylische Strom der
homerischen Rede besonders reich. Es sind ava-f/^aToi 7:oX£[A'.ci-ai,
die für ihren Platz kämpfen. Der Odyssee gehört die Formel
an, die nicht deshalb etwa eine jüngere Erfindung zu sein
braucht : xbv o' auT' Waxivoo; ct.-y.\}.d^z-.o ^o'jvyjssv ts -q 298. 308,
a347. 362, V 3, welche für gleichgebaute Namensformen dient,
wie 'AvTivoo; p405. 445, Eup6Xc-/o; 0 140. 158. 400, Au-öa-j/.;;; t405.
Verwandt ist die Formel toTo-'.v o' \K\yhzQz, cr^o^i^ixio y,at [j.z-izvzz
t\ 185, V 171, mit gleicher Verwendbarkeit füi* die Namen \Kv-[-
voo; c773, 'kii.wioiioc, 7:394,5 412, u244; der ersten nachgebildet
ist 1r^ o' äOt' EüpjaAoq aTisy.aivurj 0 127. Auch vor Interpunction
sind diese Namensformen nicht selten ([v. 294. 352, ^275. 2G7,
X49), doch nie in der Ilias. Die gleiche Silbenabfolge haben:
£'.oc[j.£vo: \K'/.i\xy.vv. E462(2), \xxpy.[j.z'izc, oapor; 1327 (über den di-
gammirten Stamm vergl. Curtius Gz. nr. 493), iv.b]}.v)Qq sXsA'.y.-o
N558(2) vergl. Iloffmann II 22, stca[j.£vc? y^^r^M 11716, lataij.svc;
WTp'JViv P582(4), ooDp\xf)oc, ixapov T345, £Ay.5[j,svo; 'EX'.y.a)viov
Y404 (vergl. das arkad. z\<.y:q = snlix), [a£Aoc[A£Vo; a^aAo-:p£9£o;
*I* 363, o£;ä[jt,£voc £V BoJjxas'. '1''89, aiJ.fy.''(y.T.oi.'Ci[j.v/oz mz ei 11192,
c£uäiJ.£vo; wsO^ X 22 (2), £VTpc7:aAt'C5[;.£vo? wc t£ Xic P 109 (5) - denn
consonantisch verhält sich nur das nachgesetzte w:; in der
' Formel, — 6£oy.A6;^.£vo; sTxpcov o 529, T-r^AsiJ.ayo; •q'n'üX'KS. j 303 (4),
-j.lJ.zvbxij.zvoz a-£-£;j.d/£ 10 285 (5), \K^(y.ai)vizo:; .\h^(T,'.o<.03.o B624 - ';:av-
v'j/j.ov £'JO£'.v B 24. 61 , a-aivj[x£vov Wizigölzvo^ A 582, z-k'.^zöij.zvzv zc.
N495(5) vergl. Iloffmann II 44, xiJ.oiyy-ov 'npay.A-^s; V 145,
T)Z'^yi\j.zvov hzr^r:y. i^ 163 (5), TT^d\j.T/zv i^zi){'ChYi u374(2), — £upu-
sitzb. a. viiü.-iiist. ci. Lxvni. Bd. ni. lieft. 30
460
Ha r t el.
TTuXe? "Aiäos; S(I)W74(5), «utostsc or/vsuai y 322 (2). Diesen Wort-
formen kommen einige längere auf einen Trochaeus auslautende
nahe: /.aaiYvr^tot; 'Avx/^vopoc H473, auTOxxciYv/]TOv suyjysvso? A 427,
Y.a.aiyTr}TOv ojjLCYacTptov 0 47, lepsutjavTsc sv.au^wv tu 454. Es scheint
hier auf den ersten Blick beachteuswerth, dass 32- oder viel-
mehr, da in den beiden Versen P 582, u 303 (vergl. */267) die
Hephthemimeres die Penthemimeres vertritt, 34mal die Län-
gung in die Hauptcäsur fällt, nur 5mal in die Trithemiraeres
und 5mal in die Arsis des fünften Fusses. Aber bei der Mehr-
zahl ist dies doch wohl eine Folge davon, dass diese umfang-
reichen Silbencomplexe nicht leicht anders unterzubringen
waren , ohne fühlbare Störungen des Rhythmus hervor zu
rufen wie z. B. P582 und u303. Das würde indessen nicht
ausschliessen , dass diese Verse dadurch auch erträglicher
wurden, indem durch die Cäsurpause der Stimme ein natür-
licher Anlass geboten war, so lange auszuhalten, bis die Gleich-
abständigkeit der Arsen gerettet war. Man hat auch die Kürze
an dieser Versstelle auf historischem Wege zu erklären ver-
sucht, indem man in ihr die syllaha anceps sieht, welche am
Ende der kleineren Reihen, aus denen sich der Hexameter
zusammensetzte, mochten dies nun daktylische Tripodien (West-
phal Gr. Metr. 12) oder, wobei die syllaha anceps jedenfalls
einleuchtender wäre, eine anapästische akatalektische Tripodie
mit Abwurf der anlautenden Kürzen und der Paroemiacus sein
(Bergk, Griech. Literatur 318 col. 1), am Platze wäre. Es
bliebe auch hier die Frage übrig, warum diese Antiquität sich
gerade bei solchen Wortformen am liebsten erhielt und wie
die Uebertragung derselben auf andere Versstellen erklärlich
ist. Da wir nun einmal recht minutiöse Zeittheilchen abzu-
wägen haben, nuiss man in Anschlag bringen, dass die Stimme
nach längeren Wörtern um ein merkliches mehr innehält als
nach kurzen, und was wichtiger ist, QuantitätsdifFereuzen zwi-
schen den kurzen Silben selbst, die wir deshalb , weil wir sie
nicht mehr wahrzunehmen im Stande sind, noch nicht läugnen
dürfen. Ein Grammatiker, der die deutsche Sprache als todte
vor sich hätte, würde, wenn er bei Platen Verse wie
,Im Wasser wogt die Lilie die blanke hin und her,
llu' TIaupt nur wiegt ein lieblicher Gedanke hin und her',
Homerische Studien. 4G1
) _
die an Zahl die Länti;iuigeii im Hexameter um ein erhebliches
übertreffen dürften, träfe, unschwer zu der Einsicht gelangen,
dass kurze und tonlose Silben unter der Arsis das Recht langer
und betonter haben. Und doch wäre diese Einsicht nur eine
halbe. Wir hören deutlich, dass in einem drei- oder mehr-
silbigen Worte die übrigen Silben, wenn man von der mit dem
Accente erster Ordnung ausgezeichneten absieht, an Rang und
Gewicht nicht ganz gleich sind, und wissen, dass nur die bes-
seren von ihnen solch' bevorzugte Verwendung im Verse ge-
statten. Dass dies auch im Griechischen der Fall war, dafür
spricht, dass eine Abfolge kurzer Silben auf mannigfache Art
gemieden wurde, und das Streben solche Silben der Quantität
nach abzustufen, sogar bis zum buchstäblichen Ausdi'uck ge-
langte. Oder worauf anders beruhen Bildungen wie cro^co-spoc,
osow-oij.at (vergl. Curtius Erl.- 115) und die häufige Synkope
in Fällen wie scxcv, £3-c[j.yiv? Hieher gehören auch die homeri-
ischen Längungen in aOävaTcc, a/.äiv.a-c.;, avessAsc, TavaT:£Ao) v 223,
aTTOviovTC Bllo. 283 und sonst, a-oBiwjxa: E 763, aTrczesYjfj'.v w 7,
ir(opy.xzbt B 337, sTiiTovo; \). 423, und die mehr beweisen dürften,
in rjväOso;, y;XtT6[JLr//0£; T118, v^ixaOiet?, r,vep.c£'.c, -^YspsOcvTa-, Y^spsOcvta'.,
fl'^opi-q. Demselben Zweck dient die Doppelform in d-TcXsij.o;,
jLSvsTCTcXcpLOc, ffiUYOTtTOAsfj.oc, (siAo-TSAsixo; ncbcu TA-^zcAep.o; B 653.
)arin dass regelmässig die erste Silbe in äOävxtsc und den
mdern gelängt erscheint, liegt doch etwas, was, wenn es nur
auf die Willkür des Dichters ankam, recht zufällig sein
nüsste.
Dem zuletzt angeführten Beispiele (•/.asr/vr^tiv) am ähnlich-
iten ist die Längung bei trochäischen oder trochäisch auslau-
;enden Wortformen : s'.y.v;a; äXi/ov Z 366 (2), [j.d'fvr,cc aAacO v. 493
ft= lJi.267(2), Mcvwo; cAcicppovo; a321, vf,xz alp-^aijjLSv 1260 (vergl.
haq akao' B 165), vr/c; s^s^B-.to ij.329, Axbv r^^zipo^ ß 41 (2), Tpwsc
^9? P730(2), cij.o)s; evl clxo) a]90(5), xpsTor O-aXu^a 0 355(5),
iber CDEHLR haben /psio);, TrpÖJToc W-^a'^.v^.vcjz: A219, c&v.oq,
;piouv'.o; V 72(4), 6 ^slvo; ey-idir iOt/M t99(2); autbc aKoycc -.207(2)
st von La Roche durch das bessere auTcc t' ersetzt. Nicht
venig auffällig ist es, dass nur 4mal die Pause der llauptcäsur
fie Dehnung erträglicher machen hilft, zweimal sogar die
i^urze Silbe auf die fünfte Arsis trifft. Sollte es zufällig sein,
iass in acht der angeführten Wörter ein Spirant vor der
' 30*
462 Hartel.
betreffenden Endung ausgefallen ist? Lieber Tpw; o[j,a); Mivw;
vergl. Curtius , Erläut. '^ 53. Ein Spirant ist nenilich auch
da im Spiele , wo das sogenannte Umspringen der Quantität
stattfindet. Kpovt'oäo und Kpovicsco setzen ein Kpovtoajo oder älteres
Kpovi'oacyo , rSkcfiz, und TröXewi; ein 'Kokzjoz , [iaaCkr^y. und ßaciXsä
ein ßaciXeF«, \a.bc und Aswq ein Xaröc voraus. Und da sichere
Fälle anderer Art, wo dieser Quantitätswechsel ohne Hilfe
eines Spiranten sich vollzieht, nicht vorliegen, bin ich geneigt,
das r und j mit Delbrück (Stud. 11 193 ff.) lieber als einen wesent-
lichen Factor in diesem Process anzusehen, als mit Curtius
(Stud. III 398) hierin ein gleichgiltiges Element zu erblicken.
Die Spiranten verlängern, indem sie sich vocalisiren, entweder
den vorausgehenden oder den nachfolgenden Vocal, je nachdem
sie vocalisirt mit dem ersteren oder letzteren Contraction ein-
gehen, d. h. die Vocalfarbe dieses oder jenes annehmen. Nur
im Anlaut der Wörter waltet die Neigung vor^ den folgenden
Vocal zu verlängern, so in isXojv, £-/]voavov, icoptov, iwATreiv, stop-
^s'.v, £(ox£'.v, iif)0'/bv. aus s-FaXwv, e-aFavoavov u. s. w. , selbst wo
dieser folgende Vocal lang war. Hier überall eine ältere Bil-
dung, yjöpwv -/jaAojv, aus welcher durch Metathesis die Quantität
swpojv saAiov geworden wäre, vorauszusetzen, ist, da in der
Ueb erlief erung keine sichere Spur derselben erhalten ist, kühn
und kann dafür sdjpxaLOv, worauf sich Curtius stützt, kaum
beweisen. ,Wie soll man z. B. scop-a^ov anders erklären, als
durch Umspringen aus '^op-ua^cv ? Das Augment ist ein Element
des Anlautes, es muss ursprünglich in diesem seinen Sitz ge-
habt haben. Wer swptaJ^ov direct aus *£ropTaLOv erklärt, bezeichnel
damit den Unterschied zwischen dem co des Imperfects uul
dem 0 des Präsens als einen rein zufälligen, während er be
jener Annahme ein bedeutsamer ist', Curtius a. a. O. 399
Aber wissen wir denn so sicher^ dass das Präsens nur sopial^oj
nicht auch opTdcw gelautet habe, wie ja neben iopTY^ die Foi-n
6pr(^, woraus jenes doch wohl durch Fs-Fopri^ geworden (vergl
Sonne, Zeitschr. f. vergl. Spr. XIII. 442), vorliegt? Und wem
wir von sFopTÜ^w ausgehen, ist nicht die Nichtdehnung im Prä
sens und die Dehnung im Imperfect für die Differenzirun!
der Bedeutung mit bezeichnend? Gegen unsere Annahm
sprechen die Formen v-axov <^I^332, 3 247 (neben st(jxov i321
X363), -oiy.to c79G (neben etxTO ^F 107), -^sioei? X 280, -^si'Ssi '.20(
\
Homerische Studien. 463
mit wechselnder Quantität also des r,, wie t.'j.i/Xo-i bei Hes.
Theog. 478. 888. 89S (4G8 nui- Conjectur Mützeirs) neben
dem häiil^gern s'.xsaXsv (Th. 468. 490. 552. 8c. 126). Ich trage
demnach kein Bedenken, das Augment dieser für identisch zu
halten mit dem in v;;/£X>>ov und in dem spät bezeugten -^ßojXcixYjV,
•^ojvaixTjv, and hieher auch v-sipsv K499; v-a ■qio^i f,[/.sv (= ■;^-'.-;^,sv)
zu ziehen. (Mit gewöhnlichem Augment findet sich nur -/.xtsTsv,
d. i. y.y~-i-<-vi Hes. Sc. 254, eine Form, die man durch Con-
jectur entlernt.) Denn was soll in •/;-£'.p£v die Längung bewirkt
haben? Doch nicht der Schwund des s (vergl. asipa, sero)?
Oder wie will man anders das Augment des St. -. erklären, da
ja hier überhaupt nichts ausgefallen istV Das Augment ist
bekanntlich a -- so in dialektischen Formen, die Ahrens
Dial. aeol. 229 zusammenstellte und zu denen Curtius Erl.
96 noch i'crßscrOs = o'.s^Osips aus Hesychius hinzufügt, erhalten,
— auf einer früheren Stufe ä (vergl. Benfey Skt. Gr. f. Anf.
85, Scherer a. a. 0. 231). Benfey hat zuerst in den
griechischen Formen -J^^/.caXov, -rjouvair^v , -^ßojXoir^v Reste dieser
ältesten Gestalt erkannt. Ihnen stellen sich die Formationen
der Stämme rio und -., an denen manches Alterthümliche haftet,
bestätigend zur Seite. Wenn also hiermit die Einwirkung der
Spiranten auf die Quantität der Nachbarvocale und im Auslaut
eine schwankende Einwirkung gesichert ist, was folgt daraus
für die in Rede stehenden Verlängerungen? rqoiz Hesse sich
ganz glatt auf v/;äc, geworden aus rr^aq zurückführen, indem bei
diesem Stamm die Ursprünglichkeit der Länge durch nävl
constatirt werden kann, und ähnlich verhält es sich vielleicht
mit Xaov. Dieses Mittel versagt bei den andern. Es bleibt nur
die Vermuthung übrig, dass der Ausfall des Spiranten bisweilen
beide Vocale in ihrer Quantität gehoben oder eine Unsicher-
heit der Dauer erzeugt, welche eine Verwerthung derselben
in der vorliegenden Weise erleichterte. Dafür lässt sich ein
von Usener (Fleckeisen's Jahrb. 1865, 234 Anm.) beigebrachtes
Beispiel anführen: neben rSke^z und TzoKrfic, begegnet in einem
Epigramm von Prione (Ross, Arch. Aufs. II 582, vergl. 584)
die Form. nOAEIÜ}:, Das von Usener damit veiglichene slw;
wäre nach dem, was Curtius (Rhein. Mus. IV 242 ff.), A.
Nauck (Melanges gi'ecoromains , bulletin de racadcmie de
Petersbourg t. II 399) und Delbrück (Stud. II 193 ff.) dar-
464 Hartel.
über gesHg't, ein sehr imsicherer Beleg. Nun fällt auch auf die
früher kaum erklärbaren Fälle S 320 ilspc^a tcocvtwv und E 227
"Ap-/;a t6 ys ein Licht, denn einen Stamm Äpiu fordert die
Homerische und bietet die Aeolische ("Apeuc, 'Apeüoq, "Apeui",
"Apsua, 'Ap£u Ahrens 121) Declination.
Hat diese Darlegung Anspruch auf einige Wahrschein-
lichkeit, so bleiben nur o Fälle A219, T72, t99, die einer
Entschuldigung entbehren. Einzig in seiner Art ist t99, indem
dieser Vers sich zweimal die Kürze hinter einander gestattet
(^zhoq qjiOcV iOsXo)).
In tribi'achyschen Wortformen linden wir die auslautende
kurze Silbe in folgenden Versen in der Arsis : TzcXzit-c^/ ap.a
A226, aXoxou 'AvTv^vopc? Z299, Op-Voc uttc N368, 'icsoiov 'lov.ov
<I* 358 (der Fall ist unsicher wegen der Variante 'IX-i^iov), %6\ioq
i7ctߣtoi^.ev ;:262, av£ixoc xyvac E499 (2), 'itjvo? eizi ü 295 (2),
ooeXeq ayovo? r40 (2), [jivcO? aXx% X 282 (4), Maxapoc; eSo? Q544
(4), 'jox-oq ava i209 (4), svOev Ss Trpoxspto tcXso.UcV ay,a)(Y][;-£Vot -^xop
i62. 105. 565, x77. 133, XiV-svcc su5p[j.ou «I>23 (5), 'I>542 las
Aristarcli jcpsoavwv. Die 3. Arsis ist vor den anderen kaum
begünstigt.
Pyrrliichische Wortformen in gleicher Messung begeg-
nen : v^ vauTYjffi xepa? rik atpaxw supet Xa<5v A 76, xixoc eXa^oio 6 248
(4), xp'jßoa ^ibc ä'XXwv S 1G8 (2), y^''°? aTOXtoXe 5 62(4). Ja sogar
einsilbige: =; h\r,c X 236(1), o? i'^si 0154(1), '.Spw 6' 3v Bpwca
A27 (2). Es ist aber hinsichtlich dieser gewiss höchst auffälli-
gen Längungen, deren geringe Zahl unsere Anschauungen doch
eher zu bekräftigen als zu erschüttern im Stande ist, im Ein-
zelnen zu bemerken : bei lipac vor r,i ist eine Siunespause
zwar nicht uothwendig, aber möglich, und da vor v;£ noch
zweimal gleiche Messung zu beobachten ist (xspabv v^ r24, Y^l-*'"
ßpb? r, 0582 (vergl. vouaoc, ri X172), recht wahrscheinlich. Aiö? j
^ 168 geht auf AiPo? und kann hier das Digamma in der früher j
angegebenen Art seinen längenden Einfluss üben. 3c fängt zwei- '
mal den Vers an , geniesst also von dem Rechte der ersten
Arsis, in welcher bisweilen Silben stehen, die für keine der
anderen Arsen hinreichend schwer wären , wie tpiXe xaGi'yvyjxe
A155, 0Tar357, sxs'.ov^ X379, M-2, cl3, 0 452, ? 25, «482, liJ«.£vai
V365 (vergl. dazu die früher besprochenen ettitovoc und xi ot j
•jub AaTCapTjV X307). Auch diese Freiheiten sind nicht vom
Homerische Studien. 465
metrischen Staudpunkte aufzufassen, als ob , ^ ^ _ statt
j _ ^^ den Vers begännen, indem eine Abweichung des
Rhythmus am leichtesten im Anfange des Verses ertragen
würde. So fasst die Sache A. Spengel (T. Ma,ccius Plautus
107), und auf alle Versfüsse dehnt diese metrische Freiheit
Leskieu (Curtius' Stud. II 72) aus, wodurch, sollte man meinen,
wir jeder weiteren Untersuchung ü))er Quantität der Vocale und
Verdoppelung der Consonanten und anderer Mühsal überhoben
wären. Dieselbe Theorie für den deutschen Vers vertreten
Koberstein, Gesch. d. deutschen Nationallit. II 1125 Anmerk.
und Brücke a. a. 0. 19. Was weiter 6 248 -ixoc ikdzoio betrifft,
so gehört dieser Vers jener Partie an, , welche schon Hermann
in der Vorrede zu den Hynmen S. VII. als ein auffallendes
Beispiel des elendesten Nachahmerstyls aufgestellt hat' (Lach-
mann, Betrachtungen 24). o 62 y^voc i.r.c'koiXe steht unter den
Versen 62 — 64, zu welchen wir in den Schollen HM. lesen:
TiporjOsTCuvTO TCapa Zyjvoooxw v.al ^apa 'AptcTOcpavci- 'Aptcxap/o; a.Qs.xo'j[JÄvMv
a-'z/wv ä'vc'j Toü i c''a(7£ ty^v Ypac-v]v, und in denen es um das Sprach-
liche noch schlimmer steht als um das Prosodische (vergl. Bern-
hardy, Syntax 162). Als charakteristische Merkmale nicht
eben des besten Versbaues werden wir auch die anderen zu
betrachten haben und uns schliesslich nur wundern , dass der-
artiges so spärlich begegnet.
Der Vollständigkeit halber stelle ich noch die Ver-
längerungen kurzer Endsilben, die ich in den Hesiodischen
Gedichten und den Hymnen angemerkt habe, zusammen. Die
fast durchgängige Abhängigkeit von Homerischen Stellen und
die verhältnissmässige Seltenheit verdienen auch hier alle Be-
achtung. >.c und iv: -xic (ops^axo Th. 17<S (4), scptv, 5? Th. 834
(2), -äai; i'/sx' Th. 746 (4) verderbte Stelle, toic err^ Op. 376,
Xapiv suepvsataojv Th. 503 (4), xaxa -cpv^^iv -J; Hymn. I 453, r.ÖK'.v
£paxs'.v(^v Hynm. I 477 (2); -/.öv-.; -hi^^Tuvi Hymn. III 345 (4),
iTiTioicv ; o'j Hymn. I 213; — -»?, jv: W/Xuq, zIgt^-az'. Scut. 264
(2), /Jauc opsai Hymn. III 33 (4) und in der Thesis 'O'.vliv aX-
•yivscaaav Th. 214; - av. EÖßctav t- Op. 651 (2) vergl. 15 841; —
£v: xp£9£[Acv axtxaXXqxcva'! x£ Th. 480 (4), 7.axc/£v bzioey. Th. 844
(4) vielleicht wegen des Digamma, vergl. Curtius, Gz. nr.
590, Op£'f;£v £v! Fr. XXIV 2, ä'^aY-/ . ipia^xx Hymn. III 12,
466 H ^rt>i\.
i'OsXcV, aAAä Hynin. IV 25; — £?: \rK<)6ij.e'/oq 'd-/.izq 'AC^aviox üymn.
I 209 (4), £T:i/,aiovT£c, sm Hymn. I 491. 509, y.uvoe; o t£ Hymn.
III 196 (2); -- ap: 'ftov^? y«? W^' Hymn. V 57 (2); — ov: Osbv
i6? Th. 91 (4), toXwv ixp Op. 477 (4), «(o-.ov r/ov Sc. 210 ver-
derbte Stelle, cixspoaXeov 'iizr.o'.ai Sc. 341 (2), veov sTLttsXXojxevo'.o
Hymn. III 371 (4), suaipwiov, oOt Hymn. IV 157, di'otov s'Xa/c
Hymn. XXIX 3 (2), üzaTov spo? Hymn. XXXIV 8 (4); — o?:
TTupbi; dcTCÖ (doch in den besten Handsch. -Jüjpoc x') Th. 845, "/.aact-
xepoq wi; Th. 862 (5) , oiJMcq sv sXufxaTt Op. 430 (4), avicTa[A£voc,
tva Op. 577, £7ri7U£'.66[A£V2(; ey^iixvi epuadpixoi.Txq Sc. 369, avTtO£0?, rfi'
Fr. CXXIX 4, £Opi[j.£voq rA£wv Fr. CXXXVI 3, SaiJ.o? "Ior<?
Hymn. I 34, Maxapoc Bo? H. I 37 (= 0 544), xpaxb? aX6? H.
I 74 (5), £'.o5[j.£vo; ocllrfi) H. I 449, ixvtoc[j.£voc £xt£(; H. I 209,
ä)^oc, £V£xa H. IV 199 (2). Häufig sind Lcängungen vor digam-
mirten Wörtern, doch auch hier meist nach Homerischem
Muster, so Th. 56, Op. 173. 455. 570. 673. 721, Sc. 20 in der
Thesis, 54. 69. 100. 244. 330, vor loXao; 77. 102. 323. .340.
467, Hymn. I 56. 157. 534, V117. 323. 333, XXVIII 11
und sonst.
Ist in der That in der Position bildenden Kraft der
Liquiden und in der Verwendung von später gekürzten Silben
als Arsislängen eine hohe Alterthümlichkeit erhalten , wie wir
uns zu zeigen bemühten, und hat im Laufe der Zeit sich die-
selbe nicht auf dem Wege falscher Analogie ein weiteres Ge-
biet erobert, sondern von ihrem ursprünglichen Gebiete ver-
loren : so rauss aus den Ziffern der Fälle in den einzelnen
Partien der Gedichte nicht etwa die Entstehungszeit, das höhere
oder mindere Alter derselben sofort bestimmt werden können,
aber wohl dürfen dieselben mit auf anderem Wege gewonnenen
Resultaten nicht in Widerspruch stehen, ja der Einklang darf
als eine erfreuliche Bestätigung nach beiden Seiten hin erachtet
werden. Eine gründliche Durchführung dieses Gesichtspunktes
ist nicht mit Wenigem zu geben und möchte sich doch erst
lohnen, wenn die Resultate der vorliegenden Untersuchung
Zustimmung von anderen Seiton gefunden. Eine kleine Probe
möge aber doch hier Platz finden. Ich wähle zu diesem Zwecke
die Verlängerung kurzer consonantisch auslautender Endsilben
in der Arsis, und stelle die Bücher der Odyssee, denen links
Homerische Studien.
467
die Verszahl beigescliricLen ist, in folgender nach der Häufig-
keit der Beispiele geordneten Tabelle zusammen.
G40
X
16
566
i
12
586
0
12
574
y.
11
347
'n
8
331
i
7
481
Tv
9
453
V'
8
604
T
10
394
U
6
440
V
6
493
£
6
497
T
6
847
0
10
428
a
- 5
557
0
5
606
9
4
372
'^
*>
o
434
ß
3
444
a
3
501
Z
3
533
3
548
W
3
434
'P
1
Bei den einzelnen Zahlen werde folgendes beachtet.
Obenan stehen die Bücher, welche theils den Grundstock der
Odyssee bilden (Q, -q, 0, i und vielleicht a), theils (x, [i), wenn
auch ursprünglich für einen anderen Zusammenhang gedichtet,
doch unzweifelhaft älter sind als die selbst in ihren ursprüng-
lichen Theilen von der Hand der Ueberarbeiter schwer ge-
troffenen 4 ersten und 12 letzten Bücher, In die ältesten
Bücher, namentlich in r^ sind umfangreiche Interpolationen
hineingerathen , von denen eine -0 103—131, die Beschreibung
der Alkinousgärtcn, alte Arbeit, die andere -q 185—232, 298—
347 von der Hand des Bearbeiters herrührt. Auf erstere
kommt ein Fall •/]131 u'Kaov, HOsv, auf letztere drei, 185. 298.
308, aber nur in der Formel A/atvooc aYopr^Gaxo, a7ra[x£{;3cTo; denn
341 ist die Lesart unsicher. In 0 sind die unzweifelhaft vor-
handenen alten Elemente von den jüngeren Zuthaten nicht
mehr auszuscheiden; von den 12 Versen fallen 7 (127. 140.
158. 173. 238. 400. 408) wegen der Formel weniger in's Ge-
wicht. Nicht ohne Bedeutung ist es, dass in t, einem der
ältesten Theile neben den 12 Längungen consonantisch aus-
lautender Silben die alten Lautwerthe in vr/t t£ 1 94, äcTrapiä xat
109, 'xj/avo5[X£vä -OTi 147 (TcpOTi ist schlecht bezeugt), xsTpäy.uy.Aci
242 erhalten sind und darin der einzige Fall cvo[/ä- O'jxiv mC^
sich findet. Solches begegnet in anderen Büchern nur je ein-
mal, von 'I und w abgesehen, wo aber je 2 Fälle in wiederholten
4:68 Hartel. Homerische Studien.
und formelhaften Versen ('| 102. 174. 225, w 192. 309. 322)^
stehen. Buch 9 hat nur eine Längung 224 xat /.uvsov aya-
r.y.'Qz\i--vo'. und nicht einmal darauf einen eigentlichen Anspruch.
Manchmal drängen sich die Beispiele auf eine kleine Partie
von Versen zusammen, so o)285. 311. 354. Bezeichnend ist
endlich noch die gleichmässige Sparsamkeit, welche die der f
Telemachie angehörenden , jedenfalls späteren Bücher a, ß, y,
0, 0 durchzieht.
XVI. SITZUNG VOM 14. JUNI 1871,
Herr Prof. Dr. Aug'. Reiff er scheid in Breslau sendet
eine weitere Fortsetzung seiner Bibliotheca patrum Lati-
norum italica (II. Bandes 2. Heft. ,IV. Die Bibliotheken
Piemonts').
Herr Dr. Aurel. Mayr in Wien ersucht um Aufnahme
seiner Abhandlung ^Sprachliche Resultate der Silben-
zählung aus den Gäthä's' in die Sitzungsberichte.
Herr Prof. Dr. Krön es in Graz sendet ein (für die
Schriften der historischen Commission bestimmtes) Manuscript
,Die österreichische Chronik Jacobs Unrest. I. Abtheiluug^
Der Secretär theilt ein Schreiben des Verfassers der
gekrönten Preisschrift über Ottfrieds Syntax Dr. Oscar Erd-
mann in Graudenz in Westpreussen mit.
An Druckschriften wurde vorgelegt :
Akademie der Wissenschaften, Ungarische: Ertesitüjc. IV. Kvfolyam. 1 — 12.
szani. Pest, 1870; 8" — Nyelvtud. Ertekezesek. VII.— X. es uj I.— II. szärn.
Törtenettud. Ertekez. XII. sz. — Törvenytud. Ertekez. XI. — XII sz. —
Termeszettud. Ertekez. I — III. sz. — Tärsadahni tud. Ertekez. XIII. sz.
Pest, 1870; 8».
470
Heidelberg, Universität: Akademische Gelegenheitssclmften aus dem Jahre
1870—71. 40 u. 8".
Istituto, R., Lombardo di Scienze e Lettere: Memorie: Classe di Lettere
e Scienze morali e politiche, Vol. XI (II della serie III.) Fase. 3 e ultimo;
Vol. XII (III della serie III'. Fase. I. Milano, 1870. — Classe di Scienze
matematiche e naturali, Vol. XI (II della serie III). Fase. 3 e ultimo;
Vol. XII (III della serie III). Fase. I. Milano, 1870; 4". — Rendiconti.
Serie II. Vol. II. Fase. 17—20. 1869; Vol. III, Fase. 1—15. 1870. 8^ —
Rapporti sui progressi delle Scienze. I. Milano, 1870, 8".
J
Reifferscheid. Die Bibliotheken Pieinoiits. 471
Biljüotlieea Patriim Latinoriiin Ttaliea.
Von
August Reifferscheid.
IV.
Die Bibliotheken Piemonts.
Bei meinen Untersuchungen in den Piemontesischen
Bibliotheken hal^e ich in vollstem Maasse erfahren, wie ver-
dient das Lob ist, welches Amedeo Peyron in seiner Notlzia
deir arcMvio dd rev. cajntolo d'lvrea S. 4 den Bibliotheks-
und Archivs vorständen seines engeren Vaterlandes spendet, wenn
er auf sie bezüglich sagt 4a fama della cortesia Piemontese suona
altissima in Europa'. Zu ganz besonderem Danke aber fühle ich
mich Amedeo Peyron selbst, dem nunmehr verewigten Nestor
der italienischen Gelehrten, sowie dem Bibliothekar des Königs,
Commend. Promis, verpflichtet, deren wirksame Empfehlun-
gen mir überall den Weg bahnten. Gorresio, Präfect der
Turiner Universitätsbibliothek, gestattete mir während der
Ferien dort zu arbeiten, und jederzeit fand ich bei ihm wie
bei Bernardino Peyron, dessen kundiger Sorgfalt der
Handschriftenschatz der Bibliothek anvertraut ist, die gewünschte
Auskunft. Gleich freundliche Aufnahme wurde mir in Ivrea,
Novara luid namentlich in Vei'celli zu Theil, wo ich in dem
■Archivar des Domkapitels, meinem ehrwürdigen Freunde, drin
Canonicus Giovanni Barberis den liebenswürdigsten Biblio-
thekar Piemonts und Italiens überhaupt, was viel bedeuten
will, kennen lernte.
472 Eeifferscheid.
I
1. Die Universitätsbibliothek in Turin.
Üljer den Bestfind der Turiner Universitätsbibliothek
im vorig'en Jahrhundert erfälirt man das Nähere in dem be-,
kannten Catalog- von Pasini , Rivautella mid Berta (Codices
Ttiamiscripfi regiae hihliothecae Taurinensis Atlienaei 1749). Nach
mannigfachen Schicksalen erhielt die Bibliothek einen werth-
vollen Zuwachs durch Am. Peyron, der die letzten Reste der
]^il)liothek von Bobio dorthin rettete. Vgl. seine Abhandlung
de bibliotheca Bobiensi (s. o. S. 3), in der er über einige
der Bobienser Handschriften, die jetzt in Turin sich befinden,
genaue Mittheilungen gibt ^.
Ambrosii expositio evangelu secimdum Lucam.
G. V. 15. membr. 4. foliorum 48. saec. VII. *
f. 1 -^ ita "• ergo et tu ad ea quae difficile cre|duntur
auctoritatem diuini sermonis adscisce. et promissum eins ad-
uenjtum. prophetarum uoce —
f. 2'' et bene liber qui seruitutüm cupiditatum reppulit.
mortis | uincla nesciuit '-' dico autem uobis in mg. m. s. IX: hie
finit Liber v. | uere sunt aliqui hie stantes qui non | gusta-
bunt —
f. 48'' nolite soUiciti esse animae quid | manducetis neque
corpori quid | uestiamini aninia plus est quam esca''||
' Nur .seine Angaben über das Alter der Handschriften sind häufig un-
richtig — 2 Gehi)rt zu Ambrosianus H. 78. Sup. S. oben S. !^. Zwischen
der Maih'inder Ilandscluift nnd der Turiner felden zwei Quaternionen —
•■' Oben m. rec. Cai)sa G2 — ' 6, lOG XV 1097 1) — ^ Ende des seclisten
Buches — G 7, 123 1. c. 1730 d
Die Bibliotheken l'iemonts. 473
i
Augustinus de auimae quantitate.
1. VI. 48. inemlir. 4. toliorum öl. sii'^c. X.'
1". 1 a. XV lib s' andree VccttDsis j In istu uoluie st'
iscpta op'chi b. Aug-. s. | de q^titate aic | de imortalitate aie |
de ma^'o | de cura j) mortuis || f. 1" Incp reträctatio sei auj
gustini de animae quantitate | reträctatio ] In eadem - urbe scripsi
dialogum | in quo de anima multa quaeruntur ac disse'runtur. —
f. 2*^ C&eris quam'uis do magis quae •' mihi | Explicit
reträctatio. ] Inc]5t lib de animo quan'titate. ^ | Quoniam uideo
te abundare otio | quaeso ut mihi respondeas de his quae | me
mouent (u ex b). non ut opinor inportune | —
f. 1 4'' ■' animam non ipsü uentü sed tale aliquid esse dixi. '' ||
f. 4 longe " absit. fJta & hoc memini r'Uides itaq: j animo &iä
i])sam locorum distantiam. r" uideo. | —
f. 51'' Non eam tarnen quod cum corpore anima concidi
potuerit quam si repperire | non possumus quaerenda non ^ est
po tius uera quam falsa credenda. | deinde quare'' abs te utrum
putcs in I uerbis nostris alium '" esse ipsum sonü j aliud quod
sono significatur; | f" ergo " uti'umque idem puto||
Augustini coUatio cum Maximino, contra Maximinum lihri duo.
a. II. 2'. membr. 8. folionim 113. saec. VIII.'-
f. 1 '^ In hoc codice /////////// | Sei Augustini. Ubi cu Maxi-
mino I arriano?( epo concertatus e | Liber scti columbani de
bobio I et ' * raaxim' yppone regio unvi in locü cG uenissent '■' |
psentibi multis ta clericis qua laicis. maximin' dix. | — Maxi-
I » Bei Pasini ii 228 unter der Nummer DCCXX d. II. 40 — 2 Retract. 1,
j 8 XXXII 594 — ^ quam — * de quantitate animae 1. c. 1035. In der
I Handschrift findet sich keine nähere Bezeichnung der Interlocutores —
" f. 4—11 gehören nach f. 14 — e 4, 6 1. c. 1030 — " 5, 8 1. c. 1040.
Ein Blatt feldt — ^ nonne — ^ quaero — '" aliud — " ego — '2 Y^r^.
limpsest Ciceronianischer und Livnanischer Fragmente. Erstere hat Peyron
1. c. ediii;. Über die in Deutschland unbekannten Liviana vgl. die Bemerkung
von Baudi di Vesme in den Memorie doli' accad. di Torino tom. vni (184fi)
S. 181 n. 44 — '3 f. 1. 2 saec. xii. Peyron setzt die ganze Ilandsciirift irrtliüm-
lich ins zwölfte Jalirhundert — ** Cum Augustinus et XLII 709 — '^ con-
venissent
474 Eeifferscheid
min' resp. Si fide mea postulas /// simi' ' & | parati ad respon-
dendü üiTii poscenti nobis ratione | —
f. 2 recurrit. q est fons bonitatis. a q csecutus & ^ siue
beatus. | Eg'o -^ illa teneo fide. que ariniino ^ ab octing'entis ■'
& XXX I epis n solü exposita. — cfessio sit '' | ad salute. instrueti
p ' spm '* sps scs effusus e in omis credentes. | »Sic eui legimus
beatü petrü dixisse; —
f. 2'' ista satisti sie factü. '■' Apis '" siue etia | oins sei illumi-
nant qde credentes. — sed sedm suam miam saluos nos fecit.
p lauacrum | reg-enerationis et renouationis sps sei ' ' ||
f. .3 quem '^ effudit abunde in nos per ilim xpm sahia-
tore I nostrum iam dedi responsum qiim siue paulus inlu|minat —
f. o*" quae diximus addimus testimonia quia tum '•' per '^
isse. '■"' Augustinus dixit. dixistis spm scm. | inluminare an non
dixisti. —
f. 4*" protulisti quidem testimonium diuinarü sci-iptu '^ ||
f. 6 '' filius '^- quando enim sps scs contraria xj5o aut patri |
ti'adidit mandata constat '" secundum saluatoris senjtentiam —
f. 7 gignendo eum uitam gignendo eni uitam dedit ei
uitä I —
f. .SP inueniri discipuli maximinus. eps. | subscripsi. et
post conlationem prae sentium Augustinus ista dictauit —
f. 33 uelis nolis j ostendam Augustinus eps. suscripsi et
ad I me transmiseris si non ad omnia responsum dedejro tune
ero culpabilis. expli. -" | hinc iam osteuditur qu ae acta sunt
cum maximiuo |1 f. 33'' arrianorum episco quibus maximinus
' Lücke — - om. — •' Hier folgt das vorher tibergangene — ^ Ariraini —
•'' treceiitis — *> fit — ' Lücke — * lesiim Christum — ^ satisfactum (8
1. c. 713) — '» Wie oben — "6 1. c. 712 — '2 Es fehlt: quem effudit
in nos abunde, per lesum Christum salvatorem nostrum. Secundiim lianc
regulain dico spiritum sanetum et profiteor illuminatorem per filiuni, nt ante
dictum est. Von der alten Handschrift fehlt das erste Blatt — '^ oin. —
14 per 7 1. c. 712 — '^ fmsse 9 1. c. 713. In der alten Handschrift fand
sich also dieselbe Transposition, wie wir sie in der Ergänzung walir-
nehmen — '" 11 1. c. 715 — ''f. ö ist nicht mehr vorhanden. Peyi'Oii
hatte es nocli — i» 12 1. c. 716 — '» et constat — 20 ostendam. Et alia
manu: Augustinus episcopus subscrii)si. Itom alia manu, Ma.Kiminus: Cum
expiicueris Innu; libclluni et ad ine ti'ansinisei'is, si non ad omnia respon-
dero, tunc ero culpabilis. Explicucrc gesta. Contuli.
Die Bibliotheken Piemonts. 475
non respondit ' | + disputatio - maxiiiiini arrianorum epi cuius
prolixitate | spatium diei quo pracsentos coiifcrebamus ab-
siimpjsit —
f. 45'' •'' moysen | commemoraui ei dicente ' || f. 47 '' per
quem'' facta sunt oimiia; deinde addidisti cijto" —
f. 49 rejfutarc non posse ut ea rp mal'is "^ surmmo silentio |
pvaeterire. | Contra ultimam prosecutionem raaximini | arrianorum
epi i^. sei aug-ustini •' | Res iam postulat. ut in eo quod | reli-
quum est. opitulante diio | —
f. 50 debeo non redarguere dispotando. | Vorba maximini
de ultima prosecutione conlata | Loqueris quasi auxilio^ prin-
cipum — respondisti | quod placuit. Responditur (i ex e) '•' | + dicis
nie auxilio^ (o ex um) principum munitum —
f. 67 si semper | alter ex altero nasceretur; nee eam^'
pos|sider.t uirginem '- mariam. ac deinde uejniret uirtus altis-
simi hoc est. sapienjtia di quod est xps. et ipsa sibi '■' sicut
sc|riptum est aedificaret domum. '^ —
f. 112 diuinarum scripturarum discipulus ut de tua fra|
ternitate g'audeamus. ||
f. 113''' aut'^' ist ultus est ("J) quam necessaria quam be-
üigna est diuina clemenjtia quae cum sciat non deesse sanatis
quaedam postmod uulnera | dedit curandis denuo sanandis-
quae uulnoribus remedia sahitaria nüjquam deniq"c fratres dilmi
admonitio diuina cessabit (b in. al. in u) et tacuit —
f. 113'' quod item in psalmis sps scs declarat et | probat
dicens beatus qui intellegit super egenü j et pauperem in die
malo liberabit illü ds. 11
I ' Augnstini contra Maxiniinnm liLri flno 1. c. 743 — 2 Dispntationi —
3 Tm Vorhergohcndcn die Niimmcrirnng falscli; dio richtige Reilienfolge f. 38.
41. 42. 39.43 — ^ 15 1. c. 75.5 — •' f. 4G ist nicht mehr vorhanden. Peyron
hatte es noch — '' 17 1. e. 750) — ' fiddidi: Seite — ^malles — ^ Liber
secnndns — '" In der Ausgal)e fehlen die Worte des Maximimis: im Fol-
gendon ebenso — " 12, 3 1. c. 709 — 12 17^ 2 1. c. 784 (Lücke) sanctifi-
caret ^^rginem Mariam — '^' om- — " sibi domnm — '^ saec. ix — ""' ?
Sitzl). a. phil.-liist. Cl. LXVIU. Bd. III. llft. 31
476 Eeiffersobeid.
Augustini tracfatus adversns quinqne liaereses, collatio cum
PascentiOf ej^istulae ad Pascentium, de symholo contra ludaeos
paganos et Arianos.
G. V. 26. membr. 8. folioruiu Ißl. saec. VlI.'
f. 7 - age ^ si mecum est ^ in omuibus | qiiare litigamus.
si una no bis est hereditas. simul pos sideamus - —
f. 5 siluas errares quesiui te. || f. ö*" f. credimus "' unü
diTi omnipoten|tem. uisibilium omniü & inuisibiliü factore. et
in unü dnm nni | ihifi xpm filiü di. natu de patre | unig-enitü.
hoc est de subsjtantia patris. — chatholica & apostoliea eccle|
sia. explt. |l f. 6 + inter lapides et ligna inuejni te —
f. 1'' er'go fuit tempiis quod non | fecit lilius. nun omnia
per I ipsum facta sunt. lam eni " || f. 8 caeluni ' aderam illi.
et post ( pauca eram '^ aput illum | —
f. 21'' an qui praeparat. Cui ex " || f. 15 est'" genitus.
sed hoc est quod | iugenitus genitus. utpote de | do. ds. non
enim quia adam | ingenitus — -
f. 27 iniuria temere trinitati | Laurentius. iic. liic (bis i
corr. m. post.) gestis aput me ba bitis ippone regio, in domo |
anicia propria | manu subsc'ibsi (sub ex sus) " || f. 27*" Ober j
der Zeile Ine prima epistula sei aug ad eun dem pascentium |
t
Uolueram i- quidem petenjte. te adrque instante ut mejminisse
dignaris. immo | uero '-^ pro merito —
f. b'd^ hoc non rec**" faci et hinc da uejniam huic scribturae
a me | dictatae et relectae. augus tinus " subscribsi. | Expl prima,
ine I secunda eiusde | ad eundem pascetiü || f. 54 Si '"' dicis tej
^ Im Inventar der Bobiensis vom Jahre 14ßl unter der Nummer 26 verzeicli-
net. Damals war die Handschrift noch vollständiger — 2 Blätter verheftet.
Die richtige Reilienfolge : 7. 2—6. 1. 8—13. 21. 15—20. 14. 22. 28 u. s.w.
Zu Anfang fehlen drei Quatemionen und zwei Blätter — •'' Aug. (?) tracta-
tus adv. V haereses 6, 8 XLII 11 06 — * es — ^ Dies Symbolum von oinoi'
etwas jüngeren Hand auf der von der ältesten Hand freigelassenen Seitr
eingetragen — c 6, 8 1. c. 1110 — " 1. c. Ein Blatt fehlt — ^ eram eg"
— 9 exhibetur 7, 9 1. c. 1112 — "' Aug. (?) collatio cum Pascentio l.'i
XXXIII 1158. Zwei Quatemionen und ein Blatt fehlen — '• Lam-entiiis -
subscripsi om. ~ '2 Aug. ep. 238 XXXHI 1038 — '^ om. — '^ ego Augu-
stinus — '5 239 1. c. 1049
Die Bibliotheken Picmonts. 4< <
mi'lii dixisse üde j tuam et me tibi noluisse di cere fidem meam
quod et ' au!dio te - non tacere —
f. öC)*" ad quod iiolueris responde|re, huic scribturae meae'' |
a me dictate et relectae | augaistinus^ su'^scribsi (b in p m, posf.) \
Expl. epistula secun da sei augustini ad pascentium. ine. eius-
dem I pascenti ad sein aug || f. 57 Optaueram "' te frater | dile-
ctissime pristini er|roris tui consilium depo|nere —
f. öT** rescribere | quod nos uon edificat | Expl epistula
pascenti | Inc. in. sei aug. ad eumde || f. 58 Liferae '' tuae nee
ad redjdenda conuicia me pro uocare nee a^ reddendis | litteris
reuocare potuelrunt —
f. 60'' impendamus. et ad id quod | agitur inter nos po-
tius ad uertamus. | Expl. epistula | sei aug-us tini tertia do j
gratias | Oratio ' de absida | ds lux eterna gloria sempiterna
lumen | —
f. Gl hoc totum inpleret xps || f. Gl'' benedictio übe bene-
die diie hune fructum nobum ubae quem | — pollutionibus
gentiü barbarum ^ ||
f. 62 ilher der Zeile in. post. Ine eiusdem de sinbolo " j p
Inter pi-aessuras adrque angus tias praesentis temporis. | et no-
stra '" ofiicia seruitutis. | cogimur dilectissimi non ta eere. cum
potius expediat | - — -
f. 104 exliibet sui sponsi. expectans ■ ' | auras libertatis.
ut uindi cetur ab eo huius '- humilitas. | quoniam ea'" iiiri sui
obtinet | Caritas, ipse est enim qui ui uit et regnat. cum dö |
patre et cum sprl sco {m. poftt. ex spm scm) in | saecula saecu-
lorum I amen | Expl. Inc. expo situm symbo li sei. ruüni || f. 104''
leer || f. 105 Mihi '^ quidem fidelissime j papa laurenti ad scri-
bendü | animus tam non est eupidus. j quam nee idoneus. scien-
tia '^ I non esse absque periculo niul torimi iudieiis. —
f. 127'' tum deiude etiam | illud '"' aduerte. nos homijnem a do
creatum deter^^ (überklebt) limo "'H f. 128 nos '^ autem praedicamus
* ego Auofustimis — •'' 240 1. c. 1051 —
'' 241 1. c. — " Von hier an bis zum Ende von f. ßl'' Cursivschrift des
^;. Jahrbunderts — ^ Folgen noch einige unleserliche Worte — ^ Aug.
(?) contra ludaeos. paganos et Ai'ianos sermo de symbolo — '" nostrae —
" et exspeetat — '2 gius — '^ XXI 335 ^ '< scienti — '^ ad illnd —
16 13 1. c. 351 b — 1" 10 1. c. 35fi b. Ein Quatemio fehlt
31*
478 Rpifferscheid.
xpm 1 I crncifixum. ludaeis quidem | scandalum. ge"tibus autem |
stultitiam. ipsis uero ^ uocatis | iudeis et grecis, xpm di iiirtu|
tem et di sapientiam, et ali bi ^ —
f. 15o^ sed ad* suum quod habuerat | reparetur. iit con-
sequenter possit-^|| f. 160** certum '^ est quod et Corpora eorum.
in spiritalis ^ corjporis g-loriam uertat-'. —
f. IGO*" Sacra mento diis ü ihs xps unicus | eius filius ha-
beatur et qua i" (in mg. m. s. XV deest) ||
Augustinus de j^salinis.
Theca F. IV. 1. Fragm. n. membr. 4. foliorum 2. saec. VII — VIII. ''
f. 1 etiam ^~ in lauoribus iustorum contra iniquojrura feli-
citates patientiam docet. patie tiain —
f. 2'' in mudo. ueruuni uite habeutes. quodammodo '^ ||
Benedicti regula.
(i. VII. 18. membr. 8. foliorum 99. saec. X."
f. ] Liber scti 131 columbani de bobio | In nomine scae |
atque indiuidue unicae trinitatis | Qui leni iugo xpi — in eum ||
f. l** In nomine dni nri ] ihü xpi. Incipit prologus regu lae pa-
tris eximii beatissimi | benedicti abbatis. | Ausculta •' 6 fili prae-
cepta magistri. | —
f. 5'' esse consortes. am. "" | Incipit capitula | regulae '" |
I De generibus uel uita monachorum. —
f. 8 L XXIII De hoc quod non omnis obseruan tia iustitiae in
hac sit regula constituta | Incipit regula sei j benedicti abbatis |
I De generibus '* monachorü | Monachorum. quattuor | ee ge-
nera manifestü. e. 1 —
^ Christum praedicamus — 2 ^j, — 3 ibidem — * om. — ^ 4;^ ]_ (._ ßgg b
— 6 Blätter verheftet. Die richtige Eeihenfolge: 152. 154. 155—159. 161.
153. IGO — 7 46 1. c. 385 c. Sech.s Blätter fehlen — » spiritnalis —
9 vertet — '" 48 1. e. 386 b — >' Vgl. Peyron 1. e. 126. Die.se Fragmente
gehören derselben Zeit an vde Vaticanns 5757. S. i 448 — '2 patientiam
Aug. enarr. in ps. xciri 3 XXXVII 1192 — '3 5 1. c. 1193 — '^ Vgl,
Peyron 1. c. 211 '^ LXVI 215 — '« ovi. — '• Capitulation fehlt —
'8 generibu.s vel vita
Die Bibliothtilien Piemonts. 479
t. 71 ilo j)teg-uiitc pcriic ' j Expli | a scTj B | do gra-
tiasi II f. 72'^ Incipiunt | hymi sie uel canjtici secuudu regulä | sei
bencdicti abbatis — f. 99.
BoETHius de institutione arithnetica.
Tlieca F. IV. 1. Fragra. m. membr. 1. 2 col. foliorum 2. saflc. VI— VII. ^
f. 1 medietatem ^ nolunnis | inuenire. latera eo rum multi-
plicanda | sunt, et qui ex bis pro creabitur medietas | est. —
f. P redeundum est. | in mg. xlvii de armonica medie-
täte ' I armonica autem | medietas est quae | —
ihid. sie diffejrentia maximi et'^|| f. 2 extremitatib. '' ab^
qui fit ex multipbcata medietate —
ihid. XX. constituam^ statim geometr,^ medietas cum si "||
f. 2'' tates "^ redigantur; et medietatis quan-titate concrescant | —
ihid. cu toditur sed si xv iumerum mediü <onam ut sint
UXÜXLD ^ II
Cäesaeii Arelatensis homiliae.
G. V. 7. membr. 8. foliorum 126. saec. IX— X.
Vorsetzhlatt m. s. XFIn hoc uolumie ifrascpta cotinct'. u^;. |
Cesarii arelaten epiOmelie (eras.) ad monachos | omelienüo. viiii. |
Effrem tractat' de peitentia. | Effrcm diacoui tractat' de iudicio
dei. I et reBrectioe. et regno celo%. | Eiusde:^ de btitudie aie |
Eiusde^ de die iudicij. | Eiusde^ sentetia I iSentetie aug' et
gregorii | Exortatio pannutii abbatis j Taulini epi libelhis. de
passioib'4 aie. | Aug' smo de regia monastej | Epla patris eu-
tropij abbatis ad petrG j papaz,. de districtione nionacboj( | et
ruina monast'io%. || f. 1 Liber scvti 45. cohmibani de bobio | Inci-
pint sie homeliae | caesarii (i alteram add. m. al.) epi | Sicut '" a
• pervenies — - Vgl. Peyron 1. c. 137. Vom zweiten Blatte nur eine Co-
lumne erhalten — 3 -2^ 4ß p. 150, 20 ed. Friedl. Peyron g-iht irrtliümlich
'2, 35 und 38 an; oder sollte ihm ein anderes, seitdem verloren gegangenes
Fragment vorgelegen haben? — * eiusque proprietatibus add. — ^ 2, 47
p. 152, 15 — 6 2, 50 p. 161, 14 — • suis 1. c. p. 161, 24 — « 1. c. 162,
14 — 9 1. c. 162, 24 — 1" Caesarii hom. 6 LXVII 1056 Euoherii hom. 4
L 841
480 Reifferscheid. £
nobis dns pro suscepti ' | ofticii necessitate loquendi deposcit |
ofticium. Ita uobis- kmi audiendi | —
f. b^ in no'lb inueniat iudicaturus. ^ | n Itein homilia eiusdem |
Ad locum ^ hunc. kmi ■">. non ad qui&em. | iion ad seciiritatem.
sed ad pugnam. | —
f. 0** in tiliis merita ''. iam resurgat "^ \ in Item alia eius-
dem I Seimus ^ quidem spiritalis '-^ milicie | —
f. 16'' consumationis pseueranjdum '" puenerit ". iii | Item
alia homelia eiusdem | Ad hoc '- ad '-^ istum locum conuenimus. '^
ut diio I nro uacare possimus. —
f. 19 ipso ^■' inuitante ueniamus. | Praestante dno etc. '^
Amen; v | Item alia homelia eiusdem | Uid&e ^^ uocationcm
uram frs kiiii | uenire quidem ^^ ad heremum | —
f. 22 ornamentum ''•' & in | futuro '^'^ praesidium. Adiuuante
dno nro'-' || f. 22'' sormo simplex ad monachos | Quod -- suppli-
cante^'^ | & quod admodum"-' cari[tate'-'' iubente —
f. 27 pec;catorum ueniam. '^*' tribuatur. "^^ amen. | Item ho-
melia sei caesarii vii || f. 27" Scs.^^ ac uenera|bilis. pater uester
religiosa. j quidem humilitate sed j)pe j indiscr&a —
f. 34'' supplicantibus uobis. adiuuanjte xpo diio puenire. |
Regnaute diio etc. amen. || f. 35 vii. omelia eiusdem. j Miror '^" frs
dilecjtissimi. domnum meum | patrem ufm tanta se | humilitate
deicere | —
f. 40 uenia concedatur. || f. 40'' praestante dno etc. amen. |
villi. Item homelia eiusdem | SS'"' ac uenerajbilis pater uester
dum se ut cum | ucnia. sui dixerim prope ] indiscr&am —
I
' suscepta Eucherins — 2 ^ vobis — 3 iudicaturus lesus etc. Caesarius —
■i Caesarii hom. 7 1. c. 1059 Fausti Rheg. sermo 1 LVIII 869 — & prope-
rantes add. Caesarivs — ^ per merita Faiistiis — '' adiuvante etc. add.
Caen. — 8 Caes. hom. 8 1. c. 1U62 Eucher. hom. 5 1. c. 844 — 9 spiri-
tali — ^^ perseverando — ^^ adiuvante etc. add. Caes. — '2 Caes. hom. 9
1. c. 1066 Eucher. hom. 6 1. c. 848 — Fratres charissimi, ad hoc Caes. —
'3 in Caes, — '^ fratres add. Eucher. — '^ ipso om. Caes. — i" praestante
etc. om. Eucher. — '^ Caes. hom. 10 1. c. 1067 Eucher. hom. 9 I. c. 855
— 18 om. Eucher. — '9 sitis add. Eiicher. — ^o futura Eucher. — 21 nostro
lesu etc. Caes. adiuvante etc. om. Eucher. — 22 Caes. hom. 11 1. c. 1069
Fausti Rheg. sermo 2 LVIII 872 — 23 suppleute Faust. — 24 quodammodo
— 25 cum caritate — 26 venia — 27 tribuatur, praestante Caes. — 2s y _
29 ? 30 51
Die Ribliotliokeii I'iemonfs. 4-81
f. 48*" Icctionem^do insinuante cog-noscitis. | Amen do ij^ra-
tias Unit || f. 44 Incipiunt opus cula sei effreiu | de paenitentia |
haec est tertia | DSs, nostcr | ilis xps qui desccndit | de siiiu
patris & ef|fectus est nobis iiia | salutis. —
f. 49'' qiii tibi deb&ur omnis adoratio | S: gloria in saeeula
sclorum. amen. || f. 50 Incipit liber sei ef frem diaeoni di; | iu-
ditio di et resurjrectione et de | reg'no eaelorü | (it munditia.
animae | haec est prima | Gloria omnipotenti do | qui os nfiu |
supno iiutu aperuit | —
f. 5U Impii auteni | intirniabuntur ab eos. corr. Explicit |
Incipit eiusdem | de beatitudincni corr. | animae. sei effrom. |
Beatus qui | odio habuerit liunc | mundum & solummo do me-
ditatio eins. | —
f. ()(]'' ad patrem luminum puenire | amen; Explicit. || f. 07
Incipit eiusdem sei efl^re | diaeoni de diem iudicii. li<;e. e. v |
Venite dilmi j fr^ exortationem meam | suscipite. & semp me-
mentote j — ■
f. 78'' tralia tur ad uitam a&nam. amen. | Sentententia cu)t.
sei effrem | diaeoni (sequitur add. m. al.) | —
f. 82 prius quam quereremus eum. | Öententia sequitur |
Facit euim hostis | securos quos cupit esse captiuos. ] —
f. 82'' scriptum est. | Greg'orii | Cunctis ergo cog-itatione
tumentib; j —
f. 83 exortatiouib; llectitu)-. lohannis j Supba iioluntas
facit di praecepta contemni, | —
f. 84 fou& ut pdat. | -Sententia. sequitur | DuS dixit. qui |
non accx-pit cruce sua. | & sequitur me. —
f. 86 p pacientia | expectamus. Sei agustini | Uisibilium
omnium proxim'. | niundus est. — & suggestionib; prauis. | 8cs
petrus dixit | Resistite autem tliabulo. & fugi^- a uob j —
f. 8G" & rcquies uera. Sei agustini | Ibi requiescit sps xpi
ubi est i)uritas cordis 1 —
^ ' un
f. 89'' non succurrunt ga'sindi. ad (ifiiciü. nee qucrit ho-
uores. I Sententia sequitur. | Non sequamur malai-um exenqila
qui I male fecerunt —
t". 92'' ad^ipinquate do & ad plpinquabit uobis. Explicit. |
Inept exortatio | ^y panu^lii abbatis. | Ad roeipienduni | eum.
(pü pro foi'ilj; liabitabat; | Nosti ait frater quod dieb; | p forib;
excubans hodie | sis receptus —
482 Reifferscheid.
f. dd^ apostolice caritatis pfectio. | possid&iir. Expl exor-
tatio. I lucpt Libellus paulini de pasjsionibus anime | Frequen-
ter ' I diximus. - semper ^ xpianiis. ' | psecutiouem patitur. ■' mun-
dus. I istc in maligno positus est, Aduersa | — 1
f. lOB"" diaboli liberare. Cui est gloria in scla | saeculo-
rum amen. '' | Maxima " pars reg-ulae [ monachorum. mortificajtio
est; —
f. 105^ & omnem sie fastidinm | corporis nutrit. | Ideo tu
lector lente folia uersa. manus | laua & si (lies sie) librum tene.
et ei aliquid j) uestitu|ra. prosterne. | Expliciunt | onieliae | sei
caesari epi | et sei effem di aconi || f. 10() Incipit. sermo. sei
agustini | epi de regula monastlierii ad mo naehus haec ^ sunt
quae ut obseruetis | Praeeipimus in monast^erio constitu|tis pri-
mum propter quod in unum | —
f. 114'' & in temtatione n iudueat. | qui uiuit & regnat etc.
am. I lucpt institutio sei ac beatisjsixmi ca^siani ad monachus
cori'. 711. al. II f. 115 Sicut namq: in mensa dni gloria & a&|na
uita fideliter seruientib: —
f. IIQ** fructificant atq; subcres|cunt. p dnm nrm etc. ain. j
Incipit epistola patri sie eutropii | abbatis ad petrü papä de di-
strictiojne monaeliorü & ruina monasthe riü directa in roma. |
Omnipotens '' dns pro sua misericordia humanus corr. m. <d.
miseratus errores. p moysen. | —
f. 125'' Ideo & multi uocati. pauci uero electi. i.- | jnisillus
estgrex. cui conplacuit patre // '" || f. 126 " illo '- male uoluntatis
siue uitio ofFendat et cadat | — protegat & coniirmet. '•' | Expli-
cit epla eutropii abbatis | vi. s. XV Iste liber est monaeho* —
scriptus ab nüo 49 (49 in ras.). I
Cassiani conlationes.
Die Turiner Universitätsbibliothek besass drei Blätter
derselben Bobienser Handschrift von Cassians conlationes, von
' Aug. (?) ad fratros in eremo sormo 60 XL 1342 Caes. hom. 20 1. c. 1083
— 2 fratres chaiissinii add. Anrj. — ' quod semper Avg. quod Caes. -
■1 Christiani — ^ patiuntur — *> Cats. liat einen anderen Schluss. liberare
totos, cui est lionor et gloria per omnia s. s. A. Aug. — '^ ? — * ? —
9 LXXX 15 — '" patri 1. c. 17 d — i» m. s. xv — >2 i. e. 20 — "^ pro-
tegit et confortat
Die Bibliotheken Pieinouts. 483
i
wclclici- sich auf der Vaticana in cod. 57()() (vij;-l. i 474) hun-
dort Blätter finden. Die Turiner Blätter waren, wie A. Pcyi'on
sah, ebenfalls palimpsest und enthielten Fragmente des Codex
Theodosianus. Vgl. Peyron 1. c. 155 luid seine Ausgabe CocU-
L'is Theodosiani fra<jriienta inedita lS2o p. 18. Wie mir die
Bibliothekare versicherten, sind dieselben verloren gegangen.
Aus Peyrons Angabe 'recens scriptura refert collationes pa-
truni, sie conlationes Ab. Fafnntii, tum illas Ab. Danihells, in
quibus sormo est de tribia^ abrenuntiationibus de concupiscentia
carnis et s'piritus' geht hervor, dass die Turiner Blätter Bruch-
stücke der dritten und vierten conlatio enthielten und demnach
in der Cassianushandschrift vor die Vaticanischen Blatte*', die
mit conl. 4, 12 beginnen, gehörten.
CASsiODOmi (!) panetjyvici.
a. U.** membr. 4. t'oliorura 7. saec. VII — VKI.
Angelo Mai fand in einer Bobienser Handschrift, dem
Ambrosianus G. 58. Sup. (siehe oben S. 88), zwei Blätter,
Fragmente von Panegyrici enthaltend, als deren Verfasser er
zuerst iSymmachus, dann Cassiodorius annahm. Zwei andere
Blätter desselben alten Codex entdeckte A. Peyron in Turin
und veröffentlichte sie 1. c. 182 s(iq. Ebendaselbst fand Baudi
di Vesme noch fünf dazu gehörige Blätter und vereinigte
alle bis dahin gefundenen "Fragmente in der Abhandlung Fvani-
menti di orazioni paiuujtricM di Magno Äurelio Cassiodovo Se-
natore (Memorie della K. accad. delle scienze di Torino, scrie
II Tom. VIII scienze mor. stör, e tilolol. Torino 1846. S. 160 tf.).
Eine Revision der Vesmischen Lesung w'wd noch manches Neue
zu Tage fördern, wie sich mir bei einer flüchtigen Vergleichung
ergab. So steht Ö. lijü Z. 2 imdieresqm ociosas S. 202 Z. 17
glaubte ich nach eiiisdem zu lesen seuatoris: auf jeden Fall
enthielt die Zeile den Titel eines neuen Panegyricus, wie die
Schnörkel am Ende derselben und die Initiale am Anfang dei-
folgenden zeigen '. 8. 2()o Z. (j am Ende liest man deutlich
futuris sae.
' Am Schlüsse von Z. IG ist wohl ine tlictio (incdic . . . Vesme) zu lesen
484 Eeifferscheid.
Cerealis contra Maximinumi.
E. IV. 43. memhr. 4. foliorum 8. saec. VII— VIII. »
I. 1 liicipit altercatio iiiter catnolicus et enticus j i quia -
aequalis pater -^ et filius — xviiii Contra id qnod dicunt quia '
pater Uli sub iecit ' omnia | qualis '' patri filius sie dicetur ^.
apostolus I paulus dixit '^ oc sentite de " uobis quod et in | xpo
iliu qui cum in forma di esset non rapina '" | arbitratus est esse
sc uellem " dö —
f. 1"" (xviiii '-) patriarcliae et profaete | iideliter tenuerunt '''H
f. 8 XX In libro sapientiae sicut^-' di '•'' sapieutia qs | est filius di
sie et sps scs noui '•' consilia patris | —
f. 8'* XXXV '' I In eodeni libro qsa filius di de substantia
est patris | pro q^bus ang-elorum '^sca cibasti populum | tuum et
paratum panem de caelo praesti!tisti illis sine laborem omne
delectamentum in se | habentem et saporis suauitanitem sub-
stantia'"^ I enim tuam dulcidinem tuam '■' — magnus diis ds'-"
noster et magna uertus eins et sapientiae tue-' | non est no-
merus '^'^ ||
CoNCiLiORUM acta.
Tlieca F. IV. 1. l'ragm. iv. meiiibr. 4. foliorum 0. saec. VII— VIII.
f. 1 Uher der Zeile m. rec. Capsa 62 | natiuitates sed^>- ut
et ip'um essentiae nostrae | bcnedicat. initium. | — subiecta sunt,
liuic nostrae epistolae | unter der Zeilem. al. «eg^a/i anathematismus
primus | i si quis non confitctur. dm esse secundum ueri tatem —
1 Bildete früher mit E. IV. A'2 eine Handschrift. Vgl. Pasini 1. c. 244 ff.,
Peyron 1. c. 216, der irrthümlich die Handschrift mit Bob. 141 identificirt.
Siehe unten Sedulius — 2 LVIH 757 b. Die Einleitung fehlt in der Hand-
schrift — 3 est pater — ^ quod — ^ subiecit illi — ^ Cerealis. Quia aequa-
lis est — '' docet — ^ dicens — ^ in — >" rapinam — " aequalcm —
'2 XX — '3 cecinerunt. Propositionibus tuis iuvante patre et filio et spi-
ritu sancto de novo et veteri testamcnto respf)ndi, nunc vero pro cathoUca,
qnae ubique est fide, alia testimonia proposui, quibus respondere debeas.
In lil)ro sapientiae — '* quia sicut — ^^ deus — '^ novit — '" om. —
'^ substantiam — '9 oin. — -'^ om. — '-' eins — 22 Schluss fehlt in der
Handschrift
Die Bibliotheke?i Pieraonts. 485
i
f. 2'' (xii) et uiui ticans ut ds aiuithema sit | data niciiso
noeiiibr'' (j. xxx, indicf xiiii. | incip' epistula scripta ad clonun
et populum I constautinopoleos. in qua scribit — resistentes
eins doctrinae || f. 3 dilectissimis — aeg-yptiaca diocesi in dno
sal. I villi (data — viiii m. al. nequali) \ Uix quideni ali({uando
perueninius ad quod fu erat —
f. 4 uirtutis et di sps. in uobis requiescit | Expl. epist
vim ine epist x. | suscipiens auteni et archiepcs roniae caelesj
tinus quaterniones expositionum ipsius nesto rii. per antiochum.
et inueniens eos plenos blas phemiis. insuper etiam ammonitus
ab arcbill f. 4'' episcopo Cyrillo — est enim haec. (Expl. —
haec. m. al. aequali) \ x dilectissimo fratri nestorio caelestiuiis |
aliquantis diebus iiitae nostrae post nefanjdnm —
f. 6'' uitia maiore sempcr dolore sanari. Inter iiiul ta quac
et a te impie praedicata. uniuersalis | recusat ecclesia. symbolo
ab apostolis tradito || ^
Cypriani episttdae.
F. IV. 27. membr. 4. 'i cul. foliorum 21. saec. VI.'
f. 1 obtemperantcs 2 iu'dicii sui si tempus co'stituit non
oboedi entibus •' et tunc quijdem gladio occide bantur —
f. P prae cepta eins seruantes ' | placeanius. | Opto te fra-
;er carissime ac desiderä tissime in dm ^ semper '' bcne ualere||
F. 2 ad stephanum ' ] expl iiicip j ad lucium de | exilio reuersii |
in m(j. in. s. XV xliii | Cypriauus '^ cum colle gis lucio fratri
Salute I et nuper quidem tibi | frater carissime gra tulati sumus
3um I —
f. 2'' quem co lebant quemquem | et nos colimus po tentem
sse Lit quos^^ll f. 3 quoq. '" caperemus. | quae illic exaltatio |
jmnium fratrum | qui concursus adq. | couplcxus —
' Vgl. Peyron 1. c. löti ft'. Fragmente derselben Handschrift entdeckte ich
in Ambros. D. 519. Inf. S. o. S. '22 und jetzt Ilartel in .seiner Ausgabe prolcg-
p. ^xvm — 2 IV .371 a. f. 2 hat das Quatornionenzeichen .wii — ^ et iudi-
cibus a se ad tempns constitutis non obaiidicntes — '* servandn — ^ Do-
mino — '-■ f)i)i. — '^ ad Pomponium de virginibus. So lautet auch in der
Handschrift der Seitentitel — HI 972 — ^ (ad Lucium papam Konianum
reversura ab exilio) — '•* eos 1. c. 97.3 b — '" 1. c. 974 b. Ein Blatt fehl*
486 Reiifurscheid.
f. 3" pro seilte plebe possit | celebrari ' | optamus te frater
carissi|me semper bene ualere | Ad lucium de exijlio reuersum |
exp incp | de uictore ^ qui fau'stiimm pr tutolrem nominaiiit ||
f. 4 m. s. XV (sie semper) xliiii | Cyprianiis ^ praesby!teris et
diaconibiis | et plebi furuis con sisteutibus salutem | Grauiter
commoti sumus ego et colleg-ae | mei —
f. 5'' quod nunc fac tum est fuerit uin|dicatum. | Opto uos
fratres carissimi | semper bene ualere | Ad clerum et plejbem
de uictore | qui faustinum | pr tutorem nojminauit exp | incp
ad maximü | et nicostratum^ || f. 6 xlv Cyprianus'' maximo | et
nicostrato et ceteris confessoribus sa|lutem | Cum frequenter
cajrissimi cognoueri|tis ex litteris meis | —
f. 6** liortamentis petijmus et rogamus. | opto uos fratres
carissimi | semper bene ualere || f. 7 ad maximum et j nicos-
tratum | exp. incp. | ad fortunatum | et ceteros de bis '^ | qui
per tormenta | superantur | xlvi Cyprianus fortunato | haummo ^
optato pri'uatiano donatulo | et felici fratribus sajlutem | Scripsis-
tis*^ mihi ff. kk. | quod cum in capsenisi ciuitatis'' propter | Or-
dinationen! —
f. 8^ sa'cerdotum consilio | ponderata | Opto uos fratres
karissimi | semper bene ualere | Ad fortunatum | et ceteros de
bis qui | per tormenta supejrantur explicit j incp ad maximü |
pr II f. 9 dig-nitas ^" uidebatur | quando milites xpi | non ad
ecclesiam | de carcere redirent | — i
f. 10 cari.tatis ac pacis unitate | remeabunt " | Opto uos
fratres carissimi '^ | semper bene ualere | Ad maximum pr | et
urbanum et si|donium et maca|rium exp incip j ad clerum ro-
mae ^'■^ || f. 10'' xlviii Cyprianus '* ppfr et dd | romae consi-
stenti|bus fratribus salute | quoniam comperi fra|tres carissimi.
minus | simpliciter et minus | lideliter —
f. 12 consilio disponejre singula uel '-^ reformare possi-l
mus I Optamus "' uos fratres caris'simi semper bene ualere |
' praesentibus debet fratribus inunolari — ^ ad clerum et plebem Furnis consis
tentem de Victore — ^ jy 397 — ^ ad confessores Romanos ut ad unitaten
rcdeant — ^ i ^ 349 — 6 et alios coUegas de bis — " Ahymmo -^
^ 1. c. 34ti — 3 civitate — '" (ad confessores de reditu ex schismate con!
gratulatoria) 1. c. 344 a. Ein Blatt fehlt — i' remeatis — '^ ac dcsidc
rantissimi add. — '3 .^i presbyteros et diaconos Romae consistentes -
'•» 1. c. -201 — 1^ et — "^ opto
Dip BiMintholcpn Pipmonts. 487
^ _ )
f. 12'' ad clerum ro mae expl | incp cypi-iano | papae ppfr
et I diacon. romae | consistentes ' | xlviiii Cypriano '- papae pr
et I dd romae consistejte^ salutem | —
f. 19 quasi duram crudelitatem. optamus | te beatissime
ac gloriosissimc j papa semper in dno ■' bene ualejre et nostn
meminisse | Cypriano papae | pp rr et dd romae] consistentes
exp I incp cypriano pa'pae moyses et ma|ximus pp ir ] l Cy-
priano papae ^ moses •' | et maximus pf et nicostratus et rufi-
nus I et ceteri qui cum eis | confessores '' salute | Inter uarios
et multijplices frater dolores nobis constitutis | —
f. 24" quae xpm | potuit ' confiteri potuif" a xpo in com-
mufnicationem ■' retineri | Optamus te beatissime ac gloriosis-
simc papa in dno semper be ne ualere et nostri meminisse |
Cypriano papae mojses et maximus pr | exp incp pprr | et
diaconibus fraltribus ^" 11
Cyprianus de opere et elemosynis , de sacramento calicis.
G. V. 37. mpmbr. Kleinquart. 2 col. loliorum 30. saec. VI—VIT.
f. 1 multa ' ' et magna | sunt fratres | carissimi be neficia
diuina | quibus in salujtem nostram | —
f. 3'' Si autem nemo | esse sine peclcato potest et | quisque
se in|culpatum '"- dixerit aut superbus '■'■ || f. 4 in die '^ mala
libejrauit (u m. cd. in b) illum | deus '"' | quorum prae ceptorum
me'mor daniel | —
f. 28*" in persecutio'ne purpuream | pro passione | gemi-
nabit. | Caecili. cypriani. | de opere et | elemosynis | explicit |
1 cleri Romani ad Cypriannm — "^ ]. c. 2CA — 3 in Domino semper —
* 1. c. 290 Caecilio Cypriano, episcopo ecclosiae Carthaginensinm — ^ Moyses
— ß ceteri confessores in fide veritatis perseverantes in deo patre et filio
eins Jesu Christo domino nostro et in sjuritn sancto — " potuit Cliristum
— 8 potuit et — 9 communicatione — '" Seitentitel in der Handschrift:
ad pomponium de iiirginibus. ad lucium de exilio reuersn. de uictorc qui
faustinü j)? tutorem nominauit. ad niaximu et nicostratii. Ad fortunatfi et
ceteros qui. ad maximu praebyteru et urbanum. ad cleruni romae. cypriano
pai)e ])r et Ü romae. cypriano papc. moyses et maximus pr — " IV 601.
Es fehlen zu Anfang eilf Quateniionen — ^- quisquis inculpatum se esse
— 13 1. c. ()04 b — 'M. c. 606 a. Zwei Blätter fehlen — '-■ cum dominus
488 Eeifferscheid.
Incipit de j sacramento | calicis | Cyprianus ' cae|cilio fratri
sa lutem. | Quamquam sciam | frater carissime | episcopos plu-
rijmos '' {in mg. m. s. IX */• ecclesis dominicis) in toto müjdo —
f. 30'' quod nuditas | illa patris a me|dio filio denoltata
est et foras | nuntiata. a duo - )| ■
ExposiTio evangelii secundum Marcum.
Tlieca F. IV. 1. trasm. vir. merabr. fol. 2 col. foliorum 2. saec. VIII— IX. ^
i
f. 1 ' tantes caritatis manipulos cum gau'dio metamus in
caelo. Explicit j)logus. | Initium euangeli ihü xpi filii di us q^
semittis 9. euangelium gce dr latine | bona adnontiatio —
f. l*" Indicat austani uita pdicantium ex t'as gentes ad
gratiä di q -^ iohannis inltus et foris ee coniungendus. pilis ||
f. 2 sie et iosepli i'elicto pallio nudus de mauib:^ inpudice do-
minae effugit. qui uult | efugire manus iniq^orum relinquens |
inente q mundi st fugiat —
f. "2^ species crucis q'd ,^ n' forma quadrati | mondi : oriens
di uertice fulget. arctor||
ExposiTio psalmorum.
Theca F. IV. 1. frag™, v. nipmlir. 8. 2 col. fuliorum 8. saec. VIII— IX. ^
f. 1 Incipit. XVII. psal. | xvii | Hunc septimiim dec. psal. ni-
demus | secuudi regnm libri etsi comniutajtis quib.dä uerbis
historia Dtineri. — snscipei'unt. lucip. xviii. | xvi In psenti psal.
beatus dd. institutae a do ] creaturae —
f. 8'' (xl) exhibere | die letzte Columne (zur Hälfte her)
fast ausgegangen ||
' 1. c. ;)7.'! (.'id Ciiociliuni de sacramento doniinici calicis) — ^ duobus 1. C. j
;57.'') n — ^ Vgl. über diese Fragmente Peyron 1. c. 192. Viele gälische
Glossen. Der Schreiber ist, wenn niicli meine Erinnernng nicht tcänschte,
derselbe wie in dem Psalmtmcommentar der Ambrosiana (C. ;501. Inf.) — j
' Tinten m. ree. : In Registro. I — ■' Vgl. über dies Fragment Peyron j
\. e. irti
Die Bibliotheken Piemonts. 4-89
Theca F. IV. 1. fragm. vi. meiiibr. Grossquart. l'oliornni 0. saec. VIII~IX.'
f. 1 die beiden ersten Zeilen erloschen \ ///////// qui deuorant
plebem meam. quo dicto | ostendit ec plebem ad diii Jjpi'ie perti-
nentem qua | opprimere aduersariorura laborct intentio | — sed
fabulas in suis expossitionibus j adtulerunt, Incip. xiiii. | Hie psal.
pcedenti S solum ordine qiiu subjiectus est sed etia —
f. 6 postulauerat ostendit ee iustissima. expl. xvi. | Est.
XXXVII. psahnus confessio — uerecundiae et | pudoris ocurre.
diie ne in furore tuo .s. —
_. f- 6*^ ///////////// I ///////////// 1 ///////// alia aperta de occul////////// dr
in psabno. sicut caesa|///// ferentur id ^ ab occulto/////////lae
// fniem iiicilki
concupiscentiae q in eis | — qui fi uult modo habere :)puneti
nalem. habebit postea poenale | — //// peccati. et eor
Gregorii Maoni Iwmiliae in EzecMelem.
Theca F. IV. 1. Iragm. x. ineiubr. 4. t'oliorum 4. saec. VIII. ^
f. 1 neque ^ enim ego ab liomine accipi ^ iUud neque |
dedici "' —
f. 2'' perciississes syriani. usque ad eonsummationem. ^'
nunc autem tribus uicibus percuties eam " || f. 3 omnipotenti *
dno ad cor iter paratur | "ut intente menti —
f. 4'' seruiebat cum quo tarnen ezechiel pro])heta | in
captiuitatem mittitur. quem diuina g-ratia ■' ||
' Vgl. über dies Fragment Pejron 1. c. 192. Die Schrift hat sehr grosse Aehn-
lichkeit mit der in den vorhergehenden Fragmenten — - Gehört zu Ambro-
sianus S. .36. Sup. und enthält gleich dieser Handschrift, wie von mir zuerst
bemerkt wm-de, einen Ulfilaspalimpsest. Als 'fragmentum traetatus de prophc-
tis' ist es im Turiner Handschriftencatalog bezeichnet, f. 1 (zum Theil radirt)
fand später als Titelblatt einer anderen Handschrift (Regula scti pris Uenedicti)
seine Verwendung — ^11, 9 LXXVI 790 b — '' accepi — ^ didici —
•^ consumptionem — ' 12 1. c. 791 c — ^ lö 1. c. 793 a. Vier Blätter
fehlen — ^ 18 1. c. 794 b. Diese vier Blätter bildeten ehemals das erste,
zweite, siebente und achte Blatt des zweiten Quatemio der .alten Hand-
sciirift. Au f. 4'^ schliesst sich unmittelbar der Ambrosianus an
490 Reifferschoid.
HiEEONTMi commentarii in Danielem, epishdae.
Ct. V. 3. membr. 8. folionim 103. saec. X. >
Vorsetzhlaft m. s. XV In hoc uoluniie ifrascta continet. vz- \
hyeronimi pt)ri tractat' explanationü i daniele | propheta. v?,. dece^
uisionu^ ei'de:^ prophcte. | Eiusde:^ explaiiatio i libro apoca-
lipsis ioh'is apli | Eiusde^ epla de melchisedech sac''dote. |
luliani toletan epi, j)g-nostico^ futi scH libri. in. ||
f. 1 2 Liber scti 88 columbani de bobio ] Incipit praefatio
id est prologus sei hye'ronimi de explanatione. danilielis pro-
phte j Contra -^ propli*am danihelem duodecimum porphyiiius
scribit librum ^. Nolens eiim ab ipso cui "" inscriptus | —
f. 2 aliarum gentium litte [ris contineri. Finit praefatio.
sei hieronimi de exjplanatione sei danilielis prophetae. incipit. |
liber primus. de explanationis beati hieronimi. | prime uisionis.
danilielis prophetae". Anno tertio regni ioachim regis iudae'
uenit nabochodonosor j rex babyloniae "^ hyerusalem —
f. 4 fuisse memoretur. Explicit explanatio uisijonis primae
danihelis prophetae. incipit explana|tio uisionis secundae in
eodem. | In anno secundo regni nabochodonosor somuium et
rlq. 3 si post tres | —
f. 8 a regis latere n recedit. | Explicit explanatio. uisionis.
secundae. incipit | explanatio. uisionis tertiae eiusde prophetae. |
Nabochodonosor rex fecit statuam —
f. 14^ quia contra dm | supbierit. Explicit explanatio
uisionis tertiae | danilielis prophetae. Incipit explanatio uisionis |
quartae eiusdem prophetae'". | Balthasar rex fecit grande con-
uiuium. —
f. 20 in medos translatus sit. Explicit explanatio uisionis |
quartae danihelis. Incipit explanatio uisionis | quintae. eiusdem
prophetae. " | Anno primo balthasar regis babylonis. —
1 Vgl. Peyron 1. c. 188 — ~ Unten m. .?. A'l': Istc liber est monnclioru —
sub I nuo. 88 (88 in ras.) — ^ XXV 491 — ■• librum scripsit Por])hyrius
— •'' cuius — ^ Statt der Bucheintlieilnng in der Ausgabe Capiteleintheilung
— " Inda — *^ Babylonis — " Nabuclmdonosor, vidit Nabuclindonosor
somninm et conterritus est Spiritus eixis et soninium eins lugit ab eo — ■
1" Cap. V — 11 Cap. VII
Die Bililiotheken Piemonts. 49 1
i
f. 24 uüluminis hebreicae ' logimus. | Explieit explanatio
uisionis quintae. Incipit | eiusrlem scxta. - | Aiino tcrtio regni
balthasar regis. | —
f. 2G'' neo-leg-cntia parcr& olfcnsain. || t". 27 Explieit expla-
natio sextae uisionis. danihclis j prophctae. Ineipit explanatio.
septimae. uisionis. eiusdeni prophetae. ■' | Diie'ds niagnae &
terribilis aduersum •'' eos —
f. .33 usq. ad solum diruta .e. Explieit explan septimae. |
uisionis danihelis prophetae atque eiusdeni oratio ad dm. j
Incipit ex])lanatio octabae uisionis ei'de prophetae.'' | Anno
tertio eyri regis persarum —
f. 40'" Hebrei ita' uolunt intelligere '^ atq. romanos.
Explieit explanatio uisiojnis. oetabae danihelis prophetae. In-
cipit explanatio none | uisionis eiusdem prophetae | Et'' inipii
in testanientum simulabunt —
f. 45'' in ipsorum libris poterit inuenire. '" Explieit expla-
natio 1 nonae uisionis. danihelis prophetae hucusque in hebreo |
habentur. Incipit explanatio decimae uisionis eins dorn, prophetae.
De susannae et Baelis fabulosisniii sie gestü " | Exposui ''- ut potui
quae in danihelis libro iuxta hebreicum '^ continentur. Ponji. | —
f. 47 quid ei respondere debeamus. Explieit explanatio.
decimae uisionis. danihelis prophetae | de susannae historia
Baelisque. qne in hebreo minimao in|uenitur. Finit liber in
danihelem pro})hetam expost ] siue commentum. sei hyeroninii.
i'X hebreica ueritate clats. | Incipit praefatio siue prolog. sei
hieronymy bprtri | in apocalipsi iil)ro ad anatolium. | Diuersi "
niarina discriniina. tran^uadantes. inueniunt casus, si turbo | —
f. 47"^ sudauit ingeniuni. Anat(jli carissime. Exp. pi'aefatio |
Incp 111). principium '■'' libri. beatitudinem legenti "' audi!enti. et
S(n-u;inti promittit. ut lectioni studens. exinde | operam '' discat.
et precepta eustodiat. | Gra uobis (st pax do. '"" qui est et qui
erat et uenturus .c. | —
f. 58 qui cimi cherento heretico sentint sieJ'* Expli | Expla-
natio. scdm hieronimum prby. in libro | apocalypsin. iohannis.
' TTebraice — - Cap. vin — ^ Cap. ix v. 2 — * Obsccro, Domino —
•'' adversus — •"' Cap. x — " Italos — ^ intclligi — ^ Cap. xi v. 32 —
'0 invenirc. Iliicnsqnc — tra.nslata .sunt — >i Cap. xni — '2 Et erat
vir — Dominum. Expositis — '•' Ilebraienni — '"• '? — '^ Victorini scholia
in apoc. V 317 | "> legenti atque — '' opera — ^^ ab eo — '^ ?
Sitzb. (1. phil.-hist. Cl. LXVni. fi.I. ni. Ilft. 32
492 Reifferscheid.
amen. incp. epla. || f. 58^ sei hieronimi presbyteri de melclii-
sedeeh. | a'' eiluang-elium presbyteruni. | Misisti ' m iiolniTi.
AAecrO'l'O. - & nescio utrü de titulo nom subtrajxeris —
f. 60'' nocuerit | corporis ualitudiiii. Explicit epistola sei
hieronimi | presbyteri in melchisedeeh. ad aeuuangelum | prby de
questione. incp epla hiero ad uirg hemonnses '^ | Carthae '
exiguitas indiciü. solitudinis est. et idcir|co —
ibid. quare ocukis tuus neqnam." Explicit epla sei || f. Gl
hieronimi ad uirgines haemoneuses, incipit oml. | sei hieronimi
prby. in die epiphaniorum. | hodie '' uerus sol. ortus .e. mundo,
hodie in tenebris scli lumen egreS|Sum ' .e. —
f. Gl'' sup aspideni & basijliscum. in xpo ihü. Cui e. etc.
Amen. | Incipit uita beati ambrosi epi mediolanensis quam per-
sci'ipsit I paulinus notarius. | hortaris "^ uenerabilis pater. augu-
stine, ut sicut I —
ibid. prouinciis post obitum. " | Incp passio scorum mar-
tyrum geruasi et protasi. | Ambrosius '" seruus xpi fratribus
per omnem Italiam | in diio aeternam salutem. In | diuinis uolu-
minib. reus adscribitur^' | —
f. 63 consequi | miam dni nri. etc. amen. | Passi sunt
autem sei martyres. sub | asta tio sie comite. '- || f. 63''''^ Inci-
piunt cap. lib. prognostico%. iuliani. de origine mortis nom. |
I Qmo mors subintrauit in mundü. | — xxii De oblationib;
quo pro defunctis fidelib; offerunt | Incipit lib prognostieo% futuri
scli iiiliani toletano ciuitajtis epi de origine ciuitatis expimctum
mortis humane | Qinb. mors — mundum. | Peccato primi homi-
nis actü ee ut mors in mundü intrar*. Paulus apls | —
f. 71 ipsa dampnatio || f. 71'' Explic lib. prim'. Incipiunt
capitula libri ,ii. de oiiiib; | defuncto^ Quomodo se habeant
ante ultima corjpo^ resurrectio. | .i. De difFcrentia paradiso^. | —
XXXVII. Qd etia modo sco^ animo ia eü xpo in celis regnant. |
Explic capitula. Incipiunt Hb. secundus. De animab; | defun-
etor^ quomd se habeant ante ultima corpo% resurrec de difFeren.
1 ep. 7.S XXII G7fi — ^ avt'ivuaov ioiGr.oiov — ^ Aomonenses — ^ pp. 10 1. c.
344 — ■> noquuni est — '' Hioronymi (?) sermo de nativitate Domini XXX
220 Maximi Tanr. soriiio 7 LVII r)4r) — " ingressum Hie7: — ^ XIV
27: die ITan<lschrift ciitli.ält nur den Anfang der vita — " 1. c. — '" X^TI
748 — 1' subscn))itnr — '2 Passi — comite 07n. — '^ f. (i3'' — 100'' m. 9. xi
Dio Bibliotlioken Piemonts. 403
)
panuliso^. | Unus G trcm' pnr;ulisus ul)i jH'inio^^ hominu corpo-
nilitor uito extitit. | —
f. 83'^' ad oclani q<t | v. ctia reg-nü xpi; Ex])lic lib .11.
Incip. cap. lib .111. | de ultima corpo^^ resiirrectio; || f. 84 i Qd
tepus & die iudicii. nullus. homiiiü noucrit. | - lxi. Do fine
sine fine in qua dm laudabim' infinite. Exp. eäp. | Incip lib.
ni. d(! ultima corpo* resurrectione. Q,d tem|pus et dicni iudicii.
nullns honiinü nonerit. i. I Iudicii tepus 1 die ineog-nitü nob
diis itoluit ee. sie eni. | —
f. IOC' nisi puenire ad reg-jnvi cuins nullus e finis. Ex])li-
cat felicit do p-ras. amen. 11 f. 101 leer 11 f. 101'' - 10.3'' BohieMfiia
Origenis homeliae in genesi etc.
F. n. 17. membr. fol. 2 col. folioium 257. saec. IX— S. '
Vorsetzhlntf : Index
f. 1 Liber scti .111. columbani de Ixjbio | ^ In nomine
scac tiinitajtis incipiunt oml | origenis in genesi. | In prineipio
fecit ds caejlum & terram. Non in aliquo temporale })nneipio —
f. 3'' debemus existere etc. amen. | incipit. de arca. noe. |
Area secundum mandatum di de lignis | --
f. W ee uiuificanda etc. amen. | Incipit <le circumcisione
abraliae | Multa quidem responsa dantur a dö ad | abraham. —
f. 7 qui caelis est | etc. amen. | Incipit de co quod scriptu |
est uisus est ds abraham | Uisus est inquid ds ad abrjdiam
cum I sederi' —
f. 8 agnosccre reuelante etc. amen. | Incipit de Lotli &
filiab; eins | Missi angeli ad '"uersionem sodomorum | —
f. 10 spiritales efficiamur in iliu etc. \ amen. | Incipit de
nati uitate isaac * quod a lactate sie \ expulsus. j MoysciS n(jbis le-
gitur in ecclesia. deplcemur —
f. 11'' tabcrnaculum do iacob | Ipsi gloria in scia sclornra
[amen. | Incipit de "o quod scriptum | est. obtulit abraha filiü |
|Adhib*c liuc aures qui accessisjtis —
f. 13 sanguis uidelici- sal!uatoris etc. amen, j Incipit de
iresponsorib; | secundis ad abraha factis j Et uocauit ang(dus
dni abraha
I
Vgl. Peyron 1. c. 207
.32*
494 Reifferscheid.
f. 14 accipere possimus per dnm | etc. amen. | Incipit de
rebeeca cum | exisset ad auriendam aqua | & occuriss& ei puer
ajbraham. | Isaac inquid scriptura crescebat | —
f. lö'' cum eo unus xps in xpo etc. amen | Tncipit de eo
quod abi'aliam | duxerit cetburam uxorem | & quod isaac babita-
bat apud puteum uisionis. | Scriptura refert diuina quod | —
f. Iß** die ac nocte uerjsentur. etc. amen | Incipit de con-
ceptu rebecjcae & partu. | Refert praesens lectio quod isaac
ora|bat —
f. IT"" inuitaiu &ernä. | etc. amen. | Incipit deputeis quos fo[dit
isaac & repl&i sunt | a pbilistiuis. | Coepit isaac fodere puteos | —
f. 19 iumenta saluabit diis & sakxator noster | etc. amen.
Incipit de eo quod apjparuit. diis isaac ad puteü | iuramenti
& de pactu quod | conposuit abimelecb. | Cum unus sit diis
noster ihs xps per | substantiam —
f. 19"" sapientiae copulomur etc. amen. Incipit | de ascen-
sione. & discensio|ne & de abis capitulis. | Ascenderunt ex Aegy})to
& ue|nerunt —
f. 20^ quod I ds uid&m- in spü etc. amen. | Incipit de eo.
qd sci'iptiun e. | et adquaesivit iosepb omne | terra aegyptiorü
faraoni | Uendidcrunt enim aegyptii terra | —
f. 22 ds erit semper | uobiscum etc. amen. | ExpHcit iu
gene si. Incipit tractatus | exodi de initis. | Uidetur mihi unus-
quisque | sermo diuinae scriptui-ae. simi|bs ee alicui semini. —
f. 24 ad imaginem eins | qui fecit eius etc. am | ExpHcit
tractatus ) exodi pax legentibus | Multa quidem aduersum
gentem | —
f, 25*" per scm spm j reuel&. etc. amen | ExpHcit omeHa.
II I Incipit tortia. | Ego autem quod dicit gracili uoce. | —
f. 28 inter soHdum eua demus etc. amen. | ExpHcit omelia |
Incipit aHa de decim ] plagis quibus percussus | est aegyptus. |
Ilistoria quidem famosissi|ma —
f. 30'' honorificatus est | etc. amen. | ExpHcit omeHa |
quarta incipit .v. | de profectione fiHorü | isrl de terra aegypti |
Doctor gentium in fide 1 & ueritate —
f. 32 nris uelociter etc. amen. | ExpHcit omeHa .v. | Incipit
.VI. de cantico ] quod cantauit inoyscs | cum pop * mari ul
ie I tone sie in xpo feHx domitia|na. Multa quidem canitica fieri
legim-, —
Die Bibliotheken Pieinonts. 495
f, 35'' lionoriHcatiis est etc. uiucii. | Explicit .vi. unie;lia.
incipit VII. | Pos transitiim majris rubri & luagnitici —
f. 38'' suauis est dns. ipse ds ac saluator ] nf — amen. |
Explicit .VII I oinelia de amaritudiiie sine murra. inci pit viii
de initio decalogi | Oiiiuis qui dicit se conteinpnere | praesens
saeculuni —
f, 41'' miseribitur dsin xpo e^c. amen. [ Explicit omclia .vii'i |
Incipit vuii. de ta bernaculo legi felilciter cum pace xpi | si quis
digne inteljlegat uel ex aeg-ypto liebreorum | —
f. 44 aquam refeccionis etc. amen. Explicit. | omclia viiii.
Incipit .X. de nmlieri prignanti q; du|obus uiris litigantes perj
cussa est. Quod si litigant | duo uiri & percucient muliere | —
f. 45*^ reuelare dign&ur etc. amen. Explicit. | omelia .x.
Incipit .XI. de sitpojpü in raphidin & dcbel anialcclii tai\fc prae-
sentia iotlior [ Qirni omnis qui uult pie uiuere in xpo | —
f. 47'' ueniat & a&ernum etc. amen. Explicit | omelia .xi.
Incipit XII. de uultu luoysi & g-loriücato ] & de uclamine quod
ponebat | in tacie sua. | Lectio nobis exodi recitata e | —
f. 51 de auro non dixit neque de argen|tü. | Zwischenraum \
Credo in dm oninipoten|tem. Bcne incipit a credulitate | con-
fessio —
f. SP tabernaculuin do iacob etc. amen. | Expliciunt in
exodum omeliac origenis. pax legenti uita & prosperitas j Gene-
"^'silus maurelio | bodelane suscitaus quasi ds. u trumquc ergo
crcdendus est | —
f. 52'' tradiderunt dicentes. credo in dm. | Incipiunt. capi-
tula in leuit expositio. | i De initiis leuitici j -
f. 53 XVI de benedictionib; leuitici | Sicut in nouissimis
dieb; j uerbum di ex maria uirginc car;ne ucstitum —
f. 54" conformari mereamur. | etc. amen. | Finit libcr pri-
mus I Incipit lib sccund | De sacrificio ritu hoc est | —
f. 100'' (xvi) iugum fidei. k caritatis & spei, ac totius |
scitatis inposuit. etc. amen. || f. 101 Incipit prologus | Ut uerbis
tibi frat beati martyris | loquar bene admones donato ca rissime
nam & promisisse nie me|mini ut si (pia sint adamaiiti senis |
in lege moysi dicta collegerem. atq; ea la|tino sennono nris
1 legeuda transferrem. | — in profectum legentium ponat. | Ex-
I plicit prologus. | Incipit de princi])io | numerorum | Diuinis
numuris corr. m. al. non | onmes digni sunt, —
496 Reiff erscheid.
f. 102 cog-ni|tor coi'idis est. etc. amen. Expl. hojinclia prima ||
f. 102'' lucipit homelia .ii". | de ordine et couloca[tioue castiu-
rum. I Frima numerorum lectio docuit. | —
f. 103'' refulgcbimus in reg'iio xpi etc. am | Explicit ho-
melia. secnnda | Iiicip. tertia | de eo quod scriptum est & ego |
adsmiipsi leuitas de medio | filier isrl & ^^p omni primog-euito |
qui aperit imlua & reliqua. | Scriptum est de manna quia dum
tepus I - —
f. 105 adjiuti misericordiam ipsius dni. etc. aiii | Explicit
homelia .in. | lucipit quarta | de eo quod scriptum est. uigin ti
duo milia iuueutos esse leuijtas. primogenitus autem iili0|rum
israhel uiginti duo mijlia. oclxxiii. | Numerorum liber est qui
legitur I —
f. 106'' prestabit dns noster etc. ameu. | Expliciuut homl
im. I lucipit quiuta | Responsa dans dSi ad moysen | —
f. 108 repromissionis scorü. etc. ameu. | Explicit homelia.
quiuta | lucipit. sexta | de eo quod scriptum est. exiit moyses
ad populum. & de .lxx. prbs | & de aethiopissam quam moiyses
acciperat uxo'rem. | Plura uobis simul recitata sunt, de | Om-
nibus —
f. 109'' omuibus misereatur etc. am | Explicit homelia
.sexta. I lucipit .septima. | rursus de aethiopissa et de | Icpra
mariae q supfuerant | Sicut apostolus dicit haec omuia | —
f. 112 Celeste conicedat. etc. am | Explicit homi. vii" |
Incipit. octaua | de his quae ab exploratoribus | renuutiautur
& de indignatio|| f. 112'' ue dni ac supplicatioue moysi & aaron |
Duodocim missi sunt inspectores ex | liliis —
f. 113'' pro peccatis uostris. etc. am | Explicit homelia
VIII. I Incipit .villi I De uatelliscore et seditione | populi aduersu
moysen & de | uergis iu quibus uirga a[aron germinauit | Apud
dniii ut intellegi datur niliil | —
f. 117 reliqua. uirtutes etc. aili | Explicit omelia viiii. |
Incipit decima | de eo quod scriptum (jst. et dijxit diis ad aaron.
tu * filii tui I et domus patris tui. tecum sume^tis peccata sco-
rum. I Qui meliores sunt inferiorem sep | —
f. 118" adferent in nobis etc. ameu. Expl. omelia .x. |
lucipit homelia undecima | de primitiis offereudis | Frimitias
omnium | frugum —
Die ßililiotheken Piemonts. [{) i
f. 128 pontilici luagno i: \ iicru etc. am | Explicit uiiielia.
uiulcciuia I iucip xii. de putco .i; cantico | Lectionibiis putei &
cautici quüd apud | puteum —
f. 126 ihü xpi serucinus. am | Explicit oml xii | Incipit
tertiodecima | de eis (pii sviperfuerant priori | tractatui & de
balaatn atq. asina ei'. | Hesterno die dixeramus. quox mojdo
seon rex amorreorum. | —
f. 129 ex gentibiis ere|dentis in xpti ihü etc. am. | Expli-
cit oml .XIII I lucipit xiiii | Plui'a sunt q. | nobis resederunt. —
f. 131 dojnare dignetur etc. amen. | Explicit oml .siiii |
Incipit XV. I de prophetia balaam | LicA- nobis (trdo lectionum
quae reci|tantur —
f. 133 secimdiim opera sua in xpo diio | nostro ; etc. amen. |
Explicit omelia xv. | incipit xvi | Friere tractajtum quantum
possibile —
f. 137 quae scripjta sunt explicemus etc. amen. I Explicit
oml XVI I Incipit xvii. | Tertia nunc profe|tiam ex bis —
f. 14(J participes esse me|reamur. etc. aiii. | Explicit oml
XVII j Incipit x.viii. | Quarta nunc ^plph&ia. ex bis —
f. 142'' absconjdita est cum xpo in dö. etc. amun. | Ex-
plicit. omel .xviii I Incipit .xviiii | Quinta baec in raa. vi. e<xd. |
nobis eademque ultima | —
f. 144'' ad I gloriam dni tiant, etc. amen. | Explicit oml
xvmi I Incipit xx | de eo qui tbrnicatus est in ma dianitem et
quod consecratus | est populus belphegor j Lectio bodie recita ta
est prima quidem historiam —
f. 148 p uerü | Hniem. sie etc. amen. | Explicit omel xx |
Incip omi xxi | de eo quod secundo | populus numeratus e (
Numerati qd | legimus & in priore | (juidem lectione —
f. 149*' dig[n&ur adducere. etc. amen. | Explicit oml .xxi |
Incipit xxii I de iiliabus salphaat et de successore | Quincpie
fami^liae fuer quorum ejtiam nomina —
f. 151 recuperaue|r,fe sie carnis ac sps. etc. amen. | Explicit
oml .xxii I lucipit xxiii. | De eo quod scriptü. c. | — Munera
mea data | raea et de diuersitate festiuitajtiü | Si obseruajtio
sacriüciorum k ins tituta —
f. 154 sponsus | et dm^ crit i})se ibs xps etc. am. | Ex])li-
cit omelia xxiii. || f. 154'' Incipit xxnii. | de sacriliciis quae |
498 Eeiff erscheid.
p imamquaque festiuitatem iu|bentui- offerri i- de uotiö que |
uoiieutur dnu | OuTs qui inbu|endi sunt emiuentiO|iibus —
f. 156'' dilig'it uos. etc. am. | Explc omelia xxiiii | lucipit
.XXV I de ultione q | in madiauitis factü. est | In superibus sie
forni|Cati sunt, iilii isrl cuni mulieribus | niadianitarum. —
f. 158'' ciuitatis di. etc. amen | Explicit omel xxv | Inci-
pit XXVI I de süma numeri filio^ isrl | Difforentias | esse profectus
& meri'ti —
f. löQ'' quod qui adquisierit dicat (Lücke) ergo aliquis cum |
haec ita scripta sint. —
f. 160 tp (Ergänzung der Lücke m. cd. aequali) eam. torque
am-eü ponat circa Collum j suum. Yiriola & auulus ornamenta
sunt I — conscripta sunt moysen ea nominauit halbe Columne leer || —
f. 162 dig-n&ur. dux et dS iir etc. Amen | Explicit omel
.XXVI I Incip. oml xxv j De mausionib: filio% isrl 1 Cum couderit
n
ds I innumeras creauitaborü | difFereutias —
f. 164 conuersatione suscipiuut; .i. | Exeunt ergo exaegypto
ülii israbel | —
f. 167 (xLii) principatum i- | potestatem. etc. amen. | Ex-
plicit oml. xxvii I Incipit xxvi | quae sit terre | scae descriptio
terminorum|que eins et finium quos dns | describit. j Ultima in |
libro nimierormn bis toria —
f. 168'' capüli capitis numerati s. | etc. Am. | Ztoischenraum \
In hoc corpore continen[tur adamantis senis de gre'co in lati-
num translatf; | omeliae siue orationes. | ü xxv | i. oratio in iluTi
tilium naue | — xxvi. de eo quod saepultae sunt p&ri!nae ma-
cherac & de ara quam extruxe itint duae semis tribus quae
sunt trans | iordanen. praefatio | In diuinis uolu'minibus refertur
quod I ad constructionem tabernaculi | —
f. 169 {oben Liber scti columbani de bobio) exp&is ab
in|doctis. Explicit | Incipit in ihm iiliura naue ort .i. | i Do-
nauit ds nomen quod est super | —
f. 171 accipies. per uerum ihm xpiii etc. am. \ Explc. In-
cipit Liber .Ji. j de eo quod scriptum est moy|ses famulus di
defuuctus est. | ii. Et moysi obitum oportet j —
f. 195'' (Incp. de initio diuisionis terrr | quae deuisa est
ab ihü et quomO|do accessit ad ihm c''aleb et pe|tit ab eo ce-
bron. xviii. |) ds iacob in xpo | ihü düo nro cui e. gloria in
Dio Bibliotlieken Piemontb. 499
sola sclorum. || f. 19() De eo quod scriptum est iu libro | iudi-
cuiii et seruiuit populus duo | umuibus diebus ihn qui idderunt |
] oinnia opera dni magna quo fecit cum israhel | Lector quidem
pracseutis lectiouis ita legebat, | —
f. 197 mereamur accipere. etc. \ Finit oml prima, incipit
oml II. I De eo quod scriptum est & defunctus est | ihs tilius
naue seruus dni; Recitatus | est nobis et ille quidem tilius
naue | —
f. 197" in nomine di faci"mus. etc. amen. | Finit oml. ii.
Incipit omelia .iii. | De eo quod traditi sunt tilii. isrlTT | in manus
inimicorum. et de gothoniel et aoth. | Quaudo fecerunt tilii
israhel malig|num —
f. 199 ueritas & uita etc. am. | Finit oml iii. Incipit ome-
lia .IUI. I De semegad. et gabin. et sisara; | Coniungitur princi-
patus. aut ambi | dextri principatus semegad; sed | —
f. 200 animae regatur etc. amen. Finit omelia im. | Inci-
pit oml .V. debbora et | barac et iahel. et sisara. | De questio-
nibus ad questiones. & de sa'cramcntis —
f. ,201 j5miü I dabitur. etc. am. | Finit omelia .v. Incipit
oml. I VI de cantico quod cantaliit debbora. || f. 20P Sisara
cum exercitu suo & curribus | —
f. 202" omnium fortior. etc. amen; | Finit oml vi. Incipit
omelia vii | de eo quod translati sunt tilii. isrl | in manu ma-
dian. 1 Qui seit peccatum. moueri autem dicitur tra. I —
f. 203'' futurü bonorü; | etc. amen; | Finit omelia vii Inci-
pit omelia viii. | De filios orientis et de gedeon ex parte. | Esto
cum uenerint aduersü isrl | —
f. 204" consequi mereamur etc. am. | Explicit omelia viii.
in iudicü | Incipit omelia viiii in reg|| f. 205 uorum de ''el-
chana et | fenenna et anna. et sa muhel. et de lieli et | ofni. et
finees; | Non tunc tantumodo ds plantauit paradysum —
f. 210" in nouitate | uitae ambulem etc. amen | Finit oml
in reg. Incp. canta | canti. in exordiü cantici canjticorü — usque
ad eü locü | in quo ait | Quo ad usque rex ueniat in recubitu
suo; I quomodo diciniur p moysen ee quo|dam —
f. 211 qui cü sint | tidelis non sunt | Incip. in esaio. oml
•1. I Qua diu ozias rex uixit. uidere nun | potuit —
500 Reifferscheid.
1. 212 pro peccatis nos tris etc. amen. | Uisi" prima esaie
explic .1. j Iiicipit .ii. Ecce uirs^o iu u|tero accipit. | Quantum ad
dictum adtijn& uerecunde —
f. 213*' quae est in xpo ilm. etc. amen. P^init omel \ se-
cunda. Incipit omel | tertia de septe mulierib; | Septein umlieres.
patiunt I obprobrium. —
f. 215 animam nosträ atc. amen. | Finit omel .in. rursum |
in uisione. Incipit omel | quarta aliter | Inpossil)ilc est inuenire
prinjcipium di. —
f. 217 omnipotenjti dö etc. amen, j Finit omt quarta Inci-
pit I oml. quinta. de eo quod dicjtum est fjuis eleuauit ab ori|
ente iustitiam et diuisione | iterum aliter. haec adloeutio | in
greco perperam ualde fujit Ideo iuxta sensum et ordi sie \ non
etiam iuxta uerba transjlata est. | Ait prophetis. esse & uiuen-
tem. iusititiam - —
1". 218'' cü I usuris exs(jluatis. amen. | Finit omel .v. Inci-
pit oml. I sexta rursum in eo quod | scribe ([uem mitto. et qui
suladit usque ad eum locum in | quo ait et conuertentur in \ sa-
nabo eos | Uidens esaias dum sa|baotli —
f. 222 qui uolunt curari etc. amen. | Finit omel .vi. Inci-
pit I omelia. vii | De sapienti oc|casionem & sapientior | erit.
dixit sermo diui|nus. | —
f. 223'' apud diii ds uerbum. etc. \ Finit oml. vii. Incipit |
oml VIII. ex esaia. in eo | quod scribetur. ululate | sculptilia. in
hierusalem | et in samaria. usque ad cü | locum in quo ait & 1
com|mouebo ciuitatis quae | inhabitantur. | Olim quidem | quando j
peccauit po|pulus —
f. 224" sup terram ihm xpm. etc. amen. | Finit oml viii.
InciJD. oml | viiii. In eo quod scribitur | et audiui uocem dni.
dicon|tes quem mittara k quis ibit | ad populum istud et trans[
i>rediens modica pucü. usq; | ad locum in quo scribitur pe|te
tibi Signum a dSo tue in ^p|fundum aut in excelsum | Et cxau-
diui uocem dni dicenjtis. —
f. 225 efüceris lilius di etc. am, | Finierunt. in esaiam. oml |
nouem feliciter. in xpo j ihn diio nostro. | Ds ad benefaciendos.
prompjtus est. & ad puniendos | —
f. 229 ubi tenq)lum | di sit. etc. am | In eo quod scriptum
est Fu|gite de mcdio babylonis | usque ad eum locum in quo (
Die Bibliotheken Piemonts. 501
i
cuiitiuctHJ- udpi'oximuuit | usquc ad caulLun iudiciuiii | et clc-
luiuit usq; ad sidera. | Quoinudo corpus nostrü | iii ali(|uo terrae
lüco I —
f. 232 dig-na uitae eius etc. amen. | Explicit omelia ii |
Incip III. in eo qd serbiii | Quumodo conf'racitus est — restitit
scm isrl. Quomodo | ait confructuiii est. & contritus —
f. 235 ciuitateiu di atc. amen | Finit. omelia. in | lucipit
ond im I clamauit p dix. sie || f. 235'' congreo-auit quae non pepe|
rit — thronus gloriae exaltatus, | Ab iuitio locus scificati onuni
su's.'tatio israhel; —
f. 237 in xpo est efficiamur. etc. amen | Finit omel im.
Incip oml v. | Tres (|uudamniodo uirtutes ad sumens — pru|
dentiae caelum | Audi quippe scripturae ordiuem. diis ] —
f. 238'' uirtutem di etc. am | Finit omelia .v | Incip. oml
VI. ser mo (jui i'actus est ad liiere|miam. a diio dicens. audi (
uerba testamenti huius. usjque ad eum locum in quo dr | coii-
uersi s ad iniquitates pa|trum suorum. || f. 239 luxta ^^^^ liisto]
riae quidem ueritatem non nejg-amus. —
f. 240" effici:eris filius di etc. am. | Finit onieh vi. Incipit
oml I VII. ab eo quod scriptum | est. ppt ine exterminata | — quod
nullo ess& usui. | Quis est iste. qui dicit propt | nie —
f. 242 unus sps fuerit | etc. amen. | Finit oml vii. Incipit |
oml viii. Ab eo quod s|criptum est. N(jtum fac mihi | — man-
dujcent eam | Si di eloquia sunt in leg-e & pro|phetis. euan-
gcliis. —
f. 243'' conlocÄ: aeternitatem etc. amen. | Finit omelia vm.
Incipit I oml viiii. de eo quod scrip'tum est omnis uter iinple|
bitur uinum usque ad eum | locum in ([uo ait. Et dedulcent
oculi uri lacrimas quia | contritus est grox dni \ Quod a dö pro-
ph&ia iubetur | ut dicat. —
f. 247'' rece|dente efliciamur etc. \ amen. | Finit oml viiii.
Incipit 1 ond .x. ea que ad hieru salem cum iugenti commijuua-
tionem dicuntur uolumus iu|tellcgerc et ita se habentia | Qui
parc& super te liierusa|lcm aut quis contristabit | —
f. 24<S'' montem | diim ihm. etc. Amen. | Finit omelia x.
Incipit oml | xi. ab eo loco in quo scriptum | est eu mihi ego
mat. sie usque | ad eum locum in quo ait si | conuersus fueris k
restitua te | Medici cor}»orum egrotaiitib; | adsistentibus —
502 Reifferscheid.
f. 251'' Si autein dereliquerit | Studium leligionis. & uacua-
uerit. I lusibus muudi istius qui ueniunt a | pruuitate fit consi-
liuin ludciitiü. || f. 252 Ihs loquitur uidcbam satanau quajsi
fulg-or de caelo cadontem; In quod | diifert dicere fulgor & lu-
ciferum | —
f. 255'' totius uuiuersitatis ds. | etc. \ Finit oml i. Inci]5
oiul I II I Nullam | speciem peccatorü | & scriptuia recit& | —
f. 257 & coiisuiTe|ximus ei; Non orgo-^--es«i4*'cxcruut-hoccst.
m. s. XV: Iste liber est mouacho% — sub nuo. 111. (111 in ras.) \\
Sedulius.
E. IV. 42. membr. 4. foliorum 28. saec. Vn-VIII. '
f. 1 Liber scti .139. columbani de bobio | "cribturis - cel-
sioribus uacant -^ humilioribus t^ | quoque liberator iiipertias uon
semper aquila | supra ' nubes elata '' —
f. 2 quia pacha sie nostram '' immolatus est xps cui | honor
et gloria cum patre et sco spu ' per | omnia secula seculorum
amen ] Explicet epistola sedoli/// | ad macedoueo pbe felicij
ter^ll f. 2'' Pasca der Rest der Zeile leer'^ f. 3 a"geutilis stu-
deant tig-menta poetae | —
f. 7'' Portantes nostro" xpo, uenieut. emanipolos "^ Contidi^^ \
Expl. liber. primus. neris. testamenti | Incp liber. primus, ^-
noui, testamenti [ legeuti. uila perpetua | Expulerat primogeni-
tum seuissimu' ang-uis | —
f. 1 1'' ora lupi uita ^^ f'rui per pascua xpi Conhdi \ ///////
er primus nuui testamenti | Incp. liber secundus legenti uita.
pertua | Prima suae dSs tlialamis dignatus adesse | —
1 Vgl. über diese Handschrift, zu der früher auch E. IV. 43 (Cerealix) ge-
hörte, Pasiiii 1. c. 21-1 ft'., Peyron 1. c. 214 if. Die Handschrift im Anfang
sehr beschädigt — 2 J)\q Ergänzungen und Corrceturen rühren vuu einer
Hand des cS. Jalirhunderts her. XIX 5ä9 — ^ vacan.s — ^ super —
'•' elevata — ^ nostrum — ^ spiritu sancto — ^ Der zweite Bric^f an Ma-
cedonius fehlt, ebenso der metrische Prolog, der indcss f. 27 nachfolgt —
0 nostros — 'f' veniente maniplos — " Das Cursivgcdruckte hier und im
Folgenden von der Hand des Correctors — '2 In der Ausgabe die Bücher
dui'chgezählt — '^ vitaque
Die Bililiothelien Piemonts. o03
f. IG ' et speciale bonum cum sit g-enerale reuoluam |
Expl. lib. secimdus. iuc lib. iii Eg-o abundnntius | istiim. librum
contuli. felicit | lam placidas iordanis item transgressus hare-
nas I —
f. 20'' qui reg-it aetherium princeps in principe regnum |
Expl. lib. III ine. lib. qnartus ego abundantius ■ hunc lib con-
tuli I Has inter nirtutis opis (e corr. m. (d.) iam proxinia pa-
schae | —
f. 26 suffeceret densis (i ex o in. al.) - per tanta uolu-
mina libros | Expl. liber quintus noui testamenti feliciter. ||
f. 26'' Cantemus ^ socii dominum * cantemus honorem | dulcis
amor. xpi (vi. al. in ras.) ti sie resonet' ore pio | —
f. 27** gloria magna patri. semper tibi gloria nate (ate in
ras.) I cum sco spo gloria magna patri amen'' || f. 2S Robeo
prefatio. operis. sacri librorum | noui et ueteris testamenti. | pa-
scales '' quicumqe dapes conuiua requiris | — rubra quodam
positum "" est-' ministrat oliis '" // | Explicit | llobeo incipet
atrum opus id est ex uester | testamenti liber primus et ex
nouo quattuor | qu// sedulius intei- cartolas suas sparsas re li-
quid et recolliti adunatique sunt a tuscio rufo | asterio. iic ex-
conso}. ords patricio suprascriptoru | -meditore librorum ||
ViTAE Patrum.
F. IV. 25. meml)i-. 4. 2 col. folionim Itfi. saec. X— XI. "
f. 1 Liber scti 148 columbani de bobio | I)ik) '- sco ac
merito uenerabili | pascasio diacono, eug-epius '■' | in diio salute.
Ante hoc ferme | bienniu consulatu scilic* inportujni —
f. 2^ poscere | non desistas. | Incipiunt capitula | de bis
quae in cömemorajtorio continentur | Id est quib; uite uel
' f. 11'' untor der Seite, wo sonst die Qnatcrnioiicnnnininern zu stelievi pfleg-en.
das Zahlzeichen xxxvii. Es gibt die Zahl der Ztülcn auf der Seite an —
~ densos — ^ ]. c. TöS — ^ domino — ■• personet — *> om. — '1. c. 549
— ^ qnod aj)])ositiim — ^ testa — '" olus — " Vgl. l'eyroii 1. e. "2-J(j —
'•^ LXIl 11()7 — !•' Eugippius
504 Reifferscheid.
gestorum sei scuerijni paiicluntur indicia. | i Quomodo primü
seueriniis in | oppido —
f. 4" (xLVi.) uirginis | sanatio menioratur. | Explicinnt ca-
pitula ' I Incipit uita. sei seueri|iii abbatis | Tempore quo attila
rox huniKjrum | —
f. 23'' operante di gratia saiiitatera | Cui est — am; | Ha-
bes- egregi xpo minister | commemoratium. sie \ de quo opus effi-
cias I tuo magistei-io fructuosG | Explicat commemorato|rium. in
quo sei seueriiii | uitae eontinentur | indieia. | Incipit | rescrip-
tum I sancti | pascasii | diaconi. | Domino^ sco semperque kmo. |
eugepio ' pbro pascasius diaconus. | Frater in xpo knie. ' dum
nos'' peritie | —
f. 24*" suc|cessibus eatenus ampliatur. | Explicat epla pas-
casii diac I ad eugipiü prbfm directa. | Incipiunt capitula | libri
qui appella|tur paradisus. | i De beato isidoro presbitero —
f. 25 {ilbeo^ der Seite Liber scti cohimbani de bobio) lviii
De quodä ffe cum quo se scriptor | huius operis dixit uixissc.
Expliciu"t capitula. | Praefatio | uitae scorum patrum. | In hoc'
libro que de uita scorü pa|trum —
f. 26 uite nobilio|ris reuersos. "^ Explicat | praefatio de
uita scorü | patrü ad lausü prae|positum palatii. ab heraclide
directa. | Incipit ad eundem. | laasum. liber qui | appellatur |
paradisus | Multi " quidem multos uari|osque libros —
f. 29" praedicabiles mores. '" Caj) .i. | Cum primum ale-
xandriara attigi | ciuitatem. in secundo senioris impera|toris
theodosii consulatu. — ' '
f. 98'' (lx ^-) si me j)nus uolueris | adorare '^. | Explicit
liber qui appeljlatur paradisus. | uersus suprascripti | libri
qui app paradisus | hoc '^ sacer horaclides limato | famine pro-
sul I —
f. 99 marmoree ceruix statuo uertatur | ad instar | ZioiscJien-
rcmm. \ Beuedictus '•'^ ds qui uult oms | homines ""' saluos fieri. ^
in '' agnijtionem —
1 Capitulation felilt in der Ausg<il)P, in welcher dir vita in zwölf Cnpitel ein-
getheilt ist — - ? — ^ 1. c. 39 — '' Eugippio — ■' carissimus — " sanctos
— ' LXXIII 243 — 8 Valo n<hJ. - " 1. c. 245 — '" 1. c. 251 — >' f. fi'.t
ist das über Hioronymus Gosag:tc' ansradirt: h m;j. botrnm cari)o | spinam
cauc — '2 i^vTii — " Stimmt nicht _ " ? — i5 Rufini vitae patnuii
XXI 387 - i<^ ovi. — " ad
Die BiViliothoken Pipiunnts. 50«'^
f. 100'' & perf(!ctf; paticüitio ' j)alma'- rc|qniraiit. Fiiiit
piolüji^us uitae | patrum, Incipiunt cap üb eiusclem. | i De iu-
hanno hercniita scissimo uiro —
f. 102'' c'V De octo periculis k uariis adiiersitatil). | qiK;
in itinere sustinuimus. | Expliciunt | caj)itula | incipit lib | uitae
scoi^ I patrum. | i Primum igit tanqua | uere fundainentum nri
operis I —
f. 140'' (xcvii.) Et eil mora fiei\t- nee | celer sequeret effect'.
quas ' infan ^ ||
' sapiontiae - - vel jiatientiae <iil.iJ. — -^ quasi — "i 1. c. 459 1)
506 Reifferscheid.
2. Die Bibliothek der Ilofarchive in Turin.
Lactantii ejnfome divinarum iustitntiommi.
I. 1j. vi. 2R. membr. 4 foliorum 152. saec. VII.'
f. 1 w. s. XV firmiani lactanti. de opificio dei. | Scti Colum-
bani || f. V' In hoc iiohimie ifrasta ctinet. V7, | m. s. vii Libros
rag-napto sie prsbt ex suo ing'enio | de arca dorn uorf^usti abbi. |
Continent. in hoc corp. diuer, id | de opificio di epitomae firmiani |
lactanti. de fine. saeculi. de diui|!identia. de origo"^ (m. nl.) hu-
mani Btione pascho et, mens, l'/de Hb exodi id de |5aem//|?tio 11 f. 2
1 l j I -^ I ^ / / I II
m. s. XV Liber scti 67. cohimbani de hobio | Quamqnam '^ dinina-
rum institutionum | Hbri quos iam pridem ad inhistrandain ue|
ritatem regionemque -^ conscribsimus ita | —
f. 42'* ut illos defensores eins ostenderet nihil | certi nihil
lirmi de iustitia disputare. | Expl. de opilicio di. ine epitomae |
Nam ^ si iustitia est ueri di cultus quid enim | tarn iustum ad
aequitatem tarn pium ad honore | —
f. 61 meri|tis uel coronam fidei uel praemium inmortali|
tatis adipisci. j Firmiani. lactanti. de fine^ saeculi explicit. |
Epitoma de diuina prouidentia | Scitianus ■' quidam fuit ex £^e-
nere sarracenorum a qo | heresis nianicheorum orta est qui
' Vgl. über diese Handschrift, die früher in der Turiner Universitätsbiblio-
thek war Pasini 1. c. 208 ff., Peyron 1. c. 1 77. Das erste Blatt in sehr
defectem Zustand — ^ Lactantii divinarum institutionum epitome von
Pfaff zuerst nach dieser (der einzigen) Handschrift herausgegeben. VI 1017.
Den Umfang der Lücke in cap. xiv kann ich leider nicht angeben, da
ich kein Exenii)lar zur Hand hatte und bei der Art des Einbandes die
Lücke äusserlich nicht erkennen konnte — ^ rcligioncmque — ^ Diese
Capitel der Epitome auch in andern Handschriften und schon früher be-
kannt. I. c. 10G3 — '• ?
Die riililiothelcen Piemonts. 507
aduersns ucram rectamq. üdc | quattuor libros cbnscribsit qiio-
nun unuin uocauit mysterifi | secuiuluni capituloruni tertium
cuang-eliuiii quartnm uero | lil)i-um thcnsauruiii appellauit. et
habuit (liscipulum nomine | terelnutus qui disci})ukis mortuo
seitiano snniens memora|tüs quattuor libros nee non et peeuniam
iion paruani quoniam | fuit scitianus uakle ditissinms erat, ergo
iit memorabimus | terebintus deuenit in persida et a quadani
iiidua solitaria | susceptus est quo sola secta eins scire potuit
liie elatione tujmidus dicebat se de uirgine natum et ab angelo
in montibus | enutritum. qui etiam mutato sibi nomine baiddam
sc pro te|rebintho appellauit. sed cum quadam die in solario
ascenderet ab inraundo spü exinde deiectus repente spiTi reddi-
(lit. tum uidua quae eum susceperat pro morte eins pecuniae
lupiditajte g-auisa puerum sibi pro senectutis solacio conparabit |
nomine curbicius quem et litteris non mediocribus | erudiuit
post cuius mortem non solum libros quos terebin] f. 62 tbus
reliquerat sed et peeuniam curbicis sumens. tres sibi discipu-
los adquisiuit quorura unus thomas. alius abda | tertius hermas
lios ad predicandum libros quos scitia|nus conscribserat ^mitte-
l)at per quil)us plui'imae prouin'ciae in memorata secta inretitae
sunt, tarnen et ipse cur|bicius post mortem uiduae inmutato sibi
iKnnine manen | se pro curbicium nuncupauit qui aliquando a
la^o-e persarü | conprehensus tali sententia damnatus est ut hir-
corü I mortem (m.. ead.) discoi-iatus uter eins ad portam penderet
earnes | uero eius uolucribus caeli ad escam proficerent haec ita |
esse melius nosse cupi^ntes archelaum leg-ant. | liTc orig-o hu-
mani generis. | Unde ' homo §i natus est habet genitorem | si
faetus est habet auctorem. di omnipotentis sa pientia. limum ter-
rae sumens hominem facere j cogitauit. —
f. 71'' inter|pretatur seruans diio secundum aegyptiajca
de aqua susceptus. Expl de göjnerationibus. ine annorum metas. |
Ab adam usq. ad diluuium ann sunt, iiccxlii | — fieri siniul
ab adam us(j. ad })assionem dni xpi | sunt ann v inii' a/. |
Ine expositum quinti | iuli hilariani de ratione paschae (;t men-
sis' II f. 72 In unum fratres nonuulli ae serui di de diuinis |
' ? — 2 Ebenfalls znorst von Pfaff iiacli dies«' Handschrift (der einzig'en)
herausgegeben. XITT 1105
Sitzb. d. iihil.-liist. Cl. LXVUI. Hd. Ul. Kit. .38
508 Reifferscheid.
scribturis ut aliqua tractareinus. saepe conue|nimus ibiq. desi-
derantibus eis de pase''ali cirlculo pauca Interim locuti. —
f. Sl** ideoq, et diem | et consules quod non posiiimus
primo nunc | liuic rationi infiximus. ut exliinc sciat quis | emen-
datum hoc esse opus. | quintus iulius. hilarianus explicuit emen-
dauit die iii non | martiar caesario et attico consulibus. | Inci
omelyae. origenis. presb ii im explanatae ] de libro exodi id
de gantico sie de aniaritudine aquae. | myrrae de decalogo. de
construetione ta|bernaculi do gratias amen. || f. 82 Multa quiden
cantica ferri legimus in scrib|turis diuinis horum tamen omniun
primum illud | —
f. 9P gloriose enim honuinücatus est. per iiim xpm || f. 9^
dnm imi cui | est gloria in saecula saeculorum, | Expl. de can-
tico ine. de ama ritudine aquae myrrae et de manna | Post tran^
situm maris rubri et magnifici se|cretÄ mysterii. post c''oros et
timpana. post triumlfales liymnos —
f. 102 quoniä | suauis est diis. ipse ds et saluator nostei
its xps cui I est gloria in saecula saeculorum. amen. | Expl. de
amaritudine aquae myrrae et de | manna. Ine de decalogo
Omnis qui didicit contemnere praesens saecujlum quod figura-
fiter aegyptus a^'pellatur et per uer bum di —
f. 113'' Beati ait mundi corde quia ipsis miseribitur ds (|
1. 114 in xpo iliu dno nÖ. | Expl de decalogo ine de | constru-j
ctione tauernae | lam quidem et prius de tauernaculo prc
uirib. I dixeramus uerum quoniam saepe in exodi li^bro reppe^
x'itur ipsa describtio —
f. 122'' conponere adq. ex 'his adornare tauernaculü { d(
iacob per xpm ilim diim imi | Ine serm aügüs. epis. de emeritc
donat. epis. ' | Alacritate////////////////////////////// 2 1 suscipiamus agnos-i
citis dilectissimi ■'• ff". '^ exulta|mus enim in diio dö uo de quc
apostolj ' I est pax nostra qui fecit utraq. unum;^ ||
' Aug. sernit) ad Capsaroensis occlesiae plebem Emerito jjraesente liabitus
XLTII 0.S9 — - Alacritatoni vestrae charitatis qnanto gandici — ^ om. —
'' apostohis ait : Ipse : überklebt, ebenso im Folgenden
r>i(' P.iblintlipken Pienioiits. 509
8. Die IJibliotliek des Domcapitels in ^'orcelli.
Über die Dombibliotliek von Ve reell i vgl. Giov. Andi'es,
Lettere al Sig. Ab. Giae. Morelli sopra aleuni eudiei delle biblio-
teche Capitolai-i di Novara e di Vercelli, l*arma 1802, und Nei-
gebanr im Serapeum 1857 8. 177, dessen Mittbeilungmi das
in der Bibliothek selbst beündliehe höehst dürftige und fehler-
hafte Verzeichniss zu Grunde liegt.
Augustinus da civitafe dci.
LXXI. 52. raembr. tbl. loliorura MSfi. saec. X. '
f. 1 - In noni dni nri ihn | incipit über de ciuitate di sei |
aug epi miritice disputatus | aduersus paganos et demones | eof
daeos a]j exordio niundi | uscpic in finem sreuli. || f. 2 Glorio-
sissimam ■' ciuitatem di siue in mporü ^. cursii cum inter
impios peregrinatur ex fide uiu iue "' in illa | stabilitate
sedis aeterno quam nune expectat per patientiani | —
f. lö ut deinceps disputata '' ab alio sumamus exordio. |
Explicit libr primus de ciuitat(! di eontra paga|nos aurolii
augustini. | Incipit liber secundus eiusdem. | Si rationi perspi-
cuae ueritatis infirmus humane consuetudinis sensus non | au-
deret obsistere. —
f. 27'' coli oportere contendunt. deinceps uidebimus. ut
hie sit hui' uoluininis modus. | Explicit liber secundus | Incipit
liber tertius ] lam satis dictu arbitror de niorü nialis etiaui-
morü" quo pcipue cauenda sunt. Nihil deos. | —
^ Der obere Rand der TTandselirift durch Fenchtig:keit verdorben — 2 Von
f. 1 ist mu- ein Fetzen übrig- — ^ XLI 12 — ' liue tenipornni (Loch) —
^ ^ivens sive (Loch) — *< dispositn — 'et .inimonnn
33'
510 Reifferscheid.
f. 40'' cü ea maiora pertixlerint a quibus | antea coleban-
tur. Explicit liber tertius sei augustini de ciuitajte di. contra
pag-anos. Incip liber quartus. | De ciuitate di dicere exorsus '
respondendü putaui eius iuimicis qui terrexna gaudia |, —
f. 52'' et hie dandus | liuius prolixitatis modus. Explicit
lib. IUI. Incipit liber v. | Qiii constat oinium rerü optandaru
plenitiidine esse felicitate. quae non est dea sed donü | di. —
f. 66 consiillit amica dispntatione honeste grauiter libere
quod oportet audire. | Explicit liber .v. Incipit liber sextus. |
Quinq, superioribus libris satis mihi aduersus eos uideor dispu-
tasse. qui multos deos et faVsos —
f. 74 in aliud uolum quod huic opitulante dioo - cöiung'endü
e animum intendat. Exp Hb .vi. | Incipit liber septimus | Dili-
g'entius me prauas et ueteres opiniones. ueritati pietatis inimi-
cas quas tenebrosis anijmis —
f. 86 sed uera religione qua produntur * ex^tinguntur ■' |
agnoscat. Explicit liber vii. Incipit liber. viii. | Nunc intentiore
(r ex n) nobis opus e animo multo qua erat in supei-iorü solu-
tione questionu et | explicatione librorü. —
f. 100 opinanjtur. quod quales. sit iam in uolumine se-
quenti uidendum est. | Explicit liber. viii. Incipit liber. viiii. |
Et bonos et malos deos ee quidam opinati sunt, quidam uero
de diis meliora sentientes. | —
f. lOS"" adiuuante ipso in sequen|ti libro diligentius disse-
remus. Explicit liber. viiii. Incipit liber decimus. | Omnium certe^
sententia e. qua (a in i m. cd.) ratione. quoquomodo uti possunt
beatos. ee. oms homi|nes uelle. —
f. 126'' quantum diuinitus adiu|uabo'" expedia. Explicit
liber decimus. | Incipit liber undecimus. | Ciuitatem di dicimus
cuius ea scriptura testis e quae non fortuitis motib; | —
f. 141 liunc quoq. librum aliquando claudamus. Explicit
liber undecim. | Incipit liber duodecimus. de ciuitate di. | Ante-
quam de institutione hominis dicam ubi duarum ciuitatü quantü
ad rajtionalium mortalium genus adtinet —
f. 153'' Nee iniusta eius gratia nee crudelis potest | esse
iustitia. Explicit liber duodecimus. | Incipit liber tertius deci-
prius
add. — 2 j)eo — ^ vincuntur — * certa
Die Bibliotheken Piemonts. f) 1 1
mus. I Expeditis de nri scH oxortu. ot de initio |2:cneris hniiiuni
diflicillimis questionibus. | —
f. 166" in eum qui sequitui- cunmodiore diöpu Uitionc '
diflfertur. | Explicit über tertius decimus. | Incipit über quartus
decimus. || f. 167 die erste Zeile zerstört \ sociandü. ueruni otia
qiiadani cog-uitionis necessitudiiie in unitate concorde pacis uin-
culo I —
f. 180'' Zwei Zeilen zerstört \ omnibus. Explicit liber | quartus
decimus. Incipit eiusdera quintus decimus. j De felicitate para-
dysi uel de ipso paradyso et de uita- primorum bominü eorüq.
peccata (a in o m. cd.) atque | supplicio. —
f. 196'' diluuium et deinceps in reb, consequentibus con-
quiratur. ^ \ Explicit liber sei augustini quintus decimus. ||
f. 197 Incipit liber eiusde///////////// | Post diluuium procur-
rentis scae uestigia ciuitatis —
f. 215'' quorum in turture et C(dumba liguratü est. sacra-
mentü. feliciter. amen. | Explicit liber sextus decimus. Incipit
liber | scptimus decimus | Promissiones di quae factae sunt ad
abraham cuius semini et gentem isralieliticä j —
f. 232'' ulte rius honoremus. ' Explicit liber /////// decimus. |
lucipiunt capitula libi'i xviii | i Recapitulatio liuius operis et
origo procursusquäe uniuersorü in tra regnoru | —
i. 233 XX. De prophetia zacharie (m. al.) — dicunt gen-
tibus esse persuasum (m. al.). Expliciunt capitula. | Inci})it lil)er
sei augustini octauus decimus. || f. 233'' die Leiden ersten Zeilen
zerstört] ista pereigrina exortu et progressu '■ et debitis tinibus
me scripturü ee promisi. | —
f. 258'' de quibus ambobus '' finibus deinceps descrendum
(diss corr. in. ead.) est Explicit liber | xviii. Incipit liber nonus
deciujus. j Qm de ciuitatis utriusq, terreno scilicet et caelestis
debitis tinibus deinceps mihi | —
t". 276'' deus donauerit in consequeuti uolmnine disputabo. |
Explicit liber x^^^^^^ non'0 decim'«f. || f. 277 Explicit der Rest
zerstört \ De die ultimi iudicii llllll'llll//H/llll/ | locuturi eumque
adsortjri (m. al.) aduersos impios & incredulos tamqua in acdi-
ficii fundamto prius | —
^ dispositione — - vita ibi — ^ requiratur ^ oneremus — ^ prociu'sii —
^ ambarum
512 Eeifferscheid.
f. 298'' habent. Nullo modo eis ' potuisse mentiri et posse
facere quod inpossibile est iuüdeli. | Explieit über xx. de ci-
uitate di. Incip Hb xxi. eiusdem. | Cum p ihm xpm dnm nriu
iiidice iiiuo4 atq, mortuo% ad debitos fines ambe piieneii'iut
ciuitates —
f. 315 haec itaq. responsione re'^dita (m. al.) libiü sicut
promisiiiius | terminauimus. Explieit Liber .xxi. Incipit Liber
xxii. I Sicut in proximo libro superiore promisi- iste huius totius
operis ultimus disputatione | —
f. SSß"" die vorhergeJwnden drei Zeilen fast gänzlich zerstört |
sed dÖ mecum gratias congi-atulantes agaut. Amen. ||
Augustinus de trinitate.
t'lV. 47. membr. fol. 2 col. foliorum 224. saec. X.
f. 1 oben am Rande libri sei augustini d.trinitate numero
.XV. I Libri sei | augustini | de trinitate | numero | xv || f. P Do|
mi|no ^ be atis simo et sin cerissima caritate | ueuerando sco fratri |
et consacerdoti pape | aurelio augustiuus | in diio salutem. | De
trinitate quae ds | summus et uerus est j libros iuueuis ineho-
aui I senex ^edidi. —
f. 2 ante poni. ora pro nobis ' amen. '' | Explieit epistola |
aureli augustini | ad epm aiu'elium | chartaginensem. | Incipiuut
tituli •' libri primi | i De tiüplici causa erroris | falsa de dö opi-
nantium. j — xiii De unitate persouae iilii di \ et tilii hominis
siue in gloria | sine in humilitate; | Expliciunt capitl | libi'i
primi. || f. 2'' Incipit | de trini täte lib | primus | Lecturus | haec
quae | de | trinitate. | disserimus prius opor tet —
f. 21'' ab alio iam pejtamus exordio. | Explieit lib .i. | lu-
ci^iunt capitula | lib>-/ secundi ^ ^ | i. De regulis secundum quas
scripltura^ de patre et lilio loquitur | —
f. 22 xvm De uisione dauihelis — corporali | Expliciunt
capitula j ex libro secundo j Incipit liber secundus | Cum ho-
mines dm quaerunt | —
in eis — 2 promisimus — 3 XLII 817 — ^ me — ^ o«t. — ^ Die Capitula- ]
tion der Bücher de trinitate zuerst vou Mai PNß i 2, 163 ff. heraus- 1
gegeben. Siehe i 244 — '' Das Cursivgedruckte in ras. {
Die Bibliotheken Piemonts. 513
f. 22'" uuii iupinguahit ciiput mcuni ' i Quamobrein qiiiT-
qiiam linuis sime —
f. 39^ conseqiieutibus uidcam'. | Explicil libci- secun dus.[
Incipiunt capitula \ libri tertii. | i Utriim cum ds honiinibus —
locuti — Viru p]t sentiam (et in es ?». al.) ' trinitatis num nuam —
iKtkiit I Explicit capitula | über. in. | Inc. liber: in. | Credant
qui uolunt | —
f. öS"" cÖmodius ordiemur amen | Explicit liber tertius ; |
Incipit liber quartus | .i. De gratia di — perierat | —
f. 54 XXI De sensibili demoustratione | — trinitati.s. | Expl
capitula lib. im. | Incipit liber .im. j Scientiam terrestrium caej
lestiumque —
f. 73 redarguantur | uidebimus. Amen- | Expl Hb iin |
Incp capitula | libri v | i Quam inodeste ac so|brie debeat homo
— cog-itare | —
f. 73'' De appellationibus — nihil | accedit (e in i m. al.) "* |
Exp capitula j ex libro (o in i in. al.) v. } Incipit liber v. | i
hinc iam exordiens ea | dicere —
f. 85 scilicA' mutatione | noii sua: | Expl liber. v | Incipiunt
capitula lib vi j i De eo quod apostolus j ait xpm di uirtutc j &
di sapientiam. | —
f. 88'' X de seutentia sei hijlarii — demonsjtrasse ; | Expl
capitu}la libri .vi. j Incip lib .vi. | i Aequalitatem pa|tris & lilii —
f. 92'' sed ipsi gla in s«;cla s(;clo^ amen | Expl lib vi | In-
cp capitula lib vii j i Utrum quidquid (ic m. al.) de do —
conueniat. | —
f. 93 VI Di-ribus personis unius essen tiae. | Expl capitula
lilj. VII I Incipit liber vii. | Iam nunc quaeramus | diligentius —
f. 103'' credide ritis non intellegetur ' (li m. al.). | Explicit
lib VII II f. 104 Incipiunt capitula | libri viii | i De indifFerentia
— perjsona^ | — viii Quod ex ea forma — Caritas est; | Di-
ximus alibi ea dici j proprio —
1". 114 exordii. c&era | contexamus; | Exp lib viii | Incipit
capitula | libri viiii. | i De do semper quercndo | —
f. 114'' XII Cur sicut notitia — sit | Incp lib .viin | i Tri-
nita;tem certe quaejrimus. non quam libi-. —
' Substantiam — - om. — 3 accedit — ' iiitelligetis
qJ4 R ei f ferscheid.
f. 123 dum tautum sc diiigit quan|tuin nouit ic qiianta
est. j Expl lib villi de tri|uitate [ Incp lib x. cap de \ trinitate |
I De studiis discere amauti|um — ignorarent — xu De querenda
imagine | — concepit; ' | Exj5 caj5 lib. x. || f. 123*' Incp lib x |
I Nunc ad ea ipsa | consequenter e nodatius —
f. 132'' propter huius | libelli modum j Expl lib x. de |
trinitate | Incipit liber xi | de trinitate | capitula || f. 133 i De
imagine trinitatis — quae|renda; — xi De mensura — & uolun-
tate. I Expl cap lib xi j Incipit lib .xi. | Nemini du;bium "i^^
sicut I interiorem | hominem —
f. 143'' disposuiss&es tatur; | Amen | Explicit liber | xi de
trinita|tem (m. cd.) inc]5 lib .xii | de trinitate | capitula || f. 144
i Quid sit. quod &iam i" - animo j nro intelleg-endum sit ad | ex-
teriorem hominem per|tinere; — xv de opinionc platonis. qua
crejdidit animas aliam uitam | priusquam corporibus indei'entur
habuisse. | Exp cap lib. xii | Incipit lib. xu | i Age nunc uide|
amus ubi sit quajsi quoddam homijnis exterioris | iuteriorisque
con|finium quidquid || —
f. 155 quod inuentum fuerit cx'plicari; Explicit Liber j
XII. de trinitate amen; | Incipit liber | xiii. capitula | De gimiuo
(corr. m. cd.) rationalis men|tis officio — ad aeterna; | — f. löö*"
XX. Neminem posse sine fide ad | ucram beatitudinem | perue-
nire; | Explicit liber | xii, capitula | Incipit liber xiii; | In libro
superiore j hui' operis duodccirao —
f. 173'' in futuro uolumine lec|tor expect&. | Explicit li|ber
de trinijtate xni. | Incip cap lib. xiiii. | i Quae sit hominis | uera
sapientia; | —
f. 1 74 xviiii Quo (qua corr. m. cd.) sui parte homo — reno-
uatur; | Expl caj5 lib xni {ex xim) | incjS lib. xiiii {ex xiii) j i
Nunc de sapi^entia nobis est | disserendum non | illa^' dei —
f. 191 potui demonstrare | curauit;^ amen. | Explicit lijber.
xiiii I Incipit liber | xv capitula j i De exccllentia di'' — con-
diti;" —
f. 192 xxvii Quid quodam sermonem "^ ad | populum dispu-
tatum I sit de differentia genera|tionis filii .t processionis | sps
sei; I Explicit capitula Hb; xv^ | gratias | dno nro ihü | xiTo
1
concipit — 2 o„j, _ 3 ^p in^ _ 4 curavi — ^ animae — ^ coudiUc —
"> in quudam sermone
Die Bibliotheken Piemoiits. 515
)
amen, j Ine üb. xv; | Uolentcs in | rebus qiuic j factac sunt |
ad cognoscenldum eum —
f. 224" de tuo. agnoscant ' .v- tui si qua \ de incu & tu
ig-noscc & tui 5 || unten m. s. xm Samuel. Raiueri' primu de-
posuef.
BoETHius de musica.
CCXni. 208. membr. 1. folioruiii 28. saec. X.
f. 1 Incipit iuxta sanctum isidorum eps musicae artis ethij
mologiae | Musica - est pericia modulationis —
f. 2 in arsis" & tliesis^ id est eleuatione & positione ^'. |
Explicit de musica scdm isidorum | Nemo inscimn'' — f. 2''
non posaunt. Montes rome inclusi. j Palatinus ''. — sabinorum. |
agnoscam — ^ Isid. etymol. 3, 15 — ^ arsi — ■* thesi — ^ 1. c. 3, 23 —
•^ arbitretur augiistinum antiqorcm senioremq. isidoro | esse tarn aetate
quam doctriua. e« ideo dicta iuiiioris dictis inagistri. antelferre. sed sciat
lector ideo ita nos ordinasse. ut sliiinnlugias nondniim atq. j reniiii )ii-his
sedulus discat. quam pelagum j>fundi gurgitis nauigandi uiuacitate | igua-
rus ingrcdiat. qa si priora summo cum studio lectitauerit. t'acilius abscj.
nau fragio ad portum trauquillitatis xpii pducente ueui&. amen. | Omuil),
tarnen humanis motib; a"tiq auctores musicam iuee dixere. Deq; quo t'aci-
lius I sutFei'eraut laborem siuc iu proelio siue mesticia. didorem sedat. Oh
quam rem phitajj f. 2^ goras ut auimü sua sep diuiuitate inbuiu-.t. j)rius-
quam se somno dar& & cum ce cxjjcrgit' | cithara ut fert cantare cousue-
uerat; Et Asclepiades medicus frenetico^ mentes mormo | turbatmii s(,'pe p
syniplionia suae naturae reddidit. lerophilus aut mortis eiusdem jifessor |
ueuarum pulsus rithmus musicis ait moueri. Itaq; si & iu corporis & in
animo tu& arjmonia (pcul dubio a natalib^ uris musica non '-«- aliena. Ad
liaec accidit quod phitagoras | didit luinc totum mundum misica .lic factum
ratione .vii. Stellas int caelum & terraiii uagas. | (juae mortalium gcueses
moderani motum habere & rithmon * iuterualla musicis diaste matis con-
grua sonitusij; uarios reddcre ,p sua (piaeq; altitudiuc ita concnrdcs ut dul-
eis simam quide coucinant melodian sed nobis inaudibilem j'tcr uocis j magui-
tudinem qua | carpere aui'ium lirTirum angustiae = sie — ^ quirinalis. aueu-
tiuus. cclius. uiminalis. squilinus. lanicularis. Re|ges romanoz^ priiiii septe fue-
niiit. lionuüus. Numa po]iilius. Tullus liostilius. | Aucus marcus. Taripiiiiius
priscus. Scruius tullius. Tarquus supb^. Deiudc conjsules habuert usq. ad
cesarem. scpties autem gesta sunt bella ciuilia ter a cesare contra pom]
jicium in tessalia. contra eius marcuin Hliiim in liisjjania. contra iubem cor)-. &
catonom. mortuo cesare ab augusto contra cassium & brutum. in philijjpi ciui-
tatc thesalice. | Contra luciuni imjirrii siatusciae ciuitate. contra scxtum pon-
51G Reif f erscheid.
De hoi'ologii iustitutione. Mnlta uariaq. gnra s horologio^.
sed peligui et euycicli magis apta & seqiien|da ratio uidet. Pe-
lignü eni horologiü dr q ex duab. tabulis marmoreis 1 lapideis
superiore parte latiorib; inferiore angustiorib; | cöpouit. ' —
peium in sicilia. cuntra | aiitoiiiuni & cleopatrain in epiru. Nam de romanis
dr. Tu regere iniperiu popiilcs | roniaue menienti>. He tibi erunt artes pacis-
que imponere morem. Parcere subiectis | & debellare supbu.s. Fabricius
ydam respondit legatis samnitimi au^ sibi offerentibu.s. | Romanos non
aurum habere uellein sed aurum habentib; imperare. Roniani e<jtes pri mum.
ccc. fueruut. de siugiilis enim curiis deuidabant quae xxx fuert iuxta nu-
me|i-um feminarü sabinarum quae a romanis rapte sunt, qiiibns iam ex
romae nixis pacem | fecerunt romani & sabini titu scilic& tacius & romulus
& ex earum numero xxx | cuiüae coustitutae sunt & dicte a curib; ciuitate
=: sie
1 Sed he tabub; aequali liisura liunt. & qnis liueis directis notant. ut angulü
faciat q sexta hor;T signauit. | Semis go ante prim;T & semis p undecimä
supplebt XII numeros horarü. sed iunctis aequalit ante extensis tabulis. in
anigulo sümo iunctiu'^ cincinnü figes. & angulo <pximü circulü facies. A
<luo primü line^. horarü partitt; aequalit notant: ! Ite aliü maiore circulü
ab eode iJimcto angulari facies q jjrupe boras tabularü attiugat. ad que
aestiuis temporib^ gnomo'nis umbra puenit. subtilitas g disparis lusur^ de
spacio horarü expectanda non -^. qndo aliud malus & alind minus horo-
logiü I peues solitü uideat & non amplius poene ab omibs. nisi quota sit
solü inqri festiuet gnomon. Itaq; in angulo sümo iuncture | paululü inclinis
ponitiu- q umbra sua horas designa. constitues aut horologü parte qua de-
clinem hora notauit contra Oriente | aeqnoctiale sicut de exemplis multi-
t'aria cognoscit. Horologiü aü ^ emicyclion ai'pellat. simili m de lapidc ul
de marmore uno | quattuor partib- susxi latiorib> iufra angustiorib copouat.
ita ut ab ante & a tergo latiores partes habeat. sed frons aliquantü j>mi|
neat atq; umbra faciat maiore. sub hac fronte rotimditas ad ch'cinü notat.
q cauata introrsus emiciclio faciat scema in hac | cauatura. Tres circuli
fiunt. unus jipe sümitate horologü. alius p mediii cauatura. tcius j>pe
hora signet. A minore g | cüx-ulo usq; ad maiore circulü horalem. una &
X line^ direct(,^ aequali partitione ducant q horas demonstrent. p mediü
li I semicicliü sup minore circulü jjlanicia aequal subtiliori grassitudine
Hat. ut p apta rotunditate dignitali facilius solis | i-adius infusus p nume-
ros linearü horas demonstret. Hiemis g tempore p minore cii'culü horarü
numeros seruabit. ( eqnoctiali tempre mediü cü'culü seqt. aestiuo tempre
p maioris circuli spacia gradiet. sed ne eiTor in consti-uendo jj f. 3 horologio
cuiqua uideat libcro loco alto ul piano sie ponat ut angulos hui' q hocciduas
corr. horas notauit j contra aeqnoctiale iinü spect& und sol nono kl aprl oriat. Fit J
&ia uno horologio duplex elegancio | subtilitas. na dcxtra ac sinistra extrin-
secus in lateribs ei' que linee directe notant. et terciy partes circulo% \
aequali intuallo sie fiant. ut una ^xima sit angulis posteriorib> ubi stili
poncnt q umbra sua horas desigent. | alt*-'" media planicie dctinoat. Ter-
Die Bibliotheken Piemonts. 517
i . . . * . .
t. 3'' quantü gö ad priuatü usü exspectat necessaria huic
libuUo ordiuauiin'. ciuitatü sanc et ccta* rcruin j institutiones
pstaiiti sapicncie meniorandas rcliqm'. || f. 4 Prooeiniuin inusicum '
natiualitcr uobis ee | coniuuctü - et mores ul li(jiiestare ul euer-
tere. | Omnium quide perceptio sensuum ita sponte ac na|tura-
lit quibusdam uiuentib ade ut sine bis anilmal nou possit iu-
I tellegi. —
f. 8*" sed totieus aer ferit qiKjcieiis eü curda treiiiehuiida
pcus|sent. sed qm iuucte s uelucitates sunu^. nulla iiiteapedo-' ||
f. 9 que * inter lxxv et lxxiiii. int a. igit atq; B. maior propor-
cio est quam int. | lxxv et lxxiiii. a. ' atq; B. cöma continent. —
f. 12'' dispositione censum transferendum '\ Explieit j über
tcrtius de musica & armonica institutio ne. Incipit Hb im. qui
; habet titulos xvii. uocum | differentias iu qualitate ' consistere |
I Etsi omia que demonstranda erant superioris libri acltione"* —
f. 29'' appusitum triplae ^pportionis dissonantia •' rcddit |
Fiißir I Explicitus de musica idem armonica iustitutione lib im. |
Incip liber v. Premiü j Post monocordi regularis diuisione. |
adiciendä ee arbitror ea in qbs musicae ueteris i*^' doctorcs I —
f. 30 subieeta cernatur. De vi armonicae et quo sint eins
instrumenta iu dicii et quonam usq sensibus oporteat credi. |
Sed de bis paulo post loquent ' ' —
f. 37'' Que ad modum ptolomeus tetracordo^ diuisione |
tieri dicat oportere. Ptolomeus eni tetracorda diuisa '- | —
f. 38 Non spissis uero ut in diatonicos ^'^ | generil); num-
quä '^ una. | lusta era eratostenem sie totius trae ambit cclii stad.
cia jipe hora ctingat. has eni partes cireLili in liienie uere & i;statc | .sicut
uiterms gnomonis umbra scqt. In angnlis g jjosteriorib^ stilus modice oblieos
figes. q umbra sua horas | demonstrent. oricn.s eni sol in priuio bilcre sex
horas uotauit. occidens alias sex in sinistro latere pcinrit. i legat &ia horas
comparari debere pzdma sexta septima & duodecima unu spaeio mensuraq;
dispouendas. | scda qnta oetaua & xi pari aequalitate ordinaudas. terc-ia
quarta noua simili ratione dedendas ee. | est & alia de domo & insuris ho-
rarQ coparatio qua j)lixitatis causa ptereunda estiinaui. qiu }i diligen cia
ad paucos prudentes ptinet. na ofiis fere sicut sup memoratü -J- quota sit
gnomon solü rcqrunt. | = sie
* musicam — 2 coniunctani — 3 1, 3 p. 190, 12 cd. Friedl. — ^ 3, 12 p. 289,
17 — ^ at. A. — '6 disputationem censuimus transferendani — " (jnanti-
tate — ^ tractatione — '■• dissonantiam et consoiiantiam — '" vcteres mu-
sicae — " loquemur — '2 divorsa — '^ diatonicis — " nustpiani
518 Reifferscheid.
singulae | u partes septiugenta stadiis. partes aut sunt ccclx to-
cius [ circuli uicesima quarta pars . d. stad qua una hora j)aoit |
sol. Ite. X. d. stad habent quindecies dec. stad. ind üt ut sol |
XV parte unius höre dcc stad transcurrat. | Figur | diametrum tocius
frae colligit in milibs cciiii stadio%. | bis enim nmnis t in tercia
& septiina terciae parte tocius | ambitus id cclii stadii ||
Cassiaot conlationes I — X.
CSXXVII. 44. membr. 8. foliorum 220. saec. IX— X.
f. 1 "^ ' ruut 2. Unde monentur stipendia pacientiae j & cari-
tatis. adquirere —
f. 23 (xxi •^) disputationis expectatione suspensi. | Explicit
prima conlatio | abbatis mosi de monacbi | destinatione ui ünc ' ||
f. 23'' Incip eiusdem seuis j secunda "^^ discretione | Degustato
itaq. matutino | sopore cum ortum lucis tandem nobis cla|ruisse —
f. 48*" (xxvi) certi iinis adtingi omnino non | possit; j Ex-
plicit abbatis mosi | conlatio secunda de | discretione j Incip
conlatio abbatis | pafnutii de tribus abre'nuntiationibus | In illo
scorü clioro ■' qui uelut j astra purissima in noctc inundi istius
re|fulgebant. —
f. 70" (xxii) ne auditu | quidem nos antea pcoepisse nos-
semus; j Explic conlatio aljbatis pafnutii | de tribus abrenuntia-
tionibus j Incip conlatio abbatis danihelis || f. 71 de concupi-
scentia carnis ac | spiritus; | Inter ceteros christianae | pLiloso-
phiae uiros. abbatem quoque uidimus danilielem —
f. 89'' (xxi) non | abiecit '' diuitis uoluntate ; \ Explicit con-
latio abba tis danihelis. de con eras. concu|piscentia carnis ac
sps I incipit conlatio abbatis | sarapionis " de octo ui tiis priu-
cipalibus. || f. 90 .i. In illo coctu antiquissimo rü scnü fuit uir
nomine serapion | —
f. 115 (xxvii) intueri nobis uelut in spe'culo uideremur; |
Explic conlatio abbatis sa|rapionis de octo uitiis | principalibus |
1 f. 1 erloschen; ebenso die drei ersten Zeilen von f. l*». Vorher fehlen ein
Quateniio und ein Blatt —21,6 XLIX 488 b — 3 xxiii - ^ de inf-
nachi intentione et fine — ^ choro sanctoriim — ^ abiieit — '^ Serapionis
Die Bibliothekpn Piemonts. 519
Incipit conhitiü abbatis j lluMjdori de necc scorü, | In pahjstiiir
partibus iuxta thaecuc ' uicimi qiii amos j^ph&a mcruit j)creare —
f. 137 (xvi2) uel illius quacstionis interjrogatione cog-no-
uimus ; | Explicit conlatio | abbatis thcodori | de nece scorum ||
t". 137'' in mg. m. s. xiv Hb iste sei eusebii .e. | Incip con-
latio. abbatis | sereni. prima, de animae. mobilitate. et spirita-
libus. nequitiis. | i Summae scitatis | & continentiae uiru Ho-
minis -^ I sui speculü abbate serenü —
f. 168*' (xxxin-*) duplicato gaudio conferemvis ; '' | Explicit
conlatio abba tis sereni prima, de anime | mobilitate et spiibus.
ne|| f. 169 quitiis; Incipit eiusdem senis | conlatio secunda de
principatibus; '' j i Consuinmatis quae | diei sollemnitas exigebat.
et ecclesiae | congregatione demissa (di corr.). reuersi ad cella. —
f. 197 (xxvi ') doctrino | eins plenitudinem sitiremus. | Ex-
plicit secunda conl j abbatis sereni de initio prin cipatmim. |
Incip conlatio prima, abbatis | isaac de oratione j De perpetua
orationis instantia '^ || f. 197'' adqu^e incessabili iugitate; .i. |
Quod in secundo institutioniim libro | j)missum est. conlationes
senis hu | ins —
f. 216 (xxxv) necdü nos integre pcepis|se illis disputatio-
nibus senseramus; | Expl conlatio prima. abba|tis isaac de ora-
tione II f. 216'* Incipit eiusdem senis conl secunjda de oratione
I I Inter •' anachoretarü institu ta sublimia quae utcumque do-
nanjte do licet imperito digesta sunt stilo | —
f. 220 efi latores tantas sie quos p quinquaginta '" || f. 220''
unleserlich
Cassiodorii expositiones in psalvioi^-.
XXXVm. lOf), iiK-inbr. fol. 2 col. folidniiii 277. saec. X."
f. 1 falio cassiodori | oxpositionum | in psalteriu | Repuisis '^
, aliquando in rauennati urbe sollici tudinib. dignitatum. & curis
saecularib. | noxio sapore. conditis —
* Thecue — ^ xvii — 3 norainisqiie — * xxxiv — ^ conferamus —
* aeu potestatibns add. — ^ xxv — * om. — ^ haec add. — "' 10, 4
1. c. 824 b — " Die oberen Ränder der Handschrift zerstört, besonders
gegen Ende — '^ lxX Vt
520 Rpifferscheid.
f. 1'' magni nectaris potus suauissimis delecta'tionib.
auriatur. 1 1 Priinum ' de prophetiae diuersis specieb. nihilominus |
est dicendiim. ut quae sit ista dauidica possiin' distinctius edo]
ceri I — XVII Septimo decimo laus eck. | Nunc ad pmissü ordine
dno pstante ueniamus. ] De prophetia. | i Prophetia ^ aspiratio
diuina quae euentus | —
f. 5 (xvii) Nunc minujtati ad exponenda psalterii uerba
ueniamus. | Explicit praefatio psalmorum | Incipit. diuersas '^
notas more maiorum | certis locis aestimabimus affigendas. |
lias cum explicationib. | —
f. 5'' astronomia. Explicit. | Magni aurelii cassiodori sena-
toris I iam diio praestante conuersi. incipit | Expositio digesta
psalmorum. | * Quarc priinus psalmus nou habet titulum. | Psal-
mus hie ideo non habet titulum. quia capiti ni\) | diiü saluatori
de (|U(> absolute dictus ^ est nihil debuit ] proponi — orationis
textus. ante nobis ei' relucere possit intentio. | Diuisio psalmi. |
Uniuersus textus psalmi huius. propheta referente | —
f. 6 quasi in quibusdam nucleis | fructus dulcissimus in-
uenitur | Beatus uir j Nimis pulchrum commodumq. principiü | —
f. 7" psalmi pulcher|rima facies elucescat. Conclusio. | Totus
hie psalmus ad moralem ptin& disciplina | —
f. S noscuntui". cuius haec causa suscepta sunt. [ Explicit
psalmus primus | Incipit psalmus secundus. psal. dd. | —
f. 97'' (l) Ar nos a debitis •' tamquam reniissionis | anuus
praestante diio reddit inmunes. | Explicit pars prima | cassiodori
senatojris. qua continent ] psalmi quinquaginta | Incipit eins-
dem pars scda | a psalmo quinquagesimo usq. centesimo | In
fine '' intellectus dd cü uenit doech | idumeus et adnuntiauit
saul et dix. ' uenit dd | in domum achimelech. "^ || f. 98 Ut ti-
tulum nobis aperiat causa breuit intimata •' ] —
f. 183'' qui liberare | solus praeual* conlitcntes. | Feliciter
do gratias. amen. || f. 184'" cassiodori senatoris exigui serui
di iam diio pstante couersi. | incipit expositio psalmo% a centü
usq; in fine. Oro paupis cri anxi' | fuit. t- cora dno effudit pee
sua. I Vauis aliq psente psalmü diio saluatori aptandü ee — ^pbant
expliciti. | aup " iste mundanis diuiciis egens. s; supnis uirtu-
1 l)rimo — 2 est add. — ^ Siehe i 268 ii 21 : im Texte überall notae — '' dictu-
nis — '' (lelictonim add. — ''' finom — "' illi : Ecee add. — * Abimolech —
'■' intimanda — '" f. S14 (eingesetzt) saec. xiii — xiv — " Divisio psalmi. Pauper
Hie Bibliotheken Piemonts. o2l
. ~ . . .*
tib; I — finut j in <;'aiiclio. | ne ' exaiuli oratiuucin iiicani. t-
clamor ad te p|ueniat. — f. 1(S4'' plurinia | deberc cognoscunt. || —
f. 273'' (cxLviiii) & rerü ipsai^ | proprietatc diuisus est. cl.
alleluia. | Ecce iterü salutaris illc pco rcmittit. Non do uictu
carnali | — qui nullis limi|tib. tenninatur. Continentia psahni. |
Psalmus iste leiiatus ad illam concorde scorum omniü | unitatem.
— inmaculati coram ipso. | Laudatc dSm in scis cius Laudate
eum. I —
f. 274'' & qui adhuc rüdes sunt planissime dicta | sine
offensione pcipiant. conclusio psalmoi'ü | Explicitus est decorus
& mirabilis ordo psahnorum. | —
f. 275 tendere & laboris terminiun- pucnire. [ Oratio, j
j Tu dne uerus doctor & praestitor aduocatus & iudex | — Nunc
salomonis dictü uideamus quae proprios | expositores habere
noscuntur. | Finit. feliciter. | Ine passio sei apollinaris epi. |
In dieb. claudii cesaris ueniens petinis apls | ihü xpi nazareni
ab antiochia in urbem roma | —
f. 277'' expletis eloquiis defunctus e | Zweite Columne
unleserlieh : am 8chluss m. nl. Bericht ül)er eine Devnstatio
eusebianae ecclae durch Uherfus Ritfus heresiarcha et mmus ch-
monicola und Excommunication desselben.
Cod. XCII. 12. (membr. Grossquart. 2 col. foliorum 213.
saec. X.) enthält die pars prima desselben Psalmencoramentars
(i — l) in gleicher Form. Am Schluss f. 213 m. aequali die
Verse : Nocte pluit tota redeunt spectacula mane | diuisum
imperium. cum ioue cesar-habes | Sic vos non vobis mellificatis
apes I Sic uos non uobis uellera fertis oues. f. 213'' finden sich
folgende Anfänge : Nouimus quantas dederit ruinas urbe flamata
patribusq; | Nubibus atris condita nulluni | Quisquis composito
serenus euo. — Die secunda pars (li — c) ist in Cod. XCIII. 54.
(membr. Grossquart. 2 col. foliorum 171. saec. x.) enthalten,
gleichfalls ohne bemerkenswerthe Abweichungen.
CAssiODOEn hisforia trqxirtita.
Ol. 158. membr. Grossquart. 2 col. foliorum 205. saec. IX— X.
f. 1 m. s. AT Hb eccstice ystorie epiphanius | Vtiliter''
nimis in capite libri j5fatio | ponitur ulii futuri operis quali-
' Expositio ps.ilmi. Doniine — 2 terminus - ^ LXIX 879
522 Reifferscheid.
tas I — sub numero | conpetenti ]5dictü ee cognoscit. | Explicit
prologus, I Perlegi p cassiodori | senatoris iam dno pstante
cuersi. ' j i Allocutio sozomeni ad imperatorem | theodosium '-. | —
f. 16 XX Quia tä pro arriana questione qua | pro pasche
definienda festiuitate | nicea •' fecit constantinus | celebrari ' con-
ciliura. I Expliciuut capitula | Incipit liber piiin | oratio allocu-
toria sozomeni iu | theodosium im]5rem aiunt anti|quis principib.
diligentiae studiü-'' | —
f. 27'' (xx) et qui cum eis erant ad synodum | uenire
]jraecipiens. | Explicit über primus | Incip liber secuud | incip
liber tituli j i De presulis '' eclarum ^ic qui interfuer | niceno
concilio. | —
f. 28 XXVI '' De diuisioue antioceui populi | propter eusta-
thium. j Explicit capitula. | Incip Hb secundus nomina | epi-
scoporum uiceni concilii [ sozomeuus ^ | Communicabant igitur
niceno | concilio ex apostolicis quidem | sedib; macharius hyero-
solimütanus. eustachius ^ iam j5sidens | antiocheue apud . orantem
eclae | et alexander alexandriae quae j est apud stag-num mariä:
lulijus aut romanus eps —
f. 42" ut sequentis libri ordimus '" initiü | Expliciunt histo-
riae aeclesiasti | Hb .ii. | Incipiunt tituli Hb. in | i De conuer-
sione gentis indorum | atque persarum. — xii Quomodo et ubi
constantinus ixnpejratores tres suos ^^ filios ordinauit •'- | et pcepto
baptismate sit defunctus. | sozomenus '^ | In temporib; religiosi
principis | constantini. & indorum gentes. | et hiberorum —
f. öP annus secundus dujcentesime octauae olimpiadis. |
Explicit historiae oclesi|asticae Hb .in. | Incip eiusdem histo-
riae j liber im. | Incipiunt capitula | i Quomodo p quendam
pbrm dogma j arrii pullulauerit. | — f. 52 xxxvini De macedonio
eiusq: crudelitate. | Sozomenus'^: 1 1 Igitur sub imperio constantini |
p eclas talia ^puenef. —
f. 08'' (xxxviiii) ciuitate syllirci '"■ nee ii et hesperiae |
partes nianebant in monte "' | Historiae occlesiastice. Hb .nii. |
Incip eiusdem Hb .v. | Incipiunt tituli. Hb .v. | i Quia defuncto
' Perlegi etc. om. — ^ Oratio allocutoria SozoirnMii .ul Theodosiniii imixTa-
torem — ' in Nicea — ■• celebrare — '-> diligcntiani stndiumque — '' prae-
sulibus — ' XXV — * nomina etc. om. Vgl. i 2G2 — ^ Eustathius — '" or-
dinetnr (ordiamur cd.) — " om. — '- reliquerit '3 om. — ''' ovi. —
1^ civitates Illyrici — "^ immotae
Die Bibliotheken Piemonts. 523
constante nirsus urria ni constantium aduersns alliana siuii) inci-
tanint. | —
f. (39 xi.viii ^ QuoiiitKlo iullanus nei^-ata xpiana | i'cli^ione
bellu contra constantiü | praeparabat - et de morte constautii. |
breui quidem -^ tempore ptereimte | defuncto theodoritus ^. | i
Occidentis Imperator &•' constante | coiistaütiunr fautores arri'
m. (i/. com|pulerunt —
f. 94 (xLviiii) et ü post mul tu constantinopolim ueniens |
appellatus e Imperator. | Explicit liber v. || f. 94'' i De iuliani
genere ac disciplinis et quo modo pnenerit ad imperium | —
f. 95 XLViii Que magie post morte eins in|iientp sunt, •'
Explic titu|li libri .vi. Incipit lijbri vi Socrates " | Nunc igitur
de iuliano pauca dicen|da sunt eiusq: g-enere ac disciplina | —
f. 114'' (xLViii) Uerum in antiocliia | plurimas arcas in
palatio huius ; "" | Tlistoriae eclesice Hb sextus | explicit feliciter |
Incipit eiusdem libri | septimi. | i De iouiani inqjiis aus])iciis
* que|admodum pside ■' tinib. sit egressus. | —
t. 115'' XL Littere petri alexandrini pon tiücis in quibus
lucii mala re feruntur [ Expliciunt tituli li|bri septimi. | Incipit
liber .vii, | Socrates"^. | Milites igitur in maxima estimajtione "
uenieutes omissa omni dijlatione —
f. 148'' (xl) bellum sine ullo foede're susceperunt: || f. 149
Incipiuut capitula | libri .viii j i De conuersatione miraculis a |
responsiouib; 1 seriptis diuersorü | monachoru nee non '- epb-
rum. I — XV Quomodo ualens contra gotlios | pugnando sit
deuictus ac ''^ mortuus | lucip liber, viii | Socrates '^ | Eo tempore
fuit arsius i^ monas terii psuli. "^ Is enim '' delinquenjtes noii
excommunicabat. —
f. IGO Defunctus e '"^ j anno uitae quinquagesimo. qui cii |
fratre regnauit annis xiii '« on. al. post | fratre uero tres. Taliq;
Sorte dejfunctus est. | Finit Lib .viii. | Incipiuut capitula |
libri .villi I Quia mortuo ualente constantinopolim barbari de-
uastabant. | —
f. IGO'' L De line theodosii principis. | Expliciiint capitula |
j Incipit liber .viiii | i Igitur defuncto ualente. denuo | barbari
' L — 2 parabat — ^ siquidem — ■• om. — ^ iniporaturi- — ^ sint -
I " 07». -- ^ hunianis aiunt capitibus — potenfia copuletur adrl. — ^ a Per-
sidis — 1" om. — n aestuatione — '- et add. — i3 et — '^ om. —
'^ Arsenius — ic praesul — ''^ om. — '"^ aiitciu add. — '9 tredeciiii
Sitzb. d. plüL-hist. Cl. LXVUI. lid. III. IHt. ;U
524 Reiffersclieid.
usq: ad murus cstantinopoleos | ueuieutes ei' suburbana uasta-
bant. I —
f. 1 75'' post hoc I aiit prior surgit eps & eleuat iacentes ' ||
2
f. 176 tantmnmodo^ pane uescunt. Alii neq: hoc. | —
i. 180 Vixit aut impr theodosius | annis'^ xl^ ex quib:
sedecini iinperauit. | Exph Hb .viiii. Ine .x. | Incipiunt capitida |
I De successione arcadii & honorii. | — xxxv De fine impfis
arcadii. Socrates ^ | Defuncto •* theodosio ei' ' imperio lilii j
successef. arcadius in Oriente honojrius aut in occidente. hoc tem-
pore I in roniana damasus psidebat ecchi | in alexandrla theo-
philus. ierosolimis | iohannes. flauianus antiocena tenebat |
sedem. coustantinopolitanamq: nectarius. || —
f. lOP (xxxv) post morte | uero patris quattuordecim.
uixit I annis xxx & uno. | Finit liber .x, Incip .xi. | i Quia theo-
dosii iunioris imperiü regebat pfectus "» anthe|mius. | —
1. 192 XVIII Quomodo iohannes tyi'annus in occidente
fuerit I superatus. | i. Igitur arcadio ^ impi-e defuncto. houorius |
quidem ei' ff regebat '" hesperiae. | Orieutales ante j)uinciae
sub ditione manejbant theodosii iunioris —
f. 198 (xviii) uenientesq: ad | locü orationis iugi die gratias
diio retider. | Finit lib .xi. Incipimit cap | i De ortu ualeuti-
niani principis lilii placidiae | — xvi Quia" jjchis thessaliü '-
senatore auctoritate | sua caesariae cappadociae fecit '"* epni.||
f. 198'' i Igitur occiso tyranuo cogitabat theojdosius impr cui
deberet hesperiarum | —
f. 204*" haec equidem " | in eccla illo tempore gerebantur, |
Nos ante hie terminü faciani' histo riae. in pace gubernari
cunctas | ecclas gubernautes. ^° Nos ergo j o sacratissime homo
di theodore | tua compleuimus iussionem. | finein facientes histo-
riae in anno j scdo tricesimae "^ quintae olyinpia|dis consulatu
septies decies '' impT'is | theodosii. percoutuli. '^ | Finit ||
> 9, 35 1. c. 1151 c — 2 9, 38 1. c. 1155 c. Zwei Blätter fehlen — 3 annos
— 4 scxagintu — ^ om. — <■ igitur add. — ■* iu eins — *» praefectus
regebat — ^ Arcadio igitur — '" partes regebat — " Quod — '- TJia-
lassium — '■* fecerit — '^ (juidern — '^ exorantes — ''' trecentesimae —
1'' decimo septimo — '*" ovi.
Die Bibliotheken Piemoiits. 525
)
CXLVlr. IG. membr. 8. Ibliorum aGS. saec. IX— X.
f. 1 Incipit glosani. fulg-cntii epi ad Cal|ciduin gramnia-
ticum. I Incipiunt capitula | i Quid sit sandapila. —
f. P Lxv Quid sit I aumatium | Quid sit dejlcnificus. | Ex-
pliciunt capitula I Incipit textus.|| f. 2 Ne de tuorü domiuc
praeceptörii scric. ni^m | quisquam — mani|festati()nibus dantes
operam lucidandis. | i Sandapilara, dici antiqui uoluerunt. feretrü |
mortuorü. —
f. 6 Lxii Deleneficus dicitur Llandiloquus. Undc & lucre-
tius. I comicus. in nunimvdai'ia ait. nescio quorsü mihi ue niant
tua uerba tarn delenifica. Explicit liber | Fulgcntii. Incipit sermu
uenerabilis | uiri ambrosii mediolanensis cpiscopi || f. 6'' qui pasto-
ralis ' dicitur. | Si - quis fi^ oraculü reminiscatur. quo ■' frugi
famulü deseruata | sibi pecunia qua^ j5rüg'andü susceperat in-
crepauit diccns. tu ] dedisses pecimia mea. et cgo ueniens cü
usuris exegisse eam. | —
f. 13 Ut eis una raecü | tribuas caclorvi regna. quae scis
in regnu celorü ■' dare j promisisti. ^ Amen | Explicit liber
pastoralis beatissimi amjbrosii. Incipit Scissimi liieroninii lib
de septies pcussa. | Sepe ^ a me innocenti carissiiue postulasti.
ut de eius milraculo rei. '^ quae in nrani aetate inciderat'' fi
tacerem. { —
f. 15'' pro|meretur. ut reddita '" uitae redderet. " liber-
tati. I Finit de septies percussa liber sei liiero|nimi|| f. W^'- iihcr
der ersten Zeile m. post. Incipit liber ecclesiasticae isturiae j
Utiliter '•' nimis —
f. 151'' Confitentes ee dm qui ab eorü progejnitoribus liguo
probat appensus. quod audiens iulianus ' ' || hinter der Zeile m. s.
XIII. Nota h' qterniones plcres sie \ deesse; |[ i". 152 scripta'"'
est et quantura errent q extra eam uolunt aliquid | edocere.
Cognosce dö ammabilis impr qiTi hocquidem prejdicatur a sclo —
' Do dignitate sacerdotali — ^ XVII öG7 — ^ quo Dominns — ^ qufini ad —
•"' tine saceulorum — f» promisisti perpetua — '> op. 1 XXII 325 — '^ eins
loi miraciilo — 9 nostra aetate aceiderat — i" redditaui — " redderet m. I —
'- Von liier au vi. s. x — '•' LXIX 879. Der Text in dieser und in der vur-
hcrgehcndeii Handschrift selbst in Kleiuig-keiten fast überall übereinstinimc nd
— !•> (5, 43 1. e. 1059 c — i-' 7, 3 1. c. lOGö c. Ein Quaternio fehlt
34*
526 Eeiffeisclieid.
f. 265 haec equide ' | in ecla illo tepore gerebautiir. Nos
aut hie tenniniim | faciamus historiae in pace gubernari cunetas
ecclesias - I
Clementis rexognitiones.
CVTII. 1. mpinbr. 4. foliorum 374. saec. VII.
f. 1 huius dominus ipse omnipotens ds | gubernator^ —
f. ö** praedicationis petri. sed et nune expoinere iani quae
precepit incipiam. | araeu^ | Explicit epistula | iacobi. ■'' legenti
uita II f. 6 priniu sie eapitulmn in quo continetnr | Studium saneti
clementis a pueritia | sua usque ad aduentum barnabae | apostoli
romae | et profectio eius ad iudaeam discendi | apostolum
petrum i —
f. V (xvii) et maxime per | septimanas annorum | Expl.
elencus. primi libri '• || f. 8 üher der Seite m. s. riii — ix Incipit
prologus. ad papa gaudentio. j (unter der Seite m. ead. rugatus
quidam doctor. a gaudentio papa | lioc opus, ex greca lingua in
latinum conuertit) Tibi " quidem papa gaudenti nostrorum de-
cus I insigne ductormn tantus ingenii uigor est ■=* | immo tanta
sps gratia — f. 10 quod sumat narrationis initium. (Explicit pro-
logus stip. üers. m. s. viii — ix) Ego clemes j in urbe roma
natus ex prima aetate pudi'citiae Studium gessi —
f. 50^ pollicerer cibo sumpto quiescere iussit" | sibique
ipsi "' quietem dedit. | Liber primus. expl. | Inc. liber secundus |
amen II f. 51 .i. In quo continetur inquisitio petri de morib. | et
actibus Simonis et relatio nicete. | et aquile de sceleribus eius
qui fuerant | quandam sie discipuli ipsius j —
f. 51'' ut possit mundus effici^'. ||f. 52 cum autem dies
quae ad disceptandum | —
' quidem. In der Capitulatio des zwölften Buches (f. 256'^): i De ortu ualen-
tiniani principis percontuli filii placidiae — '^ 12, 16 1. c. 1214 c. Zwei
Blätter fehlen — '^ Cotelerii patres a])C)stolici i 615 (sit ergo vohis navis
dominus deus et assimilentnr gubemator quidem Christo). Eine sehr wich-
tige Handschrift, die manches Abweichende und Unbekannte enthält —
^ (praedicationum Petri in iieregrinationibus. Caeterum exponere ut iussns
suni incipiam) — " epistola Clementis ad lacobum — ^ unedii't? — " 1. c.
AiM — ^ om. — 9 nos iussit — "' ipse — ^' In quo — effici unedirtV
Die Bibliotheken Piemoutt. Ö27
t". 94 similiter autem et nos oni ucs. erat eiiiiu iam iiox. |
.amen. | Explicit. über .11. | Incipit. liber .m. || f. 94'' Interca
petrus gallorum cantib. surg-es | —
f. 133 cum aliquantis. qui | pctrum sequi decreuerant.
lideli bus uiris caesarea proficisciniur | Explicit. clementis | liber
tertius | Inc. liber quartus || f. 133'' Profe'ti m. al. a ^ caesarea
ut tripolim pergeremus apud doram breue oppidura | —
f. 151'' nobiscum uesperc facto ingressus | cubiculum-
quieuit. | Explicit. clementis \ liber quartus | Inc. liber quintus||
f. 152 Sequenti autem die paulo citius qua | solebat. consurgens
petrus inuenit nos | —
f. 174 suis quisquc ' locis requieuimus^ | Explicit cle-
mentis I liber quintus j Incipit liber sextus||f. 174'' Ubi uero
rarescentibus tenebris | primum dies coepit proferre crepusj
culum I —
f. 185 bis qui erant aput tripolim | antiochiam proticis-
cimur. | Explicit clementis | liber sextus | Incipit liber septimus||
f. 185'' Egressi tandem etiam tripolim | foenicis ' m'bem pri-
mani in liortosia|de ■' aut procul a ti'ipolim " facimus | man-
sionem. —
f. 207 dixisset. uespere facto requieuimus. || f. 207*' In libro
septimo cognobit. clemens. et faustus. et faustinus matrem suam. |
set amore legentium. et ipsum sepius | reuolbentium. oblitteratus
est. set mo ris aquile. renobate iubentute eins. ' m. s. viii — ix \
Explicit. clementis | liber septimus j Incipit. liber octauus | felix
legas. II f. 208 Postera autem die petrus mane j adsumptis fra-
trib. meis et me des cendit. —
f. 253" ima cum petro | ingressi hospitium cibo et quiete |
solito utimur. | Explicit. clementis | liber. octauus | Incipit liber
nonus II f. 254 Sequenti die petrus uana ^ nobiS|Cum maturae
ad locum in quo die '^ | habita —
f. 305" possit. nam de uenere hoc mo|do allegoriam tra-
dunt ubi aiunt i"|| f. 306 culari '^ dum cogitat quomodo dis penset
abundantiam frugum | —
om. — - in cubiculum — ^ quiquc — ' Phoenices — ^ Ortosiado —
6 Tripoli — " In libro — eins oiti. — * un.i — 'J pridie — '" 10, 'M 1. c,
596 — 11 10, 45 1. c. 508. Ein Qimteniio fehlt
528 Reifferscheid.
f. 325 ualeidicens eis proliciscitur a laudicia miiltum
desiderabilis ' j Clementis | recognitionum | explicit liber decimiis |
ine .XI. trauslatus | de graeco in latinum | a turanio rufino |
aquiliensi. ora pro me || f. 325'' Proficiscenti autem petro | eadem
diem occurrunt qui mislsi fuerant cum faustiuiano - | —
f. 330 exposuit ita ut omnis ciuitas quasi angelum eum
aspiceret et non minorem ei | gratiam quam apostolo exhiberet -^ |
amen. | Sei clementis explicit | Hb .xi. quae aput latinos | diffi-
cile inueniri potest | qui legis, ora pro mc|| f. 330'' leer \\ f. 331 '
Pauli '" tempus demorantis romae | et multos conlirmantis in
fide I contigit. etiam quendam nomine | candidum. uxorem quarti
a praeclu|sionibus audire paulum. et intueri | sermonibus
illius et credere. cumque et ipsa maritum suum docuisset | et
credidisset. quartus permansit | paulo. ut ubi uellet iret ab urbe |
cui dixit paulus. si fuerit uolumtas | —
f. 364'' '' in mu"jditia et concupiscentia percipite | com-
muuicationem xpi credentes || f. 365 ex utroque perfectus de tali
enim dicejbat dns noster uiro diuiti qui profert | de thensauris
suis noua et uetera. —
f. 365'' interea | dmn haec aguntur plurima multitudo co||
f. 366 nit quos non solum desiderium | petri sed et sanitatum —
f. 366'' sudore diuinae amoenitatis deiliciis perfruinai"
ac debitum et non di || f. 367 in aeternum uitam non sequa-
mini | ex eadem hora adorabant eum tarn] quam diTi pedibus
eins deuoluti et quos | —
f. 367'' et obsetrix quaedam honesta fe|| f. 368 autem
magnificabat diim quoniam pau'peres refrigeratur ieraut quidani ]
autem de fratrib. dicebant petro. uide | frater ne non bene
acceperis paecuni^am —
f. 368'' filii tui ego ad te ideo re || f. 369 uersus sum alia
autem die turba mag na conuenit ad platea quae dicitur | sacra
uia ut uiderent eum uolantem | —
f. 369'' romae morabatur | cum fratribus gloriosus in diio ||
f. 370 et gratias agens die ac nocte. turjba adueniente credeu-
tiura in nomine xpi —
> 10, 68 1. c. G02. f. 320 unten m. n. x florencius presbiter uiua in —
■^ Völlig abweichend; vgl. 10, (j8 — -'In der Ausgabe Schluss des zehnten
Buches — ^ Unten m. v. xi puto quod iste. hactus. petri. et pauli. &
Simonis apocrifus — ^ ? — f" Von hier an die Blätter versetzt
Die Bibliotheken Piemonts. 529
f. o70^ liaec et | omnes tVatres (3i dicebaiA. quibus||f. 371
iie te itaque adiieniente et retribuente unicuique secunduin
taCjta sua et nunc nolite tiirere —
f. 371'' et dus ipse dixit. si non feceritis de //|| f. 372 dex-
tram tuam quam sine tua —
f. 372" ut quae didicistis possint perma[uere in uobis ut
possitis ad ea per|| f, 373 uenire quae promisit. sc datu^ [ quae
neque oculus uidit —
f. 373" factus est fax omni|| f. 374 bus et qui legunt et
qui I audiuut actus petri apostoli ex|plicuerunt cum pace et
Simone | amen | Expl. epistula sei petri | cum simone mago |
quemadmodum | uaute portus | ita scribtori. nouissimus | uersus ||
CoNCiLiORUM acta.
LXXVI. \<o. membr. Grossquavt. 2 col. folionnu 292. saiiC. IX— X.'
f. 1 Canonistische Excerpte m. s. x — xi \\ f. 1" Sermo de
uita et actib; beatissimi eusebi' m. al. et martyris xpi. |
De pcipuis- frs kmi sollepnitatib. semper \ nobis aliqd dicen-
dimi est uulgaribus (guilgaribus cor?-, vi. ead.) — de carnis erep-
tus e ergastuIo.|| f. 2 In nom dni nri | ihii xpi in hoc codijce
continetur | haec inprimis | i Pretacio crescouii de ccordia
canonü j ii Dehinc succedunt capla concordie | canonum. | in
Nomina praesulü romanorum | im Nomina cstantinopoIitauo%
ep5* j V Prefatio canonü. j vi Capitula canonum conciliorü. <t
praesulum romanorum. | vii Canon aplo?t titulorü .l. j — xvi Con-
cilii mundani. hoc e uniuersalis | apud chalcedona cgregati | cap
.xxviii. I — Lxxviiii Lex lata Constantini Augustini | de arrii
dapnatione atq; omni | scriptura ab eo igni tradenda. | lxxx In-
cipit de liberio j lxxxi Epla uniformis liberii ej)i ante|qua
exsiliaretur confessoribus [ scribsit. id est eusebio & dionisio j
& lucifero in exsilio cstitutis. 1 lxxxii Quae dixit idem liberius
ante|qua ad exsiliü iret. uincentio cappuensis. et heliano spo-
letano. [ lxxxiii Eiusde scripta ad orientales epos. | lxxxiiii Item
liberius de exsilio scribit | ursatio ualenti & gemino | lxxxv
' Vgl. Maassen Sitzuugsber. der philos.-histor. Classe der kais. Akademie
d. W. Bd. 53 Jahrg. 18ß6 Heft i— m S. 411 sq. — 2 ?
530 Keif feisclieid.
Item de exsilio scribit uincentio. | lxxxvi Confessio fidei catho-
lice qua | papa damasus iiiisit ad paulinü|| f. 3'' anthiocenü
epm. I Lxxxvii Explanatio beati liyeronimi | pt)ri ad daniasum
papa de trijbus hypostasis. ] lxxxviii Rescriptü damasi papae ad
peititus liieronimi ad paulinum | epTii anthiocenü. | lxxxviiii
Conciliü urbis rome sub dama|so papa de explanatione fidei. j
xc Epla papae syricii p uniuersos | epus missa | xci Res-
criptü epo^f atq. ffiim ad sylriciuni pap. | xcii Epla concilii kar-
taginense ad innocentiü papa urbis rome. | xcni Rescriptio sei
papae innocentii. | ad conciliü Kartagenense (gi corr.). | xciiii Epla
imperialis ad aui-elium Karjtaginense epm. j xcv Epla aurelii epi
ad onis epos p | bizacena & arbutiana j^)uinciä | constitutos.
de damnatione pe lagii atq. caelestii. | xovi Capitula excerpta
de gestis habitis contra pelagiü hereticü | & alia de libellis
eins, quae in pajlestina synodo sibi obiecta ipjse damnare com-
pulsus e. I xcvii Epla celestini pape ecclae romano. | data ad
synodü in epheso constituta | xcviii Item alia epla celestini pape.
ad nestorium. | xcviiri Epla exhortatoria eiusde sei celestini |
constantinopoli clero & plebib; missa. | c Excerpta antistitü que
recitata sunt | contra nestoriü in synodo ephesio^. | oi Nestorii
blaspliemiarü capitula qb; | epHs ad se missis a scis celestino
romajnae urbis. & cyrino alexandrino epis | contradicit. & dis-
putatione breuissi'ma resoluendo duodeci capitula tidei | quae
a se missa fuerant repellit. | cii Exemplar eplae synodi serdi-
censis facjtae ad iuliü urbis rome epm. | cm Accusatio syxti
papae. | ciiii De polyclironio hierosolomitano epo | cv De sacer-
dotü uel leuitarü ordinatione | leo eps dioscoro alexandrine
ecclae. | cvi Ite statuta leonis ad torobiü asturicen|Sem epm.
tituli .XV. I cvii Eiusdem papae leonis. ad aqlense epm. | cviii
Ite ad septimü epifi. ei'de papae leonis. | oviiii Ite epla sei
leonis papae de penitentia. | ad tlieodorü epm galliense. de
ciuita|te foro iuliensi. | ex Ite decreta sei leonis papae urb romae j
uniuersis epis p sicilia cstitutis. | cxi Epla eiusde ad eutheehete
pt)rm I atque hereticum. | cxii Exempla gestorum ubi in con-
stantino|| f. 4 politano synodo. a sco flauiano confessore euti-
clies hereticus auditus atq; | damnatus c. | cxni E sie Leonis papae
urbis rome ad flauia nü epni constantinopolis urbis. | cxiiii Res-
cripta flauiani ad Icone papji. | cxv Epla papae. leonis uenera-
libiter susci|pienda ad flauianü epm constantinojpolitanü contra
Die r.ibliotlipl<cii Pifmonts. Ool
)
eutichen. | cxvi Eiusdem leonls papao ad iiuuuialciu | epin hyero-
solomitanü. | v\v\i Eiusdom ad maxiniü cpm antliioccnü | p manu
pferiii. & olimpiü diaeonum, | cxviii Item ciiisdc papac ad ana-
toliü epni | constantinopolitaiiü. | cxviiii Eiusdem sei leonis papa
scripta, ad lejonem augustum. | cxx Ite alia. epla leonis papae.
ad eunde | leone augustum. | cxxi Capitula quae" recitata sunt
in syno|do trecenti dece & octo patrü. cum | exemplis papae
leonis. ad leone au'gustum. uidelic& sei liilarii picta|uiensis.
capitula im. | kSci ambrosii epi & confessoris mcdio lensis
ecclae. capitula. quinque. | Io£. epi constantinopolitane urbis. |
capitula .im. | Greg-orii epi nanzianzeni. cap. duo. | Theophili
epi alexandrini. cap. duo. | Sei augustini epi ypponiensis. |
capitula iiiior. | Item sei basilii cappadociae epi. capitul. .i. j
Ite sei cyrilli epi alexandrini | ad nestoriii constantinopoli|tanum
epni. I Ite eiusde inter cetera. | Ite in libro eiusde qui dicit colia. |
de incarnatione unigeniti. | Ite sei athanasii alexandrino | ecclae.
epi & confessoris ad epicltatü corintliio* ejSm. | cxxii Ite üdes
sei hilarii pictauiensis epi. | cxxiii Ite tides sei augustini ep
yp poniens antistes | cxxiiii Ite lides catholico ecclae romane j
cxxv Confessio pbro% seu diacono^ | ecclae constantinopolitanae. |
cxxvi Epla simplicii epi urbis romae ad | acaciü cstantinopoli-
tanvi epm. | cxxvii Exemplar eplae qua misit acacius | ad sim-
pliciü archiepm urbis | romo. ubi damnatü retulit pe|trum ale-
xandrinü epni. | cxxviii Exemplü eplaru beatissimi pape | felicis
urbis rome ad Zenonem | augustum. p uitale & mysenü epos. |
cxxviiii Ite eiusde papae felicis ad acaciü I epm p uitale & my-
senü epos. II f. 4^ cxxx Item ad imprm zenone ad libelllü epi
ioliis ecclae alexandrine | cxxxi Item exempla felicis epi ad
a'catiü supradictü constantinopolitane urbis epm. ] cxxxii Item
eiusde pape ad acacium | alia. | cxxxiii Decretalis de recipien-
dis sr n rejcipiendis libris qui scriptus e | a gelasio papa romano
cü sep'tuaginta uiris eruditissimis | epis in sede aplica urbe
roma. | cxxxiiii Sententia papae gelasii qd sie seldes aplica omniü
j ligata disjsoluere possit. ad epos per | dardaniam. | cxxxv Item
j ad eosdem dardanos epo | sententia eiusde atq; p exepla | j^batio
! qd sedes aplica facul täte habeat sine synodo & dis soluendi <t-
danmandi. | cxxxvi Item exempla beati papae gelasii ad orien-
tales epos de euitanda comunione acacii ubi j datur intelligi.
nullü ee uin culü insoluibile. nisi circa illos I qui in errore l
532 Reiffpischeid.
crimine pma nent ul etiä moriunt. | Zicischenrniim einer Zeile \
cxxxviii Sei greg-orii papae romani decre toi'um capitulari. cü
snbscriptione | eins. & epo* atq; p!)ro%. | cxxxviiii Eiusdem beatis-
simi gregorii papae. | epla ad serenü epm massiliensem | j» ima-
ginibus. | cxl Syuodus zachariae papae cü subdiltis capitiilis
suis. & snbscriptione ei- | atq; epo^^ k. pbrorü q interfuerunt. |
Primo capitulo ut epi cü mulierib; | omnino non habitent. | — ■
f. 5 Quinto decimo capitulo continet recajpitulatio de gra-
dib; cognationü. uel | quomodo se debeat quislib& legiti|mo
coniugio copulare. ] cxli Liber sei augustini epi de ecclasticis |
regulis capitula | lv. primo capitulo | de trinitate. || f. 5^ lv
Contra pelagium. | Do gratias. |
f, 6 Haec habetur praefatio | cresconii. de concordia | ca-
nouuni I Item concordia cano num conciliorum | Infra scriptorum
et presulum romanorum ] id est canon apostolorum | — leonis
et gelasii. | Explicit notatio canojnum scorum patrum. | Incipit
prefatio cresconii | de concordia canonum | ad liberium. | Diio
uere sc5 sempqne beato | pontiiici liberino cresconius | xpi
famulorü exiguus. aeterna | in diio nix) salute. Uri sacerdojtii
incoparabile decus. —
f. 7 ueniä dones. Ora | ^ me meique semp menito pontijfex
dö digne. | Finit praefatio. deinceps. | succedunt capitula. |
I De ordinatione epi in cauonib; apto* | titulo .i. ccilio niceno.
titul .IUI. — ccilio carthag | titulo .xvii. | —
f. 15'' ccxcvii Ut epi & clerici S ordinent nisi oiiTs | suos
fecerint xpianos. ccil cartag. ti .iii. | Expliciuut capitula de
concordia | canonü. incipiunt nomina epo% | qui fuerunt in sca
romana ecla | per ordinem. | i Domnus petrus sedit annos
XXV. I mense .ii dies vm. | —
f. 16'' cv Nicolaus, annos .viiii. meß vi dies xx. | cvi
Adriai)/ annos. v. \ cvii Johannes annos. x. m. i. dies, x \ Ma-
rinus anno ./. menses. im. dies xx.ii. | Adnanus anno .i. men-
ses .IUI. dies .xx. ' | Incipit praefacio canonum | Domino uene-
rabili mihi pa|tri stephano epo. dionisius | exiguus in dm
salutem. | Quamuis carissimus frater nf | laurentius assidua et
famiri sie cohor'tatione —
' Das Cursivgedi'uckte m. •». i
Die Bibliotheken Piemonts. 533
f. 17 alifjcl attulissc iiideamur. | Explicit praefacio. | Inci-
piunt titiili canonü apostolorü. ] —
f. 286'' anno secunjdo ardabasti iinpris nee fi .t leutprandi
i-eg'is anno xxxii | indic. xii. feliciter. | Ineip Hb sei augustini
epi de | ecclesiastici regulis. eap .lv. | Credinms unü ee dm patre
& ti liü & spin scm patre. eo qd ha beat filiü etc. '
f. 291 Contra Pelag-iuni .lv. | Nä tria & ut scitis quae |
maxirae — contrahit regeneratio | soluat. | Explicit do gratias.
amen. || f. 291'' m. .s. x — xi Epos non leuit accusandos. scorü
statuta patrü. plenit intdicunt. | —
f. 292 se &iä uictor abscedit. ] Folgen andere Excerpte mit
Marcjinalnoten von verscJiiedenen Händen derselben Zeit
f. 292'' sicut in dialogo% libris repperim' de quoda sculo
^^^^^ & legit de iuuene benedicto nomine —
f. 293 nee dedit illi intellegentia. | Buchstabenverhin-
dungen, die nach den Beischriften ausdrücken sollen dö n' atto
uenerabil eps üeri pcepit. j atto gra di eps a me facto ssT. ||
CXI. 17. membr. Grossquart. 2 cul. folioruui 239. saec. X.'
f. 1 Ineipit ordo | de celebrando | concilio [ Hora diei | prima |
ante solis | ortü. eici | ant | oins' ab eccla. obseratis | —
f. 2'* negotia terminentur | De tumultu concilii diftinitio |
patrum | In loco benedictionis considentes | —
f. 3 sententia p ferat; Ineipit de | quatuor synodis | prin-
cipalibus | Canon, grece; latine. regula [ nimcupatur; Regula
ante | dicta —
f. 4 a societate multorü in unum. | Item i-atio de canoj
uibus apostoloi^ | et de sex synodis | principalibus [ Apostolorü
canones qui per | dementem romanuni —
f. 4'' Agatlionis pape | romani. ge"rgii constantino'politani.
Qui condepnata here|si. prefata anatliematizando | scripscr .viiii.
capil interius I anexa. j Item breuis | annotatio de reli quis sy-
nodis I Prima annotatio. anquira ne synodi. quae ante nice|na —
f. 6 Uicesima quarta ite | lugdu in qua patres xx. statuer. |
Canon. quo% auctor maxime ite | priscus lugdu eps extit sie \
I ' Vgl. Maassen 1. c. 412 sqq.
I
534 Reif f erschein
Item annotatio de { decretalibus aposto lico^ | Siluester papa
a petro trigi;sim' quart', congregatis cü | consilio constantini
aiigusti. in | urbe roma. —
f, 6'' Gregorius secundus. a pctro xci | scripsit cap xvii.
omi eccle saeriuanda cü patrib; xxxiii. ca que | sub anatheniatis
uiuculo alligauit. In hoc corpore ctinentur cann ecclesi. | di-
uerso* sco% ccilio-^. id est | i Beato^^ apostolo* p demente |
prolate regule. numero l. | ii Concilio niceni regule nmnero
XX. I II sie Concilii anquiritani. Regulo | numero xxiiii. | im
Concilii neocaesariensis. Regule | numero .xiiii. | v Concilii
sardicensis. Regule | numero. xxi. | vi Concilii gangrensis. Re-
gule I numero .xx. | vii Concilii antliioceni. Regule | numero xxv |
VIII Cocilii laodotie frigie Regujle numero .lviiii. | viiii Concilii
constantinopolitaui. | Regule numero. .vi. | x Concilii ephesini.
Regule nume'ro villi. Sed primö xii. cap | beati cyrilli | xi Con-
cilii calcedonensi Regule ] numero xxvii. | xii Concilii constan-
tinopolitaui. I Regule numero xiiii. j xiii Conciliorü diuerso^
africanojrü sub uno redacte regule nu|mero cxxxviii. | Incipit
prefatio. | Domino uenerando mihi | patri Stephane archiepo |
dyonisius exiguus in diio | sal. Quäuis carissim' ff nf | Lauren-
tius assidua & familiari cohortatione —
f. 7" attulis;se uideamur. | Explic pref incipit cäpiitulares
sie canonü sco% j apostolorum. \ Folgen die Capitida der übrigen
Canones und der Text ^
f. 47'' Incipit ephesenum j concilium. inprimis. | xii. capi-
tula synodijca beati cyrilli | i Si quis non confitet dm ee |
sdm ueritate emmanuhel. & ^pter hoc di genetrice j —
f. 48'' (xii) scdm quod uita est | & uiui"cus ut ds. anathema
sit; I Explicit capitula syjnodica sei cyrilli. | Incipit regulae
epheiseni concil numef j viii || f. 49 De epis qui in sco con|
cilio minime fuerunt et de his qui de;stiterunt et se he|reticis
applicue runt. | i Qm oportet etiä absen^tes —
f. 50" (viii) Sin ante | laici eos sine communione | esse.
Expliciunt re|gule epheseni conicilii numero viii. | —
' Viele Scholien von einer anderen Hand derselben Zeit. Ebenso im
Ambros. S. 38. Siij).
Die Bibliotheljeii Pieiuonts. ö35
f. öö"" subscriptio. | Bonefacius ptjrt scTie (;cclae | romaiie
statuit & subscripsit ] & c&avi. epi diuersaiiini pro uintiarum uel
ciuitatü sub|scripserunt. Uersus. | Pontificuni ueneranda coliors || —
1 f. 56 pro dogmate ueru; Conueniens | sco induere spira-
mine plena. | Militibus sacris pi'aefixit iura | salutis; Incipiit sie
capitu|Ia xiiii. scoruni patrü | sab iustiniano impT- | babita in con-
stantinopoli congreju-a torum centuin quin quag-inta. ( i. Si quis iion
confitetur paitris * filii & sjui sei una j natura —
f. 58" Cum igitur hiwx- ita recte | confessi suraus — sub-
scripserunt omnes. | Expliciunt capi|tula xiiii. Scorum | patiuni
.CL I —
f. 103 Expliciunt canones | diuersoruni cunri|lionim afri-
cane | prouintio numerü | cvrii. lucipit conjstitutio et lides j
caleedonensis ccilii | Diis et sakiator nf ibs xps | notitia fidei
con firm ans | —
f. 103'' catbolicp et apostolice fidei. | Symbobun fidei |
coneilii constanti|nopolitani xh \ patrum. | Credimus unum dm |
dm patrem omnipotente | factorem celi et terre | uisibiHü omniü
& inuisi biliü. Et in unü dnni ilim j xpiu filiü di unigenitü. ) —
t". 105 aut laici fuerint anathema|tizari. || f. lOo"" m. s. x
Anno incarnationis dominicae dccccLxiiii Indict. vii nonos nouet)
resedit | domnus ingo eps ut moris ee priscorum patrü eogno-
scit suorum uercellis | ante altare beatissimi eusebii martyris
xpi causa synodalis coneilii in quo | diuino conpulsus amore
pene oiiis clericos suo regimini subiectos decentissime | do-
cuit. maxime de fidei & caritatis obseruaxtione ut canonica
toto orbe | tenet institutio. Preterea summo quesiuit studio
ut res aeclasticae piae regerent | & destituto instaurarent. Insup
ammouitione suorum clericorü sanciuit ut | antiquus exiit usus
pessima ungrorum incursione uastatus aecclae cai'dinales | de-
bitum preberent baptisterio ''ac in ciuitate celebrato decenter
obsequium. ita ut | ipsis ex ecclesiis quae sunt constitute '
in uillis uidelicet. paetiana. petroriolo. quinto | caluiniasco.
casale atq; autesingo (si ex ni coro\ m. cd.) presbiteri ueniant
sie expediti suis uestimtis | qui hie uercellis pueros ualeant
baptismatis tingere aqua. & ne intentio oriretur | inde. subiun-
xit. plaeet nobis & rectü uidet. ut duo tantü presbiteri de pfatis
ecclesiis | studiosae ueniant. ad lioe mysteiiü pagendü. id est.
de paetiana & petroriolo simul duo. | de quinto & caluiniasco. de
536 R eiff erscheid.
casale & auzesingo (si ex ni m. al.) simili statuimus ratioue.
quo usq; | uicissim uices impleant suas & impl&e amiuati iterü
inclioent. || f. 106 In hoc corpore continentur | decreta. | Pape
syricii titl xv | Pape innocentii titl lvii | Pape zosimi titl v |
Pape Bonifatii Titl numero .im | Pape Celestini Titl xxii | Papo
leonis Titl xlviii | Pape Gelasii Titl xxviii ] Pape Anastasii Titl
VIII j Pape Simachi Titl xii | Pape gregorii minoris decreto% T
VI I Et capitula x ad aug primü anglo* epui | Pape Bouifacii
eple .II I Pape Hilarii Titl vi | Pape Simplicii Titl ii | Pape
Felicis Titl i ] Pape Hormisde Titl uum im | Pape Gregorii
iunioris Tit num xvi | Pape Eugenii Titl xxviii j Pape Zacha-
rie Titl XIII II f. 106" Prefatio. | Domino ueuerabili mijhi iuliano
phro tituli I sce anastasie dionisius exigims. j Scitatis ure piis
excitatus j studiis. qviib; nihil j)rsus | —
f. 107'' magnus uocabit in regno celorum; —
f. 112*' Expliciunt tituli dejcretorum Incipijunt epistol de-
crejtorum inprimis | sei papae siricii urbis | roinae || —
f. 206'' lucipit decretum I gregorii papae | ad clerum. in
ba[silica beati pejtri apli j i | Regnante in perpetuuni | dm» nvb
ihü xpo. temjporibus dorani mauricii | —
f. 208 (vi) subire app&it. seruittutem; Finit decreitum, h\-
cipit subjscriptiones epojrum; j Gregorius gra di ej^. his | decr.tis
subscripsit. | ma'rian' eps ciuitatis rauenna^ | —
f. 208'' Fortunat' prbt tt scoruni j iiiio^ coronatoruni. | Ex-
plicit feliciter | Item scripta gre^gorii papae ad au|gustinuni ejnil
quem | in saxoniam dire|xerat et britannia. | V dilectissimos
lilios me!os. Laurentium prbriim || —
f. 209 respondere non ualui; | i Primo ^enim capitulo
rejquisisti. ut tibi liber unus | —
f. 217 (x) po|pulo certum deserere et injcerta uenerari.
Explicit I epla sei gregorii pape j Incip epla Bonifacii \ ])ape
directa. de Roma | ad archiepm arala|tensem in prouin|cia. ubi
genesius martyr iacet. —
f. 235 Incipiimt cünstijtuta papa grcgo|rii minori. j In no-
mine dni di saluatoris nri j ilui xpi. impcrante domno | piissinio
augusto leone a dÖ | coronato —
t". 236 in|ferendo senteutia dix. | i. Si quis prl^rani duxe
rit — f. 237 xvii 8i quis ex clericis laxauerit | — anatheina
sit. I Sicque subscripsejrunt oins tarn epi | quam pbri et dim;;
Die Bibliothekon Piemonts. 537
Gregorius — indict quarta. Expl | cuustituta papac | gregorii
sub ana|tliematc inter|dicta. Incipit cun|ciliuin habitiiiu sub |
papa Eugenio; | i Eps bono opere approbat | ordinctur ; —
i". 238'' (xxxviii) ut I sacerdüs loci consideraucrit ; | Indic
XII. Imperante | adargasto e'usq; lilio | nicifcro zacharias | ter
beatissimvis | papa in conciliu ait; | Nou e sileiuliUH t'i^ (|U()d | —
f". 239 preccpta | direxiinus; | i Ut opi. cum iniib'cribus
oin|nino uon habiteut | —
f. 239'' (xiii) missarum sollem|nia; ||
CLXV. (i. membr. 8. tblionuii 222. saec. IX -X.^
f. 5''- lucp capitula cauonuin oiiiniuui coTicilifoi'uiu uel
epistularum. decretalium | qualiter sccuntur;
I Scorum apolo^t nuinero; l,
II Niceni coucilii numero. xx
1 Vgl. Maassen 1. c. 418 sq. — -' f. 2 — 5 Federzeiclinuugen. f. 1 Kaiserin
Helena, hinter ihr ein Kaiser auf dem Thron. Vnr ihr ein Mann (ül)(>r ihm
Indof:) mit dem Kreuze, nach dem sie mit beiden Händen greift. Darunter
ein Anderer, der beim Graben drei Kreuze findet. Folgt die Beischrift vhi
iuda I s. r.rnce | inue\iiif, ; f. 2'' Kaiser mit Kriegern, dann Bischöfe mit Biiclicrn
und Federn. Darüber Sinodus niceni nhi fwit wnucvas scÖn patip. cccxvm. d
omnes \ suhscripsernnt \ ; unter dem Throne des Kaisers imp confttanfi^ms-.
Auf der unteren Hälfte des Blattes Männer von beiden Seiten herbeieilend,
die Bücher ins Feuer werfen; darüber Ileretici \ arriavi \ davivafi. f. '.i
Links Paulus mit dem Buch, rechts Petrus mit den zwei Schlüsseln, beide
mit Nimbus. Hinter jedem eine Basilika, die grössere hinter Petrus. Dar-
über Vhi j)et.ru.s et iJMiluii | de hoc concilio con\ferunt; f. .^'' Kaiser auf dem
Thron, mit einem Buche in der Linken, die Rechte erhoben, hinter ilnn
Lanzenträger. Darübei" hvnc fiiiwdii nctu es-t consfantino\poli sidt flieodo.no
maiore .cl. \2)af.}ih; conqregaH. \ condencUione \ vuicedoidi he\retim. | et \ qualit |
satueT I ivipc\ra\tor. An dcim Schemel vor dem Throne domnus theodo.n\ns
maior imperut \ crintiaiiissiinins. f. 4 Versammlung von Vätern ; Bücher, Fe •
dern und Dintenfass sichtbar. Unter ihr links ein Mann, rechts zwei Männer,
die mit dem Ausdruck des Entsetzens Bücher ins Feuer werfen. ITber
der Seite et omnes s^thscriper^ ; tert,iii.i hie. sinodH actus effesus snh theodo-
xio iuniore congrae\(]atis. cc. | 2^0'(rib; \ ad, conda\natione \ nes\forii. f. 4'' Kaiser
sitzend mit einem Buche, hinter ihm Bischöfe. Neben ihm zwei Cleriker
mit Büchern und Griffeln. Darunter theodosius iunio7' ivipr sinodus effesin. (
que. cc. sei patris cm imperatore c.onfirma\uerunt et snhscripsermit ; f. 5 ITber
der Seite //// di ßlivs. iienit fniosq- redewif vicit vwrte moriens. | uicior
538 Reifferscheid.
III Anquiriani concilii numero. xxiiii
IUI Niucaesarieiisium numero xxiiii
V Gang-rensis concilii numero. xx.
VI Anthioceni concilii numero xxv
VII Laudicensis concilii numero. lviiii
vni Constantinopolitani num. iii.
villi Calcidonensis concilii nuiii xxvii
X Serdicensis concilii num xxi
XI Carthaginensis numero xxxiii
XII diuersoi^ concilioi^ afrig-anov nü; cv.
Epistle decretaliö pape sirici | pape innocenti. papae. zo-
simi I pape. celestini. pape. Leonis | pape gelasii || —
f. 12'' Incipiuut capitula | uiceui concilii | Concilium sacrum
uenerandi culmina iuris —
f. 13 Hoc sale conditus. dulcia mella flu&. | Incip tituli
canonum niceni | concilii. | —
f. 25 Dominis honorabilibus consacerdotibus in arminia
conistitutis epis salutem. qm conueni* etc.
f. 113 Expl africanum concilium; Incip ex dejcreto pape
g-elasii titulo xxvii | —
f. 113'' Ex decreto pape leonis j titulo xxxv
f. 114 Ex decreto pape leonis titulo. xviii
f. 114'' Ex decretis pape leonis titulo xviiii
ibid. Ex decretis pape g'elasii titulo. vii
f. 115'' Ex decretis pp in"ocentis titulo xxii
f. 117 Incpt canonis sei siluesti'i | Canonem constitutum
gradus uel —
f. 122 domno con stantino aug'usto iii prisco consolis, expl ||
f. 122^^ Formata quemammodum üeri debeat: j Grega ele-
menta litterarum numeros &ia | expremere —
f. 123 elementa significantur, j amen. vi. al. acUL: Teo-
dulfus 1 Folgen canonische Vorschriften aber das Begrabe)i
adiil caelus. Darunter Christus fihs xpis) auf dem Throne, mit einem Buche
in der Linken, die Rechte erhoben. Der Nimbus bekränzt ; auf dem Thruue
das pulvinar sichtbar. Hinter ilim ein grosser Bogen mit IMnikten. Rechts und
links Engel mit Fliigelu imd Nimbus. Darunter links ein Manu mit Krone
und Nimbus, Beisehrift lj//sfan | ///.v; rechts eine Frau mit Stephane und
Nimbus, Beischrift helena regina. Beide erheben die Hände zum Gebet.
Die Bibliotheken Pieinonts. 539
i)i den Kirche)), die Kirche)) gefässe, das Lehen der Geistlichen,
z. B. f. 124 Prbi p uillas. & uicos. scolas. luiheant. & si qui
lil).v; lidelium suos paruulos ad discendas | litteras ci coiumen-
tlare uoluerit. cos suscipere | & docere nun rennuant. sed cü
summa caritate | cos doceant; adtendentes illud quod scriptum
est. I qui aut docti fuorint. fulgebunt quasi spleudor | lirma-
menti. Et qui iusticiam erudiuut multos. | fulgebunt quasi stelle
in perp&ua &ernitates. | Cum erg-o eos doc&. nihil ab eis precii
pro liac re ] exigant. nee aliquid liab eis accipiant. excepto |
quod eis parentes karitatis studio sua uolunta te opptulerint ; ||
f. 124^' liic habetur concordia canonum con ciliorum infra-
scriptorum & presulum ro:mauorum id est canonum aplo%. —
gelasii. expl adnotatio canonü | scorum patrum. | Concili^um
sacri ueuerandi culmina (u ex o) iuris | — hoc sale condi^^tus
dulcia mella f'uit. Expliciunt ue'sus do grati | Incip prefacio
Diio uere sco sempque beato; | pontitici liberino. crisconius xpi
famulo% j exiguus uri saceidotii inconparabile decus quo fi dei
puritate hac uitae prouitate amodü resplinditis || —
f. 126 genuine insciaenciae | ueniam dones ora ^ nie mei-
que semp mem'o pontifex | do digne. Finit praefacio deinceps
succedunt capitula j i De ordinatione epi in canonibus aplo% | —
f. 126'' titl .1. concl niceno titl im concl anthioceno titl xviiii |
concl laudoceno titl xii concl carthag titl xiii. Item | carthg titl
XVI. qd si de ordinatione ei' fuerit contradictü | qd alii debeant
adici. concl carthag titl xvii. j —
f. 142 ccc Ut epi & cli non ordinentur nisi eins suos fe-
cejrint xpianos concl cartft titl .iii. | Incip ex decre pape sirici
titl viii I Didicimus etiam licenter hac libere j inexplorate uitae
hominis, quibus &iam | —
f. 141'' generali pi'o'nuntiatione decernin>. ex decre pape
sir t viui I Quicumque itaque se aecclae uou& obsequi|is etc.
f. 146'' (xv) jpmendam ee | sententiam. expl ex decr pape
sirici j Incpt ex decre pape innocenti t xxxii | Ita sane ut in
eos tempora a minoribus constituta \ —
f. 146 Ex dec pape sir t xv | in mg. ccxv | Et fpiia bis
Omnibus que in rephiusione ueni unt — ;
f. 192'' (xxv) pseuerans & inentis i.- corporis Ex dec papae
leonis t .xxxiiii. , Nam cum extra clerico?^ ordinem constitutis
Sit7.li. (1. phil.-hist. Cl. L.Wm. Bd. III. Hft. 35
ll
540 Reifferschei d.
iiupti aruiu — necdum frenasse d*egit. || f. 193 Incip bieuiatio
cauonü fulg'entii ferraujcli ecclesiae carthagiuensi diacuui | i U
ueophiti ii ordinentur conl niceno tl ir concl serd | til in { —
f. 201'' ccxxxii Ut nulliis ordinetur nisi prouatus ul epo%
examine ul populi testimonio concl anth titl .xxviiii. { Incip con-
cilio africanum [ Aurelius eps dixit sane fF epi coniepi no sug--
gestio ple|naixi sollicitudinem ad diligentiam oportet incutilat
ut omnis omnino cabillatio amputetur cunc|tisque excusationiljiis
aditus omnino claudatur | —
f. 202'* Ab uniuersis epis — passiones martii^ sui cuius-
que locis in ecclsiis predicentur. | Incip cartliag habitum a
grato epo sco j Martirum dignitatcm nemo profjmus infame
neq; —
f. 203 apte|carios nl rati^ociatores Incip ccmcl sufetu-
lenjsem | Dilectissimo fratri anrelio innocentius qua | indigni-
tate —
f. 203'' p uiros ucnerabiles | consecuta || f. 204 Incip ca-
nones sce sinodi habite in ciui aralat aput | ma^rianü epin | De
liis qiii coniuge suas in adulterium dephendunt | eidem sunt
adulescentes — uoluerint deponantur | —
ibid. Incip statuta eccle antiqua. | Ut eps quolib& loci sedens
Stare prbm ü pateatur. | Ut in sacerdotibus ordiuandis .tiam
etas requiiratur [ —
f. 206 cuius I paenitentiae communio multo tempore diffe-
ratur | Inci]5 sinodus gallicana aput agathe | facta sub alarico
rege gothorum in qua j sinodo ordinatio de clis q\)0% urbis ro-
mae si ricii & innocenti supra scripta in hoc oetu cöme|moran-
tur I Si quis chn furtum eccle fecerit perecrna eis comimunio
tribuatur —
f. 208 eins indaemnitatibus eccle consolutur (u ex a).'|
Incip epist mansueti mediolanensis epi ad cons j epiii || f. 208" I
Domino serenissimo atque tranquil'isjsimo^ et a do coronato I
religiosissimo con stantino iraperatori. mansuetus mediolanensis
metrupolitane eccle indignus eps ul | uniuers sca coepo? nroi'nni
fraternitas quae in j hac magna regia urbe conueuit —
f. 212 bis dclibatis opere pretium dnximns. luxic nre sug
g(!Stiuni fidei formulam ut se nra lides contini- ad|nectere. |
Domino sco meritisque beato fratri masso'ne epo hisidorns.
Die Bibliotheken Piemouts. 541
)
eps; I Ueiiientc ' ad nos famuL» uestro iiiro religio so nicetio lit-
teras honoriticentiae uestre nobis j —
f. 217 quicumque ple ueni suani contra sacrilicae psua-
sionis aiictores nolu^erit custodire -; expl. | Incip cxpositio sei
augustiiii I v/er Zeilen ausradirt \\ f. 217'' gmiz aiisradirt || f. 218
Incip epistula sei augustini ad | auxilium epin pro causa iniuste
I excommunicationis | Domino ■' dilcctissinio & uenerabili | f'ratri
& consacerdoti auxilio | augaistinus in diio salutem. Uir | specta-
bilis lilius nrt comes classicianus | grauitcr aput me littcris
questus est. | —
f. 220'' senectutem nieam. | Item ex epla csp ad eundem
classicianü } qui excommuuicatus fuerat | Ego propter eos —
f. 221 que corr. m, al. non ait pperam. | Item in libro
de summo bono. | Secundum catholicam fidem & sana doc|tri-
nam — id qod nocuit. | Item de libro tercio de baptismo | Pax
eccle dimittit peccata. — ligare ant soluere | Item csp de ser-
mone dni in monte j Temerariuni iudicium plerüque nihil | nocit
corr. m. al. — ut noceat. It ex epla csp ad clerü hi})pns (
Quid enim obest homini —
t". 221'' iniqua | conscientia. It csp contra secundinii
mannch/// sie \ Senti de augustino quidquid lib* — accusit. corr.
m. al. I Csp in expositione psalmo corr. m. al. xxxvii in
ras. j Etsi ad tempus dam^nari — iudicabitur illi. Item in
cii j Qiii^ iustus e ¥:^ iniuste maledicitur, — illi red ditur. ex
sermone sei ioli crisostomi] Qui semetipsum non nocit corr.
m. al. — nihil magnum lucrilaciit. co7'r. vi. al. | Item lil)ro
tercio sei hieronimi | In matheo euangelista ubi dieit que le|
f. 222 gaberitis corr. m. al. super terram & citera. istum lojcum epi
& prbi non intellegentes — uita queratur; It in | salomone | Sicut
jauis in contrariü uolans — illud | eueniet Item il)i Anima
jque benedicit — adducens ] gloriä. Item in deuteronomio | Con-
duxit contra te balaae balaam. filiü j — dilegerit corr. m. <il.
te I Item ex libi-o ad ualentinü abbm sei j aug de correctione
& gratia. Ipsa que corr. vi. al. \ damnatio nominatur —
1". 222'' ut omjnis (i in e m. al.) uelimus saluos fieri. ||
» LXXXIII 809 - 2 stiniiiit niclit -- •« Aug. ep. 250 XXXIII lOtiG
35*
542 Reifferscheid.
CLXXV. 186. menihr. 8. foliorum 87. saec. IX.'
f. 1 Incipiunt capitula canonü grecorü 1 1 Canones niceni epo-
rum cccxviii | — xii Can yppone regen sis epo% | xiii Can mili-
uitanus epo% | It canones Latinorum | xiiii Can Carthaginensis
epo% ccxiiii I XV It eiusdem carthaginensis secimdus. || —
f. 2 XL Caii tol*ani eporum x. ] xli Caii agustodinensiiim
sei leodegarii epi ; | harü canonum epistolarü nnmerus incer;tus
hab&ur. quia diiiersis temporib; in|niiinera de fide & stabilitate sce
di eccl j conscripseriint sei patres nri; j Canon aut grece latine
regula nuncupat. | quod recte ducat & normä recte iiiuendi pbeat: |
Canones aut ut scs isidorus memin& corr. m. al. generaliü | —
f. 3'' dns nf ihs xps unus de sca trinitate. si q ita non
confi t&ur & credet anathema sit. confirmatio .v sinodi corr. \ Defi-
nitio capitularü sca synodo | urbis rome sub martino papa |
Martiniis scissinius papa congreganit romae | .cv. epis in ecclesia
saluatoris & dixit. Secd | probabilem posttMatione huic nobiscü
— eps dixit, | cp xvii in mg. \ Si q non confit&ur ea quae a
scis patrib; in | quinq; conciliis — condenatur. it cap xx | Si
quis calünians scae qiiintae sinodi ut supra: sie fere semper ul
scor I patres — condemnatus. | Sexta sinodus quae acta e p dii
prouidentiä | in regia urbe —
f. 4 beat' leo papa successor agathonis j temporib; supra-
dicti principis constantini. | In libro ysidori. Sed & si qua sunt
alia I qua plura concilia — discripari (ep corr. m. al.). Incip
symbolü a,pol^ \\ f, 4'' Can agathen .hf xiii. | — Isidorus in scd
libro officio^ | in mg. hf xxi | ^ —
f. 5 Fides niceni concilii .cccxviii. epor
Isidorus in primo libro officio^t hf xvi.
f. 5** Simbolum apud constantinopolim: cl. scorü patr
f. n Fides sei athanasii epi alexandrini
f. 7 de anima xpi rationabili in sinodo romano die. ,
in sinodo calcedonense
sei cirilli ad nestorium
f. 7'' Inter c&era. aujrili. augustini. in engl scdm. iohan
f. 8 de spü * aninia hieroni|nius ad hydibiani
Item I dicta sei isidori de sca trinitate & qd | am plins <
nihil ((uä Creator & creatura ||
' Vgl. Maassen 1. c. 419 !
Die Bibliotheken Piemunts. 543
f. 9 de .inima xpi
agustinus in libris | questionuiii. Intcr,
f. 9'' Scs isidorus de spii sco
It sei isidori
f. 10 It eiusde | de spü & animax^ quod unü sit.
It eiusde sei isidori de sca trinitate.
f. 10'' Fides aput (tin d m.al.) grecos de trinitate hoc modo -i-
de creatura j|
f. IP De adam primnm. | oafi. cartagineiis. hr. i Quicuq;
dicit I adam primum hominem mortalem factum ita si|ue peccar*
siue non peccaret moreriur in corpore | non peccati merito scd
necessitate nature. anathe]ma sit. | Incipiunt capitula canonum. |
I De fide catholica. & symbolo. | —
f. 13 Lxxi Canones sei gregorii papae; ||
f. 13'' Incipit collectvi ex libris canonum | de tide catho-
lica et simbolum. | i Caii agustüdinensis. hf .i. Siquis prbt |
diaconus subdiac. ul clericus. simbulü apostolo% | & fidem sei
athanasi corr. m. aL epi inrepraehensibilit non re[censi — erit.
ab epij condempnatur (a in e ri?.. «/.). —
f. 79'' LXXI. Rescripta beati gre|gorii papae. ad agustinü
epm que pro j se ad praedicandü misit. 1 i Qualit eps suis cle-
ricis debeat conuersari. \ — xii De inlusione que corr. m. <il.
in somnis accedit (ce in ci m. al.) xiii. | i Qualit eps — conuer-
sari. Beati pauli apostoli ad ti|| f. 80 motheü epistola in quib;
eü erudire studu|it —
f. So (xii) nutri|nientü. in consensu pfectio. Decr&um | sei
gregorii papae. | i. De ministris ecclesiae. & cantoribus. | —
f. 83'' VI. De familia eceh quae ad relegiosa corr. rn. al.
uitä ueni|re cupiunt. | i. Gregorius papa cora beati p&ri corpus |
resedens. cü epis xxiii. prbis xxxiii dixit. \ In hac sca romana
ecclesia. dudü. con&tu|do sie est —
f. 84 (vi) in monasterio serui|re diio Ite cafi sei gregorii
papae | Gregorius scissimiis papa. ante corpus j beatissimi petri
apostoli sinodo rese|| f. 84'' dens. dixit. Si quis pres))iterum
duxerit i — eetere corr. vi. al. subscripserunt; Epis|tola sei gregorii
ad bruliilde | regina | Domina corr. ni. al. gloriosissimae. atque
precellenjtissimo filiae. brunichilde reginae. || f. 85 gregorius
seruus seruorum dl. Post ex|cellentia(! uestre corr. m. al. solli-
citudo. regia est | —
544 Reil'f er scheid.
f. 86 pia } esse uiderit. deuotione sollicita. | vier Zeilen
leer \\ f. 86" m. al. Can niceni concilii. xii | Siquis pri? —
ammittat gradü. | m. al. Ex capitulare domni hlotarii qd |
constitutum est bolonna; | cap x. de precariis quoque — sed
sur» prouidentie sit || drei Blätter ausyeschnitten || f. 87 Atticus
eps constantinopolitaue dixit; ededi ] cannones — a me .amen.
g;reca elementa litterarum nu|merus etiam expremere corr. uullus —
f. 87'' greca elementa | sig'nificant; amhn. i. xlviii. l. ||
EUGIPPIUS.
XXX. 94. meiiil)!-. fol. 2 col. foliorum 236. saec. X.'
f. 1 /////// se|quentis | operis \ Dominae - | merito uenerabili |
& fructu sacrae | uirginitatis in xpi i gratia semper illu|stri. ac
per omnia j)be | eugippius omnium seruorum di famulus | in
dSo saluteni dicit. | Excerptorum | codicem, quem de uonnullis
opcrib. sei au|gustini. cohortante domno meo marino j —
f. 1'' ut predicti duo de caritate | tituli. iinem semper tc-
neant excerpto^^. | Explicit praefatio | Incipiunt capitula | ex-
cerptorum. de quijbusdam opusculis | sei augustini | episcopi. |
.1. Liber ad iherouimü prbm | prbrm. sie de sentia iacobi apli.
qua di|cit. si totam quis legem seruauerit. offendat aü | in uno.
factus e omniü reus. cum idem dicat | in multis enim offeudimus
oms, Idcirco integer | in hoc corpore lib prelatus e excerptis.
quia I in eo de caritate iiiiorq. uirtutib. prudentia | temperantia
fortitudine & iustitia diligen|tissime disputauit. | —
f. 9 ccc.LX.i •■' Sermo de caritate | Expliciunt capitula sub-
scquentis operis ^ | Incipit liber excerptorum de non nullis
opusculis sei augustini episcopi | Quod ad te | scripsi honorande
mihi in xpo ff ldero|nime querens de anima Immana si nasceu]
tibus singulis neue singule nunc usq^ fiunt | —
f. 236" ccc.L.vii •' De magis pharajonis. '^ Ex libro questio-
num .Lxxx.iiii. " | Non oportet mouere "• cü magis " ar|tib> — si-
1 Die oberen Ränder durch Feuchtigkeit und Mäusefrass beschädigt —
- LXII 559 — ^ cccLii — ' Die Capituhition von Angeln Mai nach Vatic.
3375 hcrau.sgegebe« PNß i -* \). 131 ff. — '■' uccxl — 6 et cur quaedam niira-
cula fecerunt, .sicut Moyses famulus Dei — '' om. — ^ moveri — ^ magicis
Die Bibliotheken Piemonts 54Ö
iiiiliu in maniis siias dautui- cum | exaudiuntur a demonib, Digiii
sunt ' II
EusEBii Jiisforia ecclesiastica.
CLXVn. 205. merabr. -1. t'olionim 181. saec. X. ,
f. 1'' Ineipit prolugus sei | hieruninii - prbsri de | libro
storiarü sei eusebii | episcopi | Periturü •' dieunt esse medicoru | —
t". 2" usq. ad obitü | tbeodosii auj>;usti; Hniuit pfaeio. | haec
contin* ecclesiasticae historiae Liber prinms ; praefa|tatiunem sie
de deitate xpi. 1 1 Quod ds k diis k creator omnium ae dispensator
uniuersorü || f. 3 ipse sit sedni ea quae in lege & ^ih&is scripta
sunt. I — xvi Exemplü epistole abgari ad dnm. & diii ad ipsum.
& eorü I qu(; cousequentur de syrorum lingua trauslata sit. | Ex-
pliciunt capitula lib primi. Incip eusebii | eaesariensis liber
primus lege in xjxi iliü duu uru. || f. H'' Successioues sanctorü
aptorü. et tempura quae | —
f. 4'' autiquitas & nobilitas pariter ostend&ur. | i in mr/. \ Genus
igitur xpi et ipsani substautiae eius natujram —
f. 24'' (xvui) lingua interptata. hunc in nris libris tenebaut
locuni. I Eusebi eaesariensis liistoriarii | liber primus explicit. |
Ineipit liber secundus feliciter | lege in xpo ihü. | Quae etiam
secundus ecclesiasticae historie con|tinet liber. | .i. De uita i-
institutione aplo% post ascensionem xpi. | —
f. 25 XXVI. Ut innumeris iudois malis adflicti sunt ac nouis-
simo I contra romanos arma mouerunt. j Expliciunt capitula
libri secundi, | Ineipit liber secundus. feliciter | Quecumque |
oportuit uelut in prineipiis | ecclesiastice historiae designari. \ —
f. 45 liaec ad uerbum iose^p''us refert; uerum de iudaeis
ista sufliciant; j Eusebi cesariensis historiarü lib .ii. explicit. |
Ineipit liber tertius lege feliciter | Haec etiam liber tertius cou-
tini;. I I. In quib; locis x}5m apostoli praedicaruut. | —
f. 46 xxxviiii De libris papiae. | Expliciunt capitula libi'i
tertii. | Ineipit liber tertius. | i in my. \ Igitur iudri debitis |
cladibus | perurgebantur. —
f. (J8'' scripta ista parabola. | sed iani ista sufliciant. j
Historia eusebi. eaesariensis episcopi I liber tertius explicit. j
* 1. c. 1064 b — 2 Euäui — J XXI 4Ü1
546 Reifferscli eid.
Incipit über quartus telicitt'-r. | Quartus quu(j[; ecclesiastJcp liisto-
riae liber liaec coDtin&. j i. qui sub imperio traiani romanorum
ul alexandrino^f | episcopi fuerint. | —
f, (39 XXXII. De bardesano syro til scriptis ei'dem. j Ex-
pliciuut capitula | i | Duodecinio anno. prmcipa|tus traiani cae-
saris. cum cerdo —
f. 90'' etiam romane j eccle soter eps uiuendi fineni fecit. |
Explicit liber quartus. | Incipit liber quintus. | Haec etiam liber
contin& quintus. | i Quanti & queadmodü sub seuei'o apud galliam
jipri&ate subierint | —
f. 91 xxviiii. Qualis morib; fuerit quuq; pacto sacro scos
libros 1 temerare ausus sit. | Expliciunt tituli libri quiuti. am. |
Igitur soteri episcopo | octo annis in urbe roma —
f. 101'' (vii) nos ergo periculum incurrim' si uolum'. de
antichristi noraine | dfyr vierte TJieil der Seite zerstört || f. 102
populo spectanti lauiari usq: quo fine uite in ipsis uerberib;
po|uerent ; —
f. lOö*" copi(jsissimam materiam dereli^quid. corr. m. p. \
Historia. eusebi. caesariensis | liber .vi. explicit. i Incipiunt tituli
libri septirai | Haec insunt in septimo libro ecclesiastice histo-
riae. | i De decii & g-alli male gestis rebus, j —
f. 106 xxvim. De ecclesiasticis uiris nobilib; quorü ali-
quanti | &iam usq; ad ni^m memoria pdurarunt. | Expliciunt
tituli libri .vii. || f. 106'' Incipit eiusdem libri septimi. | i ] Sep-
timum nobis ecclesiastice | historiae librü scriptorum suorum. —
f. 123'' posteris ad memoria reliuquamus. | Explicit liber
septijnus | Incipiunt tituli libri (jctaui. | Haec insunt in octauo
libro ccclesiasticae historiae. | i De nris teporis id est diocle-
tiani maximiani Ss maximini psecutione. | —
f. 124 xviiii De edictis maximini. Explicuerunt tituli. | i
Apostoloi'um suc)cessionib;'iutra septe libros a not) | conclusis. —
f. 139 sed posthaec quid | consecutü sit uideamus. Ex-
plicit lib. octauus. | Incipit liber nonus. | Haec insunt in nono
libro ecclesiastice historiae. | i De simulata indulgentia. I — x
De pditione ultima inimico^ nforum. | Expliciunt tituli libri
noni feliciter. | i | Huiuscemodi edictis iin])crialibus per omne |
locuni asiae pontiq; ^ppositis. —
f. 151" supra orns qui prius fuerant | procurabat. | p]usebi
caesariensis episcopi lib nonus explic | Incipit liber decimus j
Uir lüUliiithi'kou Pienioiits. 547
Huc ' iis(j. noib. eusebius rcrn in eccla g-ostaruni jucnioriri || f.
152 ti-adidit; c&era uo quac iiö(^. ad psens tcinp' p ordine subse|
futa sunt, quae ul in maiorum litteris ro])pcrini'. ul ni^ me|
iiioria adtigit. patris reliog-i - pceptis & in hoe parentes. qua |
poterini' breuitor addemus 5 | haec &iam decirao libro occlesiasticae
historiae continentur. | i de arrii herese | —
f. 152'' XL. De sio-nis & uirtutib; terriücis (pu; in exitium
conjuersa sunt iudeorum. | Tituli iibri decirai explicuerunt
feliciter | Incipit liber decimus. || f. 153 1 | Cum apud alexan-
driam post acliilla qui petro | martyri successerat. alexander | —
f. 172'' adq. gentiles. locum siinul & inaniter coepta reli-
quere. | Historiae eusebi caesariensis lib .x. explicit. | Incipiunt
capitula Iibri .xi. Lege feliciter. | Haec contin* ecclesiastice
historiae lib xi. | i De ortu .t- religiosa monte principis iouiani '*
& de line eins | —
f. 173'' xxxiiii. De tinc theodosii post uictoriani & arcadio
adq; hono|rio liberis ei' adq.-* Iieredib; regni | Expliciunt tituli.
Incipit liber xi. amen. | Post iuliani necem. tandem | ciuile nobis
iouiani "' praeparatur " Imperium ; | —
f. 181'' (xxxiiii) feliciter gubernato. ad meliora migrauit.
cum piissimis | principib; percepturus praemia meritorum. | His-
toria eusebi caesariensis epi | liber undecimus explicit | feli-
citer du gratias. amen. | Gisus eps fieri rogauit uiuat | in diio
seinper j Bebe presbiter scripsit. ||
Gregoku Magni hojiuliae in ev<m<jeUa.
C'XLVIII. 8. membr. 4. 2 col. füliorum 268. saec. IX— X.
f . 1 " Incipit epistula | beati gregorii | papae ad epis|copum
tauro|menitanum | Reueren|tissimo ^ & | sancitissimo | fratri | se-
cundijno co|episcopo ^ gregojrius ser|uus ser|uoruni di Inter | —
f. 1'' Ins que emendatfi sunt | certiores fiant. | Expl epi-
stula I incipiunt ca|pitula Iibri | huius || f. 2 .i. Omelia sei euan|
gelii secundum mat|theum. In illo tempo|re dixit itis discipulis |
suis. Erunt signa in [ sole & luna & stel|lis & in teri-is pressura [
gentium pr^ confusione | sonitus maris & fluctuü; | —
' 1. c. 4:63 ■ — - religiosi — ^ loviniani — ^ et — ■'' loviniani — ^ reparatur
— "In mg. m. s. xv : liTj g-g'". l*" omelia-^ — ^ LXXVI 1075 — 9 episcopo
548 Keifferscheid.
f. 4 XL. (Jml sei euang | secct lue; lu illo tempo|i-e dixit
iRs diseipulis | suis, homo quidam erat [ diues & induebatur
pur|pura & bisso & epulaba|tur cotidie splendide & \ erat quidam
mendicus nojmine lazarus ; | Expliciunt | capitula feli|citer amen |
Oport& ' I fratres | kmi | ut flagel|la di | que metuejre uentura |
debuinius. saltim presenjtia & experta timeamus | —
t". 4'" nanique uiiieuitan (nini corr. in. al.) \ culpas tri-
duana - || f. 5 m. <iL. aeq. Quam exhortatioue beati gregorii. |
ideo liuic liopusculo inserendam puta|uimus. ut a quanta
pfectiones pdicaltionis initium sumpserit moiistrajremus ||
f. S ' In illo I tempore | dixit iiis etc. uerba autem niea
non I transient ; ' j Expl. lee | sei engt inc^ | oml lectionis |
eiusdem liabita j ad populum | in basilica beajti-^ petri apos|
toli ; " II f. S"" Diis I ac | re|deni|tor nos|ter ^ parajtos nos in|uenire
desiderans. seneseen|tem
f. 12 illius timendo preuenitis; Explicit ome|lia prima. |
Ineipit leetio | sei euangelii | secundum | lueam | In illo tem|pore
adsumsit ilis —
f. 42'' dedit lau|dem do; | Expl lec sei | eugl incp lee|tionis
eiusdem | ad populum \ in basilica | beati | petri | apos|to|li. "^ ||
f. 13 Kedem|tor | nos|ter | proui|dens ex | passione | sua —
f. 17'' dedit laudem do ; | Explicit omejlia secunda | x
Iucj5 " I omi lectionis | eiusdem habi|ta ad populü | in basilica
scae ] felicitatis '" die | natalis eins. | Sei euan|gelii frajtres
cariö|simi breuis | est leetio reeijtata. sed | magnis mysjteriorum |
ponderibus || —
f. 20'' iu mente truci|damus. " Expt 1 oml. tertia || f. 21
Incp oml lec|tionis eiusdem | iTab ad populü | in basilica be|ati
Gregorii Magni oratio ad plebem de mortalitatc 1. c. l.'^ll — - I.e. lolH.
Ein Blatt ausgeschnitten — ^ f. 5^. 6. 7i> mit Bildern geschmückt. Auf
f. 5'' reicht ein Cleriker ein Buch einem Heiligen; neben jenem steht <lauid
pertus diacoiwü, neben diesem .sc* putrun. Anf f. ß ist Christus dargestellt,
auf dem Thron sitzend, das Haupt mit dem Nimbus geschmückt, mit er-
hobener Keehten, mit der Linken das Gewand aufnehmend, im Schooss
eine! Rolle. Auf f. 7'' ein Heiliger in reichem Priestergewand mit einem
Buche — ' transibunt — '•' sancti. So auch im Folgendon — ^ dominica
secunda adventus Domini add. Dann folgt die leetio. sie semper — ^ fratres
charissimi add. — '^ dominica in quinquagesima add. — ^ VdU liier an
habe ich die leetio nicht mehr verzeichnet — "^ martyris in add. — ' ' ipso
adiuvante etc. add.
Die Bililiothokeii riemoiits. 540
i
stcplmni. ' | rum | consü- | onmihus | traltrcs | carissinii quia
rcdemjptor nostcr in mundo - } —
f. 24'' cum festina|tione pi-oparemur; •' | Expl Uml (|uar|ta. ||
f. 25 Incp I ome\ lect eius|dem liabita ad | populuin in ba|silica
beati an|dree apostoli j die* uatalis eins | Audistis | fratres ca!
rissimi. quia ad uuius | iussionis | uocem. | petrus" | * an|dreas —
f. 27'' ad propria | contemnenda perdu|catur "'; | Expt oiuolia |
quiuta || f. 28 Inc[) | omolia habita | ad pupuhim in | basilica
scom I marcelbni et | petriJ' || f. 28'' Qu(;|ren|du no|bis | est |
fra|tres | caris|sinii | Iühan|nes | [)i-o|pheta | \- plus | quam pro|
pheta. —
f. 33 iohanne ua|leatis-, | Expl omel'sexita. || f. 33" iucipit |
onielia lectionis | eiusdem habita | ad populum in l);i|silica beati
pctri I apostoli. '^ | Ex huius | nobis lectio|uiö uia'l)is | fratres
cans|sinn iühan|nis humi litas com|mendatur. | —
f. 38 ex hu|militate ualeatis; j Explicit omelia | septima. ||
f. 38'' Incp I oml lect eius|dem liabita ad | populum in ba|silica
beato I marie "^ die na|talis dni || f. 39 Quia lar|oiente diio. |
niissarü | sollemnia | ter liodie | celebraturi | su|muö. | lo|qui |
diu de euan|gelica lectione ! uou possumus. sed | —
t". 40" propter | te factus est ^^^^ j ds homo | Explicit
onielia | octaua. || f. 41'' Incp oml | lectionis eius|dem liabita ad |
populum in ba|silica beati sil|uestri conf " die ^" | natalis eins. |
Lectio sei euang-e|lii fratfes carissimi | sollicite considerare | nos
ammon&. nc nos | qui plus ceteris | —
f. 46 fecimus excuset ; | Expl onielia nona || f. 46" Inci})it |
omelia lectio|nis eiusdem lia|bita ad populfl | in basilica beajti
petri aposto|li die sancto " | theophanie '- || f. 47 Sicut ex '■' |
lectionex | euangelica | fratres " au|distis c(;|li rege nato | rex
terre | turbatus | est; —
f. 51 ad eara inalis amarica|ti redeamus; | Explicit omelia |
dccima. || f. 51" incipit onie|lia lectionis | eiusdem habita | ad
populum in | basilica sanctr | agno '•'' die natajlis eins. |! f. 52
• martyris de apostolis add. — - minuliim — ^ donante etc. ndd. — ' in die
— ^ adiuvaiite etc. add. Dergleielicii vini liier an niclit mehr notirt —
^ dominica tcrtia adventiis Doniini adil. — " doniinica quarta in adveutu
Domini add. — § virginis in (idd. — ^ ovi. — '" in die nie semper — " ojh.
— 12 epiphaniae — '^ in — " carissimi add. — '^ Agnetis s. s.
550 Reifferscheid
Ce|lo|rum regiiü j tratres carislsimi idcircu | terrenis | rejbus |
simile dicitur. ut | —
f. 6b^ sine labore capiatis ; | Explicit omelia | uudecima. ||
f. 56 Incp ofTTel' lec|tionis emsdem | liabila ad popullum in ba-
silica ] sce agne martyris ' ] die natalis eins secundo - | Saepe |
uos fra|tres calrissimi | ammo|neo. pra|ua opera fugire sie \ —
f. 61 die I neque horani; | Explicit omelia | diiodeciraa. ||
f. 61" Inc}5 oiiit I lectionis eiusde | habita ad popu|lum in basi-
lica I beati felicis con|fessoris die najtalis eins, | Sei euan|gelii
fraltres caris|simi aper]ta uobis | est lectio | recita|ta, sed \ ne^
aliqui|bus ipsa eins | —
f. 65 semper | timeatur; I Explicit omelia j tertia decima||
f. 65" incp omT lectio|nis eiusdem liabi|ta ad populum | in ba-
silica beati | petri apostoli -^ | Audistis | fratres ^ ex lec|tione
euangejlica eruditione j nostram. ■' | —
f. 69" in peruen|tione satiemur, | Expl oml quar|tadecima. ||
f. 70 incipit omel j lectionis eius|dem habita | ad popukim |
in basilica bea|ti pauli apos|toli '' ] Lec|tio j sei | euangelii quam
modo I fratres carissimi audistis | expositionem " non indigx-. |
sed ammonitionem ; * qua | —
f. 73" consorjtes esse -^ ualeatis; | Expt. onTSl' xv || f, 74
incipit I omelia lectionis | eiusdem habita ad | populum in basi|
lica sancti iohan|nis quae appella|tur '" constantini|ana ' • | Dubi-
tari I a quibusdä | sok- a q^'o | spü sit | ihs ducjtus in de|sertü —
f. 78 competit relaxamus; ""- | Expl omelia xvi | Incipit
omelia | lectionis eiusde | habita ad episco|pos in consist | late-
ranense '^. || f. 78" Diis et salua|tor noster j fratres | carissijmi
ali|quan|do | nos | sermo|nibus alijquando uero operibus | am-
mon&; —
f. 89" in tuis oculis esse ualeamus; | Per diim nostrum
etc. amen; \ Explicit omelia sepitima decima. || f. 90 incp | omelia
lectionis | eiusdem habita | ad populum in ba|silica beati petri |
apostoli. '^ [ Pensate | fratres | carissi|mi man|suetu|dinem di. I
relaxare | peccata uenerat. —
om. — 2 om. — •* dominica secimda post pascha add. ^ car. <idd. —
■'' vestram — ^ dominica in sexagesima (idd. — '' expositione — ^ ad-
monitione — ^ tunc esse — "' dicitui' — " dominica prima in qnadra-
gesima add. — '^ relaxemiis ~ '^ in fontes Lateranensiiim — '* dominica
in passione add.
Die Bihliothpk-Pn Piemonts. Ö51
f. 94 euadere nequa|quam ' possit; | Expt omelia ocjtaua
decima. || f. 94'' In|cipit omelia | lectionis eius|dem liabita ad |
populum. - j In explauatione | siia multa ad lojquendum sei
euaiig-ellii lectio postolat | —
f. 100'' misericor|dia mea; | Expi" omelia nona | decima. ||
f. 101 incipit | ome|lia lectionis eiusdem habita |-ad populum.-' |
Redem|toris ^ | prejcursor | quo tem|pore uerbü | predicatio|nis •''
acce|perit. | —
f. IIP piguus tene|mus; | Expt" omelia ui|cesima. || f. 112
incipit'' I omelia lectio|nis eiusdem hajbita ad populü | in basi-
lica beate | mario ' die sco | pasclio | Multis | uobis | lectio|nibus |
fratres | caris|simi | per | dicitatü | ioq'i | con|sue|ui. | Sed | quia
lassiscente (esc corr. m. al.) sto|macho —
f. 124'^ dejdit in mortem'' unicum | filium suum x^x^^^^^ |
ilim xpin diim '•' etc. amen; || f. 124'' Explicit omelia | uicesima
prima. || f. 125 Incp ome|lia lectionis eius|dem habita ad | po-
pulum in basillica beati iohan|nis que appella|tur constantij
niaua 'i. | Fracjtus lon|ga | mollesjtia | stolmachus diu nie cari|
tati uestre —
f. 116'' pigri non sunius. | adiuuat ipse quem ama|mus.
ihs xps etc. amen; [ Expl omelia uice|sima secunda. || f. 117
Incipit omelia | lectionis eius|dem habita ad | populum in baj
silica beati pe|tri apostoli "-. || f. 117'' In cottidijana nobis '^
sollen! |nitate labolrantibus pauca j loquenda sunt. —
f. 118'' proprios recipiat ad regnum. || f. 119 Explicit ome-
lia I uicesima tertia || f. 119'' Incp omelia lecjtionis eiusdem |
habita ad populum | in basilica beati | laurentii mar|tyris. " |
Lec|tio I sei | euangelii que modo | in uestris auribus i'' lecjta
est fratres mei | questione animum | pulsat. —
f. 132'' ad perfec|tionem roborat. per | ihm xpm dnm —
amen; j Explicit omelia | uicesima quar|ta. || f. loo Incp oml
' nequainquam evadere — ^ jn basilica beati Laurentii martyris, dominica
iu sexagesima add. — 3 jn basilica sancti lohaunis Baptistae, sabbato
quattnor temporum ante natalem Christi add. — ■> r. nostri — ^ praed. ver-
bmn — ^' Hier beginnt in der Ausgabe das zweite Buch — " virginis add. —
8 Verheftet, f. 115- 12-2 = Quat. xvi, f. 12:5—130 = Quat. xv — « iu
mortem dedit — i» dominum nostrum lesum Clu-istum — '• sabbato post
pascha add. — i2 in crastino paschae add. - '^ vobis — " foris muros
urbis, feria quarta paschae add. — '"' amibus vestris
552 Reifferscheid.
lectionis | eiusdem habita ad | popiilum in basilica | beati iohan-
nis que | appellatur cons|tantiniana. ' || f. 133'' Maria Magida-
lene | quo fae|rat in ci|uitate | peccatrix. | amando | ueritate. |
lauit I lacrimis | —
f. 142 Cünsü|labitiir g-aiidio; qui | uiuit etc. amen; | Explicit
onielia | iiicesima quinta |j f. 142'' Incipit [ omelia lec|tionis eiiisde |
habita ad || f. 143 populum in ba|silica beati | iohannis quae
appellatur "^ | constantiniana. ■' | Prima | lectio|nis j huius | euan-
ge|lice questio | animum pulsat. | —
f. 150'' singulariter ^ amatis. | qui uiuit etc. amen ; | Explicit
omelia | uicesima sexta || f. 151 Inci|pit omelia lec|tionis eius-
dem I habita ad popu|lum in basilica | sei pancrati ■' die | natalis
eins. I Cum cuncjta sacra elo|quia domiuicis \ plena sint pre|
ceptis. —
f. 157 nunc j decertantes iuuat; j per ihih xpm dimi etc.
amen; | Explicit omelia | uicesima septima || f. 157'' incipit ome-
lia I lectionis eius|dem habita | ad populum in | cymite|rio '' sco!
rum uerei et | achijlei die | natalis eorum. || f. 158 Le|c|ti|o | sei
euang-elii qua | modo fratres audis|tis. expositione non | indig*.
sed ne hanc | taciti —
f. IßO'' per lidem tene|tis. per ihih xpm dnm | etc. amen; |
Explicit omelia | uicesima octa|ua. || f. IGI Incipit omelia | lec-
tionis eius|dem habita ad | populum in ba[silica beati pe|tri
apostoli I die ascensionis" | dni. | Quod re|surrectio|nem do mi-
nicä I discipu|li tarde j crediderunt. | —
f. 168 desijderium nostrum ipso q'i | dedit ihs xps dSs
etc. amen; | Explicit omejlia uicesima | nona. || f. 168'' incp ome-
lia lec|tionis eiusdem | habita ad popujlum in basilica || f. 169
beati petri apos|toli die sco pcn|tecosten. ^ | Li|b|e|t fratres ca-
risjsimi euangelice uer|ba lectionis sub breui|tate transcurrere | —
f. 177 non relinquitur sed da|tur per diuTi nostrum | etc.
amen; | Explicit ome|lia tricesima. || f. 177'' incipit | omelia lec-
tio|nis eiusdem j habita ad polpulum in basijlica beati lau|renti
marty|ris." || f. 178DiTs et | redem|tor | nosjter | per | euan|gelium
suiun aliquan|do uerbis loquitur. | aliquando rebus | —
' fcrin quinta i)ascliao add. — - dicitnr — ^ j^ octavis i)aschae add. —
^ siugularius — ■' martyris add.. — ^ basilica — '' in asccnsiono — * Peu-
tecostes — '■* sabbato quattiK^r tempürum .salvatoris add.
Die RiViliiitheken PiPiiioiit?. 5o3
f. 1H2'' gaudia mansura ' | per diini etc. amen; | Explicit
omelia | triccsima pri|ina, |1 f. 183 ineipit ()me|lia lectionis eius-
dem habita | ad populum in | basilica scorü | processi et | mar-
tiniani | die natalis eo|ruin. | Qiiia | diiS | ac | re|demp]toi- |
noster | nonus hojmo uenit | in niun|d() -. | noua precepta edi-
dit ^' I —
f. ISO"" citius I adepturi sumus per euni j qui uinit etc.
amen; | Explicit omelia | tricesinia secun|da. || f. 190 incijnt
omelia | lectionis eius|dem habita ad | popidum in balsilica beati
cle|mentis;^ | Cogitanti mihi | de mario ppniten|tia flere magis |
übet —
f. 197 que fletibus | labatur in ihn xpo dSo | etc. amen; |
Explicit omeHa | tricesima terjtia. || f. 197'' incp | olnetllecf einsd' |
hab ad pop in | basilica scorü | iohanni et pauli | die dominico;''||
f. 198 Aestiuü | tempus | quod cor|pori meo | ualde i contra|rium |
est. I loq^'i | me | de | ex|po|si|tione euangelii longa j —
f. 202'' factus I est iudex noster qui j uiuit eic. amen ; |
Explicit omelia | tricesima quarjta. || f. 203 ineipit omelia | lec-
tionis eius|dem habita ad | populum in ba|silica sei menne". ||
f. 203'' Quia lon|gius ab | urbe | digressi | sumus. | ne ad rejuer-
tendü I nos | tardior | hora pre|pediat. | necesse est | ut exposi-
tionem sei euangellii —
f. 218 opi|tulatur in temtatio|ne; per ihm xpm | diiiii etc.
amen; | Explicit ome|lia tricesima | quinta. || f. 218'' ineipit
omelia | lectionis eius|dem habita ad | popvüum in ba|silica bea-
torü I apostolorum | philippi et | iaeobi ; " | Hlo|c | dis|ta|re | fra|
tjres j ca|ris|si|mi in|ter delicias corporis | & cordis sol.t-. —
f. 228'' amore | flagramus: qui uiuit | etc. amen; j Explicit
omelia | tricesima sex|ta. || f. 229 ineipit omelia | lectionis eiusde |
habita ad popujlum in basilica | sei scibastiani "^ | die natalis
eius; ] Si [ con|si|de|ra|mus" | ff | c|a|r|is|simi | que | & quanta sunt |
que nobis promittun|tur —
f. 237 remedia contulit | ihs xps dns etc. amen; | Explicit
ome|lia tricesima | septima. || f. 237'' ineipit | omelia lec|tionis
eiusde | habita ad pojpulum in ba|silica beati | clementis;'" | Tex|
' m.-uisiira gaudia — ^ niundiim — 3 dedit — i foria soxta qiiatuor tempo-
nim sejjteiiiltris add. — ■'■ flominica tertia post Peutecosten — '' martyris
die nntali eins ndd. — '' dorainica secunda post Penteoosten add. — "^ mar-
tjT-i?; (idd. — '■> consideremus — '" martyris add,.
554 Reifferscheid.
tum leC|tionis euan|g-elice fra|tres ca|rissimi | uolo si | possum |
sab breui|tate trans|cuiTere. | ut in fine |j —
f. 250'' ad|suinere naturam | nostram qui uiuit j eJc. ameu; |
Explicit omejlia tricesima | octaua. || f. 251 iucipit | onielia
lectiojnis eiusdein; ^ || f. 251'' Lec|tio|nem breuem sei | euan-
gelii. breue (i corr. m. al.) si | possum uolo sermone | percur-
rere. —
f. 260 ipse de quo loquimur [ qui uiuit etc. amen; | Ex-
plicit omellia tricesima | nona. || f. 260'' incipit | omelia lecjtionis
eiusde || f, 261 liabita ad po|pulum;- | Uer|bis '^ | sa|cri e|lo|quii |
fratres | ca|rissimi prius serjuanda est ueritas | historie. —
f. 268'' ut iam | tunc etiam suos spiri|taliter diligaut qui |
hie dum peecata dilijg'ant^ nee se amabant;-^||
Gregorii Magni moralia.
XLIX. 51. membr. ßrossquart. 2 col. foliorum 492. saec. X.
f. 1 '^ In nomine scae trinijtatis moralia g-reg-orii | pape
in expositione j beati iob. per contem|plationem sumptam. | liberi
SIC XI pars in | Quauis "' in prolixo | opere esse culpabiles m. cd.
stili I mutabilitas uon deb&. | —
f. 22 nee per carnale huc delectatione uenit; | Explicit
lib .XI. Do g'racias. am | Incipit. duodecimus ] de moralibus iob. |
Mos iustorum est tanto solli|citius —
f. 43'' que testis ueritas de cordis siplicitate i laudauit; ||
f. 44 Explicit. lib. xii. do g-racias. |' Incipit tertius decimus |
Esse hoc peruersorum propri|um sol&. quod mala sua '^ per con|
uitium bonis ing-erunt. ■' —
f. 58 de retributione iudicii in suis uocib; | securus non
est; Explicit. j Incipit lib. xiiii. ex par|te .in. | Superiori liuius
operis parte | tractauimus. quod omnipo|tens ds —
' habita ad poiiuhini in ba.silifa beati loaiuiis quao dicitur Constaiitiniana add,
— - in Ijasilica .saucti Lam'entii niartyri.s dominica sccnnda post Penteco.sten
add. — ^ In verbis — '' diligerent — ^ 1. c. 1808 c. Drei Blätter fehlen
an der letzten Lage — '"' Zwei Vorsotzblätter saec. x enthalten Excerpte
ex libro nonel. ex reg paF (ad godiscalenm duce campanie. ad leontium
exconsule. ad manrentiu magistru militii,'. ad leontinm exconsulem.) —
" LXXV 953 — '^ sua mala — ^ ingerant
Die Bibliotheken I'icmonts. 555
f. 82 qiiaiito ante iudiciü | diucius expettauit. | Explicit
.xiiii. lucipit. I Hb .XV. Pa's .111. | Quia aniici beati | iob nequa-
((ua puersi. ee j potuerint '. sopliar naalmatitis- (es coot. rii. cd.)
iierba testantur | —
f. ]05'' tauto hoc u solü in se sed &\ii in aliis | oderunt;
Explicit lib. xv. | Incipit .xvi. i Qui contra ueritatis | uerba in
alligatione deficiunt | —
f. 128'^ Opitulante dö latius disserantnr. | Explicit. || f. 129
In xpi nomine | incipit in exlplanatione; | beati iob; de | moralia.
pape I gregorii. | pars quarta; | libri; xvii. | Quotiens ^ in sei
iiiri. I historia per nouum uohilmen enodare misterium | typice —
f. 144 Quis poterit | tonitruu magnitudinis illius intueri; ^ )|
f. 144'' Explicit liber .xvii | Incipit liber .xviii. | Plerumque in
sacro I eloqnio sie nonnnlla inystica j discribuntur. —
f. 174'' fluniina suminius. | in ipso suo fönte biberimus ; |
Explicit liber xvm | Incipit liber xviiii | Sei gregorii papae | in
SCO iob prophetae. || f. 175 Quid mirum si aelterna di sapientia
conspici | —
t". 195 restaurari semp p studio subse|quentiü credebat. |
Explicit liber xviiii | Incipit liber xx. | Quamuis omneni scientiä (
adqiie doctrina scriptura Sacra sine aliqua con|paratioue —
t". 220 fortasse operis uacuari (re corr: m. al.) uideaniur, |
Explicit liber | xx, Incipit. | liber .xx.i. j Intellectus sacri eloquii.
inter | textum & misteriö tanta est —
f. 231'' uix uak' | eins ira ;]; purgat | Explicit liber. xxi j
Incipit liber xxii | Quod .a me sepe iam dictü | est hoc nie
crebro repetere | —
f. 250'' p iuueutu|tis audatiii spü feruentiore ,pferuntur;
amen. | 111. ead. Qui cognoscis omniu occulta a delicto me
mu.Mia I ^gpyg mihi concede ut repenitear. et cla|me peccaui mi-
serere mei ds;|| f. 251 lucipit lib xxiii. in ex|positione beati
iob I moralia gregorii. j per coutemplatio|nem sumpta libri | quinq.
pars quinta. j Praefationem huius operis tojtiens —
t. 2(i9 fortiter egerit ad diuinae spei mu|nimen iugiens
solidiuö uiuat | Explicit liber xxiii. | Incipit liber xxnu. | lleliu
uim supernae dispensatiojnis insinuaus de eiecti u^iuscu-
ius|que —
' potueruiit — 2 Naamathitis — 3 LXXVI 9
Sitzb a i.hil-hist. (.1. LXVril Bil ui. Hit. ■ 36
556 Reifferscheid.
f. 284" unde nunc ad ministerium pacienter ( grauis inno-
tiscit (es corr. m. al.)-^ Explicit. liber | xxiiii. Incipit üb. xxv. |
Ipsa huma^nae conditio] nis qualitas indicat quam longe reb; |
cetei'is praestat —
f. 298 de quo tribulatio orit exorjdia honoris ig-norat. |
Explicit liber .xxv. | Incipit liber .xxvi | In loquutionibus suis lioc
arro|gantes uiri habere inter alia J»priü solent —
f. 322 istum libellum hunc ' iine constrin|gemus - ne in-
moderatius extendamus; | Explicit liber .xxvi. | Incipit liber .xxvii. |
Quisquis de magnis dictis arro|gantium sumere scientiam ni|
titur —
f. 342*' adhuc sicomorum •' non inuenerunt. | Explicit liber
uigesimus | septimus do gratias. | semper amen || f. 343 Incipit
liber. xx.viii. | in ex|positione beati iob. moralia | gregorii per
contemplati|onem sumpta libi-i. viri. | pars sexta. | Post damna
rerum. | post funera pignorum. | post uulnera coi-poris. | post
uerba male suadentis uxoris. | —
f. 359** qui fluctus | frango temptationis in corde. | Ex-
plicit lib. xxviii. I Incip lib xxvira. | Diis ds nr ihs xps in eo
quod uir|tus & sapientia di est —
f. 383'' caelestiü ignarus quur haec pateris | nescis. | Ex-
plicit lib. xxxx^^ 4 II f. 384 Incipit liber .xxx.i | In paradiso sano.
homini | diabolus inuidens super|biae uulnus inilixit. | —
f. 416"' considerat. ei qui singularit summus | est se hu-
milit subdat || f. 417 Incipit liber .xxx.ii. | Sei uiri quo apud
dm altius uirtu|tum dignitate proficiunt. | —
f. 436 & terra | humilis sine termino sup caelos | regn&. |
Incipit liber xxx.iii. | Antiquo hosti qui sub uehemoth j nomine
dominica uoce describit. | —
f. 462 fläma ^ \ quippe suggestionü '' extinguit j citius unda
lacrimarü. | Incipit liber xxx.rai. j Quia ex hoc mundo corpus |
gerimus uniuersitatis —
f. 479 du in se|mfr ipsis prineipaliter humilitate | tuentur. j
Incipit liber .xxx.v. | Quia iste ultimus huius | operis liber. est.
et locis I difficilioribus pertractatis | —
f. 492'' Öi cum p me | uerba audit " pro me lacri|mas reddit. ||
^ hoc — 2 coiistriiigimus — •' sycomori nrborem — '' A^'iclniclir, wie aucli
ohne Zweifel vor der Rasur gelesen wm-de, xxvuii. Das dreissigste Buch
fehlt — •' flammani — *" suggestionuni illius — " accipit
Die BiWiothekeii Piemonts. ö57
LXXIV 60 fol. 2 eol f.ilioruiu 350. saec. X.'
f. 1 Incipit über xvii | Quuties - in sei iiiii historia. |)
nniiü j — ■
f. 13'' tonitruum magnitudinis illius intueri. |.Explicit liber
XVII. I Incipit liber xviii. | Pleruinq: in sacro eloquio. sie | —
f. 39 in ipso suo fönte bibe]rimus; | Explieit liber xvtii |
Incipit liber xvnii. | Qiiid mirnm si a&erna di sapicuitia conspici —
f. 5<j p Studium subse|quentium credebat; | Explieit liber
xvHii. I Incipit liber xx. | Quamuis omne scientia atq; doctri|nain —
f. TS'' for|tasse operis uaeuare uideamur ; | Explieit liber
XX. I Incipit liber xxi. | Intellectus saeri eloquii, inter textü | &
my Sterin —
f. 89'' ira quae | purgat. j Explieit liber xxi. | Incipit liber
XXII. I Qiiod a uae saepe iani dictü est. hoc ■' | crebro —
f. IOC)'' s]tu feruentiore | proferuntur. | Explieit liber xxii. ||
f. 107 In expositione beati iob | nioralia beati g-regorii | papae
per conteniplatiolnem sumpta libri quinque pars quinta | Prae-
fatione liuius opei'is | toties —
f. 123*' spei munimem nie fugiens solid'us m. al. uiuat. |
Explieit liber xxiii. j Incipit lil)er xxiiii. | lieliu uini supno dispen-
sationis | insinuans —
f. 139 ad inilnisteriü patienter o-rauig inuoteseitur. ' 1 Ex-
plicit liber xxiiii. | Incipit liber xxv. | Ipsa luunane eonditionis
qualitas indi|eat. qua longe rebus —
f. 152'' exor|dia honoris ignorat; | Explieit liber xxv. |
Incipit liber xxvi ] In loeutionib: suis hoc arrogantes | uiri ha-
j bere | inter alia propriü solent. | —
f. 175 libellü hoc fine constringimus | ne inmoderatius
extendamus; | Explieit liber xxvi. | Incipit liber xxvii. | (^uis-
quis de magnis dictis | arrogantiü sumere scientiain (sei 1)1
ras.). I —
f. 197 adhuc sicomori arbore non inuener; [ Explieit liber
xxvii. I Incipitliber xxviii. j Post damna rei-uin. postf'unera | pignoru.
post iiulnera eorjioris. | post uerba niah; suadentis uxoris. | —
Von f. 2-12 an die (iheren Ränder der TTainlsclnil't stark bescliädigt, gegen
Ende nur ein Dritt. 1 drr T.lätter vorliMudeii — ■* LXXVI 9 — ^ hoc me —
'' inuotescit
36*
558 Reifferscheid.
f. 211'' Üuctus l'rango | temptntiünis m corde. ! Explicit
über XXVIII. | Incipit liber xxviiii | Dns ds nf ihs xps in eo
qiiod I lürtus & sapientia di est | —
f. 232" quanto secretorü caelestium ignarus cur | haec
pateris nescis. | Explicit liber xxviiii. | in expositione iob mo-
ra|lia | beati gregorii papae. | urbis rome pars quinta. | Incipit
liber .xxx. | Beatus iob talia utrunine fecerit 1 diio interrogante
requiritur. | —
f. 254'' hnmilius trepidat | tanto in illo robustius stat, |
Explicit liber xxx. | Incipit liber xxxi. | In paradyso sano ho-
111 ini diabolus j inuidens. supbiae uulnus inflixit | —
i\ 282" ei qni singulariter sum|mns est se humiliter sub-
dat; ! Explicit liber xxxi. j Incipit liber xxxii. [ Sei uiri quo
apud din altiiis uirtujtum dignitate j)±iciuut. —
f. 299 & terra humilis sine | termino snp caelos regnet ; |
Explicit liber xxxii. || f. 299" Anfavg zerstört driica | uoce de-
scribitur. supbi quiq. tanjto fainiliarius seruiunt. —
f. 321" extinguit citius | unda lacriniarnm; | Explicit über
xxxiii I Incipit liber xxxini | Quia ex hoc mundo corpus gerimus. || —
f. 336" du in sem&ipsis prin|cipaliter humilitatem tuentur; |
Explicit liber xxxiiii. | Incipit liber xxxv. | Quia iste ultinius
huius operis liber | est & locis difficiliorib; ptractatis | —
f. 350" si cum p me uerba | accipit pro me lacrimas
reddit. ||
Gregorii Magni regula pastoralis.
CCK. d8. iiiembr. Kleinoctav. folioruni 180 saec. X. '
f. 1" ^dni incipiunt capij <regule pastoralis | re '^ inperiti.
ad magisteriü audeant. —
f. 5" Lxv peractis rite omnibus qualit pdicator -^ ad | semet-
ipsuin redeat ne hunc 1 uita uel p|dicatio extollat. ■* || f. 6 Pasto-
ralis ^ curae me pon dera fugere delitiscendo uoluisse —
* Vom zwei Blätter aus Beda de teniijoiibns, ausserdein die Copie einer
Urkunde über einen Vertrag zwischen Wilielmus nepos Arnald' filius pagaiii
und albtus monachus sei silani — - Ne venire — •' Qnaliter praedicator
umnibus rite peractis — •* Die Eiiitheibing in vier partes ist aiieli dieser
Haiidsclirift tVeiiid — - LXXVH IS
Die Bibliotheken Piemonts. 059
i _ .■ . .
f. 7 iaiiua rcpcllantur. | .i. Nulla ars düccri psuuiit nisi
intenta pn|iis —
f. 64 uectes a circulis nuqua rccedant. | xxiii m. s. xii
Incip Hb scds | Quia igitur qualis esse debeat | —
f. 105'' (xxxviii) Vir lin|g-uüsus non dinget siip tram ; hinc '
salomon iterü - || f. 106 soporem •' 4'imittere dicit. quia paulis-
p etiä reete | —
f. 166'' (lv) qd j)fecto acceperant iit possint (ent corr.
m. al.) delere peccata. quo% neqtia ' |1 f. 167 qiiia-^ discreta
eok j)uidentia ita in alto sita e. ut teptaltionü —
f. 180'' ut q>; pondus ,ppriü | deprimit tui ^^ meriti man'
leuet". ! ;Lib regulo pastoralis. sei gregorii. ||
HiEROinrMus contra lovinianum, in ecclesiasten.
ClU. 5(>. meiubr. Grossquart. 2 col. loliorum 1(>3. saec. X—XI.
f. 1'' Contra louinianum | sei hieronimi j Pauci"^ admodniii
dies sunt quod | sei ex urbe "^ frs cuiusdani mihi ioui|niani com-
mentariolos trausniiserunt | rogantes ut eorum ineptiis respon-
derem. | et epicurum xpianorum euaugelico atq; ] apHeo rigore
contererem ■'. —
f. 31 hieropantas quoq. atheni|ensium usq. hodie cieutae
sorbicione cas|trari. et postquam in pontiticatimi fue|rint. allecti.
uiros esse desinere. ( Eusebii hieronimi. | sei contra iouini|anum
de uirgini|tate et monogajmia explicit lib. i j Incipit eiusdem |
contra eunde de baptismate | et paenitentia j über secundus. |
Secunda propositio | est. eos qui fuerint baptizati. a dia bolo
non posse temptari. Et ne hoc j stulte dicere uideretur. ad-
iecit. I —
f. 54" Facilius maiores tui pytagorae contünentia. qua sub
consulib. epicuri hixuiriam susceperunt. : f. 55 '"' //* mg. Jero-
nim'. ad innocetiü pbfm d' septies pcussa | Epe i' a me inocenti
kine postulasti j —
' hinc qnoque — ^ 1. c. T6 d — '■'• 1. c 74 b. p:iu Blatt fehlt - ' niiniruni
neqiiitia 1. c. 113 a — ^ 1. c. 11-1 c. Zwei Hlätter fehlen '"' me levet —
" XXni 211 — ^ nrbe Koma — ^ vigore contenerem — 'f f. öö— 56'' saec.
XII — 11 ep. 1 XXII 326
560 Rei ff erscheid.
f. 56'' ut reddita iiite redduceret | libertati. Finit d' sep-
ties I pcussa liber sei hieronimi. || f. 57 Incipit praesjbyteri hie-
roni|mi explanatio|num in eccle|siasten | Memini ' me ante | hoc
ferme quinlquenuium cum [ adhuc romae essem et ecclesias]
ten scae blesillc legerem — riimlos consectarer; | Verba eccle-
siastes filii dauid re|gis hierusa|lem. Tribus nominib. | uoeatum
fuisse salomoneni ] scripturae manifestissime docent. ] —
f. 99'' et dicta senserunt sine in hanc | partem siue in illam
uae quippe | his qui dicunt malum bonum et | bonum malnm. der
Rest von f. 99'% f. 100 — lOP' leer \\ f. 102 Incipit liber scT anibro|sii
de rebus g-estis in ec|clesia naediolanensi. | Qiii^ omnibus epistulis
fere '^ sollijcite quaeris de ccclesia accipe | quid agatur Postridie
qua acce|pi litteras tuas quibiis signilica|ueras quod ^ exagita-
rent somnia | tua moles inquietudinuni grauijum coepi •'' moucri |
Nee iani porciana. hoc est cxtra|murana basilica petebatur.
sed I et^' basilica noua hoc est intramurajna quae maior est.
Conuenerunt j —
f. 109 cum conjsilium di spernat et contempnat | baptis-
mum quod xps nobis ad redi[menda nra peccata donauit ". |
Explicit tractatus | sei ambrosii. | Incipit contra auxenitium |
Clementissimo '^ imperatori et bea[tissimo augusto ualentiniano
am|brosius episcopus. Dalmatius me | tribunus et notarius man-
dato ut I alligauit clementiae —
f. 109'' quod cü prescripsisti | aJiis prescripsisti et tibi
leges " [I f. 110 Incipit prefatio "'. | De natura rerü & ratione
temporü duos quondam stricto sermone libellos | — iura custo-
diat. I Explicit ]5facio. incipiunt | i De compux^to uel ioquella
digitorum. | —
f. 110" Lxvii. De cursus aetatum earundem. | Explicit ca-
pitula ! De computo uel loquejla digitorum. j f. 111 temporum
i'acione dno iuuante dicturi necessarium "" duximus | —
f. löo** Ut p' temporales caelestium actionü sudores.
gaudia
aeterna cuncti hereti caelestium pmiorü a meream' accipere. Amen. |
Explicit. II f. 154 — 161 Kalender tind Comp utustaf ein || f. 162—163
Fragment einer Grammatik; Probe: f. 162 & de omnib; similibus;
' XXIII lOüO — 2 ep. 1, 20 XVI 994 — ^ in omnibus fere epistolis — ^ quod
. te — ■> coepit — 6 om. — 7 ? _ s op. 1, 21 1. c. 1003 — ^ 1. c. 1004
lö Beda
Die Bibliotheken Piemonts. 561
Anomala qiioq; uerborü id possunt ostendcrc. (juae | sine tliibio
p sini;iilci tepora — conünuat apollonius suminus artis auctor
griiinaticae. | docens in .r. de uerbo immobilem fii>urationis iunc-
turani nianere & separatim | conlirnians conponi. OKATArPA<i'Oj ;
KAI KATA rPA<]>G)NENirPA<i>oj | KAT. ENirPA«i>wN. & his similia.
HiEKONYMi explanatlones in Hleremia.
CLIV. 50. membr. 1. l'oliorum 209. sacc. X.
{'. 1 In hoc codice sunt ex|planationum in hieremia | liie-
ronimi libri .vi. | a primo usque in sexto. | Hieroniiuus ad pau-
liimni. de studio | scribturarum. hieremias uirg-am | nuceain. et
ollam succensam a facie ] aquilonis. et pauum spoliatü suis colo-
i-ibus. I Post ' cxplanationes duodecini | proph&aruni isaiae dani-
lielis & I ezecliiel -. ad extremum hieremiam -^ | manum mittimus.
tibi trater eusebi^ eiusdem com|mentariolos dedicantes. —
f, 2 sed iam propositum opus adgTe|diendum est. hl) [
Verba hieremiae tilii helchiae de sacerdotibus (pn | fiiorunt in
anathot in terra beniamin. — -
f. 36 ut foris j cohmt quod intus prius uenorabantur. & '
paleae sepa|rentur a tritico. || f. So"" Explicit in liieremiä pro-
phetam comnientario|rum liber primus. do gratias. amen. | In
nomine, patris. | et filii. et sps sei | Incipit commentariorum | liber
secundus | Secundum frater eusebi in hieremiam | librum celeri
sermone dictamus. —
f. 37 alterum JDcedit'' studiosorum desiderium, Adnun|tiate —
f. 69'' compl&um sit in hieremia. hoc in fiitui'O '' de diio
proph&ari. | Finit in hieremiam prophetam. explanationum j liber
secundus. | Incipit eiusdem liber tertius. do gratias. amen. (
Lerneum ang-uem. fabulae ferunt multis ex medio | capite. pullu-
lasse serpentibus. et scyllam siculi | monstrum freti. —
f. 70 ang'usta com|mentariorum semita coarctare. Uerum-
tamen "' iudicia | loquar ad te. quid est quod uia impiorum pros-
peratur | —
* XXIV 679 - - ezechielis — ^ in leremiam — ' ut — ^ praepedit —
*> futurum — ■' lustus quidem es tu domine, si disputem tecum sivc quia
satisfaciam tibi: verumtamen
562 Reiffersclieid.
f|uia
f. 110" sed & patrem • suum dicebat. m. al. aequalem
se faciens do. | Explicit in Hieremiain liber tertiiis. j Incipit
liber quart' | Semper diabolus | bono opere "^ imininet. iibique "
gradientibus \ ponit loqueos. —
f. IIP in bis tan|tum quae obscnra fuerint immoremur.
Uerbmn quod | factum ad hieremiam a duo dicens. Surg-e &
descendc in domu || —
f. 143" fPiprie mysteriü signiticat trinitatis. Explicit. in
hieremia. | propbetä. commentariorum, Hber. quartus. || f. 144
* Incipit liber | quintus | Quintus coni)nientarioruni in hieremiam
li|ber a duobus, frater eusebi calathis | liabebit exordium quo-
rum alter rectae fidei dulcedine. | — comed& panem qui in
b&lehem nfo natus est || f. 144" uiculo. Ostendit mihi diis. i-
ecce duo calathi siue iuxta | symmachum ' cophini —
f. 177" & utinani | regnar&is ut & nos reg-naremus uobis-
cum. I Explicit in hieremiam prophetam com|mentariürmn quin-
tus I Incipit liber sextus (| f. 178 Prolixitas uüluminis hiercmiae
pro|ph&ae uincit nfiii propositum. ut quamuis bre|uiter. tamen
multa dicamus. —
f. 178" in maiestate sensuum profundis|simus e. hoc uerbum
quod factum e ad hieremiam a dno | dicens. Haec dicit diis —
f. 209 Ascendens | in altuni captiuam duxit. captiuitate
accepit. Siue ut | apostolus ait. Dedit dona hondnibus. j Explicit
commentariorum in hieremiam | liber sextus. felicitcr amen||
HiERONYMüs in Isaianij in Hieremiam.
VIX. 56. membr. Grossquart. 2 col. foliorum 353. saec. X. '
f. 1 //////// explanationum '' libris et in | danihelem com-
mentariis cog-is me | uirgo xpi eustochiCi transire ad esaiam j et
quod scae mati'i tuae paule dum uiue|ret pollicitus sum tibi
reddere. —
f. '2 modumquc ' brejuitatis excedunt sed etiam '^ ])ropo-
situm pscquar | Explicit prologus | Incipit liber explanaltionuni
' quia om. — 2 operi — ^ et nbiqiie — ' iuxta .symmachum om. — ^ Die
obereu Ränder, gsinz besonders im Anfang und am Ende der Haud.sfhritt,
durch Feuchtigkeit verdorben — ^ XXIV 17. Die vorhergehenden Zeilen
zerstört — ^ modura — * iam
Die Bihliothokon rieiiKmts. 563
i
sei ieronimi pbri | in esaiani prophctam : | Visio esaiae ülii amos.
quam iiidit sup | iudam et icnisalcni in dicbus oziao | ioathani.
acliac. et ezeehiae regü iuda | Priuda ' in quo sigiiifi^-niticantur
sie duae j tribus. Öeptuaginta et teudocio- po|siicre iudoam. —
f. 14 et spiramen habere in narib. sicut ceteri '^ | spirant
homines. | Explieit. Hb prinius | Incip lib. secundus | Finito in
esaiam primo uolumine. quod | — digi|tos meos ad bellum. |
Ecce ' dominator dils ■> anferst ab ierusa|lem —
f. 29 sed nescio quomodo liuic sensui j possint congmere
quae seeuntur. | Fiiiit liber secundus. | Incip. lib. tertius. 1 Suf-
licit mihi uoluminum maguitudo qu(; | in cxplanatione esaie —
hoc habebif' | exordium. j Anno quo mortuus est ozias '. uidi
diuii se|dentem —
f. 43" nunc ad reliqua transeanuis. | Finit liber tertius. |
Incipit liber quartus ] Inequales dietamus libros. et pro diuer|
sitate uisionum ac sensuü. alius contrahitur | alius extenditur. —
spiraute diio susciteutur. | Uerbum misit diis in iacob. et cecidit
in isrl. & j sciii populus omnes efiraim —
f. 53'' quem filio penitenti pater clemen]tissimus immo-
lauit. I Finit esaiae liber quart' | Incipit. liber. quint'. | Flures
anni sunt, quod a scae memoriae | uiro araabili epÖ rog-atus.
ut in decem esaie | scriberem uisiones. — culmina psequemur. |
Hucusq. papa amabilis. columen (»i. cd. corr. solamen) caritatis
et lum. ^1 — f. 54 sed scientiam quaerimus scripturarum. | Inci-
pimus -J ergo a babilone | —
f. 74 quaesita dictarem. qui quaesita uix scripsi | Explieit
liber quintus | esaiae prophetae incipit | liber explanationum
sex|tus sei hieronimi pbri | in esaiam prophetam | Quod in pre-
.>enti uolumine | pollicitus sum ut sup tundamenta his|toriae —
ANArcöfHN I" non omnia disserere " | ne multa fiant uolumine
(na CO)')-, m. end.) | sed qui '"- ecclesias|tici uiri ante nos senserint.
breuiter indi|cantes. Onus seu uisio contra babilonem. qua | —
f. 86'' post I penitentiam paruus et pauper sit in malitia |
Finitus liber vi in esaiam | prophetam Incipit Hb septimus )
' Pro Iuda — - Theodotio — ^ et ceteri — ^ Ecce enim — ^ exercituiiin
add. — f' habet — "^ rex Ozias — ^ nomen — ^ incipiamus — '" ana-
gogen sie etiam iii/ra — '' disserentes — '^ quid
564 Reifferscheid.
Öeptiaius libor id est ' iuxta ÄNÄfööflS | secundus e inmo ex-
tremus in hoc enim decem | uisionum tropolog-iae explanatio
terminatur. | — ne tantum iudaicis | fabulis adquiescamus | Ecce
damascus desinet eo ciuitas et erit sicut aceruus ] —
f. lOl** Comedet & bibct & saturabitur | Aiidiat nouatianus
et ta|ceat. Explicit über vii | Incipit liber viii. | Sextus et sep-
timiis superio|res libri allegoriam quin|ti uoluminis continent. j —
legant Tullium | Quintilianum gallionem gabinianum & ut || f. 102
ad nfos ueuiam tertullianum cyprian// munit///- | arnobium.
lactantium. liylarium nobis propositü | est esaiam pro nobis ^
iiitelligi & nequaquain sub j osaiae occasione nostra uerba
laiidari. lx •* | Ecce dus dissipabit tcrram et nudauit (bit corr. m.
al.) eam & adfli|get —
f. 114 Transeamus ad nonü qd altarius corr. j)phet'e |
habet ^ exordium | Fiiiit liber octauus | Incipit liber nonns |
Variis molestiis occupati exp]ana|tiones in esaiam prophetam —
f. 126'' littere medullatc (ta corr. m. cd.) eclae sacramenta
conterecre (ti m. cd.) " | Explicit liber nono | Incipit lib dccim. |
Decimus liber que corr. nunc habemus | in manibus nono et
undecimo minor erit numero | — habebunt iuitium. Ecce nomen
dni uenit de 1 longe —
f. 136 uxorem pulchritudinem desiderantes. || f. 136'' Ex-
plicit liber decim' j Incipit liber undecim' | Difficile immo iu-
possibile est pla|cere omnibus. nee tanta uultuum quanta | sen-
tentiarum diuersitas. — ut nulluni damnum faciat ^ intellegcn-
tie I Et factü s e in quarto decimo anno regis ezechiae. | —
f. 148 cursus creatoris maiestate | cognoscit. | Explicit.
liber. undecim' | Incipit lib duodecimus | in isaiam | Nullus tam
inperitus scriptor est quin lectorem "* inueniat similem sui —
f. 161 meri|torum unus ds idemque condiderit. | Finitus
explanatio|num in isaiam lib xii. | Incip lib tertius decim' j Multi
casus opprimuut nauigantes | — lectori' m. cd. iudicio reser-
uetur. I Rorate caeli desuper et nubes pluant iustum | —
f. 175" et scos quoq. indigere | mia di: | Explicit Hb tertius |
decimus incipit | lib quartus decimus. | Diis qui respicit terram
et facit eä | tremere — cupio principium est. | Diis dedit mihi
linguam eruditam ut | sciam —
• idem — ^ Minutium — ^ per nos — ' om. — ^ habebit — ^ contexere —
"^ tiat — ^ qui leetorcm iion
Dio HiMioflirVen Piemonts. ^G^
i". 191 quod enim faciimt nesciunt. || f. 191'' Zeile zerstört |tus
deciinus. incip | üb quiutus decim' | Crcbro eustoch'vira dixisse
mc I noiii — quinti (ti in. ras.) ' post | d(!ciinü in isaiam lil)cr
incipit. cxLVJii - | Lauda sterilis quac iioii paris dccanta | —
f. 205'' seiTati sunt ad osaiac rcfer passionc | Explicit lih
quillt' X I Incipit lib sextus x. | Egrcgia discrtissirai oratoris sen-
tentia est Felices essent artes si | de illis soli artiiices iudicarcnt. —
f. 20() ut coepto incü|bamiis opeii et reliqua psequaniur. |
CLV. •' Uos autem accedite huc tilii aug-ura|tricis. —
f. 222'' et apostoli ' electi sunt ex isrL | Explicit Hb scxt' |
decimus incipit | septim' dccim'. | Quanta mysteria sc})tinius | post
dccimum numerus —
f. 240 de cuius uentre fluunt aquae | uiucntis flumina. |
Explicit lib scp timus decimus | Incip liber octa uus decimus |
Duodeuicesimus in isaiam immo | cxtreraus liber tuo lilia^
custochifi I & scae matris tuae paulae nomini —
f. 241 nolui ne librorum numerus augerctur. | clxxii '•.
Quaesierunt me qui ante me nun interjrogabant —
f. 2G0'' et mixtam | clementiae sententiam iudicis | Do
gratias. || f. 26P Heronimi commentum in hieremiä || f. 262
Post explanationem " duodecim prophejtarum. esaie daniliel et
ezechiel '^ ad ex tremum in hieremiam manum mittimus. | tibi
eosdem frater eusebi '•' commentariolos dedijcantes. — opus
adgrediendum est. | Explicit pracfatio incipit | tractatus || f. 2()2''
Verba Rest der Zeile zerstört |tibus qui t'uerunt in ana///tli in
terra | beniamin. quod factum e uerbfi dni ad eü | —
f. 270'' et '" paleae separentur a tritico. | Explicit liber .i. |
Incipit liber .u. in hyeremia | Secundum frat eusebi | in liye-
remia librü celeri sermone ( dictamus — precedit " studiosorum
desideriü | Adnuntiate hoc domui iacob et auditum || —
f. 293 hoc in futuro '- | de domino prophetari. | Zeih zer-
stört I Incipit eiusdem liber m | prefatio sei hieronimi | prcs-
biteri | Lerneum anguem fabula. '•' | ferunt multis ex medio capite
pullulas[se serpentibus et scylla siculi monstrü [ freti —
f. 293^ angusta commentariorum semita coartare | lustus
quidem es '* dne si disputem tecii siue | —
^ quintus — 2 gm. — •' om. — ^ per apostolos — ^ o filia — ^ om. —
" explanationes — s Daiiielis et Ezechieli.s — "^ frater Eusebi, eiusdem —
"• ut — " praepedit — '2 futurum — '^ fjihulac - " es tu
566 Reif f ersuche id.
f. 309 dicebat dm equalem se faciens dö | Explicit über
III I Incipit IUI. prolug-us | Semper diabolus bono operi [ inuidet '
ibiq. 2 gradientib. ponit la qneos —
f. 309'' in bis tantum quae obscura | fuerint immoremur, |
Verbum quod factum e ad hieremiam a dno | —
f. 325'' quod propriae misterium signi ficat trinitatis. ] Ex-
plicit in hiereraia com|mentariorum liber quart' | Incipit. lib.
quint'. I Quintus coramentariorü | in hieremia'^ liber a duob. fr
eusebi calathis habet ^ exordium — natus e uiculo cvi | Osten-
dit mihi diis et ecce duo calathi | —
f. 340'' ut & nos regnaremus | uobiscum | Explicit. in liiere'
mia propheta. | commentariorum | ////v Incip liber vi | Prolixitas
uoluminis hieremiae prophelte uincit nriii propositum ut quam-
uis breluiter tamen multa dicamus — et facilis tantum in
maiestate sensuum || f. 341 profundissimus est/// | Hoc uerbum
quod factum e ad hierem// | a diio —
f. 353 ascendens in altum captiuam | duxit captiuitatem
accepit siiic ut | apostolus ait dedit dona hominibus | Explicit
lib VI. I in hieremia. ■' ||
HiEEONYMUs de üiris mlustrihus.
CLXXXIII. 3. membr. 4. Colioruiu ll)9. saec. VIII— IX.
pretorii •
f . 1 *' cxxxii '^ Dexter pacani "^ nunc praefectus | cxxxiii am-
philocius pf 1^' I cxxxiiii sofronius | cxxxv hyeronimiis prb. " i hinc
sequnt ca^ sei g-ennadii | cxxxvi. iacobus eognomento sapiens —
f. '2 ccxxxii. Gennadius prb. || f. 2'' Simon petrus iilius. iohan-
' imminet — - et ubique — ■" leremiam — ^ habebit — * Vorn ein Blatt
saec. X eingeklebt, dessen Format ursprünglich Grossquart (in drei Col.)
war: jetzt ist der linke Seitenrand stai-k beschädigt. Es enthält Verse, von
denen ich aus der zweiten Columne folgende hiehersetze: k ii Nan+que
parens primus uitae plasmatus in horto ! ad hoc quo dni faciem sine fide
uider& j uijoereis morsus sed sponte est dentibus olim. | perdidit et fusis
oculos peccando uenenis. i k iii Hinc bona crux homini dederat bonitate
medeUam. | — k viiii Spiritus hi;c uitae est quo primus uixerat adam |
Spiritus & Hummus quo animatur uirginis aluo | der Rest abgeschnitten.
In der dritten Columne Inliallsverzeichniss der k z. B. k ii Qualit cor-
ruptio n uidendi dm ut | tum- uidendus e. nobis acciderit. — *> Drei Blätter
fehlen — '' XXIII 608 — ^ Paciani Iilius — » praetorio — '" episcopiis
— " om.
Die Bibliotlieken Piemouts. 567
uis. prouinciae | galileae uico ' bethsaida iVater andreae apostoli.
priuceps- apostoloi^ | — '
t". 27'' (cxxxv) In sophoniam | libi^ iinum. in aggeiim libi^
unum. in nauin libi^ unum. ■' niultaqs alia | de opere proplielali.
quae nunc habeo in mauibv et necdum expleta, sunt; ' | cxxxvi.
lacobus ^'* cognomentu sapiens, nizebenae '' nobilis. per|sai^ iiiodcj
ciuitatis eps. unus ex numero sub maximino persecutorum ^
cunfessoi^ | et eoi^ qui nicenae ^ synodo arrianam peruersitateni
communi '• oppo sitione damnarunt. —
f. 35 cLXXiii. Augustinus affer. yppouo regiensi "' | oppito
eps, uir eruditioue diuina et humana || f. 35'' uerbis ' ' clarus.
fide integer, uita '^ purus. scripsit quanta nee inueniri | possunt.
Quis enira glorietur omnia se''' illius habere, aut quis tantu
studio leget. " quanto ille scripsit. ^^ et dedit iam •" senix quod '^
iuuenis ceperat | de trinitate libros quindecim in quibus scrip-
tura '^ ait introductus in | cubicolum regis. et decoratus ueste
inultifaria sapientiae di. exhibuit | ecclesiam non habenteni ma-
culam aut rugam. aut ^'^ aliquid eius|modi. -" de incaruatione
quuq^ dni-' idoneam ededit pietatem. de re|surrectione etiam
mortuoruni simili cucurrit sinceritate licet minus | capacibus.
dubitationem de abortiuis fecerit. hie catholiciis permansit. | et
in eodeni oppito "biit quod usqs hodie appellatur hyppono re-
gio. -^2 i _
t. 45 (ccxxxii.) de apocalypsin -3 iohannis. et hoc opus, et
epistolam de fide | mea missam '-• ad beatum gelasium epm urbis.
romae. '-'' | Expliciunt uiroi^ inlustriuni libri duo. | hyeronimi.
siue gennadii. | dö gratias. ] Incipiunt. retractationuni opusculoi^
suoi^ sei I augustini epi. libri duo. j f. 45'' lani -'' diu est. ut
facere cogito atq^ dispono. quod nunc | adiuuante diib. adgre-
dior qui-^ differendum esse non arbitror ut j opuscula mea
' e vico — 2 pf, princeps — ^ in Sophoniam librnm nnuni, in Nahuni li-
brum nimm, in Habiicue libros duos, in Ag'gaeuni libruni unum — ^ Ad-
versus lovinianum — epitaphium add. — ^ Gennadius de viris inlustribiis
LVIII 1059. Die Vorrede über Hieronyraus fehlt auch in dicsci- Hand
Schrift — c Nisibenae — '^ pei'secutore — * in Nicaena — -' homousii —
1" Hipponeusis — i' orbi — '2 gt yjta — i3 se omnia - ''' legat —
*^ Uude et multa — peccato add. — i*^ edidit tarnen — '^ tptos — '*> ut
scriptura — '^ vel — 20 huiusniodi — -'i (Jei — 22 hie — regio o7)i. Error —
dedit add. Vgl. i S. Dl — 23 apocalyijsi beati — 24 ,„;c.j — r, urbis Ro-
uiae episcopum — 26 XXXII 583 — 27 q^^ij^
568 Keifferscheid.
sine in libris. siue in epistulis. siue in tractatibus. cum quaj
dam iudiciaria seueritate recenseam. —
f. 46 qiiod ut possit. hoc opere quantum | potej'O curabo
ut eundem ordinem nouerit; expj/ prolog-us. | i de acbademicis.
lib .III I II. de beata uita Hb .i. ! f. 46'' m de ordine. lib ii. —
f. 48 xciii ' ad quos supra de correptione. et gratia lib
1. 1 exp)' capitiil- j i De achademicis. - libri .in. | Cum ego •'
reliquissem. uel quae adeptus fueram in cupiditatibus huius |
mundi. uel quae adhipisci uolebam. et me ad xpianae uitae otium
contulis|sem. —
f. 77 uterque diregitur. hie liber sie incipit. magna questio |
est de mendatio. expl liber prior | Incipit liber secundus. | xxvii.
ad simplicianum libri duo, | Librorum. quos episcopus elaboraui.
piimi duo sunt ad simplicianum | ecclesiae mediolanensis anti-
stitem qui beatissimo successit ambrosio. de diuersis quaestio-
nib< quai^ —
f. 94 (xciii) ipsam nieoi^ retractationem in libris duobus
ededi. urguentibs | tVatribv antequam epistulas. atqs sermones ad
populum alios | dictatos. alios a me dictos. retractare coepissem. |
Expliciunt retractationum sei augustini epi. libri duo. jj
f. 94'' Dictum ^ est enim. prius agendum est de spü sep-
temformi qui in xpb | requiescit. | Sps sapientiae —
f. 95 & adnuntia|bit uobis. Item dictum est. j Nunc uero de
scripturis diuinis — debeat. | ordo ueteris testamenti. | genesis.
liber unus. | — Item ordo. hystoriarum. Item ordo scripturaR
noui testa|menti —
f. 96 iudae zelotes apostoli. epistula una. | Item dictum
est. post has. omnis proph&icas. & euangelicas | —
f. 96'' non prohibet scripturas; | de synodis. | Scam syno-
dum nycenam. secundum trecentos decem et octo patres. | —
damnatae sunt. | de singulis catholicis doctoribus. | Item, opus-
cula beati. cicili cipriani martyris. et carthaginensis epi, | —
f. 97'' Item iubenci nihilominus laboriosum opus, non
spernimus. sed miraimur^ | Cetera quae ab hereticis. — subjdenda;
Notitia apocrifoi^. libroi^, jl f. 98 Inprimis ariminensem synodum —
1 Auch in dieser Handscliriff I;inft abweichend von der Ausgabe die Capitel-
zälilnnc: diircli beide I»iiclier — - Contra aeadeinicos — ^ ergo — •" ?
Die Bibliotlieken Pipmonts. 569
f. 99'' confitemur esse damnata. | In noili diii iiotitia li-
broi^ catliolicoruin doctonim. (jui in diiiinis j tioluniinibus. expo-
sitionera fecerunt. (Jassiodori senatoris. [ Priinus ' diuinaruni
scripturai^ cudcx octatheucus. qui initiuin inlunii|nationis no-
strae. —
f. 100 quibs titulur.i inposuit exhyineron. | Item scs ambro-
sius de patriarchis septem libros ededit — In in|di('uni noueni.
De libris. reguni. ] Primi siqnidem nftliiininis rej^'um. ('(Miluni
qiiattuor. omeliae sunt origenis. j —
f. 100'' In pa|ralypominon. unam tantum omeliara pi-olixam
origenis inueni. | De prophetis. | Ex omni igitur pi-ophetaK eu-
dice scs hyeronimus annotationes faciens. | — solidi eloquii
dulcidine confecisse. | De psalterio. | Sequitur psalterii cudex
quartus. quem in quibusdam quidem | —
f. 101 qui inscribitur dt; libro psahnoi^ | De salomone. |
Quintus cudex est salomonis. cuius primum librum t[ui appel-
latur. pro uerbia. — poterit latino sermone uocitari. De agio-
grafa. | Sequitur agiograforum cudex sextus. habens libros
octo. I — curiosijtate tractauit. De euangeliis. | »Septimus cudex
scriptui'ae diuinae qui est noui testamenti | —
f. lOP conpendiosa breuitate collegit; | De epistolis apostu-
lorum. I Octauus cudex epistulas canonicas continet apostulorum.
sed in epistolis | —
f. 102 ad I colosenses (sen e,x ren) unnni ad timotheum
"■ diligentissime dr explanasse. | De apostulorum actib^ et apo-
chalypsin. | Nonus igitur cudex actus apostuloi^ et apochalypsin
continet, sed in actibus j — quinq- libris exposita est. | In
noin diii Incp ordo. catholicoi^ libroR qui ponunt anni circulo.
in ecc}' romaua | Inprimis - in septuagesima ponam eptatheu-
cum. usqs ad quint^^ decimum diem | ante pasclia —
f. 102'' In natali sei pauli. legant sermones sei augustini |
i iohannis. os aurei. expl |j f. 103'' Whar dar ZeAle Prudentii
elementis | Incp hymnus in honore beatissimi; eulalie mart. |
< Termine^ nobilis eulalia; mortis & indole nobilior —
f. 104 Sic uenerarier ossa libi ossibus altar & impositun)
lUa di sita | sub pedibus prospicit hec populosq; suos enrmine
' Vgl. Cassiodoriiis de institutioiir" (livi)i;iniiii litteramm LXX 1110 - 2? —
^ f. 103— 1Ü4 saec. ix, f. 104"— lOö saoc. x, f. lOn"— 100'' saec. ix —
^ Prudentii peristeph. 3 LX 340
570 Reifferscheid.
propitiata | fou&: finit. dö gratias, |} f, 104'' m. saec. x Ite disci-
pulus interrogat iiiagist. partes horatiunis sie qt st. ide cui' numeri
s. Mag-ister respondit. ucto. | certü k ünitü numerü ostend. —
f. 105 Suplatiuus df. q< supfert liis duub. gradib. positiuo
& coparatiuo || f. 105'' m. s. ix — .y In illo temp. exiit edictü a
cesare | augusto. — iixore pregnanjtt'x^ ; Et cetera; j[ f. lOG
Quia ' largiente diio missarum solleninia ter hodie cplebra|turi
sumus. loqui diu de euange|lica lectione non possumus. —
f. lOi)"" non elatio inflet. non auaritia - | p ten^ena oblecta-
menta dilalniet ^ :,
IsiDOEi etymologiae.
CIL membr. Grossqnart. 2 col. l'olioiura 14G. saec. X.
f. 1 Ec tibi lector pagina nionstrat | de quibus rebus iu
libris singulis | conditor huius codicis disputat; | De grämatica
& partibus eius; | — de lectis sellis et ueiculis rusticis. & orto-
rum siue | de instrumentis equorum; | Incipit lib'^r hetiniologiaruni
hisidori epi j Domino ^ meo & di servo braulioni epo. Hisido-
rus. I omni desiderio desideraui — coneedat. & manu sua. | ora
j) bonis '-' beatissime domne & frat ; | Domino meo & uere domino
xpiq; electo hisidoro | episcoporü sumo sic-^ braulioni*' seruus in-
utilis sco|rü di. o pie domne —
f. V & non marcescens. diio meo & di | seruo braulioni
epo isidorus. Quia te inco|lomem — recipiam j & manu sua. Ora
j) nobis beatissime j domine; domino meo & uere nomino' | xpiq;
electo isidoro episcoporum sümo | braulio seruus seorum di
inutilis"'; | Sol& repleri leticia — Quamobrem jj f, 2 der Inhalt
vo)t f. 1 tviederliolt von einer andern Hand derselben Zeit nvit
Initialen |j f. 3 accipe clamores cahminie, cur rogo taleu[torü —
f. 3^ elo|quio uro per eum inlustrari mereamur; | Domino
meo & di seruo braulioni epo | isidorus; | Tue scitatis epistolei
me in urbe toletana | — remittantiir la|ciiiora; j Item manu sua
ora pro nobis be|atissime domne etfrater;'^ | Domino'" meo etj
' Gregüi-ii Magni liom. in evaiig. 1, 8 LXXVl IIO:^ - - arabitio -- •' Schills-
fehlt in der Handschrift — " LXXXIII 908 — ^ nobis — ß Braulio -
' domino — ^ iuutilis sanctonuu Dei — '■* egregie frater — "' LXXXII 7.1
Dio Bibliotlifkon Piemonts. 5< 1
di seruo braujlioni epo isidoriis ; | En tibi sicut ^ollicitus sinn —
stilo maiorü ; | Incipiunt capitula libri pi-iini | i De disciplina
& arte —
f. 4 XXV. de fabula ; | De disciplina et arte ; | i Disciplina
a discendo nomen accepit unde | —
f. 4'' (xxv de historia; | i de uocabulo liistorio — im de
generibus istorie; | historia e narratio^ re^i i;este p qua ea que
in pteritü 1 fac|ta — ) qui|a contra natura s; De retorica;^ | j
De retorica ei;q; nomine — xx de iuncturis uerborü xxi de
fig-uris uerborü & sententiarü. \ Rethorica e. bene dicendi scientia
in ciuilib; questionib; ad p|suadenda-' —
f. J7 (xxr) liinc | constantia illinc furor '. |i f. 17'' i De
dilectica sie — x de oppositis; De dialectica | i Dialectica "' e
disciplina ad disserendas '' rerü cau|sas. inuenta —
f. 22 hie" erg'o leget 5 leget"* tciü nihil | habet. Explicit
liber seeundus. | Incipit liber tertius. | capitula lil)ri tertii id
est j de niathematica cuius pa'rtes sie s | arithmetica et auctro-
nomia sie. \ i De uocabulo aritmetice discipline. | —
f. 22'' De nominib; stellarü qb; ex eausis uocabula ac-
ceper | id sol luna stello sidera signa art' artotilax j arcturus
orion iades pliades canicula cometes | lucifer uesperus & reliqua.
Incipit textus | libri tertii Lege felicit. prefatio | de quattuor
sequentibus. disciplinis | De niathematica. | Mathematica latine
dicit doCjtrinalis scientia — possint ostendi. [ De arithmetica |
I Arithmetica -^ disciplina numero^ | —
f. 29'' * in supna cteplatione clocarjt; j "i De medicina —
XIII De iiiitio medicino. | i De medicina | Medicina e quo
corporis ul tuet ul restau|rat salute —
f. 32'' p illä anima ita p hanc corpus curatur ; | Incipit
liber de legibus'" | i De autorib; legü | — xxii De poenis in
legib; constitutis | i De auctoribus legum | Moyses genti' hebree ' '
primu' omniü diuinas | leges sacris litteris explicauit. Foroneus | —
f. 36 qd oninib; p naturara concessum est; | i De cronice
uocabulo — XIII de teporibus. | i Cronica grece dicit. quo la-
tine teporü series | —
' praeterito — ^ Liber seeundus — ^ oloquenti.ie oopi.-i ;\<\ ])ersuaflenflum —
^ 2, 21, 6 1. c. 135 c — •' 2, 22 1. c. 140 a — '■ discenicndas — • Iioe —
® legit non legit — " Liber quartus — 'o Liber quintus — " Hebraicae
Sitzb. a. pliil.-hist. Cl. LXVIII. Pul. III. litt. 37
572 Reit'terscheid.
1". 39 residuü sexte &atis | tepus do soli ' e cognitum ; |
De scis scripturis '^ | i De nouo & ueteri testamento. | — vnii
De officiis | i De nouo et ueteri testamento | Vetus testaiTitü
ideo dr. quia ueniente nouo cessauit; | —
f. 41 dilii^enjti examinatione remota sunt ; | De bibliotecis. |
I De bibliotecis — vi De geuerib; opusculorum. | i Biblioteca
a grecis-^ noiii aceepit. eo qd ibi recon|dant libri; —
f. 42 tabellarios uocauere^; | De ceris cartis & pergame-
nis I I De ceris — vi De librariis & eorii instrumtis | i Cere
litterarG inateries paruulorü nutrices \ —
f. 42*^ sie & thomus ; | De canouibus euangeliorum. | i De
canonib; euangeliorü q s imo^ | — v De officiis. | i Canones eu-
uangeliorü ämonius alexandrie j —
f. 46" sacre eni res de rebus execrandorum fiebant; | Ex-
plicit liber secundus | Incipit über tertius' ( i De do — xxxiii
De reliquis nominib; || f. 47 Beatissimus hieronimus uir heru-
ditissimus —
f. 58** tain here|ticus appellari potesf". | m mg. Explicit
&hin)ologia|rü Hb nonus | Incipit lib .x. | i De pliilosopliis
gentiü. — XV De agnatis & cognatis. De philosophis gentiü |
Philosoplii' greca appellatione uocant q latine | —
f. 71 ille a|uus ille agnatus & cognatus i- c&eri;'^ | Ex libro
sententiarum pa"ii iurisconsulti | de vii gradibus generationum.
Prinio gradu supe|ri linea ctinent. pat. mat. inseriori sie tilius;
filia quib; | nulle alle psone iungit; — nee uita succedentib;
jirogari potest. | in bis septe gradib; — amplius propagari ; " ||
f. 71" ßtemma, damnter aspice pendentes ex iuris arbore uatos |
Hominü p pulelira genus indagine lucra | Rectaq; linea inmo-
biles mauere j:)pinquos | A latere sep masculino cedere gradu |
Et femino longius p lege mauere heredes | Decr&a p» euü ces-
sabuut hominu lites. || f. 72 Hec i" consauguinitas du se pau-
latim — tot gradib; termina|r&ur; xxii De coniugiis | Vir sexü
significat. —
' soli Deo — 2 Liber sextus — 3 Graeco — * vocaverunt — ^ Liber sep-
tinuis — •> 8, 5, 70 1. c. 305 a — ' 8, 6 1. c. — * cetcri, (jnunini fignrae
hae sunt 9, G, 28 I. c. 360 — 9 lulii Pauli sentent. 4, 1 1 p. 425 Husclik.
Vgl. 1. c. 749 — 10 9, 6, 29 1. c. 363
Die Bibliotheken Piemonts 073
i
f. 72'' in tutelä ' consisterc; xxiii | De i'clicjuis noininibus- |
Origü-5 qiiorüda nomiim ide euener ' n pene üm|nib; patt. —
f. 78'* iudaga'torcs. alatores. pressores; | i De liomine &
partib; eins y' \ —
f. 79 XI de ininutis uolatilib; | i Natura dicta. ab eo qd
nasci aliquid faciat. g-ig-jnendi enim & faciendi " potens est. —
t. 85 Ouidius. ccaua litorei scindanius '' brachia [ cancri.
scorpiü 7)1. cd. exibit caudaq: minabit uuca; | Incipit Hb xii.
Capitula j libii liuius. in libro superiori continentur i v De pe-
coribus & iumentis. | Omnibus auiniantib; ada primü uocabula
inldidit —
f. 94 (xii) Curgulio ' dicitur. quia pene ni|hil aest aliud *
nisi guttur; Explicit lib. xii; | Incipit liber .xiii. j i De mundo
— xiiii De diluuiis. j| f. 94'' In hoc uero ■' libello quasi in quadä
bre|ue corr. tabella. — causasq; agnoscat'"; i. De mundo | Mun-
dus est. celii. tra. mare. & que | in is opera di. —
f. 101 sed &iam & aliqna significare | futura. Incipit ca-
pitula "bri xiiii I De terra — De inferioribus | Terra est in
medio '^ mundi regione posita j —
f. 108'' pliilosophi aü di|cunt qd inferi j) eo dicuut '-. qd
animae hinc ibi inferant '^ "''■ {in mg. .B.) Explic lib quarto-
deciinu\ | Incipiunt capitula libri quinto|decimi id est de
ciuitatib; de edificiis i urbauis et rusticis de agris de tinib; | et
msuris agrorü de itinerib; | i De ciuitatib; — xvi De itinerib; |
Expliciunt capitula | De ciuitatib us | De auctorib; cditarG urbiii
pleriiq; dissensio | —
f. 114 (xvi) uiae pcurreiitiü inuestigent id e agnoscant. " |
Explic lib vx Incipiunt cap lib | xvi. id e. de gleuis ex terra
ul I aqua de omi genere gemarü \ ul lapidü pciosoru et uiliü |
de ebore quoq; inter marmora | notat de uitro de nietallis. omib;
de pon|derib; et mensuris | i De puluerib; & gleui" terrae. —
XXVI. De signis ponderü. | Expliciunt capitula. | Incipit ipse liber.
de pulue|ribus et gleuis terrae. ] Puluis dic'tur (jd ui uenti
pellat. Tollit enl | —
' tutela — 2 Liber dfcinms — ^ 10, 1 n. a — ^ unde veniant —
^ Liber imdecimus — '' si demas — '' gurgulio — * aliud est — ^ ovi.
— '" cognoscat — "media — '2 (iic;,ntur — '3 ferantur — '* coguoscantur
37*
574 Reifforscheid.
f". 121'' (xxvi) .0. littera con|inncta cenix ' .e. Explicit Hb
XVI. Inci|pit cap lib xviiii. 2 id .e. de culturis | agrorü de frugib;
uniüsi ge|neris de uitib; et arborib; oni|ni sie generis de herbis et
olerib; | uniüsis. | i De auctorib; rerü rusticaru. — xii De odo-
ratis oleribus. | Explicit cap. lucipit ipse lib. | De auctorib;
rerü rusticarü. | Rerü rusticarü scribendi solerciam aput grecos |
prim' esiodus boeciu' -^ liiimanis studiis contiilit. | —
f. 129'' cü leui a|crimonia. Menta huiiis genera .sex. Ex-
pli|cit Hb septimo decimus. | Incipiunt cap Hb xviii. id. e. | de
bellis et triüphis ac instrujmentis bellicis. de foro. de expecjta-
culis. alea et pila. Incipiunt capitula | i De bellis — lxx De
pila. Explici[unt capitula. incipit | ipse liber. de bellis | Primus
bella intulit ninus assirio* rex. j —
f. 134'' (lxx) feriendam conlusorib; pre|bent. Explicit liber
octauodecim' | Incipiunt cap Hb xviiii. id .e. de | nauib; funibus
retib; de fabris | ferrariis et fabricis parietü | et cunctis instru-
mentis aedifici|o^ de laneficiis. quoque orna|mentis. et uestib;
uniüsis. I I De nauib; — f. 1.3.5 xxxini De calciamtis. | Explicit
cap. lucipit I ipse Hb. de nauibus. | Ai'tiü quorunda ^ uocabula
qb; aliqd fajbricat —
c
f. 142'' Corrigie a coriis uocant ul a qüolligatioue quasi |
coUigie. Explicit liber nonodec'mus j Incipiunt cap libri uice-
simi I id .e. de mensis et aescis. et potis j et uasculis eorü de
uasis uina|riis coleariis cocorum pistoirum et luniinariorum de
lectis I sellis et uehiculis rusticis et | ortorum siue de instru-
mentis j equorum | i De mensis et escis — xv De instrumentis
equo%. I Expliciunt cap. | Incipit ipse liber de msis et aescis. |
I Prin)/ dedalus mensa & sella fecit. Coqne ad|paratü apicis
(s in ras.) '^ prin)/ —
f. 146'' ut uis morbi ignis ardore sicc&ur. | Explicit liber
uicesimus. 1 Do gratias am aiTi am | mif derselben Seite noch
verschiedene Actenstücke, die sich auf die Ardoinischen Händel
beziehen, in zum T7/pH ausgegangener Schrift ||
' choenix — 2 xvn — ^ Boeotius — ^ quanmdam — •' Apicius quidam
Die Bibliotheken Piemoiits. Ö76
}
LVIII. 39. incmhr. fol. 2 col. f'olionim 21!». saec. X.
f. 1 1 Dno - nieo et di seruo braulioni epo ysidorus | sieben
Zeile)!, fast ganz durch Fetichtigkeit zerstört \ diaconem tiuun. ^
cum cloquia tiia suscipi|ens amplexus siuu & legi. —
ibid. reniittantur facinora. Item manu sua- ora | pro nobis
j beatissime dne frater. | lucipiunt libri ysidori iunioris | spalensis
j (s primam add. m. post.) epi. ad branlionem cesa|r^^^^g'ust. um.
; epm uel ad sisibutü | scilicet dnm et filium scripti. | En •'' tibi
i sicut pollicitus sum — Ende zerstört \ Haec ista capit libri
i primi. | i De disciplina & arte. ] — xxxi De g-enerib. historiae. ||
j f. P De disciplina et arte. Disciplina a diseendo nomen ac-
' cepit. I —
f. 17'' quia contra natu[ram sunt. | Exp lib primus: j lucip
cap libi seci | i De rethorica & eins nomina. sie \ — xxx De oppo-
sccs.
sitis contrariorü geneb. | Expliciunt caj5 | Incipit liber -feertius- m.
al. I de rethorica et eins nomine. |i f. 18 R&liorica est bene dicendi
sententia. | — f. 28 (xxxn) non leget •* tertium nihil hab&. |
Ex]5 Hb secundv | Incip lib tertius : | capitula libri tertii | id est
de mathematica. cuius | partes sunt arithmetica | et auctronomia.
sie II f. 28'' I de uocabulo arithmeticae disciplinae. —
f. 29 Lxx De nominib. stellarum quib. ex causis uoca|bula
acceperint. id est sol luna stellae si|dera signa artus artofilax
arcturus orion | lades pliadas canicula conmetes lucifer | uespe-
rus & reliqua. | Expliciunt capitida. | Incip textus libri | tertii.
lege fe j Praefatio de quattuor sequenjtibus disciplinis de ma-
thematica. I Mathematica latine dicitur doctrinalis | scientia. —
possint ostendi. i | De arithmetica | Arithm&ica c disciplina
numerorum. | —
f. oi) (lxx) -et in superna contcmplatione j conlocar&. !|
f. 39^ Exp lib tertius : | Incipiunt capitula | libri quarti. | i De
medicina — xiii. De initio medicinae. | Medicina est quae corj
poris uel tuetur uel re|staurat salutem. —
f, 44 (xiii) aliis quae ad|miscentur incertum odorem du-
cnnt. I cerotum. calasticuni. martiatum ■'. | Exp lib quartus: j In-
cipiu"t m. a/. capitula I libri quinti: I id est de legibus uel instru
> Ein Blatt fehlt — 2 LXXXKI 914 3 LXXII i:i - ' legit ■ 4, 12,
11 1. c. 196. Cap. 13 fehlt in der Handschrift
576 Reif f orscheid.
mentis iudicum. ac temporibus. j i De auctorib. legum. | —
xxxviiii. De discriptione temporum, j Explicinnt capitula | In-
cipit über qu'ntus. m. al. |{ f. 44*" Moyses gentis hebree ^ pri-
nius om|nium diuirias leges sacris lit|teris explicauit, foroneus —
f. 54 (xxxviiii) Residuum | sexto a&atis tempus dö soll - e
cog-nitu. I Exjp Hb quintus: | Incipiunt capitula | libri sexti: |
id est de ordine scripturarü de ciclis et caconibus sie de fes|tiui-
tatibus et officiis de scis | scripturis: | i De nouo & uetere tes-
tamento. | — xx de officiis. |; f. 54*^ Uetus testamentum ideo |
dicitur quia ueniente. nouo 1 cessauit. —
f. 60*' (xviiii) Sacra •' enim rese de rebus | execrando^t
fiebant. | Incipiunt capitula libri vii. i. De do. | — xiiii De ce-
tcris fideliü nominib; \ Incipit liber septimus .i. De do | Bea-
tissimus hyeronim' uir eruditissira' —
f. 80 (xiiii) qui miscebatur populo di grecü e. || f. 80" Exp
Hb septim : | Incipiunt capitula | libri octaui : | id est de ecclesia
et sinagoga ! de religione et fide heresib. I et pliilosopliis poetis
sibilli I et magis paganis ac diis | gentium. | i De ecclesia &
sinagoga. | — xi De diis gentium. | i. De ecclesia & sinagoga. |
Ecclesia grecum est quod ' la|tinum uertitur conuocatio. j —
f. 92 (xi) hunc alii | satirum uocant '•. | Exp Hb octauus |
Incipiunt capitula [ libri noni : | id est de linguis gentium | de
regum nubtum ciuiumq. | uocabulis uel adfinitum. sie \ i De un-
guis gentium. | — vii De coniugiis. | De linguis gentium | Lin-
guarum diuersitas exorta | est in aedificatione turris —
f. 104 ille auus. ille ag|natus & cetera''. | Item de libi-o
institutionum | iustiniani. ni capitulo .vi | de gradibus cognationis. |
hoc loco necessarium e exponere quemam|modum —
f. 105*' in tutela consistere. | Exp Hb nonus | Incipiunt
capitula | libri decimi: | id est de quadam nomina per | alfa-
betum distincta. | i De reliquis nominib. iuxta ordinem elemen|
torum litterarum. | ii De quibusdam uocabulis hominum per
no|minationem. lic&. origo nominum '' \ —
f. 115^ alatores. pressores. | Incipiunt capitula | libri un-
decimi | id est de homine et partibus eins. | i De aetatib. ho*
minum & poi-tentis | et transformatis. || f. 116 — v de trans-
' Hebraicae — 2 soli Deo — 3 sacrae — ■* quod in — '•> om. — ^ ceteri,
qnorum figurae hao sunt 9, 6, 28 1. c. 360. Folgen die Stcmmata — '' 10,
1 n. a
Die Hibliotlieken Piomont.-. ;) < i
)
funnatis. | Natura dicta ab co quod nasci | aliquid faeiat.
Gignenjdi —
f. 125'' (im) oui'^us m. al. \ concaua litorc liis idem lias '
brachia cangri-. \ scorpio ' exiuit caudaq. niinabitur. unca. |
Incip capitü | li})ri duodeci | id est de quatrupedi|bus de ropti-
libus piscijbus ac uolatilibus. | i De pecori])us k iünientis — viii
De minutis uolatilibus. | i. De pecoribus et iumen"". | Omnib.
animantibus. adaui | primuni uocabuluui ' iudidit | —
f. 140 (viii) gui'lg-ulio dicitur quia poene nihil | est aliud''
nisi guttor : m. al. [i f. 140" Incipiiiut capitula | libri tertii de-
cimi I id est de eleinentis id est de eelo de ''ere | de aquis de
luari I flumiuibus ae diluuiis | i De mundo — xvnn De diluuiis |
In hoc uero " libello quasi in quadain | brevi tabella — causasq.
eoglnoscat. i De mundo | Mundus est celum m. al. corr. *''
m. al. terra | mare & quo in bis | opera di. —
f. 141 (ii De athomis) In tempore uero sie intelligitur
athomus annü tul 7n. al. | Philosophie consolationis insignis
auctor j boecius xxvii. uarietatibus carminum | respexit. ut opus ,
bis gracilius lieret —
f. 142'' Dimejtrü uo 1 trimetru 1 tetrametnl in me|tris iä-
bicis trocheicis & anapaestieis per | duplices in reliqs p simplices
cÖputatur \ li f. 143 bp vi. al. uerbi gratia diuides '' in menses. j —
f. 151 (xviiii) & aliqua significare futura. | Incipit eapitula j
libri: xmi: id est | de terra et pa^disii | et prouinciis | totiis sie or-
bis I de insolis montibus | ceterisque locoru | uocabulis ac de in|fe-
rioribus terre | i De terra — vini de infe"''ribus terre. | i
De terra | Terra est in media m. al. '" mundi | regione posita —
f. ]()?} quod inferi pro eo dicuntur " quod | anime hinc
ibi referantur. i Finit. m. al. | + Conflictus ueris et hiemis. |
Conueniunt subito cuncti de montib; altis | —
f. 1(33'' Ni tibi q ueni& cuculus alimonia prcst.t; | i^al | Tu
respondit ouans sublimi e sede palemon | — Salue dulcis dc-
cus cuculis per sola salue; | Alcuini iu;rsus | IMtuis tenebrosa
tum& mortis obscura tenebi'is | — Aula ten& xpm si pectoris aula; |
Versus Sybyllc de xpo ] luditii signii tellus sudorc madesci- | —
• littorei si demas — - cancri — ^ scorpius — * vocabula — - ^> alind est —
^ ovi. — ■J om. — s j)as Einscltiebsel IMiilosopliii,' — coputatur vi. al. —
" dividis — lo media — " dicautur
578 Reifferscheid.
decid& e celo ignisq; & sulphnris amnis; | RtmmvTs sie sei hylari |
Öaphico ' cantü modulante plectro | —
f. 164'' Spm scm moduletiir hymno. Annua dulci, | Finit |
Potio ad caluü j)batissima | Tres nimiü ('}) cimas dura de rupe
rauulsas sie | totque saltus caprae tot sibila milui | tot sonitus
laticixm. rane tot fronte capillos | virginis. & fastos ternos co-
pone maniplos | hec una vitreo calici cong-esta terantur | Vase
rudi pilo bachi commista licore | Solls in exortu turbato por-
rige caluo | mox teneros capiti cernes concrescere crines; | f. 165
augusti 2 cesarea //////// |nelii domus '^ xpi —
f. 174 (xvi) nie precurrentium inuesti|gentur id est agnos-
XVI.
cantur^. | Incipiunt capi|tula libri quiD|ti docimi m.post. id est de
glebis 1 ex terra ue sie aquis de omni | genere gemmarum et la|
pidum pretiosorum et ui|lium de ebure quoque | inter marmor
notat I de nitro de metallis' | omnibus de ponderibns | et men-
suris. I I De puluerib. & glebis terre. i — f. 174'' xxvi. De signis
ponderum. | i. De pulnerib. et globis. | terrae. | Puluis dictus
quod ui pnlse|tur nenti ■"' —
f. 187'' (xxvi.) in una dragnia'' j sex neniant qd e pondus
denarii argenti ''. I f. 188 relicnm '^ planum & plenis cabrosum '■' |
minus Optimum adulteratur ante | —
f. 1 93'' (xi) Menta huius genera ^". |j f. 1 94 Incipi cap
libri I XVIII. id est | de bellis. et triumphis. j hac instrumentis |
bellicis. de foro. de ex|pectaculis alea et pila: | i De bellis —
f. 194'' Lxxii De pila. | i De bellis. | Primus bella intulit ninus
assi|riorum rex —
f. 202'' ferieudam conlusoribus prebent. | Inci]5 capit | lib
xviin
octaui de- m. cd. | id est de nauibus. fu|nibus. retibus. de fa|bris
ferrariis et fa|bricis parietum. et | cunetis instrumenti | aedificio-
rum. de la|neliciis quoque or|namentis et uestibus | uniuersis. |
I De nauibus — f. 203 xxxii De calciamentis | i. id est de
nauibus. | Artium quarundani uocabula | quib. aliquid fabri-
catur I — i
f. 215'' (xxxiii) Corrigie a coris " uocantur. uel a conli-!
gati|one quasi collegie '-, | Incipiunt ca|pitula libri | uigesimi.
1 ? — - 15, 1, \H \. c. 529 — 2 douinm — ' cognoscantur — ^ vi venti
pellatur — 6 drachma — '^ argentei 1<3, 27, .1 1. c. 59(5 — ^17, 8, 2i
1. c. 620 — - ■' j)leue scabrosuiii — 'O genera sex — " coriis — '^ colligiae
Die Bililiotliekeii Pioiiiouts Ö70
id est de | mensis et escis et po|tis et uasculis eorü | de
uasis uinariis et | oleariis quonnn j pistorum et Iumina]riorum
de lectis sel|lis et uehiculis rusticis | et tortorum sine de | in-
strumentis equorü. | i De mensis & escis i — xv De instrumentis
equonim. | i De mensis et escis | De monsis & oscis primus
de|dalus mensam & sellam j fecit. Coquino adpa|paratiim (ap
corr.) apicius —
f. 210*' (villi.) aliud in quo ignis foue|tur. Lucerna a lici-
nio ' dicta est. '^ ii
CXXVIII. 167. membr. Grossoctav. folioruni 153. saec. IX — X.
f. 1 '■' Commodum ^ temporis quam diu aput eum sit, unde
& commodum '• dictum est | praecarium est dum prece creditus '•
rogatus —
f, o'' quod Omnibus p naturam concessum est'. ) Explicit
über quiutus Incipit liber sextus | i De medicina — xii de
odorib. & uucquentis | xiii de medicina | De medicina | Medicina "^
est uel '•' corporis ul tu&tur ul restaurat salute —
f. 8 (xiii) Na sie p illa "^ | ita p ista^^ corpus curatur.
Expl de medicina liber sextus •"-. | Incip de temporibus liber
Vilnius I I De cronicae vocabulam fum covr.) — xii De di-
scriptione temporis. De cronicae uocabulum. | Chronica ^^ dicit
graecae ^^ quae latinae series temporü '•'' | —
f. 12 (xvii) Residuum sextae | aetatis tempus dö soli"' est
cognitum. Explic liber vii •''. | f. 12" Incipit Hb octauus '^ amen |
I De scis scripturis. | — xvi de ot'ticiis. | i V&us testamtü ideo
dicitur. q< ueniente nouo cessauit. | —
f. 22'' (xvii) sacrae eni res de reb; exetrando^ fiebant. |
Explicit lib octauus. Incipit Hb nonus '■'. | i De do — xviii De
heresibus \ xpianorum ] i De dÖ. Beatus hieronim' uir erudi-
tissim' I —
1 lyclmo — 2 20, 10. 2 1. c. 720. Von fol. 208 an der obere Rand stark
beschädigt; von dem letzten Blatt blo,s zwei Drittel erlialten — ^ Vier
Quateniionen fehlen — ^ 5, 25, 16 LXXXII 207 — cum modo — '" com-
modatum — 6 creditor — "^ 5, 27, 38 1. c. 2U — » 4, 1 1. c. 183 —
9 quae — 10 illam anima — " hanc — '- quartus — '3 5^ 28 1. c. 214
— » Graece dicitur — 's temporum series -— "^ soli Deo ^ '' quintus —
'^ sextus — '9 septimus
580 Reifferscheid.
f. 34'' De heresibus iu|d.aeoruin xviii ' | i Efiiei — x lu;-
inerobaptiste | i Prima, efnei - dicunt xpni docuisse illos
omnem abstinentiain. Galilei'^ dicunt xpm | iicnisse & docuisse
eos ne dicerent dniii caesarem. neue ei' monitis u&erentur.
Marbonei ' j — Hemerobaptiste qui cotidie | & corpora sua &
doraum & suppellectilem lauant. | Item alias ■' heresis dog-matum
diuersorum. | i Simonitae —
f. 35 XLvnii Timothiaui | i Simon quida magu' qui in-
dux lieresim nouam " dicens se ee uirtute caeleste. et uniüsa " —
f. 38'' xxxviii Eunomiani. Eunomins j artilicio diaboli sub-
tilior arrio — aliquid quod e ipsa substantiae cfiteantur '". De
heresib; iudeorü | ludaci confessores intptant. —
f. 41 tarn lier&tic' appol|lari potest'l Explic ethymolog-iarü
Hb nonü. | Incip Hb x | i Do pliilosophis gentiü | — xv De
ag-natis | & cognatis || f. 41" i De philosophis gentium j Philo-
sophi '" graeca appellatione uocant, q latinae amatores sapien-
tiae intptant | —
f. 58'' ille auus ille agnatus & c&era ". jj f. 59 lee7' '2 [| f. 59»'
xiiii De coniugiis. Vir sexum significat — xv De quibusdam
uocabulis hominum. | Lic& '-^ ergo '' nominum unde ueniat a
phylosophis eä teneat ratione — unde propriae homo ~ appel-
latü. I ex quib; exempli gratia quaedam in hoc opere posuimus. |
Aeros uir fortis & sapiens. —
f. 64'' indagatores. alatores. praessores. Incip Hb xi ysi-
dori I I De liomine & partib; ei'. — ini. De transformatis. | i De
homine et partibus ei'. Natura dicta eo '"• quod nasci aliquid
faciat. I —
f. 75" (nii) Ouidius. | Concaua Htorei si demas bracliia
cancri scurpi "' exhib& '" cauda qua '^ minabitur unca. Explicit |
' Dieses in Isidor eingelegte Häresienverzeichniss ( — f. 38^) ist von Menardus
unter dem Titel S. Ilieroiiyvii imlicv/ns etc. Lutetiae Paris. 1617 lieraus-
gegeben. Vgl. Areval. Isidor. 86, 22 sqq., append. x. ad etymol. Isidori —
2 Essaei — ^ Secunda Galilaei — ^ Tertia Masbothei — '•' aliae — '^ novam
haercsim — " universas - ^ snbstantia confitetur. Damnat ipsam qnani a sua
minore vult esse substantiani. Nach dem in dieser Hatulschrift vorgesetzten
Index sollten noch folgende haereses folgen: Audiani. tesseres. caedecatitac.
Eeu&hianii%Origenistae. Nistages. Pelagiani. Nestariani. Eiithecitae. Tiuio-
tlijani — 3 8, 5, 70 1. c. 305 — "' 8, 6 1. c. — n 9, 6, 28 1. c. SCO —
'2 die Stemmata fehlen — i^ 10, 1 1. c. 367 — '^ origo — '^ ab eo —
16 scorpius — " exibit — '* caudaque
Die Bibliothckoii Pioraonts. 581
Über undcchnus ysidori epi || f. 7G Incipit über duodecimus |
! I De aniinantib, — viiii De minutis uolatilil)us | i De aiiiman-
tibus Omni]), aniniantib. adaiii })i'iniü uocabuhl ' iiulidit. —
f. 89 Guri>'ilio - dicit q>.- pene nihil est | aliud ' nisi jf^'uttur. |
Zeile leer \ i De mundo — viiii De uentis | In hoc ucro ' li-
l)oll() (juasi in quodä'^ breui tauella — causasq. cognoscat. | i De
mundo. Älundu' -i-- celü & '' terra mare et quae in eis opera di. | —
f. 91'' (vini) peto ut alatis ^ austri; '• de aquis: ii. de diuerj
sitate aq"arum. | — xi De diluuiis. i. de aquis. | i. Aqua dicitur
quod superficies eins equalis sit | —
f. 95 (xi) sed etiam in "^ aliqua sig-nificare futura. Explic
Hb xni. j Incipit lib xmi. i De tei-ra. — vnii De inferioribus.
I de terra. \ Terra est in media mundi reg'ione posita. | —
t". 103" (viiu) qd inferi p eo dicantur qd animae hinc
feruntur '•. | Explicit lib xiiiimus. Incipit xvmus, | i De ciuita-
tibus. — xvi De itineribus. | i De ciuitatibus. De auctorib;
coudito^ urbium plerumq: dissensio —
f. IIP (xvi) uiae pcurrentiü | inuestigentur '". Explicit
über quiutus decimus | i De puluerib. & glebis terrae — xxvi
De signis ponderum. Expliciunt capitula. | i De pulucribus
I et glebis terrae. Puluis dicit qd ui uenti pellatur. | —
j f. 121" 0. littera iuncta " cenix '- est. Explicit über xvi.
! Inc]5 über xvii. | i De auctorib; rerü rusticanorü — xi De odo-
' ratis oleribus. |{ f. 122 i De auctorib; rerii rusticanorü. Herum
rusticano^ '•' scribcndi solertia " | —
f. 132" (xi) cum leui acrimonia. Menta hui' genera sex. |
I Explic lib XVII. I Incipit lib xviiii. i De bellis. ii De triumphis. |
' I De bellis, Prim' bella intulit ninus assyriormn rcx. | —
f. 133" uictis enim d&rahunt | De instrumentis belücis. |
I De signis — xii de galeis xiiii. Item ([uid sit forus | causa |
iudicium. negotium. | iurgium. lis. iudex | accusator. reu. testis. |
I I De signis. Signa hello* dicunt qd ex bis '"' exercitü '" & ui-
ctoriae 1 —
' vocabula — 2 gm-gulio — 3 aliud est — ' otn. — ^ quadam — ^ om. —
^ alitis — ^ et — '■' ibi foraiitiir — '" id est cogiioscautur achl. — " con-
iuiicta — '2 choenix — '3 rusticarum — " solcrtiaiii — '^ iis — '^ et
puguandi add.
5(S2 Rcifferscheid '
f. 136 cum aiit falsa ^mimt aut uera silentio oppmnnt'. |
De speculis"^. i De ludo gimnico. — x De generib; agonü j Spe-
cula'^ ut opinor generalit nominautur uoluntates^ —
f. 136'' (x) suppliciorum certamina. | De ludo circensi. i
De ludis circensibus. — xiin De colorib; aequorum. i Ludi
circenses. | Sacrorum causa —
f. 138 (xv) angli eius repleuerunt. | De ludo scenico | i
De theatro | — x De quid quo patrono agatur | i Theatruiu
est. Quo scena includitur — (x) cuius'' | odisti auctores. De
ludo gladiario | i De ampliitheatro — viii De horü execratione
ludo% I I Ampliitlieatrü locus est spectaculi. Ubi pugnant —
f. 139 (vm) diabolo et pompis^' eius. De alea | i De ta-
bula I — villi De intdictione alee x De pila ] i Alea id est.
usus tabule. i| f. 139" inuenta — (x) ferienda". clusorib; pbent\
Explicit liber xviii. Incipit liber xviiii. | i De navib; | ii de
partib; uauiü. et armamentis capitula. | in De fabrorü fornace. |
IUI De inst'uihtis aedilitio*. | vi. De lanificiis capitula xiiii. | i.
De nauibus. Quorundä ■' uocabula. qb; aliquid fabricat —
f. 149 (xiiii) Corrio "' a coriis uocant. 1 a cligatione. quasi
collegie ". | Explicit Hb xviiii. etliymologiarium. Incip liber .xx |
I De mensis & escis. — xv De instrumtis | aequorü. | i Primus
detalus mensa et sella fecit. Quoquine apparatu^^ g^picig i;5 q^ifjä
priraus —
f. 153'' ignis ] ardore siccetur. ||
CCII. 29. membr. 4. foliorum 126. saec. IX— X.
f. 1 Über der Zeile m. s. xv Hb deffinicionü sciencia% |
Inchoatiua'^ post meditationem ab inchoantis [ indicio ut calesco.
Frequentatiua a sepius | agendo. ut lectito —
f. 3 facile transferuntur ' \ | vi. De syllabis, ] Syllaba grece
latina & "' conceptio. | —
f. 34 quia contra natura | sunt ; Explicit Liber. prim^'s |
incip. capitula. Libri. sec^'ndi id est inprimis [j f. 34" i De retho-
1 obtegunt — 2 .spectaculis — 3 Spectacula — ^ voluptates — ^ quorum —
ß pompis et operibus — ' feriendam — '^ praebet — '■> Artium quanmdam
— 10 Corrigiae — " colligiae — '2 coquinae apparatum — ^^ Apicius —
" 1, 9, 3 LXXXII 86. Drei Quaternionen fehlen — '^ Cap. 15 de voce
fehlt in der Handschrift — '" Latine
Dif Bililiiithekcn Pipiiinnts. ö83
rica eiusq; iioinine | — xxxii do ()j)p(jsitis. | P^xplici. capituhi |
incipit textus libri. f. of)'' i de retlioricn | Rcthorica est | bene
dicendi scientia. | in ciuilibus (|U(;stionibiis ad psua|dendo ' —
f. 64 nee cecitas nee iiisio sed lippitudo. hie- erg'o leget |
non leget -^ tertium nihil liab&; | Explicit über secundus | Incipit
liber tertius | Capitula libri tertii id est de majthematica. cuius
patres sie sunt arilit|metica. et aiictronomia. sie \ i De voeabulo
aritbmetice discipline | —
[ f. 65 Lxx de noniinib; stellaruni quib; ex causis uocabula
I acceper | id sol luna stelle sidera signa artus. artofilax arcturus
I orion | iades pliades canicula commetes lucifer uesperns & re-
i liqua. {, f. 65'' Incipit | textus ] libri | tertii j lege feliciter |i f. 66
i Prefatio de quattuor sequentib; | disciplinis de mathenia|tica. |
1 Matliemaltica. latine | dicitui- doctrilnalis scientia. —
j f. 66'' conpetenter possint. ostendi; | i^ De arithmetica. |
Aritlmietica est disciplina numerorum. groci | —
V
f, 83" ima iac& qua solae niuales^ ppetueq; pmint liie-
mes\ II f. 84 ea'" quae sunt in bumidis incocta feruefacta mites-
cant. I —
f. 91 in supna contemplatione | conlocar&; explicit liber ter-
tius I incipiunt capitula libri quarti. | i De medicina — f. 91''
xm De initio medicinae. | Darunter unter einem Bogen auf einem.
Thron Äjiollo mit viereckigem Nimbus, in hiamceisser Tunica,
darüber ein braunrothes Pallium, beide mit Gold besetzt, an
den Füssen Schuhe, die Rechte erhoben, die Linke auf ein Buch
gestützt. Links apollo^ rechts medicvs" || — f. 108 quae admiscentur
incertum odoreni dueunt, | cerotuni. calasticum. inartiatuiu''. |
Explic. liber quartus | Incipiunt capitula liljri quinti j id est de
legib; uel instrumentis iudicü ac temporibus. | i De auctoribus
1 cloquentiae copia ad persuadendiim — ^ ],„(: — :' Ipg-it nun leji^it —
^ zona nivalis — -^ 3, 41 1. o. IT'i — *' 3, 50 1. e. 175 (zwei Blätter
fehlen) — et — '^ Dies Bild hat den Titel veranlasst, der vorn auf dem
Deckel der Handschrift steht: See IX Ai)i)rillinis Mcdici opa de VI mnndi
aetatib. ita nos erndientes sie celeberrimus Bianchini. Für Neigebaur ist es
charakteristisch, dass er dieser Angabe folgt, obgleich unter jener wunder-
lichen Bezeichnung sich die Anmerkung findet: Questo manoscritto con-
preude i primi sei Libri di Isidoro originuni e questi mancauti in aicunu
parte. L. Gazzera. — * 4, 12, 11 1. e. 19(5. Cap. l."5 fehlt auch hier
o84 Keif f erschei d.
legum. I — f. 103" xxxviiii De discriptione temporum. || f. 104
Moyses | gentis } hebree ' | primus ora|nmm diuiuas | leges sacris
litteris explicauit. Foroneus —
f. llO'' p instrumentü eflicitur est ut baculus codex tabula-^ |
f. 111 et -^ iuniorum diuisus erat. lulius uero et agustus de
hono[ribus —
f. 116'' Residuum sextae etatis | tempus do soli^ est cog--
nitum. Explicit f. 117 Inci]5 capitula libri sexti id est j de
urdine scripturaruni de ciclis et canonibus. | de festiuitatibus
& officiis, de scis scripturis. | i de nouo et uetere testainento —
XXX de officiis. 1| f. 117'' Uetus testa|mentum ideo dicitur | quia
uenieute nouo cessauit. —
f. 126'' (x) prima et precipua agustea regia et maioris
forme in ho|norem octaui agusti appellata. '' || Vo7m und hinten
je zioei Blätter saec. x mit grammatischen Fragmenten
Orosh chronica.
CLIX. 19. membr. 4. foliorum 20-1. saec. X.
f. 1 Incipit brebris. lib. primi. de historia sei horosii. | i.
hie dicit ninü beli filiü assyriorü rege ut pareat semp regnü |
ab assyriis demonstrari. qm saluator in syria natus sion in |
syria unde lex prodit; | —
f. 1'' xxvni. Annis .l. pugnauef athenienses & spartani. j
Brebris. libri secundi. | Primü regnü babylouü, scdm. macedo-
nicü. Tertiü afFrü. quartü romauü, ] i. üiiis liistorie romane a
proca exoriunt & patre amidi & minutori, sie | —
f. 3 XLii. Hie sex mensibus roma a gafl" deuastata & tribus |
diebus & incensa & ad pulueres redaeta. Brebris. i i Quando
roma incensa Liber tertius , & desolata e. tunc greci pacem
acceperunt. | —
f. 4'' XL hie pugna macedonica finitur. ] Brebis libri quarti. |
I. Hie anuibal in apennino fluuio niui eoopt' obriguit. | exercitü
elefantos aequos qua plurimos amisit. ] —
1 Ilebraicac — 2 5, 25, 27 1. c. 20<S — » 5, 33, 11 1. c. 219. Ein Quaternio
felilt — ^ soll loo — 5 r,, 10, 2 1. c. 240
Dif Bibliotholcoii Piemnnts. Ö85
t. 7 LXii, xxii. passuu carthago imuo erat cincta. q iiiurus
XXX i pedibus latus fuit. alt' cubitis xl. saxo quadrato instruc-
tiis. I Brebis libri quiiiti. | i. hie spania sanguine agTOS rigabat
siio. p aim .cc. iu bello posi''"' | —
f. 8 xxviii. hie claudius inaehedonieü bellü sortitus eru-
delia exereuit. j adq? in eapita huiuana euulso cerebro bibi prae-
cepit. I I Hie bellu initridaticü iueipit. Brebis li})ri sexti. | —
f. 9 XXX. Qiiaudo uatus .e. dus xps. | i. Babylon urbs assy-
riorum. Brebris. libri septinii. | —
f. 1 1 Lxv. Anni .v. dcxviii. sunt exacto historie. usq? in dio
qua iiuiuit. j Explieit brebis libri septinii. liistoriac horosii |
prbi '. Incipit prologus eiusdem. | Praeeeptis - tuis parui beatis-
sime pater augustinae. | atq^ utina tarn efficacit qua libenter.
quäquä ego in utrauis parte | —
f. 1 1** Opus •' meü hoc solo meo cuniulatius reddidi qd |
libens feci. | Explieit prolog. Incip Hb primus sei horosii. |
Praeeeperas mi'^hi. ut ' aduersus uaniloqua prauita|teni eorü. (pü
alieni a ciuitate di ex locorü agrestiü eoupitis | —
f. l^*" ob diuturnji memoria uerb ^.ppagauer. | i. | Hie die
ninü — prodit. [ Initiii scribeudi a nino beli filio. rege assyriorü
facere (fecere m. ed.). (pii cü opinione | —
f. 32'' exercita|tioribns. quippe ad neqtia adque erudi-
tiorib; hominib; ctinebit. ] Explieit lib prim'. aduer. paga. incip
üb secund. i Neminem iam esse hominü arbitror quem la|tere —
t. 33 uniuersa subicit .i. | Primü regnü — romanü. Quäle
a prineipio babyloniü. & deiude | —
f. 51 hie presenti-^ uoluminis finis sit. ut in subscqutii-
tibus e&era j persequamur. Explieit liber secundus. | Incipit
über tertius. | Et superiore iam libro contestatus sü et nunc —
f. 51'' nee multü constricta uideantur [in mg. i.). Quando —
acceperunt. Anno ab urbe eondita tre|ceutesimo sexagesimo
quarto. quem aunü —
1 Auch in einer Berner Haudsclirift (16'J) finden sich Inhaltsangaben der
Cai^itel. Vgl. Halm Verz. der alt. Handsehr. lat. Kirchenväter iu den
Bibliotheken der Schweiz S. 49 — 2 XXXI GG3 — =' 1. c. GOß. Während
im Ambrosianus D. -Jo. Sup. der grösste Theil des ersten Capitels zum
Prolog gezogen wird, bildet hier die grössere Hälfte des allgemeinen
Prologs einen besonderen Prolog zum ersten Buche — ' ut scribercm —
'' praescntis
586 Rpiffpi-soheirl.
f. 73*' & mox punica consequantur, Explicit liber tertius. |
Incipit liber quartus. | Dixisse Aeneam uirgilius refert cü post
pericula sua | —
f. 74 nee in appennino aliquando fuerit. Cum annibal
aelefantos. aequos plurimaq; (wi mg. i) | —
f. 98 si interioris spem acuminis inuenirem. Explicit liber.
quart'. | Incipit liber quintus. | Scio aliquantes post haec dein-
ceps permoueri posse quod uictoriae. || —
f. 99 pars miseriarum est audire quid fuerit. Edat spania
sententiä sua. | —
f. 125 libri saltim termino separentur. | Explicit liber quin-
tus. Incipit I liber sextus. | Oins homines cuiuslibet. ul secte.
uel uito. uel patriae. | —
f. 127'' Sicut ipso quo caepta s ordine j)babuntur. Bellü
mitridaticü. | uel ut uerius dicam belli mitridatiei clades —
f. 157'' singillatim corripiuntur expediam. Explicit | liber
sextus. Incipit über septimus. | Sufficientia ut arbitror docu-
menta collecta sunt. | —
f. 158'' adliuc supplere conabor. Babilon urbis assyrioi^
in mg. i. |j f. 159 Principio secundi belli '. cum tempora roman^
conditionis stili | tenore prestring-ere ^ —
f. 204'' (lxv) de qualitate autem opusculorum tu uideris
qui praecelpisti tibi adiudicanda si aedas p te iudicata si deleas |
Amen 1 m. s. xiv liber de thesa'ro bati eusebii. Ip
libelli — 2 perstringerem — 3 Diese Handschrift wird von du Rieu auf
einem in die Handschrift eingeklebten Zettel bezeichnet als uno dei piü
esatti ed eraendati fra i cinquanta e piü da lui consultati in vai-ie biblio-
teche d'Italia
Die BililiotliPlten Piemonts. 587
4. Die Bibliothek des Donicapitels in Ivrea.
Von dem Archiv und der Bibliothek des Domcapitels von
Ivrea gab zuerst Kunde Am. Peyron in der Notizia delF archi-
vio del reverendissimo capitolo d'Ivrea, Torino 1843.
Augustinus de musica.
LXXXIV. membr. Grossquart, foliorum 88. saec. XI.
f. 1 iiAOKfi'. Ex^ANTHATiKON 2 autcm ad expositione pertinere
uidetur. & | habet partes tres oitianikon^. o>aikon. rnoKPiTiKoN
Que interius ^ | rerü ordo disponet. Nunc de pma uoce uelut de
sonitus parente tocius'' dicein'. | —
f. 6'' magna cunctorü uoluntate'^ puenit. | habes seuille
martiane fabulam | —
f. 7 Secute nugis nate ignosce lectitans. | sie felix falsus
FINIVIT FALSA CAl'ELLA | CORPOEE QVl MEßUIT MISEßAM NUNC DUCERE VITA ^ |
f. 7'' Aurei Augustini Liber | primus de arte musica que
id I Scolaris uocat Quia sub interrog et responsione mafgistri
et discipuli | Modus "^ qui pes est A Pirrichi | M Quot tcmpo-
rum ~ .'' A Duum M' Bonus qui pes -^ "^ A ide | qui et mudus
' Martiann.s Capella viiii 9;^6 — 2 £fayYs)vTiy.ov — ^ opyavtxbv — * infcrius —
'' totius parente — ''^ voluptate — '^ Der Text überall glossirt. Als Probe
theile ich das letzte Scliolion mit: Hi uersus (pjauis ad oiTis libros vn, libe-
ralifi artiu | referri possiiit. maxinie taiTi ad pdictos duos nnpti'arfi philo-
l<if,ä.; in illis eni habundant plus fabulc,' | qua in illis vii. quauis principio
& fine. istorvi st | Dido intptat niraijo qnia iiirgo pmansit lic& | uirgilins
alit sentit | Ad nuptias pliilologie neriert oms dii & oms dee | omsq. artes'
artes in formas uirginfi qiias delius | in superu dorn coetfi introducebat.
Philologia amor rationis intptatur. Mercurius [ niediiis eurrens .i. sermn int
deos. t homines | deeet eni sermone ratione iixore habere — ^ XXXII 1081
Sitzb. d. phil-liist. Gl. LXVm. Bil. III. Ilft. 38
588 Reiffeisclieid.
M^ hoc -r ergo modus -r ' bonus A ' non M' Cur e'"g'0 |
idem A^ Quia idem in sono. in significatione aliud —
f. 13 reb; quas ualemus sentire lianc disciplina potuisse''^
pdictü ^ A^ Nullo m alit puto. | Aurei Aug de arte musica
Primus libe sie ex]5. Incip v Scds | O) Attende g diligent. & nc
demü accipe quasi alterü ni^e disputationis exordiü. ac pmü
sponde'' utrü | —
f. 18 reb; ageudis decent intenta. A^" Placet sane ac libent
obtepero Aurei Aug Finit lib scds | Incipit über tertius | O)
Tertius hie sermo p'tulat quo^ de pedü amiti"a quada ccordiaq?
satis dictü 5. uideam' qd ex his ctextis ctinuatisq. gignat | —
f. 21'' fpbo atq? se-^ habere istam concordia csentio neq/'
delector | Aurei Aug Lib tertius expli|cit Incipit quartus de mu-
sica dialogice | )-( | Eedeamus ergo ad metri csideratione jipt
cui' jigressum ac longitudine de üsu tecü alqd agere coactus
sum I —
f. 27" s> qui|escam' aliqntü' et de üsu deinceps disse-
ram'. A^ Ita hat. Aurelii Augustini Liber ] quartus Explicit In-
cipit Quintus do musica dialogice | )-( | Quid sit üs' int doctos
ueteres n parua luctatione qsitü e nee frct' defuit: Nä iuuenta
res e & ad notitia p'sterio^ (i eras.) mauda|ta litteris. —
f. 32 alieua e qnta ualem' sagatitate ueniam'. Aur Aug
Explicit lib. quintus Incip | sextus de nuisica arte dialogice |
Satis '^ diu peue atq, adeo plane puerilit in" quinq? breuis '" in
uestigiis numero^t ad moras tepo^ ptinentiü morati sunuis qua | —
f. 40'' opitime filios qui puerilib; studiis loqndi ac disse-
rendi facultate quantü satis est consecuti eent eadem relellen-
dorum hereti|corum necessitate fuisse uideremus. || f. 41 Anitii.
Manlii. Scuorini. Boetii. liber prim* | de musica arte | Oninium "
quidem pceptio sensuü. | ita sponte ac naturaliter quibusdä
uiuentibus adest. | —
f. f)! (xxxiiii) ex})licandum ->-. ac de poetarnm carminib?
diiudicandi. '- Explicit liber | prinuis lnci])it über tertius '^ |
Superius uolunien cuncta, digessit. (jue nunc diligontius demon-
(|iiii(l — 2 posnisse — 3 responde — ^ iit (juoni.-nn — ■"' \Ui se — "> con-
seiisioTiPiiKjue -r- ' aliqiinntnlnm — ^ M. Satis — '■> per — '" libros —
" Die C';i}iitul;i fclilen — '- iudicniKli ciJ. Fiipdl. - '•' spcnudus
Die Bibliotheken Piemonts. 589
_ . . . . . * r
slnuula uc^jjpo.sui. |^— accipiuiida ^piicniat. | Priinus oniiuni pytlia-
goras —
f. 00'* (xxxi) Nunc uoluiuiiiis soriT- fastidii nitalor ad-
stringa. | Explic lib .11. De musica et arithnietiea ' institiitione.
Ineip .111. I cPemiü etra aristoxenü- Siip partic. in oq diiiidi n
posse'' I Superiore uolnmino dinnonstratum -i- diätesseron ' cso-
iiantia ex duob? toiiis ac semi|t()nio. —
f. 69 (xv"") in posto|rions comentarii dispntatione censuim'
Iransferendam. \\ f. 69'' Explicit lih in. Incip. Quartus. | Voeü
differentias in qnantitatc csistere | Etsi omia quae demonstranda
erant superioris libri tractatione | —
f. 82 (xviii) triplo j)portionis dissonantia | & consonantiä
i-eddat. '' | Explic lib .1111. Incip lil). quintiis | Post inonochordi
reg'ularis diuisione. adicicnda ee arbitror ea in (|iiib' lu^teres
musico doc)tores —
f. 86 (Queadniodü ptolomeus tetracordoi'ü diuisione face-
rit sie'') Ptolomeus eni tetracliorda diuersa rutione partii illud
in princi})io statuens ut int duo"^ altrin|sec' sonos tales uocule
aptont — In cons]dssis'' uero ut in diatonieis generibus nus-
quani una. f. .S7. 88 Allerlei von späteren Hf'uulen
Augustinus de trinitate.
LXXVII. luembr. (ii-ossiinart. 'J col. lolioruiii 187. saec. X.
1". 1 Domino'" beatissimo | et sincerissimo " cai-i[tat(' uene-
rando sco fra|tri et consacerdoti papae | aui-elio augustinus in | dno
salutem | De trinitate quae ds summus & uerus | e. libros.
iuuenis inclioaui senex edidi. | — anteponi. \ Ora pro me | Ex-
plicit epistola | augustini ad aure|liuni episcopuni. | Incipiunt
capitula | trinitatis ] libi-i primi ; f. l'' i De triplici causa (uroiis
fal|sa de dö opinantium. — xni De unitate psonae Hlii di &
• filii i hominis, siue in gloria siue in humilitate. | Expliciunt ca-
' Für armonica vorschrieben — ^ demoiiRtratio atld. — 3 siiperparticulareni
liroportioiioni dividi in aeqna nnii posse atque iileo nee toninn — '' diates-
s;iron — •"■ XVI — ^' Für die Fignr ist R-iuni gelassen - '• fieri dicat
n])ortere - ** dnos — '■* nnn spissis "^' XLTI 817 — i' sincerissinia -
590 Reifferscheid.
pitula I libri primi • |' f. 2 in mg. de triplici causa erroris de
do opinantium | Lecturus haec | quae de trinitate disserimus. j
prius oport& —
f. 100 quantü | nouit & quanta est; | Exp. lib. viiii Ine
cap Ibr X. | i De stiidiis discere amantiuni | — ignorarent | —
f. lOO*" XII De quereiida | imagine — concepit ; | Explicit capl |
In hoc 2 libro decimo hoc ipsud | diligentius subtiliusq; trac|ta-
tum est. atque ad id pducitum. ut inueniretur in men|te eui-
dentior trinitas eins; | in memoria scilic& et intel|legentia &
uoluntate ; sed j qm & in hoc comptum est qd j mens numquam
esse ita potue|rit. ut non sui meminiss&. | non se intellegeret &
dilige|r& ; Cum autem se cogitaret | non se a corporalibus rebus |
eadem cogitatione discer|ner& dilata e de trinitate | cuius haec
imago est disputatio | ut in ipsis etiani corporalibus uisis | in-
ueniretur trinitas & distincltio in ea. et lectoris exerceretur |
intentio; | Incpt Ibr .x j i | Nunc ad ea ipsa consequenter | eno-
datius —
f. 109 propter huius | b'belli modum; | explicit liber x; |
Incp cap Ib xi | i De imagine trinitatis — exteriore que-
renda | — xi de msura et numero | & pondere quo^^ similitudo
sit in I memoria & uisione & uoluntate; | Expli capitula | In hoc^
undecimo libro electus | e sensus —
f. 109'' quae sentiuntur extrin|secus ; | i | Nemini dubium
est sicut I interiorem hominem —
f. 119 disposuisse testat: Expli lib. xi | Incp cp Ibr xii |
I Quid sit quod &iä in^ animo nro | intollegendü sit ad exterio|
rem homine ptinere | —
f. 1 19'' XV De opinione pactionis '"^ — uiderent '• habuisse j
In hoc" duodecimo libro \ discerneuda uisa e sapientia | ab
scientia — ul putanda. | Incjpt libr xii | i Age nunc uideamus
' Auch diese Handschrift hat die von Ang. Mai herausgegebenen Capitula.
Ausserdem aber finden sich in ihr nocli beim zehnten, eilften, zwölften
und vierzehnten Buche Summarien, aus denen hervorgeht, dass die den
einzelnen Bücliern in den Ausgaben vorangeschickten Inhaltsangaben auf
liandschriftlicher Grundlage berulien — 2 j^ q^jQ trinitatem aliaai in
hominis raente ostenditur eamque longe evidentioreni apparere in memoria
intelligentia et voluntate — ^ Trinitatis imago quaedam — quae sentiuntur
oxtrinsecus — ■• nin. — ^ Platonis — '' inderentur — ' In <|U(i praemissa
distinctione sapientiae scientia — putanda
Die Bibliotheken riomoiits. 591
ubi öit quasi [ quodda hominis exterioris interiorisquc con-
finiü; —
f. 128'' quod inucntü fuerit explicari. | ExpT libr xii |
Incpt captl I I De geniino rationalis mentis officio — ad &na | —
XX Neminem posse sine lide ad | uerani beatitudine puenire j
Incp libr xiii | In libro superiore huius operis .| duodecimo —
f. 144'' leetor ex|pect& ; | Expli libr xjii | Incpt libr xiiii |
I Quae sit hominis uera sapientia | —
f. 145 xviiii Qua sui pai-te homo — renouatur | Expl capt |
In quarto ' decirao libro de sapientia I hominis uera — contem-
platio est \ &norum; | Aurelii Ag Ib xiiii""" | i | Nunc de sapientia
nobis est dis|serendum. —
t". 159 quantum potui demonstrare | curaui ; | Expl libr
XIIII I Incpiunt catula sie | i De excellentia x^ animi- ad imagi|nem
creatoris sui conditi •'. | —
f. 159'' XXVII Quid quodam sermone disputatü | ad pnpu-
lum ' sit de difFerentia ge|nerationis tilii & processionis sps sei. |
Incipt über xv | Volentes in rebus quae faclta"' s ad cognoscen-
dum euni — ,
f. 187'' & tu ignosce'' | Expl lib xv ||
CoNciLioKUM acta.
XLII. membr. 8. folioruin 111. saec. IX— X.'
f. 1 solem"^ terra ee maiorem quamuis ob inmensam
longin quita|tem modicus uideatur ; —
f. 1'' VIII I Ebdomada grecae a septenario nuniero nom —
f. 49'' (lxii) Muliere cuius adiutorio gelnus propagar&
humanum ; | Incpt epistla sei cyrilli epi | alexandrini ; | Sem
paschae mysterium eins quae clara solenitas sicut .e. | —
f. 50'' tminos nascitur & impU- ; | Incipit expositio bissexti
uel anni communis | seu embolismi de Ixlv annis circuli pasch-
lis I — Scire bis unde fit bissextus uel annus comunis seu
cmbolismus breuit | tibi domine mi amator sapientiae disserebo
haec ^ ratio bissexti. —
' De sapientia hominis vera — contemplatio est aeternorum — 2 animae —
^ conditae — ^ in quodam sormone ad popiiliim disputatiim — ^ factae —
6 et tili add. — '^ Vgl. Maassen 1. c. 378 — * Bedit
592 Keiffersclieid.
f. 51'' inuenies ueritate; | Incpt ratio limae qiiomodo pasclia
conputaes | Lima quae martio iiieuse nata fiierit —
f. 52 & nihil dubiteris; \ Pasclialae cyclü. Yppolitus eps
teporib; alejxandri imperatoris primus conscripsit. p quji ,pba-
tissimi auctores | eusebius caesariensis prosp quoq: natione aqui-
taiius atq: uictorilnus amplificatis eiusdein festiuitatib; multi-
plices circulos edider ; | Deinde tlieophilus — xpiaiioru ueuire ; |
Ordo mensuum xii. !| f. 52" mar mai etc. \ lucipit coputatio episco-
porum .cccxviii. | quod fecerunt in nicea cinitate. ex kl | ianuarias
.1. in nonas dies .v. in idus dies xiii. | etc.
f. 54" Ab incarnatione saluatoris | usq: nunc oetogenti
XIII, I —
f. 55" oratio beati greg pp | Dominator diie ds omps q es
trinitas inseparabilis etc. — & simon. —
f. 56 Ab alexandro usque nicena synodum ann .i. xxxvi. |
Incipiimt capitla canon. | grecorn atq: latinorü |
I CaSones niceni episcopornm .ccc.xvm.
II Canones ancyritani eporü xii. hos can ante nicenos
fuisse : traduntm'
III Canoii effisiana prima eporum cc.
IUI Canones neocesariensis eporum xvii.
V Cannones gangrensis eporum xv.
VI Canones anteocheni eporum xxxn.
vn Canones laudicensis eporum xxii.
VIII Canones constantinopolitanus epo% cl.
villi Canones calcedonensis epo* dcxxx.
X Canones apostolorum quos dyonisius eps de greco
in latino transtulit rogante Stephane epo.
XI. It can niceni epü% xx. hie can apud Grecos fi
•/ . hcrtUctuös uoct.
liabeut a quib;dä ■/•
XII Can miliuitanus epo% Ite canones latinorü
XIII Cartaginensis eporum ccxviii.
xiiii Item eiusdem cartaginensis secundus;
XV Canones thelensis episcopornm xxxiii.
xvi Canones romanorum. Item eiusdem .ii.
xvii Item romanorum sei siluestri pape.
xviii Item romanorum sei gregorii primo .ii. & m.
xviiH Canones agensis episcopornm xxx.iii.
Die Bibliotheken Piemonts. 593
XX Canones aurelianensis cpiscoporuili xxxi.
XXI Itcni canones aureliancnsis eporiim xxxv.
XXII Item aureliancnsis .111. & .1111.
xxiii Itoin arelatensis episcoponnn de.
XXIIII
f. [)6'' XXV Canones aiirasicani episcoporura xvii.
XXVI Canones ualentiani episcoporum xviiii.
xxvii Canones regensis episcoporum xii.
xxvni Canones uasensis episcoporum
xxviiii Canones arelatensis epö% xv. prt)i .v. diaco xvi.
XXX Canones aruernensis episcoporum xv.
XXXI Canones maticensis episcoporum xxi.
xxxii Canones lugdonensis episcoporum viiii.
XXXIII Canones epaonensis episcoporum xxvu.
xxxiiii Canones aurasica episcoporum
xxxv Canonones sie cesariensis episcoporum ■
xxxvi Canones taurinatium episcoporum
XXXVII Canones agatensis episcoporum xxii.
xxxviii Canones uieunensis episcoporum xv.
xxxviiii Canones urbicauensis episcoporum
XL Canones tokani episcoporum x
XLi Canones agustodincnsium sei leodegarii epi.
Harü canonü cpistolar numerus | incertus habetur quia
diuersis teporib: | innumor de Me et stabilitate scae di | aecclo
conscripsef sei patres nostri : | Canon ^^^ grecae latinae regulae
nuncupat; | eo qd rcctae dueat et normam recte uiuendi pbeat. |
Canones autem ut scs hysidorus —
f. 57'' Siquis ita S conti tetur & credit anathema sit.
Conlirmatio .v. synod. | Definitio capitularü sca synodo | urbis
romae sub martino papa i Martinus scissimus papa congregauit
romae. cu epis j in ecclesia saluatoris & dixit; Öecundü pröl'"-
bilem | —
f. 58 sex syno|dis discrcpari. Incpt symbohl apostolorum |
Ci-cdo in diii patrem omnipotentem, creatorem caeli \ etc.
f. 58" Caii agathens. lir .xiii.
Ysidorus in libro .11. of|ticiorum : hr xxii.
Fides niceni concilii
Ysidorus in primo li|l)ro officioru hr .xvi.
f. 59 Simbohl aput constantinopolim il. sco* patru
r^M
Reif f erscheid.
Fides sei athanasi epi alexandrini
f. 60 de anima xpi rationabili in synodo romana dix
in sinodo calcedonense
Sei eyrilli ad nestorium
f. 60'' Aureli agustini. in euglo sei ioli int eetera.
De spü et anima hieronim' ad hydibia.
f. 61 Item dicta sei j ysidori de sca trinitate et quod
amplius j nihil est quam ereator et creatura.
de anima xpi.
f. 6P Agtinus in libro questionii
Scs ysidorus de spü sco
It sei ysidori
f. 62 It eiusde de spii et anima qd unü sit.
It eiusde sei ysidori de sca trinitate
f. 62'' Fides aput grecos de trinitate
De ereatura
f. 63 De adä primü. ean. cartagineios. hf. i. | Praefatio
orationis dominicae | Diis & saluator nf ihs xps int c&era sacra
peepta discipulis | — haue oratione nobis docuit. ut ita ore-
mus; I Pater noster qui es in caelis. | haec libertatis uox. e. &
plena fidueia —
f. 63" Sed libera nos a malo | hoe ideo ait quia dixit
aplis. Nescitis quid uobis oporteat | orare; Unde ds oranps ita
a nobis orandus est ut quiequid liumana fragilitas eauere &
uita" m. cd. n potest ; hoc ille ut posemus sie | j)pitius nobis con-
ferre dign&ur ihs xps dii^ iir. qui uiuit & regjnat cmn patre
& spü SCO ^^x^^^^^^^^^ p oina scia sclorü amen; j f. 64 lueipit
capitulatio canonum. |
I De iide catholiea & symbolum.
II de eo quod sit scriptura eanonica.
III Sententia pape leonis de apoeripha scriptura.
IUI Deer&alis de reeipiendis. & ii reeipiendis libris;
V Ut p singulüs ann synodus bis üat. & qualit denuii-
ti&ur ;
VI Quales ad sacros ordines uenire ii possuut.
VII Quales uel qualiter ad sacros ordines aeccdant;
VIII Ne in una ciuitate duo sint epi & de uicariis eporum
villi De ordinando epo intra tres menses
X De ordinatis epis nee receptis
Die Bibliotlioken Picmouts. 59«5
XI De epo inuitus ordinatum *
XU Quod ü oport&at absolutuni ordinäre qucinquam.
XIII De seruo aut liberto ordinato.
xiiii Quod non liceat clericü in duas ciuitates ministrare.
XV Ut de uno loco ad aliü ii transeant cleri sine iussioii ;
XVI De peregrinis epis & de clericis. & ad comitatü
p g-ent.
XVII De formatis & clericis sine litteris ambulantibus.
xviii Qual uel ^ quib; culpis quisq: degrad&ur.
xviiii. De expulso ab eccle & de excömunicato 1 danato
ab officio.
XX de ordine ecclesiastico & officio misse.
XXI De reliquis scorum & oratoriis.
XXII Altaria ii sacranda nisi lapidea.
XXIII de baptismo.
xxiiii De iterato baptismo.
XXV De conlirmatione & prandia in eccla n fieri. & qd
2
•/. genu non flectat
die domco'/.
XXVI De pascha & die dominico & reliquis festiuitatib;.
xxvii De ieiunio & quadrgmo ul la&anias.
XXVIII Ut festi dies in ciuitatib; aut in uicis publicis
teneant.
xxviiii De hoc qd offeruntur ad altario 1 quac ad domii
sacerdotis | & de oblatione. !|
f. 64** XXX. De communione & ut inissas populus p spect&.
XXXI De praedicatione.
XXXII De hospitalitate.
XXXIII De decimis.
•i, & de lapsis*
xxxiiii De uiduis pupillis & pauperes infirmis & carccrariis*/.
XXXV Qualit res eccle eps dispens& 1 regat & de hoc quae
in altajre dant & basilic p par~" |
XXXVI De reb; quae sacerdos suis clericis dedit.
XXXVII De reb; quae ecclesiis dantur.
XXXVIII De reb; ecclae abstractis aut contra dictis.
xxxvini De causantib; & iudicibus.
XL De epo ul clericis accusatis & accusatorib; eorum.
XLi De clericis usurariis & hebriosis.
o9f) llei fferschei d
XLii IJt cleri ü sint contiuviaces & n neg-legaut ut'iiciü
& n siut conductores seculares & e&era.
XLiii Ut 5 liabit& clericus cü extraneis inulierib; & de
relicta sacerdotis.
XLiiii De epis & ordines ul regulis clerico* & uestib;
eorü & c&era qua plura;
XLV De uenationibus;
XLVi Ut peccantes fidelibus non liceat uerberare.
XLVii De parrochiis & oratoriis construendis.
XLViii De natalitia martyrum.
XLViiii De üctos martyres & loca quac inaniter uenerantur.
L De sortibus & auguriis.
LI de clericis monacliis uel abbatibus.
LH De do sacratis & monasteriis puellaruni ;
Liii de raptis.
Lim de incestis & adulteriis & qui uxores snas diinitt.
LV De reuertentes ad sclra p depositü luilitiae cingulü
& de bis qui p bap tismü adminis"'"""' \
Lvi De falsariis & piuriis & bomic'dis & captiutc &
diseordia ;
Lvii De expositi.
Lvm De libertis.
LViiii De bis qui ad ecclesiam confugiunt.
LX de iudaeis; ]
f. 65 Lxi De clericis qui a carne abstinent.
Lxn De her&icis & gentilibus.
LXiii De catbecuminirf.
LXiiii De coniurationibus.
Lxv De inergumenis.
Lxvi De chrisma
Lxvii De exequiis defunctorum & ne pallae sup corp'
ponantur ;
Lxviii De lectionem ad mensam.
Lxviiii De elapsis & paenitentibus.
Lxx De bis qui contra canones faciunt.
Lxxi De epis qui hos supradictos canones firnuiuonint.
Lxxii Canones sei gregorii pape cap xii.
Lxxni Item eiusdem sei gregorii cap. vi.
Lxxiiii Item eiusdem cap xiiii.
Pio Bililiötliikou Piemonts. 597
L.x.xv pjpistola ciusdcni sei greii>orii ad a&herium opTii,
Lxxvi Item eiusdeni epistola ad bruniliildc regiua. | [^ro
lierese symoniaca dcstruenda. | Iir jjt eulleelu ex libris canonfi |
De fide eatliolica et syniholiiin | .i. Can augustidunensis, lir .1. |
Si (jiiis pi-sbt diaeonus subdiaeomis iiel elerieiis. siin])olü | —
f. 111" (Epistola sei gregorii papae ad etherio epo hig-
donensis;) Sic autem liis qui inuitatus rciiiiuit. quaesitus re-
fueit. li
LXXIV. memhr. Clrossquart. ü col. foliorum IUI. saec. X.'
f. 2 Incipiunt tituli canonum apostolorü. ] i De ordinatione
episcopi. I —
f. 2^ L quod non debeat una mersio in baptis|matc quasi
in niorte dni^pucnire | Regula apostolor. | Incipiunt eeelesiasticao
regulae — cauonibus assunipta esse. | Incipiunt eanones | aposto-
loruni,
f. 6 Incipiunt titidi cano|nuni niceni concilii | numero .xxii. |
I De eunuchis & qui se ipsos al^sciderunt. | —
t", 6" xxii De flectendo geuua. } Expliciunt capitula. | luci-
pit constitutio et tildes niceni concilii. sul)|ditiö capitulis suis. |
Facta est autem haec synodus apud | — urbis rome siluestrü. |
Fides eiusdem concilii | Credimus in unum dm pati'cm om|ni-
potentem uisibilium nee non & | —
f. 7 apostollica aecclesia. | Incipit prefatio supra|scripti
concilii | Conciliu sacrü uenerandi culmina iuris | — PIoc sale
conditus duleia niella fluit. | —
f. Ü'' Expliciunt eanones | et subscripserunt cccxviii | epi-
scopi qui in eodem con cilio conuenerunt ,|
f. 1 1*' Expliciunt nomina episcopoi^ | Conuentio episcoporü |
in generosa urbe roma | Post coneilium nicenum in urbe roma |
concilium congregatum est. a ca] f. 12 tliolicis epis. et ad-
diderunt de spu | sco. —
f. lo sine dubio credamus. j Incipiunt tituli canonü | an-
cyrani concilii numero. xxnii. |
f. 16 Incipiunt tituli canojnum caesariensium | concilii
num. XI 111 I
' Vgl. Maassen 1. c. 378 pq.
598 Reif f ersclieid.
f. 17'' Incipit sinodi g-an^renlsis prefatio. | Dominis hono-
rabilibus consacer|dotibus in armoenia constitu|tis epis. qiiorum
nomina supe|nus sunt scripta. —
f. 18 susceperit obseruandü. |
f. 20 Incipiunt tituli canonü.
f. 20'' Sca & pacta synodus in unü congre|gata bis qui p
prouintias singnlas | sunt unanimis scis & consacerdo|tibus in diu»
salutem. Gratia & uejritas —
f. 21 in|fra scripta sunt. | Incipiunt reg-ulae an|tioceni
concilii reg-ulae expositae apud an|tiochiam nengensis. ul | in-
enceniis nuniero xxv. j
f. 24'' Incipiunt tituli canonü | apud laoditiam congre|gati
numero. lviiii. |
f. 28'' Incipit expositio lidei | catholice secundum centum |
quinquaginta patres pos*qua euti|ciana siue nestoriana heresis.
plu|rimorü xpianorü animos pulluerat ] f. 29 Credimus in die
fünf ersten Zeilen grössfentheüs durch Feuchtigkeit zerstört \ esse
conlitemur. non sicut unü dm | quasi solitariü. nee eundem qui
ip|se sibi pater. sit ipse & filius. — aeterni supplicii accepturi. ||
f. 29'' Incipiunt tituli cano|nuni concilii apud con|stantino-
polim con|gregati. numero | centum quinquaginta |
f. 30'' Expotio fidei centum quinqua|ginta sanctorum qui
conjstantinopolim congre|gati sunt. |
f. 32 Tituli canonum calcedonensis | concilii. numero xxvii. |
f. 35" Incipit constitutio | et fides eiusdem concilii. | Aethius —
f. 37 anatliematizari. ]
f. 40'' Incipiunt tituli cano|num serdicensis concilii | nu-
mero uiginti unmn | —
f. 41 Sunt etiam regulae ecclesias ticae quae in africanis
regi|onibus. frequentissimo | synodali concilio | conscriptae |
sunt. I Quae qm multipliciter. & diuersis | modis inueniuntur. si
ad manus cuius|cumque —
f. 42'' discrepfi. sequi debebit. | Incipiunt canones | serdi-
censis numero xxi. |
f. 45'' Tituli canonum cüngre|gati apud carthagi|ncm nu-
mero XXXIII. I
f. 52*' Tituli canonum diuersorii | conciliorum africa|nae
prouintiae. | numero | centum | quinquae. | ,
nii- BiWinflickoii Pieraonts. 599
f. 78" P]xplicit AfVicjini concilii | Incipiunt tituli decreto|
ruin papae syrici numero .xv. | —
f. 83 Tituli decretorum | papae innoceuti | nuracro .lvii. | —
f. 102 Tituli decretorum. | papae zosiini nu|mero quat-
tuor. I —
f. 103'' Tituli decretorum papae | bonifacii numero im. | —
f. 106'' Tituli decretolrum papae cae|lestini numero | ui-
ginti duo. | —
f. 114 Tituli decretorum pa|pae leonis numero | quadra-
ginta octo —
f. 133 Incpnt regulae pap liila. | Tituli decretorvi papae
hilari. |
f. 137 Tituli decretorü | papae simplicii. |
f. 138'' Tituli decretorü. pp felicis. | i | Constitutio papae
felicis africane | prouinciae de non rebaptizandis. \ Incipit con-
stituta I papae felicis. Exemplaria | gestorü. quib. allegatü est |
praecepta papae felicis. | —
f. 141" Tituli decretorü papae | gelasii. numero .xxviii. |
f. 149 Tituli decretorü | papae anastasii. | numero octo. j
f. 152 Tituli decretorum papae | simmachi. |
f. 155 Exeplar constituti facti domlno symmacho pp de
reb. ecclae | conseruandas.
f. 160 Ruüo magno, fausto auieno. | uiris clarissimis. sub
die I kalendarü nouembrium | quarta. synodus habita. | ronuu;
pahnaris. | Sca synodus apud urbem romam | ex praecepto glo-
riosissimi regis | theodorici —
f. 162'' sincere | pertulisse. | Subscriptiones episcoporü. |
Laurentius eps ecclae mediolanen|si —
f. 163 Dulcitius Santiatini. | Incipit ad '"orniisdam papa |
iustini imperatoris | sacra. | —
f. 164 Exemplar precum
f. 165 Hormisda iustino augusto
f. 167'' Item hormisdae ad archimandrites. — que consi-
dcruns propheta. | zwölf Zeilen leer \ Vigilius eps scae ecclesiae
catliolilcae urbis romae dixit. Res es sie quide | diuinae con-
ueniens iussioni —
1. 169'' pos consolatu uasili | uiri clarissimi anno x. Expli-
cit. j Incipit ad populum | oiusdem papae | uigilii | Vigilius eps
600 Reifferscheid.
aecclae catholicae j uniuerso populo di. Dum in scae | eufemiae
Lasilica graeci laboran|tes —
f. 171 ablata pariter sig-naret. | Incipiunt tituli canoiiis |
slluestri episcopi urbis | romae. |
f. 174 Incpiit tituli caiTs liberii | epo urbis romae. |
f. 176'' Incpfit tituli canonü papae Xyxti. |
f. 184'' Tituli decretorü pp | gregorii iunioris | numero
XVII I —
f. 186'' Explicit constituta papae | gregorii sub anathemate |
interdictam. Ij f. 187 Hie continet prouinciae. | galllcauis quae
ciuitajtos sunt gallicani. | Prouincia iugdunensis Prima | Metro-
polis ciuitas lugdunensium. | —
f. 188 (Prouinciae nouepopulana | aquitaniae .iii, |)
Ciuitas Flusatium. | cajj viii. De clericis qui s in ptocliicis mo-
nasteriis | atq. mar quae sub potestate epi unius|cuiusque
ciuitatis existunt. | —
f. 189 In canone aplornm cap. xlviii. | De laicum pellentem
suJi. coniugera | In uiceni eoncilio cap .iii. | De subintroductis
mulieribus | & cap xx. de diaconissis. | —
f. 191 In decretum syxti. cap .i. |1
LXXV. menibr. Grossoctav. l'olioruin 183. saec. X.'
f. 1 Incipiunt ca|nones aplorum | —
f. 84'' Expl africani concilii | Incpt epl decretalis papae |
siricii siriciiis liimerio epo | —
f. 180'' Incpt I constituta papae gregorii | -
f. 183'' Explici""t m. al. constitujta papae gregojrii sub
auatliemate iuterdicta | Cafi Africana, cap i. | Qui eps ordinan-
dus e ante examin^uV | — id e liomo & ds. unus Hlius. unus xps. !|
Gregorii Maoni moralid.
\V.. iiicnilir. I'ol. 2 col. folionini 20'2. suoc. X.
1'. 1 -r- lib(!r iste ecce sce mariae yporieii |i f. 1'' Incip
üb XVII I iiKiralia grego|rii papae in iuh | Quoties"^ in sei uii-i
historia p n()|uuni uolunien eno'tare misteriü | t^'pice —
1 Vgl. MfiMSsen 1. c-. S. :>79 — -' LXXVI 9. !<tiiiiiiit bis ;iiif Kiiizcllu'it.'u
mit Vercell. i.xxiv
Die Hibliotlickon Piemonts. 601
i
f. 292'' (lih. xxxv) si cü p mo uorl)ji | acei^pit pro nie
lucrimas reddit. | h> der anderen leer gehliehenen Cnlnmne in der
il//^te Depositus est | cnuintildus: sei .s?!c menioriae | mediolaneii-
sis: eccle pbr | tertio. die. mensis. iunii 11
Epitome Moralium.
LXV. iTiPml«-. Grossoctav. loüin-um i71. saec. X.
f. 1 k ' repleuit cum sps timoris diii. Incarnatus unim
! diis in sem&ipso orane quod nobis inspirauit ostendit. —
f. 12 rnentem subleuat. a ueneratio|ne liistoriae nun rece-
(lat Explicit Itb I Incipit lit) ii | Veritatis intelleg-entia. cimi
! p cordis humilitatem queritur legendi assiduitate penetra|tur. —
f. 26 quia nimirum dicta quae discretionis pondus nun
I soli|dat. aiira leuitatis portal. | Explicit IH) ii Incipit tib in |
Beatus iob uim nol)i.s suae humilitatis innotescit dicens. super
pupilluni irruitis & subuertere niti|mini —
f. 37'' in augmto | suae dainnationis affligat. Explicit Ib
.III. incipit Ib im || f. 3S Quotiens in harcno spectaculuni ioi-tis
at''leta descende|rit hi qui impares uirtutibus | —
f. 52'' de cordis simplicitate laudauit. | Explicit Hb .im.
incipit lib .v | Esse hoc peruersorum proprium sol& quo mala
sua p conuicium bonis inge|rant. —
f. 78'' hoc qd uiuü . diligit quäle sit mortu"m pens&. |
Explicit lib .V. Incipit Hb .vi. | Verbis procedentibus beatus
iob p disertas prudentie arte sententias inVjui j —
f. 99'' iuxta solius historin textü tenomnS; | Explicit Hlicr
VI Incipit liber vii | InteUectus sacri eloquii. inter textum *
iiiisteriiim tanta est libratione pensandus. | —
f. 114'' patijenter grauis innotescitui-. | Explicit liber vii.
incipit lib. viii | Ipsa humane couditionis qualitas indicat. (jiiam
limge rebus ceteris prostat. | —
t. loO'' suis se nocib; danmatos clamant. | Explicit lili viii.
incipit lib viiii | Post (hvm"'' i-ei'uni post funei-a pigno% post
üulncra cor])oris. post ueiba | male suadentis uxoris. —
' 1, 17 LXXV h?A. Drei P,l;ftt..r f.lilcii
602 Reifferscheid.
f. 151 sed (d eras.) humiliter subdat. | f. 151" explicit tib,
villi Incipit iib .X. I Beatus iob humanuni genus uirtutibus trans-
iens. amicos ioquendo superauit. | —
f. 171'' quasi in quodam medio constituto & erga | futura
spes & erga preterita fides ligat; | Expli. liber. x. ||
Gregorii Magni recjula pastoralis.
I. rnembr. 8. foliorum 145. saec. VIII— IX.
f. 2 ' Incipiunt | capitula libri | regulae pasto|ralis grego|rii
papae |j f. 2" i | Ne ueuire inperi|ti ad magisteri|um audeant ] —
f. 3" XXIII Quanta debeat esse diuersitas | in arte prae-
dicationis | Expliciunt ca|pitula | Incipit liber pas|toralis gre-
go|rii papae || f. 4 i | Pastora|lis"^ curae nie | pondera fugire corr.
dejlitiscendo uoluisse benigna frater karissime | atque humil-
lima^ intentione repraehendis. | quae ne quibusdam leuia esse
uideantur | — -
f. ÖO*" (xxiii) exhortatione tangere corda audientiura deb*'* |
Explicit liber primus || f. 51 Incipiunt capitula de libro se-
cundo I I Aliter'' namque uiri aliter ammonendi | sunt*^* fae-
niinae | —
f. 52" xxxviiii Sed quid utilitatis est quod cuncta liaec
collectae'^ | numeratione transcurrimus Si non etiani animo|ni-
tionis modus per singula quanta possumus breuitajte pandamus |
Expliciunt capitula libri | secundi || f. 53 Incipit liber secundus |
Aliter igitur ani|monendi sunt | uiri. atque aliter fae|minae quia
illis grauia^ istis uero sunt j iniungenda leuiora ut illos magna
exercant sie istas autem leuia | demulcendo conuertant | —
f. 144" (lxvi) ut quia pondus proprium deprimit tui meriti
manus | leu&'' || f. 145 Expl liber regulae pas|toralis gloria in-
diui|duae trinitati amen | Fulgis astra clarior j tuis in dictis
magister urbis cunctae | presul ahne papa gregorii | sie secreta
' f. 1. 1''. "2 mit Oniiiineiiti'ii. f. 1'^ Dcsidcrius papa uiuat in mannigfacher
Buch.stabenvorsclilingung mohrfach wieder] lolt. f. 2'' in mg. s. xi: hunc
diem multos anno.'< p&rone diacone d.s conseru& amen — 2 LXXVII 13 —
^ linmili — ' Scliln.ss de.s Prologs der tertia pars — ^ Pars iii cap. i —
" admonendi snnt viri atque aliter — "^ collecta — ^ graAnora — " nie levet
Die Bibliotheken Pioinoiits. ßQ3
)
. tibi patuerunt | ciibicula rogis nee prioiem siinilem ui|sus es
nee liabere sequentem | m. t,-. xi Gaduraniinisag- Cognoui
diie quia ||
XXI. memlir. 8. foliorum 122. saec. X.
f. ]'■ Ineipit, sermo uenerabilis uiri | auibrosii medida epi.
qui pasjtoralis dicitur. | Si ' qiiis fr - oraeuliim )h. r^/. ■' reminiseat.
quo fruge ' femukü | desemata sibi pecunia quam ad praero-
gatiuum •> | susceperat increpauit dicens. Tu dedisses pecunia | —
f. 8 inspirasti. ut eis una mecuni ti-il)uas saeculorum '•
regna | quae scis in regna' scloriim dare promisisti \ ah. || f. H^
Ineipit liber beati augustini de pastoribus | Spes" tuta nfa quia
in xpo & quia oninis uera & salu|bris gloria ura ipse est. iicm
nunc discit'" Caritas ura. | est" enim in eins grege qui inteii-
dit & pascit isrJ. sed qni | —
f. 2G'' imperatores catholici qui uus cogunt ad unitatem,-|
Ineipit decritura ad clerü in basilica beati petri apli ; | Re-
gnante 1- in pp&uu diiu do'^ uro itiu xjx) temporib; piissimi ac
se|renissinu domni niauritii tiberii & theodosii augustorum | —
Gregorius papa — dixit. In seit ac " romana eccia cui diuina
dispensatione '"' praeee me uoluit | —
f. 28 subire "' app&it seruitutem. | Explieit decretum gre-
gorii papae dogratias: | Suscriptio episeoporü. | Gregorius gratia
di eps bis decretis suscripsi. | Marianus eps eiuitatis raucnnae. | —
f. 2M'^ Fortunatus pb '" tituli i'' scorü quattuor eoronato^ '■' |
Expliciunt omeliae. | Ineip indi|cuhim li|brorum (»iii|iiiiiiii sri
augus|tini episcopi ecciae | catholi hip|ponien|siuin re|giorum |
Contra paganos | de academicis libr .111. | de ordiiie Wh .11. | de
animae iinmortalita|te. lib .1. de utilitate ere|(U;ndi. üb .1. | de
uera religione. lib .1. | questio utrum anima a sc ||
f. 29-^' über der Zeile Sabiianus landericuin ut niagistru j
Ineipiunt capitula | libri regulae pastorli | gregorii [tapae. | .1. Ne
uenire inperiti ad magisteriuin audeant. | —
' XVII ."iG? (de dignit.'vto s.npordotali) — - frjitrcs — 3 oracnlnm — ■* do-
iiiiuns friigi — •"' ])r;u'roo-andiun — '■ c-icldnini — ' fine — ^ jicrpetii;!, add.
— 9 sermo 4G XXXVIII 270 — I" |,iiiiimii didicit " pstis - i^ LXXVII
1''i-^+ — '■* ovi. — " am. — '"■ disjK'Hsatio - "' om. - '" om. — '^ om.
'■' 1. c. lSo9 — -" Von liier an eine etwas spätere liaiid ,
Sitzb. d. pLil.-hi,st. Cl. LXVlll. Bd. Hl. litt. 3'J
604 Keiffersi-liPid.
f. 29'' XXIII. Quanta debeat ee diuersitas in arte praedi-
cationis. Expli capi. incip über | pastoral, gregorii papae | Pa-
storalis ' —
f. 12 P (lxvi) Ut qiiia pondus | proprium deprimit tui
meriti manus leii& | Expli Hb regulae pastora | gloria indiuiduae
trinitati | am || f. 122 Disciplinarvorschriften || f. 122'' m. s.
XI — XII Bischöfliches Ausschreiben einer Synode, loorin es heisst
haec autem epistola more solito de loco ad locum dirigatur
scilicet de cupiano ad suave et cetera hiis similia
HiERONTMUS in duodecim minores prophetas.
XCVII. membr. Grossquart. 2 col. foliorum 270. saec. X.
f. 1 Incipit beati hieronimi j pbri tractatus in osee | pro-
pheta I Si- in explanationib; omnium | prophetarum sei sps |
indigemus aduentu j —
f. 2 ponentes. ea quae scripta sunt disseramus. | Finit
praefatio. || f. 2'' Uerbum dni qd factum est ad oseae iilium |
beeri. lxx similiter | Verbum dni qd in principio erat apud
diii I —
f. 18 cleri eorum ii proderunt eis. | Finit liber primus |
Incipit secundus ad pammacliium || f. 18'' Qui saepe nauigat
aliquando patitur | — sed operum merito | iudicabitur. | Clangite
bucina in gabaa tuba in rama. ulu|late —
f. 36 qui habueruut conso|latione]n lugeant. | Finit lib .n.
Incij5. lib. iii. | Non ignoro pammachi. diffieillimum | — ad
portus tutissiuios | pferamus. | Vaccas bethaben-' coluerunt ha-
bitatores | —
f. 52'' resurrectionem multoruin | in isrl. | Explanationimi
in (isoae Finit lib .in. | In lohel proplia, ine lib .i. | Non idem
urdu est duodecim propbetaruni | apud lxx interptes —
f. 53 consideres | sed iiuluntatem. | Verbum dni qiiod
factum e ad ioliel filiuni ( phatuel (h eras.) '. | lxx interptes pro
hpatuel (h eras.) ^ —
' 1. f. 115. Stiinint |VÖlliii' mit der viirliergeherulcn Hnndselint't — - XXV
815 — ^ bethaven — ^ Pli.itiifl
Die Hililiotlickcn riciiniiits. 605
f. ()U omiiia tubeniuciiLi iucub. | Finil (ixplaiuitiuiuiin in |
idlic'l proplieta nd paina|chiuin über .i. | Incipit ad oundein in
aujos I proptia lil)cr pn'mus | Arnos proph&a qui sequitur ioliele.
& I est tertius —
f". 70 in sing-ulis disseram '. | Et dixit. dns de siou rug-i&
& de ienisale | —
f. 82^" ad mag'|nitudineiu fVio-oris repollendani. j Finit in
aiuos libcr ■.!. | Incipit liber .11. | Legi in quadain eontrouersia
inbeeillitas | corporis animae quoq. uires secü traliit. | —
f. So possim discernere ■-. | Audito uerbuin lioc uaccae
])ingues quae cstis | —
t". !)()'' in fine liuius quod exposuim. | Finit in amos liber
.11. j Incipit in eodem lib .111. | Praepostero ordine at(j. confusu
duodecim | —
f. 97 sinipliciter quaeritur | ueritatis. | Transite in clialanne ''
& uidete. & inde ite in eiuatli | —
i". 111'* cnins promissi(j lex naturo e. j Finit in amos lib
.ni. I ad pamniachinni. | Incipit ad eundem in abdia | proplieta.
lib .1. I Dum' essem paruulus ut paruulus loquebar | —
t". 112 spcnli recur|sos •'' guri>ites transfretare. | Visio ab-
diae. | Hunc esse aiunt'' hebrei. qui sub reg-e samai'ie i achab
et impiissima hiezabel pauit | —
1. 1 18'' possidebit ciuitates austri id est eclas ueri | & pfecti
luminis. dicetq. cum sponsa penitens'^ || f. 119 Trienniuni "^ cir-
eitei' fluxit. postqua | quinq. proph&as —
f. 119'' xps di filius soluitur. | Et factum est uc;rbuiii dni
ad iona Hlium | —
f. 131'' insipientib. & assimilantur eis. | Finit in ionam
proplieta | ad cLromatifl epfn. aquile|iensem. '' | Incip prol in
niicheam. p. | Teraporib. '*' ionathae acliiae ((j in z Jti. al.) oze-
chiae regü | iuda micheii —
f. 182'' miseriam uenire desiderat. AI p | Miclieas " in cpiem
nunc coramentarios dictajre cupio. — a parentib. iujponuntur. ||
f. 133 über der Seife ad paiüam & eustocliium '- | Verbum
igitur <lni (juod factum est ad niichea. | morastithen '•'. —
' edisseram — ~ disserorc — ^ Cliul;inc — ' Cniu — ■' rccnrvus - f' aiunt
esse — ' 1. c. 111('> c. Kill Blatt, t'elilt — "^ (!<>mniciitari<iniiii in lonaiu
pröphetain prulogus 1. c. 1117 — '•' om. — '" o»». — " 1. c. Hol - '- om.
— '3 Mnrastliiton
39*
GOG Keif ferse lieid.
f. 147 sed argu& condemnatos. | Explicit Hb .i. in micheii
pr I ad paulain et eustochium ' j Ine lib .11. ad easdem [ Semp
inuidis respondemus. quia 11 eessat | inuidia & librorum nrtirum
exordia — ydi'f' capita ropa|lo- contundere prophetali. | Et
*"tuiTis gregis nebulosa filiae •' sion usq. ad te | —
f. 1G2^ aegyptias | extruat ciuitates. | Finit in mieheä pro-
pra I Ine in naum propbetam. | ad paulam et eustoehiuni ^. j luxta
Lxx interpretes. in ordinatione'' duo|decim —
f. 163 argentum. | Uleiscens dns & habens lurorem. ul-
eiseens | —
f. 178 irruit quidem sed ingredi non potest. | Fiuit in
naum prophetam. | eusebii hieronimi pbri. | lucipit eiusdem in
abba|euc prophetam. lib .1. || f. 178^ Priraum chromati episco-
porü doctissime. | scire nos conuenit —
f. 179 quae uentu|ra cognoscit. | Usque quo diie clamabo
et n exaudies. uocife|i'abor —
t". 191 sponte mea rursü adsumo eara. | Finit lib .1. Ineij5.
Hb .11. I Alterum mi chromati papa uenerabilis in | abacuc —
numero disseramus. | Oratio abacuc prophetae pro ignorantib. " |
LXX. Oratio ambacum^ prophetae cü cantico. | Aquila & syui-
machus & quinta editio. sicut | nos pro ignorationib. (ratio in ras.)
transtulerunt solus | theodotio. rnepeoNeKÖiciACHON ^ | — ■
f. 202 cantores ceteros meo carmine superabo. || f. 202''
Eusebii Hieronimi in abacuc | propheta trac ad cromatiii | epiii
expl. lib .11. I Incip pr. eiusdem in Sophoh. pro | Tradunt" hebrei
cuiuscumq. J)phe | pater — lectionis denuntiauit. | Verbum dni
quod factum e ad sophonia filium | chusi. filii godoliae —
1". 20G'' psens extremum capitulü. "* | Finit sophouiae tract. |
Frologus in aggeum, prof. | Hieremias ' ' propha ob causam p-
iurii sedeciae | —
f. 207 exte|rarum signiticant. Finit praef'atio. | Incipit trac. in
aggeu pru})hä | In anno secundo darii lilii '- histaspis '"- regis | —
f. 210 quasi auulo consign&ur '■'. | Fiuit in aggeum propham |
Incipit praef in zacharia. p. | Secundo'^ aniu) darii regis nic-
dorü. aggeü | —
' o/ti. — - poTcaXto — 3 filia — '' oon. — ^ ordine — *' ignor.itlonibns —
" Abacuc — S U7:£p twv r/.ouaiaa[jLwv — s? Bei Vallarsi ein anderer Prolog
— '" Stimmt nicht - "V Wie oben — ■'- 011 . — " Stinmit iiii-lif -
»? Wie oben
Pie liililiotliekeii Pieniimts. HOT
f. 210" prophetae e reuehita. | Ad exupcriü tolosanu ojTin |
ex])lan. in zaeharia proplia | (iuscidi liicroiiinii lih .111. | Vltimo
iaiii aiituiuui tempore fr nr fi|liiis tiiiis sisinnius inonachus. tuae
mihi I (lia'nationis —
f. 211 iiiterptationis ucla pandamiis. j In iiiense octaiio
in anno scdo darii. factu est | —
f. 224 tradita gloriatus sit. | Exj)licit in /aeharia p lib
.1 I Incipit in eodeni lil) .11. | AI) obscui-is ad (iKsciira' transinius.
& cnni I —
f. 224'' aquis | rigentur arua scientias (vi. al. corr. sicien-
[ tia) I Et factnni est nerbnm dni ad nie dicens. | Sunie a trans-
migrationc abboldai- & a tobia | & ab idaia. —
f. 241" i- translatus est. | Explanationuni in /.aeliaria pr |
j finit über sccundus. ine tcrtius. | Vrg& me frater sisinnlus •' in-
I compta & im|polita —
f. 242 uerboriun rabie consolentur. | Aperi libane portas
' tuas. & ignis comedat-* ce|di"os tuas. —
f. 257 de domo dni^ asseiunt auferenduin. | Exp] in za-
charia. propli | ineip profe nialachiae. | Ds'' p moysen popnlo
ilil praeceperat. sacer|dotes — coluerint. signitieant. | Explana-
tioniira. in malaehi | propli ad minerniuni et ale|xandruni. Lil)er
.1. I Ultimum diiodecini proph&aiu imdachi | interptai'i nohmnis.
cuiiis nom lxx | —
f. 257" puneta dicenda sunt. | Onus n(;rbi dni ad ilil. in
manu malaehi. | —
f. 270" helias quidem ueniet. k si | ereditis iam uenit. in
helia iohanne intellegens j Finit in malaehia prophetani. | 'Peo-
deratus peccator incoauit I et perfecit inl. SS -9)-" || '
' obscTirif)ra — -' ab Holdai — ^ Sisinins — ^ cnmpflat ignis — •"" Dei —
^ ? — "in laiidem sanctissimao Mariac
608 Reiffeischeid.
5. Die Bibliothek des Domcapitels in Novara.
Über die Dombibliothek von Novara vgl. Andres in der
oben angeführten Schrift.
Augustinus de genesi ad littertcni.
LXXXIII. 49. membr. 4. foHonim l-l.^. saec. X.
f. 1 Axireli Augnstini epi de genesi libri duodecim. ' | Dmnis-
diuina scriptura bipertita est, scdm j id quod dS signiücat^
dicens eribä ' eruditü j —
f. 10 non inutile est eruisse sententiam. | Explicit. Hb
priraus Incipit liber secundiis j Et dixit ds; fiat lirmamentum
in medio aquarum. —
f. 20*^ (xiii •'') nunc ad librum operis nri iam tertium
transeamus || f. 21 Explicit lib .11. Incipit liber tertius | Et dixit
ds; educant aque reptilia animarum uiuarum. —
f. 26^ quoque minima instituta credamus. an postea con-
sequentib; corruptibilium '' f. 27 datamq; ^ illi potestatem uel
dominandi uel edendi. subintulit de om|nibus; —
f. 27" quae secuntur in sequaenti uolmninae ptractemus |
Explicit lib in Incipit lib quartus. || f. 28 Et consummata sunt
caelum et terra. & oms ornatus eorum ; —
f. 41'' (xxvi '') ipso requiescere nullo eorü egente quo sit
beatior. Explc lib im. ! Incip lib quiutus | hie e. liber crcaturae
caeli et terrae ^ cum factus est dies. —
' Capitclzahlcn und Indices in W17. — - XXXIV 245 — ^ sigrnificavit —
4 scribam — '■> xviii — 6 3, 23 1. c. 288 — ^ 3, 3ß 1. c. 295. Vier
Blätter fehlen ^ xxxv
Die Bibliotheken Piemoiits. f)09
f. 52'' (xxviii ' conparatio sicut i se|mine arboris semen |
in ipso g-rano fuerunt | ea & in ipso mundo po|tcntialit & cau-
salit I fuerant omia que * | tepora exorta sunt'-^; |) ea quae se-
cuntur ab alio consideremus exordio ; | Expl. lib. v; Tncipit Hb
vi; I Et linxit ds honiinem piüuereni de terra et insuf'flauit in
faciem eins j —
f. 63 (xxxiii ■') si "conatuni nieuni diis adiuucrit sequcnti
uoliimine cxplicarc ciirabo | Explc lib vi. Incip lib vii. | Et
tin''xit deus hominem puluereni de terra et flauit —
f. 72'' (xxxiiii ^) a quo anibo discamus raecii ; requirat; Ex-
plicit Hb vii Incipit lib viii; | Et plantauit ds paradisuni in
e^den ad orieutem. -
f. 8(5 (xviiii ■"') ex uiri sui latere ereata in consequenti
sperandum est ] Explicit Hb octauus Incipit liber nonus. j Et
dixit dns ds non bonum est ee hominem solum faciamus —
f. 96 ut ea quae secuntur ab alio exordio renouent | in-
tentionem leg-entium Explicit libei' viiii Incipit lib decimus |
lam quidem ordo ipse uidetur exposcere ut de peccato primi
hominis —
f. lO'S'' (xxxvini'') concludatur ut que secuntur deinde ui-
deamus; Explicit liber decimus Incipit liber undecimus: | Et
erant nudi ' adam et muH er eins et h^ pudebat illos Serpens
autem | —
t". 110'^ tiam''. Quid ergo mirü si suo iustinctu diabohis
iam implens — f. 1 10^' uideant uniuersmn i>-enus | humanuni |
diaboli i"
f. 124 (XLiiii'i) etsi a paucis haec intellegerentur sicut
oporteret; | Explicit liber xi.mus. Incipit liber duodeciinus. |
Ab exordio scripturae scae quae inscribitur genesis donec liomo
primus de parajdiso —
f. 145'' adiuuante spvi sco aliquid ei '- ista lectione ,pficiet.
sed iam uniuersum hoc opus | quod duodecim uoluminib; con-
tinetur. isto tandem fine concludimus. | Explicit liber do gratias
amen ; | m. cd. aequali legenti Salus scribeuti pax. ||
» XXIII — 2 die Capitula andere als bei Mai PNB i 2, 123. Die Zahlen
stimmen überein — ^ xxix — » xxviii — '" xxvii — •"' xxvi — '^ nudi
ambo — ^ f. 110. 110» m. s. xi ergänzt — '•* 11, 4 1. c. 431 — '» H,
8 1. c. 432 — 11 xLii — 12 ex
610 Beifferscheid.
Augustinus in lohannis evavgelhcm.
XLVI. öS. incmbr. fol. ü col. foliorum 2(i7. saec. X. •
f. 1" Incipit sei augustin/// \ euangelio secimduni | iohan-
nem. incifj capit | ab eo (juod scriptum e. iu principio | —
VI De eadem rem | vii ab eo quod scriptum e. & ego uidi et testi]
moniü phibui quia hie e tilius di —
f. 2 Liii Ab eo quod ait ihs qui credit in me non crejdit
in me sed in cum qui misit mo. | liiii Incipit sermones sei
augustini epi a cena | dni usq: in Hne sermones euangeliü | se-
cundü iohanne | —
f. 2'' cxx De eo quidem et haec cum dixisset | dicit ' eis
sequere me usq: in finem || f. 8 Intuentes^ quomodo ^ audiui-
mus j ex lectione aplica quod animalif^ | homo non percipit
ea quae sunt sps di. et cogitantes ' in hac pre|senti turba cari-
ritatis urae haec | esse est ■' ut multi sint animales | quia hunc "^
secundu carnem sapiant | nondum quae possunt " ad spirital |
intellectum erigere haestito '^ ] uehementer quomodo ut diis | de-
derit possim dicere uel pro | modubj meo explicare quod | lectum
est ex euang | In principio erat uerbum. & uerbum erat | —
f. 6*' et dictum e. beati mundo corde qm | ipsi dm uide-
bunt. I Explicit sermo primus | Incipit eiusdera secund | ii De
eo quod scriptum e fuit bomo mis|sus a do cui nomen erat
iohannes '■' usque | ad id quod ait plenum gratia et ueritate. '" |
Bonum e frs kmi ' • ut textü diuinai'vi | scripturarü et ma-
xime sei euan|gelii in iUum '^ locum ptermittentes | —
f. 10 p quod possitis mare | transire. Omelia in. | —
f. 185" (liv) ut puenire | possim us; | Incipiunt sermones
sei I augustini epi a cena dni. usque | ad finem sermones euan-
gelii I secundum iohannem. | Caena '^ dni secundum iobannem
adiubau|te corr. m. al. ipso debitis e explicanda tractatibus. | —
f. 263*^ ut pro omjnib: pateretur oues corr. vi. (d. est factus
cxx I De eo quod dicit & hoc cum " dixisset | dicit ei sequere
me '■'' usque in finem "' {in mg. m. posf. In natl | sei iohis | apli |)
1 Diese Handschrift, deren Beschreibung durch ein Versehen hieher gerathen
ist, befindet sicli in Vercelli — 2 XXXV i:i7'.> — Intuens — 3 quod
modo — 4 cogJtuns — & necesse esse — '' adhuc — '' se possint —
s haesito — ^ Joannes etc. — '" gratiae et veritatis — " oin. — '^ nul-
luni — '5 Tractatus lv — '^ cum hoc — '^ nie etc. - "^ finem evan-
gelii. Tract. cxxiv
Die Bibliothokeu Piemonts. ' (J] ]
Non parua quaestio c. cur apostolo pctro | qilando se tertio
manifestauit discipulis | —
f. 2(i7 nisi euang-elista tcni)inaii|te cuang-elium suum etiam
i])so c(Mipol|lci'cr lucum tenuinare sermonem ; || f. 2()7'' Terrea
iuiii)iintiir superis — Vt dignus faciat ^^^^^ & satiat | Conpo-
suit stiellos rij)randus e\)H istos ||
AuGUSTiNi qtinestiones et locntioiies tu heptateuclmm.
LXXXII. -IS. iiieiiiltr. 1. folioi-urn 1 IS. sanr. X.
f. 1 Ex libro i-ctractatioiiü sei au^'ustini sp,cun|do titulo
Lxxx ' I Septe libros diiiinarü scripturarü itl (!st inoysi quinq.
et uno iTiii naue & altcro iu|dicü —
f. T' cum scrip|turas scas quo appellantur canonic*;. | Cum -^
scripturas scas que appcllautur canonicao leg-endo k cü aliis
codicib; | —
f. 25'' p quem factum est ut ingredcret. Explicite suut
questiones gelnesis incipiunt quaestioiies exodi i. ■' | De obset]-i-
cum ' mciulacio quo fefellerunt pliaraonem ne occidorent mas-
culos I —
f. r)o'' nubes | p diem flamma p noctem ; •' Explicit ques-
tiones exodi. I Incipit locutiones de genesi. | Locutiones '* scrip-
turarum (piae uiderit secunduui ^>prietates quae & ' idiomata |
greee uocant lingue hebreicae ul grece .i. | Et diuidant^^ inter
medium —
f. nO'' (ccvi.) solct 1 hoc facere scriptura. Explicit. Expli-
cite sunt lo|cutiones genesis. Incipiunt locutiones exodi. ■" | Quid''
est quod dictum est de obsetricib; | —
f. 66'' (cxLvi.) similiter ut | dictum est et '" fiiiis isrl. Ex-
lilicit locutiones exdi sie feliciter | Incipit locutiones libri leuitici ; |
.1. De leproso i' cum loquer&ur ait "^ immundus. Immundus uo-
cabit quasi non satis esset semel 1 dicere inmundus —
■-', 54. ö.T — 2 Aug. quaestionuni in lieptatcucliuin lilier i XXXIV 547 —
^ Quaestionum liber ii — ' obstetriciun — ^1. e. 657. Qiiaest. olxxvu
'de tabernaculo' fehlt in der Handschrift — ^ Loeutionum in heptateuchuni
über I 1. c. 485 — ^ ovi. — s Lncntioniiin über n — ^ Et invalescebant
vaide valde. Quid — i" de — •' Loeutionum lib. ii med, 1. c. 519 —
'2 ait et
612 * Reifferscheid.
1". 67'' septiens pro | omni numero accipiendum est. Ex-
plicit locutioues libri leuitici. | Incipit qiiestiones leuitici. j .t.
Peccauerit ' & audierit uocem iurationis et ipse testis fuerit
aut uiderit aut conscius | —
f. 87" ut & leuissima | quaeque formident '^. Explicit ques-
tiones libri leuitici | Incipit locutiones numerorum •^; i. et
uobiscü I erunt unusqiiisque secundum caput unius|cuiusque
principum, | ii. Filiis simeon —
f. Ol" (cxxiii) in lingua I latina quam in greca; Explicit
locutiones nume|rorum. Incipi sie questiones ^ j Quid est quod sin-
gulos de singulis ■' eligi iubet principes eosquae appellat | chi-
liarcos •> —
f. 105" ^ppterea de illis ciuitatib. '^ ] deuteronomii "^ | i. Vsq.
ad fluin magnü. flumen eufraten —
f. 108 Lxxv Letamini coli simul cu eo & adorent — non
facele sie in scripturis scis r inuenit. ] Explicit loquutiones deute-
ronomii. | Incipit questiones eiusdem. libri. '' | i. In eo quod co-
memorat moyses dixisse se populo. —
f. 121 (lvii) de diio intellegit | liguratum. | Finiunt quae-
stiones. de deuteronomio. | Inc. locutiones. de iesu naue '". j
1. Vos aut transibitis expeditiores —
f. 122" (xxxi) qua crebro intcurruut. | Explicit. loquutiones.
de iesu naue. | Incip. quaestiones eiusdem libri ". i i Diisdicitad
ihiTi naue & sicut eram cu moyse ita ero & tecum. non solü | —
f. 130" sed oiiis derelinq:|runt ^'^ non illis imputetur. | Expl.
quaestiones de libro. iü. naue. | Incp. locutiones de libro. iudi-
cum. I I. Et '-^ factü e qua." postqua defunt'ius '•'' e. ibs intro-
gabant —
f. 132" (lxhi) colünas super quas ! domus. coniirmata e.
super eas. | Explc. loquutiones. iudicum. | Inc. quaestiones eius-
dem libri '". I 1. In finem '^ libri ihü naue breuiter narrator por-
rexit istoriam —
' Locutionum lih. n gleich im Anfang 1. c. 516. Si autem anima peccaverit
— 2 Schluss von qnaestiomim lih. iii 1. c. 716 — ^ Locutionum lib. iv
1. c. 521 — * Qnaest. lib. iv 1. c. 717 — ■' singulis tribuhus — '^ y.Xiäp-
yoy; — " pulsns Sit add. — ^ Locut. lib. v 1. c. 5.S1 — " Quaest. lib. v
1. c. 747 — 1" Locut. lib. vi 1. c. 537 — n Quaest. lib. vi 1. c. 775 —
'2 me dereliquerunt — '^ Locut. lib. vii 1 c. 541 — » om. — ^^ dcfunctus
— 16 Quaest. lib. vii 1. c. 791 — ''' fine
Die Bibliotheken Piemonts. 613
f. 148" (i-vii) nisi audiendo. intelleg-cndo. ' discant. Amen. |
Expl. quaestiones. iudicura. do s^ratias | Lege feliciter et ora
pro me"^. ||
CoNCiLiORUM acta.
XXX. 66. membr. fol. t'oliorum 290. saec. X— XI.' _
f. 1'' Ordo hebraicaf littcraf cu intptationib. et intellectu
ear: secundü. ieron. | Doctrina Alepli | — sio-na Tau | Voca-
t'one epi littis debe fieri. | Ca]5 .xviiii. con. cartag. — xi. Da-
masi pp II f. 2 Beatissirao. siluestro in urbe roma apostolice
sedis antestite | constantino. aiig. & licinio caesare. consolatu
paulini. & iuliani uucc. anno | ab alexandro millesimo tricesinio
sexto. msc iunio. xiii kl iul. Propt insurgentcs | —
f. 2*" in exilio se j)testat I uicturiim. P^pistola aureli. et
mizoni. ad epos numidiae. et mauritanie j Dilcctissimis fratrib.
& coepis diuersarü prouinciaru niiniidie mauretaniae utrijusq.
tripolis & prouincia consolaris Aurelius mizonius. & ceteri. epi ;
ecclesiastice uti|litatis causa —
f. 3** praecamur ut recte accipi& | uiuendo illi placeant. ||
f. 4 Haec ista continent | i. Canones aplorü tituli. l — xliih.
Epla zosinii pape esicio epo j solitano salutem | Hie tencntur
prouintiae gallica | neq: ciuitate s gallicaui metropolis. | Pro-
uintia lugdonensis prima. | M&ropolis ciuitas lugduuensium | —
f. 4'' (Proü noue populano cquitanie .in.) Ciü elusatiü ||
f. 5' Incipit gregorii epi de lide nicena fides I conscripta aput
niceam a recte credentib.-| epis cccxyiii. | Credimus — aposto-
lica aeccla. Amen dÖ. | Amore catholicae fidei inductus iam
pridem aduersus arrianos libellü \ cdideram. —
f. 10'' ds dicatur j)pt diu. | et Homo ,ppt hominem. Con-
fessio tidaei catholicae qua | papa damasus misit ad paulinu
antiochaenum epm, j Post concilium nicaenum in concilio quod
in urbe roma postea congrega|tum e a catholicis epis. addidc-
runt de spii sco. quia postea hie error inoleuit. | ut quidain
ore sacrilego auderent dicere spm scili factum, ee. p filimn. |
Anathematizaraus cos —
' vel legendo — - Die eigenthümliche Verbindung der Quaestiones mit den
Loentiones blos in dieser Handschrift V — ^ Vgl. Maassen 1. c. S. '^^1
sqq. — '' Vorher ein Blatt ausgeschnitten, das erste des ersten (uummcrirten)
Quaternio
(314: Kei ffers ch eid.
f. 1 1 liaec sine | dubio credauius. | Dilectissimo fratri pauliin »
damasus. p filiuin meiim uitale ad te rescriptam | direxeram —
f. 11'' tribiiat exemplo. | OiiTs quos legere potiu qui ante
me scripsei'uut de trinitate quae ds e. diuiuo|rum librorum —
f. 16^ nee initium habet nee finem. Cuius .e liouor et e-loria
in scla sclorum amen. | Haec qui leg-is per dSin ne simplicitate
sensns in ambiguum torqueas. aut | — Nicaeni aut sinodi trac-
tatum omni animi nisu ex tota üde seruantes amplecta|mur.
hunc enim tractatü scimus contra oiiTs hercses inuicta ueritate
oppositii. Incipit textus. expositio iidei nicaene | Credimus —
apostolica aecclesia. | Haec est fides quam exposuerunt patres. |
Primum quidem aduersus arrium blaspliemantem — Biton et
• .'• I • • I 1 •!• papa ^ ^ , ,
nmcentius pori romaui | pro uenerabili uero epo nro subscnp-
simus. ita credentes sicut supra scriptu .e. || f. 17 Incipit dam-
natio arrii ex libro decimo historiae | aecclesiasticae eusebi caesa-
riensis initium et exi|tum arrii in concilio nicaeno in quo sederunt
epi .cccxviii. I Cum aput alexandriam post achillan qui petro
martyri successerat. —
f. 19 Quib. ita gestis de causa iidei ut coperant projse-
cimtur interitus arrii. | Incipit expositio fidaei catholicae sei
ambrosii epi. | Secundum sacramentum sei symboli di. de quod
nobis puro laetc doctrinae | —
f. 19'' omnib. liaeresibus quae p doctrina saue aecle catho-
licae docebit. | Explicit expositio fidei catholicae sei ambrosii
epi I calchedonensis || f. 20 Initium synodi calcaedonensis. exem-
plü sacrajrum litterarum quae misse sunt a xpianissimo | imp,
marciano ad oms epos ut ad niciam | conueniaut. | Victor ualen-
tinianus — leoni papac. et anatholio ej5s. Omnibus negotiis —
et qui fuerit nuntiatus. | Item exempla epistole sacre secünde
quae ^ missa e | scae synodo quem (m eras.) ad nicaea conuenit
de transeundo | ad calcedonam. uictor ualentiniafi et marc aug. |
Festinantes nos —
f. 20'' confidimus. Impr caesares ualentinianus — scae
synodo — est congregata | Et quidem per sacras litteras — remeare
felices. || f. 21 Ordo gestorum habitorü calchcdona praesentibus |
marciano et pulceria augustorum. | Pascasino lybitano — sub-
scripseruut; Cum per|uenisset —
f. 23'' dioscoro | anathema. Adlocutio imperatoris. — Ad-
clamatio. — Adlocutio imp | —
Dio Bibliotheken Piemonts. (515
}
f. 24 Incipit quue his pi-aesentibus cpis acta snnt ( in cal-
chedonensi concilio. I —
f. 25" Explicit oxpusitio iidei concilii | calclicdonensis.
Incipit actus synodi calchedonen|sis. quae congregata est .in.
id octobrs. | Residentib. lepis suprascriptis. —
f. 26" sententiain. Item calchedoncnses .viii kl | noiiemb
gesta hoc contineut. | Residet inipr —
f. 29 supra scripti sunt. | Explicit quae acta sunt ante-
quam aliqua iu calcedonensi | concilio statueret. adlocutio iinp
marciani. | Cum in sca —
f. 29" custodire. Expl allocutio imperatoris marciani. | In-
cipit constitutio ad synodum calcliedonense. \ Impr marcianus —
f. 30 cohercebitur. Data — Sporagi(j consule. | Incipit alia
constitutio diuae memoriae martiniani | in svnodo calcliae-
donensi. | Impr marcianus —
f. 30'' sperace | uc consule. Leo papa ad synodum cal-
chedonensem. | Omnem quidem —
f. 31 opilione uic consule | Leo papa anatholio ep6 pro
synodo calchedonensex | Ad declinandain — adelfio uic con-
sule. I Leo papa marciano aug pro concilio calehedonensi. ||
f. 31" Credebamus — adelfio. ug. sie cous. | Leo papa scae
synodo calehedonensi. ( Optaueram —
f. 32 adelfio. uc cons. | Leo marciano aug j)ro synodo
calehedonensi. | Sein clementiae —
f. 32" uc cons. | Impr marcianus aug palladio praef prae-
torii I Licet ^ iam sacratissima —
f. .34 anthemio uc cons. | Exemplum libelli eusebii ^^ epi
^¥: dorslitani qui datus j est synodo a^ quod a synodo constan-
tinopolitano. et sco j flauiano epo constantinopl. ubi eutiches dam-
natus est. | Domino — fiauiano — Optaueram non ita — sub-
scripsi. I Gesta contra Eatyclien pbrm. | Inter cetera gestorum —
f. 41'' Callenius monachus et archimandrita subscripsi. |
Explicit nomina episcoporiim. | Incipit relatio fiauiani epi enn-
stantinopolitani (i nJiima in ras.) | ad papam leonem de dam-
natione eutychis. | Beatissimo etc. Nulla res ( —
f. 42 clerü saluto. Incipit alia epistola | flauiani epi ad
papam leonem de eutychem. | Sco ffr. piae & recte —
f. 4.3 conturbaetur ecclae. | Explicit alia epistola fiauiani
epi constantinopl | ad j)apani leonem ntniauuni. [ Incipit epistola
616 Reifterscliei.l.
papae leonis ad flauianiim epiTi | constantinopolitanum de eu-
tyclicm. I Lectis —
f. 40 damnatur. et alia manu. | Tiburtius notarius iussu
domni mei uenerabilis [ papae leonis edidi. libellu^ appellationis
eutylches ad papam leonem. | Domino etc. lidei et | spei raeae —
f. 46'' manu mea. || f. 47 Hanc sequitur libeilus quem
dedit eusebius eps in accusa|tione eutiches flauiano qui iam
supra in capite releua|tus est calchedonensis concilii. exemplum
libelli I quem dedit eutyches pbr flauiano epo. uel syuodo. |
Contestor uos per dm — subscripsi. Exeplum contestationis
catholico et amore (amatori corr.^ \ xpi populo constantinopoli-
tano eutyches pbrt. j —
f. 47'' Ex patrum testimoniis quae pro se proposuit eu-
tyches I iuli epi romani ad presbiterum dionysium. | —
f. 48 Que pro se optulit eutyches ad eos qui scdm diuiua
e incarna|tionem uerbi disputant sub oecansione indiuidui | —
f. 4(S'' Sei athanasi epi alexandrini tractatus siue praecepta |
de iide quae pro se protulit eutychis. prolatum ad tes|timonium a bea-
tissimo epo eiusdem ciuitatis cyi'illo | contra libellum theodori. | —
f. 49 Sei greg'orii epi maioris pars dictorum quae pro se |
protulit eutyches. | Epi g-reg-orii nanzanzeni ad cledoniuin ex
his I quae pro se protulit eutyches. | —
f. 49'' Iuli epi romani ad uniuersos epos catholicis | quae
pro se protulit eutiches. | —
ihid. Iuli epi ad prosdocium quae pro se pi'otulit eutyclies —
f. 50 Petri epi et martyris de doitate | libelli (juae ex
his pro se protulit eutyches. —
ihid. Felicis romani eps et martyris ex epist (juam ad ma-
xi luü epTii uel clerum alexandriae ciuijtatis misit quae ex his
pru se protulit eutyches —
ihid. Exemplum epistole synodi habite ruma | quae ex his
pro se allif^'aiieri eutyches. | —
f. öO'' vSci caelestini epi romani | missa nestorio quae ex
ea protulit eutyches. —
ihid. Sei caelestini epi romani ad ehu-um constantinopl j
quae ex ea pro se protulit eutiches. —
f. öl Statuta, synodus ephesene contra eos | qui praesu-
munt docere aliut aut scribere contra statutü | synodus nichciu?
(juae ex his pro se protulit eutiches. | —
Die Hilpliotliokcn I'icinouts. (317
)
ibid. P^pistola thoodosi impr ad dioscoi'uin epm | pro con-
greg-auda synodo epliesena. || f. 51'' Incipit post episcoponnu
nomina initiuin synodi. ! —
f. 52 Constitutio imperatorum | theodosii et ualcntiniaiii
dioscoro eps. | —
f. 53 Sacra imp theodosi et ualentiniani ad proclum | pro-
consulem. | etc. int cetera et ad locn propterea et helpidiü j —
f. 53^ praecipimus ; helpidius us com dix. Nunc iubete —
f. 64'' Et eusebius eps dix, etc. \ Et urchieps ei interro-
gatione sie dicit. haec quae illi obicit accusator || f. 65 Niliil
me conting-it actorum propter dm — dicorus eps dix. mani-
festatis | quae lecta sunt. —
f. 67 Thalassius eps & c&eri similia pronuntiarunt. Incipit
libellus I appellationis flaniani epi const ad papam leonem. | —
f. 68'' Explicit libellus appellationis flaniani epi constanp |
Incipit libellus appellationis ad leone papam eusebi dorsjleo-
rum accusatoris eutychen archiniandrite. | — ■
f. 69'' Expositio fidei | sei calcliedonensi concilii facta a
patribus. | —
f. 70 Incipit responsio sine adlocutio sei et uniuersalis |
calchedonensis concilii habita aput marcianum | uenerabilcin
principem. | —
f. 72'' Incipit testinionia scorum patniin cpii duas natu|ras
in xpo proiessi sunt.
ibid. Sei Basilii ex bis quae contra Eunomiuni scripsit
ibid. Beati Ambrosi ex bis quae scripsit ad i;r:itiaiinin. |
iiujx'ratorem.
ibid. Sei gregorii ex epla ad cledonium
Eiusdem gregorii ex secundo sernionc^ de tilio
kSci atbanasii ex bis quae scripsit aduersus liereses
Ampbilocbrii epi iconii | de explanatione euangelii
scdm iohanneni.
Antiocbi epi optolomaidis.
Flauiani epi antiocheni in epipbani_a
Sei iohannis epi constantinopolitani de explanatione ||
f. 73 euangelii scdm iobannein. |
Attici constantinopolitani epi ex epla ad eupsycbium.
Beati procli ex sermone. puer natus est | nubis filius
et datus est nobis.
618 Reifferscheia.
Beati cyrilli ex epistola ad nestorium.
Eiusdem ex epla ad iohanne | antychenum epiTi de-
stinata.
Item eiusdem j epistola ad successum dioeaesarien-
sis epiTi.
Eiusdem ex epistola ad beatum iohannem directa
f. 73'' Sei iuliannis de explanatione euang-elii scdm ma-
theü. I Explicit adlocutio seu responsio | sei calchedonensis con-
cilii ) cü subiectis testimoniis patrü. | Incipit epistola sei procli
constantinopolitani epi | directa uniformis ad singulos occidentis
episcopos. ! —
f. 75'* Explic epistola sei procli constantinopolitane urbis
archiepi. | Incipit sei innocentii epi maroniae de his qiii uiium
ex I triuitate uel unam subsistentiam seu personam dnin | nrili
ihm xpm dubitant coniiteri. |
f. 76^ Ex sermone theodori mampsuestene ciuitatis epi. |
f. 77 Ex sermone nestorii quondam constantinopolitani epi
Item eiusdem nestorii
f. 77'* Eiusdem nestorii.
Ex epla iolis antiocheni epi nestorio destinata
et haec quide epla ioliis antiocheni epi nestorio directa testat.
Theodori mswnpseustini epi.
f. 78 Item in aliis.
Sei procli ex epla prima ad armenios destinata
f. 78'' Eiusde sei procli ex epla ad armenios destinata
It eiusdem ex libro tertio de fide.
It eiusdem sei procli ex sermone de lide
f. 79 Beatissimae corr. papae leonis ex epla ad iulianü epm.
f. 79'* Explc sei innocentii epi. | Incipit exempla (r add.)
scbrum patrum quod unum quem|libet ex beata trinitate dicere.
Sei aug-ustini epi | de libro imdecimo expositionis
p-enesis ad littera.
Eiusde sei aug'ustini ex libro secudo sie de trinitate
Item ex eodem libro
It ex eode libro secundtK
Tt ex eode liltro .ii.
1. 80 Eiusde ex libro ttio de trinitate.
Eiusdem ex libro (|uarto d«- trinifntt;
Itfiu ex eodem libro
Die Bibliothckfii Piemonts. 619
Eiusclem ex libro sexto de trinitate
Eiusdem ex libro sextu dv. trinitate
Eiusdem ex libro septimo de trinitate.
Eiusdem ex libro octauo de trinitate.
Eiusdem ex libro duodecimo de trinitate.
1". 80'' Eiusde ex libro quarto decinuj de trinitate.
eiusdem ex libro quarto decimo de trinitate.
eiusdem ex eodem libro
eiusdem ex eodem libro
eiusdem ex eodem libro
eiusdem ex eodem libro
eiusdem sei augustini | ex libro enchiridion ad lau-
rentium destinato.
eiusdem ex libro de perseuejrautia uel praedestina-
tione seeundo.
Eiusdem ex libro decimo de ciuitate di
1". 81 Eiusdem ex libro .xi. de ciuitate di.
It eiusdem ex eodem libro .xi. de ciuitate di.
Ite eiusdem ex eodem libro .xi. de ciuitate di.-
Ex libro .n. sei aug-ustini contra nuiximinü arriano-
rum epni
f. 81'' Item ibi post paululum.
Item eiusdem ex eodem libro.
Sei ambrosii epi mediolanensis | ex sermone luitalis dni
inter cetera.
Item eiusdem deexpositione euangl scdm luca.
item ex eodem opere.
f. 82 Item eiusdem ex eodem opere libii si-cundi.
Et post aliquanta
Item post aliquanta
Et post paululum
f. 82^^ It eiusde ex eode libro .11.
Et post aliquanta
Ex eodem libro circa fine
Item ex libro quarto ipsius operis
f. 83 Ite eiusdem sei ambrosii ex libro de iucaniatione dni
Item ex eodem libro
Item eiusdem ex primo libro | de fide ad gratianum
imperatorem
Sitzl). d. iihil.-hist. (1. LXVIII. B.l. Ul. Hit. 40
620 Eeifferscheid.
Eiuscle ex libro secundo de fide
f. 83'' Et post pauca
Eiusde ex libro tertio de fide
Eiusdem ex libro qiiarto de fide
eiusde ex libro quinto de fide.
It eiusde sie ex hymno uespertino
t". 84 Sei hilarii pictauiensis epi ex libro priiiio de fide
contra arrianos.
Eiusdem ex eodem libro
Eiusdem ex eodem libro
f. 84*^ Eiusdem ex eodem libro
Eiusdem ex eodem libro
Eiusdem ex libro secundo de fide
Item eiusdem ex eodem libro.
Eiusdem ex eodem libro secundo
f. 85 Eiusdem ex libro secundo
Eiusdem ex libro secundo
Eiusde ex libro tertio de fide
Ex eodem libro
Eiusdem ex libro quarto de fide.
f. So"" Item ex libro quinto de fide
It ex libro sexto de fide.
It eiusdem ex libro septirao de fide.
Ex eodem libro.
It ex eodem libro.
Item eiusdem ex libro octauo de fide.
f. 86 Ex eodem libro
It ex eode libro
It eiusde ex libro nono de fide.
Eiusdem ex libro decimo de fide.
Ex eodem libro decimo de fide.
f. 86^^ Ex eodem libro
ex eodem libro
ex eodem libro
eiusdem ex eodem libro
Item eiusdem ex libro undecimo dt; Hde
Item eiusdem ex libro duodecinio de fide
Eiusdem ex eodem libro
Eiusdem ex eodem libro
Die Bililiothekpu Pipuinnts. 621
Sei cypriani epi cartluigiiKinsis et iiiMrlyris du cpla |
qujio praenotatur de patientia.
t". ST'' Et post paululuin
f. 88 Et circa finem ipsius epistolae ])ouit et dicit.
Sei athanasii epi | alexandrini ex epla adhelphio
epo destinata.
Eiusdeni sei athanasii.
f. SS"" Eiiisdem ex sermone contra arrianos
Sei greg-orii nanzazeni epi ex libro aj)<>logetiei.
Ite eiusde ex eodem libro
Eiusdem ex sermone natalis dni.
t". 89 Eiusdem ex eodem sermone
Eiusdem sei gTe°°rii ex sermone euius | titulus et de
luminibus. id est de epiphania. |
Et post paululum.
Sei basilii epi caesareae cappadotiao ex opuseulo j ad
amphilochium epm.
f. 89'' Eiusdem ex epistola ad fratrem suum
Eiusde sei basilii ex sermone de fide.
Item eiusdem ex sermone de incarnationo dui.
Sei gTegorii niseni epi ex epla ad ablabiuiu.
Eiusdem ex libro catechetiei.
Eiusdem ex eodem libro.
ihid. lam non uerebimur — f. 90 c^adem inueniamus & in
uort)o. quod et haec re|gulae posteas .s-i^V, quidem probantur ee.
quae aput ancyrä uel cesarea exposite st. | Scd nicacnis anteriores
re]jperiuntur. | Incipiunt nomiua aepÖrum coneilii eangrensis |
Eusebius — Ypagius | et eieri qui eonuencrunt in cangrense
coneiliii in diio salutem. | Qm conueniens —
f. 90*" susceperit obseruandü. | Haee autcm seripsimus —
fieri exoptamus. || f. 91 Explicit synodus eangrensis. | Inciiiit
concilium anthioeenum. | Sca & paeatissinia synodus — bis (pii |
p singulas prouineias sunt. — salt | Gratiae ucritas — Sunt aut
j pfiniti canones aecclastici qui intVa seripti sunt in qua sy|nodo
j fuerint | Eusebius. j — Eustasius | Incij)it praeeeptum papae
felieis | Praeeeptum pap(; felieis morientis p quod sibi l)onifa-
cium arehidiaeonuni | suum poste subsistuere sie eupiobat. Dilee-
tissimis cAc. De^ q^ete ura & paee —
1(1*
622 Reifferscheid.
f. 91" conuenit ,amoueri. ExpHc contestatio senatus. | In-
cipit libellus quem dederunt pbri .lx. | post mortem dioscoi'i
bonifatio papae | — Quales libellos dederunt epi greci pro excessu
acacii. | —
f. 92 Explieit exemplum libellorum a g-x'aecis | datorum.
propter excessus aeaci j Incipit nomina concilii. uniuscuiusq.
I Inprimis. eoncilium. apostolorum. — x. Conciliu. car*"gi"euse ||
f. 92'' Post paululum uero tempus imperator constantiiiopolim
uenieus. indi|gnatur ob ordinationem facta arrianorü episcopo-
rü. Constituto eoncilio | — uesaniam | repedaret. | Epistola
concilii antiocheui de fide. nos neq. sequaces arrii fuimus. quo-
mo|do —
f. 93 iugit. e. comota. | Quae uero sardicae gesta sunt
concilii littere clarius edocebunt. | quas j)pt —
1". 96'' sed &iä eruditionem dispensationis explajnaiierunt ||
f. 97 Item caelestini pape ecclae | romane data ad sinodü in
helfeso constitutam. | Sps sei testatur praesentia congregatio |
sacerdotum. Certü. e eni qd legim'. —
f. 97'' securitat decretum. | Explc. | Item alia epla cae-
lestini I pape ad nestorium. | Dilectissimo fri nestorio celesti-
nos I aliquantis dieb. uite nrae. post nefandu | —
f. 99'' testatur. Et alia manu ds te incolumem custodiat
trat knie | Data .im idus augustas theodosio || f. 100 xiii. et
ualentiniano .ui. | aug conss. explieit. It incipit | alia epla exor-
natoria eiusde | sei epi caelestini ad constan|tinopoli clero et
plebi missa. i Caelestinus etc. Ad eos mihi | qui faciunt —
f. 102'' communione deiectum. || f. 103 In nomine dni | liic
habcntur concordia canonum conciliorü | infra scriptorü et pro-
sulü romanorum. id est | Canonü apostolorii | — Et gelasi | Ex-
plieit adnotatiü canonum scorü patrum | Incipit praefatiij | Diio
uere sco semperque beato ponti|tici libcrino. Crisconius xpi
famulorum exiguus ; Uri sacerdotii incomparabile decus quo
fidei puritate. ac uite j —
f. 103'' uenia dones. | Ora pro me meiq. semp memento
pontifex do digne. | Finit prefatio j Deinceps succedunt capi-
tula. I I. De ordinatione epi | in canonibus apostolorum. caj} .i. |)
f. 104 Concilio niceno. titulo .im. | — Concilio cartaginense.
titulo .XVII. I —
Die BibliothpVpii Piomonts. 623
f. 11;')'' (■(•<■. ut opi o\ clci-iei nnn oi-diniMitiii- nisi oms
suos focorint xpi|anos | Concilio carta£>-im'ii.si. litulo. iii. | Expli-
ciiint capitula. || f. 116 Domino uencrando mihi patri stephano
archiepo. dionisius | cxiguus. in dno salutcm. ! Qnaniuis carissi-
nins fratcr nr laurentiiis assidiia & familiai-i — facilc inueniat.
Ora pro nobis uenerabilis pater. Explicit ])raefatio .i. j Incipit
I praefatio .11. | Diio beatissimo papao hormisdo dionysius exigims
scorum pontiiicü | regulas quas ad uerbuni digei-ere iifa beati-
tiido de greco me conpellit eloqnio. || —
i f. 11(1'' orientales quaesiuit agno.scere. Explicit praefatio. |
t Incipit praefatio nicaeni conc alia. | Concilium sacrura uene-
1 randi culminis — dulcia melk flu&. Incipit tides niceni con-
I cilii. I Quae facta est apiid uiceam — alexandri. dcxxxvi. ah
I uniuersis epis dictum e. Credimus - aecchi. haec est fides
1 quam exposuerunt sei patres. || f. 117 Primum quidem aduersus
j arrium blasphemantem & dicentem creaturara [ ee. filium di. —
propterea quod occidentales non similiter quaestiouem de here-
sibus I habuissent. |
+ Nouariae' natus. papiae inoenibus altus.
Vrbe uelut potui doctor utraque fui.
Me rex otto potens franco* duxit in urbe
Qua legi multos mente uigente libros
Hinc me digressü propriü suscepit alünum
Virgo Salus mundi. mater et alma dei.
Protinus amissa studiu sie reparare sophia
Erudiens pucros instituensq; uiros.
His igitur cunctis xpo tribucnte peractis.
vSum puluis modicus iussit ut ipse deus.
Quisquis hac graderis stephani memor esto iacentis
Ac sihi posce poli regna heata dari.
Zeile leer
Insuper adde die quae contulit ultima tinem,
Zeile leer \ Zeile ausrndirt
Haec - si scruteris hinc mage cautus eris.
Dictus uoce leo pectore niitis homo.
Extitit ipse meus genitor sat corde benignus
Custos atq; sui ualde tidclis heri.
• Nouariae — dari m. cd. — - Haec — quiem wieder von einer anderen Hand
624 Keifferscheid.
lani süle nouas ritu perag'ente kalendas.
Annosae carnis mole solutus obit
Qui leg'is liunc elegü rege deposce supmu
Quo sibi caelestem douet habere quiem. ||
f. 118*Incipiunt tituli canonum apostoloruin. | i De ordi-
natione episcopi |
f. 118'' Incipiunt tituli canon. niceni concilii. | .numero. xx.
f. 119 Incipiunt tituli canonii ancyrani concilii num xxini
Tituli canonum neocaesariensiii concilii. numero xiiu
f. 119'' Tituli canouii cang-rensis concilii. numero xx.
Tituli canonii anthioceni concilii numero xxv
f. 120 Tituli canonü apud laoditiam phrigiae consecrati |
numero Lvmi
f. 121 Incipit canonü concilii apud constautinopolim con|
gregati numero. in |
Tituli canonum calcedonensis concilii numero xxvn
f. 121'' Tituli canonum serdicensis concilii numero xxi.
f. 122 Tituli canonum congregati apud cartag | numero xxxiu
f. 122'' Tituli canonü diuersorü conc afric prouinc num. cv
f. 124 Incipiunt tituli decretorü papae siricii num. xv.
Tituli decretorü papae innocenti. numero. lvu.
f. 125 Tituli decretorü papae zosimi numero. nii.
Tituli decretorü papae bonifatii num. im.
Tit decretorü papae celestini num. xxii
f. 125'' Tituli decretorum papae leonis numer xlvuii.
f. 126'' Tituli decretorum papae liilari.
Tituli decretorum papae simplicii.
Tit decretorum papae felicis
Tituli decretorum papae gelasii. numero .xxvni.
f. 127'' Titul decretorum j^apae anastasii. numf .vni.
Titul decretorum. suramachi. corr. numef .v.
Item tituli eiusdem concilii.
f. 128 Tituli decretorum papae hormisdae.
Tituli decretorum papae gregorii iunioris.
— XVII de coma clericis^x relaxanda^ || f. 128'' Primus
npHca canon documenta ministrat. | — Ultimus angelico te
psonat afFrica sistro. j| f. 129 Incipit canones apostolorum
de ordinatione cpi. | i EfS a duobus. aut tribus epis ordi-
netur, | —
Dio Bibüutlieljeii Pieiiumts. 625
i. 175 (fvii) pro nut) custodiut (lue trat. | Kxplit-it atVi-
cani concilii. Iiicip cpla decretalis papau siricii. \ Siricius liiine-
rio epo taraconensi salnte. Directa ad decessorc —
f. 218'' (xxviii) haec piitauorit 8uppreiiionda j Dat. id mar
astcrio. et pracsidio. tiu css. Explicit decre|ta papc anastasii.
urbis runiu ad iinp anastasiü pro paco | ecclosinrum | Glorio-
sissiino etc. Exordiü poiititicatus —
f. 232'' anno secundo indictionc .im. | Expliciunt coustituta
papae g-rogorii. sub | anathemate intcrdicta. || f. 23,'3 In xpi
nom incip textus canoü penitentiae qualit in ancyra et ccsarea. |
seu et per plures prouincias per scs patres instituta st. lxxxiiii. |
Incip coucilivi eorü. qui in ancyra et caesarea expositi st. ni-
chenis priores | inueninntiir. caj5. primo. | Pbr si uxore duxerit —
f. 275'' constantino aug-usto .in. pi-isco eonsulis || f. 276 '
Capitulo primo j Ds omps hominem sine peccato rectum | cum
libero arbitrio condidit et in pa|radiso ])osuit — (im) sed si |
non bibitur non medetur. | Reg'nante diTo uro ihn xpo. anno |
dcccLv. ab incarnatione eins. | gloriosissimo hlothario impere
I XV. I indictione .ni. mse. iaii. vi. id ei'de [ mensis apud urbem
j ualentianä in domo | basylicae sei ioli adiacente. — piaetate.
i adnotare. | k. i quia doctorem gentiii —
; f. 279'' (xxii) Operarius cibo | suo. placA.- firmatü. | Per-
{ uenit etiam ad nos nimis dolenda | et lugubris querella ecclc
I uienneusis [ p uenerabilem fratrem et coejTm nrm | agihnarum. —
i f. 280 auctoritate mujniri. Exemplum legis de contir|ma"do
i iudicio episcoporü | Imperator constantinus augustus || f. 280''
i ablauio prefato sie pretorio, | Religionis — sententia deciderit. Cap
; legis gondo|rade. | OiTTs omnino cause que infra .xxx annos ( —
j subnotare credidimus. | Cap. i | Sicut frequentibus sinodis
auctoritate | —
f. 281'' (im) tenere eligat. \ Hie desunt cap. tria. viii. |
Item quia parrochales pbri grauissime | — ullo modo psuman-
tur. He'' uero q secunjtur domnus apostolicus nobis rescri|bere
curauit. Nosq. lothario regi cü | aliis quam plurimis capitulis de
pseuti I sinodo dirige'"" curauimus. Cap. i | Requiritis enim si
dimissa uxore —
' f. 27C^ — 2S2 (ein Qvxaternio, dessen letztes Hl;itt f'clilt) in die Mitte eines
anderen Quaternio (f. 272—275. 28.3— iSG) eingeheftet, f. 283 u. s. w.
sollte nach f. 27 h folgen
626
Rei ff erb che id.
f. 282 (n) omni modo se abstineant | Cap ii. Inseruntur
in cang concil. | JStatuimus ideo ut nulhis de ordinib; cleri|co-
rum — penitus maneat. ] m. al. Incipit synodus habita fancia. |
tempore doni hlotharii. impi's. | pro edificatione noue rome
Cap .1. Quia diuina pietas uos & karissimii filiü nfm | —
f. 282'' (xiii) j) nris peccatis exorandum censemus.
haec st nomina eo^ qui in italia beneficia liabent
rataldus
Isti nihil habent in italia.
In p'ma scara st missi
reinboldus
harduicus
Aqn'
Ebrardus
eber'^ardus
amolo
Sigericus
Uuito.
Beringarius
agilraarus
heribt'
Liutfrid
liutfridus
audax
heimeric'
^ adalgisus
humfridus
lieirainus
Milo
signiferi.
hrotfridus
Boso
Imcbold
bernardus
teotboldus
uuilelmus
De comitib;
Albericus
fulcradus
ioseph.
Gerardus.
& bebbo.
Cunibtus
erlardus
Aldricus
lu scda scara st missi
bodradus
dauid
Fulcrad
Uuito.
hilpericus
ebo
Ottran'
et adalbtus
bebo
hartbert'
Erraenoldus
Signiferi.
grozmannus
riconsind.
Albei-ic' filius Unicfredus
meinardus
remigius
beieri
Et auträn' comts
teotgaudus
Arnulf US
lieribrandus
. eicardus
Odolricus
farulfus
engilränus
hilperigus
et tresegius
In scara francisca sunt mis
gerardus
fulcradus
et ermenoldus.
Signiferi.
beieri
Arnulf US
hucboldus.
Aqn'
et sigiricus.
f. 283 vier Zeilen ausradirt Incip de lib regulo pasto-
ral is sei
gregorii pape
urbis rome scripta ad iohm ei5m Pasto-
ralis cura me pondcra
fugire delitiscendo uoluisse | — j
Dio BililioHifkcn PieinoiÜK. (»27
f. 285'' paiilu hitiu.s rc|)l'u'aii(l() discrani'. | liKvij)it dv
baptismi ofHo corr. m. cd. \ \ mistici' scnsib; coruin qui
auctorib. noniinatis^ desig-natis & de ordinc ucni|cntiiim ad
tide. oi'deq. mistciii. | De caticuinenis ysidori. in libro ofticioru, |
Caticuininis. qui priiuü de gciitilitate ucniuut. habentes uolun-
tatc in xpo & qa | —
f. 288 (Cyprian'.) Abrcnunci*. abalien*. ul aucrtat aucr-
tit excludit. Explicit. | de über officiorum. | Saccnlotes et pon-
tifices unde et romani imperatores ponti|fices dicebantur uates
^ uisione 7«. nl. ^
aut mentis appellat. cui'. sio'nificatio multiplex .e. j na iikmIo
sacerdote. modo ,pphctani modo poetam sig-nificat. antestis sacei'|
dos. X dict'. ab eo qd antestat. | Cerus sie & clericos hinc appel-
lat'. quia * mathia sorte electus .e. quo primu ab | —
f. 288'' Antea li pontifices. & reges erant. || f. 280 Ilace
sunt capitula constituta in synodo quae per di gram apud | me-
diolanum in domo episcopii residente beatissimo. tadone arclii-
epo I cü reliquis coepis caelebrata est anno domni hludouuici
serenisjsimi impfis sini. mense octobrio. indietione .xii. | Cap. i.
Sepe constitu e ut plebes per idoneos rectores iierent. Ordi-
nate I —
f. 289'' (xiiii) ,pprio epo nunciare procurent. | Tado gra
di raediolanensis primas pfui. & sb. Agano berg-ainsis eps. sb.
Benedict'. | cremonensis eps. sb. Egilulfus astensis cps. sb.
Adalgaud uercellensis cps. sb. | Druetemirus nouariensis c]^
intfui. Igidulfus albingancnsis eps. sb. || f. 290 Stadclbcrt'
uadensis eps. sb. Rapt' laudensis eps sb. P&rus ianuensis eps sb |
Ragauo eps aquensis intfui. Antonius brixcnsis cps conscnsi. ||
4
LX5I. 131. luembr. 4. foliorum 212. »aec. X.'
f. 1 m. s. XIV de utilitate peneccac | In nomine dni | Ke-
uerentissimo in xpo fratri ac filio lialitgario | cpo. cbo indignus
eps salutem. Non dubito tue | ignotum .ec. caritati. —
f. P resplendeat pectora. | carissime fratei'. ualete. | Do-
mino & uenerabili patri in xpo. eboni archiepo | halitgarius
minimus xpi famulus salutem. | Postquam uenerande pater di-
rectas bcatitudinis 1 —
1 Vgl. Maassen 1. c. 391
628 ■ Keifferscheid.
f. 2 meae ignorantiae difticultas. uul&c. | lucip praefat.
de peniteiitis utilitate j Quamuis origiualia iu baptisinatis mii-
nere gra|tia —
f. 6 non ualent capere potent prodesse. | Incip Hb primus
feliciter de octo prin|cipalib; uitiis et unde oriuntur. | A para-
disi gaudiis postquam expulsiim est gen' | —
f. 1^ siibsequens meror pascit. | Tristitia quoque ad auaritia
diriuatur | i Quia dum confusiim —
f. 17 (xvii) donante dno plenius disputemus. | Incipit liber
secundus | Superiore libro rationeni — colligere | curaui. Inci-
piunt capitula libri secimdi | i De uita actiua — x de tempe-
rantia. || f. 17'' De uita actiua | i. Actiualis est uita conuersatio
religiosa quae do|c& —
f. 23'' insequentis operis libcllü insereudu. | Explic. lib
secundus de uirtutib; IncijS lib | de ordine penitentum. capla
lib. tertii, | i Ut penitentiae tempora iuxta qualitate peccati de-
cernant. 1 —
f. 24 XVI De epistola sei iacobi. iu qua pro intirmis orare
pcipitur j & unguere oleo. ex concilio africano. cap .x. ut peni-
tentiae I tempora — decernantur | i Penitentibus scdm diffe-
rentiam — ■
f. 26^ (xvi) putatur pos|se concedi. Explicit liber de or-
dine penitentis | Incip liber quartus de iuditio peniten|| f. 27
tiura laicorum | Saue quia liuore inuidiae. — capitulis inuenia-
tur. I I De homicidiis sponte commissis, | — f. 27'' xxxii Q.uod
usuram laici xpiani. exigere non debeut, {in mg. ex eoncl anci-
rani cap xxi) | de homicidiis sponte commissis. | i Qui uoluutariae
homicidium | fecerunt. —
f. 32 (xxv) ut omnis peccandi opportuni|tas adimatur. huc
usque de criminibus laicorum | quemadmodum in canonibus
contine^t collectvi .e. | nunc uero a iudicia clerico* est. trans-
eundü. | Explicit libellus de penitentia laicorum felijciter. Inci-
piunt regule de ministris eccle|sie si deuiauerint canonice pro-
late. I Capitula libri qünti. | i De pbris qui uxores acceperunt
uel fornicati sunt. | —
f. 32'' xvnu Luctuosa disscriptio carnaliter uiuentiü sacer-
dotum. I I De pbris qui uxores acceperunt — sunt. | i Praes-
biter si uxorem acceperit ab ordine deponatur. (in mg. ex
concil neocesarense) —
Die Bibliotliekeu Piemonts. 029
f. o7^ (xviiii) & ab ipsa intolerabiliu mihi sollicitudinü
tempestate. | Addidimus x-iani operi excerptiouis iirac peuitcn-
tiale I romanu altcrum quem de scrinio romanü ecclesiae | ad-
sumpsim'. — adtamen a quo sit editus. ignoraui', —
f. 38 in|ueni& explicata. | Quotienscumc^; xpiaui ad pcni-
tentiä accedunt —
f. 40'' pi&atis absoluat p [ Si quis ejTs aut aliquis ordi-
natus homicidiii fecerit. | —
f. 47 egit pcnitentiam potestate habet. | Incipit intcMTOi^-atio
ad confession danda. | Frinuun interrog-es ei —
f. 48'' adhere maudatis. p | Reconciliatio penitentis. ad
morteui ! Maiestatem tuam diie suppliciter —
f. 49 pfec|ta reparentur. p diim. nrm. ihm. xpTii. etc. amen. ||
f. 49'' In nomine dui j hie habetur eonlcordia canonum | con-
ciliorum infra scriptom & praesulum romano|nim. id est canonum
apostolorum. — gelasii | Explicit adnota|cio canonum scorii patrü |
Concilium sacri uenerandi. culmiua iuris. | —
f. 50 hoc sale conditus. dulcia mella fluit j Expliciuut
uersi do gratias | Incipit pi-efatio Diio uero sco semperque
beato pontiiici liberino. | crisconius xpi famulorum exiguus. uri
sajcerdotii incomparabile decus quo fidoi purijtato —
f. öP ueniam do|nes. ora pro me meiquae serap me-
mento pontifex do digne. | Finit prefatio | deinceps succedunt
capitula | i Do ordinatione epi in canonibus apostohjrü titulo .i.
— concilio carthag. titulo xvii | —
f. 67'' ccc. Ut epi &-clenci non ordinentur uisi oms suos
fe|cerint xpianos. concilio cartliaginensi. titulo .in. [ Expliciunt
capitula. Incipit über canon africana. | Qui eps ordinandus
est. ante examiu&ur. si | natura prudens est. si docibilis. si mo-
ribus I —
f. 68'' diffinitionibus adjquiescat. | i. De (jrdinatione epi
in canonibus apostolorü | titulo .i. eps a duobus —
f. 98'' (xLiin ex decretis pape leonis. tit .in. et nu [) ut
quod hie misericorditer tribuimus al) eo dno || f. 99 (i^ni) lio-
noribus arbitremur. quorum laicos inperfectos ut dixi | —
f. 169 ccc. concil. carthag. tit .ni. ] Ut epi. & pbri. & dia-
coni nun ordinentur prius|quam oiiis qui sunt in domo eorum
xpianos ca|tholicos fecerint. Explic. Incip termin' tidci. | Cimcilii
calcedonensis. Dns noster. & saluator ihs xps noticiam lidei j —
630 ■ Rpifferscheid.
f. 169'' quae apiid cfesuin i)lini | facta est sca synodtis
cuius praesicles fuerant scae. | Breuis adnotatio capitiüorum in
quibus consti|tutiones conciliom magociacense & remis & | ca-
billione & turonis & arelato g-estorum con|cordant. & in quibus
unumquodq; proprias consti|tutiones habeat. Quomira nomina
propter compe|diura scribendi tnis litteris notata sunt ut ex
illis nomi|| f. 170 nibus et numero eapitulorü qui eis adiunctus
est faci|le inueri possit. In quibus locis comunia in quibus |
propria statuerint. & magontiacense concilium. | Per inog re-
mense. per rem. gabilli|onensp. per gab. turonense. per tu? |
aralatense. per arab desciptur. | De iide catholica. mog. cap .i.
rem .i. gab. xxxvii. tur. xviii. arl .i. | —
f. 173'' Ut unusquisq; eporum semel in anno circumeat
par|rochiara suam. arel. caj5 .xii. | Praefatio concilii eporum. |
mogontiae liabito. | In nomine patris. et filii et sps ] sei. glorio-
sissimo & xpianissimo imperatori Karo|lo. augusto —
f. 175 p|maneat in oins aeternitates saeculi. amen. | de
Iide catholica tirmiter retinenda. | i Initium enim actionis nrae
de fide esse decreuimus quae | —
f. 184 (lvi) districtiono fieri. | Facta est aut haec synodus
in ciuitate mogoncia in | claustro basilice sei albani martyris.
Anno dni. | dccc.xiii. Indictione. v.iii. id. iun. 1 Ubi sederunt epi
.XXX. abbates uero .xxv. | i De scrutinio faciendo decreuim'. ut in
episcopiis & \ ubi cuent' .e. populi. & cleri. & possibilitas permitj
tit ibi celebr&ur. | —
f. 186'' xxxiiii Ut mensura & pondere iusta liant — ob-
seruare plac&. || f. 187 i Hie est ordo capitulorum breuiter ad-
notatus quae | anno dominice incarnationis. dcccxiii, nota|ta s in
conuentu nii-ropolitanae sedis remensis ecjclae a domno carolo
— resident! b; | ii. Primo omniü mediante mense madio dö in-
spirante ab eis|de — ordinari merereut. | i Est fidei rationc ut
imusquisq; iuxta intellectvi suae ca|pacitatis —
f. 190 tantoq. iniustitiae oriantur. | Auxiliante diio nro
ihü xpo & imperante serenissimo | atq. inclito augusto karolo
conuenimus epi. & ! abbates totius galliae lugdu^uensis in orbeni
cauallo|neiisem & de quibusdam rebus -
f. 190" illius sapijentia suppleatur. cap i | Decreuimus
iuxta scurum canonü constitutiouom. —
Die Bililiutlickon Pieiuonts. 631
_ 5
f. 200"" (lxvii.) scarum scriptururu })ruta j percurrcrc. nun
dusistat. ! Quantum piissimi impfis nri excellens anini' diuinae |
sapientiae fiilgore sit inradiatus ad gubernan|| f. 20 1 duiu psen-
tum rerum statuin ipsius imperii sibi a do dati. | — ad sta-
tuta loca conjuenimus siquideni urhc turonis — serenissimo
iniperat()|ri nfo ostendenda. [ i Primo omuiuin ammonuim' gcne-
raliter cunctos qui | —
f. 208 (li) ad nutü & uoluntatem eias parati sunius. | Dum
anno xl^.vi. incliti & orthüdoxi dorani & prinlcipis nri. Karoli
imperatoris. sub die sexto. id. mai. | dcccLi. unanimitatis nrae
conuentus in aleratensiii | urbe basilica sei stephani martyris
primi adgregatus | consistei-&. —
f. 209 in pcnetralibus nri pectoris inlibata seru&ur. I cap .i.
Secundum enim diuinas seripturas & doctrinam qua a scis j —
f. 212'' (xxii) eius adiutorio | diuiua opitulaute dementia
pticiatur. ||
LXXXIV. 54. memhr. 8. foliornm 82. saec. IX. '
t*. 2 Lxxxiin. Incip concilium eorum qui | in ancyra et
cesarea expositi sunt. | nichenis priores inueniuntur. | i Pbr si
uxorem duxerit ab ordine n deponi 1 debere. —
f. 3 (xmi) erit actuum apostolorum, | Ex])l. kanones aiu-y-
romaci. || f. 3'' lxxxv Incip concilium ai-elatense tempo|ro marini
actum a cxxni. epis. qui | et papa siluestro scripsorunt. | Do-
mino scissimo Hri siluestro papa coetus eps | eorü qui adunati
fuerunt | in oppido arelatensi | quid decreuerimus — placui ab-
stineri eos, | i Primo in loco de obseruatione pasche dnice ut
uno I diae —
f. ö" XXX Sinodus episcoporii qui in ciuitate arelatensifi — ■
t". (j ciuitatis arelatensiii eps suprascriptus, | Expl. con-
cilium arclatensae. | -f Constitutiones sco sinodi habite in | ter-
i'itorio arausico vi. id. nouemb. | ciro in ccclesia iustinianen. |
I hereticos in morte discrimine positus si catlu)|lici —
f. 8'' XXX Post üima occurrit de inbecillitatil)us —
t". 1) inponat, Ego hilarus ef^, — claudio süsser! pserunt,
expl. coDstitution(!s sei sinodi, | i>xxxvu. Incip constitutiones scT'
' ^ Vgl. Maassen 1. c. 38.5 sqci.
632 E Piff ersehe id.
synodi. | habite apud legias. | Cum in uoluntatem dni apud
regiensem ecclesia | —
f. 9"" se nota calcasse, | i De multo duorü qui ordinatione
presumpserunt^ | Itaq; cos qiii ta incondita acta —
f. 12'' (vii) interfuit | uita ipsius. et ss -dr et l, expl. \ lxxxviii.
Incip. synodus, habita in ciuitate agaten"' | Regnante dorn es-
sala uiro clarissirao consl. | cü in noraine dui —
f. 13 ntilitatib; tractatur, | i In primo id placiiit ut canones
et statuta patrii | —
f. 20'' (l) Optiny diacoi) missus a domno | meo leonio eps
-SS- explicit | Incip. constitutiones sce synodi habito | in ciuitate
uasensi. | i Apud auspicius eps eccle catholicae sub d idus
nouemb | dioscoro uc. If, — placuit ergo tractatu habitu eps ||
f. 21 denotatione deprauatos, | ■ —
f. 22'' (x.) ut horaicida habeatur, expl, | Inci]5. constitu-
tiones. sce synodi. habite. | ualentia. ciuitate. sub d .iin. idus
iul. gratiano .mi. | et equitio conslfe, quales debeant ordinari
sacerdotes | secundum statuta eccle antiqua, | i Qui eps ordi-
nandus est antea examinetur si natu|ra prudens. si docilis. si
morib; temperatus. si uita castus. | —
f. 23'' definitioni|bus adquiescat, | i Ut eps non longe ab
eccla liospitiolü habeat, | —
f. 28'' (*''n.) orationib; suis ecclam iuuent, | Expl. statuta
synodi apud eccla. ualen|tina liabita die et cosl qsp, Sequitur |
epistula episcoporum supra scripjti ualentina concilii, | Dilectis-
simis fratrib; p gallias et quiq; ^puinjcias constitutis epis. phe-
gadius. comedius. j — salutem || f. 29 transactis ualentiae —
f. 29'' protegat f rs kmi, j Incip. synodus. habita tarracona.
sub d. I VIII. id. nouerab, consolatu petri uc osl. | Antiqua patr5
statuta de his censuisso uidentur | — conscripsiu} obseruanda, |
1 De bis quib; cura ^p parentele j)ximitatem commititur s-ic |
ut ea cautelearum sie necessitate sustentent. —
f. 31'' (xiii) constitutiones scom canonü eccle aegarens sie
minister, expl ] Incip. synodus habita geruda. sub die j vi. idus
iunias. agapeto uc consu^, || f. 32 i De institutione missarü
ut quomodo in metro|politana —
f. 32'' (x) nullatenus | admittatui-, expl. | loliannes in xpi
nomine —
Die BibliftthelvPii Pipmnuts. 033
f. 33 horontius cps ^ \ Incip synodus h.tbita in ciuitMte
tule|taiia. apud scrii nii^ montanü cps sub dio | xvni. kl iunias.
anno v. rei^-ni donini nostri, ] alarici regis. | Oü in uoluntate
dni apud tuletana urbe scorü | — facilius impctremus; | i De
his quos uokiutas parentü a priniis infantiao | annis clericatus
officio nianciparint. id statu|innis —
f. 35'' tcniporis ad|uenissem ,pbaui et ss-, expl, | Incip sy-
nodus habita in conuentu Ivelerdensi ad ba|silica sce eulaliae.
anno xv. reg. dorn, ni thiudi regis. sub | diae. viii. idus augus, |
I De his clericis qui in obsessionis necessitate positi | fnerint.
id statutü est —
f. 38'' (xvi) constitutionib; interfui et subscripsi, expl,
xcvi. I Incij5 definitiones lidei uel regule exposite ab epis .cl. |
qui in uniT constantinopolim conuenerunt achiersus | hereticos.
qui psonä sps sei minore in ditate dif |ferebant. quando ordi-
natus est beatus nectarius | eps ratio fidei secundü nichena
expositione a suprajdictis epis digesta, [ Crediiiv in unu dm
patre oniptem foctore celi et terrae | — niortuorü uitä futuri
scli. amen, | Öequuntur regulae in eade synodo exposyte ; | i Non
spernendü esse fidem patrii. eccxvni. qui in | nichea —
f. 40'' (x) ad destru|endunrtante dedeforis sie] explecit: |
Incpt capitola concilii toletani | editum a beato esydoro spalensis. |
urbes epco iniperante; | gb)rioso atque xpianissimo. | sesenando
principe; | i. De lide; | —
f. 43 (i;Xxv) et stabiHtatem gentis gotorum; j Expliciunt
capitula. feliciter; | Incpt. gesta. sinotalia. | in toletanam. urbeni: |
apud consilium sexagenta vi. | epcorum hispaniae et galliae |
prouincias edita anno tertio ; | i'cgnante donino nosti'o glorio-
sissimo I principes sesenandc diac: | nonas decembres. era. |
d.c.LXXi ; II f. 43'' Dum studio honoris xpi hac | diligentia reli-
i giosissimi. sise|nandi. regis hyspaniae at|que galliae —
f. 44 hr|missimum disponatur. | i Secundum diuinas scrip-
turas I —
f. 07 (lxxv) etia ,ppria suscriptitine ut pmaneant roborant^, |
Ego esidorus in xpi nomine occlesie spalensis | —
f. 08'' Egila in xpi nrnTi. occl exoniensis c^ps. hoc statuta, ss.
explic. I Incip capitula. concilii. toletani; j i De tide — xviii. Ut
nemo intendat in interitum regis; || f. (59 Incip. conciliuin; tole-
tanuni : editum, | sub cintiliaue, principes, ab epis, lx„ | Con-
634 Reifferscheid.
uenientibus not) hispaniarum galüp que ponti|licibus summis
ortodoxi. et gloriosissimi chintilianis | — foras effundat ; | i Ita-
que credimus et j)fitemur sacratissimä et omni|potentissimä
trinitatem —
f. 77 (xviii) et diuine dextere j)tectione ubique muniatur, |
Ego sclua etsi indignus ecclesiae narbonensis eps, | —
f. 78 Braulio inmerito eccl cesaragustane eps iu bis
constitutionib; a nob e(J ss. | Incip canones. sei sikiestri. epi.
pape urbis romo, | Canones constitutum gradus uel religio qua-
liter I custodiatur a sikiestro eps urbis rome domno constan|tino
augusto —
f. 78'' ]5sens uideretur, | Nomina autem episcoporum hec
sunt. Cantus. Ciprus, | petrus. habundantius. —
f. 79 anas"""" | Dum hi hominis, uenissent. —
f. 82'' iudex iudicabitur et suscripserunt .cc.LXXxini. | epi
et XLV.^ pbri. et .v. diac. et duo sequentes et au|gustus et con-
stantinus et mater eius elena, et fincxit | cauonem hunc sihiester
eps et in urbe roma et in om|nibus epis aspersit actum in
traianas termas, | in. kl. lun. domno. constantino. augusto. |
.HI. prisco. consolis; explicit ||
EusEBU historta ecclesüistica.
LXXVI. 22. membr. 8. lolionini 11t. saec. X.
f. 2 baec continet eeclesiasticae bistoriae ' | Hber primus
praefatione de ditate xpi | i Quod ds & diis & ci-eator omniii
ac dispensator uniuer|sorum ipse sit secundum ea qu<; in lege
& pro})b&is scripta sunt, j —
f. 2'' XVI Exemplum epistolae abagari ad dorn & dni ad
ipsum & eorii | quo consequenter de syrorum lingua translata
sit. I Explicit capitula libri primi ousebii caesarien|sis epi-
scopi do gratias amen | Successione scorum apiorum. et tcmpora
q"<; I - ^ .
f. 21'' luinc in nris libris tene|bunt lucü. Explicit üb pri-
mus I Incipit liber sccundus | Quae &iä secundus eeclesiasticae
historio contineat liber. | i De uita & institutione aploru p' as-
censionem xpi. | —
' Die Vorrede Riifins frlilt
Die Bibliotheken Pieiiioiits. G3Ö
)
f. S7 (xxytO soter | episcopxis etiaiii uiiuMidi. tinein t'ecit. |
Finit libc^r lui ] liaec iiani über oontinet quiiitnö. | i Quanti et
(liK-njadnioduni sab uero aput galliani. | pro pietate subiei'int
iiiurteni. | —
f. 87'' XXX Qualis moribus fuerit cjuoqiu; pacto sacroscos
libros I teraerare aiisus sit. | Iii;itui" soteri episcopo octo annis in
urbe roma saceixlotio | ministrato. —
f. 114 Et illi oins ante soterem presbyteri (|iü | ecclesiae
Olli tu nunc praees sacerdotium tenuerunt. a nice|tuni dico a piuni
yginum que & telesforum & xystum | neque ipsi ita tenuerunt
neque hi qui cum. || f. 114^ leer ||
Gregorii Magni liomiliae hi Ezechielem.
LI. 33. ineiiilir. CirnsKoctav. roliorum KM. saec. X.
f. 2 III. piisf. Onnd .1. 1 Di' omptis asspiratione de eze|
cliiel- propheta locutui'us prius debeo tem|pora & modos aperire
propliete. ut dum | ^ccessus eins ostenditur. iiiitus melius cog--
uoscat. j Propli&iae tempi'a tria sunt, scilic* pr^'teritum | praesens
4 futurum. —
i". 10'' dabit uerba utilia | omnipotens. uerbum qnod pro
nubis incarna|tum uiuit & regnat cum patre in unitate sps sei |
ds per omnia saecula saeculorum*. | Explicit. liomelia prima in
hiezeehiel | propheta. Incip | propheta. Incip ciusdem secunda ||
f. 1 1 Vsu I propheticf; loeutionis est. ut pi'ius psonam ÜMiipus |
locumque describat & postmodum —
f. 21 quia ipsura de quo loquimnr habemus | adiutorem.
qui uiuit & regnat etc. Explicit | homelia secunda Incipit tertia. |
Scä quattuor animalia qup p prophetiac; spü futura pre|uidentur.
subtil i nari'atione describuntiir —
f. ,'i() sit laus acterne sapienti(;. | (|iii iiiult etc. aiiifu. Ex-
|ilic I homelia tcirtia Inci})it quarta. | Per scrTFi prophetiae spTii
i pennata animalia sub|tiliter describuntur. —
f. ?>1 liabentes adiutorem unicum patris | ilini xjTni diim
nfni qui cum eo uiuit efc. amen | Explicit homelia <puirta
! Incip quiiita | O quam niira est profunditas elo(|ni(»rum di. lib& |
huic intendere —
' LXXVI 786. Die Vorrede au Marianns fehlt — 2 Ezechiele — ' Amen add.
Sitxb. d. iiUil.-hist. U. LXVni. H.l IM, Uft. 41
636 Reif ferse hei d.
f. 44 (lemus ei g-loria ' demiis laudem. qui uiuit & regnat |
etc. amen. Explicit homelia quinta | Incipit sexta || f. 44*^ Tene-
brosa aqua in uubibus aeris. quia obscura est | scientia in
prophetis —
f. 55 In auctore omnium dÖ'^ dno nro ihü xpo | confidentes.
qui uiuit etc. amen Expl homelia | sexta. Incipit septima. | Sicut
nostis frs kmi consuetudo prophetiae est. nunc ista | nunc illa
aspicere. —
f. C)l^ sed in aduocati nri alliga|tione confidamus. Qui
uiuit etc. amen Explicit | homelia septima Incipit octaua. | Quod
p exempla iustorum multi proticiant'l superius^ lücu|tionis line —
f. 82^ descendit de caelo & dat uitä mundo. Qui uiuit etc.
amen. | Explicit homilia octaua | Incipit homelia nona. | Initium
libri in hiezechiel propheta magnis obscuri^tatib; | clausum.
& quibusdam mysteriorü nodis ligatü (i ex e). —
f. 97'' Unigenitus quippe est omnipti patri coaeteri)/ | Qui
cum eo uiuit etc. amen Explicit humelia | nona. Incipit humelia
decima. || f. 98 Solent quidam scripta sacri aeloquii legeutes
cum I sublimiores —
f. 113'' aspirante cogitemus. & ipsum^ adiu|uante faciainus.
Qui uiuit etc. amen Explicit | humelia. decima. Incipit undecima. (
[nter cetera prophetiae miracula hoc quoque mirandum | —
f. 123 ex sua nos lirmitate roboraret. ihs xps diis '• qui uiuit | —
amen Explicit humelia | undecima. Incipit dnodecima. | Seruata
ueritatem cai^r. hystorie diuina eloquiä | aliquando ex teinpr. —
f. 134 etiam super spiritus qui sunt sine carne roborare. |
ihs xps diis^' qui uiuit etc. amen | Explicit homelie ) exposite (
super hiezechihel j propheta numero | duodecim pars pri|ma.
paulus diaco | hunc librum scri|bere rogauit. uiuat | in diio
seniper cum j omnibus amicis suis | amen. Leo ds hunc libiann
conscripsit do gras || f. 134'' Labor scribentis. refectio legentis.
haec deficit corpore, ille pi'oficit | mente Quisquis in eo pro-
ficeris. mihi fratri. leone meminisse digneris. | Qui hunc propriis
manibus exaraui librum hiezechielis propheta'' | ut diis inuocatus
inmemor sit iniquitatibus meis. et pro uoce oratio|nis mercedem
accipi^es in die iudicii quando scis suis tribuere iusserit | re-
munerationem O (piando dulcis est nauigantib; portus. ita scrip|
tori nouissimus uersus. Tria digita scribunt. totus corpus labo-
1 gloriam — '^ Deo et — ^ proticiunt — * superioris — ^ ipso — ^ uoster add.
Die Bibliotheken Pieiuoiits. ß37
}
rat I Dorsuin inclinnt costas in ucntrem nierj^it. & omne fasti-
dium I corporis nutrit. Idcu tu lector leiiiter tolia uersa manns
laua et I Sic libruin tenc. & ei aliquid pro uestitura constej-ne. ||
Gregorii Maoni moraiia.
LXV. 71. ineiiibr. 4. foliorum 112. sanc. X.
f. 1 Incipiunt capi|tu]a ' libi'i inora|lia pars iiiita in iob j expo-
situm a sco | greg-orio papa | Pauit oii sterilem & quae non
parit I & uiduae bene non facit. | — Ecce haec ex parte dicta
sunt uiarti eins — illius mag-nitudinis intueri. ||
i. 1'' Quotiens- in sei uiri | liistoriani'^ per ni)uuni uuluni |
enodare mysteriuni typicae | —
f. 14 (xxxiii) quis poterit tonitruum magnitudinis illius
intueri y finit amen. | Addidit quoq; iob adsumens parabolam |
suani & ait. | —
f. 14"' Nee eummutabuntur pro ea uasa auri | exeellentia
^ & eminentia ^ | Plerumq; in sacro elo|quiu sie nonnuUa
invstica de|scribuntur. —
t. 40 (piasi per discurrentia ^ tlumiua sumimus. in ipso
suo fönte biberimus (in ras.) \ Finit liber xvii. ■' || f. 40'' Vulu-
cres quoque caeli lati; | — Gloria mea semper innouabitui-. |
Quid niirum si aeterna di sapientia conspiei non ualet quando | —
f. öS"" restaurari semper Studium^' subsequentiuni | eredebat.
Explicit liber xviii. | Qui me audiebant expectabant sententia | —
' Hersa est in luctu cythara mea | & Organum meum | in iioce
j Üentiuni. | Quamuis omnem scientiam atq; doctrinam scriptum |
' Sacra sine aliqua coparatione transcendat. —
f. 83 mysteria traliimus ueritatem fortasse uacare uideanjus. '
Finit amen | Pepigi feduscum oculis meis. — semp (juasi tumentes
sup me. I lutellectus sacri eloquii inter textum et miste|riujn —
f. 94 si ferri modo uix ual& eins ira quae purgat. | Si
putaui aurum rubur meum — Si fruetus eins comedi abs(][;
pecunia. | Quod a me sepe iani dictum est hoc me crebro rep&ere
honerosum n e | —
1". 112'' quanto & per iuuentutis auditiam'^ spü feruen-
tiore proferuntur. '' | Fax legentibus. credulitas audientibus ; uita
1 Die Capitula leMen sonst — 2 Liber xvii LXXVI 9 — » historia —
^ deciirrentia — ^ xvni — " per stiidiiuii — '' vaciiare videaniur — ^ ;m_
daciam — '* 8clduss von lib. xxii
41*
638 Re if fers cheitl. Die Bibliotheken Piemonts.
facientibus ] sicut naiiigantib; dulcis est portus. sie et scriptori
nouissim' uersus | tres nempe digiti scribunt. sed totum corpus
laborat. | aw^a nAOPi. aw^a *iai(i). awJa cnor. citw, 11
Zum Einband der Handschrift sind zwei Blätter saec. x
2 col. verwendet, von denen das eine beginnt: sicut umbra
pretereunt. " Non|ne domus tua haec puhierem | et ruinam. ~
Nonne haec oma | fabulam. ~ und schliesst: alienos pedes re-
quirunt ^ | uti nesciunt. Denique J | eis preeeduntur a plur ;
das andere (hinten) enthält ein Fragment aus dem Hexaemeron
des Ambrosius 6, ,23. 24: Nonne totos dies con|h'unt philosophi
— creatori cuius eibo pa|scimur. ~ & dissimulamus ||
IsrooEi sententiarum libri.
XLIII. 1. membr. Grossoctav. foliorum 146. saec. X.
f. 3 In nomine dni | incipi|unt eapitula senten|tiaru beati
isidori | de libro primo | i Quud ds summus & incommutabilis
Sit. I —
f. 3'' XXXI ' De gloria seorum. | Incipiunt eapitula libri
secundi | i De sapientia — f. 4^ xliiii De abstinentia siue
ieiunio. '^ | Ineipiunt eapitula libri tertii | i De flagellis di —
f. 6 Lxvi^ De uitae^ exitu. | Explieiunt eapitula dö gra-
tias I Quod ds sümus et ineommuta|bilis sit | i Sumnnnn
bonum ds est. quia incomniu|tabilis est & eorrumpi omnino
non I potest. —
f. 41 utiq: ubi aseendit ipse. •'• & nos aseensuri suu); | Ex-
plicit liber primus I Ineipit liber seeundus | De sapientia i |
Omnis qui scdm diu sapiens .e. beatus est; | —
f. 85 (xLin) nullü usum adhib&. sed &iä periculü exhib*. |
Explicit liber se|eundus. | Ineipit liber terjtius. | De flagellis
di. I I Diuine sapientie subtilitas sicut interius ut testis | seru-
tator yn. al. eonscientias. ita'^ exterius | —
f. 146 Uli enim deplorandi sunt i in niorte. " quos miseros
iiifernus ex luic n/'ia recipit.'^ \ non quos eelestis aula letiiieandos
concludit. ■' finit ; ||
' XXX — - sive ieiunin ovi. — '•' lxii — • ^ oni. — •' ipse usceiidii — '' sie —
^ morte — ^ p.ig Cursivgedruckte an freigelassener Stelle von Milderer
Hand liiiizngefügt — " incliidit
XVII. SITZUNG VOM 21. JUNI 1871.
Der Secretär legt eine Zuschrift des Curatoriums vor,
womit eine Anzeige des k. k. Generalconsuls in Barcellona
über die im Werk begriffene photographische Ausgabe der
Ispanischen Original-Edition des Don Quixote de la Mancha
zur Kenntniss der k. Akademie gebracht \v4i"d,
und ferner eine von A. v. Münchhausen in Hannover
eingesendete Aufzeichnung über die Glockeninschrift in Feld-
bach in Steiermark.
Das wirkl. Mitglied flerr Dr. Pfizmaier legt eine Ab-
handlung vor ,Ueber den Geisterglauben im alten China'.
An Druckschriften wvirde vorgelegt:
Jesellschaft, anthropologische, in Wien: Mittheihingen. I. Band. Nr. 8 — 9.
Wien, 1871; 8".
- geographische, in Wien: Mittheilungen. N. F. 1. 1871. Nr. 6. Wien, 8^
stitnto, R., Veneto di scienze, Lcttere ed Arti: Atti. Tomo XVI", Serie Illa,
Disp. 6a. Venezia, 1870—71; 8".
640
Mittlieilungen rler k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhal-
tung der Baudenkniale. XVI. Jahrgang. Mai Juni 1871. Wien; 4".
Revue des» cours scientifiques et litteraires de la France et de l'etranger.
VII. Aunee, Nrs. 51 et 52. Paris et Bruxelles, 1871 ; 4".
Vecchia, Salvatore della, La terza Roma, armonia tra chiesa e stato.
Bojano, 1871; S".
Verein, siebenbürgischer, für romanische Literatur und Cultur des romani-
schen Volkes. Anulu IV, Nr. 10 — 12. Kronstadt, 1871; 4".
Pfizmaier. Der Geisterglaube in ilem alten C'liina 041
5
Dpi" CTpistprglaiil)o in dem alten China.
Von
Dr. A. Pfizmaier,
wirkl Mitglied der k. Akademie der Wisseuschaften
J_/ie vorliegende Abhandlung enthält vorerst eine Reihe
Aufzeichnungen über altchinesische Göttei- und Geister, mit
Ausschluss der einer späteren Zeit angehörenden budhistischen
Gottheiten. Das Gelieferte gibt Nachricht von diesen auf die
verschiedenartigsten Urspi'ünge zurückzuführenden Wesen, deren
Eigenschaften und Beziehungen zu den Mensclien.
Die Dämonen, von denen zunächst gehandelt wird, sind
grösstentheils Geister verstorbener Personen, bisweilen Wesen
untergeordneter Art, die nach Umständen für den Menschen
wohlthätig oder verderl)lich sind. In grosser Ausdehnung wird
von Geistererscheinungen und der Rückkehi" Verstoi-bener be-
richtet, wobei nicht unerwähnt gelassen wird, dass es, beson-
ders unter den Gelehrten, auch Ungläubige gab, die das Da-
sein der Dämonen läugneten.
In einem Anhange werden noch beglaubigte Beispiele von
Scheintod mitgetheilt. Die bezüglichen Nachi'ichten sind zum
Theil historisch, enthalten jedoch Manches, das an sich schwer
erklärbai- und kaum glaublich ist. Andere, namentlich die aus
idem Seu-schin-ki (die Geschichte des Suchens der Götter),
einem nur mit Wunderdingen sich befassenden Werke ge-
schöpften, sind von der Art, dass sie, ungeachtet eines gewissen,
ihnen verliehenen historischen Anstriches, als reine Ausflüsse
des Geisterglaubens betrachtet werden müssen.
Von einigem Interesse dürfte es ferner sein, dass das von
den katholischen Missionären für ,Gott^ gebi'auchte ^ ^ thien-
tschü ,der Vorgesetzte des Himmels', ein Ausdruck, den man
(342 Pfizinaier.
für eine Erfindung' der Väter von der Gesellschaft Jesu hielt,
zum erstenmale in diesen Aufzeichnungen angetroffen wurde.
Derselbe bezeichnet den ersten der in dem Buche der Han,
in den Denkwürdigkeiten von dem Erdopfer in den Vorwerken
erwähnten acht Grötter oder acht göttlichen Anführer. Der
zweite dieser göttlichen Anführer heisst qp j^ ti-tschü ,der
Vorgesetzte der Erde', der dritte ^ JS; jiiug-tschü ,der Vor-
gesetzte der Angriffswaffen' u. s. f.
Der Grundriss des Flusses sagt:
Der Gott, der grasgrüne Kaiser der östlichen Gegend,
heisst mit Namen Ling-wei-yang (das Emporblicken der rein
geistigen Furchtbarkeit der Macht). Sein Gespenst ist ein
grüner Drache. Der Gott, der rothe Kaiser der südlichen
Gegend, heisst mit Namen Tschi-piao-nu (der Zürnende des
aufflackernden Feuers). Sein Gespenst ist ein hellrother Vogel.
Der Gott, der gelbe Kaiser der mittleren Gegend, heisst mit
Namen Han-khiü-nieu (der das Band der Thürangel in dem
Munde Haltende). Sein Gespenst ist ein Einhorn. Der Gott.
der weisse Kaiser der westlichen Gegend, heisst mit Namen
Pe-tschao-khiü ( das weisse herbeirufende Winkelmass). Sein Ge-
spenst ist ein weisser Tiger. Der Gott, der schwarze Kaiser
der nördlichen Gegend, heisst mit Namen Hiä-kuang-ki (die
Erwähnung des übereinstimmenden Lichtes). Sein Gespenst
ist der ursprüngliche Kriegerische.
Der Grundriss des Flusses der Drachen und Fische sagt:
Der Jahresstern des Himmels (Jupiter) ist der Tugend
und Beglückwünschung vorgesetzt. Sein Gespenst kommt herab
und ist der Gott des grossen Altares. Der Stern, das grosse
Weiss des Himmels (Venus) ist dem Unheil durch die Waffen
voi'gesetzt. Sein Gespenst kommt herab und ist der Gott des
Meisters des Regens. Der Stern der Verirrung des Lichtes des
Himmels (Mars) ist dem Vorsteher des Unrechts vorgesetzt.
Sein Gespenst kommt herab und ist der Gott, der Aelteste des |
Windes, Der erschütternde Stern des Himmels (Mercur) ist dem
Vorsteher der Wetterschäden der Luft vorgesetzt. Sein Ge-
spenst kommt licrab und ist der dem Ackerbaue vorangehende
Der Geisterglaube in dem alten China. u4o
Gott. Der niederdrückende Stern des TTimniels (Saturn) ist
der Beglückwünschun^- des Erlangens der vnrzüfiliclien Männer
vorg-esetzt. Sein Gespenst steigt herab und ist der Gott des
reingeistigen Stei-nes.
Der Gott^ der Gebieter des grossen Berges der östlichen
Gegend führt den Geschlechtsnamen Yuen (rund). Sein Name
ist Tschang-lung (der beständige Drache). Der Gott, der Ge-
bieter des Berges Heng der südlichen Gegend führt den Ge-
schlechtsnamen Tan (Mennig). Sein Name ist Ling-tsch'hi (der
reingeistige schroffe Berg). Der Gott, der Gebiete)- des ])lii-
migen Berges der westlichen Gegend führt den Geschlechts-
namen PTao (Wasserfluth). Sein Name ist Yo-scheu (die düstere
Winterjagd). Der Gott, der Gebieter des Berges Heng der
nördlichen Gegend führt den Geschlechtsnamen Teng (empor-
steigen). Sein Name ist Seng (Bonze). Der Gott, der Gebieter
des Berges Suug der mittleren Gegend führt den Geschlechts-
namen Scheu (Langjährig-kcit). Sein Name ist Yi (müssig).
Wenn man ihn in Scharen anruft, bewirkt man, dass der
Mensch nicht erkrankt.
Der Heerführer des grossen Berges der östlichen Gegend
führt den Geschlechtsnamen Thang (grosssprcchcrisch). Sein
Name ist Tschin (Diener). Der Heerführer des Berges Hu der
südlichen Gegend führt den Geschlechtsnamen Tschü (hellroth).
Sein Name ist Tan (Mennig). Der Heerführei- von lloa-yin,
der westlichen Berghöhe, führt den Geschlechtsnamen (das
Reich) Tseu. Sein Name ist Schang (schätzen). Der Heer-
führer des Berges Heng, der nördlichen Berghohe, führt den
Geschlechtsnamen Mo (Niemand). Sein Name ist Hoei (Güte).
Der Heerführer des hohen Berges ISung, der mittlercsn Berg-
höhe, führt den Geschlechtsnamen Schi (Stein). Sein Name ist
Yuen (Ursprung). Wenn man ihm immer das Dasein gibt,
wirft man die hundert unrechten Dinge zurück.
Der Gebieter des östlichen JMeeres führt den Geschlechts-
namen Ping (sich verlassen). Sein Name ist Sieu-tsing (das
Grüne ordnend). Seine Gemahlin führt den Geschlechtsnamen
Tschü (hellroth). Ihr Name ist Yin-ngo (das unsichtbare Gute).
ß4:4 Pfizmaier.
Der Gebieter des südlichen Meeres führt den Geschlechtsnamen
Schi (sehen). Sein Name ist Tschi (roth). Seine Gemahlin
führt den Geschlechtsnamen I (Federfächer). Ihr Name ist
Yi-liao (müssig und leer). Der Gebieter des westliches Meeres
führt den Geschlechtsnamen Keu-ta (Grösse des Abschnittes).
Sein Name ist Khieu-pe (das Hundert der Erdhügel). Seine
Gemahlin führt den Geschlechtsnamen Liug (reingeistig). Ihr
Name ist Su-kien (die ungeschmückte Schreibtafel). Der Ge-
bieter des nördlichen Meeres führt den Geschlechtsnamen Schi
(recht). Seine Name ist Yü-tschang li (Gasse des Vorhangs des
Königs Yü). Seine Gemahlin führt den Geschlechtsnamen Ke
(knüpfen). Ihr Name ist (Pflanze) Lien-kiao.
Der Fürst, der Aelteste des Flusses, führt den Namen
Tse (Sohn). Seine Gemahlin führt den Geschlechtsnamen Ping
(sich verlassen), Ihr Name ist I-kiün (gemächlicher Gebieter).
Die Namen der Götter der vier Meere und des Flusses kann
man zugleich erbitten. Wenn man sie ruft, wirft man die Luft
der Dämonen zurück.
Der Gott des Haupthaares führt den Namen Scheu-tschang
(der Aelteste der Langjähi-igkeit). Der Gott des Ohres führt
den Namen Kiao-niü (die zarte Tochter). Der Gott des Auges
führt den Namen Tschü-yang (der Perlenglanz). Der Gott der
Nase führt den Namen Yung-lu (Ofen der Tapferkeit). Der
Gott der Zähne führt den Namen Tau-tschü (das Hellroth des
]\Iennigs). Wenn man sich in der Nacht niederlegt und ihn
ruft, hat man Kümmerniss. Auch wenn man ihn sogleich ruft,
geht man neunmal hinüber zu bösen Dämonen und wird zurück-
geworfen.
Das Buch der Han sagt:
Kao-tsu wandelte nächtlich in einem Sumpfe. Er sah
eine grosse Schlange auf dem Fusswege. Er trat vor, zog das
Schwert und zerhieb die Schlange. Später kamen Menschen
und gelangten zu dem Orte, wo die Schlange sich befunden
hatte. Sie sahen ein altes Mütterchen, das in der Nacht weh-
klagte. Die Menschen fragten sie, wai-um sie wehklage. Das
Mütterchen sprach: Ein Mensch hat meinen Sohn getödtet. —
Die Menschen sprachen: Wie kam es, dass der Sohn des
Mütterchens getödtet ward? — Sie sprach: Mein Sohn ist der
Sohn des weissen Kaisers. Er verwandelte sich in eine Schlange
Der Geisterglaube in dem alten Cliina. 64J)
auf (km We^e. Jetzt hat dcM' Sohn des rothcn Kaisers ihn
zerhauen. — Dabei wurde sie j)l(Jtzlieh uusiehtbar.
Tschaug-lianp; lustwandelte einst auf der Erdbrückc von
Hia-pei. Ein alter Vater kam zu dein Orte, wo Liang sieh be-
fand. Er Hess seine Schuhe g-erade unter den Weg fallen und
sagte zu Liang: Knabe, gehe hinab und hole die Sehuhe. —
Liang holte sie demgcinäss. Der Vater blickte ihn lächelnd
an und entfernte sich. Liang gerieth in ungowcihnlich grossen
Schrecken. Der Vater hatte sich eine Weglänge entfernt, als
er wieder zurückkehrte. Er sprach: Knabe, du kannst belehrt
werden. Nach fünf Tagen, beim Anbruch des Tages, tritt" mit
mir zusammen. — Liang war verwundert. Er kniete nieder
und sagte: Ja. — Nach fünf Tagen, beim Anbruch des Tages
ging er hin. Der Vater befand sich schon früher dort und
sprach zürnend: Warum bist du bei einem alten Menschen zu
spät gekommen? Nach fünf Tagen trifl* wieder mit mii' zu-
sammen und komm fiiihzcitig. — Liang ging um IMitternacht
hin. Nach einer Weile kam der Vater ebenfalls und sprach
freudevoll: So soll es sein. — Er nahm ein Heft Geschriebenes
hei-vor und sprach: Wenn du dieses liesest^ wirst du ein Lehr-
meister der Könige werden. Nach dreizehn Jahren möge der
Knal)e mich besuchen. Ich bin dei- gelbe Stein unter den
Älauern von Kö-tsching in Thsi-pe. — Jener blickte in das
Geschriebene. Es war die Kriegskunst des grossen Eüi-sten.
Die in dem Buche der Han enthaltenen Denkwüi'digkeitcn
von dem Erdopfer in den Vorwerken sagen:
Ln neunten Jahre des Fürsten Wen von Thsin sagte
Hoe-jü-schi: Der Tempel der Feste der nöi-dlichen Bergwand
von Tschin-thsang, sein Gott kommt manchmal durch ein Jahr
nicht herbei. Manchmal kommt ei- in einem Jahre mehrmals.
Wenn er kam, glänzte er in der Nacht wie Sternschnuppen.
Er kam aus der östlichen Gegend und setzte sich auf die Feste
des Tempels wie männliche Fasanen. Seine Stimme war voll-
tönend und sagte: Das Feldhuhn singt in der Nacht.
B46 P f i z in ii i e r.
Der Kaiser des Anfangs lustwandelte an den Ufern des
Meeres, übte die Gebräuche, opferte den berühmten Bergen,
den grossen Rinnsälen und den acht göttlichen Anführern. Die-
ses ist seit dem Alterthum gewesen. Einige sagen, man habe
es seit den Zeiten des grossen Fürsten gethan. Von den acht
Göttern heisst der erste: der Vorgesetzte des Himmels (thien-
tschü). Der zweite heisst: der Vorgesetzte der Erde. Der
dritte heisst: der Vorgesetzte der Angriffswaffen. Der vierte
heisst: der Vorgesetzte des Yin. Der fünfte heisst: der Vor-
gesetzte des Yang. Der sechste heisst: der Vorgesetzte der
Sonne. Der siebente heisst: der Vorgesetzte des Mondes. Der
achte heisst: der Vorgesetzte der vier Zeiten.
Als Kaiser Wu zu seiner Würde gelangt war , ehrte er
überaus das Opfer für die Götter und Geister. Der Kaiser
suchte die göttliche Gebieterin und beherbergte sie in Schang-
lin, in dem Gastgebäude des Geschlechtes Si. Die göttliche
Gebieterin ist ein junges Weib aus Tschang-ling. Dieselbe
starb an der Milch und erschien ihrer Schwägerin Wan-jö als
Geist. Wan-jö opferte ihr in ihrem inneren Hause. Die Ge-
bieterin von Ping-yuen ging ebenfalls hin und opferte ihr.
Später waren Söhne und Enkel geehrt und berühmt. '
Mö-ki, ein Mensch von Pö, meldete an dem Hofe: Der
vornehmste Gott des Himmels ist das grosse Einzige. Die Ge-
hilfen des grossen Einzigen heissen: die fünf Kaiser. -
Fä-ken von Yeu-schui sagte: In der oberen Landschaft
lebt ein Zauberer. — Wenn er krank ist, steigen die Geister
zu ilira herab. — Der Kaiser berief ihn zu sich und setzte
ihn nach Kan-tsiuen. Als er (der Kaiser) erkrankte, schickte
' Die Gebieterin von Ping-yuen ist die Grossmutter des Kaisers Wu von
mütterlicher Seite.
- Der grüne Kaiser Ling-wei-yang, der rothe Kaiser Tschi-pian-nu , der
gelbe Kaiser llan-kbiü-nieu, der weisse Kaiser Pe-tschao-khiü, der schwarze
Kaiser Ilia-kuang-ki.
l>fr Geistergliuilio in ileni alten Cliina. G47
)
er Leute aus, welelie die g(Jttliche Gebietei-iii befVas^ten. Die
g-üttliche Gebieterin sprach: Der Hiirnnelss(jhn sei we<;-en der
: Krankheit unbesorgt. Die Krankheit wird bald geheilt sein.
I Möge er trachten, mit mir in Kan-tsiuen zusammenzutreffen.
I — Hierauf war der Kaiser von seiner Ki'ankheit geheilt, und
I er besuchte sofort Kan-tsiuen. Als seine Krankheit bereits ge-
j hoben war , Hess er allgemeine Verzeihung angedeihen und
setzte die göttliche Gebieterin des Palastes der Langjährigkeit
ein. Die göttliche Gebieterin war die Vornehmste und hiess:
j das grosse Einzige. Ihre Gehilfen hiessen : die gi-osse Ver-
i wehrung. Gottheiten , wie der Vorsteher des Lebensloses ge-
I hörten zu ihrem Gefolge. Man konnte sie nicht zu sehen be-
[ kommen , sondern hörte ihre Worte. Ihre Worte waren von
; derselben Art, wie die Laute der Menschen. Sie entfernte sich
I zu Zeiten, kam zu Zeiten, und dann erhob sich rasch ein Wind.
Sie wohnte in einem Zelte des inneren Hauses. Zu Zeiten
sprach sie am Tage, gewöhnlich aber in der Nacht. Der Him-
melssohn trat erst ein, nachdem er die bösen Einflüsse gebannt
hatte. El- machte den Zauberer zu ihrem Wirthe und Hess ihn
von Speise und Trank verabreichen, was sie wünschte. Eire
Worte gelangten herab und gingen umher. Er erbaute ferner
den Palast der Langjährigkeit, den nördlichen Palast, spannte
Flügelfahnen und Hess Geräthschaften der Darreichung aufstellen,
um die Gebräuche zu üben. Was die göttliche Gebieterin
sprach, Hess der Kaiser in ein Buch eintragen. Dasselbe hiess
mit Namen : Die vollständigen Vorschi-iften. Was sie sprach,
waren Dinge, die man in der Welt allgemein wusste. Es war
:in ihnen nichts überaus Besonderes, und dei- Himmelssohn Avar
I allein im Herzen darüber erfreut. Die Sachen blieben geheim,
iund die Welt erfuhr von ihnen nichts.
Kung-sün-king sagte: Ich sah einen göttlichen Menschen
auf den Bergen von Tung-lai. Es war, als sagte er, er wol!(;
den Himmelssohn sehen. — Der Himmcdssohn besuchte jetzt
die Feste von Keu-schi und ei-nannte King zu einrm Grossen
der Mitte. Hierauf gelangte er nach Tung-lai. Er übernachtete,
verweilte mehreren Tage und s.-di nichls. Er sah, wie man
sagt, die Fussspuren eines grossen Menschen.
G48 Pfizmaier.
Man braclite das Opfer den göttlichen Menschen in dem
Palaste des Thores der Verbindung, als ob man sich zu dem
Sitze * kehrte und anbetete. Einige sagten : In Yi-tscheu be-
iluden sich Götter des goldenen Pferdes und des lasurblauen
Huhnes. Man kann ihnen opfern und sie zur Stelle schaffen.
— Hierauf entsandte man den tadelnden Grossen Wang-piao.
Man liess ihn eine Beglaubigungsmarke in den Händen halten
und jene Götter suchen.
Kö-yung hielt eine Rede vor dem Kaiser Tsching, wurin
er sagte: Einst wollte Tschang-hung, der Vermerker von Tscheu,
durch die Kunst der Götter und Geister stützen und leiten den
König Ling. Man versammelte an dem PTofe die Lehensfürsten,
aber Tsclieu ward immer unbedeutender, die Lehensfürsteu
iielen ab. Hoai, König von Tsu, opferte i'eichlich, diente den
Göttern und Geistern. Er wollte dadurch Segen erlangen und
Hilfe beim Zurückwerfen des Heeres von Thsin. Aber seine
Streitmacht wurde erdrückt, Land wurde abgeschnitten, er selbst
hatte Schande, das Reich gerieth in Gefahr. Der Kaiser des An-
fangs aus dem Hause Thsin einverleibte die Welt, hatte Freude
an dem Wege der göttlichen Unstei'blichen. Er entsandte Leute,
wie Siü-fö und Han-tschung, schickte viele Jünglinge und Mäd-
chen, die sich begeben sollten auf das Meer, suchen die Götter,
ptlücken die Arzneipflanzen. Sie entliefen dabei und kehrten
nicht zurück. Die Welt empfand Groll und Hass.
Das Buch der Han sagt:
Kaiser Wen sehnte sich nach Ku-I und lud ihn vor. Als
dieser ankam, trat er ein und erschien zum Besuche. Der
Kaiser empting eben das übriggebliebene Opferfleisch und sass
in seinem inneren Hause. Er war dabei von den Dingen der
Götter und Geister eingenommen und fragte nach der Eigen-
heit der Götter und Geister. 1 sagte ihm, inwiefern er ihm
Recht gebe, und er sei desswegen gekommen. Um Mitternacht
trat Kaisei' Wen zu dem Teppiche.
' Der Sitz ist der Ort. wt) sicli das ]{il(l desjenigen befindet, dem ge-
opfert wird.
Der Geisterglaube in «Jeiii alten China. 649
Das Buch dur späteren Hau sagt:
Pi-kau, der Grossvater iro-sehang's, führte den Jünglings-
namen Schao-king, Seine Wege waren erleuchtet, sein Wandel
geordnet. Er war ein Angestellter bei dem (Jetangnisse des
Districtes Hoai-yin und dem entscheidenden Richter zugesellt.
Er rettete auf sehlichte Weise mehreren tausend Menschen das
Lehen. In Hoai-yin und Jü-yin gab man ihm den Ehrennamen :
Fürst des Geschlechtes Ho. Im dritten Monate des dritten
Jahres des Zeitraumes Tsching-ho (90 v. Chr.) war der Himmel
in grosser Ausdehnung verfinstert. Pi-kan befand sich zu Hause
und träumte am Tage. Er sah, wie vornehme Gäste mit Wagen
I und Reitern sein Thor erfüllten. Als er erwachte, sagte er es
' seiner Gattin. Er hatte noch nicht ausgeredet , als an dem
Thore achtzig alte Mütterchen erschienen. Ihre Häupter waren
weiss, und sie begehrten ein Obcjach, um dem Regen zu ent-
kommen. So heftig es regnete, waren ihre Kleider und Schuhe
nicht benetzt. Als der Regen aufhörte, sagten sie zu Pi-kan:
Du besitzest die verborgene Tugend. Jetzt schenkt dir der
'Himmel Tafeln, um zu verherrlichen deine Söhne und Enkel.
— Dabei nahmen sie aus ihren Busen Beglaubigungsmarken
und Tafeln. Dieselben waren wie Schreibtafeln gestaltet und
neun Zoll lang. Es waren im Ganzen neunhundert neunzig
Stück. — Sie übergaben sie Pi-kan und sprachen: Deine Söhne
und Enkel, welche den Gürtel mit dem Siegel und dem breiten
Bande behängen, sind wie in dieser Rechnung. — Pi-kan hatte
mit achtundfünfzig Jahren sechs Söhne, und ihm wurden noch
drei Söhne geboren. Im ersten Jahre des Zeitraumes Pen-schi
(73 V. Chr.) übersiedelte er von Jü-yin nach Ping-ling und
wurde durch Wechslung ein berühmtes Seitengeschlecht.
Zu den Zeiten des Kaisers Siuen war ein gewisser Viii-
tse-fang äusserst elternliebend und besass Menschlichkeit niid
Güte. An einem Schalttage kochte er einst am fViilien Morgen
jund sah, wie der Gott des Herdes ihm erschien.' Tse-fang
' Das Buch der «-enieiiu-ten riiiif (iniiidsti.fiV s.-iu't: Der Gott des Herdes liat
ein langes gelbes Kleid. In der Naclit kdiiimt er mit getlieiltein Haupt-
haare aus dem Herde hervor. Wenn mau seineu Nauieu weiss und ihn
nift, kann mau das Unheil bannen.
650 Pt'izin;iiPr.
verbeugte sich zweimal und enipting die Beglückwünsclmng.
In dem Hause befand sich ein g-elbes Schaf and dieses opferte
er ihm. Seit dieser Zeit gelangte er phitzlich zu grossem Reich-
thum. Er besass siebenhundertmal hundert Morgen Felder,
seine Sänften, Pferde und Knechte waren mit denjenigen der
Gebieter der Länder zu vergleichen. Tse-fang pflegte zu sagen :
Meine Söhne luid Enkel werden gewiss gross und mächtig sein.
— Mit dem Enkel Tsche war endlich das dritte Geschlechts-
alter gekommen, und dasselbe erfreute sich mannigfachen
Glanzes. Desswegen pflegte man später an einem Schalttage
dem Herde zu opfern und dabei ein gelbes Schaf darzubieten.
Puan-tschao kam nach Yü-tien. Kuang-te, der König
des Landes, war mit den Ehrenbezeigungen sehr zurückhaltend.
Auch war es Sitte, den Zauberern zu glauben. Der Zauberer
sagte: Die Götter zürnen. Warum will man sich zu Han
wenden? Der Gesandte von Han besitzt blassgelbe Pfei'de.
Möge man sie schnell begehren, sie nehmen und mich sie opfern
lassen. — Kuang schickte jetzt einen Abgesandten , der sich
zu Tschao begab und um die Pferde bat. Tschao hatte im
Geheimen erfahren , wie es sich verhalte. Er Hess melden,
dass er es gewähre, verlangte aber, dass der Zauberer selbst
komme und die Pferde; nehme. Nach einer Weile kam der
Zauberer. Tschao schlug ihm das Haupt ab und überschickte
es Kuang-te.
Die Denkwürdigkeiten von U sagen:
In dem Districte Lo-yang in Lin-hai befand sich ein Gott,
der sich Wang-piao nannte. Derselbe war in Bezug auf Sprache,
Essen und Trinken von den Menschen nicht verschieden. Dessen
imgeachtet war seine Gestalt unsichtbar. Ferner war eine
Sclavin, deren Namen Tsi-fang. Dieselbe entsandte den Leib-
wächter und Buchführer der Mitte: Li-thsung, damit ei- Piao
das Siegel und das breite Band eines das Reich stützenden
Heerführers und Kfinigs von Tj(j-yaug übei'bringe und ihn ab-
hdlc Piao folgte Tbsuiig und ti'at mit ihm zugleich aus. Auf
<l(;n Bergen und an den Flüssen, wo sie vorbeizogen, schickte
man soghjich die Sclavin, damit sie mit dem Gotte sich ver-
ständige. Als Piao kam, errichtete Kiuen vor dem Tliore des
Der Geisterglaube in dem alten Cliiiut. 6'^1
i
gnisgTÜueu Drachen für ihn einen Wohnsitz. Die kleinen Dinj^e,
wie Ueberschwemmungen und Dürre, von denen Fiao sprach,
trafen hin und wieder zu.
Das Buch der Tsin sagt:
Fu-kien drang ein und ])lünderte. Tao-tse, König von
Kuei-ki, liess mit Schaustelhmg der Macht trommeln und blasen,
indem er den Gott des Glockenber^es suchte. Er bot ihm den
Ehrennamen eines Reichs<>;ehilfen. Als Kien nach Scheu-tschün
gelangte, sah er, dass die Bäume und Pflanzen des Berges der
acht Fürsten Aehnlichkeit mit menschliciien Gestalten hatten.
Es war, als ob sie g'öttliche Kraft besässen.
Das Buch der späteren Wei sagt:
Kaiser Sching-wu jagte einst an der Spitze von mehreren
zehntausend Reitern in den Gebirgen und Sümpfen. Plötzlich
sah er Lastwagen und leichte Wagen von dem Himmel herab-
kommen. Als sie angelangt waren , sah er eine Schöne , die
von sehr zahlreichen Aufwärtern und einer Schutzwache be-
gleitet war. Der Kaiser staunte und fragte sie. Sie antwortete:
Ich bin die Tochter des Himmelskaisers. Ich habe den höch-
sten Befehl erhalten, mich zu dir zu gesellen, dir zu folgen
i und die Nacht in einem gemeinschaftlichen Schlafgemache zu-
I zubringen. — Als sie bitten wollte , zurückkehren zu dürfen,
[sprach sie: Das nächste Jahr, wenn die Zeit um ist, triff wieder
i mit mir hier zusammen. — Als sie ausgeredet hatte, trennte
i sie sich und entfernte sich ü;leich Wind und Reö-en. Sobald
■ das Jahr um war, trat der Kaiser zu dem Orte, wo er gejagt
j hatte, und sah sie wirklich wieder. Die Himmelstochter über-
!gab dem Kaiser den Knaben, den sie geboren hatte, und sprach:
I Dieses ist dein Sohn. Mögest du ihn gut erziehen und auf ihn
I sehen. Söhne und Enkel werden einander beistehen und in
i ihren Geschlechtsaltern Kaiser sein. — Als sie ausgeredet hatte,
jwar sie verscliM'unden. Der Sohn ist Schi-tsu (der Ahnherr
j des Gescldechtsalters).
Tuan-hoei diente Ngeu-yang-thang als seinem Lehrer.
Thang erwog dess(!n Begabung und liebte ihn sehr. Er war
ein Jüngling, der mit Hoei gleiches Vorhaben hatte. Nach
zwei Jahren verabschiedete sich der Jüngling und kehrte heim.
sit/.b. (1. phii.-iiist. ci. Lxvni. Bd. m. nft. 42
652 Pfizmaier.
Er bat Hoei um ein Pferd. Hoei verfertigte scherzweise ein
hölzernes Pferd und gab es ihm. Der Jüngling war sehr er-
freut. Er bedankte sich bei Hoei und sprach: Ich bin der
Gebieter des Versammlungshauses des Tai-schan. Du ermun-
tertest mich, lustwandelnd zu lernen. Jetzt möchte ich gern
hei)nkehren. Ich belästigte dich und du beschenktest mich
reichlich. Ich kann dir das Gute nicht vergelten. Später wirst
du zu der Rangstufe eines Lehensfürsten von Tschang-pe ge-
langen. Es ist dieses keine Vergeltungj ich halte es einstweilen
für gut. — Als er ausgeredet hatte, bestieg er das hölzerne Pferd,
erhob sich in den leeren Raum und verschwand. Hoei er-
kannte jetzt, dass Jener es gewiss annehmen werde.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
Schin-wu ernannte Kao-ngang zum Beaufsichtiger von
Ta-tu auf dem Wege von Yün-nan und hiess ihn auf Fuss-
wegen nach Schang-lö eilen. Ngang übersetzte den Fluss. Er
opferte dem Ael testen des Flusses und sprach: Der Aelteste
des Flusses ist der Gott in dem Wasser. Kao-ngao-tsao ist der
Tiger auf der Erde.
Das Buch der Tsi sagt:
Der Gott des Ahnentempels Tschang-fung in dem Districte
I-hiang führt den Geschlechtsnamen Teng. Derselbe kam früher
vorbei und wurde der Befehlshaber des Districtes. Gleich nach
seinem Tode brachte er die Reingeistigkeit zum Vorschein. Als
die Abbildungen von Tscheu-schan kundgegeben wurden^ bat
man, dass man dem Gotte die Rangstufe eines das Reich
stützenden Heerführers verleihe. Der Kaiser sprach: Er be-
gnügt sich mit Hundefleisch und besorgt die Geschäfte, als ob
er sich der Rangstufe bediente.
Li-ngan-jin war Statthalter von U-hing. In der Provinz
befand sich der Geist Hiang-yü's. Derselbe beschützte die
Provinz und hörte die Angelegenheiten. Als der Statthalter in
der Provinz ankam, lag es ihm ob, ein unter der Wagenstaiigc
beiindliches Rind zu opfern. Ngan-jin huldigte der Vorschrift
Fö's und gab dem Gotte nicht das Rind. Er zog die Schuhe
an, stieg in das Amtsgebäude und verrichtete die Geschäfte.
Ferner legte er oben das Gebet der acht Engpässe nieder.
Der Geisterglaube in dem alten China. 653
)
Plötzlich verendete das Rind, und Ni<'an-jin starb unvennuthet.
Das Zeitalter glaubte, dass der Gott ihn g-estraft habe. ,
Das Buch der Liang sagt:
Siao-yeu wurde Leheusfürst von Lin-jü und Statthalter
der Provinz U-hing. Derselbe war von Gemüth zügellos. Er
verband sich mit dem Gotte des Ahnentempels des Königs von
Tsu zum Trinken und brachte es bis zu einem Scheffel. So
oft er Wein einschenkte und das Opfer zu Ende war, war er
fröhlich und im höchsten Grade betrunken. Der Gott hatte
ebenfalls die Farbe des Weines. Wenn mau betete, wurde . es
sicher gewährt. Später wurde Jener stechender Verraerker von
Yi-tscheu.
Um die Zeit empörte sich Tsi-keu-ni, ein Mensch von
Kiang-yang. Yen betete in der Ferne und bat um Hilfe. An
diesem Tage begegnete ein Alter des Feldes einem einzelnen
Reiter, der ein schwarzrothes Pferd anband. Derselbe kam
aus der östlichen Gegend und fragte, \sne viele Weglängen es
bis zur Feste wären. Jener sprach: Einhundert vierzig. —
Um die Zeit war es bereits die neunte Stunde des Tages (drei
Uhr Nachmittags). Der Reiter erhob die Lanze und sprach:
1 Wenn die nachfolgenden Menschen kommen, kannst du sie
heissen die Pferde antreiben. Wir wollen noch den Tag er-
reichen und die Räuber schlagen. — Plötzlich erschienen einige
hundert Reiter gleich dem Winde. Ein einzelner Reiter ging
hin und begehrte zu trinken. Der Alte des Feldes fragte, wer
sie seien. Jener sprach: Der König von Tsu in U-hing kommt,
um dem Lehensfürsten von Lin-jü zu helfen. — Um diese Zeit
stellte man in dem Ahnentempel die Bitte, opfern zu dürfen
und hatte keine Bestätigung. Nach zehn Tagen sah man^ dass
die Aufwärter, die Leibwache und die irdenen Bildsäiden kotliig
und feucht Avaren, als ob sie schwitzten. An diesem Tage
; brachte Ypu dem Räuber Keu-ni eine grosse Niederlage bei.
Das Buch der Thang sagt:
Das gerechte Heer Kao-tsu's hielt in dem Districte Ling-
I sohl. Sung-lao-seng, Heerführer von Sui, lagerte in Hö-yi und
stellte sich dem gerechten Heere entgegen. Da häufte sich
langwieriger Regen dui'ch Decaden, die Umführung der 1 Lebens-
mittel setzte sich nicht fort. Ein weissgekleideter alter Vater
begab sich zu dem Thore des Kriegsheeres und sprach: Ich
42* •
654 Pfizmaier.
bin der A bg-esanclte des Gottes des Berg-es Hö. Ich melde mich
bei dem Kaiser von Thang- und lasse ihm sagen: Im achten
Monate wird der Reg-eu aufhören. Wenn man auf den Wegen
nach dem Südosten von Hö-yi auszieht, werde ich dem Heere
beistehen. — Kao-tsu sprach: Diese Menschen haben Tschao-
wu-su nicht betrogen.' Wie sollten sie mir den Rücken kehren?
Als Si^-yen-tho geschlagen werden sollte, war ein Gast,
der einen Wirth um Speise bat. Der Wirth führte ihn in ein
Zelt und hiess die Gattin Speisen herrichten. Als die Gattin
sich nach dem Gaste umsah , war es ein Mensch mit einem
Wolfshaupte. Die Gattin meldete es den Nachbarn, und diese
sahen ihn zugleich an. Der Mensch mit dem Wolfshaupte
hatte bereits den Wirth verzehrt und entfernte sich. Sie ver-
folgten ihn in Gemeinschaft und blieben auf dem Berge Yö-
tü-kiün stehen. Daselbst sahen sie zwei Menschen. Die Ver-
folger sagten, was die Ursache sei. Die zwei Menschen sprachen:
Wir sind göttliche Menschen. Sie-yen-tho soll so eben vernichtet
werden. Wir kommen, ihn mitzunehmen. — Die Verfolger
fürchteten sich und liefen zurück. Yen-tho ward endlich auf
dem Berge Yö-tü-kiün geschlagen.
Das Buch Tschuang-tse sagt:
Auf dem fernen Berge Ku-yi wohnen göttliche Menschen.
Ihre Haut und ihr Fleisch sind wie Eis und Schnee, weich und
zart wie bei Mädchen. . Sie verzehren nicht die fünf Getreide-
arten, sie athmen den Wind, trinken den Thau, besteigen die
Wolkenluft, lenken die fliegenden Drachen und lustwandeln
jenseits der vier Meere.
Das Buch Kuan-tse sagt:
Fürst Hoan untei-nahm im Norden den Eroberungszug
gegen Ku-tschö. Er wai* noch nicht bis zu dem Bache von
Fi-ni gekommen. Zehn Weglängen von ihm entfernt, blieb er
fest stehen, blickte starr vor sich hin, crgrifT den Bogen und
' Drei g'öttliche MensclicMi, Abgesandte des Leiiensfiirsteu dos Nordens ilos
grossen Berges TIö, luxtten einst Tseli;io-si;ing-tso, Leliensfürsten \-on Tselian,
Sieg versproclieii. Wn-sü ist der Name Tseliao-siang-tse's.
I
Der Geititergliiulie in (ieni :ilton Cliina. 005
wollte schlössen, g-etraute sich aber lun-h iiiclit, ahzudrücken. Kr
sagte zu seiner Umg-ebung: kSehl ihi- diesen Menschen vor uns?
— Die Leute der Umg-ebung sprachen : Wir sehen ihn nicht. —
Der Fürst sprach: Wird die Sache nicht voUendet werden?
Ich bin in grosser Verlegenheit. In diesem Augenblicke sehe
ich einen Menschen. Derselbe ist einen Schuh laug, und die
Dinge der Menschen sind bei ihm vorhanden. p]r trägt eine
[j Mütze und ein Kleid mit einem Aermel zur Rechten. Er lässt
die Pferde laufen und kommt schnell vorwärts. Wird die Sache
nicht vollendet werden? Ich bin in grosser Verlegenheit. Wie
sollte es hier einen Gebieter der Menschen geben? — Kuan-
tschung sprach: Ich habe gehört, unter den Göttern des Bcirges
I Teng ist einer, dessen Name Yü-ni. Derselbe ist einen Schuh
ilang, und die Dinge der Menschen sind bei ihm vorhanden.
Die Gebieter, die oberherrlichen Könige erheben sich, und der
Gott des Berges Teng erscheint. Auch lässt er die Pferde
laufen und kommt schnell vorwärts. Durch das Aermclldeid
zeigt er an, dass vor uns sich ein Wasser befindet. Durch das
i Kleid mit einen} Aermel zur Rechten zeigt er an, dass wir von
der rechten Seite durchwaten müssen. — Als man zu dem Bache
von Pi-ui gelangte, war Jemand, der zu dem Wasser trat und
sprach: Wenn man von der linken Seite durchwatet, ist es so
tief, dass es bis zm- Mütze reicht. W^enn man von der rechten
Seite durchwatet, ist es so tief, dass es bis zu den Knien reicht.
— Man war durchgewatet, und es war im Ganzen vollendet.
Fürst Iloan sass. Er verbeugte sich vor den Pferden Kuan-
tschung's und sprach: Die höchste Weisheit des Oheims ist von
solcher äussersten Grösse. Meine, des unbedeutenden Menschen
Schidd stammt schon von lange her.
Das Buch Me-tse sagt:
Mö, Fürst von Tsching, verweilte in den) Ahnentempel,
als ein Gott bei dem Thore eintrat. Derselbe hatte den Leib
eines Vogels und trug ein ungeschmücktes Kleid. Er sprach:
jDer Kaiser wendet sich deiner glänzenden Tugend zu. Er
jheisst mich dir neunzehn Jahre Leben schenken. — Der Fürst
'sprach: Ich wage es, um den Namen des Gottes zu fragen. —
Der Gott sprach: Ich bin Keu-mang. '
^ Keu-mang (die gekrümmten Aehrenspitzeu) ist der Gott des Frühlings.
656 Pfizmaier.
Das Buch Han-tse sagt :
Die Menschen von Tsi sagten zu dem Könige von Tsi :
Der Aelteste des Flusses ist der Gott der Wasser. Der König
kennt ihn nicht. Möchte er mit ihm zusammentreffen. Wir
bitten, bewirken zu dürfen, dass der König mit ihm zusammen-
trifft. — Man errichtete jetzt die Bühne eines Erdaltars an dem
Ufer des grossen Wassers und stand daselbst mit dem Könige.
Nach einer Weile regte sich ein grosser Fisch. Hierbei sagte
man: Dieser ist der Aelteste des Flusses:
Das Buch der Berge und Meere sagt:
Tschi-yeu verfertigte Waffen und machte Uebergriffe. Der
gelbe Kaiser hiess Ying-lung ihn überfallen in der Wildniss
des Landstriches Ki. Tschi-yeu bat den Aeltesten des Windes
und den Vorsteher des Regens, dass sie loslassen Sturmwind
und Regen. Der gelbe Kaiser hiess die Himmelstochter, die
Dämonin der Dürre, herabkommen und dem Regen ein Ende
machen. Hierauf tödtete er Tschi-yeu. Die Dämonin der Dürre
konnte nicht mehr emporsteigen. An den Orten, wo sie weilt,
ist daher kein Regen.
Das Buch der inneren Schatten des gelben Vorhofes sagt:
Der äusserste Weg wird nicht belästigt durch Entschei-
dungen, er gibt Fortbestand den Schlammkugeln. Die hundert
Gelenke haben ihre Götter. Thsang-hoa (die grasgrüne Blume),
der Gott des Haupthaares, führt den Jünglingsnamen Tai-yuen
(der grosse Ursprung). Tsing-ken (die geistige Wurzel), der
Gott des Gehirns, führt den Jünglingsnamen Ni-hoan (die
Schlammkugeln). Ming-schang (das glänzende Obere), der Gott
des Auges, führt den Jünglingsnamen Ying-yuen (das blühende
Ursprüngliche). Yö-lung (der Erdhügel der Edelsteine), der
Gott der Nase, führt den Jünglingsnamen Ling-kien (das rein-
geistige Feste). Khung-hien (die hohle Schranke), der Gott des
Ohres, führt den Jünglingsnamen Yeu-tien (das versteckte Feld).
Thung-ming (der verkehrende Befehl), der Gott der Zunge, führt
den Jünglingsnamen Tsching-lün (die richtige Ordnung). Ngö-
fung (die Spitze der Uferhöhe), der Gott der Zähne, führt den
Jünglingsnamen Lo-tsien (das Tausend der Reihe). Die Götter
des ganzen Angesichts huldigen den Schlammkugeln.
Der Goistcrpflaulip in dem alten Hiina. Hf)?
Ta.n-yucn (das mennigrothc UrsprüiiiJ-liclu!), der Gott des
Herzens, führt den Jünglingsnamen Sclieu-ling (das Reingeistige
bewachend). Hao-hoa (die reinweisse Bkime), der Gott der
Lunge, führt den Jünglingsnamen Hiü-tsching ((his hierc Vol-
lenden). Lung-yen (der Drachenrauch) , der Gott der lieber,
führt den Jünglingsnamen Han-ming (Licht enthaltend). Yuen-
ming (das ursprüngliche Dunkel), der Gott der Nieren, führt
den Jünglingsnamen Yö-ying (Kinder aufziehend). Tschang-
tsai (einst dagewesen) , der Gott der Milz , führt den Jüng-
lingsnamen Hoen-ting (das Stillstehen der lichten Seele). Lung-
yao (das Sonnenlicht des Drachen) , der Gott der Galle, führt
den Jünglingsnamen Wei-ming (das Licht der Macht). Sie be-
finden sich in dem Inneren des Herzens, bringen in Umlauf
! die Ordnungen des Himmels, geben ihnen Tag und Nacht Fort-
bestand, vermitteln das lange Leben.
Die goldene Kiste des grossen Fürsten sagt:
König Wu machte zur Hauptstadt die Stadt Lö und hatte
sie noch nicht vollendet. Es trat Dunkelheit und Kälte ein,
und es fiel Schnee durch zehn Tage, Derselbe war eine Klafter
tief. Am Morgen des Tages Kiä-tse (1) erschienen fünf Männer,
die auf Wagen mit Pferden fuhren. Sie waren von zwei liei-
tern gefolgt und hielten vor dem Thore des Königs. Sie wollten
sich bei dem Könige Wu zum Besuche melden. König Wu
war nicht gesonnen, herauszutreten und sie zu empfangen. Der
grosse Fürst sprach: Es kann nicht sein. Der Schnee ist eine
) Klafter tief, und Wagen und Reiter hinterlassen keine Spur.
j Ich fürchte, es sind höchstweise Menschen. — Der grosse Fürst
1 nahm ein Gefäss mit Grütze, ging hinaus, öffnete das Thor und
j trat vor die fünf Wagen und die zwei Reiter, indem er sprach :
j Der König befindet sich im Inneren, er ist noch nicht ge-
j sonnen, herauszukommen. Um diese Zeit ist das Wetter kalt.
i Desswegen reiche ich heisse Grütze und lasse euch dadurch
i der Kälte widerstehen. Ich kenne noch nicht die Aeltereu und
I Jüngeren. Von wo soll ich beginnen? — Die beiden Reiter
! sprachen: Zuerst reiche man es dem Gebieter des südlichen
' Meeres, hierauf dem Gebieter des östlichen Meeres, hierauf (bim
i Gebieter des westlichen Meeres, hierauf dem Gebieter des nörd-
I Heben Meeres , hierauf dem Aeltesten des Flusses , dem Vor-
I Steher des Regens. — Als die Grütze zu Ende war, brachten
658 Pfizmaier.
die Gesandten ihre Meldung dem grossen Fürsten. Der grosse
Fürst sagte zu dem Könige Wu: Die Vorschreitenden können
empfangen werden. Die fünf Wagen mit den zwei Reitern
sind die Götter der vier Meere und der Aelteste des Flusses,
der Vorsteher des Regens. Der Gott des südlichen Meeres
heisst Tschö-yung (der Glänzende der Anrufung). Der Gott
des östlichen Meeres heisst Keu-mang (die gekrümmten Aehren-
stacheln). Der Gott des nördlichen Meeres heisst Yuen-ming
(das ursprüngliche Dunkel). Der Gott des westlichen Meeres
heisst Jö-scheu (der Sammler der Streu). Ich bitte, dass ich
einen Jeden der zum Besuche sich Meldenden bei seinem
Namen herbeirufen dürfe. — König Wu stand jetzt oben in
der Vorhalle, die zum Besuche sich Meldenden standen unter
der Vorhalle vor dem Thore. Man führte Tschö-yung herbei
und Hess ihn vortreten. Die fünf Götter waren erschrocken,
sie blickten einander an und seufzten. Tschö-yung verbeugte
sich. König Wu sprach: Der Himmel ist dunkel, und ihr
kommt aus weiter Ferne. Wodurch werdet ihr mich belehren?
— Sie sprachen: Der Himmel hat Yin gestraft und Tscheu
eingesetzt. Wir kommen ehrerbietig, z]i empfangen den Be-
fehl. Es ist unser Wunsch, aufzufordern den Aeltesteu des
Windes, den Vorsteher des Regens, und einen Jeden bieten zu
lassen, was seines Amtes ist.
Das Durchdringen der Sitten und Gewohnheiten sagt:
Tschao, König von Thsin, richtete einen Angriff gegen
Schö. Er hiess Li-ping die Wasser des Stromes bewachen. An
den Wassern des Stromes war ein Gott, der alljährlich zwei
Jungfrauen zu Weibern nahm. Der Vorgesetzte verabfolgte
liundertmal zehntausend Kupfermünzen und betrieb die Braut-
werbung. Fing sprach: Es ist nicht nothwendig. Ich habe
selbst Töchter. — Zur Zeit als Jener ankam, schmückte er seine
Töchter. Als man sie in den Strom versenken wollte , ging
Fing auf einem Fusswege zu dem Sitze des Gottes hinauf, er-
hob den Wein, schenkte ein und sprach: Jetzt ward es mir
möglich, die neun Verwandtschaften zu übergeben. Der Ge-
bieter des Stromes, der gi'osse Gott, zeigt eben sein geehrtes
Antlitz. Ich werde ihm den Wein reichen. ' — Fing warf zu-
erst den Becher hinein. Es war blos ein Gewoge der Wasser,
das nicht nachliess. Er schrie mit geller Stimme: Der Gebieter
Der GeistPiglaubp in rlem alten China 659
i
des Stromes schätzt mich gering. Ich werde ihn angreifen. —
Er zog das Schwert, und Jener ward phitzlich unsielitbar. Nach
längerer Zeit erschienen zw(!i grasgrüne Rinder, die auf der
Uferhöhe kämpften. Er kehrte zurück und sagte zu (hin Obrig-
keiten, dass sie ihm helfen möchten. Er sprach: Das echte
Weiss an der Lende desjenigen, der sich nach Süden wendet,
( ist mein breites Band. — Als er zurückkam , kämpften sie
I wieder. Der den Registern Vorgesetzte erstach denjenigen, der
i nach Norden gekehrt war. Der Gott des Stromes war todt,
j und man hatte nichts mehr zu besorgen.
Die kurz gefasste Geschichte der drei Tsi sagt:
Der Kaiser des Anfangs baute eine steinerne Brücke. Er
wollte in das Meer hinüber ziehen und den Ort sehen, wo die
Sonne aufgeht. Um die Zeit war ein göttlicher Mensch, der
es verstand, die Steine zu treiben und zu dem Meere hcrab-
zubringeu. Die Steine des ganzen Berges von Tsching-yang
erhoben sich iusgesamnit. Hoehgetliürmt neigten sie sich nach
Osten, schienen einander zu folgen und zu wandeln. Man sagt,
die Steine entfernten sich nicht schnell. Der göttliche Mensch
peitschte sie sofort. Sie vergossen Blut, und es war kein Stein,
der nicht gänzlich rutli war. Bis zu dem heutigen Tage sind
sie es noch immer.
Man sagt ferner: Der Kaiser des Anfangs baute in dem
Meere eine steinerne Brücke. Der Meei-gott stellte dabei die
Pfeiler auf. Der Kaiser des Anfangs war von dessen Güte
gerührt und verlangte ihn zu sehen. Der Meergott antwortete:
jlch bin von Gestalt liässlich. Versprich mir, dass Niemand
j mich abzeichnet. — Dreissig Weglängen von dem Steindammc
j sahen sie sich jetzt von Angesicht. Ein kunstfertiger Mensch
jdes Gefolges zeichnete mit dem Fusse dessen Gestalt. Der
jGott zürnte und sprach: Der Kaiser hat mir das Versprechen
! nicht gehalten. — Er entfernte sich schnell. Der Kaiser wen-
jdete die Pferde und kehrte zurück. Früher war er allein auf
Iden Füssen gestanden. Später brachen Beine undFüsse zusammen.
Es war ihm kaum möglich, das Ufer zu ersteigen. Derjenige,
der mit dem Fusse gezeichnet hatte, ertrank in dem Meere.
Die Denkwürdigkeiten des Reiches Hoa-yang sagen:
Tscheu vernichtete das spätere Thsin. König lliao-wen
ernannte Li-ping zum Statthalter von Schö. Ping war fähig,
660 rfizraaier.
den Schmuck des Himmels_, die Ordnung- der Erde zu erkennen.
Er nannte den Berg- Jü das Thor der Trommeltöne des Him-
mels. Dasselbe sei zweifelhaft, als ob man Götter sehe. Hierauf
errichtete er an dem Ufer des Flusses drei Tempel. Er ver-
stopfte den Strom und baute einen Damm. Er grub das Bett
des Stromes von Pi und Hess Schiffe laufen. Ferner bewässerte
er die drei Provinzen. Das bewässerte freie Feld von Schö
mass dadurch tausend Wegläng-en, und man nannte es das
Meer des trockenen Bodens. Die Welt nannte es das Ver-
sammlungshaus des Himmels. Ping verfertigte überdies fünf
steinerne Nashörner und hielt dadurch die Gespenster des
Wassers nieder. Damals befand sich in Tsing-tsching ein tiefes
Wasser. Dasselbe kam unter dem Berge Mung hervor, lief
versteckt unter der Erde und vereinigte sich mit dem Strome, i
Bei Nan-ngan stiess es an die Bergufer, die Wasseradern ge-
riethen in Bewegung, zertrümmerten und beschädigten die |
Schiffe. Ping- sandte Leute aus und liess die flachen Bergufer j
durchstechen. Da zürnte der Gott des Wassers, Ping erfasste ;
ein Messer, ging in das Wasser und kämpfte mit dem Gotte.
Bis zu der gegenwärtigen Zeit empfängt man den Segen.
Die alten Angelegenheiten des Kaisers Wu von Han sagen:
Der Kaiser opferte dem grossen Fussgestell. Der be-
ständige Glanz des Opfers erleuchtete die Stadtmauern von
Tschang-ngan gleich dem Glänze des Mondes. Der Kaiser
fragte Tung-fang-sö, was für ein Gott dieses sei. So sprach:
Dieses ist der Gott, der Vorsteher des Lebenslooses, derselbe,
der die Götter und Geister leitet. — Der Kaiser sprach : Wenn
ich ihm opfere, kann ich ihn heissen die Langjährigkeit ver-
mehren? — Jener antwortete: Bei Kaisern hängen die Lang-
jährigkeit und das Lebensloos ab von dem Himmel. Der Vor-
steher des Lebenslooses kann nichts thun.
Die Denkwürdigkeiten der Provinzen und Reiche sagen:
In dem Districte Jin-scheu in Ling-tscheu befindet sich |
der Brunnen von Ling. Derselbe gibt Salz von sich. Neben
dem Brunnen ist der Tempel der Edclsteintochter. Die Edel-
steintochter hatte ursprünglich keinen Mann. Später nahm man
jedes Jahr einen Jüngling und warf ihn in den Brunnen. Wenn
man ihn nicht brachte, blieb das Wasser aus. Ferner befand
sich in dem westlichen Gebirge der Provinz Schö eine grosse
Der GeisterglauTie in dem alten China. fiOl
)
Boa, die Menschen verzehrte. Ueber ihr befand sich ein Tempel.
, Man nannte sie den Gott des westlichen Gebirg-es. Jedes Jahr
t stellten die Menschen der Gegend mit Gewalt ein Mädchen
j neben den Tempel und bestimmten sie zur Gattin des Gottes.
I Die Schlang-e verzehrte es sogleich und schickte sich an, sich
zu entfernen. Wenn man nicht so that, so störte " und verletzte
I sie die Menschen. Als das Geschlecht Tscheu das Land Schö
1 beruhigte, ward Yü-wen-kuei, Fürst des Reiches Hiü, der Leiter
I von Yi-tscheu. Er verfasste eine Schrift , in welcher er sich
i zum Brautwerber des Gottes erklärte und eine Vermählung zu
I Stande brachte. Nachdem er den Tag gewählt und die Musik
I aufgestellt , brachte er das Bild der Edelsteintochter und gab
sie dem Gotte zur Gefährtin. Nachdem es so geschelien, war
j man von diesem Uebel befreit.
! Die Geschichte des Suchens der Götter sagt:
Tsiang-tse-wen stammte aus Kuaug-ling. Er liebte den
! Wein und das Vergnügen. Er sagte immer , seine Knochen
I seien grün und er werde nach seinem Tode ein Gott werden.
Gegen das Ende der Han ward er Beruhiger von Mö-ling. Er
verfolgte Räuber und gelangte an den Fuss des Berges der
I Weingefässe. Die Räuber griffen an , und er ward an der
I Stirne verwundet. Sie lösten das breite Band und banden ihn
damit. Nach einer Weile starb er. Zu den ersten Zeiten des
früheren Vorgesetzten von U sahen dessen Angestellte Tse-wen
I auf dem Wege. Derselbe ritt ein weisses Pferd , hielt in der
Hand weisse Flügelfedern , seine Aufwärter und sein Gefolge
waren so wie sie es bei seinen Lebzeiten gewesen. Tse-wen
I sprach: Ich soll der Gott dieses Gebietes werden. Errichtet
für mich einen Tempel. Wo nicht, so lasse ich Insecten in
die Ohren kriechen und richte Unheil au. — Der Vorgesetzte
von U nannte dieses ungeheuerliche Worte. Später drangen
wirklich Insecten den Menschen in die Ohren. Die Menschen
starben, der Arzt konnte sie nicht heilen. Tse-wen sagte ferncu- :
Wenn man mir nicht opfert, werden Feuersbrnnste entstehen,
j — Dieses Jahr entstanden mehrmals Feuersbrünste. Der Vor-
' gesetzte von U gerieth darüber in Besorgniss. Er setzte ihn
I zum Lehensfürsten von Tschung-tu ein, gab ihm das Siegel mit
! dem breiten Bande und errichtete einen Ahnentempel. Er ver-
änderte den Namen des Berges der Weingefässe und nannte
(lß2 Pfizmaier.
ihn ,Berg- des Geschlechtes Tsiang-', wodurch er tlessen Rein-
geistigkeit kundgab.
Die Verzeichnisse des Duukehi und Hellen sag-en:
Kaiser Hiao-wu von Tsin suchte unter dem Fenster der
nördlichen Vorhalle Schutz vor der Hitze. Plötzlich sah er
einen Menschen , der ein weisses gefüttertes Kleid und
ein Hemd von g-elbem gereinigtem Taffet trug. Dessen ganzer
Leib war benetzt und feucht. Er nannte sich den Gott des
Wassers in dem Teiche von Hoa-lin. Sein Name sei Lin-tsin.
Wenn er gut behandelt würde, wollte er Glück und Segen
spenden. Um die Zeit hatte der Kaiser getrunken und war
schon berauscht. Er nahm das Messer, mit dem er gewöhnlich
den Gürtel behängte, und warf es nach ihm. Das Messer flog
durch die Luft, ohne auf Widerstand zu stossen. Der Gott
zürnte und sprach: Du bist mir mit nichts Gutem begegnet.
Ich werde dich wissen lassen, warum ich hier weile. — Nach
kurzer Zeit starb der Kaiser eines plötzlichen Todes. Alle
riefen: Hier hat das Reing-eistige Unheil angerichtet.
Die Ueb erlief erungen von i\Ierk Würdigkeiten sagen:
Fei-tschang-fang" war im Stande, die Götter zu bewegen.
Später besuchte der Gebieter des östlichen Meeres den Gebieter
des (Flusses) Kö-po und trieb mit dessen Gemahlin Unzucht.
Fang rieth ihm. Jenen zu binden. Durch drei Jahre hei-rschte
in dem Lande des östlichen Meeres grosse Dürre. Tschang-fang-
kam in das Land des östlichen Meeres und sah, dass man mn
Regen bat. Er rieth dem Gebieter des Kö-po, Jenen zu ent-
lassen. Sofort erfolgten starke Regengüsse.
Der Garten der Merkwüixligkeiten sagt:
Tao-kan ging auf den Abort. Er sah etliche zehn Men-
schen, die sämmtlich in den Händen grosse Stäbe hielten. Einer
unter ihnen trug- ein einfaches Kleid und ein flaches Kopftuch.
Er nannte sich den späteren Kaiser und sagte: Der Gebieter
und Aelteste ist eig-ens herausgekommen , um mich zu sehen.
Wird man nach drei Jahren von deinem vornehmen Stand und
Reichthum reden, so kann Niemand es aussprechen. — Kau
erhob sich und setzte ihnen nach, aber er verfehlte die Stelle,
wo sie waren. Er entdeckte ein grosses Siegel. Dasselbe
bildete das Wort ,Füi-sf und fand sich an dem unreinen Orte.
Der Geisterglaube in üem alteu China. 663
Die Gespräclio dos Zeitalters sagen :
Siü-tselumg'-sü von U-hing; hatte mit Fao-iiuii-liai eine Ver-
bindung- des göttlichen Lichtes. Dieser wollte ihn die geheime
I Kunst mittheilen. Früher sagte er zu dem Mahne des Geschlechtes
I Siü: Du sollst ein Versprechen g-eben und einen Schwur leisten.
- Der Mann von dem Geschlechte Siü schwur, dass er in
I keine Dienste treten werde. Hierauf empting er die Verzeich-
nisse. Er sah immer acht g-rosse Götter, die sich zu seiner
Seite befanden. Er war fähig, zu wissen, wann sie kamen und
sah sie fortg-ehen. Seine Begabung- und seine Kenntnisse er-
schienen täglich wunderbarer. In den Districten und Bezirken
sprach man von ihm lauter Gutes, und man wollte ihn als Vorsteher
der Register des Districtes anstellen. Der Mann von dem Ge-
schlechte Siü freute sich im Herzen darüber. Die acht Göttei-
waren eines Morgens nicht zu sehen. P^iner, der von den Acht
noch geblieben war, benahm sich stolz und nicht wie gewöhnlich.
Der Mann vom Geschlechte Siü fragte ihn um die Ursache.
Jener antwortete: Du hast dem Schwur zuwider gehandelt.
Sie werden nicht mehr bei dir sein. Sie hiessen mich einziir
zurückbleiben, um die Verzeichnisse zu beschützen. — Der
Mann von dem Geschlechte Siü stellte die Verzeichnisse zurück
und leistete Verzicht.
In dem bilderlosen Gedichte Suug-yö's auf das göttliche
Mädchen wird gesagt:
Siang, König von Tsu, lustwandelte mit Sung-yo an der
Bucht des (Sees) Yün-mung. Er hiess Yö ein bilderloses Gedicht
auf die Dinge von Kao-thang verfertigeij. In diesi;r Nacht traf
Yü in dem Schlafgemache mit einem göttlichen Mädchen zu-
sammen, das von Gestalt sehr reizend war. Yö hielt sie für
sehr wunderbar. Den nächsten Tag meldete er es dem Könige.
Der König sprach: Wie sah sie aus? — Jener sprach: Am
Abende der neunten Stunde war ich im Geiste ganz verloren,
als ob ich etwas hätte, worüber ich mich freute. Ich sah ein
Weib, das sehr wunderbar war. — Der König sprach : Wie
sah sie aus? — Yö sprach : Blühend ! lieblich! Sämintliche Vor-
züge waren l)(;i der 11,1 iid ! Vnjlkommen! reizend! Es war schwer
zu ergründen! Ich kann sie nicht genug preisen. Als sie an-
fänglich kam, erglühte sie wie die weisse »Sonne, wenn sie erst
aufgegangen ist und die Balken der Dächer erleuchtet. Als
664 Pf izmaier.
4
sie ein wenig vortrat, war sie rein weiss gleich dem glänzenden
Monde, wenn er sein Licht verbreitet. In einem Augenblicke
entstand ihr lieblicher Anblick querüber. Was ihren vollen
Schmuck betrifft, so war es Feuerglanz des Flors, Fransen von
füniFärbiger Seide , glänzende Reine , bunter Schimmer der
Streifen. — Der König sprach : Wenn es so ist, so versuche
es, sie für mich in einem bilderlosen Gredichte zu besingen.
Die Erörterungen über die Beglaubigungsmarken der Kö-
nige sagen :
Jetzt üben die Weiber nicht die Darreichung von Speise
im Inneren. Sie lassen ruhen Seidenbau und Weberei, aber
sie beginnen zu lernen Zauberei und Beschwörung. Sie trom-
meln, tanzen, dienen den Göttern, betrügen und belügen da-
durch die unbedeutenden Menschen. Sie führen irre die hun-
dert Geschlechter. Gattinnen und Töchter sind abgezehrt und
schwach. Die Häuser, die krank sind, tragen in dem Busen
Kummer, sind von Betrübniss erfüllt. Sie empfinden leicht
Furcht und Baugen, so dass sie selbst bewogen werden zu ent-
laufen. In späterer Zeit trennen sie sich von den richtigen
Wohnhäusern, mehren und verdoppeln göttliche Strafen und
gelangen dadurch zu Untergang und Tod. Aber sie wissen
nicht , dass sie durch die Zauberer zu Grunde gerichtet
wurden und betrogen. Sie hassen dann wieder den Dienst der
Götter, aber zu spät.
In dem bilderlosen Gedichte des Königs von Tschin-sse
auf die Göttin des Lö wird gesagt :
Ich sah ein reizendes Wesen an der Grenze der Felsen.
Ich zog den Wagenführer heran und sagte zu ihm: Hast du
dort hingesehen? Was ist dort für ein Wesen, das so schön
und gross ist? — Der Wagenführer antwortete : Ich habe ge-, |
hört, die Göttin des Flusses und des Lö heisst mit Namen:
Königin Fö. Sollte es nicht sie sein, die der Gebieter und i
König gesehen hat? Wie sieht sie aus? Ich möchte es gerne i
hören? — Ich sprach: Von Gestalt war sie^, als sie wegflog, !
wie eine erschrockene Wildgans, als sie sichtbar blieb, wie ein \
wandernder Drache. Blüthe und Sonnenlicht, eine Goldblume j
des Herbstes, Blumen und Blätterfülle, eine Fichte des Früh-
lings. Undeutlich schwebend! Wie die leichte Wolke, die den
Mond verdeckt. Wirbelnd und sich erhebend! Wie der strö-
Der Geisterglaulio in dem alten China. 6ß5
mende Wind, der den Sclinee zurücktreibt. Ich blickte auf sie
aus der Ferne: sie war reinweiss wie das grosse Yang:, wenn
es den rothen Wolkendunst ersteigt. Ich erforschte sie, mich
I hinzudrängend: sie war feurig wie die Wasserlilie, die aus den
I grüngelben Wellen hervorkommt. Voll Leidenschaft finde ich
I Gefallen an ihrer Schöne. Mein Herz zittert, ist aufgeregt und
j lässt nicht ab. Ich habe keinen trefflichen Vermittler, der mich
zu ihr brächte. Freudig vertraue ich mich den kleinen Wellen
j und lasse das Wort zu ihr dringen. Ich möchte in Wahrheit
I mich ihr zuwenden, mich früher verständigen. Ich löse das
. Gürtelgehänge der Edelsteine und gebe ihr das Versprechen.
I Die Aufzeichnungen von dem Kaiser des Anfangs in den
! Erwähnungen der Geschichtsschreiber sagen:
Ein Gesandter kam aus Kuau-tung in der Nacht nach
i Hoa-yin. Auf dem Wege des flachen Feldes war ein Mensch,
j der in der Hand eine Rundtafel hielt. Derselbe verstellte dem
I Gesandten den Weg und sprach : Uebersende dieses in meinem
Namen dem Gebieter des Teiches von Hao. — Dabei saate
er noch: In diesem Jahre stirbt der ahnherrliche Drache. —
Der Gesandte fragte, was die Ursache sei. Jener war plötzlich
unsichtbar. Hierauf legte er die Rundtafel nieder und entfernte
I sich. Der Gesandte nahm die Rundtafel in Empfang und
i brachte es dem Kaiser zu Ohren. Der Kaiser schwieg. Nach
i längerer Zeit sprach er: Dei' Dämon des Berges weiss sicher"
nicht mehr als die Sachen eines Jahres.
Die in dem Buche der Han enthalteneu Denkwürdigkeiten
von den Erdopfern in den Vorwerken sagen:
Nachdem man die beiden Yue vernichtet hatte, hielten die
Menschen von Yue dieses für eine kühne That. Man sagte:
Bei den Menschen von Yue ist es Sitte, auf Dämonen zu halten
und deren Tempel sind zu sehen. Die Dämonen haben sie
; mehrmals aufgefordert. Einst ehrte der König des östlichen
1 Ngeu die Dämonen, und er ward einhundertsechzig Jahre alt.
i Die späteren Geschlechtsalter vernachlässigten sie. Desswegen
I war Abnahme und Verringei-uug. — Man befahl jetzt den
i Zauberern von Yue, Tempel von Yue mit bequemen Erdstufen
i ohne Erdaltäre zu errichten. Alan opferte auch den Göttern
! des Himmels, den Kaisern und den hundert Dämonen.
66G Pfizraaier.
Das Buch der Plan sagt:
Tien-fen war erkrankt. Sein ganzer Körper sehmerzte, als
ob Jemand ihn stiesse. Er rief, dass er bekenne und entschul-
digte sich wegen seiner Verbrechen. Der Kaiser hiess einen
Besichtiger der Dämonen ihn ansehen. Dieser sprach : Der
Lehensfürst von Wei-khi bewacht zugleich mit Hoan-fu. Dieser
peitscht ihn und will ihn tödten, — Zuletzt starb Tien-fen.
Das Buch der späteren Hau sagt:
Ti-U-lün war Statthalter von Kuei-ki. Zu den Sitten
dieses Landes gehörte es, dass man gerne übermässig opferte.
Die Menschen opferten gewöhnlich Rinder den Göttern. Die
Güter und die Erzeugnisse der hundert Geschlechter wurden
dadurch erschöpft und verringert. Diejenigen, die das Fleisch
der Rinder selbst assen und es nicht den Tempeln darreichten,
wurden krank. Wenn sie sterben wollten , Hessen sie früher
die Stimme der Rinder ertönen. Als Lün sein Amt antrat,
schickte er Schreiben aus, Hess sie den Districten zukommen
und gab den hundert Geschlechtern kund, dass Zauberer und
Beschwörer die Götter und Geister zum Vorwand nehmen und
das dumme Volk durch Lügen ängstigen. Er beschloss über
sie das Urtheil zu fällen. Später war alles sofort abgeschnitten.
Sung-kiün war Aeltester von Schin-yang. In diesem Lande
war es Sitte, dass man wenig lernte, abei* man glaubte an Zau-
berer und Dämonen. Kiün errichtete daselbst Schulen und ver-
bot die übermässigen Opfer. Die Menschen waren hiermit
zufrieden.
Lieu-ken besass die Kunst der Geister. Der Statthalter
Sse-khi hielt dieses für eine Ungeheuerlichkeit. Er Hess ihn
festnehmen und stellte ihn zur Rede, indem er sprach: Wenn
es Geister gibt, kannst du mir eine Probe zeigen. — Ken sprach:
Ich bin ziemlich im Stande, die Geister zum Plandeln zu be- i
wegen. — Hier sah er sich nach links um, nach rechts pfiff
er. Der verstorbene Vater und dit; nahen Verwandten Khi's,
etliche zehn an der Zahl, befanden sich auf- und abwandelnd j
vor Khi. Sie wandten sich zu Ken, schlugen die Häupter an
Der Geisterglaiibo in dem alten China. ßf)7
i
den Boden und sprachen: Wir kleinen Kinder liuben nichts
geleistet. Unser Loos wird zehntausendtacher Tod. • — Sie
schrien Khi an und sprachen : Deine Söhne und Enkel können
den Vorfahr nicht verherrlichen, und du beschimpfest ihn auf
diese Weise. Warum schlugst du nicht das Haupt an den Boden
und entschuldigst dich bei ihm? — Khi war traurig und er-
schrocken. Er weinte kummervoll, senkte das Haupt und bat
wegen seiner Verbrechen. Ken schwieg. Plötzlich entfernte
er sich, und man wusste nicht, wohin er gekommen.
Das von Wang-yin verfasste Buch der Tsin sagt :
Lieu-hung von Tschin-nan liess durch Khiü, Statthalter
I von Heng-yang, den Sohn des ehemaligen stechenden Vermerkers
iWang-I, das Land von Kuang-tscheu verwalten. Als Khiü
; nach Tschang-tscha gelangte, sah er einen Menschen, der gross
1 gewachsen und in ein einfaches Kleid von weissem Tuche ge-
I kleidet war. Derselbe hielt in der Hand eine Tafel und stand
! auf der Uferhöhe. Khiü besichtigte die Tafel, die besagte : Tu-
jling-tschi aus dem Kreise der Mutterstadt. Er liess ihn dess-
ihalb in das Schiff treten und sprach mit ihm. Derselbe gab
Jan, dass er das Weitstehende und Ferne ordne. Khiü fragte
jihn: Du bist ein Mensch des Kreises der Mutterstadt., Um
! welche Zeit bist du abs-ereist'? — Jener antwortete: Ich bin
' . . .
diesen Morgen abgereist. — Khiü verwunderte sich und fragte:
jDer Kreis der Mutterstadt ist von hier mehrere tausend Weg-
jlängen entfernt. Wie konntest du diesen Morgen abreisen und
jetzt ankommen? — Der Mann von dem Geschlechte Tu ant-
wortete: Ich befinde mich jetzt in dem Himmel. Der Kreis
jder Mutterstadt ist von diesem mehrere zehntausend Weglängen
|entfernt. Wie sollte ich bei mehreren tausend mich aufhalten?
Das Buch der Tsin sagt:
Tseu-tschen führte den Jünglingsnamen Jün-fu. Derselbe
jsah einst einen Menschen, der sich Ken-tschung-schü nannte.
[Sonst sagte er nichts. Dieses geschah öfter als einmal. Nach
{längerer Zeit besann er sich und sprach : Im Westen des Wohn-
ihauses befinden sich geliäufte Erde und zerschlagene Dachziegel.
iUnter ihnen ist ein Todter, Namens Ken-tsehung-schü. Ich bin
|der Mensch unter der Erde und den Dachziegeln im Westen
jdes Hauses. — Als Jener nachsah, verhielt es sich wirklich so.
:Er liess ihn feierlich auffassen und begraben. Als das Begräb-
Sitzb. (1. iihil.-hist. Cl. LXVm. Bd. 111. Ilft. 4;-}
668 Pfizmaier.
niss zu Ende war, träumte ihm, dass dieser Mensch kam und
sich bedankte.
Su-schao führte den Jüng-lingsnamen Hiao-sien und stammte
aus Ngan-ping'. Im Dienste brachte er es bis zu einem Befehls-
haber von Tschung-meu. Als er gestorben war, befand sich
Tsie, der neunte Sohn des Oheims Schao's, auf einem Wagen.
Er sah Schao am Tage. Derselbe trat von aussen ein und
fuhr mit Pferden, die weiss und schwarz waren. Er trug ferner
ein enges Kopftuch, ein gelbes auseinanderstehendes Hemd,
weisse Strümpfe und seidene Schuhe. Er hielt sich an das
Vordach des Wagens Tsie's. Tsie sagte zu seinen Brüdern:
Der Tschung-meu ist da. — Sie waren erschrocken, blickten
hin und sahen nichts. Er fragte Schao, wie er herkomme.
Schao sprach : Ich will anderswo begraben werden. Ich ver-
langte, dass ich mich auf einige Tage entfernen dürfe. — Er
Hess ferner die Brüder kommen, und diese setzten sich zu
Schao. Tsie sprach: Wenn ich dich nicht anderswo begraben
lasse, so ermahne ich ausserdem die Kinder. — Schao sprach:
Ich werde eine Schrift aufsetzen. — Tsie übergab ihm einen
Pinsel. Schao mochte ihn nicht und sprach: Die Schrift der
Todten ist von derjenigen der Lebenden verschieden. — Er
zeichnete für Tsie die Bilder der Schriftzeichen. Es war die
Schrift von Hu. <.
Er lachte hierauf, rief Tsie mit lautei- Stimme und schrieb :
Einst schiffte Wu, Lehensfürst von W^ei, auf dem west-
lichen Flusse und fuhr abwärts in der Mitte der Strömung.
Er blickte zurück und sagte zu U-khi : Wie herrlich die Feste
des Flusses und der Berge! Dieses ist die Kostbarkeit des
Reiches Wei. — Ich liebte nach meiner Gemüthsart die Haupt-
stadt Lö. So oft ich ging, kam, austrat und eintrat, blickte
ich auf den Berg Meng.' Welch' eine Freude! Er ist das
Fussgestell von zehntausend Geschlechtsaltern. Nordwärts hatte
ich im Rücken die Ueberfahrt von Meng-, den wasserreichen Fluss. j
' Ein Berg auf dem uördlicheii Gebiete der alten Hauptstadt Lö-yaug in j
Ho-nan. Die Grabstätten vornehmer Mensclieu befinden sieb häufig auf I
diesem Berge.
2 Die Ueberfahrt von Meng ist als die Stelle berühmt, wo König Wu von
Tscheu mit seinem Heere übersetzte.
Der GM steril aflbo in dorn ;iltPn Chin;i. 6G9
)
Im Süden blickte ich von fernem auf" die Stadt des Himmels,
eine hoclianselin liehe Fülle. Wurde hier mein Vorsatz auch
nicht ausgespi'ochen, s;rnh ich ihn doch in mein Herz. Ich er-
wäg'e nicht, was plötzlich im Busen g'ctragi'en wird. Es war
noch nicht entschieden, und ich ging' früher fort. Im zehnten
Monate mögest du mich schnell anderswo begraben. Wenn du
einige Morgen Landes kaufst, so ist dieses genügend.
Tsie führte Schao in das innere Haus. Er stellte einen
Sitz und opferte ihm. Jener mochte nicht sitzen, er nahm auch
das Opfer nicht an. Er sagte zu Tsie : Der Tschung-meu
liebte bei seinen Lebzeiten den W^ein. Ich kann ein wenig
jti'inken. — Schao ergriff mit der Hand den Becher und trank.
'Als er ausgetrunken hatte, sagte er: Es ist guter Wein. —
Tsie betrachtete den Becher, derselbe war leer. Nachdem
Schao fortgegangen, war der Wein in dem Becher so wie
früher.
j Er kam zu verschiedenen Zeiten, im Ganzen dreissigmal.
jDie Binider wurden mit ihm vertraut. Tsie fragte nach Dingen,
,n denen er zweifelte. vSchao sagte: Die Dinge im Himmel
nd unter der Erde kann man ebenfalls nicht insgesammt
jwissen. Yen-yuen und Pö-schang' sind gegenwärtig schrift-
l^chmuckordnende Leibwächter. Der Weiseste der Höchstweisen
janter allen Geistern der Menschen, die eintraten, ist Liang-
tsching. Der einfach Weiseste ist U-li-tse.
Tsie fragte : Wie kommt es, dass der Todte lebt ? —
Schao sprach: Es ist kein Unterschied. Der Todte ist leer,
der Lebende ist voll. Dieses ist der Unterschied. — Tsie
»prach: Warum kehrt der Todte nicht zu dem Leichnam
^urück? — Schao sprach: Es ist, als ob man dir einen Arm
,ibhiebe und ihn auf die Erde würfe. INIan geht liin , schält
,hn und zerspaltet ihn. Widerfährt dir dadurch ein Leid?
Per Todte entfernt sich von dem Leichnam auf die nämliche
^Veise. — Tsie sprach: Ein herrliches Begräbniss, ein schöner
ß-rabhügel, hat der Todte hieran Freude? — Schao sprach:
^s ist ihm nichts daran gelegen. — Tsie sprach: Wenn ilmi
lichts daran gelegen ist, warum lassest du dich anderswo be-
graben? — Schao sprach: Jetzt ist mir in Wahrheit nichts
' Yen-VTien und Pü-schang sind Schüler Kliung-tse's.
4.3*
670 Pfizmaier.
daran gelegen. Ich wollte blos den Willen, den ich bei Leb-
zeiten hatte, verkünden.
Schao wollte sich entfernen. Tsie hielt ihn zurück. Er
verschluss das Thor und Hess Kette und Riegel herab. Schao
hielt sich ihm zu Liebe ein wenig auf. Als er sich entfernt
hatte, sah Tsie, dass das Thor so wie früher verschlossen war,
aber Schao war bereits fortgegangen.
Beim Abschiede sagte Schao zu Tsie: Ich bin gegenwärtig
ein schriftschmuckordnender Leibwächter. Ich bewahre mein
Amt und habe nicht Zeit, dass ich kommen könnte. — Tsi^
fasste ihn bei der Hand und trennte sich. Seit der Zeit war
die Sache abgeschnitten.
Der Frühling und Herbst der fortgesetzten Tsin sagt:
Lo-yeu von Siang-yang befand sich in dem Versammlungs-
hause Hoan-wen's. Er bat oft seiner Armuth wegen um einen Erker.
Wen gewährte es in seiner Falschheit, aber er verwendete ihn
nicht. Unter den Menschen desselben Versammlungshauses war
einer, der eine Provinz erhielt. Wen gab Gesellschaft und
nahm von ihm Abschied. Yeu war ebenfalls dazu befohlen.
Als er kam, war es sehr spät am Abend. Wen fragte ihn.
Jener sprach : Als ich von dem Thore auf den mittleren Weg
hinaus trat, begegnete mir ein Dämon. Ich wurde arg mit den
Händen verspottet, und er sagte : Ich sehe, dass du Menschen
begleitest, indem sie eine Provinz verwalten. Ich sehe nicht,
dass die Menschen dich begleiten, indem du eine Provinz ver-
waltest. — Yeu war anfänglich geängstigt. Zuletzt schämte er
sich. Er bemerkte nicht, dass die Sache sich in die Länge
zog. Wen lachte und verwendete ihn.
Das Buch der Tsin sagt:
Tscheu-fang übernachtete in dem Einkehrhause des Pa- j
lastes, dem Ahnentempel des Sees. Am frühen Morgen stand j
er auf und ging auf den Abort. Daselbst sah er einen alten
Vater. Fang nahm ihn fest. Jener verwandelte sich in einen
Enterich.
Der Frühling und Her])st von Tsin sagt:
Als Fu-kien noch nicht geschlagen war, wehklagte auf
dem Markte von Tschang-ngan ein Dämon in der Nacht. In
einem Monate hörte er auf.
Der Geisterglauhe in dem alton Thina. HYl
Die Verzeichnisse des früheren Tschao sagen :
Im dritten Jahre des Zeitraumes Lin-kia (318 n. Chr.)
war Heuschreckenplage. Sofort entstand in den hundert Hallen
Unheil. Seit dieser Zeit wehklagte ein Dämon in den zwei
Palästen. Von einer Nacht zur anderen hcirte er nicht auf.
Die Verzeichnisse des späteren Tschao in dem Frülding
j.md Herbst der sechzehn Reiche von Thsui-hung sagen :
I Wei-piao führte den Jünglingsnamen Schö-hu und stammte
aus Fan-yang. Er wurde versetzt und zum Statthalter von
iFschung-schan ernannt. Wo er sich befand, erwarb er sich
•3inen Namen. Piao hatte eine geliebte Nebengemahlin , die
rüher starb. Später bewachte er den Süden von Pin-khiou.
Jie Nebengemahlin erschien ihm und sprach mit ihm. Den
olgenden Tag starb er.
Das Buch der Sung sagt:
Lieu-pe-lung war in seiner Jugend arm und bedrängt.
Ws er älter wurde, gelangte er zu der Würde eines Gehilfen
les obersten Buchführers zur Linken und eines Statthalters von
jvVu-ling. Seine Armuth und Dürftigkeit war ungemein gross,
j^ls er sich einst zu Hause befand, rief er wehmüthig die Leute
feiner Umgebung zu sich und wollte eilf Doppelschiffe bauen
lassen. Plötzlich sah er einen Dämon, der neben ihm stand,
liich die Hände hielt und laut lachte. Pe-lung sprach seufzend:
l^rmuth und Elend haben sicher ein Schicksal. Ich werde jetzt
vieder von einem Dämon verlacht. — Hierauf stand er ab.
Das Buch Tschuang-tse sagt:
Hoan, Fürst von Tsi, jagte in den Sümpfen, und Kuan-
schung lenkte den Wagen. Er sah einen Dämon. Der Fürst
iasste die Hand Kuan-tschung's und sprach: Was sieht der
H)heim? — Jener antwortete: Ich sehe nichts. — Als der Fürst
Surückkehrte, erkrankte er vor Mattigkeit und ging mehrere
Fage nicht aus. Unter den vorzüglichen Männern von Tsi
ivar ein gewisser Hoang-tse, der ohne angefragt zu hab(ai mel-
dete: Der Fürst hat sich selbst verletzt, wie könnte der Dämon
len Fürsten verletzen? Wenn diese aufbrausende Luft sich
•.erstreut und nicht zurückkehrt, so bewirkt sie Mangclhaftig-
ceit. Wenn sie aufsteigt, aber nicht herabsteigt, so macht sie
len Menschen zum Zorne geneigt. Wenn sie herabsteigt, aber
licht aufsteigt, so macht sie den Menschen vergesslich. Die-
672 Pfizmaier.
jonig-e, die nicht autsteigt und nicht herabsteigt, wenn sie den
Leib trifft, sich an das Herz legt, so bewirkt sie Krankheit.
Fürst Hoan sprach: Also gibt es Dämonen?
Jener sprach : Es gibt Schlamm des Wassers, es gibt einen
Boden, auf den man tritt. In dem Herde gibt es das geknüpfte
Haupthaar.' Der Kehrichthaufen innerhalb der Thüre, in ihnen
wohnt der Donner und der Donnerschlag. Im Wasser gibt es
den Wang-siang.2 Auf den Erdhügeln gibt es den Sin.-* Auf
den Bergen gibt es den Kuei.^ Im freien Felde gibt es den
Fang-hoang.5 In den Sümpfen gibt es den Wei-sche.''
Der Fürst sprach : Ich bitte fragen zu dürfen, wie der Wei-
sche aussieht. — Jener sprach : Der Wei-sche ist so gross wie
eine Nabe, so lang wie die Querstange des Wagens. Er trägt
ein purpurnes Kleid und eine hellrothe Mütze. Er ist ein böses
Wesen. Wenn er den Ton des Donners oder eines Wagens
hört, so hält er mit den Händen das Haupt und bleibt stehen.
Wer ihn sieht, ist nahe daran, zur Oberherrlichkeit zu ge-
langen. — Fürst Hoan lachte herzlich und sprach: Dieser ist
es, den ich gesehen habe.
Der Frühling und Herbst des Geschlechtes Liü sagt:
Im Norden von Liang liegt der Erdhügel von Li. In der
Abtheilung befindet sich ein wunderbarer Dämon. Derselbe
hat Freude daran, die Gestalt der Söhne, Neffen und Brüder
der Menschen nachzuahmen. In der Stadt war ein Mensch des
Stabes (ein Greis), der in seiner Zerstreuung auf den Markt
ging, sich betrank und heiinkehrte. Der Dämon des Erdhügels
von Li ahmte die Gestalt des Sohnes desselben nach. Er
' 3^ Ke ,das geknüpfte Haupthaar' ist die Gottheit des Herdes. Dieselbe
trägt ein rothes Kleid und hat die Gestalt eines schönen Mädchens.
2 Wang-siang (der Elephant des Jagdnetzes), ein Wasserungethüm, das
Menschen verzehrt.
3 Der Tfic. Sin hat die Gestalt eines Hundes und ist gehörnt. Sein Leib
besitzt buntglänzende Streifen.
* Der ^m Kuei ist ein Ungethüm der Bäume und Steine. Derselbe gleicht
einem Drachen und ist einfüssig.
'" Der Fang-hoang (auf- und abgehend) gleicht einer Schlange und hat zwei '
Köpfe. Er besitzt Streifen von fünf glänzenden Farben.
^ Wei-sche (sich windend wie eine Schlange) ist sonst auch der Name j
eines Fisches.
Der Geiste r^'liiiilip in i\om alton (Jhiua. ()73
stützte ihn und quälte ihn auf dem Wege. Der ]\[eiiscli des
Stabes kehrte heim, ernüchterte sich von dem Weine und stellte
iseinen Sohn zur Rede, indem er sprach : Ich bin dein Vater.
iBin ich etwa g'Cg-en dich nicht zärtlich? Was ist die Ursache^
jdass du mich auf dem Weg-e quältest, als ich berauscht war?
iDer Sohn warf sich nieder und stiess an den Boden, indem er
I sprach: Ich habe dieses nicht gethan. — Der Vater glaubte
jes und sprach: Leider! Es muss der wunderbare Dämon sein.
(Ich habe von ihm sichere Kunde. Moi-gcn werde ich wieder
lauf dem Markte trinken. Ich will mit ihm zusammentrefien und
■ ihn erstechen. — Am nächsten Morgen ging er auf den Markt
lund betrank sich. Sein wirklicher Sohn fürchtete, dass der
iVater nicht im Stande sein werde, zurückzukehren. Er ging
iSofort hin, um ihn abzuholen. Als der Mensch des Stabes ihn
erblickte, zog er das Schwert und erstach ihn.
Die äusseren Ueberlieferungen von Han-schi sagen:
Wenn der Mensch stirbt, so heisst er ein Dämon. JB
Kuei (ein Dämon) ist so viel als ^ Kuei (zurückkehren.)
'Die geistige Luft kehrt zurück zu dem Himmel. Das
[Fleisch kehrt zurück zu der Erde. Das Blut kehrt zurück zu
idem Wasser. Die Adern kehren zurück zu den Sümpfen. Die
jStimme kehrt zurück zu dem Donner. Regt sie sich, so kehrt
isie zurück zu dem Winde. Die Augen kehren zurück zu Sonne
bnd Mond. Die Knochen kehren zurück zu d(3n Bäumen. Die
iSehnen kehren zurück zu den Bergen. Die Zähne kehren
izurück zu den Steinen. Das Haupthaar kehrt zurück zu dem
jLeder. Die Luft des Athems kehrt wieder zurück zu dem
Menschen.
Das Durchdringen der Sitten und tiewohnheiten sagt:
Tscheu-ung-tschung von Jü-nan war anfänglich der Zuge-
sellte des grossen Beruhigers. Sein Weib gebar einen Knaben.
Als er der Reichsgehilfe von Pe-hai wurde, war der Angestellte
iTscheu-kuang im Stande, Dämonen zu sehen. Derselbe wurde
Vorgesetzter der Register in dem Durchsichtsamte der Bücher.
Jener Hess ihn zurückkehren, damit er die heimathliche Provinz
und den District ehre. Dabei sagte er zu ihm: Wenn die
iSache beendet ist, kannst du an einem Schalttage zugleich mit
jdem kleinen Sohne in dem Tempel aufwarten. — Der Vorge-
isetzte der Register verrichtete die Sache und kehrte zurück.
^7-4 Pfizmaier.
Ung-tschimg- fragte ihn. Jener antwortete : Ich sah blos
einen Metzg-er in abgenützten Kleidern und mit einem getheilten
Haarschopf an dem göttlichen Sitze kauern. Derselbe hielt in
der Hand ein Messer und hackte Fleisch. Einige Menschen
mit grünen Kleidern und Mützen, mit dunklen breiten Bändern
gingen auf und ab im Osten und Westen der verborgenen
Halle. Sie traten nicht vorwärts, ich weiss nicht, aus welcher
Ursache.
Ung-tschung fragte die Gattin: Warum hast du diesen
Sohn aufgezogen? — Das Weib gerieth in grossen Zorn und
sprach: Du sagtest immer, dass das Kind, was den Körper,
die Stimme und die Freude am Lernen betrifft, dir ähnlich ist.
Du willst, es sei gestorben und bringst wahnsinnige Reden
vor. — Ung-tschung sagte ihr, dass es bei dem Opfer so ge-
wesen. Wenn sie es ihm nicht gestehe, so würden Sohn und
Mutter auf der Stelle getrennt. Das Weib sagte weinend:
Einst, weil ich in Jahren vorgeschritten war und keinen Sohn
hatte, war ich nicht zufrieden. Ich vertauschte wirklich die
Tochter gegen den Sohn eines Metzgers. Ich gab für ihn
zehntausend Kupfermünzen,
Dieser Sohn war bereits achtzehn Jahre alt. Man schickte
ihn in sein Haus zurück und holte die Tochter ab. Die Tochter
war mit einem Kuchenverkäufer vermählt. Später vermählte
man sie an Li-wen-sse von Lung-si. Wen-sse brachte es im
Amte bis zu einem Statthalter von Nan-yang.
Das Buch Pao-pö-tse sagt:
Die Geschichte der neun Dreifüsse und das Buch des
grünen Reingeistigen sagen, dass es sowohl bei Menschen als
bei lebendigen Wesen, wenn sie sterben, einen Geist gibt. Der
Geist des Pferdes wandert gewöhnlicli in dunkler Nacht hinaus.
Seine Gestalt ist gleich einem flammenden Feuer.
Die Geschichte der ursprünglichen Mitte sagt:
Der Vogel von Ku-hoe fliegt in der Nacht und verbirgt
sich am Tage. Er ist nämlich eine Art Dämon und Geist. Er
bekleidet sich mit Federn und ist ein fliegender Vogel. Wenn
er die Federn ablegt, ist er ein Mädchen. Er heisst mit Namen :
die junge Tochter des Kaisers. Er heisst auch : der in der
Nacht Lustwandelnde. Er heisst auch: der Hakenstern. Er
heisst auch : der verborgen fliegende Vogel. Er hat keine
Der GeisterfflauVio in dem ;iUen China. 675
Kinder. Es ist seine Freude, die Kinder der IMenselien weg--
I zunehmen und sie als Kinder uufzuziehen. Wenn Menschen
kleine Kinder aufziehen, dürfen sie nicht deren Kleider sehen
I lassen. Dieser Vogel ermisst es und nimmt sog-leich die Kinder.
! In King'-tscheu gibt es deren viele. Einst sah ein jung-er Mann
[ von Yü-tschang- sechs bis sieben Mädchen auf einem Felde.
j Er wusste nicht, dass es Vögel seien. Er ging auf den Knien
j hin und fand zuerst ihre Federn, die er verbarg. Als er hinauf
! zu den Vögeln gelangte, entlief ein jeder und begab sich zu
I seinem Federkleide. Sie bekleideten sich damit und entfloiren.
Nur ein einziger Vogel konnte nicht fortkommen, und der
junge IMann machte ihn zu seinem Weibe. Dieses gebar drei
Töchter. Deren Mutter hiess später die Töchter den Vater
I fragen und erfuhr, dass die Kleider sich unter einem Haufen
{ Reisähren befinden. Sie erlangte die Kleider und entflog.
[ Später brachte sie Kleider den drei Töchtern. Als die drei
[ Töchter die Kleider erlangten, entflogen sie ebenfalls.
j Das Buch der göttlichen Merkwürdigkeiten sagt :
I In den nordöstlichen Gegenden gibt es dreihundert Tliürcn
j der Felsenhäuser der Dämonensterne. Dieselben haben ein
einziges gemeinschaftliches Thor. Die Inschrift einer Steintafel
} besagt : Thor der Dämonen. Am Tage öflfnet es sich nicht.
Wenn der Abend kommt, hört man daselbst Menschen reden
und sieht Feuer mit grüner Farbe brennen.
In den südlichen Gegenden gibt es Menschen, die dreimal
! zwei Schuhe lang sind. Sie sind nackt, und ihre Augen be-
j finden sich auf dem Scheitel. Sie laufen umher wie der Wind.
i Ihr Name ist Dämon. In den Reichen, wo sie erscheinen, ent-
steht grosse Dürre, die rothe Erde zeigt sich auf einer Strecke
von tausend Weglängen. Sie heissen auch Mütter der Dürre.
Sie heissen auch ^ Ho (Dachse). Wenn derjenige, der ihnen
1 begegnet, sie in einen Abort werfen kann, so sterben sie, und die
Dürre ist vergangen.
In den tiefen Gebirgen der westliclicn Gegenden gibt es
eine Art Menschen. Dieselben sind einen Schuh lang, haben
67ß Pfizmaier.
entblösste Schultern und fang-en Hummern und Krabben. Sie
haben jedoch keine Furcht vor den Menschen. Sie halten vor
den Nachtlag-ern und lehnen sich an das Feuer daselbst, wo
sie Hummern und Krabben braten. Sie warten den Aug-enblick
ab, wo die Menschen nicht da sind, worauf sie das Salz der
Menschen stehlen und damit die Krabben verzehren. Sie
heissen mit Namen ^ |_|j Schan-sao (Sao des Berges.) Mit ihren
Stimmen rufen sie sich selbst. Die Menschen legen g-ewöhnlich
Bambus in das Feuer. Sobald dieses Hitze verbreitet, er-
schrecken die Schan-sao. Ihnen etwas zu I^eide thun, bewirkt,
dass die Menschen Kälte und Hitze empfinden.
Die Geschichte der g-leichförmigen Herrichtung-en sagt:
Wang-kiung-tschi von Kuang-ling- war Befehlshaber von
Sin-ngan. Als er sich in dem Districte befand, sah er plötzlich
einen Dämon, der sagte, dass sein Geschlechtsname Tsai, sein
Name Pe-kiai. Zuweilen bespi'ach er sich wieder, ging zu
Ratlie und sagte Gedichte und Bücher her. Er kannte Alter-
thum und Gegenwart, es war nichts, worin er nicht gründlich
bewandert war. Jener fragte ihn, ob er der ehemalige Tsai-
yung sei. Er antwortete, er sei es nicht, er habe nur mit ihm
den gleichen Geschlechtsnamen. Jener fragte: Wo hat jetzt
dieser Pe-kiai seinen Aufenthalt? — Er sagte, er befinde sich
in dem Himmel. Zuweilen komme er herab und trete als Un-
sterblicher auf. Indem er herfliege und fortfliege, empfange er
Segen und sei sehr fröhlich. Es seien nicht mehr die frü-
heren Tage.
Der Wagebalken der Erörterungen sagt :
Unter den Menschen des hohen Alterthmns waren zwei
Brüder, Namens Schin-tu und Yö-lui. So lange sie lebten,
nahmen sie die Dämonen fest. Sie wohnten an dem östlichen
Meere, auf dem Berge Tö-sö unter einem Pfirsichbaume. Sie
überwachten die hundert Dämonen. Die Dämonen waren ohne
Weg und Ordnung, sie brachten nach Willkür den Menschen
Unheil. Schin-tu und Yö-lui banden sie mit Stricken von
Schilfrohr, ergriffen sie und speisten mit ihnen die Tiger.
Die Verzeichnisse des Dunklen und Hellen sagen :
Yuen-tschen veröffentlichte gewfihnlich Erörterungen, iu
denen er sagte, dass es keine Dämonen gebe. Ein Dämon
übermittelte ihm den Geschlechtsnamen und Namen, trat als
Der Geisterglauhe in dem alten Cliiua. 677
i . . . *
i Gast auf und begab sich zu ihm. Nachdem die Kälte in Wärme
' übergegangen , sprach man vorläufig von dem Glänze des
Namens. Der Gast zeigte sehr viele Begabung und Scharfsinn.
1 Er redete mit ihm lange Zeit. Als man auf Götter und Geister
! zu sprechen kam, wurde er roth und sagte: Götter und Geister
I sind etwas, das die Weisen und Höchstweisen des Alterthums
( und der Gegenwart in Gemeinschaft mit Worten überliefert
I haben. Warum sagst du allein, dass es keine gebe? Da bin
I ich gleich ein Dämon. — Hierauf verwandelte er sich und
I nahm eine seltsaine Gestalt an. Nach einer Weile war diese
sofort vernichtet. Der Mann von dem Geschlechte Yuen schwieg,
I und die Sache war ihm sehr zuwider. In einem Jahre starb er.
Wang-fu-sse verfasste weitere Erklärungen der Verwand-
lungen. Er verlachte ohne weiteres Tsching-yuen als Gelehrten
und sagte, der alte Sclave habe keine Gedanken. Um die Zeit
war es Nacht. Plötzlich hörte er an der äusseren Seitenthüre
ein Geräusch, als ob man Holzschuhe angezogen hätte. Nach
] einer Weile trat Jemand vor und meldete sich als Tsching-yuen.
i Dieser stellte ihn zur Rede und sprach : Du bist von Jahren jung.
! Warum durchstichst und zermeisselst du die Abschnitte der Schrift
und tadelst und setzest unbegründeter Weise herab Lao-tse? —
Er hatte eine äusserst zornige Miene. Sobald er ausgeredet
hatte, zog er sich zurück. Fu-sse bekam im Herzen Scheu
und hasste die richtschnurmässigen Bücher. In kurzer Zeit
ward er von einer schweren Krankheit befallen und starb.
Yuen-te-jü sah gewöhnlich auf dem Abort einen Dämon. '
Derselbe war eine Klafter lajig, von Farbe schwarz, und seine
i Augen waren gross. Er trug ein schwarzes Hemd, und ein
flaches oberes Kopftuch. Er war von ihm einen Schuh ent-
1 fernt. Te-jü war im Herzen ruhig. Er lachte unbefangen,
sprach mit ihm und sagte: Die Menschen sagen, dass die Dä-
monen verabscheuungswürdig sind. Dieses ist wirklich so. —
' Der Dämon schämte sich sogleich und zog sich zurück.
678 Pfizraaier.
In dem Zeitalter der Tsin war Wang-pieu-tschi jung' und
hatte noch kein Amt. Er sass einst allein und betete. Vor
ihm befand sich Bambusg-esträuch. Plötzlich hörte er Seufzer-
laute. Pieu-tschi empfand Furcht und wunderte sich, dass die
Stimme derjenigen seiner Mutter glich. Er ging daher hin und
sah nach. .Er sah seine Mutter, die so wie ehemals gekleidet
war. Pieu-tschi kniete nieder, verbeugte sich und weinte kum-
mervoll. Die Mutter sprach : Du schwebst eben in einer selt-
samen Gefahr. Von jetzt an, wenn ich weggegangen sein werde,
wirst du einen weissen Hund sehen. Wenn du im Stande bist,
über tausend Weglängen hinaus nach Osten zu ziehen, so kannst
du nach drei Jahren dem Unheil entkommen. — Hier war sie
plötzlich nicht mehr zu sehen. Pieu-tschi war schmerzlich be-
wegt. Als der Morgen kam und der Tag angebrochen war,
sah er blos einen weissen Hund, der ihm beständig folgte,
einherging und stehen blieb. Er richtete sich sogleich her,
packte ein und gedachte, sich nach Kuei-ki zu begeben. Er
zog dann über tausend Weglängen hinaus und kehrte nach drei
Jahren zurück. Im Gebete hörte er wieder die frühere Stimme.
Er ging hin und sah seine Mutter wie ehemals. Sie sagte zu
ihm : Weil du meine Worte beherzigt hast , komme ich und
wünsche dir Glück. Du wirst von jetzt an achtzig Jahre über-
schreiten, und deine Rangstufe wird diejenige eines Vorstehers
des Beginnes sein. — Später gingen die Worte der Mutter in
Erfüllung.
Yang-khi von Ho-nan führte den Jünglingsnamen Sching-
king. In seiner Jugend erkrankte er an einem Wechseltieber.
Er nahm seine Zuflucht in den Tempel und fand ein aus einer
einzigen Rolle bestehendes ungeschmücktes Buch. Es waren
Vorschriften, wie man die hundert Dämonen anstrengen könne,
so dass alles, wobei man sie anstrengt, ohne weiteres ausge-
führt wird. Er wurde Statthalter von Ji-nan. So oft man zu
dem Abort gelangte, sah man in der Höhe das Haupt eines
Dämons, das mehrere Schuhe lang war. Man meldete es Sching-
king. Dieser sprach: Dieses ist der Gott des strengen Reif-
frostes. Ich habe ihn angestrengt, damit er austrete, komme
und seine Gestalt vei-ändere wie ein Sclave. Ich schicke Briefe
Der Geistprglaulip in ilem alten China. • 079
in die Mutterstadt. Am Morg-en bricht er auf, am Abend kehrt
er zurück. Er unterzieht sich Aufträg-en mit der Kraft von
j tausend Menschen.
In dem Gebirg-e des Districtes Tung--tschang- lebt ein
Wesen, das wie ein Menscli gestaltet ist. Dasselbe ist vier
bis fünf Schuh hoch, nackt und von seinem Haupthaar bedeckt.
Das Haupthaar ist fünf bis sechs Zoll lang-. Es lebt gewöhn-
lich auf liohen Berg-en, zwischen Felsenwänden. Wo es weilt,
schickt es eine laute Stimme hervor, aber es bringt keine
Sprache zu Weg;e. Es kann pfeifen und sich g^egenseitig
rufen. Es ist gewöhnlich in Dunkelheit verborgen, und man
kann es nicht immer sehen. Es waren Menschen, die Holz
fällten und in dem Gebirge übernachteten. Mit Einbruch der
Nacht schliefen sie ein. Dieses Wesen nahm das Junge
in die Arme, kam aus dem von Bergen eingeengten Flusse
hervor und fing zwischen den Steinen Krebse. Es näherte sich
dem Feuer der Menschen, röstete die Krebse und speiste damit
j das Kind. Um die Zeit befand sich unter den Menschen Einer,
j der nicht schlief. Er weckte die Anderen in der Stille auf und
I sagte es ihnen. Sie erhoben sich schnell und grifien es in
i Gemeinschaft plötzlich an. Es entlief und Hess sein Junges
i zurück. Die Stimme desselben glich dem Geschrei eines
I Menschen. Dieses Wesen hiess eine Schaar männlicher und
! weiblicher anderer Wesen Steine herbeischleppen und die Menschen
j heftig angreifen. Erst nachdem sie hingelaufen waren und
I das Junge gefunden hatten, standen sie ab.
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt:
An den Orten der Verwaltung von Kuang-tscheu gab es
einen gelbgekleideten Dämon. Derselbe zog aus und verhängte
Strafe. Die Kleider und die Seitentheile der Mütze, die er
I trug, waren gelb. Wenn er zu den Häusern der Menschen
1 gelangte, sperrte er den Mund auf und lachte. Man bekam
! dort sicher die Pest. Länge und Kürze waren nicht beistimmt,
! er folgte und trennte sich auf den Höhen und in dov Tiefe.
j Dass er nicht auszog, sind bereits zehn Jahre. In dem Lande
ist das Entsetzen allgemein und die Furcht nimmt kein Ende.
680 Pfizmaier.
Als Lö-ki zum ersten Male in Lö drang-, hielt er in
Yen-sse, einem Districte von Ho-nan. Um die Zeit war es
Abend, und er sah von ferne zur Linken des Weg-es etwas
gleich Wohnsitzen des Volkes. Er ging- daher hin und bezog
ein Nachtlager. Er sah einen Jüngling von göttlicher Gestalt
und richtigem Ebenmasse. Derselbe sprach mit Ki und Hess
sich mit ihm in Eriirterungen ein. Er fand auf wundervolle
Weise das ursprüngliche Unscheinbare. Ki beugte sich im
Herzen vor dessen Fähigkeiten und hatte nichts, um den
Widerspruch ins Licht zu setzen. Ki erfasste das Alterthum
und die Gegenwart, prüfte die Wirklichkeit des Namens. Der
Jüngling war hierüber nicht sehr erfreut. Nachdem er die Aus-
einandersetzungen verstanden, entfernte er sich sogleich. Ki
kehrte mit dem Dreigespanne in einer Herberge ein. Ein altes
Weib aus der Herberge sagte : Hier im Osten befindet sich auf
einer Strecke von mehreren zehn Weglängen kein Dorf und
keine Niederlassung. Es sind daselbst blos die Grabhügel des
Hauses des Königs von Schan-yang. — Ki verwunderte sich.
Er kehrte missmuthig zurück und blickte auf den gestrigen
Weg. Es war eine leere Wildniss. Staubwirbel, Wolken und
zusammengedrängte Bäume verfinsterten die Sonne. Er Avusste
jetzt, dass derjenige, mit dem er zusammengetroffen, der König
Pi von Sin gewesen.
Yuen, Lehensfürst von Hia, wurde auf Befehl des Königs
King von dem Geschlechte Sse-ma hingerichtet. Die Menschen
des Stammhauses veranstalteten für ihn ein Opfer. Sie sahen
Yuen kommen. Auf dem reingeistigen Sitze nahm er sein Haupt
herunter und legte es auf die Kniee. Er nahm die Speisen,
Dinge wie Wein, Gehacktes, und steckte sie in den Hals. Als
er damit zu Ende war, kehrte er zurück. Er befestigte
das Haupt und sprach : Ich habe meine Bitte durchgesetzt
bei dem Kaiser. Der Sohn Yuen wird keine Nachkommen
haben.
Der GnisterprhvHlip in ilom alten China. HSl
Sie-Hng-yün sah im fünften Jahre des Zeitraumes Yuen-
kia (428 n. Chr.) plötzlich Sie-hoei. ' Derselbe hielt sein Haupt
hoch in den Händen, kam und setzte sich auf ein besonderes
Bett. Das Blut träufelte und hei herab auf eine Weise, dass
man den Anblick nicht ertragen konnte. Auch das Pelzkleid
aus Leopardenfell, in das sich Jener kleidete,, war in Blut
getränkt, das den Koffer erfüllte. Als er die Provinz Lin-
tschuen verwaltete, fanden sich in seiner Speise mehrmals grosse
Insekten. Der Mann von dem Geschlechte Sie wurde hierauf
hingerichtet.
In dem Zeitalter hatte man die purpurne Muhme, Von
jeher erzählte man sich gegenseitig in Ueberlieferungen, sie sei
das Kebsweib eines Menschen gewesen. Sie sei von dem
grossen Weibe im Umgange belogen worden und dieses habe
sie zu Dienstleistungen bei schmutzigen Dingen verwendet. Am
fünfzehnten Tage des ersten Monates des Jahres ärgerte sie
sich und starb. Dessw^egen verfertigten die späteren Menschen
au diesem Tage ihr Bild und zogen in der Nacht an Seiten-
orten oder neben einer Schweinshürde entgegen. Sie riefen sie
mit den Worten an: Tse-siü ist nicht da, der Mann der Tsao
kehrt auch heim. (Tsao ist das grosse Weib.) Die kleine Muhme
kann austreten und spielen. — Wenn man warf und eine Schwere
bemerkte, so kam die Göttin alsbald. Man trug ihr Wein und
Früchte auf. Man bemerkte auch, dass ihr Angesicht in heller
Farbe glühte. Sie sprang und hüpfte dann ohne Aufhören.
Sie konnte über alle Dinge wahrsagen, ihre Wahrsagung er-
streckte sich jedoch niclit auf Seidenraujjen und Maulbeerbäume.
Sie war ferner geschickt im Pfeilschiessen und Angeln. Wenn
sie gut aufgelegt war, so tanzte sie stark. Wenn sie schlecht
aufgelegt war, so legte sie sich zurück und schlief. Der Mann
von dem Geschlechte Meng aus Ping-tschang glaubte dieses
niemals. Er prüfte es selbst, ging hin und erfasste sie. Sie
sprang in die Höhe, durchlöcherte den Obertheil des Zeltes
und verschwand. Man verlor ihre Spur für immer.
1 Sie-hoei hatte sich im dritten Jahre des Zeitraumes Yuen-kia (426 n. Chr.)
in Kiaiig-liiig empört. Er wurde iu demselben Jahre durch ein von dem
Kaiser bofeldigtes Kriegsheer geschhxgen und hingerichtet.
682 Pfizmaier.
Yuen-sieu führte den Jünglingsnamen Siuen-tse. Er erör-
terte, ob es Dämonen gebe oder keine. Einig-e meinten, dass
der Mensch, wenn er stirbt, einen Dämon hat. Siuen-tse allein
war der Meinung-, dass er keinen habe. Er sprach : Jetzt sagen
diejenigen, die einen Dämon sahen , er sei mit den Kleidern
bekleidet gewesen, die er bei seinen Lebzeiten getragen. Wenn
der Mensch stirbt und einen Dämon hat, haben da die Kleider
einen Dämon ? — Die Erörternden bekannten sich für überwunden.
Die Ueberlieferungen der gereihten Merkwürdigkeiten
sagen :
Tsung-ting-pe von Nan-yang wandelte zur Zeit seiner Ju-
gend in der Nacht und begegnete einem Dämon. Er fragte
ihn: Wer bist du? — Der Dämon sprach: Ich bin ein
Dämon. — Der Dämon sprach: Wer bist denn du? Ting-pe
täuschte ihn und sagte: Ich bin ebenfalls ein Dämon. Ich will
auf den Markt von Wan gelangen. — Der Dämon sagte: Ich
will ebenfalls auf den Markt von Wan gelangen. — Sie gingen
mit einander mehrere Weglängen. Der Dämon sagte: Wir
schreiten mit grosser Schnelligkeit einher. Wir können ein-
ander abwechselnd auf den Schultern tragen. — Ting-pe war
sehr erfreut. Der Dämon trug zuerst Ting-pe mehrere Weg-
längen weit auf den Schultern. Der Dämon sagte: Du bist
sehr schwer. — Ting-pe sagte: Ich bin erst kürzlich gestorben,
desswegen bin ich schwer. — Ting-pe trug jetzt wieder den
Dämon auf den Schultern. Der Dämon hatte gar keine Schwere.
Auf diese Weise geschah es zwei- bis dreimal. Ting-pe sagte
wieder: Ich bin erst kürzlich gestorben. Ich weiss nicht,
wovor die Dämonen insgesammt Scheu haben. — Der Dämon
antwortete: Sie haben nur keine Freude, wenn der Mensch
ausspuckt.
Hierauf stiessen sie auf ihrem gemeinschaftlichen Wege
auf einen Fluss. Ting-pe hiess jetzt den Dämon zuerst durch-
setzen. Er horchte und hörte durchaus kein Geräusch. Ting-
pe setzte mit einem starken Geräusche durch. Der Dämon |
sagte wieder: Warum machst du ein Geräusch? — Ting-pe j
sprach: Ich bin erst kürzlich gestorben und nicht gewohnt,
einen Fluss zu durchsetzen. Mögest du dich nicht wundern.
Im Gehen wollten sie nach Wan gelangen. Ting-peJ
nahm sogleich den Dämon auf die Schultern. Als er ihm übel
Per Geisterglaulie in flem alten China. TiSS
iem Kopfe war, hielt er iliu schnell fest. Der Dämon schrie
aut, lärmte mid suchte herabzukommen. Jener g-ab ihm kein
jrehör mehr. Er gelang-te unverzüglich auf den Markt von Wan.
Ms er ihn auf die Erde setzte, verwandelte sich der Dämon
u ein Schaf. Jener verkaufte ihn sofort. Da er fürchtete, dass
3r sich wieder verwandeln könne, spuckte er auf ihn. Er erhielt
eintausend fünfhundert Kupfermünzen und entfernte sich. Um
iie Zeit bezeichnete man Ting-pe als einen Mann, der einen
Dämon verkauft und für ihn eintausend fünfhundert Kupfer-
nünzen erhalten hatte.
Zu Ying-ling in Pe-hai war ein Wegmeusch, der im Stande
A'ar, Zusammenkünfte der Menschen mit den Todten zu veran-
stalten. In der nämlichen Provinz war ein Mensch, dessen
Weih bereits vor mehreren Jahren gestorben war. Derselbe
lörte von dem Wegmenschen, ging hin, besuchte ihn und sprach :
i'Iöchtest du mich ein einziges Mal sie sehen lassen. Wenn
eh dann stürbe, wäre es mir ebenfalls nicht leid. — Der
\lensch des Weges belehrte ihn, wie er sie sehen könne. Hier-
luf bewirkte er, dass er mit ihr zusammentraf. In ihren Worten
var Schmerz und Freude. Ihre Güte und die Eigenschaften
hrer Seele waren wie zur Zeit ihres Lebens. Nach längerer
^eit h()rte man den Ton einer Trommel. Sie nahm alsbald
abschied und entfernte sich.
Die Geschichte des Suchens der Götter sagt:
Ho-schang von Kieu-kiang wurde zu den Zeiten der Ilan
stechender Vermerker von Kiao-tschi. Seine wandernden Ab-
iheilungen gelangten nach Thsang-wu. Am Abend bezog er
iin Nachtlager in dem Einkehrhause des Laufes der Schwäne.
Es war noch nicht Mitternacht, als ein junges Weil) von dem
Pusse des Stockwerkes ihm zurief und sprach : Ich wohne ur-
spiünglich in dem Districte Kuang-sin und bin zu Hause in
1er Gasse Sieu. Ich verlor frühzeitig meine Eltern, ich hatte
i^eine Brüder und vermählte mich mit einem in demselben Di-
stricte wohnenden Manne von dem Geschlechte Schi. Dem-
selben war ein kurzes Leben beschieden. Als mein Mann starb,
besass er einhundert zwanzig Stücke verschiedenartigen TafFets
und eine Sclavin, Namens Tschi-fu. Ich war verwaist, elend,
Sitzb. d. pliil.-hist. Cl. LXVni. Bd. Hl. Hft. 44
684 Pfizmaier.
abgezehrt und schwach. Ich war nicht im Stande, mir zu
helfen. Ich wollte mich in den nebenanliegenden District be-
geben und den TafFet verkaufen. Ich miethete von einem in
demselben Districte wohnenden jungen Manne, dessen Name
Wang-pe, einen Wagen und ein Gespann Rinder. Ich lud den
Taffet auf und bestieg den Wagen. Tschi-fu erfasste die Zügel.
Wir gelangten im vierten Monate des vorigen Jahres vor das
Einkehrhaus. Es war um die Zeit Abend, die des Weges
ziehenden Menschen waren verschwunden, und ich getraute
mich nicht, wieder vorwärts zu gehen. Ich hielt daher an.
Tschi-fu bekam plötzlich Bauchschmerzen. Ich begab mich
daher zu dem Gebäude des Aeltesten des Einkehrhauses und
bat um zubereiteten Trank und Feuer. Allein der Aelteste
des Einkehrhauses, ein Mann, dessen Name Si-scheu, erfasste
ein Messer und eine Hakenlanze, kam an die Seite des Wagens
und fragte mich: Woher kommt die vornehme Frau? Was für
Gegenstände sind es, die auf den Wagen geladen wurden? Wo
ist der Mann? Warum reist man allein? — Ich erwiderte:
Warum fragst du? — Scheu ergriff meinen Arm und sprach:
Die jungen Leute lieben es, wenn man Schönheit besitzt. Es
ist zu hoffen, man kann sich dessen erfreuen. — Ich ward von
Furcht befallen und erwiderte nichts. Scheu ergriff sofort das
Messer und brachte mir unter den Rippen eine Stichwunde
bei, an der ich auf der Stelle starb. Er stach ferner Tschi-fu
und auch dieser starb. Scheu ffrub die Erde unter dem Stock-
werke auf und begrub uns gemeinschaftlich , mich unten , die
Sclavin oben. Er nahm die kostbaren Gegenstände und ent-
fernte sich. Er tödtete die Rinder und verbrannte den Wagen.
Die Naben des Wagens und die Knochen der Rinder befinden |
sich aufgehäuft in dem östlichen Brunnen des Einkehrhauses.
Ich bin bereits gebrochen und gestorben, mein Schmerz rührt)
den erhabenen Himmel, ich habe nichts, wo ich es anzeigen
könnte. Desswegen komme ich und wende selbst mich zu dem
Gebieter, dem erleuchteten Gesandten.
Schang sprach: Wenn ich jetzt hervortreten wollte, wie
würdest du es beweisen? — Das junge Weib sprach: Ich trugi
obere und untere weisse Kleider, Schuhe von grünen Seiden-'
fäden, was alles noch nicht verfault ist. Mein Geschlechtsnara«'
ist Su, mein Name Ngo. Ich wünschte, dass mau sich in der
Der Geisterglaube in ileni alten China. ßHf)
(xusse des Bezirkes erkundige und die zerstreuten Gebeine zu
meinem verstorbenen Manne zurückbringe.
Schang kehrte jetzt in schnellem Laufe zurück und hiess
jdie Angestellten Scheu festnehmen. Sie verhörten ihn und er
j gestand. Man schickte zu dem Districte Kuang-sin herab und
die Sache stimmte mit den Worten Ngo's überein. Die Eltern
und Geschwister Scheu's wurden festgenommen und in dem
Gefängnisse gebunden. Schang gab folgendes kund: Scheu ist
;nach dem gewöhnlichen Gesetze ein Mörder, und hier bleiben
jdie Verwandtschaften unbei'ührt. Allein Scheu that Böses und
verheimlichte es über ein Jahr. Dieses ist etwas , was nach
dem Gesetze der Könige nicht verziehen wird. Dass aber
Dämonen und Geister die Anzeige machen, davon hat man in
tausend Jahren kein einziges Beispiel. Ich bitte, dass man sie
alle enthaupte, um ins Licht zu stellen die Dämonen und Geister,
zu befördern die verborgene Lehre.
Lu-tschung war ein Eingeborner von Fan-yang, Dreissig
Weglängen westlich von seinem Hause befand sich das Grab-
mal des kleinen Vorrathshauses ' von dem Geschlechte Thsui.
Tschung war zwanzig Jahre alt und verliess an dem Tage vor
der Ankunft des Winters das Wohnhaus, um im Westen zu
jagen und zu spielen. Er sah ein Reh, nach dem er schoss
und das er traf. Das Reh entzog sich und entlief. Tschui^g
verfolgte es, ohne die Entfernung zu bemerken. Plötzlich sah
er an dem Wege in dei* Entfernung einer Weglänge ein hohes
Thor und ein Ziegeldach. Im Umkreise befanden sich nach
allen vier Gegenden Gebäude, die den Gebäuden eines Vor-
rathshauses gleichen. Er band daselbst das Reh unter dem
Glöckchen in dem Tliore. Vor dem Wegweiser der Gäste war ein
• Mensch, der ihm ein neues Kleid zuwarf und sprach: Der Ge-
I bieter des Vorrathshauses schickt dieses dem Jüngling. —
I Tschung zog es sogleich an. Nachdem er vorgetreten, sah er
den Angestellten des kleinen Vorrathshauses. Dieser spi^ach
* Das kleine Vorratlishaus (Scliao-fu) ist ein Angestellter, der sich mit den
Abgaben von dem Meere, den Bergen, dem Boden und den Sümpfen
befasst.
44*
ß8ß Pfizmaier.
ZU ihm: Der Gebieter des geehrten Vorrathshauses hielt mein
Thor nicht für niedrig". Vor Kurzem erhielt ich ein Schreiben,
worin gesagt wird, dass ich für dicli ein kleines Mädchen suchen
solle, um sie mit dir zu vermählen. Desswegen ging ich dir
entgegen. — Sofort zeigte er Tschung das Schreiben. Obgleich
Tschung zur Zeit, als sein Vater starb, noch klein war, er-
kannte er doch die Handschrift des Vaters. Er schluchzte
sofort und weigerte sich nicht mehr. Jener forderte sogleich
das Innere mit den Worten auf: Der Jüngling von dem Ge-
schlechte Lu ist gekommen. Man kann dem jungen Mädchen
auftragen, dass es sich schmücke. — Als der Abend dämmerte,
meldete das Innere, dass das junge Mädchen geschmückt sei.
Endlich sagte der Mann des Geschlechtes Tlisui zu Tschung :
Du kannst zu dem Osten hinkommen. — Das Weib des Man-
nes von dem Geschlechte Thsui stieg von dem Wagen , stand
an dem Ende des Teppichs und verbeugte sich.
Hierauf waren drei Tage zu Ende. Der Mann von dem
Geschlechte Thsui sagte zu Tschung: Du kannst heimkehren
und dich entfernen. Wenn die Tochter einen Knaben gebärt,
so werde ich ihn dir zurückschicken. Wenn sie ein Mädchen
gebärt, so werde ich es behalten und aufziehen. — Er forderte
das Aeussere auf, in einem geschmückten Wagen den Gast zu
begleiten. Tschung verabschiedete sich jetzt und trat aus. Als
er zu Hause ankam, sah ihn seine Mutter und fragte ihn um
die Ursache seines Ausbleibens. Tschung legte in seiner Ant-
wort den ganzen Sachverhalt dar.
Vier Jahre später, im dritten Monate des Jahres, blickte
Tschung auf das Wasser herab und spielte. Plötzlich sah er
einen Kälberwagen, der bald untersank, bald schwamm. Hierauf
erreichte er die Ilferhöhe. Die vier Sitze waren sichtbar, und
Tschung ging hin und öffnete ihn. An der rückwärtigen Thüre
des Wagens sah er die Tochter des Geschlechtes Thsui, die
mit einem dreijährigen Knaben spielte. Die Tochter nahm das
Kind in die Arme und gab es Tschung zurück. Ferner gab
sie ihm eine goldene Schale. Sie ward dann plötzlich unsichtbar.
Tschung bestieg später einen Wagen und fuhr auf den
Markt, um die Schale zu verkaufen. Erhoffte, dass sie Jemand
erkennen wcsrde. Eine Sclavin erkannte diese Schale. Sie kehrte
zurück und meldete in einem grossen Hause : Auf dem Markte
Der GeistergUiulie in dorn alten Cliiua. (jö i
sali ich einen IMenschen^ der in einem Wag-cn tulir und die
goldene Schale in dem Sarg'c des jung'cn Mädchens von dem
Geschlechte Thsui verkaufte. — Das grosse Haus war die
eigene Mutter der Mutterschwesteru des Mannes von dem Ge-
schlechte Thsui. Dieselbe schickte eines ihrer Kinder, damit
es nachsehe. Es Avar wirklich, wie die Öclavin, gesagt hatte.
Jenes sagte zu Tschung: Einst vermählte sich meine Mutter-
schwester mit dem kleinen Vorrathshausc. Sie gebar eine Tochter,
die noch unvermählt starb. Die Verwandten des Hauses
empfanden darüber Schmerz. Sie schenkten eine goldene Schale
und legten sie in den Sarg. Du kannst mir umständlich er-
zählen, wie du die Schale erlangt hast. — Tschung erzählte,
wie die Sache sich verhielt. Dieses Kind war ebenfalls schmerz-
lich gerührt und schluchzte laut. Es kehrte zurück und mel-
dete es der Mutter. Die Mutter befahl sogleich, dass man sich
in das Haus Tschuug's begebe und das Kind zurückbringe.
Sämmtliche Verwandte waren versammelt. Das Kind hatte das
Aussehen des Mannes von dem Geschlechte Thsui, es hatte
aber auch Aehnlichkeit mit Tschung. Das Kind und die Schale
gaben zugleich Zeugniss.
Die Mutter der Mutterschwestern sprach: Es ist ausser-
halb unseres Wohnsitzes geboren. Somit sei sein Jünglings-
name Wen-hieu (mild und trefflich). Mild und trefflich ist der
verborgene Eidam. — Es bildete hierauf seine edlen Gaben
aus und gelangte allmälig bis zu der Würde eines Statthalters
der Provinz. Später wurde der eingesetzte Sohn Yö in der
Welt berühmt.
Zwischen den Bergen von Lin-tschuen gibt es ungeheuer-
liche Wesen. Dieselben kommen gewöhnlich mit Sturm und
Regen. Sie haben eine Stimme wie ein Pfeifen und sind im
Stande, die Menschen mit Pfeilen zu schiessen. Nach einer
Weile schwillt die Wunde von dem starken Gifte. Es gibt
Männchen und Weibchen. Das Männchen ist schnell, jedoch
das Weibchen ist langsam. Das Schnelle bleibt nicht länger
als einen halben Tag. Das Langsame bleibt über Nacht. Die
Menschen jener Gegenden haben gewöhnlich etwas, um sie auf-
zusuchen. Wenn es ein wenig spät ist, sterben sie. Es ist
ß38 Pfizmaier.
Sitte, sie aufzusuchen. Ihr Name ist: die mit dem Messer
arbeitenden Dämonen.
In der Provinz Yung-tschang , District Pü-wei, g-ibt es
das verbotene Wasser. Dieses Wasser hat den Hauch des
Giftes. Bios in dem eilften und zwölften Monate des Jahres
kann man übersetzen. Vom ersten bis zum zehnten Monate
des Jahres kann man nicht übersetzen. Setzt man über, so
macht es ohne weiteres den Menschen erkranken und tödtet
ihn. In diesem Hauche befindet sich ein böses Wesen, dessen
Gestalt man nicht sieht. Es gibt einen Ton von sich, als ob
man etwas würfe. Trifft es einen Baum, so bricht es ihn.
Trifft es einen Menschen, so verdirbt es den Menschen. Man
nennt es insgemein: die Kug-elarmbrust der Dämonen.
Die Ueberlieferungen von Männern der Schrift sagen:
Als Tso-sse das bilderlose Gedicht auf die Hauptstadt von
Schö verfertigte, sagte er in ihm: Durch die fliegenden Kugeln
der Kugelarmbrust der Dämonen ist der Boden steinig und
schlecht. — Später veränderte er wieder das Gedicht und Hess
diese Worte aus.
Die Denkwürdigkeiten der acht Abtheilungen im Süden
sagen : In der Provinz Yung-tschang gibt es das verbotene
Wasser. Dieses Wasser hat einen bösen Gifthauch. Das da-
selbst befindliche Wesen gibt einen Ton von sich. Wenn es
Bäume trifft, so zerbricht es sie. Es heisst mit Namen: die
Kugelarmbrust der Dämonen. Wenn es Menschen trifft, so sind
diese plötzlich grün und verbrannt.
Tscheu-schi von Hia-pei gelangte einst nach Tung-hai.
Auf dem Wege begegnete ihm ein Abgesandter, der in der
Hand ein aus einer Rolle bestehendes Buch hielt. Derselbe
verlangte von Schi, dass er ihn in das Fahrzeug aufnehme.
Nachdem sie etliche zehn Weglängen fortgezogen, sagte er zu
Der Geisterglinil't' in ilom alten China. U«^.'
Schi: Ich muss für einen Augenblick an einen Ort g-chen. Ich
lasse das Buch in dem Schiffe zurück. Hüte dich, dass du es
nicht öffnest. — Sobald er sich entfernt hatte, öffnete Schi
verstohlen das Buch und blickte hinein. Es enthielt lauter
Verzeichnisse todter Menschen. In dem untersten Absätze be-
fand sich der Name Schi's. Nach einer Weile kehrte der An-
gestellte zurück. Schi sagte ihm sogleich, dass er in das Buch
ücblickt habe. Der Angestellte ward zornig und sprach: Ich
habe dir eigens gesagt, dass du nicht hineinsehen sollest. —
Schi schlug das Haupt gegen den Boden, bis das Blut hervor-
floss. Der Angestellte sprach nach langer Zeit: Ich bin dank-
bar, dass du mich auf einer weiten Strecke in das Fahrzeug
aufgenommen hast. Dieses Buch lässt sich nicht wegschaffen.
Wenn du heute weggegangen bist, kehre nach Hause zurück
und tritt durch drei Jahre nicht aus dem Thore. Es lässt sich
dann erwägen. Sage nicht, dass du mein Buch gesehen hast.
Schi kehrte zurück und war bereits zwei Jahre nicht aus-
gegangen. Die übrigen Hausbewohner wunderten sich hierüber.
Die Nachbarn, die Leute und der Vater zürnten und Hessen
um ihn wie um einen Todten klagen. Schi wusste sich nicht
zu helfen und er trat vor das Thor. Sogleich sah er
diesen Angestellten. Der Augestellte sprach: Ich hiess dich
drei Jahre nicht ausgehen. Was ist jetzt zu thun? Ich suchte
dich und sah dich nicht. Jahr um Jahr habe ich dafür die
Peitsche und den Stock bekommen. Jetzt habe ich dich ge-
sehen, es lässt sich nichts thun. In drei Tagen werde ich dich
wegnehmen. — SchT kehrte zurück und weinte. Er erzählte
die Sache, wie sie hier erzählt worden. Der Vater glaubte es
durchaus nicht. Die Mutter bewachte ihn Tag und Nacht unter
Thränen. In drei Tagen, zur Stunde des Mittags, starb er.
Die fortgesetzte Geschichte des Suchens der Götter sagt:
Hu-meu-hoei von Hoai-man besass die Gabe, Dämonen
zu sehen. Obgleich er keine Freude hatte, sie zu sehen, konnte
er diesem kein Ende machen. Später unternahm er eine Reise
nach Yang-tscheu. Auf dem Rückwege kam er an Yang-tsching
vorbei. Im Osten dieser Stadt befand sich ein göttlicher
Tempel, in dessen Mitte das Volk eben durch einen Zauberer
die Anrufung bewerkstelligen und opfern lassen wollte. In
einein Augenblicke schrieen sämmtliclu; Dämonen: Die höchste
690 Pfizmaier.
Obrigkeit ist gekommen. — Sie entliefen zugleich, traten aus
dem Tempel und entfernten sich. Hoei blickte nach rückwärts
und sah zwei Schamanen , welche kamen und in den Tempel
traten. Die Dämonen nahmen sich zu Zweien und Dreien
gegenseitig in die Arme, hielten sich fest und befanden sich in
den Gräsern zur Seite des Tempels. Der Anblick der Scha-
manen erfüllte sie mit Furcht und Bangen. Nach einer Weile
entfernten sich die Schamanen , und die Dämonen kehrten in
den Tempel zurück. Hoei reichte hierauf ein kleines Geschenk
für Buddha.
Das Haus Wang-pe-yang's befand sich an den Ausgängen
der Mutterstadt. Im Osten des Hauses befand sich ein grosser
Grabhügel. Die Ueberlieferung sagte, es sei das Grab Lu-sü's,
Das Weib Pe-yang's starb. Er ebnete die Erdhöhe und begrub
sie daselbst. Einige Jahre später befand sich Pe-yang am
hellen Tage in dem Gerichtssaale. Er sah einen vornehmen
Menschen, der in einer Sänfte der flachen Schultern sass und
ein Gefolge von mehreren hundert Menschen hatte. Derselbe
kam daher, setzte sich und sagte zu Pe-yang: Ich bin Lu-tse-
king. Mein ruhiges Haus befindet sich hier seit zweihundert
Jahren. Wie konntest du es wagen, mein ruhiges Haus zu
zerstören? — Er blickte auf sein Gefolge: Warum erhebt ihr
nicht die Hand? - Das Gefolge zerrte Pe-yang von dem Bette
herab, versetzte ihm mit den Ringen der Schwerter mehrere
hundert Schläge und entfernte sich. Er war eine Zeitlang
todt. Nach längerer Zeit ward er wieder lebendig. An den
Stellen brachen Geschwüre hervor. Er starb hierauf plötzlich.
Ein Mensch aus Keu-tschang in Kuei-ki kehrte von der
östlichen Wildniss zurück. Am Abend erreichte er nicht das
Thor. Er sah zur Seite des Weges ein kleines Dach. Er
zündete Feuer an und bereitete sich ein Nachtlager. Es befand
sich daselbst nur ein junges Mädchen. Dasselbe wollte nicht
in der Gesellschaft eines Mannes die Nacht zubringen. Sie
rief die Tochter des Hauses eines Nachbarn und nahm sie zur
Gefährtin. — In der Nacht spielte sie mit ihr die Harfe,
Der Geisterglaube in dem alten (,'hina. 691
scherzte und sang: In Reihen fortlaufend die Wicke, die auf-
steigende Schminkbohne ! t^inmal langsam und wieder einmal
langsam! AA^illst du wissen meinen Geschlechtsnamcn? Mein
Geschlechtsnarae ist Tschin, mein Name 0-teng. — Als der
]\[orgen kam, befand sich ausserhalb der östlichen Vorstadt in
einer Bude eine Mutter, welche Speisen verkaufte. Dieser
Mensch setzte sich zu ihr hin und erzählte ihr dabei, was er
in der vergangenen Nacht gesehen. Als die Mutter den Namen
0-teng hörte, erschrack sie und sprach: Dieses ist meine Toch-
ter. Sie wurde unlängst ausserhalb der Vorstadt begraben.
Schi-tü war Beaufsichtiger von Tsin-yang und im Stande,
mit Worten zu erörtern. Er hatte einen Schüler, der ebenfalls
geordnete Gedanken besass. Derselbe erfasste einst als Gegen-
stand der Erörterung, dass es keine Dämonen gebe. Plötzlich
erschien ein Mensch, der ein schwarzes Kleid mit weissen
Aermeln trug. Als die Rede auf die Dämonen kam, gab ihm
der Gast Unrecht und sprach: Ich bin gleich ein Dämon.
Warum sagst du, dass es keine gebe. Man hiess mich kommen,
damit ich dich wegnehme. — Dem Schüler ward übel zu ]\Iuthe,
und er ersuchte ihn. Der Dämon fragte: Ist Jemand, der dir
ähnlich sieht? — Der Schüler sagte : Schi-tü, der unter dem Zelte
betindliche Beaufsichtiger der Hauptstadt, sieht mir ähnlich. —
Der Dämon Hess es gelten. In einem Augenblicke war der
Beaufsichtiger todt.
Der Wald der Worte sagt:
Tsung-tai war stechender Vermerker von Tsing-tscheu.
Er veröffentlichte Erörterungen , in denen er sagte , dass es
keine Dämonen gebe. Dieselben waren sehr geistreich, und
Niemand konnte ihm Unrecht geben. Später begab sich ein
Schüler der Schrift zu^ai. Im Gespräche kamen sie zunächst
auf die Erörterungen , in welchen gesagt wird , dass es keine
Dämonen gebe. Der Schüler der Schrift wischte die Kleider
ab und entfernte sich. Dabei sprach er : Du hast unterbrochen
unsere Speisung mit Blut durch zwanzig Jahre. Weil du grüne
Rinder und bärtige Sclaven besitzest, durften wir dich noch
nicht elend machen. Jetzt aber sind die Sclaven entlaufen, die
Rinder sind todt. Jetzt dürfen wir dich zurechtbringen. —
692 Pfizmaier.
Als diese Worte verklungen waren, entschwand er. Am kom-
menden Tage war Tai gestorben.
Die von Teng-te-ming verfasste Geschichte von Nan-
khang sagt:
Der Schan-tu (die Hauptstadt der Berge) gleicht von Ge-
stalt den Menschen des Kuen-lun. An seinem ganzen Leibe
wachsen Haare. Wenn er Menschen sieht, schliesst er ohne
weiteres die Augen und sperrt den Mund auf, als ob er lachte.
Er verweilt gern in tiefen von Bergen eingeengten Flüssen.
Er stürzt daselbst die Steine um und fängt Krebse, die er
verzehrt.
Die Baumgäste sind von Haupt, Angesicht, Sprache und
Stimme ebenfalls nicht gänzlich von den Menschen verschieden.
Nur sind die Nägel ihrer Hände und Füsse gleich Haken. Sie
machen es sich auf hohen Felsenwänden und abgerissenen Berg-
gipfeln bequem, und dann erst schlagen sie daselbst ihren
Wohnsitz auf. Sie verstehen es, Holztafeln zu hauen. Sie ziehen
dieselben fort, legen sie auf die Bäume und sammeln sie. Ehe-
mals waren Menschen, welche sich zu ihnen begeben wollten.
Für die Holztafeln, welche sie kauften, legten sie früher Gegen-
stände unter die Bäume, und Jene nahmen sie, indem sie die
grössere oder kleinere Menge berechneten. Wenn es ihnen
recht war, schickten sie sich sogleich an, wegzugehen. Sie
thaten ihnen auch nichts zu Leide. Nur traten sie durchaus
nicht den Menschen vor das Angesicht, sie wechselten mit ihnen
keine Worte, hielten keinen ]\Iarkt und erscliienen nicht ,an
den Brunnen.
Bei Todesfällen kennen sie die Aufbahrung, und lassen
die Menschen ihre Gestalt nicht sehen. Was das Begräbniss
und den Sarg betrifft, so Averden, wenn sie sich auf hohen
Uferbänken befinden. Bäume genommen. Bisweilen verbergen
sie die Todten in Felsennestern. Die Krieger, welche in den
drei Lagern von Nau-khang Schiffe zimmerten, gingen hin, um
mit ihnen zu sprechen. Sie sahen mit eigenen Augen die Be-
grilbnissstätten. Die Weise des Tanzes und der Musik jener
Wesen ist zwar von derjenigen des Zeitalters verschieden, allein
man hört etwas gleich dem Rauschen eines vom Winde be-
Der Geisterglaube in dem alten China. oOö
wegten Waldes , und die Töne liabcn Aehnlichkeit mit dem
Einklang des Gesanges und des lilaseus der Musikwerkzeuge.
In dem Zeiträume I-lio (405 bis 418 n. Chr.) zog Siü-tao-fö
nach dem Süden aus. Er entsandte Menschen mit dem Auf-
trage, Holztafeln zur Ausrüstung der Kriegsschiffe abzuhauen.
Die Baumgäste machten diese Holztafeln zum Geschenk , aber
Hessen sich nicht sehen.
Die Geschichte der erzählten Merkwürdiarkeiten sagt:
In Nan-khang gibt es Geister, deren Name Schan-tu (die
Hauptstadt des Berges). Dieselben sind gestaltet wie Men-
schen. Sie sind zwei Schuh lang, von schwarzer Farbe, roth-
äugig, ihr Haupthaar ist gelb und bedeckt den Leib. In dem
tiefen Gebirge bauen sie auf Bäumen ihr Nest. Das Nest ist
von Gestalt gleich den Eiern des harten Vogels. Es ist drei
Schuh hoch, innerlich sehr prächtig und von einem frischen
Glänze der fünf Farben. Sie fügen zwei Stücke an einander,
so dass sie in der Mitte zusammenhängen. Die Menschen des
Gebietes sagen , das obere sei das Wohnhaus des Männchens,
das untere sei das innere Haus des Weibchens. Seitwärts
bringen sie immer eine Oeffnung an, von wo sie spähen. Der
Stoff ist leer und leicht, und sie verfertigen einigermassen eine
hölzerne Röhre. In der Mitte bereiten sie aus Vogelfedern
einen Teppich. Diese Geister sind im Stande , sich zu ver-
wandeln, und man sieht selten ihre Gestalt. Sie sind nämlich
eine Art Baumgäste und Sao des Berges.
Fünfzehn Weglängen nordwestlich von dem Districte
Kung befand sich ein alter Damm, der den Namen Damm des
Fürsten von Yö führte. Auf dem Damme war ein grosser harter
Baum, der zwanzig Spannen messen uKjchte. Dieser Baum war
alt und inwendig hohl. Er besass ein Nest der Schan-tu. Im
ei'sten Jahre des Zeitraumes Yuen-kia (424 n. Chr.) fällten
Ngai-tao-hiün und Tao-hiü, zwei Brüder aus dem zur Ordnung
gebrachten Volke des Districtes , diesen Baum. Sie nahmen
das Nest und kehrten nach Hause zurück. Die Schan-tu zeigten
sich und sagten zu den zwei Menschen : Wir wohnten auf dem
wüsten Felde, was sollten wir uns um eure Angelegenheiten
bekümmern? Grosse Bäume, die man brauchen kann, wie könn-
ten sie zählbar sein? Weil sich auf dem Baume unser Nest
befand, desswegen fälltet ihr ihn. Wir werden jetzt euej' Haus
ß94 Püizmaier.
verbrennen und euch eure Ruchlosig'keit vergelten. — Als die
zweite Nachtwache kam, brach innerlich und äusserlich auf dem
Dache gleichzeitig Feuer aus. Das ganze Wohnhaus wurde
vollständig verzehrt.
Die Wunder der Denkwürdigkeiten sagen:
In der Provinz Kuei-ki befand sich gewöhnlich ein grosser
Dämon. Derselbe war mehrere Klafter lang, seine Lende mass
mehrere zehn Spannen. Er trug eine hohe Mütze und ein ur-
sprüngliches Kleid. Wenn die Provinz Glück oder Unglück
haben sollte, schritt er zu der Donnerpforte und zeigte eine
traurige oder freudige Miene. Die Trauer und die Freude des
Geschlechtes Sie und des ganzen Seitengeschlechtes verkündete
er mit Bestimmtheit. Als Hung-tao noch nicht das Unglück
der Mutter hatte, kam der Dämon mehrere Monate hindurch
am frühen Morgen und am Abend und blickte herab. Später,
als Jener im Umwenden der oberste Buchführer bei der Ab-
theilung der Angestellten geworden, schlug der Dämon in die
Hände, tanzte drei Absätze und gelangte von dem grossen
Thore bis zu dem Vorhofe. Wider Vermuthen ward Jener
versetzt und scharf zur Rede gestellt.
Hung, Lehensfürst von Hia, reiste plötzlich nach Kiang-
ling. Er begegnete einem grossen Dämon, der in der Hand
Bogen und Hakenlanze hielt und schnell lief. Mehrere hundert
kleine Dämonen folgten ihm. Hung fürchtete sich. Er verliess
den Weg und wich ihnen aus. Als der grosse Dämon vorüber
war, folgte Jener, packte einen kleinen Dämon und fragte ihn,
was für ein Wesen dieses sei. Der Dämon sprach : Es ist der
grosse Tödtende von Kuang- tscheu. — Hung sprach: Was thut
er mit dieser Hakenlanze? — Der Dämon sprach: Mit dieser
tödtet er die Menschen. Wenn er sie in das Herz oder in den
Bauch trifft, so sterben sie ohne weiteres. Trifft er andere
Orte, so gelangen sie nicht zu dem Tode. — Hung sprach:
Gibt es ein Mittel, um diese Krankheiten zu heilen? — ' Der
Dämon sprach: Wenn man ein schwarzes Huhn tödtet und
damit das Herz bedeckt, so wird man hergestellt. — Hung
sprach: Wohin wollt ihr jetzt gehen? — Der Dämon sprach:
In die zwei Landstriche King und Yang. — Um die Zeit
Der ©eistorglanbe iu dorn alton China. 695
herrschten in diesen zwei Landstrichen Krankheiten des Her-
zens und des Bauches, an denen alles ohne Ausnahme starb.
Als Hung sich in King-tscheu befand , lehrte er die Menschen
ein schwarzes Huhn tödten und sieh damit bedecken. In zehn
Fällen erreichte man acht- oder neunmal seinen Zweck. Dass
man jetzt, vom Uebel betroffen, sich eines schwarzen Huhnes
bedient, ist durch Hung- in Gebrauch gekommen.
Die Pflanzen des Stammes sagen :
Der Eulenpfirsichbaum gehört zu den Bräumen , deren
Blätter nicht abfallen. Er tödtet die hundert Dämonen.
Das von Tschang-hung verfasste bilderlose Gedicht auf
die östliche Hauptstadt sagt:
Auf dem Sö-tö erfand man die Abwehr des Unheils. Man
liess Wache halten durch Yö-lui. Schin-tu war als Gehilfe der
Zweite. Gegenüber ergriffen sie fest das Schilfrohr der Stricke. ^
Anhang.
Beispiele von Scheintod.
Die Ueberlieferungen Tso's, in dem ersten Theile des
Fürsten Siuen, sagen:
Die Menschen von Tsin fingen einen Kundschafter von
Thsin und tödteten ihn auf dem Markte von Kiang. In sechs
Tagen ward er wieder lebendig.
Das Buch der fortgesetzten Han sagt :
Zu den Zeiten des Kaisers Hien, in dem Zeiträume Thsu-
ping (190 bis 19.3 n. Chr.), starb ein aus Tschang-scha stam-
mender Mensch von dem Geschlechte Hoan. Nach einem
Monat(! Inirte seine Mutter in dem Sarge ein Geräusch. Sie
itffnete ihn und Jener ward hierauf lebendig. In der Wahr-
sagung hiess es : Das äusserste Yin wird das Yang. Der unten
^ In dem hohen Alterthiim lebten zwei Brüder, N.imens Scliin-fu und Vö-
hii. Dieselben waren im Stande, die Dämonen festzunehmen und sie mit
Stricken von Schilfrohr zu binden. Der Berg So-tü ist der Ort, wo die
Dämonen aus- und eintraten.
nfjf) Pfizmiiier.
belindliclie Mensch wird ein Oberer. Später erhob sich Yeu-
pi-schü, Fürst von Tsao.
Im vierten Jahre des Zeitraumes Wn-ng'an ' war Li-ngo,
ein sechzehnjähriges Mädchen aus Wu-ling, erki-ankt und ge-
storben. Sie wurde mehrere Weglängen ausserhalb der Stadt-
mauern begraben. Es waren bereits vierzehn Tage, als wan-
dernde Menschen in ihrem Grabhügel eine Menschenstimme
hörten. Sie sagten es sogleich in ihrem Hause. Die Leute
des Hauses gingen hin, sahen nach und hörten die Stimme
Ngo's. Als sie das Mädchen hei'ausnahmen, war es lebendig.
Die Denkwürdigkeiten von U sagen :
Zu den Zeiten Sün-hieu's, im vierten Jahre des Zeit-
raumes Yung-ngan (261 n. Chr.), starb Tschin-tsiao, ein Mensch
des Volkes von U, und wurde prunklos begraben. In sechs
Tagen ward er wieder lebendig. Er durchbohrte die Erde
und kam aus ihr hervor.
Die Verzeichnisse der früheren Tschao sagen : ■»
Im ersten Jahre des Zeitraumes Lin-kia (316 n. Chr.)
starb der grosse Heerführer Yö, König von Tung-ping. Einer
seiner Finger war noch warm, und man bahrte den Todten
nicht auf. An dem Tage Kiä-sö (11) ward er wieder lebendig.
Er erzählte, er habe den Abgrund der Wasser auf dem Berge
Pü-tscheu gesellen. Nach fünf Tagen habe er sich wieder an-
geschlossen und sei zu dem Berge Kuen-lün gelangt. Nach
drei Tagen sei er wieder zurückgekehrt.
Das Buch der Thang sagt:
In dem Zeiträume Tsching-yuen (785 bis 805 n. Chr.)
warteten die Han-lin auf die höchste Verkündung. Tai-schao-
ping starb. In sechzehn Tagen ward er wieder lebehdig.
Die vollen Verzeichnisse von Kien-khang sagen:
Tai-yang, ein Heilkünstler zu den Zeiten der Tsin, führte
den Jünglingsnamen Kue-lieu. Er stammte aus Tschang-tsching
in U-hing. In dem Alter von zwölf Jahren wurde er von einer
1 Der Zeitraum Wu-ngan ist in der Geschichte der sjjätercn Han nicht ent-
halten. Es soll offcuhar heisscn: im vierten Jahre des Zeitraumes Kieu-
ngan (199 n. Chr.).
Der Geister^laulie iii dein alten Cliiiui. 697
Krankheit befallen und starb. In fünf Tag-en ward er wieder
Icbendi"'. Er erzählte, er habe eine Federnfalme erg-riffen und
sei an der Spitze von Kriegsmännern gestanden. Er sei im
Begriffe gewesen^ sich nach Fung-lai, zu dem Kuen-lün, zu den
gehäuften Steinen, zu dem grossen inneren Hause, dem Heng,
Lu, Hung und andei-en Bergen zu begeben. Da habe man ihn
fortgeschickt und er sei heimgekehrt.
Die von Kö-hung verfassten Uebeiliefernngen von gött-
lichen Unsterblichen sagen :
Sse-si erkrankte einst und starb. Der unsterbliche Mensch
Tung-fung gab ihm eine Kugel Arznei und brachte sie ihm
mit Wasser in den Mund. Er hielt sein Haupt, bewegte es
und Hess die Kugel zergehen. Beim Verzehren öffnete Jener
die Augen, bewegte die Hand, und sein Aussehen war, wie es
früher gewesen. Nach und nach erholte er sich. In einem
halben Tage war er fähig, aufzustehen und zu sitzen. Nach
vier Tagen war er im Stande, zu sprechen. Hierauf befand
er sich wieder wie gewöhnlich.
Die Geschichte des Suchens der Götter sagt:
In dem Zeitalter des Kaisers Wu von Tsin lebten in der
Provinz Ho-kien ein junger Mann und ein Mädchen. Dieselben
fanden an einander Gefallen, und man erlaubte ihnen, sich zu
verbinden. Da folgte der junge Mann dem Kriegsheere. Nach
Jahren verbanden die Aeltern ihre Tochter mit einem Menschen.
Es währte nicht lange, so starb sie aus Kränkung. Der junge
Mann kehrte zurück und empfand tiefen Schmerz. Er ging
zu dem Grabhügel und wollte um sie wehklagen. Er war nur
äusserst traurig und seiner Gefühle nicht Meister. Er dui-ch-
brach den Grabhügel und öffnete den Sarg. In diesem Augen-
blicke ward sie lebendig. Er nahm sie auf den Rücken und
trug sie nach Hause. Daselbst pflegte er sie durch mehrere
Tage, und sie ward wieder hergestellt. Ihr Mann ging liin
und begehrte sie. Jener Mensch gab sie nicht zurück und
sagte: Dein Weib ist gestorben. Hat man in der Welt gehört,
dass ein Todter wieder lebendig wird? Diese hat mir der Him-
mel geschenkt, es ist nicht dein Weib. — Hierauf führten sie
gegen einander Klage. In der Provinz und in dem Districte
konnte man die Sache nicht entscheiden, und man brachte sie
vor den Beruhiger des Vorliofes. Dieser erstattete folgenden
698 Pfizmaier.
Bericht : Die äusserste Wahrhaftigkeit des reinen Geistes rührte
den Himmel und die Erde. Dess wegen ist der Todte wieder
lebendig geworden. Was ausserhalb der gewöhnlichen Ordnung,
wird von den Gebräuchen nicht eingenommen, durch die Strafe
nicht zugeschnitten. Es wird entschieden, dass man sie dem-
jenigen zurückgebe, der den Grabhügel geöffnet hat.
Zu den Zeiten des Kaisers Fing von Han, im zweiten
Monate des ersten Jahres des Zeitraumes Yuen-schi (] n. Chr.)
erkrankte Tschao-tschün, ein junges Weib aus Kuang-mö in
Sö-fang, und starb. Sie war bereits in den Sarg gelegt. Am
sechsten Tage stieg sie aus dem Sarge heraus und erzählte, sie
habe die Todten und ihren Vater gesehen. Dieser habe ihr
gesagt : Mit sieben und zwanzig Jahren sollst du nicht sterben. — ■
Der Statthalter Tan, der dieses hörte, äusserte sich darüber:
Das äusserste Yin wird das Yang. Der unten befindliche Mensch
wird ein Oberer. — Später erfolgte die Anmassung der Rang-
stufe durch Wang-mang.
In dem Zeiträume Hien-ning von Tsin (275 bis 279 n.
Chr.) zog sich Yen-khi von Lang'-ye eine Krankheit zu und
begab sich zu dem Arzte Tschang-thso, um sich heilen zu lassen.
Er starb in dem Hause Thso's. Die Menschen seines Hauses
holten den Leichnam ab. So oft sie bei der Wahrsagung den
Baum umwickelten, konnten sie es nicht lösen. Einer der Be-
gleiter des Todten lehnte sich desswegen an ihn. Der Todte
sprach jetzt: Mein Lebensloos entspricht noch nicht dem Tode.
Ich habe blos zu viele Arzneimittel gebraucht, und dieses hat mir
die fünf Eingeweide verletzt. Jetzt werde ich wieder lebendig.
Hütet euch, dass ihr mich nicht begrabet. — Sein Vater legte
die Hand an, betete laut und sprach : Wenn es dein Loos ist, wieder
lebendig zu werden, warum sollte dieses nicht der Wunsch deiner
Blutsverwandten sein? Jetzt wollen wir nur nach Hause zurück-
kehren, wir begraben dich nicht. — Die Wahrsagung wurde
jetzt gelöst, und man kehrte nach Hause zurück.
Als man den Sarg öffnete, war die Gestalt des Todten,
wie sie früher gewesen. Er hatte ein wenig das jueuschliche
Der Geisterglaube in dem alten China. 699
Aussehen, allein die Nägel seiner Hände waren an den Stellen,
wo sie das Holz des Sarges gekratzt und berührt hatten, ver-
letzt. Hierauf breiteten sich Luft und Farbe allmälig mehr
aus. Das Getränk wurde ihm in den Mund getröpfelt, und er
konnte schlingen. Hierauf half man ihm aus dem Sarge heraus.
Es währte sehr lange Zeit, und er ass und trank allmälig mehr.
1 Er konnte die Augen öffnen, hinblicken, Hände und Füsse
i biegen und ausstrecken. Gleichwohl war er nicht wie andere
; Menschen. Er konnte nicht sprechen, und Speise und Trank
i Hess er sich noch immer von Anderen yeben. Auf diese Weise
vergingen zehn Jahre. Die Menschen des Hauses beschützten
ihn und konnten sich nicht mehr ernstlich mit ihren Geschäften
befassen. Seine jüngeren Brüder Hung und Tu gaben ihre
Geschäfte auf, warteten und pflegten ihn in eigener Person.
Er wusste die Genossen des Landstrichs beim Namen zu nennen.
Aber allmälig nahm er wieder ab, sein Belinden verschlechterte
sich, und zuletzt starb er noch einmal.
In dem Zeiträume Kien-ngan (196 bis 220 n. Chr.) wurde
Ku-ngeu von Nan-yang, dessen Jünglingsname Wen-hö, von
einer Krankheit befallen und starb zuletzt. Zur Zeit seines
Todes erschien ein Angestellter, der sich mit ihiu auf den Tai-
schan begab. Daselbst waren tausend Männer und Weiber,
die mit ihm den gleichen Namen führten. Der Vorsteher des
Lebensloses untersuchte und berichtigte. Er sagte zu dem
wandernden Angestellten: Du hättest den Wen-hö einer gewissen
Provinz vorladen sollen. Warum hast du diesen Menschen vor-
geladen? — Er schickte Jenen eilig fort und hiess ihn sich
entfernen.
Um die Zeit war es Abend. Das Betreten der unter der
Verwaltung stehenden Orte war verboten, und ei' durfte nicht
einkehren. Er gelangte hierauf unter einen ausserhalb des
Thores der Vorstadt stehenden grossen Baum, wo er über-
nachtete. Daselbst befand sich ein wohlgestaltetes Mädchen,
das allein ohne Gefährten wandelte. Wen-hö fragte sie und
sprach : Du scheinst aus einem Hause der Kleider und Mützen
zu sein. Wie kommt es, dass du zu Fusse gehst? Wie ist
dein Geschlcchtsname und dein Mädchenname? — Das Mädchen
Sitzb. ,1. i.liil.-hist. Cl. LXVin. P.(l. UI. litt. 45
700 Pfizmaier.
sprach : Ich stamme aus San-ho. INIein Vater ist gegenwärtig
Befehlshaber von Yi-yang. Gestern wurde ich irrthümlich vor-
geladen. Ich kam, und jetzt erlangte ich, dass man mich fort-
schickte. Ich wurde hierauf von dem Abend überfallen. Ich
fürchtete, mir den Tadel des Verweilens auf dem Melonenfelde
und unter den Damascenerpflaumenbäumen zuzuzielien. Ich sah,
dass dein Aeusseres dasjenige eines Weisen zu sein scheint.
Desswegen bleibe ich hier stehen und verlasse mich auf meine
Umgebung. — Hö sprach : Mir gefällt dein dem Schriftschmucke
zugewendeter Sinn. Mögen wir deshalb in Fröhlichkeit an
diesem Abende verkehren. — Das Mädchen sprach: Ich habe
von den IVIuhmen Folgendes gehört. Das Weib macht aus-
schliesslich die Lauterkeit zu ihrer Tugend, das Reinweisse macht
sie zu ihrer Benennung. — Wen-hö ging mit ihr auf und ab
und hatte durchaus keine Gedanken an ein Unternehmen. Als
es Tag wurde, trennten sie sich.
Wen-hö war bereits zwei Nächte todt. Man blieb bei
ihm stehen und sollte ihn aufbahren. Man betrachtete sein
Angesicht, — es hatte Farbe. Man befühlte seine Herzgegend,
— sie war warm. Um Mittag hörte man, dass er wieder
lebendig geworden.
Wen-hö wollte sich von der Sache überzeugen. Er traf
sofort in Yi-yang ein und fragte nach dem Befehlshaber. Es
war der Vater des Mädchens. Er schloss sich au ihn und
fragte ihn bei der Gelegenheit, ob in einem gewissen Monate
die Tochter eines gewissen Gebieters etwa plötzlich gestorben
und wieder lebendig geworden sei. Zugleich beschrieb er das
Aussehen und die Züge des Mädchens, die Farbe ihrer Kleider,
ihre Sprache und wie er mit ihr auf- und abgegangen. Der
Befehlshaber ging hinein und fragte seine Tochter. Sie war
dieselbe, mit der Wen-hö gesprochen. Er Avar sehr erschrocken
und gab Wen-hö seine Tochter zur Gattin.
Lieu-ying, ein Mensch aus Sung-yang in Lin-hai, schloss
sich an Tschang-ti und kämpfte gegen das Kriegsheer von Tsin.
Er ei-krankto und starb in dem Schiffe. In zwei Tagen landete
das Kricgsheor, und es war Niemand, der ihn l)cgrub. Pliitzlich
rief er mit lauter Stimme, dass die Mensclien den Anfühi-er
Der Geibterglaulie in dem alten China. 701
von dem CTeschlechtc Tschan <;■ binden. Die Stimme sclilus;- sicli
zuiiick und breitete sich aus. Hierauf ward er lebendij^;. Die
Menschen fragten ihn, und er sagte: Ich erstieg- das nördliche
Nössel des Himmels. Unter dem Thore sah ich Kiiegsleute,
welche den Mann von dem Geschlechte Tschang-, den Anführer
des Kriegsheeres, banden. Die Menschen unter dem Thore
zürnten mir. Sie schrieen mich an, verjag-ten mich und Messen
mich fortgehen. Ich ward von Furcht erfasst, und die in dem
IMunde zurückgebliebene Stimme kam hervor und breitete sich
aus. — An diesem Tage liel Ti in der Schlacht.
Die fortgesetzte Geschichte des Suchens der Gött(;r sagt:
Als Li-tschung-wen, Statthalter von Wu-tu, sich in der
Provinz befand, verlor er durch den Tod eine achtzehnjährige
Tochter. Dieselbe wurde vorläufig im Norden der Feste der
Proviuz begraben. Später verwaltete Tschang-schi-tschi an
dessen Stelle die Provinz. Tse-tschang, der Sohn Schi-tschi's,
war zwanzig Jahre alt. Er war ein Aufwartender in dem Ge-
folge und befand sich in der Provinz. Er träumte, dass ein
Mädchen, welches siebzehn bis achtzehn Jahre alt sein mochte
und von Angesicht und Miene ungewöhnlich war, zu ihm sagte:
Ich bin die Tochter des früheren Gebieters des Versammlungs-
hauses, Ich war nicht glücklich und bin frühzeitig vcrst(jrben.
Es trifft sich, dass ich jetzt wieder lebendig werden soll. In
meinem Herzen liebe ich dich und habe an dir Freude. Dess-
wegen komme ich und begebe mich zu dir. — Dieses ereignete
sich fünf bis sechs Nächte. Plötzlich erschien sie am Tage.
Sie legte ihre Kleider ab und verbreitete ausnehmende Wohl-
gerüche. Hierauf wurden sie Mann und Weib. Die Nacht-
kleider waren gefärbt wie bei Jungfrauen,
Später schickte das Weib Tschung-wen's ihre Sclavin,
damit sie an dem Grabe des Mädchens nachsehe. Bei dieser
Gelegenheit ging sie zu dem Weibe Schi-tschi's und gab es
ihr kund. Als sie in das innere Haus trat, sah sie, dass ein
Schuh dieses Mädchens noch unter dem Bette Tse-tschang' s
vorhanden war. Sie nahm ihn und rief weinend, dass man den
Grabhügel öffnen solle. Sie kehrte mit dem Schuhe heim und
zeigte ihn Tsclmng-wen. Dieser war erschrocken. Er schickte
zu Schi-tschi und liess ihn fragen: Wie kommt dein Kind zu
dem Schuhe meiner verstorbenen Tochter V — Schi-tschi rief
45*
702 Pfizmaier.
sein Kind, und dieses legte ihm die ganze Sache dar. Die
Männer der Geschlechter Li und Tschang meinten, dass dieses
wunderbar sei. Sie öffneten den Sarg und sahen nach. Der
Leib des Mädchens war lebendiges Fleisch. Ihr Angesicht und
ihre Züge waren wie sie früher gewesen. Ihr rechter Fuss
hatte einen Schuh, der linke hatte keinen. Von nun an war
sie sofort todt. Ihr Fleisch verdarb, und sie wurde nicht wieder
lebendig.
An dem nachfolgenden Abende kam das Mädchen und
sprach : Die äusserste Neigung zwischen Mann und Weib be-
deutet : Wir werden zugleich alt, aber haben keine Gestaltung.
Ich vergass den Schuh, um dich aufmerksam zu machen. Ich
zeigte, dass ich nicht wieder lebendig werden darf. Das Herz
des zehntausendfachen Widerwillens, was sollte es sprechen
können? — Sie trennte sich weinend.
Fung-hiao-tsiang von Tung-ping war Statthalter von Kuang-
ling. Sein Kind hiess mit Namen Ma-tse und war zwanzig
Jahre alt. Dasselbe lag allein in der Vorhalle. Im Traume
sah es in der Nacht ein Mädchen, das achtzehn bis neunzehn
Jahre alt war. Dasselbe sagte: Ich bin die Tochter des frü-
heren Statthalters Siü-yuen-fang und stamme aus Pe-hai. Ich
war nicht glücklich und bin frühzeitig verstorben, es sind ge-
genwärtig vier Jahre. Ich wurde durch einen Dämon mit Un-
recht getödtet. Zufolge den Verzeichnissen sollte ich achtzig
Jahre alt werden. Man erhörte mich und Hess mich wieder
leben. ]\Ian machte zur Bedingung, dass ich etwas haben sollte,
worauf ich mich stützte, dann dürfte ich lebendig werden. Es
sei ferner angemessen, dass ich deine Gattin werde. Kannst
du befolgen, was ich dir auseinandersetze, und mich lebendig
niachen? — Ma-tse antwortete: Du kannst es darthun. — Sie
verabredete mit Ma-tse die Zeit, wo sie hervorkommen solle.
Als der verabredete Tag kam, zeigten sich auf dem Boden
vor dem Bette undeutliche Umrisse, als ob ein Mensch gerade
mit dem Boden gleich wäre. Er hiess die Leute es wegfegen,
aber es ward immer deutlicher. Jetzt erst erinnerte er sich,
dass es die Gestalt sei, die er im Traume gesehen. Er ent-
fernte hierauf die Menschen der Umgebitng. Sofort kam nach
Der Geisterglaulie in liem alten Cliina. 70o
, und nacli die Stirne hervor. Zunächst kam wieder das Anffe-
I siclit hervor. In einem Augenblicke kam die ganze Gestalt
hervor. Ma-tse hiess sie sogleich gegenüber auf das Bett sich
I setzen. Die Worte^ die sie sprach, waren wundervoll und un-
i gewöhnlich. Hierauf übernachtete sie mit Ma-tse. Sie erinnerte
ihn (ifters und sprach: Ich bin noch leer. Du sollst dich zu-
I rückhalten. — Er fragte, wie es ihr gelingen könne, hervorzu-
! kommen. Sie antwortete: Das Hervorkommen soll mir an meinem
I Geburtstage gelingen. Mein Geburtstag ist noch nicht da. —
I Hierauf erklang hier und dort in der Vorhalle der Ton der
Rede. Die Menschen hörten, dass das Mädchen die Zeit bis
I ihrem Geburtstage berechnete. Sie belehrte zugleich Ma-tse,
auf welche Art er ihr hervorhelfen und sie pflegen kchine. Als
sie ausgeredet hatte, verbeugte sie sich und entfernte sich.
! Als der Tag kam, opferte er einen menningrothen Hahn,
eine Schüssel gekochten Roggen und ein Nössel klaren Wein
vor dem Orte der Trauer und zehn Schritte von der Vorhalle
! entfernt. Als das Opfer zu Ende war, grub er sie aus, öffnete
I die Stelle und blickte auf den Leib des Mädchens. Derselbe
war unversehrt wie früher. Er nahm sie bedächtig in die Arme,
I zog sie hervor und legte sie auf einen Teppich in einem Zelte.
I Sie war unter dem Herzen etwas warm, mit dem ]\Iunde holte
! sie Athem. Er hiess vier Sclavinnen sie bewachen und
I sie pflegen. Er tröpfelte beständig die Milch eines grünen
I Schafes in ihre Augen. Sie öffnete den Mund und konnte
Grütze und klare Flüssigkeit schlingen. Nach und nach konnte
. sie reden. In zweihundert Tagen erhob sie sich mit Hilfe eines
I Stockes. Nach einer gewissen Zeit waren ihr Angesicht , ihre
I Farbe, ihr Fleisch, ihr Geist und ihre Kraft vollkommen wieder
hergestellt.
Man schickte jetzt zu dem Geschlechte Siü und meldete
es. Die Höheren und die Niederen kamen sämmtlich. Man
wählte einen glücklichen Tag, Hess die Gebräuche herab ge-
langen und bewerkstelligte die Brautwerbung. Am dritten Tage
waren sie Mann und Weib. Sie gebar zwei Söhne und eine
Tochter. Der älteste Sohn fühi-te den Jünglingsnamen Yuen-
tö und wurde im Anfange des Zeitraumes Yung-kia (307 bis
311 n. Chr.) Leibwächter der geheimen Bücher. Der jüngste
Sohn King-tö bekleidete das Amt eines Gehilfen des grossen
<04 Pfizmaier.
Zug-ctheilten. Die Tochter wurde an Lieu-tse-yen von Thsi-
nan, einen Enkel des vorg-eladenen vorzüglichen Mannes Yen-
schi, vermählt.
Li-tschü von Siang-yang- erkrankte und starb zu seiner
Zeit. Sein Weib bewachte den Leichnam. Um die dritte Nacht-
wache erhob er sich mit Ileftig-keit, setzte sich und zog- das
goldene Armband an dem Arme des Weibes ab. Er hatte da-
bei sehr grosse Eile. Das Weib half ihm dabei es abziehen.
Es gelang- ihni; es mit der Hand zu erfassen, und er legte sich
dann wieder nieder. Sie beobachtete ihn. Zuletzt bemerkte sie,
dass er unter dem Herzen wieder warm wurde. Hierauf kam er
allmählig- zum Leihen zurück. Als er lebendig- geworden war,
sagte er, ein Angestellter habe ihn mit sich genommen. Seiner
Gefährten seien sehr viele gewesen. Er habe gesehen, dass
einige derselben einen Tausch machten , wodurch sie ihre Ent-
lassung- erhielten und heimkehren konnten. Er habe sogleich
dem Angestellten ein goldenes Armband zugesagt. Der Ange-
stellte habe ihn zurückkehren und es nehmen lassen. Dess-
wegen habe er es von dem Weibe genommen und dem Ange-
stellten gegeben. Als der Angestellte das Armband erhielt, habe
er ihn sogleich losgelassen und ihm geboten, zurückzukehren.
Er habe gesehen, wie er das Armband nahm und sich entfernte.
Er wisse nicht, wie es kommt, dass es noch da ist. Das Weib
getraute sich ebenfalls nicht, es wieder über den Kleidern zu
tragen. Sie sagte Worte der Beschwörung und vergrub es.
Die Verzeichnisse des Dunklen und Hellen sagen:
Ein Mensch aus Lang-ye, dessen Geschlechtsname Wang
und dessen Namen man vergessen hat, lebte in Tsien-thang.
Seine Gattin von dem Geschlechte Tschü starb im neunten
Jahre des Zeitraumes Ta-yuen (8(84 n. Chr.) an einer Krankheit.
Sie hatte zwei verwaiste Kinder. Der Mann von dem Geschlechte
Wang starb wieder im vierten Monate desselben Jahres plötzlich.
Am dritten Tage war di(; Gegend unter seinem Herzen noch
warm. Nach sieben Tagen ward er wieder lebendig. Er er-
zählte, zur Zeit seines Todes seien ihm zwanzig Menschen er-
schienen. Dieselben trugen schwarze Kleider und blickten in
die Verzeichnisse. Als die Verzeichnisse entfernt waren, gelangte
Der Geisterglaube in dem iiltcn Oliina. 705
)
man zu einein hellrutivon Tliorc uiul weissen Mauern, die ji;Kneli
den Vorliallen der Paläste i»'estaltet waren. Die Angestellten
trugen hellrothe Kleider, purpurne Gürtel, ursprüngliclic Mützen
und enge Kopftücher. Die Kleidung Einiger bestand gänzlich
aus aneinanderliegenden und geknüpften Perlen und Edelsteinen,
Es waren Trachten, die in dem Zeitalter nicht Sitte sind. Er
sah wieder im Vortreten einen Menschen. Derselbe war hoch-
gewachsen und gross, und die Kleider, die er trug, waren ge-
staltet wie Wolkendunst. Der Mann von dem Geschlechte
Wang wandte sich an ihn, schlug das Haupt gegen den Boden
und erklärte ihm, sein Weib sei gestorben, die zurückgeblie-
benen verwaisten Kinder seien noch klein, und er wüsste sich
nicht zu helfen. Er vergoss sogleich Thränen. Dieser Mensch
zeigte sich dadurch gerührt und sagte : Dein Schicksal fortlert,
dass du kommst. Einzig deiner verwaisten Kinder willen gebe
ich dir eine Frist von drei Jahren, — Der Mann von dem Ge-
schlechte Wang sprach ferner: Drei Jahre reichen nicht hin,
um die Kinder am Leben zu erhalten. — Einer von den Leuten
der Umgebung redete und sagte: Die übliche Dai'legung, wie
sollte sie albern sein? Drei Jahre an diesem Orte sind in dem
Zeitalter dreissig Jahre, — Man schickte ihn jetzt sogleich fort.
Es vergingen noch dreissig Jahre, und der Mann von dem
Geschlechte Wang starb wirklich.
Zu disn Zeiten Hoan-yuen's war eine grosse Rindm'pest,
Ein Mensch ass das Fleisch eines todten Rindes. Er erkrankte
desshalb und starb. Zur Zeit seines Todes sah or einen Menschen,
der die Verzeichnisse ergriff und mit ihm zu der ILjhe des
Himmels gelangte. Daselbst war ein vornehmer Mensch, der
fragte: Was hat dieser Mensch verbi-ochenV — Jener antwor-
tete : Dieser Mensch ist angeklagt, das Fleisch eines pestkranken
i Rindes gegessen zti haben. — «Der vornehme Mensch sprach:
j Jetzt ist es nothwendig, dass man mit Rindern Gegenstände
j umherführt. Da man dieses nicht kann, so ist das Fleisch da,
j um den hundert Geschlechtern als Speise zu dienen. Warum
tödtet man die Menschen wieder V — Er drängten ihn zur Rück-
kehr. Als Jener wieder loliendiü: wMr(l(!. erzählte er, was mnii
70ß Pfizmaier.
gesagt. Von nun an blieben diejenigen, welche Rindfleisch ver-
zehrten, von Leiden verschont.
Yü-king hatte keine Krankheit und starb. U-meug sprach
mit dem Sohne King's und sagte: Die Rechnung des Leheus-
fürsteu von dem Geschlechte Yü ist noch nicht zu Ende. Ich
bitte eben um sein Lebenslos. Man darf ihn noch nicht auf-
bahren. — Der Leichnam lag in einem reinen Hause, war aber
unter dem Herzen noch w^arm. In sieben Tagen trat starke
Hitze ein, der Leib King's neigte sich zur Verderbniss. Meng
hiess seine Leute die Luft beobachten und fortwährend Wasser
herbeischaffen. Er gebot ihnen, ihn damit zu waschen und es
ihm zu trinken zu geben. Als dieses geschehen, zog er sich
zurück. Um Mittag öffnete King nur die Augen und den Mund,
konnte aber keinen Laut hervorbringen. Das ganze Thor war
jetzt voll Fi-eude. Man wendete sich ihm zu, wusch ihn mit
Wasser und gab es ihm in den Mund. Er brach mehrere
Gantang faules Blut. Nach und nach konnte er sprechen. In
drei Tagen war er wieder hergestellt und befand sich wie
gewöhnlich.
Er erzählte, er habe etliche zehn Menschen gesehen, welche
kamen, ihn ergriffen, banden, ihm Angeln anlegten und ihn in
das Gefängniss führten. Seine Gefiihrten waren zehn Menschen,
die nach der Reihe sprachen und antworteten. Die Reihe war
an ihn noch nicht gekommen. Plötzlich sah er den Gebieter
von dem Geschlechte U. Derselbe wendete sich mit dem An-
gesichte nach Norden , erklärte und entschied es. AVang-tsi
nahm die Angeln ab und hiess ihn heimkehren. In den Ver-
sammlungshäusern der Obrigkeiten, wo er vorbeikam, zog ihm
Alles ohne Ausnahme entgegen und bat, sich zum Besuche bei
dem Gebieter von dem Geschlechte U melden zu dürfen. Alle
nahten mit Ehrenbezeugungen und untersuchten nicht, was für
ein Vorgesetzter es sei.
Die Denkwürdigkeiten von vielseitigen Dingen sagen:
Gegen das Ende der Han war grosse Unordnung. Es gab
Leute, welche den Grabhügel einer Palastbewohnerin aus den
Zeiten der früheren Han öffneten. Die Palastbewohnerin war
noch lebendig. Als man sie herausgenommen hatte, erholte sie
Der Geisterglaube in dem alten China. 707
sich und war wie sie ehemals gewesen. Die Kaiserin von dem
Geschlechte Ko von Wei liebte sie und jj-edachte ihrer. Sie
Hess sie in die Verzeichnisse eintragen und in den Palast bringen.
Sie setzte sie immer unter die Leute ihrer Umgebung und
fragte sie, was sich zu den Zeiten der Han in dem Palaste zu-
getragen. Jene sprach darüber mit grosser Klarheit, und alles
hatte Ordnung und Ende. Als die Kaiserin von dem Geschlechte
Kö starb, wehklagte und weinte Jene über die Massen unfl
starb hierauf.
Die Tochter Hi-nung's, des bei der Abtheilung Sie-tschang's,
des Anfülu-ers der Leibw<ächter der Mitte, befindlichen Kriegers
der gerechten Waffen, von dem der grosse Vorsteher der Pferde,
Tsao-hieu von Wei gesprochen, erkrankte in dem Alter von
vier Jahren und starb. Sie wurde absichtlich vergraben und
versteckt. In fünf Tagen wurde sie wieder lebendig. Im sie-
benten Monate des dritten Jahres des Zeitraumes Tai-ho (229
n. Chr.) hiess eine höchste Verkündung Hieu die Aeltern ver-
anlassen, die Tochter zu bringen, damit man sie sehe. Die-
selbe war am dritten Tage des vierten Monates dieses Jahres
an einer Krankheit gestorben. Nach vier Tagen wurde sie ver-
graben und versteckt. Im achten Monate des Jahres' pflückte
ein Anwohner desselben Hügels Maulbeerblätter und hörte das
Weinen eines Kindes. Er sagte es sogleich der Gattin Nung's.
Diese ging hin und sah, dass ihr Kind wieder lebendig geworden
war. Es konnte jetzt essen und trinken wie gewöhnlich.
Der von dem Geschlechte Lö verfasste Wald der Merk-
würdigkeiten sagt :
Tschung-yao war durch mehrere Monate nicht bei den Zu-
sammenkünften an dem Hofe erschienen. Seine Gedanken und
seine Gemüthsart waren anders als gewöhnlich. Jemand fragte
ihn um die Ursache. Er sagte, dass immer ein wohlgestaltetes
Weib Su ilyjn komme. Sie sei zierlich, reizend und keine ge-
wöhnliche Erscheinung. Der ihn gefragt hatte, sprach : Es ist
gewiss ein dämonenartiges Wesen. Du kannst sie tödten. —
Als später das Weib hinging, trat sie nicht sogleich vor, sondern
' Dieses stimmt mit der obigen Angabo, dass im siebenten Monate des
Jahres eine höchste Verkündiing erschienen, nicht genau überein.
iOo P fi ziiiaier. Der Geisterglaube iu dem alten China.
blieb ausserhalb der Thüre stehen. Yao frag"te sie, warum sie
dieses thue. Sie sprach : Du hast die Absicht, mich zu tödten. —
Yao sprach: Ich habe diese nicht. — Er rief sie inständig,
worauf sie eintrat. Yao war in Gedanken unwirsch, doch bei
seiner Unwirschheit konnte er es im Herzen nicht über sich
bringen. Gleichwohl hackte er nach ihr und verletzte ihren
Schenkel. Das Weib ging sogleich hinaus und trocknete mit
neuen Seidenfäden das Blut ab. Als es auf den Wegen endlich
hell wurde, Hess er sie durch Menschen aufsuchen und ihi-e
Spur verfolgen. Man gelangte zu einem grossen Grabhügel.
Zwischen den Bäumen befand sich ein stattliches Weib, das von
Gestalt einer Lebenden glich. Sie trug ein Hemd von grünem
Atlas und ein zweitheiliges Kleid aus mennigrothem Brocat. Sie
hatte einen Schenkel verletzt und trocknete mit den in dem zwei-
theiligen Kleide enthaltenen neuen Seidenfäden das Blut ab.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCIIAETEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXVIII. BAND. IV. HEFT.
JAHRGANG 1871. — JULL
öitzl). d. pbil.-hist. Cl. LXVIIJ. b.l. IV.ilft. ' 46
711
XYIII. SITZUNG VOM 5. JULI 1871
Das w. ]\[. Herr Regierimg-sratli Zimmermann legt eine
Abhandlung vor .über Kant's Widerlegung des Berkeley'schen
Idealismus'.
Die Aufnahme der Abhandlung des Herrn Dr. Aurelius
Mayr ^Resultate der Silbenzählung aus den vier ersten Gäthä's'
in die Sitzungsberichte wird genehmigt.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Accademia, R., di Scienze. Lettere ed Arti in Modena: Memorio. Tomi X.
u. XI. Modena, 18G9 n. 1870; 4«. — Gropelli, Emilio Serra, Le finauze
dei comnni e delle provincie. (Memoria premiata dell' anno l.^fJB.) 8^ —
Mantegazza, Emilio, L'articolo 53 del regolaniento di disciplina. Com-
media in cinque atti (premiata dell' anno 1808). 80.
Akademie, Südslavische, der Künste und Wissenschaften: Rad. Knjiga XV.
U Zagrebu, 1871, 8". — Historija dubrovacke drame. Najiisao Profesor
Ai-min Pavic. U Zagrebu, 1871; 8".
^Acland, Henry W., National Health. Oxford und London, 1871; kl. 8".
'Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. XVH. Jahrgang. 1870
No. 1—12. Nürnberg; 4».
Gesellschaft der Wissenschaften, Oberlausitzische: Neues Lausitzisches
Magazin. XLVIH. Band, L Heft. Görlitz, 1871; H'\
Instituto di corrispondenza archeologica: Annali. Volume XLH. Roma 1870;
8". — Bullettino per l'anno 1870. Roma; 8^
46*
712
Mittheiliingen ans J. Perthes geographischer Anstalt. 17. Band, 1871. VI.
Heft. Gotha; 4^».
Revue des cours seientifiques et litteraires de la France et de l'etranger.
(, Revue politique et litteraire' et ,La Revue scientifique de la France et
de l'etranger' j, I«''^ Annee (2« Serie) No. 1. Paris et Bruxelles, 1871; 4«-
Szaraniewicz, Isidor, Kritische Blicke in die Geschichte der Karpaten-
Völker im Alterthum und im Mittelalter, Lemberg, 1871 ; 8".
Z immerra ii IUI. Ueber Kaiit'.s WulerUgung des liifiili.^iiiui vuu Berkeley. 713
lieber Kant's Widerlegung des Idealismus
von Berkeley.
Von Dr. Robert Zimmermann,
■wirklichem MitglioJe der kais. Akadnniie der Wissensfliaften.
JN achstehende Untersuchung hat neben dem allgemein
wissenschaftlichen, in diesem Augenblicke ein besonderes Zeit-
iuteresse für sich, da die Lehre Berkeley 's, des unter der eng-
' lischen Philosophie vereinzelt dastehenden Vertreters einer
durchaus immaterialistischen und idealistischen Weltanschauung,
nach langer Vernachlässigung in England selbst neuerdings
begeisterte Anhänger und eifrige Verthcidiger gefunden hat.
\'(jn der neuen, von Wright (London 1843, 2 voll.) veranstal-
teten Gesammtausgabe seiner Werke abgesehen, ist dieselbe
von namhaften Denkern und Schriftstellern des heutigen Eng-
lands, wie Collyns Simon (On the nature and P]lements of the
oxternal World or universal Immaterialism fully cxplained,
London 18G2; On the thinking substance in Man, Anthropolo-
gical review Mai 1865), Shadworth H. Hodgson (Time and
Space, London 1865; Theory of Practice, Lond, 1870, 2 voll.),
^[(jntgomery, Prof. Fräser in Edinburgh u. A. wiederholt dar-
i;('stellt, fortgebildet und gegen inner- und ausserhalb Englands
erhobene alte und neue Einwände in Schutz genommen worden.
' Mag diese Wiedererweckung in England, wie es Avahrscheinlich
ist, durch die xVehnlichkeit der gegenwärtig mit der zu Ber-
i keley's Zeit daselbst herrschenden Culturströmung, in welcher,
wie heutzutage, der Materialismus und Realismus mit dem
Spiritualismus und Idealismus im Kampfe lag, licrbeigeführt
714 Zimmermann.
sein, jedenfalls ist durch die unleugbare Verwandtschaft des
englischen mit dem deutschen Idealismus durch und seit Kant
eine instinktmässige Annäherung der Jünger des irischen
Bischofs, der nach Pope alle Tugenden, deren der Mensch
fähig ist, besessen haben soll, an deutsche Philosophie vermit-
telt worden. Dieselbe hat nicht nur hüben und drüben des
Canals zu eingehendem Studium der beiderseitigen Systeme
geführt, sondern zu lebhaften wissenschaftlichen Discussionen
in philosophischen deutschen und englischen Fachzeitschriften
(vgl, oben Anthrop. rev. und Fichte's Zeitschr. f. Philos. u. phil.
Krit. LV. Band, I.Heft und LVII. Band, I.Heft) Veranlassung
gegeben. Wie sich erwarten lässt, bildet die von Anhängern
beider Schulen sehr verschieden beurtheilte Differenz des
englischen von dem deutschen Idealismus dabei eine Hauptfrage.
Für die Entscheidung derselben ist es als günstiger Umstand
anzusehen, dass der Spätere der Beiden über die Lehre des
Früheren an verschiedenen Stellen ausdrücklich sich erklärt,
ja eine besondere Widerlegung des Idealismus von Berkeley
seiner Kritik einverleibt hat. Es schien umsoweniger über-
flüssig, diese letztere neuerdings an's Licht zu ziehen, als eine
umständliche Prüfung derselben zu zeigen geeignet ist, dass
obige Differenz von Kant weder dort, wo sie wirklich liegt,
gesucht, noch dort, wo er sie suchte, genügend gehoben
worden sei.
Der zweiten Ausgabe der Kritik und zwar dem Abschnitt
der Elementarlehre, welcher die systematische Darstellung aller
synthetischen Grundsätze enthält, hat Kant einen Zusatz ein-
gefügt, den er selbst als , Widerlegung des Idealismus^ über-
schrieben hat. (W. W. her. v. Hartenstein, IL S. 223.) Nach-
dem nämlich ein , flüchtiger^ Eecensent (Garve) den Inhalt der
ersten Ausgabe als , höheren' Idealismus bezeichnet hatte, was
Kant ungefähr schien , als wenn jemand , der nie von Geo-
metrie etwas gehört oder gesehen hätte, den Euklid eine
lieber Kanf.s Widurli'guiig des Idealismus von Berkeley. 7 1 O
, systematische Anleitung zum Zeichnen^ nennen wollte, glaubte es
dieser sich und der Lese weit scliuldig zu sein, nicht nur gegen
diese Bezeichnung, sondern gegen die Verwechslung seines
mit allem bisher sogenannten Idealismus ,von der eleatischen
Schule an bis zum Bischof Berkeley^ Protest einzulegen.
Dass er den Letzteren ausdrücklich nennt, beweist, dass er
unter den , echten Idealisten' ihn besonders im Auge hatte,
wie zum Ueberfluss durch die auf derselben Seite weiterfol-
gende Stelle, wo er unter den Anhängern des Idealismus ihn
neuerdings mit dem Beisatze , vornehmlich' namhaft macht,
erhärtet wird. Während nämlich in der ersten Ausgabe der
Kritik der Name Berkeley's gar nicht vorkommt, erscheint er
in der zweiten, sowie in den zur Erläuterung der Kritik be-
stimmten ,Prülegomenen', bei jeder sich darbietenden Gelegen-
heit in erster Reihe, und zwar von so lebhaften, mitunter fast
wegwerfenden Ausdrücken begleitet, dass man deutlich sieht,
es habe Kant vor allem daran gelegen, jede Verwechslung des
seinen mit Berkeley's Idealismus hintanzuhalten.
Der Grund davon ist nicht allzuschwer zu finden.
Berkeley war ein Gegner Newton's und der mathematischen
Naturwissenschaft, die beide Kant's höchster Verehrung genossen.
Sein ganzes Philosophiren war auf die radicale Ausrottung
des Materialismus, insbesondere der Ilobbes'schen Lehre und
Locke'schen Vermuthung von der Körperlichkeit der Seele ge-
richtet, über welch' letzteren Punkt Kant eine vorsichtige Zu-
rückhaltung zu beobachten- liebte. Der , eigentliche' Idealismus,
und der war für Kant eben der Berkeley's, stand ferner, wie
man aus der geharnischten Anmerkung im Anhang der Prole-
gomena sieht, bei ihm in dem schlimmen Verdacht einer
, schwärmerischen Absicht', und Kant war geneigt, eine solche
als mit jener AVeltanschauung unabtrennbar verbunden zu
betrachten.
Dessenungeachtet ist obige Widerlegung des Idealismus
keineswegs, wie Kuno Fischer (Gesch. d.n. Philos. 1. Aufl. III.
S. 428) meint, ausschliesslich gegen Berkeley gerichtet. Die
ganze Demonstration, die darauf hinausläuft, dass erst das
Dasein der Dinge ausser uns die Wahrnehmung unserer selbst
möglich mache, geht, auch wenn sie schlagend sein sollte,
Berkeley nichts an. Sie sollte ihn auch nichts angehen, denn
716 Z im mer mann.
für ihn hat sie Kant gar nicht bestimmt. Dem Geschichtschrei-
ber Kant's ist hier ein kleines Versehen begegnet, das der Verfolg
unserer Darstelhmg aufhellen wird. Diese hat den Zweck, das
Urtheil Kant's über den speciellen Idealismus Berkeley's klar-
zustellen und darzuthun, inwiefern derselbe durch jenes ge-
troffen werde oder nicht.
Dabei wird sich zeigen, dass der Idealismus Kant's dem-
jenigen des Engländers näherstand als irgend einer, ja dass er
in seinem wesentlichsten Punkte gar nicht von demselben ver-
schieden war; zugleich aber auch, dass Kant von der Lehre
Berkeley's eine ganz unrichtige Vorstellung besass, und die von
ihm als angeblich Berkeley's bestrittenen Argumentationen
diesem gar nicht angehören.
Der Idealismus Berkeley's steht unter seinen Landsleuten
und Zeitgenossen vereinzelt da. Eine Lehre, welche die Reali-
tät der Körperwelt leugnet, in einem Lande und in einem
Zeitalter, dessen erfolgreichste Anstrengungen auf die Erkenntniss
und Beherrschung der materiellen Dinge gerichtet sind, kann
kein anderes Loos haben. Solchen muss eine Lehre, welche wie
der Materialismus weder an der Realität noch der Erkennbar-
keit der materiellen Körperwelt den mindesten Zweifel hegt,
und 'selbst die den physikalischen heterogensten Vorgänge, die
EmptinduDgen, als blosse Bewegungen der Hirntheile betrachtet,
natürlicherweise die willkommenste sein, weil sie in ihre auf
materielle Zwecke durch materielle Mittel gerichteten Bestre-
bungen die schwer entbehrliche Einheit bringt. Eine Lehre, die,
wie der Cartesianismus, Geist und Materie als qualitativ unter-
schiedene Substanzen trennt, scheint dadurch zwar den Ein-
druck der unmittelbaren Beobachtung, die uns Geistiges und
Körperliches mit verschiedenen Eigenschaften, jenes als Empfin-
dung, dieses als Bewegung zeigt, näher zu stehen. Aber sie
reisst nicht nur die eng verbunden scheinende Erfahrungswelt,
das menschliche Wesen voran, in zwei toto genere entgegenge-
setzte Wesenreiche auseinander, sondern sie verwickelt die Frage,
wie diese demungeachtet für einander zugänglich bleiben oder
gemacht werden sollen, in die äussersten Schwierigkeiten. Will
man nicht zu der Unbegreiflichkeit einer göttlichen Assistenz
oder zu der Unwürdigkeit gelegentlicher Ursachen seine Zuflucht
nehmen, so bleibt nichts übrig, als jene qualitative Ver-
Ueber Kaut's Widerli>j;uiig dea Idealibuiut. von Berkeley. 717
sc'liiedeiiheit füllen zu lassen, entweder zu Gunsten der den-
kenden oder der ausgedehnten, (jder einer dritten Substanz, die
keines von beiden ist. Spiritualismus, Materialismus und Spino-
zisnius sind die drei daraus entspringenden metaphysischen
Grundansichten, deren gemeinsamer Charakter, dem Dualismus
gegenüber, qualitativer Monismus ist.
Dass von diesen in England neben dem vorherrschenden
Einflüsse der Physik, welche am Hofe, ja in König Karl II.
persönliche Liebhaber zählte, der Materialismus zuerst Boden
fasste, ist nicht zu verwundern. Die Bacon'sche Lehre, dass
alle Erkenntniss aus den Sinnen stamme, hatte dem Hobbes'schen
Satze, dass, was durch die Sinne erkannt werde, Körper sei,
reichlich vorgearbeitet. Dass alles, was ist, das wahrnehmende
Subject, die Seele selbst eingeschlossen, nur Körper, natür-
licher oder künstlicher, sein könne, war die folgerichtige Con-
sequenz aus beiden obigen Sätzen. Der naive Selbstbetrug, der
in der unbefangenen Voraussetzung mit unterlief, dass das Object
der sinnlichen Wahrnehmung ausser der letzteren an sich
nicht nur sei, sondern so sei, wie es wahrgenommen werde,
blieb so lange uncntdeckt, bis Locke bemerkte, dass die so-
genannten secundäreu Eigenschaften der Körper : Farbe, Geruch,
Geschmack u. s. w., nicht sowohl von diesen als von der Be-
schafienheit der wahrnehmenden Sinnesorgane gemacht würden.
Dass wir ohne Auge keine Farben sehen, ohne Ohr keinen
Schall hören würden, war eine Einsicht von so einleuchtender
Wahrheit, dass sie sofort zum Axiom erhoben wurde. Dieselbe
konnte darin nur erreicht, aber nicht übertroffen werden von
der sofort folgenden weiteren, dass auch die sogenannten p r i-
mären Eigenschaften der Körperwelt : Ausdehnung und Ge-
stalt, also räumliche Bestimmtheit, nicht unmittelbar wahrge-
nommen, also nicht erkannt, sondern als i n n e r e Vor-
gänge auf das, was aiissen ist, vom Subject übertragen würden.
Von der objectiven Welt der mit primären und secundären
Eigenschaften ausgestatteten Dinge, blieb in dessen Folge
nichts, als die nach Abzug aller primären und secundären
Qualitäten nackt ausgezogene Substanz, die Trägerin der
Eigenschaften, ein seinem eigenen Wesen nach dem Subject
durchaus unbekannt bleibendes X oder Ding an sich, von dem
weder Farbe noch Klang, Geruch, Geschmack, Plärte, Weich-
718 Ziramermann.
heit, Glätte u. s. w., noch Gestalt, Grösse, Ausdehnung, prädi-
cirt werden darf, ohne die Grenze des nur dem wahrnehmenden
Subject Angehörenden zu überschreiten.
Bis hieher hat der Gedankengang der englischen Philo-
sophie sich consequent entwickelt. Sämmtliche Eigenschaften
der Körper, secundäre und primäre, mit den letzteren die
Körperlichkeit selbst, insoferne sie in Gestalt und räumlicher
Ausdehnung besteht, haben sich in subjective Vorstellungen
umgewandelt , die Locke mit seinen Nachfolgern Ideen
nannte. Es kam nun darauf an, zu entscheiden, ob er mit der
Behauptung Recht habe, dass nach Abzug sämmtlicher Quali-
täten noch etwas übrig bleibe, das nach Entfernung alles
dessen, was nicht das Ding ist, nun als das Ding selbst,
als das nicht wegzunehmende Seiende gelten könne. In dem
entgegengesetzten Falle wäre mit der Hin wegnähme sämmt-
licher (secundärer und primärer) Eigenschaften das Ding
selbst hin weggenommen und als Summe der nur als
Ideen existirenden Qualitäten, selbst in eine Idee verwandelt.
Dies nun ist Berkeley's Ansicht^ dessen scheinbar so ab-
struser Idealismus als eine natürliche Weiterbildung der Locke'-
schen Lehre sich kundgibt. ,Nimra', sagt er, (Works. Ausg. von
1784, nach welcher ich citire, vol. I. p. 201. Three dialogues)
,die Empfindungen von Weichheit, Saft, Röthe, Säure weg, und
du hast die Kirsche selbst hinweggenommen. ^ An dieser
Stelle nennt er zwar nur secundäre Eigenschaften, und pri-
märe, wie Ausdehnung, Figur, Consistenz, nicht ausdrücklich.
Dass er aber zwischen ihnen und obigen Empfindungen des
Gesichts u. s. w., keinen Unterschied macht, geht klar hervor
nicht nur aus der Stelle (ebendas. S. 130\* dass dieselben
Argumente, die gegen die secundäreu Eigenschaften sprechen,
auch gegen die primären gelten, sondern auch aus der weitern
Aeiisserung (Hum. knowl. Nr. 49, I. p. 47): Ausdehnung und
Figur sind im Geiste nur, wie sie von ihm wahrgenommen
Averden, d. h. nicht in der Weise von Modus und Attribut,
sondern allein in der Weise der Ideen, wie Roth und Blau,
weil diese Farben allüberall als in ihm und nirgends anders
existirend anerkannt sind. In dem Satze, fährt er fort, ein
Würfel ist hart, ausgedehnt, viereckig, soll nach der
Schulphilosophie das Wort Würfel bedeuten: ein Subject oder
Ueber Kaufs Widerlegung dos Idealismus von Berkeley. 719
eine Substanz, welche unterschieden ist von der Härte, Aus-
dehnung und Figur, die von ihr prädicirt werden, und in der
: sie existiren. Mir scheint ein Würfel nichts von den
I Dingen, die als seine Termini oder Accidcnticn
i bezeichnet werden, Verschiedenes zu sein. Sagen:
1 ein Würfel ist hart, ausgedehnt und viereckig-^ heisst nicht,
diese Eigenschaften einem davon verschiedenen und sie tragen-
den Subject zuschreiben, sondern ist nur eine Erklärung über
den Sinn des Wortes.
1 Berkeley selbst deutet den Weg, den wir oben verzeich-
' net haben, kenntlich als denjenigen an, auf dem er zu seinen
I Ansichten gekommen sei (vgl. Three dial. L S. 129.). Zuerst,
i sagt er (Hum. knowl. Nr. 73, I. p. 60.), glaubte mau, es existirten
alle sinnlichen Qualitäten real, und weil nicht für sich, bedürf-
ten sie einer Unterlage; nachher, die secundären Qualitäten
I existirten nur im Geist, daher nur die primären in der Materie ;
' da aber diese auch nur im Geist sind, so bleibt nichts zu unter-
I stützen, also keine Materie. Der Träger ist überflüssig,
; wenn er nichts zu tragen hat. Die ganze Last, welche der
I Materialismus auf dem Objecte vereinigte und der Sensualis-
! mus diesem theilweise erleichterte, fiillt nun dem Subjecte aus-
I schliesslich zu, ist aber zugleich keine Last mehr. Der prin-
I cipielle Gegensatz zwischen der geistigen und materiellen
! Substanz hört auf, weil die Materie als Summe von Eigen-
schaften, die durchgehends Emplindungen, also Ideen, sind,
selbst eine Summe von Emplindungen d. i. Ideen im Geiste,
geworden ist, und daher als ausser dem Geiste befindlicher
sogenannter realer Stoff zu existiren aufgehört hat. Der quali-
tative Dualismus, aber auch der materialistische Monismus hat
seine Basis eingebüsst, die Materie und mit ihr die gesammte
materielle Körperwelt sich in ein Phänomen im Geiste ver-
wandelt.
Zugleich aber ist dafür gesorgt, dass sich dieser letztere nicht
etwa selbst als ein blosses Phänomen der Materie auffassen
lasse. Die Locke'sche Vermuthung, dass die Seele körperlich
sei, ist eine Inconsequenz, sobald die Ausdehnung, also die
Körperlichkeit, eine primäre Eigenschaft und somit nur als
Idee im Geiste vorhanden ist. In diesem Falle wäre höchstens
gestattet zu behaupten, dass das Subject auch sich selbst nicht
720 Z i m me 1 mann.
anders als mit der Eigenschaft der Ausdehinmg vorstelle,
d. h. die Ausdehnung auf das Object seiner eigenen Vorstel-
lung seiner selbst übertrage, aber es wäre durchaus die M<)glich-
keit ausgeschlossen, dass die Seele ein Körper sei. Da alle
JNIaterie schlechterdings nur Vorstellung sein kann, so kann,
wenn etwas überhaupt ist, es wenigstens nicht Materie sein.
Es verdient nun herv^orgehobeu zu werden; dass die obige
Berkeley'sche Deduction keineswegs leugnet, dass etwas sei,
sondern ausschliesslich nur, dass Materie und Körper seien.
Das ganze Gewicht seiner Argumentation liegt in dem für ihn
unlöslichen Widerspruch , dass Ausdehnung , i. e. die den
Körper constituirende Eigenschaft, eine blosse Idee sei und
nichtsdestoweniger ein Ausgedehntes, Materie oder Körper,
real existiren solle. Ich denke, mau wird zugeben müssen, dass
dies nicht blos für ihn einen unlöslichen Widerspruch einschliesst.
Wenn Ausdehnung eine blosse Vorstellung wie die rein subjec-
tive Empfindung des Koth, Blau u. s. w. ist, so kann sie nicht
zugleich etwas von ihr Verschiedenes sein. Und so gut wie die
Empfindung Blau nur im und für den Sehenden, so gut
existirt die Ausdehnung, die ja eben nichts als eine Vorstellung
ist, nur in und für den Vorstellenden.
Mit gutem Gewissen, wie mir scheint, kann daher Berkeley
behaupten, dass an sich weder Körper noch Materie
existiren. Sollten sie an sich existiren, so müsste auch die
constituirende Eigenschaft des Körpers, die Ausdehnung, exi-
stiren, d. h. sie dürfte keine blosse Idee sein. Da ihr nichts
au sich entsprechen soll, so kann auch der nur mittels ihrer
möglichen Idee des Körpers nichts an sich entsprechen.
Dasselbe, sollte man meinen, müsste jede Lehre behaup-
ten, für Avelche Räumlichkeit und Ausdehnung keine Eigen-
schaft der Dinge an sich, sondern ausschliesslich in der Vor-
stellung des anschauenden Subjectes vorhanden wären. Denn
mit dem letzteren wäre schon ausgesprochen, dass zwar das
Subject das von ihm als existirend Vorgestellte auch als aus-
gedehnt vorzustellen gcnöthigt sein könnte, daraus aber, weil
dieses Ausgedelmtvorstellen lediglich eine Anschauungsweise
des Subjectes wäre, auf die ausgedehnte Beschaffenheit des als
seiend Vorgestellten schlechterdings kein Schluss zu machen sei.
Ueber Kaut's Widerlegung iles Idealismu-; von Berkeley. j21
, i
Dass Kant's transcendentalc Aesthetik eine solclio Lehre
sei, wird wol keines Beweises bedürfen. In diesem Punkte
also, scheint es, wäre zwischen Berkeley's und Kant's Lehre
kein Widerspruch und könnte die eine so gut wie die andere
Idealismus heissen. Dessenung-eachtet nennt er den seinen das
jgerade Gegentheil' von jenem, dem , eigentlichen^ Idealismus
(Proleg. Anh. S. 305) oder dem ,echten', woraus denn wohl
gefolgert werden müsste, dass er den seinen als einen , un-
eigentlichen' und jUnechten' angesehen wissen wollte.
Die Prolegomena sammt dem Anhang, dem obige Be-
zeichnung entnommen ist, erschienen 1783; die zweite Ausgabe
der Kritik, in welcher die Zusätze über den Idealismus Ber-
keley's mit Nennung seines Namens vorkommen (vgl. IL S. 85 u.
223), erst 1787. Die ,Widerlegung des Idealismus' gehört also
einem späteren Stadium an, als die auf Berkeley's Kosten und
mit dessen Namensnennung erfolgte Zurückweisung des dem
Verf. der Kritik von seinem Göttinger Recensenten imputirten
jhöheren' Idealismus, wozu auch die weitere abfällige Nam-
haftmachung desselben (Proleg. S. 210) zu rechnen ist. Man
erfährt aus denselben, wie Kant nach dem Erscheinen der
ersten Ausgabe über denjenigen Idealismus, den er für Berkeley's
Eigenthum wenigstens hielt, sowohl 1783 als 1787 dachte, wäh-
rend sich nicht zweifellos bestimmen lässt, ob er bei einem der
Idealismen, deren er in der ersten Ausgabe gedenkt (vgl. die
Nachträge aus der ersten Ausgabe bei Hartenstein IL S. 074
u. s. f.), eben Berkeley im Sinne hatte. Wir werden im Nach-
stehenden diese zu verschiedenen Zeiten (1781, 1783, 17S7)
erfolgten Aussprüche Kant's über den Idealismus nach einandei-
gesondert anführen, um unser Urtheil, welcher davon und ob
irgend einer derselben den Idealismus Berkeley's wirklich
treffe, dadurch zu begründen.
So heisst es in der ersten Ausgabe (1781): ,Unter einem
Idealisten muss man also nicht denjenigen verstehen, der das
Dasein äusserer Gegenstände der Sinne leugnet, sondern der
nur nicht einräumt, dass es durch unmittelbare Wahrnelimung
erkannt werde, daraus aber schliesst, dass wir ihrer Wirklich-
keit durch alle mögliche Erfahrung niemals völlig gewiss wer-
den können' (IL S. 674). Vergh^icht man damit die Stelle in
der zweiten Ausgabe (,Widerlegung des Idealismus', IL 223
722 Zimmermann.
V. J. 1787), wo er von einem Idealismus redet, den er den
, problematischen' nennt, so findet man beide ganz gleichlau-
tend. ,Der problematische Idealismus ist derjenige, der nichts
hierüber (nämlich, ob die Dinge im Räume blosse Einbildungen
sind) behauptet, sondern nur das Unvermögen, ein Dasein ausser
dem unsrigen durch unmittelbare Erfahrung zu beweisen vor-
gibt/ Diesen problematischen Idealismus schreibt er dem C ar-
te sius (im Gegensatz zu dem dort von ihm , dogmatisch' ge-
nannten des Berkeley) zu (a. a. O. 223); folglich hat er auch
in obiger Stelle der ersten Ausgabe nur den Cartesius (und
nicht Berkeley) im Auge gehabt. Ja, wenn man sein Verbot,
unter einem Idealisten denjenigen zu verstehen, der das Dasein
äusserer Gegenstände der Sinne leugnet, ernst nehmen und mit
der Stelle in der zweiten Ausgabe (a. a. O. 223), wo er die
Lehre Berkeley's als diejenige charakterisirt, welche die Dinge
im Raum für blosse Einbildungen erklärt, zusammenhalten
wollte, so käme die sonderbare Folgerung zum Vorschein, dass
Berkeley, den die zweite Ausgabe einen Idealisten nennt, im
Sinne der ersten Ausgabe eigentlich gar keiner sei.
Auf dieselbe werden wir später wieder zurückkommen
müssen. Ist nun derjenige ein Idealist, der nicht einräumt, dass
das Dasein äusserer Gegenstände der Sinne durch unmittelbare
Wahrnehmung erkannt werde, so darf nothwendigerweise der-
jenige, welcher dies einräumt, keiner sein. Die , Widerlegung
des Idealismus' in der zw^eiten Ausgabe, die darauf ausgeht,
zu beweisen, dass der Verfasser der Kritik ,kein' Idealist sei,
wirft sich daher auf diesen Punkt und beweist oder wall be-
weisen, dass ,äussere Erfahrung eigentlich unmittelbar sei'
(a. a. 0. S. 224). Und wäre dieser Beweis richtig und gäbe
es keinen andern Idealismus als jenen, den Kant in der zweiten
Ausgabe den problematischen nennt und dem Cartesius zu-
schreibt, so wäre damit der Idealismus allerdings widerlegt.
Aber nach der zweiten Ausgabe (a. a. O. S. 223) kennt Kant
selbst noch einen andern, den dogmatischen des Berkeley, und
dieser ist durch die Widerlegung des Cartesianischen selbstver-
ständlich nicht widerlegt. Der Verfasser der Kritik könnte,
selbst wenn er im Sinne der ersten Ausgabe sich von dem
Verdacht, ein Idealist zu sein, gründlich gereinigt hätte, im
Sinne Berkeley's, von dem die erste Ausgabe keine Erwähnung
Ueter Kant's Widerlegung des Idealisinos von Berkeley. 723
thut, und den die Widerlegung des Cartesianischen Idealismus
in der zweiten nicht trifft, immer noch ein Idealist heissen
müssen.
Wir kommen hier auf das oben erwähnte Versehen Kuno
Fischer's zu sprechen. Dieser bemerkt sehr richtig, dass die
ganze Demonstration (a. a. 0. S. 224), die darauf hinausläuft,
dass erst das Dasein der Dinge ausser uns die Wahrnehmung
unserer selbst möglich mache, , keine Widerlegung Berkeley's
sei' (a. a. 0. S. 428). Aber er hat übersehen, dass sie es auch
gar nicht sein sollte. Dieselbe ist nämlich in dem Zusatz der
zweiten Ausgabe ausdrücklich nicht gegen den dogmatischen,
sondern gegen den problematischen Idealismus, folglich gegen
Cartesius statt gegen Berkeley gerichtet; ganz ebenso wie die
entsprechende in der ersten Ausgabe (Nachtr. IL S. (379 ,Alle
äussere Wahrnehmung bedingt unmittelbar etwas W^irkliches
im Räume') auf den dort definirten Idealismus (denselben, der
in der zweiten Ausgabe der , problematische' heisst) gemünzt
erscheint.
Wesshalb aber die erste Ausgabe unter einem Idealisten
nicht denjenigen verstanden wissen Avill, der das Dasein äusserer
Gegenstände der Sinne leugnet, sondern nur den, der nicht
einräumt, dass es durch unmittelbare Wahrnehmung erkannt
werde, d. h. nur Cartesius (keineswegs aber Berkeley) als
solchen betrachtet, geht aus der gleichfolgenden Unterscheidung
eines , zweifachen', des transcendentalen und des empirischen Idea-
lismus hervor, für deren ersten sich Kant , schon im Anfange er-
klärt' hat (S. 675 a. a. O.). Dieser nämlich, d. i. ,der Lehrbegriff,
nach welchem wir alle Erscheinungen als blosse Vorstellungen
und nicht als Dinge an sich selbst ansehen', kann zugleich
empirischer Realismus sein, d. h. die Existenz der Materie ein-
räumen, weil er dieselbe ,blos für Erscheinung, die von unserer
Sinnlichkeit abgetrennt nichts ist, d. i. für eine Art Vor-
stellungen (Anschauung) gelten lässt, welche äusserlich heissen,
nicht als ob sie sich auf an sich selbst äussere Gegenstände
bezögen, sondern weil sie Wahrnehmungen auf den Raum be-
ziehen, in welchem alles ausser einander, er selbst aber, der
Raum, in uns ist' (S. 615. IL).
Und nun leuchtet ein, wienach Berkeley im Sinne der
<-;rsten. Ausgabe eigentlich gar kein Idealist heissen darf. Er ist
724 Zimmermann.
Transcendental-Idealist, so gut wie Kant selbst, also nach der
Terminologie der ersten Ausgabe kein Idealist, sondern empi-
rischer Realist. Denn die Existenz der Materie, die nur eine
,Art Vorstellungen, welche äusserlich heissen, nicht als ob
sie sich auf an sich selbst äussere Gegenstände bezögen, son-
dern weil sie Wahrnehmungen auf den Raum beziehen, in
welchem alles ausser einander, er selbst, der Raum, aber
in uns ist', kann auch Berkeley einräumen, ,ohne aus dem
blossen Selbstbewusstsein hinauszugehen'. Was er leugnet, ist
nicht, dass Materie und Körper als Ideen im Geiste, son-
dern nur, dass sie an sich ausser demselben existiren.
Nach dem von ihm aufgestellten Fundamental satz : esse = per-
cipi, besteht die Existenz der Materie eben in ihrem Percipirt,
d. i. im Geiste vorgestellt werden, so dass im strengsten Wort-
sinn von ihr gesagt werden kann, was Kant von dem transcen-
dentalen Idealisten als empirischen Realisten fordert, dieselbe
besitze als Erscheinung eine Wirklichkeit, die nicht geschlossen,
sondern unmittelbar (vom Geiste im Geiste) wahrgenommen
wird. (A. a. O. S. 676.)
Berkeley behauptet nun nicht nur dasselbe, was der
Transcendental-Idealist einräumt, er bestreitet auch das Nämliche,
was dieser bekämpft. Als den wahren Gegensatz desjenigen
Idealismus, zu dem er sich selbst bekennt, stellt nämlich Kant
an obiger Stelle nicht den Realismus schlechtweg, sondern den
tianscendentalen Realismus auf, der Zeit und Raum als etwas
an sich (unabhängig von unserer Sinnlichkeit) Gegebenes ansieht.
Der transcendentale Realist stellt sich äussere Erscheinungen (wenn
man ihnen Wirklichkeit einräumt) als Dinge an sich selbst
vor, die unabhängig von uns und unserer Sinnlichkeit existiren,
also auch nach reinen VerstandsbegrifFen. Dieser sei es, der
nachher den empirischen Idealisten spiele, und nachdem er
fälschlich von Gegenständen der Sinne vorausgesetzt habe, dass,
wenn sie äussere sein sollen, sie an sich selbst auch ohne Sinne
ihre Existenz haben müssten, in diesem Gesichtspunkte alle
unsere Vorstellungen der Sinne unzureichend finde, die Wirk-
lichkeit derselben gewiss zu machen.
Die Ansicht der , Schulphilosophie', welche Berkeley be-
kämpft, welche da glaube, dass von dem Dinge noch etwas
übrig bleibe, wenn man seine sämmtlichen Eigenschaften, pri-
üeber Kant's Widerlegung des Idealismus von Berkeley. 72.0
i
', nüiro und sc^cundäre, als blosse Vorstelluiiiicn im Geiste nach-
f gewiesen habe (vg-1. a. a. O. p. 201 ), fällt mit diesem von
Kant transcendental genannten Realismus in Eins zusammen.
I Das Irrige derselben findet er nicht etwa darin, dass durch
j die doch nur subjectiven Sinne deren objective Qualitäten erkannt
j werden, sondern dass jenseits der durchaus subjectiven (secun-
} dären und primären) Qualitäten, die als solche nur Vorstel-
lungen (im Geiste) sein können, überhaupt noch etwas an sich
I vorhanden sein solle. Das Ansich der Dinge bleibt nicht nur,
1 wie Locke noch wollte, gänzlich unbekannt, sondern es bleibt
überhaupt weder Materie noch Körper übrig, wenn man alle
i Eigenschaften derselben als blosse Vorstellungen begriffen hat.
' Hält man sich blos an die erste Ausgabe, so darf man
t behaupten, Berkeley sei nur dann kein Idealist, wenn auch
Kant keiner sei, d. h. wenn der transcendentale eben kein
Idealismus ist. Dass er das nicht sei, behauptet nun Kant an
keinem Orte; aber er führt, um der Verwechslung seiner Lehre
. mit dem, was er in der ersten Ausgabe kurzweg Idealismus
nennt, zu entgehen, in den Prolegomenen (i:>. 49, III. S. 261)
und in der zweiten Ausgabe (II, S. 389) eine andere, in jenen
üi)erdiess §. 13, S. 210 noch eine dritte Bezeichnung ein für
das, was er sonst ,transceudentalen Idealismus' genannt habe.
Er nennt ihn den , formalen' (Proleg. i^. 49), im Gegensatze
zu dem ,materialen', d. i. dem gemeinen, ,der die Existenz
.äusserer Dinge selbst bezweifelt oder leugnet' (IL S. 389. Akg.),
jin den Proleg. §. 13 aber, um ,Missdeutung zu verhüten', den
j, kritischen'. Dieser , formale Idealismus (sonst von mir, d. i.
lin der ersten Ausgabe, transcendental genannt) hebt wirklich
Iden materiellen oder Cartesianischen auf (III. S. 260, Proleg.
; §. 49.) Dass er auch den Berkeley'schen aufhebe, ist nicht ge-
isagt; ebensowenig, dass der letztere auch ,materiell' sei. Letz-
iteres kommt erst in der zweiten Ausgabe vor. Vielmehr ist
laus dem dazwischengesetzten ,oder' zu schliessen, dass Kant
jwie im J. 1781 ,Idealisinus' und , Cartesianischen Idealismus'
jso im J. 1783 , materiellen' und , Cartesianischen Idealismus' für
gleichbedeutend hielt. Für letzteren hat er in demselben Jahre
;(Prolegom. S. 210) noch einen anderen Namen, indem er ihn
iden , empirischen' nennt, zugleich aber nur als eine , Aufgabe'
gelten lässt, wegen deren Unaufl(islichkeit es .nach Cartesius
Sitzb. d. phil.-hisl. Cl.LXVlIl. Bd. IV. llft. ^■j
726 Zimmermann.
Meinung, jedermann freistund, die Existenz der küi'perliehen
Welt zu verneinen, weil sie niemals g-enugthuend beantwortet
werden könnte/
Ungeachtet nun Kant auch in den Prolegomenen selbst
auf" einem, nur nicht mehr trauscendental, sondern , formal' oder
, kritisch' genannten Idealismus beharrt, ungeachtet seiner eige-
nen Erklärung nach dieser n u r den , materiellen oder Car-
tesianischen' Idealismus aufhebt, wird nichtsdestoweniger in
diesem Jahre zuerst von Kant öffentlich (Proleg. §. 13, S. 210)
Berkeley's Idealismus als ein , mystischer und schwärme-
rischer' getadelt, und vor der Verwechslung der Kantischen
Theorie mit , diesem und ähnlichen Hirngespinnsten', gegen
welche die Kritik vielmehr das eigentliche Gegenmittel enthalte,
ausdrücklich gewarnt. In den zwei Jahren, die zwischen dem
Erscheinen der ersten Ausgabe und jenem der Prolegomena
liegen, ist daher offenbar in Kant's Ansichten über den Idea-
lismus eine Veränderung vor sich gegangen. Er unterscheidet
nun nicht mehr, wie 1781, lediglich nur einen empirischen
Idealismus, den er verwirft, und einen transcendentalen,
zu dem er sich selbst bekennt, sondern er kennt jetzt dreierlei
Arten eines solchen: den materiellen oder Cartesianischen
(auch , empirischen' genannt), den mystischen und schwärme-
rischen, den er dem Berkeley zuschreibt, und den eigenen,
, sonst transcendental', jetzt , formal' oder , kritisch' geheissenen.
Denn , dieser von mir sogenannte Idealismus betraf nicht die
Existenz der Sachen (die Bezweiflung derselben aber macht
eigentlich den Idealismus in recipirter Bedeutung aus), denn
die zu bezweifeln ist mir nie in den Sinn gekommen,
sondern blos die sinnliche Vorstellung der Sachen, dazu Raum
und Zeit zuoberst gehören; und von diesen, mithin überhaupt
von allen Erscheinungen, habe ich nur gezeigt, dass sie nicht
Sachen (sondern blosse Vorstellungsarten), auch nicht den j
Sachen an sich selbst angehörige Bestimmungen sind. Das
Wort transcend(mtal aber, welches bei mir niemals eine Bezie-
hung unserer Erkenntniss auf Dinge, sondern nur auf's Er-j
kenntn iss vermögen bedeutet, sollte diese Missdeutung ver-
hüten. Ehe sie aber denselben (dieselbe?) doch auch f(!rnerhin
veranlasse, nehme ich diese Benennung lieber zurück und will
ihn den kritischen genannt wissen. Wenn es aber ein in der
Ufber Kaufs Widprlegung des Tdealisnins von Berkeley. 727
iriiat verwerflicher Idealismus ist, wirkliche Sachen (nicht Er-
pchcinuni]jen) in blosse Vorstellungen zu verwandeln, mit
svelelu'in Namen will man denjenigen benennen, der umge-
l^ehrt blosse Vorstellungen zu Sachen macht? Ich dächte, man
[könnte ihn den träumenden nennen, zum Unterschiede von dem
jt^origen, der der schwärmerische heissen mag, welche
peide durch meinen, sonst sogenannten transcondentalen, besser
kritischen Idealismus haben abgehalten werden sollend
1 In dieser merkwürdigen Stelle, welche den klaren Beweis
|!iefert, dass, wenn in Kant's Ansichten eine, um mit K.Fischer
f.u reden, ,Abschwächung^ des IdeaHsmus stattgefunden hat,
jliese nicht erst der zweiten Ausgabe der Kritik vom J. 1787
angehört, fallt auf, dass zu den eben genannten dreien noch
jnn vierter Idealismus, der träumende, hinzukommt, von
[lern bisher nirgends die Rede war. Das Wesen desselben soll
larin bestehen, blosse Vorstellungen zu Sachen, das des
schwärmenden' (Berkeley?) dagegen darin, wirkliche Sachen
nicht Erscheinungen), in blosse Vorstellungen zu verwandeln,
per jkritische', d. i. sein eigener, l)ezweifelt nicht die Existenz
jler Sachen, sondern blos die der Erscheinungen, d. i.
1er sinnlichen Vorstellung der Sachen, und zeigt, dass sie
blosse Vorstellungsarten sind, ist sonach gar kein Idealismus
n ,recipirter Bedeutung', denn dessen Wesen besteht in der
Bezweiflung der Existenz der Sachen'.
Hält man letzteren Satz mit der Erklärung des transcen-
lentalen Idealisten in der ersten Ausgabe (II. S. 675) zusara-
nen, so scheint er dem Wortlaut nach allerdings nicht nur
licht dasselbe, sondern gerade das Gegentheil zu sagen. Der
jkritische' Idealist , bezweifelt die Existenz der Erscheinungen
find zeigt, dass sie blosse Vorstellungsarten der Dinge sind';
jler transcendentale, räumt ein (d. h. doch wol ,bezweifelt
flicht') die Existenz der Materie, weil er sie für blosse Er-
fcheinung, d. i. für eine Art Vorstellung gelton lässt, die von
Unserer Sinnlichkeit abgetrennt, nichts ist'. Allein in dem Sinne,
in welchem der kritische Idealist die Existenz der Erscheinung
pezweifelt, räumt sie der transcendentale nicht ein, und in
ileinjenig(;n, in welchem dieser sie einräumt, bezweifelt sie
jener nicht. Denn der kritische erklärt die Erscheinungen für
ihlosse Vorstellungsarten', und der transcendentale ebenfalls;
47*
728 Zimmermann.
der transcendentale bezweifelt die Existenz der Materie ah
Erscheinung- nicht, und der kritische ebensowenig. Beide, dei
kritische sogut wie der transcendentale Idealist, sprechen der
Erscheinungen die Existenz der , Sachen^ ab und die blossei
Vorstellungsweisen zu. Der scheinbare Widerspruch in dei
oben angeführten Stelle entsteht nur dadurch, dass das Wori
, Existenz' einmal auf ,wSachen', das anderemal auf blosse , Er-
scheinungen- bezogen, die der ersteren von den letzteren ge-
leugnet, und dadurch der Schein erzeugt wird, als hätten di(
Erscheinungen überhaupt gar keine Existenz, während dei
, kritische' Idealist doch nur behauptet, dass sie nicht jene dei
, Sachen' hätten !
Dennoch, obgleich obiger Widerspruch in der That um
scheinbar ist, besteht ein solcher wirklich zwischen dem Kant'-
schen Idealismus der Prolegomena und jenem der ersten Aus-
gabe. Derselbe liegt nicht darin, dass beide übereinstimmend
die Erscheinungen für blosse Vorstellungsweisen erklären und
demgemäss ihnen auch nur diejenige Existenz beilegen, welche
Vorstellungsweisen zukommt ; sondern darin, dass der , kritische*
Idealismus auch noch von den Erscheinungen unterschiedene
, Sachen' und eine denselben zukommende , Existenz' kennt, von
denen der transcendentale (der ersten Ausgabe) nichts weiss,
oder doch wenigstens nicht spricht. Man vergleiche einmal die
Definitionen, die Kant in der ersten Ausgabe und die er in
den Prolegomenen vom , Idealisten' und , Idealismus' schlechtweg
gibt, wenn ihm daran gelegen ist, seine eigene Lehre dagegen
abzugrenzen. Man wird finden, dass sie beidemal ganz ver-
schieden, ja geradezu entgegengesetzt lautet. In der ersten
Ausgabe (a. a. O. S. 674) heisst es: , Unter einem Idealisten
muss man also nicht denjenigen verstehen, der das Dasein
äusserer Gegenstände der Sinne leugnet', und Proleg. §. 13,
(III. S. 210) sagt er: ,Die Bezweiflung der Existenz der Sachen
macht den Idealismus in recipirter Bedeutung aus'. Nach dem
ersten Ausspruch kann jemand recht wol das Dasein äusse-
rer Gegenstände der Sinne leugnen und wird dadurch kein
Idealist; nach der andern ist eigentlich nur derjenige ein.
solcher, welcher die Existenz der Sachen bezweifelt. Derl
, transcendentale' Idealist, der die Materie für eine blosse Erschei-i
nuntj, d.h. für eine Art Vorstelhuiüen erklärt, welche äusserlich
•O? "• "• '"• ^^»"^ -•»^••' » v... «l^V.i.l...j^V... ^. iv.tw u.
Ueber Kunfs Widerlegung des Idealisnnis von Berkeley. i 29
leisscn, aber , nicht, als ob sie sich auf" aii sich selbst äussere
jcgeustäLKlo^ bezögen, ist daher im Sinuc der ei'sten Ausgabe
£eiu, wohl aber im Sinne der Prolegomena ein Idealist,
yenn unter , Sachen^ eben ,an sieh selbst äussere Gegen-
itände' verstanden werden. Kaufs Abwehr des Idealismus in
ler ersten Ausgabe ist daher vom Standpunkte der Prolegomena
ms betrachtet, verunglückt, weil von diesem aus angesehen,
iie Definition des Idealisten in der ersten Ausgabe vergriffen
st. Das dort als , unwesentlich^ Abgelehnte ist nach der Kant'-
;chen Theorie von 1783 gerade das Wesentliche.
Da wir hier nicht eine Kritik der Kant'schen Philoso}Dhie,
ionderu nur eine seiner Beurth eilungen des Berkeley 'sehen
Idealismus zum Vorwurf haben, so berührt dieser unleugbare
Wechsel in dessen Vorstellung vom Wesen des Idealismus, der
sich zwischen 1781 und 1783 vollzog, uns nur insofern, als
lureh denselben Kant's Urtheil über einen Idealismus, wie der
3erkeley's ist, beeinflusst werden musste. Ist es richtig, dass
Jieser mit dem ,transcendentalen^ übereinstimmt , und ist
lieser nach der ersten Ausgabe von dem, was man , Idealis-
mus^ nennt, verschieden, so ist auch Berkeley's Theorie von
iiesem verschieden. Ist dagegen auch der ,transcendentale^
Idealismus (der ersten Ausgabe) Idealismus ,ini rccipirten
Sinn', und als solcher Kant ,nie in den Sinn gekommen^, so
'ällt auch Berkeley's Idealismus unter dieselbe Kategorie und
svird in deren Verwerfung mit einbegriffen.
Thatsache ist: in dem von Kant selbst als wesentlich
für den transcendentalen Idealismus bezeichneten Punkt, dass
iie Materie ,und sogar deren innere Möglichkeit' blosse Er-
ächeinung, eine ,Art Vorstellung', von unserer Sinnlichkeit
Eibgetrennt aber nichts sei, stimmt Berkeley's Theorie mit der
seinen vollkommen überein. Da dieser Punkt von Kant nun
lauch in dem , kritischen' Idealismus nicht zurückgenommen,
I\'ielmehr (a. a. O. 210) ausdrücklich erklärt wird, dass alle
lErseheinungen nicht Sachen, sondern blosse Vorstellungsarten
seien, so wäre auch für die Prolegomena kein Grund vorhan-
den, ihre Verwandtschaft mit Berkeley's Theorie in Abrede zu
'Stellen. Wenn er sie nun mit sichtlich wegwerfendem Tone ein
;,Hirngespinust' nennt, so kann das nicht diesem, d. h. demjenigen
iPunkt gelten, den auch sein neuer ,kritischer' Idealismus mit der-
730 Zimmermann.
selben gemein hat. Vielmehr kann darunter nur ,die Bezweiflung
der Existenz der Sachen', der Kern des ,recij)irten Idealismus'
gemeint sein, wobei unter den Sachen nicht die Materie, die
ja blosse Erscheinung (substantia phaenomenon) ist, sondern
die substantia noumenon, das Ding an sich der Kritik, verstan-
den wird. Diese zu leugnen mag Kant allerdings auch iu
der ersten Ausgabe nicht ,iu den Sinn' gekommen sein, da
er auch dort ,nur sagen wollte, dass die Dinge, die wir an-
schauen, nicht das an sich selbst sind, wofür wir sie anschauen,
noch ihre Verhältnisse so an sich selbst beschaffen sind, als
sie uns erscheinen, und was es für eine Bewandtniss mit den
Gegenständen an sich und abgesondert von aller dieser Recep-
tivität unseier Sinnlichkeit haben möge, uns gänzlich imbekanut
bleibe' (II. 78.). Zwar ist dadurch die Möglichkeit, dass jene
,uns gänzlich unbekannt bleibenden' Dinge an sich existi-
ren, nicht ausgeschlossen; durch den eingeschobeneu Satz aber:
dass, ,wenn wir unser Subject oder auch nur die subjective
Beschaffenheit der Sinne überhaupt aufheben,, alle die Beschaf-
fenheit, alle Verhältnisse der Objecte in Raum und Zeit, ja
selbst Raum und Zeit verschwinden würden, und als Erschei-
nungen nicht an sich selbst, sondern nur iu uns cxistiren
können' (ebendas.), ist klar ausgedrückt, dass sie wenigstens
für uns so gut wie nicht existiren, oder was dasselbe ist,
dass für uns nur Erscheinungen in uns existiren.
Kein Object ohne Subject, keine Erscheinung ohne Denjeni-
gen, dem sie erscheint ! Dieser Fuudamentalsatz der Kant'schen
Kritik trifft mit dem Satze Berkeley's: esse ^ percipi, vollkommen
zusammen. Derselbe enthält eine so einleuchtende Wahrheit, dass
in ihm das , Mystische' und , Schwärmerische', welches Kant in
dem Idealismus Berkeley's findet, unmöglich gesucht werden
kann. Wie sich von selbst versteht, dass ohne Spiegel kein Spie-
gelbild, so ist es klar, dass ohne das anschauende Auge keine
Anschauung zu Stande kommen würde. Berkeley's Theorie des
Sehens (1709), die sich, nicht nur mit deijcnigen A. Schopcn-
hauer's, sondern wie Baumann (Lehre von Raum, Zeit uudlMat.
IL 366) richtig bemerkt, in der Gruudidee mit der neuerdings,
namentlich von Helmholtz (physiologische Optik) vertretenen
berührt, schafft mit dem Canon: der Geist erkennt nur durch Ideen,
d. i. unmittelbare Objecte der Sinne, die Optik, d. i. die pliysika-
Uübur Kanl's Widerlegung des Idealiümus von Berkeley. 731
lisch-niathciiiiatische, von dem Gesehenen ausg^ehendc! Tlieorie
des Sehens bei Seite luid setzt dafür die vom Sehenden aus-
gehende psychologische. Kant's Kritik kehrt (hirch den Satz,
dass sich die Dinge (d. i. ilu'e Erkenntniss) künftig nach dem
Erkenntuissvermögen, statt die Erkeimtiiiss nach d(!n Dingen
' zu richten haben, die bis auf ihn herkthnmliclie reaHstische
i Erkenutnisstheorie, welche die Vorstellung als den Abdruck der
äussern Objecto ansah, gerade so um, wie Berkelcy's Theorie
des Sehens die herkömmliche Ansicht, welche Entfernung, Ge-
süüt, Aussenwelt, Raum u. s.w., als unmittelbare Objecto der Wahr-
nehmung durch das Auge betrachtete. Berkeley zeigt, dass das Ein-
zige, was das Auge unmittelbar wahrnimmt, Lichtreize, dass Ab-
I stand, Lage und Grösse, überhaupt alle räundichen Bestim-
: mungen nicht gesehen, sondern erschlossen, dem Sub-
[ ject, nicht dem Object der Wahrnehmung augehörig, Ideen
in, nicht Dinge ausser dem Geiste seien.
lieber den Punkt, dass die Erscheinung ein Subject vor-
aussetze, dem sie erscheint, und folglich nach dessen Natur ihre
eigene sich richten müsse, herrscht keine innere Abweichung
zwischen Berkeley und Kant. Darin, dass ,Raum und Zeit,
sanimt allem, was sie in sich enthalten, nicht die Dinge oder
deren Eigenschaften au sich selbst, sondern bloss zu Erschei-
nungen derselben gehörig sind', weiss sich auch dieser mit
Jenen Idealisten (den , echten, von der eleatischen Schule an
bis zum Bischof Berkeley') einverstanden' (Proleg. Anh. III.
S. 305). Wie nah lag hier die Möglichkeit, die Beschaffenheit
der Erscheinung und diese selbst aus der Natur des vorstel-
lenden Subjectes, somit die gesammte Erscheinuugswelt, die
einzige, die es für das Subject geben kann, aus einer schöpfe-
rischen Thätigkeit dieses letztern selbst abzuleiten!
Der subjective Idealismus, auf den spätej- Fichte gei-ieth,
lag hier gleichsam im Wege. Wenn man einmal dahin gelangt
ist, das Object in die Erscheinung und diese selbst in das
Subject zu verlegen, so ist die Frage nach dem Grunde der
Erscheinung in diesem die nächste, die sich aufdrängt. Und
hier ist die Antwort, welche den Grund derselben in einem
von dem Subjecte Verschiedenen sucht, keineswegs die zu-
nächstliegende. Viel näher liegt es, bei deren Beantwortung
über den Umkreis des Subjectcs nicht einmal hinauszugehen
732 Zimmermann.
sondern in ihm selb st die Ursache seiner Vorstellungen
anfzusuchen.
Berkeley und Kant haben sie nichtsdestoweniger ausser
dem Subjecte gesucht und sind dem subjectiven Idealismus,
jeder auf seine besondere Weise, aus dem Wege gegangen. In
dieser werden wir auch zuletzt das wahre Motiv von Kant's
abfälligem Urtheil über Berkeley's Theorie antreffen ; was er
im Anhang zu den Prolegomenen (S. 315) anführt, würde kaum
dazu hinreichen. Nachdem er bisher schon einen transcenden-
talen und empirischen, einen formalen und materialen, kriti-
schen, mystischen und Cartesianischen, auch einen träumenden
und schwärmenden Idealismus unterschieden, werden wir plötz-
lich mit einem ganz neuen Kriterium des , echten^ (im Gegen-
satz zu seinem eigenen) Idealismus überrascht. Der Satz aller
echten Idealisten, von der eleatischen Schule an bis zum Bischof
Berkeley, sei in dieser Formel enthalten: ,alle Erkenntniss
durch Sinne und Erfahrung ist nichts als lauter Schein, und
nur in den Ideen des reinen Verstandes und der Vernunft ist
Wahrheit.' Dem gegenüber laute der Grundsatz, der seinen
Idealismus durchgängig regiere und bestimme: ,Alle Erkenntniss
von Dingen aus blossem reinem Verstände oder reiner Vernunft
ist nichts als lauter Schein und niu- in der Erfahrung ist
Wahrheit'. Die Idealisten und unter ihnen vornehmlich Ber-
keley sähen den Raum zwar für eine Vorstellung, aber für
eine blosse empirische an, die ebenso wie die Erscheinungen
in ihm uns nur vermittelst der Erf^ihrung oder Wahrnehmung
zusammt allen seinen Bestimmungen bekannt würden ; er da-
gegen zeige, dass der Raum (und ebenso die Zeit, auf welche
Berkeley nicht Acht hatte) sammt allen seinen Bestimnuuigen
a priori von uns erkannt werden könne, weil er sowohl als die
Zeit uns vor aller Wahrnehnning oder Erfahrung, als reine
Form unserer Sinnlichkeit beiwohnt und alle Anschauung der-
selben, mithin auch alle Erfahrung möglich macht. Hieraus
folge: dass, da Wahrheit auf allgemeinen und nothwendigen
Gesetzen als ihren Kriterien beruhe, die Erfahrung bei Ber-
keley keine Kriterien der Wahrheit haben könne, weil den Er-
scheinungen derselben (von ihm) nichts a priori zu Grunde
gelegt werde, woraus dann folgt, dass sie nichts als
blosser Schein sei, dagegen bei ihm (Kant) Raum und Zeit
lieber Kanfs Widerleguiif; des Idealismus von Berkeley. 733
(in Verbindung mit den reinen Verstandesbegriffen) u priori
aller möglichen Erfahrung iiir Gesetz vorschreiben, welches
zugleich das sichere Kriterium abgebe, in ihr Wahrheit vom
Schein zu unterscheiden.
Hiezu macht Kant noch eine Anmerkung, in welcher er
dem , eigentlichen^ Idealismus (also auch dem Berkeley's) jeder-
zeit eine , schwärmerische Absicht^ zuschreibt und behauptet,
derselbe könne keine andere haben. Derselbe habe nämlich
immer (also auch wol Berkeley?), wie schon aus dem Plato
zu ersehen, aus unseren Erkenntnissen a priori (selbst derer
[sie] der Geometrie) auf eine andere (nämlich intellectuelle)
Anschauung, als die der Sinne geschlossen, weil man sich gar
nicht einfallen Hess, dass Sinne auch a priori anschauen sollten.
Ich schicke voraus, dass das im obigen Passus Kant's
t Angeführte dem besondern Zweck dieser Abhandlung gemäss
uns nur so weit angehen darf, als dadurch Berkeley besonders
! getroffen werden soll. Wenn auf alle , eigentlichen^ Idealisten
und auf ihn ganz , vornehmlich' obige Auseinandersetzung
Kant's passt, und der , eigentliche' Idealismus jederzeit , schwär-
merisch' ist, so begreift sich zum Theil, warum Berkeley's
Idealismus S. 210 , mystischer und schwärmerischer' hoisst.
Gleichwohl wird man noch immer nicht gewahr, warum der dort
vi)n dem seinen unterschiedene Cartesianische, der ja doch wol
auch für , eigentlichen' Idealismus gilt, da er in der ersten Aus-
. gäbe diesen sogar allein repräsentirt, nicht gleichfalls als sol-
j eher qualificirt wird.
! Es ist nun in Betreff Berkeley's allerdings richtig, dass
dieser den Raum (obwohl nur rücksichtlich seiner Entstehung)
! für eine bloss empirische Vorstellung ansieht, und davon, dass
[ , Sinne a priori anschauen können', nichts weiss. Unrichtig aber
{ ist es, dass er desshalb (namentlich betreffs der geometrischen
i Erkenntnisse) auf eine andere (nämlich intellectuelle) An-
I schauung als die der Sinne geschlossen habe. Vielmehr ist ihm
i (Hura. knowl. Introd. VI. I. p. 5) die Meinung, der Geist habe
ein Vermögen, abstracte Ideen oder Begriffe von Dingen zu
■ bilden, in allen Theilen der Erkenntniss eine Hauptquelle des
I Irrthums. In dieser Beziehung kann nichts falscher sein, als
lihn, wie Kant in obiger Stelle thut, mit Plato, den er nur als
'Schriftsteller sich zum Muster nahm, zusammenzustellen. Er ist
734 Zimmermann.
ein so ausgesprochener Nominalist, dass er (a. a. O. XVIII.)
den Ursprung der abstracten Vorstellungen einzig darin sucht,
dass die Wörter allgemeine Zeichen sind. Sein Idealismus
bietet, wie Baumann sehr richtig bemerkt, das , merkwürdige
Schauspiep dar, dass er ganz aus dem sensualistischen Canon
der Locke'schen I'hilosophie geflossen ist (a. a. O. IL S. 372).
Von angeborenen Ideen, ja auch nur angeborenen Anschauuugs-,
Urtheils- und Schlussformen ist bei ihm so wenig die Rede,
dass vielmehr seine scharfsinnigsten und gründlichsten Unter-
suchungen, wie die Theoi-ie des Sehens, dem Process des all-
mäligen Werdens der Vorstellung des Räumlichen, der Gestalt,
Grösse, Entfernung u. s. w. gewidmet sind. Dennoch ist er weit
entfernt, seinen, obgleich auf empirischem Wege entstandeneu
allgemeinen Vorstellungen, insbesondere den mathematischen,
etwa keine Allgemeinheit zuzuschreiben. , Sogar eine Linie,
heisst es, (Hum. knowl. XII. I. p. 2*J) steht dem Geometer
für alle Linien; so ist es auch mit Begriffen.^ Nur dass ihm
diese Allgemeinheit eine im Wahrnehmenden gewordene, nicht
wie Kant meint, eine dem letzteren angeborne ist, eine, welche
das Subject allmälich gewinnt, nicht ursprünglich besitzt. Dar-
über, dass der Raum, Abstand, Gestalt, Grösse in die Erschei-
nungen hinein- statt aus denselben herausgesehen werden,
sind sie, Avie Berkeley's Theorie des Sehens beweist, gleicher
Ansicht. Beide, Raum und Zeit, welche letztere er keineswegs,
wie Kant rügte, ausser Acht lässt, sind nichts ausser dem
Geist, ersterer nichts ausser den Erscheinungen, welche wir
Körper nennen, letztere nicht getrennt von der Aufeinander-
folge unserer Ideen. (Hum. knowl. n. 98, I. p. 73.) Er kennt
weder einen absoluten , d. i. an sich seienden Raum,
noch eine absolute, d. i. von dem Beharren der Existenz der
Dinge gesonderte Zeit; nur mit dem Unterschied, dass er, wie
wir sogleich sehen werden, auch den ,im Geist', d. h. als
blosse Vorstellung vorhandenen Raum nicht als einen von den
, Dingen', d. i. von den Erscheinungen in demselben geson-
derten, d. i. leeren Raum, vorzustellen vermag.
Obige Formel, die Kant tur den , echten' Idealisten auf-
stellt, passt daher insofern auf Berkeley nicht, als er als echter ;
Sensualist im Sinne Locke's eine andere als auf Ertali-
rung begründete Erkenutniss nicht kennt. Aber auch die andere
Üeber Karit's Widerlejjung des Ideulibiuu»^ von Berkeley. 7''>5
Formol passt nicht auf ihn, weil er zwar auf diu Sinne Er-
fahrung, nicht aber auf ein angeblrch apriorisches d. h., allg-e-
meiues und nothwendiges Element in den Sinnen Allgcnieinheit
und Nothwendigkeit der Erfahrung baut. Nach Beiden hängt
zwar die Erscheinung vom wahrnehmenden Subjecte ab ; dieses
selbst aber ist bei Jedem ein anderes : bei Berkeley das indi-
viduelle mit den gewöhnlichen sinnlichen, bei Kant das trans-
cendentale, überdies mit den reinen Anschauungen des Raumes
und der Zeit ausgerüstete. Dadurch kommt in die Erfahrung
in Kanfs Sinn von vornherein ein allgem ein giltig es,
weil aus dem allen individuellen Subjecten gemeinsamen, dem
Gattungssubject stammendes Element, welches Kant die , Wahr-
heit in der Erfahrung' nennt. Der Erfahrung im anderen (in
Berkeley's) Sinn, welche die Vorstellungen der Käumlichkeit und
Zeitlichkeit so gut wie alle übrigen aus dem durch die ge-
meinen fünf Sinne gebotenen Material erst bilden muss, fehlt
dasselbe nothwendigerweise, muss daher anderswoher gegeben
werden. In Folge dessen gilt die Erfahrung in Kant's Sinn
mindestens bezüglich der in derselben enthaltenen mathema-
tischen (d. i. räumlichen und zeitlichen) Elemente für alle
Subjecte derselben Art, also allgemein und zwar mit
N 0 th w e n d ig k e i t ; während jene in Berkeley*s (der hier
das Schicksal seiner sensualistischen Collegen tlieilt) Sinn
für andere Subjecte nur mit Wahrsclieiulichkeit, und nui- unter
der Voraussetzung gilt, dass ihre räumliche und zeitliche Vor-
stellungsweise sich (aus was immer für Gründen) auf ähnliche
Weise entwickelt habe. In ersterer herrscht daher noth wen-
dige, in letzterer blos mögliche Allgemeinheit, in jener
nach Kant's Worten , Wahrheit', dagegen in dieser , lauter Schein'.
Kant befindet sich Berkeley gegenüber eigentlich in dem-
selben Verhältniss wie zu Hume. Die wahre Kluft, die ihn von
Beiden, ist dieselbe, die ihn vom Sensualismus überhaupt trennt.
Ob dieser nun eine idealistische oder wie bei Hume skeptische
Wendung nehme, ist im Grunde gleichgiltig. Kant geht mit dem
Idealismus so weit, als es sich darum handelt, die Eifahrung als
Phänomen, aber er trennt sich von ihm, wenn es darauf ankommt,
dieselbe als ein für alle Wesen derselben Art, rücksicht-
lich seinermathematischen Elemente(dessen räumlicherund
zeitlicher Form) allgemeingiltiges Phänomen aufzufassen.
7ö6 Z i lu m e r m a n u.
Für den sensualistischeu ^^keptiker, wie Hume, der keine
allgemein giltige, allgemeine und notli wendige Er-
fahrung kennt, ist dieses Problem nicht vorhanden. Für den
sensualistischen Idealisten, wie Berkeley, dagegen existirt es
nicht nur rücksichtlich der Form, sondern auch rücksichtlich
der Materie jenes Phänomens. Soll die Erfahrung nicht
blos den nicht verbundenen Emplindungen der Sinne, sondern
auch den sie gestaltenden räumlichen und zeitlichen Formen,
(Abstand, Grösse, Gestalt, Dauer u. s. w.) noch für alle die-
selbe sein, so muss es einen gemeinsamen Grund geben, der
sie in allen als identische producirt. Wird diese Aufgabe ge-
theilt, so dass es einen gemeinsamen Grund für die gemein-
same Materie, und einen anderen gemeinsamen für die gemein-
same Form der Erfahrung gibt, so befinden wir uns auf den
Wegen Kant's, der in der ersten Ausgabe der Kritik den
zweiten Theil derselben ausführt. Bleibt sie dagegen ungetheilt,
so treffen wir mit jener speculativen Philosophie zusammen,
deren Ziel dahin geht, die Totalität aller Erfahrung, dem Stoff
und der Form nach, aus einem Principe abzuleiten.
Zunächst kann gefragt werden, ob dieser gemeinsame
Grund der für alle identischen Erfahrung innerhalb oder
ausserh-alb des Erfahrenden liege. Ist das erstere der Fall,
so treten wir in die Fusstapfen eines Idealismus, der mit
Recht subjectiv genannt Averden darf, weil ihm der Grund
seiner sämmtlichen Vorstellungen (seiner gesammten Erfahrung)
im Subject selbst gelegen ist. Liegt er dagegen ausserhalb,
in etwas von dem Subject selbst Verschiedenen, so mag
die daraus entspringende Theorie Realismus genannt
Avei'den, gleichviel, ob jenes Andere Geist oder Materie, ein
dem erfahrenden Subjecte Aehuliches oder gänzlich Entgegen-
gesetztes sei. In diesem Sinne ist Kant's Lehre weder das Eine
noch das Andere, sondern der Form der Erfahrung nach
Idealismus, ihrer Materie nach Realismus: daher die erste
Ausgabe, in welcher die Form der Erfahrung die Hauptrolle
spielt, idealistischer klingt, als die Prolegomena und die zweite
Ausgabe, welche den Ursprung der Materie derselben mehr
betonen. Berkeley's Theorie aber hat sich, soweit wir dieselbe
bisher betrachtet haben, diese Frage noch nicht einmal gestellt;
denn sie hat blos hervorgehoben, dass die gesammte Erfah-
Uelier Kant's Widerlegung des Idealisinu« von Berkeley. 737
' rung der Form und dem Stoff (den sogenannten piimärcn
und secundäreu Eigenschaften) nach Phänomen im Subject,
aber nicht gefragt, ob es durch das Subject oder durch ein
von diesem Verschiedenes sei.
Insofern Kant die Existenz der ö-esammteu Erfahruii<r
in das Subject verlegt, ist er von Berkeley nicht verschieden;
ist er aber auch im Sinne obiger Unterscheidung noch nicht
Idealist. Er wird dies erst, insofern er auch den Ursprung
wenigstens eines integrirenden Bestandtheiles derselben, ihrer
Form (Raum und Zeit) in das Subject selbst, in dessen aprio-
rische Anschauungssinne verlegt. Insofern Berkeley die Exi-
j stenz der gesammten Erscheinungsw^elt als Vorstellung in den
Geist verlegt (esse = percipi), ist auch er im Sinn obiger Be-
griffsbestimmung nicht -Idealist; insofern und weil er als
1 verursachenden Grund derselben, und zwar sowohl ihrer
Form als ihres Stoffes, ein von dem erfahrenden Subject ver-
' schied enes Wesen, Gott, ansieht, verdiente er vielmehr ein
Realist genannt zu werden. Ihm zufolge ist es nämlich weder
das wahrnehmende Subject selbst, noch ein sogenanntes , reales'
I Wesen, welches die Erfahrung in jenem als Phänomen erzeugt,
j sondern ein Drittes, von beiden verschiedenes. Kein Körper,
weil diese ausser in der Idee des Geistes selbst keine Existenz
haben, also , unwirksam' sind; das Subject selbst aber ebensowenig,
weil es zwar Ideen gibt, die wir, wie die Erfahrung lehrt, in
mis durch unsern Willen hervorbringen können (Einbildungen,
Imaginationen), aber aucb solche, die wir durch unsern blossen
AVillen niemals zu erzeugen vermögen (Empfindungen, Sen-
sationen). Letztere nun, da wir sie nicht selbst erzeugt haben
können, müssen nothwendig ihren Ursprung einem von uns
Verschiedenem verdanken. Da nun die einzige Art, der Heran-
bringung einer Idee, die wir aus eigener Erfahrung kennen,
das Wollen ist, so schreiben wnr sie dem Willen eines Sol-
chen zu, das, da wir wohl von ihm, dasselbe aber ganz und
gar nicht von uns abhängt, ein uns überlegenes, über-
menschliches, und da es ein Wollen ist, sein(;m Besitzer
nach uns selbst analog, d. i. Geist sein muss. Wir schliessen
also, dass wir dieselben dem Willen eines übermenschlichen
Geistes, dem Willen Gottes, verdanken, durch welchen
7 OcS Z i in m 0 r m an n.
unsere gesammte Erfahrung dem Stoff wie der Form nach in
uns verursacht ist.
Flierin wol ist der Grund zu suchen, warum Kant diese
Lehre, die er , Idealismus' nannte, nicht weil sie den verursa-
chenden Grund der Erfahrung im wahrnehmenden Subject,
sondern weil sie ihn nicht wie er selbst, in einem übrigens
qualitativ unbekannten Ding an sich fand, , mystisch' und
, schwärmerisch' erschien. Gegen eine Theorie, welche den Grund
der Erfahrung wenigstens theilweise ausser dem wahrneh-
menden Subjecte suchte, also ein realistisches Element ent-
hielt, hätte er nicht wol etwas einzuwenden vermocht, da ja
seine eigene im Ding an sich als Ursache der Materie aller
Erfahrung ein solches in sich schloss. In einer sonderbaren
Verkennung des eigenen, wenigstens der Form aller Erfahrung
nach, auch in der zweiten Ausgabe der Kritik noch ganz idea-
listischen Standpunktes ist es der Mangel des realistischen
Factors der Erfahrung (die Leugnung der , Sachen'), den er wie
allem Idealismus, so dem Berkeley's am schäi-fsten zum Vorwurf
macht. Dasselbe fehlt gar nicht bei Berkeley, ist aber
nur nicht dort, wo es Kant findet, als noumenales Ding an
sich, sondern in theologisirender Weise als Willen der Gott-
heit bezeichnet vorhanden.
Schon in den Prolcgomenen beginnt jene ,Abschwächung'
des idealistischen Elements, die gleich in den ersten umgear-
beiteten Paragraphen der zweiten Ausgabe zu jener lichtvollen
Trennung des empirischen , Grundstoffes' und des a priorischen
, Zusatzes' unserer Erfahrungserkenntniss führt, von welchen
jener (der , echte Stoff sinnlicher Eindrücke') die Materie
(den realistischen), dieser (,die Verstandesfähigkeit, denselben
zu vergleichen, zu verknüpfen oder zu trennen') die Form
(den idealistischen Factor) der Erfahrung ausmache. Während
das Dasein des Zusatzes aus dem erfahrenden (zwar nicht in-
dividuellen, aber transcendentalen) Subject, stammt das Dasein
des Stoffes aus dem hinter aller Erscheinung gelegenen nou-
raenalen ,Ding an sich', das, o])gleich seiner Qualität nach
schlechterdings unbekannt bleibend, nun als realistischer Fac-
tor der Erfahrung, als deren Urheber der Materie nach, auf
den Schau})latz tritt. War es in der ersten Ausgabe Kant's
ernstliches Bemühen, die Existenz der (körperlichen) Materie
üi'lier Kaiil's Widerlcsfniiir dos I(1oa1i>;inus von Berkt-ley. 739
in jedein andern als in doni Sinuc i;iiiur blossen , Erscheinung',
d. i. einer ,Art Vorstellung', zu leugnen, so ist es jetzt sein
vornehmstes Bestreben, die Existenz des , Dinges an sich', das
I nicht bloss Vorstellung ist, zu behaupten. Um seine eigenen,
[Prolog. §.17 vorkommenden Ausdrücke zu gebrauchen, so war
I es ihm in der ersten Ausgabe vornehndicli dainiin zu thun, den
, träumenden' Idealismus zu widerlegen, der , blosse Vorstollun-
I gen zu Sachen macht', d. h. für Dinge an sich ansieht, was
; blosse Erscheinungen sind. In der zweiten Auflage dagegen
j geht er darauf aus, jenen ,in der That verwerflichen Idealis-
I mus' zu widerlegen, der , wirkliche Sachen (nicht Erscheinungen)
j in Vorstellungen', d. h. selbst das ,Ding an sich', in eine
'blosse Erscheinung zu verwandeln sucht.
Was Kant hier als , träumenden' Idealismus bezeichnet,
ist in der That dasselbe, was Berkeley (Hum. kuowl. öß. I. p.
.")()) als die Ansicht des ungeschulten Denkens beschreibt: ,Da
wir Ideen haben, deren Urheber wir nicht sind, so meinen
wii-, diese Ideen oder Objecto der Wahrnehmung hätten eine
Kxistenz unabhängig von unserem Geiste und ausserhalb des
<li;istes', d. h. wir halten blo sse Vorstellungen für Sachen.
In der Ablehnung eines solchen sind Beide wieder ganz einig.
Dagegen kann es jetzt wol kaum mehr zweifelhaft sein, dass
die Benennung ,des in der That verwerflichen Idealismus', der
, wirkliche Sachen (nicht Erscheinungen) in blosse Vorstellungen'
verwandelt, und den er den ,schwärmenden'^ nennt, auf Ber-
keley's Lehre zielt, den er wonige Zeilen zuvor als , mystisch
und schwärmerisch' charakterisirt und in den Rahmen des ,reci-
pirten Idealismus', dessen Wesen darin bestehe, ,die Existenz
der Sachen zu bezweifeln', mit einbezogen hat.
Offenbar wird das Wort , Sachen' an diesem Ort von Kant
zu dem Zwecke gebraucht, damit dasjenige zu bezeichnen, was
,nicht Erscheinung' ist. In diesem Sinne aber ist es mit d(un,
was Kant sonst ,Ding an sich' oder ,Noumenon' nennt, gleich-
bedeutend. Demzufolge erhält die Benennung Idealismus den
sehr bestimmten, aber vielleicht nicht eben ,recipirten' Sinn
einer Lehre, welche die Existenz der Dinge an sich, der Nou-
niena bezweifelt < (oder leugnet). ,Recipirt' konnte derselbe zu
Kant's Zeit (17So) schon ans dem Orund(! nicht sein, weil die
Unterscheidung zwischen Phänomena und Noumena, ,Erschei-
740 Zimmermann.
iiung' und ,Dmg an sich' im kritischen Sinne, erst von ihm
herrührt. Wer von , wirklichen Sachen' im Gegensatz zu Er-
scheinungen sprach, verstand darunter die von primären und
secundären Eigenschaften entblösste Substanz Locke's, Leib-
nitz'sche Monaden oder wie Berkeley (a. a. O. I. p. 50) sagt,
gewisse Objecto, welche ausserhalb des Geistes realiter existi-
ren und eine von ihrem Wahrgenommenwerden unterschiedene
Subsistenz haben, von denen unsere Ideen nur Bilder oder
Aelmlichkeiten sind, welche von diesen Gegenständen unserem
Geiste eingeprägt werden. Berkeley legt diese Ansicht den
, Philosophen' bei, und nennt sie , etwas besser' als die gemeine
Meinung. Wer die Existenz von dergleichen leugnete, brauchte da-
mit noch keineswegs solche reale Objecto zu bezweifeln, wie
Kant's Dinge an sich sind. Denn da seine ,Objecte' doch eine
gewisse ,Aehnliclikeit' mit den Ideen besitzen sollten, die dann
,Bilder' im Geiste sind, so scheint ihre eigene Qualität durch
die letzteren wenigstens bis zu einem gewissen Gi'ade, so weit
nämlich die ,Aehnlichkeit' reicht, wirklich erkannt werden
zu können ; Kant's Dinge an sich aber bleiben ihrer Qualität
nach schlechterdings unerkennbar. So weit ist Berkeley's Idea-
lismus von jenem völligen Skepticismus entfernt, der sogar die
Dinge an sich in Kant's Sinne, d. h. irgend eine Existenz ausser
dem Geiste in Zweifel zöge, dass er gerade, um dem Skepti-
cismus zu entgehen. Anstand nimmt, die Ideen als Zeichen
realer Objecto anzusehen (Hum. knowl. 87. I. p. 67). , Farbe,
Figur, Bewegung, Ausdehnung u. A. allein betrachtet als
ebenso viele Sensationen im Geiste, sind vollkommen bekannt,
da nichts in ihnen ist, was nicht wahrgenommen wird. Wenn
sie aber angesehen werden als Zeichen oder Bilder, bezogen
auf ausser dem Geiste existireude Dinge oder Archetype, dann
werden wir ganz in Skepticismus verwickelt. Wir sehen blos
die Erscheinungen und nicht die realen Qualitäten der Dinge;
was Ausdehnung, Figur, Bewegung eines Dinges sein mögen,
real oder absolut oder an sich, ist uns unmöglich zu wissen,
sondern bloss die Proportion oder Relation, welche sie zu
unseren Sinnen haben. Während die Dinge die nämlichen
bleiben, variiren unsere Ideen, und welche von ihnen oder ob
überhaupt eine von ihnen die wahre realiter in den Dingen
existirende Qualität darstelle, ist ausser unserm Bereich zu
Uchor Kant's Widerlegung iles Iilnalismus vnn Berkeley. 741
bestimmen; so dass, da wir es nicht wissen, alles, was wir
seluMi, luiren oder fühlen, nur Phantome und leere Chimäre
sein maii;, mit den realen, in natura reruni (ixistirenden Dingen
verglichen. All dieser Skepticisnius (den somit Berkeley von
sich abweist) kommt von der Annahme eines Unterschiedes
zwischen Dingen und Ideen' (a. a. O. 1. p. 07). Eines
solchen nämlich, bei welchem zwischen beiden gewisse Aehn-
liehkeit wie zwischen Zeichen und Bezeichnetem herrschen und
das Zeichen nur eben nicht hinreichen soll, die wahre Qua-
lität des Bezeichneten zu erkennen. Diese Annahme aber fällt
mit der Theorie zusammen, welche Kant (erste Ausgabe vgl.
IL Nachtr. S. HTö) empirischen Idealismus nennt, und
gegen welche Berkeley, wie man sieht, ausdrücklich Front
macht. Derselbe bezweifelt daher nicht nur nicht, dass ausser
dem wahrnehmenden Geist irgend etwas existire, sondern er
bezweifelt den obigen , Unterschied zwischen Dingen und Ideen'
gerade darum, weil er zum Zweifel führt, dass etwas
ausser dem (subjectiven) Geist existire. Darüber, dass
die vollkommene Unähnlichkeit zwischen , Erscheinung und
Ding an sich' (der Vorstellung im Geist imd dem, was wahr-
jhaft ist ausser demselben) nicht die Folgerung begründen
könne, es existire gar nichts ausser der Vorstellung,
die im Geiste ist, ist er vielmehr mit Kant ganz einverstanden.
Denn' auch nach Diesem lässt aus der völligen Unerkennbarkeit
'also auch Unvero-leichbarkeit der Qualität des Dinges an sich
|mit der Materie der Erfahrung (der Qualität der Empfindungen)
^ch durchaus nicht schliessen, es existire nur die Em])tindung
(im Subject), und kein Ding an sich als Ursache derselben
(ausser dem Subject).
Man kann sagen, die , Sache' im Kaut'schen Sinne, d. i.
jdie Existenz eines ,Ding an sich' oder Noumenon zu bezwei-
jfeln, ist auch Berkeley ,nicht in den Sinn gekommen'. Vielmehr
^eht sein Bemühen (wie das Kant's) nur dahin, darzuthun,
jdass dasjenige, was im Geiste (Phänomenon, Idee) und das-
ijenige, was ausser dem Geiste als Ursache der Idee im Geiste
Sst (Noumenon, Ding an sich), zwar miteinander schlechterdings
jkeinerlei Aehnlichkeit habe, uvul lia])en krunu;, nichts
pesto weniger aber ein Solches, das Kant Ding an sicli schlecht-
kveg, er selbst aber Gott nennt, vorhanden sei.
' sitzi.. ,1. piiii.-hist. ci. Lxvnr. iJd. IV. mt. 48
742 Zimmermann.
Der Beweis für die Existenz desselben liegt für den Einen
wie für den Andern in der Realität der ,Idee im Geiste', d. i,
des Phänomens, nur nach Berkeley, in dessen Form und
Materie zusammen, nach Kant in dessen Materie (Empfin-
dung') allein. Die Erfahrung im Subject ist nach Berkeley
(dem Stoff und der Form nach) nicht ohne Gott, nach Kant,
der die Form in das Subject verlegt, wenigstens dem Stoffe
nach nicht ohne das Ding an sich möglich. Dieses erzeugt (auf
uns übrigens unbegreifliche Weise) die Emptindungen, welche
den unverbundenen Gi'uudstoff unserer gesammten Erfahrung
ausmachen. Gott dagegen bringt durch seinen Willen sowol
den Stoff als die Form unserer Erfahrung, d. h. das Phänomen
einer im Räume ausgedehnten, nach Gesetzen angeordneten
Natur, und eines in der Zeit sich abwickelnden gesetzlichen
Naturlaufs in uns hervor.
Diese Heranziehung Gottes als unmittelbar bewirkender
Ursache der Idee in uns hat nun etwas Mystisches an sich.
Es muss aber zugestanden werden, dass es für Kant's unmit-
telbares Bewirktwerden der Materie aller Erfahrung, der
Empfindung in und durch das Ding an sich, ebenso-
wenig eine Erklärung gibt. Selbst nach Beseitigung des Dings
an sich stiess Fichte's subjectiver Idealismus bezüglich des Daseins
der Empfindungen noch auf , unbegreifliche Schranken^ Ja Berke-
ley's Erklärung des Phänomens in uns durch den Willen Gottes,
hat vor der Kant'schen Erklärung der Empfindung in uns
durch das Ding an sich noch den Vortheil der Analogie vor-
aus, die unsere eigenen, durch unsern Willen verursachten
willkürlichen Vorstellungen (Imaginationen, Fictionen) darbieten:
,Wir haben^, fasst Baumann (a. a. O. 390) Berkeley's Lehre
zusammen, ,eine anschauliche Vorstellung einer Ursache in un-
serem Willen ; wie der im Kleinen Vorstellungen hervorbringt
und bearbeitet, so müssen wir im Grossen für die Eindrücke,
deren Ursache nicht zu sein wir uns bewusst sind, einen an-
deren Geist annehmen als Ursache, d. h. Gott^ So gut unser
eigener (wie unsere Erfahrung lehrt), vermag auch ein
fremder, überlegener (wie der göttliche ist) Wille Vorstel-
lungen in uns zu verursachen. Wie aber ein uns gänzlich Un-
bekanntes, ein Ding an sich, von dem wir gar keine Vorstel-
lung haben können, in uns eine Empfindung zu erzeugen im
Ueber Kant's Widerlegung dos Idealismus von Herkeley. 74:0
)
Stande sei, davon A^ermögeu wir uns schlechterdings keinerlei
,anschauliche^ Vürstellung macheu.
Freilich, wie Baunuiuu (a. a. O. Ö. o91) anerkennt, eine
^anschauliche' Vorstellung besitzen wir auch nicht von der Art,
wie unser eigener Wille Vorstellungen hervorbringt. Auch darin
stimme ich ihm bei, dass, weil der Hergang im Einzelnen,
wie der Wille es mache, sich zu Handlungen zu bestimmen,
trotz aller Innerlichkeit ein Geheimniss ist, zwar, ,nur das
Dass der Causalität als sicher bleibt', nichtsdestoweniger je-
doch ,das Geheimniss des Wie dieser Gewissheit nichts
schadet'. Umsoweniger, scheint mir, wäre Kant's Kritik im
iRecht, Berkeley's Theorie um dieses , Geheimnisses willen als
i,mystisch und schwäi-mend' zu tadeln'.
1 Dass sie es desshalb gethan habe, verräth die Kritik
allerdings nirgends. Auf die Rolle, die Berkeley dem Willen
der Gottheit als bewirkender Ursache des Phänomens der
(Erfahrung im (subjectiveu) Geiste zutheilt^, wird an keinem
Ort angespielt; dagegen ,die Bczweiflung der Existenz der
jSachen' im Sinne des ,recipirten Idealismus', d. h. die Leugnung
iwirklicher Sachen' (und deren Verwandlung in , blosse Vor-
stellung'] schon in den Prolegomenen ihm zum Vorwurfe ge-
dacht. In der zweiten Ausgabe der Kritik (1787) tritt der
jTadel directer und schärfer, ja in der dritten der allgemei-
nen Anmerkungen zur transcendentalen Aesthetik (i;. 8. Hl-
i. a. O. S. 85), die so wie die zweite erst in der zweiten Auf-
(age hinzugekommen ist, in spöttisch verwerfender Weise auf.
jVVenn er sage, schreibt Kant dort, im Raum und in der Zeit
Stelle die Anschauung sowohl der äusseren Objecte, als auch
ilie Selbstanschauung des Gemüths, beides vor, so Avie es unsere
pinne afficiere, d. i. wie es erscheine, so wolle das nicht
pagen, dass diese Gegenstände ein blosser Schein wären.
iDenn in der Erscheinung werden jederzeit die Objecte, ja
gelbst die Beschaffenheit, die wir ihnen beilegen, als etwas
[virklich Gegebenes angesehen, nur dass, sofern diese Be-
schaffenheit nur von der Anschauungsart des Subjectes, in der
B.elation des gegebenen Gegenstandes zu ihm, abhängt,
lieser Gegenstand als Erscheinung, von ihm selber als
3bject an sich unterschieden wird. Daher sag(i er nicht, die
Körper scheinen blos ausser uns zu sein, oder meine Seele
48*
744 Zimmermann.
scheint nur in meinem Sel])stbewiisstsein gegeben zii sein,
wenn er behaupte, dass die Qualität des Raumes und der Zeit,
welcher als Bedingung ihres Daseins gemäss ich beide setze,
in meiner Anschauungsai-t und nicht in diesem Objecte von
sich liege. Es wäre, fügt er hinzu, meine eigene Schuld, wenn
ich aus dem was ich zur Erscheinung zählen sollte, blossen
Schein machte. Aus dem Folgenden geht hervor, dass er
Berkeley in diesem Verdacht hatte.
Der ,gute Berkeley' nun habe ,die Körper zu blossem
Schein herabgesetzt', während sie doch, wie man nach dem
Vorigen ergänzen darf, Erscheinungen seien. Wenn das so viel
bedeuten soll, als dass Berkeley behauptet habe, ausser der
Vorstellung des Körpers im Subject gebe es keinen, d. h.,
es gebe überhaupt keinen realen Körper, so . ist es richtig.
Alles dasjenige was einen Körper ausmacht, Ausdehnung, Räum-
lichkeit u. s. w., ist nach Berkeley bloss Idee im Subject,
also Vorstellung, nicht Realität (ausser dem Subject). Soll da-
rum aber der Körper , blosser Schein' heissen, so ist er auch
nach Kant's Darstellung nichts anderes. Denn (vgl. IL 675)
Materie ist ,von unserer Sinnlichkeit abgetrennt, nichts' und
Raum (also auch wohl Ausdehnung?) lediglich ,in uns'. Soll
er aber darum mehr als , Schein', nach Kant's Ausdruck , Er-
scheinung' sein, weil er zwar i m Subject, aber in demselben
durch etwas von diesem Verschiedenes (gleichviel was) ver-
ursacht ist, so verdient der Körper bei Berkeley ebensogut wie
bei Kant diesen Namen, denn die ,Idee' des Körpers hängt nach
Beiden ,von der Relation gegebener Gegenstände zum Subject', bei
Berkeley des , übermenschlichen Geistes', bei Kant ,des Diuges
an sich' zum menschlichen Geist ab.
Es ist allerdings richtig, dass, wie Kant (a. ii. 0. S. 83)
behauptet, die Dinge im Raum sich in Schein verwandeln
müssten, wenn Zeit und Raum Beschaffenheiten in , Sachen an
sich', und, obgleich ,Bedingungen der Existenz aller Dinge',
dennoch der Ungereimtheiten willen, in welche sie verwickeln,
selbst als existirende aufgehoben werden müssten. Aber ich
kann nicht finden, dass sich Berkeley der Argumentation,
deren ihn Kant sich bedienen lässt, irgendwo wirklich bedient
habe. Zwar dass , absoluter Raum' (und ebenso , absolute' Zeitl.
den er vom relativen unterscheidet, ein ,reines Nichts' sei.
Ufber Kiiiil's Wkkileguiig dcö IdoiilismUB Vüii Burkuley. ^ 45
leint Berkeley wirklich (Von der Bewegung- Nr. *52, II. p. 140,
jvg'I. Bunin, a. n. (). S. 415); er iindet es (ebendas. Nr. 56, II.
I). 142) dnrclisclilagend, dass alles was vom leineii Hanni prä-
Idicii't werde, aueli vom Nichts prädicirt werden könne; aber
die Arg-mnente a posteriori, z. B., ol) er geschaffen oder unge-
'schaffen sei', will er dort , nicht einmal vorbringen, und nicht
lue Absurditären zeigen, welche aus jeder von beiden Satzun-
>en entspringen'. (Ebendas. Nr. 57, II. p. 143.) Ich linde aber
!aiclit, dass er daraus, weil der ,absolute' Kaum Nichts sei, die
IFolgerung gezogen habe, dass nun auch die Dinge im Kaum
Nichts seien. Dazu müsste er früher die Behauptung aufgestellt
j'iaben, dass der Raum die Bedingung der Existenz der Dinge
(sei. Davon ist er aber so weit entfernt, dass man von ihm
3her sagen kann, er habe die Körper zur Bedingung des
Raumes gemacht. Der Kaum, den er kennt, ist kein anderer
ils der , relative', der Raum, ,der durch Kcirper befasst oder
bezeichnet wird, und so unseren Sinnen untcrli(;gt'
II. p. 141). Da nun , Körper' nach ihm nur als ,Ideen' d. i.
n unserer Vorstellung existiren, so ist es klar, dass der
Raum für ihn auch auf keine andere Weise, denn als , Vorstel-
lung in uns' existiren könne. Hätten wir, schliesst er, keine
Vorstellungen von Körpern, so würden wir auch keine vom
Raum haben. Die Existenz von Vorstellungen von Körpern (in
ins) ist daher wol die Bedingung der Existenz der Vor-
stellung (in uns) vom Raum; aber eben nur, wie eine ,Idee'
Bedingung einer anderen ,Idee' ist, nicht im geringsten, als
ob die Existenz wirklicher Körper (ausser dem G eist)
Bedingung der Existenz eines wirklichen Raumes (ausser
jlem Geist), und noch viel weniger, als ob (wie Kant es ihm
iiunmthet) der wirkliche Raum Bedingung der wirklich en
Körper, und demgemäss die Unmöglichkeit des ersten Grund
ier Unmöglichkeit der zweiten sei.
Dem Verfasser der Kritik haben, als er obige Argumen-
tation mit Berkeley's Namen versah, ähnliche vorgeschwebt, die von
'.englischen' Denkern herrühren. In der berühmten Inaugurations-
Oissertation vom J. 1770 de mundi sensibilis atque intelligibilis
forma et principiis, welche den Keim der Kritik, und bereits
die transcendentale Aesthetik im Wesentlichen enthält, spricht
er, §. D. (III. S. 144) von der sententia, (luae post Auglos,
746 Zimmermann.
geometrarum plurimis adridet, und welche darin besteht, dass
der Raum eine Realität (realitas) oder ein ,absolutuni et im-
mensum rerum possibiliuni re cept ac ulum' sei. Das hatte
allerdings Clarke Leibnitz'en gegenüber, dessen Meinung
über den Raum Kant an derselben Stelle als der obigen ent-
gegengesetzt anführt, behauptet. Kant lässt nun Berkeley in
der Weise argumentiren, als ob er jenen Clarke'schen Raum,
das receptaculum der Körper, für unmöglich und desshalb
auch die Körper selbst für blossen Schein erklärt habe.
Allein diese Demonstration habe ich nirgends bei Berkeley
angetroffen. Derselbe sagt zwar ausdrücklich und zu wieder-
holten Malen, dass der Raum nach Zerstörung oder Hiuwegnahme
aller Körper (,den sie den absoluten Raum nennen^) ein reines
Nichts, an keiner mir bekannten Stelle aber, dass die Körper
nach Hin wegnähme des Raumes Nichts seien. Er scheint wol
die Vorstellung des Raumes für abhängig von der Vorstellung
von Körpern, keineswegs aber die Vorstellung von Körpern
für abhängig von der Vorstellung eines , absoluten' (leeren, aller
Vorstellung von Körpern vorhergehenden) Raumes zu halten.
Um zu argumentiren, wie Kant ihn thun lässt, müsste
Berkeley die reale Existenz des Raumes für eine Bedin-
gung der Existenz realer Körper gehalten, d. h. er müsste den
Glauben Clarke's, dass er das , receptaculum' der Dinge sei,
und als solches den erfüllenden Dingen vorhergehe, getheilt
haben. Konnte ein solches nicht existiren, so durften es freilich
die Dinge ebensowenig. Kant theilte die Ansicht, die auch die
seines bewunderten Newton war, dass der Raum als Ganzes
den Theilen, d. i. den mit Körpern ausgefüllten Räumen vor-
hergehe, sah ihn daher gewissermassen gleichfalls als , recep-
taculum' an, nur nicht als ein real ausser, sondern als ein
ideal im Subject existirendes. Als solches wurde dasselbe
nicht mehr von den , Ungereimtheiten' getroflfen, die nur dem
realen Raum galten, blieb aber nichtsdestoweniger , absoluter,
d. h. ein Raum, der auch nach Hinwegnahme aller , Körper',
d. i. jetzt blosser Erscheinungen übrig blieb. Da er nicht zu
begreifen vermochte, dass jemand den Raum anders, denn wie
Newton und er selbst, als receptaculum (sei es reales oder
ideales) denken könne, so gerieth er auf die Alternative, die
ihm die einzig mögliche schien: Entweder den realen Raum
Ueber Kuut's Widerleguiiij des IJoalisiiiiKs vou üerkeley, 74 <
(uin seiner Ungereimtheiten willen) und damit alich die Reali-
tät der Körper zu leugnen, oder den Kaum ideal zu setzen,
wobei die Welt der Realitäten unangetastet blieb, weil die auf
jenem (einer blossen Ansehauungsforra) lastenden Absurditäten
jsie weiter nichts angingen. Der dritte Fall, dass der Raum
zwar ideal, aber ,nicht absolut^, kein receptaculum der
Dinge, sondern eine Abstraction von den Dingen, zwar in
uns und blosse ,Vorstellung^, aber doch nicht ohne die Vor-
>t(llung von Körperu als solchen gedacht werden könne, und
der eben Berkeley's Fall ist, stand ausserhalb seines Ge-
sichtskreises.
Indem nun Kant sich bewusst war, das eine Glied jener
vermeintlichen Alternative zu sein, musste Berkeley nothwen-
dig auf der andern Seite untergebracht werden. Dieselbe bildet
,deun auch wirklich den Kern dei jeuigen Widerlegung (2. Aufl.
ivgl. IL S. 223), die wirklich, (nicht wie die von Kuno Fischer
I dafürgehaltene, fälschlich) gegen Berkeley gerichtet ist. Er
I nennt hier den Idealismus (er versteht den materialen) die-
jenige Theorie, welche das Dasein der Gegenstände im Raum
i ausser uns entweder blos für zweifelhaft und unerweislich oder
;für falsch und unmöglich erklärt. Der erstere ist nach
i ihm der problematische des C a r t e s i u s , der nur eine empiri-
sche Behauptung (assertio), nämlich: Ich bin, für ungezweifelt
I erklärt. Der zweite, ,ist der dogmatische des Berkeley, der den
|Raum mit allen den Dingen, welchen er als unabtrennlicheBedin-
I gung anhängt, für etwas, Avas an sich selbst unmöglich sei und
i darum auch die Dinge im Raum fiu- blosse Einbildungen
I erklärt.' Dieser nun, fährt Kant fort, ,ist unvermeidlich, wenn
man den Raum als Eigenschaft, die den Dingen an sich selbst
zukommen soll, ansieht; denn da ist er mit Allem dem er zur
Bedingung diente, ein Unding. Allein der Grund zu diesem
Idealismus ist von uns in der transcendentalen Aesthetik ge-
hoben^
Das ist die ganze Widerlegung, so weit sie Berkeley an-
geht. Was darauf folgt: Der problematische u. s. w. bis zum
Schluss des Einschiebsels vor den Worten: Was endlich das
dritte Postulat betrifft u. s. w. (S. 216), gilt, was eben K.
Fischer entgangen ist , ausschliesslich dem Cartesianischen
Idealismus. Auch der Wicdererwecker des Berkeley'schen Idea-
748 Z immer manu.
lisinus in Enghmd, Mr. Collyns Simon, der in Fichtc's Zeitschrift
(N. F. LVII. Bund. I. lieft, S. 120 n. s. f.) zwei Sendschreiben
an Ueberweg und v. Reichlin-Meldei^g über die I^ehre Bcr-
kclcy's veröffentlicht und sich dabei auf K. Fischer's als ,die
deutlichste und kürzeste Darstellung' derselben, die den Deut-
schen vorgelegt werden könne, berufen hat, stimmt dessen
Urtheil, dass Kant's Widerlegung keine Widerlegung Berkeley's
sei, ohne weiteres zu, ohne gewahr zu werden, dass die ver-
meintliche dem Descartes und nicht Berkeley gegolten habe.
Gegen den Ersteren, der , nur Eine, die empirische Behauptung:
Ich bin, für ungezweifelt erklärt', war es von schlagender Wich-
tigkeit darzuthun, dass, worauf, nach Fischer's Worten, die
ganze Demonstration hinauslief, ,erst das Dasein der Dinge
ausser uns die Wahrnehmung unserer selbst möglich mache'.
Ob Kant den Beweis, dass ,äussere Erfahrung eigentlich un-
mittelbar (a. a. (). S. 224), die innere dagegen selbst nur mittel-
bar und nur durch äussere möglich sei' (a. a. 0. S. 225),
wirklich hergestellt habe, ist daher wenigstens für di^.' Wider-
legung von ]5erkeley's Idealismus von keinem Belang.
Kücksichtlich dieses wird von Kant auf die transcendeii-
tale Aesthetik verwiesen, in welcher der , Grund desselben be-
hoben sei'. Welchen Grund er meine, sagt der vorhergehende
Satz ganz deutlich; der , dogmatische' Idealismus ist unver-
meidlich, wenn ,man den Raum als Eigenschaft, die den
Dingen an sich selbst zukommen soll, ansieht'. Auch ist es
richtig, dass dieser Grand durch die transcendentale Aesthe-
tik, die sowohl Raum als Zeit als , nicht nothwendig jedem
Wesen, obzwar jedem Menschen zukommende Art, die Gegen-
stände an sich wahrzunehmen' (II. S. 7S) behauptet, beseitigt
wird. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, dass Kant
den Beweis, Berkeley habe den Raum wirklich als eine Eigen-
schaft, die den Dingen an sich zukommen soll, angesehen,
schuldig geblieben ist. Dessen eigener Ausspruch (Ilum. knowl.
Ni-. 49, I. p. 47) : , Ausdehnung und Figur sind im Geiste in
der Weise von Ideen wie Roth und Blau, und: aller Raum
und alle Ausdehnung existiren blos im Geist', weist vielmehr
aul" das Gegentheil hin. Er konnte folglich niemals geschlossen
haben, wie Kant ihn schliessen lässt: weil der Kaum an sich
unmöglich sei, so seien auch die Dinge an sich unmöglich;
Ik'bt'i KalilH Widorloguiig il«h Idcalismu.s von licilu'loy. 749
doli II (jincn Rauin an sicli (aus«(!r dein Gcistj kauiito or so
wenig' wi(! Kant.
Aber auch i^eg-cn den wörtlichen Ausdruck, «Ion Dieser
von ihm gebraucht, hätte sich Berkeley verwahrt: ei- haln; die
Dinge im liaum für blosse Ki iib i 1 du ngen erklärt. Dies
liat er so wenig, dass ihm die , Dinge im Raum', d. h. die als
räumlich vorgestellten Dinge-, obgleich l)losse Vorstellungen,
l'ilr die realen Dinge selbst gelten. Für ,I*yiubildungon'
würde Berkeley nur Dinge, die in eini;m Raunu; wären, der
nicht blosse Vorstellung im (jeist, sondern an sich existirte,
erklärt haben; solche erklärt aber auch Kant tlafür, denn
seine .Ding-c an sich' sind weder im Raum noch in dcir Zeit.
Der Schein der Nichtübereinstimmung zwischen 13erkelcy
lind Kant wird dui-ch die; vom Letzteren nicht vermiedene
Zweideutigkeit des Wortes , Dinge im Raum' hervorgerufen.
W'^erden darunter, wie es, wenn der Raum nur eine im (leiste
vorhandene Idee oder Anschauungsform bedeutet, nicht anders
sein kann, l)l()sse Vorstcdlungen vcu'standen, so sind, damit
verü-lichen, in einem wirklichen Räume existirende wirkliche
Dinge blosse E i uIj i 1 d un g en. Dinge an sich, dit; nicht
im wirklichen Räume existiren, brauchen darum noch nicht
Fi i nb i 1 d un ge n zu sein: sie dürfen aber auch nicht mehr
, Dinge im Räume' lun'ssen. Wenn daher Berkeley Dinge, die
in einem wirklichen Räume sind, leugnet, so hat er Dinge, die
nicht im wirklichen Räume sein sollen (wie Kant's Dinge an
sich) nicht geleugnet; und wcniii Kant Dinge an sich, die nicht
Im wirklichen Räume sind, behauptet, so hat er damit Berkeley,
der nur Dinge, die in einem wi r k 1 icheii Raunu! sein sollen,
Ijcstreitct, nicht widerlegt.
Die wirkliche Differenz zwischen dem Kant'schon und
Berkeloy'schen Idealismus besteht daher darin, dass 1. das
wahrnehmende Subject des letzteren das individuelle
(ein))irische), jenes des crsteren <!in t r a ns c e n d en t a. 1 e s ist;
'2. dass Kant den bei ilnn wii; bei Berkeley vorhandenen
realistischen Factor der Erfahrung unbestimmt als ,Ding
an sich', Berkeley dagegen bestinnnt als göttl ich en Wil 1 en
bezeichnet; 3. dass derselbe bei Berkeley aul' die ganze, bei
Kant dagegen nur auf die Materie (bir Erfahrung sich er-
streckt. Die angebliche Dilfereiiz, dass Berkeley das Beenden
töö Zimmermauu. Ueljer Kaufs Widerlegung des Idealismus von Berkeley.
der Gegenstände im Räume ausser uns leugne, Kant dasselbe
behaupte, stellt sich als eine scheinbare heraus. In Wahi'-
heit leugnen Beide die wirkliche Existenz von Dingen im
Raum ausser uns, weil sie die wirkliche Existenz des Raumes
,ausser dem Geist', dessen objectives Dasein, nicht anerkennen.
Kant war vollkommen im Recht, wenn er den Kern
seines, des transcendentalen (später kritisch genannten) Idea-
lismus in der Idealität des Raumes (und der Zeit), aber
im Unrecht, wenn er hierin mit dem Berkeley' sehen Idealis-
mus sich nicht im Einklang zu finden glaubte. Raum und Zeit
haben für diesen ebensosehr Existenz nur im Geist, nur als
Ideen, sind daher mit der gemeinen Ansicht, die beiden eine
wirkliche Existenz als Sachen ausser dem Geist, zu-
schreibt, verglichen, ebensosehr blos ideal, wie Kant's reine
Anschauungsformen. Um den Idealismus gründlich imd in der
Wurzel zu widerlegen, hätte Kant nicht sowohl Berkeley, als
vor allem sich selbst und zwar vor allem dasjenige, wodurch
er jenen beseitigt zu haben glaubte, die transcendentale Aes-
thetik widerlegen, d. h. er hätte, wie zuerst Her hart for-
derte, einräumen müssen, dass Zeit und Raum mehr als
blosse subjective Bedeutung besitzen.
Mayr. Kosultale der Silbenziililung. TT)]
Resultate der Silbenzählung aus den
vier ersten gäthas.
Von
Aurel. Mayr, Dr. jur. et phil.
Westergaard war es, der nach Angabe der Handschriften
die fünf gathas in Strophen und Versen zuerst drucken Hess
(s. Zendavesta, Copenhagen 1852 — 1854).
Die erste Angabe ü])er die Silbenzahl dieser Verse, wie
auch über die Zahl derselben in der Strophe findet sich in
Westphal's Abhandlung ,zur vergleichenden Metrik der indo-
germanischen Völker' in Kuhn's Zeitschrift füi* vergleichende
Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischen
und Lateinischen B. 9 S. 437 ff. Schon früher hatte dieser Ge-
lehrte erkannt, dass y. 9 in einem dem indischen ^löka zu ver-
gleichenden Verse geschrieben sei. Es lässt sich dieses Maass
im ganzen y. 9. nachweisen, nur 9. 31 und 32 findet sich je
eine in zwei gleiche Theile zerfallende zwanzigsilbige Zeile.
Die ahunavaiti besteht demnach aus sechzehnsilbigen Zeilen
mit Caesur nach der siebenten Silbe, drei Zeilen bilden eine
Strophe, die u^tvaiti und ^pentämainyü sind in katalektischen
Trimetern (trishtubh) geschrieben, in der ersteren bilden fünf,
in der letzteren vier eine Strophe; nur 46. 15 fehlt die fünfte
Zeile, wie schon Westergaard bemerkt. Die Strophen der vohe-
khshathra bestehen aus drei vierzehnsilbigen Zeilen mit der
Caesur in der Mitte ; die vahista-istis war von Westphal nicht
in den Bereich seines ersten so gelungenen Versuches (s. 445)
gezogen, und ist metrisch noch eben so unklar wie im Jahre
752 si^^yr-
1860. Zum Versniaass der iistvaiti und ^penta-mainyu lässt sich
die Bemerkung' hinzufügen, dass im elfsilbigen Verse die Cae-
sur immer nach der vierten 8ilbe fallen müsse. Der Grund,
dass man dieses Gesetz, dem auch der vedische trshtubh unter-
worfen ist, nur dass die Caesur in demselben auch ebenso wohl
nach der fünften Silbe fallen kann, nicht auf erstem Anblick
erkannte, liegt wohl darin, dass die gathas, welche wohl eine
lange Zeit hindurch mündlich überliefert wurden, zur Zeit ihrer
Redaction ebenso niedergeschrieben wurden, wie man sie da-
mals im Einklang mit der lebenden Sprache sang und aus-
sprach. Auch die vedischen Texte unterlagen während der Zeit
ihrer mündlichen Ueberlieferung derselben Veränderung, wie
die lebende Sprache ; die ^ikshä und das chandas, mit welchen
sich insbesondere die prati-^äkhyäs befassen, suchen eben die
Gesetze fest zu stellen, nach welchen überzählige Silben be-
seitigt, fehlende ergänzt werden sollen, die ursprüngliche Länge
oder Kürze der Silbe hergestellt werden soll. Eine ausführliche
Arbeit, die auf eigener Forschung beruht, lieferte Kuhn in den
sprachlichen Resultaten aus der vedischen Metrik in den Beitr.
zur vergleichenden Sprachforschung des Arischen, Celtischeu
und Slavischen B. III 113 ff. 450 ff und B. IV. 179 ff. Die
Betrachtung geht in dieser Abhandlung vom im Veda Gegebe-
nen aus und schliesst zurück auf das was die vorliegende Ge-
stalt annahm. Den entgegengesetzten Weg verfolgte Bollensen
in der Abhandlung ,zur Herstellung des Veda^ (Orient und Oc-
cident B. II, S. 457 ff) worin er untersucht, in welchen Fällen
und nach welchen Gesetzen das ursprünglich Vorliegende modi-
licirt wurde, um seine uns überlieferte Gestalt zu erlangen.
Vorliegende Arbeit versucht nach Kuhn's Vorgang einen
Beitrag zur Herstellung des ursprünglichen Textes der gäthäs
zu liefern. Vorgänger auf dem Gebiete der Zeudphilologie gibt
es bekanntlich nicht, und so konnte nur, was über die Veden
geliefert wurde, als Ausgangspunkt dienen. Insbesondere sind
die gäthäs ustvaiti, ppentä-niainyü und vuhu khshathra zu Grunde
gelegt und der Versuch gemacht, das hier Gefundene an der
ahunavaiti zu erproben. Wahrscheiülich ist es, dass bei Ver-
fassung der ersten gätha die Phonologi(! der Sprache der nieder-
igeschriebenen Aussprache näher lag und diese somit als jünger,
liesultiito der Silbcnziihhinij. ( ', )o
denn die zweite, dritte und vierte, eine besondere Betraelituny
erheischen dürfte.
DariU)er, ob in den gäthas eine willkürlielie Schreibweise
vorliege^ die weder phonetisch noch historisch, einfach in der
Unfähigkeit der Kedactoreii das Alphabet zum vorgesteckten
Ziele zu verwenden, ihre Erklärung fände, wird unter V. a
mit Vergleichung des Griechischen zur Ursprache, gehandelt.
N o t e. ya^na ist mit y., yasht mit yt., vendidad mit vd. citirt.
1. Vocale oder Halbvocale, welche in zusammengesetzten
Wörtern durch Contraction des aus- und anlautenden Vocal's
entstanden, sind aufzulösen.
a. ist demnach in zwei Silben zu zerlegen
28. 7. 1 I däidi ashädäo daregäyü
46. 14. .T|hanenti parähüm
ebenso wie es geschrieben ist 34. 4. 2 :
I ctüi — rapeiitem cithrä-avanhem.
Auch die Eigennamen sind so zu lesen
51. 16. 1 tarn kavä vi9tä9pö |
46. 14. 3 1 victä(?p6 yähi
28. 8. 2 I victäcpäi acshem maibyacä
bei jämacpa muss dieses auch gelten, de ist eine spätere p]in-
schiebung wie 45. 11. 4
51. 18. 1 tarn cictim de-jämäcpä|
46. 17. 2|de-jämäcpa hvogvä
49. 9. 4|yähi de-jämä^pa
i ist zu zerlegen 44. 2. 3|ye i paitishät wenn ish vorliegt,
äi findet sich in einem Compositum nur einmal, wo es
auch getrennt geschi'iebcn ist.
84. 4. 3 I zastä-istäis derestä aenaidiem
50. 5. 4 zastä-istä |
ao ist zweisilbig im Compositum IVashaostra
28. 8. 2|naroi frashaosträi maibyacä
46. 1 6. 1 frashaosträ | aträ
49. 8. 1 frashaosträi I urväzistäm
.50. 17. ] I berekhdhäm uiöi frashaoströ
33. 9. 1 I ashaokhshayantäo (^aredyayäo
754 Mayr.
Composita mit fra
48. 1. 2|yä daibitänä fraukhtä
30. 5. 3 I haithyäis skyaotlianäis fraoret mazdäm
1. fra -f- vart
46. 4. 2 gäo-fr6ret6is^|l. — fravartöis
vgl. vsp. 5. 4 fra gave vereiidyäj
Jiisti ar -|- fra, irrig.
43. 14. 3 j ashät hacä frästä
vgl. 9. 37 bei Justi fräs ayaiiho fracparat
46. 3. 2 und 49. 6. 1 ist das fra das Compositum, die Wieder-
holung der vorgehenden Präposition daher zu streichen.
46, 3. 2 1 fro ashahyä frarente 1. arente
49. 6. 1 fro väo fraeshyä|l. ishä
2. Halbvocale sind oft als Silben zu lesen ; der Hiatus wird
demnach hergestellt.
y ist als Silbe zu lesen in :
mashya = mashia oder martia
29. 4. 2 daeväiscä mashyäiscä |
30. 11. l|yä mazdao dadät mashyäonhö
32. 4. 1 1 yä mashya acistä dauto
32. 8. 2 ye mashyeiig cikhnusho |
43. 11. 4|mashyaeshü zarazdäitis
45. 11. 1 1 aparo mashyapcä
48. 1. 3 I daeväiscä mashyäiscä
34. 5. 2 I daeväiscä khrafcträ mashyäiscä
Dagegen wäre mashya zweisilbig
48. 5. 3 yaozhdäo mashyäi |
wo däo wahrscheinlich eine spätere Einschieb ung ist und yaos
mashiäi zu lesen sein wird.
ävishya ist viersilbig in allen Stelleu.
31. 13. 1 yä fra^ä ävishyä]
50. 5. 3 I ävishyä avaiihä
Auch vair 5'a ist immer dreisilbig 43. 13. 5 vairyäo ^töis
vgl. yathä ahü j vairyo athä ratus
46. 12. 1 1 n a p t y a e s h ü nafshücä
46. 3. 3 tä vanheus 9are izyä mananhö
1. tä izyä I vaidieus 9are mauanho
44. 13. 5 noit fr a^yä] vanheus
Resultate der Silbciizäliliiiifr. 755
(Ob auch 43. 7. 4 teracyai = fra(;yäi oder eine der
Variauten feracayai P,; fracayai K^ ferapayä Kn in den Text
zu nehmen ist, kann einstweilig nicht entschieden werden, da
dakhshärä sich nur hier rindet und vielleicht dreisilljig ist,
43. 7. 4 I dakhshärä ferapyäi dishä)
48. 8. 3 1 äkäü aredreug i s h y ä =^ ishiä
51. 17. 2|yäm hf'ii ishyam dätu
aqyäi =; aqiäi ist g'cwiss dreisilbig in zwei Stellen
31. 10. 1 1 väctrini aqyäi fshuyantem
auch 48. 6. 3 at aqyäi | ashä mazdäo ; ashä ist wegzulassen ; in beiden
Stellen ist es möglich, dass ein- einsilbiges Wort ausgefallen ist.
Die Potentialformen des Verbum ah sind in der Regel
mit Halbvocal zu lesen z. B. qyät ist einsilbig 43. 15. 4 43.
16. 3 und 4, qyäta zweisilbig 50. 7. 4. qyen einsilbig 51. 4.
2; doch scheint mit Hiatus zu lesen 43. 8. 3, wenn nicht ein
einsilbiges Wort ausgefallen ist.
45. 8. 3 I rafeno qyem aojonhvat
-yant ist iant zu lesen;
43. 4. 3 I verezyanto mananho
32. 4. 3 I khrateus na^yanto ashäatcä
caoshyant ist immer dreisilbig
34. 13. 3 daenäo caoshyantäm |
48. 12. Ij^aoskyanto daqyunäm
46. 3. 3 I yaoskyantäm khratavo
45. 11. 4 caoshyanto deng| ist deng zu streichen.
Das Comperati^suffix yas ist zweisilbig in
30. 3. 2 1 skyaothnöi hi vahyo akemcä
31. 2. 1 j adväo aibi-derestä vaqyäo
31. 5. 1 I yyat raoi ashä data vahyo
31. 17. 1 I dregväo vä verenvaite mazyo
doch einsilbig
48. 4. 1 I vahyo mazdä ashya^cä.
Es scheint, flass auch die Infinitivendung -dyäi zweisilbig
gelesen werden kann
43. 11.5 tat verezidväi 1 hyat raoi raraotä vahistem
33. 6. 2 I yä verezidyäi mahtä vä^tyä
43. 12. 3 uziredyäi I parä yyat raoi äjimat
43. 14. 4 uziredyäi I azem yarchanäo cenhahyä.
756 Mayr.
Das i und u in vciezidyrii und uziredyäi beruhen auf
Epenthese. (Doch vgh sanskrt iradh.)
44. 8. 4 yaeä asha | vanheus arcni vaedyäi
34. 5. 2 I thrayoidyäi drigüm yüshmäkem
44. 8. 2. meiidaidyäi I yä moi mazdä ädistis
vgl. 31. .5. 2.
Dagegen ist -dyäi einsilbig in den Infinitiven cuidyäi 44.
2. 3, 49. 3. 2 crüidyai 24. 12. % 45. 5. 2 fracrüidyai 4fi. 13.3
2 und 14. 2 deredyai 43. 1. 4 merazhdyai 44. 14 3 diwzhaidyäi
45. 4. 5.
vyäm ist zweisilbig 48. 7. 3 ashä vyfim.
frya ist immer zweisilbig, fryfina dreisilbig.
43. 14. l.hyat nä fryixi|
44. 1 . 3. mazdä fryäi |
44. 1 • 4 1 fryäi dazdyäi häkurenä
46. 2. 4|yyat fryo fryäi daidit
46. 6. 4|yahmäi ashavä fryo
46. 12. 2|fryänahyä aojyaeshü.
Der Halbvocal v ist als Silbe zu lesen in tvem doch nur
in folgenden Versen
28. 12. 2 tvem mazdä ahurä|
46. 19. 5 1 tv^em mazdä vaedisto
47. 3. l|tvem ahi tä ^pento
48. 2. l|tvem vidväo ahurä
hizvas, Stamm hizu ist dreisilbig
51. 13. 3 qäis skyaothanäis hizvaccä
50. 6. 3 I hizvo-raitim ^toi
auch hizvä ist dreisilbig?
31. 3. 3 hizvä thwahyä äonli6|
vgl. 28. 12. 3
31. 19. 1 |khshayamano hizvova^o.
In den vom Stamm hizva hergeleiteten Formen ist da-
gegen der Halbvocal nicht als Silbe zu los(!n.
Auch hvare ist einsilbig.
50. 2. 3 I pourushü hvare-pishyacü
(vgl. 32. 10 gäm ashibyä hvarecä wo vielleicht ein einsill)iges
Wort ausgefallen ist; gäm ist sonst einsilbig) vgl. bei Justi y.
9. 14. hvaredare90 mashyänäm, tanu bildet den Acc. tanüm zwei-
silbig
Resultate der Silbenzählnng. 757
33. 10. 3|khs]iathra ashäcä ustä tantini
und dreisilbig
46. 8. 4 taiivem älya im hujyatois payat
wie auch der Dativ der auch so geschrieben wird; auch der
Genetiv ist dreisilbig.
30. 2. 2 I narem narem qaqyai tanuye
34. 14. l(taiivaccit qaqj'jlo ustanem.
Mit Vocalisirung des Halbvocals ist zu lesen 32- 11. 2
anheuscä anhva^cä |
q = hv = SV ist als Silbe zu lesen im Worte qätra in
allen Stellen.
28. 3. 3 1 yäis rapefitu daidit qathre
31. 7. 1 I raocebis roithwen qäthrä
33. 9. 2 qäthrä maethä mayä |
43. 2, 2 qäthruyä | nä qäthrem daiditä
50. 5. 3 1 yä näo qäthre däyät
9. 64 I raocanhem vicpoqäthrem
qeng ist immer zweisilbig
44. 3. 2 kacnä qeiig| und 50. 10. 4 raocäoqeng|
qanvaijt = huanvaiit
32. 2. 2 I ashä hus-hakhä qenvatä
9. 4 actvato ^raestem dädare(?a
qahe gayehe qanvatö
Auch qiti = huiti := suvita ist dreisilbig
30. 11.2 qiticä eneiti |
qaretha wird dreisilbig gelesen, so jedoch, dass e stumm ist.
31. 20. 2 1 dusqarethem avaetäc vaco
34. 11. 1 I qarethäi ä araerctatäoccä
auch in qarethyä ? Justi Stamm qareti
28. 11. 3 1 vaedä qarethyä vaintyä yraväo
dagegen ist die Wurzel qar einsilbig
32. 8, 2|ahmäkeiig gäusbagä qaremno
49. 11. 3 akäis qarethäi s| In
48. 5, 4 gavfii verezyä täin täm ne qarethäi fshuyO
kann demnach das erste täin gestrichen werden ; die Caesur
fällt dann nach der vierten Silbe und qarethäi ist huarthäi zu
lesen.
qaetu ist immer zweisilbig 46. 1. 2, 5. 4 49. 7. 3, 32. 1.
1, 33. 4. 2 vgl. die Sanskrt Wurzel si, welche sich auch in
qaena findet, vgl. sena.
Sitzb. (1. phil.-liist. Cl. LXVIII. Bfl. IV. Ilft. 49
758 Mayr.
w wird manchmal in thwä vocalisirt
46. 1. 5 kathä thwä|
46. 3. 5 maibyo thwäj
46. 9. 2 yathä thwä|
31. 8. 2 1 hyat thwä hem cashmaini hengrabem
das zweite hem ist zu streichen.
29. 10. 3 1 thwäm meiihe paourvim vaedem
im Loc. thwe, thwoi = tue
31. 9. 1 thwoi a9 ärmaitis |
31. 9. 1 I thwe ä geus tashä ac khratus
und in thwalunät = tuahmät
28. 12. 2|mä ^ishä thwahmät vaocaühe.
3, Folgen lange Vocale, die in zwei Silben zu spalten sind.
ä, ä, äo; letzteres nur wenn es den Werth eines langen
ä hat.
Die Plural- Genetiveudung am ist häutig zweisilbig zu
lesen 5 es ist dies eine Erscheinung, an der alle Klassen der
Nomina Theil nehmen, wie auch in den Veden geschieht (vgl,
Kuhn Beiträge B. 4. S. 180.) Jene Beispiele, wo der Silben-
mangel (nach der jetzigen Schreibweise) nicht anders gehoben
werden kann, folgen citirt.
29. 3. 2 avaeshäm nöit viduye|
30. 4. 3 acisto dregvatam |
30. 8. 1 atcä yadä aeshäm |
31. 19. 2 erezhukhdhäi vaeaüham |
32. 7. 3 yaeshäm tu ahurä |
32. 8. 1. aeshäm aenanhäm]
32. 8. 3 aeshämcit ä ahmi |
34. 1. 3 aeshäm toi ahurä |
43. 2. 1 1 vi^panäm vahistem
44. 7. 5|vi9panäm dätärem *
44. 10. 2|yä hätäm vahistä
45. 6. 1 I vi^panäm mazistem
46. 10. 4 1 khshmävatäm vahniäi ä
48. 3. 1 1 vahistä ^äcnanam
51. 3. 3 yaeshäm tu paouruye |
Acc. sg. am zweisilbig in patham?
31. 9. 2|hyat aqyäi dadäo patham
Kesnltate der Silbenzähliing-. 759
WO vieJloicht aqj'äi zu lesen ist (vgl. panthW Kuhn a. u. ().
181 ; gäm in der Regel einsilbig, doch 32. 10. 2) mazdäm ist
dreisilbig (s. seine Declination in Folgendem).
Gespalten erscheint ferner das ä oder a in Aoristfornien
einsilbiger Wurzeln auf a (vgl. Kuhn a. a. O. 181 1; sämmtliche
Fälle scheinen Conjunctive zu sein.
29. 10. 2|yä hushitis rämämcä dät
32. 13. 3|ye is pat darepät ashahyä
34. 3. 1. att6imizlidemahurä|nemanhaashäicädaniä
45. 5. 3 yoi moi ahniäi | 9eraoshein dän caya9cä
46. 6. 2 drujo hvo | damän haitahyä gät
47. 1. 3 ahmäi da | haurvätä ameretätä
mazdäo khshathrä | ärmaiti ahuro
49. 7. 4 ye verezenäi 1 vanuhim dät fracactim
51. 14. 3 ye is ceüho apemem| drujo demän^ ä dät
dän ist einsilbig 45. 10. 5 und 49. 4. 4 es sind Indicative
(Vgl. die homerischen Conjunctive Osyjc, Os-r]).
vidän^, vidätä, vidäm s. Wurzel day.
Auch Wurzeln finden sich, in denen ä oder äo zweisilbig
zu lesen ist. Sämmtliche dieser Stämme enden auf h, nh, d. i.
ursprüngliches s.
yähin ist dreisilbig
46. 13. 3 1 victä9po yähi
49. 9. 4 1 yähi de-jämä^pa
yäonh zweisilbig
30. 2. 3 parä maze yäonho |
däoiih = das in hudäonh, duzhdäonh,
dieselbe Wurzel daiih findet sich 43. 11. 3
30. 3. 3 äopcä (äyäo^cä) hudäoiiho |
I eres viskyätä noit duzhdäonho
31. 22. 1 cithrä i hudäonhe|
34. 3. 3. äroi zi hudäonh6|
45. 6. 2 I ye hudäo yoi hefiti
48. 3. 2 yä hudäo |
51. 10. 2 1 tä duzhdäo yoi hefiti
43. 11. 3|didanhe paourvim d. i. didaanhe,
wenn nicht didaiihyä zu lesen ist.
mäonh ist zweisilbig.
49*
7G0 Mayr.
44. 3. 4 ke yä mäo | uklishyeiti neref^aiti thwat
Es scheint demnach nä zu streichen :
51. 19. 1 hvo tat nä niaidhyo-mäonhä |
vgl. die Variante mänha K- und yt 13. 95 und 127, wo alle
Handschriften äo lesen.
äonh scheint dagegen einsilbig zu sein
28. 12. 3 mainyeus hacä thwä e. e. äonhä
und demnach auch in 31. 3. 3 hizvä thwahyä äonho
Dafür, dass die Pluralendung äo zAveisilbig, äoi'ihö drei-
silbig zu lesen sei, gibt es kein Beispiel in den vier ersten
gäthäs. Duale sind
28. 3, 2 maibyo dävoi ahväojvgl. 51. 9. 2
33. 9. 3 I yayäo hacainte urvano
30. .5. 1 ayäo mainiväo varatä|
Im letzten Falle ist ayäo manyuo vai'täj zu lesen; 28. 3. 2
könnte man ahuo lesen; 33. 9. 3 ist eine Silbe ausgefallen; das-
selbe ist 30. 10- 1 anzunehmen, wo Plurale stehen, vgl. 51.
22. 2 cä - ca.
33. 10. 1 1 yäo zi äoiihare yäoccä henti
i ist zW'cisilbig in im = yam = iam. mashim ist immer
dreisilbig, wie auch mashya = mashia.
32. 5. 1 tä debnaotä mashim |
46. 11. 2jahüm mereügdyäi mashim
vairim ist dreisilbig wie auch vairya
34. 14. 1 tat zi mazdä vairim |
51. 1. 1 vohu khshathrem vairim |
paourvim ist immer dreisilbig; die Beispiele sind zahlreich,
paouruyo, paouruye, paoruyehyä scheinen für sanskrt. pürvia,
pürviä pürviasya zu stehen.
zevim 31. 4. 1 yadä ashem zevim|
46. 9. 2|zevistim uzemohü
50. 6. 3|hizv6-raitim 9t6i
45. 1. 4 uoit daibitim] vgl. sanskrt. dvitiyam
44. 17. 3 äkistimi
Doch findet sich im auch einsilbig z. B.
31. f^. 3 haithim asliahyä dam im |
\v;ilin;nd baithim dreisilbig gelesen Avird :
31. 6. l|ye moi vidväo vaocat baitlitm.
Resultate der SilbeiiziUihiiig. 7ol
ü ist zweisilbig zu lesen im Acc. sg-. um — uam in yazüm
und peretüm
31. 8. l|mazdä yazum (^tCn manaühä
vgl. Sanskrt yahu und yahva
46. 10. 5 fro tais vi(;pais | ciuvato frafrä perctum
das zweite fra ist die Wiederholung- des ersten, und wie in
allen übrigen dergleichen Fällen zu streichen ; vgl. Spiegel, An-
hang §. 72 und altbactrisehe Grammatik §. 221 Anmerkung
und i:^. 212 am Ende.
Vielleicht auch in vuhü manaühä oO. 7. 1, 33. 12. 3, 34.
3. 2, wo eine Silbe fehlt und vasuä gelesen werden könnte ; in
allen übrigen Fällen ist vohü in dieser Verbindung zweisilbig.
Fraglich ist es, ob das CasussufFix nur an mananh angetreten
sei; vgl. vanheus mananhö in ff.
Hieher sind auch die Acc. qaetheiig und fsheng zu stellen,
in welchen das v ausgefallen ist, wie Spiegel Anhang §. 25
vermuthet, sieh auch cengho 32. (5. 3 und E day
34. 12. 3 1 vanheus qaetheiig manaüho
dass in qaethu, q =: ch = h sieh oben 2. q.
31. 10. 2 ahuremashavanem| vanheus fsheiighimananho
49. 9. 4 craotii cä(;näo | fshenghyo cuye tasto
es ist fshengh i und fshengh yo zu trennen; vgl. 48. 5. 4 wo
fslmyo geschrieben wird; vgl. auch tanvem 46. 8. 4.
äo gilt als a -{- a
im Genetiv sing, von mazdä s. Declination des Wortes mazdä;
in den Conjunctivformen der dritten Person pluralis
32. 15. 3 toi äbyä bairyäoiite|
45. 7. l|ishäofiti rädanho
48. 11. 3|khrüväis rämam däoüte
48. 12. 2|mananhä hacäoSte
ae ist zweisilbig zu lesen, wenn es für aya steht.
aem 29. 8. 1 aem moi idä vii^to |
vgl. 44. 12. 5, wo es ayem geschrieben ist.
g a e m 30. 4. 2 gaemcä ajyäitimcä |
43. 1- 5 1 vanheus gaem mananho
vgl. 51. 10. 3, wo es gayehyä geschrieben ist.
vaem 30, 9. 1 atcä toi vacm gyäma|
Auch ist ae zweisilbig in zaranaemä, vgl. sanskrt. Inniyäma,
mit Schwächung des a in nä (na) zu ni.
762 Mayr.
28. 10. 1 1 niazdä ashemcä yänäis zaranaema
daena ist immer di'eisilbig zu lesen, s. Wurzel day. yaeua
ist di'eisilbig
32. 7. 2|yäis 9rävi qaenä ayaühä
doch s. auch kaena 30. 8. 1.
fraesta wahrscheinlich Superl. zum Comp, fräyäo, mögli-
cher Weise auch das sanskrt. preshtha, Wurzel pri, ist dreisilbig
49. 8. 4 I f "raestäonho äonhäma
äi und 6i sind zweisilbig, wenn sie für aya oder aya stehen
46. 13. 5|mehmaidi hus-hakhaim
die Declination des Wortes stimmt mit der desselben Wortes
im Sanskrt überein ;
nom. sg. z. hakha|s. sakha
dat. sg. hasha & hashe | sakhye
acc. sg. hakhäim | sakhayam
nom. pl. hakhaya, hakhayo | sakhayah
vgl. y. 42. 6 humäim für humayam.
ai oder 6i ist zweisilbig im Causativ von var
47. 6. 4 1 isheüto väräite
28. 6. 3 1 vauroimaidi khrafijträ hizvä
vgl. väuraya 31. 3. 3.
Auch ist äi zweisilbig im Dativ mazdäi s. dessen Decli-
nation; ferner in däiti, daite, vidäiti, vädäite s. Wurzel day.
Der Dativ pluralis äis ist nie zweisilbig zu lesen ; 44. 4
4 und 46. 15. 4 fehlt eine Silbe.
ao ist zweisilbig in Conjunctiven
30. 9. 1 1 yöi im frashem kerenaon ahüm
51. 19. 2|ye ahüm isha^ä? aibi
3 mazdäo data mraot|
Ebenso steht es für ava in dem Nominativ pluralis ashaono
47. 4. 1 ahmät manyeus |räreshyanti dregvato
2 mazdäo 9pentät | ithä ashaono
es ist mit K^ mazdä zu lesen.
In den Casus obliqui ist ao einsilbig zu lesen. Vgl. sanskrt.
maghavan, yuvan M. Müller Grammatik §. 199 & 200, dem-
nach ist
33. 7. 2|yä 9ruyc parc magaono
ein Nominativ plur. ; pare steht für pari.
Resultate der Silbenzäblung. 763
eu in vanbeus mnnunlio ist immer einsilbig in der '1. 3.
iiiul 4. i^'ätha (vgl. Vüliü mananlia oben); dagegen steht es für
vasuas in der gätbä ahunavaiti mit folgenden Stellen :
28. 8. 1 1 V. ayapta m.
28. 11. 1 1 V. ca datheng m.
31. 10. 2|v. fshcnghi m.
32. 15. 3 1 V. ä demänc m.
33. 13. 2|yä v. ashis m.
33. 14. 2 1 manaiihayea v. mazdä
34. 11. 3|v. qaetheilg m.
Stellen, wo die mangelnde Silbe auch anders ergänzt wer-
den kann, sind weggelassen; dagegen ist vanbeus zweisilbig
zu lesen :
28. 9. 3 I vicpai yave v. m.
30. 10. 2|ä hushitois v. m.
31. 8. 2 V. patarem m. |
34. 7. Ijyoi V. vaedemnä ra.
Wie oben bemerkt, ist 49. 3. 3 mit Umstellung tä izyä
V. 9are m. zu lesen; vgl. 44. 13. .ö.
B.
Vocaleinschub ist nach der jetzigen Schreibung erforderlich
im Suffix thra, ursprünglich wohl tara s. Schleicher Comp. §. 22.Ö.
Vgl. Kuhn Beiträge IV. 195. unter 1.
28. 2. 1 I uptänaza9t6 rafedhrahyä
33. 11. 2 1 mana^cä vohu khshathremcä
45. 10. 4 khshathroi hol |
.50. 6. 1 ye mathrä|
Viel häutiger sind die Beispiele, in welchen thra einsilbig
zu lesen, s. auch 48. 5. 1 in Folgendem.
vgl. skyaothana yathana.
Die Endung nma des Ptep. med. ist immer mana zu lesen ;
der vorgehende Stimmton ist nicht zu sprechen : so geschrieben
ist iymano 46. 6. 1
& 31. 19. 1 I khshayamano hizvo va96
das auch 32. 15. 2. sich tindet und viersilbig zu lesen ist;
Verbum khshi wird nach der ersten Conjugation flectii-t ; vgl.
sanskrt. kshayamäna.
764 Mayr.
32. 1 5. 2 1 noit jyäteus khshyamneng va96
auch 9äremn6 ist viersilbig
32. 2. 1 1 9äremn6 vohü mananliä
da 9ar nach der ersten Conjug-ation flectirt wird, vgl. 51.3. 1.
hacimano ist viersilbig 43. 10. 2 und wahrscheinlich auch
43. 12. 4, wo mäzärayä zu lesen wäre.
43. 10 2 ärmaiti | hacimano it ärem
43. 12. 4 9raosh6 ashi | mäzärayä hacimno
in beiden Fällen ist hacimno gleich hacyamano, wie auch Spiegel
übersetzt; s. auch Spiegel Anhang §. 76, hacemna ist ganz
richtig dreisilbig 44. 10, 3, 44. 13. 4.
Ferner ist vaedimno viersilbig zu lesen
28. 6. 1 ashä kat thwä dare9äni|
|mana9cä vohü vaedimno K^ : vaedemno
ob hier eine Verwechslung mit viiidemno vorliegt, das nach der
1. Conj. flectirt wird, oder ob vidyamano zu lesen ist, lässt sich
nicht leicht entscheiden ; auch der Ausfall einer Silbe wäre
nicht unmöglich.
Vocale, welche die spätere Orthoepie nicht gesprochen,
oder aus Versehen des Schreibers ausfielen, sind zu restituiren.
29. 9. 2|yem ä va9emi ishäkhshathrem
lies ~ khshatarem, da ein Acc. sg. m. vorliegt ; der a-Vocal
ist in Folge des häutigen Vorkommens des Wortes khshathrem
als Neutrum ausgefallen.
ärmaiti ist äramaiti zu lesen. Cit. s, bei Justi.
ehmä ist dreisilbig; es scheint eine conj. Form der Wurzel
ah, as zu sein.
29. 11. 3 I ehmä rätois yusmävatam
34. 1. 3 aeshäm toi ahuräj
I ehmä paourutemäis da9te
43. 10. 3 pere9äcä näo | yä toi ehmä parstä
vgl, Spiegel §. 42 im Anhang, Justi azem.
hafshi und hapti sind mit dem Bindevocal a zu losen,
vgl. sanskrt. sapati
31, 22. 2|vacanhä skyaothanäcä hapti
43. 4. 2 1 yä tu hafshi aväo
45. 7. 2|äonharecä bvainticä vgl, 33. 10. 1.
i ist zu lesen
31. 2, 3|yä ashät hacä jvämahi
Besaltate der Silbonzälilung. 765
31. 3. 3|yä jvanto vi^pciig vaurayä*
43. 12. 2 aprustä paityaog-zhä
1. paiti — yaog-zhä
45. 7. 2 yöi zi jvä|l. jiva
48. 8. 3 paityaoget tä|
1. ))aiti ^ yaog-et.
V ist in der Schrift ausgefallen und als Vocal zu lesen
in qaetliefig 34. 12. 3 fsheiigli 31. 10. 2, 49. 9. 1 s. oben und
Euntcr day. Eine solche falsche Schreibweise liegt auch 49. 4 3 vor.
|hvarstäis vac? duzhvarstäis 1. liuvarstiiis.
»
c.
1. Fälle, in denen Vocale geschrieben sind, die von den Ver-
fassern der gäthäs nicht gesprochen \Vurden, sind :
äat Ablativsuffix lies ät
28. 11. 1 at yeiig ashäatcä voictä]
31. 15. 3 1 pa^cus viräatca adrujyantö
32. 4. 3 I khrateus nacyaiitö ashäatcä
vanuhi ist zweisilbig, vgl. sanskrt. vasvi
32. 2. 3 I vaiiidiim varemaide ha ne aühat
43. .5. 4|vanuhim ashim vaiihave
48. 2. 4 1 vanuhi vi9tä äkeretis
51. 21. 3 tem vanuhim yä^ä ashim
vgl. 9. 7 ä mäm yä9anuha 9pitaiua
frä raäm hunvaüuha qaretee
s. Westphal. S. 446.
uye ist ve zu lesen
29. 3. 2 avaeshäm noit viduye]
31. 5. 2 viduye vohu manaühä|
43. 9. 3 1 kahmäi vividuye vashi
48. 7. 2|mananlie didraghzho duye
viduye und vividuye sind Infinitive; ob duye 48 . 7. 2 Per-
sonalendung zweiter Person pluralis medii ist, lasseich dahingestellt ;
das Vcrbum yyodüm der vorgehenden Zeile steht in derselben Per-
son, cuye 49. 9. 1, das Spiegel als Infinitiv auf uye fasst (§. 75
im Anhang) ist entweder Nomen oder ein Infinitiv auf e ; auch
ist uye zweisilbig
46. 15. 3 täis yüs skyaothanäis | asheni khshniaibyä daduye
766 Mayr.
Spiegel übersetzt: durch diese eure Tliaten wird euch die
Heiligkeit gegeben; die Form daduye ist mir unklar.
Im Genetiv airyamanas ist das a des Wortbildungsuffixes
nicht zu sprechen.
33. 4. 3 airyamanascä nadento |
46. 1. 2 1 airyamanascä dadaiti
Ob im Genetiv pluralis der Wörter auf an der Vocal des
Suffixes nicht gesprochen wurde und aäm aufzulösen ist, dar-
über kann man nach der Silbenzahl nicht entscheiden.
34. 12. 2|yä ve däyät ashis räshnam
45. 3. 1 1 yöi ukhshäno a9näm
50. 10. 3 I apnäm ukhshä aeurus
(a^anät, yathanä, skyothana siehe im if.)
3. Schwund im Stamme.
Im Worte patar ist das a des Stammes manchmal nicht ge-
schrieben, wurde aber auch, wo es sich geschrieben findet, nicht
gesprochen.
31 8. 2 vanheus patarem mananho |
44. 3. 2 I patä ashahyä paouruyo
45. 4. 3 ptarem vanheus |
45. 11. 5|ptä vä mazdä ahurä
47. 2. 4|hvr) ptä ashahyä mazdäo
So in den starken Casus ; von den schwachen findet sich
einmal der Dativ
44. 7. 3|vyänayä puthrem pithre
vyänayä ist dreisilbig 29. 6. 1 ; der Doppelconsonant hat den
Stammvocal geschützt, der Schwund trat im Suffix ein. Da-
gegen ist Schwund im Suffix des Acc. sg. eingetreten
34. 4. 1 at toi ätarem ahurä |
gam mit Schwund des Stammvocals
46. 11. 4 yyat aibi-gemen|
44. 8. 5|vöhu urväshat ägemat tä
s. Justi W. b. und yt. 5. 62 fräghmat
genä ist einsilbig wie es im Sanskrt geschrieben wird; in den
Veden wurde es oft zweisilbig gesprochen, s. Kuhn B. 4, S. 195
unter 5.
vgl. indog. ganä
46. 10. 1 Igenä vä mazdä ahurä
Resultate der Silbeiizähluiij,'. 767
Schwund im Stamme läge vor in demank, wenn es auf
die Wurzel dam zurückg-efülirt werden könnte. In demäna,
debäz debu läge ein Schwund des Praefixvocales vor, wenn die
Annahme der Zusammensetzung mit demselben richtig ist.
Schwund im Suffix ist eingetreten in der dritten Person sing,
impcrfectiactivi. Demnach ist e Hilfsvocal in yaoget, coret (viel-
leicht ist auch fraoret hieherzustcllen) S})icgel§. 08 s. Hilfsvocale.
D.
Zur Herstellung des Textes.
1, Ist dieselbe Präposition zweimal im geschriebenen Text, so
ist sie das zweitemal zu streichen.
31. 8. 2|hyat thwä hem cashmaini (hen) grabem
31. 13. 2|ä mazistäm (a) yamaite büjem
32. 9. 2 apo ma istim (apa) yänta|
32. 14. 1 1 ni kavaya9cit khratus (ni) dadat
33. 7. 1 a mä (ä) (ä)idüm vahista|
33. 8- 1 frö moi (fra) voizdüm arethätä|
33. 12. 1 uc moi (uz) areshva ahurä|
34. 5. 2 pare väo vicpais (pare) vaokhemä|
so auch 44. 13. 2, nis— nis; 47. 3. 4 him— hem; 49. 3. 4
antare — antare; 49. 11. 3 paiti— paiti; auch 46. 3. 2 fro — fra;
49. 6. 1 fro — fra; 46. 12. 2, wo sich die Präposition aus dem
ersten Vers eindrängte :
46. 12. 1) yyat U9 ashä | naptyaeshü nafshucä
2) türahyä (uz) jen | fryänahyä aojyaeshu
48. 7. 4 s. t.
46. 10. 5 fro täis vi9päis| cinvato (fra) fra peretüm
1. peretuam,
Bleibt die Stelle 31. 13. 3 wo die Präposition aibi richtig
wiederholt scheint; wenigstens wäre es schwierig, die Silbenzahl
ohne Veränderung im Texte herzustellen (vgl. das obenc. 31. 13. 2)
31. 13. 8 tä cashmeSg thwi^rä häro |
I aibi asha aibi vaenahi vippä
cashmengist nach Spiegel Anhang 29 und .Tnsti Acc. pl. so auch
cashmam,50.lO. 2,Avo es zweisilbig zu lesen wie auchhakhmeng49.
3. 4 ; cashmciigundhakhmeiig sollen heteroklitisch gebildet sein, das
ist mit Uebertritt in die a Declination (s. Kuhn IV 195 unter 2, sr.)
2. Wiederholte Partikeln oder Wörter sind zu
streichen.
768 Mayr.
Das eine cä ist zu tilgen 30. 3. 2, 33. 4. 4. 3 — das
zweite ne ist zu streichen
48. 6. 1 ha zi ne hulshoithemähä (ne) utayüitini
bemerkenswerth ist, dass die Caesur nach dem ersten Tlieil
des Compositum fallen kann. Vgl. Kuhn über Caesur in den
Veden in den , Sprachlichen Resultaten aus der vedischen Me-
trik^ IIL 117
30. 10. 1 adä zi avä drüjo avo | 48. 5. 1 :
hukhshathrä khshentam ma ne duskhshathrä khshentä
Ich lese khsheütam khshayantam wie Spiegel §. 15; dazu
bewegen mich die oben angeführten Fälle, wo ae immer zwei-
silbig zu lesen ist, wenn es für aya steht; die Caesur stelle
ich durch Umstellung von niä und ne her.
hukhshathrä ne|ma duskhshathrä khshentam
die Lesung hukhshatharä | mä ne . . . bietet keinen vollständigen
Satzabschnitt vor der Caesur, der mir mehr zu entsprechen
scheint; auch müsste dann entweder ne gestrichen werden, oder
khshentam zweisilbig gelesen werden, welche letztere Annahme
mit den angeführten Analogien — mit dem Gesetz, dass jeder
Vocal oder Diphthong, der aus Zusammenziehung zweier Vocale
entstanden ist, zweisilbig zu lesen ist, wie er zur Zeit der Ab-
fassung gesprochen wurde, in Widerspruch steht.
48. 9. 3 eres nioi (erezh)ucam|
doch kann vielleicht auch mit Hinweglassung von eres moi,
erezhucaam gelesen werden.
49. 1. 3 ist das eine moi zu streichen.
Dagegen sind richtig die Verse: 34. 5. 1, 34. 12. 1, 45. 1.1,
und 1. 2, 2. 3, 2. 4, 2. 5, 11. 2, 46. 10. 1, 48. 6. 1, 49.7. 3, U.'l.
3. Als überzählig sind anzusehen die Partikeln ä, cä, ne in
folgenden Stellen; an eine Contractiou mit dem folgenden
Vocale oder Elision eines a zu denken ist schwierig, indem
solche Silben auch in einzelnen Fällen vor Consonauten getilgt
werden müssen, anderseits nicht abzusehen ist, warum die Con-
tractiou und Elision auf diese Partikel und nur in den anzu-
führenden Fällen beschränkt sei. ä
29. 11. 2 1 mazoi magäi ä paiti zänatä
Trotz der Analogie der Form mit jänita im Sanskrt
könnte zäntä gelesen werden, wodurch das ä erhalten bliebe |
vgl. 31. 17. 3 zdi einsilbig.
Resultate der Silbonzälilung. 769
30. 7. 3 acshäm toi a aühat yat}ia| '
31. 7. 3|ye ä nüremcit ahurä lu\in6
34- 10. 3 1 thwalimi mazda khshathroi a voyathrä
34. 11. 3|täis ä mazda vidvaesham thwoi ahi
n e 29. 4. 3 1 atliä ne anliat yatha livo va^at
.30. 2. 3 1 ahmai ne ^azdyoi baodanto paiti
ca 30. 4. 2|yatliaca aiiliat apemom anhus
32. 9. 3 I mazdA. ashaica yushinaibya gereze
.32. 12. 3|kai'apä khshathrenica ishanäm drujeni.
Die Beispiele sind alle aus der 1. gatlia; in der 2., 3.,
4. findet sich kein Beispiel. In 30. 7. 3, 44. 10. 3, 34. 11. 3
steht ä nach einem ursprünglichen lang-en e oder nach ai ; um
in diesen Fällen eine Contraction anzunehmen, kann man sich
auf ähnliche Fälle in den Veden nicht stützen; für 31. 7. 3
ye ä mangelt auch jede Analogie, man wollte denn die Con-
traction wie in Fällen, wo die Vocale durch visarga getrennt sind,
eintreten lassen, s. Kuhn IV. 198. Leichter wären zu erledigen
29. 4. 3 und auch 30. 2. 3 wenn man ne ahmfü umstellen
würde, und in beiden Fällen Elision eintreten Hesse. In 30.
4. 2 und 32. 12. 2 könnte Contraction stattfinden und es bliebe
nur 32. 9. 3, wo cä zu tilgen wäre.
de vor jämä^pa ist eine spätere Einschiebung in 40- 17.
?, 49. 9. 4, 51. 18. 1, ebenso deiig 45. 11. 4 s. A. 1. und 2
unter paoshyant; vgl. demäna, debu, debäz.
Eine überzählige Silbe oder Wort ist zu streichen :
43. 12. 5 yä ve ashis| ränoibyo (;av6i (vi)däyät
44. 17. 3 äkistim I khshmäkära yyat (cä) mni (qyät) väkhs-aesho
48. 6. 3 at aqyäi | (ashä) mazdäo urvaräo vakhshat
4. Eine Silbe fehlt:
44. 12. 2 ke ashava|yäis pere^a ke dregväovä
40. 15. 4 yäis dätäiscä| paouruyäis ahurahyä
44. 4. 4 ke vätäiscäjdvänmäibya9cä yaoget ä^ü
51. 11. 1 ke vä urvatho 9pitaniäi |
5. Der Text ist fehlerhaft:
47. 1. 3 noit niä khshnäusjyä verezenä hecä
vielleicht noit mä khshnaoshon |yä verezenä nie hacä; khshnäus
ist einsilbig 4G. 13. 2, 51. 12. 1 und ist im Singular; hier braucht
man einen Plural wie .30. 5. 3 — das äu und ao sind Steigerung
und folglich einsilbig wie aucli khshnaoshäi 40. 1. 5 und
770 M=iy-
khshnaoshemnö 46. 18. 4 bezeugen. — Der Sinu wäre ,die
Nachbarscliaft will mir nicht wohP.
46. 5. 2 urvätois vä | huzeStus mithroibyG vä
Stamm urväta; vielleicht ist urvätoibyä zu lesen. Vgl. Spiegel
Anhang 21. instr. dat. abl. dual.
50. 11. 2 yävat ashä | ä taväcä i9äicä
ist vielleicht ä mit der Schlusssilbe von ashä verschmolzen und
daher zu restituiren. Vgl. 28. 5. 3 yavat icäi taväcä |
Schreibfehler sind :
44. 14. 5 ä is dafsheiig | mazdä anä^e ä9täccä
1. anä^t. M ist mit i» verwechselt.
51 . 3. 1 ä ve geus ä hemyaüiti |
eine wiederholte Präposition wäre zu streichen; auch der Sinn
verlangt es, dass man geusä lese. Vgl.
30. 2. 1 craotä geus äis vahistä 1 1. geusäis
51. 10. 2 hvo dämois drujö hunus |
I tä duzhdäo yoi henti
aus der Caesur und dem Sinn ist ersichtlich, dass hunustä eine
falsche Schreibung; — vgl, die Constr. 45. 6. 2. Das drujen-
Geschlecht hunustä beschränkt seine schädliche Thätigkeit auf
Justi's Handbuch.
Das Pronomen tam istwiederholtgeschrieben und fehlerhaft,
wahrscheinlich für eine Verbalendung gedeutet, mit dem vorher-
gehenden Worte verbunden 48. 5. 4
gavoi verezyä| (tarn) tam ne qarethäi fshuyo
48. 7. 1 ist ne aeshemo zu streichen; ni ist Wiederholimg I
der Präposition; aeshmo scheint auch 29. 1. 2 zu tilgen, wenn nicht |
remo auszuwerfen ist; höchst wahrscheinlich ist entweder aeshemo j
Glosse zu remo oder umgekehrt und so in den Text gekommen. Vgl.
46. 12. 4 aeshem mahyä K- und aeshemem ahyä K,,. s. auch
Justi 2 da -|- ni
48. 7. 1 ni aeshemo ni-dyätäm|
paiti-remem paitipyodüm K,; 1. cjiozhdem = cyozhdüm. lies
nidyataam | paiti remem pyözhdüm
49, 3. 3 ta vanheus ^are izyä mananho =
L tä izyä I V. 9are m.
.51. 19. 1 hvo tat öä maidyo-mäonhä |
ist das Subst. nä wegzulassen, s. mäoi'di A. 3 Wurzeln, in denen
äo, ä zweisilbig zu lesen ist.
Kesultato ilcr .Sillpir/.iihlung. / / 1
Index.
E.
a9anät 45. 1. 2; zweisilbig a^nät zu sprechen, vgl. yt.
22. 13 acnäatca, yt. 17. 2 ä9anaeca, yt. 22. 2 und 20 a9ne.
a^rvätem 30. 3. 1 ist viersilbig, a ist Präposition und
nicht Augment; letzteres erscheint nie in den gäthäs; vgl.
31. 13. 2|ä mazistam (a)yamaite bujeni
wo die wiederholte Präposition ebenfalls falsch geschrieben ist.
a9ashutä 48. 1. 2 ist dreisilbig; die Ableitung, von shu
ist irrig; vgl. arezoshütahe yt. 10. 36. areraoshüto yt. 13. 72;
mainyushiitäo yt. 13. 42 y. 9. 32 yatha awrem vätoshüteni, auch
aipishüta und frashüta.
u z e m o h ü 46. 92 ist dreisilbig ; es ist mit Spiegel und
Justi U9mahi zu lesen.
Der dem r in Folge der Epenthese vorgeschlagene Vocal u
beruht auf spätere Orthoepie ; in den gäthäs sind diese Wörter
mit r -)- Vocal wie rud, rup etc., oder mit anlautendem vr -f-
Vocal wie urväta, oder v -|- Vocal z. B. urväza zu lesen. Dass
die Epenthese auch im Innern der Wörter erst nach der Ver-
fassung der gäthäs eintrat, geht daraus hervor, dass ein so ent-
standenes i niemals gezählt wird; u findet sich ntir einmal
im Innern des Wortes .50. 10. 3
raocäo qeiig | a9näm ukhshä aeurus.
In den vier ersten gäthäs finden sich:
urüdüyatä 44. 20. 4
urüpayeiiiti 48. 10. 3
urusha 29. 7. 2 vgl. s. rüksha
urürao9t 51. 12. 2
urvae9a 43. 5. 5 untl (>. 1 vgl. vrac -|-- fi"i
urvaiita bei Justi 31. 3.2 nach Westergaard gelesen:
yyat urvatem cazdonhvadebyö | vgl. urvafit
urvätha 51. 14. 1 urvatha bei .lusti
urväidyäo 34. 6. 3
urväkhs, Verbum 34. 13. 2, 44. 8. 5
urväkhs-ukhti 32. 12. 2
urväza 30. 1. 3. vgl. s. varj
urväzista 49. 8. 1
urväzeman 32. 1. 2
urväta .30. 11. 1, 31. 1. 1 und I. 2,34. 8. 2, 44. 15. 4
urvädaAh 43. 2. 5
772 Mayr.
Dagegen ist das u i'adical in
urvaiit 50. 7 1 1 zevistayeng urvato
urvan Citate bei Justi
urvara 44. 4. 3, 48. 6. .3, 51. 7. 1
(s. auch unter D. 5. 46. 5. 2 urvätöis vä| und Justi).
eeä scheint einsilbig 47. 2. 2
hizva ukhdhäis I vanheus eeänil mananhä
vgl. 32. 16. 3 1 e. e. ä liü ishyeSg aShayä
ehma ist dreisilbig 29, 11. .3, .34. 1. 3, 43. 10. 4 s. B.
qaeth eng s. B,
zbä s. F. 2
dakhshara 43. 7. 4 wahrscheinlich zweisilbie:
day vgl. sanskrt day dayate.
44. 19. 2 yac tat mizhdem | hanente noit däiti
44. 19. 3 ye im ahmäi | erezhukhdhäi nä däite
31. 11. 3|yathrä varenefig vacäo däite
mit der Präposition vi
47. 6. 2 äthrä vanhäu | vidäite ränoibyä
51. 6. 3 ye hoi noit vidäiti]
32. 6. 3 thwahmi vi mazdä khshathröi |
I ashaecä geiigho vidäm
zu vi geben K^^y die Var. ve; es scheint aus dem zweiten
Verstheil eingedrungen und ist leicht zu entbehren.
Ich conjicire | ashaecä 9ueng yo vidayäm
,In deinem Reich und deiner Ordnung (oder Wahrheit)
möge ich der Segnungen theilhaftig werden.'
33. 3. 2|vidä9 vä thwakhshanhä gavoi
Der Diphthong äi und der lange Vocal ä können nur da
für zwei Silben gelesen werden, wo sie in der älteren Sprache
als solche gesprochen wurden s. A. 3. ; es liegt demnach eine
Wurzel day vor, die auch das Sanskrt kennt und däiti däite
sind dayati dayate zu lesen ; doch Hesse sich einwenden, dass
hier Conjuuctive vorliegen könnten, wonach daati, daate mit
eingeschobenem y gesprochen worden wären; der Schwund des '
Modusvocals des Conjunctiv habe dann die Verschmelzung des y '
init dem a des Stammes zu äi involvirt ; in den vorliegenden
wenigen Conjunctiven des Präsens und Imperfectum eben so wie i
des Aorist^ werde überall das Moduselement des Conjunctiv gezählt
(s. A. 3. äo und ao im Conjunctiv , desgleichen die Aor. der unter
A. 3. angeführten Wurzeln auf ä) ; auch sei nicht abzusehen,
Resnltate der Silbonzählnng. 773
warum man hiei- nicht ebcusu die Entstehung c!es Diphthongs
erklcären könne, wie bei dem äi und ui des Causativ, ange-
nommen, dass die als solche angeführten Fälle wirkliche Causativ-
bildung-en seien und nicht als Conjunctive des einfachen Verbum
activum oder medium zu fassen seien. Darauf lässt sich er-
widern, die Annahme, dass hier Conjunctive vorliegen, sei
nicht motivirt, da das Pronomen ya auch mit Indicativeu con-
struirt werde; auch sei die Annahme, dass zwischen die beiden
a der leichtern Aussprache wegen ein y eingeschoben wurde,
willkürlich, da dies doch auch bei den Conjunctiven der a
Stämme im Aorist nicht geschehen sei; auch bleibe vidä9,
das unstreitig dreisilbig ist, ohne Erklärung. (Darüber, dass ein
durch Epenthese entstandener Diphthong nicht zwei Silben
gebe, herrscht kein Zweifel.) Für die gegebene Erklärung
spricht auch daena.
Zum Stamme day ist zu stellen
daena, das immer dreisilbig ist; die Stellen sind: 31. 11.
1, 20. 3, 33. 13. .3, 34. 13. 2, 44. 9. 2, 10. 2, 11. 3, 45. 2. 5,
11. 4, 46. 6. 5, 7. 5, 11. 3, 48. 4. 2, 49. 4. 4, 5. 2, 6. 4, 11.
2, 51. 13. 1, 17. 2, 19. 2, 21. 2, und
d uz h daena 49. 11. 2, das viersilbio- ist. dav heisst ur-
sprünglich so viel als 1) theileu, ertheilen, zutheilen 2) als
seinen Theil haben, besitzen (s. B. und R.), daraus entwickelte
sich die Bedeutung 3) zerstören, verzehren im Ved., Sanskrt.
und die speciell griechisch iu oaivü;j,'., oy.iry^.y.:, oxi: und 4) An-
theil nehmen Mitgefühl haben dayita, griechisch oak-u'. r,-cp. Im
Zeud wurde day speciell füi- die Vertheilung der Grundstücke
gebraucht, daher daya, das Feld (vend. 1. IG ckaitim ynm
gavaca dayaca pourumahrkemj als das zugetheilte und dayana
die Zutheilung, d. i Anweisung der Grundstücke und daher das
Abstractum Gesetz. Aehnlich ist viixoc aus vo;j.i; und väa«.) ent-
wickelt, vgl. nam -f- upa im Sanskrt. Die wiederholte Vertheilung der
1 Grundstücke, deren Eigeuthümer die Gemeinde ist, an einzelne
Mitglieder ist noch heute bei den Slaven gebräuchlich und Avar
es auch bei den Germanen. Vgl. Tacitus agros per vices colunt.
Ob 31. 19. 3 hieher zu ziehen sei, lasse ich dahingestellt.
duzhazobäo 46. 4. 3 d. hä(?|muss dreisilbig sein, wenn
häc? nicht eingeschoben ist. So schreiben K5. 4. y. duzhhzöbäo
Ky.|, ; duzhdöbäo P^.
Sitzb. d. phil.-bibt. d. LXVUI. Bd. IV. Ilft. 50
774 Mayr.
d u z h cl a o n h s. A. 3.
dusskyaothana s. skyaothana ib.
f^ erat US ist zweisilbig 51. 4. 1
kuthrä aröis ä fperatus | vgl. 51. 14. 2
33. 12. 3|vohü mananhä f^eratüra
scheint fperatnam zu lesen, s. auch vohü maüanhä.
mäzära ist zweisilbig 43. 12. 4.
mazdä ist zweisilbig im
1) nom. sg. 29. 4. 1, 32. 2. 1, 33. 5. 3, 46. 17. 5, 48.
6. 3, 49. 5. 1,
2) voc. sg. 28. 2. 2, 7. 2, 29. 8. 2, 11. 2, 31. 19. 3,
32. 9. 3; 34. 11. 3, 15. 1, 43. 3. 5, 45. 11. 5, 46.
7. 1, 47. 4. 2, 49. 7. 1, 50. 5. 1.
Dagegen ist mazdä dreisilbig im
1. acc. sg. 28. 3. 2 mazdamcä ahurem
29. 5. 2|yyat mazdäm dvaidi fra9äoby(')
2. dat. sg. 31. 6. 3 mazdäi avat khshathrem |
31. 1. 3|goi zarazdäo anhen mazdäi
3. gen. sg. 28. 5. 2|vidus mazdäo ahurahyä
30. 10. 3 mazdäo ashaqyäcäj
32. 4. 3 mazdäo ahurahyä |
33. 2. 3 I ahurahyä zaoshe mazdäo
51. 29. 3 mazdäo data mraot|
51 . 20. 3 j mazdäo rafedhrem cagedo
mit ahura construirt findet sich der Genetiv.
.33- 11. 1 ye ^evisto ahuro | mazdäopcä ärmaitiscä
51. 22. 1 vaeda mazdäo ahuro | yoi äonharecä heiiticä
In 30. 9. 2 und 31. 4. 1 wäre cä zu streichen
30. 9. 2 mazdäo^ca ahuräonho |
, Seien wir Herrn der Weisheit, d. i. derselben thcilhaftig.'
31. 4. 1 yadä ashem zevim | aiihen mazdäo9cä ahuräonho
wahrscheinlich liegt aber hier kein Gen. sg., sondern Nom. pl.
vor wie 45. 1. 3
nü im vi9pä|cithre zi mazdäonho dum,
wo übrigens zi auch spätere Einschaltung sein könnte ; dies
müssto hier auch angenommen werden, wenn man au die Wur-
zel däonh dächte. Sind die Verse richtig überliefert, so müsste
man annehmen, dass im Nominativ pluralis entweder das Suflfix
as mit dem auslautenden Stammvocal schon zur Zeit der Dichter
der gäthäs verschmolzen gesprochen Avurdo, während man die
Resnltatp dir Silliotr/.rililung. t iO
i
iSuti'ixc! des Singular getrennt piMumncirtc, oder es niüsste jnit
Trübung des Stammvocals ein einfaches s als Suffix des
Plural nominativ angenommen werden. J)a wie oben bemerkt,
die Plurale äo, a oder aonhO nie wie Kuhn für die Veden IV
1(S;) annimmt, aas oder aasas gelesen werden, so scheint diese
Spaltung des. Plural ä im Sanskrt entweder ein poetischer Noth-
behelf um eine mangelnde Silbe zu ergänzen, oder liegen An-
klänge an die Plurale generis feminini im Präkrt vor (Wiener
Akademie B. GO S. 543. F. Müller, Beiträge zur Kenntniss der
Päli-Sprache III) die Dehnung und Vocalisirung eintreten Hessen.
m ä o n h A. 3.
yathanä ist zweisilbig 43. 10. 4, die Schreibung beruht
auf späterer Orthoepie; vgl. .31. 22. 1 und skyaotliana ib.
yälii s. A. 3
yäoüh s. A. 3
caredana 43. 14. 4 ist zweisilbig; vgl. paduma, sadumä
im Päli und folgendes.
s k y a o t h a n a und skyaothna (letztere Schreibart findet
sich bei W. 28. 2.2 und 31. IG. 3) und ist in der 2., 3. und 4. gätha
immer zweisill)ig zu sprechen, so auch in huskyaothana 45. 4.
4 und dus-skyothana 49. 11. 1; dagegen wird es in der ahuna-
vaiti wohl oft skyothana gesprochen worden sein. Keinem
Zweifel unterlieg-t, diese Aussprache:
31. 20. 3 1 skyothanäis qäis daena naeshat
32. 12. l|vahistät skyaothanät maretäno
34. 15. 1 1 9raväo9cä skyaothanäcä vaocä
so ist aiR-li dus-skyaothana viei'silbig
3 1 . 1 T). 2 dus-skyaothanäi ahurä |
während das Wort 34. 9. 2 di*eisilbig zu sprechen ist.
Es lässt sich nicht entscheiden, ob das Suffix tna ursju'üng-
lich tana gesprochen wurde oder tna (vgl. Suffix tra und Schleicher
Compendium §. 22. Suffix tana). Im Sanskrt iiiuhit sich das
I Suffix tana als taddhita zur Bildung von Adjectiven der Zeit
i Pänini G. 3.. 17, z. B. prätas-tana, säyan-tana, nü-tana; als lo't.
1 Suffix nur in dem dunklen Wort vetana, während tna primäres
' Suffix ist. Der Umstand, dass im Päli ratana (Fr. Müller
Beiträge zum Päli I. 14) gesprochen wurde, während bei momen-
tanen Lauten vor Nasalen i-ückwäl^s wirkende Assimilation ein-
zutreten pflegt, dass das Prakrt raana spricht (Fr. Müller III.
50*
776 Mayr.
356) — die Verschleifung nicht aspirirter moineutaner Laute
tritt nur zwischen zwei Vocalen ein (ib. 539) — scheinen da-
für zu sprechen, dass ratna und ratana dialektisch verschiedene,
doch zeitlich sich gleichstehende Formen gewesen sind; vgl.
yathana 43. 10. 4.
haurvatund haurvatät sind wie sie geschrieben sind
zwei- und dreisilbig zu sprechen.
Eine Silbe fehlt 31. 21. 1
I haurvato ameretata^cä
ich ziehe es vor cä einzuschalten, als haurvatäto zu lesen, da
ich nicht weiss, ob die Bedeutung völlig dieselbe ist, möglicher
Weise könnte auch ameretatätaccä gelesen werden wie 34. 1.1.
hafshi und hapti s. B.
hudäonh s. A. 3
huskyaothana s. skyaothana ib.
F.
1. Von den Hilfsvocalen.
Westphal a. a. O. bemerkt, ,dass das kurze e (im Zend)
nur dann als eine eigene Silbe gelte, wenn es auch im Indischen
einem Vocale entspreche, nicht aber in Formen wie kacethwam
hvaredare^o, wo es ein dem Avesta eigenthümlicher Hilfsvocal ist.'
Wir geben eine Auslese solcher Hilfsvocale.
e nach kh vakhedhrahyä 29. 8. 3, vaokhemä 34. 5. 3,
e nach g geuä 46, 10. 1, yaoget 45. 4. 4, paityaoget 40.
8. 3 s. Spiegel §. 68, dugeda 45. 4. 4, auch Atharva Veda 2.
14. 2, 10. \. 25, ebenso in der story of ^unahsepha v. 6
(M. Müller bist, of anc. Sanskrt lit.) ist duhitar zweisilbig; i
ist ebenso unorganisch wie a in OjYarr^p vgl. lithauisch, altslo-
venisch und gothisch und Kuhn IV. 198.
e, e und i nach z uzeraem 44. 7. 3, uzemohii 46. 9. 2,
raazibis 32. 11. 1,
i nach zli erezhijyoi 29. 5. 3,
ß nach th oithenA 44. 20. 1, yoithemä 28. 10. 2, räthemö
44. 17. 5,
a nach d daibish = tbish 28. 7. 3, 32. 1. 3, 34. 4. 3.
32. 1, 3|teiig därayö yoi väo daibishcüti
34. 4. 3 at mazda daibishyante |
28. 7. 3|ya daibishvato dabaishao taurvayämä
Beiultate der Silbenzählung. 777
34. 4. o müsste tbishiante gelesen werden. 28. 7. 3 ist
dabaisMo zu streichen ; die inangelnde Silbe könnte dadurch
ergänzt werden, dass man taui'vayaania läse und die Form als
Conjunctiv causativi gelten liesse, wie auch Justi erklärt, daibi-
bim 45. 1. 4 vgl. dvitita im Sanskrt.
e und i nach d dregvödibis 29. 2. 3 dregvodebis 48. 11.
3 cazdonhvadebyO 31. 3. 2 padebis 51. 16. 2 varedemäm 46.
16. 5 hademoi 44. 9. 5, 46. 14. 4 ädebaoma 30. 6. 1 aipi-de
bävayat 31. 17. 2 debazäiti 44. 6. 3 debävanhä 47. 6. 3 demäna
31. 16. 1, 18. 2, 32. 13. 1, 15. 3, 45. 8. 5, 46. 11. 5, 49. 11.
4, 51. 15. 2. In debn, debaz, demäna könnte das Prälix de
vorliegen (vgl. Justi, dem aber debu eine Erweiterung von dab
scheint ; Spiegel Anhang §. 1 1 und Fick vergleichendes Wörter-
buch der indogermanischen Sprachen 2 da S. 85, mäna S. 152
und 296, der auch daibitya und daibish hieherzieht).
e nach j^ in pere9 s. F. am Ende.
e nach / rafedhräi 28. 4. 3 rafeno 28. 7. 2 fera^ s. ib.
am Ende.
i nach b daibitänä 32;, 3. 3 daibitä 49. 2. 2
a nach r karapan , karapötanh , zarazdäo , zarazdäitis,
fperatus, maraka, varana, varatä
ä nach r neras, merazhdyäi, meräshyät
e nach r in Bildungen aus den Stämmen arej 50.
10. 2, ared 34. 7. 1, 46. 16. 1, 50. 8. 3, 50. 11. 3, gerez 28.
2. 1, 32. 9. 3, 51. 17. 3, mared 51. 31. 1, vared 28. 4. 3, 46.
16. 5, 49. 4. 1, 50. 3. 3, varez 49- 7. 3, 50. 10. 1, 51. 1. 3.
Ferner ist e Hilfsvocal nach r in vielen anderen Fällen ; die
zu einem Zweifel Anlass geben könnten, wie die Fälle, wo a
oder ä nach r als Hilfsvocal erscheint, folgen mit den Beleg-
stellen :
aoderescä 51. 12. 3,
äkeretis 48. 2. 4,
erekhtem 44. 2. 4,
karapan 32. 12. 3, 44. 20. 3, 46. 11. 1, 48. 10. 3, 51.
14. 1, karpötanh 31. 15. 1,
gäo-fr ö ret ois 46. 4. 2,
cöret 44. 7. 3,4.5. 9. 2,
ciköiteres 32. 11. 1,
zarazdäo 31. 1. 3, zarezdäcä 31. 12. 2 und
zarazdäitis 43. 11. 4,
778 Mayr.
zaranaema 28. 10. 1,
doVest 49. 2. 3,
neref9aiti 44. 3. 4,
neres 29. 9. 2, 33. 2. 2, 34. 2. 2, neräs 45. 7. 4,
fraoret s. var, •
f 96 rat US ist vielleicht hieher zu stellen,
berekhdäm 51. 27. 1.
Die indogermanische Wurzel mark vgl. Sanskrt marc,
marakaecä 31. 18. 3, marekhtaro 32. 13. 2, mareklishaite 51.
10. 1, meräshyät 45. 1. 4, merengdyäi 46. 11. 2, ni meräzhdyäi
44. 14. 3, vi-marencaite 31. 1. 2,
morend 32. 9. 1, 10- 1, 11. 1, 12. 2,
rany6-9keretim 44, 6. 5, 50. 2. 1,
var lautete im Zend wahrscheinlich vra varatä 30. 5. 1,
32. 12. 3, verenvaite 31. 17. 1, varente 51. 18. 2 verente 43.
16. 2, verene 46. 3. d, a-varetö 35. 1. 5, fraoret 30. 5. 3, fra-
varetä 31. 10. 1,
varana 45. 1. 5, 2, 4, varena 31. 11. 3, 48- 4- 3, 49. 3. 1,
hanare 31. 15. 2, 47. 5. 3,
häkurena 33. 9. 4, 44. 1. 4,
d nach r vielleicht in dakhshärä 43. 7. 4 und mazärayä
43. 12. 4,
e nach aufrt>- auslautenden Wörtern: ayare43. 2. 5,
avare 29. 11. 3. ädare 43. 18. 5, cäkhnare 44. 13.5, räzarc 34,
12. 1, vadare 32. 10- 3, vazdvare 31. 21. 3. 9aqäre 29. 4. 1,
6 nach r thwarozhdüni 29. 1- 1,
a nach sh in Inchoativ formen isha9oit 50. 2. 1,
isha9a9 51. 19. 2, folglich auch in isha9ä 31. 4. 2, wo eine
Silbe fehlt. (hisha9at? 32. 13. 1, vgl. 45. 4. 5.)
e nach sh aeshemem 49. 4. 1, 29, 1. 2, 2. 3 zaoshenu 51-
12. 3 vgl. vd. 7. 17. 2 zoishnuye.
Nach den Sanskrtformen apräksham, papraccha, prakshyati,
prashta, pra9ua zu schliessen (vgl, Fick. S. 127 prak) muss die-
selbe Wurzel im Zend pra9 und fra9 gelautet haben ; der Hilfs-
vocal steht denmach in pere9 fera9 "icht nach r, sondern nach
p. und f. pere9nianeng 30. 6. 2, per9aite 31. 12. 3, 13- 1, pere9ä
31, 14. 1, 15. 1, 16. 1, pere9atcä43. 7, 3, pere9acä 43. 10. 3,
in den ersten Zeilen y, 44. 1 — 19 und 44. 12. 2 tindet sich pere9ä
und pere9ä9 51. 5. 1, fera9äby6 29. 5. 2, fra9em Kg, fera9eui
K4, fera9im K5 43. 9. 3, fra9yä und K4, fra9yä 44. 13. 5.
Resultate der .Silbeiizählunj,'. 7 l *)
2. Die Frag-e, ob von den Kedactoren der garhäs diese Ililfs-
vocale wirklich g-esprochen wurden wie Schleicher Compen-
diuni §. 28 und Spiegel Anhang §. 14 annehmen, scheint zu
bejahen. Wie im Pali und Präkrt zur Erleichterung der Aus-
sprache bei zusammenstosscnden Consonanten in der Regel vor-
wärts, doch auch rückwärts wirkende Assirailatioji eintrat (Fr.
Müller Beiträge zur Kenntniss des Pali I. 12 und 111. 03;")) so
machte sich im Zend der Vocaleinschub geltend.
Dies geschah im Anlaut z. B. in daibisli, daibitim, ceraosha,
pere^, ferap, vgl. im Pali kilamati, giläna, hiri, palavati, suma-
rati zum sanskrt klamati, glana, hri, plavati, smarati (Fr. Müller
I. 30) und den Vocaleinschub in den Veden im Innern der
Wörter (Kuhn IV. 1 95) theilweise in Wörtern, wo später Vocal-
öchwund eingetreten, doch auch in andern ; höchst wahrschein-
lich liegen theils in der Volkssprache noch conservirte, theils
zur Erleichterung der Aussprache verwendete Vocale vor Im
Griechischen finden wir -apac7C7co neben 'p^^'/ßc^ '/ßkol'J. neben grando,
•/.:v{c neben ahd. hni^. Schleicher Compendiuni §. 43. 1. In r +
Cons. endenden Wm'zeln, z. B. arej, ared, gerez, zarazd, thware9,
mareüc, mared, mörend, vared, varez ; vgl. im Griechischen
CJpsYoj, aArcsivsc, 5oAt/ic;, -J-ajOäv, -/.sAey-ävoc, /.oaosgsc neben ipjAx,
oCk-pc sanskrt. dirghas, y]aOov s. kr9as ; mit langen Vocalen ipwB-.dc
aXwTT^; neben ardea, volpes. Schleicher ib. Zwischen dem Stannn
und den Endungen: padebis, mazibiS;, dregvodebis vgl. xjvss^i,
irihzüi und Schleichers Erklärung, es lägen Bildungen nach
Analogie der i Stämme vor. (§. 43. 1. Anm.)
In der Inchoativform ishacä vgl. aAiV/,o[Aa'., £up((jy.o), locoxov
etc. (Schleicher §. 193, griech. VI.)
Vor dem Suffix na z. B. cithena, varana, varena, vgl.
sanskrt varana, vor -ma in yöithema, aeshema.
Vor Verbalsuffixen z. B. va^emi, U9emahi vgl. svapimi etc.
Schleicher §. 15, Oppert §. 309 - yaoget cöret fröret, auch in
varente vereüte wenn nicht vrantc gesprochen wurde, w^o das
Suffix unmittelbar an die Wurzel trat wie z. B. in cöis, dörest.
und mraot: vgl. die 2. und 3. Conjunction im Sanskrt, den
Hilfsvocal in der 4. Form dos Aorist bei Oppert, z. B. anäishis,
änäishit, in äsit, äsvapat. Schleicher §. 15, Anmerkung.
Vor anlautendem r z. B. Wurzel rud, rup in urüdüyatä,
UV
ü])ayeiiiti;2vgl. iAayjJC, ipbpic^ s^^ß^?, ipvj-(tGfix;.
780 Mayr.
Vor V und vr im Anlaut, z. B. iirväza, urväta ; ähnliches
im griechischen iep^etv, Herr, neben sanskrt varj und varsh;
auch vor zwei Consonanten z. B. o^pi; Schleicher §. 43. 2.
Eine andere Analogie mit dem Griechischen bietet der
Halbvocal v.
Zur Zeit der Verfassung der gäthäs war dieser Laut,
wenn er dem Sibilanten s folgt, im Schwund begriffen ; noch als
Vocal gesprochen in qäthra qanvafit, schwankte die Aussprache
in hvare, qareta; während z. B. in qaetu das v nimmer ge-
sprochen wurde, wenigstens nicht als Vocal (vgl. jedoch sanskrt
setu). Für den gänzlichen Schwund desselben in der späteren
Sprache sprechen Formen wie fshefigh 31. 10. 2, 40. 9. 1,
cefigh 32. (^. 3, die zur Zeit der Verfassung der gathäs noch
fshueiigh und 9ue5gh gelesen wurden; ebenso qaetheSg 34. 12)
2 (vgl. cwosxa), das ebenfalls qaethueng gelesen wurde.
Im Griechischen sprach man (Schleicher §. ä45. 2 a und b,
ffiyao) cek^rrj, ceXac, k'kdrri, üttvoc, ifi'jq, sx'jpoq, oO, oi, e neben alt-
hochdeutsch swTgen sanskrt svar, svapnas, svädus, svä^uras (ge-
wöhnlich ^väcuras geschrieben), sva ohne v; es erhielt sich in
aifö? 5 anlautend in ßo'jAo;j.a'., dialectisch in lakonisch. ßepYOv, ßtosTv,
äolisch. ßptta, ßp6oov. Schleicher §. 14,5. 3. c Anmerkung. In
den gäthäs blieb das zur Zeit ihrer Abfassung als u gesprochene
V in der Form eines p und b (vgl. Schleicher §. 136. 3) in
zbä, huä gesprochen eig. hu nach der 10. Conjugation flectirt,
wie auch im späteren Sanskrt ausschliesslich geschieht, s. 33,
5. 1, 46. 14. 5, 49. 12. 1, 51. 10. 3,
33. 5. 1 |9raoshem zbayä avanhäne
46- 14. 5 teng zbayä | vanheus
49. 12. 1 1 zbayefite avanho
51. 10. 3 maibyö zbayä ashem
vgl. auch hizu oder hizva in hizuo-raitim ,50. 6. 3, hizuo-va^o
31. 19. 1 etc., das aber auch mit Halbvocal gesprochen wurde
z. B 46, 2. 2 hizvä ukhdhäisj;
in 9pem und appem 45. 9. 2 :
ye ne U9en | coret ppeficä appeiicä
1. 9uem a9uemcä mit Weglassuhg des ersten cä, wie 30. 3. 2,
s. D. 3. cä.
781
XIX. SITZUNG VOM 12. JULI 1871.
Dem corr. Mitgl. Herrn Prof. Conze wird eine Subven-
tion bewilligt zur Vorbereitung eines Werkes ,Römische Bild-
werke einheimischen Fundortes in Oesterreich^
An Druckschriften wurde vorgelegt:
American Journal of Science and Arts. Second Series. V0I. L. No. 148 —
150. 1870. Third Series. Vol. I. No. 1— fj. 1871. New Haven; 8«.
Gesellschaft, gelehrte estnische, zu Dorpat: Verhandlungen. VI. Band. 1.
und 2. Heft. Dori^at, 1870; 8". — Sitzungsberichte. 1869. Dorpat, 1870; 8^\
— Königl , für nordische Alterthumskunde : Aarboger. 1870. 2., 3., 4. Heft
n. Tillaeg; 1871. 1. Heft. Kjobenhavn; 8».
Hamelitz. Jahrgang 1871. Nr. 1 — iS. St. Petersbm-g; 4".
Peabody, Institute: IV^^e Annual Report. Baltimore, 1871; 8^'.
Sella, Quintino, Sülle condizioni dell' industria mineraria nell' isola di Sar-
degna. Relazione alla commissione Parlamentäre d'inchiesta. Firenze, 1871 ;
4'' und Querfolio.
XX. SITZUNG VOM 19. JULI 1871.
Das corr. Mitgl. Herr Prof. Wein hold in Kiel sendet
eine Abhandlung ,Die Polargegenden Europa's nach den Vor-
stellungen des deutschen Mittelalters^
Das w. Mitgl. Herr Dr. Pfizmaier legt vor eine Ab-
handlung: ,Zur Geschichte der Wunder in dem alten China^
782
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Accademia. R., Virgiliana di Mautova: Atti e Meniorie. Biennio 1869 — 70.
Mantova, 1871; gr. 8".
Gesellschaft, Anthropologische, in Wien: Mittheiluugeu. I. Band, Nr. 10.
Wien, 1871; 8".
— der Wissenscliaften , k. böhmische, zu Prag: Abhandlungen. VI. Folge, IV.
Band. Prag, 1871; 4«.
— Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. Prag; 8'\
— Zuklady. Oddil I— II. V Praze, 1865, 1866, 1867, 1868, 1870; Oddil III.
IV, a V., Hesit 1. 1871; 4".
Muse um- Verein, Siebenbürgischer: Jahrbücher. V. Band, 2. und 3. Heft.
Kronstadt, 1870 und 1871: 4».
Protokoll über die Verhandlungen der 47. General-Versammlung der Actionäre
der a. pr. Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Wien, 1871; 4".
Revue Scientifique de la France et de letranger et Revue Politique et lit-
teraire. 1'^''= Annee {2""' Serie.) No. 2. Paris et Bruxelles, 1871: 4".
Verein für die deutsche Nordpolftihrt : Berichte über die Sitzungen. FV.— XV.
Bremen, 1870 und 1871; 8»».
— Siebenbürgischer, für romanische Literatur und Cultur des romanischen
Volkes: Anulu IV. No. 13. Kronstadt, 1871; 4*^,
Weiiihold. Polaigegeiulou Europas. 783
Die Polargegendcn Europas iicxcli den Vorstellimgeii
des deutsclion Mittelalters.
Von
Dr. Karl Weinhold,
c. Mitgliede licr k. Akademit; der Wisseiiscliaften.
Indem ich mir die Aufg'abe setze, die Vorstclluug-en
unserer heidnischen und mittleren Zeiten von dem hohen Norden
darzulegen und die ältesten Entdeckt! ng-sfahrten germanischer
Männer in den nördlichen Meeren vorzuführen, g-laube ich mich
einem Geg-enstande zuzuwenden, welcher für die Geg-cnwart ein
besonderes Interesse bietet, da sie der Erforschung' der Nord-
polarg-cg-enden lebhafte Theilnahme widmet. Eine Darleg-ung-
der geographischen Kenntnisse der antiken Völker von dem
nördlichen Europa liegt meiner Arbeit ganz fern.
Die ältesten g-eog-raphischen Vorstellungen der Germanen
erscheinen in der Mythologie. An den Anfang der Dinge
setzten sie ein wüstes Nichts, nach skandinavischer Bezeich-
nung eine gähnende Kluft, gap ginnunga, aus der dann Licht
und Finsterniss, Wärme und Kälte sich schieden. Denn im
Norden bildete sich die kalte Nebelwclt Niflhcim , im Süden
die heisse Fcuerwelt Muspellheim. Mitton in Niflhcim springt
ein brausender Quell, hvergelmir, hervor, aus dem die zwölf
Sturmströme, die elivägar, hervorfliessen, welche jedoch durch
die Kälte in einiger Entfernung von dem Ursprung ej-starrten,
so dass sich Eis über Eis in ihnen auflhürmte. Durch die
784 Weinhold.
Funken, die aus Muspellheim heranflogen, schmolz das Eis und
es tropfte ein lebendes Wesen zusammen, Ymir oder Aurgelmir,
von dem das Rieseng-eschlecht stammt oder genauer das Volk
der Reifrieseu (hrim])ursar). Und als das Eis weiter tropfte,
entstund die Kuh Audhümla, welche aus den salzigen Eissteinen
das erste menschenartige Wesen, den Buri, herausleckte. Die
Enkel desselben sind Odin, Vili, Ve, die den Riesenvater
Ymir erschlugen und aus den Theilen seines Leibes die Erde
bildeten.
Diese Erde dachten sich die Germanen als runde Scheibe,
um welche das tiefe Meer fliesst. Die Küstenländer desselben,
den Utgard, bewohnen die Riesen; Ütgard heisst desshalb
auch Jotunheim , Riesenwelt. Die inneren Länder der Erd-
scheibe, der Midgard, sind den Menschen eingeräumt.
Auf dieser Erde bleiben die ältesten Theile der sich bil-
denden Weltordnung bestehen. Nur erscheint das Südtheil,
Muspellheira, als rein mythisches Reich der Feuerriesen, der
Muspellsöhne, und liegt den Nordmännern weit aus dem Sinne;
während Niflheim nicht blos die mythische Welt ist, wohin des
Donnergottes Riesenzüge gehen , sondern als ein wirkliches
Land im höchsten Norden oder Nordosten gedacht wird, das
auch für kühne Seefahrer zu erreichen ist. Von seiner Natur
verräth die Hymisquida einiges. An des Himmels Enden, öst-
lich von den Elivagar, wohnt Hymir, der Riese der Däm-
merung, zu dem der Donnerer fährt, Walhschci und die Welt-
schlange bei ihm angelt und ihm den meilentiefen Braukessel
entführt. Es ist ein Felsenland an oder in dem Meere, mit
Lavastrecken (hraun) und Eisbergen. Die Natur Islands ist
also auf das Riesenland übertragen und es läge nicht fern, eine
der heissen Quellen Islands als Vorbild des tiefen Kessels
(hverr, lögvellir) des Riesen zu muthmassen.
Nördlich oder östlich über den Elivagar liegt das Riesen-
land, wo Hymir wohnt und wohin Thor watet, um mit dem
Hrungnii- zu kämpfen. ' Dort ist des Himmels Ende und solche
Kälte herrscht da, dass dem Aurvandil, welchen der Donnerer
' Byr fyr ausfan eliväga huridviss Hymir ;it himins enda. Hymisqu. —
I'^örr sagfti henni pau tiilimti at hann hafdi vartit nordari yfir eliväga.
Sn. Edda 110. Rask.
rolargegendeii Europas. 780
im Korbe auf seinem Rücken über die Stuiinströme träg-t, die
Zehe erfriert, welche er aus dem Kurbe herausstreckt. Noch
in den jüngeren Sagas begegnet man dem Ausdruck nordwärts
um die Elivagar fahren für in die Riesenwelt reisen, so in der
Heidrekssaga, ' obschon dieselbe Jotuuheim in die nördliche
Finnmark setzt. Aber jene nördlichen Gegenden von Nor-
wegen, .Schweden und den Lappenländern verhiillt in den
späteren Sagas überhaupt der Schleier des IMärchcns, und so
überrascht es auch nicht, dass man in jüngerer Zeit den alt-
m}i;hischen Namen der elivagar auf den Einfluss des Eismeers
in das weisse Meer übertrug. - Wir werden Gelegenheit haben,
auf diese späteren Vorstellungen von dei- allgemein ostwärts
gedachten Riesenwelt zurückzukommen.''
Wenden wir uns aber von dieser mythischen Geographie
zu den geschichtlichen Nachrichten über unseren hohen Norden.
An die Spitze derselben würde Tacitus Mittheilung im 45.
Kapitel der Germania treten von dem trägen und fast be-
wegungslosen Meere nördlich der Schweden, welches den Ei'd-
kr(Ms uinschliesst und über dem die hellen Nächte liegen; das
Ende der Welt ist dort. Allein Tacitus scliiipft hier nicht aus
deutschen Quellen, sondern gibt, wie K. MüllenliotF nachwies, '
die dvirch Pytheas begründeten Vorstellungen der antiken Völker
wieder. Eine deutsche Fabel erscheint jedoch in der Angabe,^
dass die Nachbaren der Schweden, die Sitones, unter Weiber-
regiment stünden: denn kaum wird liierin die älteste Spur der
germanisclien Volksetymologie für den Finnenuamen Kainulaiset
als Quenen " zu verkennen sein.
Auf deutsche Quelle geht vielleicht auch die Nachiiciit
am Schluss der Germania über die fabelhaften Hellusii imd
Etiones (Oxiones) zurück, welche Menschenköpfe auf Thier-
leibei'ii tragen.
' Starkactr AIiuIipmot var fariiiii noi-itr uni olivaga. Heidrekssaga. 1.
2 Petersen Ilandbog i den ganmielnordiskc Geografi 1, 229,
•* Fara i austrveg, i austrvega heisst geradezu in die Riesenländer gehen.
* K. Müllenhoff, Deutsche Alterthumsknnde 1, 403 f. 422 f.
^ Germ. 45: Suionibus Sitonum gentes continuantur, cetera similes nno
diftcrunt quod feniina doniinatur.
'' Got. queneis, altn. quaenir. Frauen.
786 Weinhüld.
Soviel lässt sich uus diesen Stellen bei Tacitus folgern,
dass zu seiner Zeit die Deutschen sieh mit märchenhaften Be-
richten über die Völker des Nordens trug^en. Je innig-er damals
noch der Zusammenhang- zwischen ihnen und den skandinavi-
schen Vettern war, um so lebendig-er werden die Erzählungen
über die Wunder der eisigen Nebelwelt und das Aussenland
der Riesen auch zwischen" Rhein und Donau gepflegt wor-
den sein.
Leider versiegen nach Tacitus wieder die Quellen. Der
gelehrte Gote Jordanis führt zwar in seinem Geschichtsbuche '
eine lange Reihe Vcilkerschaften, germanische und finnische, in
Scandza auf. Allein man gewinnt kein Bild daraus, wie er
oder die Goten seiner Zeit sich den hohen Norden vor-
stellten.
Den ersten Reisebericht eines germanischeu Mannes über
eine Nordfahrt verdanken wir dem englischen König Alfred,
welcher die Erzählung des Norwegers Ottar (Ohthere) über
seine Entdeckungsreise in den Anfang der Uebersetzung des
Orosius einschaltete.'- Ottar, den seine Reiselust auch nach
England führte, sagte dem König, dass er in Halogaland am
nfirdlichsten von allen Norwegern wohne. Nordwärts von ihm
liege unbebautes weites Land; nur Finnen fänden sich an ein-
zelnen Orten, im Winter der Jagd wegen, im Sommer als
Fischer an den Küsten. Da habe es ihn einmal gereizt zu
untersuchen, wie weit gen Nord das Land reiche und ob
Menschen in der Wüstenei wohnten. Er habe ein Schiff aus-
gerüstet und sei an der Küste gen Norden hingefahren, ödes
Land steuerbord, die weite See backbord. Nach di"ei Tagen
kam er zu der nördlichsten Fangstelle der Waljäger. Darauf
segelte er weiter drei Tage nordwärts, bis das Land nach
Osten umbog oder die See bog landein. Er wusste nur, dass
er dort West- oder NordAvind erwartet habe und dann vier
' De rebus geticis oap. 8.
2 Den besten Text von Ottars Boricbt nacli noner Abschrift der Hand-
sclirift gab Rafn in den AntiqTiites rnsses II, 459 — 470. Unter den Er-
läutcrinigsselirifti'n zn Ottars Reise ist vorzüglich 7,n nennen Daldiiianns
Abliandlung in seinen l"\irscliiiiig('n auf dem Ocliiete der rjescliichtc F,
403— 45G.
Polargegenden Europas. 787
Tage läiig-s der Küste östlich g-efahi-en sei. I^ar.iuf liahe er
still jo-eleo-en , bis g-rader Nordwind kam , denn das Land zog'
sich nach Süden hinein. Fünf Tag-e sei ei- darauf g-esegelt und
dann zur Mündung- eines grossen Flusses gelang-t, in den er
sich aber nicht hinein wagte, weil das Land dicht bcAvohnt
war. Bis dorthin habe er al)er nur ödes Land am Steuerbord
gesehen, höchstens einige finnische Fischer, Vogelsteller und
Jäger.
Ottar war an die Küste der Perm (angelsächsisch Beormas)
gelangt und zwar an die Mündung der Dwina in das weisse
Meer. Seine Heimath wird in die Gegend der Insel Hindoe,
einer der Lofoddeuiuseln, gesetzt. Von da kam er in sechs
Tagen bis zum Nordkap, umschiffte dasselbe zuerst von allen
bekannten Männern und segelte dann in auffallend rascher
Fahrt binnen neun Tagen bis zu der Dwinamündung. Die
Stelle, wo er nach viertägiger Fahrt vom Nordkap aus auf
graden Nordwind wartete, wird in der Nähe des Varangerfiord
zu suchen sein.
Ottar gestand dem König Alfred ganz offen , dass ihn
mehr noch als die Entdeckungslust die Begier nach dem Fang
der Walrosse nordwärts getrieben habe, von denen die elfen-
beinartigen Zähne und die zu Schifftauen sehr bi'auchbare
Haut in hohem Werthe stunden. Mit den Perm verkehrte er
freundlich, obschon er ihnen nicht so weit traute, um in die
Dwina hineinzusegeln. Er schildert sie als zahlreiches Volk,
das sehr wenig Ackerbau und geringe Viehzucht treibe. Dir
Hanptbesitz seien die Rennthierheerden. Die Terfinnen seien
den Perm zinspflichtig und leisteten die Abgaben in Fellen,
Federn, Walfischknochen und Tauen aus Wal- und Seehunds-
haut. Ottar erkannte die Spi'ach Verwandtschaft der Perm utul
der Finnen.
Diese Perm^ wie Nestor in seiner russischen Chronik '
den Volksnamen gibt, den die Skandinavier als Biarmai', die
Angelsachsen als Beormas formen, waren ein Thcil des finnisch-
karelischen Volksstammes '^ und hatten am weissen Meere ein
' Cnj). 1. 7.
^ Tliomsoii über den Ehifluss der gonuani.sclinn Spniclioii ;m( dif fiiinisi-li-
l.ippisdicii. ITebersotzt von E. Sicvers. TTjtlle 1870. S. 12.
788 Weinhold.
blühendes Reich aii%erichtet , welches das Ziel vieler beute-
und abenteuerlustig-er Norweg'er g'eworden ist, wie die Sagas
erzählen. Schon im Anfang- des zwölften Jahrhunderts wurden
die Perm nebst ihren Nachbaren den Russen zinspflichtig. Im
vierzehnten Jahrhundert wurden sie bekehrt und im fünfzehnten
zusammen mit Nowgorod dem Grossfürsten von Moskau unter-
worfen. ' Die alten Perm sind seitdem theils ausgew^andert,
theils in den Russen untergegangen. Ilir Name ist auf eine
andere Völkerschaft übertragen.
Ottars Reisebericht ist auffallend nüchtern und bescheiden.
Sofern aus Alfreds Niederschrift ein Schluss erlaubt ist, gab
er einfach Richtung und Zeit seiner Entdeckungsfahrt an, ohne
sie mit Schiffermärchen zu verzieren. Was er von den Beormas
mittheilt, zeigt ebensowenig abenteuerliche Farben, wie seine
Angaben über nichtgermanische skandinavische Stämme, z. B.
die Cwenas. Er ist so knapp, dass das sogar bedenklich er-
schien und manche seiner Erklärer ihre Verw^underung nicht
unterdrückten, dass er z. B. von dem Nordlicht und der Mit-
sommersonne kein Wort erwähnte. Allein ihm, dem Bew^ohner
hochnordischen Landes , war dies jedenfalls nichts besonders
wunderbares. Augenscheinlich ein kühner unternehmungslustiger
Handelsmann, kümmerte ihn abenteuerliche Waare und Natur-
beobachtung wenig.
Etwas später als Ottar das Nordkap umsegelte und Berm-
land fand, entdeckte der Schwede Gardar, um 860, Island; die
Bebauung desselben beginnt 874 mit den Norwegern Ingolf und
Leif. •^ Um 877 fand der Norweger Gunnbiörn Ulfsson die
grönländische Küste ; Ansiedelungen daselbst beginnen aber erst
seit 986 durch auswandernde oder flüchtende Isländer. Um 983
wird Ari Marsson vom Sturm an die amerikanische Küste ver-
schlagen; allein erst im Beginne des elften Jahrhunderts wird
Weinland, wie die Isländer Nordamerika nannten, durch Thor-
finn von Grönland aus besiedelt.
' Nestors lussiske Krönlke, oversat og forklaret ved C. W. Smith. Köbenh.
1869. S. 192.
2 Vgl. die Zeittafel iu Ares Isländcrbuch, hcrausgeg. von Tiieodor Möbius.
Leipz. I8fi9. S. 35. f.
Polargegenden Europas. 789
So thut sich der Norden den skandinavischen Germanen
mehr und mehr auf. Indessen die häufigen gefährlichen Fahrten
in den Pohirgegenden von Grönhiud und Island bis zu dem
weissen Meere hin geben aucli zu vielen Abenteuern Anlass,
imd wo keine erlebt werden , ertindet sie die Phantasie. Wo
die nordische Einbildungskraft nicht zureicht, stellt sich die
Gelehrsamkeit ein, schlägt die alten Fabeln von den Völkern
im Süden und Osten nach, und die nordischen Länder be-
völkern sich rasch. Mythische Vorstellungen flechten sich ein,
und sieh! die wundersamsten Berichte sind fertig, welche
der Däne und Norweger ebenso gläubig aufnahm, als der
Sachse.
Ein Muster gibt der gelehrte Domscholastikus von Bremen,
Meister Adam, der berühmte Verfasser der hamburgischen
Kirchengeschichte (Gesta hamaburgensis ecclesiae pontificum),
die er nach ausgedehnten Vorarbeiten bald nach dem Tode
seines Gönners, des Erzbischofs Adalbert (f 1072), begann. So
wichtig und bedeutend auch seine Mittheiluugen über die nor-
dische Geschichte sind, so unkritisch erweist er sich als Geo-
graph, indem er ohne weiteres seine Lesefrüchte, namentlich
aus dem Polyhistor des C Julius Solinus, verwendet und die
sonst woher empfangenen Nachrichten dadurch mit höchster
Naivetät aufputzt.
Das vierte Buch seines Werkes ist der Beschreibung der
Inseln des Nordens gewidmet. Für unsern Zweck heben wir
folgendes heraus.
Das baltische Meer führt seinen Namen davon, dass es sich
gürtelförmig ' durch die skythischen Länder bis Griechenland
erstreckt. Im Norden bespült es die Orkaden und breitet sich
dann zum erdumgürtenden Ocean aus. Links liegt Island,
rechts Norwegen, weiter im Norden Island und Grönland. Dort
ist das Ende des Finstermeers, ^ d. i. jenes Meeres, über dem
lichtloser Nebel lagert und das in der altgermanischen Vor-
stellung von Niflheim uns schon erschien.
' Sinus illc ab iucolis appellatur balticus co quod in nioduni baltei longo
tractu per scithicas regiones tendatiu' usqno in Greciam, Adanii gcsta IV, lO.
- Ibi tenninat occaniis qui difitur t-aligaiis, ebd.
Sitzb. (1. iihil.-hist. <J1. LXVUI. VA. IV. Ilft. 51
790 Weinhold.
Ueber die Ausdehnung- und Umg-ebung des baltischen
Meeres hatten nacli Adams von Bremen Worten besonders die
külmeu Entdeckungsfahrten des Dänen Ulf Jarl des Gallizier
und des norwegischen Königs Harald Hardradi ' Licht ver-
breitet. Allein wie trübe unserm g'elehrten Scholastikus dieses
Licht schien, zeig-en seine Mittheilungen , die wahres vmd
märchenhaftes bunt vermeng-en. So weiss er über die Samen
oder Preussen gut Bescheid; Aestland aber macht er zu einer
Insel, auf der göttlich verehrten Drachen Menschen zum Opfer
g-ebracht werden, die von Kaufleuten eingehandelt werden und
ohne Fehl an ihrem Leibe sein müssen (IV, 17).
Noch andere Inseln liegen in dem baltischen Meere
mit wilden Bewohnern, die alle Seefahrer desshalb meiden
(IV, 18).
In dem Frauenlande, das nicht weit von Aestland liegt,
leben nach dem Gerücht die Amazonen. Unter den Meinungen
über die Fortpflanzung des Völkchens entscheidet sich Adam
dafür, da SS sie durch Verbindung mit den dort nicht seltenen
Ung-ethümen geschehe. Die männlichen Kinder der Amazonen
werden Hundsköpfe (cynocephali), die weiblichen schöne Mäd-
chen. Die Hundsköpfe haben den Kopf auf der Brust und
bellen statt zu sprechen; man kann sie als Gefangene auf den
russischen Märkten sehen. In jenen Gegenden leben auch die
Alani oder Albani, mit ihrem eigenen Namen die Wizzi, die
mit weissem Haare geboren werden, grausame Menschenfresser,
mit Hunden, die zur Menschenhetze abgerichtet sind. — Ferner
wohnen da die grünlich bleichen, langlebigen Husi und die
Authropophagen. Was sonst von den Schiflfern über die Un-
geheuer jener Länder erzählt wird, hält Adam für weniger
glaubwürdig (IV, 19).
Die Bestandtheile , aus denen Adam diese Fabeln zu-
sammcngebi-aut hat, lassen sich leicht erkennen. Wie so häufig
' In dem G;inuz Wolf, satrapa Danornm Adams (IV, 11) ist wohl ohne
Zweifel Miit Rafn (Grönlands Mindesmärker III, 416) der bekannte Ulf :
iarl zn sehen, welcher von seinen Wikingzügen in die spanische See den
NannMi Onllizn-Ulfr (bei Saxf> gi-anim. Hb. XIT. TTlvo gallitianns) führte.
Von dem Ilaroldns rex Nordmaniiornm Adams, d. i. Harald Hardradi
(t 10()6) weiss man nnr, dass er SchitVc nach Island scliiekto, niolit dass
er selbst eine Nordfahrt nnternahm.
Polargegenden Europas. 791
im Mittelalter beg-egnet, haben ihn das Gelüst, klassische Ge-
lehrsajnkeit zu zeigen und falsche Naniendeutungen verführt.
Die Amazonen treten auf, weil sie ein hochberühmtes Wunder-
volk sind und die altgermanische Etymologie- des Finnennamen
Kainulaiset aus quaenir, Frauen, fortwirkte. Adam weiss zwar,
dass Finnland nicht weit von Schweden liegt, allein er kann
doch nicht umhin, die Amazonen dahin zu versetzen.
1 Die Hundsköpfe entlehnt er aus Solin, der die cynocephali
I nach Plinius als ein äthiopisches wildes Affenvolk schildert
und an einer andern Stelle von einem indischen hundsköpfigeu
Bergvolke erzählt, das nicht spricht, sondern bellt. ' Unmittel-
I bar darauf erzählt Solin, dass die Kinder dieses Volkes gleicli
I nach der Geburt weissgrau würden , und dadurch wird Adam
i an seine Lesefrucht über die Albani erinnert , welche Solin -
I nach Plinius als hundezüchtendes Kakerlakenvolk beschreibt.
Er etymologisirt jedoch dabei, schlägt einmal die ähnlich
klingenden Alani an, und übersetzt zweitens Albani durch Wizzi,
' was ihn zur Deutelei mit Witland, dem alten Namen des
aistisch-preussischen Bernsteinlandes, verlockt. Wie er aber
dazu kommt, die langlebigen Aethiopen •' unter dem Namen der
bleichen Husi in die Nachbarschaft jener wilden Albinos zu
versetzen, ist mir dunkel.
Bei diesen ungeheuerlichen Völkern konnte er der Anthro-
pophagen nicht vergessen,^ von denen die alte Welt allzuviel
^ C. Jnlü Solini cnllectanen i'pnini meniorabilium. Recogn. Tli. Mommsen.
143, 10. '207, 27.
2 Ebd. 93, 4.
3 Solin 147, 14 über die Maorobii Aethiopes. — Isidor urigin. XI, 3 führt
die ;xa/.pö[jtoi als ein indisches Riesenvolk auf.
^ Adam bezeichnete schon im vorausgehenden die Alani vel Albani als
crudelissimi ambrones, d. i. als Menschenfresser, wie wir ans der notker-
schen Uebersetznng der nnpt. phil. des Marc. Capella lernen: irbämnde
dia unera dero raanezon, ambroniini jiroinens j)udiirt'm, wn/.n die Glosse des
Uebersetzers : cibiis heizet grece brosis, daiiiiaii sint ambrones kenainot;
die heizent onch antropofagi, daz chit commessores hdniinnin, in Scithia
gesezzene. Sie ezent nalites, tes sie sih tages scamen niugcn, also man
chit taz onh hazessa liier in lande tuen (Graffs Ausg. 8.')). — Wie der
Name des gerinanisclien mit Cimbern und Teutonen auftretenden Volkes
der Anibronen zu diesei- prädicativen liedeutung kam, ergibt sich ans
Festus de signif. verbor. Anibj-oues fuerunt gens <(uaedani gaiiica qui
51*
792 Weinhold.
wusste. Auch deutsche Schiffer erzählten von menschentödtenden
oder gar menschenfressenden Völkerschaften.
Was Adam über die Ostvölker des baltischen Meeres
weiss, wiederholt er zum Theil bei der Beschreibung von
Schweden und Norwegen. Er lässt Schweden östlich an die
riphäischen Berge grenzen, die er als wüstes schneereiches
Gebirge beschreibt, bewohnt von menschenfeindlichen Völkern.
Und wie Solin zwischen die riphäischen Berge und das kas-
pische Meer die Kimmerier und Amazonen setzt, so nennt auch
Adam von Bremen die Amazonen in seinem riphäischen Ge-
birge und kann es nicht unterlassen, die Cynocephali und
Anthropophagi abermals zu verwenden, ausserdem aber auch
die Cyclopen und die auf einem Beine springenden Himanto-
poden Solins hier anzusiedeln. Daneben erzählt er jedoch, auf
seinen mündlichen Gewährsmann, König Svein Estridson von
Dänemark, gestützt, von den Lappen ganz richtiges, wie sie
klein, kräftig und behende schaarenweise aus ihren Bergen in
die schwedischen Ebenen einfallen und nur mit Aufbietung
aller Kräfte zurückgewiesen werden können (IV, 25).
Die Norweger rühmt Adam als ein schlichtes, tüchtiges,
frommes Hirtenvolk, das seit- der Bekehrung zum Christenthum
die Raubzüge zur See aufgab. Selbst die Vornehmsten lebten
hier von Viehzucht und der Hände Arbeit. Im höchsten Norden
aber sitze ein heidnisches Zaubervolk, welches wisse, was von
jedem Menschen auf der Erde geschehe und das so kräftige
Sprüche und Sagen kenne, dass gewaltige Walfische dadurch
auf den Strand liefen. In den rauhen Gebirgen sollen a^lch
i)ärtige Weiber leben und zuweilen Waldmenschen gesehen
werden, die in Felle gekleidet sind und eine knirschende un-
verständliche Sprache reden. Es sind die Skridfinnen, von
denen Adam gleich darauf erzählt, dass sie ohne Schnee nicht
subita innnclatiouc maris cum amisissent sedes suas, rapini.s et praeda-
tionibus se .suusque alere coepeniiit — ex quo tractum est iit tiirpis vitae
homines Ambrones dicercntur. Daraus ist dann die Isidorsche Glosse
hei-vorgegangen Ambro devorator, consnmptor patrimoniorum, decoctor,
luxuriosus, profnsus, welche \vieder die Grundlage für die notkersche
Glosse eouiniessor honiinuni ist.
Polargegenden Europas. 793
)
lcl)cn kümicn und öcluicller \vio die wilden Thiere übei- die
Sclmeeberg-e fahren (IV, 30. 31).
Nördlich von Norweg-en ist nichts als das furchtbare un-
endliche Meer, welches die g-anze Erde unis])annt (IV, 34). Ein
anderer als Adam hat hier beig-efügt, dass über die britische
See , die Dänemark und Norweg-en bespült , von den Schiffern
viel wunderbares erzählt wird, so, dass die See um die Orkaden
geronnen und so dick salzig ist, dass die Schiffe nur vom
Sturm g-etrieben sich bewegen können, daher auch dieses Meer
auf deutsch die Liberse ■ heissß. Ein fast gleichzeitiges deut-
sches, leider nur in Bruchstücken erhaltenes Gedicht, das Hoff-
mann von Fallersleben Merigarto taufte, weiss auch von diesem
lebirmere : ^
De lebirmere.
Ein mere ist giliberot
in demo wentilmere westerot.
so der starche Avint
gi wirffit dei skef in den sint,
nimagin die biderbin vergin
sih des nicht irw ergin
sini muozzin folevaran
unz in des meris parm.
ah ■ ah denne !
so ni chomint sji danne.
sini welle got loson,
so muozzin si da fulon.
Die Vorstellung dieses unschiffbaren, starren und finstern
Meeres war in dem elften und den folgenden Jahrhunderten
bei uns so lebendig, dass bei Schilderung der abenteuer-
lichen Fahrt des Herzogs Ernst im Orient auch das Leber-
meer nicht fehlen durfte. Es ist aber keine ursprünglich
deutsche Erfindung, sondern aus gelehrten Quellen, hauptsäch-
* liberen, leb(^reii, liefen^ii, gerinnen, Fundgr. 1, '^Hl. Frisch 1, 5'J2. tjis.
— nd. libberig, klebricht süss — nl. libbe: Lab, Mittel die Milch ge-
rinnen zu machen.
- lebermeri, mare mortuum, Trier. Gl. (Hoffmanu S, 9) Heinric. suinmar
Miincli. Hs., libermere Wiener IIs. Diiit. 'S, •J45.
794 Weinhoia.
lieh dem vielgelesenen Solin, jener Zeit zugekommen. Zurück-
verfolg-en lässt es sich bis zu Pytheas von Massilien, welcher
wahrscheinlich britische Gewährsmänner hatte. ^
Adam erzählt hierauf noch von den Inseln Thyle, Grön-
land , Halogland und Weinland (IV, 35). Thjle heisse nach
dem Eise im Meere auch Island. Das Eis sei von dem Alter
so schwarz und trocken geworden, dass es brenne. Auch dieses
Märchen begegnet in jenem deutschen Gedichtfragment und
noch sonst in der Zeit.- — Grönland führt nach Adam seinen
Namen, weil die I^eute dort von dem Meere dunkelgrün aus-
sehen. Es sind übrigens schlimme Seeräuber (IV, 36). Halag-
land hält Adam auffallender Weise für eine Insel, was ein
Glossator bescheiden berichtigt (IV, 37). Ebenso ist unser
Domscholastikus von der Lage Weinlands sehr ungenügend
unterrichtet, obschon er durch Dänen von der üppigen Frucht-
barkeit des trefflichen Wein erzeugenden I^andes erzählen
hörte. Hinter Weinland gibt es kein bewohntes Stück Erde
mehr, sondern Eis und Nacht füllen alles. Dort am Ende der
Welt gähnt ein furchtbarer Strudel (IV,
Am lebendigsten erfahren wir von diesem durch den
Bericht über die Entdeckungsreise edler Friesen zur Zeit
des Erzbischofs Alebrand von Hamburg - Bremen (1035 — 45),
welchen Adam seinem Gönner Adalbert selbst verdankte (IV,
39. 40).
Jene Herren wollten untersuchen, ob es wahr sei, dass
von der Wesermüudung gerade nach Norden hin kein Land
liege. Mit mehreren Schiffen stachen sie von Bremen in
See, steuerten auf Dänemark, dann auf Britannien und gelangten
zu den Orkaden. Diese links und Norwegen rechts lassend,
landeten sie nach langer Fahrt an Island. Darauf steuerten
sie nach Norden und gerieten plötzlich in das dicke I'inster-
meer. ^ Da ergriff die verzweifelnden eine heftige Strömung,
die zu jenem tiefen Schlünde hintrieb, in den alle Wasser des
1 Müllenhoflf Deutsche Alterthumskunde 1, 410 — 420. MüUenhoff u. Scherer
Denkmäler deutscher Poesie und Prosa 348.
' MüUenhoff und Scherer 350.
^ Subito collapsi sunt in illam tenebrosam rigentis oceani caliginem, quae
vix oculis penetrari valerot.
Polarge{?endeii Europas. 70;"»
Meeres liinabi^'cschlürft und woraus sie wieder lierausüfeworten
worden, der Grund von Fluth und Ebbe. Peinige ilirer Fahr-
zeug-e wurden hinunterg'erissen iind g-injuen verletzen; die andern
warf der Rückfluss der Wasser zurück und mit Anstrengung
aller Ruder entkamen sie dem Untergänge. Unverhofft fanden
sie hiernach eine Insel, die einer Stadt gleich mit- hoher Felsen-
maucr umzogen war. Sie landen, troffen Niemanden, aber vor
den Eingängen unterirdischer Hr)hlen stehen viele Gefässe von
Gold und edelm Erz. Erfreut über solche Schätze, schleppen
die Schiffer fort soviel sie können. Hinter ihnen hei- aber
stürzen Riesen mit uugeheuern Hunden , die einen Friesen
fangen und zerreissen. Die andern retten sich unter dem Ge-
brüll der Riesen auf die Schiffe. Nach solchen Abenteuern
gelangen die Seefahrer glücklich nach Bremen heim und bringen
Christo und dem h. Willehad ihr Dankopfer.
Zwei Erzbischöfe sind die Gewährsmänner dieses Reise-
berichts, und der gelehrte Domscholastikus nimmt ihn in
sein Geschichtsbuch auf. Man glaubte also in den nord-
deutschen Seestädten im elften Jahrhundert ehrlich solchen
Erzählungen.
Besonders beachtenswerth ist, dass unsere Seeleute und
auch die gebildetsten Deutschen jener Zeit Ebbe und Fluth
sich durch die Wirkung eines Ungeheuern wasserverschlingendeu
und wasserspeienden Strudels im Polarmeer deuteten, während
bereits die Phönizier und seit Pytheas auch die Griechen
den Mond als Ursache der wunderbaren Erscheinung erkannt
hatten. '
Jene friesischen Edeln fanden diesen Strudel nördlich von
Island, nachdem sie in eine starre und finstere See gerathen
waren. Wir dürfen sie nun hier keineswegs Märchenerzähler
schelten : denn an der Ostküste Grönlands strömt noch heute
ein sehr starker Malstrom voll gewaltiger Eisschollen, von den
Dänen lissvälg im 18. Jahrhundert genannt,'- zu deutsch Eis-
' MüUenhotf Altertlumiskiinde 1, MM ff. — In (U-ni wunderlichen j,'elehrten
Buche Der Königspiegel, welches nach Anfang des l;-!. Jalirli. in Norwegen
verfasst ist, findet sich Cap. 6 eine Berechnung von Fluth und Ehbe,
die mit dem Laufe von Sonne und Mond in Verbindung gesetzt wird.
2 Grönlands historiske Mindesmärker. KiJ'.benh. 1845. III. -226. 2H2. 421.
70() Weinhold.
schwelg-, der die SchifFahrt durch das g-anze Jahr höchst g-e-
föhrlich macht und oft ganz unterbiicht. Eine niittehTlterliche
Beschreibung Grönlands ' kennt ihn unter dem Namen hafhverf,
Meerstrudel, und die Annahme bietet sich von selbst, dass die
Bremer Polarfahrer in diesen eistreibenden Malstrom, den
heutige Gelehrte einem schwimmenden Gletscher verg-leichen,
in nebligem Wetter g-erieten und g-anz ehrlich von den er-
littenen Gefahren erzählten. Der mächtige Strom schien zu-
gleich die Erklärung" von Fluth und Ebbe zu g-eben, und da
in dem nordg-ermanischen Meer an verschiedenen Stellen auch
der Golfstrom seine Gewalt kundgab , so glaubte man damals
allgemein darin den Grund jener wunderbaren Erscheinung
sehen zu dürfen.
Weniger Begründung lässt sich für das zweite Abenteuer
jener Friesen linden. Hier ist irgend eine Begebenheit, die
ihnen durch die Habsucht ihrer Matrosen widerfuhr, mit Hilfe
des Glaubens an die Riesen des Nordens ausgeschmückt. Die
Beschreibung der felsigen Höhlenstadt mit ihren Kostbarkeiten
erinnert zugleich an jene mythische Nordfahrt König Gorms
von Dänemark, welcher unter Führung Thorkills die Insel
Geruths kennen lernen wollte; die Riesen mit den Hunden
lassen an die Albani (Adam IV, 19) denken.
Saxo Grammaticus, der ungefähr hundert Jahre nach
Adam von Bremen seine dänische Geschichte schrieb , erzählt
jene wundersame Fahrt König Gorms. ^
Der Isländer Thorkill hatte dem König Gorm von den
Wundern bei Geruth erzählt und übernahm die Ausrüstimg
und Leitung der Unternehmung, welche der König dorthin be-
schloss. Auf drei besonders stark gebauten, mit Rindshäuten
bedeckten Schiffen, jedes mit hundert Mann besetzt, stachen
sie in See. Nördlich von Halogland verliess sie der günstige
Wind. Richtungslos trieben sie umher; die reichlichen Vor-
räthe an Lebensmitteln waren bis auf das Mehl zu Brei schon
aufgezehrt. Da hören sie endlich die Brandung an dem Ufer
einer Insel rauschen und sehen Rinderheerden am Ufer weiden.
1 Nachdem die Handschrift verloren ist, durcli Biörn Johnsens Grönlands
Annaler erhalten, abgedruckt a. a. 0. 2 20.
- Saxonis grammatici historia danica. receus. P. E. Müller 1, 420 — 433.
,1 PolargegendiMi Europas. 797
Tliorkill verbietet aber aufs streni''ste, auch nur ein Stück zu
! tödten, weil die Geister des Landes ' sonst die Rückkclir ver-
weig'crn würden. Allein er findet bei den hung-erndcn keinen
Gehorsam und die Schiffe werden mit Fleischvorräthen g-efüllt.
Da kommen in der Nacht Ung-cheucr an den Strand und das
j grösste von ihnen watet mit g-ewaltig-er Keule zu den Schiffen.
Es verkündet, dass sie nicht eher loskommen würden, bis sie
zur Busse von jedem Fahrzeug-e ein Opfer g-eg-eben hätten.
Thorkill lässt darauf die drei Männer auslosen, welche den
Landg-eistern g-eopfert werden.
Mit g-ünstig-em Winde seg-eln sie nun bis zu dem äussern
Biarmland, worin die Stadt Geruths lieg-t. Es ist ein Land mit
' ewigem Schnee, reich an undurchdringlichen Wäldern und
brausenden Flüssen. Sie landen und Thorkill befiehlt, sich mit
den Leuten dort iu kein Gespräch einzulassen , sondern zu
schweig-en, weil reden Gefahr bring-e. Er allein dürfe wagen
zu sprechen, da er die dortigen Sitten kenne. In der Däm-
merung kommt ein ungewöhnlich grosser Mann, Guthmund, der
Bruder Geruths, welcher den Fremden freundlich ist. Er ladet
die Ankömmlinge zu sich und auf Wagen fahren sie mit ihm.
I Sie gelangen zu einem Flusse, über den eine goldene Brücke
führt, und als einige Lust haben, auf derselben hinüber
zu schreiten, hält Thorkill sie ab: Sterbliche düi'ften da
nicht hinüber, der Fluss scheide das menschliche von dem
geisterhaften.
Guthmund wohnt auf diesseitigem Ufer. Thorkill ernuihnt
die seinen, von den Speisen und Getränken nichts zu geniessen,
i auch jede Berührung und Gemeinschaft mit den Leuten dort
: zu vermeiden. Sie sollen von ihrem mitgebrachten Vorrathe
geniessen, denn aessen und tränken sie von dort, so verlören sie
alle Erinnerung an früheres und müssten hierbleiben. Thorkill
findet Entschuldigungen für ihre Scheu vor der Bewirtung,
j allein es kommt eine stärkere Verlockung. Zwölf schone Söhne
' und ebenso viel reizende Töchter Guthmunds stehen um d(>n
Tisch, und Guthmund bietet dem König Gorm das i-eizendsto
Mädchen zum Weibe an. Die übriycn könnten sich aus den
' Diese deos loci praesides hat schon Müller in die landvaettir der Sagas
zurückübersetzt.
798 Weinhold.
Mäg-deii auswählen, welche ihnen am besten geiielen. Vier
Dänen lassen sich vei'leiten, welche es mit dem Verlust ihrer
Besinnung und Erinnerung büssen müssen.
Als Guthmund darauf noch zum Besuch seiner Gärten
mit schönem Obst einladet, dringt Thorkill auf schleunige Ab-
reise, in die Guthmund willigen muss. Er setzt sie nun über
den Strom und harrt dort ihrer Rückkehr.
Sie wandern fort und sehen bald eine düstere hässliche
Stadt, die von fern wie eine dunstige Wolke erscheint. Sie
ist von Pfahlwerk umzogen , worauf Menschenköpfe stecken ;
wüthende Hunde vertheidigen die Thore, welche durch vorge-
worfene, fettbeschmierte Hörner von Thorkill besänftigt werden.
Sie steigen darauf durch die offenen oberen Thorflügel in die
Stadt. Dunkele ungestalte Gespenster läi'men durch die Strassen,
welche von Schmutz und Stank voll sind. Sie gelangen end-
lich zu einem Felsen, der Burg des Geruth. Thorkill ermahnt
seine Gefährten, muthig in die Höhle hineinzugehen, aber nichts
anzurühren, denn die Hände würden unlösbar haften bleiben.
Zu zweien. Broder und Buchi voran, dann Gorm und Thorkill,
und so die übrigen, gehen sie hinein. Der innere Raum ist
voll Russ, Schlamm und Stank, das Dach ist mit Spiessen ge-
deckt, Nattern sind auf das Fletz gestreut; bleiche Gespenster
sitzen auf eisernen Bänken, die durch bleierne Zwischenwände
geschieden werden. Auf den Thürschwellen stehen Thürhüter
mit Knüttelbündeln und Ziegenfellen, die sie schütteln. Weiter
schreitend erblicken sie einen Fels, durch den ein Loch ge-
brochen ist und gerade dahinter einen Greis mit durchschossenem
Leibe. Daneben liegen drei aufgedunsene Weiber, anscheinend
mit gebrochenem Rücken. Thorkill erklärt den Gefährten, es
sei Geruth, dem Thor mit seinem Wetterstahl die Brust durch-
bohrte, und auch die drei Weiber habe er mit dem Blitz für
ihren Frevel gestraft.
Sie gehen weiter und konunen zu sieben Fässern mit
goldenen Reifen, von denen silberne Ringe hangen. Daneben
liegt ein seltener Thierzahn, an der Spitze mit Gold beschlagen,
ein ungeheures Gazellenhorn , mit künstlicher Erzarbeit aus
edeln Steinen geziert, und ein sehr schwerer Armreif. Als aber
voll Gier einige der Gefährten nach diesen Kostbarkeiten greifen,
wird der Reif zur Schlange, das Hörn zum Drachen, der Zahn
Polargegenden Europaf<. 799
zuiii Schwert und tödten die Räuber. Erschreckt treten sie
darauf in eine Schatz- und Rüstkammer. Hier vermag aber
selbst Thorkill der Lockung' nicht zu widerstehen, die ein
Königsmantel mit Hut und Gürtel auf ihn übt. Er streckt die
Hand darnach aus; da erbebt der Raum, Weibergeheul erhebt
sich und die Gespenster stürzen sich auf die Schaar. Broder
und Buchi, die sich auf solche Dinge verstehen, schleudern
was sie erraffen können, Spiesse, Pfeile, Steine, gegen die
Geister, allein nur zwanzig Dänen retten sich, die anderen
werden zerrissen. Der kleine Rest verlässt nun eilig (xeruths
Burg und kommt zu jenem Grenzfluss zurück , wo Guthnuind
ihrer harrt und sie Avieder übersetzt. Er kann sie aber nicht
lange in seinem Hause halten und entlässt sie reich beschenkt.
Da vergisst Buchi seine standhafte Männlichkeit und bezaubert
von einer Tochter Guthmunds freit er um sie. Seine Erinnerung
schwindet sofort und als er den König Gorm beim Abschied
begleitet und mit seinem Wagen durch eine Furt fährt, ver-
schlingen ihn die Wasser. Die Rückfahrt Gorms ist noch durch
allerlei Gefahren und Nöte erschwert. Erst als sie dem
Utgarthiloki geopfert haben , erreichen sie die Heimat
wieder.
In späteren Zeiten, da Gorm ein Greis geworden, will er
sich über den Zustand der Seelen nach dem Tode unterrichten
und beschliesst desshalb den Thorkill zu Utgarthiloki zu
schicken. Auf einem mit Speisen reich versehenen, mit Rinds-
häuten oben geschützten Schiffe geht dieser zu der gefährlichen
Unternehmung ab. Er gelangt in die Gegend der gänzlichen
Finsterniss, das Holz und die Speisen gehen aus, Krankheiten
befallen das Schiffsvolk. Endlich sehen sie von weiten ein
Licht. Thorkill geht an Land, nachdem er auf der IMastspitze
einen leuchtenden Edelstein befestigte, um die Rückkehr zu
finden. Er kommt zu einer Höhle, an deren Eingang er die
mitgenommenen Leute warten lässt. Darin trifft er zwei unge-
heure schwarze Gespenster ' ein Feuer schürend , die ihm den
weiteren Weg anzeigen, nachdem er ihnen drei Sprüche gesagt
hat, die sie als wahr anerkennen. Vier Tage würde er ange-
strengt rudern müssen , dann werde er zu einem ganz dürren
duos eximiae grandidatis aquilos.
800 W e i n h 0 1 d.
und Unstern Orte gelangen, wo er den Utgarthiloki in seiner
Höhle finden werde. Feuer erhält Thorkill erst nach drei an-
dern iSprüchen. Nach viertägiger Fahrt kommt er dann zu
einem stockfinstern Lande. Mit Mühe findet er einen gewaltigen
Felsen und entdeckt, nachdem er zum Schutz gegen die Geister
aus Kieseln Feuer geschlagen, den Eingang der Höhle. Diese
ist wie jene Burg des Geruth. Thorkill durchschreitet mit
seinen Gefährten einen sandigen Fluss, gelangt in eine tiefer
liegende Höhle und von hier in einen finsteren Raum, worin
Utgarthiloki an Händen und Füssen gefesselt liegt. Gleich
hörnernen Spiessen starren die Barthaare von ihm. Zum Wahr-
zeichen reisst ihm Thorkill eins aus, worauf solcher Gestank
sich verbreitet, dass sie kaum athmen können und dem Aus-
gang zueilen. Von allen Seiten speien nun Schlangen ihren
Eiter auf sie, von dem alle bis auf fünf getödtet werden. Bis
auf das Schiff wird Thorkill mit seinem kleinen Rest von
wüthenden giftspeienden Gespenstern verfolgt, und drei werden
noch getödtet oder verletzt. Ganz unkenntlich geworden konunt
Thorkill endlich zu Gorm zurück.
In diesen beiden Geschichten von Thorkill, welche Saxo
grammaticus überliefert, ist von einer gefährlichen Seefahrt in
den Norden die Rede, auf deren erster das Land des Geruth,
auf der zweiten das des Utgarthiloki aufgesucht wird. Geruths
Land ist jenseits Biarmland, eine hochnordische Schneegegend
voll Wälder und rauschender Flüsse; die Burg des Geruth
ist im Innern eines Felsen. Utgarthilokis Land liegt in dem
fi 11 Stern Meer und ist selbst daher in Nacht gehüllt. Es ist
der mythische Utgard, das Riesenland bei Niflheim, in dem
dieser Loki wohnt, den wir auch aus der Erzählung der Edda
von Thors Fahrt zu Utgarthiloki kennen. Der Gott zieht da
ostwärts nach Jötunheim , setzt über das tiefe Meer und niuss
dann durch einen grossen Wald, ' bis er zu der Burg Utgard
gelangt. Auch von einer Fahrt Thoi-s zu Geirröd weiss die
1 Byrjadi fordiiia austr i Jötunlieima ok allt til hafsiiis ok ])k for hann üt
yfir haut ])at it clinpa, enu er hanii koni til lands — vard fyrir Jieim
mörk stör, önorra Edda 50 Rask.
PolargegendPii Europas. 801
)
Edda;' von der Niederschmettcning- des Geruthus durch den
Donneri^'Ott berichtet ja auch noch Saxo, der uns im übrig-en
freilich nur jüngei'C und entstellte Fassung-en der beiden Mythen
gibt: denn Thurkillus ist ursprünglich kein anderer als Thörr.
Für unsern Zweck sind die beiden Geschichten desshalb von
Werth, weil sie uns g-ewisse Vorstellungen der Dänen des 11.
und 12. Jahrhunderts von den hochnordischen Gegenden ent-
hüllen. Die g-auze Umg-ebung des Geruth erscheint geisterhaft
und sein Land schädlich den Sterblichen. Utgarthiloki aber
steht in Saxos Bericht als Herr der Todteuwelt da, weg-en
deren Erforschung Thorkill zu ihm geschickt wird. Man dachte
sich also das Todtenland im hohen Norden, und aus den Ein-
zelheiten der Schilderung-en iSaxos, zusammeng-ehalten mit dem,
was wir über die g-ermanischen Vorstellungen von dem Leben
nach dem Tode wissen, lässt sich beweisen, dass die Fahrten
Thorkills Fahrten zum Todtenreiche sind. Wir wollen kurz
darauf eingehen.
Gleich den Griechen verlegten die Germanen das Todten-
reich entweder in das Innere der Erde oder auf eine Insel.
I Die Griechen dachten sich dieselbe im Westen, wo die
Sonne untergeht, die Germanen im Norden, in der nächtlichen
Gegend.
Der Landweg zur Unterwelt war nach gei-manischer Vor-
; Stellung weit und führte über steile Berge und tiefe, dunkele,
■■ feuchte Thäler. - Darum gab man den Todten neue Schuhe,
Stab und Leuchten mit, Reichen ihr Ross, zuweilen auch einen
Wagen.
Den eigentlichen Eingang in die Unterwelt deckte ein
Stein, der dillestein, •* gerade wie auch die Römer einen Stein,
den lapis manalis, als Pforte des Orcus kannten.
Unten breitete sich eine Wiese * aus, die ein Fluss durch-
' Vgl. über die Mythen von Thor iiiul Skiyiiiii- Ulilnnd Tlior Gl ff., von
Thor und Goirröd ebd. 18:5.
2 Vgl. im allgemeinen J. Grimm Mythologie 762 f. Weinliold Altnordisches
Leben 494 f. 483.
' Grimm Mythol. 706. Kulm westphäl. Sagen 1, .3:^2.
* Grimm Mythol. 782. Lynkcr Sagen und Sitten in h(>s.si.sehen Gauen
Nr. 197. Kuhn westphäl. Sagen 1, :)12.
302 Weinhold.
strömt, über welchen eine Brücke führt, die nur die Todten
betreten. • Ein Brückenwart fordert den Zoll von ihnen , der
einer älteren Vorstellung" von dem Fährgroschen entspricht,
welcher dem Fährmann über den Unterweltsstrom g'cg'eben
werden muss. - Die Volkssage hat die Ueberfahrt über den
Todtenfluss an manche deutsche Flüsse, namentlich an den
Rhein versetzt.
Auf der unterweltlichen Wiese stehen Obstbäume, deren
Genuss bezaubernde Wirkung übt. ^ Es weiden auch dort
Viehheerden , namentlich Sauheerden, ^ denn das Schwein ist
das Thier der Erde. Auch Hunde und Wölfe sind Unterwelts-
thiere, und der Hund ist im besondern der Todesbote,'' So
kennt denn auch die Edda einen Höllenhund Garm, der zur
Wacht am Hause der Unterweltsgöttin Hei liegt und den Odin
selbst bei seiner Todten fahrt mit blutigem Rachen anfällt, wie
die Vegtamsquida berichtet.
Die Halle der Hei steht jenseits der Brücke in einem
nördlich gelegenen Thale und ist von einem hohen Gitterzaun
umschlossen. '' Nach anderer, aber sich damit vereinender Vor-
stellung wohnt die Unterweltsgottheit in einem Berge. Ein
schweres Thor, vergleichbar dem yaXv.sov spxo; des Tai'taros,
schliesst den Eingang so rasch hinter den eintretenden, dass
es dem letzten an die Fersen schlägt. '
Das Leben bei Hei ist düster und traurig, der Gegensatz
zu dem heitern Männerleben in Odins glänzender Walhalle;
1 Grimm Mythol. 794.
2 Grimm Mythol. TiU. Simrock Handbuch der Mythol. 299. Weinhold
Todtenbestattung öO. 128. Grabalterthümer aus Klein-Gleiu 9. — Nach
der Snorra Edda hütet die .Jungfrau M<5(tgüdr die Brücke über den Unter-
weltsfluss GiöU, der von den zwölf aus Hvergelmir entspringenden Flüssen
zunächst bei der Burg der Hei vorüberströmt. Sn. E. 4. G7.
^ Kuhn westphäl. Sagen 1, 127. Auch schlesische Sagen wissen von Obst,
welches in geisterhafte Bergliöiilen geratenden gegeben wird. — lieber
die Wirkung unterirdischer Nahrung vgl. auch W. Müller in den Niedor-
sächsischen Sagen 873. ;>S2.
'^ Kuhn westjdiäl. Sagen 1, .'527 — 332.
5 Kuhn bei Haupt Zeitschr. ('>, 125 ff. Norddeutsclie Sagen .')03. Westphäl.
Sagen 1, 05. 142. 347.
'' Snorra Edda Cü. Rask.
' Brynhildarquida II. (M (Sigindanpi. HI. (5fi). Kulm westphäl. Sagen 1, tU f.
Polaro^eKenden Knropus. 803
die Göttin selbst stellt die Kehrseite der schönen freundlichen
Erdgöttin dar. ^^'er durch Krankheit oder das Alter stirbt,
verfällt der Hei. Ausserdem sind aber in ihrem Reiche die
Straförter für die Sünder, ' wtdche die kalte Pein in Wassei'-
sümpfen und schauerlichen Flüssen leiden müssen, von Schlang-en
gequält oder die auch in unterweltliche Tliiere, Wölfe, Hunde
und Schweine verwandelt werden.
Die Lage des Todtenreichs auf einer Insel finden wir in
den Geschichten von Thorkills Fahrt zu Geruth und zu Ut-
garthilold. Mythen und kSagen erzählen davon, wie die Skan-
dinavier ihre Todten auf Boote oder Schiffe legten 2 und dem
Wasser und dem Winde überliessen, sie in das unbekannte
Land zu führen. In Deutschland galt noch im dreizehnten
Jahrhundert Britannien für die Todteninsel ; es hängt mit dem
alten gallischen Glauben zusammen , der heute noch in der
Bretagne fortlebt, dass sich an den Küsten Nordfrankreichs die
Seelen der Todten sammeln und von da nach Britannien oder
einer Insel bei Britia übergefahren werden. •'
Aus diesen Mittheilungen wird sich die Uebereinstimraung
dessen , was Saxo Grammaticus über die Inseln Geruths und
Utgarthilokis erzählt, mit den germanischen Vorstellungen von
dem Todtenlande leicht erschliessen. Der Todtenfluss, die
Brücke darüber, der Ferge Guthmund, dessen Name überdies
an die Brückenhüterin Modhgud anklingt, die gefährliche Be-
wirtung, die er bietet, die umzäunte Stadt, die Berghöhle, die
bleichen Geister, die Schlangen und andere Aengste finden sich
wiedei-. Geruth ist nur nicht als Herr der Burg und des
Landes anzuerkennen, sondern er ward zur Strafe in die Unter-
welt geschickt. Er ist der Riese Geirröd, welcher in frevel-
haftem Uebermuth den Zweikainpf mit Thor wagte, und dessen
Töchter dabei, ebenso wie er selbst, den Untergang fanden.
Utgarthiloki ist Gott Loki, der zur Strafe für seine Vergeluni,
zuletzt namentlich für seine Mitschuld an Baldrs Tode, gefesselt
in die Unterwelt verbannt ward.
' Ich trete jetzt im .allgenipinen den Ansführnnf^on Franz Dietrielis he
Haupt Zeitsclir. 0, 17.Ö ff. hei.
2 Grimm Mythol. 791. Weinlioid Altiiord. Lehen 479. 48.'i. JOC.
3 Grimm Mythol. 791 ff. W. Wackernagel hei Haupt Zeitsclir. C. 191.
804 Weinhold.
Einige Worte sind noch über Gixthmund hinzuzufügen.
Er ist augenscheinlich ein Eibenfürst, wie auch schon P. E.
Müller ' erkannt hat. Seine verführerischen, reizenden Töchter,
welche ihren Liebhabern Sinn und Erinnerung verwirren, ja
sie in den Tod locken, tragen durchaus die Züge der elbischen
Frauen. Ausgeführt ist dies besonders für Guthnumds Tochter
lugeborg in der Saga von Helgi Thorisson. Weil er ein Elbe
ist, so ist er in der Geschichte von Thorkill an den Todten-
fluss versetzt, denn die elbischen Geister und die Seelen der
abgeschiedenen sind ein und dieselbe Art mythischer Wesen.
Die Heidrekssaga weiss auch von dem Unsterblichkeitsfelde
(Udainsakr) in seinem Reiche und seiner Harde Glanzfeld
(Glaesisvellir) , die auch in der Saga von Herraud und Bosi
genannt und in die Nachbarschaft Biarmlands versetzt wird,
während die Heidreks- und Hervararsaga ihn nach Jötunheim
bringen, Angaben, die nichts weiter bedeuten, als dass jene
spätere Zeit von ihm als einer sagenhaften Gestalt in mythi-
schen Gegenden wusste. Mythologisch ist interessant, dass
Burg und Land dieses elbischen fi^'r/o-oixzöq an die Grenze
zwischen dem menschlichen und übermenschlichen gesetzt
werden. —
Aus allem erkennen wir, dass die klare, nüchterne Auf-
fassung und Kenntniss eines Ottar über die skandinavischen
und tinnischen Polarländer in den folgenden Jahrhunderten ver-
loren ging. Die Phantasie schlägt dort ihr Reich auf, die
Riesen und Eiben, die Todten selbst werden dort angesiedelt.
Zwischen die bekannten wirklichen Länder Halogaland, Finn-
mark und Biarmland werden Jötunheim, Ymisland, Alf heim
eingeschoben ; ja eine ganz bestimmte Landschaft, das heutige
Bohuslän und ein Theil von Smaalehn, die Gegend zwischen
Götaelf und Glommen, führte den Namen Alf heimar, 2 was auf
so fester Volksmeinung fusst, dass noch heute auf Island die
Sage geht, die elbischen Unterkönige von Island müssen jähr-
lich zu ihrem Oberkönig nach Norwegen, um über ihr Reich
zu berichten und sich gegen Klagen zu verantworten. •'
• Saxonis grammatici historia danica II, 247.
2 Ynglingasaga c. 53.
^ Koiir. Maurer Isläiulisclic Vdlkssag'cii der Gcgomvjirt- S. 4. - Eino Spur,
dass auch in ]3out.scliland das Elbenrcicli nach Norwegen verspfzt war,
Polargegenden Europas. 805
)
Was durch klassische Gclahrtheit zur Störung' sicherer
Kunde über die Nordvölker geleistet ward, hat uns Adam von
Bremen gezeigt. Ebenso füllte sich das Abendland durch die
Ki-euzzüge mit den wundersamsten ethno- und geographischen
Eizählungen : der Zug zu dem Romanhaften dringt durch die
Menschen und befängt sie lange. So erklärt sich die aben-
teuerliche V(ilkerkarte in den späteren nordischen Sagas durch
Einwirkung verschiedener Mittel.
Jedoch fehlt es auch jetzt nicht an einzelnen Nachrichten,
welche das Recht des nüchternen Berichts gegenüber der dich-
terischen willkürlichen Gestaltung einigermassen wahren.
Eine isländisch-norwegische Geographie des 13./14. Jahr-
hunderts, deren Bruchstücke sich in verschiedenen Handschriften
linden, ' beschreibt wie nördlich von Norwegen Finnmark folgt
und dass man ostwärts von da nach Bermland komme. Berm-
land hange durch unbewohnte Länder mit Grönland zusammen,
auf dessen festländische Eigenschaft schon der in Norwegen nach
Beginn des dreizehnten Jahrhunderts verfasste Königsspiegel
aus der Menge von Thieren schloss, die schwerlich auf einer
Insel leben könnten (Cap. 17).
Südlich von Grönland setzt jene Landbeschreibung Hallu-
land und Markland, worunter Labrador und Neufundland zu
verstehen sein werden. Von da sei es nicht weit nach
Winland, das sieh nach der Ansicht mancher bis Afrika
erstrecke. .
In der unter dem Namen Gripla bekannten , im Original
verlorenen Schrift wird die See zwischen Winland und Grön-
iland Ginnungagap genannt, unter welchem altmythischen Namen
Ides Urchaos in einer späteren Schrift das ganze Weltmeer
jwestwärts von Spanien begriffen ist. -
j Das wichtigste in jenen Nachrichten für uns hier ist die
iVorstellung einer zusammenhangenden Laudmasse um den
gibt Nibel. G8'2 A (TS'.t B) , wo das von Siegfried iintorworfeiie Land
Nibelungs und Scliilbungs mit Norwegen g-leiclibedentend steht. Be-
zeichnend für C ist, dass sie Norwaege tilgt.
' Werlanff Synibolae ad geographiam medii aevi. Havn. 1821. S. 7. 14.
Grönlands IVIindesnuirker III, 216. 220.
2 Grönlands Mindesmärker III, 224. 227.
Sitzb. d. phil.-hist. Ol. I.XVIII. Bd. IV. llft. 52
80ß WpinhnM.
Nordpol, die sicli übrigens mit denselben Worten schon in den
Aufzeichnungen des Abt Nikolaus von Thingeyrar (f 1158)
findet. '
Ueber die eigentlich skandinavischen Nordgegenden blüht,
wie schon angedeutet, in den späteren Jahrhunderten des Mittel-
alters das üppige Kraut der Fabel.
Das sogenannte breve chronicön Norvegiae, dessen Ent-
stehung bis in das dreizehnte Jahrhundert zurückreichen soll,'^
erzählt, dass nordöstlich von Norwegen die Karelen fKyrjali),
Quänen, die Skridlinnen (cornuti Finni) und die Biarmen
wohnen. Schiffer, die auf der Fahrt von Island nach Norwegen
vom Sturme verschlagen seien, bezeugten, dass sie zwischen
Grönland und Bermland (also in jenem Polarlande) die Riesen
und die Amazonen ^ gefunden hätten.
Als Grenzort zwischen Halogaland und Bermland gibt die
Chronik den schon von Nikolaus von Thingeyrar^ genannten
Ort Vegistaf an, welchen P. A. Munch in der Mündung der
Veleaa ins weisse Meer bei der lappischen Stadt Umba suchte.
Ueber Bermland, heisst es in der Chronik, ' liegt jenes überaus
tiefe Nordmeer, mit Charybdis und Scylla und unvermeidlichen
Strudeln. Dort sind Eisberge, welche den Grönlandfahreru
gefilhrlich werden. Auch allerlei Ungethüme bevölkern dort
die See : die Wale, welche die stärksten Fahrzeuge zertrümmern,
einäugige Walrosse, die Sirene, die köpf- und schwanzlose
Hafstrambe, der Krak (hafgufa), die entsetzliche Haf kitte und •
andere Geschöpfe, die wir schon in dem Königsspiegel ge-
schildert finden.
So erklärt es sich leicht, wie das weisse Meer den Namen
Zauberbucht (Gandvik) empfing. Nachdem gegen Mitte des
dreizehnten Jahrhunderts die norwegischen Unternehmungen
nach Bermland aufhörten, wurden jene Nordostküsten immer
unbekannter und mehr und mehr geeignet, der Schauplatz von
ü?
' Antiqnites rnsses II, 404.
2 Ryinl)ol,ae ad Iiistoriam antiqniornm rcinim Norvegioarnm edid. P. A.
Mnncli. I. Brovo clirnnicon Norvoj^iao. Cliristian. 1850. p. 2 f.
3 homines mirc magnitudinis et Virgiimm terrani, que gnstii aque concipere
dicuntur.
■• Aiiti(|uit('s nissos IT, 404. W(>rlaiirt' Symbolap 12.
■■ Bnvc clironicKii ]>. .3.
Polargegemlen Enrnpas. 807
i
illcilci Zauberwesen zu werden. Wo man treilicli auf eine
«'issensehaftlichere Festsetzung- der geograpliiaclien Kenntnisse
lusging-, scheute man jene Fabeln treulich wiederzugeben und
3rlaubte sich höchstens, einzelnes davon einzuschalten. So' ver-
fuhr der bekannte englische Miuorit Bartholomaeus anglicus
oder von Glanville, der in dem fünfzehnten Buche seiner En-
cyclopaedie de genuinis rerum coelestium terrestrium inferarum
pro|)rietatibus ein alphabetisch g-eordnetes geographisches Hand-
buch zusammenstellte. ' Für uns hat folgendes darin Interesse.
In dem 71. Capitel de Gothia berichtet er, dass der g-rösste
Theil Europas und Asiens von dieser südlichen schwedischen
Provinz bevölkeit worden sei ; auch die Amazonen in Asien
stammten von dort. Von Norwegen, das an Gothia grenzt,
sagt er ((Jap. lOö), dass es dort viel wundersames und unge-
lieuerliches gebe. Es seien daselbst Brunnen, in denen Leder oder
Holz sich sofort versteinern. In Finnmark (Winlandia"^ Cap. 172)
bei das Volk der Zauberei sehr ergeben. Wenn die Schiffer
dort wegen Windstille nicht weiter könnten, so verkauften ihnen
lie Finnen den Wind. Sie gäben einen Knäuel Fäden, in welche
verschiedene Knoten geknüpft seien. Je nach Zahl der ge-
östen Knoten bekämen die Schiffer schwächeren oder stär-
keren Wind.
Die Notizen über Norwegen und Finnmark benutzte Se-
bastian Franck in seinem Weltbuch. '^
Was im neunten bis elften Jahrhundert im hohen Norden
intdeckt war, blieb füi- lange ohne Ergänzung und nur die
-'hantasie suchte die Kenntniss von den Polarländern zu
k'enn ehren.
* Die von W. Wackeniaovl in TTaiipts Zeitsclii-üY TV, 479-451.") ans einer
Berner Handschrift ansziiglicli licransgegebcno Geograpliio des Mittelalters
ist nichts weit(>r, als dieses 15. Bnch des Barth« ilomäns Glanville.
^ J. Grimm Mytlml. COC, Irrte, wcini er dieses ^^'in^^ldia auf Grlndand
dentete. Bart]i«dnniäns sagt ansdrücklicli : Wiidandia est patria jnxta nion-
tana Norwegie versns orlentem sita snp<'r litns (jceani protensa. Es ist
also Finnmarken gemeint.
' Welthncli : spiegel vnd bildtniss des gantzen erdtbodens von Sebastiano
Franco. (Tübingen) 15:M, Bl. LX.
52*
808 Weinhold. Polargegenden Europas.
Nach bewundernswerten Ilnternehmung-en kühner Männer
liat die Geg-enwart sich die Erforschung- der arktisclien Gegenden
zur besonderen Ehrenaufg'abe gesetzt.
Heute erzählen unsere Seefahrer bei ihrer Heimkehr aus
dem nordischen Eise nach Bremen keine Märchen mehr. Aber
ihre schlichten Berichte erwecken noch g-rössere Bewundei'ung,
als ihrer Zeit die Erzählungen der Friesen vor acht Jahr-
hunderten. Denn der Wahrheit Antlitz ist g-ewaltiger, als das
der Dichtkunst.
Pfizmaier. Zur Geschichte der Wuuder in dem alten China. §00
-^ur CTescliiclite der Wimder in dem alten China.
Von
' Dr. A. Pfizmaier,
wirkl. Mitglied der k. Akademie der VVissenschafteu.
Uas Sse-ki und die auf dasselbe in verschiedenen Zeit-
■äumen folgenden grösseren Geschichtswerke bringen unter dem
Fitel: , Denkwürdigkeiten von den fünf Grundstoffen^ regel-
jnässig eine Reihe Aufzeichnungen von Naturereignissen, die
läufig wunderbarer Art sind, im Allgemeinen aber als Zeichen
j;'edeutet und als solche für glücklich oder unglücklich gehalten
iverden. In der vorliegenden Abhandlung wird, mit Hinweg-
assung der gewöhnlichen Naturereignisse, dasjenige, was in
.Iten geschichtlichen und anderen Werken über eigentliche
.Vunder vorkommt und gewissermassen als Ergänzung zu den
ron dem Verfasser früher gelieferten Nachrichten von dem
jeisterglauben zu betrachten ist, mitgetheilt.
Die einzelnen Abschnitte der durch diese Zusammenstel-
ungen entstandenen Arbeit sind: Von den Wundern. Von der
ichten und dunklen Seele des Menschen. Von Gespenstern,
/on den Verwandlungen.
Von den Wundern.
In den Ueberlieferungen Tso's, bei dem Fürsten Tschuang,
^ird gesagt :
Eine innere Schlange hatte mit einer äusseren Schlange
11 dem südlichen Thore von Tsching gekämpft. Die innere
Schlange war todt. Im sechsten Jahre trat Fürst Li ein. Der
810 Pfizraaier.
Fürst hörte von jener Sache und fragte Schin-siü: Gibt es
gleichsam Ungeheuerlichkeiten? — Jener antwortete : Was der
Mensch verabscheut, dessen Luft, verbreitet sich wie ein Feuer
und nimmt es weg. Die Ungeheuerlichkeiten erstehen durch
die Menschen, der Mensch hat keine Schuld. Die Ungeheuer-
lichkeiten entstehen nicht von selbst. Wenn der Mensch das
Gewöhnliche zurücksetzt, so entstehen Ungeheuerlichkeiten. Des-
wegen gibt es Ungeheuerlichkeiten.
In denselben Ueberlieferungen, bei dem Fürsten Wen,
wird gesagt :
Es waren Schlangen, die aus dem Palaste der Quellen
hervorkamen und in das Reich drangen. Ihre Zahl war die-
jenige der früheren Landesherren.^ Im Herbst, im achten Mo-
nate des Jahres, starb Sching-kiang (die Gemalin des Fürsten).
Man zerstörte die Erdstufe der Quellen.
In denselben Ueberlieferungen, im sechsten Jahre des
Fürsten Siang, wird gesagt:
In dem grossen Ahnentempel von Sung rief Jemand mit
lauter Stimme : Hi hi ! Tschö tschö ! - — Der Gesang der Vögel
auf dem Tempel der Haarspitzen klang wie Hi hi. An dem
Tage Kiä-wu (31) entstund in Sung eine grosse Feuersbrunst
und Pe-I starb.
Die von Tschang-fan verfassten Darlegungen von Hau
sagen :
Die Schiffe in dem Teiche Liang-ki's stürzten ohne Ursache
um. Später wurde er hingerichtet.
Das Buch der späteren Hau sagt;
Pe-tschung erhob sich zum Könige von Yen. Er sah viele
Veränderungen und erstaunliche Dinge. In seiner Halle hörte
' Von Pe-khiii bis zu dem Fürsten Hi, mit v/elchem der Frühling und Herbst
beginnt, waren siebzehn Landesherren von Lu.
2 Pa P^ Hi-hi, auch ^B. gS. Hi-hi geschrieben, hat uie.li der gewöhn-
liclun Krklärung die Bedeutung ,lieiss'. rH HrJ Tscliö - tschö soll
Buj fliTjTscho-tsclio geschrieben werden und ist eigentlich ein Ruf des
Schreckens. Es dient hier zur Warnung Pe-I's, der Gemalüin des Fürsten.j
Das Werk Thung-ya sagt, dass die Laute hi-hi tsehö-tschö die Stimme
der' Götter und Geister ausdrücken. Die alte Erklärung : ,die Gestalt des
Feuers' sei irrig. Schuo-wcn, das diese Stelle anführt, schreibt gE =^
Hi-hi, was ein Ausdruck des Absehens.
Zur Geschichte der Wunder in dem alteu China. 811
er das Geschrei von Friischen unter dem Feuer Vles Ofens. Er
Hess die Ei'de au%raben und suchen , aber man fand nichts.
Später wurde er von seinen Sclaven getödtet.
Die Denkwürdigkeiten von Wei sagen :
Was Tschang-tsien von Khiü-lo betrifft, so gelangte in
[ dem Zeiträume Tscliing-schi (240 bis 248 n. Chr.) ein mit einem
i Kupfputze versehener Vogel in das Nest einer Wildgans nörd-
I lieh von dem Thore Tsien's. Dieser sagte zu den Menschen
jdcs Thores: Der mit einem Kopfputze versehene Vogel ist ein
I Vogel des Yang, und er nistet an der Nordseite des Thores.
I Dieses ist eine unglückliche Vorbedeutung. — Er rührte jetzt
I die Citlier und verfertigte ein Gedicht. In einer Decade starb er.
Tschü-kien-ping war geschickt im Beobachten. Er bcob-
j achtete Ying-khiü und sprach : Du wirst zwei und sechzig Jahre
! alt werden. Deine Rangstufe wird diejenige eines beständigen
j Aeltesten sein. Ein Jahr vor dieser Zeit wirst du allein einen
weissen Hund sehen. — Khiü war ein und sechzig Jahre alt,
als er ein in dem Inneren Aufwartender und ein gerader Unter-
suchender des Inneren wurde. Phitzlich sah er einen weissen
Hund, die Menschen insgesammt sahen ihn aber nicht. Hier-
auf lustwandelte er in Hast, begab sich zu kSchauspielen, trank,
veranstaltete fröhliche Zusammenkünfte und vergnügte sich. Als
er zwei und sechzig Jahre alt war, starb er.
Die Denkwürdigkeiten von U sagen:
Als Tschü-ko-khö den Eroberungszug nach Hoai-nan unter-
nehmen wollte, war ein elternliebender Sohn, der, mit Trauer-
kleidern angethan, in den Söller trat. Er befahl, ihn zur Rede
zu stellen und ihm zu sagen : Ich habe nicht bemerkt, dass du
eintratest. — Um die Zeit hatte auch von den Wächtern und
den ]\Ienschen des Rückhaltes keiner ihn gesehen. Später wurde
Khö hingerichtet.
Das Buch der Tsin sagt:
King, König von Tsi, stand in der Lenkung zur Seite.
Es war ein Weib, das sich zu dem Thore des grossen Vor-
stehers der Pferde begab und verlangte , dass sie entbinden
ilürfe. Die Angestellten wiesen sie zurecht und sagten: Unser
Nabolabschneidcr ist eben fortgegangen. — Als sie dieses gesagt
gl2 Pfizmaier.
hatten, war sie nicht mehr zu sehen. Im nächsen Jahre wurde
King hing-erichtet.
Das von Wang-yin verfasste Buch der Tsin sagt:
Als Wang-siün in Yeu-tscheu weilte, kauerte ein Fuchs
in dem Thore des Sammelhauses Siün's. Das Männchen eines
Bergfasans drang in den Gerichtssaal. Hierauf wurde Siün
durch Schi-li getödtet.
Das Buch der Tsin sagt:
Zur Zeit als Lün, König von Tschao, sich die Rangstufe
anmasste, waren Fasanen, die in die Vorhalle flogen. Sie stiegen
von der östlichen Treppe der grossen Gipfelung zu der Vor-
halle empor. Als man sie verscheuchte, flogen sie sofort unter
die westlichen Weingefässe. Nach einer Weile flogen sie fort.
Ferner fand Lün in der Vorhallo einen merkwürdigen Vogel.
Er fragte, und Niemand wussto dessen Namen. An einem an-
deren Tage erschien gegen Abend im Westen des Palastes ein
mit einem ungefärbten Kleide bekleidetes kleines Kind. Das-
selbe sagte;, der Vogel sei der Vogel des unterworfenen Ge-
schlechtes Lieu. Lün liess das kleine Kind in die Register
eintragen und verschloss es zugleich mit dem Vogel in ein
leeres inneres Haus. Als er dieses am nächsten Morgen (iffnete
und nachsah, war die Thüre, wie sie früher gewesen. Zugleich
hatte man die Spur des Menschen und des Vogels verloren.
Ueber dem Auge Lün's befand sich eine Beule. Man hielt dieses
um die Zeit für eine Ungeheuerlichkeit.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
Jui, König der Provinz Tschao, machte eine Meldung an
dem Hofe des späteren Vorgesetzten, worin er sagte, dass Ho-
sse-khai' nicht in dem Inneren weilen solle. Man liess Sse-khai
austreten und ernannte ihn zum stechenden Vermerker von
Yuen-tscheu. Die Kaiserin wollte ihn länger als hundert Tage
zurückhalten. .Jui zeigte sich entschlossen und erlaubte es nicht.
Jui trat aus. In der Nacht, als er sich schlafen gelogt hatte,
sah er einen Menschen, dessen Länge eine Klafter fünf Schuh
betragen mochte. Derselbe stand an dem Thore, wendete sich
1 Ho-sse-kliai wurde im ersten Jahre des Zeitraumes Wu-pirig (577 n. Chr.)
Gebietender des obersten Bucliführers. Der vorletzte Kaiser aus dem
Hause der nördlichen Tsi wird der ,spätere Vorgesetzte' genannt.
Zur Gescliichte der Wuiidor in dem altoii Cliiiiii. 81d
geg'cn das Bett und drückte den König- mit dem Anne nieder.
Nach läng'orer Zeit verschwand er. Jui war dieses sehr zu-
wider. Den nächsten Tag wurde er hingerichtet.
Das von Tschin-yo verfasste Buch der Sung sagt:
Als Siao-sse-hoa sich in Tsing-tscheu aufhielt, stürzte
das kupferne Nössel, dessen er sich gewöhnlich . Lediente, um
und befand sich unter der Arzneiküche. Plötzlich fand er unter
; dem Nüssel zwei todte Sperlinge. Sse-hoa seufzte und sprach :
I Das Nessel ist umgestürzt und zwei Sperlinge sind verendet.
j Dieses ist ein unglückliches Zeichen! — Nachdem dieses sich
1 ereignet, wurde er gebunden.
Das Buch der Sung sagt:
Lieu-king-siuen feierte einst in der Nacht mit seinen öe-
i fährten ein Fest. Es ereignete sich, dass man aus der Luft einen
[ hänfenen Schuh in die Gesellschaft warf. Derselbe fiel auf die
Speiseschüssel King-siuen's. Er mass in der Länge drei Schuh
fünf Zoll und darüber. Die Menschen legten ihn zwischen
Ohr und Nase. Zugleich wollten sie ihn zerstören. In eineiu
Augenblicke war er verdorben und ging verloren.
Der Wald der Tiefen der Verwandlungen sagt:
Als Yuen-yuen-ying, Statthalter von U-hing, sein Amt an-
treten sollte, Hess er aus den Abrissen Glück und Unglück
wahrsagen. Es hiess: Du kommst regelmässig zum Amt und
sollst zum Vorgesetzten eine rothe Schlange nelunen, die eine
Ungeheuerlichkeit ist. Du darfst sie nicht tödten. — Zuletzt
erschien wirklich eine rothe Schlange, die sich über dem stei-
nernen Umschlage der kupfernen Beglaubigungsmarke des Ti-
gers krümmte. Yuen-ying schleuderte sie weg und tödtete sie.
Später wurde er wirklich durch den Räuber Siü-fö ums Leben
gebracht.
Die vermischten Verzeichnisse der glänzenden Erhabenen
von Thang sagen :
Nachdem Li-schi-tschi vornehm und auch gewaltig ge-
worden, Hess er einst die dreifüssigen Kessel vor sich in Reihen
«teilen und die dargereichten Speisen hei-richton. Peines ]\Ior-
gens sprangen die in dem Vorhofe befindlichen dreifüssigen
Kessel heraus und kämpften miteinander. Die jungen Knechte
des Hauses meldeten es Schi-tschi. Schi-tschi ging zu dem Orte
hin, nahm Wein und schwor einen Eid. Sie standen aber auch
(314 Pfizmaier.
jetzt von dum Kampfe nicht ab. Die Henkel und Füsse der
dreifüssig-en Kessel fielen zu Boden. Am nächsten Tage wurde
Schi-tschi seines Amtes als Eing-cweihter in die Geschäfte der
Lenkung enthoben. Wider Vermuthen wurde er durch Li-lin-
fu zum Sturze gebracht. Er ward zum Statthalter von I-tschün
herabgesetzt und starb eines guten Todes.
In dem Wohnhause Li-lin-fu's gab es häutig Ungeheuer-
lichkeiten und Wunder. Aus der Wasserrinne an dessen süd-
licher und nördlicher Ecke erhob sich in grosser Ausdehnung
ein Feuerglanz. Bisweilen erschien ehi kleines Kind, das mit
Feuerbränden aus- und eintrat. Er meldete an dem Hofe, dass
man an dem Orte die Warte der guten Berathungen errichten
möge. Lin-fu war unwohl. Er stand am frühen Morgen auf,
wusch sich in einem Becken, putzte sich und Avollte an dem
Hofe eintreten. Er befahl, dass man den Bücherbeutel nehme.
Es wai'cn die Verzeichnisse der Dinge, mit denen er sich zu
gewöhnlichen Zeiten befasste. Plötzlich bemerkte er, dass der
Beutel etwas schwerer war, als derjenige, den er gewöhnlich
trug. Er öffnete ihn und blickte hinein. Sofort kamen aus
ihm zwei Ratten hervor. Er warf ihn auf die Erde, und die
Ratten verwandelten sich in grasgrüne männliche Hunde. Die-
selben blickten mit kühnen Augen und die Zähne blekend zu
Lin-fu empor. Dieser befahl, einen Bogen zu nehmen und sie
zu erschiessen. In demselben Augenblicke waren sie ver-
schwamdcn. Lin-fu hassto dieses. Es war noch kein Monat
vergangen, als er starb.
Die Auseinandersetzungen des Zeitalters sagen:
Was Wei-kuan betrifft, so kochten in dem Zeiträume Yung-
hi (290 bis 299 n. Chr.) dessen Hausleute Speise. Diese fiel
auf die Erde und verwandelte sich gänzlich in Seeschnecken.
Diese streckten Füsse hervor und gingen. Kuan wurde zuletzt
hingerichtet.
Die Ueberlieferungcn von Merkwürdigkeiten sagen:
Tscheu-nan, König von Tschung-schan, war in dem Zeit-
räume Tsching-schi (240 bis 24S n. Chr.) Aeltester von Siang-
yi. Eine Ratte kam aus einer Hrthlc in den Gerichtssaal und
sagte: Tscheu-nan, ilu wiist in einem gewissen Monate an einem
Zur Gcscliiclite <ler Wumler in dein iiltcii Clüna. 8 10
gewissen Tai^-c sterben. — Tscheu-nan antwortete nicht, und
die Uatte ging in die Höhle zurück. Als die bestinnnte Zeit
kam, trug" die Katte wieder Mütze und Kopftuch, ein hoch-
rothes Kleid und sagte : Tscheu-nan, du wirst zu Mittag; sterben. —
Tscheu-nan antwortete wieder nicht. .Ms es Mittag ward, sprach
die Ratte : Tscheu-nan, du autwoi-test nicht. Was. soll ich wiedei"
sagen? — Als sie ausgeredet hatte, stürzte die Ratte sogleich
zusanunen und war todt. Dabei verlor sie das Kleid und die
Mütze. Tscheu-nan Hess seine Leute kommen, die Ratte nehmen
und sie ansehen. Sie glich nur einer gewöhnlichen Ratte.
Die Geschichte des Sucheus der Götter sagt:
Zu den Zeiten des Kaisers Wu von llan, im zehnten Mo-
nate des vierten Jahres des Zeitraumes Tai-schi (*Jo v. Chr.),
war in Tschao eine Schlange, die von der Gegend jenseits dei-
Vorwerke eindrang und mit einer in der Stadt betintUichen
Schlange unter dem Ahnentempel Hiao-wen's kämpfte. Die in
der Stadt betindliche Schlange blieb todt. Zwei Jahre später,
im Tlerbste, ereignete sich die Sache des zur Nachfolge be-
stimmten Sohnes Wci. Dieselbe war von Kiang-tschung, einem
Menschen von Tschao, ausgegangen.
Zu den Zeiten Wang-mang's, in dem Zeiträume Kiü-tsclu!
(G bis 7 n. Chr.), erkannte Ti-I, Statthalter der östlichen Pro-
vinz, dass Wang-mang sich die Rangstufe der Ilan anmassen
werde. Er berieth, wie er die gerechten Waffen erheben könne.
Sein älterer Bruder Siuen umschränkte und übergab. Die
Schüler erfüllten die Halle. Eine Schaar Gänse, in der Zahl
von mehreren Zehenden, befand sich in dem Vorhofe. Da
drang ein Hund von aussen ein und l)iss sie. Alle blieben
todt. Als man zu Hilfe kam und ihn schreckte, hatte ei- ihnen
die Köpfe abgebissen. Der Hund lief bcü dem Thore heraus.
Man suchte ihn, aber erfuhr nicht, wo er sich aufhielt. Siucui
war dieses sehr zuwider. Einige Tage später verhängte Mang
über ihn die Ausrottung der drei Seitengeschleeliter.
Der presse Zugesellte von dem Geschlcchte Sse-ma in
Wei strafte Kung-sün-yuen , ihn den Vater sowohl als dessen
8 1 (3 P f i z m a i e r.
Sohn. In früherer Zeit erschien in dem Hcause Yiien's ein
Hund, der in ein rothes Kopftuch und ein hochrothes Kleid
gekleidet war. Auf dem nördlichen Markte von Siang-tsching
wuchs Fleisch, das Kopf und Augen hatte und ohne Hände
und Füsse sich bewegte. Der Wahrsagende sprach: Es gibt
eine Gestalt, die unvollendet ist. Es gibt einen Leib, der keine
Stimme hat. Das Reich ist vernichtet.
Zu den Zeiten der U gab es in dem doppelten Gebäude
des Einkehrhauses des Königs von Liü-ling immer dämonen-
artige Wesen. Wer daselbst übernachtete, war ohne weiteres
todt. Seitdem getraute sich unter den abgesandten Obrigkeiten
Keiner, das Haus zu betreten. Thang-ying, ein Mensch von
Tan-yang, hatte grossen Muth. Als er nach Liü-ling geschickt
wurde, hiess er die Leute in das Einkehrhaus treten und da-
selbst halten. Die Angestellten mochten nicht öffnen. Ying
hörte sie nicht an. Er schickte alle Menschen, die er befeh-
ligte, wieder hinaus. Er selbst ergi-iff ein grosses Messer. Um
die ' dritte Nachtwache hörte er, dass Jemand an die Selten thüre
klopfte. Ying fragte von weitem, wer es sei. Man antwortete :
Der grosse District der Abtheilungen meldet sich. — Ying Hess
ihn vortreten. Jener meldete sich und ging fort. Nach einer
Weile klopfte Jemand an die Seitenthüre wie früher. Man
sagte: Der Gebieter des Sammelhauses meldet sich, — Ying
Hess ihn wieder vortreten. Jener trug ein schwarzes Kleid
und entfernte sich ebenfalls. Ying sagte zu sich selbst : Diese
Menschen sind durchaus unverdächtig. — Nach einer Weile klopfte
man wieder au die Seitenthüre. Man sagte : Der Gebieter des
Sammelhauses der Abtheilungen. — Ying erkannte jetzt, dass
es ein Dämon sei. Er ging ihm mit dem Messer in der Hand
entgegen. Er sah, dass die drei Menschen reich gekleidet waren
und gemeinschaftlich zu dem Sitze emporstiegen. Derjenige,
der sich den Gebieter des Sammelhauses genannt hatte, Hess
sich sogleich mit Ying in ein Gespräch ein. Das Gespräch
war noch nicht zu Ende, als der , grosse Bezirk der Abthei-
lungen' hinter den Rücken Ying's sprang. Ying kehrte sich um
und stach iiiii mit dem Messer. Der Gebieter des Sammel-
hauses stieg von dem Sitze herab und entlief. Ying verfolgte
Zur Geschiclite der Wuiulpr in rtciii altoii China. 81 i
ihn bis unter die grosse Mauer des Einkelirliauscs. Dort er-
reichte er ihn und brachte ihm mehrere ?Tiebwunden bei.
Bei Tagesanbruch begab er sich mit seinen Leuten an
die Stelle. Er verfolgte die Blutspui-en, die er sah, und ent-
deckte die Dämonen. IMan sagt: Derjenige, der sich den Ge-
bieter des Sammelhauses genannt hatte, war ein altes Schwein,
Der , grosse Bezirk der Abtheilungen' w.ir ein alter Dachs.
Seitdem hatte alles ein Ende.
Die Mutter Tsao's, Lehensfürsten von Hia, war krank
und erschöpft. Tsao wollte sich zu Tschün-}ü-tschi begeben,
um wahrsagen zu lassen. Es war ein Fuchs, der an dem Thore
sich ihm zuwandte und bellte. Tsao war traurig und erschrocken.
Er eilte sofort zu Tschi. • Dieser sprach : Das Unglück hat
grosse Eile. Mögest du schnell heinüvchren und unter dem
Baume an dem Orte, wo dei- Fuchs gebellt hatte, weinen niul
wehklagen. Du bewirkst, dass die Menschen des Hauses er-
schrecken und sich wundern, so dass sie alle, Gross und Klein,
heraustreten. So lange es noch einen Menschen gibt, der nicht
herausgetreten ist, mögest du nicht aufhören, zu weinen und
zu wehklagen. Dann lässt sich bei dem Unglück ein wenig
Hilfe bringen. — Tsao that, wie ihm geheissen wurde. Seine
Mutter behalf sich auch in ihrer Krankheit und trat heraus.
Als die Menschen des Hauses versammelt waren , boi-st das
Dach der Halle ün allen fünf Seiten und stürzte ein.
Tschün-yü-tschi führte den .Tünglingsnamen Schö-ping und
stammte aus Thsi-pe. Derselbe war von Gemüthsart tief-
sinnig, gütig und gerecht. Er war ein Schüler der Bücher und
verstand sich auf die Verwandlungen. Lieu-lai von Kao-ping
wui'de in der Nacht von einer Hatte in den jMittelfingei' der
linken Hand gebissen. Dieses war ihm in fredanken sehr zu-
wider, und er fragte Tschi. Dieser zog für ihn di(> Wahrsage-
pflanze und sprach : Die IJatte wollte dich tödten , aber sie
war es nicht im Stande. Ich wei-de dich dahin bringen, dass
du sie ihrerseits sterben lassest. — Er beschrieb jetzt mit
Mennig dessen Handwurzel. Drei Zoll hinter dem Q.uerstreifen
3]^3 Pf izmaier.
bildete er (Uis Zeiclien Tien (Feld.) Dasselbe war schief und
hatte einen Zoll im Umfange. Er hiess ihn in der Nacht beim
Liegen die Pland herzeigen. In dieser Nacht lag eine grosse
Ratte todt vor seiner Hand.
Lieu-tschung von Tung-yang führte den Jünglingsuamen
Tao-ho. Als er in Ku-schö weilte, fanden sich jede Nacht in
dem Vorhofe des Thores mehrere Gantang Blut. Man wusste
nicht, woher es kam. Dieses ereignete sich drei- bis viermal.
Später wurde Tschung ein bahnbrechender Heerführer. Er
wurde ausgeschickt, um im Norden einen Eroberungszug zu
unternehmen. Als er ausziehen v>'ollte und Speise kochte, ver-
wandelte sich alles in Insecten, Tschung unternahm hierauf
den Eroberungszug im Norden. Seiji Kriegsheer wurde in Tan-
khieu geschlagen. Er selbst ward durch Siü-kan getödtet.
Die fortgesetzte Geschichte des Suchens der Götter sagt:
In Kuang-tscheu waren drei Menschen, die sich miteinander
iu dem Gebirü-e befanden und Bäume fällten. Plötzlich er-
blickten sie in einem Felsenneste zwei Eier von der Grösse
eines Gantangs. Sie nahmen sie und sotten sie. Als das Wasser
heiss zu werden anfing, hörten sie sogleich in dem Walde ein
Geräusch wie von Wind und Regen. Nach einer Weile erschien
eine Schlange, die zehn Spannen dick und vier bis fünf Klafter
lang war. Dieselbe nahm die Eier aus dem heissen Wasser
in den Mund und entfernte sich. Die drei Menschen starben
nach nicht langer Zeit.
Tschang-ping aus der Provinz Tai war zu den Zeiten Fu-
kien's ein Anführer der Räuber und nannte sich den stechenden
Vermerker von Ping-tscheu. Er hatte einen Hund, dessen
Name : die fliegende Schwalbe. Derselbe war gestaltet wie
(un kleiner Esoh Phitzlich stieg er in der Nacht auf das Dach
des Gerichtssaales und ging umher. Beim Gehen machte, er
ein Geräusch, als ob es ihm etwas Gewöhnliches wäre. Es
war noch kein Jahi- vergangen, als Tschang-ping wirklich durch
Sien-pi vertrieben wurde. Er wurde geschlagen, Höh und er-
gab sich an Fu-ki(!n. Es währt(^ nicht lange, so starb er.
Zur GescliichtP der Wumlor in ilom alti'ii Cliina. 819
Die Mutter Vü-kins von Siii-yc (n-kraiiktc. Die drei
Brüder befanden sich säniintlieli l)ei ihr und l)edicnten sie am
hellen Tag-e in ihrer Krankheit. Sie zündeten gewöhnlich ein
Feuer an. PhitzHch sahen sie, dass der Vorhang sich zusam-
menrollte und ausbreitete. Dieses ereignete sich etliche vier
Male. Nach einer Weile hörten sie vor dxjm Bette einen unge-
wöhnlichen Lärm, als ob Hunde jnit einander kämpften. Das
ganze Haus blickte hin, man sah aber durchaus keine Hunde.
Man sah das Haupt eines todten Menschen auf der Erde liegen.
Das Haupt war noch blutig. Man sah deutlich beide Augen,
die sich noch immer bewegten. Es war sehr widerlich , und
das Haus ward von Furcht befallen. In der Nacht trug man
das Haupt vor das Thor und begrub es in dem rückwärts ge-
legenen Grarten. Am nächsten Morgen ging man hin, um nach-
zusehen. Das Haupt war aus der Erde hervorgekommen, und die
beiden Augen bewegten sich noch immer. Man vergrub es nocli-
mals. Den folgenden Morgen war es wieder hervorgekoniUKni.
Man vergrub es zugleich mit einem irdenen Haupte, und es kam
nicht wieder hervor. In einigen Tagen starb die Mutter.
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt:
Sie-wen-tsing traf an der Rückseite des Sammelhauses mit
Gästen zusammen. Sein Weib vorr dem Geschlechte Ijieu sah
einen Hund kommen, der das Haupt des Mannes von dam Ge-
schlechte Sie in dem Munde trug. Nach längerer Zeit war
seine Spur verloren. Das Weib, erzählte dieses. Der Mann
von dem Geschlechte Sie - zeigte äusserlich eine unveränderte
Miene. In demselben Monate starb er.
Was Li-tao-yü von Ngan-ku betrifft, so schlief in dein
Zcitvaiiine Yuen-kia (424 bis 453 n. (Jhr.) ein Hund auf (h\n\
Wege. Yü versetzte ihm einen Fusstritt. Der Hund sprach:
Du stehst vor deinem Tode. Warum trittst (hi mich mit di'm
Fasse V — Nach einem Jahre starl) Yü.
Zu den Zeiten der Tsiu wollte die Kaiserin von dem (Jc-
schleclite Yang, die Gemalin dt^s Kaisers Hoei, in den Palast
treten. In ihren Kleidern zeigte sich plötzlich ein Feuerschein.
820 Pfizraaier.
Seitdem beg-egneten die Diener des Geheges in Waffen, Lö-
yang" ging- verloren und die Kaiserin ward von Lieu-yao zur
Gemahlin genommen.
Als der Mann von dem Gesclileclite Lieu sich in Tschü-
fang befand, durften die Menschen nicht mit ihm sprechen.
Wenn Menschen mit ihm sprachen, g-eriethen sie gewiss in Un-
glück. Es kam so weit, dass sie erkrankten und starben. Nur
ein vorzüglicher Mann meinte, es habe keine solche Bewandt-
niss. Es ereigne sich nur zufällig, dass die Menschen an den
Versperrungen lagern. Der Mann von dem Geschlechte Lieu
erfuhr dieses. Er ging freudevoll hin und erklärte ihm, dass
er verleumdet werde. Er sprach: Du bist im Stande, klar
zu sehen. Jener antwortete: In dem ganzen Zeitalter ist der
Donner gemeinschaftlich. Wie verdiente es , dass man sich
darum kümmert? — In einem Augenblicke brach Feuer aus.
Erfordernisse für die Reise, Hausthiere, Kleidungsstücke und
Kleinode gingen in Massen zu Grunde. Hierauf gab ihm das
ganze Zeitalter den Namen : Der Hühnergeier von dem Geschlechte
Lieu. Wenn man ihm auf dem Wege begegnete, verschloss
alles die Wagen, trieb die Pferde an, verdeckte die Augen,
lief und ging ihm aus dem Wege. Der Mann von dem Ge-
schlechte Lieu versperrte ebenfalls das Thor und verwahrte
sich. Wenn er während der. Zeit eines Jahres einmal ausging,
erschracken und zerstreuten sich die Menschen mehr, als wenn
sie einen Dämon gesehen hätten.
Wang-hoel-tschi aus Tai-yuen führte den Jünglingsnamen
Pe-yeu. Er wurde im vierten Jahre des Zeitraumes Yuen-kia
(427 n. Chr.) stechender Vermerker von Yuen-tscheu. Als er
sich auf dein Wege befand, hatte er Gäste. Er gab Befehl,
dass man Wein und Gebratenes suche. Er hatte noch nicht
ausgeredet, als das Gebratene ankam. Hoei-tschi nahm es, zer-
schnitt es und ass es zuletzt nicht. P^r warf es auf die Erde
und war sehr zornig. Nach einer kleinen Weile sah er sich
darnach um. Das Gebratene hatte sich bereits in das Haupt
Hoei's verwandelt. Voll Entsetzen l)lickte er zurück und sah
Zur Geschiclite der Wunder in dem ;i!ton China. 821
wieder, dass das Haupt sich in der Luft, befand. Es versank
mit Schnelligkeit. i\ls er in den Landstrich gelang-te, verschied
er sogleich.
Tschang-tscliung-schü sah im siebenten Monate des sie-
benten Jahres des Zeitraumes Yuen-kia (430 n. Chr.), zwischen
Morgen und Abend plritzlich, dass zur Seite des Thores ein
rother Dunst erglühte. Spilter regnete es plötzlich aus der
jLuft in seineu Vorhof hochrotheu Flor. Derselbe war sieben
[bis acht Linien breit und fünf bis sechs Zoll lang. An alle
jStücke waren Papierstreifen gebunden, deren Breite und Länge
Igleich derjenigen des Flors. Es regnete in Menge und sehr
schnell. Schü, dem es zuwider war, verbrannte alles. In der
; Nacht erkrankte er ganz plötzlich und starb.
Wang-yü befand sich im Anfange des Zeitraumes I-hi
(405 bis 41 'S n. Chr.) in dem mittleren Vorliofe und richtete
seine Kopfbedeckung. Ph'itzlich machte sie sich los und stieg
in die Luft, als ob sie von einem Menschen aufgesetzt worden
wäre. In dem Monate, in welchem seine Mutter starb, reichte
er au dem Hofe das Weinopfer. Das Gefäss befand sich auf
einer Bank, In einem Augenblicke glitt es auf die Erde,
stürzte um und stieg wieder auf das Bett. Wider Vermuthen
trugen sich die drei Kinder seines jüngeren Bruders mit Doppel-
herzigkeit. Sie wurden ihrer Schuld überwiesen und hingerichtet.
Tan-tao-thsi befasste sich in dem Zeiträume Yuen-kia
(424 bis 453 n. Chr.) mit dem Niederhalten von Tsin-yang.
Im zwölften Jahi-e dieses Zeitraumes (435 n. Chr.) trat er an
den Hof und trennte sich von seinem Hause. Er blickte auf die
Warte der Stadtmauern zurück und schluchzte immer heftiger.
Die Einsichtsvollen erkannten, dass Tao-thsi nicht im Süden
umherziehen werde. Desswegen sangen die Zeitgenossen von
ihm das Lied : Der Ilauswii-th bewerkstelligt die Trennung auf
den Tod. Bei Enzian und Gift, wie soll er sich helfen ? —
Als Thsi die Schiffe auslaufen lassen wollte, kam ein Pfau,
Sitzl). a. iihil.-hist. Cl. LXVni. lid. IV. Ilft. 53
822 Pfizmaier.
den er sich hielt, herbei, nahm die Kleider Tschi's in den
Schnabel, jagte mit ihnen fort und kam wieder. Dieses ereig-
nete sich mehrmals. Im dritten Monate des dreizehnten Jahres
(436 n. Chr.) wurde er schuldig befunden und hingerichtet.
Das Haus Tai-hi's von Wu-tschang war arm, seine Wege
niedrig. Sein Grab befand sich im Süden des Berges Puan.
Der Wahrsagende sagte: Es hat die Luft der Könige, den all-
seitigen Kriegsmuth. — Hoan-wen stützte sich auf die Macht,
sti^g im Westen hernieder und stand vor Wu-tschang. Er befahl,
das Grab aufzugraben. Man fand ein Wesen von der Grösse
eines Wasserbüffels. Dasselbe war von grüner Farbe und hatte
keinen Kopf und keine Füsse. Um die Zeit bewegte es sich
auch. Die Stellen, an denen man es stach, tielen nicht ein.
Man Hess es geschehen, dass man es in den Strom legte. Als
es Wasser erhielt, hatte es eine Stimme gleich dem Donner.
Es wandte sich dem langen Rinnsaal zu. Die spätere Nach-
kommenschaft Hi's erlosch in gegenseitiger Folge,
Kö-hoei-fu von U-yang befand sich in dem Zeiträume
I-lii (405 bis 418 n. Chr.) in dem Hause seiner Tochter und
übernachtete daselbst. Um die dritte Nachtwache erschienen
zwei Menschen, die in den Händen Feuerbrände hielten und
vor der Treppe stehen blieben. Er muthmasste, dass es böse
Menschen seien. Er ging hin, um nach ihnen zuschlagen. Als er
den Stock herablassen wollte, verwandelten sie sich in Schmet-
terlinge, die in Massen umherflogen und sich zerstreuten. Ein
Wesen stiess an die Achselgrube Hoei-fu's. Er fiel sogleich
zur Erde. In einer kurzen Zeit war er todt.
Die Geschichte der erzählten Merkwürdigkeiten sagt:
Das Wohnhaus Kö-tschung-tschan's befand sich in Kiang-
ling, im Süden des Lautentempels. In dem Zeiträume Yueu-
kia von Sung (424 bis 453 n. Chr.) begann er, das Haus her-
zurichten und verfertigte Fenstergitter aus Bambus. An dem
Bambus wuchsen allmälig Zweige und Blätter in einer Länge
von mehrei'cn Klaftern. Es wurde düster wie in einem Walde.
Tschuug-tschan hielt dieses für eine glückliche Vorbedeutung.
' Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 823
)
US er den Zeitraum Hiau-kien (454 bis 4n{\ u. Chr.) erreichte,
mrde er hingerichtet.
Tschü-hieu-tschi von Kia-hing- sass in dem Zeiti-aume
i^uen-kia (424 bis 4ö3 n. Chr.) seinem jüng-eren Bruder geg-en-
jtber. Ein Hund wandte sich gegen Hieu-tschi, blickte, indem
jir sich kauerte, die zwei Menschen an und hichte. Er schüt-
elte den Kopf und sagte: Mau sagt, ich könne nicht singen.
Bürt meinen Gesang! Die Pflaumenblüthen sind dieses Jahr
Llt und können wiederkommen. Doch ihr, was lässt sich im
jiächsten Jahre für euch thun? — Die Menschen des Hauses
Uthaupteten den Hund und stellten das Haupt an der Seite
|les Weges zur Schau. Als die Zeit der Pflaumenblüthen kam,
jtämpften die Brüder miteinander. Der jüngere Bruder ver-
Ivundete mit der Hakenlanze den älteren. Er wurde aufn-e-
griffen, gebunden, und Beide starben.
In dem Zeiträume Tai-ming von Sung (457— 464 n. Chi-.)
irfreute sich Lieu-schün, Befehlshaber des Districtes Tün-khieu,
les Weines. Als er am frühen Morgen aufstand, sah ei- auf
einem Bette eine Masse geronnenen Blutes, das die Gestalt
iiner umgestürzten Schüssel hatte. Der Mann von dem Ge-
schlechte Lieu war ein Mensch des Krieges. Er war durchaus
flicht erschrocken oder verwundert. Er befahl, dass mau Knob-
[auch stosse. Er zerschnitt eigenhändig das Blut, mengte es
init Knoblauch und verzehrte es. Was übrig blieb, warf er
^eg. Zehn Jahre später, im zweiten Jahre des Zeitraumes
^uen-hoei (474 n. Chr.), ward er durch Wang-tao-lung getödtet.
Das Haus Tscheu-teng-tschi's befand sich in (Iqv Hau])t-
stadt. Zu den Zeiten des Kaisers Ming von Sung besorgte er
flie reingeistigen Ahnentempel und ward mit Gnade und Gunst-
oez eugungen überhäuft. Seine Mutter von dem Geschlechte
Sie bot die Vorschriften Fo's. In einem Monate des Souiukm-s
des fünften Jahres des Zeitraumes Tai-schi (4()1) n. Chr.) crschicüi
^vährend eines Platzregens ein Wesen , das die Gestalt eines
! 53*
824 Pfizmaier.
dunklen Rauches oder Nebels hatte. Dasselbe Hess das Haupt
herab und setzte sich auf dem Boden vor dem Gerichtssaale
fest. Haupt und Hals waren wie bei einem grossen rothen
Vogel. Es trank das Wasser in dem Vorhofe. Teng--tschi war
erschrocken und meinte, es sei ein guter Geist zu ihm herab-
gestiegen. Er schöpfte mehr Wasser, und es trank hundertmal
zehn Nössel. Als das Wasser zu Ende war, entfernte sich dieses
Wesen. In zwei Jahren starb die Mutter von dem Geschlechte
Sie. Im nächsten Jahre, ein halbes Jahr nach ihrem Tode,
starb Kaiser Ming. Die Sache Teng-tschi's erfuhr seit dieser
Zeit ein Abnehmen und Fehlschlagen.
W^as Lieu-yuen-king von Ho-tung, den grossen Heerführer
der raschen Reiter zu den Zeiten von Sung, betrifft, so gelangte
im achten Jahre des Zeitraumes Tai-ming ('4ß4 n. Chr.) der
junge Kaiser zu seiner Stufe. Yuen-king bestieg einen Wagen
und fuhr aus. Als er zurückkehrte, hiess er Leute mitten im
Vorhofe die Schwangbäume des Wagens waschen. In kurzer
Zeit erhob sich ein Wirbelwind, der mitten durch das Thor
drang und in geradem Anlaufe den Wagen erfasste. Im nächsten
Jahre wurde das ganze Thor hingerichtet.'
Die Verzeichnisse des Dunklen und Hellen sagen :
Tschung-tsu aus dem nördlichen Tempel von U, ein Mensch
des Weges, lag in dem inneren Hause des Gebetes. Eine Ratte
kam aus einer Grube hervor und sagte : Tschung-tsu, nach
einigen Tagen wirst du sterben. — Tschung-tsu rief einen
Sclaven und hiess ihn einen Hund hereinbringen. Die Ratte
sagte: Ich fürchte dieses auch nicht. Wenn ein Hund zur
Thüre hereinkommt, ist er gewiss todt. — Als der Hund herein-
kam, war es wirklich so. Tschung-tsu war einst ein Kaufmann
gewesen. Er verschloss die Thüre und sagte zu der Ratte : Du
willst mich eben nur reich und vornehm machen. Ich befehle
dir, dass du, wenn ich weit fortgereist sein werde, sorgfältig
mein Zimmer bewachest und nichts verloren gehen lassest. —
Um die Zeit befand sich Hoan-wen in Nan-tsehuen und verbot,
Rinder zu tödten. Er verfuhr dabei sehr eiliji'. Tschunsr-tsu
' Nie, dor Nachfolger des Kaisers Hiao-wn von iSung, liess die Angehörigen
der Stammliäiiser der grossen Würdenträger tödten.
Zur Geschichte der Wunder iu dem alten China. 8^ö
iid mehrere zelintciusend Rindshäute, die er verstohkiner Weise
ekauft hatte, auf Wagen, kehrte nach Osten zurück und ver-
andelte sie. Er gewann zwanzignial Zelmtausende. Als er
urückkehrte, war das innen' Haus noch immer verscldossen,
nd es war gar nichts verloren gegangen. Die wunderbare
l^rscheinuug war ebenfalls zernichtet. Seit dieser .Zeit wurde
!T allmäliy reich.
^f^
Zu den Zeiten Schi-hu's zeichnete man in der Vorhalle
ies grossen Kriegsmuthes die Bildnisse weiser Männer. Deren
jläupter schrumpften plötzlich insgesammt ein und befanden
•ich in der Mitte der Schultern.
ir
Tscheu-tschao von I-hing war 8in-hoei's Vorsteher der
*fi-dc und boftind sich in Kiang-ling. Seiner Gattin wurde
,1 stattet, dass ihr Haus sich in Nio belinde. Sie sah von ferne
n dem Hause beim Mondlicht das Haupt eines todten Menschen,
las auf der Erde lag und von Blute troff. Sie erschrack und
rrwunderte sich. Sofort verlor es sich und war verschwunden.
Später verfiel Tschao dem Gesetze.
Im neunten Jahre des Zeitraumes Yuen-kia (432 n. Chr.)
jcfand sich Yö-hia von Nan-yang in dem Saale. Plötzlich
fiörte er, dass in der Luft ein Mensch ihn und sein Weib beim
Namen rief. Dieses geschah mit grosser Eile durch ein halbes
Jahr, dann hörte es auf. Ei' war überaus erschrocken und
fürchtete sich. Einige Tage später kehrte sein Weib hinter
ilem Hause zurück. Plötzlich war ihr ganzer Leib so wie ihre
^esammte Kleidung blutig. Es war noch kein Monat, als Mann
imd Weib nach einander erkrankten und starben.
. Nachdem Tschü-kö-tschang-min reich und voj'nehm ge-
^vorden, stand er einst durch einen Monat oder durch mehrere
pecaden plötzlich, während er in der Nacht schlief, erschrocken
auf und sprang umher, als ob er sich mit einem Menschen
826 Pfizmaier.
schlüge. Mao-sieu-tschi übernachtete einst mit ihm und erschrack
darüber. Nicht wissend, was dieses bedeute, blickte er ihn an.
Nach längerer Zeit sagte Min zu dem Manne von dem Geschlechte
Mao : Dieses Wesen ist wunderbar und stark. Es gebricht mir
nicht an Mitteln, es zurecht zu bringen. — Der Mann von dem
Geschlechte Mao sprach: Was ist es für ein Wesen? — Tschang-
min sprach: Ich sah eben ein Wesen, das sehr schwarz war,
aber seine Hände und Füsse waren nicht deutlich zu unter-
scheiden. Seit wenigen Tagen kommt es an den Abenden und
kämpft plötzlich mit mir. Ich bin sehr erschrocken und fürchte
mich. — Zwischen den Pfeilern und den Balken des Hauses
sah man lauter Schlangenköpfe. Er befahl Leuten, mit Messern
auf sie zu hacken. Die Köpfe bargen sich und verschwanden
vor den Messern, aber bald kamen sie wieder hervor. Mau
stopfte Papier in die Pfeiler und Balken. Das Papier rasselte
inwendig, als ob im Gehen ein Geräusch gemacht würde.
Zur Zeit als Lieu-pin sich in der Provinz U befand, war
in dem Districte Leu ein Mädchen, das plötzlich in der Nacht
bei Wind und Regen und in Ueberstürzung innerhalb der Feste
der Provinz ankam und sich zu erkennen gab. Sie war von
dem Hause nur einen Augenblick entfernt, und ihre Kleider
waren nicht nass. Als sie bemerkte, dass sie sich an dem
Thore befand, verlangte sie Zutritt. Sie sagte: Ich bin eine
Abgesandte des Himmels. Der Gebieter des Sammelhauses soll
aufstehen und mir entgegengehen. Ich werde ihn sehr reicli
und vornehm machen. Thut er es nicht, so hat er gewiss Un-
glück. — Der Mann von dem Geschlechte Lieu fragte, woher
sie komme und erfuhr dieses auch nicht. Zwanzig Tage später
wurde der IMann von dem Geschlechte Lieu wirklich hingerichtet.
Zu den Zeiten Hoan-wen's sass ein dem Kriegsheere als
Drftter Zugetheiltcr in der Nacht auf seinem Sitze. Plötzlidi
sah er über den Balken des Hauses einen liegenden Hasen.
Derselbe presste die Zähne zusammen und wandte sich gegen
ihn, Ajß der Haso kam und im Umwenden nahe war, zog
Jeuer ein Messer und hieb nach ihm. Er sah, dass er den
Zur Geschichte der Wunder in dem alten l'liiua. 827
lasen i'icht% getroffen hatte, aber in WiiklichKoit war der
5ugetheilte an dem Knie verletzt und blutete.
Die Geschichte der untersuchten Merkwürdigkeiten sagt:
I U-tsing, ein Mensch von Siü-tscheu, wurde im fünften
iJahre des Zeitraumes Tai-yuen (3-SO n. Clu-.) als Mensch des
FIroberungszuges ausgeschickt. Er tödtete ein Huhn und be-
i'chrte Segen. Als er das TIaiipt des Huhnes in eine Schüssel
ei^te, krähte es plötzlich. Später schlug man die Käuber.
>cliao-pao, der Anführer der Räuber, überblickte die Schlacht-
oilien und fiel in dem Kampfe. Um die Zeit lagen die zu
[ji'don gestreckten Leichname in Unordnung durch einander,
ind Niemand konnte sie erkennen. Tsing sah einen Menschen,
der mit einem Mantel von weissem Brocat bekleidet war. Er
r/ermuthete, dass es der Anführer sei. Er schlug ihm sogleich
ias Haupt ab und meldete sich. Als man Nachforschungen
i-instellte, war es das Haupt Pao's. Tsing wurde seiner Ver-
dienste wegen zum Statthalter v(jn Tsing-ho ernannt. Er über-
schritt die Stufe der wandei'nden Genossenschaften der fünf
Männer und erlangte in grossem Masse Ehre und Würden,
pie Ungeheuerlichkeit des Huhnes hatte sicli in Glück ver-
jwandelt.
Die von Hoan-tan verfassten neuen Erörterungen sagen :
Die Sclavin Liü-tschung-tse's starb. Sie hatte eine viei--
jälu'ige Tochter. Sie kam mehrmals, um ihr das Haupt zu
waschen und sie zu reinigen. Die Männer des Weges sagten:
Ein grüner Hund in dem Hause thut dieses. Wenn man ihn
tödtet, so hat es ein Ende. — Yang-tschung sagte ebenfalls,
in einem ilim l)ekannten Hause sei eine alte Mutter gestorben.
Plötzlich habe sie sich erhoben, habe gegessen und getrunken.
Nachdem sie sich berauscht, sei sie auf dem Bette der Opferung
gesessen. Dieses habe sich drei- bis viermal ereignet. Das
Haus sei noch mehr gedrückt und gequält. Als sie später sich
berauschte und wegging, zerstörte man die Ringmauer. Man
fand einen alten Hund, den man sogleich erschlug. Als man
Nachforschungen anstellte, war es der Haushund des Weinver-
käufers an dem Ende der Gasse.
Der Frühling und Herbst von Yuen-yen sagt :
Bei dem Tempel von Sin-ngan befand sich ein Sophora-
baum, und eine Aelster hatte daselbst ihr Nest gebaut. Ein
828 Pfizmaier.
Hahn raubte es und setzte sieh daselbst auf. Fan-lien, Befehls-
haber von Yung-ngan, war der Sohn einer Muhme aus meiner
Verwandtschaft. Sein Vorstehe]- der Register sagte zu mir:
Ein Hahn sitzt im freien Felde auf. Das Herz der Menschen
wird sich hiernach richten^ und man wird in dem freien Felde
halten. Der District ist leer! — Im Sommer, im fünften Mo-
nate, an dem Tage Ping-schin (33) starb Lien. Die Trauer hielt
in dem Districte. Man Hess den District leer und begleitete Lien.
Von der lichten und dunklen Seele.
Das herbeigezogene göttliche Uebereinkomnien des Buches
der Elternliebe sagt:
Die Leidenschaften sind die Abgesandten der lichten
Seele. Die Leidenschaften sind die Vorgesetzten der dunklen
Seele. Entsteht die Leidenschaft in dem Yin, so berechnet
man dadurch und denkt. Entsteht die Leidenschaft in dem
Yang, so ordnet man dadurch und kommt überein.
Die von Wang-sü verfasste Geschichte der Erfordei-nisse
der Trauerkleider sagt :
Der Vater des Fürsten Ngai von Lu wurde begraben.
Khung-tse fragte : Soll man die Kleider der lichten Seele hin-
legen? — Fürst Ngai sprach: Die Kleider der lichten Seele
stammen von Yuen-kiug. Yuen-king erkältete sich auf den
Wegen am Fusse des Gebirges und starb. Sein Freund Yang-
kio war betrübt. Er ging hin und holte den Leichnam ab.
Die lichte Seele und der Geist waren kalt, deswegen verfertigte
er die Kleider der lichten Seele. Mein Vater kleidete sich im
Leben in Stickwerk iind bunte Seide. Er starb in der Um-
hüllung der Kleider. Wozu sollten die Kleider der lichten
Seele sein?
Das Sse-ki sagt:
Kao-tsu sagte zu dem älteren Bruder seines Vaters in
Pei : Ich, der umherschweifende Sohn, bin traurig wegen meiner
Heimath. Habe ich auch meine Hauptstadt innerhalb des Grenz-
passes, nach zehntausend Jahren deid^t meine lichte und meine
dunkle Seele noch immer freudevoll an Pei.
Das Buch der Erhebung von Tsin sagt:
Zur Geschichto ilei Wunder in liein iilten China. 829
Yiw, König' von Tnng--liai, starb. Seine K^cinigin empfanrl
Trauer und Schmerz. Der äussere und innere Sarg- Yuö's
wurde verbrannt. Man rief die lichte Seele herbei und begrub
Yue in Tan-tu. Tschung--tsung- glaubte, dass dieses gegen die
Gebräuche sei. Er sandte eine h(»chste Verkündung herab,
worin er sagte: Durch den Grabhüg-el verbirgt man die Gestalt.
Durch den Ahnentempel beruhig-t man den Geist. Dass man
in dem gegenwärtigen Zeitalter die lichte Seele herbeiruft und
den Todten begräbt, ist so viel, als man vergräbt den Geist.
Ich verbiete es.
Das Buch Hoai-nan-tse sagt :
Die Luft des Himmels ist die lichte Seele. Die Luft der
Erde ist die dunkle Seele.
Die dunkle Seele fragte die lichte Seele: Was macht der
Weg zu seinem Stoffe? — Jene sprach: Er macht das Niclits
zu seinem Stoffe. — Die dunkle Seele sprach : Ist das Niclits
ohne Gestalt? — Die lichte Seele sprach: Das Nichts ist ohne
Gestalt. — Die dunkle Seele sprach : Wie ist es möglich, das
Nichts zu hören ? — Die lichte Seele sprach : Wir haben gerade
nur etwas, das uns widerfährt. Mau sieht es, ohne dass es
eine Gestalt hat. Man hört es, ohne dass es eine Stimme hat.
j\[an nennt es das Versteckte und Dunkle. Das Versteckte
und Dunkle, durch dasselbe verkündet man den Weg, aber es
ist nicht der Weg.
Das Durchdringen des weissen Tigers sagt :
Was bedeutet lichte und dunkle Seele? g^ Hoen , lichte
Seele' ist gleichsam Y£| Y^ Yün-yün, ,sich im Kreise drehen.'
Sie geht umher, ohne zu ruhen. Die liuft des kleinen Yang
bewegt sich absichtlich und rastet nicht. Der ]\Iensch irft das
Aeussere. ^ Pe,dunkle Seele' ist gleichsam ^J^ ^ Pe-
jen ,hastig'. Sie legt sich hastig an den Menschen. Dieses ist
die Luft des kleinen Yin. Sie stellt Metall und Steine vor, sie
legt sich an den Menschen und geht nicht weiter. 2M Ibx'ii
, lichte Seele' ist ^^ Yün ,jäten'. Durch die Leidenschaften
entfei-nt sie das Unreine. A^ Pe , dunkle Seele' ist ^
Pe , hastig'. Durch die Gemüthsart regelt sie das Innere. Was
bedeutet rein geistiger Geist? ^ Tsing , reingeistig' ist ^
ööO Pfizmaier.
Tsing- , ruhig-'. Das g-rosse Yin ist die Luft des Umkrciscns und
Verwandeins. Es stellt die Ver\vandlungen des Wassers vor.
Es wartet auf die Beauftrag-ung mit dem Leben. Der Geist
verliert die Besinnung. Die Luft des grossen Yin tritt aus und
ein ohne Zwisehenraum.
Das Buch Pao-pö-tse sagt:
Der Meister sagt: Will man nach dem langen Leben
trachten, so muss man fleissig die grossen Arzneimittel ge-
brauchen. Will man den Verkehr mit den Göttern erlangen,
so muss man durch Metall und Wasser die Gestalt theilen. Ist die
Gestalt getheilt, so sieht man seinen Leib, die drei lichten
Seelen, die sieben dunklen Seelen, und das Reingeistige des
Himmels, der Gott der Erde kommt herab und trifft mit uns
zusammen. Die Götter der Berge und Flüsse können dienst-
bar gemacht werden.
Das grosse Einzige beruft die lichte und die dunkle Seele.
Nach den Vorschriften des Mennigs nimmt man fünf Steine
und versiegelt sie mit dem Schlamm des grossen Einzigen.
Denjenigen, die drei Tage nach dem Tode zurückkehren, bricht
man die Zähne, führt eine Kugel ein und gibt sie ihnen mit
Wasser. Wenn dieses in die Kehle dringt, sind sie lebendig.
Die Lebendigen erscheinen zum Besuche. Die Abgesandten
halten in der Hand ein Abschnittsrohr und berufen sie.
Die Menschen, seien sie weise oder thöricht, kennen die
lichte und die dunkle Seele des eigenen Leibes. Wenn die lichte
und dunkle Seele theilweise fortgeht, so ist der Mensch krank.
Wenn sie gänzlich fortgeht, so ist der Mensch todt. Deswegen
haben die Häuser der Kunst des theilweisen Fortgehens Vor-
schriften, nach denen sie es verzeichnen. Ist ein gänzliches
Fortgehen, so gibt es in den Vorbildern der Gebräuche eine
AVeise, die lichte Seele herbeizurufen. Dieses ist eine Sache,
die äusserst nahe ist. Gleichwohl, indem sie mit dem Menschen
zugleich geboren wird, ist Niemand, der in seinem ganzen Leben
sie vielleicht hörte oder sähe. Wie könnte man, indem man
sie nicht hört und sieht, wieder sagen, dass sie nicht ist?
Zur Geschichte der Wunder in dorn alten China. 831
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt: *
Die Sterne des Querholzes des Wagens vertreiben die
Dämonen. Die spannenden Sterne umfassen die lichte Seele.
Der östliche Brunnen bringt die dunkle Seele zurück.
Die Gattin Yü-schi's von Sin-ye, eine Tochter dos Ge-
schlechtes Mao von Yung-yang, trocknete in dem Zeiträume
I-hi (405 bis 418 n. Chr.), im fünften Monate des Jahres in
der Sonne IMatten. Plötzlich sah sie ihre Tochter unter einer
Matte und über dem Grase. Sie erschrack und füi-chtete sich.
Sogleich verging die Erscheinung, und die Gestalt ihrer Tochter
befand sich auf einem besonderen Bette wie früher. Es war
noch keine Decade, als die Tochter eines frühzeitigen Todes
starb. Dass man nach den Ueberlieferungen des Zeitalters sich
scheut, in der Mitte des Sommers die Matten eines Bettes zu
erheben, findet hierin seine Bestätigung.
Die alte Geschichte der Greise von Siang-yang sagt:
Yang-kung bestieg mit Tseu-jün-fu den Berg Hien. Ihm
fielen die Thränen herab und er sprach : Seit es einen Erdkreis
gibt, ist dieser Berg. Vom Anfange an sind der weisen, ver-
ständigen und siegreichen Männer, die hier heraufgestiegen sind
und in die Ferne geblickt haben wie ich und du, viele. Sic
alle sind vernichtet, man hört nichts von ihnen. Man kann
nicht dahin kommen, sie zu kennen und ihrer zu gedenken.
Dieses erfüllt den Menschen mit Wehmuth und Schmerz. Nach
hundert Jahren wird meine lichte und dunkle Seele noch immer
diesen Berg ersteigen.
Die Geschichte der zehn Inseln sagt:
Die Insel der sich sammelnden Höhlen befindet sich in
dem westlichen Meere, bei dem Gebiete Schin-wi. Auf der
Insel wächst ein grosser Baum, der mit dem Ahorn Aehnlieh-
keit hat. Blüthen und Blätter sind wohlriechend, und man riecht
sie auf einer Strecke von mehreren hundei't Weglängen. Man
nennt ihn mit Namen: den Baum dei- zurückkehrenden lichten
Seele. Man schlägt an den Baum, und der Baum ist auch
fähig, einen Ton von sich zu geben. Der Ton ist gleich dem
Brüllen eines Rindes. Die ihn hören, zittern in dem Herzen
und erschrecken in dem Geiste. Man schlägt seine Wurzeln
und sein Herz ab, röstet sie in einem Kessel von Edelstein
332 Pfizmaier.
und nimmt den Saft. Man erhitzt und siedet diesen wieder
bei g-elindem Feuer. Er wird gleich schwarzer Grütze , und
man bewirkt, dass man daraus Kugeln bilden kann. Diese
führen den Namen: der das Geistige erschreckende Wohlgeruch.
Man nennt sie auch: die das Reing-eistige erschütternden Ku-
geln. Man nennt sie auch: der das Leben zurückbringende
Wohlgeruch. Man nennt sie auch: der Wohlgeruch des Gei-
stigen des Vogels. Man nennt sie auch: der den Tod zurück-
werfende Wohlgeruch. Es ist Eine Gattung und fünf Namen.
Es ist ein reingeistiger Gegenstand. Den Wohlgeruch riecht
man auf einer Strecke von mehreren hundert Weglängen.
Wenn die todteu Leichname, die auf der Erde liegen, den
Wohlgeruch riechen, so werden sie dadurch lebendig.
Die Denkwürdigkeiten voji vielseitigen Dingen sagen :
Das herangezogene göttliche Uebereinkommen sagt : Die
Götter der fünf Bei'ghöhen sind höchst weise. Die Geistigen
der vier Rinnen ' sind menschlich. Sie sind die Enkel des
Himmelskaisers auf dem Tai-schan. Sie sind vorgesetzt der
Vorladung der lichten Seele des Menschen, dem Anfang und
dem Ende der zehntausend Wesen der östlichen Gegenden.
Sie sind vorgesetzt der Länge und Kürze des Lebens und des
Lebensloses des Menschen.
Die Verzeichnisse des Auf lesens des Hinterlassenen von
Wang-tse-nien sagen :
Auf dem Berge Yung-kao findet man die Reispflanze der
fliegenden lichten Seele. Wer sie verzehrt, stirbt und wird
wieder lebendig.
Die Worte von Tsu sagen :
Das ,Herbei rufen der lichten Seele' ist von Sung-yö ver-
fasst worden. Yö bedauerte, dass Khie-yuen redlich war und
Verstössen wurde, dass er geworfen wurde auf die Bergsümpfe
des Kummers, dass seine lichte und dunkle Seele losgelassen
wurde und sich verflüchtigte, dass sein Lebenslos sich zum Fallen
1 Die vier Rinnen sind der gi'osse Strom, der gi'osse See, die Flüsse Hoai
inid Tlisi. Nach Einigen ist V^ Tö ,Rinne' so viel als jj^ Tö
,allein', weil ein jedes dieser Gewässer das Wasser für sich allein aus-
führt und in das Meer tritt. Nach Anderen steht Vg Tö ,Rinne' für
iM 'A'''*^''^* rtrüb', weil diese Gewässer den Schmutz und das Trübe des
mittleren Reiches in das Ostraecr führen.
Zur Geschichte tler Wumler in ilom alten China. 833
i
neigte. Deswegen verfasste er das ,Iicrbeirufen der lichten
Seele^ Er wollte dadurch wiederherstellen dessen reinen Geist,
verlängern dessen Jahre und Langlebigkeit, nacli aussen auf-
stellen das Böse der vier Gregenden, nach innen hochstellen das
Gute des Reiches Tsu und liierniit belehi-en den Könie- Iloai.
Er hoffte, dass der König zur Besinnung kommen und Jenen
zurückrufen werde.
Die Herbeirufung der lichten Seele in den Worten von
Tsu sagt:
Der Kaiser (des Himmels) sagte zu (dem göttlichen Arzte)
Wu-yang: Ein Menscli befindet sich unten. Ich möchte ihn
stützen. Seine lichte und dunkle Seele ist getrennt und zer-
streut. Wahrsage du und befasse dich mit ihm.
Von Gespenstern.
Die Geschichte des Suchens der Götter sagt:
Tschü-kö-khö war Statthalter von Tan-yang. Als er auf
die Jagd zog, befand sich zwischen zwei Bergen ein Wesen,
das einem kleinen Kinde glich. Es streckte die Hand aus und
Hess sich von den Menschen führen. Khö befahl , dass man
es führe. Als es sich von dem alten Platze entfernte, starl)
es. Die Gefährten fragten ihn. Khö sprach : Diese Sache steht
in den Abbildungen des weissen Sumpfes, wo es heisst : Zwischen
zwei Bergen befindet sich ein Gespenst, das einem kleinen
Kinde gleicht. Sein Nam& ist Hi-nang. — Die Menschen hatten
es noch nicht gesehen.
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt:
Tschang-meu von Thien-men war mit den Menschen des
Dorfes auf der Jagd. Er sah unter einem grossen Baume eine
Hütte aus Stabwurz, die mit einer Schlafstätte Aehnlichkeit
hatte. Es war aber daselbst kein Kauch und kein Feuer. Nach
einer Weile trug ein Mensch, der sieben Schuh lang, haarig
und unbekleidet Avar , auf dem Rücken mehrere Affen. Er
s])racli mit ihnen, doch sie gehorchten nicht. Als sie heim-
kehren wollten, schloss er sie ein. Nach zehn Tagen brachte
er sie an den früheren Ort.
Er sagt ferner: Zu den Zeiten Sün-hao's fand man in
Lin-hai einen haarigen Menschen.
834 Pfizmaier.
Das Buch der Berg-e und Meere sagt : Das Gespenst des
Gebirg'es gleicht einem Menschen, ist aber haarig'. Dieses ist
das Gespenst des Berg-es Tsiang-.
Die Verzeichnisse des Dunklen und Hellen sagen:
Kaiser Wu von Han beging mit seinen Dienern ein Fest
in dem Palaste Wi-jang. Als man Roggen und Fleischbrühe
verzehrte, hörte man plötzlich, dass Jemand sagte: Der alte
Diener. — Man suchte, aber sah Niemanden. Ueber dem Balken
befand sich ein ,Fürst', ' der acht bis neun Zoll lang war. Er
stüzte sich auf einen Stab und schritt gebückt einher. Der
Kaiser fragte ihn. Der ,Fürst^ stieg herab, senkte das Haupt
und redete nicht. Er blickte aufwärts und betrachtete das Dach.
Er blickte abwärts und zeigte auf den Fuss des Kaisers. Plötz-
lich war er nicht mehr zu sehen. Man fragte Tung-fang-sö.
So antwortete : Sein Name ist Tsao-kien (das Zusammenfassen
des Hornblatts). Es ist das Gespenst des Wassers und der
Bäume. Im Sommer hat es sein Nest in dem Walde. Im
Winter durchwatet es den Fluss. Du, vor dem ich unter den
Stufen stehe, begannst den Bau von Palästen und inneren Häu-
sern und liessest niederhauen dessen Wohnsitz. Deswegen kam
es und beklagte sich nur. Dass es aufwärts blickte und das
Dach betrachtete, ist deswegen, weil die Vorhalleden Namen
Wi-yang- führt. Dass es abwärts blickte und den Fuss be-
trachtete, ist deswegen, weil ,Fuss' so viel als , sich begnügen'-'
ist. Es wünscht, dass der Kaiser sich hiermit begnüge. — Der
Kaiser liess aus diesem Grunde bald innehalten.
Nach kurzer Zeit besuchte der Kaiser die Flussinseln.
Er hörte, dass auf dem Boden des Wassers Gesang und Sai-
tenspiel ertönte. Als der Geruch der zubereiteten Speisen sich
verbreitete, kamen der ,Fürst', der sich früher auf den Dach-
balken befunden hatte, und einige junge Leute, mit hochrothen
Kleidern und ungefärbten unteren Kleidern angethan und acht bis
neun Zoll lang, aus den Wellen hervor. Unter ihnen waren Einige,
1 .^^ Kung ,Fürst' ist hier eine ehrende Bezeichnung im Allgemeinen.
2 Das Wort JJX- Yang in -flX -tI^ Wi-yang, dem Namen des Palastes,
hat mit AM Yang ,anf\värts blicken' gleichen Laut,
■* R^ll Khio ,Fuss' kann auch durch Jnl Tsö ausgedrückt worden, das
suwuiil ,Fuss' als ,sicli begnügen' bedeutet.
Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 835
die unter den Armen Miisikwerkzeugc trui^en. Der Kaiser be-
fahl ihnen, sich auf das Speisebret zu setzen. Dfer alte ,Fürst^
sprach: Der alte Diener war an einem früheren Abende g-e-
storben. Er wendete sich zu und beklagte sich. Zum Glück
erlangte er, dass derjenige, vor dem er unter den Stufen steht,
sofort ruhen Hess die Aexte, unversehrt erhielt dessen Wohn-
sitz. Ich konnte meine Freude nicht unterdrücken. Deswesren
wünsche ich eigenmächtig nur Glück. — Hierauf Hess er das
Saitenspiel ordnen und einen Gesang anstimmen. Die Töne
waren im Allgemeinen von denen der Menschen nicht ver-
schieden und zogen sich rein und mild um die Balken. Der
Kaiser war vergnügt und forderte zum Trinken des Weines auf.
Der , Fürst' bot dem Kaiser die Schale einer purpurnen
Seeschnecke als ein Geschenk. In derselben befand sich ein
! Gegenstand, der wie Rindsfett aussah. Der Kaiser sagte noch :
, Es wäre mir augenehm, wenn ich mit einer werth vollen Merk-
würdigkeit beschenkt würde, — Der alte ,Fürst' wandte sich
um und befahl, dass man eine Kostbarkeit der Höhlen der
i Tiefe hole. Ein Mensch Hess sich auf den Boden des wogenden
i Abgrundes des Wassers hinab und kam augenblicklich zurück.
! Er brachte eine grosse Perle, die mehrere Zolle mass und deren
.heller Glanz alles in dem Zeitalter übertraf. Hierauf war der
jFürst' mit seinen Leuten plötzlich verschwunden.
Tung-fang-sö sagte: In der Schale der Seeschnecke be-
findet sich Mark des Krokodildrachen. Wenn man es auf das
I Gesicht legt, so bewirkt man, dass der Mensch schöne Gesichts-
izüge hat. Wenn ferner ein Weib sich zwischen Pflanzen auf-
hält und es gebraucht, so gebärt sie leicht.
Die von Lui-tse-tsung verfasste Geschichte von Yü-
t tschang sagt:
Gegen das Ende des Zeitraumes Yung-kia (307 bis 311
n. Chr.) war eine grosse Schlange, die in der Länge über zehn
Klafter mass. Dieselbe verlegte die Wege. Wer vorüberging,
[den athmete die Schlange ohne weiteres ein und nahm ihn weg.
jSie hatte bereits mehrere hundert Menschen verschlungen und
'aufgezehrt. U-meng, der Manu des Weges, tödtete mit seinen
j Schülern die Schlange. Die Schlange war todt, und Tu-thao,
der Räuber von Schö, wurde vernichtet.
ll
836 Pfizmaier.
Die Geschichte der iirsprüng-lichen Mitte sagt:
Das Gespenst eines tausendjährigen Baumes ist ein grünes
Schaf. Das Gespenst eines zehntausendjährigen Baumes ist ein
grünes Rind. Es kommen deren viele hervor und wandeln
unter den Menschen.
Das Gespenst des Berges gleicht einem Menschen. Es ist
einbeinig und drei bis vier Schuh lang. Es verzehrt Krebse
des Gebirges. In der Nacht kommt es hervor, am Tage ver-
steckt es sich. Die Menschen können es nicht sehen. In der
Nacht hört man seine Stimme. Die tausendjährigen Kröten
verzehren es.
Das Gespenst der Edelsteine ist ein weisser Tiger. Das
Gespenst des Goldes ist ein Wagenpferd. Das Gespenst des
Kupfers ist ein junger Sclave. Das Gespenst des Bleies ist
ein altes Weib.
Die Denkwürdigkeiten von vielseitigen Dingen sagen :
In den GebirgCQ ist der Kuei. Derselbe gleicht von Ge-
stalt einer Trommel und ist einbeinig. In den Sümpfen ist der
Wei-sche. Derselbe ist gestaltet wie eine Nabe und laug wie
die Querstange des Wagens. Wer ihn sieht, gelangt zur Ober-
herrlichkeit. Einst betrachtete Yü von Hia den FIuss. Er sah
einen langen Menschen, der die Gestalt eines Fisches hatte.
Derselbe kam hervor und sagte : Ich bin das Gespenst des
Flusses. Wie sollte ich der Aelteste des Flusses sein?
Die Abbildungen des weissen Sumpfes sagen:
Das Gespenst des Abortes heisst mit Namen IT. Es trägt
ein grünes Kleid und hält in der Hand einen weissen Stab.
Wer seinen Namen weiss und es ruft, wird von Krankheit ge-
heilt. Wer den Namen nicht weiss, stirbt.
Wenn man ein inneres Haus baut und es drei Jahre nicht
bewohnt, so findet sich darin ein kleines Kind, das drei Schuh
lang ist und kein Haupthaar hat. Wenn es einen Menschen
sieht, hält es sich die Nase zu. Wer es sieht, hat Segen.
Das Gespenst des Feuers heisst mit Namen Pi-fang. Es
ist gestaltet wie ein Vogel und einbeinig. Wenn man es bei
seinem Namen ruft, entfernt es sich sogleich.
Znr Geschichte der Wunder in dem alten China. 837
Das Gespenst der Bäume heisst mit Name?n Peng-sse. Es
ist g-estaltet wie ein schwarzer Hund, der keinen Schweif hat.
Man kann es kochen und essen.
In tausendjälirigen Bäumen findet man ein Insect, dessen
Namen Ku-tschö. Dasselbe ist wie ein Schwein gestaltet.
Wenn man es verzehrt, schmeckt es wie Hundefleisch.-
Sind in der Höhe Berge und Wälder, in der Tiefe Flüsse
und Quellen, so entsteht zwischen den Ordnungen des Bodens
ein Gespenst, dessen Name Pi-fang. ' Dasselbe ist gestaltet
wie ein Vogel mit langem Schweife. Das Gespenst, in welches
sich daselbst das Yin und Yang verwandeln, heisst mit Namen
Tai-wei. Dasselbe ist gestaltet wie ein schönes Mildchen, das
j an dem Aufenthaltsorte der Könige geboren worden. P]s ist
mit einem grünen Kleide bekleidet. Wenn man es sieht, mit
einer Lanze aus dem Holze des Pfirsichbaumes es sticht und es
beim Namen ruft, so erlangt man es.
Das Gespenst des Goldes heisst mit Namen Thsang. Es
ist gestaltet wie ein Schwein. Es wohnt in den Häusern der
Menschen und bewirkt, dass es für die Menschen nicht ange-
messen ist, eine Gattin zu nehmen. Wenn man es beim Namen
ruft, so entfernt es sich sogleich.
Das Gespenst des Wassers heisst mit Namen Wang-siang.
Es ist gestaltet wie ein kleines Kind. Es ist von rother Farbe,
i hat grosse Ohreu und lange Nägel. Wenn man es mit einem
i Stricke bindet, so kann man es erlangen. Kocht inan es, so
ist dieses glückbringend.
Das Gespenst der alten Thore heisst mit Namen Ye (das
' freie Feld.) Es ist gestaltet wie ein Zwerg. Wenn es Menschen
! sieht, so verbeugt es sich. Hüft man es beim Namen, so hat
man angemessene Speise und Trank.
1 Hb ,i?A ri-fang ist der nämliche N.amo, der oljon dorn Gosponsto des
Feuers gegeben wnrde.
Sitzl). d. phil.-hist. Cl. LXVIII. Bd. IV. Ilft. 54
83K Pfizmaier.
Das Gespenst der alten Wohnhäuser heisst mit Namen
Hoei-wen. Es heisst auch Schan-raien (die Seitenlappen der
Mütze des Berges). Es ist gestaltet wie eine Schlange. Es hat
Einen Leib, zwei Häupter und fünffärbige bunte Streifen. Wenn
man es beim Namen ruft , kann man bew^irken, dass es Gold
und Silber holt.
Das Gespenst der alten verfallenen Erdhügel und Gi'äber
heisst mit Namen Yuen (das Ursprüngliche.) Es ist gestaltet
wie ein alter Dienstmann. Es ist in ein grünes Kleid gekleidet
und stampft gern in einem Kessel. Wenn man es beim Namen
ruft, so hat man angemessene Kornähren und Getreide.
Das Gespenst der alten Wege und Pfade heisst mit Namen
Ki (sich scheuen). Es ist gestaltet wie ein Mensch des
freien Feldes. Wenn man es beim Namen ruft, so bewirkt es,
dass der Mensch sich nicht verirrt.
Das Gespenst des Weges heisst mit Namen Tsö-khi (das
verfertigte Gefäss.) Es ist gestaltet wie ein Mann. Es ver-
steht es, die Menschen in Verwirrung zu bringen. Wenn man
es beim Namen ruft, so entfernt es sich.
Das Gespenst der alten Teiche heisst« mit Namen I (die
Absicht). Es ist gestaltet wie ein Schwein. Wenn man seinen
Namen ruft, so ist man sogleich von ihm entfernt.
Das Gespenst der alten Brunnen heisst mit Namen Kuan
(betrachten). Es ist gestaltet wie ein schönes Mädchen und
bläst gerne die Flöte. Wenn man es beim Namen ruft, ent-
fernt es sich sogleich.
Das Gespenst der zertrennten Gewässer, welche Gold ent-
halten, heisst mit Namen Heu-pe (Lehensfürst doi- zweiten und
Zur Geschichte der VVumler in dem alten China. 839
dritten Classe). Es ist g-estaltct wie ein Mensen. Es ist l'iinf
Schuh lang- und trägt ein buntgestiektes Kleid. Wenn man es
beim Namen ruft, so entfernt es sich sog-knch.
Das Gespenst der alten Erdstufen und Dächer heisst mit
Namen Liang'-kuei (die beiden Vornehmen). Es ist gestaltet
wie ein rother Hund. Wenn man es beim Namen ruft, so be-
wirkt es, dass das Aui>e des IVIcnschen hell ist.
Wo rechts und links Felsen sind, zwischen denen Wasser
entsteht, fliesst das Wasser durch tausend Jahre ununterbrochen
hervor. Das Gespenst desselben heisst mit Namen Hi (freudig).
Es ist gestaltet wie ein kleines Kind und von schwarzer Farbe.
Wenn man es beim Namen ruft, kann man Ijewirken, dass es
Speise und Trank holt.
Das Gespenst, das die Kriegsheere auf den Wagen laden,
heisst mit Namen Pin-muan (die Fülle der Gäste). Es ist ge-
staltet wie ein Menschenhaupt ohne Leib und hat rotlu; Augen.
Wenn es Menschen sieht, so dreht es sich um. Wenn man es
beim Namen ruft, so entfernt es sich sogleich.
Das Gespenst der alten Gewässer heisst mit Nanu-n Ki
(sich sclieuen). Es ist gestaltet wie ein Mensch. Es besteigt
das Dach eines Wagens und jagt in einem Tage tausend Weg-
längen weit. Wenn man es beim Nainen rul't, so kann man
bewirken, dass es in das Wasser geht imd Fische fängt.
Das Gespenst der Erdhügel und Gräber heisst mit Namen
Lang-kuei (der Wolfsdämon). Es versteht es, mit den .Menschen
zu kämpfen. Wenn es nlelit ruht, vei-fertigt man Bogen aus
dem Holze des Pfirsichbaumes, Pfcüle aus dem Holze des Dorn-
strauchs, versieht die l^feile mit Flügelfedern des Geiers und
schiesst nach ihm. Der Wolfsdänion verursacht Wirbelwind.
54*
840 Pfizmaier.
Wenn man die Schuhe auszieht und sie nach ihm wirft, so ist
er nicht im Stande, sich zu verwandeln.
Das Gespenst der alten Märkte heisst mit Namen Mao-
men (das Thor der Federn). Es ist gestaltet wie eine runde
Scheune und hat weder Hände noch Füsse. Wenn man es
beim Namen ruft, so entfernt es sich soja^leich.
Das Gespenst der inneren Häuser heisst mit Namen Hi-
lung- (der gebundene Drache). Es gleicht einem kleinen Kinde
und ist einen Schuh und vier Zoll lang. Es trägt ein schwarzes
Kleid, ein rothes Kopftuch und eine grosse Mütze. Es ist um-
gürtet mit einem Schwerte und hält in der Hand eine Haken-
lanze. Wenn man es beim Namen ruft, so entfernt es sich
sogleich.
Das Gespenst der Berge heisst mit Namen Kuei. Es ist
gestaltet wie eine Trommel und geht auf einem einzigen Fusse.
Wenn man es beijn Namen ruft, kann man bewirken, dass es
Tiger und Leoparden fängt.
Das Gespenst alter Hutweiden und verfallener Teiche
heisst mit Namen Kuen-tün (das Haupthaar abschneiden und
das Haupt beugen). Es ist gestaltet wie ein Rind und hat kein
Haupt. Wenn es Menschen sieht, so verfolgt es die Menschen.
Wenn man es beim Namen ruft, so entfernt es sich.
In der Nacht sieht man unter den Hallen ein kleines Kind,
das von seinem Haupthaar bedeckt ist und läuft. Dasselbe ist
nicht widerwärtig. Es heisst mit Namen Keu (Rinne). Wenn
man es ])eim Namen ruft, so hat man kein Unglück.
Ein hundertjähriger Wolf verwandelt sich in ein Weih,
dessen Name Tschi-niü (das wissende Weib). Dasselbe ist ge-
Zur Geschichte Her WuikUm- in ilein :iltpii Cliiiui. ' 841
staltet wie ein schönes Mädclien. Es sitzt un dem Weii,'e und
sag-t zu den Männern : Ich ha])e keine Aelteru und keine
Brüder. — Wenn ein Mann es zur Gattin nimmt, so frisst es
nach drei Jaliren die Menschen auf. Weini mau es beim
Namen ruft, so entflieht es.
Das Gespenst eines alten Abortes heisst mit Namen Pi
(niedrig'). Dasselbe ist g-estaltet wie ein schönes Mädchen und
! hält in der Hand einen Spieü^el. Wenn man es ruft, so bewirkt
es, dass der Mensch sich zn schämen weiss.
Die Verzeichnisse des Auflesens der Hintei'lassenen von
Wani^-tse-nien sagen :
Lieu-hiang- verglich die Bücher, diu Verzeichnisse des
Himmels und beschäftigte damit ausschliesslich und unermüdlich
seinen Geist. Als er einst angekleidet schlief, erschien ein.
alter Mann, der einen grünschwarzen Stab niederstellte. Um
die Zeit war die Nacht bereits dunkel. Der alte Mann blies
auf das Ende seines Stabes, aus dem hierauf eine Feuerflamme
I hervorkam. Er leuchtete damit Iliang, und es war, als ob
Lampen und Kerzen brennten. Hiang sprach mit ihm. Die
den drei Zeitaltern vorhergehenden Zeiten, die Sachen des Em-
j porkoramens und des Unterganges der Kaiser und Könige wurden
von dem alten Manne dargelegt, als ob er dieses mit eigenen
Augen gesehen hätte. Als die Rede auf die Zahl der Umdre-
hungen des Yin und Yang, auf die Wciise der Erhebung und
Vernichtung kam, übergab er Hiang die Schrift der grossen
Vorbilder der fünf Grundstoffe. Hiang fragte ihn um den Ge-
schlechtsnamen und Namen. Jener antwortete: Ich bin das
Gespenst des grossen Einzigen. Ich ])in vorgesetzt den vor-
hersagenden Tafeln des Himmels und dei- Erde. Ich erfuhr,
dass du gerne lernst. Ich kam herab und sah dich.
Das Buch Pao-pö-tse sagt:
Die Alten unter den zehntausend Wesen, ihre Gespenster
i sind sämmtlich im Stande, eine Gestalt zu entlehnen und die
Menschen irre zu führen. Sie sind aber nicht im Stande, in
einem Spiegel ihre Gestalt zu verändcsrn. Desswegen hängen
die Menschen des Alterthuras, die in die Gebirge treten, und
die Männer des Weges einen glänzenden Spiegel hinter ihren
842 Pfizmaier.
Rücken. Die alten Unholde wagen es dann nicht, den Menschen
nahe zu kommen.
Das Gespenst der Berge gleicht von Gestalt einem kleinen
Kinde, hat aber nur Einen Fuss. Der Fuss ist nach rückwärts
gekehrt. Es ist seine Freude, herbeizukommen und die Men-
schen anzufallen. Die Menschen, die in die Tliäler des Ge-
birges treten, hören seine Stimme, sein Lachen und seine Reden.
Sein Name ist Khi-tschi. Wenn man ihn aber ruft, so getraut
es sich nicht, die Menschen anzufallen. Es heisst auch Tschao-
khung (den leeren Raum überschreitend). Man kann es auch
bei beiden Namen zugleich rufen.
Es gibt ein Gespenst der Berge, das bisAveilen einer Trom-
mel gleicht. Dasselbe ist von Farbe roth und hat nur Einen
Fuss. Sein Name ist Hoei. Bisweilen gleicht es auch einem
Menschen und ist neun Zoll lang. Es ist bekleidet mit einem
Pelz, trägt einen Gürtel und einen Bambushut. Sein Name ist
Kin-lui (das goldene Gebundene). Bisweilen gleicht es auch
einem Drachen, hat aber fünf Farben und ein rothes Hörn.
Sein Name ist Fei-lung (der fliegende Drache). Wenn man es
sieht und es jedesmal bei seinem Namen ruft, so getraut es sich
nicht, Schaden zuzufügen.
Wenn in dem Gebirge grosse Bäume reden können, so
reden nicht die Bäume. Ihr Gespenst heisst mit Namen Yün-
yang (der Lichtstoff der Wolken). Wenn man es beim Namen
ruft, so hat man Glück.
Wenn man in dem Gebirge nächtlich einen Menschen von
Hu erblickt, so ist es das Gespenst des Kupfers und Eisens.
Sieht man einen Menschen von Thsin, so ist es das Gespenst
eines hundertjährigen Baumes. Sieht man zwischen Bergen
und Flüssen einen Abgesandten, so heisst dieser Sse-kiao (die
Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 843
vier Umwandlimg'en). Wenn man ihn beim Namen ruft, so
hat man Glück.
Wenn in den Gebirgen Jemand au dem Tage Yin (3)
sich einen Angestellten von Yü nennt, so ist es ein Tiger.
Nennt er sich den Gebieter auf dem Wege, so ist es ein Wolf.
Nennt er sich einen Befehlshaber und Aeltesten, so ist es ein
alter Dachs. Wenn Jemand an dem Tage Mao (4) sich einen
Mann nennt, so ist es ein Hase. Nennt er sieh den Vater des
Königs des Ostens, so ist es ein Büffel. Nennt er sich die
i ]\Iutter des Königs des Westens, so ist es ein Hirsch. Wenn
\ Jemand an dem Tage Schin (5) sich den Meister des Regens
nennt, so ist es ein Drache. Nennt er sich den Aeltesten
; des Flusses , so ist es ein Fisch. Nennt er sich den Fürsten-
sohn ohne Eing-eweide, so ist es ein Krebs. Wenn Jemand an
! dem Tage Sse (6) sich den unbedeutenden Meuschoi nennt, so
I ist es eine Schlange in dem Tempel. Wenn er sich den Ge-
bieter der Zeit nennt, so ist es eine Schildkröte. Wenn Jemand
an dem Tage Wu (7) sich einen der drei Fürsten nennt, so
i ist es ein Pferd. Wenn er sich eiuen Menschen nennt, so ist
es ein alter Baum. Wenn Jemand an dem Tage Wi (8) sich
einen den Menschen Vorgesetzten nennt, so ist es ein Schaf.
Wenn er sich einen Angestellten nennt, so ist es ein Reh.
Wenn Jemand an dem Tage Schin (9) sich einen Gebieter der
Menschen nennt, so ist es ein Affe. Nennt er sich einen der
neun Reichsminister, so ist es ein grosser Affe. Wenn Jemand
an dem Tage Yen (10) sich einen Heerführer nennt, so ist es
ein altes Huhn. Nennt er sich einen Einfänger der Räuber,
so ist es ein Fasan. Wenn Jemand an dem Tage Sü (11) sich
mit einem menschlichen Geschlechtsnamen und Namen nennt,
so ist es ein Hund. Nennt er sich den Fürsten von Hien-yang,
so ist es ein Fuchs. Wenn Jemand an dem Tage Kiai (12)
sich einen göttlichen Gebieter nennt, so ist es ein Schwein.
Nennt er sich ein Weib, so sind es Gold und Edelsteine. Wenn
Jemand an dem Tage Tse (1) sich den Gebieter des Tempels
nennt, so ist es eine Ratte. Nennt er sich einen göttlichen
Menschen, so ist es eine Fledermaus. Wenn Jemand an dem
Tage Tsch'heu (2) sich einen Schüler der Bücher nennt, so ist
gz|.^ Pfizuiaier.
es ein Rind. Wenn man die Wesen kennt, so sind sie nicht
im Stande, ein Leid zuzufügen.
In den Bergen, Flüssen, Steinen, Bäumen, Brunnen, Her-
den und trüben Teichen gibt es noch immer gespenstische Luft.
In dem Leibe des Menscheu gibt es ebenfalls eine lichte und
dunkle Seele. Um wie viel mehr ist dieses der Fall bei Himmel
und Erde als Wesen ! Die grössten der Wiesen sollen der Ord-
nung gemäss einen gespenstischen Geist haben, Haben sie einen
gespenstischen Geist, so ist es angemessen, dass sie das Gute
belohnen, das Böse bestrafen. Nur ist ihr Stoff gross, ihre
Netze sind weit, sie entsprechen nicht nothwendig durch das
Treiben der Triebwerke.
Ton den Verwandlungen.
Das Buch der Han sagt:
Zu den Zeiten des Kaisers Ngai, in dem Zeiträume Kien-
ping (6 bis 4 v. Chr.) verwandelte sich ein junger Mann von
Yü-tschang in ein Mädchen. Dasselbe vermalte sich mit einem
Menschen und wurde ein Weib. Sie gebar einen Sohn. Tschin-
fung von Tschang-ngan sagte, dieses sei das Bild, wo das Yang
sich verändert zum Yin, wo man verlustig werden wird der
fortgesetzten Nachfolge und des gegenseitigen Hervorbringens.
Ein Ausspruch lautete : Weil sie sich vermalte, das Weib eines
Menschen wurde und einen Sohn gebar, wird man nochmals
ein Geschlechtsalter haben, und dann ist der Faden zerschnitten.
Das Buch der fortgesetzten Han sagt:
Zu den Zeiten des Kaisers Ling badete die Mutter des
Geschlechtes Hoang von Kiang-hia und verwandelte sich in
eine grosse Schildkröte. Sie trat in den tiefen Abgrund der
Wasser. Später kam sie von Zeit zu Zeit hervor und Hess
sich sehen. Sie hatte eine silberne Haarnadel aufgesteckt. Als
sie sich sehen Hess, befand sich diese noch immer auf ihrem Haupte.
Im zwanzigsten Jahre des Zeitraumes Kien-ngan (215 n.
Chr.) verwandelte sich ein junger Mann in ein junges Weib.
Zvir Geschichte iler Wunder in floiii alten China. o4ö
i
Vm die Zeit sag-te Tsclieu-tsiang : Zu den Zeiten des Kaisers
Njj'ai ist dieses ebenfalls vorgekommen. Es wird die Sache des
Wechsels des Herrscherhauses sich ereignen. — Im fünfund-
zwanzigsten Jahre desselben Zeitraumes (220 u. Chr.) wurde
Kaiser Hien mit Schan-yang belehnt.^
Die Worte der Reiche sagen :
Tschao-kien-tse sprach seufzend: Der Sperling tritt in das
Wasser und verwandelt sich in eine Muschel. Der Fasan tritt
in den Hoai und verwandelt sich in eine grosse Muschel. Die
Mcerschildkröten, die Wassermolche, die Fische und Fluss-
schildkröten, sie können alle sich verwandeln. Der Mensch
aber kann es nicht. Es ist bedauerlich !
Die Ueberlieferungen der fünf Grundstoffe der grossen
Vorbilder sagen!
Im dreizehnten Jahre des Fürsten Siang von Wei gab
Tschang-I fälschlich vor, dass er sich eines Verbrechens in
Thsin schuldig gemacht habe. Er verliess das Land und wurde
Reichsgehilfe in Wei. Er wollte um Thsin willen betrügen und
entreissen den Landesherrn von Wei. In diesem Jahre war in
Wei ein junges Weib, das sich in einen Mann verwandelte. Es
war, als ob der Himmel zu Wei sagte: Verwende Tschang-I
nicht. Das Yin verändert sich zu dem Yang. Der Diener
wird der Gebieter werden. — Um die Zeit merkte es auch der
König von Wei, und er verwendete Tschang-I nicht. I ward
entlassen, ging fort und wandte sich nach Thsin. Wei blieb
von Schaden befreit.
Die dargelegten Jahre sagen:
Zu den Zeiten des Königs Siuen von Tscheu verwandelte
sich ein Pferd in einen Fuchs.
Das Buch der Berge und Meere sagt:
Die Tochter des Kaisers des Berges Ku-yao starb. Ihr
Name war Niü. Ihr Leichnam verwandelte sich in die Pflanze
Yao. Die Blätter dieser Pflanze entstehen doppelt, die Blüthen
sind gelb, die Früchte gleich denjenigen der Hasenseido. Wenn
man sie als Arznei gebraucht, wird man })ei den Menschen beliebt.
' In diesem Jahre masste sich Tsao-pei, Köiiif^ von Wei, die Rangstufe des
Kaisers an. Er setzte den Kaiser ab und ernannte ihn zum Fürsten von
Schan-yang. Das Herrscherhaus der spätcjrcn Ilan ging zu Grunde.
346 Pfizraaier.
Ya, die Tochter des Flaiumenkaisers, vergnüg-te sich auf
dem östlichen Meere und ertrank. Sie verwandelte sich in die
Schutzwachc der Gespenster. Dieselbe gleicht von Gestalt
einem Vogel. Sie hält beständig in dem Schnabel die Bäume
und Steine des westlichen Gebirges und versenkt sie in das
Ostmeer.
Kua-fu lief mit der Sonne um die Wette. Als er durstig
war, trank er aus dem Flusse. Der Fluss vertrocknete und
reichte nicht hin. Im Norden trank er den grossen Sumpf.
Ehe er noch ankam, starb er auf dem Wege. Er hatte seinen
Stock weggeworfen. Dieser verwandelte sich in einen Wald
von wilden Pomeranzen.
Der Berg der Weingefässe, sein Sohn ist Ku (die Trom-
mel). Ein anderes Wesen hat das Angesicht eines Menschen
und den Leib eines Drachen. Dieser ist Khin-pei. Sie töd-
tcten Pao-kiang im Süden des Kuen-lün. Der Kaiser verhängte
über sie die Hinrichtung. Der Osten des Berges der Weinge-
fässe heisst Berg Yao-yai. Khin-pei verwandelte sich daselbst
in einen Habicht. Ku verwandelte sich ebenfalls und wurde
eine Wildente.
Hing-thien stritt mit dem Kaiser um die Göttlichkeit.
Der Kaiser schlug ihm das Haupt ab und begrub es auf dem
Berge Tschang-yang. Jener machte die Brustwarzen zu seinen
Augen, den Nabel zu seinem Munde. Er hielt fest Schild und
Streitaxt und tanzte. Dieses ist das kopflose Volk.
Das Buch Tschuang-tse sagt:
In dem nördlichen dunklen Meere findet sich ein Fisch,
dessen Name Kuen. Die Grösse des Kuen ist unbekannt. Er
niisst einige tausend Weglängen. Er verwandelt sich und wird
ein Vogel, dessen Name Peng (Reiher).
Lic-tse zog aus und speiste auf dem Wege. Als er zurück-
kehrte, sah er eine hundertjährige Hirnschale. Er zupfte den
Zur Geschiclite der Wuiulor in dem alten Chiua. 847
)
Bcifuss weg- und zeigte auf sie mit dem Finger, indem er
jspnxeh: Ich und du, wir kennen uns, du warst aber noch nicht
'gestorben, und ich noch nicht geboren. Wenn das Samenkorn
irgendwie Wasser erlangt, so pflanzt es sich fort. Erhing-t es
die Grenzscheide des Wassers und der Erde, so wird es das
i Kleid der Frösche und Frosch würmer. Wächst" es auf den
Erdhügeln, so wird es der Schuh der Erdhügel.' Kann es an
schattigen Orten aufsitzen, so wird es der Rabenfuss. Die
Wurzeln des Rabenfusses werden Mistwürmer. Dessen Blätter
werden Schmetterlinge. Die Schmetterling-e sind Falter.- Sic
verwandeln sich und \yerden Würmer, die unter dem Herde
wachsen. Deren Gestalt ist gleich der abgelegten Haut der
jinsecteu. Ihr Name ist Kiü-to.'^ Das Kiü-tö verwandelt sich
lin tausend Tag-en und wird ein Vogel. Der Name desselben
jist Kan-yü-kö (die trockenen übrig gebliebenen Knochen). Der
Speichel des Kan-yü-ko wird das (Insect) Sse-mi. Das Sse-nii
wird das (Insect) I-lu der Säure der Speisen. Dasselbe bringt
das gelbe Hoang^ der Säure der Speisen hervor. Das gelbe
Hoang der Säure der Speisen bringt die neun Berathungen''
hervor. Die neun Berathungen bringen das Meu-jui'' hervor.
Das Meu-jui bringt das Pti-kiucn " hervor. Das Pu-kiuen bringt
das Yang-hi^ hervor. Das Yang-hi ist mit dem keine Sprossen
treibenden, lange dauernden Bambus zu vergleichen. Der keine
Sprossen treibende, lange dauernde Bambus bringt das grüne
1 !^ (S^ Line:-si .der Sdiuli der Erdhüe'el' ist eine Pflanze, die auch
M ^ ^?^-^\ ,der Pferdeschuh,' "^j^ ^ Tsch'hc-tsioii ,die
Pflanze vor den Wagen' und ^g g Tang-tao ,dic Pflanze an dem
Wege' genannt wird.
■i ^ Siü ,Falter', dasselbe was ^M drffl Hu-tie, Schmetterling.
n
3 '^Z ^^ Kiü-tö ,das Auflesen der Staare' der Name eines Insectes.
* Das gelbe fflP Hoang, der Name eines Insectes.
■') ^jr -h^ Kieu-yeu ,die neun Berathungen', der Name eines Insectes.
" ^ ^ Meu-jui, ein Insect, das einer Mücke ähnlicli, aber kleiner ist.
' ^^ Wk P"-kiuen, ein gelbgepanzertes kleines Insect, das die Blätter
der Melonen verzehrt.
*> Die Pflanze ^^ 3^ Yaug-lii ist mit den Bambussprossen der Felsen
zu vergleichen.
848 Pfizmaier.
Ruhige ' hervor. Das g-rüno Ruhige bringt den Leoparden her-
vor. Der Leopard bringt das Pferd hervor. Das Pferd bringt
den Menschen- hervor. Der Mensch kehrt wieder in die Trieb-
werke zurück. Die zehntausend Dinge kommen aus den Trieb-
werken hervor und treten in die Triebwerke ein.^
Dass Männchen und Weibchen einander begegnen, dass
das Yin und Yang gegenseitig sich drängen, dass die geflügelten
Thiere Küchlein und junge Vögel werden, dass die behaarten
Thiere Füllen und Kälber werden, dass die weichen Theile
Haut und Fleisch werden, die harten Theile Zähne und Hörner
werden, nimmt die Menschen nicht Wunder. Dass das Wasser
grosse und kleine Muscheln hervorbringt, dass das Gebirge
Gold und Edelsteine hervorbringt, nimmt die Menschen nicht
Wunder. Dass alte Sophorabäume Feuer hervorbringen, dass
lange angehäuftes Blut zu Irrlichtern wird, nimmt die Menschen
nicht Wunder. Dass das Wasser den Wang-siang hervorbringt,
dass die Bäume den Pi-fang hervorbringen, dass die Brunnen
das Schaf der Erdhügel hervorbringen, dieses nimmt die Men-
schen Wunder. Es ist, weil sie es selten hören und sehen,
und weil das, was sie davon wissen, seicht ist.
Der Wagebalken der Erörterungen sagt:
Dass Himmel und Erde sich nicht verändern, Sonne und
Mond nicht wechseln, die Sterne nicht vergehen, ist das Rich-
tige. Der Mensch empfängt die richtige Luft, desswegen bleibt
sein Stoff unverändert. Dass Männer sich in Weiber verwan-
deln, Weiber sich in Männer verwandeln, dass hohe Uferbänke
zu Thälern werden, dass tiefe Thäler zu Anhöhen werden,
dieses entspricht dem, dass die Lenkung sich verändert. Es
sind ungewöhnliche Dinge und Ungeheuerlichkeiten. Die Mist-
es Tsing-niug ,das grüne Ruliige' scheint für ^^ -^^ Tsing-
ning , Dickicht' zu stehen.
- Dcass ein Pferd einen Mensclien gebar , wird nur einige Male in der Ge-
schichte als Ungeheuerlichkeit verzeichnet.
3 Hiermit sidl gesagt werden, es gebe einf: einzige Lufl und zehntausend
Gestalten. Es gebe Veränderungen und Verwandlung, aber kein Leben
und keinen Tod.
Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 849
Würmer verwandeln sich und werden iiimehäutetli Feldi» rillen.'
Im Umdrehen werden sie Feldgrillen. Den Feldi^rillen wachscni
Flüg-ol. Geflügelte Insecten haben keine Aehnlichkeit mit Mist-
wiirmern. Was zum Geschlechte der die Saaten verzehrenden
Insecten gehört, verwandelt sich häufig-.
t Das Buch Pao-p5-tse sagt :
I König Mo von Tscheu unternahm im Süden den Erobe-
Srungszug. Sein ganzes Kriegsheer vorwandelte sich insgesammt.
Die Weisheitsfreunde wurden langarmige Affen, wurden Schwäne.
Die kleinen Menschen wurden Insecten, wurden vSand,
Wie die Edelsteintafeln Lao-tse's sagen, verändert sich
Fichtenharz, wenn es in die Erde gelangt, in tausend .Jahren
zu Stechwinde. Die Stechwinde verändert sich in tausend
Jahren zu der dunklen Seele des Tigers. Die dunkle Seele
{des Tigers verändert sich in tausend Jahren zu Steingalle. Die
jSteingalle verändert sich in tausend Jahren zur „Freude der
Machte - Ein tausendjähriger Fuchs kennt die Zukunft. Ein
jtausendjähriger Dachs verändert sich zu einem guten Freunde.
jEin tausendjähriger langarmiger Affe verändert sich zu einem
alten Menschen.
In der Geschichte von U-pei gehen acht Fürsten dem
Könige Ngan von Hoai-nan entgegen. Sie waren anfänglich
alte Fürsten und wurden nicht vorgelassen. Später wurden
sie Jünglinge.
Das Buch der fünf Grundstoffe Me-tse's sagt: Me-tse \\ar
im Stande, die Gestalt zu verändern und das Aussehen zu
wechseln. Wenn er sass, war er auf der Stelle verschwunden.
Wenn er ein trauriges Gesicht machte, wurde er ein alter Mann.
Wenn er lachte, wurde er ein junges Weib. Wenn er auf der
Erde kauerte, wurde er ein kleines Kind.
' "^ 'fö Fö-yö, Feldgrillen, die sich noch nicht gehäutet haben.
2
-S.
Mi Wci-lii ,dio Freude der Macht', ein unbekannter Gegenstand,
850 Pfizmaier. •
Die Denkwürdigkeiten von vielseitigen Dingen sagen:
Das verwandelte Volk verzehrt Maulbeerbäume. In sieben-
undzwanzig- Jahren umwickelt es sich mit Seidenfäden. In
neun Jahren stirbt es.
Der König von U schiffte auf dem Strome. Er verzehrte
kleine Fleischschnitten und warf sie mitten in die Strönmng.
Sie verwandelten sich in Fische. Die Fische, welche gegen-
wärtig den Namen ^königliche UeberbleibseP führen, sind einige
Zoll lang und so gross wie Sehnen. Sie haben noch immer
die Gestalt von Fleischschnitten.
Das Volk ohne Waden wohnt in Höhlen und verzehrt
Erde. Es gibt bei ihm weder Männer noch Weiber. Wenn
die Menschen dieses Volkes sterben und man sie vergräbt, so
bleibt ihr Herz unverweset. In hundert Jahren verwandeln sie
sich wieder in Menschen.
Wenn man Libellenköpfe unter einer dem Westen zuge-
kehrten Thüre vergräbt, so verwandeln sie sich und werden
grüne Perlen.
An dem Strome und dem Han gibt es Dachsmenschen,
die im Stande sind, als Tiger aufzutreten. Im gemeinen Leben
sagt man, die Dachstiger verwandeln sich in Menschen. Die-
selben tragen gerne Flachskleider. Ihr Fuss hat keine Fersen.
Diejenigen, die fünf Zehen haben, sind Dachstiger. Die Alten
des kaiserlichen Reiches Yue verwandeln sich zu Zeiten in
Tiger. Im Süden von Ning-tscheu kann man diese Wesen sehen.
Die Verzeichnisse des Auflesens des Plinterlassenen von
Wang-tse-nien sagen :
Der Kuen-lün heisst in den westlichen Gegenden Bei^
Siü-mi. Auf dem unteren Düppeldache des frühen Morgens
befindet sich die Seitentiefe der ungehörnten Drachen. Auf
einer Strecke von hundci't Weglängen gibt es viele ungehörnte
Zur Geschiclito der Wunder in dem alten China. 8ol
)rachen. Dieselben sind von wcüsser Farbe. * In tausend
aln*en legen sie einmal wie eine Haut ihre fünf Eingeweide
b. Neben der Seitentiefe findet sich ein fünifarbiger Stein,
[au sagt; die Eingeweide des weissen ungehöruten Drachen
aben sich in diesen Stein verwandelt.
Das Reich Yin-tschi ist von der Hauptstadt des Königs
3chzehnmal zehntausend Weglängen entfernt. Daselbst findet
lan das die Gestalt lösende Volk. Die Menschen dieses Volkes
Lssen ihren Leib in die leere Seitentiefe los. Zuerst lassen sie
ir Haupt nach der südlichen Gegend entfliegen. Zunächst
tssen sie die linke Hand nach der östlichen Gegend entfliegen,
[ierauf lassen sie die rechte Hand nach der westlichen Gegend
ntfliegen. Die Theile unter dem Nabel und die beiden Füsse
leiben vereinzelt stehen. Wenn der Abend kommt, kehrt das
[aupt zu dem Leibe zurück. Die beiden Hände kommen nicht.
Is erhebt sich ein heftiger Wind, der die beiden Hände in
as nördliche Meer, auf die Insel des Ursprungs weht. Daselbst
erwandeln sie sich in ein fünffüssiges Thier. Je ein Finger
ird nämlich zu einem Fusse.
Die eigentliche Darlegung der Könige von Schö sagt:
Der erste König von Schö hiess mit Namen Tsan-nie (die
eschäftigung des Seidenbaues). Der folgende hiess mit Namen
a-huö (der Regenguss des Pistazienbaumes). Der letzte hiess
lit Namen Yü-fu (Fisch und Wildente). Von diesen drei Kö-
igen lebte ein jeder mehrere hundert Jahre. Sie verwandelten
ch als Geister, ohne zu sterben. Ihr Volk richtete sich auch
inigermassen nach den Konigen. Es verwandelte sich und
erschwand. Wenn der König bei der Jagd ankam und vor-
hat, verschwand er sofort als Unsterblicher. Gegenwärtig opfei't
lan ihnen in den Ahnentempeln.
In früheren Zeiten war das Volk von Schö wenig zahl-
iich. Später war ein junger Mann, Namens Tu-yü (das Vor-
ach des rothen Birnbaumes). Derselbe fiel von dem Himmel
erab und Hess sich in Tschü-schi' nieder. Ferner war ein
1 D(<r District jj^ ^ Tschü-schi gehörte zu der ehemaligen Provinz
Kion-woi und brachte vorzügliches Silber luM-vor.
852 Pfizmaier.
junges Weib, Namens Li (Nutzen). Dieselbe kam aus einem
Brunnen des Gebietes von Kiang-yuen hervor und wurde die
Gattin Tu-yü's. Dieser bewerkstelligte seine Einsetzung zum
Könige und nannte sich König von Schö. Er richtete die an
dem Fusse des Berges Min gelegene Stadt P'hi zu seinem Wohn-
sitze ein. Das verwandelte Volk kam hier und dort wieder
zum Vorschein.
Der ^hoffende Kaiser' ^ hatte hundert Jahre zurückgelegt.
In ^J King lebte ein Mensch, Namens Pie-ling (das Reingei-
stige der Meerschildkröte). Der Leichnam desselben verschwand.
Die Menschen von King suchten ihn, aber fanden ihn nicht.
Der Leichnam Pie-ling's gelangte nach Schö und ward wieder
lebendig. Der König von Schö machte ihn zum Reichsge-
hilfen. Um die Zeit ergossen sich von dem Edelsteinberge
Wassermengen, die gleich der grossen Wasserfluth Yao's. Der
, hoffende Kaiser' konnte die Wasser nicht bemeistern. Er
hiess Pie-ling in den Edelsteinberg Einschnitte machen. Das
Volk erlangte dadurch trockenen Boden. Nachdem Pie-ling
die Wasser bemeistert, entfernte er sich. Später hatte der
,hoffende Kaiser' mit dessen Gattin Umgang. Da der Kaiser
seiner geringen Tugend willen niclit mit Pie-ling zu vergleichen
war, verzichtete er auf das Reich, übergab es Pie-ling und ent-
fernte sich, gleichwie Yao die Landesgötter an Schün abge-
treten hatte. Als Pie-ling zu seiner Stufe gelangte, nannte man
ihn ,den das Licht eröffnenden wunderbaren Kaiser'. Sein
Sohn war Lu-pao. Derselbe ward ebenfalls ,der das Licht er-
öffnende Himmel' genannt und ward König von Schö. Seine
Söhne waren die fünf starken Männer. Dieselben waren im
Stande, die Berge von Schö weiter zu rücken.
Als der König starb, setzten die fünf starken Männer so- ,
fort einen grossen Stein. Derselbe war drei Klafter lang und
tausendmal dreissig Pfund schwer. Man nannte ihn den Stein-
brunnen. Tausend Menschen waren nicht im Stande, ihn zu
bewegen. Zehntausend Menschen waren nicht im Stande, ihn i
Aveiter zu rücken. Der König von Schö stützte sich auf das
Land von Pa und Schö. Ursprünglich hatte er Kuaug-tu zu j
1 So wird Tu-yü jetzt genannt, ohne dass etwas über die Annahme dieser l
Benennung gesagt wird. I
Zur Cieschiclite der Wunder in dem alten Cliina. 8Ö3
^1 iiiem Wohnsitze cmgorichtet. Später übersiedelte er und
lichtete Tsching-tu zu seinem Wohnsitze ein. Zu den Zeiten
ihs König-s Hoei von Thsin mochte sich der König- von Schö
li 111 Reiche Thsin nicht unterwerfen. Thsin hatte auch keine
W'v^e, auf denen es nach Schö ausziehen konnte.
Der König- von Schö befand sich mit einem .Gefolge von
/;ilmtausend Menschen imOstenauf der Jagd. Indem Thale Paosah
rr nnvermuthet den König Hoei von Thsin. Dieser übersandte
ikiu Könige von Schö einen viereckigen Korb Goldes. Der
Kiliiig von Schö sandte als Erwiederung die von den Gebräuchen
vnigeschri ebenen Gegenstände, Diese Gegenstände verwan-
ihltcn sich sämmtlich in Erde. Der König von Thsin wurde
s( hr zornig. Die Diener und Untergebenen verbeugten sich
zweimal , wünschten Glück und sagten : Erde ist Erde und
Land. Thsin wird Schö erlangen. — Der König von Thsin be-
sorgte, dass er den Ort, wo die Zusammenkunft stattgefunden,
'nicht mehr finden könne. Er Hess daher fünf steinerne Rinder
meisseln und sie mit Gold belegen. Später glaubte der König
von Schö, dass es Gold sei. Er befahl den fünf starken
OVlännern, die Rinder fortzuziehen, einen Weg zu bahnen und
idrci Stück nach Tsching-tu zu bringen. Dass Thsin jetzt auf den
■Wegen verkehren konnte, verdankte es den steinernen Rindern.
' In Wu-tu war ein Mensch, der den König von Schö gut
[kannte. Derselbe begab sich mit seiner Gattin und seiner
Tochter zu dem Könige von Schö. Nachdem er sich in Schö
lansässig gemacht, konnte er sich an das Wasser und den Boden
des Landes nicht gewöhnen und wollte lieimkehreu. Dem Kö-
nige war Leid um dessen Tochter, und er behielt sie zurück.
Er verfertigte jetzt die acht Abschnitte des tönenden Lautes,
zu denen er Tänze aufführen Hess. Einige sagen, vordem
hätte sich ein Mann von Wu-tu in ein Mädchen verwandelt,
das von Angesicht schön und vorzüglich gewesen. Es war
nämlich ein Gespenst des Berges, und der König von Schö
nahm es zur Gattin. Diese konnte sich nicht an das Wasser
und den Boden des Landes gewidmen. Sie erkrankte und
wollte heimkehren. Der Kcinig hielt sie zurück. Nach einiger
Zeit starb sie. Der König Hess in Wu-tu Erde ausheben und
begrub die Gattin in den Vorwerken von Tsching-tu. Die Erde
mass im Umfange mehrere hundert Schritte und war sieben
Sitzb. d. phiL-hist. Cl. LXVm. Bd. IV. Hft. öö
g!^4 Pfizmaier.
Klafter lioch. Er nannte die Stelle Wu-tan (das Ausgehobene
der Hauptstadt Wu). Man verfertigte aus Stein einen Spiegel ]
und bezeichnete dadurch das Grab.
Der König von Thsin wusste jetzt, dass der Kcinig von
Schö die Schönheit liebe. Er machte daher fünf vorzügliche
Mädchen Schö zum Geschenke. Der König war dafür einge-
nommen. Er entsandte die fünf starken IMänner, damit sie die
Mädchen abholen. Als man auf der Rückreise nach Tse-thung
gelangte, sah man eine grosse Schlange, die in eine Höhle des
Berges kroch. Die fünf starken Männer zogen die Schlange
in Gemeinschaft heraus. Der Berg stürzte imd erdrückte die
fünf starken Männer. Die fünf starken Männer riefen mit
lauter Stimme. Die fünf Mädchen des Königs von Thsin so
wie diejenigen, welche sie begleitet und abgeholt hatten, kamen
herauf und wurden in Steine verwandelt. Der König von Schö
bestieg eine Erdstufe und blickte nach ihnen. Sie aber kamen
nicht. Er nannte daher den Ort: die Affenerdstufe der fünf
Weiber. Der König von Schö vergrub sie (die Steine) iu eigener
Person und errichtete Grabhügel. Er liess überall viereckige
Steine herbeischaffen und machte dadurch die Gräber kenntlich.
Die Ueberlieferungen von Merkwürdigkeiten sagen :
Einst lebte in dem zu der Provinz Po-yang gehörenden
Districte Ngan-lö ein IMensch, dessen Geschlechtsname Peng,
In dessen Hause betrieb mau die Geschlechtsalter hindurch das
Fangen und Pfeilschiessen als ein Geschäft. Der Sohn folgte
dem Vater und trat mit ihm in das Gebirge. Plötzlich strauchelte
der Vater und fiel zu Boden. In diesem Augenblicke verwan-
delte er sich in einen weissen Hirsch. Der Sohn brach in Rufe
des Schmerzes aus und setzte ihm nach. Der Hirsch lief in:
Sprunge weit hinweg , und bald war seine Spur verloren,
Der Sohn erfasste hierauf keinen Bogen mehr, so lange ei
lebte. Der Enkel lernte endlich wieder schiessen. Er erlegte
plötzlich einen weissen Hirsch. Da fand er zwischen den
Geweihe des Hirsches das den Häusern des Weges angehörende
Abschnittsrohr der fünf Sterne. Zugleich befand sich daselbsl
ganz deutlich der Geschlechtsname und Name seines Grossvaters
elas Jahr und der Monat. Ev betrachtete dieses voll Schmers
und Reue. Hierauf verbrannte er den Bogen und elie Pfeile
Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 855
In dem neuen Districte von Wn-tschang; befindet sich anf
dem ntirdlichen Bei-i>-e der nach dem Manne in die Ferne
blickende Stein. Derselbe hat di(! (xcstalt eines stehenden
Mensclien. Die Ueberlieferung sai>-t: Einst war ein lauteres
Weib, deren Mann dem Dienste oblag' und in die Ferne ))ei
dem Unglück des Reiches eilte. Sein Weib führte an der Hand
den jung-en Sohn und begleitete ihren Mann mit Wein und Speise
auf diesen Berg-. Sie stand in die Ferne blickend, und ihre
Gestalt verwandelte sich in Stein.
Die Geschichte von Tan-yang- sagt:
Zu den Zeiten Sün-hao's^ im ersten Jahre des Zeiti'aumes
Pao-ting (2GC) n. Chr.) war die Mutter Siuen-teng's von Tan-
yang achtzig Jahre alt. Sie badete sich in dem rückwärts ge-
legenen See und verwandelte sich in eine Flussschildkröte.
Die Geschichte des Suchens der Götter sag-t:
Ein tausendjähriger Fasan tritt in das Meer und wird
eine grosse Muschel. Ein hundertjähriger Sperling tritt in den
Strom und wird eine kleine Muschel. Tausendjährige Schild-
kröten und Meerschildkrüten können mit dem Menschen sprechen.
Eine tausendjährige Schlange wird auseinandergeschnitten und
heftet sich wieder zusammen. Eine hundertjährige Ratte kann
uns die Ankunft der Zahlen wahi-sagen. An dem Tage der
Theilung des Frühlings verändert sich der Falke und wii-d
eine Taube. An dem Tage der Theilung des Herbstes verän-
dert sich die Taube und wird ein Falke. Dieses sind Verwand-
lungen der Zeit. Verfaulte Pflanzen werden desslialb Feuer-
fliegen. Verfaulte Binsen werden Seidenraupen. Weizen wird
zu Schmetterlingen. Die Flügel wachsen, die Augen werden
vollendet, Herz und Wissen kommen zum Vorschein. Dieses
ist Verwandeln und Werden ohne Wissen, Wechseln der Luft
mit Wissen. Ein grosser Vogel wird ein Hirsch. Eine Schlange
wird eine Plussschildkröte. Seidenraupen werden Frösche. Diese
Wesen werden ihres Blutes und ihrer Luft nicht verlustig, aber
Gestalt und Eigenschaft verändern sich.
Die Erdbienen heisscn mit Namen Ko-hj. Li dem gegen-
wärtigen Zeitalter nennt man sie Wang-liang. ' Sie gehiircn /n
' Wang-liang lieisst sonst auch das Gespenst der Berge.
35ß Pfizmaier.
dem Geschlechte der Thiere mit dünner Mitte des Leibes. Es
sind Wesen, die echte Männchen sind, und es gibt keine
Weibchen. Sie vermengen sich nicht und gebären nicht. Sie
nehmen gewöhnlich die Jungen der Würmer des Maulbeer-
baumes und ziehen sie auf. Diese werden dann ihre Jungen.
Dass der Weizen zu Schmetterlingen wird, geschieht durch
die Feuchtigkeit. Wenn somit die zehntausend Dinge sieh
verändern, so hat dieses überall einen Grund. Die Ackers-
leute, welche der Verwandlung des Weizens Einhalt thun, lassen
ihn in Asche liegen. Die höchstweisen Menschen, welche die
Verwandlung der zehntausend Dinge ordnen, vollenden dieses
durch den Weg.
In den südlichen Gegenden gibt es ein Volk der abfallenden
Häupter. Die Häupter desselben können fliegen. In den Al)-
theilungen dieser Menschenklasse hat man ein Opfer, dessen
Benennung: das Abfallen des Wurmfrasses. Deswegen legt
man ihnen davon den Namen bei. Zu den Zeiten von U er-
hielt der Heerführer Tsehü-hoan eine Sclavin. Dieselbe legte
sich jede Nacht zur Ruhe. Später flog ihr Haupt plötzlich
fort, einmal durch die Hundeöffnung, einmal durch das Him-
melsfenster. Beim Ein- und Ausfliegen machte es die Ohren
zu Flügeln. Wenn es Tag werden wollte, kehrte es wieder auf
diese Weise zurück. Die bei ihr beflndlichen Menschen wun-
derten sich darüber. Sie leuchteten in der Nacht hin und
sahen nur einen Leib ohne Haupt. Der Leib war etwas kalt,
das Athemholen war beschränkt. Sie bedeckten sie mit einei'
Decke. Als das Haupt zu seiner Zeit zurückkehrte, war es
durch die Decke gehindert und konnte keine Ruhe finden. Es
fiel zwei- bis dreimal zur Erde und seufzte sehr traurig. Als
es zu dem Leibe gelangte, war der Athem beschleunigt, als ob
es sterben wollte. Man nahm jetzt die Decke weg. Das Haupt
erhob sich wied(ir und fügte sich an den Hals. Nach einer
Weile hatte sie sich erholt. Hoan hielt dieses für ein gross-
artiges Wunder. Er fürchtete sich und getraute sich nicht, sie
zu behalten. Er Hess sie frei und schickte sie ziu"ück. Später
Zur Geschichte der Wunder in dem alten China. 857
erklärte er es, und er wusste, dass es ein Wunder des Him-
mels g-ewesen.
Um die Zeit erhielt auch der im Süden erobernde g-rosso
Heerführer hier und dort solche Mensclien. Ferner war Je-
mand, der den Leib mit einer kupfernen Schüssel ü])erdeckte.
Das Haupt konnte nicht herankommen und der Mensch starlj.
Einst hatte das Geschlecht Kao-yang- Zwillini^-e, die Mann
i und Weib wurden. Der Kaiser tödtete sie in der Wildniss des
j Kung-thung Sie hielten sich in den Armen und starben. Ein
I göttlicher Vogel bedeckte sie mit der Unsterblichkeitspllanzo.
I In sieben Jahren hatten Mann und Weib einen gemeinschaft-
lichen Leib, und es wuchsen ihnen zwei Häupter und vier
I Füsse. Sie wurden hierauf das Geschlecht Mung-schuang (das
I erlangende Paar).
Die fortgesetzte Geschichte des Suchens der Götter sagt:
I Die Menschen der südliclien Fremdländer in dem nr)r(l-
! liehen Gebirge des Districtes Tsin-yang besitzen eine Kunst.
j Sie können bewirken, dass Menschen sich verwandeln und als
Tiger auftreten. Das Haar, die Farbe, die Klauen und die
Zähne sind insgesanmit wie bei wahren Tigern. Tscheu-ni,
I ein Mensch des Bezirkes, hatte einen Sclaven. Er hiess diesen
1 in das Gebirge treten und Brennholz fällen. Der Sclave hatte
' ein Weib und eine jüngere Schwester, die ebenfalls mit ihm
gingen. Als sie angekommen waren, sagte der Sclave zu den
Beiden : Steiget einstweilen auf einen hohen Baum und sehet,
was ich thue, — Sie thaten, w^ie er sagte, und er trat dann in
einen Wald von Pflanzen. In einem Augenblicke sahen sie
einen grossen gelbgestreiften Tiger aus den Pflanzen hervor-
komuKni. Derselbe bewegte sich rasch, brüllte und wai- sehr
fürchterlich. Die beiden Menschen erfasste grosses Banuen.
Nach längerer Zeit kehrte er in den Wald von Pflanzen zurück.
Nach einer kleinen Weile kam er wieder und war ein Mensch.
Er sagte zu den Beiden : W^enn ihr nach Hause kommt, hütet
euch, etwas zu sagen. — Später äusserten sie sich darüber gegen
ihre Gefährten.
Der Mann von dum (jI uschiechte Tscheu erfuhr (;s. Er
gab Jenem unveiynischten Wein zu trinken und machte ihn
858 Pfizmaier.
vollständig- betrunken. Er hiess Leute ihm die Kleider aus-
ziehen und an seinem Leibe alles einzeln untersuchen. Es war
daselbst durchaus nichts Auffälliges. Bios in seineui Haar-
busch fand man ein Papier, worauf ein grosser Tiger abge-
bildet war. Neben dem Tig-er befand sich eine Beglaubigungs-
marke. Der Mann von dem Gesclilechte Tscheu nahm sie ins-
g-eheim und verzeichnete es. Als der Sclave ernüchtert war,
schrie er und frag-te nach dem Gegenstande. Er sah, dass die
Sache entdeckt war und erzählte sogleich, wie es sich verhielt.
Er sagte, er habe sich einst bei den südlichen Fremdländern
wegen Einkauf von Reis gemeldet. Daselbst habe ihm ein
Lehrmeister der südlichen Fremdländer gesagt, dass er diese
Kunst besitze. Von demselben habe er um drei Schuhe Tuch,
einige Gantang Reis, einen rotheu Hahn und einen Gantang
Wein diese Vorschrift erhalten.
Die Mutter Sung-sse-tsung's von Tsing-ho badete sich in
dem Zeiträume Hoang-thsu (220 bis 226 n. Chr). bei sommer-
licher Witterung in dem Inneren des Badehauses. Sie schickte
die in dem Hause befindlichen Söhne und Töchter vor die
Thüre und befand sich allein in einem inneren Hause. Als
dieses lange währte, konnten sich die Menschen des Hauses
nicht erklären, was sie beabsichtigte. Sie spähten durch eine
Oeffnung in der Wand, sahen aber keinen Menschen Sie sahen
richtig, dass in dem Wasser einer hölzernea Schüssel sich eine
grosse Flussschildkrüte befand. Sie öffneten hierauf die Thüre,
Gross und Klein trat insgesammt ein. Sie nahmen sie jetzt
mit den Menschen in Empftiiig. Die Haarnadel, welche sie
flüher aufgesteckt hatte, befand sich noch immer auf ihrem
Haupte. Sie bewachten sie in Gemeinschaft. Mit den Tag<^n
wurde man nachlässig. Sofort warf sie sich zur Thüre hinaus.
Sie entfernte sich sehr schnell. Man verfolgte sie, aber erreichte
sie nicht. Sie trat sogleich in das Wasser. Nach einigen
Tagen kehrte sie plötzlich zurück und umwandelte das Wohnhaus,
so wie sie in ihrem ganzen Leben gewesen. Sie sprach nicht das
Geringste und entfernte sich. Die Zeitgenossen sagten zu Sse-
tsung, er solle die Trauer begehen und die Kleider herrichten.
In Beti'acht, dass die Gestalt seiner Mutter zwar verändert, aber
Zur Geschiclite der AVimdor in ilein alten China. 859
die Gnmdordnuno- ihres Lebens noch vorhanden war, richtete
Sse-tsuni^- schlicsslicli die Trauer nicht her. Sic hatte Aehn-
lichkcit mit der gelben Mutter von Kiang--]iia.
Der Garten der Merkwürdiji-keiten sagt:
Der Angestellte Yi-po aus der Provinz Yü-tschang über-
nahm in dem Zeiträume I-hi (405 bis 418 n. Chr.) die Wache.
Als er wieder nach Hause kam, entlief oa- in die Ferne und
kehrte nicht zurück. Die Provinz schickte ihm Leute nach.
Dieselben sahen Po, der wie gewöhnlich sprach und auch die
Flagg-e aufstellte. Der Abgesandte drängte ihn und hiess ihn
sich aufputzen. Po sagte zu ihm : Wenn du mein Gesicht be-
trachtest, wirst du sehen, dass die Winkel meiner Augen sich
ausspannen. Mein I^eib hat gelbe vStreifen. — Alsl)ald erhob
er einen Fuss, ging vor das Thor und entfernte sich von dem
Hause. Zuerst hielt er sich an das Gebirge und weilte daselbst.
Als er zu dem Walde an dem Fusse des Berges gelangte, ver-
wandelte er sich in einen dreifüssigen grossen Tiger. Der Fuss,
den er erhoben hatte, wurde sein Schweif.
Hoang-sieu von Kao-ping in Sehao-ling trat in dem dritten
Jahre des Zeitraumes Yuen-kia (420 n. Chr.) ohne Ursache in
das Gebirge und kam nach Tagen nicht zurück. Sein Sohn
Keu-seng suchte ihn und sah ihn in einem hohlen Baume kauern.
Er hatte vom Kopf bis zu den Füssen ein haariges Aussehen
gleich einem Bären. Der Sohn fragte ihn, warum dieses ge-
schehen. Jener antwortete: Der Himmel hat mich auf diese
Weise gestraft. Gehe nur von hier weg. — Der Sohn kehrte
traurig heim. Nach einem Jahre sahen Leute, die in dem Ge-
birge Holz schlugen, jenen Mann. Seine Gestalt war ganz die-
jenige eines Bären.
Zu den Zeiten Fu-kien's, in den Jahren des Zeitraumes
Kien-yuen (,360 bis 383 n. Chr.) sahen Holzhauer von Tschang-
ngan im Süden der Stadtmauern Gold laul'en. Sie meldeten es
Kien. Dieser schickte hin, Hess es auf einen Wagen laden und
wegnehmen. Als es ankam , verwandelte es sich in einen
kupfernen dreifüssigen Kessel, Als man in das Thur trat, ver-
860 Pfizmaier.
wandelte es sich nochmals in eine grosse Glocke mit hölzernem
Klöpfel.
Die Denkwürdigkeiten von merkwürdigen Dingen sagen:
In Tung-hai gibt es mit Tigern vermischte Fische. Die-
selbon verwandeln sich in Tiger, ersteigen die Uferhöhe und
verzehren Menschen. Sic sind es, von denen es in dem bilder-
losen Gedichte auf die Hauptstadt von U heisst: Versinkende
Tiger, schwimmende Hirsche. — In den Flüssen von Yue und
Sui gibt es Fische, welche die Gestalt von Menschen haben
imd mit Mützen und Kopftüchern angethan sind. Man sagt
gemeiniglich, es seien die ehemals versunkenen Menschen der
Provinz, die sämmtlich in Fische verwandelt wurden.
Sse-ma-khieu-tschi führte den Jünglingsnamen Tao-ngai.
Derselbe schoss mit Geschicklickeit Fasanen. In dem Zeit-
räume Tai-yuen (376 bis 396 n. Chr.) nahm er einen Lockvogel
und Hess die Federfahne herab. Der Lockvogel Hess öfters
seine Stimme ertönen, und auch ein wilder Fasan gab Antwort.
Khieu-tschi machte die Probe und befahl, dass man den Ort
suche. Was Autwort gegeben hatte, besass Kopf und Flügel
und war der halbe Leib eines Fasans geworden. Was rückwärts
sich befand, war wie früher eine Schlange.
Innerhalb der mittleren Rüstkammer des Hofes von Tsin
hörte man plötzlich den Ruf eines Fasans. Die Menschen er-
klärten dieses für ein Wunder. Der Vorsteher der Räume von
dem Geschlechte Tschang sagte : Dieses wird nur durch eine
Schlange hervorgebracht. — Man suchte sogleich und schaffte
die Gegenstände in der Rüstkammer weg. Man fand wirklich
die abgeleg-te Haut einer Schlange.
In dem Zeiträume Tai-yuen (376 bis 306 n. Chr.) traten
Menschen von Jü-nan in das Gebirge und fällten einen Bambus.
Die Mitte desselben verwandelte sich in eine Schlange. Die
Gestalt war bereits gebildet, aber Zweige und Blätter waren
wie früher.
Ein Mensch des Volkes von Tung-liü in der Provinz U
fällte einst einen Bambus von Yü-kan. In einer Nacht sah er,
Zur Geschichte der Wunder in dem ulteii China. 861
dass der Bambus sich in einen Fasan verwandelte. Das Haupt
und der Hals waren bereits vollendet, aber der Leib hatte sich
noch iniuier nicht verwandelt. Es g-eschah ebenfalls, dass der
Bambus sowohl eine Schlange als ein Fasan war.
Im zweiten Jahre des Zeitraumes Yuen-hing: (403 n. Chr.)
verwandelte sich eine Henne von Heng-yang in einen Hahn.
In achtzig Tagen welkte ihr Kamm. Später masste sich Hoan-
yuen die Rangstufe an. In acht Decaden war er geschlagen.
In dem Zeiträume Lung-ngun (,307 bis 401 n. Chr.) ver-
wandelte sich eine grüne Henne in einen rothen Hahn. Gestalt
,' und Schweif waren verändert, Kamm und bunter Farbenglanz
waren vorhanden. Nur konnte sie nicht krähen.
Die Verzeichnisse des Dunklen und Hellen sagen :
In dem Districte I-yang war ein Mädchen, deren Geschlechts-
name Peng, deren Name Ngo. Ihre Aeltern und ihre zehn
Brüder wurden von den Räubei-n von Tschang-scha überfallen.
Um die Zeit hatte Ngo ein Gefäss auf den Rücken genommen
und war hinausgegangen, um Wasser aus dem Bache zu schöpfen.
Als sie hörte, dass die Räuber gekommen, lief sie zurück. Sie
sah gerade, dass die Schutzmauer zerstört war. Ihre Traurig-
keit nicht bemeisternd, traf sie mit den Räubern zusammen.
Die Räuber banden Ngo, jagten zu dem Rande des Baches
hinaus und wollten sie tödten. An der Grenzscheide des Baches
befand sich die Felsenwand eines grossen Berges. Dieselbe
war etliche zehn Klafter hoch. Ngo blickte zu dem Himmel
und rief: Gibt es in dem hehren Himmel einen Gott oder nicht?
Was habe ich verbrochen, dass mir dieses widerfährt? —
Hiermit lief sie e-effen den Bere-. Der Berg öffnete sich hoch
in der Breite von mehreren Klaftern. Der ebene Weg war wie
ein Schleifstein. Die Räuber verfolgten ihrerseits Ngo und
traten in den Berg. Der Berg stürtzte sofort, schloss sich und
war ganz wie er früher gewesen. Die Räuber wuiden in dem
Inneren des Berges zu Tode gedrückt, und ihre Häupter i-agten
aus dem Berge hervor. Ngo war hiei-auf verborgen und kam
nicht mehr zum Vorschein. Das Gefäss, in welchem si(> Wasser
362 Pfizmaier.
g-eschöpft hatte, verwandelte sich in eine steinerne Gestalt,
deren Haupt mit demjenigen eines Huhnes Aehnlichkeit hatte.
Die MenschAi der Gegend nennen den Ort: Berg des Huhnes.
Das Wasser daselbst ist die Seitentiefe Ngo's.
Die Geschichte denkwürdiger Wunder sagt:
Im vierten Jahre des Zeitraumes I-hi (408 n. Chr.) verlor
U-tao-tsung aus dem in der Provinz Tung-yang gelegenen Di-
stricte Ta-tschü in seiner Jugend den Vater. Er wohnte allein
mit seiner Mutter. Als Tao-tsung einst Schulden einforderte
und nicht zu Hause war, hörten die Nachbarn in dem Hause
ein Gepolter. Sie spähten, aber Sahen nicht die Mutter. Es
war blos ein schwarzgestreifter Tiger, der sich in dem inneren
Hause befand. In den Krümmen des Bezirkes herrschte Schrecken
und Furcht. Man besorgte, dass der Tiger eindringen und die
Mutter aufzehren könne. Man rührte sogleich die Trommel,
versammelte Leute und ging gemeinschaftlich hin, um ihr Hilfe
zu leisten. Man umzingelte das Wohnhaus und drang ungestüm
vor. Man sah aber keinen Tiger. Man sah blos die Mutter,
die wie gewöhnlich redete. Man konnte sich nicht erklären,
was dieses bedeute. Als der Sohn zurückkam, sagte die Mutter
zu ihm : Ein verjährtes Verbrechen wird erforscht. Es wird
eine Verwandlung geben. — Einen Monat und einen Tag später
vermisste er sofort die Muttei'. Innerhalb der Grenzen des
Districtes entstand oft Unglück durch Tiger. Allgemein sagte
man, es sei ein schwarzgestreifter Tiger. Die hundert Ge-
schlechter des Volkes geriethen darüber in Besorgniss. Mau
sandte Menschen aus, die ihn mit Pfosten angriffen. Er tödtete
mehrere Menschen. Später schoss ein Mensch nach dem Tiger
und traf ihn in die Brust. Zugleich stach er nach ihm mit
einer Hakenlanze und traf ihn in den Bauch. Gleichwohl
konnte man ihn nicht sofort erlegen. Nachdem einige Tage
vergangen, kehrte der Tiger in das Haus zurück und legte sich
auf das Bett. Kv war nicht fähig, wieder die menschliche Ge-
stalt anzunehnjen. Kr lag auf dem Bette und starb. Der Sohn
rief mit lauter Stimme, weinte und begrub seine Mutter nach
der Vorschrift. Er schloss die Augen am Morgen, wehklagte
und überwachte.
Zur Geschichte der Wunder in ilein alten Cliinn. SßB
}
Im ersten Jahre des Zeitraumes Tai-yueii (370 n. Chr.)
war Sie-tao-siün aus dem in der Provinz Kiano'-hia li-cleü-enen
Districte Ngan-h") zwei und zwanziji;' Jahre alt und noch eine
kurze Zeit verständig-. Plötzlieli wurde er von der um die
Zeit herrschenden Krankheit befallen und genas. Später wurde
^ er wahnsinnig. Hundert Behandlungsarten und Rettimgsmittel
j stellten ihn nicht her. Da gehi'auchte er cän Pulver. Er ent-
1 lief wahnsinnig und hatte noch immer vieles Leiden. Plötzlich
verlor man seine Spur. Er veränderte sich alsbald und ti'at
\ als Tiger auf. Die Menschen, die er verzehrte, konnten nicht
j mehr gezählt werden. Es war ein Mädchen , das unter den
i Bäumen Maidbeerblätter pflückte. Der Tiger ging hin, ergriff
\ und verzehrte es. Als er sie verzehrt hatte, verbarg er ihre
Haarnadel und ihr Arndjand. Er legte es in ein Felsenthor
! des Gebirges. Später trat er wieder als Mensch auf. Er wusste
alles und nahm jene Gegenstände. Nach einem Jahre kehrte
er in das Haus zurück und war ein Mensch. Hierauf sine; er
nach der Hauptstadt unrl diente den Obrigkeiten. Er wurde
ein Vermerker des Befehlshabers in der Vorhalle. In der
Nacht führten die mit ihm zugleich anwesenden Menschen Ge-
spräche. Plötzlich erzählten sie von den Veränderungen des
Himmels und der Erde, von dem Gegenstande der Wunder.
Tao-siün sagte: Ich ward einst von einer Krankheit befallen
lind wurde wahnsinnig. Hierauf verwandelte ich mich und trat
■ ils Tiger auf. Ich verzehrte Menschen durch ein ganzes Jahr. —
Zugleich nannte er die Orte, wo dieses geschah, ferner den Ge-
I schlechtsnamen und den Namen der von ihm aufgezehrten
; Menschen. Unter den in seiner Gesellschaft beflndlichen
j Menschen war einer, dessen Vater, Söhne und Brüder aufge-
I zehrt worden waren. Derselbe rief jetzt mit lauter Stimme
I und wehklagte. Er ergriff Jenen und id)erlieferte ihn den
1 Obrigkeiten. Jener starb hierauf Hungers in d(!in Gefängnisse
von Kien-khang.
Die auf das Unsclieiiil)ar('. Rücksicht nehmende Geschichte
von Kuang-tscheu sagt :
In dem Districte Tsching-yang war unter dem gemeinen
Volke ein Haus, welches Rinder hütete. Ein Rind leckte plötz-
lich das Kind dieses Hauses. An dei' Stelle wo es geleckt
ward, wurde das Fleisch ganz weiss, und wider Vei-muthen
!>^ß_j. Pfi zniai er. Zur Geschichte der Wunder in dem alten China.
ei'folgte der Tod. Das Haus begrub dieses Kind, tödtete das
Rind und verschenkte es an die Gäste. Diejenigen, welche
das Fleisch dieses Rindes verzehrten, Männer und Weiber,
zwanzig an der Zahl, veränderten sich insgesanimt und traten
als Tiger auf.
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN,
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
NEUNUNDSECHZIGSTER BAND.
WIEN, 1871.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'Ö SOHN
BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
SITZUNGSBERICHTE
DKK
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
NEUNUNDSECHZIGSTER BAND.
JAHRGANG 18 7 1. — HEFT VIII— X.
WIEN, 1871.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN
büchhändlt:r dkr käis. Akademie nKi; Wissenschaften.
Druck von Adolf Holzhaugen in Wien
INHALT.
Seite
XXI. Sitzung vom 11. October 1871 3
Goldziher. Ziu- Charakteristik Geläl iid-diii us-Sujüti's und
seiner literarischen Tlüitigkeit 7
XXII. Sitzung vom 18. October 1871 29
Haupt. M. Cetius Faventinus und ein Bienensegen aus der
Hs. 387 der k. k. Hofbibliothek 31
Miissafia. Ueber die spanischen Versionen der Historia Trojana 39
XXHI. Sitzung vom 2. November 1871 65
XXIV. Sitznng vom 8. November 1871 66
XXV. Sitzung vom 16. November 1871 67
XXVI. Sitzung vom 29. November 1871 68
Haupt. Ueber das mitteldeutsche Buch der Väter 71
Pfiz maier. Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen 147
Zimmermann. Zwei Briefe Herbart's 225
XXVII. Sitzung vom 6. December 1871 239
Lambel. Bericht über die im August 1871 in Ober-Oester-
reich angestellten Weisthümer-Forschungen 241
XXVIII. Sitzung vom 13. December 1871 274
F ick er. Ueber die Datii'ung einiger Urkunden Kaiser Fried-
rich's n 275
XXIX. Sitzung vom 20. December 1871 317
SITZUNGSBERICHTE
Dp:n
KAISERLICHEN AKADEMIE DER AVISSKNSCHAFTEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXIX. BAND. I. HEFT.
JAHRGANG 187E — OCTOEER.
Sitzb. d. phil.-bist. Cl. I.XIX. UJ. 1. llft.
XXL SITZUNG VOM 11. OCTOBER 1871,
Der Vice-Präsident begrüsst die anwesenden Mitglieder
und gedenkt der seit dem Schlüsse der akademischen Sitzuns-en"
verstorbenen correspondirenden Mitglieder:
des Archivdirectors in Venedig Thomas Gar, gestorben
am 27. Juli,
des P. Josef Gaisberger, reg. Chorherrn in St. Florian,
u.;storben am 6. September,
des Professors Dr. Johann Erasmus Wocel in Pray-, ee-
storben am 16. September. .
Die Anwesenden erheben sich zum Zeichen des Beileids
von den Sitzen.
Der Secretär verliest Danksagungsschreiben der neu er-
nannten Mitglieder:
des inländischen Ehrenmitgliedes, Herrn Anton Grafen
Auersperg,
der inländischen correspondirenden ]\Iitglieder, der Herren
P. Pius Zingerle in Meran,
Professor Dr. W. Hartel in Wien,
1*
und der auswärtigen correspondirenden Mitglieder, der Herren
Hofrath und Professor W. Röscher iu Leipzig, '
Staatsrat!! A. ScKiefner in St. Petersburg,
Professor A. F. Pott in Halle,
Professor W. v. Gieseb recht in München.
Das wirkliche Mitglied Herr Dr. Jodok Stülz sendet zur
Publication in den Schriften der kais. Akademie ein noch nicht
bekanntgemachtes Schriftstück Gerhochs von Reichersberg (Ger-
hochi Reichersbergensis ad Cardinales de schismate epistola)
mit einer Einleitung von dem Capitular in St. Florian, Herrn
Engelbert Mühlbacher.
Herr Dr. Goldziher iu Pest sendet eine Abhandluug
r
,Zur Charakteristik Geläl ud-din us-Sujütt's und seiner litera-
rischen Thätigkeit' und ersucht um die Aufnahme in die
Sitzungsberichte.
Der Prager Stadtarchivar Herr Dr. Josef Emier sucht
au um die Bewilligung einer Subvention von 300 Gulden zur
Fortsetzung des von dem^ verstorbenen correspondirenden Mit-
gliede Carl Jaromir Erben begonnenen Werkes: ,Regesta di-
plomatica nee non epistolaria Bohemiae et Moraviae.^
Der Secretär bringt ein Telegramm des Dr. Petermauu
in Gotha über die günsti'gen Erfolge der Nordpolarexpedition
zur Kenntniss der Classe,
5
und inaclit die fernere Mittheilung-, dass die für die neu *
zu begründende Bibliotlick in Strassburg' bostininiten Publica-
tionen der kais. Akademie an ihren Be«tinnnun"sort aba-ea-an-
gen sind.
An Stelle des verstorbenen Mitgliedes llcrni Regierungs-
rath von Meiller ernennt der Vice-Prcäsident den Professor
Sickel zum Mitglied der historischen Commission, und den
Secretär Regierungsrath Vahlen zum Mitglied der Commission
für die Savigny-Stiftung.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften," Königl. Prcuss.. zn JJerliu: Abhandlungen aus
dem Jahre 1870. Berlin, 1871; -i'l — Monatsbericht. Mai, Jiuü, ,JuH, 1871.
Bei-lin; 8<^.
— Köuigl. Bayer., zu München: Sitzungsberichte. 1870. II. Heft :!— 4; ls7J.
Philos.-philolog. und histor. Classe, Heft 1—3; niatlicm.-iiliysik. Classe,
Heft 1—2. München; 8".
Ateneo Veneto: Atti. Serie II. Voh VI, Puut 3; Vo\. VU, Vnnt 1. Venezia,
1871; 8".
Gesellschaft, Anthropologische, in Wien: Mittheiiungcn. 1. ]}d., Nr. 11 — 12.
Wien, 1871; S».
— geographische, in Wien: Mittheilungen. N. F. 4. 1871. Nr. 7--'.». Wien; 8".
Hamburg, Stadtbibliothek: Gelegenheitsschriften aus dem Jalu-e l.s71. 4".
Istituto, ß., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti: Atti. Tomo XVl", Serie IH",
Disp. 7*— 9». Venezia, 1870—1871; 80.
Mittheilungen der k. k. Ccntral-Coramission zur Erforschung und Erhal-
tung der Baudenkmale. XVI. Jahrgang. Juli— October 1871. Wien; 4".
— aus J. Perthes' geographischer Anstalt. 17. Band. 1871. VII. — IX. Heft.
Gotha; 40.
6
Pest, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1870/1.
40 lind 8".
,Eevue politique et litteraire', et ,La Eevue scientifif^uc de la France et de
l'etranger'. 2« Serie. P'= Annee, Nrs. 3—15. Paris et Bruxelles, 1871; 4".
Studenten-Kalender, österr., von Dr. Czuberka. für das Studienjahr 1871.
VIII. Jahrgang. Wien; 120.
G Ol d z i h e r. Zur Cliaialii->risUk Geläl ud-diu aa-Snjüti'ä n. soinor literar. Th&tigkeit. 7
Zur Charakteristik Greläl ud-diii iis-Siijüti"s und
seiner literarischen Thätidveit.
Von
Dr. Ignaz Goldziher.
vV cas wir von Sujüti's Leben und seiner schriftstellerischen
Thätigkeit wissen, das hat er selbst uns in seiner ausführlichen
Selbstbiographie, die er seinem Werke: ^^ 5w^L<Js-'f ,j*A**.i»
üyclJüt^ >..s2-* ^'-^^ einverleibte, zugänglich gemacht. Wenn
-ihon ein nicht geringer Grad von Eitelkeit und Selbstgefühl
dazu gehört, die Beschreibung seines eigenen Lebens und ge-
li'hrten Wirkens unter den Biographien der ,^Jv..^Ä^ auf-
zuführen, eine Eitelkeit, die ihre beste Illustration in der pom-
[Miseu Art und Weise findet, in welcher Sujüti von 'seinen
'\\ erken spricht und auf seine literarische Laufbahn Bezug
nimmt: • so wird dieselbe noch in tiefes Dunkel gestellt durch
jdie fast widerliche Art von Selbstberäucherung , der wir in
[seinen kleineren Schriften begegnen. Trotz seines Talentes
1 und seines Fleisses und trotz der Schätzbarkeit seiner Lcistun-
jgen musste er natürlicher Weise Violen seiner gelehrten Zeit-
i genossen, denen der Umstand, dass er für sich selbst alles
'Verdienst in Anspruch nahm, eine Herabsetzung ihres Werthes
I schien, eine unausstehliche Figur werden ; und eine solche war
1 Er liebt es, immer und immer die Zahl seiner bereits veröffentlicliten Schriften
anzugeben und bei solchen Gelegenheiten begegnen wir Zulilen zwischen
300 — 500. Natürlich rechnet er kleine, eine oder zwei Seiten umfassende
Arbeiten (über den Floh, den Hahn u. dgl.) mit, wie auch Auszüge aus
den Werken Anderer und aus eigenen Werken.
8 Goldziher.
er dem tälteren Zeitg-enossen Sachäwi (den er in seinen Werken
häufig- citirt) und vielen Anderen, auf deren Urtheile Sachäwi
Bezug nimmt in einer Biographie unseres Sujüti, die eben ein
Gegenstück zu seiner Selbstbiographie bietet. ^
Im Laufe dieses Aufsatzes werden wir Gelegenheit haben
zu erfahren, dass es sich der geistvolle Sujüti nicht verdriessen
Hess Tractate abzufassen, die von obenhin betrachtet, keinen
anderen Zweck haben sollten, als den auf das Titelblatt ge-
setzten Gegenstand derselben ins Klare zu bringen, die aber bei
Lichte besehen nichts anderes sind als Tendenzwerke, zu keinem
anderen Zwecke geschrieben, als zur Reclame für den Ver-
fasser und als Beitrag zur Belehrung seiner Zeitgenossen über
seine unübertreffliche und unübertroffene Grösse und Gelehr-
samkeit. Die kleineren Abhandlungen, die ich erwähnte, habe
ich in dem Sammelcodex 474 (Warner) der Leidener Univer-
sitätsbibliothek kennen gelernt, der mir durch die Güte des
Herrn Prof. Dr. de Goeje, dem ich zu fortdauerndem Danke
verpflichtet bin, zugänglich geworden.
I. Es ist ein alter, auf Muhammed zurückgeführter Tra-
ditionssatz: ,Gott wird einem jeden Jahrhundert einen Mann
aus den Leuten meines Hauses senden, der ihnen die An-
gelegenheiten ihrer Religion erklären wird.^ ■^ Die Gelehrten
haben diesen Ausspruch dahin erklärt, dass am Anfange
eines jeden Jahrhunderts ein umfassender Gelehrter existiren
werde, 'der den unwissenden Zeitgenossen die der Vergessenheit
anheimfallenden Religionswissenschaften erneuern und beleben
wird, ein Regenerator (oder wie sie ihn nennen : Erneuerer ,t>tX^^)
der muhammedanischen Wissenschaft. Die meisten Gelehrten
kommen darin überein, dass nicht die Geburt, wol aber der
Tod dieses Regenerators an den Anfang des betreffenden Jahr-
* Beide kann man in Meursinge's Ausgabe des ..Oy-w^Ä^'I c:,'lJiA^
(Leiden 1839) neben einander finden; die Selbstbiognipliie ist ausserdem
mehrfach mitgetlieilt und besproclien worden, zuletzt von Gosche in der
Editionsprobe des Jol.!^! LjUc^^ (Halle 1867.)
Zur Charakteristik Geläl nd-din ns-Snjflti's und seiner literar. Thätigkeit. 9
)
hunderts, bald nachdem in ihm die vox populi den OjcrS? er-
kannt, fallen müsse. Man erkannte den OtX^ nicht durch
Stimmenmehrheit in den massg-ebenden Kreisen ; nur seiner Popu-
larität und, wie wir sagten, einer vox populi, auf welche sonst kein
Einfluss g-eübt werden konnte, und gewiss in den meisten Fällen
erst nach dem Tode des als Regenerator Erkannten zum allge-
meinen Ausdj-ucke kam, verdankte er diese 'Würde. ' Der erste der
mugaddidiu ist der fromme Chalife Omar b. Abd-ul-aziz, als
zweiter der Wiederbeleber des Islam ist unbestritten der be-
rühmte Imäni Safil anerkannt. Diese Beiden '^ entsprachen der
in dem angegebenen Traditionssatze ausgedrückten Bcdingniss,
dass der JtX^ö' immer tX*.^ c>>>o Jjel ^xi stamme. Vom vierten
Jhd. ab, also mit dem dritten Regenerator hören aber auch
die grössten Männer des Jhd. auf, dem Hause Muhammeds
anzugehören, und man musste sich in Ermanglung genialer
Serif's begnügen, die traditionelle Weissagung an Anhängern
der sähitischen Schule, also wenigstens an geistigen Kachkom-
men eines Gliedes der Prophetenfamilie in Erfüllung gehen
zu lassen. -^
Nur in Betreff der beiden ersten Regeneratoren herrscht
unter den muhammedanischen Gelehrten vollkommene Einhel-
ligkeit. Für die RegeneratorenAvürde in den folgenden Jahr-
hunderten Averden immer wenigstens zwei Candidaten aufgestellt.
Ibn Sureih wird für das 4. Jhd. neben dem berühmten Dogmatiker
Asäri erwähnt und nur der Umstand, dass Letzterer (er starb
am Ende des ersten Viertels des Jhd.) nicht ioUJf j*fv ^
starb und andererseits als Dogmatiker nur füi- die j^JiX'l J»-ot
und nicht zugleich für die p^jj epomachend wirkte, sicherte
' Bedr. iid-ci?n ul Ahdal sagt betreffs der Art der Anerkoimung des mugeddid :
5v.oLc: ^j^jc ^^jlä}\ lUXi.} yc L4JI OcX^M ,^^- ij' (*^h
kJul^ cLft;*Li^H^ aJI*i»t irJ^^^^ r^l+JjuM ^; "• legt demnach
das Hauptgewicht auf die Meinung der gelehrten Zeitgenossen.
- Der crstere nur in dem allerweitesten Sinne, da er als Omajjade mit dem
Propheten nur die gemeinsame Zugehörigkeit zum Stamme (lij^js tlieilf.
^ Doch scheinen mu- die Safiiten — darunter SujötT, dem ieli alle diese
Angaben entnehme — die Sache so aufgefasst ' zu haben; vgl. /.. F.. dif
für das 7. Jhd. aufgestellten Kegeneratoren.
JO Goldziher.
ersterem den Vorrang. ' Für das 5. Jhd. liatte man zwischen
Abu Hamid ul-Isfaraini und Sahl us-Salüki zu wählen: noch
andere schhigen Abu Ish^ik us-Siräzi vor. Am Anfange des
6. Jhd. starb (505) Gazäli, ein Mann, wie ihn die muhamme-
danische Gelehrtengeschichte wohl selten aufweisen kann und
von dem ein Gelehrter zu bemerken die Kühnheit hatte, dass,
wenn es überhaupt möglich wäre, dass es einen Propheten nach
Muhammed gebe, gewiss Gazäli darauf Anspruch hätte, sich
Prophet nennen zu lassen. ^ Auch er hat nicht alle Stimmen
für sich '', Abu Tähir us-Selef i wird neben ihm als Kegenerator '
des Jahrhunderts genannt.
Sujütt ist in seinem eigenen Interesse klug genug, hervor-
zuheben, dass Gazäir in der Einleitung seines 4XÄÄ4J! die harm-
lose Hoffnung ausspricht, durch seine bahnbrechende Thätigkeit
seine Anerkennung als t>J^ vorbereitet zu haben. Für das
7. Jhd. hatte man zwischen Abd-ul-Gani b. ul-Walid ul-Mukad-
desi (st. 600), den die Hanbaliten aufstellten, und dem be-
rühmten Nawaw zu wählen; gegen letzteren, der dennoch ^^^
^JtX-M zugenannt wird, sprach sein spätes Todesjahr, nichts desto
Aveniger wird er von seinen Sectengenossen (er war Säfiit)
1 SujutT cod. 474 (8) Bl. 6 recto wundert sich, dass man nicht auch den
berühmten Muhammed b. Gerir ut-Tabari in Betracht zog: Jiä.1 «Jß«
^^i-LLi^il j>LgJcs»!^f aLö\ x«-Lj^ Lo^-La ^^^^ f^-r^ c^=*' c?"^
s.ijjjj cLöl 2Ü« !^LäJCw^ LjöcX« jUwuftAJ t-)^^^ ^jJiJJ^'
iSS' ^ l^Lot ^i^« äos-jwS"^ (jr+-^ üj^iXt-^ («-öi'l^ }m.Xi\^
j^^U'f^ ^S^T*-''^ ^^^ ^^ ^-V*:>^'^^ ibl^ÄJI (st. 310.)
JöLäI,tajo UÖ.JU0 xj"lj^/c Ci5«-ö J-*a^
"• Die Aussage Ihn ul-Mulakkin's , wonach Gazäli ,libros in omm scientia
Grammatica et traditione excepta' verfasste, ist wenigstens in Bezug auf
letztere gar nicht in Betracht zu ziehen. S. Nie oll. Catal. Bodl. p. 563''.
Gosche GazälT's Leben und Werke in den Sitzungsber. der köu. Akad.
der Wiss. in Berlin, 18.58, p. 249.
Zur Chavalcteristilv Geläl uil-diii xis-SujütiV uiul spinor literar. Thätiglceit. 1 1
jenem vorgezogen und dei- unangenehme Zufall seines allzu-
spilten Todes übersehen. Für das 8. Jhd. ^vird zwischen
Sirag ud-din ul-Bulkaiuf — die Gelehrten Egyptens nehmen
für ihn Partei — und dem berühmten IMystiker Nasir ud-din
Uö-Sädeir — für den sich natürlicherweise die Süfi's entscheiden
— gestritten.
Schon in diesem 8. Jhd. ging die muhammedanische Wis-
senschaft, nachdem sie in Grazali ihre Mittagshöhe erreicht
hatte, einer Lethargie entgegen ; die besonders in den letzten
zwei Jahrhunderten Mode gewordene Vielschreiberei und die
ganze Richtung derselben, die wenig Originelles zu Tage för-
derte, sondern mehr die übersichtliche Anordmmg und com-
pendiöse Zusammenstellung des bishin — namentlicli in der
Traditionskunde — Geleisteten erstrebte, brachte denkenden
Muhammedanern den Mangel genialer Thatkraft und origineller
Productivität zum Bewusstsein, so dass man für das 9. Jhd.
keinen Regenerator mehr zu erhoffen sich getraute, und in wei-
teren Kreisen — auch angeregt durch die socialen und poli-
tischen Verhältnisse der muhammedanischen Gesellschaft —
die Meinung Platz griff, dass für dieses Jahrhundert statt des
mugeddid der erwartete Mehdi erscheinen werde. Zein ud-dJn ul
Iräki, einer derjenigen, welche die Regeneratoren jedes Jahr-
hunderts seit Muhammed in einer Art versus memoriales zu-
sammenstellten, und an den Anfang seines j>lA:i..jf öoJ>Ls»f f^.f^
fügte, schliesst dieselben mit den Worten: ,Man glaubt, dass
der achte (Regenerator) der Mehdi, von den Nachkommen des
Propheten, sei, oder Christus, der Rechtgcleitete^ • und motivirt
diese Anschauung mit der Erscheinung, dass die Gelehrten
aussterben , ohne dass ihr Platz ausgefüllt werden kfinnte. "^
jNicht das Aufhören der Wissenschaft ist ihr Tod , vielmehr
fällt dieser mit dem Aussterben der Gelehrten zusammen. Und
so ist's geworden.' — Bedr-ud-din ul-Ahdal, der V{!rfasser
einer Schutzschrift für die Asari'sche Richtung (x-a-ö^^JI RJLw^
12 " Goldziher.
o J
iLj»,ji^^lf ^s^d^ ävAaJ 3) sag-t im Jahre 803, dass es mit
dieser Mehdierwartung- für das 9. Jhd. nicht ganz seine Rich-
tigkeit haben mag, dass viehnehr auch noch ein Regenerator
erstehen könne, während Mehdi oder Jesus erst im folgenden
Jahrhunderte kommen dürften, da er noch gar kein Anzeichen
des nahen Weltendes gewahren könne. ^ Dass der allerletzte
OlV^ der erwartete Mehdi oder Isa b. Merjem sein werde:
stand ziemlich fest, nur über das Wann ihres Erscheinens war
mau nicht im Klaren,'- ebenso gab auch die Frage: ob jener
oder dieser allein oder gar beide zusammen die Regeneratoren-
rolle haben Averden, vielen Anlass zu Schulstreitigkeiten. —
Zu der Bemerkung Al-Ahdal's, dass die , Stunde' bis zum Be-
schlüsse der ersten Chiliade des Islam hinausgeschoben werden
könnte, meint Sujüti, dass er dieser Ansicht auch seine eigene
Zustimmung geben müsse, da im Augenblicke, wo er seine
Abhandlung schreibt^ (anno 899) noch gar kein Anzeichen des
,letzten Tages' zu bemerken sei, ebensowenig von dem Wieder-
erscheinen Christi auf Erden, das doch anerkannter Weise dem
Mehdi um sieben Jahre vorangehen muss. Es ist mir sehr
auffallend, dass Sujüti in dieser Schrift gar keinen Bezug auf
seine ein Jahr früher (898) im Dienste derselben Ansicht ver-
fasste Abhandlung : ujiJÜ^I 'ix'^\ s jjö ^)^'-7^ lJ-^ L-icLÖf ■' nimmt ;
er beweist in der letzteren, dass die über die Zeit des Welt-
gerichts verbreitete Meinung eine irrige sei, die Welt vielmehr
• Bei SujiltT: ^f (^tX^^JI au-oUJI JoL+JI j^K ^ä ^^I Sj5^ Lo
(j^In ,^^^ ^a«Lj j^aj 1^1 (_|»«JC:^^ viLLi ^A ^^ *jij |vJ^
^-w.AÄ ^1 ^tX-g.^*( lJ,J^^ '^"■' Ü"^ <S^^^ ÄJt^biJI XjLJI
Wir sehen, dass der Verfasser dieses Passus unter 9. Jlid. die Jahre 800
— 000 versteht; sonst pflegen arabische Schriftsteller diese Periode , achtes'
Jhd. zu nennen.
- Verschiedene Ansichten über die Zeit des Weltgerichtes s. bei Ihn Chal-
dun Prolegom. Not. et Extr. XVII. p. 188 ff.
' Handschrift der Wiener Hofbibliothek, 16G1 (6). S. Flügel, Catalog UI,
p. 98.
Zur Charakteristik Geläl ud-din iis-Sujflti's und seiner literar. Tliätigkeit. 13
das erste Jahrtausend des Islam überdauern Avird. ' — Sujütl
glaubte also fest daran, dass unter den Zeitg-enossen ein Mann
sei, dem der Titel ^JcXit OtX^ oder f»!^Luj^f ^-f^^ niit Keeht
verliehen werden könne. Wen hielt er für den Glücklichen?
Keinen anderen als sich selbst. Und diese ganze gelehrte
Abhandlung '^, eine sorgfältige Zusammenstellung aller Versionen
und Stützen der in Rede stehenden Tradition und alles dessen,
was über dieselbe geschrieben worden, hat keinen anderen
Zweck als den Verfasser als den , Regenerator des 10. Jhd.'
einzuführen. Hören wir, was er selbst darüber verlauten lässt
und bemerken wir nur nochmals, dass Sujüti diese Aeusserun-
'gen im Jahre 899 thut, also in einer Zeit, in welcliei- er, der
öOjährige Gelehrte, wissen konnte, dass er aller Wahrschein-
jlichkeit nach in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts
i ^
!das Zeitliche segnen werde (xSL+JI \j*'U ^^).
[ n. Manche Versschmiede gaben sich die Mühe, die Liste
|der mugaddidm in Knittelverse zusammenzufassen, eine Lieb-
! haberei arabischer Gelehrter, die auch ins christliche Europa
drang. Das meist verbreitete dieser Versus memoriales ist ein
{auf i> reimendes, welches von Jahrhundert zu Jahrhundert,
! immer mit dem Bekanntwerden eines neuen Regenerators Zu-
j wachs erhielt. Daneben sind andere selbständig entstandene von
I Sujütl mitgetheilt. Er selbst verfasste ein solches Gedicht unter
! dem Titel : ,Beschenkung der Rechtgeleiteten mit den Namen
jder, Regeneratoren,' 3 ^i welchem er seine Abhandlung be-
ischliesst. In demselben sagt er v. 20 — 21 ausdrücklich: , Dieses
■ ' Sujütrs Worte: Bl. 72 ^t J^Ä^ ^1 (1. ^IfS} ^S^> U. <Ll^
2 Der Titel derselben: jj^^ ^öo^l( ScXa.' äJÜI öolo jj>4-^ S.JLa.v
iu-w ioLc Jk5^ it^K ^''^^' "'"""it '^i'- 9. Stelle in dem Leidener Sammel-
codex Nr. 474 W;uii. ein.
^ ^j-jOcX^nJI ^U-u/Lj ^iX>iJ^i\ »-S^ L^Äx.«.^ ^)^)' o-JöJ tXi'j
]^4 ■ Gol'lziher.
9. der Jahrhunderte ist schon gekommen ^ ^ und Gott nimmt
nicht zurück; was er versprochen. Ich hoffe, dass ich der Re-
generator in demselben bin, die Gnade Gottes wird nicht ver-
weigert/ 2
Sowie mehrere Aeusserungen seines Stolzes und seiner
Eitelkeit in früheren Jahren '^ so blieb auch diese Grille des
alten Sujüti nicht ohne Spötter. Er berichtet uns selbst^, dass
einer seiner Leser gegen ihn folgenden ironischen Einwurf
äusserte: ,Was ist der Sinn jener hundert Jahre? werden die-
selben auf dein Geburtsjahr zu beziehen sein, oder auf das-
jenige deiner Maunesreife oder deines Eintrittes in die Reihe der
^jtX-gJC^?' Dieser Einwurf veranlasst ihn zur Abfassung eines
der hier benutzten Abhandlung einverleibten Capitels u. d. Titel :
Äj«.^(, deren kurzen Sinn wir wiedergeben wollen. Er kann
diese spöttische Bemerkung nicht als Geringschätzung seiner
eigenen Person gelten lassen, er betrachtet sie vielmehr als unbe-
rufene Bekrittelung der Tradition, und ihren Urheber als scham-
losen yi^. Der Fragesteller hat die verspottete Tradition nicht
verstanden und keinen Einblick in die muhammedanische Chro-
nologie gethan. ,Er gehört nicht unter diejenigen, welche der
Widerlegung würdig sind. Verständige Männer haben mich
auch darüber getadelt, dass ich seine Widerlegung unternommen
habe, und mit Recht. Doch ich gab der Würde der Wissen-
schaft und der Aufdeckung der Wahrheit den Vorzug vor
meiner eigenen Würde; ich folgte hierin dem Beispiele der
Gelehrten vor mir, die in ihren Werken die Rede eines jeden
Wahnwitzigen, Verächtlichen, Neuerers und Ketzers citiren,
um sie zu widerlegen.^ . . , ,Jenen Mann aber trieb zu seiner
Polemik gegen mich, weil er hörte, ich hoffe von der Gnade
Gottes und seiner Gunst, ebenso wie dies Gazäli für sich er-
1 Er meiut gewiss: das 9. Jhd. (nach unserer Ausdriicksweise das zehnte)
steht schon vor der Thürc.
3 S. Sachawi's Lebensbeschreibung des Sujütf.
4 Bl. 8 recto f. Sollte Sujüti schon früher etwas darüber publicirt haben,
oder ist die ib«.^) tun späterer Zusatz zur Abhandlung?
Zur Charakteristik Guläl ud-din us-rfujüti's und seiner litenir. Tliätiffkoit. lO
hoffte, dass ich der für dieses' 9. Jahrhundert Gesandte
sei, da ich der Einzige in demselben bin, der sicli in die ver-
schiedensten Zweige dei' Wissenschaften versenkte, als da sind :
i Koranexeg-ese und deren Principien, Traditionskuude und deren
i Zweigwissenschaften , Rechtskunde, Lexicologie, Syntax und
Formenlehre, Polemik, die verschiedenen Zweige .der Rhetorik
j und Geschichte, und weil ich in allen diesen Wissenszweig'cn
' ausserordentliche und wunderbare Werke verfasste, mit deren
' . . . .
1 Gleichem mir niemand zuvorgekommen und deren Anzahl bis
j heute 500 beti-äg-t. Ich habe die Wissenschaft von ,den Princi-
pien der Lexicographie^ geschaffen und sie weiter verpflanzt und
I Keiner kam mir darin zuvor. Diese Wissenschaft begründete
! ich nach Art der Traditionswissenschaft und der Rechtskunde.
Meine Werke und mein Ruhm in allen diesen Wissenschaften
drangen in alle Weltgegenden, sie gelangten bis Syrien, Rum,
Persien, Higäz, Jemen, Indien, Habes, Magrib, Tekrür und
dehnte sich von Tekrür bis zum Bahr iiiuhit aus. Keiner
kommt mir in allem, was ich erwähnte, gleich, niemand unter den
Zeitgenossen umfasst soviel Wissenschaft als ich, keiner ausser
mir brachte es, soviel ich weiss, bis zum absoluten igtihäd.^-
0.;V^vJ" ^Jjf ^Ä£. jVHji Xj| dUO J^C cM^Y-^ ^'^ cU^ U.j'^
^^ ^ytA.JI Jsl auv-a^J Jlyijl ^^y^ l^i^ioLäi^ äX'I *.*J ^xi
JÜtlJI^ S.]^aoL XÜäÜ. JW^J-C:. viOcV^tj sjy^\^ y/<.^^Xi\ ^^
(jIaJ'^ ^LäJ!^ Jj.4>^; U-^'^^i; ^»Äj^-ojd!^ y^U ^-y^h
ÄX-NLJf cyLäH^O^n dlJj /«■^■♦^ ^ «;^^y-^j^ •;^;'-^'^ z*:?'-^''^
i^-AAwt *J. *^';5^ iüuUl J»-o! aX^ c>>£s.Xä.I cXj^ i—äJfcX iuLo
<^-^^ XääJI i}yo\ ^Xs-^ CiOtXs.! |vJ.£- -WJ (^^ y^» ^''
^'c>JOof^ ^^wC:Jf^ ^w>>i^'!^ k/x^-Aus.!^ tX<i.^Jt^ ^j.4.aJ!^ ) • '^ [^-^'S
^ Dieses Capitel muss calso später als die Abhandlung (899) geschrieben
, worden sein.
* S. Capitel IV dieser Abhandlung.
16 üoldziher.
* (wUl U-^i ^^A£ ;jJJaJf jL^ä2^^I| ü^^ j! tXs.! ^5f j^^ ^l^
Auch was seine Abstammung anbelangt, will er genealo-
gisclie Beziehungen zur Propheteufamilie haben , so dass er
selbst denjenigen gerecht werden kann, die wie Subki als Er-
forderniss des mugaddid dem Wortsinne der Tradition gemäss
eine directe Zugehörigkeit zu der Familie Muhammeds auf-
stellen, dem übrigens Sujüti entschieden widerspricht, da nach
seiner Meinung die Worte ^^^ J*^' t^ nicht recht verbürgt
sind, und w^enn sie es auch wären, nicht stricte zu fassen seien.
Muhammed bedient sich dieses Ausdruckes nicht nur dann,
wenn er von Familiengliedern spricht, er nennt vielmehr auch
Sclaven äthiopischen und koptischen Stammes, und andere
Schutzbefohlene so. Es ist auch nicht nothwendig, dass die
drei Ehrenwürden: die des Chalifa's, die des Kutb und des
Regenerators immer durch Mitglieder der Familie des Muhammed
bekleidet werden. ^
' Schon weiter oben Bl. 4 verso gibt er diese Anseinandersetzung, die nur
zur näheren Begründung seiner eigenen Ansprüche dienen soll. Vielleicht
ist es nicht überflüssig, das Kesultat, zu welchem er dort kömmt, hieher
zu setzen: ÄiL.o.jl L.g-O.Ä.f l:i)U' !^Uof CiouJI Jjß^ ^jl J-oL^I^
^j^ (V.£l yö^ L*£Li} ^x-X.^ xä-I^v!^ !sJy.^ j^üijf. iüL^!^ü
jv^ oj^, [*-^(j'^ ^;<^'' ^^}Ja^ aJ«.4-w öJUüf^ J^^i
(jsX» *X-t ^iX^^ rUvAÄJI J-ö ^j^ «t JLä-JI J^' ^^ ^:yJO
iO^Jl ^ *.£•! yC^ LöjI ^l^4.iJ »Jy^ ^"^V-J Ü'"''*'^'
JÜLO J.ißf ^ SfLwJ JU* Jöl *j'>i (JJ tXs^ ^Ä C>p XJl
^UjI^JI^ !^ JU SiLwwjf XxAJ J.Jß| ^j.X) (^vi^l 5y^ J.Xa«^
Zur Char.iktoriRtilv (iolal u.l-din us-SuJütr's uiul seiner literar. Tlifititrkeit. 1 /
)
Das Beispiel Gazali's, den unser Sujutt in diesem Punkte
weit überrag-t, kinnmt iliin sehr £>-ut zu Statten, wie er auch
darin seinem V^orbildu nacliznleben selieint, dass er sich ein-
mal von aller Lohrtliätigkeit und sonstigen (xeschäften zurück-
ziehen will. ' Mit der Apologie Gazali's beschäftigte er sicli
schon frülier. -
III. In disni eben mitgetheilten Citate aus Sujuti's Selbst-
beurtheilung- sehen wir den Verfasser das vollste IVIaass seines
Hochgefühles vor seinen Lesern ausschütten. Es ist das in
senior Eitelkeit verletzte Talent, das zu einer überschwänglichen
Geltendmachung* seines Werthes hingerissen wird. Wir wollen
noch einige Bemerkungen zu dem gelieferten Excerpte nuichen :
1 . Fabelhaft könnte es erscheinen , wenn Sujutt von der ,
Verbreitung seiner Schriften bis Teki'ur hin spricht, womit
inicht eben die so genannte Stadt, sondern das ganze Negerland
jSüdan, dessen Hau})tstadt Tekrür ist, gemeint sein mag. •* Wer
jmag nun die Werke imseres Sujüti ins ferne Negerland col-
portirt haben? Es läge sehr nahe zu behaupten, dsss deren
Verbreitung nach diesem entlegenen, literarischen Novitäten
minder zugänglichen Theile des Islam mit der Begegnung un-
seres Gelehrten mit dem tekrürischen Machthaber, dem Askia
Muhammed, von welcher der Geschichtschreiber Südau's —
Ahmed Baba — erzählt^, zusammenhängt, wenn dicsci- \''er-
muthung nicht entgegenstände, dass 1. Sujuti' diese; Alihandhing
im Jahre 899 schreibt, während der Askia seine Reise nach
den Ilauptsitzen des Islam erst 902 antritt, 2. die; Ver-
breitung seiner Werke bis zu den Negern auch schon in der
viel früher geschriebeneu Selbst])iographie herv(u"g(ihoben wird
(bei Meursinge p. 6 Z. 6).
' S. SaclmwT's Biog'rnjjliie bei Meiirsingv, \). 2").
2 In ("iiicm l'.iich.': yS^X^J^ J^£. JlviJ! SvaCJ J, J. '-«•♦-*' r^ ^'^
iil*A4>M; <>!• vortasstc aucli eiiieu Auszug- aus dcjii H.ijä : cLa-Ss-jM v-ciÄiä?
I S. Sflhsthiogr.'ipliic.
I 3 S. ilariihfr Ralfs I}citräp;e zur Goscliicliff und (ieograpliie des Sudan in
Z. d. d. ni. G., IX. j). »(;;$, Auui. '24.
j * ibid. p. öM.
' Sitzb. a. i.iiii.-hist. c'i. lAiK. i'.a. 1. 2
18 Goldziliev.
2. Snjüti sagt von sieli in dem oben gelieferten Excerpte,
dass er eine ganz neue Wissenschaft geschaffen habe : die
x.*i.JI J«.Aof *J^ und sie nach Art der Traditions- und Rechts-
wissenschaft begründete. Die Vergleichung der Sprachwissen-
schaft mit diesen Disciplinen liebt Sujiiti auch anderwärts. In
einem seiner bedeutendsten Werke ^ führt er die Aeusserung
Abd-ul-Latff-ul Bagdadi's an, Avonach sich die Grammatik zur
Lexicologie verhält, wie die Rechtslehre zur Traditionskunde.
,Der Lexicolog-e berichtet darüber, was er an reinem Sprach-
gebrauch gehört und überschreitet diesen Kreis nicht, der
Grrammatiker hingegen operirt mit dem ihm vom Lexicologen
gelieferten Material; ebenso wie der Traditionar die einzelnen
Traditions data alle sammelt, welche der Rechtsgelehrte dann
aufgreift, um sie für seine Zwecke zu verarbeiten, aus den-
selben Analogien zu formiren u. s. w/ Und an einer anderen
Stelle 2 desselben Werkes spricht er, nachdem er angegeben,
dass der JüL2s--Titel bei den Lexicologen dieselbe relative Bedeu-
tung habe, wie bei den Traditionaren, dass hier wie dort auf die
Genauigkeit des t>LÄ^t Vieles ankomme, den Satz aus: ,Die Tra-
ditionskunde und die Lexicologie sind Brüder, sie sind einander in
jeder Beziehung gleich (eigentlich: sind Flüsse, die aus einem Thale
Hiessen).^ Diese Anschauung von der Lexicologie, weckte das Be-
streben, sie den Religionswissenschaften ähnlich anzuordnen, er
schuf daher, und dies ist sein Hauptverdienst in philologicis, eine
Isagogik derselben, Avelche uns in seinem zweckmässig angelegten
und an Material überreichen »Jil*jf. xiJJf f»y^ ^^ vP^y^JI' vor-
1 El-Mnzliir ft uhliii il Inga od. Rfilak, 1282, T, p. .".O: | JLtI
2 ibid. II, 1.. ir,2: tX^I^ j|^ ^ ^L^^ly:.! iÜÜJf^c>jjJ-f (vic
3 Das Werk wurde schon vnu l'ucock benulzt, Hagi Clialt'a i-itirt es für die
Geschichte der Lexicograidiie sehr liäniig. Handschriften davon gehörem
niolit zu diu Seltenheiten, Leiden aUeiu Ijcsitzt drei ICxeniplare. Dass der
Zur C'liaralctpi-istik (iflal ua-<lin u:;-Sujiiti's und seiner literar. Tlii'itigkeit. 19
iegt (g-odruckt in Biilak 12S8 in zwei Bänden), wclclics Werk
iine g-anze Encyclopüdie der uraLiscIien l'liildlogic; zu nennen
ist, wie denn .Sujuti überluuipt ein ausg-ezeichneter Encyclo-
pldienarbeiter war, worin iliii seine immense Belcsenlieit unter-
stützte. Wie trefflieh ist iiiclit seine Einleitung in die Inter-
pretationswissenschaft ^'yü.'' f»^-U j, ^^Läj^^^f! Am meisten
passt er seine Isag-egik in die L(!xicographie der Traditions-
jwissenscliaft an in BetretF der Quellenkunde. Er legt ung-eheuer
[viel Gewicht auf die Verification der traditionell fortg-epflanzten
paten und gibt genaue Anleitung zu einer diplomatisch getreuen
Beschreibung alles dessen, was in die Lexicographie formell
jund materiell gehört. — Auf den Ruhm des Erfinders und
'allerersten Begründers dieser , Encyclopüdie der Lexicographie'
imacht er gleich zu Anfang dieses Werkes Ansprucli : ,Dies
jist', sagt er, ,eine edle Wissenschaft, dcu-en Anordnung ich zu
allererst unternommen und deren Eintheilune- in Fächer und Ca-
jMtel ich begründet, in Bezug auf die Wissenschaft der Inga übei--
haupt wie in Bezug auf ihre Abtheiluno-en und die Bedina'ima-en
;ihres Vortrages und ilires Anhörens. Icli ahmlc in Hinsicht der
Eintheilungen und Fächer die Traditionswissenschaften nacli, und
brachte wundervolle und sclK'ine neue Dinge vor. Zwar nalnnen
schon einige Vorgänger den Anlauf zu einigen hiezu gehörigen
^Literien ^ und waren in der Erklärung derselben um die Ebnung
dur AVege bemüht, doch kam mir keiner in Betreff diesei- Samm-
lung zuvor, keiner voi- mir ging auf ihren Wegen.' Sujüti be-
ansprucht also auch in diesen Worten den Ruhm eines Begründers
der lexicalischen Einleitung nach Art der Traditionskunde (und
zwar dies letztere wegen der formalen Seite seines Werkes),
weil er der erste war, (h'v (his in vielen Büchern Zerstreute
zusammenstellte und übersichtlich anordnete. Dies ist fürwahr
ü 9
ein Ilauptverdienst des >^'^^, denn wir linden in diesem Werke
sehr werthvolle und ausführliche Excerpte philologischen Stoffes
aus hochwichtigen Büchern, die uns h(!Ute uicdit mehr zugäng-
lich sind, von welchen ich mir dut kxX}\ käs des Um Färis,
Titel des Werkes ,Mnzliii" zu lesen ist, leidet keinen Zweifel. Hammer
steifte sieh auf sein ,MezliMr' und Flüjiel tr.insscribirt im IL Cii. bald
Muzliir, bald Mizliar.
• Er ninnnt diese alle in sein Work auf.
2*
I 20 Goldziher.
I,
mehrere Werke des Ibn-us-Sikkit, Ibn Ginni, Ibn Chälaweihi,
Ibn Durustwaihi u. a. m., wie auch eine ganze Masse von J,Lo!
zu nennen brauche.
Ein anderes Verdienst, das sich Sujüti in der Lexicolog-ie
vindicirt, ist, dass er es war, der das sogenannte ,Dictiren dei
higa' ', nachdem es fast seit einem halben Jahrtausend vernacli-
hissigt wurde^ wieder aufnahm, ,Das höchste Amt/ sagt er 2,
,das der IüLä» des Wortschatzes bekleiden kann, ist das J^^Lof
sowie dieses Amt bei den iäiLÄ»-en der Traditionswissenschaftei:
die allerhöchste Rangstufe ist. Die iüuUI JbLaii. älterer Zeil
II dictirten in der That sehr viel; so dictirte Talab zahh'eiclu
Collegia, die einen starken Band ausmachen, desgleichen Ibi
Duraid, von dem ich einen Band Collegiendictate sah. Abi
Muhammed ul-Käsim ul Anbäri und sein Sohn Alju Beki
dictirten so viel, dass man's kaum zählen kann, Abu Ali u
Kall dictirte fünf Bände u. a. m. Ihre Art im Dictiren is
derjenigen, die unter den Traditionslehrern gebräuchlich ist
ganz gleich. Der Hörer (^J^JLjmjo) schreibt auf die Spitze des
Papierblattes: ,Collegium dictirt von unserem Seich N. N
in der Akademie N. an diesem und diesem Tage/ mo di(
Datumsaugabe folgt. Der Vortragende erwähnt dann mit ver
bürgter Traditionskette etwas von dem, was die alten Arabei
und die Wohlredenden gesagt, worin irgend etwas Auffal
lendes und der Interpretation Bedürftiges enthalten ist.' Die:
erklärt er, indem er dazu Stellen aus den alten Dichtern unc
merkwürdige Curiosa (tXol^) anführt; jene müssen mit gute:
Verbürgung versehen sein, bei letzteren ist diese gleichgültiger
Diese Art des Vortrages war in der früheren Zeit weit ver
breitet, dann starben die iiU=» aus und mit ihnen li(')rte da:
,Dictiren der Sprache' für längere Zeit auf. Das Dictiren de
Tradition dauerte länger fort. Als ich im Jahre 872 diesei
Geschäft begann, lag es eben erst seit 20 Jahren vernachläsBigt
* Vgl. de Sacy, Antliologie g-rainmaticiile arabo, p. I;i7 (trad.). Wir scliPii
dass der Safe'ito Siijutt den Ansdnick ^Kjot ""d iii<dit /^aA,ä.j gcl)raiiclil
2 Mu/diir a. a. ü.
Zur (harakteiititik Öv\h\ u.I-,liii us-S.ijn«'s un.l meiner literar. Thatifjitcit. 21
5eit (Iciu TocU; (los HaHz Abu-l-farll h. IJaöi- näinlicli. Als icli
iedoch (las luxicolo^i.scho Dictireii biiui,„Kui wullte, iiul(3m ioii
deren Wiederbelebung' nach ihrem Aiisstc^'rbcn beal)siflitig-te :
[la dietirte ich ein Collegium, fand aber kv.liw, Tlieilneiuner
jind Niemand, der daran Gefallen g-elunden hätte, «(jduös ieh
{selbst dieses Geseliäft wieder aufgab. Der Letzte, von dem
eh hörte, dass er Collegia nach Art der Lexicolog-en dietirte,
,var Abu-1-Käsim uz-Zugg-äg-f, von dem es viele (^jlh^giendictate,
lie einen starken Band ausmachen, gibt; (u- starb 'SVA). Es
vurde mir kein späteres Collegiendictat lexicologischen Inhaltes
lekannt/ — Wir ersehen aus diesem Bekenntnisse, dass 8ujütf,
ler um jeden Preis dei- Wiederbeleber ei-storbcner Wissens-
iweige werden wollte, seinen Verdiensten auch das \Vicder-
bifnehmen des iüti.ff .^^LoJ anreihen W(jllte. Es blieb aber beim
l'lane. Das gelehrte Publicum des 10. Jhd. stand nicht mehr
ü dem geistigen Connexe mit der edlen Sprache der Wüsten-
iraber, in welchem es ein halbes Jalirlauscnd friihci- ^-tand.
Zur Charakteristik der literarischen, besonders aber der
exicographischen Arbeiten Sujilti's ist von grossei- Wichtigkeit,
ivas er in einem kleinen Tractate l«^--^ Ä ..i^-*'«^^^'' iüLc '
i I . Vi t . . . . ^"^
ijLw,Jj)| — ■ worin eine lexicalisch-svnon\inische Zusamnicnstel-
iing der Benennungen aller Körpertheile des Äfenschen versucht
i-ird — über dieselbe sagt: ,lSlan befragte mich einmal über
lie beiden Wörter J^^ und (X^, <ib Pxwdc, (lassclb(- bedeuten,
der ob ein Unterschied besteht zwischcji dem, was dieses und
eni, was jenes bezeichnet? Diese Frage veranlasste mich,
lut Sorgfalt die auf den Körperbau des Menschen bezüglichen
ausdrücke zu umfassen, denselben in den lexicalischen W^erken
lachzugehen, und dann selbst etwas darüber zu schreiben.
i)enn obwol meiner Werke Zahl gai- gross ist und ziisammen-
[•enonimeu 400 beträgt: ha1)e icli in dem Zweige der Lexico-
L>gie noch gar nichts gethan. Es war daher nothwendig, dass
L'h auch in diesem Zw^eige ein Werk habe. Tch hab(> die
:»evvohnheit, nur solche Dinge zu schreiben, in denen
ch keinen Vorgänger habe und meinen Gegenstand
;anz zu erschöpfen. Dieser Bedingung nachzukommen, ist
ei lexicographischen Unternehmungen unmöglich, dinn nach
' Cod. Leiden 47^!, Warner (37).
22 Golilziher.
dem Kamüs kann in der Lexicograpliie nichts Erschöpfenderes
und Vortrefflicheres geleistet werden/ ^s. Jswo v:jJ.a^ JJiJ.
^{ (31 iüuUf ,^ ^ siXx3 Jj" Joj^t IiXjo^ L^xs ^-äj^l Ujvi
' KX/1 Jos.!« V^5^ ^— ^-^^ (j*»joLftJI l^Ud' JOU L^^ IoIa5
Wir sahen schon in oben mitgetheilten Stücken häufig, dass
Sujüti immer darauf viel Gewicht legt, in seinen Leistungen
neue, von anderen nie betretene Bahnen zu brechen; hier ver-
räth er uns seine Gewohnheit, Alles systematisch zu ineiden,
wo er nicht der Erste sein könnte. — Die Handschrift, der
Avir das eben mitgetheilte Stück entnehmen, gibt keinen genü-
genden Anhaltspunkt zur Feststellung der Abfassungszeit dieser
Abhandlung; so viel steht fest, dass dieselbe spcäter als die
Selbstbiograpliio, in welcher er noch keine lexicalischen Werke
aufzählt und nur von 300 Werken spricht, — aber früher al?
das Äluzhir und andere seiner lexicographischen Arbeiten ge-
schrieben wurde. Sie ist gewiss der allererste lexicographische
Versuch des Verfassers, nach welchem noch andere folgten
von welchen mehrere in dem von uns hier als Quelle benutz-
ten Sammelcodex enthalten sind, z. B. das jj>a-UI 5l\o\ (Nr. 38)
dessen erste Hälfte eine synonymische Zusammenstellung dci
bei der Milcli in Betracht kommenden Ausdrücke ist. Andererj
Abhandlungen pflegt eine lexicalischc Einleitung über deij
Gegenstand derselben voranzugehen, z. B. der Abhandlung:.
i^L«*.i.Ai2Jf J.XÜ ^, wo eine lexicalischc Constatirung der dahin
gehörigen Synonyma und eine weitläufige Untersuchung übel
die verschiedenen Arten des i^La^X^Io zu finden ist, wclch(j
' OM.2»Li- !•-''' l«''^^' ^:iAA^itTi (!"'' Iveincr Auftbrderung, eiu Werk über da'
in Rede stellende Tlitinu zu .sclircibcn, erwälnit wird. j
Zur Char;il(teiii:tik Ochil ud-iliii us-Sujüti's und seiner literar. Thiitigkeit. 23
letztere zwar vor Allem religiös-rituellen Cliarkkter hat, aber
auch viele Ausbeute für die Icxicalisclie Feststellung der Taila-
sänaraten liefert u. a. in. Eine seiner weitläufigeren lexica-
lisolicn Arbeiten ist der zweite odei' lexicalische Theil des
^IsCül Joljj ^3 ^LcöJ! t»jLc5^i. Die lexicographisehe Wirk-
samkeit des Verfassers fällt allerdings auf den letzten Theil
seines Lebens; vier Jahre vor seinem Tode (im Jahre 1)07 j
lieferte er ein Conipondium der Nihäja des Ibu-ul-Atfr u. d. T.:
wAi'^'l ^jl JoL^J ijc^^'S ^ j-^'^'-Ä-'f )»^'^ noch später: J.AJtXÄ'jf
v.^jwjuM ioL^jj ,^^ v_A^jj.AJf. : in beiden verfährt er nicht blos
excerpirend, liefert vielmehr sowol in jenenij als am-h in diesem
Vieles, was im Grundwerke vermisst wird.-
IV. Aus allem Angeführten sehen wir wiederholte Male,
dass Sujüti durchaus nicht zurückhaltend war, wenn es dazu
kam, seine Verdienste um die Wissenschaft namhaft zu ma-
chen. Einst Hess er sich den Ausspruch entschlüpfen : ,Icli
bin jetzt das gelehrteste unter allen Gescluipfen Gottes, sowol
was die Feder als auch was den Mund anbelangt' (d. h. sowol
in Betreff meiner schriftstellerischen Wirksamkeit als in Be-
treff meines mündlichen Vortrages). Es trat — wie er uns selbst
erzählt — jemand gegen diesen Aussprucli auf und meinte,
man dürfe dies nicht so allgemein aussprechen. Sujnti säumte
nicht, seinem Gegner das Gegentheil darzuthun und schrieb
I eine eigene Schutzschrift zu diesem Behufe : , Diese Entgeg-
nung' — sagt er — ,hat ihren Grund in der Unwissenheit
(des betreffenden Widersachers), da doch kein Zweifel obwal-
ten kann, dass derjenige, der mit dem Titel mugtahid zube-
nannt Avird, gelelirter ist als jeder mukallid-'; da nun aber
die jetzt lebenden Gelehrten alle mukallid's sind: so folgt dar-
aus ohne Zweifel, dass der mugtahid der Gelehrteste der Zeit-
genossen ist, ganz abgesehen von der feststehenden Thatsache,
dass der mukallid gar nicht , Gelehrter'' genannt wird, mit diesem
1 Handschrift der Wiener Hofbibliutliek, 1640 (4). S. Flügel, III. p. 77.
2 S. Nico 11. Catal. Bodl.,p. 177—8 zu cod. CCXVIII.
^ Ueber (\. gy<° "'i'^ JuLjLo vgl. Gurgäni Kitäb ut-turftVit {). ^\, 14 und
|J|1, 10, besonders aber Kasembeg's Aufsatz im Journal aslat. 1850. I,
p. 181, wo über dieses Thema und über die ,Degres de rigtiliad- sehr aus-
führlich gehandelt wird.
24 Goldziher.
Beinamen vielmehr nur der miigtahid beehrt werden kann/ ' Wie
er den erwähnten Ausspruch noch weiter gegen andere Eingriffe
vertheidigt, können \\ ir hier ohne Weiteres übergehen, - da nur
das eben Angeführte für den Verfasser cliarakteristisch ist.
Der cX-g.X^-Rang ist es, auf den Sujuti immer mit beson-
dei-er Zuversichtlichkeit pocht, denn auf das J>L^Äs>t sind auch
seine Regeneratoransprüche gebaut. Sein Anrecht auf den
Titel eines mugtahid musste er demnach am festesten begrün-
den. Er thut dies in einer anderen Tendenzschrift" c>L§Jö>.!Nl| ^^\
die er im Jahre 889 — also 10 Jahre früher als die, in welcher
er sich als t>tX^ präsentirt, verfasste. Diese Abfassungszeit
schliesse ich daraus, dass er in der oben erwähnten Schutzschrift
(Nr. 21) sagt: ,Ich habe in dem Buche: ,Widerlegung derjeni-
gen^ die ewig auf Erden leben^ (d. h. Widerlegung der Ansicht,
dass es Menschen gebe, die unsterblich auf Erden wandeln,
wie man dies von Elias behaupten wollte), welches ich im
Jahre 888 verfasste, nachgewiesen, dass ich unter diesem Aus-
drucke (seil. ^!^f| jJJf ;jJ-i^ (vltl bf), wo ich ihn absolut
gebrauche, alle Wesen mit Ausnahme des Chadir, des Kutb
1 Die Schutzschrift befiudet sich in dem schon liäufig angeführten Leidener
Codex 474 (nr. lH): ^5| JJ\ ^^ ^f |.3| 5^L^ J^ ^^
Lo icy.-ys? tXAÄx JS^^j^ i^AäI (^LgJCi-Ü^M xg.vr; [iy^yjc ^\^
- Er bespricht die unter muhanuncdanischen Gekehrten su häutig ventilirte
Frage über die ewige Fortdauer des «„ö^ nnö. Elias auf Erden und muss
zu negativein Resultate kommen, worin er die meisten orthodoxen Autori-
täten für sich hat.
■* Dass dieselbe Tendenzschrift ist, sielit schon sein gegnerischer Bingra})h
Sachawi (bei Meursinge, p. 23). ,Er schrieb ein besonderes Werk um
die Tgtihädwürde leiclit orreiclibar zu machen und um seine hierauf be-
züglichen Ansprüclie fester zu begründen.'
i Cod. 474 Warner (-20).
Zur Charakteristik Geläl ud-dlii us-Sujüti"s und seiner Hterar. Tliiitigkeit. 25
und aller undercn lIoiliij;-en Gottes, verstellen will.' ' Von deiii-
selben liuche sagt er nun am Anfang-e der Abhandlung über
das igtihad: er habe es im v(!rg-angenen Jahre verlasst. ,lch
habe', sagt er, .bereits im V(!rflüssencn Jahre ein l>uch verfasst
und es g-enannt: ^Widcrleg-iiug- derjenigen, die auf Erden Ewig-
lebende annehmen und nielit wissen , dass das Vorhandensein
eines tX^Ä.^ in jedein Zeitalter eine nncrlässliche religiöse
Pflicht ist;' dieses ist ein ausgezeichnetes, inhaltsreiches Buch,
in welchem höchst werthvolle auf das ig-tihad bezügliche Be-
merkungen vorkommen. In dieser Abhandbing will ich daraus
dasjenige excerpiren, Avas auf folg-ende drei Fi'agen Bezug hat.'-
Wir befinden uns also mit dieser Abhandlung im Jalire <SS'J.
Die drei Frag-en sind: 1. üb es in dieser Zeit einen mugtahid
gibt oder nicht? 3. Ob die Titel ^^3-llax! tX^Ä^ und (X^^
^JiX^^/! gleichbedeutend sind? 3. Ob es einem iX-^Jc^ freisteht,
einer iSchulc als Oberhaupt vorzustehen, bei deren (irüudung-
gleich von vorneherein ausg-esprochen wiu'de, dass sie die
^)äiiitische Ixichtung zu vertreten habe?-' In der Beantwortung
der ersten Frag-e l%.ommt er zu dem Resultate, dass nach der
Auffassung- jeder der vier Rechtssccten in jedem Zeitalter
wenigstens ein mug-tahid existiren müsse, der das höchste ^laass
muhammedanischer Gelehrsamkeit in sicli vereinigt und dass
der Mang-el eines solchen eine Sünde sei, an deren Last die
ganze Generation participirt. — ■ Mug-tahid mutlak und nuista-
^11 sind zwei verschiedene Titel. — Endlich kann der mugta-
' y^; u^;~" i ^^^^' c^^ ^^ V ^-^^ ^ ^^T^ ^^
oL^JC=»^'Lj &jU.xj^L/o (j^jLiJ aui (^Li* (J-^V^* i-jUii^ yCj
' Da doch der ^V ^ V <P das jiiiare in vorba Tiiagistri iiiclit kennt und trotz
seines Anschlusses au eine oder die andere Secte ein grösseres Maass von
selbständigem Urtheil bewahrt, als dies der Sectengeist zuliesse.
26 G u 1 (1 z i h e r.
]ii(l immerhin Scliulobcrhaupt sein, iusoferne er seine selbstän-
dige Anschauungsweise innerhalb der Grenzen des Sähismus
in Anspruch nimmt. Nur dei' v_j^wy.ÄÄyo ».xä (>ää*w^ (XgJC^
d. h. ein Gelehrter von dem Grade der Selbständig-kcit, dass
(jr über alle Secten erhaben, sich zu gar keiner rechnet, kann
eben wegen seiner allzugrossen Selbständigkeit in theologicis
keiner säfiitischen Schule präsidiren. An der safeitischen Aka-
demie XAxUäÄil in Bagdad wirkten seit ihrem Bestehen eine e-anze
Menge von mugtahid's als Oberhäupter; Ibn Gerir war das einzige
sähitische Schulobei'haupt, welches auf das absolut unabhängige
igtihäd Anspruch machte. — Wer zwischen den Zeilen lesen kann,
wird gleich bemerken, dass es dem Sujüti hier um den Beweis
zu thun ist, dass sein igtihäd mit seinem Amte als Oberhaupt
der Baibarsischen Akademie in Kairo nicht collidirt.
Die Abhandlung schliesst mit drei loiXi, deren zweite
mich veranlasste, aiif diese Schrift hier nähere Rücksicht zu
nehmen, da in ihr der Charakter der ganzen Schrift als Ten-
denzarbeit sich ganz durchsichtig zeigt: ,Ich und viele meiner
Zeitgenossen stehen zu einander in demselben Verhältnisse, ^vie
ein Säfiite und ein Anhänger Abu Hanifä's, welche über die rituelle
Reinheit des seraen virile mit einander disputirten. Der Säfiite (der
für die Reinheit plaidirte) sagte zuletzt : ,Ich habe noch nie etwas
Wunderbareres gesehen als diesen (Hanef i) ; ich gebe mir j\Iühe
zu beweisen, dass er reinen Ursprunges ist und er gibt sich Mülie,
seine Entstehung auf etwas Unreines zurückzuführen! In dem-
selben, Falle bin ich mit meinen Zeitgenossen. Ich bestrebe
mich nämlich (indem ich auf das igtihäd Anspruch mache)
sie allesammt von einer Sünde zu befreien und enthebe sie jeder
Schuld, indem ich für sie in die Pflichterfüllung eintrete, sie
aber theilen sich in zwei Klassen; eine meint: das igtihäd sei
(in dieser Zeit) überhaupt unmöglich, sie ist dadurch bestrebt,
sich und allen Menschen die Mitschuld daran aufzudrängen;
eine andere gibt wol die Möglichkeit des igtihäd in unserei- Zeit
im Allgenuiinen zu, stellt aber speciell meine Würdigkeit in
Abrede. Wenn ich auch nicht eines Grösseren würdig bin, als
die übrigen Menschen, für das was ich von dem vollbraclite, wo-
von sie zurückgeblieben sind: so werde ich doch auch nicht
weniger sein, als einer von ihnen. Hat mir denn das Mehr
Zur Chamliteristik Geläl «d-diii us-Sujürrs und seiner literiir. TliiitiRkeit. 27
des ig-tihad das eing-cbraclit, dass ich dadmcli weiiii^cr Kciiul-
niss von der Secte habe, als icli hatte, hcvur ich diesen Rang
erstieg?^ cy^ ^^^Lcö JjCx w.«2Jt.'l J^iit ^^x yj^'xS^ J^>^ J^'-«
(j-^' ^^t *^^'^ ^ ^^*.iL^.M JLäi ^^-^♦'l 5;^H2ic ^ tc^"*^ z*-^'
J.jj^ x-Lol iU«L^ 3 ^l^ yc^ ad-cjf Jirl^ ^- cLw Sj' I j^
fr/^' l*^''-^ o^Ä.ij. (^y^L fv^£^ (V~^^'l Äi> 3 oA**v UjI
Jjfl !^Ü JtAi f^v-^i' U-0 io o^-^-äUI (j^^IäJI Jsx äobv (_J.^avI
Natürlich ist es, wenn der Verfasser am Schlüsse der Schrift
zu dem Resultate gelangt: -LaäJLj j^ofj.ÄJlj ^Jw^ xUI ^^x Jö.
V. Sujuti's Pi-ahlereien machten ihn zum Gegenstände nicht
nur des Spottes seiner Gegner, sondern auch des Unwillens
mancher bescheidenerer Rechtgläubigen. Sind doch Besclieiden
lieit und Selbstunterschätzung der Gelehrten auch in dvr muhani-
medaffischen Gelehrtenwelt — wo allordinü's die Anscliauuniicu
über Bescheidenheit nicht mit den unserigen identisch sind —
doch immer gerne gesehene Zierden der Gelehrten ! Hs nioclitc
daher unseren Sujüti selbst hin und \\ iedc^r, wenn er seine xoii
Grosssprecherei in erwähntem Genre strotzenden Arbeiten zum
Gegenstaude selbstgefälliger Leetüre machte, docli sein (ie-
wissen gemahnt haben, dass er dui'ch dies«; Art von Sell)sl;ui
empfehlung den Zeitgenossen verächtlich werden müsse und
dass er, gerade indem er sich anpreist, durch Enthüllung alier
seiner Vorzüge die Schattenseite seines sittlichen Werthes preis-
gibt. Es war für ihn daher nothwendig, seine Selbstbelobungen
durch eine wenn noch so winzige Abhandlung über dieses
Thema in ein günstigeres Licht zu setzen. Auch dieses Trac-
tätchen, gleichsam die Rechtfertigung seiner grössten Schwäche,
' Nicht dies ist mein Lolin vou ilim?
28 ( i 0 1 d z i h e r. Zur Charakter. Geläl ud-diu us-Sujüti's u. seiner liter. Thätigkeit.
liegt uns in dem oben erwähnten Bande gesammelter Abhaud-
lung-en vor. Er weist darin nach, dass es zwar an sich nicht
h'iblicli sei, von Selbstlob zu überströmen, dass ein solches Vor-
gehen aber in gewissen Fällen gestattet ist, und von den älte-
sten Zeiten des Islam au von den Frommen und sonst anspruchs-
losen Gelehrten geübt wurde. Besonders ist das Selbstlob gestat-
tet , wenn die Zeitgenossen nicht das rechte Verständniss für
die Verdienste des Betreffenden haben, oder wenn die Gross-
prahlerei keine egoistischen Zwecke verfolgt, sondern nur den,
für die in der Vortrefflichkeit des Menschen sich offenbarende
göttliche Gnade zu danken. Wer sieht hier nicht, dass Sujüt?
seine Leser zu der Schlussfolgerung auffordern will: , Warum
sollte der Verfasser seine Verdienste nicht überschwänglich prei-
sen, da doch seine Zeitgenossen, alles wissenschaftlichen Ver-
ständnisses bar ') dieselben nicht herauserkennen würden, wenn
er sie nicht selbst zu Markte brächte?'
Unter den Beispielen für prahlerische Aeusserungen gelehr-
ter Männer wird einer Anecdotc erwähnt, mit deren Mittheilung
ich diesen Aufsatz beschliesse: Der Kädi Tag ud-din us-Subki
erzählte von seinem Vater, dem Seich Taki ud-din, dass dieser
einst von dem Bibliothekar der Akademie kjjJüUiJ! ein Buch aus
der Bibliothek entleihen wollte. Der Bibliothekar weigerte sich,
ihm dasselbe zu geben. Da zürnte der Gelehrte und sprach:
,Ein Mann wie ich bedarf der Bücher dieser Bibliothek nicht,
vielmehr bedürfen die Bücher eines Mannes wie ich bin.'-
1 In einer anderen AbLantlliing' (Nr. 9, BI. 10 recto) .schildert Siijntf dies
wissenschaftliebe Verständiii.ss seiner Zeitg'cnossen mit den bezciclmcnden
A¥orten: ^Jc^JC^^Jj iJU 1^^^. ^ ^.öJ\ vJLaJ^I ^jJ Li
_U-2fcl/o ijjix JU'. Xaav.J| v^,öjii x.aJ^ ^ä.*~o UUo ioLii-f ^j^
29
XXII. SITZUNG VOM 18. OCTOBER 1S71.
Der kais. Ratli Ludwig- Ritter von Kiiehcl legt das im
Druck vollendete mit Unterstützung- der kais. Akademie lieraus-
g-egebene Werk ^Johann Josef Fux, Hofcompositor etc.' vor.
Das corr. IMitglied Herr Professor Dr. Is-naz Zinirerle
in Innsbruck ersucht um eine Subvention zur Herauso-abe des
Werkes: ,Die pluemen der tug-ent von Hans Vintler,
i
Das corr. Mitglied Herr Professor Conze gibt Nachriclit
über den Foi-tgang- der von ihm mit Unterstützuno- der kais.
Akademie unternommenen Sammlung römischer Bildwerke ein-
heimischen Fundortes in Oesterreich.
Das corr. Mitglied Herr Custos Josef Haupt sendet eine
Abhandlung unter dem Titel: ,M. Cetius Faventinus und ein
Bienensegen aus der Hdschr. n. .^>87 der k. k. Hofbiblintlick.'
Das wirkl. Mitglied Herr Dr. Pfizmaier legt eine füi-
die Denkschriften bestimmte Abhandlung vor unter dem Titel:
jGedichte aus der Samndung der zehntausend Blätter',
und das wirkl. Mitglied Herr Professor Adolf Mussafia
eine Abhandlung- ,über die spanischen Versionen der Historiu
Trojana'.
Der Secretär bringt ein Schreiben des Dr. Petermaini
in Gotha vom 9. October 1871 ,Die Entdeckung eines offenen
Polarmeeres dui-ch Payer und Wevprecht im Seiptcinlx'i' lS7r
zur Keuntniss der Classe.
An Stelle des verstorbenen Eegierungsrathes von Meillri-
wird Herr Hofrath Philli])s zum IMitglied der Weisthümer-
Commissiou gewjUilt.
30
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Academie R. de Belles-Lettres , d'Histoire et d'Antiqnik's de Stockholm:
Antiquarisk Tidskriff för Sverige. IL Del.; III. Del., 1. Heft. Stockholm,
1869 & 1870; 8». — Handlingar. N. F. VI. Delen. Stockholm; 8".
Akademie der Wissenschaften und Künste, siidslavische: Rad. Knjiga XVI.
U Zagrebu. 1871; 8". ^ Starine. Knjiga III. — Stari pisci hravaski.
Knjiga III. U Zagrebu, 1871; 8".
— — Königl. Preuss., zu Berlin: Monatsbericht. August 1871. Berlin; 8'^.
— — Kais., zu St. Petersburg: Memoires. Tome XVIII, 2«' Partie; Tome XIX,
l-^ Partie. St. Petersbourg, 1871; 8'' (Russisch).
Archivio per rAntropologia e la Etnologia. I. Vol., Fase. ?>°. Firenze. 1871; 8^.
Gesellschaft, Deutsche raorgenländische : Zeitschrift. XXV. Band, 1. und
2. Heft, Leipzig, 1871; 8". — Wissenschaftlicher Jahresbericht über die
morgcnländischen Studien 18ß2 bis 1867. Von R. Gosche. Heft I. Leipzig,
1871 ; 8". — Indische Studien. Von A. Weber. XL Band. Leipzig, 1871; 8i\
Ilarz- Verein für Geschichte und Alterthumskunde : Zeitschrift. IV. Jahrgang.
1871. 1. und 2. Heft. Wernigerode; 8».
Instituto di corrispondenza ai'cheologica : Monumenti inediti. Vol. IX, Tav.
XII— XXV. Roma; Folio.
Jahresberichte: Siehe Programme.
Köchel, Ludwig Ritter von, Johann Josef Fux, Hofcompositor und Ilof-
kapellmeister der Kaiser Leopold L, Josef I. und Carl VI. von 1698 bis
1 740. (Mit Unterstützung der kais. Akademie der Wissenschaften in AVien.)
Wien, 1872; 8".
Laube, Gust. C, Reise der Hansa in's nördliche Eismeer. Reisebriefe und
Erinnerungsblätter. Prag, 1871; S'^.
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. 17. Band. 1871.
X. Heft. Gotha; 4".
Programme und Jahresberichte der Gymnasien zu Bistritz, Brixen, Capo
dTstria, Eger, Essek, Ilermannstadt, Kaschau, Kronstadt, Böhm.-Leipn,
Leoben, Marburg, Pilsen, Presburg, Rosenau, Schässburg, Spalato, Tabor,
Ti-ient, Warasdin, des akadem. Gymnasiums, sowie des Gymnasiums zn
den Schotten in Wien, der Gymnasien zu Zara und Zengg, und der Coni-
munal-Oberrealschule in Böhm.-Leipa. 1871 ; 4'' und 8".
Societe litteraire, scientifique et artistique d'Apt. (Vaucluse) : Annales. V*" Annee.
1867— 18G8. Apt, 1871; 8».
Society, The Asiatic, of Bengal: Journal. Part II, No. 1. 1871; 8". — Pro-
ceedings. Nrs. III-IV. March, April 1871. 8«.
— of Antiquaries of London: Proceedings. Second Series. Vol. IV, No. 2.
London, 1868; 8».
Verein für siebenbürgisclie Landeskunde: Jahresbericht für das Vereinsjahr
1869/70. Hermannstadt, 1870; 8". — Archiv. N. F. IX. Band, 2. Heft. 1871; 8".
— histor., der Pfalz: Mittheilungen. II. Speyer, 1870; 80.
— — von ünterfrankrii und Aschaffenburg: Archiv. XXL Bd.. 1. u. 2. Heft.
Würzbm-g, 1871; 8'».
— — für Niederbayern : Verliandlungen. XV. Bd. 1. — 4. Heft. Landshut. 1870
und 1871; 8«.
Haupt. M. Cetiiis Faventiinis und ein Hieneiisegen. 31
M. Cetius Faveiitiiius und ein BiiMiensoi^en
aus der Hs. 387 der k. k. Ilofbibli.jtliek.
Von
Joseph Havipt.
1. M. Cetiiis Faveiitiiius.
Keg'inbertus, der im IX. Jahrhundert ein Verzeichniss
der Hss, des Klosters St. Gallen niederschrieb (Tr. Neui^'art
Episcopatus Constantiensis P. I. p. l'y-il), erwähnt in demselhen
p. 539 : De architectura vohimen I. und p. 548 : libri duu de
architectura Faveutini. Valentin Rose setzt hinter Faventini
in seiner Ausgabe des Vitruv (Lipsiae 1867. 8") p. IV. in der
Note 5 ein sie, und zwar mit Recht^ da dieser Auetor eines
Werkes über die Baukunst weder später noch früher irgendwo
genannt wurde, ein Zweifel somit ganz am Platze war.
Dennoch ist die Angabe des St. Galler Bibliothekars
richtig und der Name Faventinus ist im IX. — X. Jahrhundert
auch anderwärts zum mindesten noch in einer Tis. als eines
Schriftstellers über die Baukunst zu lesen gewesen.
Unter der Nummer 387 früher Salisb. 421 verwahrt die
k. k. Hofbibliothek eine pergamentene Hs., einen sogenannten
Codex quadratus von 165 Blättern, dessen Pertz in den
Monum. Germ. Vol. I. pag. 86 gedenkt, denn aus diesem Co-
dex hat er die Annales Salzburgenses 1. c. p. 89 — 90 heraus-
gegeben. Der Schreiber erklärt auf 7'', dass die Hs. noch zu
Lebzeiten Carls des Grossen ireschrieben wurde. Der voi'letzte
Absatz der Abbreviatio chronicac; laul(;t nämlich: ,Et a carlo et
carlomano usque ad carlum iiunt anni. im. Et iiKh; domniis
carlus solus regnum suscepit. et deo protegente gubernat usque
in presentem annum feliciter qui est aniius regni eins xlu im-
perii autem vmi.'
32 Haupt.
Diese Es. gehörte seit ihrem Ursprünge dem Erzstifte
Salzburg, wie schon aus den oben angeführten Annales Salz-
burgenses einleuchtet, historische Notizen, die zumeist salz-
burgische Priester betreffen. Bei Gelegenheit fiel mir diese Hs.
in die Hände und ich gewahrte auf dem hintern Deckel ein
pergamentenes Blatt aufgeklebt, an welchem sich schon jemand
mit einem Reagens versucht hatte, doch begreiflicher Weise
umsonst, da die Schrift sich blos an der aufgeklebten Seite
befindet und nur die Initialen durchschluo;en.
Das Blatt wurde vorsichtig abgelöst und da bot sieh Fol-
gendes zu lesen, und zwar die Uncialen mit Mennig geschrieben :
M . CETIFAVENTINI ARTIS ARCHI
TECTIONICAE PRl VATIS VSIBVS
ADBREVIATVS LIBER '
Anomala ha . .
qn p latitudiii
uagant' signiferi
Artis architectionicae peritiam. 2 multa oratione uitruuius^
pollio aliique | auctores scientissime scripsere. uerum ne longa
eorum disertaque facundia | humilioribus ingeniis alienum
faceret Studium, pauca ex his mediocri licet se. mon. | priuatis
usibus ordinäre ^ fuit consilium. quae partes itaque caeli et
regiones uentorum | salubres aedificiis uideantur. et qua sub-
tilitate nociui flatus auertantur aditusque | ianuarum et lumina
fenestris utiliter ti'ibuantur quibusque ^ mensuris aedificio | mem-
bra disponantur. quibus signis tenuis abundausque aqua inue-
niatur | etiam quibus " aedificandi gratiam scire oportet breui
succinctaque narratione cog '^.
1 In ,FAVENTINI' ist NT durcli den Eost eines metallenen Stiftes zum
grössten Theile zerstört und ein Loch in das Pergament gefressen, so dass
nur mehr der erste senkrechte Strich von N und der Querbalken von T
und zwar die rechte Hälfte vorhanden ist.
2 Alle bisher bekannten Hss. lesen: De architectonicae peritia . .
3 Das zweite i in ,uitrnuius' fehlt, es ist nämlich von einem Wurme gefressen.
■* ornare die übrigen Hss.
5 quibusve die übrigen Hss.
" quae aedificandi gratia die übrigen und mit Recht. Hier steht aber genau
(juib; aedificandi gratis.
' Das Ende dieses Wortes, nämlich ,nosces', stand mit rothen Uncialen
hinter ,l)aln('arum' in xvi. Die Siiuren vonNOS . . S sind noch vorlianden.
M.^Cetius Faveiitiims um] i'iii Bieneiisegen, 33
J
1. De priiicipiis artis architectione. (sie) '
De iientis.
III. De aque inuentione.
im. De puteorum fossionibus et structuris eorundem. '
V. De utilitate aquo probande. (sie) -
VI. De aque inductione.
VII. De mensuris et poudere üstularuiu,
VIII. De härene natiuitate (sie) probanda.
villi. De caleis utilitate prubanda.
X. De lateribus faciendis.
XL De parietibus latericiis tectorio uperi probandis.
XII. De g-eneribus arborum et utilitate cesionis.
xm. De fabriea uillo rustico disponenda.
XIV. De dispositioue operis urbani.
XV. De mensuris aedificiorum.
XVI. De fabriea balnearuin.
XVII. De cameris balnearum.
XVIII. De expolitionibus pauiinentorum.
xviiii. De pauinientis supra contigna . . .
XX. De calce probanda operi albario.
XXI. De cameris canniciis.
xxii. De politionibus parietum cementic . . .
XXIII. De opere coronario. 1" soli . . .
xxiiii. De parietibus eementiciis hum ...
XXV. Triclinia hiberna minoribus pict . . .
XXVI. Pauimenta ut sine ig-ni (sie) liieme tepe . . .
XXVII. De generibus colorum
xxviii. De norme inuentione
xxviiii. De horologii institutione.
Expli.
Wir lernen also aus diesem Blatte, dass das bislica- ano-
jnynie ,Breviarium' oder ,Epitome Vitruvii^ odei- ,De diversis
ifabricis architectonicae' einen Marcus Cetius (oder Ceius?)
' Der iudex capitjilorum ist in ik'in VAiMv in zwei Spalten getheilt, di.
erste umfasst i— xv, die zweite xvi xxviiii. Den entsprechenden
leeren Raum in der letzten Zeile, da kein xxx vorhanden ist, hat der
Schreiben- mit dem Worte Expli ausgefüllt. Die Zahlzeiclien siud ruth.
,2 probande liest auch der Pithoeanus und Gudianus.
Sitzb. d. plül.-hist. Cl. LXIX. 15.1 1. Htt. 3
34 Haupt.
Favcntinus zum Verfasser hat. Nothwendig ist dieser Faventinus
identisch mit dem Faventinus, dessen Reginbertus in seinem
Verzeichniss der Sangaller Hss. gedenkt. Das Werk bestand
ursprünglich nur aus den ersten xxtx Capiteln, das xxx. De
maltis diversis ist erst später angefügt worden, und obwol es
V. Kose in seiner Ausgabe nach den bisher bekannten Hss.
aufgenommen hat, so muss er doch die Echtheit bezweifelt haben,
da er dasselbe durch einen Strich und kleineren Druck von
dem übrigen Texte sonderte.
Derselbe Herausgeber nennt den Verfasser p. XII einen
auctor satis antiquus, und hat sich damit gegen die Meinung
derjenigen erklärt, die erst an den Beginn des Mittelalters den
Ursprung des Büchleins setzen. Der noch ganz romische Name,
der uns auf diesem Blatte entgegentritt, beweist für den Heraus-
geber. '
Einen M. Cetius Faventinus gelang zwar nicht zu finden^
aber ein Faventinus erscheint als stimmberechtigter Bürger in
der Herculanischen Inschrift 235 im Vol. IV. (^jrpus Inscrip-
tionum latinarum, und somit steht wenigstens fest, dass die Fa-
ventini schon im ersten Jahrhundert nach Christus existirten.
Des weiteren kann auch nicht mehr die Rede sein davon,
dass Petrus Diaconus die Epitome, oder wie man sie nennen
will, verfasst habe; diese Ansicht wird schon durch die ältesten
Hss., den codex Pithocanus, Gudianus und Valentianensis, die
alle in das X. Jahrhundert gehören^, Aviderlegt. Unser Blatt
übertrifft aber an Alter wahrscheinlich alle diese Hss. Wenn
dem aber auch nicht so sein sollte, dass es nicht früher zu
setzen sei, als in das zehnte Jahrhundert, so ist das vollkom-
men hinreichend, um den Petrus Diaconus für immer aus dem
Felde zu schlagen, und im zehnten Jahrhundert war unser Blatt
Für alt hält ihn auch Vossius p. 4ß:] du mathematicis, welcher Meinung
auch Fabricius zustimmt, Biblioth. l;it. lib. 1. Ca]>. XVII. 7; um so mehr
ist es zu verwundern, wenn BäJn-, Gesch. der römischen Lit. 4. Aufl.
Bd. III. pag. 117 Note 25 sagt, ,ob diese Schrift der von Petrus Dia-
conus gemaclite Auszug ist, möcliten wir bezweifeln, wenn auch der
Verfasser dieser Sclnift dem beginnenden Mittelalter angehören mag und
daher nicht mit Marini in dem Entropius des vierten Jahrhunderts er-
k rinnt werden kann.'
M. (Jetiiiü Faveiitimis uml oiii Bienensegpii. 35
t
bereits vurli;iuileii, deiiii unten am Kunde; steht lolgende histo-
rische Notiz:
VI. ID. NOU. TTartnnicns ordinatiis arehiepiscopus.
Dieser Hartuuic ist der Erzbischof von Salzbui-g-, der
vom Jalire 991 bis l()2o auf dem Stuhle des heil. Rupert sass.
Genau dieselbe Notiz über Hartuuic findet sich und zwar von
derselben Hand wie auf dem in Rede stehenden Blatte auch
in der Hs. selbst und zwar 54'' zum Jahre 991. Somit steht
fest, dass dit; Hs. schon im X. Jahrhundert vorhanden war
und dem Schriftcharakter nach ist sie an der Scheide des IX.
und X. Jahrhunderts geschrieben. Die Hypothese vom Petrus
Diacouus ist somit vollkommen irris-.
Uebrig-ens ist dieses kostbare Blatt )<!tzt als Suppl. 2867
in der k. k. Hofbibliothek aufbewahrt.
2. Ein lateinischor Bieiieiisoi^eii.
Wurde das für die Literatur-Geschichte des Alterthums
wichtig-e Blatt, über das bisher die Rede war^ von dem Deckel
der Hs. abgelöst, so gewährt diese Hs. selbst noch ein anderes
Denkmal, das wohl verdient für die Sitten- und Literatur-
geschichte des Mittelalters hier mitgetheilt zu werden. Die ersten
drei Blätter der Hss. enthalten ein ,Capitularium libri^ und sind
verbunden. Auf dem Blatt 2% das eigentlich das dritte sein
sollte, steht hinter dem rothen Zahlzeichen C von einer Hand
des IX. Jahrhunderts folgender Bienensegeu , d<Mi ich Zeile
' für Zeile mit allen Abkürzungen hersetze, die unterpunctirten
Buchstaben sind in der Hs. durchstrichen.
C. Nuscelihiu. N.
Apis modicula. mater matricula. altü
uolens acuta inpugnans stans naturale
inpsü sei. apis modicula raater matri
cula. quicerä candidam facis. et lu
nien ueracis ante dnnl portacis .apes
uos adiuro '""p angelos maigestatis. ut mm
3*
36 Haupt.
estra limen
habeatis licentiam comeatum fug-ere.
aios scs lucas. scs marcus, scs matteus. scs
aios
aios ioliannes uos eostodiät.
• Das Stück ist äusserst schadhaft; statt volens iind acuta
in der ZAveiteii Zeile ist offenbar uolans und acute zu lesen,
ebenso in der vierten Zeile que statt qui; mit ueracis und
portacis ist kaum etAvas anzufangen. Deutlich aber sieht man.
dass Stab- und Endreime beabsichtigt waren, wahrscheinlicli
auch Strophen und zwar dreizeilige.
Vielleicht ist dieser Bienensegen so zu ordnen: •
Nu scel ih iu N.
Apis modicula mater matricula
altum uolans acute inpugnans
stans naturale in spiritu sancto.
Apis modicula mater matricula
que ceram candidam facis ?
et lumen ueracis (?ueritatis) ante dominum portas
Apes uos adiuro per angelos maiestatis
ut non licentiam habeatis
extra limen fuji^ere.
Aios Aios Aios
Sauctus Lucas sanctus Marcus
sanctus Matheus sanctus Johannes
uos custodiant ! '^
' Ich sage vielleicht, doiiii man stelle die Vershälften nm in den ersten
drei Zfilen und man erhält drei leidlich stabgereimte Verse:
Älater matricula apis modicula
acute inpugnans altum uolans
in spiritu sancto stans naturale
u. s. Av., ich gestehe nur, dass mir dazu die Kühnheit mangelt und somit
will ich es anderen überlassen, das Ganze herzustellen.
2 Die vier Evangelisten stehen liiei- nicht miissig. Ob sie irgend welche
alte Götter A'ertreten, weiss ich natürli<-h nicht, dass sie aber die christ-
lichen Hüter der vier Weltgegenden waren, dafür findet sich eine classische
M. Cetius Faventinuis und ein Bienensegen. 37
Fr. Pfeiffer hat in den Sitzung-sberichton, als er den
ahd. Lorscher BieiiGnsegcn bekannt machte, Rand LII. p. 1 7
und 18 die sänimtliehen bis daliin bekannten hiteiuisclien und
deutschen Bienensegen gesammelt. Wenn mau diese mit dem
unsrig-en vergleicht, so sielit man, dass die beiden lateinischen
nur wie Trümmer erscheinen. Der erste in der Wiener Hs. 751
(Theol. 259) X. Jahrhundei-t lautet: Vos estis ancilli;'- (hnnini
vos faciatis opera domini adjuro vos per uomen domini ne
fugiatis a tiliis hominum. Der zweite lateinische, den Pfeiffer
nach St. Baluze Capitularia regum Francormn. Parisiis 1780.
Vol. II. 663 ff. und zwai- aus einer nicht näher bezeichneten
St. Galler Hs. mittheilt, ist gereimt, was Pfeiffer übersehen hat ;
derselbe lautet:
Adjuro te mater aviorum
per deum regem coelorum
et per illum redemptorcm
filium dei te adjuro
ut non te in altum levare
nee longe volare
sed quam plus cito potes
' ad arborem (venire ibi) te alloces
j cum omni tuo genere vel cum socia tua
I ibi habeo bona vasa parata
ut vos in dei nomine laboretis.
Auch hier stimmen cinzehn! Wendungen mit dem Salz-
burger Bienensegen überein. Ebenso zeigt er Verwandtscliaft mit
andern. Wenn es im Lorschcr Bienensegen heisst: ,hurol6b ni
Stelle in der von mir herausgegebenen Erklärung des Hohen Liedes aus
dem XII. Jahrhundert (Wien. 1864. 8«) S. 103, 17—30 ,Lucas der fiü-et
die norderen christinhait mit der cliunniuginiie diu Salonionc ir gebe
brähte . . so füret Matheus die westereu ehristinliait . . so füret Jolian-
nes die osteren christinhait mit den drin chuningcn die Christc ir gebe
brähten . . so bringet Marcus die sunderen cliristinliait mit den trien frowcn
die sin wiseten ze deme grabe mit ir geselbe' . . Ich hoffe, es wird sich
kein deutscher Mythologe beifallen lassen, beim Nordhiitcr Lucas an Loki,
und beim Südhüter Marcus an den Marchel oder Marcliorel den Mören
König zu denken, zu welchem der Weg über , Sunders' führt. Wen
würde ein solcher Mythologe wo! für den Matheus und Johannes in
.seine alten Rechte' einsetzen ?
38 Haupt. M. Cethis Fiiventiiuih nnd piu Bienensegen
habe du . . noli du mir iiindriuiics' so entspricht dem ,ut iion
licentiam (commeatum) habeatis extra limon fugcre^
Andere Bienensegen gedenken des Honigs und Wachses_,
das die Bienen wirken sollen^ ohne den kirchlichen Gebrauch
zu betonen. Diesfes geschieht nur in einem, den J. F. L. Woeste,
Volksüberlieferungen in der Grafschaft Mark. Iserlohn. 1848,
S. 52 mittheilt:
Liebe Bienenmutter, bleibe hier!
ich will dir geben ein neues Haus,
darin sollst du bauen Honig und Wachs,
damit alle Kirchen und Klöster gezieret werden.
Das ist bisher der einzige Spruch, der die Bienenmutter,
die mater matricula des Salzburger Segens kennt. Unter allen
diesen Segen wird der Salzburger seinen ersten Platz behaupten,
auch wenn ein anderer gefunden wird, und zwar als ein Stück
von stabreimender lateinischer Poesie, das von der Kirche
selbst muss ausgegangen sein, also zu einer Zeit entstanden ist,
als sie noch ein Interesse hatte, das hcisst gezwungen war,
in der Form der Volksdichtung zu reden. In der ersten Hälfte
des IX. Jalu-hunderts wird er gemacht und niedergeschrieben
worden sein, als der Stabreim auch bei den südlichen Stämmen
noch in voller Kraft wirkte.
Nachtrag. Auf mehrseitige Anfragen, ob denn wirklicli
CETI in der Hs. stehe, erkläre ich, dass an CETI graphisch
nicht zu zweifeln sei. Wahrscheinlich hatte aber der Schreiber
in seiner (? Uncial-) Vorlage CEII vor sich, und wie leicht I
imd T in Uncial-Hss. zu verwechseln sind, ist bekannt.
Mnssafia. Uebor die spanischen Versionen der Historia Tio.jan>i 39
Ueber die spanischen Versionen der Histoi'ia Trojana.
Von
Dr. Adolf Miissafla,
wiiklicliem Mitgliede der k. Akademie der Wissenschaften.
im vierten Bande seiner Historia critica de Ui Uteratura
espcuiola (1863, S. 344 ff.) macht uns Amador de los Rios mit
manchen Handschriften spanischer Bibliotheken bekannt, welche
Darstellungen der Trojanischen Sage enthalten. Voi- alhnn ziehen
unsere Aufmerksamkeit zwei Handschriften auf sich, welche
beide einen, der Ang-abe des Verfassers nach, vollkommen
übereinstimmenden Text, aber in verschiedener Sprache, dar-
bieten; die eine — Escorialbibliothek H. 1. 6 — castilisch;
die andere — Osunabibliothek I. N. 16 — galicisch. Die
Unterschriften der zwei Codices, welche Rios mittheilt, sind in
der That ganz gleichlautend. Beide sind im Deccmber 1350
vollendet worden und in beiden nennt sich sog-ar der Schreiber
Nicolas Gonzales. Es kann daher von zwei sclbstständigen
Uebersetzungen aus dem Lateinischen wohl kaum die Rede
sein. Bei der Besprechung dieses Textes geht Rios von Guido
de Columna aus. Dieser habe ein Buch geschrieben ,intitulado
Historia Trojana, sacado de las supuestas de Dictys de Greta
y de Dares de Frigia, ä las cuales anadio multitud de hechos
. . ., vistio ä los personages ... al uso de la edad media, do-
tölos hasta de las prcoeuijaciones volgares y animolos finalmente
de cuantas cualidades distinguian al tipo, ya generalmente
recibido, de los caballeros.' Dann sei das Buch in's Franzö-
40 Mnssafia.
sische übertragen worden, ,y al toma]- plaza en aqiiella litera-
tura, donde el arte caballeresco . . . habia llegado ä su mas
alto desarrollo, no solauiente adquiria mäs decisivo colorido en
la pintura de las costumbres y de los sentimientos , sino que
llegaba ä convertirse en un verdadero libro de caballerias/
Woher weiss nun Rios, welchem (wie wir gleich sehen werden)
Benoit's Werk unbekannt blieb, von einer derartigen Entwicke-
lung des ritterlichen Elementes in einer französischen Redac-
tion? Offenbar nur aus der Escorialhandschrift, von der ja der
Catalog (vgl. Ebert im Jahrb. für rom. Litt. IV 65) sagt, sie
enthalte eine ,Historia de la guerra y ruina de Troya . . . tra-
ducida del frances al castellano u. s. w.^ Allerdings kann es
Rios nicht über sich bringen, dieser Angabe des Catalogs ' zu
erwähnen und ein licstimmtes Abhängigkeitsverhältniss der
spanischen Schrift von der französischen anzuerkennen; im
Grunde aber nimmt er doch für die in Rede stehende Fassung
folgendes Filiationsverhältniss an:
Lateinische Prosa des Guido.
Französische erweiterte Umarbeitung.
I
Castilisch-galicischer Text.
Dass Guido und der französische ausführlichere Text sich
unter einander ganz umgekehrt verhalten, ist allgemein be-
kannt ; es Hesse sich demnach schon von vorneherein mit ziem-
licher Bestimmtheit sagen, der spanische Text stehe in keiner
anderen Beziehung zu Guido, als dass beide von einer und
derselben Quelle, dem französischen Gedichte des Benoit de
Sainte More, fliessen. Findet man daiin eine Stelle aus dem
Prologe citirt, worin B e n e y t o d e S a n c t a AI a r i a in eigener
Person auftritt, so gewinnt die ohnehin gar leichte Conjcctur
wesentlich an Glaubwürdigkeit, denn Letztoren als den ,traduc-
tor castellano' anzusehen, kann nur Dem möglich sein, welcher
entwedei- wie Rios von Benoit nie etwas hörte oder an gar
sonderbare Zufälle zu glauben geneigt ist. -
' Rührt sie vom Verfasser des Cataloges her oder ist sie der Hs. entnommen ?
- Wenn F. Wolf dieser kleine Umstand entg-angen ist (Jahrb. VI 89) , so
wird man daraus dem Meister, der es mit einem dit-k bändigen Werke zu
thun hatte, keinen Vor\viu-f machen wollen.
üeber die spanisclun Versionen der Historia Trojana. 41
i
IJebrig-ens hat Rios selbst — wenn aut-li unw illkiulieh —
dafür gesori^-t, dass jeder, Zweifel behoben wird, und zwar da-
durch, dass er zwei kurze Stellen aus der castilischen Version
niittheilt. Wir besitzen somit das Mittel, nicht blos mit aller
Bestimmtheit zu constatiren, dass der spanische Text Benoit
\viederp;ibt, sondern auch die; Art zu beobachten ■ — so weit es
an einer so kleinen Probe möglich ist — wie sich die Ueber-
i tragung zum Oi-iginalo verhält. Wir führen zuerst die zweite,
\ als die entscheidendere Stelle an. Sie betrifft die Kricgsthaten
I einiger der Bastarden des Königs Priamus. Guido kürzt da
nach |Sciner Art die Darstellung des Benoit bedeutend ab.
j Während der französische Trouvere bei jedem einzelnen
I Kampfe sich in Details einlässt, begnügt sich Guido, in wenig
I Zeilen die Namen von Siegern und Besiegten dürr aufzuzählen.
! Nachstehende Gegenüberstellung zeigt hingegen, wie genau der
i spanische Text seinem Originale folgt, welches er sogar hie
( und da durch kleine Zusätze erweitert. An einer Stelle (W.
9842 — 44) hat er seine Vorlage durch Einschiebsel ausgerenkt
und aus einem Krieger mehrere gemacht. Eine andere (9865
— 69) hat er offenbar missverstanden.
Benoit'. Castilisclie Version.
9836 Uns arairauz Morins d'A- Meneleus, hermano de Ector,
resse justo con Meriens, almirante de
Est chettz morz, ne ves- Aresa, et diöle un tan grant
qui plus, golpc que lo cchö nuierto en
Tel colp li dona Menalus. tierra.
Hisdoz ses frercs i ra- Infraus, su hermano, fuc ferir
teint, un conde de los gricgos, que
40 Un richc coute a si om- lo echö delante de si de tan
point grant fucrca que In lanco luene
Que inort Ic scivre de dv, la siclla.
la sele.
' Die betreffende Stelle fehlt in fler Wiener Hs., welche (in der Mitte der
Spalte) von V. '.)1-21 .auf V. 'J'M\r> dci- Ausgabe Joly's ab.sjjringl. Die Be-
merkung Fromanns (Geruiaiiia II \'.).i), dass der Inhalt der Verse 5479
— .jS-Jl Ijei Herliort in dem französischen Gcdielite überhaupt fehle, ist
demnach zu raoditiciren.
42
Muss af ia
Cliiriiis sa lance i escailclu,
Parnü le corsliert un Grezeis
Estrait de contcs et de reis.
45 Melles d'Oreb, nicsfuTlioas,
Josta ä Cclidüiiias
Quo des aryons l'a renvcrse
Et parmi la ehiere navre.
Erinagoras son frere veng-e,
50 Celui tiert si desoz la renge
Qne li pormons et la boele
Li chietsor Tarcon de la sele.
Sediiis iert uns riches reis
Et molt preisiez entre Gre-
zeis,
55 A lui josta Madan Clavoil,
Si l'a fern tres parmi l'oil
Qiie fors del chicf'li est volez.
Do l'angoisse chaist pasmez,
S'il 110 so fust tonus as niains ;
Ciütus diö otrossi una tal
laneada ä un griego por medio
del cuerpo
quel puso la lanca fuera de la
otra parte et lo echo muerto
en tierra.
Et aqueste Gintus firio ya
en aquesta batalla otros condes
majores et nienasara muy mal
rauchos reyes.
Otrossi un sobrino del rey
Toas que avya nombre Meles-
Dorcp et justo con Celidonias,
hermano de Ector; diöle una
ferida que le liso, mal su
grado, dexar la siella et firiolo
muy mal en el rostro.
E quando esto viö un su
hermano, a quien desian Ergo-
maras, pesöl m.uclio et punnö
de lo vengar, et ürio el cavallo
de las espuelas et fuc ferir a
Meles-Dorep de una tau grand
ferida en medio del vientre
que luego le liso salir las tri-
pas et los pulmones por sobre
el arzon de la siella.
Mata-Claruel , hermano de
Ector otrossi, que era de parte
de los Troyanos, fuc justar
con un rey que avya nombre
Cedius; et aqueste rey era
muy presciado et muy amado
de los griegos. Et diöle Mata-
Claruel una grant ferida en el
ojo que gelo lanco luego fuera
de la caboya et el cayo luego
cn tierra amortesyido.
Ueber die spanischen Versionen iler Ilisloria Tiojana.
43
60
65
Desor n'est mic dcl tont
sains.
Bicn üert Sardines de
Vertfuil
Clin Chevalier de i^rant
orguil
A si fern au premier poiiidre
Quo niort l'a abatu au
joiiidrc.
Es rens s'cst mis Marga-
riton,
Fuis va ferir roi Tlielamon
Parmi l'escu de tel air
Que li a fet le fer sentir;
Otrossi coi) la ^i'ant cojta
quc avya Sodes de Verssei,
licrmano de P^ctor, justo con
un almirante quo fallö aiit si
(juc era de uiuy grant orguUo,
et diölc uua tant grant ferida
quel derribo del cavallo et dio
con el muerto en tierra.
Margariton fue ferir per nie-
dio del escudo per tant grand
fueroa al rey Talamoii cnti'c
todos los suyos que le non
presto armadura que troxiesse
Sc dreit alast, mort fust et pasöl el fierro todo de la
70
Sans faillc.
Cil trait l'espee qui bien
taille;
Tel li donna, de set semaines
Nc furont pas ses plaies saines.
A Protlienor Joint Phauoel
Que jus ' le porte de Morel;
75 Sc n'i vonist si tost aie,
N'cn portast raio de la vie.
otra parte et salliö fuera de la
lan9a et fuesse a derecho; sinon
fuera luego su fin.
Et Talamon con grand dcs-
pecho quc ovo tirö luego su
espada muy bien tajant et de
muy grant prescio et dexose
correr a el, et comcn^ölc ä
dar con olla muy grandes
feridas et llago en el tan nuil
que por dos meses non podia
ser bien sano, por muy buen
rnaestro que aya.
Protenor otrossi que era de la
parte de los griegos y era mucho
fardido, et fue justar con Fa-
nuel, hermano de Ector, etdiöle
una tant gi'ant ferida quo lo
echo en tierra dcl cavallo.
Et sabet que don Fanuel per-
dicra alli el cuerpo, si non
Joly vis.
44
M u SS afia.
Biiins de Gimax l"a secoru,
Prothenor fiert parmi l'escu,
Que les estriers li fet g-uerpir
80 Et les regnes del poing
saillir,
Que riiialmc fcrist el sablon,
En pardesus sont li talon.
A Ulixes josta Mathan,
Qui piiis en trest assez
ahan;
85 Car en la ciiisse le navra^
Que por un poi ncl ma-
haigna.
Ahnadian le dut vengier,
Car la teste Ten üst sei-
gnier,
Oü il ferist tex treis colees
90 Qui puis fuient cliier com-
parees.
Emelins et Doroscalcus
S'entredonnerent es escuz
Si que les lances pecoierent
Et qu'ä la terre s'abatierent.
fuera tan toste acorrido como
luego fue alli^
raa acoi'iolo luego su hermano
Bion-Junel et dio una tant
grand ferida ä Protenor por
medio del escudo que le liso
sacar amos los pies fuera de
las estriberas et le liso dexar
las riendas
et abraear la cerviz del cavallo.
El rey Ulixas otrossi justo
con Matas, fijo del rey Priamo,
et diole una tant grand ferida
quel llagö muy mal en el
muslo et oviera de perder la
vida,
si non que le acorriö su her-
mano Almadias et dio una tant
grand ä Ulixas de la espada
que traya por cima del yelmo
que le liso salir muclia sangre
de la cabeca: desi diole otros
tres golpes muy grandes que
despues ovo el comprados.
Duyndas-Daglus, otrossi her-
mano de Ector, justo con Eme-
les que era griego, et dieronge
amos tant grandes lancadas
que qucbrantaron en si las
lancas et derribäronse amos en
tierra de los cavallos.
Hier nun die zweite Stelle aus dem Prologe :
Todos aquellos que verda-
derami'nte quisiei-edes saber la
estoria de Troya, non leades
por un libro que Omero fiso;
Ueber Jie spanischen Versionen der Ilistoria Trnjaiui
45
et desirvos lu; pur quäl rason.
Habet que
45 Omers qui {"u clers nier- Omero fuc uu graiid sabidor
veillos
Des plus saclianZj 90 trovon
uos,
Escrit de la destruction, et fiso un libro, cn que escri-
Del g-rant siege et de l'ache- viu toda la estoria de Troya,
son, assi como el aprendio, et puso
Pur quo! Troio fu desertee, en el como fuera cercada et
destroyda
50 Qui aiiic puis ne fu i'abitee; et que nunca despues fuera
poblada.
Mes ne dit pas sis livres Ma este libro
veir
Kar bien savous sans uul
espeir
Qu'il ne fu puis de c. anz
nez
Que li granz oz fu asseni-
blez.
55 N'est merveille s'il i faillit et poi' ende no pudo saber
Qui one n'i fu ne riciis n'i verdaderaniente la estoria en
vit. ^ como passara.
Et fue despues este libro
quemado en Atenas.
üso el despues inas de cieut
auuos
que la villa fuc destroyda;
Dieser letzte Umstand ist in Benoit nicht zu Hilden. Er
sagt im Gegentheilcj dass sich wohl geg-en Homer grosser
Widerspruch erhob, dass man ihn der Thorheit zieh, dass
Viele sein Buch entschieden ablehnten, dass aber seine Tüoii-
tigkeit und seine soustigen Leistungen bewii-kten, dass das
Buch doch endlich angenommen wurde und in grossem An-
sehen stand. Sollte das Spanische auf irgend einem Missver-
ständniss der Verse
57 Quant il en ot son livre fait
Et a Atlienes fu retrait
Si ot estranye contencon
4G
M u s s a f i a.
beruhen? Oder hat der Uebersetzer viehnehr mit Vorsatz den
griechischen Dichter abthun wollen? Letzteres ist wohl wahr-
scheinlicher.
Benoit füg-t g'leich hinzu, Homers Autorität habe so lang-e
g-ewährt, bis Corn(4ius in einem Schranke die Schrift Dares'
fand. Er lobpreist darauf die Wahrhaftigkeit Dares', um dann
noch einmal des Cornelius, welcher die griechische Schrift in's
Lateinische übertrug, zu gedenken. Ln Spanischen Avird Cor-
nelius nur einmal und zwar an zweiter Stelle erwähnt. An die
oben angeführte Stelle schliesst sich nämlich unmittelbar fol-
gende an :
89 eist Daires que vos ci oez
90 Fu de Troie norriz et nez;
Dedenz esteit, onc n'eu
issi
92 Deci que l'oz s'en de-
parti . . .
97 Por 90 qu'il si grant vit
l'affaire,
Que ainz ne puis ne fu
nus maire,
Si volt les faiz metre en
memoire ;
100 En gregeois en escrist
l'estoire.
Chascon jor issi l'escriveit
Com il a ses ielz le veeit.
Tot quant il feseient le jor,
Ou en bataillc ou en cstor,
105 Tot escriveit la noit apres.
Et eist que gie vos di
Dares
Unc par ainor ne se volt
taire
Mas leet el de Dytis, aquel
que verdaderamente escriviö
estoria de Troya en como pa-
sava,
por ser natural de dentro de
la cibdad et estudo presente a
todo el destruymiento, et veya
todas las batallas et los graudes
fechos que se y fasian.
et escrivia siempre de noche
por SU mano en qudl guisa el
fccho pasava.
Et porque era natural de la
villa, desamava los griegos de
todo corazon et nunca quiso
dexar la verdat de la estoria
Ueber die spanischen Versionen der llistoria Trojuna. 47
De hl vortc dire et re- toda en cüiiiu [lassuvan lo« de
traire. fuera et los de la cibdat.
Por CO qii'il fu des Troiens
110 Ne se pendi plus vers les
siens,
Ne plus que vers les altres
tist,
De l'estoire le veir escrist.
Auffallend ist liier die VerM'eelislung- von Dares mit
Dictys, um so mehr, als Benoit den I^etzteren an dieser Stelle
noch gar nicht erwähnt. Guido nennt hier Beide und spricht
von einer Art gemeinschaftlicher Arbeit des Trojaners und des
Griechen. Die letzte Periode ,Et porque etc/ gibt nur dann
einen befriedigenden Sinn, wenn man die Conjunction vor
niincn streicht und vor desamava einschiebt; dadurch erhält
porque bei negativem Hauptsatze concessive Bedeutung: ,obwolil
er ein Trojaner war um! die Griechen herzlich hasste, so wich
er dennoch nicht von der Wahrheit ab/
In einer Anmerkung theilt dann Rios folgende Stelle mit,
welche offenbar an die zuletzt angeführte; si(di unmittelbar an-
schliessen muss. Da hier, wie gesagt, zum ersten Male des
Cornelius Erwähnung geschieht, so werden hier sowohl die
VV. 71 — 88 als 112—118 frei benützt, und daher ist die
Uebereinstimmung eine weit weniger auffällige:
,Et sabed que este libro fue perdido luengo ticMnpo ', et
acaes^io despues que lo falle Oornelio en la cibdal de Atenas-
et transladolo luego de griego en latin ^ qu(; non tollii') niu
aiiadio nada por non cuidai' que la estoria era suya. Et este
Cornelio era omme sabidor et sabia todos los lenguajes '.
Um Alles, Avenn auch noch so Geringfügiges, zu erwähnen,
was den Zusammenhang dieser Version mit Benoit beweist,
wollen wir noch daran erinnern, dass Rios auch aus (hnn gali-
' 113 Lonc toiis fii sis livrcs pcnlus.
2 82 — 87 l\ Athenes . . . a trove l'ostoire IIT) ;'i Atlieiips le trova.
•* IIG le translata De grien le fonia en latiii ' 7i* — 80 Cornelin-^ ... de
letres sages et fuudez.
48 Mussafia.
cischen Texte ein paar Zeilen aufüln-t. Es sind jene, mit wel-
chen die im Anfange defecte Handschrift anhebt:
2063 Cil orent conte et retrait Agora dis o conto quo os
^o qu'a Troie lor ot Ten griegos ovieron grau pesar,
fait . . . quando lies Ercoles e Jason
2070 Grant tort, grant despit contaron a gran desoura e o
et grant honte gran pesar que lies avia feyto
Lor fist LaomedonslireiS; el rey Laomedon de Troya
Molt en a pese as Grezeis. enno puerto de Semeonta.
Guido hat nur: , Jason et Hercules regi Peleo et aliis
Graeciae regibus a Trojano rege eis injuriam illatam expo-
nunt/ erwähnt aber nicht des Aei'gers, welchen die Griechen
darüber empfanden. '^
Im Zusammenhang mit der bisher besprocheneu Hs. der
Escorialbibliothek H. I. 6 bringt Rios manche andere. Er sagt:
,Demas de los referidos Codices se guardau en el Escorial otros
dos distintos y signados V. H. 1 y L. H. 16. La Biblioteca
Complutensc poseyo otro ms., segun cousta al fol. 53 de su
primitivo inventario y la de la reina Catolica otros dos, seiia-
lados en su Biblioteca cou los nümeros 119 y 120.'' Ob aber
alle diese Hss. denselben Text wie den bisher besprochenen
enthalten ? Für eine derselben wenigstens weissen wir, dass dem
nicht so ist. Von der Escorialhs. L. H. 16 sagt Bayer in einei
Anmerkung zu Antouio's Bihliotheca hispanica vetus II 195,
sie enthalte eine metrische Version der Geschichte Troja's und
führt daraus acht Verse ein. Versucht mau an diesen die
Quelle zu erkennen, so wird man wohl geneigt sein, eher Be-
uoit als Guido als solche zu bezeichnen. Diomedes schickt der
Briseis zum Geschenke das von ihm eroberte Pferd des Troilus.
Vielmelir 100 nnd 110. Siehe den von Cleraencin liernnsgegebenen Cata-
loo- in den Memorinft de la real Acailrmiu fhi la hhloria VI 452. Diese
zwei Hss. werden übrigens, wie viele andere, in die E.scoriiilbibiiotlu'lv
gewandert sein, und ni;i<.' dalicr die t-inc oder die andere mit ira'cnd einer
der drei obenangeführten Eseorialliss. identisch sein.
Ueber dif> spanischen Versionen der llistoria Trojana. 49
Benoit. Hs. L. IL IC.
Devant la pucele est veiuiz El doncel de qiie tue entrado
Puis est entrez el paveilluu Y vio entrar a la doncella,
A la pucele saluee . . . [Assi] como era ensenado
De par son natural seignor: Los hinojos finco- ant ella
,üame, fist il, cest milsoldor Et dixol: ,Senora mia,
Vos euveie par druerie/ Salüdavos Dioniedcs
Et por mor de vos embia
Este cavallo que vedes.'
Bei Guido lautet die Stelle :
jNuucius igitur statim cum ipsius equi dono ad Briseitlani
celeriter festinavit, equum sibi obtulit a Diomede transniissum
il verba quae dixit sibi Diomedis lideliter narrat sibi/
Wir hätten somit zwei spanische Fassungen kennen ge-
lernt, welche auf Benoit zurückgehen.
Sehen wir uns nun um die anderen um, so begegnet uns
die wohl bekannte Mittheilung des Fernando Perez de Guzman,
welcher von seinem berühmten Oheim Pedro Lopez de Ayala
(1332—1407) sagt: ,por causa del son conocidos algunos libros
ique antes no lo eran, ansi como ei Tito Livio, las Caidas de los
Principes, los Morales de San Gregorio, el Ysidoro de Summe
iBono, el Boecio, la historia de Troya/ Dass damit nicht ge-
meint sein könne, er habe etwa zuerst die Originalwerke zur
allgemeinen Kenntuiss gebracht, ist besonders mit Hinweis auf das
iVVerk Isidor's des Spaniers von Ticknor (übersetzt von Julius I
il49) richtig hervorgehoben worden; es kann hier nur von Ueber-
setzungen die Rede sein. Und da es sich überall um lateinische
Werke handelt, so wird man der allgemeinen Annahme bei-
pflichten , welche in der historia de Troya das Buch Guido's
prblickt. In diesem Sinne hat dann Perez — dem übrigens
lie Uebersetzung aus Benoit vom J. 1350 unbekannt geblieben
sein wird — Recht, wenn er seinem Oheim das Verdienst
leimisst; dieses Werk zuerst in Spanien eingebürgert zuhaben.
Die Frage, ob Ayala die Uebersetzung selbst verfertigt oder
Sitzb. a. pbil.-hist. Ol. LXIX. Bd. I. Hft. 4
50 M a s 8 a f i a.
nur veranlasst habe, ist von den Literai'historikern nicht gleich-
massig beantwortet worden. Von Antonio abgesehen, welcher
aus ungenügendem Grunde Perez' Angabe in Zweifel zieht,
meint Capmany (Teatro etc. I 50), der Kanzler habe die Ueber-
setzung verfertigen lassen , Ticknor (a. a. O.) entscheidet sich
weder für die eine noch für die andere Annahme, Rios dagegen
erklärt nicht blos Ayala ganz bestimmt als den Uebersetzer,
sondern führt selbst eine Handschrift an — Bibliothek des
Herzogs von Osnna IL M. 23 — , welche die Arbeit des be-
rühmten Mannes enthalten soll. Er sagt aber leider nicht, ob
sich diese seine Ansicht auf blosse Vermuthung oder auf
irgend eine bestimmte Angabe der Hs. stützt.
Rios fühi't weiter eine Hs. der Osunabibliothek an —
H. M. 25 — , welche zwei Eigenthümlichkeiten darbietet. Ein-
mal sind in die Prosaerzählung mehrere Lieder eingerückt,
dann gibt sie sich als eine am Ende erweiterte Recension zu
erkennen , da das letzte Capitel erzählt : ,Cömo vino Bruto ä
acorrer 4 los del castillo et como prendio a Pandoro rey de
Grecia et lo desbarato.' Welcher Zeit die Hs. angehört, wird
nicht gesagt ; darf man aber den nicht immer ganz zuverlässi-
gen Angaben Rios' trauen, so muss man dieselbe den letzten
Decennieu des XIV. Jahrhundertes zuweisen. Wenn nämlich
Rios sagt, diese neue Uebersetzung sei kurze Zeit nach jener
von Ayala verfasst worden, so muss man vermuthen, dass eben
nur das Zeitalter der Hs. ihn bestmimt haben kann, diese
Version weder vor noch lange Zeit nach Ayala anzusetzen. Ob
er übrigens Recht hat, wenn er von einer neuen Uebertragung \
spricht (hubo de traducirse de uuevo) , ist nicht ganz sicher;;
denn die in Rede stehende Hs. könnte auch eine Ueberarbei-
tung einer früheren vorhandenen Recension enthalten.
In der Bibliothek zu Benavente ^ fand sich in der Mitte
des XV. Jahrhundertes ,1a conquista de Troya que ronianzö
1 Der alte Catalog dieser Bibliothek wurde von Liciniano Saez iu seinei
Demonslracion de las monedaa de Enrique III (Madrid 1804) herausgege-
üeter die spanischen Versionen der Historia Trojana. 51
l'ccJro de Chenchilla'. Nälieres über diese Sclnifl und deren
l'rlieber konnte ich nirgends üuden.
Obwohl wir es hier blos mit den castilisclien Uebertra-
^iing-en zu thun haben, so dürfen wir doeli nielit die catala-
iiisehe Uebersetzung übergehen, welche Rios in einer Hs. der
( »sunabibliothek — III. M. 2 — nachweist. Sie ist im .lahre
i;'.G7 von Jachme Conesa verfertigt worden. Dass sie Guido
wiedergibt, erhellt aus den Anfangsworten: .A stancia et a pre-
iiaries de un noble hom et de grant compte, qui desijava aver
en romauz les Istories troyanes qui son en lati.^
Wir gelangen nun zur gedruckten Cronica Troyana. Cle-
mencin sagt in seiner Anmerkung zum oft citirten Catalog:
,A fines del siglo (XV.) se imprimiö la cronica Troyana en
Pamplona/ Diese Ausgabe wird in den Bibliogi-aphien von
Grässe, Brunet u. s. w. nicht verzeichnet ; wohl aber findet sie
sich bei Mendez (Tipografia espaüola, ]. ed. S. 383, 2. ed. S.
184) angeführt, welcher sie nach 149G ansetzt. Eine um noch
sechs Jahre ältere aber wird vom Rdatorlo n cerca da Bihlio-
theca Nacional de Lishoa II 29 namhaft gemacht, und zwar zu
Burgos 1490; siehe die zweite von Hidalgo besorgte Ausgabe
von Mendez, Madrid 18()1, 8. 307. Clemencin fährt dann fort:
,y Pedro Nunez Delgado la publice con algunas ligeras varia-
ciones en Sevilla el ano de 1509'. Sarmiento (Memorias etc. I),
■dem diese Ausgabe vorlag, sagt, Delgado erkläre darin den
i alten Stil einer früheren von einem Fremden verfertigten
ben. Icli citire nach Cleraencin's Anmerkung zu Nr. 109 und llo des
oben envähnten C'atdiogo de la hihlioteca de la reina, da mir Saez' Buch
im Augenblicke unzugänglich ist.
* Grässe, Tresor II 230, kennt auch eine Ausgabe der Cronica von S«'villa 1502.
Da die Zahl in Worten ausgeschrieben ist, so ist an einen Fehler nicht
zu denken. Enthält diese nun schon die Verbesserungen Delgado's oder
reproducirt sie den Incunabeldruck?
4*
52 Mussafia.
Uebersetzung gebessert zu haben und das Nämliche soll nach
Antonio (1. c.) in der Ausgabe von Toledo 1512 ' zu lesen sein.
In der von mir benützten Ausgabe von Medina 1587 enthält
Delgado's Anrede an den Leser nichts dergleichen. Es scheint
also, dass Jene, welche nach Delgado's Tod (f 1535) das Buch
wieder druckten, die Erklärung des Ueberarbeiters als über-
flüssig unterdrückten, und so konnte es werden, dass die meisten
Bibliographen Delgado als den Uebersetzer bezeichnen.
lieber Delgado's Vorlage sind wir kaum im Stande,
irgend eine Vermuthung auszusprechen. Sarmiento meint zwar,
die Uebertragung, deren Verbesserung sich Delgado anmasste,
sei von Ayala gewesen; es sei daraus eine Schrift entstanden
,con un estilo que ni es de Ayala, ni del siglo XV. ni del
siglo XVI. ni de ningun siglo.' Zur Erhärtung dieser so apo-
diktisch ausgesprochenen Ansicht bringt er nichts vor, während
Delgado's Erklärung derselben durchaus widerspricht. Denn
eine von Ayala verfasste oder veranlasste Arbeit konnte wohl
kaum von irgend Jemanden als fremden Ursprunges angesehen
werden. Dem Gedanken Sarmiento's folgend, der Revisions-
arbeit Delgado's liege Ayala's Uebertragung zu Grunde, spricht
Mendez (a. a. O.) die Vermuthung aus, es könnte die Ausgabe
von Pamplona Ayala's unverfälschten Text enthalten 2. Es ist
dies aber eben nur als eine allgemeine, durch kein irgendwie
annehmbares Argument unterstützte Vermuthung anzusehen.
Eher könnte mau fragen, ob die Ausgabe von Pamplona nicht
etwa eine castilische, die Spuren ihrer Quelle bewahrende
' jGuidonis de Columna Trojaiia histoina ... ab extero liomhie in hispammi
translata, ignotum quo tempore, dicitur in fine editiones Toletanae a.
1512, quam P. N. Delicatus procuravit i'ecognita a se.et in pluribus locis
nieliore facta, atque pcregrinis verbis a peregrino iiiterprcte usurpatis ex-
purgata vorsione, ut in altera recenti(ji-um scriptorum parte annotatuin
fuit' (Bibl. liisp. vctus II 195). Es ist demnach zu verwundern, dass et
in der Bibl. bisp. uova II 223 sich nur zaudernd ausspricht: ,(P. N. D.)
vertit in hispanvnn sive hispanani interpretationem antiquiorem correxit et
supplevit.'
2 Mendez hatte sich vorgenommen, ül)er den ,Verfasser oder Uebersetzer'
der Chronik und die verschie'denen Ausgaben derselben im zweiten Bande
seines Werkes ausführlich abzuhandeln. Leider ist diesem- Band weder
erschienen noch, wie es scheint, iilnihaiipt verfasst wurden.
lieber die dpanischen Vei-biouen der Hiatoria Troj.aiia. 53
I Recensioii der oben erwähnten catalanischeu Ucbersetzung ent-
I halte. Auf eine solche könnten die Worte Dclgado's einig-er-
massen passen '. Andererseits ist zu bemerken , dass irgend
I ein Zusammenhang zwischen der oben angeführten, mit Ge-
j dichten untermischten Version der Escorialhs. \j. II. 16 und
I Delgado's Text vorhanden sein muss, denn auch dieser, wie
wir gleich sehen werden, spinnt die Erzählung am Ende weiter
fort und kommt schliesslich auf Bruto und Pandraso zu
sprechen. Es bedürfte einer genauen Untersuchung aller Hand-
schriften- und Drucke, um deren gegenseitiges Verhältniss
in's Klare zu bringen; unsererseits mussten wir uns hier be-
gnügen, vorerst die aus Benoit fliessenden Versionen auszu-
scheiden, dann in Betreff jener, die von Guido stammen oder
stammen dürften, die Materialien zu einer künftigen Unter-
suchung zu sammeln. Diese wäre nichts weniger als übcr-
1 flüssig, denn es handelt sich darum, festzusetzen, wie weit die
j vielen Zusätze, welche Delgado's Arbeit — wenigstens nach der
I Ausgabe von Mediua 1587 — bietet , hinaufreichen. Denn
j in der That, wenn auch die gedruckte Crönica Troyana im
i Allgemeinen zu den getreuen Uebersetzungen des Werkes
j Guido's zugezählt werden kann, so muss doch andererseits auf
die zahlreichen Zusätze hingewiesen werden, welche dem
Werke eine wesentlich verschiedene Gestalt geben. Um wenig-
stens einen ganz kleinen Beitrag zu der herbeigewünschten
Untersuchung zu liefern , theilen wir hier xcine Uebersicht ,des
Inhaltes der Ausgabe von 1587 mit.
■ Allerdings meint das ReJatorio etc. (Mendez-Hidalgo 1. c.) , sclinn der
Druck von Burgos 1490 sei die ,primera edicion de la historia fabulosa
qne compuso Guido de Columna traducida on Espaffol, probablemente,
por Pedro Nunez Delgado', und diess würde gegen die Annahme sprechen,
Delgado's Vorlage sei die Ausgabe von Pamplona ; die Form der Angabe
des Relatorio zeigt aber wieder, dass wir es hier nur mit einer obenhin
hingeworfenen Vermuthung zu thuu haben.
2 Denn es gibt noch deren viele , die Kios gar nicht erwähnt. So findet
' man im Indice de mf*. de la hihi. Nacional, welcher den Anhang zum
zweiten Bande von Gallardo's Ensaijo etc. bildet, nichts weniger als fünf
Hss. von ,Gil Columna, la historia troyana cn castcllano', darunter zwei
aus dem XIII. (?) Jahrh. Ob sie wirklich alle Uebersetzungen aus Guido
enthalten, ist eine andere Frage.
54 Mussafia.
Bei Guido erscheint der Prolog als ein Theil des Werkes
lind erst am Ende erzählt der Verfasser, wie er schon vor
längerer Zeit, durch Matteo da Porta, Erzbischof von Salerno,
ermuntert, die Arbeit begonnen und das erste Buch vollendet
hatte; dann habe er in Folge der Abi'cise seines Gönners sich
lange damit nicht mehr beschäftigt; nun aber habe er im
kurzen Zeiträume von drei Monaten die Schrift zu Ende ge-
bracht. Der spanische Text macht daraus zwei Briefe an den
Erzbischof, deren erster dem Prologe entspricht, der zweite
aber nur eine ganz kurze Abschiedsrede an den Erzbischof
enthält. Noch wichtiger ist der Unterschied im Inhalte. Denn
während Guido, Benoit folgend, die Glaubwürdigkeit Homer's
in Zweifel zieht, dann aber aus Eigenem auch Ovid und Virgil
als unzuverlässige Gewährsmänner bezeichnet und diesen Dich-
tern die wahrheitsliebenden Geschichtsschreiber Dictys und
Dares vorziehen zu wollen erklärt, stimmt der Spanier in dem
absprechenden Urtheile über die Dichter ^ nicht ein ; er wolle
vielmehr ihnen folgen, wenn er auch bei abweichenden Erzäh-
lungen sich der Kürze halber füi' die Darstellung der Ge-
schichtsschreiber entscheiden werde.
Das Werk zerfällt in drei Bücher und die Ueberschriften
der Capitel, welche bei Guido nicht zu lesen sind, lauten fol-
gendermassen :
Libro prim^ro.
C. i. en el quäl se trata corno Noe hallö iivas en iina pana y
se embeodö con el vino dellas y como partio las tierras k sus hijos.
C. ii. C6mo Noe ovo el quarto hijo qne Uamaroii lönico.
C. iii. De c6mo el grau g'igante Membrot hizo la torre de
Babylonia.
C. iv. pu que se propoue quäl fue cl primero conquistador que
ovo en el mundo.
C. V. Como la reyna Rea casö cou el rey Saturuo, y de cömo
el rey Saturuo hizo matar los tres hijos primeros que la reyna pariö.
C. vi. De cömo la reyna pariö el quarto hijo y lo diö d im
eseudero que lo diesse k criar, y le puso por nome lupiter.
C. vii. Cömo lupitcr fue eonocido por hijo del rey Satiu'uo.
'Den drei genannten fügt er als vierten Leomarte liinssu, eine Autorität
welche im Texte oft angerufen wird. Wer ist damit gemeint?
üeber die spanischen Versionen der Historia Trojana. 55
)
C. viii. De cömo lupiter lidiö cou sii parlif el ley Saturno y lo
vencio y lo desterro de su reyno.
Libro segundo. y
C. i. Cömo lupiter fue recebido por rey de Creta y casö cou
huio SU hermana, y como ovo en nna duena k Därdano, el quäl fundö
y poblo la civdad de Troya.
C. ii. De cömo fue destrnida l;i i)iinipra vez Troya llamada
Dardania.
C iii. Cömo reyuö el rey Mida en Dardania.
C. iv. Cömo k Mida se le toruaron las manos de oro y de la
declaracion de aquesto.
C. V. De cömo ine destruyda Troya la segunda vez en el tiempo
del rey Trous.
C. vi. Cömo Frixo y Heles passando la mar sobre el carnero
encautado, Heles se abogö y el infante Frixo aportö cou ol carnero en
la isla de Colcos.
C. vii. De cömo el infante Frixo fue rey de l;i. isla de Colcos.
Erst mit C. viii. fängt der von Guido behandelte Stoff
an, die Abfahrt nämlich der Argonauten und der schlechte
Empfang derselben von Seite Liaomedon's. Während aber dies
von Guido sehr ausführlich erzählt wird, bietet der spanische
Text nur einen Auszug, welcher die zwei ziemlich kurzen
Capiteln viii. und ix. einnimmt. Dafür wird in Guido's Erzäh-
lung Folgendes eingeschaltet:
C. X. Cömo lason aportö con tormenta a la isla de Lemos y
casö con la infanta Hisifile.
C. xi. und xii. stimmen mit Guido in Bezug auf die er-
zählten Begebenheiten überein: Ankunft Jason's in Colchis,
Medea's Liebe, Eroberung des Vliesses.
C. xiii. De cömo lason Uevö ä Medea y llcgö a su tierra, y
como ella tornö mo<;o k su suegro Eson.
Während also Guido sich begnügt, der Flucht zu erwäh-
nen und mit wenig Worten den Verrath Jasons erledigt, spinnt
der spanische Text die Erzählung der Schicksale Medea's weiter
fort. Dann kehrt er zu Hypsipile wieder.
C. xiv. De lacarta qne embiö Hisifile k lason su marido.
C. XV. De cömo Medea supo de la carta de Hisifile y cömo
lason se fue y de la carta que Medea le embiö.
56 Mnasafia.
C. xvi. De cömo Tason llego a sn niuger Hisitile en la su isla
y cömo Medea partio de casa de lason y degoUo k sus hijos y al
rey Peleo.
Nun wäre die Zeit, zu Guido wiederzukehren und den
Zug Jason's und Hercules' Siegen Laomedon zu erzählen; vor-
her muss aber über Hercules Näheres berichtet werden.
C. xvij. Del nascimiento de Hercules y ciiyo hijo fue y en que tiempo.
C. xviij. Corao Hercules matö las serpientes estando en la cuna.
C. xix. Como Hercules mato al puerco montes de Arcadia y al
leou de la silva Nemea sin armas.
C. XX. Cömo Hercules matö la sierpe de la laguna Lernea —
Alegoria de lo sobrediclio.
C. xxi. De cömo Hercules luchö con el rey Anteo y lo veneiö
y casö con Mera hijo del rey Anteo. — Alegoria, que quiere dezii-
verdadero seso.
C. xxü. Cömo Hercules matö t'i Diomedes rey de Tracia.
C. xxüi. Cömo Hercules veneiö A los Centauros y librö k
la novia.
C. xxiv. De cömo Hercules matö k sus hijos que ovo en Mera
SU muger.
C, XXV. Como Hercules casö la segunda vez con Deyamira.
Mit dem C. xxvi. geht das Span, mit Guido zusammen,
aber wieder so, dass was bei Letzterem sehr ausführlich vor-
getragen wird, bei Ersterem mit wenigen Sätzen, welche nur
die Geschehnisse berücksichtigen und jedem Redeschmucke
entsagen, erledigt wird. C. xxvii. entspricht zum Theile der
Erzählung Guido's, nur wird mit dem Wiederaufbau Troja's
begonnen und dann erst über die ehelichen Kinder Priamus'
berichtet. Von den natürlichen Kindern verlautet hier nichts.
Nun kehrt das Spanische zu Hercules zurück.
C. xxviii. De cömo Hercules peleö con las duefias Amazonas y
de cömo se levantaron las Amazonas.
C. xxix. Cömo ovieron pelea Hercules y Teseo con las Amazonas.
C. XXX. De cömo Hercules matö los onze hermanos hijos de
Meleo el gigante y matö al rey Busiiis de Egypto.
C. xxxj. De cömo Hercules robö las man^anas de oro de la
gueri-a del rey Atalante.
C. xxxij. Cömo Hercules passö eu Espaüa y de los liechos que
en ella hizo.
C. xxxiij. De cömo Hercules peleö con el rey Gerion en Merida.
C. xxxiiij. Cömo Gerion liuyö en Galicia y Hercules fue empos
del y lo alcan<;ö y lo matö.
TTeber die spanischen Versionen der Historia Trojana. 57
)
C. XXXV. De cömo Hercules pelcö cou Caco y lo venciö y des-
terrö y mato y poblö a Tara^ona.
C. xxxvj. Cömo Hercules peleö cou el rey Kuritn y lo matö y
tomö la tierra y casö con su hija.
C. xxxvij. Como supo Deyamira del casuniieuto de Hercules y
la carta qua le embio.
C. xxxviij. De cömo mm-iö Hercules el noble eavallcro.
C. xxxix. De las cosas que Yolaute la muger de Hercules hizri
desque muriö e de cömo Hercules fne euterrado y planteado.
C. xl. en qiie se trata de cömo Deyamira sc matö quando supo
que Hercules su marido era muerto per achaque de la camisa que clla
le embiara con los otros präsentes.
Libro tercero.
C. i. Cömo la reyna Ecuba sonö que sab'a de su vientre uua
haelia que quemava ä Troya y cömo mandö matar ;i Paris y cömo
Paris tue llevado y criado de el pastor del rey Täntalo.
C. ii. Cömo casö con la infanta Oenone senora del monte Pelio.
C. üi. Cömo Paris diö el juyzio de la mau^ana entre las trcs
diosas y mandö que la Uevasse Venus.
C. iv. De cömo el rey Täntalo diö k comer a los dioses ä su
hijo proprio en manjares. — Nota la deelaracion desto.
C. V. Cömo Paris fue conocido por hijo del rey Prianio y com«)
hizo el rey cortes sobre lo de su bermana Ansiona.
Der zweite Tlieil dieses Capitels knüpft demnach an
Guido wieder an, nur findet sich auch hier ein bemerkens-
werther Unterschied. Während bei Guido Prianius bei der
ersten Rathssitzung blos seinen Entschhtss äussert, Antenor
abzusenden, und erst nach fehlgeschlagenem Versuche die
Seinen wieder zusammenberuft, wobei die verschiedenen An-
sichten laut werden, findet im span. Texte schon bei der ersten
Sitzung ein Austausch der Meinungen statt. Hector und An-
chises mahnen zur Vorsicht, Paris und Antenor wollen gleich
mit einem grossen Heere über Griechenland herfallen; Helenus
und Cassandra sagen Unglück vorher; Troilus Deiphobus und
Aeneas stimmen für Paris' Ansicht. Man wird endlich schlüssig,
Antenor abzusenden. Als er unverrichteter Dinge zurückkehrt,
findet die zweite Besprechung statt, und zwar sind hier die
spanischen Reden fast durchgehends getreue Uebersetzungen
der lateinischen. Dann folgt mit Guido die Entführung der
Helena, deren Empfang in Troja noch ausführlicher als bei
Guido erzählt wird. Ja zwei ganze Capitel werden der Hoch-
zeit zwischen Paris und Helena gewidmet.
58 Mtissafia.
C. xiij. De cömo Paris pidio a Elena por muger, y del consejo
que sobre ello se diö y de la respuesta qiie sii padre et rey Priamo le
dio y esso mesmo como tomö consejo con la i'eyna Eciiba y con todos.
SU hijos y cavalleros qne en la corte estavan.
C. xiv. De cömo la reyna Ecuba requiriö a» Elena, si se queria
casar con Paris.
C. XV. fängt damit an, eine buchstäbliche Uebersetzung
des Guido zu bieten — Vei'zweiflung des Menelaus, Nestor's
Theilnahme, Agamemnon's Rede. — Bei der Aufzähhmg aber
der sich rüstenden Könige werden nur Patrockis und Diomedes
genannt; was Achilles betrifft, den Guido ebenfalls nur nennt,
holt der spanische Text weit aus und erzählt von dessen Auf-
enthalt bei Deidamia und von den Versuchen der Griechen,
ihn ausfindig zu machen. Dann
C. xvi. De como Archiles fue descubierto de todo su hecho y
de lo que el rey padre de Deydamia hizo.
C. xvij. Como el rey Licomedes perdonö k Archiles y k la in-
fanta Deydomia y los casö.
worauf wieder Guido beginnt : ,del fin de los dos hermanos de
Elena, Castor y Polus , y de la hermosura y faciones de
Griegos y Troyanos^ Und so geht es bis an's Ende fort in
voller Uebereinstimmung mit Guido. Während aber Dieser mit
Ulyxes' Tod sein Werk beschliesst und nur noch einige Be-
merkungen über die Gewährsmänner und die zwei bekannten
Grabschriften des Hektor und Achilles ' nebst einer Deploratio
Trojae in vier leoninischen Versen mittheilt, fährt der spanische
Text fort:
Libro quarto.
C. xij. De como Eneas aporto con tormenta k Sicilia y cömo
muriö el conde Anchises su padre y ftie alli sepultado.
C. xiij. De cömo Eneas y Elisadido trataron por sus hablas como
se cassasen en uno.
C. xiv. De cömo Eneas y Elisadido avian sus hablas de amores
en uno.
C. XV. De cömo Eneas y Elisadido casaron en uno y de cömo
torna la historia k hablar de lupiter.
C. xvi. Cömo lupiter llevö a Europa fija del rey de Tebas.
' Siehe Burmann, Auth. lat. I, 70 und 84.
Ueber die spanischen Versionen der Historia Trojana. 59
i
C. xvij. Cömo fuc poblada Tiro y de cömn los eaptivos della
mataron k sus sefiores.
C. xviij. Que acordaron Ins eaptivos qiie öl fjao viesse el sol
piimero seria rey.
C. xix. Como casö Acerba o Sicheo con Elisadido.
C. XX. De fönio Pigmaleon pidio el thesoro a Acerba }' como
lo matö cnielmente.
C. xxj. Como Eli.sadido ordeno como se fiiesse.
C. xxij. De como Elisadido aporto k la civdad de Reteta.
C. xxiij. De como Elisadido Iiizo (;anjas para poblar su civdad
y lo que ende hallaron.
C. xxiv. De cömo Eneas hallö eii el Templo pintada la traycion
que liizo y propuso de se yr dende.
C. XXV. De la carta que Elisadido cinbiaia k Eneas al puerto
donde estava.
C. xxvi. Cömo Elisadido se matö y de que guisa.
C. xxvij. Cömo hablan otros liistoriadores de la muerte de
Elisadido.
C. xxviij. De cömo Eneas apoitö en Italia eu el leyno de Sa-
tiu'no do entonces reynava el rey Latiuo.
C. xxix. De cömo Eneas reynö en Italia despues que miuiö el
rey Latino.
C. XXX. De cömo muriö Eneas y dexö que governassen el reyno
SU muger y Ascanio su hijo.
C. xxxj. Cömo Fauno poblö Albaluenga.
C. xxxü. Cömo el pastor Moron descubriö k Romo y a Remulo
ci'iyos liijos eran.
C. xxxiij. De cömo Romo y Romulo iizieron una puebla ä la
quäl Uamaron de su nombre Roma.
C. xxxiv. De cömo los Romanos fizieron sus tiestas , y robaron
las miigeres de sus comarcanos.
C. XXXV. De cömo dexa la liistoria de contar desto por contar
de Bruto el hijo de Jullo y nieto de Eneas y de la muy noble y muy
hermosa Elisadido y de la muerte que Bruto diö k su padre.
C. XXXV b. Cömo partiö Bruto de su reyno y aporto ä Grecia.
C. xxxvj. Cömo Eleno y Äsaraco fablaron con Bruto de que
manera podria sacar los cativos del reyno.
C. xxxvij. Como los eaptivos fueron veuidos al pie de la inou-
taiia y de lo que hizieron.
C. xxxviij. Cömo el rey Pandraso fue muy ayrado y sanndo
quando vido la carta y de lo que sobre ello se hizo.
C. xxxix. De cömo hizieron los de la hucste grau cavalgada y
ganaron el castillo de Tiropino.
C. xl. Cömo hizo Bruto yr k dezir k las escuchas A Aneleto
como el y Antigano eran sueltos de la prisiou.
ß0 Mnssafia.
C. xlj. Cömo acordaron torlos los de la hueste qiie todo lo qiie
Eleno y Membrudo mandassen, por aquello estuviessen.
C. xlij. De las cosas que los Troyanos embiaron ä demanda
qiie les diesse el rey Pandraso.
C. xliij. Cömo el rey Pandraso otorgö todo lo que le fue iiedido
por parte de los Troyanos.
C. xliiij. De eomo Bruto aportö eii tierra de Damasco y de lo
que ende hizo.
C. xlv. Cömo Bruto peleö con el rey de la provincia de Mauri-
tana y lo veneiö y prendiö.
C. xlvj. De cömo aportö Bruto en la isla de Legocia y lo que
ende hizo y del sacrificio que hizo k la diosa Diana.
C. xlvij. Cömo Bruto conto a los suyos la vision y cömo fueron
todos muy alegres y lo que ende hizieron.
C. xlviij. Cömo partieron las tierras y cayö ä, Bruto la isla de
Alvion que agora llamau Inglaterra y k Corineo la isla de Magot que
agora llaman Cornualla y a Saraco aquello que agora Uaman Escocia.
Darauf folgt der Zusatz Guido's: ,Reliqua sunt de libro
Ditis' fino a ,Priamum et ejus filiam Polixenam^; dann ein
paar Zeilen, mit welchen der Verfasser den Erzbischof von
Salerno bittet, sein Werk gnädig- aufzunehmen und dasselbe,
wenn fehlerhaft, verbessern zu lassen ; schliesslich eine Anrede
Delgado's an den Leser, in welcher er noch einige chrono-
logisch historische Daten mittheilt und die Unschuld Dido's in
Schutz nimmt. Den Schluss macht ein Gedicht zum Lobpreise
dieser verläumdeten Königin.
Das Verhältniss Delgado's zu Guido stellt sich also so
dar, dass im Beginne, so lange Guido's Erzählung mit anderen
verwoben wird, dieselbe stark abgekürzt wird; von dem Augen-
blicke an aber, wo das Spanische ununterbrochen mit Guido
geht, findet volle Uebereinstimmung statt und nur selten wird
ein kurzer Satz — zunächst um irgend einen abweichenden
Bericht zu verzeichnen — hinzugefügt. Die Frage aber, woher
die Zusätze stammen, ist (wie schon oben angedeutet) schwer
zu beantworten, so lange nicht in's Klare gebracht wird, zu
welcher Zeit sie zuerst erscheinen. Es ist demnach kaum
lohnend, vom letzten Ausläufer aus die einzelnen Abschnitte
zu besprechen; nur einige Bemerkungen mögen hier Platz
finden. Am auffallendsten ist die Uebereinstimmung im allge-
meinen Gange der Erzählung mit der Trojumanna-Sage. Audi
hier wird mit der Göttersage begonnen, auch liier ist von
Uelier dip spanischen Versionen der Historia Trojana. 61
Hercules' Thaten die Rede, uud was besonders beinerkenswerth
ist, auch hier begegnen wir der Verbindung der Trojasage
vorerst mit der von Eneas, dann mit der britischen. In der
Ausführung aber ist kaum eine Uebereinstinimung zu erkennen.
Mit Konrad von Würzburg hat das Spanische die Auf-
nahme der Geschichte des Achilles auf Skyros, dann die Er-
zählung der weiteren Schicksale des Jason und der Medea
gemein; bei dem Mangel aber irgend einer bezeichnenden
Uebereinstinimung im Detail ist darin nur die allgemeine Nei-
gung zu erblicken, der Erzählung durch Ausführung von Epi-
soden zu grösserem Schmucke zu verhelfen. Eine Einzelnheit
begegnet uns jedoch, welche hervorgehoben zu werden verdient.
Auch bei Delgado wird über die Jugendschicksale des Paris
berichtet. Hecuba hat den bekannten Traum, es wird beschlos-
sen, das Kind zu tödten. ,La reyna quando vino la hora del
parte mandö a un escudero que tomasse aquel infante que
pariera y lo llevasse luego a matar. Mas las parteras que tal
hecho conocieron quando vieron tan apuesta criatura hablaron
con el escudero que non lo matasse, nuxs que lo diesse a criar
secretamente. Mas dize el Virgilio quo llevandolo i\ matar
6 Stande alli donde le avia de matar, echando mauo al cuchilh)
para lo degollar, que el niiio se rio con una cara tan alegra
que no oviera hombre que no tomara del manzilla. Y quando
el escudero aquello viö fue muy espautado, ca la natura no
otorga a ninguna criatura reyr antes de los quarenta dias y
dixo assi: Pues la natura tanto obre en ti, a mi demandaran
los Dieses a este peccado. Y dexo el niiio en una mata alli
en el monte, y llamävase aquella montaSa de Frigia, y era
del rey Tantalo.' Der anziehende Zug des Knaben, welcher
dem geschwungenen Messer entgegenlächelt, ist aus Kourad
und Simon capra aurea ' bekannt. Darf man annehmen, dass
Delgado oder vielmehr seine Vorlage den Einen oder den
Anderen gekannt habe? Wird man nicht bei w^eitem vorziehen,
ein Zwischenglied zu vermuthen?
Zum Schlüsse wollen wii- noch erwähnen, dass jene
Capitel, welche die britische Sage betreffen, dem Gange der
' Siehe darüber Dunzer's treffliche Muiiograpliie, S. 47.
(32 Mussafia. Ueber die spanisehpii Versionen der Historia Trojana.
Erzählung bei Galfredus Monmouthensis genau folgen, die Be-
gebenheiten aber mit grösserer Ausführlichkeit und häufig
mit dem Schmucke wohlgesetztei- Reden vorbringen. Dieses
Verhältniss reicht bis gegen das Ende des §.11 des ersten
Buches der Historia Britonum^ während die übrigen §§. 12 — 18
in den zwei kurzeli Capiteln 47 — 48 des spanischen Textes
stark abgekürzt erscheinen.
I;
SITZUNG SBERICI I'I'E
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAETEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXIX. BAND. II. HEFT.
JAHRGANG 1871. - NOVEMBER.
65
XXIII. SITZUNG VOM 2. NOVEMBER 1871
Herr Dr. AI. Hub er in Salzburg sendet ein Manuscript:
,Geschiehte der P^inführung- und Vei-breitun«; des (^lii-istenthuuis
in Südostdeutschland'^, mit dem P^i'suchen um Aufnalime des-
selben in die Hciiriften der historischen Conunission.
Die Aufnahme der Abhandlung- des Herrn Dr. Ig. Gold-
ziher in Pest: ,Zur Charakteristik (lehll ud - din us-Sujüti's
und seiner literarischen Tliätigkeit' in die Sitzungsbei'ichte wird
genehmigt.
Das w. M. Herr Regierungsrath Ritter von Karajan
stellt den Antrag: ,die Classe möge für die Drucklegung des
VI. Bandes der Tahulae Codicum hihliothecae palatinae Vindoho-
nensis die erforderliche Summe bewilligen.'
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Academie Imp. des Sciences, Belles-Lettres et Arts de Lyon: Memoires.
Classe des Sciences: Tome XVIP. Paris et Lyon, 18()9— 1870; gr. 8».
Accaderaia Pontificia de' Nuovi Liucei: Atti. Anno II. (1849.) Roma, 18G7;
Anno XX, Sess. 1»— «l" (1860-^1867); Anno XXIV (1871), Sess. 2'''— :^".
Roma; 4*^'.
Gesellschaft, Anthropologische, in Wien: Mittheilungen. I. Bd., Nr. l.'J.
Wien, 1871 ; 8^
Institut National Genevois: Bulletin. No. 35, Vol. XVI. jKiges 22.'»— :1S4.
Geneve, 1870; 8".
Mittheilungeu aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Ergänzuugsheft
Nr. 29. Gotha, 1871; 4«.
Sitzb. d. phil.-hist. Gl. LXIX. Bd. JI. llft. 5
66
.Revue politique et litteraire', et ,La Revue scieiitifique de la France et de
l'etrauger'. I« Annee. (2« Serie.) Nrs. IG — 18. Paris et Bruxelles, 1871; 40.
Societe Imp. geographique de Russie: Seances generales. Fevrier 1870 —
Mai 1871. 40.
Verein, siebenbürgi.scher, für romanische Literatiu' und Cviltur des romani-
schen Volkes: Transilvania. Anulu IV, No. 14—20. Kronstadt, 1871; 4«.
XXIV. SITZUNG VOM 8. NOVEMBER 1871.
Herr Professor Dr. Ed. Sachau in Wien ersucht um eine
Subvention zur Herausgabe der syrischen Schriften des Anto-
nius von Tagrit.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Academy, The American, of Arts and Sciences: Proceedings. Vol. VIII. Sign.
18 — 37. Bo.stou, 1869-1870; 8".
Anreiter, A. v., Vom absoluten Ideal. Eine Studie. Wien, 1871; 8".
Association, The American, for the Advancement of Science: Proceedings.
XVin»' Meeting held at Salem, Mass. August, 1869. Cambridge, 1870; 8».
Barsanti Maggiore, Carlo Cav., Degli errori di scienza che s'insegnano e
delle varietä. scientifiche che non si sauno insegnare nelle scuole militari
e civili del regno d'Italia. Roma, 1870; 4".
De la Rive, Notice sur E. Verdet. Paris, 1870; 8".
Ferri, Louis, Essai sui- l'histoire de la philosophie en Italie au XIX*^ sieele.
Tomes I— II. Paris 1869; 8».
Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit. X. Band. I. Ab-
theilung. Entwickelung der Chemie von Hermann Kopp. I. Abtheilung.
München, 1871; 8^'.
Gesellschaft, geographische, in Wien: Mittheilungen. N. F. 4. 1871. Nr. 10.
Wien; 8".
— Schleswig-IIolstein-Lauenburgische, für die Sammlung und Erhaltung vater-
ländischer Alterthümer: Berichte. Nr. 31, 1869— 1«71. Kiel, 1872; 4".
Jahresbericht: Siehe Programme.
Lange, Ludwig, Römische Alterthümer. III. Band. Berlin, 1871; 8".
Milojevic, M. C, Lieder und Gebräuche des .serbischen Volkes. Belgiad.
1870; 80. — Reise durch einen Theil von Alt-Serbien. Belgrad, 1871; 8^'.
(Serbisch.)
67
Mone, Franz Josepli, Sciu Leben, Wirken und seine Schriften. Freibur<r
i. Br., 1871 ; 8".
Mnseum des Königreiches Böhmen: Casopis, 1869, svaz. 3—4; 1870, svaz.
1—4; 1871, svaz. 1-?,. V Praze; 8". — PaiuAtky. Dil VIII, ses. 5—8.
(1869—1870); Nove fady roi\ I. ses. 1— .S. (1871.) V Praze; 4«. — Sbor-
nikvedecky (bist, filolog.) I-III. V Praze, 1868 & 1870; 8". — Tomek,
j W. W.. NowoceskÄ Bibliotbcka. Cish) XVIII. Dejopis - Praliy. Dil II.
I V Praze, 1871; 8«. — Vortrag des Geschäftsleiters. 1869, 1870, 1871. 8».
I Programme der Obergymnasien zn Bistritz nnd Ragnsa, nnd Jahresbericht
i des k. k. I. Staatsgymnasinms in Graz. 1871 ; 8" nnd 4^'.
I Smithsonian Institntion: Smithsonian Contribntions to Knowledge. Vol. XVII.
j Washington, 1871; 4". — Smithsonian Report. 1809. Washington. 1871; 8".
Votum zur beabsichtigten Vereinigung der k. k. Forst-Akadeniic! zu Maria-
brunn mit der in Wien zu gründenden laudwii-thsch aftlicheu Hochschule.
Wien, 1871 ; 8".
XXV. SITZUNG VOM Ki. NOVEMBER 1871.
Der Secretär tlieilt ein Schreiben des correspondirendeu
Mitgliedes Herrn Professor Ur. Pius Zingerle in Meran mit,
worin derselbe Nachricht gibt über einige noch ungedrnckte
syrische Schriften.
An Druckschriften wurde vorgelegt :
American Academy of Arts & Sciences: Tlie Complcte Works of Count
Rumford. Vol. I. Boston, 1870; 8".
Announcement of the Wagner Free Institute of Science for the Collegiate
Year 1870—1871, Philadelphia, 1870; 8".
Connecticut Academy of Arts & Sciences: Transactions. Vnl. I. Part 2;
Vol. n, Part 1. New Havcn, 1867—1871; 8^'.
Es.sex Institute: Proceedings and Communications. Vol. I, il. 111 (1848 —
186.^); Vol. V (1866), Nrs .3—4; Vol. VI (1868—1871), Part 2. Salem; 8».
- Bulletin. Vol. II, Nrs 1 — 12. Salem, '1870; 8". — To-Day: A Paper
printed during the Faii- of the Essex Institute and Oratori«» Society at
Salem. Mass. Nrs 1-5. Salem, 1870; 4".
5*
68
Gesellschaft, Anthropologische, in Wien: Mittheilungen, I. Bd. Nr. U.
Wien, 1871; 8.
Pe;ibody Acadeniy of Sciences: 2'^ and .3'^ Annual Report. Salem, 1871; 8».
- The American Naturalist. Vol. IV. Nrs .3—12; Vol. V. Nr. 1. Salem,
1870—1871; 8".
Report, Second Annual, of the Board of Indian Commissiouers for the Year
1870; Washington, 1871; 8".
— 4"', of the Commissioner of Fishcries of the State of Maine, for the Year
1870. Augusta; 8.
— Annual, of the Commissioner of Patents, for the Year 18G8. Vol. I— TV.
Washington, 1869—1870; 8».
— of the Superintendent of the United States Coast Siu-vey, showing the
Progress of the Survey during the Year 1867. Washington, 1869; 4".
.Revue politique et litteraire', et , La Revue scientifique de la France et de
l'etranger'. T™ Annee (2« Serie), Nrs 19—20. Paris et Bruxelles, 1871; 4"_
Society, The American Plülosophical, at Philadelphia: Transactions. Vol. XIV,
New Series. Parts 1 & 2. Philadelphia, 1870; 4". — Proceedings. Vol. XI,
Nrs 83—85. Philadelphia, 1870; 8".
Verein für Erdkunde zu Dresden: VI. und VII. Jahresbericht. (Nachtrag.)
Dresden, 1870; S^.
— tler fünf Orte Lucern, Uri, Schwyz, Unterwaiden und Zug: Der Geschichts-
freund. XXVI. Band. Einsiedeln, New-York und Cincinnati, 1871; 8«.
Washington, Department of Agriculture: Report of the Commissioner of
Agriculture for the Year 1869. Washington, 1870; 8'\ — Monthly Reports
for the Year 1870. Washington, 1871; 8". — Reports on the Diseases of
Cattle in ihe. United States etc. Washington, 1869; 8".
Wells, Walter, The Water-Power of Maine. Augusta, 1869; 8".
XXVI. SITZUNG VOM 29. NOVEMBER 1871.
Der Secretär legt zwei neue Publicationen des Professor
Dr. C. Werner in Wien nebst Beg-leitschreiben des Ver-
fassers vor.
i
Das corr, M. Herr Joseph Uau))! sendet eiue Abhuud-
lung: ^Zum mitteldeutschen Buch der Väter/
Das w. M. Herr Dr. Pf'izmaier \cQ;t eine Abhandlunjj;
vor unter dem Titel : ^Kunstfertigkeiten und Künste d(^r alten
Chinesen.'
Das w. M. Herr Rcgieruugsrath Dr. Zinnuerinn nu legi
zwei ungedruckte Briefe Herbarts vor.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Accademia delle Scienze dell' Istituto di Bologna: Mcraorie. Serie 11. Toino X.
Fase. ,2—4. Bologna, 1870—1871; V\ — Rendicouto delle sessioni. Auuo
accademico 1870 — 1871. Bologna; 8i'.
Archivio per TAntropologia e la Etnologia. I. Vol., Fase. -i". Fircnze, 1871; 8".
Diebl, C. Laudwirthscliaftliche Rerniniscenzen und Coiijeetnren im 100. Griiii-
dungsjahre der k. k. mälir.-schles. Gesellschaft für Ackerbau, Natur- und
Laudeskunde. Briiuu, 1870; kl. 4".
'l'Elvert, Christian, Ritter, Geschichte der k. k. niähr.-sehles. Gesellschaft
zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. ISiüiiu,
1870; kl. V\
Fitzinger, Leopold Joseph, Versuch einer Erklärung der ersten oder ur-
sprünglichen Entstehung der organischen Körjter und ihrer Mannigfaltiglceit
in Uebereinstimmung mit den Gesetzen der Natur. Leii)zig, 1872; 8".
Gare in de Tassy, Histoire de la litterature hindouie et hindoustanie. (•J"''= Edi-
tion revue, corrigee et considerablement augmentce.) Tomes I — III. Paris,
1870 & 1871; 8«.
Lesehalle, Akademische, in Wien: Erster Jahresbericht über das Vereius-
jahr 1871. Wien; 8^'.
Mittheilungen der k. k. Central-Connnissiou zur Erforsclnuig und Erhal-
tung der Baudenkmale. XVI. Jahrg. November— December 1871. Wien; 4".
— aus J. Perthes' geographischer Anstalt. 17. Band. 1871. XI. Heft, nebst
Ergänzungsheft Nr. .30. Gotha; 4".
jRevue politique et litteraire', et ,La Revue scicntifique de la France et de
l'etranger'. I"' Annee. (-2« Serie.) Nrs. 21-2-2. Paris et Bruxellcs, 1871; 4".
70
Verein, histor., für Niedersachsen: Zeitschrift. Jahrgang 1870. Hannover
1871; 8". - XXXIII. Nachricht. Hannover, 1871; 8".
— siebenbiirgischer, für romanische Literatm- und Cultur des romanischen
Volkes: Transilvania. Anuhi IV. Nr. 21 — 22. Kronstadt, 1871; 4".
Werner, Carl, Die Religionen und Culte des vorchristlichen Heidenthnms.
Ein Beitrag zur Geschichte und Philosophie der Religionen. Schaffhausen,
1871; 80. — Speculative Anthropologie, vom christlich -philosophischen
Standpunkte dargestellt. München, 1870; 8".
Haupt. lieber das mitteldeutsche Buch der Väter. 71
Hoher das initteldeutsclie Buch der Väter
Joseph Haupt.
Uas mitteldeutsche Buch der Vätci- in der Hs. 816
der Leipzig-er Universitäts- Bibliothek wurde das erste Mal
zum Geo-enstand einer wissenschaftlichen Untersuchung gemacht
von Tittmann in den ,Beiträgen zur vaterländischen Alter-
thuniskundc' Leipzig 1840. 8". I, 1 — 14. Fünf Jahre später
hat Fr. Pfeiffer in den ^Marienlegenden^ Stuttgart 1845. 8"
XIV — XVI nachgewiesen, dass der Verfasser des Passionais
und jener des in Rede stehenden Buches der Väter ein und
derselbe Dichter ist. Weiter wurde die Sache bis heute nur
insoferne gefördert, als Bruchstücke verschiedener Hss. bekannt
gemacht und durch den Druck verbreitet wurden. Keiner der
Herausgeber solcher Bruchstücke wusste aber zu sagen, wo
die einzelnen Trümmer ihren Platz in dem ganzen weitschich-
tigen Werke haben, worum jedoch keinem derselben soll ein
Vorwurf gemacht w'erden. Das md. Buch der Väter ist
eben nur in der einzigen Leipziger Hs. zum grössten Theil
erhalten, imd umfasst trotz seiner fragmentarischen Ueber-
lieferung über 30,000 Reimzeilen, so dass sich vollständige
Abschriften nur mit einem grossen Aufwände an Zeit und
Geld beschaffen lassen. Dann ist es auch keine leichte Auf-
gabe, sich in diesem Irrgarten von geistlichen Sprüchen und
Beispielen zurecht zu finden, da das lateinische Werk oder
die Vitae patrum nicht einmal Buch für Buch oder Seite
für Seite, viel weniger Zeile für Zeile sich deckt mit dem
md. Reimwerke. Zwar hat man dies bisher ebenso auf Treu tmd
Glauben angenommen, wie dass die Leipziger Hs. vollständig
sei, aber das eine ist so ungegründet als das andere.
72 Haupt.
Meine Arbeit wird sich dem gemäss in drei Abschnitte
theilen ; in dem ersten will ich von der Composition des Buches
und seinem Verhältniss zu den Vitae patrum handeln, in
dem zweiten die Selbstbekenntnisse des Dichters erwägen, die in
den Vorreden und Nachreden seiner Werke zerstreut sind,
und im dritten zum ersten Male die Hss. zusammenstellen, in
denen uns sein Werk zum grösseren oder geringeren Theil
überliefert ist.
Ich benütze eine Abschrift der Leipziger Hs., die aus
dem Nachlasse J. Diemers in den Besitz der k. k. Hofbiblio-
thek übergegangen ist und daselbst als Hs. Suppl. 2766 — 2769
aufbewahrt wird. Diese Abschrift wurde von dem verdienten
Entdecker der Vorauer Hs. äusserst sorgfältig auf eingerahmten
Seiten zu 21 und 26 Zeilen in 4" gefertigt, er hat die Spalten der
Leipziger Vorlage mit a b c d bezeichnet, die Vei'se eines
jeden Blattes von i — x gezählt, so dass durch diese Angaben
jeder Zeit die treffende Stelle in der Vorlage kann gefunden
Averden. Auf diese Zeichen und Zahlen gehen also die in den
folgenden Mittheilungen.
I.
Das Buch der Väter und die Yitae Patruiu.
1. Ich habe schon bemerkt, dass sich die Vitae patrum
und das Buch der Väter nicht so vollkommen decken, als
man bisher geglaubt hat ; der md. Dichter hat vielmehr den
lateinischen Text nur als Sto£F angesehen, den er ganz frei
behandelt. Er übersetzt nicht, wie man eben im Mittelalter
übersetzt hat, sondern er sucht aus den gegebenen Erzählungen
in sich abgeschlossene ,Maeren' zu bilden. Diese Kühnheit,
die in jener Zeit sogar unter den weltlichen Dichtern nur
Wolfram von Eschenbach besessen hat, ist vollends unter
den geistlichen gegenüber einem geistlichen Buche unerhört,
sie verdient schon deshalb ausführlich nachgewiesen zu werden.
Der Dichter eröffnet sein Werk mit einer Vorrede : '
Adönay des gewaldes got Des grozei" crefte gebot
Die gescheffede liez werden Beide himcls vu der erden
' Die Stellen ;iu.s der Hs. gebe ich hier und überall, wie icli .sie linde;
ich interjMingire blos und stelle Längezeichen, wohin sie gehören.
Ueber das mitteldeutsche Buch der Väter. 73
>
Mit ir gczierden manicvalt! Alles dinges ein gcAvalt
Got hcttc ob aller herschalt. Wer getar denken in din
craft
10 Siuer (1. Diner) niinue vn dines svns? Ich geswige da
von sprechen vns,
die allein in der ewicheit zv wizzen sal sin" gereit,
hie vnder weiz ich einez wol ob ichz tar sprechen
vn sol
e daz ie creatüren leben Geniachet wrde vn vz gegeben,
Do niinnet vollecliche In der tvgende riebe
20 Der vater got der hette min Den vil lieben svn sin,
Der svne ovch minuet in alsani Vollecliche als im gezam.
Der vater an dem svne hete Aller wollvste sete,
Vnd an dem vater hete alsvs Der svn ovch aller
vrovden kvs.
Der heilige geist ist die minne. Seht da dvrch vn dar innc
30 Vereinet die dri psonen sin In einer essencieu an in.
Nv merket al hie vnder Ein wndcrlichen wnder,
wan da von solt vns kvnftic kvmen Joch an gcnäden i
ZV vrvmcn
Daz svs der vater vü sin kint Vereinet in der minne sint,
Vn wie die dri psonen ensampt haben dvrch die minne
ii- ampt
{ 40 Gvbet vn vbcnt noch an vns. Dvr die minne sines svns
Der vater got dem menschen gab Von erst leben vn vrhab
j Daz er vz allen sinnen Mit ime solte minnen
Sinen svn den er hete lieb. (!'') Do geschvfc er aide dirl»
iSathanas daz Adam In gotes vngehordc kam
50 Vn sich in gotes zorn vorwar. Ine kau gesprochen noch
entar
War vmbe die minne des verhinc Daz si den val uiht
vnder vinc,
Sit er doch vor kvnt was gote. Hie belebet (1. belibetj vnzcr-
loset den (1. der) knote,
Er ist ZV ho gebvnden. Do sah (? sän) nah den stunden
Mit dem gotes svn ranc Di minne vnz daz si in l^ctwanc
60 Daz er her nider keme Die menscheit an sich nemo.
Do si in des vber want An daz crvce si in baut
Dar an er dvrch ir willen starb. Hie mit gotes svn erwarb
74 Haupt.
Dem menschen g-otes hvlde wider, vf daz er ewiclichen
sider
Solt vz steten sinnen Mit im den vater minnen.
70 Nv bedenket wie des gotes rät von erst mit vns ge-
worben hat,
wie an des menschen vrhab Der vater vns dem svne gab,
Vz dem gewalde daz geschach; Wi dö div wishcit furbrach
Die der svn genennet ist Vnser herre Jhesus Crist,
Wi er vns dem vnter bot Do er geleit des cruces tot.
80 Sit wir nv leider an (1. hän) versmät Mit maneger grozer
missetät
Des vater ampt vn ovch des svns, So enleit (1. enlet) die
gvte niht von vns.
Den heiligen geist ich meine Der drier psonen eine
Vereinet an gotes mäiestät. Vil manigen tvgende riehen rat
Wir von dem geist enphähen Daz wir vns gote nähen
90 Vii gentzlich in die minne komen, Als wir hie vor hän
vernoinen. '
Ist daz iw (1. nu) got der herre min Dvrch die grozen
trüwe sin
Der an im ist mei- danne vil Erluhten mir daz herze wil
Als ich im gal (1. sal) getrüwen, So wil ich vf in büwen
AI hie daz werc vnd wil vch sagen Wie hie vor in ma-
nigen tagen
100 Der heilige geist geworben hat Vn wie sin tvgent-
liche (?) rät
An genvgcn Ivten wnthcr bar. Also daz si von herzen gai-
Got svhten hie zv stunden Vntz daz si in fvnden.
Ey herre got nv leite mich An dirre vart die ich
dm"ch dich
Hän hie begonst vn wil sagen, Wie hie vor in vil tagen
HO Mangos reines menschen mvt Dvrch dich dv höster
vrovden gvt
' Mit dieser Vorrede verglciciie man die ztiiii ersten und dritten Buche
des Passionais; über die Lehre vom .gevvalt der wisheit und triiiwe'
aber das Briichstüek im Anlianjr.
Ueber das mitteldeutsche Buch der Väter. 75
}
Der werldo hoit wol vbertrat. Dos bite ich als ich iz
y bat
Daz dv mit mir sist dar an, Jhcsu gotruwcr Ictttssman
(I. Icitesman),
! Dvrch die werden vrovde groz Die sich mit minnen
a vz goz
j Da dv nach diner marter zil Mit doi- orvs^elt (1. crwelten)
also vil
(120 Die dv zvr helle nemo Fvr dinen vater kerne,
Vn da von diner raartor vrvhte Im sie ofei-des mit zvhte
Im ZV lobe vii zv frvmen. () daz svzo willikvmbn
Wie dich enphienc des vaters gvnst, Daz wirf in
monsciichcn vci-nunst
Zware deine hie volant Vntz daz oz dort vns wir (I. wirt)
erkant.
130 Ez ist genvg-et (1. genvger) Ivte site Daz in die gowon-
hoin (Vgewonheit) mite
Volget (si ist idoch gvt), Swä si gesitzent bi der glvt
Oder anderswä, swi daz si, daz in ioman da lilite ist bi
Der im ein mere bitet sagen, dem si alle wol gcdagen.
Daz ist doch vnderscheiden Als lieben unde leiden!'
140 Swie dos mannes leben stät dar vf suchet er gonio i-fit,
Swclle mere in dar an sterken An die leit ei- sin merken.
Die itel sin die sin gereit Swä man in seit von citelkeit,
da hi der seligen rote " Höret ir gerne sagen von goto
vii von der gvten Ivte leben, den goto (sie) gnade hat
^ ^ ^ gegeben.
150 O we ich mvz bekennen von wärheit benennen
daz ich der iteln einer bin ! daz spreche ich niht vf den sin
dei- demvt, nein ich! wcrlich An wäror schvlt bcgrifo
ich mich
daz ich bin vz der iteln rote. Nv wil ich gerne bvzcn gote
Vn dvrch der bvze willen Ob ir weit w(!scn stille '
' Die Ansichten, die der Dichter hier über Ziel und Zweck der Dii-litimp;
in wenigen Worten darlegt, sind ganz dieselben, die Odltrid von
Strassburg weitläuftig ausgeführt Iiat im ICingang zmn Trisian
V. 120—244.
76 Haupt.
ICO Voll gvter mere sag'cn vil Der ich doch keinen machen wil.
Ein bvch de (1. der) veter bvch genant In daz hän ich
den sin gewant,
Vn wil dar vz ze dvte lesen daz mich nvtze dvnket
wesen
Zv hören der gern ein schaft; Da stet von in wie sie
mit kraft
Daz himelriche haut erstriten Gar mit tvgentlichen siten.
In dieser für das ganze Werk gültigen Vorrede sagt der
Dichter selbst, dass er blos eine Auswahl aus dem Buche
der Väter geben will; er will nur dasjenige aus dem Buche
auf deutsch lesen, wovon er sich Nutzen für die , Gemein-
schaft' verspricht. Unter ,Gemeinschaft' kann er nur die
geistliche Gemeinde verstanden haben, der er selbst an-
gehörte oder für die er zunächst sein Werk dichtete.' Auf-
fallend ist, dass er den Ausdruck ,samenunc' meidet, mit dem
technisch ein coenobium oder monasterium bezeichnet wird.
Auf die merkwürdige Stelle über die Maeren 129 — 155 und
auf das Selbstbekenntniss, dass auch er der Dichter einst ein
Liebhaber der v/eltlichen Maeren gewesen sei und zur Busse
jetzt geistliche Geschichten dichten wolle, komme ich im Ab-
schnitt II. i. zurück. Im Verfolg werden wir sehen, dass er
dieses Bekenntniss wiederholendlich ablegt.
Nach dieser allgemeinen Vorrede setzte der Dichter eine
besondere, die wir nach unserem Sprachgebrauch als Einleitung-
bezeichnen würden, worin er seine Zuhörer über den Ursprung
des Lebens in der Wüste und der klösterlichen Gemeinschaften
unterrichtet und am Schlüsse seine lateinische Quelle angibt.
Auch diese besondere Vorrede ist für die Geschichte des
Werkes und des Dichters von Werth und Bedeutung.
170 Hie vor waz die cristenheit In manigem riche breit
Da sie nv leider ist zv smal. Man lisct von der aposteln zal
Daz ir zwelfe wären. Die teilten in ir iären
Sich in die kvnecriche wit, Da si binnen derselben zit
Jensit dem mere vn dissit Der Ivte vil bekerten
Diene ist notliwoiHlig- dieselbe, für die er das Passioiial gedichtet hat,
wie wir unten scheu werden, Abschnitt II. ö.
IjRbev das initteldeutsclie Buch der Väter. 77
180 Vn deu gelovbeu lerten Wie si den Cristviu erteu.
Diz bestvnt do mauigen tae Daz der gelovbe wahsen
phlac
Der da vor gesewet was. So ricldich in iijauiger las
Daz er der werlde gvt verfwr (1. verswur) Vü (in) die
wstenungen fvr.
Do wrden einsidelen gvt. Gnvde (? Grnäde) des ge-
lovben blvt
190 So etlichen zierten (1. zierte) Daz si sich ordinierten
Vn mit einander ensampt Vbeten daz gotes ampt
Mit grozem armvte. Do wart dvrch gvte
Manie gioster gestift Von der gvten Ivte gilt
2'' Vber daz gevilde. Verre in wster wilde
Svmeliche kämen Die sich zv samene ovch nämen
Vn dienten mit einander gote. Gar willeclichc in sinu;
geböte
Genvge ir was wil manigen tac, Daz er niht zv sehene
phlac
10 Jeman werltliches oder ieman in. Durch den himelischen
gewin
Was ir mangel groz genvc, Den maneger doch so
dvldec truc
Kehte als im were al da bereit Gemach mit grozer
richeit.
Zv got was ir herce geriht Vii die svze zvversiht
Machte in ir mute (?armut) wolgesmac. Svmelicher cranker
cleider phlac.
20 Der zv den Ivten selten kam, Palmboumes blat der nam
Die er zvsamen näte, Daz was genvger wate.
Zv bettegewanden matten Si da von ovch hatten.
Obez vrvht vn crvte Die spisten manigen gotes trvte.
Si mvsten ovch die brvnnen graben Obe si wazzer
wolten haben
30 Die wazzerfluz niht heten. Svmeliche wären bi den steten
Bi den si sich betrugen. Was got an in genvgen
Von genäden wnders hat getriben, Des wart ein teil
doch geschriben
In criescher (sie) zvngen. Dvrch got, dvrch bezzervngeu
Wart ez da zv latine bräht. D'jsselben ist ovch mir gedäht
78 Haupt.
40 Daz ich (dvrch) got vf gvten sin Zv dvte sagen wil
von in
Etteliche nutze mere. Nv wise min leitere
Jliesu getrüwer lettesnum (1. leitesman) ' Wand ichz durch
dich wil grifen an.
Die erste Legende, womit der Dichter sein Werk er-
öffnet, ist die des h. Antonius als des Stifters und Erz-
vaters aller Einsiedler. Er folgt aber nur stellenweise der
Biographie desselben, die Äthan asius von Alexandria
griechisch verfasst und Evagrius von Antiochia ins latei-
nische übersetzt hat.- Gleich nach capp. I -III, die er hier
frei genug bearbeitet hat, schiebt der Dichter ein Stück ein,
wie der Vater aller Einsiedler, um nicht von bösen Gedanken
gequält zu werden, sich mit Handarbeiten beschäftigt, beson-
ders mit Korbflechteroi, die überhaupt eine Lieblingsarbeit
aller Väter in der Wüste war. Hierauf folgt wieder cap. IV
aus der Vita, dann werden einzelne Stücke aus den folgenden
Capiteln ausgewählt, andere aus den übrigen Büchern der
Vitae patrum eingeschoben, so die Geschichte von Pior,
' Der Ausdruck leitesman, der aucli 1, 114 erscheint, ist ein preussischer
terraiuus technieus. Er kommt mit Ausnahme der Mystiker I. 51, 8 nur
bei Jeroschin vor: 17,850. 18,501. 20,094. Vergleiche übrigens in
Scriptores rer. Pruss. die littauischen Wegeberichte II, 062 — 708. Da
begegnet auch der Plural ,leitpslüte', ß70, 681.
2 Ich benütze überall, wo ich mich auf den lat. Text berufe, die , Vitae
patrum studio H. Rosweydi. Editio secunda. Antverpiae 1628. f.'
Diese Sammlung ist in zehn Bücher abgetheilt. Liber I ist «ine Samm-
lung verschiedener Vitae von verschiedenen Verfassern, II und III ist
von Ruffinus Aquileiensis, IV von Severus Sulpitius und
Johannes Cassianus, V aus dem Griechischen übersetzt vom rö-
mischen Diacon Pelagius, VI desgleichen von dem römischen Sub- '
diacon Johannes, VII ebenso von dem Diacon Pasch asius. Bis hieher
reicht der alte Grundstock der Vitae patrum, wie dieselben im
Mittelalter gelesen wurden. Für die Bücher VIIT — X oder die Bücher
des Palladius von HeUenopolis, des Theodoretus und Johannes
Moschus lagen im Mittelalter andere Bearbeitungen den Lesenden
bereit, als die Rosweydi us in seine Ausgabe aufgenommen hat. Die
ältesten Ausgaben, sowie die sämmtliclien Hss. der Vitae unterscheiden
sich sehr bedeutend nach dem Inlialte und " Umfange. Ueber diese
Unterschiede hat II. Rosweydius weitläuftig gehandelt 1. c. Prolegora.
XVII— XXIV, pag. LVII— LXXXII.
Ueber das iiiittokleutsehc Hucli ilor Viltor. 79
einem Seliülcr des h. Antuuins aus üb. ITI. cap. XXXI
(Leipziger Hs. 9" 11 7— 10" 42). Mit der Leg-ende des h. An-
tonius ist die des h. Paulus primus heremita verbunden, ,
deren Verfasser im lateinischen der h. Ilieronymus ist. Da
nun diese Vita Pauli primi heremitae vom cap. V eig-ent-
lich mehr vom h. Antonius als von Paulus erzählt, so sieht
man deutlich, dass der Dichter alles, was er in den verschie-
denen Büchern der Vitae patrum über den h. Antonius
vorfand, zu einem Ganzen vereinigen wollte. Dies unterliegt
um so weniger einem Zw^eifel, als er nach der Geschichte des
Paulus primus heremita wieder andere Stücke aus dem
lib. II et III über ungenannte Einsiedler, über Amnion,
über Paulus Simplex beibringt, immei- aber nur solche, in
denen der h. Antonius eine Rolle spielt. Mit einem Worte,
der Dichter hat aus den über die X libri der Vitae patrum
zerstreuten Anecdoten vom h. Antonius eine grosse Legende
zu bilden versucht.
Wir können leider nicht mehr entscheiden, wie weit
diese Bemühung vom Erfolge gekrr>nt wurde, denn die Leip-
ziger Hs. bricht, ohne einen eigentlichen Abschluss der Le-
gende zu geben, 17'^ 195 phitzlich ab. Es ist nicht wahr-
scheinlich, dass der Dichter sein Work nicht vollendet habe,
es muss vielmehr in der Vorlage der Leipziger Hs. schon
eine Lücke gewesen sein. In der Leipziger Hs. deutet
äusserlich nichts auf eine solche Lücke, im Gegentheil es folgen
auf demselben Blatt noch die fünf ersten Verse der Vorrede,
womit der Dichter den zweiten Theil seines Werkes einleitet.
Ueber diese Lücke und den Inhalt des Lib. I. der Vitae patrum
mehr unter I. 4.
2. Wie gesagt folgt nach der abgebrochenen Legende des
h. Antonius die Vorrede des zweiten Theils, sie lautet:
17''196 Svs wollen dö in gotes namen Die einsidelen lobe-
samen
Nach der tode wart er (1. ir) nie. Mit den was got als
er was e
Mit den andern gesin. (18'') Des heiligen geistes schin
Irlvhte dar nach ie den man Daz er Ivterkeit gewan.
Sich breite der tvgende schar In der wste her vud dar.
gO Haupt.
In clostern vnd in clvsen Vnd in der stete hvsen.
Daz gotes iiwer an in bran Wan ez enzvndet luani-
g-en man
1 1 Der die werlt werden (?) liez. Dvrch den himelischen
geniez
Sie svliten manic enge hol, Da in doch was mit g-ot wol.
Etswä was ir vil ensampt Die vbeten alle gotes ampt
Eintrehtec vnd reine. Svmelicher was al eine
Dem idoch got stete was bi. Etswä zwen oder dri
21 Ir were minner oder me Si vlizzen sich vf g-otes e
Mit vnvelschlichem sinne Eintrehtic in der minne.
Dar nach in einer zit g-eschach Daz man ein teil In'vder
sach
Von Jerusalem vz gän Jn gvtem sinne vf gvten wan,
Daz sie die alden veter gvte Beschouweten vnd ir demvte,
31 Vnd daz sich merte ir seiden vruht Von ir lere vnd von
ir zvht
Vnd von ir reinem bilde. In der wsten wilde
Vil hohen vngebanten stic Manige lange crumme wie '
An grozer arbeitlicher phlege Griengen sie mit vnwege
Vber gebirge vnd vber tal. Bi wilen waz ir wec smal
41 Der si idoch so verre trvc Daz sie des vunden genuc
Dar vmbe ir iegelicher vz quam, Do div vart ein ende nam
Sin gvte ir einen dar zv treib Daz er vf bezzerunge
schreib
Swaz sie hörten vnd sän, Daz in e wart kvnt getan
Von der reinen veter mvnt, Als iv hie sal werden kvnt.
So weit leitet der Dichter ein, mit den folgenden Versen:
Er sprach, ich wil dvrch nvtz iv sagen Wie vns in den
selben tagen
Geoffebäret (sie) vil gvtes wart. Wir qvämen an der
ersten vart . . .
beginnt bereits die Uebersetzung des Hb, II der Vitae pa-
trum oder ,Kuflini et Melaniae peregrinatio^ Auch dieser
zweite Theil i§t so treu oder so frei behandelt als der erste;
1 Schwerlich in stec : wec zu ändern, vgl. awicki, giwicki Graft' 1. 671.
waltwicke J e r o s c h i n 24, 749.
Uelipi- (liis mitteldeutsche liiuli der Viiter. 81
die Eigennamen werden, wo es nicht jene d(?r Altväter sind,
g-enieinlieh unterdrückt, jj-anze Oapitel ausg-elassen , die bei-
behaltenen umgestellt und ein Stück aus einem anderen Buche
eingeschuben. Welche Capitel ausgelassen und wie durch-
gi'eifend die beibehalteueu umgestellt wurden, zeigt folgende
Tabelle :
^r., ^ , T -1 TT ßucli der Väter
Vitae Fatrum. Lib. 11. , tt
L. lis.
Cap. I. De S. Johanne 18'53 - 2ÖMG4
IL De Hör 48M77 — 50" 5G
III. De Ammone
IV. De Beno 54^8 1 — 54^o3
V. De Oxyrhyncha civitate 31^08 — 31''177
VI. De Theone 48''83 - 48' 17G
VII. De Apollonio 31''177 — 39^2
VIII. De Ammone 39M3 —40103
IX. De Coprete presbytero et
patre Mutio " 40' 104 — 45^85
X. De Svro abbate, Isaia, Paulo
et Anuph
XI. De Helene
XII. De Elia
XIII. De Pithyrione
XIV. De patre Eulogio
• XV. De Apelleu presbytei-o et
Johanne "^ 25"* 165 — 26M78
XVI. De Paphnutio 2G"179 — 31''31
XVII. De monasterio abbatis Isidori 54'' 154 — 55'' 77
XVIII. De Serapione presbytero
XIX. De Apollonio mouacho et
martyre 50''57 — 52'' 17
XX. De Dioscoro presbytero
XXI. De monachis in Nitria com-
morantibus • Ö2"18 — 52"91
XXII. De loco qui dicitur Cellia r)2"92 — 52" 139
XXIII. De Ammonio '
XXIV. De Didymo 52M40 — 52" 159
XXV. De Cronio
XXVI. De Ürigeue
Öitzb. d. phil.-liist. Ol. LXIX. Bd. 11. Htt. • 6
55*^78
— 5G"153
45" 18(3
— 48"^ 82
3r32
— 31' 113
31' 114
— 31" 157
82 Hauvt,
Buch der Väter
Vitae Patrum Lib. II. j^ ^Is
Cap. XXVII. De Evagrio 52M60 - 52M89
XXVIII. De duobus Macariis et primu
de Macario Aeg-yptio seu
seniore
XXIX. De Macario Alexandrino seu
iuniore
XXX. De Amraone priino Nitriae
monacho 52M90 — .54^S0
XXXI. De Paulo simplice
XXXII. De Piammone presbytero 56" 154 — 57"^ 94
XXXIII. De Joanne 58''34 — öS'^öT
Epilogus 58"^ 58 — 59*^89
Ordnet mau die vom Dichter bearbeiteten Capitel nach
der Reihenfolge in seinem Werke, so ergibt sich folgende
Tabelle:
Buch der Väter L. Hs. Vitae Patrum Lib. II.
18'^ 53 — 25M64 Cap. I.
25*^105 — 26n78 XV.
26^79 — 3r31 XVI.
3r32 — 3ril3 XIII.
3ril4 — 31M57 XIV.
31M58 — 31M77 V. •
3in78 — 39" 12 VII.
39'' 13 — 40^103 VIII.
40M04 — 45^85 IX.
45M86 — 48"^ 82 XL
48*^83 — 48^76 VL
48' 177'— 50^30 IL
50*^57 — 52-17 XIX.
52" 18 — 52*^91 XXI.
52'' 92 — 52" 139 XXII.
52" 140 — 52M.59 XXIV.
52" 1(30 — 52" 189 XXVII.
52" 190 — 54''80 XXX.
54'' 81 — 54" 153 IV.
54"154 - 55M77 XVIL
üeber Jas inittelileutscho l'.ucli der Väter. 1^3
Buch clor Väter L. Hs. Vitae PatVuni Lib. II.
55" 78 - 5G"153 Cap. X.
5G"M54 — 57^94 XXXTI.
57^95 — 58\33
o8='34 — 58'^57 XXXIII.
58"^ 58 — 59'^ 89 Epilog-us.
Diese Unistclluno; der einzelnen Capitel so wie der
Mangel der übrigen wird sicli in keiner alten Hs. der Vitae
patrum nachweisen lassen, der Dichter hat dies alles will-
küi-lich so geordnet. Welche Absichten ihn darauf geführt
liaben, entgeht uns gänzlich ; ästhetische Gründe, die ihn ander-
wärts bewogen, seinen Stoff mit voller Freiheit zu behandeln^
kommen hier g-ar keine in Betracht, da es ihm einerlei sein
konnte, in welcher Reihe die geistlichen Anecdoten auf ein-
ander folgten. '
Diesen zweiten Theil oder ,Kuffini et Melaniae peregri-
natio^ schliesst der Dichter mit dem ziemlich genau übersetzten
Epilogus ab, die vier letzten Verse lauten:
59'' 86 — 89 Des sie im immer mere Lob werdekeit vnd ere
Ewigeclichen svnder drvm In secuhi seculorum.
8. Unmittelbar schliesst sich an in der Leipziger Hs. des
Dichters Vorrede zum folgenden oder dritten Theile seines
Werkes :
59" 90 8ehte (sie) nv hau ich vch geseit Als ich von ers
hete vf geleit
Vnd g-etihte zv dvte Daz die gvten Ivte
Hurten vnde sähen. Als sie selber iahen,
Die von Jerusalem giengen Vnd groze swerde en-
phiengen,
Daz sie die alden veter gvt Beschowten an ir demvt
IUI Dvrch uvtz dvrch bezzeruns'e Dei- tvö-ent mervno-e
O O ~
Als ich da vor gesaget hän. Da sie den wec griffen an.
Swie njir ez wisete daz latin (Der mere ist keinez
min)
leli liän anders niht getihte (1. getihtet) Nocli zv dvt(t
berihte (1. berihtet)
6*
^4 11 ■■<■ » i> t-
Daune als ich in dem bvehe vant Daz vitas patrum
ist genant.
1 1 1 Noch volg-ent mere harte vil die ich in dvtsch berihten wil
Dvrch g-ot vnd dvrch alsulhe site, Daz sich ein ieglicher
mite
Bezzer swer sie höre lesen. Ich vveiz wol harte nvtz wesen
Den Spiegel vor den ovgen haben, Wan dar an ist vil
dräte entsaben
Waz man waschen sal bisit: Svs weiz ich wol daz diz
bvche git
121 Manie rein bispel. Swen niht hindert daz vel
An des herben gesiht Der mac wol werden drvz berilit,
Wie er-, sich zieren an tvgenden sal Vnd bewaren der
^ svnden val.
Swaz ich noch vurbaz schribe Ob ich gesvnt blibe
Die mere ich in dem bvche ovch vant Daz vitas p a t r u m
ist genant.
131 Dvrch rehte bezzervnge In criescher (sie) zvnge
Wurden sie hie vor geschribeu, Vnd in der zvnge lange
bliben
Vntz sie in gvter andäht Zv latin wurden brüht
Von zwein die genant wären svs Johannes vnde Pe-
1 a g i V s,
Zv Röme was ir beider wesen. Pelagius phlac aldä
lesen
J41 Daz ewangelium in der zit Wan er dar zv was gewit,
Johannes svbdyaken was, Als ich ez an den bvchen las,
Die hau ez in latin geschriben Daz manigen (sie) vir-
borgen bliben
Der niht latin virstat. Ol) lihte anderswä nv hat
Jeman diz bvche getihtet Vnde in dvtsch berihtet
löl Des enkan ich wizzen niht. Swie mir der sin dar vf gilit
Den mir got hat gegeben, Des wil ich an den meren leben
Minem lierre zv lobe. Mich hat ir Ivge vnd ir clobe
Bestricket leider also vil Daz ich ez immer clagen wil,
Vnde dvrch die bezzervnge Sal vch hie min zvnge
Mit warheit bedvteii Von den gvteu Ivteu
üpher flas mitteMeutsi'he H\irh 'Ipv Vätfr. f^,5
Di die vnwarhoit vlvlien Vnd sich von idcr worll zvhen
Daz sie die wailicit Dil viilvrn. Daz niac man an ir
loben sjwrn.
Herre got nv leite mich Wan ich vinnac niht svndev dich !
Mit dieser Vorrede leitet der Dichter eine Blumenlese
aus den Libb. III — VIII der Vitae patrum ein, die er selbst
als ein ,Bueh der bispelle' ansieht. So wenii»- er früher der
Ordnung seiner lateinischen Quelle folgte, eben so wenig lässt
sich der Dichter in diesem dritten Theil seines Werks von
derselben leiten, Sprüche und Erzäldungen jedei- Ai-t stehen
nebeneinander, die Eigennamen werden auch hier meistens unter-
drückt, und nur jene der Einsiedler zum Theil geschont. Das
Ganze ist nur mit Mühe zu bewältigen, die einzelnen Stücke
auf die lateinische Quelle zurück zu führen, ist äusserst schwierig.
Wer es versucht, findet bald, dass er sich nicht einmal auf
die stehen gebliebenen Eigennamen so ohne weiteres verlassen
darf. ' So bricht die Leipziger Hs. mit der Legende vom
oselhütenden Löwen ab, die hier und im P a s s i o n a 1 ed. K ö p k e
509 — 75 — 513, 35 vom h. Hieronymus erzählt wird, während
die Geschichte in den Vitae patrum Lib. X, cap. GVII auf
den abbas Gerasimus lautet. Ueber das merkwürdige
Verhältniss beider Bearbeitungen dieser Legende im Buch
der Väter und im Passional komme ich unten zurück.
Nachdem diese Legende mit dem Verse 142' 134 (Vns
(1. unz) an ir iegliches tot) geschlossen ist , beginnt mit dem
folgenden Verse 142'' 135 ((3 wol dir wart kvscher ivgent) die
Vorrede zur Legende von der h. Euphrosyna, diese so wenig
als die in der Leipziger Hs. noch folgende von der h. Pelagia
können zu dem Buch der Beispiele gehöi'cn, da jede mit einer
besondern Vorrede ausgestattet ist.
' Um eine Probe zu geben, wie der Dichter mit seinem Texte Tiins])ring't.
will ich einige der von mir aufgefundenen Stücke hersetzen. Aus dem
Lib. III. auctore Ruffino Aquilejensi sind entnomiuen fiO'' (vi —
61^ 164 = 29, 22, 38, 66 62" 37 — 67- 1« = 26, 102, 35, 43, 42, 41,
21. 23, 40, 47, 45, 50, 53, ,58, 62 67'^ 57 — 72« 32 = 56, 73, 76,
77, 90, 78, 83, 85, 86, 89, 97, 98, 107, 110, 117, 118, 120, 124, 134, 1.50,
155, 158, 161 72'' 61 — 73'' 84 — 171, 172, 17.3, 174, 175. 178,
183 u. ,s. w. Man sieht, der Dichter hat wirklicli nur ausgewählt. Wie
er mit diesem Buche verftiln-, verfuhr er aucii luit den .-UKh'rn.
gß Haupt.
80 ohne weiter ein Wort zu verlieren, hat kein Dichter
des Mittelalters, in welcher Sprache er auch schreiben mochte,
sein Werk in die Welt geschickt: am allerwenigsten wird es
der unsrige gethan haben, der sein zweites grosses Werk, das
Passioual , mit einer Fülle von Vorreden und Nachreden aus-
gestattet hat. Ja, wir sehen dasselbe auch im Buch der Väter:
nach der allgemeinen Eintheilung kommt die besondere zum
ersten Theile ; der zweite Theil ist wieder mit einer solchen
versehen und zugleich mit einer Schlussrede, die in die Vor-
rede zum dritten Theil überleitet; da sollen wir glauben, dass
der Dichter den ersten und dritten Theil ohne ein solches
SchlussAvort gelassen habe? Unmöglich! Der Schluss ist bei
beiden verloren, d. h. die Leipziger Hs. ist auf eine bereits
zertrümmerte Vorlage zurückzuführen , wahrscheinlich haben
derselben ganze Lagen und Blätter gefehlt. Will man sich den
Inhalt der Leipziger Hs. übersichtlich ordnen, so ergibt sich
folgende Tabelle :
L Vorrede des ganzen Werkes
Vorrede zum h. Antonius
Leben des h. Antonius
Schlussrede fehlt.
IL Vorrede zur Reise in die Wüste
Beschreibung der Reise
IIL Vorrede zum Buch der Beispiele
Buch der Beispiele
Schlussrede fehlt.
IV^. Leben der h. Euphrosyna
Leben der h. Pelagia
Man kann um so sicherer annehmen, dass die Schlussrede
von I und III fehlt, da der Dichter schon in den Vorreden zu
II und III die auch im Passional vorkommende Eigenheit
hat, auf den bereits abgehandelten Theil einen Rückblick zu
werfen und den Plan des nächsten Theik^s mitzutheilen, so in
der Vorrede zum zweiten Buche des Passionais ed. Hahn
154,59 — 155,63; in der zum dritten Buche des Passion als
ed. Kfipke 4, 87 — 6, 12 recapitulirt er die beiden ersten und
entwirft das dritte.
VI
- I"168
1"169
— 2" 44
2" 45
17" 195
17"196
18"49
18" 50
- 59 '89
59" 90
— .59" 167
59" 168
— 142^34
142M35
152" 30
152" 31
158^94
Ueber das TOitteldeutschp Buch 'Ipv Väter.
87
4. Die beiden zuletzt erwähnten kleineren Legenden sind
ebenfalls aus dem Lib. T der Vitae patrum ii^enoramen.
Ausser diesen beünden sich in den übrigen triunvncrhaften IIss.
des Buches der Väter noch andere, so in der Mcrancr und
F r a n k f'u r t c r die vom J ünglinge A b r a h a m und von
Eustachi US oder Placidus. In der Hamburger Hs. steht
die vom Jünglinge Abraliani neben solchen, " die nicht aus
den Vitae patrum genommen sind, worüber im Abschnitt 111.
Stellt man den Inhalt des Lib. I. der Vitae patrum
und die Legenden neben einander, die wir von dem Dichter
besitzen, so ergibt sich folgende Tabelle :
\Vitae Patrum Lib. I.
Virornm :
Vita S. Pauli primi Eremitae
S. Antonii abbatis
S. Hilarionis monachi
S. Malchi captivi monachi
Ö. Onuphrii eremitae
S. Pachomii abbatis Tabennensis
S. Abraham eremitae
S. Basilii Caesareae Cappadociao
archiepiscopi
8. Ephraem Syri diaconi Edcssac
S. Simeonis Stylitac
S. Joannis Eleemosynarii
S. Epicteti presbyteri etS. Astionis
monachi
S. Macarij Romani serui Dei qui
inuentus est iuxta Paradisum
B. Posthumii patris quinque mil-
lium monachorum
S. Frontonii abbatis
S. S. Barlaam et Josaphat.
^Mulierum vero XI:
S. Eugcniae virginis ac martyris
S. Euphrasiao virginis
Bei unserem Dichter
Buch der Väter
Buch der Väter
Buch der
Väter
Passional
ed. Köpke
rj(i 137
Passional
ed. Köpke
137-147
Passional
ed. Köpke
471—478
Buch der
Väter
Buch der
Väter
Passional
ed. Köpke
539-544
Buch der
Väter
Buch der
Väter
Passional
ed. Köpke
305—307 '
QQ Haupt.
S. Euphrosynae virginis
S. MariaemeretricisneptisAbrahae
ereniitae
S. Thaisis meretricis
S. Pelagiae meretricis
S. Mariae Aegyptiacae meretricis
S. Marinae virgiiiis
S. Fabiolae
S. Paulae Romanae viduae
S. Marcellae viduae.
/
Der Dichter hat somit Stücke, die eigentlich in das Buch
der Väter gehören, in sein späteres Werk aufgenommen,
nicht ohne sie früher umgearbeitet zu haben. Von einem Stücke
st es zu erweisen, das in dem Buch der Väter eine selbst-
ständige kleine P^rzählung ist, im Passional aber ein Stück
der Legende vom h. H i e r o n y m u s bildet , ein Stück, dessen
schon oben gedacht ward.
Der Anfang dieser Geschichte vom eselhütenden Löwen
ist aus einem Blatt der Frankfurter Stadtbibliothek gedruckt
in M o n e s Anzeiger VIII, 341 . Ein Pergamentblatt von 1 36 Zeilen,
das aus Hoffmanns von Fall er sieben Besitz in die k.
Bibliothek zu Berlin übergegangen ist, wird von Köpke 1. c.
pag. XIV mit dem Passional 509, 89—510, 56 verglichen,
Avobei sich höchst bedeutende Unterschiede ergeben. Goedeke
hat dasselbe Stück aus M o n e s Anzeiger in ,Deutsche Dichtung'
(Hannover 1854, 8° S. 197 ff.) abgedruckt und bemerkt darüber
im Register S. 968 unter Hieronymus: ,Der dritte Theil
des Passion als Köpke 509 ff. stimmt im thatsächlichen
überein, doch sind die Abweichungen der Form zu bedeutend,
als dass man den Hieronymus S. 197 für ein Bruchstück
aus dem Passional selten lassen könnte.' Goedeke hat
' Es ist also (Inrcliaus falsch, wenn Zingerle (Sitzungsberichte Bd. LXIV,
S. 153, 154) behauptet, dass unser Dichter mit ängstlichem Sinne die
Legenden von h. Einsiedlern aus sehicm Leben der Heiligen ausschloss!
Auch ist das Buch der Väter vordem Passional und nicht nach dem-
selben gedichtet, die Erklärung seiner falschen Annahme 1. c. S. 154.
somit abzuweisen.
Uelier das mitteldeutsche Buch der Väter.
89
Recht, zum Passinn al g:ohnrt das Stück nicht, aber von dem-
selben Dichter i-ührt es her, der sich selber ausschrieb und
nicht ohne filück.
Buch der Väter L. Hs.
Mn-- 120 Man liset v:on sente
Jeroniino
Daz sichz zeimal vu-
gete also
Do er in sinie kloster
saz
Dvrch ^ot sanc vnde
las
y Mit brvdern die man
bi im sacli
125 Ri Bethlehem ez ire-
schach.
Ez ist von dem (1. den)
geschriben sit
Die doMareninderzit
Jeronimus der reine
Hin abe in der eine
1 30 Saz mit brvdern genvc.
Da er dvrch got sich
betruc.
Eines tages in der
spate
Do sich der convent
bäte
Gesamt als in geboten
was
1 35 Vnde man in von gote
las
Als ir gewonheit was
getan,
Do quam zv der tvr
in gän
Ein grozer lewe vnde
hanc,
Passional ed. Köpke.
509, 7(i Nu lat mich hie enbin-
nen sagen
ein süberlichez wunder^
daz ijn albesunder
in dengeziten geschach,
••^O do man in alda wes(M"i
sach
an demselben amte.
zeimal zu liouf sich
samtc
der convent an der späte
als (er) die gewonheit
häte,
85 von gutes lere man do
sprach.
l)inncn des und diz ge-
schach
nach ir aller willekui,
do quam cm lewe in
zur tiu'
vollen müde undekranc,
90
Haupt.
Vf drin beinen was sin ganc
1 40 Daz vierde bein enpor hinc.
Als er zvr tvr in gienc
Der brv.dere vloch bisit
(genuc)
Wan si ir crancheit vcr-
truc.
Jeronimus sich nilit enbarc,
145 Wan er was des herzen
starc,
Dar inne got ovch büwete.
Hievon im niht gerüwete
90 uf drin beinen was sin ganc
daz vierde bein enporhienc.
als er zur tur in gienc
der brudere vloch besit
genuc
wand si ir kraneheit ver-
truc.
95 Jeronimus sich niht enbarc,
wand er was des herzen
starc,
dar inne got ouch büwete.
hie von im niht engrüwete
(1. grüwete)
Ebenso wie der Anfang, ist die Mitte und das Ende 'mit
feinem kritischen Sinne umgearbeitet und ausgeschrieben, ich
will noch den Schluss von beiden Texten hersetzen.
512, 82 Jeronimus der aide
hub sie üf wol balde
minneclichen er zu in
142'' 51 Jeronimus der aide
Hvb sie vf vil balde
Minneclich er zv im
(1. in) sprach:
,Habeto vreude vnde
gemach !
55 Ez si vch gentzlich vir-
geben.
Tdoch svlt ir vurbaz
leben
Daz ir behaldet vwer
gut.
Lat ander Ivte vngemut
So mvget ir vrides wer-
den vro.^
60 Zv den brvdern sprach
er do
Vil gvtlich wan daz was
sine site :
jTeilet in vnser spise
mite
sprach :
85 ,habet vrevde und ge-
mach !
ez si vergeben üchalso.^
zu
,11
sinen brudern sprach
er do :
sult die nuiden geste
laben,
und als sie mit uch gezzen
haben
TIelier das mitteldeutsrhp Buoh der Väter.
91
Daz sie sicli nacli der nivde
Iahen,
Viule alf> sie dannc gezzen
haben
65 86 geböte ir (1. gebet in)
allez daz ir si
Vndc lät sie heimzogen vvi.'
Die geste sprächen: ,höre
ein teil,
Vch ist öley niht wol hie veih
Vater, tv ez nv dvrch got
70 Vnde dvrch der notdurft
gebot,
Laz vns gar daz oley
Teilen hie geliche entzwei,
Daz nini halb, ir bedvrft
es baz
In der kirchen lainpenvaz
75 Vnde maniger wis vch dvrch
gemach.^
Der aide wider sie do sprach :
,Ir svlt werden kvni gewert
Wan ir niht rehte habet gc-
gert,
Daz miue brvder wurden
<S0 Vch ZV sweren bürden
Vnde nemen vch i'iwereliabe .
Ez vnget sich niht, lät dar
abe.
Vnz (1. uns) sal geben baz
gezenien
Danne vrenide gäbe nenien/
85 jNeinä herre' sprächen sie
,Wir läzcn ez wcrlich allez
hie
UO so gebet m wider swaz ir si
lind lätsie heim wandern vri.'
die geste sprächen : ,h6re
ein teil,
üch ist olei nilit wol veil.
des 1A nii gar diz olei
95 teilen wol jj-elieh enzwei
und nemet ez hin durch
gemach.'
der aide gutlich zu in sprach :
,ncin lieben kint lät dar
abe !
5K5, ] wir wollen niht der vrem-
deu liabe,
uns sal geben hie baz
gezenien
danne vrenide gäbe zu
uns nemen.'
jNeinä herre' sprächen
sie,
5, wir läzenz w^erlich allez
hie •
92
Haupt.
Vnde wellen zv vnze hin-
nen ^kn
Vnde diner spise niht en-
pfan,
Ob wii- werden des entwert
00 Des wir lian an dich gegert.
Wil dich des niht gezemen
Daz dv ez halbez wollest
nemen,
So wizzest al da bi vurwäi-
Daz wir ez lazen bliben gar,
Oö Vnde nimmer niht beruren
Noch von hinnen vuren.
Wiltv ovch nemen den
halben teil,
So dvncket vnz (1. uns) ein
groz heil
Daz wir nemen den andern
100 Vnde so von hinnen wan-
dern,
Dannoch wir vnser vart
loben.
Dvrch diz wunder wir ovch
globen
Daz wir vurwart nimmer
(1. immer) me
Wollen halden als ein e
1 05 Die wile wir vermugen daz,
Daz wir uwer lampenvaz
Belühten mit oleyes gebe
Die wile vnser do (1. de)
keiner lebe/
Jeroniraus der gute man
1 1 0 Mochte von in diz enpf an
. Als wehe als betwungen.
In was doch wol gelungen
Daz sie der lewe niht zu-
roiz.
In dem closter man sich vleiz
und wollen heim zu vuze
gän,
wiltvi sin halb niht enpfan.
daz olei si halb iif dich ge-
schoben,
dar über wir mit willen loben
10 zu behaldene vurbaz
daz wir iiwer lampenvaz
beluchten mit oleies gebe
die wile unser dikciner lebe.'
Jeronimus der gute man
15 muste von in diz enpfän
als wehe als betwungen^
in was doch wol gelungen
daz sie der lewe nicht zu-
reiz.
in dem kloster man sich vleiz
Uebi'i- Jas mitteldeutsche Biicli iler Väter.
93
1 1 5 Da« man ir Iveplichen pflac.
Uo ir Weges zit gelac,
üei- aide o-ab in siuen
20 daz man iV Jiepliclien ptiac.
do üucli ir Weges zit gelac,
der aide gab in sinen segen
und bat got ires heiles
pflegen,
die kuutlüte wären geil,
25 des üleies iren halben teil
nrimen sie mit in also
und wanderten zu liüse, vro
seo"en
Vnde bat got ires heiles
pflegen.
Die kovflvte wären geil,
120 Des oleyes iren halben teil
Nämeu sie vnd die kem-
melin
Vnde swaz ir e was gesin
Vnde wären dannoch harte
vro
Daz sichzgevugethetealsö.
125 Sie vuren heim in der vrist
Vnde lobeten vnsern herren
crist
Daz er sie vf der reise
Von des lewen vreise
Also wol irnerte,
130 Ir dekein des sich werte,
Sie enbelühten vurbaz
Den brvderu dort ir lam-
penvaz,
Daz in ir wille wol gebot
Vns (1. unz) an ir iegliches
tot.
Es ist dies nicht der einzige Fall, wo sich der Dichter
ausgeschrieben hat. Schon M a s s m a u n hat i Neues Jahrbuch
der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache. Berlin, 184().
8**. S. 275) darauf aufmerksam gemacht, ,dass in Buch III des
PassionaIs_, wo im Abschnitte vom heiligen Julian (Sti-assb.
50'' — 52") auch von Juliane dem bösen mit erzälilt wird, ein
grosser Abschnitt aus II (246*' — 247'') wörtlich wieder eingeflochten
wird.' Wörtlich wol nur so wie hier in dem Stücke vom h. II i e r o-
nymus, davon kann sich jeder überzeugen, der die Stelle Hahn
355, 83— 3()2, 94 mit Köpke 155, 63—161, 60 vergleicht.
Es sind dies die grösseren Stücke, deren üebereinstim-
mungeu und Abweiciiungen beweisen, wie der Dichter mit dem
daz sich üf der reise
vor des lewen vreise
30 so wol ir leben ernerte.
ir dekeiner sich des werte,
si'enbelüchten vurbaz
den bruderu dort ir lampen-
vaz,
daz in ir wille wol gebot
35 unz an ir iei-'liches tot.
94 II a u p t.
I
Fortschreiten seiner Werke auch in der Kunst fortschreitet.
80 hucli der eselhüteude Löwe des Passionais über dem des
Buches der Väter steht, eben so hoch übertrifft an feiner
Darstellung der böse Julian im dritten Buche den im zweiten.
Wer nur einen oberflächlichen Blick auf den eselhütenden
Löwen in beiden Recensionen wirft, sieht, dass sich der Dichter
im Verlaufe der Arbeit jenen I^akonismus der Kunst aneignet,
den Göthe als eines der wichtigsten Gesetze ausgesprochen hat.
Ich hoffe, es wird niemand mehr dem Dichter zumuthen, eine
fremde Arbeit überarbeitet zu haben, wie das Godeke 1. c.
eben wegen dieses eselhütenden LöAven gethan hat.
5. In der Vorrede zum zweiten Theile 59*^147 — 150 sagt
der Dichter:
Ob lihte anderswä nu hat
ieman diz bvche ü^etihtet unde in dütsch berihtet
des enkan ich wizzen niht.
Diese Worte können nur bestimmt sein, einen ihm ge-
machten Vorwurf abzuwehren. Offenbar musste er im ersten
Theile solche Stücke bearbeitet haben, die auch schon andere
,in dütsch' berichtet hatten. Welche können dies nun sein?
Ueberblickt man den Inhalt des Lib. 1. der Vitae patiuin,
so fällt zunächst eine Legende in die Augen, die allerdings
schon in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts ist bearbeitet
worden, nämlich Barlaam und Josaphat von Rudolf
von Emse.
Ein deutscher Barlaam und Josaphat, streng und
genau in der Weise des Dichters, ist erhalten und zwar in
einer Hs. der Grafen Sohns zu Laub ach.
Zum erstenmal von derselben hat Nachricht gegeben
Beneke in den G()ttinger gel. Anzeigen Jahrg. 1820 Stück 34,
wo er die Ausgabe des Rudolfischen Barlaam von Köpke
Berlin. 1818. 8°. anzeigt. Weitere Berichte mit der Vor- und
Schlussrede sammt einem Stück ans dem Texte selbst gab
L. Diefenbach , Mittheilungen über eine noch ungedruckte
mittelhochdeutsche Bearbeitung des Barlaam und Josaphat.
Giessen 183G. 8".'
lieber das mitteUleutsclie Buch Jer Väter. 90
Fr. Pfeiffer' erklärt Murieulegendeiii p. XVL, dass
der Verfasser des Passionais und des Pnehs der Väter
,es liebe hie und da im Texte (nicht am Schlüsse von Ab-
schnitten!) Paare von drei g-leichlautenden Reimen sich folo-en
zu lassen' und betrachtet diese Eig-enthümlichkeit allein schon
als einen entscheidenden und vollo-iUtigen Beweis, dass das
Passional und das Buch der Väter von demselben Dichter
hen-(Üire, denn diese Eig-enthümlichkeit sei bei keinem anderen
Dichter wahrgenommen worden. '
In den nicht zweihundert Reimzeilen, die Diefenbach
aus dem Werke mitgetheilt hat, von denen noch überdies die
Verse des Schreibers müssen in Abzug gebracht ^verden, Hndet
sich S. 14 die Stelle:
Zu de die by der zcsewen sint
Nu kojnt min vil liebe kint
Die mine fater geseget sint
Besitzet froliche
Daz ewiac (sie) riche
Vil geweldecliche.
Schon diese eine Stelle mit zweimal drei gleichen Reimen
würde den Beweis herstellen, dass der Barlaam und Jo sa-
phat der Laubacher Hs. mit dem Buch der Väter und dem
Passional den Verfasser gemein habe. Wenn nun jemand
einwenden wollte, dass ein Nachahmer darauf verfallen sein
könnte, so liegen in den wenigen von Diefenbach ab-
gedruckten Versen noch Beweise voi', dass wir es mit keinem
Nachahmer zu thun haben, sondern mit dem Erhnder dei'
■ ,Z\veimal drei gleiche Reime hat sich nur der Verfasser des Passionais
erlaubt' W. Grimm, Geschichte des Reims S. 100—101. ,Nic()laus
von Jeroschin hat sie von ihm gelernt' Fr. Pfeiffer Beiträge zur
Geschichte der mitteldeutschen Sprache und Litter/itiu- S. LH. Zu dem
von Fr. Pfeiffer in den Marienlegenden S. XVI. angeführten Beispiele
hat Zingerle Sitzungsberichte LXIV, 152 ein zweites aus der Leip-
ziger Hs. beigebraclit, nämlicli die sechs Verse aus der zweiten Von-ede
1*^174 — 179. Es Hessen sich noch andere beibringen, wenn es uoth-
wendig wäre, diese allgemein anerkannte Eigenlieit des DicJiters erst
noch weitläuftig zu beweisen. Damit sie übrigens jedermann leicht finde,
will ich die Stellen hier angeben: Crist : ist : bist : schöne : crönc : löne
30'J ü2; treit : ewicheit : clärheit : Syön : Ion : don 30'^ 74; wären : järeu :
enpären : pflägeu : lägen : vrägen 129'^ 105.
96
llllUpt.
dreizeiligen Reimpaare selbst. Ich will diese Verse hersetzen
und, da sie gräulifh verdorben sind, eine etwas gebesserte
Lesung; darneben.
Diefenbach S. 10.
(D) O begunden werden
Closter uff der erden
Manch samenüng-e
Zu den alten die iüngen
Sie lebeten dogentliche
Den eny-elen o;liche
Daz selbe leben wai't irkant
Vbir allez daz lant.
Von cristus geleyde
Begunde ez sich breide
Vnd ez quam in indian
Da begunde ez manyg man
Vbir allez daz riche
Sie lebeten heilecliche
Sie lyszen wyb vnd gut
Sie karten allen eren mut
An daz gotes riche
Sie foren menliche
Vnd mit groszer valde
In die wosten walde.
Do begunden werden
closter uf der erden
manige samenungen.
zu den alden die jungen
5 lebeten tugentliche.
den engelen geliche
daz selbe leben wart erkant.
über allez daz lant
von Cristus geleiten
10 begunde ez sich breiten
unz ez quam in Indian,
da begunde ez manec mau
über allez daz riche.
sie lebeten heilecliche,
15 sie liezen wib unde gut,
sie karten allen iren nmt
an daz gotes riche.
sie füren menliche
und mit grözer einvalde
20 in die wüsten walde.
Diefenbach S. 11 — U. ,
Daz josafates wille irgie
Got daz alsus ane lie
Z waz ein monch vil wise
Vor alter waz er grisze
Sin gespreche daz waz gut
Zu got stunt em al sin mut
Er waz ein prister vz ge-
nomen
An monches leben follenkomeu
Dez selben guten mannes nam
Daz Josafates wille ergie
got daz alsus auevie.
ez was ein munch vil wise,
von alder was er grise,
25 sin gespreche daz was gut,
zu gote stunt im al sin mut.
er was ein priester uz ge-
numen
an munches leben voUeu-
kumen.
des selben guten mannes
nam
Ueber das mitteldeutsche Hucli der Väter.
97
Waz g-eheiszen barlaam.
Sin zelle waz in Sennaar
So ist die gegende daz
war
In einer wostenunge
Von india der zunge
Dem selben g-odes holden
Also ez min drechtin Avolde
Dem wart rechte g-eofFenot '
Alle josafates not
Nicht leng-er er in beite
Zu farene er sich bereite
30 was geheimen Barlaam.
sin zelle was in Sennaär,
ist so ist die gegende daz ist
war
in einer wustenunge
von India der zunge.
35 dem selben gotes holden
als ez nun trehtin wolde
dem wart rehte geoflfenöt
alle Josafates not.
niht langer er eubeite.
40 zu farene er sich bereite.
' Ca}). VI. p. 252 1. V. ,Erat enim eu tempore nionachus quidain dini-
narnm renini peritns vitaqne ac sermone ornatiis atque in omni mona-
stiea vinemli ratione sumraopere versatus, nnde oriundns aut ex quo
genere clicere nequeo, verum in solitudine quadam Sennaaritidis terrae
domicilinm Habens ac sacerdotii dignitate praeditui«. Ilnic porro seni
Barlaam nomen erat. Hie igitur, cum diuino quodam adniijuitu, quonam
statu regis filius esset, comperisset, e solitudine egressus ad cultam et
habitabilera terram profectus est mutatoque habitu suo atque indntis nnni-
danis vestibus et conscensa naui ad Indorum regnuni se contulit ac merca-
torera se esse fingen« in eani vrbem, in qua regis filius ]ialatium habebat,
ingreditur. Permultosque dies illic commoratus, qui rerum ipsius status
esset diligenter exquisiuit et quinam essent, qui pro])ius ad cum acce-
dei-e solerent: cum igitur paedagogum eum, de quo snperius a nobis
nientio facta est, ipsi omnium familiarissimum esse intellexisset, seorsim
eum eonveniens liis verbis vsus est. Scias velim, domine mi, nie
mercatorem esse atque ex longinqua regione venisse eximiique pretii
lapidem habere, cui nullus unquam similis inuentus est, quemque nemini
adhuc ostendi. Tibi autem lioc declaro, (juod te prudentem ac (!ordatiim
virum videam, vt me ad regis filium introducas ipsiqiu; eum donu dem.
Siquidem bona omnia incomparabiliter antecellit. Nam et iis, qui cordis
oculis capti sunt, sapieutiae lucem affert et surdis aures .-iperit et mutis
vocem impertit et aegrotantes in sanitatem ass(>rit et stultos sa])ientia
donat et daemones pellit ac denique quidquid pulchrum et expetendum
est domino suo uberrime suppeditat.'
^ Ich habe diese Stelle hier aus dem alten Texte, wie ihn Roswey-
dius 1. c. et p. gibt, angeführt, weil sich daraus lernen lässt, dass der
deutsche Dichter diesen Text und nicht den des .lacobus a Voragine
vor sich gehabt hat. ferner um zu zeigen, mit w(dcher Gewandtheit der
Verfasser alles Wesentliche der Vorlage in dem Fluss seiner Darstellung
festzuhalten weiss,
riitzb. d. phil.-liist. Cl. lA'IX. l;d. U. Hft. 7
98
Haupt.
Sin minnecllch gewete
Daz er ane liete
Daz det er findere schere
Do beg-und er sich zeren
Mit werntlicher wete
Doch waz der herre stete'
Zu dez meres sande er gie
Einen kel er da gefie
Da für er an vil snelle
Der nionech von der zelle
Da for er froliche
Zu josafates riche
Zu der stat da er wasz
Daz ivngeu koniges palasz
a quam er zu lande
Daz waz ane schände
Da wointe der vil gute man
Die lute er fragen began
Vmme dez iuncherren leben
Vnd wer die waren die sin
plegen
Suiten zu allen stunden
Daz hette er gerne funden
Zu iungest quam ez an die
fart
Daz eme der magezog-e wart
Gewiset der dez kindez plag
Beide nacht vnd dag
er vil alte Barlaam
Den selben magezogen er nam
Da fürt eren besvnder
Vnd sprach ich wil dir wunder
Sagen daz saltu wol virstan
Ich bin ein her bekomen
man
Ich wil dir sagen herre
(?••••, )
Vnch ich bin ein kaufman
sin munechlich gewete
daz er ane hete
daz tet er hinder schiere.
do begunde er sich zieren
45 mit werltlicher wete,
doch was der herre stete.
zu des mers sande er gie
einen kiel er da gevie,
da für er an vil snelle
50 der munch von der zelle,
do für er vroliche
in Josafates riche
zu der stat da was
des jungen kuneges palas.
55 do er quam zu lande,
daz was ane schände,
da wonte der gute man.
die lüte er fragen began
umme des iuncherren leben
60 und wer die weren die sin
pfleg
en
selten zu allen stunden,
daz hete er gerne funden.
zu jungest quam ez an die
fart
daz im der magezoge wart
65 gewiset, der des kindes pflac
beide naht unde tac.
der vil aide Barlaam
den selben magezogen nam,
do fürte er in besuuder
70 und sprach ,ich wil dir
wunder
sagen, daz saltü wol verstau
ich bin ein her bekomen
man
und ich bin ein koufman.
Ueber Jas mitteldeutsche Buch der Väter.
99
Einer slaclite kauff icli kan
Daz ist ein vil edil stein
Glich wart ein (1. im) nie
dekein
Du bist auch der erste man
Dem ich da von g-eset han
Er ist ane masze gut.
Ich wil dir sagten waz er dut
Du bist ein so wiser man
Du kanst ez harte wol vir-
stan
Wer ein blindez hertze hat
Dem tut er tiusternisse rat
Der hat daube oren
Den dut er wol g-ehoren
Die vil edele g-imme
Gyt dem stummen stimme
Die sieben machet sie gesunt
Die dommen wise so zu stunt
Wa so sie belibet
Die dufel sie virdribet
Wer die selbe gimme hat
Dem ist aller sorgen rat.
einer slahte kouf ich kan,
75 daz ist ein vil edel stein
gelich wart im nie dekein.
du bist üuch der erste man
dem ich da von geseit hän.
er ist äne mäze gut.
SO ich wil dir sagen waz er tut,
du bist ein so wiser man
du kanst ez harte wol ver-
stau,
swer ein blindez herze hat
dem tut er finsternisse rät,
85 swer hat toube «^ren
den tut er wol gehören,
die vil edele gimme
git dem stummen stimme,
die siechen machet sie ge-
sunt,
yO die tummen wise sä zustun t,
swä so sie belibet
die tüvel sie vertribet.
swer die selben gimme hat
dem ist aller sorgren rät.
Diefenbach S. 14 — 16.
So iiu komt daz godez kiut
Mit dem die engele alle sint
Unde mit siner magende kraft
Gesitzet an sine herschaft
So wirt der engel schal
So komt für in die wernt al
Dez mag dich wol wondern
^ So heiszet er sie sondern
Die lemmer von den kitzen
Daz tut er mit witzen
95 So nu kumt daz gotes kint
mit dem die engele alle sint
und in siner magenkraft
gesitzet an sin lierschaft,
so wirt (groz) der engel
schal
100 so kumt für in die werlt al,
(des mac dich wol wun-
deren)
so heizet er sie sunderen
die lemmer von den kitzen.
daz tut er mit witzen:
100
Haupt.
Die lemmer sten zu der zese-
wen haut
Die kitzen zu der lincketen
stallt
So sprichct j^ot der riche
Vil geweldecliche
Zu den die by der zeseweii
sint
Nu komt min vil lieben kint
Die minem fater g-esegent
sint
Besitzet froliclie
Daz ewiac (sie) riche
Vil geweldecliche
Daz vch min tater bereit hat
Sider daz dye werlt stat
Ich hatte hunger vnd not
Ir gäbet mir eszen vnd brot
Ir sähet mich vor dorste
krant
Da gäbet ir mir vwor ge-
want
Der mich elende sach
Der nam mich vndir sin dach
Wenne ich waz nacket vn blos
Hei wi gar kleyn ez vch
verdros
Ir gäbet mir gewede
Ir wart an mir stede
Czu myme siechbette
Komet ir vil dicke
Wante ich waz gevangen
Ir komet czvi mir gegangen
So sprechent sa dye güden
Mit eynueldigem nnlde
Wa sahen wir dich herre
105 die lemmer stent zur zes-
wen haut,
die kitzen zu der linken
stant,
so sprichet got der riche
vil geweldecliche
zu den die bi der zesewen
sint:
110 ,nu kumt min vil lieben
kint,
die minem vater gesegent
sint,
besitzet fröliche
daz ewige riche
vil geweldecliche, (V sae-
lecliche)
115 daz ü min vater bereit hat
sider daz die werlt stat.
ich hate hunger vnde not
ir gäbet mir ezzen und brot,
Ir sähet mich vor durste
kranc
120 do gäbet ir mir ür ge-
want ;
der mich eilenden sach
der nam mich under sin
dach;
wenne ich Avas nakt und bloz
(hei wie gar deine ez üch
verdröz !)
125 ir gäbet mir gewete ;
ir wäret an mir stete,
zu mime siechbette
kämet ir enwette;
wand ich was gevangen
130 kämet ir zu mir gegangen/
so sprechent sä die guten
mit einveldigem mute :
,wä sähen wir dich herre
Upber lia.'i mitteldeutsche Buch '\ex V.itor,
101
Nahe adir verrc
Wa sahen wir dieli yn der
11 üt
Wa iii'aben wii- dir unser 1)rot
Wenne ir den armen wartet
Mir selbir ir ez tadet
in rede wirt vil swcre
Czii den sundere
Er sprichet nü varet ir ver-
fluchte diet
Ir eu hat myt mir teilcs nyt
Ir cn sehit mich nummii" mere
So weynent sy vil sere
Sie müszen zii helle
Do wirt ir geselle
Der tieuel da wirt michel not
So sint syc owiclichin dot.
nahen oder verre?
135 Wii sjlhcn wii' dieh in der
not V
wä ji>aben wir dir unser
hrAt ?'
^sweiine ir den armen watet
mir selbem ir ez tätet/
sin rede wirt vil swcre
140 zu dem sundere:
,nu varet ir verfluclite
diet !
ir enhabet mit mir teiles
niet,
ir cnsehet mich nimmer-
mere.'
so wcinent sie vil sere.
14r> sie muzen zu der helle,
da wirt ir g-esclle
der tuvel, da wirt michel
not,
so sint sie ewiclichen tot.
In diesen 148 Reimen kommen Eigenheiten des Dichters
und seiner Sprache in reicher Fülle vor. Ich gebe die folgen-
den Parallelen vorzüglich aus dem Buch der Väter; die
voranstehenden Zahlen sind die der voranstehendcn Verse aus
dem Barlaam.
3. 4 Der vrouwen samcnungc Aide unde junge 120'' 7 —
In einer samenunge er sprach aide unde junge 144'^ 153 —
Beide aide unde junge Ein inichel samenunge 143'^'68 — Beide
junge und aide 60" 125 — Beide jungen und alden SO'^lSö —
Die alten und die jungen 17''80 — Die jungen unde die alden
79^70 — Den jungen und den alden 65" 130 — Daz er uns
junge unde aide 104''58 — An jungen unde an alden 124'121;
137''53, 157^168 — An alten und an jungen 50"41.
19. 20. Nv was ein gvter aide Der an in die einvalde
65n33.
102 Haupt.
23. 24. Aldä die alten grisen An rehter ziiht die wisen
54'* 180 — Von dir alter g^rise Der gute vnd ouch der wise
65*47 _ Do enmohte sich der grise 65*^172 — Ein alder
man grise 139' 144.
27. 2S. sprächen er were vollenkomen an hohen tilgen-
den riz genumen Pass. K. 406, 69.
29 et 57. Sich vuget dasz ein guter man Ein einsidel
quam gegän 62''37 — Ein guter man hiez Amon 71" 149 —
Ein einsidel ein guter man 80"49 — Ein bruder was ein guter
man 8r29 — Zacharias der gute man 130'' 57 — Do bat der
alte gute man 11 9'' 17 — Einen guten alten man 134''39 —
Ez was ein alter guter man 74'' 55 — Ein alte vater ein guter
man 6ri3, 86M68, 110^^7, 114n57, 116M23, 118^7 — Ein
alt man ein einsidel gut 138^8 — Wie ein alt vater gut
122^68 — Ein gute alt vater sprach 78" 5 — Nu was ein
guter aide 65" 133 — Ez sprach ein alter Vater gut 73'' 141,
126" 151 — Ein guter alt vater sprach 120^91 — Ein guter
alt vater pflac 31" 173 — Ez ist ein alter vater gute 70''97.
33. In einer wustenunge wit 25" 1 72 — In die wustenunge
alhie 53" 1 24 — In die wustenunge er vloch Durch got sich
von den luten zoch 10'' 51. — Wegen des Reimes wustenunge:
zunge vergleiche man : Von dirre manunge Der sich sine
suze zunge 154^*39 — Zu im durch bezzerunge Sine honic-
mäze zimge 15" 200 — Durch unser bezzerunge Swaz man
mit der zunge 20^143 — Mit meisterlicher zunge An valschor
dütunge 44" 155 — In latinischer zunge Wände sulher du-
tunge 44"^ 19.
35. Der edele gotes holde 43" 106 — Daz der gotes
holde 20mi — Do nam der gotes holde 101"159 — So saz
der gotes holde 76^6 — Do wart der gotes holde 18" 117 —
Doch was der gotes holde 20" 124 — An den gotes holden
11 8" 69 — Johannen! den gotes holden 69'' 10 - Die reinen
gotes holden 36M84, 37" 98, 38" 160, 51" 70, 55"99 - Die die
gotes holden nuien 82'' 79 — In alle gotes holden 79' 1 9 —
Denselben gotes holden 25" 180 -- Mit den gotes holden 99^ 94.
37. 38. Zum Reim geofFenot : not vei-gleiche man: Ir
antlitze ir gemute Vil gar bleib unvirwandelot Als in ir tugent
do gebot 65" 157.
, Ueber das mitteldeutsche Buch 'ler Vätev. 103
49. 50. Vnd ilotc vil snolle Hin zu PhhIus celle \Vb\
— Tax bliben in der ccllc Durch dci- siindcn snelle 20'' 193 —
Ob er indert da gcwar Wrde keiner ccllc. In der selben snelle
24'' 170 — Äne sunien snelle Her liindor iiz der ccllc 29' 201
— Der vurtc in harte snelle Des waldcs in die ccllc 30"^ 100
— Swie er mohte snelle Hin zu des aldcn celle 48*1. u. s. \v.
59. 60. Zum Reim , leben : pflegen' vergleiche man: Wan
si des weges mudc Niht wol vurwart entruge 139'' 164 — dann
^gelouben : tougen' Pass. H. A, 33 und , schaden : getragen'
Pass. H. 71, 81.
101. 102. daz sichs der wirt ouch wunderte, der kranke
in sich do sunderte Pass. K. 1 55, 39. Dreisilbige Reime begegnen
den drei Büchern des Passionais auf allen Seiten. Man hat
sie beseitigen wollen, wenigstens solche wie ubete : trubete,
gnlwete : rüwete : büwetc u. s. w,, die auch im Buch der
Väter erscheinen. Ein Licblingsreim des Dichters im Pas-
sional ist anderen : wanderen, im Buch der Väter steht
derselbe 5"^ 145, 8'^65, 25^31, 26^33, 40" 152, 42M24, 50\55,
60M4, 64'^ 55; 65^25, 70' 111; oder wanderen : anderen 16n6,
38" 157, 45" 188, 55''38 und noch oft. 46" 142 steht ,Loufen
ein teil eilende Die liefen harte snellende' zu welchem mir
kein Seitenstück im Passional bekannt ist.
105. 10(i. Zum Reime haut : stänt vergleiche: Mit der
tugende hoffenunge haut In daz riche vaterlant 38''57 — Daz
du und alle die hie stänt Und höret min rede zuhant 51" 51.
124. So auffallend es ist, wenn Christus hier die Ge-
rechten mit Hey so recht volksmässig anredet, ohne Beispiel
ist es nicht, weder im Passional noch im Buch der Väter.
Hey du munch du miinchcs name 22' 105 — Hei dürftige sich
dar an 25" 35.
125 — 128. Zwei Reimpaare einander folgen zu lassen,
deren eines langen das andere kurzen Stammvocal hat, gehört
zu den Eigenheiten des Dichters. Dem vorliegenden Falle
ganz gleich ist quämen : nämen : lichamen : namen 31*28. Zwei
solche Paare mit stumpfem Reim sind natürlich häufiger. Ich
habe mir angemerkt: stat : mat : vervät : zugät 61" 145 —
gebot : got : not : gebot 82" 19 — brot : bot : got : gebot 25'^57
— tot ; gebot : got : gebot 150M9 — not : tot : got : gebot 151*1
— drin : schin : hin : gewin 44'' 123 — sin : min : in : hin
104
II II u p t.
42*174 — sin : swin : sin : hin 97^45 — sin : hin : sin : drin
119<ii85 _ hin : in : min : sin 75^' 13 — hin : in : min : din
I50n33 — strit : wit : smit : lit 25'' 171. — Verwandt mit
diesen Reimen sind näte : wate : matten : hatten 2''31 — spil :
zil : wile : pfile 92\55 — site : mite : zit : pflit 146^23.
Wenn also auch nur einiger Verkss ist auf Styl, Sprache,
Reime u. s. w., so ist der ßarlaam und Josaphat in der
Hs. der Grafen Solms zu Laubach vom Verfasser des Pas-
sion als und des Buchs der Väter gedichtet. Diefeii-
bach sagt nichts von einem Namen des Verfassers, aber
Beneke gibt 1. c. an, dass der Dichter ein Bischof Otte
genannt werde. Haben wir mit diesem Bischof Otte den
bisher unbekannten Dichter?
Die Ergebnisse dieses Abschnittes lauten:
1. Die Leipziger Hs. des Buchs der Väter ist nicht
vollständig. Es scheint, dass schon die Vorlage des Schreibers
eine trümmerhafte war, es ist jedoch auch mciglich, dass die-
selbe vollständig war, der Schreiber aber nur eine Auswahl
getroffen hat, wie das auch der Fall ist mit der Königs-
berger Hs. X. gegen XLIII. Zeitsch. i Bd. XHL S. 560.
2. Der Dichter selbst hat den Text der Vitae patrum
nur als freien Stoff betrachtet, und alles gleichartige zusammen
zu fassen gesucht in der Legende des h. Antonius, er hat
das Lib. II der Vitae vollständig umgestellt und nur eine
Auswahl gegeben, wie auch aus den folgenden Büchern.
3. Das Buch der Väter ist vor dem Passional ge-
dichtet und nicht nach demselben, wie man bisher geglaubt
hat, d. h. wie es Fr. Pfeiffer, Massmann und Gervinus
behauptet haben. Wir sehen den Dichter in den Vorreden zu
den einzelnen Theilen seines Buchs der Väter erst aus dem
weltlichen zum geistlichen Leben und Dichten übergehen;
* Alis dem reichen Schatife zu wählen, verstanden auch die Schreiber des
Passionais; so fehlen in der Heidelberger Hs. ed. Hahn grössere
und kleinere Stücke, die Hss. der k. k. Hofbibliothok bestehen auch nur
aus gewählten Stücken, Tabulae codd. Vol. H, 2694, 2740, 2779. Ja die
Marienlegendcn bilden eine selbständige Gruppe von Hss. Noch
leichter war es, einzelne Stücke aus dem Buch der Väter heraus-
zunehmen oder auszulassen.
Uel>rr diis mitteldeutäclio Llurh der Väter. 105
Stücke aus dem Bucli der Väter hat er üboi-arbeitct in das
Passi'onal liiiiübergencMiinion. Das Buch der Väter kann
also nicht fler vierte Theil des Passionais heissen.
4. Zu dem Buch der Väter gehören mehrere kleine
und grosse Legenden von Einsiedlern, deren vollständige Reihe
in keiner Hü. überliefert ist. Mehrere von solchen Legenden,
die eigentlich in das Buch der Väter gehören, stehen im
Passion al. Selbständig in einer einzigen Hs. , soviel bis
jetzt bekannt ist^ hat sich der Barlaam und Josaphat
erhalten, dessen Verfasser ein Bischof Otte ist.
II.
Der Dicliter.
Wir haben aus der Leipziger Hs. uns zur Genüge über-
zeugt, dass der Dichter den in den Vitae patrum über-
lieferten Inhalt frei und willkürlich behandelt, als ob der Stoff
nicht durch die kirchliche Ueberlieferung geheiligt wäre, er
modelt alles nach seinen Absichten und Ansichten. Die ein-
zelnen Stücke seines h. Antonius sind aus allen Büchern
der Vitae patrum zu Häuf getragen, was um so schwerer
wiegt, als eben die Vitae An tonii, Pauli etc. vom h. Atha-
nasius und Hieronymus verfasst sind, der Dichter also nicht
einmal vor den Werken dieser Kirchenväter so viel Respect
hatte, als die weltlichen Renner vor einem französischen Buche.
Warum er die Reisebeschreibung des Ruffinus und der
Melania so vollständig und rücksichtslos umgestellt habe,
wird wohl immer ein Räthsel bleiben. Im Buch der Beispiele
lässt sich auch keine Ordnung, wenn es auch auf den ersten
Blick so scheint, nach geistlichen Stichwöi-tern, etwa wie Ge-
horsam^ Demuth u. dgl., auflinden, zudem ist gerade eine
solche in den Lib. III — VHI der Vitae patrum vorhanden,
warum hat sie der Dichter nicht beachtet?
Es muss offenbar in beiden, sowohl im Stoffe als im
Dichter, dei' Grund gesucht werden, weshalb er mit einer im
ganzen Mittelalter beispiellosen Kühnheit gegenüber dem , Buche'
verfährt, mit anderen Worten, der Dichtci' musste sich ge-
drungen fülilen, aus dem wüsten Chaos der Vitae patrum
106 Haupt
ein klares, durchsiclitiges Werk zu biklen. Dass er dergleichen
beabsichtigt hat, sieht man deutlich an seinem h. Antonius,
den er offenbar als den Stifter und Erzvater des Lebens in
der Thel)aidc auch als Musterbild jeder eremitischen und
geistlichen Tugend darstellen wollte.
Wir wissen bereits aus dem Passional, mit welcher
Meisterschaft der Dichter zu erzählen weiss, wenn ihm eine
wirklich zu bewältigende Aufgabe gesetzt ist, das heisst wenn
ihm eine Geschichte vorliegt im Sinne der alten und neuen
Aesthetik, nämlich eine Handlung oder eine Reihe von Hand-
lungen, die wohl motivirt in sich zusammenhängen. An mehr
als einer Legende des Passion als lässt sich zeigen, mit
welcher Ueberlegenheit er die Risse und Sprünge seiner kirch-
lichen Vorlagen auszufüllen weiss, wie er überall mit feiner
Seelenkcnntniss das unwahrscheinlichste dieser mehr frommen
als sinnreichen Erfindungen wahrscheinlich zu machen verstellt,
wie er die inneren Vorgänge in den Seelen seiner Heiligen
und Einsiedler, sogar noch uns, klar darzulegen und begreifbar
vorzustellen im Stande ist. Mit dieser Gabe steht er unter
den geistlichen Dichtern nicht nur seines Volkes und seiner
Zeit allein da. Man vergleiche doch die zum Verzweifeln
stumpfsinnigen Syrer und Byzantiner, welche diese geistlichen
Anecdoten zusammengeschrieben haben. Auch Gervinus preist
ihn darum und wegen anderer Eigenschaften, die dem Dichter
eigen, und betont mit Recht besonders, mit wie merkwürdi-
gem Verständnisse der Dichter die inneren Wandlungen und
Umwandlungen, die Studien und das ganze geistige Leben des
h. Augustinus darzustellen weiss.
Nicht ohne Ursachen war er dessen so meisterlich fähig;
der Dichter hat einen ähnlichen Weg genommen wie der
Kirchenvater, und spricht aus eigener Erfalirung und daher
mit dem vollsten und reichsten Verständnisse einer Seele, die
aus dem Abgrunde des gemeinen Treibens der grossen Welt
und guten Gesellschaft sich zum Anschauen der himmlischen
Weisheit gereinigt und empor geschwungen hat.
Er selbst war früher ein weltlicher Dichter, bevor er ein
geistlicher wurde, wie wir oben in der Vorrede zum Buch
der Väter 1,150 — 1,160 gesehen haben. Daselbst sagt er
ausdrücklich, wie die Leute eine Gewohnheit hätten, welche
UeV>er das mitteldeutsche Buch der Väter. 107
jedoch gut sei, denjenigen tun eine Märe od^r Erzählnng zu
bitten, der bei ihnen ist, ob sie nun hei der Gkit sitzen oder
;iuch anderswo, dem dann alle schweigend zuhören. Wie nun
die Menschen beschaffen seien, wornach des Mannes Leben
stehe, 'dahin strebe er und suche sich Rathes zu erholen in
den Mären oder Erzählungen: eitle wollen nur solche von
Eitelkeit hören, der seligen Rotte behagen aber nur solche von
Gott und guten Leuten, Da bricht der Dichter aus in die
merkwürdigen Worte, die wiederholt zu werden vollauf ver-
dienen:
(> we ich muz bekennen von waiheit benennen
daz ich von den iteln einer bin. (Uiz sprech ich niht üf
den sin
der dcmiit, nein ich ! werlich an wärer schult l)egrife ich
mich
daz ich bin iiz der iteln rote. nu wil ich gerne buzen gote
und durch der buze willen, ob ir wolt wesen stille,
ü guter mere sagen vil der ich doch keine machen wil.
Nach diesen Worten, die er buchstäblich genommen wissen
will, nicht aber als fromme Phrase ,uf den sin der demut^
wie sie sonst bei den übrigen geistlichen Dichtern in der
Regel zu verstehen sind, war auch er einer aus der , iteln
rote^, die sich an weltlichen Mären ergötzten und ihrem Welt-
sinne darin schmackhafte Nahrung suchten. Hier sind schein-
bar zwei Auslegungen möglich: die eine, dass er nur gleich
anderen seine Lust in den weltlichen Mären fand, und die
zweite, dass er selbst auch solche gedichtet habe. Ich halte
blos die zweite Auslegung für die richtige, weil er zur Busse
jetzt nur ,gute mere' sagen will, deren er keine macht oder
erfindet. Würde man die erste Auslegung annehmen, so ent-
behrte dieser Nachsatz eigentlich allen Sinn und Nachdruck.
Damit aber nicht jemand den Einwand erheben kann,
der Dichter wolle blos für das Anhören der weltlichen Mären
während seiner eiteln Zeit jetzt Busse thun durch das Dichten
geistlicher — auch dafür hat der Dichter gesorgt in der Vor-
rede zum Buch der Beispiele. Er sagt dort ausdrücklich:
59''151 Swic mir der sin dar üf gibt
den mir got hat gegeben des wil ich an den mcren leben
108 Haupt.
mincm herren zu lobe. mich hat h' luge und ir clobe
bestricket leider also vil daz ich ez immer clagcn wil,
und durch die bezzerunge sal ü hie min zunge
mit wärheit beduten von den guten lüten . J
Er stellt mit diesen Worten die geistlichen als die wahr-
haften Mären den weltlichen als den erlogenen gegenüber und
dichtet diese wahrhaften seinem Herren zu Lobe, der ihm den
Sinn oder, Avie wir sagen würden, den Geist darauf gerichtet
hat, nur an den Mären leben zu können. Wie scharf aus-
gesprochen musste der dichterische Sinn des Mannes sein, der
damals bis zu dieser klaren Selbsterkenntniss sich durchrang,
nur in den Mären oder nach heutigem Sprachgebrauch in den
Dichtungen, in der Kunst leben zu können !
Wahrlich, er hat nicht zu viel gesagt. Von allen den
Dichtern aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, ob
geistlichen ob weltlichen, ist er der einzige, der zu erzählen
im Stande ist, wie das jede Seite der drei Bücher des Pas-
sionals oder der kleineren Legenden im Buch der Väter
überzeugend beweist. Nur zur Busse konnte er es unter-
nehmen, das Chaos der Vitae patrum zu bearbeiten. Wie
schwer es ihm aber geworden ist, in diesem Gerolle von geist-
lichen zwar aber oft sehr geistlosen Anecdotcn seinen auf
Handlung, Darstellung, Charakteristik gerichteten Geist zu
verläugnen, auch dafür lässt sich eine köstliche Stelle bei-
bringen aus dem Buch der Väter.
Mitten unter den geistlichen Anecdoten steht sie und ist
deshalb um so merkwürdiger. Nachdom der Abt Silvanus
einem Bruder, der nicht arbeiten wollte, das Leben Marthas
und Marias erläutert hat und damit schliesst, dass mancher
mit jkalder innekeit* Marias Leben erwähle, um nur nicht
arbeiten zu dürfen, bricht der Dichter in die Klage aus:
' Diese Stelle erinnert sogar im Ausdrucke an jene Eudulfs von Eni sc
in der Vorrede zum Barlaam. Dieselbe lautet (ed. Fr. Pfeiffer) 5, 10 ff.
,ich htm daher in minen tagen leider dicke vil gelogen und die liute
betrogen mit trügelichen maeren: ze tröste uns sündaeren wil ich diz
macre tihtcn durch got in tiuschc berihten, und bite swer diz maere
lese, daz er sich bezzernde wese mit staete an dem gelouben sin und
durch got gedenke min vil armox süudaeres.'
üebcr das mitteldeutsche liuch der Väter. 109
104'')^4 O we des ist an mir nilit Als mir diiz herze gentz-
lich g"iht
Dvrch manic vrkvnde, Des ich vil an mir vunde
Ol) ich ez sohle nennen. Doch mvz ich bekennen,
• Der ich der schribe hie diz bvch, So g-röz ist an mir
min vnrvch
Daz ich niht nuic gewarten ]\Iarien noch Märten
Noch nach ir tvgenden mich begeben.
Der Dichter stellt sodann in scharfen Gegensätzen das
Leben Marias und Marthas oder die ,Minne und die Arbeit'
gegen einander und schliesst :
104*^ 157 Idoch sint der zweier leben
j Ir minne ir arbeitlich amt Noch vil gerne beide ensamt
161 Mit eime der mit trüwen got Stete minnet svnder spot.
Die minne ist svnder arbeit niht, Sweu man dvrch got
ovch tragen siht
Arbeitliche swere Der ist ein minnere.
Wafeu herre svzer Crist, Waz an mir steter kranc-
keit ist !
Diz kan ich von den gvten sagen Vnde ir leben niht
getragen !
171 Ich mvz sprechen vnd mac wol Wan ich nv bin leides vol.
Ein vüre ich hie entzünde Daz noch manige svnde
Mac an den Ivten swenden Die ez zv gvte wenden
Mit der gvten helfe gots An der volleist sin es gebots.
In dem vüre bin ich kalt. Daz ist ein wunder mauicvalt.
181 Ayn vüwer vf dem ise! Ich bin den andern wise
Den ich scribe wistum. Mir selber leider al zv tvm. '
Ich mvz nv liden dise scheme Daz ich so wenic zu
neme
Vnde ioch hin hinder sitze Vntz div (1. du) gotcs hitze
Irwermest nach genaden din Daz vil kakle herze min,
191 Diz bevilhe ich herre dir! Nv tv nach dinem willen mir
Jesv dv gotes reine (105'' 1) Vnde gib mir ot daz eine
Daz ich kvnne an dime lobe virsten Swaz dv wilt mit
mir angen.
So sal mir wol genvgen Swie dv ez wilt mit mii* vugen.
Nv sprechen dvrch got vurbaz me Von guten Kten alsam e
wo Haupt.
Er kann dichten, so bekennt er von guten Leuten , ohne
dass er vermöchte, ihr Leben nachzuahmen; er entzünde ein
Feuer, das ndch manche Sünde schwenden wird, er selbst aber
ist in dem Feuer kalt, es ist Feuer auf dem Eise ! In diesem
Bekenntnisse bricht wieder der Zwiespalt zwischen den» welt-
lichen dichterischen , Sinne' des Dichters und seinem Stoffe
auf's deutlichste hervor, trotzdem aber ist der Dichter über-
zeugt, dass sein Werk mit voller Kraft auf andere wirken
werde, wenn auch ihn die Gluth seiner Erzählungen zu er-
wärmen nicht vermag. Diese Selbstbekenntnisse sind um so
merkwürdiger und fallen um so schwerer in die Schale, als
dei-gleichen in allen drei Büchern des Passion als nirgend
vorkommen, da hat er schon die vollkommene Sicherheit und
Ruhe der Seele, die ihn auch keinen Augenblick gegenüber
seinen Gegnern verlassen. Im Buch der Väter ringt der
Dichter noch nach dem Durchbruch der Gnade, im Passional
ist er der göttlichen Gnade schon gewiss. '
Aus diesen Selbstbekenntnissen geht mit unzweifelhafter
Gewissheit hervor, dass das Buch der Vätei' vor dem Pas-
sional gedichtet wurde, was oben aus anderen Gründen schon
als unabweisbar sich aufgedrungen hat.
2. Ich habe schon oben der Stelle gedacht, in welcher
sich der Dichter verwahrt, schon gethane Arbeit wieder zu thun :
Ob lihte anderswä nu hat
ieman diz buch getihtet und in dütsch berihtet
des enkan ich w^izzen niht . .
und auf den B a r 1 a a m hingewiesen. Den B a r 1 a a m Rudolfs
von Emse hat der Dichter gekannt, wie Zingerle (Sitzungs-
berichte Bd. LXIV. S. 154 ff.) gezeigt hat. Es finden sich im
Barlaam Rudolfs und im Buch der Väter sogar einzelne
gleichlautende Verse. Ob ihm die übrigen Werke Rudolfs
bekannt waren, steht dahin; so ganz gewiss ist es nicht, als
man zu glauben scheint; vieles von dem, was zum Beweise
ö
' Mit dieser Stelle vergleiche man im h. Ignatius Passional ed. Köpke
Nr. 15 108, 1—79, um den Unterschied der riug-cnden und der rulieu-
deu Seele des Dichters zu gewahren.
Ueber das mitteldeutsche Buch der Väter. ] \ \
vorgebraclit wird, muss vielmelir auf die Spraöhe des Diehter.s
zurückgeführt werden. Diese Sprache hat er sich selbst ge-
bildet und zwar zumeist, wo nicht ausschlicisslich, an den drei
alenianischen Dichtern Gotfrid von Strassburg, Rudolf
von Emse und ganz vorzüglich Kon rat von Würzburg.
Es gibt eine Legenden-Sammlung in Reimen, die sich
nicht nur mit dem Buche der Väter, sondern auch mit dem
P a s s i o n a 1 berührt. Es ist das B u c h der M ä r t e r e r , das in
zwei Hss., der Kloster-Neuburger (Altd. Bl. 2,86) und der
Heidelberger 342 (s. Wilken S. 42S) enthalten ist, aber in
keiner vollständig. Dieses Buch der Härterer muss deich-
zeitig mit dem Buche der Väter und dem Passional ver-
breitet worden sein. Beide laufen in den Hss. nebeneinander
und durcheinander. So gehören in der Hs. 2677 der k. k. Hof-
bibliothek die Marien leg enden auf Bl. V — 26'' in das Pas-
sional, dagegen sind aus dem Buche der Härterer die
fünf Legenden von der h. Verena,' Catharina, Lucia,
Margaretha und Brigitta auf Bl. 106''— 119\2 In der Hs.
2779 derselben kaiserlichen Sammlung sind wieder aus dem
Passional die fünf Marienlegenden auf Bl. 1'^ — 2" und 90" "" ge-
nommen, aus dem Buche der Härterer dagegen stammt das
Gedicht von der Auffindung des h. Kreuzes auf Bl. 88'' —
89'', 3 diesem geht voran auf 85^ — 89'' das Gedicht von den
Siebenschläfern aus dem Buch der Väter. Einzelne
Legenden aus dem Buch der Härterer sind in der Stutt-
garter Hs. poet. s. n. 4°, Hone. Anzeiger VH, 287, so die
des Eustachi US oder Placidus (vom Dichter fälschlich
Placidas gereimt),^ die des Sebastian und der Sieben-
schläfer. ■'
' Diese Legende ist jetzt aus dieser Hs. gedruckt in .Rochholz, Drei
Gaugöttinnen' . . Leipzig, 1870. 8" S. 108 — 11 1'.
2 Diese fünf Legenden sind somit als selbständige Werke zu streichen in
Goedeke, D. M., 78, 1, 2 und :\, S. 22G, ferner in allen — deutsclien
Literaturgeschichten.
3 Diese Legende ist gedruckt aus dieser Hs. in Massmann Eraclius,
S. 194—198.
^ Damit ist die Vermuthnng Goedekes, dass dies der Eustachi us des
Rudolf von Emse .sei, widerlegt, 1. e. 80, S. 228.
^ Damit ist die Frage Goedekes, 1. c. 82, 2, S. 229, beantwortet.
112 Haupt.
Damit sind die Fälle, wo beide Werke stückweise in den
Hss. sich nebeneinander finden, wohl kaum erschöpft, die an-
gefühlten genügen aber vollkommen, um wenigstens den einen
der Mitbewerber unseres Dichters zu erkennen, i Es ist kein
Zweifel, dass das Buch der Härterer bei weitem grösseren
Beifall bei den Zeitgenossen gefunden hat, als das Passional,
das lässt sich erklären. Au Geist und Wissen , an Sprache
und Kunst steht der Verfasser des Buches der Härterer
tief unter dem des Passionais, er ist eigentlich ein stumpf-
sinniger schwäbischer Reimer, der seine lateinische Vorlage,
des J a c 0 b u s a V o r a g i n e Legenda aurea, schwerfällig genug
in's deutsche zu übersetzen trachtete. Schon der Titel seines
Buches ist nur eine untreffende Uebersetzung und Verwendung
des lateinischen Hartyrologium, denn er hat auch Heilige, und
zwar in grosser Zahl, behandelt, die keine Härtyrer waren,
sondern nur Büsser oder Einsiedler, Bischöfe und Kirchen-
lehrer. Wie wenig er bewandert war in der Geschichte der
Heiligen, sieht man auch daraus, dass er zum 16. April,
an welchem Tage der h. E u s t a c h i u s von Ferentino gefeiert
wird, die Geschichte vom Eustachius oder Placidus dem
Feldherren Trajans erzählt, dessen Tag der 20. Sept. nach
der kirchlichen Ordnung eigentlich ist. Von seinen vielfachen
Irrthümern gegenüber seinem lateinischen Texte ist hier nicht
der Ort, Proben zu geben. Das Buch der Hfirterer fällt
in die erste Hälfte des XIV. Jahi'hunderts , da die Kloster-
Neuburger Hs. , Anno Domini MCCCL in vigilia exaltacionis
sancte crucis ceptus est iste liber/ wie es in der Schlussschrift
ausdrücklich bezeugt wird, ,et in vigilia pasce anni subsequentis
finitus cum adiutorio omnipotentis per nie Hartmanum de Krasna
tunc temporis ecclesie niwenburgensis custodem.*^
Einige Jahre früher, als diese Abschrift gefertigt wurde,
muss das Werk gedichtet sein, und somit war es dem Passional
gleichzeitig in Angriff genommen, von dem so wenig als von
dem Buche der Väter auch nur eine einzige Hs. bis jetzt
• Ich behalte mir vor, auf das Biich der Härterer demnächst zurück
zu kommen, alle Legenden daraus, so viel ich deren habhaft werden
k(jnnte, naclizuweisen und einige zertrümmerte Hss. bekannt zu machen.
Icli k(nnu' deren bisher vier, alle auf Pergament, so dass recht deutlich
die weite Verbriütnng des Werkes in die Augen springt.
Ueber das raittoldeutsclie Buch ilev Väter. 113
unter den vielen bekannt geworden ist, die übe^ das XIV. Jahr-
hundert zui'üek o:inu;o.
Gegen diesen Mitbewerber steht der Dichter des Pas-
sion als noch in einem ganz anderen feindlichen Gegensatze als
nur in dem eines ülierlegenen Geistes gegen einen sehr unter-
geordneten Kopf. Es ist keine Frage, dass in jenen Zeiten,
wo jeder, der einen lateinischen Text oder einen _,wälschen^ in
deutsche Verse übertrug, unverwendeten Blickes auf das
,Buch' sah, der Verfasser des Buchs der M ä r t e r e r viel mehr
Beifall finden musste, da er in jeder einzelnen Geschichte leicht
zu controliren war, als der Dichter des Passio n als, dem man
seine lateinischen Quellen nicht so bequem nachzuweisen ver-
mochte. Dennoch hat auch dieser Dichter keine andere Quelle
für die drei Theile des Passion als gehabt, als eben des
Jacobus a Voragine Legenda aurea. Es ist dies schon öfters
für einzelne Legenden schüchtern behauptet worden, z. B. von
W. Grimm zu der vom Papste Silvester in Konrat v.
Würzburg Silvester p. XIV aber eben so oft Avidersprochen ;
auch Köpke kommt S. IX darauf zu reden und schreibt: .Eine
umfassende Erforschung d«- von ihm benutzten Quellen, die
ihren Ursprung ohne Zweifel hinsichtlich "der Leben der Apostel
in den jetzt zum Theil zuerst durch Tisch e n do rf l)ekannt
gemachten Actis apostolorum apocryphis haben, lag nicht in
meinem Plane, nur eine Vergleichung der Legenda aurea des
Jacobus a Voragine bot sich durch die von Grässe be-
sorgte neue Ausgabe zu leicht dar, um nicht angestellt zu werden.
Die Ueberein Stimmung ist augenfällig, dennoch aber würde der
Schluss, der Dichter habe aus dieser Quelle geschöpft, nicht
gerechtfertigt, denn beide können ihre Nachrichten denselben
Quellen entnommen haben und daher auch in einzelnen Zügen
ihrer Darstellung auffallend übereinstimmen. Eine Aeusserung
des Dichters scheint auch diese Vermuthung zu bestätigen,
denn, wenn das Werk des Jacobus a Voragine als ein
vollendetes Ganze zur Benutzung ihm vorlag, hätte ei- wohl
nicht in der Nachrede zum Schlüsse des ganzen Werkes aus-
drücklich sagen können, dass er die drei Bücher nicht ane
grozen um me such vollbracht habe.
So Köpke. Die Erklärung, dass beide, der Dichter des
Passionais und Jacolnis a Voragine, aus denselben
Sitzb. (1. pliil-hist. Cl. LXIX. P.a. U llft. 8
]^ J 4 H a u 1) t.
Quellen können geschöpft haben und deshalb in der Darstellung
übereinstmimen, Hesse sieh wohl hören, ' da man Aveiss, wie
J a c o b u s a V o r a g- i n e seine Quellen geradezu wörtlich aus-
schreibt, nur lässt sich dagegen ein Beweis erbringen, der
unwidersprechlich ist. Wie kommt es, dass der Dichter des
Passionais am Schlüsse der Legenden allemal dieselben
Wunder erzählt, die auch Jacob us a Voragine hat ? Bei der
grossen Masse von solchen Wundergeschichten für jeden einzelnen
Heiligen soll der deutsche Dichter und der italienische Legenden-
schreiber, beide von einander unabhängig, genau immer die-
selben ausgewählt und genau in derselben Folge erzählt haben '?
Eine solche Wahlverwandtschaft zweier Seelen ist ganz unmög-
lich und der Beweis zu Gunsten des Jacob us a Voragine
ist vollkommen erbracht durch diese Thatsache, um so mehr,
als der Dichter des Passion als von allen jenen Heiligen
keine Gnadenerweisungen zu erzählen weiss, die auch bei J a-
cobus a Voragine leer ausgegangen sind.
Die sämmtlichen Legenden des dritten Theils des Pas-
sionals mit den treffenden der Legenda Aurea hier zu ver-
gleichen, hiesse wirklich nur das Paftier verschwenden, es wer-
den die ersten 25 von 72 genügen. Bei jeder Legende, die
mit 0 bezeichnet ist, fehlen die Wunder.
Passional. Legenda aurea.
L Von sante Nicoiao 19, 14 — HL De sancto Nicoiao 8, 9,
Cap. 25,43. 10, 11, 12.
n. Von sante Lucien 0. IV. DesanctaLuciavirgineO.
HL Von sante Anastasien 0. VH. De sancta Anastasia 0.
IV. Von sante Stephane. VIII. De sancto Stephane.
CXII. De inventione sancti Ste-
phani protomartyris.
Hier haben wir das erste Beispiel, wie der Dichter des
Passionais , was J a c o b u s a Voragine wegen der ganz
kirchenkalendarischen Ordnung seines Werkes auseinander riss,
wieder zusammenzufügen sucht. Zum Schlüsse werden erzählt
die kleinen Wunder und beide berufen sich auf den h. A ug us ti nu s.
^ Auch Gervinus Geschichte der deutsch. Dicht., .5. Auf. Bd. Tl. S. 107,
ti'itt Köpke's Meinung bei und redet von gemeinschaftliclien Quellen beider.
Ueber das luilti'Moutsi-lie liiicli dfr Viltcr.
115
V. Von sante Tlionia 60,
ö9— 62, 82.
VT. Von sante Silvesti-o U.
VII. Von sante Reniig-io 0.
VIII. Von sante Feiice 0.
IX. Von sante Marcello 0.
X. Von sante Fabian o 0.
XI. Von sante Sebastiane 0.
XII. Von sante Agneten 118,
15—119, 50.
XIII. Von sante Vincencio 0.
XIV. Von sante Basilio 129,
95—137, 48.
XV. Von sante Joliannese XXVII. De sancto Johanne etc.
deme almuseuere 145, 4 et 10.
59—146, 84.
XVL Von sante Juliane XXX. De sancto Juliane.
In seinem XXX. Cap. erzählt Jacobus a Vo rag ine
von fünf Julianus genannten, genau dieselben fünl' und in der-
selben Ordnung kennt und schildert auch dei- Dichter des
Passionais.
XI. De sancto Thoraacan-
tuariensi 4, 5, 6.
XII. De sancto Silvestro 0.
XVII. De sancto Remigio 0.
XIX. De sancto P'elice 0.
XX. De sancto Marcello 0.
XXII. De sancto Fabiano 0.
XXIII. De sancto Sebastiano
4, 5.
XXIV. De sancta Agnete 3, 4.
XXV. De sancto Vincentio 0.
XXVI. De sancto Basilio 5,
6, 7.
1. Julianus hiez einer
ein guter man, ein reiner,
der zu bischove wart gewit
und hie sines lebens zit
wo\ mit tugenden hat ' ge-
tragen,
die meistere alsus von im
sagen,
daz er zum ersten hieze alsus
Symon Phariseus
der Christum zu hüse lut
147, 1 ff.
2. Ouch was ein ander gut man.
148, 19 ff.
3. Ouch was ein ander man
vil gut
als daz mere uns kunt tut
1 . Julianus Cenomanensis
episco-
pus fuit. Hie Simon ille lepi'o-
sus dicitur fuisse quem do-
min iis
a lepra sanavit et qui do-
minum
ad convivium invilavit.
S. 140 ff.
2. Fuit et alius Julianus. S.141.
3. Fuit insnper alius Julianus
frater beati Julii. S. 141,142.
8*
116
H a u p t.
der hiez Julianus
unde sin bruder Julius. 149,
57 ff.
4. Üuch was ein ander man
alsus
genennet Julianus I5I72I ff.
5. Oucli was ein ander man be-
nant
als ich üch machte alhie be-
kant
mit dem namen Julian
4. Fuit etiam alius Julianus qui
utrumque parentem nesciens
occidit. S. 142, 143.
5. Fuit et alius Julianus, non
quidem sanctus sed scelera-
tissi-
mus scilicet Julianus apo-
stata . . S. 143.
die meistere haben in g-enant
Julianuni apostatam. 155,
63 ff.
Diese fünf Juliane sind einer der stärksten Beweise, dass
der Dichter des Passion als die Leg-euda aurea vor sich ge-
habt liat. Schon oben ward bemerkt, wie bereits Massmann
1. c. in I. 4 nachg-ewiesen hat, dass der Dichter die Ge-
schichte vom Julianus apostata oder ,vom bösen Juliano' hier
nur wiederholt hat aus dem zweiten Buche des Passion als
ed. Hahn 355, 83 — 362, 94 überarbeitet in seiner Weise. Zu-
meist wörtlich stimmen überein Köpke 158, 57 — ^161, 6 mit
Hahn 359, 84 — 362, 94. Die Geschichte des Juliauus apostata
wird, wie im Passion al, genau so in der Legen da aurea
zweimal erzählt, das erste mal in XXX: De sancto Juliane,
und das zweite mal in CXXV: De decollatione saucti Johannis
Baptistae, wie sie denn auch im zweiten Buche des Passionais
einen Theil der Geschichte Johannes des Täufers bildet.
XXXVI. De sancto IgnatioO.
XXXVIII. De sancto Blasio 0.
XXXIX. De sancta Agatha 0.
XLII. De sancto Valen-
tine 0.
XLIII. De sancta Juliana 0.
XLVI. De sancto Greaorio.
XVII. Von sante Ignacio 0.
XVIII. Von sante Blasio 0.
XVIIII. Von sante Agathen 0.
XX. Von sante Valentine 0.
XXI. Von sante Julianen 0.
XXII. Von sante Grefforio.
Das L(!bon dieses Heiligen zerfällt bei Jacobus in 19
Abschnitte ; dieselben und genau in derselben Ordnung hat
auch das Passional mit Ausnahme von 9 und 18. Sieht man
Uetpr das niittfUl.Mitschp Bncli flor Vätflr. 1 ] 7
näher zu, so bei;Teift man, waiiiin der Dichter diese ausaclassen
hat.. Nuninier 0 ist die alberne Erklänui"- eines liturai sehen
Gebrauches und 18 eine nocli tliörichtere und zugleich blas-
phemische — Lüge iüber das Ofücium Gregorianum unrl Am-
l)rosianura.
XXIII. Von sante Long-ino 0. XLVll. De sancto Long-ino
0.
XXIV. Von sante Benedicto XLIX. De sancto Bene-
dicto.
Auch diese Legende liefert nur in anderer Art einen Be-
weis für den Jacob us. Ln Ganzen und Grossen folgt ihm der
Dichter, nur hat er ihn im Abschnitt W) aus dem Anhange Cap.
CCCIX: De sancta Scholastica, zu vervollstäncb'gen gesucht.
; Der Dichter arbeitete somit nach einem in Deutschland, wie
1 es scheint, vermehrten Exemplare des Jacobus.
XXV. Von sante Patricio 0. L. De sancto Patricio 0
Ln dritten Buche des Passionais befinden sich ausser
den Leben der Heiligen noch drei andere Stücke, nämlich
Nummer 28: .Diz ist von deme heiligen kruze,^ ed. Köpke
265 — 290, dann Nummer 68 : ,Hie sprichet daz bnch von allen
heiligen' ed. Köpke 574 — 582 und schliesslich Nummer 69:
,Hie sprichet daz buch von allen seien,' ed. Köpke 582 — 592.
Die liegende vom h. Kreuze ist aus den Capp. LXVIII
und CXXX VII des Jacobus gebildet. Die Wundergeschichten
im Pa/ssional 283,27—290, 64 linden sich bei Jacobus am
Schlüsse von Cap. CXXXVII, und zwar:
Jacobus a Voragine. Passional.
3. Apud Constantinopolim 287, 62 ff. In Constantinopolim
4. Apud Syriam in civitate Be- 288, 47 ff. Ouch sult ir vurbaz
i'ich hören dit —
5. Virtus crucis etiam 284, 26 ff. Swelcli macht daz
gotes krüze habe —
6. Refert quoque Gregorius 287, 17 ff. Gregorius hat ouch
geseit -
Die siebente, eine unwahre Erfindung von einem Serapis-
Tempel, Hess der Dichter fallen, und setzte dafür eine von
dem kreuzehrenden Hofschreiber eines Zauberers.
118 • Haupt.
Die Rede von allen Heiligen ist in ihrem legendarischen
oder sagenhaften Theile nachgebildet dem Cap. CLXII des
Jacob US über das Pantheon oder Maria rotunda im Beginne,
und schliesst mit der Vision des Petrus Custos.
Die Rede von allen Seelen folgt in Gedanken und Bei-
spielen dem Cap. CLXIII, so dass die Abhängigkeit des Dichters
von seiner lateinischen Vorlage hier sogar bedeutender ist, als
irgendwo sonst.
Was aus diesen nicht eben willkürlich gewählten Stücken
des dritten Buches des Passionais mit unwiderleglicher Ge-
wisshett hervorgeht, lässt sich auch an dem ersten und zweiten
Buche des Werks zeigen. Es verhalten sich die Stücke im
zweiten Buche zum Jacobus folgender Art:
Passional ed. Hahn. Jacobus a Voragine.
155,64 — 164,16 CX. De sancto Petro ad vin-
cula.
164,17-170,30 XLIV. De cathedra sancti Petri.
170, 31 — 180, 41 LXXXIX. De sancto Petro apostolo,
Abschnitt 1, 2.
180,42—185,82 XXVIII. De conversione sancti Pau-
li apostoli.
185, 83—193, 24 XC. De sancto Paiüo apostolo.
193, 25—194, 69 LXXXIX. De sancto Petro apostolo,
Abschnitt 3.
194, 70—196, 41 XC. De sancto Paulo apostolo,
S. 384—386.
196, 42—197, 23 LXXXIX. De sancto Petro apostolo,
197,24—199,23 Abschnitt 4.
199,24—200,37 „ Abschnitt 4.
200,38—212,38 IL De sancto Andrea apostolo.
Die Wundergeschichte im Abschnitt 9 dieses Cap. von
einem Biscliof, den der Satan in Gestalt einer Jungfrau zu ver-
führen trachtete und den Andreas, zu dem der Bischof eine be-
sondere Andacht hatte, durch Räthselfragen erlöste, fehlt im
Passional, steht aber im Buch der Väter 82"= 101 -84" 40.
Dieselbe Legende kehrt wieder im Cap. CXXIII: De sancto
Bartholomaeo, wo sie auch der Dichter hat; hat er sie deshalb
hier ausgelassen?
üeber das mitteldeutsche Buch der Väter. 119
212,39—226,76 XCIX. De sancto llacobo majore.
In den Abschnitten 2 — 13 erzählt Jacobus kh^ine Wunder-
geschichten, davon sind bei Hahn o und 6, die Nummern 7,
9 — 13 sind aus von dei- Hagens Hs. nachgetragen in ,Neues
Jahrbuch der Berl. Gesellschaft etc. Berlin, 1846. S. 252—268:'
Ob die Nummern 2 — 4,8 in einer noch vollständigeren Hs.
vorhanden sind?
226, 77—244, 44 IX. De sancto Johanne apostolo
et evaugelista.
Die Legende vom König Rademundus 253, 65 fF. im Ab-
schnitt 12, wo er Eadmundus heisst. Den Abschnitt 13 hat
der Dichter getilgt. Warum ? Es heisst p. 62 : , Ysidorus de ortu
et vita vel obitu sanctorum priorum : mutavit Johannes in
auruni silvestres frondium virgas, littoreaque saxa in gemmas
mutavit, gemmarum fragmina in propriam reformavit naturani,
praecepto viduam suscitavit, et rediviuum juvenis corpus
remeante aniraa reparavit, bibens letiferum haustum evasit
pericuhim et eodem prostratos in vitae reparauit statum. Haec
Ysidorus.' Er hat also Kritik geübt an dieser Stelle wie an
anderen.
244,45—260,76 V. De sancto Thoma apostolo.
Keine Wundergeschichten bei beiden.
260, 77—266, 15 LXVII. De sancto Jacobo apostolo.
• Keine Wundergeschichten bei beiden, wie aber von der Aurea
Legenda im Abschnitte 2 dieses Capitcls die Zerstörung Jeru-
salems erzählt wird, so bringt auch der Dichter den Abschnitt
266, 16 — 278, 73 ,Wie ihrem zübrochen wart' genau nach der
Vorlage.
278,74—282,33 LXV. De sancto Philippo apostolo.
Keine Wundergeschichte bei beiden.
282, 34—295, 63 CXXIII. De sancto Bartholomaeo.
Die Wundergeschichten in den Abschnitten 2, 4, 5 stimmen
überein, 3 Hess der Dichter als eine höchst alberne Anccdote
fallen, der Heilige erscheint darin als ein eigensinniger, der
seine Macht missbraucht; ' 5 ist die schon oben beim h. Andreas
erwähnte Geschichte vom Satan als Jungfrau.
* Es heisst nämlich da S. ö-t4 : ,Cuin qiiacdam inulier vas plenuni oleo
attulisset, ut in lampadem beati Bartliuloraei poneretiir, quautiuncumqiie
120 Haupt.
295, 64—302, 66 CXL. De sancto Matthaeo apostolo.
Keine Wundeigescliicliten bei beiden.
302,67 — 312,58 CLIX. De sanctis Symone ac Jiida
apostolis.
Keine Wundergeschichten bei beiden.
312)59-321,71 XLV. De sancto Matthia apostolo.
Die apocryphe Geschichte des Judas ist beiden die Haupt-
sache, zu welcher sich beide mit denselben Gedanken wenden:
,Mathias der z weif böte Mathias apostolus
in der g-ots erweiten rote
nach unseres herren üffart
er in dar zu selbe erkos in locum Judae substitutus est.
do Judas sin amt verlos
wir läzen hie Mathiam Sed primo ortum et originem
eine wile verswigen
unde mit der rede hinder- ipsius Judae breviter videa-
ligen . . . mus ; ,
unde sprechen e wer dirre
was
der ungetrüwe Judas ...
321,72—324,2 LXXXI. De sancto Barnaba apo-
stolo.
Keine Wundergeschichte bei beiden.
324, 3—326, 2 CLVI. De sancto Luca evange-
lista.
Keine Wundergeschichten bei beiden.
326, 3—333, 15 LIX. De sancto Marco evan-
gelista.
Von den Wundergeschichten sind die in den Abschnitten
2 und 9 da, die in 3 — 8 fehlen.
333,16—345,51 CXLV. De sancto Miehaele ar-
changelo.
vas super lampadem inclinarent, nil ex eo exire valebat, cum tarnen digitos
in vas mittcrent et oleum liquidum omnino palparent, tunc quidam excla-
mavit: puto, quod apostolo acceptum non est, ut hoc oleum iu suam lam-
padem iiifuridatur. Quapropter in aliam lampadem infuderunt et protinus
oleum emanavit.' Warum verabscheut er denn hier eine bestimmte Lampe?
Ueber das raitteldeutüclie Buch der Väter. 121
Die Leg-ende bepjinnt in beiden mit der Wundergeschichte
IUI Berg Garganus in Apulia und schliesst mit den neun Chören
der Engel.
;M5, 52— 349, 92 LXXXVI. De natiuitate sancti Jo-
hannis baptistae.
349, 93— 3()7, 34. CXXV. De decollatione sancti Jo-
hannis baptistae.
In 355, 74 — 363, 15 ist die Geschichte ,vom bösen Juliane/
wie schon oben bemerkt wurde, zum erstenmal zu lesen; in
363, 16 — 367, 34 ist dann die Geschichte von seinem Haupte
und nur die kleine Wundergeschichte vom Diacon Sanctulus
aus dem Abschnitt 4 vorhanden.
367, 35—391, 78 XCVL De sancta IMaria Magdalena.
In den Abschnitten 1, 2 erzählt Jacob us die bekannte
Geschichte der Heiligen, wie das Mittelalter sie allgemein ge-
wusst hat, der Dichter folgt ihm genau nach. In den Ab-
schnitten 3 — 10 kommen dann die kleinen Wundergeschichten,
von denen 3, 4 und 10 bei Hahn zu lesen sind. Die Nummer
4 fehlt in Von der Hagens Hs., für dieselbe stehen dagegen
5, 8, 9, die Kläden in dem schon oben angerufenen Jahrb.
der Berl. Gesellschaft S. 269—272 mitgctheilt hat.
Es wäre überflüssige Arbeit, auch das erste Buch Bhitt
für Blatt umzuschlagen und in jedem einzelnen Stücke die
üebereinstimmungen sowie Unterschiede zwischen dem Texte
des Passion als und der Legcnda aurea aufzuweisen .
Entsclieidend ist, dass die Geschichte des Pilatus ebenso
hinter der Passion steht im Passional 81, 47 — 89, 82 wie
dieselbe in der A u r e a das Schlussstück ist des Cap. LIII :
De passione domini. Was aber am merkwürdigsten im ersten
Bucheist, die in alter und neuer Zeit viel bewunderten Marien-
legenden, will ich hier einer nähern Betrachtung unterziehen.
Fr. Pfeiffer schreibt in der Vorrede Ö. XIX zu seiner
Ausgabe dieser Legenden: ,Für einige der vorliegenden Legen-
den glauben wir ebenfalls die unmittelbare lateinische Quelle;
nachweisen zu können. Unter dem Titel : Libcn- de miraculis
existirt ein lateinisches Wei'k , das (ifter in Handschriften ge-
funden wird, z. B. in der Bibliothek des Klosters Göttweih
(vergl. Altd. Bl. 1, 327, 28). Dass es längst schon gedruckt
ist, scheint man gar nicht zu wissen. Bernhard Pcz hat
122
Haupt.
es bereits 173J in seinem Buche: Ven. Agnetis Blannbekin etc.
Vita et Revelationes etc. Viennae. 8°., als Anhang 8. 303—
456 abdrucken lassen . . . Von unsern Marienlegenden finden
sich darin die Nr. 5—8, 10—13 mit fast wörtlicher Ueberein-
stimmung . . ^ Diese Legenden oder Liber de Miraculis S. M.
waren schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts bekannt, ihr
Verfasser ist nach Pez der Presbyter et Monachus Botho
monasterii Praveningensis. Vor allem muss bemerkt werden,
dass die Angaben der Nummern bei Pfeiffer falsch sind; es
nmss heissen 6—8, 10 — 13 und 25, Avovon sich jedermann im
Anhange zu den Marienlegenden S. 267 — 275 überzeugen kann.
Auch Jacob US aVo ragine kennt diese Marienlegenden
und hat den grössten Theil der vom deutschen Dichter be-
arbeiteten über sein Werk zerstreut.
XXXVII. De purificatione B. M. V.
LI.
De annuntiatione dominica
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CXIX. De assumtione B. M. V.
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CXXXT. De nativitate B. M. V.
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77
8
8 —
7'
9
9 —
5?
23
Was Nummer 1 betrifft, das Pfeiffer im Prologus des
Botho gefunden zu haben glaubt, da ist nur nöthig die Stelle
unseres Dichters mit dei-jenigen des Jacob us zu vergleichen,
um augenblicklich zu sehen, dass Pfeiffer geirrt hat.
Jacobus S. 589—590 sagt: ,Dies autem nativitatis vir-
ginis aliquante tempore fideles latuit. Contigit igitur, sicut
refert Johannes Beleth, quod quidam uir sanctus sedulae con-
Uebci- (Uis iiüttelflputbche Biicli 'lei Väter. 123
templationi insistens, singulis annis VI. .Tdus Septembres in
oratione positus jocundissimam angclorum societateni sollem-
nizantein aiidiret cuinqiu; dcvotissime sibi i'cvelari peteret, cur
quolibot anno illo tantum die et non aliis hoc audii'ct, divinum
i'ecepit responsum, quod virgo gloriosa J\laiia tali die f'uerij
mundo nata etc.
Der Dichter, PfeifFer S. 2, 13 ff.
— — Ir habet alle wol gehört
daz si vier tage hat die man mit virc ir begät
in des järes vmmevart. der tac do si geborn wart
der wart zu jungest vif geleit von der reinen kristenheit.
nu höret wie sich daz erhub, als ich sin an dem mere entsub.
Ez was ein reine guter man, der hete sich genumen an
in allem sime lebene daz er ie vil ebene
sich von der valschen werkle entzöch unde an unscrn herren
vlöch
an des gebetes innikeit. sin herze dicke was zuspreit
an des geistes weide. der werkle lieb noch leide
enkunde in brengen nicht da von des er mit gote was gewon,
wand er mit küschem mute in rechter demute
üf got was geneig*et gar. nu fugte ez sich alle jär
immer, als die zit gelac daz nu ist unser vrowen tac
in dem si zu der werkle quam: der selbe gute man vernara
in grözer suzikoit dar obe an unsers lieben herren lobe
von engein lustlichen sanc der im mit siüchem döue erklanc
daz er gevreut des sere wart. ie nach des iäres ummevart
hört er die stimme, und anders nicht. durch die selben ge-
schieht
und durch des Wunders gebot bat er getrüeltchen got
daz er ime erscheinde waz dirrc sanc meinde,
der im mit sulcher vrcuden schal ie des järes erhal
aller suzikeite vol. sin wille wart erfüllet wol,
wände im quam ein reiner böte, ein engel, gesant von gote.
der lieblichen sprach zu im , guter man, nu vernim!
ich sal machen dir bekant, dar nach diu wille was gewant,
waz der gesanc meine. Maria die vil reine,
die edele, die demute, die schöne und die gute
die kristes muter was erkorn, an deme tage wai't geborn etc.
124 Hanpt.
Dazu vergleiche man mm die Worte Bothos: ,Ad omni-
potentis Dei laudem cum saepe recitantur miracula sanctorum,
quae per eos egit divina pptentia, multo magis Sanctae Dei
Genitricis Mariae debent referri praeconia, quae et sunt omni
melle dulciora. Ergo ad roborandas in eins amorem mentes
fidelium et exercitanda corda pigritantium , ea, quae fideliter
narrari audiuiraus, .largiente Domino recitare studeamus/
Die Quelle zum Prologe der Marienlegenden ist so-
mit Jacob US de Vo ragine. Fr. Pfeiffer sagt, dass die
deutschen Marienlegenden zu denen Bothos fast wörtlich über-
einstimmen. Vergleicht man die auch in der Legenda aurea
enthaltenen Nummern mit Botho, so zeigt sich, dass der Italiener
den Deutschen abkürzend ausgeschrieben hat, in der Regel hielt
er den Dialog in den einzelnen Legenden vollständig fest.
Es ist somit der grösste Theil der M a r i e n 1 e g e n d e n,
nämlich 1, 2, 4—10, 14, 15, 17, 19, 20, 23, 25, in Jacobus
a Vo ragine zu finden. Ich zweifle keinen Augenblick, dass
sich auch die andern werden darin linden lassen.
Als Ergebniss steht somit fest, dass der Dichter nach dem
Erscheinen der Aurea legenda erst an seine Arbeit ge-
gangen ist, folglich frühestens in den letzten zwanzig Jahren
des XIII. Jahrhunderts, da die Legenda aurea zwischen
1270 — 1275 erschienen ist. Als zweites und eben so wichtiges
Ergebniss stellt sich heraus, dass der Dichter mit Jacobus
genau wie mit dem Vitae patrum verfuhr, auch das weit-
läuftige Werk des Erzbischofs von Genua war ihm nur eine
Sammlung von Stoff, aus dem er nach seinem Sinne ,Mären^
bildete. Vielleicht begreifen wir jetzt erst manche seiner Worte
in den Vor- und Nachreden der einzelnen Bücher des Passion als.
3. Vier Jahre hat er sich bedacht, ehe er an die Arbeit
ging, denn er sagt selbst ed. Hahn:
3, 40 — 52 ez ist nu sunderliche mir not, min herze lange mir
gebot
daz ich mich drüf bedcchte vnde zu düte brechte
do wart min
widerstreben.
ein teil discr heiligen leben. do wart min wille
Ueber das mitteldeutsclie Buch der Väter. 125
wand ich die vci-imiift wol sacli i^i mir zu (ltink(!l
und zu swach
g-eg'en su gruzcr arbeit. zu jung-est bin ich doch
beweit
nach vier jären in den sin daz icli grife an
daz begin . .
Er ahnt Aergerniss:
3, G9- — 73 ob iman wolle tumnien spot
und einen bösen wolves zan mit ergervnge hen-
ken dran
daz ich zu dütschem volke dissesbuches bin ein tolke
Seine Ahnung traf auch ein, denn in der Vorrede zu der
Aposteln Buch sagt er
154, 82 — 155, ist daz imaune eine pine
ob ichz zu düte han geseit daz ist mir wer-
lichen leit
ich hab (;z durch gut g-evangen an. nu liabe
ein iegeliche man
sin herze, ich wil daz mine haben und disen
brunneu vollen graben
ili' den ich l)in durch gesuch.
Die Angriffe wurden immci' heftiger; nicht in der Voi-rede
sondern im Eingange zur Maria Magdalena sagt er:
368, 22 — , als ich hernach will duten
wirt mir der wec nicht underuumen von den
die inirwiderkumen
üf daz sie leide mir gotuu . .
In der Schlussrede zum zweiten Theil, die man abei- nicht
bei Hahn suchen darf, sondern mit dem Auszug im Jahrbuch
der Berl. Gesellschaft, 1846; sich behelfen muss, sagt er:
S. 287. . . Habe ich mich uiit ichte
Vergezen daz ist unkunst. Ich leite volle vernunst
Dar an in sulcher mäze Daz ich geliche saze
Nach dem latine gesetze Und nicht besiten letze
Den warhaften ummesweif. AVaz ich ouch drin mit
Worten ffreif
Nach tichtendem sinne Daz lioff<; icli al dai' inne
Mit onhjntlichor fuge wesen . .
126 H^^ipt.
S. 288. Dar nach solde ein ieg-e-
licli jagen
Wie ei' mit vollem ruclie Daz vienge an diseme
buche
Wer ez lese oder höre lesen. Des mac aber niht
gewesen,
Jegelich wil sinen willen haben.
S. 289. Mich arcwenet sumelich man
Daz ich diz buch habe üz 2-eleit In dütscher ver-
stendikeit
Als mich die rede ist an kumen. Ich hän sin werlich
üf frumen
Zum aller ersten gedacht. Der guten lüte andacht
Hofte ich reizen da mite Unde ir tugenthaften site
Sterken üf dem gotes wege. Waz ich hüte predigen
pflege
Daz verget mit dem galme, Waz aber ich mit dem
halme
Mit der vedere meine ich schribe, Daz lioflfe ich ie
ez belibe
Nutze über manigen tac. Nieman ich verbieten mac
Gegen mir die zwene sinne Entweder haz oder minue,
Menlich tu als im vuge . .
■■te^
Diese entschiedene Gesinnung, die jedem seinen Willen
lässt, verlässt den Dichter auch weiterhin nicht. In der Vor-
rede zum dritten Buche ed. Köpke:
5j 77 — 80. got helfe mir wol dar abe
wand ich wil dise arbeit. daz sal nieman wesen leit
6, 4—5. ich lä nicht abe durch dekeinen spot.
ich grife nicht zu durch loben.
In der Nachrede zu diesem dritten Buche gedenkt er
nicht mehr seiner Feinde. Aus diesen Stellen geht hervor,
dass der Dichter ein Geistlicher war, dass er sein Werk ,durch
gesuch' über Aufforderung eines dritten unternommen hat, dass
er sich vier .lahre dazu Zcjit Hess und nur mit schwerem
Herzen daran ging, dass sein Werk viele noch stören wollten,
als es schon begonnen war, dass man ihm besonders für übel
hatte, dass er das lateinische Buch deutsch dolmetschte.
Uebei- das mitti'lihnitsclic l'.mli der Väter. 127
Wer alle diese Vorwürfe erwiegt, die in jeper Zeit äusserst
gefährliche waren, kommt nothwendig dazu, anzunehmen, (hiss
der Dichter kein gemeiner Cleriker oder Pfaffe war, und dass
der Schutz, dessen er sich erfreute, stark genug muss gewesen
sein, ihn gegen die Nachstellungen seiner Feinde sicher zu
stellen. Dieser Schutz und Schirm muss ein lange andauern-
der gewesen sein, denn in wenigen Jahren wird das Werk
nicht vollendet gewesen sein. Es fragt sich nun, wo an der
Scheide des XIII. und XIV, Jahrhunderts und später ein
solcher Schirmherr des Dichters mag gewaltet haben.
Jeder, dem die deutsche Literaturgeschichte einigermassen
geläufig ist, denkt sofort an den deutschen Orden und an
Preussen. Zacher hat in der Zeitschr. Bd, XIII S. öü4 ff,
eine Uebersicht über die literarischen Bestrebungen im deut-
schen Ordenslande unter den Hochmeistern Luther von Braun-
schweig 1331 — 1335 und Dietrich von Altenburg 1335—1342
gegeben.
, Ausgezeichnete Guust^, fährt er fort, , sehen avIi- den
beiden grossen Legenden-Sammlungen zugCAvendet, von denen
die Universitätsbibliothek (zu Königsberg) noch je eine ITs.
besitzt. Ein Passional befand sicli im Ordenshause zu Königs-
berg, zwei andere Exemplare darf man vermiithen in den
beiden Bänden de sanctis des alten Verzeichnisses von Schlochau
und Bruchstücke zweier Hs, verwahrt das Provinzial-Arcliiv,
Der Veter buoch besassen die Ordenshäuser zu Kcinia-sbera-.
Marienburg, Osterode, Scldochau, Thorn und ein Inichst wahr-
scheinlich zu einer Hs. des Väterlebens gehöriges Bruchstück
ist im Provinzial-Archive aufgefunden worden.' Derselbe ge-
denkt dann weiter der andern geistlichen Werke, der deutsclum
Bibeln, des gereimten Abrisses der biblischen Geschichte, der
gereimten Bearbeitung des Hieb, der ebenfalls gereimten
Bearbeitung Daniels, der prosaischen Uebersetzung der Pro-
j pheten vom Barfüsser und Gustos in l'reussen Glaus (^rauc,
der prosaischen Uebersetzung der Apostelgeschichte, der pro-
saischen Uebersetzung der Apocalypse, so wie der gereimten
Bearbeitung derselben von Heinrich H e s 1 e r und noch einei-
I Reihe anderer Werke dieser Art, deren eines, das im Jahre 1331
geschriebene Gedicht von den sieben göttlichen Geheimnissen
128 Haupt.
des Erlösungswerkes oder Libellus septem sigilloruni von Tilo
von Culm bisher vollständig unbekannt war.
Der gereimte Hiob wurde 1338 unter dem Hochmeister
Dietrich von A 1 1 e n b u r g vollendet, der gereimte Daniel
ist auf besonderen Wunsch des Plochmeisters Luther von
Braunschweig also vor 133G gearbeitet, der eben g-e-
nannte Tilo hat zu Ehren des deutschen Ordens und beson-
ders Luthers von Braun schweig sein Buch geschrieben,
der selbst eine verlorne h. Barbara gereimt hat.
Die Hss. des Passionais und des Buchs der Väter,
die sich in Preussen in so grosser Zahl fanden, und wir werden
gewiss nicht von allen Kunde haben, deuten darauf, dass dei-
Dichter für den Orden geschrieben habe. Es finden sich in
seinen Werken Ausdrücke, die im Ordenslande eine besondere
technische Bedeutung hatten, gerade in dieser Bedeutung ge-
braucht, wie ,leitesman' statt Wegweiser. Ja, der Ausdruck
,tolke^ erhält in allen Stellen, wo er sich dessen bedient, erst
den rechten Nachdruck für uns, wenn wir uns erinnern, dass
noch am Ende des XVI. Jahrhunderts mit diesem Worte als
dem ämtlichen die Dolmetscher bezeichnet wurden, die dem
undeutschen Volke die deutsche Predigt zu übersetzen hatten.
Alle die erwähnten poetischen und prosaischen Arbeiten
gingen der römischen Kirche geradezu wider den Strich, und
noch ganz anders müssen sie den strengen Kirchenmännern
missfallen und die Galle geregt haben als das Buch der Väter
und das Passional unseres Dichters.
Der deutsche Orden, der in jenen Zeiten so wie später
ein Hauptträger der deutschen Mystik war, muss der Schirm-
herr unseres Dichters gewesen sein, daher die Gunst, die der-
selbe seinen Werken angedeihen Hess ; dieser Orden kann
einzig ,die gemeinschaft' gewesen sein, an die er sich im
ersten Prologe seines Buchs der Väter wendet; wir erhalten
damit zugleich die Erkläi'ung, warum er den Ausdruck ,same-
nunc' meidet, denn dieser galt für ,conventus^, womit weder
der Orden der deutschen Herren noch eines seiner Häuser zu
bezeichnen war.
Der Dichter des Passion als überragt alle die andern
des deutschen Ordens weit und höchst wahrscheinlich haben
sie alle von ihm gelernt, was wenigstens vom Nico! aus von
Ucbcr (las mitt(ililt'iitK(hc Hucli (hn Väter. 129
Jeroscliiu gewiss ist. Er lint walirscheinlich den Anstuss zu
der g-anzeu literarisclieu Beweguii"- in Pi-(;ussen zwischen
1325 — ISßO gegeben. Ist nun der Bischof Otte, der Verfixsser
des Barlaam in der Laubacher Es., i<h;ntisch mit dem
Dichter des Passionais, so fragt es sich, ob er der Bischof Otte
ist, der (Potthast, Suppl. S. 307) vom 23. .Dec. 1323 bis
15. Febr. 1348 auf dem Stuhle von Culm sass.
III.
Die Haiiclschrif'teii des Buchs der Väter.
Wir haben gesehen, dass eine vollständige Hs. des Buchs
der Väter, so viel wir bis jetzt wissen, gar nicht mein- vor-
handen ist. Dass die Leipziger Hs. eine vollständige nicht
ist, ward nachgewiesen und geht auch aus den Trümmern der
andern Hss, genugsam hervor. Niemand hat bis jetzt ver-
sucht, diese Trümmer zusammen zu stellen. In der folgenden
Uebersicht, die eine bedeutend grössere Zahl von Hss. um-
fasst, als man bis jetzt geahnt hat, wird wohl kein längeres
Stück fehlen ; lebhafter als ich kann aber niemand überzeugt
sein, dass noch manches kleinere Stück hieher gehören dürfte.
Denn gar so leicht ist es nicht, besonders einzelne Blätter, von
denen oft nur ein paar Zeilen gedruckt sind, als Bruchstücke
des Buchs der Väter zu erkennen. Wer hat z. B. bis jetzt
vermuthen können, dass der h. A n to n iu s in der Gö 1 1 w e iii e r
Hs. hieher gehört? So wird es noch mit manchem andern
Blatte der Fall sein. Von den hier verzeichneten Hss. kennen
Steffen hagen und Zacher Zeitschr. XIII S. 521 ausser
den beiden Königsbergern II und IX noch J, VI, VII und
X; Zingerle Sitzungsberichte Bd. LXIV S. 144 ausser III
der von ihm entdeckten Meraner, I, VI und X.'
I. Die Leipziger Hs. n. S16 der Universitäts- Biblio-
thek auf Perij-. in kl. f. aus dem XIV. Jahrh. besteht nocli
^ Wie schwer es ist, jedes Stück sofort zu erkennen, das aus unsenMu
Dicliter iu den Hss. zerstreut ist, weiss ieli nur zu gut. Damit es aber
auch andere wissen, bemerke ich hier, dass das Marien gebet der
Köuigsberger Hs. H. 237'' - -242' Zeitschr. XHI S. 511 ins Pas-
sional gehört, ed. Hahn 145,45 — 154.58.
Sitzl). d. vliil.-hist. Cl. LXIX. B.l. 11. litt. ' , 9
130 Haupt,
aus 158 Blättern, deren jedes mit Ausnahme des letzten in
vier Spalten beschrieben ist; die vier Spalten zälilen 192 — 200
Zeilen. Ein Register geht voi'an, das offenbar aus den rothen
Ueberschriften der einzelnen Abschnitte entstanden, die sich
in andern Hss. finden, der Leipziger aber entgehen.
Eine Abschrift dieser Hs. wird, wie schon am Eingange
bemerkt ist, unter Suppl. 2766 — 2769 in der k. k. Hofbiblio-
thek verwahrt.
IL Die Königsberger n. 900 der Universitäts-Biblio-
thek auf Perg. in 4" aus dem XV, Jahrh. besteht aus 105 Blät-
tern. Emil Steffenhagen, der Zeitschrift XIII S. 501 ff.
die in Königsberg vorhandenen deutschen Hss. beschreibt,
sagt S. 520 — 521 nichts, weder ob die Hs. in Spalten ge-
schrieben ist, noch wie viele Zeilen die Seite oder das
Blatt hat, er bemerkt blos, dass der zweite Quaternio
falsch gebunden ist und dass zwischen Blatt 102 und lOo ein
beträchtliches Stück fehle. Welche Stücke sind aber in ihr
enthalten? Pisanski Literäro-eschichte muss uns helfen, er
sagt S. 86, die Hs. enthalte ,die Geschichte von verschiedeneu
Heiligen: Antonius, Macarius, Zosimus, Appelles,
Apoll onius, den Siebenschläfern..' Diese Hs. gehört
also zu den vollständigeren, denn die Legende von den Sieben-
schläfern wird uns auch in anderen Hss. als ein Stück des
Buchs der Väter begegnen. Freilich entsteht da der Zweifel,
ob diese Siebenschläfer auch die unseres Dichters sind. Von
dem A 1 e X i u s , der sich am Schlüsse der Königsberger Hs.
befindet Bl. 103 — 105, sagt Steffenhagen blos, er sei
ein wörtlicher Auszug aus dem in einer Wiener Hs. (Hoff-
mann no XC, 15) befimllichen und darnach von Massmann
(Sanct Alexius Leben, Bibliothek der ges. deutsch. Nat.-Lit.
Bd. IX, 1843, S. 68 ff.) veröffentlichten Alexiusleben. Nach
dieser Angabe scheint der Schreiber gewusst zu haben, dass
ein Leben des h. Alexius zum Buche der Väter erehöre.
ö"
Warum aber hat er eine fremde Arbeit angefügt? War ihm
das Leben des Heiligen in der Hamburger Hs. (siehe
unten XIII.), das allein unserem Dichter eignen kann, un-
bekannt oder zu lang? Es scheint das letztere, da er uucIj
den von ihm beliebten Text abgekürzt hat.
Ueber das iiiittelileutsi-lu' l'.ui-li i\cv Vilter. lol
in. Die Meraner Bmclistücke, die Ziiigerlc in den
Sitzungsberichten Bd. I.XIV S. 143—282 veröffentlicht hat,
hiezii gehört aiicli das l)(i})pelbkitt Bd. LV S. ß3o— f)40, das
ich in den folgenden Tabellen mit X' X- })ezeichn(ui will. Es
sind zusammen 15 Doppelblätter, zwei einfache und ein halbes,
also zusammen 32 '/o Bl. von dieser Hs. 1)is jetzt aufgefunden
worden. Auch sie ist auf Perg. in f. das Blatt zu vier Spalten,
die Spalte zu 32 Zeilen geschrieben. Der Herausgeber hat
dieselben und ihren Inhalt also verzeichnet.
ABC Fromme Zusprüche und Betrachtendes
D'-^ Siebenschläfer
E'-'F'--^ ü' Euphrosyna
G''2 H' Pelagia '
H'-2 Abraham
I''- Mucius und Helenus
K' Johannes
K ' Amon
L ' Macarius
L- Ein Exempel und von Basilio dem Bischof
M' Moyses
M'^ Ein Elxempel und von einem guten Bruder
N' Ein Exempel
N- Macarius Zacharias etc.
O ' Macarius
0"^ Ein Exempel
P> Mucius
P'^ Von einem guten Münch
Q' Ein Exempel
Q- Von einem Altvater
R' Ein Exempel und von tnnem Altvater
R- Ein Exempel
A B C ist in dei' Lcipzigei' Hs. nicht vorhanden, da
diese Stücke gai' nicht zum Buch der Väter gehören. Sie
sind aus einer oder mehreren geistlichen Reden, wi(; deren
noch mehrere vorhanden sind. Eben so gehen ihr die Sieben-
schläfer und der Jüngling Abi'aham ab. Somit entfallen
für die folgende Tabelle ABC I ) II ' '. Die übrigen Blätter
vertheilen »ich folgenderinasseu auf die Leipziger Hs. :
9*
132
Hiiup t.
E'
Fl
F2
E-^
Gl
G2
H'
I'
12
Kl
K2
LI
L2
M»
M2
Ni
W
Ol
02
pl
p2
Q'
R2
146M41
148n41
ug*' 71
löl'^ 74
152'^ 10
156^41
158" 10
43'' 14
46"^ 74
57n35
53^ 12
115n03
118^55
131" 75
134n41
125" 88
130'^ 15
128^45
126M51
109*= 75
104n54
92" 24
92^51
137" 88
139" 76
147" 70
149" 70
150^ G
152" 9
152" 133
157" 74
158" 94
43-^ 140
47" 14
58" 67
53^ 138
116" 36
119" 89
132" 12
135" 77
126" 23
130'' 141
129" 79
127" 85
110" 4
105" 88
92'^ 150
93" 86
138" 11
140" 11
Dazu das Doppelblatt in Bd. LV. oder X:
XI . . 19" 39 — 19^58
X2 . . 23^127 — 24" 54
Hiernach haben also diese Blätter nach folgender Tabelle
geordnet zu werden:
XI . . 19" 39 -
X2 . . 23n27 —
11 . . 43" 14 —
12 . . 46" 74 —
K2 . . 53" 12 —
Kl . . 57n35 —
Q''2. . 92" 24 —
P2 . . 104M54 —
19'^ 158
24" 54
43^40
47" 14
53"= 138
58" 67
93" 86
105" 88
Uelier das mitteldeutsche Huch der Vater. 133
pl .
. lOlf 75 -
lur 4
LI .
. 115=103 -
Uf)'' 36
L-' .
. 118" 155 —
119" 89
N' .
. 125" 88
126'^ 23
o-^ .
. 126M51 —
127" 85
0' .
. 128" 145
129" 79
N2 .
. 130^^ 15
130^^141
M' .
. 131'^ 75
132" 12
M^ .
. 134'= 141 -
135" 77
Ri .
. 137"^ 88 -
138'^ 11
R2 .
. 139" 76 —
140" 11
E' .
. 146M41 —
147" 76
F''2.
. 148M41 —
150* 6
E2G'
. 151" 74 —
152<' 133
G2 .
. 156"= 141 —
157" 74
H' .
. 158" 10 — .
158"
Mittels dieser tabellarischen Hülfen kommt man zu mehr
als einem merkwürdig-en Ergebnisse über den Inhalt und Um-
fang der ]\Ieraner Hs. Zwei Blätter derselben folgen sich
unmittelbar nur zweimal, nämlich^ F''2 und E2G'; den ersten
hundert drei Blättern der Leipziger Hs. entsprechen
hier nur acht, dagegen den letzten füufundfünfz ig der
Leipziger Hs. stehen neunzehn in der M e r a n e r gegen-
über. Rechnet man den läicken nach von da, wo es mit
einiger Wahrscheinlichkeit für das Resultat geschehen kann,
so linden wir, da stets 128 Zeilen (darüber und darunter die
eine und andere wegen der Ueberschriften) ein Blatt in der
M er an er Hs. ausfüllen, dass
zwischen N> 125"88 — 126^23 und O2 126" 151 — 127" 85 Blatt 1
zwischen O2 imd O' 128" 145 — 129" 79 Blatt 2
zwischen O ' und N2 1 30" 15 — 1 30M 4 1 Blatt 1
zwischen N'^ und M' 131" 75 — 132" 12 Blatt l
j zwischen M ' und M2 134^^ 141 — 135" 77 Blatt 4
I zwischen M2 und Ri 137" 88 — 138" 1 1 Blatt 3
1 zwischen R' und R2 139" 76—140" 11 Blatt 2
fehlen. In dem dritten Theile scheint die Me ran er Hs. also
ziemlich genau mit der Lei pzige r übereingestimmt zuhaben,
leider lässt es sich nicht auch für die ersten Theile mit einiger
Wahrscheinlichkeit herausrechnen.
134 Huupt.
Uebrigens enthält die M e r a n e r Hs. ausser der E u p h r o-
sina und Pelagia auch noch die Siebenschläfer und
den Jüngling Abraham, wie schon oben bemerkt wurde.
IV. Die Melker Bruchstücke waren bis jetzt eigentlich
unbekannt. Jos. Diemer, kleine Beiträge etc., Sitzungs-
berichte Bd. XI S. 653—654, schreibt, der hochw. Herr
Bibliothekar des Stiftes Melk, Theo den- Mayer, habe ihm
26 Pergamentblätter zur Einsicht mitgetheilt, wovon 14 Bruch-
stücke von geistlichen Gedichten und die jüngeren und zahl-
reicheren novellenartige Erzählungen von frommen Männern
enthalten, ,die als Muster eines gleich gottesfürchtigen Lebens
dienen sollend Jos. D i e m e r versprach in Bälde einen Bericht
darüber, der ist aber nie erschienen. Ich wandte mich, da ich
nach Diemers Angaben unter den novellenartigen Erzählun-
gen Stücke aus dem Buche der Väter vermuthete, mit der
Bitte um Auskunft nach Melk. Umgehend übersendete mir
S. Hochwürden Herr Vincenz St auf er die sämmthchen
Bruchstücke deutscher Dichtungen der stiftischen Bibliothek
und damit auch die 14 Blätter, von denen Jos. Diemer
zuerst Nachricht gegeben hat^' Sie sind aus dem Buche der
Väter. Alle scheinen von Deckeln abgelöst und bilden 1 und
2 ein Doppelblatt, 3 — 10 eine Lage und zwar die XH'', 1 1-14
die zwei inneren Doppelblätter einer und zwar der 13. Lage.
Sie vertheilen sich auf die Leipziger Hs. folgendermassen :
1 = 70M77 — 7m50
2 = 75" 37 — 76" 8
- -10 = 76^73 — 83^42
o-
11-14 = 85' 83 — 88M62
Diese vierzehn Blätter sind noch in der ersten Hälfte
des XIV. Jahrhunderts in der alten ursprünglichen Mundart
sehr schön zu 2 Spalten von je 41 oder 42 Zeilen auf der
Seite geschrieben, der erste Buchstabe eines jeden Absatzes
abwechselnd roth oder blau, die rothen Ueberschriften stehen
heraussen an den Rändern.
' Ich spreche S. Hochvvürden meinen verbindlichsten Dank liiemit öffent-
lich aus, und ich bin es überzeugt, dass alle Freunde unseres Dichters
meinen Worten zustimmen werden. Im Anhange zu diesem Abschnitte
werde ich auch die Melker Bruchstücke des Passionals anzeigen, die
bisher eben so unbekannt waren.
l'oliov das inittplileutsclic I'.virli rlor ViitPV. IbO
Niiiuut man luui an, dastj auch dir l.ap:tni I — XI aus je
acht Blättern oder 32 Spalten zu 41 oder 42 Zeilen bestanden
haben, so erhält man 11X32 = 352 Spalten und ;}52X41
= 14332 oder 352X^2 ^ 14684 Zeilen. Da nun die 12. Lage
mit 7H''173 beginnt, so müssen mit diesen Versen die ersten
76 Blätter der Lcipzig-er Hs. bcinah(; vollständig- gedeckt
werden. Ich habe schon oben gesagt, das» die einzelnen
Blätter der Leipzigei- 11s. zwischen 192 und 200 Zeilen
schwanken. Nennen wir die höchste Zahl 200, so erhalten wir
200 X 76 = 15200 Zeilen; nehmen wir aber die niederste 192,
so erhalten wir 192X76 = 14592 Zeilen. Beide Producte
kommen also den Zahlen 14332 oder 14684, die für die ersten
eilf Lagen herausgerechnet wurden, nahe genug.
Die k. k. Hofbibliothek bewahrt aus Jos. Diemcrä
Nachlass eine Abschrift dieser Bruchstücke unter Suppl. 2775,
diese Abschrift ist zwar nach einer ganz falschen Zusammen-
stellung der Blätter gemacht, aber alle Abkürzungen sind
genau nachgeschrieben und von Jos. Diemer ist das Ganze
collationirt und mit den rothen Beischriften versehen worden.
V. Die Bruchstücke der Frankfurter Stadtbibliothek
bestehen erstens aus den zwei Blättern, die H. F. Massmann
in Mones Anzeiger VlII 338 ff. und 341 ff. abdrucken
Hess. Franz Roth bemerkt darüber in den ,Mittheiluhgen
des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frank-
furt a. ^L' Bd. I, 1860, S. 327: ,Diesc Pergamentblätter sind
in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts zweispaltig,
liniirt, die Spalte zu 38 Zeilen, jedoch jedes Blatt von anderer
Hand geschrieben.' Das erste Blatt umfasst einen Thcil der
Legende vom h. Hieronymus, meint Franz Roth, es ist
aber ein Theil der Legende vom Abbas Gerasimus oder
dem eselhütenden Löwen, wie sie im lauch der Väter zu lesen
ist, was schon im Abschnitte I, 4 gezeigt wurde. Das zweite
Blatt enthält den Schluss der h. Pelagia und zwar die
letzten achtzig Verse, in der Leipziger Hs. 158" 15— 158'' 94.
Hierauf folgt der Jüngling Abraham wie in den He-
ran e r Bruchstücken.
Ein weiteres Doppelblatt derselben pergamentenen Hs.
hat Franz Roth später aufgefunden und abdmeken lassen
inFr. Pfeiffers Germania XI, 1866, S. 407— 411. Dieses
136 Haupt.
Doppelblatt enthält den Schluss des b. Eustaebius und den
Anfang dei- Siebenschläfer.
Alle diese Stücke gehören an das Ende des Werkes und
streng genommen bürgen sie alle nicht dafür, ob sie auch in
dieser Hs. als ein Anhang zum Buch der Väter vorhanden
waren oder einer selbständigen Hs. angehörten, ungefähr Avie
die Hamburger, von der ich nachher reden werde, eine solche
ist und einige dieser sammt andern Legenden umfasst. Allen
Zweifel zu beschwichtigen, scheint Folgendes zu dienen.
V^ In Mones Anzeiger VHI, 203—205 hat Seh. in Fr.
(? Schreiber in Freiburg) ein Blatt bekannt gemacht, das
auf Perg. in f. zu 2 Spalten von je 3y Zeilen geschrieben ist.
Er gibt dieses Blatt nicht vollständig, sondern nur die zwei
ganzen Stücke (in der Leipziger Hs. 69'' 45 — 69''124 und
69" 125 — 69'' 162) und sagt, auf T' linde sich ausserdem
noch das Ende und 2^ die erste Zeile eines ferneren Stückes.
Wo ist dieses Blatt, das Seh. einem geistlichen Exempelbuche
entnommen glaubt, jetzt? — Der Form nach, 38 Zeilen die
Spalte, der Sprache und Schreibweise nach gehört es zu den
Frankfurter Bruchstücken und bürgt uns dafür, dass die klei-
neren Legenden auch hier nur ein Anhang waren.
VI. Die Regens burger Bruchstücke, wie sie nach
dem Fundorte heissen, machte K. Roth bekannt. Der Her-
ausgeber beschreibt dieselben , Denkmäler der deutschen Sprache,
München 1840', p. XIII : ,Die vier ein halb Pergamentblätter
in 4*^, welche die Bruchstücke enthalten, gehören zu einer
Hs. Die Bruchstücke der li. Euphrosyna stehen auf zAvei
einzelnen, die des h. Eustachius und der h. Theodora auf
zwei zusammenhängenden Blättern ; zum Eustachius gehört
überdiess ein der Länge nach durchschnittenes Blatt, dessen
rechter Rand hinten und vorn einzelne Buchstaben der weg-
geschnittenen Spalten (b und c) zeigt. Die Blätter sind zwei-
spaltig, die Spalte enthält 41 (einmal 42) abgesetzte Verse,
deren Anfangsbuchstaben gross und roth durchstrichen sind,
die der Abschnitte sind ganz roth, ^Vufschriften zeigen sich
nirgends, Spalten und Verse stehen zwischen feinen Linien,
die Schrift ist sehr schön, schwarz und deutlich.'
Weiter machte K. Roth in seinen , Dichtungen des
deutschen Mittelalters, Stadtamhof 1845'^, S. 39 ff. vier Blätter
lieber das mitteldeutsche Buch der Väter. 1 37
derselben Hs. bekannt, die zwei ineinander fallende Doppel-
blättcr bilden. Diese zwei no])i)elblätter, von denen 1 und
4 durch die Scheere des Buchbinders unten 12 oder l'} Verse
verloren haben, zertheilcn sich auf die Leipziger Hs.
wie folgt:
r . . Jf)'' 76 — 4;V104
1' . . 45ni7 — 45' 144
r . . 45n58 — 45'M84
V . . 46" 8 - 46^31
2 . . 47^87 — 48n58
3 . . 48" 159 — 49^30
4* . . 51'^ 75 — 51M04
4^ . . 5ril6 - 5ri44
4"= . . 51" 157 — 51" 184
4" . . 52" 6 — 52^34
Diese vier Blätter enthalten den Schluss der Legende
von Kopres, die Erzählungen von Theon und O i- vell-
ständig, dann den Anfang der Geschichte von Apollonius
und Philemon. Da diese Geschichten auch in der Leip-
ziger Hs. einander so folgen und in die vollkommen um-
gestellte Reisebeschreibung des Rufiinus und der Melania fallen,
so lässt sich an der richtigen Ueberlieferung, das heisst an
dem willkürlichen Verftihren des Dichters nicht mehr zweifeln.
Diese Regensburgcr Hs. muss zu den vollständigeren
gehört haben, da sie aus dem Anhange nicht nur die h. Euphro-
syna, sondern auch noch den Eustachius und die Theodora
zum mindesten enthielt. Die Stücke der Euphrosyna fallen
auf 146'^99- 147'^ und 150"146— 15ril7 der Leipziger Hs.
VH. Zu dieser Reg'cnsburger Hs. scheint das Bruch-
stück zu gehören, das im Germanischen IMuseum zu Nüin-
berg unter 18,066 aufbewahrt und wovon K. Bartsch im
Anzeiger 1862 Sp. 82 — 84 zuerst berichtet hat. Um die Stelle
dieses Nürnberger Bruchstückes in der Leipziger Hs.
bestimmen zu können, wandte ich mich um Auskunft an das
Germanische Museum, und H. Fromm an n war so gütig, mir
die ersten und letzten Zeilen jeder Spalte dieses Doppel})lattes
mitzutheilen, wofür ich demselben (»fFentlich danke. Die Blätter
sind oben verschnitten und so enthält jede Spah(( nur mehr
138 Haupt
36 oder 37 Zeilen, was man sogleich ersieht, wenn man die
Spalten auf die Leipziger Hs. vertheilt ; darnach ist
V . . 79M01 — 79^13Ü
1"^ . . 79^41 - 79M76
r . . 79^81 — 80" 25
1" . . 80'' 30 - 80'^ 66
2'' . . 80" 97 — 85'^ 132
2" . . 85M38 - 85n73
2' . . 85M78 — 86" 21
2*^ . . 86^^ 26 - 86'' 62
In dieser Hs. zählten die Spalten durchschnittlich 40 Zeilen
Text : die xinlangsbuchstahen der Absätze sind roth, die ersten
Lettern jeder Zeile roth durchstrichen, und die rothen Ueber-
schrifteu stehen bald zwischen dem Texte (2" z. 17 von einer
heidenischen ewart), bald am Rande (1'' von Epy})hanio). Diese
Bruchstücke stehen somit mit den Melkern und den Regens-
burgern in der nächsten Verwandtschaft. Dasselbe ist auch
der Fall
VlIL init dem Doppelblatte, das ich aus der Fragmenten-
sainmluui»' der k. k. Hofbibliothek als Suppl. 2709 aufgestellt habe.
Dasselbe ist auf Pergament zu zwei Spalten die Seite be-
schrieben, und zwar 1"''"' mit je 40, dagegen 2"" mit je 42 und
2"^ mit je 38 Zeilen. Offenbar w^aren 40 Zeilen für die Spalte
bestimmt und so suchte der Schreiber 2'-'^' mit 2"'' auszugleichen.
Die Aufschriften zwischen dem Texte sind roth, der erste
Buchstabe jedes Absatzes bald roth, bald blau. Die Hs. ge-
hört in die erste Hälfte des XIV. Jahrb.. ist sehr sorgfältig
und schön geschrieben und verhält sich zur Leipziger Hs. also :
gabcd ^ 6ri53 _ 62M19
IX. In seiner Beschreibung der Königsberger Hss.
erwähnt E. S te ff enhagen, Zeitschrift XIII 560 ff. eines
Doppelblattcs, vorhanden im Provinzial- Archive, perg. XIV. Jahrg.
kl. f., jede Seite zu drei Spalten. Das eine Blatt oder das
Bruchstück der von N i c 0 1 a u s von J e r 0 s c h i n in deutsche
Reime übersetzten Legende des h. Adalbert geht uns hier
nicht weiter an, aber das andere enthält in seinen sechs Spalten
ein Stück aus dem Buche der Väter. E. Steffenhagen
Veher rlas mitteldeutsche Uucli der Vater. 139
sagt, jdas Bruchstück unifasst im Ganzen 299* Verse und dar-
unter die von Karl Roth (Bruchstücke aus der Kaiser-
chronik etc., 1843, S. (31 fF.) nach einem Res>'e n sburger
rerganientblatte abgedruckten Verse, mit Ausnahme der ersten
4o, indem es mit Vers 44 nach Roths Zählung l)eginnt, Urära-
lich mit dem Verse ,mit einem michelen her^ Steffenhagen
gibt leider den letzten Vers nicht an, weshalb sich auch nicht
bestimmen lässt, bis wohin die Leipziger Hs. überein-
stimmt. Jener erste Vers steht ß^'SH. Uebrigens war die Hs.
i299 : 6 = 50) zu 50 Zeilen geschriel)en. Das Leben des
h. Antonius ist in dieser Hs. nur in ausgewählten Stücken
vorhanden.
X. Diese Regensburger Hs., aufweiche sich Steffen-
hagen bezieht, ist ein oben beschnittenes Perg.-Blatt zu drei
Spalten aus dem XIV. Jalu'hundert. Sclion der Herausgeber
selbst hat in , Bruchstücken aus der Kaiserchronik' bemerkt,
dass statt der Ordnung, die er in den , Denkmälern S. 7(i tf.
annahm, nämlich statt a b c d c f, vielmehr d e f a 1) c das
richtige sei. Die Trümmer dieser sechs Spalten fallen in die
Leipziger Hs. folgendermassen :
d ^ 5^63 - 5M8S
e = & 19 — 6* 45
f = 6" 75 - önoo
a = 6M29 — 6" 153
b = 6" 182 — 7^ 6
c = 7" .35 — 7'' 60
Das heisst, es standen, da 5 in der Leipz iger Hs. 195,
6 aber 198 Verse zählt, folglich auf der Spalte ungefähr
52 Zeilen.
Diese Regen sburger Hs. war im bairisch-(isterreichi-
schen Dialect geschrieben. Beide gehören schon ihrer Form
nach, drei Spalten die Seite, zu den ältesten, wie ja auch die
ältesten des Passionais zu drei Spalten die Seite geschrieben sind.
XL Der bairisch-österreichische Dialect ist auch für die
ursprüngliche Mundart eingetreten im G ö 1 1 w e i h e r Blatt.
Altd. Bl. II, 91 wird seiner als eines Bruchstückes der Legende
vom h. Antonius gedacht, Göttw. Hs. L. 5 (neu No. 130)
pag. 176 Verse aus dem XIII. Jalirhundert. Diese Zeit-
bestimmung ist ganz bestimmt falsch, aber der Irrthum beweist
140 Hanpt.
das Alter der Hs. Dieses Bruchstück beginnt mit dem Verse
,wazzer ist ein tranch dünne/ das ist 14''41 der Leipziger Hs.
Da die Hs. zweispaltig geschrieben ist, so treffen auf die kSpalte
44 Zeilen.
XII. Ein Stück aus dem Buch der Väter ist auch ent-
halten in der Hs. Cod. ph. 58 der regulirten Chorherren zu
Klostcr-Neuburg. Schon M o n e führt es an, Anzeiger VIH
213 und gibt davon die ersten drei Verse ,Ez war ein reiner
pischolf ein gueter man der seinen hof hielt mit eren raanigen
tag/ ohne natürlicher Weise zu wissen, dass es ein Stück aus
dem Buche der Väter ist, das in der Leipziger Hs.
82'101— 84''40 zu lesen ist.
Diesem Stücke voran steht die Legende von den Sieben-
schläfern.
Was die kleinen selbstständigen Legenden betrifft, so stellt
sich heraus, dass die einzelnen bisher aufgezählten Hss. enthalten:
I. Euphrosyna. Pelagia.
H. Siebenschläfer.
HL Euphrosyna. Pelagia. Abraham. Siebenschläfer.
V. Pelagia. Abraham. Siebenschläfer. Eusta-
>
chius.
VT. Euphrosyna. Eustachius. Theodora.
XIIL Von diesen Legenden stehen einige mit anderen ver-
einigt in einer Hs. der Hamburger Stadtbibliotliek. M. Lappen-
berg gibt von derselben im Anzeiger 1834 Sp. 38—40 Nach-
richten, welchen zufolge die Hs. in 12" auf Perg. im XHI
oder XIV. Jalirh. geschrieben ist. Sic gehörte einst, wie vorne
eingezeichnet steht, ,den susteren zu Campe in der Clusen'
und später dem eifrigen Sammler Uffenbach. Auf zwölf
Lagen von je acht Blättern, die Seite mit 24 Zeilen ohne ab-
gesetzte Reime, enthält diese Hs. folgende Erzählungen, deren
Anfänge und Enden Lappenberg 1. c. mittheilte. Ich führe
blos die Titel an:
). Duz ist von Zozimas vnde Marien egypciaca.
2. Diz ist von Abrahame dem einsedele.
3. Diz ist von Eufcmiano vnde dem guten Alexio. .
4. Diz ist von einer menlichen iuncvrowen.
Ufbei iliis inittehleiitsclie l^uili di-r Väter. 141
5. Diz ist von eiiuo rittere vndo einer hmcvrowen.
G. Diz ist von den siben sleferen.
Nummer 1 ist di(! Leg-ende der Maria Aegy])li:ica.
Nummer 2 vom Einsiedler Abraham ist enthalten in III. und
IV. Nummer 3 ist weiter nicht bekannt, aber aus dem Drucke
(Massmann, Sanct Alexius Leben, S. 105 — 117) ist zu er-
sehen, dass diese Legende, die merkwürdig-er Weise im Pas-
sionale fehlt, wo nicht von unserem Dichter, doch von einem
Zeitgenossen und Landsmanne herrühren müsse. Nummer 4
von einer männlichen Jungfrau, d. h. von der h. Mar gare tha
wäre zu untersuchen, wie sich dieselbe zur h. Margare tha
im P a s s i 0 n a 1 e ed. Kopke S. 326 ff. verhalte. Nummer ö von
einem Ritter und einer Jungfrau, d. i. von der h. Theodora
findet sich auch in VI. Endlich Nummer 6 ist in II, III und
V enthalten. Ausserdem steht diese Legende noch in zwei
anderen Hss., und zwar:
XIV. In 2779 (Rec. 2259) der k. k. Hofbibliothek auf
85"— 89^ In dieser Hs. sind bekanntlich auch Stücke des
Passion als 1"— 2" und 90''— 90'' enthalten, dann im Cod.
philos. 58 des Chorherren-Stiftes zu Kloster-Neuburg auf
155'' — 1 60''. Aus diesen beiden Hs. hat Dr. Th. G. von Kar a j a u
das Gedicht herausgegeben. Heidelberg, 1839.
XV. Dr. K. A. Barack verzeichnet in ,Die Handschriften
der fürstlich Fürstenbergischen Ilofbibliothek zu Donau-
eschingen.' Tübingen 1865. 8". S. 68 unter Nummer 80.,
Pergamenthandschrift aus dem Ende des XIII. Jahrb., 2 Blattei-
in 4o 2 Spalten, Beide Blätter sind unvollständig, Blatt 1 ist
in der Mitte quer auseinandei- gerissen und in Folge davon
verstümmelt, das 2. Bl. hat durch Abschnitte an der Seite und
unten verloren. Das Gedicht, das den Dichter des Passionais
zum Verfasser hat, und dessen Handschrift sich in Leipzig
befindet, ist noch ungedruckt. Ueber diese Bruchstücke gab
weitere Nachricht L. Bartsch, Anzeiger, 1862. Sp. 82—83;
er führt einige Verse daraus an, die in der Leipziger Hs.
aufzufinden ich nicht im Stande war. Da aber K. Bartsch
bemerkt, dieses Bruchstück fange in der Geschichte des Zo-
zimas an, so vermuthe ich, dass diese Brocken in die Legende
der Maria Aegyptiaca gehören, mit welcher die H a m b u i-
g e r Hs. beginnt.
J42 Haupt.
Zum Schlüsse will ich hier noch die zertrümmerten Hss.
des Passion als anzeigen, die bis jetzt unbekannt waren.
I. Unter den Melker Bruchstücken befinden sich acht
pero-amentene Blätter, in zwei Spalten zu je 36 Zeilen auf der
Seite beschrieben, und zwar in abg-esetzten Reimen zwischen
linirten Zeilen. Der erste Buchstabe jedes Reimpaares ist gross
und roth durchstrichen. Diese acht Blätter enthalten :
1 = Passional ed. Hahn 8, Ol)— 10, 46. (Dieses Blatt be-
steht eigentlich aus vier Streifen, die sich jedoch genau an-
einander schliessen. Einzelne Buchstaben hat die Scheere des
Buchbinders zerstört.) 2 = 146, 64—148, 17 ; 3 = 184, 72-186,
28; 4 = 330,34—331, 8; 5 = 333, 35—335, 4; 6=335, 15—
336, 62; 7 = 338, 15—339, 62; >^ = Marienlegenden XXV
67—210.
Diese acht Blätter in der ursprünglichen Mundart des
Dichters, sehr schön geschrieben, scheinen aus einer Hs. her-
zustammen, die das erste und zweite Buch des Passiouals voll-
ständig umfasste.
Die folgenden vier Bruchstücke befinden sicli in der k. k.
Hofbibliothek.
IL Suppl. 2705. Zwei Doppelblätter, die ineinander
fallen, Pergament, XIV. Jahrb., in 4" zu zwei Spalten, von je
49 Zeilen, enthalten noch von den Marienlegenden auf Bl. 1
und 2 die Verse I — HI, 42, dann auf Bl. 3 und 4 die Verse
IX— XII, 58 nach der Ausgabe Pfeiffers.
III. Suppl. 2712. Ein Blatt, Pergament, XIV. Jahrb.,
in 4" zu zwei Spalten von je 29 Zeilen, enthält aus den Marien-
legenden IX, 96 — XII, 87.
IV. Suppl. 2898. Nur zwei Streifen eines pergamentenen
Blattes, das dreispaltig noch in der ersten Hälfte des XIV.
Jahrhunderts zwischen linirten Zeilen sehr schön geschrieben
ist. Diese Streifen enthalten :
r 294, 31— 40 b 294, 83— 92 c 295, 38—47
2" 294, 53— 78 b 295, 6— 33 c 295, 9—32
1" 295,37—296,7 e 296,51— 60 f 297, 2—11
2'' 296, 21— 46 e 296, 73— 297,a2 f 297,24—49.
1" 2" 1'' 2"^ r gehören in die Legende des h.Pan erat ins
ed. Köi)ke Ni'. 30.
ri'lier (l;xs initteKleutsclie üucli dfi- Väter. 143
2c- ja 2" p 2^ j-i.jj .^,^g ,1^,. r.egende dJs h. l' rhu uns
ed. Köpke Nr. 31.
r und 2'" sind der Anfjuig- der Legende von der h. Petro-
n i 1 1 a ed. K ü p k e Nr. 32.
Die Hs. war in Spalten von 52 Zeilen g-eschrieben , sie
liat also genau das Format der K ön'igsb erger Hs. einge-
halten, nach M-eleher Köpke das dritte Buch des Passion als
herausgab. Sie scheint sogar besser als diese gewesen zu sein,
wenigstens an einer Stelle verdient ihre Lesart unbedingt den
Vorzug. Köpke liest 297 ,und wart getouft in gotes namen.
die siben heiligen lobesamen bestatte sie zur erde/ dagegen
steht hier ,die siben heilige licliamen.'
V. Suppl. 2711. Diese Hs. besteht nur mehr aus drei
Streifen, wovon zweie die untere Hälfte eines Doppelblattes
sind, von dem aber die rechte Hälfte des zweiten Blattes fehlt,
der dritte Streif ist die obere ?Iälfte eines Blattes. Diese
Streifen enthalten r'35, L5— 34: b35, 58— 77; c36, 8— 27:
d 9(3,51—71; 2'^ 47, 49—48, 20; b 49, 33—52; 3^ 125, 90-
126,8; b 137,29-138,1; c 125,8—20; d 125,52-64.
In dieser Hs. war somit nur eine Auswahl aus dem dritten
Buche des Passionais vorhanden. Uebrio-ens ist sie ebenfalls
im XIV. Jahrhunderte aber gegen das Ende geschrieben worden.
Anhang.
In der Note zum Prolog des Buchs der Väter habe
ich auf die Lehre des Dichters von der h. Dreiftiltigkeit auf-
merksam gemacht, er kommt öfter darauf zurück, z. B. 8"':
140 Ez enwere im ie nüwe Wie div gotes truwe
An der minne rate Mit vns geworben häte
Daz vns got sinen svn gab, Div minne waz der vrhab
Dvrch die ez aller meist geschach . .
Diese Lehre war der Gegenstand eines eigenen Gedichtes,
von dem ich ein Bruchstück in der Fragmenten-Sammlung der
k. k. Hofljibliothek aufgefunden und als Suppl. 2870 aufge-
stellt habe. Es ist leider ein oben und unten beschnittenes
Doppelblatt, von dessen zweiter Hälfte eigentlich nur nuihr ein
schmaler Streif vorhanden ist. Die Verse sind nicht abgesetzt
1 44 H a u p t.
sondern durch Punkte liinter den Reimen geschieden. Im
folgenden Drucke sind die Abkürzungen, ausgenommen vn, auf-
gelöst, alles übrige ward beibehalten, Punkte bezeichnen unlesbares.
r S triw da wurchet man an der riw
da uon der gewalt . . . herlich . .
gesaz in siner maegenkraft vn gedaht an sine groze hershaft
er gedaht ob iht des waere des er an siner wunne enber
vü des sin lobesam hof geriet do enuander nieman der
im riet
uil inner er do gedaht der gedanch in an ein wort braht
als er daz wort vol gesprach die wisheit er sa bi im sach
dev wart geborn uon sinem gewalt si ist vn wirdet mit
im alt
ßeidiv Avisheit vn gewalt iungent glich vn werdent alt
wie daz gesche des inwaeiz ich niht div schrift ir daz
verborgen gibt
wie div gebart geschehin si div gar ist alles wandeis vri
Sa zehant sprach der gewalt her ich enweiz niht des ich
enber
ich inweiz niht daz mir nu werre ich bin aller urevden
herre
ich inhan nu dehein gebresten von mineu chind dem besten
ich wil immer wesen vro des antwrt im . . . do
Li(eb)er herre vn
1'' die hau ich auch hin ze dir dev ist von dir geborn mit mir
si ist bechomin von vns zwein so bistv drivalt vn auch aein
div triwe ist unser glichiv uruht vn sin all dri in g(li)cher
zuht
gebresten hiets dv an mich also biet ich au dich
diu triwe auch chranchiu gestat swa du niht hilfest vü
ich rat
wir waerin auch an si enwiht vns drin gemein inwirret niht
Als ein chint daz in der niw beginnet reden sprach div triw
Ich han uernomen aein wort an dem lit allir saelden hört
Nu . . mich immer daz dv bist der gewalt vn ich in churzer
vrist
verdürben an die hüte din der gewalt vn du bedurft
auch min
Ueber das mitteldeutsche Buch der Väter. 145
SO bedürfen wir des g-ewaltes beid dca iibn uns dri niman
seheid
besimder hab wir unsercjv aiiipt vn beg-ens doch alle; dri
ensanipt
Ich wil ieliin daz wir dri in ganzer ainung- sin shidimg vri
wir sin g-ewaltich g-lich vn wis vns ziere auch glicher
triwen bris
wir sin aein endeloser tach dem diluiein gebrest geshaden
r iz uns ein missewende ob wir solteu haben ende
vn immer sin wir ein lieht daz nimmer deliein gebrest
ersieht
alle tugent mit vns jjeuangen sint du gwalt bist vater Dv
wishaeit chint
so bin ich iuwer minne bant da man nie losung an uant
vrevden hört der ist hie sater Nu höert auch mich sprach
der uater
Trevwe un wisheit ein tvgent haeizit warheit
der wil ich vns gemein iehin wan nimmer mach iz gesheliin
daz uater an chindelin ud sun an geburt mug sin
iz ist auch reht daz man uinde zvishen dem uater vn dem
chinde
ganze triwe daz ist gvt wan ein uil lihte ualshir mvt
- macliet si an tri\V(;n blint beidiv uater vn chint
Bi in wol div triwe zimt wan swer die niht ze gesellin niuit
vn shon besizzet sa irstat endelosiv missetat
Dev stat eren gar enbirt dan dev trev uerstozzen wirt
Ich gib triwe daz zvishen vns min vnd mins aeinborn suns
du bist rehtiv pflegerinue eren vrevd un steter minne
Din phfleg wurd doch schiei'
1'^ stat hat
da er sin ampt an irzeig vn auch sin reht hin geneig
Mit triwen sun bist du du mir . . nu
sag . . den gewalt wolt ob ich also leben solt
hilf dem gwalt od er ist ulorn wan dv bist uon mir geborn
An ravter ist din geburt si ist als ein verborgen vurt
den nieman an uns uinden mach an uns ist der svcli des
svchers slaeh
vnser al ein ist der chraciz da man die geburt inne Avaeiz
vorsehen so! man dar nacli lan 1)(Mi wisheit ix'den af began
Sitzl). d. phil.-hist. Cl. LXIX. IM. U. IUI. lU
246 Haupt. Ueber das mitteldeutsche Buch der V.äter.
(L)iebir herre vü uater min ich wil mit trevwin bi dir sin
immer vii bin ie gewesin swer der ewicheit buch chunde
lesin
der vunde mich shin vnde dich die gimme mich daz wort
vil dich die stimme
.... die gimme an schin niht .... stimme sin
da uon . . den man ir hört do du stimme . . breht mich
wort
so chan div tr(iw)e alsi si sol dich stimme mich wort
bedivten wol
Do sprach div triwe tugend halt e spraeche du uil lieb
gewalt
daz ich vn div wisheit rein begen vnse(ri)v ampt al ein
dv . . .
Diese vier Spalten werden genügen, auf dieses merk-
würdige Gedicht aufmerksam zu machen. So viel sich aus den
vereinzelten Worten des nächsten schmalen Streifen schliessen
lässt, dessen Abdruck nicht viel Gewinn bringen dürfte , so
hat der Dichter im Verfolg die Schöpfung und den Sturz der
Engel, und dann die Schöpfung der Welt und den Sündenfall
behandelt.
Pf iz maier. Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 147
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen.
Von
Dr. A. Pfizmaier,
wirkl. Mitglied der k. Akademie der Wissenschaften.
Uie hier gelieferte Abhandlung bringt vorerst Nach-
richten von einer Reihe zahlreicher und grösstentheils merk-
würdiger Kunstwerke des alten China's ^ deren ehemaliges
wirkliches Vorhandensein nur in wenigen Fällen, namentlich
wo taoistische Schriftsteller angeführt wurden, bezweifelt
werden mag.
Zunächst folgen weitläufige Auseinandersetzungen über
die Malerkunst und deren Stand seit den Zeiten der früheren
Han bis gegen das Ende der Dynastie Thang, sammt Erwäh-
nungen einer grossen Menge berühmter Maler und der Werke
derselben. Aus den bezüglichen Mittheilungen geht hervor,
dass die Malerkunst in dem alten China überaus geehrt war
und deren Jüngern oft die höchsten Auszeichnungen und übei'-
schwängliche Belohnungen zu Theil wurden. Unter den hier
verzeichneten berühmten Malern befinden sich zwei Kaiser, ein
Mitglied des kaiserlichen Hauses Thang, mehrere Heerführer
und hohe Würdenträger, Zugleich wurden die in den Quellen
vorkommenden Beurtheilungen von Gemälden, Avobei über die
meist schwierige Sprache und die eigenthümlichen Kuustaus-
drücke Licht zu verbreiten gesucht ward, aufgenommen.
Den Schluss bilden Nachrichten von verschiedenartigen
Kunststücken, geheimen Künsten, Verzauberung und Zauber-
kunst.
10*
148
P f i z m a i e r.
Kimstfertis?keiteu.
Das Buch der fortgesetzten Hau sagt:
'^J ^ Tschang-heng war von Gemüthsart geistvoll und
tiefdenkend. Er besass Kunstfertigkeit und Sinn für schone
Kunst. Er verfertigte die Weise des Erdbebens. Er goss
diese aus reinem Kupfer. Das Geräthe mass im Umfange
acht Schuh und glich von Gestalt einem geneigten Weinzuber.
Der Deckel war erhaben Aid mit Tschuenschrift geziert. Aus-
wendig waren acht Drachenhäupter, die in dem Munde kupferi e
Kugeln hielten. Unten war eine Kröte, welche die Kugeln in
Empfang nahm. Wenn der Zahn ^ das Triebwerk in Bewe-
a-une- setzte, verschwand alles und befand sich in dem Zuber.
Dieser war rings geschlossen und ohne Grenzmarke gleich
einem einzigen Körper. Bei einem Erdbeben schickte das
Triebwerk einen Drachen hervor, der sogleich die Kugel aus
dem Munde warf. Die Kröte sperrte den Mund auf und em-
pfing die Kugel. Ein Geräusch verbreitete sich unter Zittern.
Der Vorstehende ward hierdurch aufmerksam gemacht, und
durchsah das Triebwerk der Drachen. Indem die übrigen
sieben Häupter nicht hervorkamen, wusste er, woher das Erd-
beben sich erhoben. Vereinigung und Gefüge waren wie etwas
Göttliches. Alle, die es sahen, waren von dessen Wuiiderbar-
keit und Zierlichkeit betroffen. Seit dem Alterthum bis zu
der Gegenwart hatte es dergleichen noch nicht gegeben.
Die Denkwürdigkeiten von Schö sagen:
^ "^ ^ Tschü-kö-liang war von Sinn kunstfertig.
Schädliches und Nützliches, zusammengefügte Armbrüste, h(il-
zerne Rinder, herumlaufende Pferde waren seinen Gedanken
entsprungen.
Das Bucli der Tsin sagt:
jä| J-m^ Ili-khang war von Sinn überaus kunstfertig und
befasste sich gern mit Schmieden. In seinem Wolmhause be-
fand sich ein Weidenbaum, der sehr blätterreicli war. Khang
umrinö'te ihn mit aufo;estautem Wasser. In den Monaten des
Sonnuers verweilte er unter ihm und scluniedete.
' ^r Y;i ,Z;iliii' scliciiit otwns wie ein Driic-kcr zu sein.
KiinstferÜKkeiten und Künste der alten Cliiuesen. 149
Die Dailcguno-en von Tsin sagen : *
Der König von Sung bclagei-tc Mu-ynng-tschao '. ^[j^ ^
Tschang-kang übertraf die Menschen an Kunstfertigkeit. Man
hiess ihn im grossen Massstabe AVerkzeiige des Augriffs her-
stellen. Die auf den Stadtmauern befindlichen Feuersteine,
Bogen und Armbrüste erwiesen sich hierauf als unbraiichbar.
Der Frühling und Herbst von Tsin sagt:
^K [^ Kiü-schi von Heng-yang besass grosse Kunst-
fertigkeit und Tiefsinn. Er verfertigte ein hiilzernes Haiis.
Er bildete ein Weib , welches darin wohnte. Ein Mensch
klopfte an die Thüre. Das Weib öffnete die Thüre und trat
heraus. An der Thüre verbeugte es sich zweimal. Es ging
zurück, trat bei der Thüre ein und verschloss sie.
Ferner verfertigte er einen Rattonmarkt. In demselben
waren an den vier Weltgegenden, im Umfange einer Klafter
vier Thore. Innerhalb der Tliore befand sich ein hölzerner
Mensch, der vier bis fünf Ratten freien Lauf Hess. Wenn
diese bei einem Thorß hinaus laufen wollten, schob der höl-
zerne Mensch sogleich ein Holz vor und verdeckte das Thor.
So war es bei jedem Thore, und die Ratten konnten nicht
hinauslaufen.
Ferner verfertigte er einen nach Süden zeigenden Wagen
und einen hölzernen Sclaven, den er Getreide stampfen und
Körner bereiten liess.
Tschung-tsung - hörte von dessen Kunstfertigkeit und er-
nannte ihn in einer höchsten Verkündung zum ausbessernden
Beaufsichtiger des Vorstehers der Arzneimittel zur Linken.
Das von Tschin-yö verfasste Buch der Sung sagt:
Schi-hu hiess ^ ^ Kiai-fei und ^ ))^ ITu-seng,
Befehlshaber von Yao-hing, einen nach Süden zeigenden Wagen
verfertigen. Als Wu, Kaiser von Sung, Tschang-ngan be-
i Der König vf.ii Sung ist Lieu-yö, der spätere Kaiser Wu und Gründer
des Hauses Sung. Derselbe wurde im ersten Jahre des Zeitraumes Yuen-
hi (419 n. Chr.) zum Könige von Sung befördert. Früher, im sechsten
Jahre des Zeitraumes I-hi (410 n. Chr.) vernichtete er als Heerführer
von Tsin das südliche Yen und enthauptete Mu-yung-tsehao, der sich den
Kaiser von Yen genannt hatte.
2 Tschung-tsung ist der Tempelname des Kaisers "\ueu aus dem Hause der
östlichen Tsin.
150
P f i z m a i e r.
ruhigte, erlangte er zum ersten Male diesen Wagen. Derselbe
war durch die westlichen Freradländer hergerichtet und besass
kein grosses Uebermass von Geistigkeit. Er wendete sich zwar
nach Süden, Hess aber oft das Richtige nicht erkennen. Wenn
man sich in Krümmungen augenblicklich sammelte, musste
man ihn noch immer durch Menschenkraft zurecht bringen.
Z
M' iffl Tsu-tschung-tschi^ ein Mensch von Fan-yang, besass
gTOsse Kunstfertigkeit und Tiefsinn. Er sagte immer, dass man
den Wagen nochmals zusammenfügen und verfertigen solle. Zu
den Zeiten des Kaisers Schün, gegen das Ende des Zeitraumes
Sching-ming (477 bis 479 n. Chr.) wurde der König von Tsi
Reichsgehilfe und befahl Tschung-tschi, diesen Wagen zu ver-
fertigen. Die Herstellung desselben war sehr geistvoll. Bei
hundert Krümmen und tausend Umkehrungen hatte er sich
noch niemals verrückt oder verändert.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
^ jj^ "^ Kao-lung-tschi war von Sinn kleinlich und
kunstfertig. Selbst in Bezug auf fürstliche Häuser, die Weise
der Flügelfedern, die hundert Spiele und die Kleidertracht gab
es um die Zeit Veränderungen, und man richtete sich nicht
nach den alten Mustern. In den Erörterungen der damaligen
Zeit gab man ihm Unrecht.
Die Ueberlieferungen von Männern der Schrift sagen:
Tschang-heng ^ verfertigte einst einen hölzernen Vogel.
Er setzte ihm Flügel an und versah ihn in dem Bauche mit
einem Triebwerk, in Folge dessen der Vogel mehrere Weg-
längen weit fliegen konnte.
Die Verzeichnisse des späteren Tschao sagen :
i^ pS|5 Ping-fu stammte aus Lö-ling. Er liebte das
Lernen und besass viele Gaben und Sinn für die schönen
Künste. Seine Kunstfertigkeit, sein Tiefsinn, seine Trieb-
werke und sein Verstand waren wundervoller als das, was in
der damaligen Zeit vorkam. Die Paläste, Vorhallen, Erd-
stufen und Söller des Reiches Siang waren sämmtlich durch
Fu erbaut worden.
Die besonderen Ueberlieferungen von Ma-kiün sagen:
E j\Ia-kiün führte den Jünglingsnamen ^ -^
Tschaug-heng ist oben (S. 148) vorgekommen.
Kunstfertigkeiten und Künste ilcr alten (.'hinesoit. 151
Tse-heng und stammte aus Fu-fung. Seine Kijinstfcrtigkeit und
sein Tiefsinn übertraten alles in dem Zeitalter. Er selbst
wusste nicht, dass er kunstfertig sei. Er lebte in Armuth.
Die alten Webstühle für glänzende Tücher hatten bei fünfzig
Fäden der Webe fünfzig Tritte, bei sechzig Fäden der Webe
sechzig Tritte. Kiün veränderte sie durch zwölf Tritte. Merk-
würdige und wunderbare Abwechslung entstanden somit auf
eine ergreifende Weise. Sie wurden auch von selbst zu Stande
gebracht. Ihre Gestalt war gleichsam das Unerschöpfliche des
Yin und Yang.
Die Ueberlieferungen von göttlichen Unsterblichen von
Kö-hung sagen:
^ ^ Kö-yeu stammte aus Schö. Derselbe schnitzte
aus Holz ein Schaf, welches gehen konnte. Eines Morgens
bestieg er das Schaf und begab sich in das Gebirge. Er
sagte hierauf, dass er die Unsterblichen gefunden halje. Man
weiss nicht, ob er etwas Wirkliches andeutete.
Die Geschichte der Ereignisse in Nie sagt:
» Schi-hu besass einen nach Süden zeigenden Wagen und
einen den Weglängen vorstehenden Wagen. Ferner besass er
Mörserwagen und hölzerne Menschen. Dabei verfertigte man
fahrende Stampfer auf dem Wagen. Wenn dieser sich in Be-
Avegung setzte, so trat der hölzerne Mensch den Stampfer.
Wenn man zehn Weglängen fuhr, so brachte man einen Scheffel
Körner zu Wege. Ferner besass er Mühlwagen. Man legte
Mühlsteine auf den Wagen. Wenn man zehn Weglängen fuhr,
muhl man sofort einen Scheffel. Alle diese Wagen waren mit
hellrothen und buntglänzenden Farben geschmückt. Man
brauchte jedoch einen Menschen, der den Wagen führte. Wenn
die Wagen fuhren, kamen alle Kunstfertigkeiten zum Vorschein.
Hielten die Wagen an, so hatte es ein Ende. Dieselben waren
von dem mittleren kaiserlichen Vermerker Kiai-fei ' und dem
den Arzneimitteln vorstehenden Menschen ^^ ^^ ^ Wei-
meng-pien verfertigt worden.
Schi-hu war in seinem Gemüthe überaus für Buddha ein-
genommen. Alle Kunstfertigkeiten und Weisen der Verschwen-
dung können nicht dargelegt werden. Man verfertigte einst
• Kiai-fei ist oben (,S. U9) vorgekommeu.
152 Pfizmaier.
einen Wagen aus Sandelholz. Derselbe mass in der Länge und
Breite eine Klafter, war bequem und vierräderig. Man ver-
fertio-te eine goldene Bildsäule Buddha's, der auf dem Wagen
sass. Neun Drachen spieen Wasser und benetzten ihn. Ferner
verfertigte man einen hölzernen Menschen des Weges. Der-
selbe berührte immer mit der Hand die Gegend zwischen dem
Herzen imd dem Bauche Buddha's. Noch waren zehn hölzerne
Menschen des Weges, die zwei Schuh lang waren. Dieselben
öffneten ein Chorhemd und umwickelten damit Buddha. Wenn
sie im Gehen sich vor Buddha befanden, verbeugten sie sich
sogleich und bezeigten ihm ihre Ehrfurcht. Sie nahmen ferner
mit drei Fingern der Hand Wohlgerüche und warfen sie in
das Kauchfass. Sie waren von Menschen nicht verschieden.
Wenn der Wagen fuhr, wandelten die hölzernen Menschen
und die Drachen spieen Wasser. Wenn der Wagen stehen
blieb, so hatte es ein Ende. Diess war ebenfalls ein Werk
Kiai-fei's.
Die Darlegung des Zeitraumes Yuen-tschung sagt:
Das Geschlecht ^^ -^ Ki-kueng war in wunderbaren
Kunstfertigkeiten bewandert. Es konnte fliegende Wagen ver-
fertigen, die weit in der Richtung des Windes fuhren.
Die Darlegung der erzählten MerkAvürdigkeitcn sagt :
^^ ^ Lu-puan verfertigte aus Stein eine Abbildung
der neun Landstriche Yü's. Dieselbe belindet sich jetzt in
dem Felsenhause von Ke-tsching, inmitten der nördlichen
Felsenwände von Schau-tung.
Die vermischten Erwähnungen der westlichen Mutterstadt
sagen :
^fe ~J^ Ting-hoan, ein kunstfertiger Handwerker von
Tschang-ngan, verfertigte eine immer volle Lampe, das Wunder
der sieben Drachen und fünf Paradiesvögel, gemischt mit den
Blumen und Wurzeln der Lotuspflanze.
Ferner verfertigte er die Rauchfässer der Matten zum
Liegen. Dieselben heissen auch die Rauchfässer in den Bett-
decken. Ihre Einrichtung stammt eigentlich aus Fu-fuug und
Hoan erfand sie von Neuem. Ein Ring drehte sieh um die
vier VerSperrungen, und der Körper des Rauchfasses war
immer gleichförmig. Man konnte sie auf Bettdecken und Matten
Kuustfertigkciten uml Künste der iilteii Chinesen. 153
stellen, daher g'ab man ihnen den Namen nach den Bettdecken
und Matten.
Er verfertigte ferner einen ncnnfach gethürmtcn Bcr^.
Die Eingrabungen waren wunderbare Vögel, seltsame vier-
füssige Thiere und reingeistige Wesen. Sie alle drehten und
bcAvegten sich von selbst.
Noch verfertigte er einen siebenrädcrigcn Fächer. Er
bildete reihenAveise sieben Räder, welche einen Schuh im Durch-
messer hatten. Zugleich setzten sie sich gegenseitig fort. Wenn
ein ]\Iensch ihn drehte, entstand in der ganzen Halle überall
ein kalter Wind.
In die Pfeiler der Vorhalle von Tschao-yang waren
Drachen und Schlangen geschnitzt, welche sich um sie wanden.
Dieses war durch die Holzarbeiter Ting-hoan und ^ ^
Li-kiö verfertigt worden. Dieses Kunstwerk war das erste in
der Welt.
Die Geschichte von Liang-tscheu sagt:
Zu den Zeiten Liü-kuang's ' war ein gewisser M^ Y^
Jin-sche. Derselbe versteckte sich und wurde ein Sclave in
dem Hause j^ ^ Wang-hin's. Er wurde entdeckt und sollte
sterben. Sehe besass wunderbare Kunstfertigkeit. Der König
sprach : Du bist ein Genosse f^ ^ Lu-puan's. — Desswegen
begnadigte er ihn. Die Windthore und Vorhallen von Liang
neigten sich mit der Länge der Jahre und Avaren verfallen.
Sehe brachte seine Kunstfertigkeit rings zur Geltung und
fülirte seine Gedanken aus. Erde und Holz Avurden richtig,'
gestellt.
Die Geschichte des Auflesens des Hinterlassenen von
Wang-tse-nien sagt :
Das Reich ^ ^ Siü-tschi ist von dem Reiche ^"^ v|g
. Ni-li achtnull zehntausend Weglängen entfernt. Die Weiber
dieses Reiches A-erstehen sich auf das Weben. Sie nehmen
fünffärbige Seide nach und nach in den Mund, ziehen sie mit
beiden Händen und A'erfertigen somit gestreifte buntfarbige
1 ■yf' S Liü-kuaiif;- nannte sich iin t'inundzwanzigstcn Jalire dos
Zeitraumes Tai-yuen (396 n, Clu-.) deii Ilimmelskönig von Liang.
J54 Pfizmaier.
Seidenstoffe, die mit Reihen von Lampen und Kerzen Aehn-
lichkeit haben.
Der Kaiser des Anfangs errichtete die Erdstufe der
herumschweifenden Wolken. Er erschöpfte die Kleinode und
werthvollen Stoffe der vier Gegenden. Er suchte die kunst-
fertigsten Handwerker der Welt. Diese konnten das Leere
ersteigen, die Bäume umkreisen, die Axt schwingen in dem
Himmelsraume.
Im zweiten Jahre des Kaisers des Anfangs machte das
Reich ')^ ^ Khien-siao zum Geschenk einen geschickten bil-
denden Künstler, Namens ^ ^ Lie-L Derselbe meisselte
aus weissem Edelsteine zwei Tiger. Er schnitt aus Edelstein
Haare, die wie echte vorhanden waren. Er tüpfelte nicht die
beiden Augäpfel. Der Kaiser des Anfangs tüpfelte sie. Als-
bald flogen die Tiger fort. Im nächsten Jahre machte die
südliche Provinz zwei weisse Tiger zum Geschenk. Der Kaiser
des Anfangs Hess sie besichtigen. Es waren diejenigen, die
früher aus Edelstein geschnitten worden. Der Kaiser befahl,
die Augäpfel zu entfernen. Die zwei Tiger konnten nicht
mehr verschwinden.
Die Geschichte berühmter Bildner der laufenden Zeit-
alter sagt:
Die aus dem Geschlechte Tschao stammende Gemalin des
Königs von U war die jüngere Schwester des Reichsgehilfen
Tschao-tä. Dieselbe verstand sich auf das Abbilden. Ihre
Kunstfertigkeit war wundervoll und hatte nicht ihres Gleichen.
Sie konnte zwischen den Fingern aus buntfarbigen Geweben
Brocat der Drachen und Paradiesvögel verfertigen. In dem
Palaste nannte man dieses: das Ueberragende des Webstuhls.
Sün-kiuen bedauerte immer, dass in Pa und Schö noch
nicht der Friede hergestellt war. Er gedachte, gute Maler zu
erhalten, welche die Berge, Flüsse und die Gestalt der Erde
abbilden sollten. Die Gemalin überreichte die von ihr gezeich-
neten Bildnisse des Stromes, der Seen, der neun Landstriche,
Berge und Berghöhen. Ferner stickte sie auf viereckige Lein-
Kunstfertigkeiten uml Küut-te der alten Chinesen. 155
wand die fünf Berghohen, die Reiche und die Grestalt der Erde.
In dem Palaste nannte man dieses: das Ueberragende der Nadel.
Ferner fügte sie mit Leim Haupthaare und Seide zusammen
und verfertigte leichte Zelte. In dem Paläste nannte man dieses:
das Ueberragende der Seide.
^ Üi Sie-tschuang von Sung führte den Jünglingsna-
men ^ ^ Hi-yi. Er war von Sinn sehr kunstfertig und
tiefdenkend. Er richtete Holz von dem Umfange einer Klafter
her. Daselbst bildete er die Berge und Flüsse der Welt, die
Erde und die Länder ab. Alles war abgetheilt und geordnet.
Wenn er es trennte, so Avaren die Landstriche gesondert, die
Provinzen verschieden. Wenn er es zusammensetzte, so war
der Erdkreis ein einziges Granzes.
Lao-tse sagt:
Grosse Kunstfertigkeit ist gleich Ungeschicklichkeit.
Ueberragende Kunstfertigkeit verschmäht den Nutzen.
Bei Räubern ist dieses nicht der Fall.
Das Buch Tschuang-tse sagt : '
Der Töpfer sagt : Ich verstehe mich gut auf die Bearbei-
tung des Lehmes. Das Runde passt zu dem Zirkel, das Vier-
eckige passt zu dem Winkelmass. Der Zimmermann sagt : Ich
verstehe mich gut auf die Bearbeitung des Holzes. Das Krumme
passt zu dem Haken, das Gerade entspricht der Schnur. —
Der Sinn des Lehmes und des Holzes, wie sollte er passen
wollen zu Zirkel, Winkelmass, Haken und Schnur?
Der Kunstfertige arbeitet, der Verständige ist bekümmert.
Der Unfähige hat nichts, wornach er strebt.
Man thut nichts und lacht über den Kunstfertigen. '
' Der Kunstfertige thut etwas und verletzt dadurch seinen Geist.
J56 rfizmaier.
Der überdeckende Himmel, die aufladende Erde schnitzen
sämmtliche Gestalten , sind aber nicht kunstfertig. ') Dieses
nennt man die Freude des Himmels. 2)
Wer nach Ziegeln trachtet, ist kunstfertig. Wer nach Ha-
ken trachtet, ist verschämt. Wer nach Golde trachtet, ist ver-
blendet. 3)
Ein Mensch von ^ß Ying überdeckte seine Nase mit
farbiger Erde. Die Ränder waren wie Fliegenflügel. Er hiess
^ [^ Tsiang-schi sie abhauen. Tsiang-schi drehte die Axt
im Kreise, bewirkte ein Gesause und hieb sie ab. Er tilgte
die farbige Erde, aber die Nase war nicht verletzt. Der Mensch
von , Ying stand, ohne die" Fassung zu verlieren. Yuen, Lan-
desherr von Sung, hörte dieses. Er berief Tsiang-schi zu sich
und sagte : Versuche es, dieses bei mir zu thun. — Tsiang-schi
sprach: Ich bin immer im Stande, sie abzuhauen, aber mein
Bürge ist längst gestorben.
Das Buch Lie-tse sagt:
König Mo von Tscheu zog im Westen umher. Man schenkte
ihm einen Künstler, dessen Name gj|| ^J Yen-ssc. Dieser sprach:
Möge mir nur befohlen werden, was ich versuchen soll. Aber
ich habe bereits etwas verfertigt. Es ist mein Wunsch, dass
der König es früher besichtige. — König Mö sprach: Bringe
es mit dir. Ich werde es mit dir besichtigen. — Den anderen
Tag meldete sich Yen-sse bei dem Könige zum Besuche. Der
König sprach : Was für ein Mensch ist derjenige, der mit dir
gekommen ist? — Jener antwortete: Es ist die geschickte
Tänzerin, die ich verfertigt habe. — K^Vnig Mo blickte sie er-
schrocken an. Vorauslaufen, Einherschreiten, Bücken, Empor-
Ijlicken und Sprache waren menschlich. Der kunstfertige Mann
umfasste ihr Kinn , und sie sang die vereinten Weisen. Er
fasste sie bei der Hand, und sie tanzte die entsprechenden
Abschnitte. Die tausend Veränderungen und hundert Verwand-
lungen waren nur durch Gedanken zu Wege gebracht. Der
König hielt sie für einen wirklichen Menschen. Er hatte in
' Die Kunstfertigkeit ist hier wundervoll, und die Dinge sind es von selbst.
Deswegen wird die Kunstfertigkeit nicht gepriesen.
2 Man vergisst auf die Freude, und die Freude genügt.
3 Je bedeutender das ist, was man begehrt, desto dunkler ist das Herz,
Kunstfertigkeiten uml k'iiiiste »1er alten Chinesen. ]57
dem Inneren Umfj^ang- mit der Gemahlin von deim Reiche Sching
und Hess sie zugleich die Künste sehen. Als es ein Ende
nelimen sollte, nickte die Tänzerin mit den Augen und winkte
die Umgebung des Königs so wie die aufwartenden Mägde
herbei. Der König wurde zornig und wollte Yen-sse sogleich
hinrichten lassen.
Yen-sse war sehr beängstigt. Er zerschnitt sogleich die
Tänzerin und zeigte sie dem Könige. Alles war aus Leder,
Holz, Leim und Pech mit weisser, schwarzer, mennigrother und
grüner Färbung verfertigt. Innerlich Ovaren Leber, Galle, Herz,
Lunge, Milz, Nieren, Eingeweide und Magen, äusserlich Muskeln,
Knochen, Gelenke, Haut, Haare, Zähne und Haupthaar sämnit-
lich falsch. Es war nichts, das nicht vollständig vorhanden
gewesen wäre. Er setzte es zusammen, und sie wurde wieder,
wie sie anfänglich gewesen. Der König versuchte es, ihr Herz
zu beseitigen, und sie konnte mit dem Munde nicht sprechen.
Er beseitigte ihre Leber, und sie konnte mit den Augen nicht
sehen. Er beseitigte ihre Nieren, und sie konnte mit den Füssen
nicht einherschreiten. König Mo sprach: Die Kunstfertigkeit
des Menschen hat mit dem Bewerkstelligen der Verwandlungen
gleiches Verdienst. — Er erliess einen höchsten Befehl, dass
man Yen-sse als Zweiten in den Wao-en nehme und Hess ihn
heimkehren.
Die Wolkenleiter ^|j ^ Puan-schü's, der fliegende Geier
^ ^ Me-ti's machten sich als die Gipfelung der Fähigkeiten
geltend. Ihre Schüler ^ g Ku-kin und ß^ ^ }*!* lluö-li-
kien von dem östlichen Thore meldeten die Kunstfertigkeit
Yen-sse's jenen zwei Männern. Die zwei Männer getrauten
sich ihr ganzes Leben nicht, von schönen Künsten zu sprechen,
und sie erfassten eine Zeit hindurch Zirkel und Winkelmass.
Unter den Menschen von Sung war einer, der für seinen
Landesherrn aus Edelstein ein Eiclienblatt verfertigte. In drei
Jahren hatte er es zu Stande gebracht. Man mischte es unter
Eichenblätter, und man konnte es nicht unterscheiden. Dieser
Mensch bezog seiner Kunstfertigkeit wegen einen Gehalt von
dem Ileiche Sung. Lie-tse hörte dieses und sprach : Wenn
j Himmel und Erde, iiidyss sie Dinge hervorbringen, in drei
J58 Pfizraaier.
Jahren ein Blatt zu Stande brächten, so wären der Dinge,
welche Blätter besitzen , wenige. Deswegen verlassen sich
höchstweise Menschen auf den Weg und die Verwandlungen,
sie verlassen sich aber nicht auf Kenntniss und Kunstfertigkeit.
"7* Jllc ^ Khao-tsching-tse lernte die Zauberkunst bei
bei dem Frühgebornen a^ ^ Yün-wen. Dieser sagte ihm
durch drei Jahre nichts. Kliao-tsching-tse bat wegen seiner
Vergehen und verlangte, dass er zurücktreten dürfe. Der Früh-
geborne Yün-wen sprach: Einst wandelte ^^ -^ Lao-than
umher im Westen. Er blickte auf mich zurück und sagte mir :
Die Luft des mit Leben Begabten, das Aussehen des mit Gestalt
Begabten ist lauter Zauberei. Dasjenige, wodurch die Bewerkstelli-
gung der Verwandlungen ihren Anfang nimmt, wodurch das
Yin und Yang sich verändert, nennt man das Leben, nennt
man den Tod. Erschöpfen die Zahlen, durchdringen die Ver-
änderungen, von der Gestalt ausgehen, versetzen und wechseln,
nennt man Verwandlung, nennt man Zauberei. Die Dinge be-
werkstelligen, hierbei ist die Kunstfertigkeit wundervoll, das
Verdienst bedeutend. Deswegen ist es schwer zu beenden,
schwer zu erschöpfen. Von der Gestalt ausgehen, hierbei ist
die Kunstfertigkeit offenkundig, das Verdienst gering. Deswegen
folgt es der Erhebung, folgt es der Vernichtung. Wenn man
weiss, dass Verwandlung und Zauberei von Leben und Tod
nicht verschieden sind, dann kann man die Zauberei lernen.
Ich und du, wir sind ebenfalls Zauberer. Wozu brauchten wir
diese Kunst zu lernen?
Das Buch Me-tse sagt:
"7* $il ^ Kung-schü-tse schnitzte das Holz des Bam-
bus und bildete eine Aelster. Als sie fertig war, Hess er sie
fliegen. Sie kam durch drei Tage nicht herunter. Er hielt
dieses für die grösste Kunstfertigkeit. Me-tse sagte zu ihm:
Wenn du eine Aelster verfertigst, so ist dieses weniger, als
wenn der Zimmermann den Achsenstift des Wagens verfertigt.
Er stellt augenblicklich ein drei Zoll messendes Holz und lässt
es tragen von fünfzig Centnern die Schwere. Deswegen nennt
man denjenigen, der den Menschen nützt, kunstfertig. Den-
jenigen, der den Menschen nicht nützt, nennt man ungeschickt.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 159
Meng--tse sagt: >
Die Kunstfertigkeit Kung-scliün-tse's, wenn sie sich nicht
des Zirkels und des Winkehnaasses bedient , kann sie nicht
das Viereckige und Runde zu Stande bringen.
Das Buch Hoai-nan-tse sagt:
Einst wollte Tsu einen Angriff machen auf Sung. ^ g
Me-tse hörte es und beklagte es. ' Er reiste von Lu eilig ab.
Zehn Tage und zehn Nächte gönnte er sich keine Ruhe. Er
zerriss das Futter der Kleider und gelangte zu Fusse nach
^P Ying.- Er sah den König von Tsu und sprach: Ich habe
gehört, dass der grosse König die Waffen erhebt und einen
Angriff machen will auf Sung. Er rechnet darauf, dass er
gewiss Sung erobert und dann die Feindseligkeiten einstellt.
Seine Absicht ist, die Menge zu quälen, das Volk anzustrengen,
die Waffen zu verderben, ihre Schärfe abzustumpfen in der
Welt. Man hat den Namen der Ungerechtigkeit, und erlangt
nicht Land von der Grösse eines Schuhes. Ist man noch immer
gesonnen, es anzugreifen? — Der König sprach: Wenn ich
gewiss Sung nicht erlange und noch im Begriffe bin, ungerecht
zu handeln, warum sollte ich es angreifen? — Me-tse sprach:
Ich sehe, dass der grosse König gewiss der Gerechtigkeit scha-
det, und Sung nicht erlangt. — Der König sprach : Kung-schü-
tse ist der kunstfertigste Mann der Welt und verfertigt Wol-
kenleitern. 3 Wenn man sie hinstellt und damit Sung angreift,
warum sollte man es nicht nehmen? — Me-tse sprach: Wenn
Kung-schtt jetzt hinstellt die Werkzeuge des Augriffes auf Sung,
stellt Me-tse die Vonüchtungen für die Vertheidigung hin. Kung-
schü macht neunmal den Angriff, und Me-tse leistet ihm neun-
mal Widerstand. Er ist zuletzt nicht f^ihig, einzudringen. —
Hierauf Hess man die Waffen ruhen, hielt inne und griff Sung
nicht an.
^ Me-tse, dessen Name ^g Ti, war ein Grosser des Reiches Sung.
^ Ying war die Hauptstadt von Tsu. Es ist die spätere Gasse Ying im
Norden von Kiang-ling, dem heutigen Wu-tschang.
3 Kung-sehü ist ein Elirenname Jij^ ^S Lu-puan's. Derselbe befand sich
um die Zeit in Tsu. Wolkenleitern sind Werkzeuge zum Angriffe auf Stadt-
mauern. Sie sind an Höhe den Wolken gleich, daher der Name.
IßO Pfizmaier.
Die göttlichen Triebwerke, die verborgenen Thore, die
krummen Schwerter ohne Spur sind das Wundervollste der
Kunstfertigkeiten des Menschen. Aber in einem eingerichte-
ten Zeitalter hält man diese Kunstfertigkeit für eine Beschäf-
tigung des Volkes.
Wenn der Handwerker unten das Pech auflegt und dar-
über den Mennig, so kann er dieses thun. Wenn er unten den
Mennig auflegt und darüber das Pech, so darf er dieses nicht
thun. Bei den zehntausend Angelegenheiten geht man hiervon aus.
Zirkel, Winkelmaass, Haken und Schnur sind Werkzeuge
der Kunstfertigkeit. Sie sind es aber nicht, wodurch die Kunst-
fertigkeit hervorgebracht wird.
Die Sachen des göttlichen Lichtes können durch Kennt-
nisse und Kunstfertigkeit nicht verrichtet werden. Sie können
durch die Kraft der Sehnen nicht zu Stande gebracht werden.
Was Himmel und Erde umschliessen , was das Yin und Yang
in sich birgt, was Regen und Thau befeuchten, bringt zehn-
tausend Verschiedenheiten hervor. Der Eisvogel, Schildkröten-
schuppen, Rubin, Lasur, Edelstein, Perlen sind von Streifen
bunt, hellglänzend, feuchtglänzend oder feucht. Man berührt
sie, aber spielt nicht mit ihnen. Sie werden alt, aber vei-ändei-n
sich nicht, ^fb ^ Hi-tschung ' kann sie nicht darlegen.
f^ 1^ Lu-puan -^ kann sie nicht verfertigen. Dieses nennt
man grosse Kunstfertigkeit.
Der äusserst Kunstfertisre braucht kein Schwert. ■'
Ein grosser Zimmermann kann nicht behauen. ^
1 Hi-tschung- bekleidete zu den Zeiten der Hin die Stelle eines ,Richtig-en
des Wagens'.
2 Der oben (S. 102) vorgcdvonimene Lu-puan, genannt Kung-schü-tse. Der
Name Piian wird hier durch ein anderes Schriftzeichen ausgedrückt.
^ Die Kunstfertigkeit liegt in der Seele und niclit in der Iland. Deswegen
br/mclit sie kein Schwert.
* Dir Erkl.-irung dieses Satzes lindet sicli in ih'iu l'ulgeudcii.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 1 f ) 1
Die Ding-e haben etwas, das sie von ielb^t sind, dann
erst haben die Sachen der Menschen ihre Einrichtung;". Des-
\veg'en kann ein vortrefflicher Zimmermann das Metall nicht
behauen. Ein kunstfertiger Giesser kann das TTolz nicht
schmelzen. Das Metall kann nach seiner Eigonthümlichkeit
nicht behauen werden , und das Holz kann nach seiner Be-
schaffenheit nicht geschmolzen werden. Man mengt den Lehm mit
Wasser und verfertigt Gefässe. Man höhlt das Holz iind verfertigt
Schiffe. Man schmilzt das Eisen und verfertigt Klingen. Man
schmilzt das Metall und verfertigt Glocken. Man geht aus von
der Möglichkeit.
Das Buch Schi-tse sagt:
In dem Alterthum verfertigte ^^ Tschui ' Zirkel , Win-
kelraaass und Messschnüre. Er bewirkte, dass die Welt es
nachbildete.
Das Buch Schin-tse sagt:
Dass die Söhne der hundert Handwerker nicht lernen
und doch Fähigkeit besitzen, ist nicht, w^eil sie von Geburt
kunstfertig sind. Im Gespräche haben sie die beständige Sache.
Das Buch Fu-tse sagt:
^^ Kiün , der Frühgeborne von dem Geschlechte ^
Ma war der kunstfertigste Mann der Welt. Es waren zwei
Söhne, die zu ihm sagten: In dem Alterthum gab es keinen
nach Süden zeigenden Wagen. Es sind leere Worte der Ge-
schichte. — Der Frühgeborne spracli: In dem Alterthum gab
es deren. — Die zwei Söhne meldeten es dem Kaiser ]\Iing.
Es erging eine hcichste Verkündung, dass der Früligeboi-ne
einen verfertige, und der nach Süden zeigende Wagen ward
vollendet. Dieses ist die eine Merkwürdigkeit. Hierauf beugte
sich die Welt vor seiner Kunstfertigkeit.
Als man die Mutterstadt bewohnte, war innei-halb dci-
Stadtmauern ein Grund, auf dem man Gärten anlegen konnte.
Man bedauerte, dass man kein Wasser hatte, um ihn zu be-
wässern. Der Frühgeborne verfertigte flieg-endc Wagen. Er
hiess Knaben sie drehen, und das sich ergiessende Wasser
überdeckte den Grund von selbst. Das Verdienst dessen war
' Tschiü ist der Nnme eines kmist.fortigen Mannes y.w den Zeiten des gel-
ben Kaisers.
Sitzb. d. pliil-liist. Cl. lA'IX. IM. II. Hit. . 11
■] ß2 Pfizmaier.
das Hundertfache eines gewöhnlichen. Dieses ist die zweite
Merkwürdigkeit.
Später war ein Mensch, der dem Kaiser hundert Spiele
überreichte. Man konnte diese aufstellen, aber man konnte sie
nicht in Bewegung setzen. Der Kaiser fragte den Frühgebor-
nen, ob man sie in Bewegung setzen könne. Kiün sprach:
Man kann sie in Bewegung setzen. — Der Kaiser sprach:
Kann man die Kunstwerke vermehren? — Jener antwortete:
Man kann sie vermehren. — Er empfing die höchste Verkün-
dung, die ihn sie verfertigen hiess. Er schnitzte aus grossen
Hölzern eine Umzäunung und gab den Gestalten ein Aussehen,
als ob sie Friede schlössen. Er brachte sie im Verborgenen
durch Wasser zum Vorschein. Er stellte das Bildniss einer
im Tanze begriffenen Tänzerin auf. Er hiess hölzerne Menschen
die Trommel schlagen und die Flöte blasen. Das Holz sprang
empor und Kugeln wurden heraus- und hereingeworfen. Die
hundert Obrigkeiten wandelten in den verschlossenen Abtheilun-
gen. Es waren veränderliche Kunstwerke mit hundert Anfängen.
Dieses ist die dritte Merkwürdigkeit.
Der Frühgeborne sah die zusammengefügten Armbrüste
Tschü-kö-liang's ') und spracli : Das Kunstwerk ist kunstreich.
Es ist noch nicht durchaus gut. — Ei- sagte, wenn er sie ver-
fertigte, könnte er Mehrfaches hinzugeben.
Er versuchte es einst, an die Räder des Wagens etliche
zehn Krüge zu hängen. Er Hess sie mehrere hundert Schritte
weit fliegen. Die Kunstfertigkeit des Frühgebornen von dem
Geschlechte Ma konnten selbst Puan-schü,. Me-ti und ^ ^
Wang-ni in dem Alterthum, -f^ ^ ^ Tsehaiig-ping-tse in
dem Zeitalter der Han nicht übertreffen.
Der Frühgeborne von dem Geschlechte Ma verfertigte Geräthe
mit Triebwerken imd hatte sie nocii nicht vollendet. -^ j^ f^^
Pei-schi-tse zweifelte und hielt es für unmöglich. Der Frülige-
borne verstummte und konnte nicht antworten. Fu-tse sagte:
Pei-tse ist geschickt im Reden, aber nicht kunstfertig. Der
1 Tscliü-ko-linno; ist oben (S. 14S) orwälint worden.
Kunstfertigkeiten und Künste der ;ilton »liinesen. 1 ß3
Mann von dem Gcschlechte Ma ist überlegen * an Kiinstfertijj;'-
keit, aber kurzgefasst im Reden. Kunstfertigkeit ist die un-
scheinbarste Sache der Welt.
Das Buch Pao-po-tse sagt:
Diejenigen, die in dem Bretspiel geschickt sind, nennt
man in dem Zeitalter: Ilöchstweise des Bretspiels. Desswegen
hatten ^|j -^ g Yen-tse-king und 9] ^ ,[f Ma-nui-
ming den Namen von Höchstweisen des Bretspiels. Ilöchst-
weise der Schrift sind ^ ^ Hoang-siang und ^ "AB
Hu-tschao, Höchstweise der Malerkunst sind j^ ^ Wei-hie
u"d ^ 5^ Tschang-me. Höchstweise der Kunstfertigkeit
sind Tschang-heng und Ma-kiün.
Die Denkwürdigkeiten von vielseitigen Dingen sagen:
In dem nahen Zeitalter lebte ein Ackersmann. Derselbe
war sehr kunstfertig, aber er war sich dessen nicht bewusst.
Sein Weib sagte es ihm, er wusste es noch immer nicht. Er
schnitt Holz und bildete daraus kleinen Weizen. Er versuchte
es, ihn zu verkaufen. Der Käufer argwöhnte nichts und kehrte
heim. Erst als er ihn mahlte, bemerkte er, dass es kein Wei-
zen war.
Der Wagebalken der Erörterungen sagt :
Die üeberlieferungen rühmen die Kunstfertigkeit Lu-puan's
und Me-tse's. Dieser schnitzte aus Holz einen Geier und Hess
ihn fliegen. Derselbe setzte sich durch drei Tage nicht auf.
Wenn man sagt, er habe aus Holz einen Geier geschnitzt und
ihn fliegen lassen, so kann es sein. Wenn man sagt, dieser
habe sich durch drei Tage nicht aufgCi^etzt, so übertreibt man
es. Es ist gleichsam wie man in den Üeberlieferungen des
Zeitalters sagt, dass Lu-puan durch Kunstfertigkeit seine Mutter
verloren habe. Man sagt, in seiner Kunstfertigkeit verfertigte
er für die IMutter einen hölzernen Wagen sammt Pferden und
einen hölzernen Menschen als Wagenfüln-er. Als die Triebwerke
und Schlagl>äurae vorgerichtet waren, setzte man die Mutter
hinein und fuhr zu der Erdstufe hinauf. Sie entfernte sich
und kehrte nicht zurück. Er verlor seine Mutter.
Die Erörterungen über die Ordnungen der Dinge von
Yang-tsiuen sagen :
11*
2ß4: Pfiziii aier.
Das Netz der Spinne, das durch die Biene gebaute Nest,
deren Kunstfertigkeit ist wundervoll. Um wie viel mehr ist
sie es bei dem Menschen ! Desswegen kommen das Viereckige
und der Zirkel, das Runde und das Winkelmaass des Hand-
werkers hervor aus der Kunstfertigkeit der Seele, werden voll-
endet durch die Geschicklichkeit der Hand. Wer sonst als
der Hellsehende, Erweckte, von Geist Gediegene könnte be-
kannt geben die hohen Verdienste, vollenden die Gestalten und
sich bedienen der Geräthe der Tscheu?
M a 1 e r k u 11 s t.
Die erklärten Namen sagen :
^^ Hoa ,malen^ ist soviel als i^ Kua ,anhäugen^.
Mau hängt fünf Farben an die Dinge ').
Die Gebräuche der Tscheu sagen:
Bei dem Malen mengt man die fünf Farben. Diejenige
der östlichen Gegend nennt man das Grün. Diejenige der
südlichen Gegend nennt man das Roth. Diejenige der westlichen
Gegend nennt man das Weiss. Diejenige der nördlichen Gegend
nennt man das Schwarz. Diejenige des Himmels nennt man
das Ursprüngliche. Diejenige der Erde nennt man das Gelb.
Grün und Weiss folgen auf einander. Roth und Schwarz folgen
auf einander. Ursprünglich und Gelb folgen auf einander-).
Bei dem Malen verrichtet man immer die Arbeit des Unge-
schuiückten zuletzt •^).
Das Sse-ki sagt :
^^ Wei, der zur Nachfolge bestimmte Sohn des Kaisers
Wu, wurde abgesetzt. Später bewohnte der Kaiser den Palast von
Kan-tsiuen. Er traf einen Maler und Hess ihn ein Bild malen,
Avelches den Fürsten von Tscheu vorstellte, wie er den König
' N;ich dem Schuö-wen ist xHF Kua so viel als ^^ Hoä, dem liier mit
veränderter Aussprache die Bedeutung ,abgränzen' zukoninit.
■^ Hierdurch wird bedeutet, was die sechs Farben vorstellen und in welcher
Ordnung das Farbige aufgetivagen wird. Zu den fünf Farben gesellt sich
noch das Ursprüngliche.
^ Das Ungeschraückte ist die weisse Farbe. Man trägt sie zuletzt auf, weil
sie so beschafien ist, dass man sie leicht durch das Malen verunreinigt.
Kunstfertigkeiten und Kiuistc der alten Chinesen. \Qlj
Tsching- auf dem Rücken trägt'). Die Umirebung Und die Würden-
träger erkannten hieraus, dass der Kaiser die Absicht habe, den
jungen Sohn -) einzusetzen.
Im dritten Jahre des Zeitraumes Kan-lu (51 v. Chr.)
erschien der Schen-yü zum ersten Male an dem Hofe. Kaiser
Siuen gedachte der Vortrefflichkoit seiner helfenden Diener
und liess die Bildnisse dieser Menschen in dem Söller des
Einhorns malen. Man malte sie nacli ihrer Gestalt und setzte
die Stufe ihres Amtes sammt Geschlechtsnamen und Namen.
i0
Die Gemahn von dem Geschlechte ^ IJ starb früh-
zeitig. Der Kaiser liess ihr Bild in dem Palaste von Kan-
tsiuen malen.
Die Mutter ^^ Q ^ Kin-je-ti's belehrte ihre beiden
Söhne. Sie beobachtete sehr Vorschrift und Maass. Der Kaiser
hörte dieses und belobte sie. Sie erkrankte und starb. Eine
höchste Verkündung befahl, ihr Bild in dem Palaste von Kan-
tsiuen zu malen. Man bezeichnete sie als die ^ ^ Yen-
tschi'i) des Königs ^ ^ Hieu-tschü ')• Wenn Je-ti das Ge-
mälde sah, verbeugte er sich immer, wendete sich ihm zu
und weinte.
Die Geschichte der Han von der östlichen Warte sagt:
Als ^^ ^1^ Ma-yuen zurückkehrte, ermahnte er die Söhne
seines älteren Bruders und sprach: Wenn man einen Tiger
malt und ihn nicht vollendet, hat er sogar Aehnlicldvcit mit
einem Hunde.
y^ >f^ Sung-hung erschien einst bei einem Feste. Bei
dem kaiserlichen Sitze waren neun VVindschirme angebracht,
auf die man Reihen von Mädchen geraalt hatte. Schi-tsu sah
1 König Tscliing von Tseheu war zur Zeit seiner Einsetzung ein Kind.
2 Der junge Sohn ist Fe-ling, der spätere Kaiser Tsclian von Han.
^ Yen-tschi bezeichnet die erste Gemalin des Schen-yii.
* Hieu-tschü bezeichnet einen König der Hiung-nu's.
Jß(^ Pfiz maier.
sich mehrmals um und betrachtete sie. Hung sprach : Ich habe
noch Niemanden gesehen, der die Tugend so geliebt hätte,
wie man das Vergnügen liebt '). — Der Kaiser Hess sie weg-
schaffen.
Das von Fan-hoa verfasste Buch der späteren Han sagt:
Im ersten Jahre des Zeitraumes Kuaug-ho (178 n. Chr.)
Hess der Kaiser in dem Thore ^ '^ Hung-tu Wein auf-
tragen. Er Hess die Bildnisse Khung-tse's und seiner zwei und
siebenzig Schüler malen.
Kaiser Ming schickte einen Gesandten nach Thicn-tschö,
damit er nach dem Wege und den Vorschriften Buddha's frage.
Hierauf zeichnete man in dem mittleren Reiche Buddha's Gestalt.
Hien-tsung-) Hess die berühmten Diener und Heerführer
aus dem Zeiträume Kien-wu (25 bis 55 n. Chr.) in der Erd-
stufe der Wolken abbilden. Der Pfeffergemächer ^) willen war
Ma-yuen ^) allein nicht inbegriffen. ^ Thsang, König von
Tung-pingj betrachtete die Gemälde und sagte zu dem Kaiser:
Warum hat man das Bildniss des |[j^ 'j^ Fö-po ^) nicht
gemalt? — Der Kaiser lachte und redete nicht.
Das Buch der Wei sagt:
Der Grossvater Tsao-hieu's war einst Statthalter der Pro-
vinz U. Als Hieu an der Wand das Bild seines Grossvaters
sah, stieg er von dem Bette herab, verbeugte sich und weinte.
Der Frühling und Herbst des Geschlechtes Wei sagt:
j^ i^ Siü-mö verstand es, laufende Fischottern zu
malen. Wenn man die Gemälde an dem Ufer eines Flusses
aufstellte, versammelten sich die Fischottern.
Das Buch der Tsin sagt:
1) Worte Khung-tse's.
2) Hien-tsung ist Kaiser Ming aus dem Hause der späteren Han.
^) Die Pfeffergemächer sind die Wohnung der Kaiserin. Hier ist die Kaiserin
von dem Geschlechte ^^ Ma gemeint.
*) Ma-yuen ist oben (S. 165) vorgekommen.
5) Unter den verschiedenen Benennungen von Heerführern findet sich die-
jenige eines Heerführers von Fo-pu.
Kunstfertigkeitflu uml Künste il.i- altcii Chiiiosen. 1(57
^ *ha ® Ku-l-tsclii war überaus bc^Vandert im Men-
uigrothen und Grünen. ^ ||J- Sie-ns^an schätzte ihn sein- hoch.
Er sagte, seit ^ ^ Tlisang-seng habe es dergleichen noch
nicht gegeben. Wenn I-tschi Mensclien gemalt hatte, betüpfelte
er durch mehrere Jahre nicht dei'en Augäpfel. IMan fragte ihn
um die Ursache. Er antwortete: Bei den viei- Gliedmassen
sind Verstand und Ijlödsinn eigentlich nicht vorhanden. Ver-
schliesst man sie an einem wundervollen Orte, überliefert den
Geist, zeichnet die Erleuchtung, so befinden sie sich gerade
in diesen Dingen.
Er fand einst Gefallen an einem Mädchen der Nachbar-
schaft. Er regte sie an, sie aber folgte ihm nicht. Er zeichnete
jetzt ihr Bild an die Wand und nagelte ihr Herz mit Dornen
und Nadeln an. Das Mädchen beklagte sich hierauf über Herz-
schmerzen. Er betheuerte deshalb seine Neigung, und das
Mädchen folgte ihm. Hierauf entfernte er heimlich die Nadeln,
und sie war hergestellt.
Er schätzte immer das Gedicht der vier Worte von Hi-
khang •) und verfertigte für dasselbe Zeichnungen. Er pflegte
zu sagen : Mit der Hand die fünf Saiten eines Musikwerkzeuges
rühren, ist leicht. Mit dem Auge die heimziehenden Wildgänse
begleiten, ist schwer. — Wenn er Menschen abbildete, überragte
das Wundervolle die Werke seiner Zeit. Er entwarf einst das
Bild i^ E^ Pei-khai's und brachte auf der Wange desselben
drei Haare an. Diejenigen, die es sahen, bemerkten, dass das
Geistige und Erleuchtete ganz vorzüglich überwog. Er verfer-
tigte ferner das Bildniss jS^ ||j- Sie-kuen's und stellte diesen
von Felsen wänden umschlossen dar. Er sagte, dieser Mann
solle in den Wasserrinnen der Erdhügel sichtbar gemacht
werden. Er wollte j^ ^p|t ^ Yin-tschung-kan abbilden.
Dieser hatte Augenschmerzen und weigerte sich beharrlich.
I-tschi sprach : Das Sammelhaus des Lichtes ist eben nur das
Auge. Wenn ich mit Licht die Augäpfel tüpfele, verwischt sie
das fliegende Weiss. Bewirke ich, dass es gleich lichten Wolken,
die den Mond verdecken, wie sollte dieses nicht schön sein?
Ku-I-tschi hinterlegte einst eine an der Vorderseite mit
Pappe gesiegelte Kiste Gemälde an dem Wohnsitze Hoan-yuen's.
') Hi-khang ist früher (8. 148) vorgekommen.
158 Pfizmaier.
Dieser täuschte ihn und sagte, sie sei noch nicht geöfFnet
worden. I-tschi sah, dass das Siegel sich in dem früheren Zu-
stande befand, er vermisste jedoch die Gemälde. Er sagte
geradezu, die wundervollen Gremälde seien in Verkehr mit dem
Reingeistigen getreten, sie hätten sich verwandelt und seien
verschwunden. Es sei ebenfalls wie bei Menschen, die zu den
Unsterblichen emporsteigen. Er zeigte in seiner Miene durchaus
keine Verwunderung.
■^ $^ Han-tschi führte den Jünglingsnamen -^ -M*
King-sien. Das Weib ;M ^ Teng-lin's, Aeltesten von Lung-
schü, war krank und rang durch Jahre mit dem Tode. Die
Aerzte und Beschwörer gaben sie auf. Tschi zog für sie die
Wahrsagepflanze. Er liess ein Wildschwein malen und be-
festigte es an einem Windschirm des Ortes, wo sie lag. In
einer Nacht bemerkte man, dass sie sich besserte. Hierauf war
sie bald hergestellt.
Das Buch der Tsi sagt :
^ '^^ ^ Mao-hoei-yuen von Yung-yang malte mit
Geschicklichkeit Pferde. Im. ^1 Licu-thien malte mit Ge-
schicklichkeit Frauen. Sie waren beide in ihrem Zeitalter die
Ersten.
^ ^ 3E Wang-sieu-tschi von Tsi führte den Jüng-
lingsnamen ^ ^Ö Pe-fen. Zur Zeit als er als Aufwartender
in dem Inneren diente, war ^/|lj ^ Tsung-tsi gegen ihn
freundschaftlich. Sieu-tschi wurde noch mehr geehrt und geliebt.
Jener hiess jetzt ^|^ ^ |^ Lö-tan-wei dessen Bikl malen
und sich selbst ihm gegenüber darstellen.
Ä ^ Wang-liang führte den Jünglingsnamen ^ 5^
Schö-fung und stammte aus Lin-I. Als ^ Liang, der Sohn
des Königs von King-ling aus dem Hause Tsi, das westliche
Einkehrhaus für die Gäste an dem Hofe eröffnete und weise
und begabte Männer herbeizog, liess er durch Künstler deren
Bildnisse malen. Liang war ebenfalls unter ihnen.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten (.'hinesen. 1 G9
Das Buch der Liang- sag-t: '
& -j^ Fü-niaii war von Gestalt einfach scliön und von
Sitte gcfilllig. Der Kaiser stellte ihn immer ^ ^j^ 1^ lli-
schö-ye gleich. Er hiess Lö-tan-wei '), einen Menschen von U,
das Bild Schö-ye's malen und schenkte es Jenem.
Der zur Nachfolge bestimmte Sohn H^ ^ Tschao-
ming liebte die vorzüglichen Männer. "aT ^ Ngai-wen
und j||^ ^1 :^J Lieu-hiao-tschö erschienen in Gemeinschaft
mit ^ J^^ Yin-yün aus der Provinz Tschin, ^^ 1^ Lö-tschui
aus der Provinz U, -J^ ^ Wang-kiün aus Lang-ye ^ ^Ij
Tao-hiä aus Peng-tsching nebst Anderen und wurden als Gäste
behandelt. Der Nachfolger errichtete eine Halle. Er hiess einen
Maler zuerst das Bild Hiao-tschö's malen.
Das Buch der späteren Wei sagt:
Lieu-tse-nie -) Hess in den Ahnentempeln die Bildnisse
seiner Vorfahren malen. Er trat in den Ahnentempel seines
Urgrossvaters Yo, zeigte auf das Bild mit dem Finger und
sprach: Dieser ist sehr mit Ruhm bedeckt und thatkräftig.
Er hat mehrere Himmelssöhne gefangen genommen. — Hierauf
trat er in den Ahnentempel seines Grossvaters I-lung, zeigte
auf das Bild mit dem Finger und sprach: Dieser ist nicht
übel. — Hierauf trat er in den Ahnentempel seines Vaters
Siün und sprach: Dieser liebte sehr das Vergnügen. — Auf
seine Umgebung zurückblickend, sprach er: Dieser hatte grosse
Pusteln auf der Nase. — Er befahl dem Maler, die Nase Siün's
auf dem Bilde mit Pusteln zu versehen.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
J|^ :^ Hiao-heng, König von Kuang-ling, Hess in dem
Gerichtssaale grasgrüne Falken malen. Wer sie sah, hielt sie
für echte.
i|^ ^ Wei-scheu führte den Jünglingsnamen ^ '^j^
Pe-khi und stammte aus Khiö-yang in Khiü-l6. Er war zugleich
' Lö-tan-wei ist gleich obeu (S. 168) vorgfikomint^n.
2 Lieu-tse-nie ist Fei-ti (der abgesetzte Kaiser), der vierte Kaiser aus dem
Hause Sung. '
170 Pfizmaior.
oberster Buchführer und Yors^esetzter des Pfeilschiessens. Der
Kaiser liess in dem Garten des bkimio-en Waldes noch beson-
ders den Thiergarten der ursprünglichen Insel anlegen. Man
versah ihn im äussersten ]\Iaasse mit der Zierlichkeit der Ge-
birgswälder, Söller und Thorwarten. Eine höchste Verkündung
befahl, dass man in den Siillern das Bildniss Scheu's male.
So hoch wurde er geschätzt.
Das Buch der Tschin sagt :
In den Ueberlieferungen von ^ 1^ ^^ Ku-ye-wang
heisst es: Als der König von Siuen-tsching stechender Ver-
merker von Yang -tscheu war, waren Ye-wang und ^^ ^
Wang-pao seine Gäste. Der König war von ihrer Begabung sehr
eingenommen. Ye-wang liebte ferner das Mennigrothe und Grüne.
Er zeichnete vortrefflich das Bild des Königs in der in dem
östlichen Sammelhause errichteten Halle des Gebetes. Der
König hiess jetzt Ye-wang die weisen Männer des Alterthums
malen und befahl Wang-pao, ihre Lobpreisungen zu verfassen.
Die Zeitgenossen rühmten dieses als zwei ausgezeichnete Werke.
Das Buch der Thang sagt:
^ M ß^ Tschang - tschang - tsung befahl einst den
Malern, die Bildnisse von achtzehn ]\Ienschen, unter denen
^^ ^ -^ Wu-san-sse, ferner der die Keden vorbringende
jlj^ ^p Li-kiao, der aufwartende Leibwächter ^' ffijc Wk
Su-wi-tao von dem Söller des Pai-adiesvogels, der aufwartende
Leibwächter jf^ ^ Li-hing von dem Palaste des Sommers,
der kleine Aufseher ^ ^ ^ Wang-schao-tsung von der
glänzenden Erdstufe des Einhorns, sich befanden, zu malen. Er
nannte diese Gemälde die Bildnisse der hohen Männer.
^ g^ Sie-tse war geschickt im Malen. Er bildete sich
auf vielseitige Weise nach den alten Denkmälern. Als Kaiser
Jui-tsung sich in Fan befand, ward er auf dessen kleine
Studien aufmerksam. Tse ward hierauf eigens berufen und
hei'beigezogen.
vS. S^ Han-hoane- hatte eine überaus kunstreiche Schrift.
Zugleich verstand er sich auf das Mennigrothe und Grüne.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 1^1
Weil er sich mit Malerei nielit eifrig- beschäftigte, verdunkelte
er seine Fähigkeit. Er hatte diese Kunst nicht fortgesetzt.
^ Wang-^vei gelangte in Schrift und Älalerei einzig
zu dem Wundervollen. In den Werken des Pinsels legte er
die Gedanken nieder, mengte sich mit den schafi'enden Ver-
wandlungen und erfand das Gewebe des Sinnes. Seine Ge-
mälde hatten etwas Durchbrochenes wie das Ebenmässige und
Ferne der Berge und Flüsse, umwölkte Berggipfel, die Farbe
der Felsen, Triebwerke des Himmels ndt getilgten Spuren,
was von den Malern nicht erreicht wurde. Ein jMensch über-
reichte einst an dem Hofe die Zeichnung eines Musikstückes.
Man wusste nicht den Namen dieses Stückes. Wei sah es au
und sprach: Es ist der erste Tact der dritten Faltung des
Regenbogenkleides. — Die Freunde der Sache sammelten sich,
die Tonkünstler untersuchten es, und es war in dem ganzen
Ausspruch nichts Unpassendes oder Falsches. Alle waren über
sein reines Denken betroffen.
2b jjL ^ Yen-li-pen besass zwar die entsprechende
Fähigkeit zu Dienstleistungen, war aber überaus geschickt im
Zeichnen und im Verfertigen wahrer Abbildungen. Die Bild-
nisse der achtzehn lernenden Männer des Sanniielhauses von
Thsin, so wie der in dem Zeiträume Tsching-kuan (627 bis
649 n. Chr.) lebenden verdienstvollen Diener des Söllers des
kalten Rauches sind das Werk Li-pcn's. Alle Zeitgenossen
priesen das W^undervolle dieser Gemälde.
Kaiser Tai-tsnng schiffte einst init den aufwartenden Dienern
und den lernenden Männern auf dem Teiche des Thiergartens
des Frühlings. Ein merkwürdiger Vogel folgte in ruhiger
Haltung den Wellen. Tai-tsung sticss an ihn und freute sich.
Er verlieh mehrmals nach einander Geschenke. Den Sitzenden
wurde verkündet, dass sie ein Loblied verfertigen sollen. Er berief
Li-pen zu sich und hiess ihn den Vogel zeichnen. Ausserhalb des
Söllers rief man jetzt fortgesetzt: Yen-li-pen, der Meister im
Malen ! — Derselbe war um die Zeit bereits, ein dem Gehalte Vor-
gesetzter und Leibwächter im Lineren. Er lief, vergoss Schweiss,
179 Pfiz maier.
bückte sich und legte sich an dem Rande des Teiches nieder.
Er bewegte mit der Hand Mennig und Kreide, blickte auf die
Gäste der Sitzhalle und konnte nicht umhin, sich zu schämen.
Als er sich zurückgezogen hatte, ermahnte er seinen Sohn und
sprach : Ich las in meiner Jugend gerne Bücher. Ich war so
glücklich , das Angesicht nicht kehren zu dürfen gegen die
Wand. Ich folgte meiner Neigung, färbte den Pinsel und er-
reichte ziemlich den Lauf der Genossen. Nur durch das Mennig-
roth und Grün bin ich bekannt geworden. Die Anstrengung
mit dem Leibe bei Dienstleistungen, keine Schande ist grösser,
als diese. Du solltest dich sehr davor hüten und diese letzte
Kunst nicht üben.
S' ^ ^ l>i-pao-tschin von Thang war Abgesandter
der Umschränkung und des Masses ' für das Kriegsheer von
^ fij^ Tsching-te. Er sagte zu dem Abgesandten ^Jl^ :^
Tschü-tao: Ich habe gehört, dass der Fürst des Geschlechtes
Tschü von Angesicht gleich einem Gotte. Ich fand ihn und
erkannte es. Ich möchte es im gemalten Bilde betrachten.
Wäre dieses möglich? — Tao Hess jetzt sein Bildniss malen
und zeigte es ihm. Pao-tschin Hess es in der Halle des Pfeil-
schiessens aufhängen und befahl den Anführern, es genau zu
betrachten. Dabei sagte er : Der Fürst des Geschlechtes Tschü
ist in Wahrheit ein göttlicher Mensch.
Die von Tschung-wan verfassten Ucberlieferungen von
Angestellten sagen:
!&J^ ^j5 Tsching -schün führte den Jünglingsnamen
Aü -M Tschang-pe und stammte aus Kuang-han. Er war
Statthalter von Yung-tschang. Seine Lauterkeit und seine Un-
eigennützigkeit waren einzig und alleinstehend. Als er starb,
malte man ihn nach der Reihe in der östlichen Warte.
Die abgekürzte Geschichte der drei Thsin sagt:
Der Kaiser des Anfangs aus dem Hause Thsin verlangte
eine Zusammenkunft mit dem Meergotte. Der Gott sprach:
Ich bin von Gestalt hüsslich. Icli bedinge mir, dass Niemand
mich abljildct. Als diese Zusammenkunft mit dem Kaiser
1 -ßB jff fS Tsie-tu-sse, Abgesandter der Umschrünkung und des
Masses, eine liolie kriegerische Würde zu den Zeiten der Thang.
Kunstfertigkeiten und Kfmste der iilten Clünesen. 1 73
statttiuden sollte^ ging- der Kaiser des Anfangs dreissig Weg-
längen weit in die See, itnd sah den Gott von Angesicht. In
dem Gefolge war ein kunstfertiger Mann , der das Bihl des
Gottes heimlich mit dem Fusse zeichnete. Der Gott zürnte
über diese Wortbrüchigkeit des Kaisers. Er hiess den Kaiser
schnell sich entfernen. Der Kaiser des Anfangs Hess diö Pferde
wenden. Vorher stand er noch immer auf den Füssen. Später
brachen seine Füsse zusammen, und es war ihm kaum mög-
lich, das Ufer zu ersteigen. Der Zeichner ertrank.
Die Geschichte des fortgesetzten Wunderbaren der Denk-
würdigkeiten ' sagt:
Kaiser Ming von Wei lustwandelte an dem Flusse Lö.
In dem Wasser befanden sich weisse Fischottern. Dieselben
waren schön, rein und lieblich. Wenn sie einen Menschen er-
blickten, verschwanden sie sogleich. Der Kaiser tändelte des-
halb mit ihnen, aber konnte sie durchaus nicht erlangen. Der
aufwartende' Diener ijj ^ King-schan sprach : Ich habe ge-
hört, dass die Fischotter gerne Kugeliische verzehrt. Sie geht
dann dem Tode nicht aus dem Wege. Man kann ihr hiermit
auflauern. — Er malte jetzt auf ein Bret zwei lebendige Kugel-
fische und hängte sie an dein Ufer auf. Die Fischottern liefen
wetteifernd hinzu und wurden dann zu gleicher Zeit gefangen.
Der Kaiser belobte ihn und sagte zu ihm: Ich habe nicht
gehört, dass du die Malerkunst verstehst. Wie kommt es, dass
du hierin so wundervoll bistV — Jener antwortete: Ich habe
auch noch niemals den Pinsel ergriffen. Was der Mensch unter-
nimmt, kann er so ziemlich thun. — Der Kaiser sprach: Dieses
ist eine gute Anwendung dessen, worin man Meister ist.
Die vennischte Geschichte der westlichen Mutterstadt sagt :
Da in dem rückwärts gelegenen Pahiste des Kaisers Yuen
viele Bewohnerinnen waren, kam er gewöhnlich nicht dazu,
sie zu sehen. Er liess daher einen Maler deren Bildnisse
malen und beglückte sie je nach ihrei- Gestalt. Die Bewohnerinnen
des Palastes bestachen den Maler mit Beträgen bis zu zehnmal
.zehntausend Stücken Geldes. ^^ J|3 3E Wang-tschao-kiün
' Das hier gesetzte ^ tM- Tsi-liiai ist der Titel eines v^n Tschuaug-tse
ei-wähnten alten Buches und stellt für jß J^ Tsclii -knai . Wunder-
bares der Denkwürdigkeiten.
274 Pfiz maier.
mochte dieses nicht thun und wurde in Folge dessen nicht
vorg-estellt. Später beg-ehrte der König der Hiung-nu's ein
wohlgestaltetes Mädchen znr Gemahlin. Der Kaiser durchsah
die Bildnisse und liess Tschao-kiün die Reise antreten. Als
er sie zu sich berief und sie von Angesicht sah, Avar sie die
erste Schönheit. Den Kaiser reute es , allein die Tafel mit
dem Namen war bereits fortgegangen. Er liess jetzt die
Sache untersuchen, und die Maler wurden öffentlich hingerichtet.
Unter den Malern, welche Geld empfangen hatten, befand sich
W ^^ ^ Mao-yen-scheu von Tu-ling. Derselbe malte schöne,
hässliche, alte und junge Menschen, die er immer genau traf.
JpOil 1^ Tschin -schang von Ngan-ling, ^ ^j Lieu-pe und
'^ ^ Kung-kuan von Sin-fung malten die Gestalten' von
Rindern , Pferden und Menschen. ^ i^ Yang-wang von
Hia-tu malte ebenfalls gut und war überaus geschickt im An-
ordnen der Farben. ^ ^ Puan-yo war ebenfalls geschickt
im Anordnen der Farben. Diese Menschen wurden an einem
und demselben Tage öffentlich hingerichtet. Die Maler der
Mutterstadt waren hierauf von ungleicher Beschaffenheit und
selten.
Die Geschichte des Auflesens des Hinterlassenen sagt :
Zu den Zeiten des Königs Ling von Tscheu war ein gewisser
j^ ^^ Han-fang. Derselbe kam aus dem Reiche Khiü - siü
und machte dem Könige Kamehle zum Geschenk. Fang war
zwei Klafter hoch, sein Haupthaar reichte bis zu den Knieen
herab. Die Menschen von Tscheu blickten auf ihn wie auf
das göttliche Licht. Er bemalte mit Mennig die Hände der
Umgebung des Königs und bildete die Sonne und den Mond,
den letzteren sowohl voll als im Abnehmen , alles von der
Wirklichkeit nicht verschieden. Man konnte auf hundert Schritte
leuchten. Ferner sprudelte er Wasser und bildete Wolken, welche
die Gegend zu seiner Seite verdeckten und schmälerten. König
Fjing sah dieses. Plötzlich wusste man nicht, wo Jener sich
befinde. Einige sagten, er sei zu dem Himmel emporgestiegen.
Im zweiten Jahre des Kaisers des Anfangs aus dem Hause
Thsin (245 v. Chr.) machte das Reich Kicn-kiuen einen ge-
schickten Maler, Namens ^ ^l| Lie-I zum Geschenk. Der-
selbe nalun Mennig und Tinte in den Mund, sprudelte es gegen
Kunstfertigkeiten uml Künste der alten Chinesen. ] 75
die Mauer, und es wurde sogleich zu Bildel-n von Drachen
und Wolken. Er fuhr mit dem Finger üher die Erde, als
ob er sie mit einer Messschnur al)theilte. P]r drehte die Hand,
als ob er einen Ziikel l)eschriebe. In dem Räume eines Ge-
viertzolles waren die vier Rinnen, die fünf Berghöhen, die
sämmtlichen Reiche vollständig angebracht. Er malte Paradies-
vögel und göttliche Vögel, die natürlich waren, als ol) sie ein-
herwandelten.
Das Buch Han-tse sagt:
Unter den Gästen war Einer, der für den Könio- von
Tsi malte. Der König f]-agte ihn : Was ist am schwersten zu
malen? — Jener antwortete: Hunde und Pferde sind das
Schwerste. — Der König fragte : Was ist das Leichteste ? —
Jener antwortete: Dämonen und alte Gespenster sind das
Leichteste. Hunde und Pferde werden von den Menschen
gekannt. Am Morgen und am Abend sieht man sie vor sich.
Man kann nicht aus ihnen etwas Aehnliches machen ; deswegen
sind sie schwer. Dämonen und alte Gespenster haben keine
Gestalt. W^as ohne Gestalt ist, kann man nicht seilen; des-
wegen sind sie leicht.
Das Buch Hoai-nan-tse sagt :
Malt man das Angesicht 8i-schi's, ^ so ist dieses schön
und lieblich. Sieht man das Auge Meng-fen's, ^ so ist dieses
gross und fürchterlich.
Die Gemälde von Sung, die Giesswerke von U sind sehr
unscheinbar und wundervoll. Die höchste Weisheit Yao's und
Schün's kann sich nicht auf sie erstrecken.
Die Denkwürdigkeiten des Reiches Hoa-yang sagen :
In der Provinz Han-kia stellte man sich den verschiedenen
Fremdländeru entgegen. Es war angemessen , ilu- Glanz zu
verleihen. ]\Ian schmückte daher die Wälle und Wände mit
Zeichnungen von Blumen , bildete in den Sanimelhäusern und
Tempeln, sowie an den Thoren Götter der Berge, Geister des
Meeres und erschöpfte dabei das Wundei'bare. Die ihre Zähne
* Si-schi, die berühmte Schönheit.
2 Meng-fen, der berühmte Ringkämpfe
176 Pfizmaier.
einschneidenden Fremdländer, welche aus- und eintraten, fürchte-
ten sich vor den Pferden. Einig-e konnten in ihrer Furcht
nicht weiter.
Der Garten der Gespräche sagt :
Tsi errichtete eine neun Stock hohe Erdstufe. Wenn Je-
mand in dem Reiche malen konnte, so schenkte man ihm Geld.
^ ^ King-kittn, ein wahnsinniger Mann, litt immer Hunger
und Kälte. Seine Gattin war äusserst rechtschaffen. King-
kiün war ein Maler und verlangte nach dem Gelde, das man
für das Malen schenkte. Er entfernte sich von dem Hause.
Nach langer Zeit gedachte er seiner Gattin und malte ihr Bild.
Er wendete sich diesem froh und lachend zu. Die Menschen
zu seiner Seite sahen dieses und meldeten es dem Könige.
Der König übersandte zehnmal zehntausend Stücke Geldes und
bat um die Gattin. Kino--kiün ward von Furcht erfasst. Er
erlaubte es und gab Gehöv.
Der Wagebalken der Erörterungen sagt:
Der Mensch sieht gerne Gemälde. Was gemalt wird,
sind todte Menschen des Alterthums. Was ist besser: das An-
gesicht der todten Menschen sehen, oder ihre Worte und ihren
Wandel betrachten? — Was in den hinterlassenen Schriften
des Alterthums, auf Bambus und Leinwand aufgenommen wor-
den, ist eine grosse Menge. Wie sollten es nur die Gemälde
an den Wänden und Mauern sein?
Der Stamm des Zeitalters sagt:
^ ^ Sse-hoang ' erfand das Abbilden,
Die neue Einleitung sagt:
"^ Kao, Fürstensohn von ^ Sehe, liebte die Drachen.
An den Thoren, Blockhäusern , Vordächern und Fenstern liess
er Bilder von Draciien malen. Eines Morgens liess ein wirk-
licher Drache sein Haupt bei dem Fenster herab und bewegte
den Schweif an der Thüre. Der Fürst von Sehe erschrack und
versäumte es, ihn zu fangen.
Das Durchdringen der Gewohnheiten sagt:
Nach dem Buche der hundert Häuser sagt man: Kung-
schü-puan ■^ sah über dem Wasser eine Seeschnecke. Er sagte
> Sse-hoang war ein Diener des gelben Kaisers.
- Kung-schü-iiuaii, ancli Lu-iiuaii gfii.nuit, ist bei den Kunstfertigkeiten
(S. löi und 158) vorgekommen.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 177
ZU ihr: Oeffne dein Kästchen und zeig-e deine ^Gestalt. — Die
Seeschnecke streckte sogleich das Haupt liervor. Puan bildete
sie mit dem Fusse ab.
Die Verzeichnisse berühmter Gemälde des Alterthums
und der Gegenwart sagen :
In Tsin Avar ^ ^ ^ Sse-tao-tschö. Derselbe malte
das Bild des zehnten Monates der Feldhäuser. Es wurde von
dem Zeitalter für kostbar gehalten.
Die von Sün -tschang- tschi verfassten Erzählungen von
Malerei sagen:
Ä all Lieu-feu verfertigte zu den Zeiten des Kaisers
Ling von Han das Bild der Milchstrasse. Die Menschen sahen
es und empfanden von selbst Wärme. Er malte wieder das
Bild des Nordwindes. Diejenigen, denen warm war, empfan-
den wieder Kälte.
Die Einleitung zu der von Tschin-sse-waug von Wei ver-
fassten Lobpreisung der Malerkunst sagt :
Das Malen ist der Lauf der Vogelschrift '. Einst war
Ming-te, die Königin von dem Geschlechte ]\Ia, schön von An-
gesicht und gross von Tugend. Der Kaiser befolgte ihren
Rath und belobte sie. Sie besichtigte einst mit ihm Gemälde.
Man kam zu dem Bilde Schün's von Yü und sah Na;o-hoane:
and Niü-ying. ^ Der Kaiser zeigte auf diese mit dem Finger,
und sagte im Scherze zu der Königin : Es thut mir leid, dass
ich kein solches Weib gefunden und sie zur Königin gemacht
habe. — Man hatte auch früher das Bild Yao's von Thang
gesehen. Die Königin zeigte mit dem Finger auf Yao und
sprach: Leider! Den Dienern und hundert Gefährten thut es
leid, dass sie keinen solchen Gebieter auf den Häuptern ti-agen
können. — "*Der Kaiser blickte zurück und seufzte.
Die Einleitung zu dem bilderlosen Gedichte Tsin-tschuen-
hien's auf die Bildnisse sagt :
Früher war Jemand, der das Bild ^0 ~|v Pien-ho's malte.
Derselbe hielt dafür, dass Tsang-wen-tschung die Weisheit Lieu-
^ Die Vogelschrift, eine gewisse Schriftgattung, über welche nichts Näheres
angegeben wird.
2 Ngo-hoang und Niü-ying waren die Tochter des Kaisers Yao und die
Gemahlinnen des Kaisers Schau.
Sitzb. d. pliil.-hist. Cl. LXIX. Bd. IL litt. 12
]^Y8 Pfizmuier.
hia-hoei's kannte, aber ihn nicht erhob. Pien-ho schnitt sich
die Füsse ab ixnd bestätigte es dadurch. Er entfernte sich
weit von ihm. Der Maler malte scherzweise das Bild Tsang-
wen-tschung's neben dasjenige Pien-tse's. Er röthete absicht-
lich das Angesicht des Ersteren, um zu zeigen, dass dieser
Mann sich noch immer schäme.
Die Einleitung zu den Gemälden von Sung-ping-schan sagt :
In die Höhe gerichtet drei Zoll Malerei, entspricht wirk-
lich einer Höhe von tausend Klaftern. Schräg aufgetragen
einige Schuh Tinte, verkörpert wirklich ein Zuwenden von
hundert Weglängen.
Die Geschichte berühmter Gemälde aller Zeitalter sagt:
Das Malen breitet Belehrung und Umgestaltung, hilft den
Menschenklassen erschöpfen die Veränderungen des Geistes,
ere-ründen das Dunkle und Unscheinbare. Es hat mit den
sechs Schrifttafeln gleiches Verdienst. Die vier Zeiten drehen
sich im Kreise, sie kommen hervor durch den Himmel, sie
entstehen nicht durch die Kunst. Die früheren höchstweisen
Könige des Alterthums empfingen den höchsten Betehl und
entsprachen den Verzeichnissen. Die Schriftzeichen der Schild-
kröte ahmten dann das Reingeistige nach, die Abbildungen be-
kundeten das Kostbare. Seit >^ ^ Tsao-sui hatte man
diese Glückszeichen. Die Werke glänzen in den kleinen Glocken
von Rubin, die Sachen sind überliefert in den goldenen Schreib-
heften. Das Geschlecht Fö-hi brachte es hervor aus dem ruhm-
vollen Flusse. Vorbilder, Schrifttafeln, Abbildungen und Ge-
mälde trieben Sprossen. Das Geschlecht des gelben Kaisers
fand es in dem warmen Lö '. Sse-hoang^ und g^ ^ Thsang-ke
gaben ihm Gestalt.
Das Malen vergleicht man mit dem Schreiben. Was den
Wei-th Ijctrifft, so mag es bei den Männern der Geschlechter
^ Ku und 1^ Lü so viel sein, als durch den Himmel ver-
> In den Verwandlungen heisst es: Wenn der den Rang des Königs Er-
messende das Entsprechende der vollkonnnenen Tugend besitzt, so ist das
Wasser des Lö früher warm. Deswegen gibt man ihm den Namen: der
wanne Lö.
2 Sse-hoang ist oben (S. 17^) vorgekommen.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 179
liehen. Bei ^^ |^ ^ Tschang-seng'-yao mag- es so viel
sein, als Unoebundenheit. Ein kleines Bueh kann man im
Umlierwandeln vollenden. Ein Gcnnülde kann mau in Jahren
und Monaten nicht zu Stande bringen. Desswegen gibt es mehr
Bücher als Gemälde. Seit dem Alterthum ist dieses so gewesen.
Jetzt theilt man das Alterthum in drei Theile und l)e-
stimmt dadurch Werth und Unwerth. Hält man Han und die
drei Reiche mit Inbegriff Wei's für das höhere Alterthum, so
ist hier der Lebenslauf [I(j^ ^ Tschao-khi's , Lieu-feu's ',
^ ^ Tsai-yung's, Tschang -heng's 2^ ^ ^ Tsao-mao's,
^ ^ Yang-siün's, ^ ^ Hoan-fan's^ Siü-mö's \ J& ^ W
Tsao-pü-hing's * und Tschü-kö-liang's ■'.
Hält man Tsin imd Sung für das mittlere Alterthum, so
ist hier der Lebenslauf des Kaisers BH Ming, m^ ^ Siün-
hö's, j^ ^ Wei-hie's'' |M. ^ ^^ '^^ig-J'''*^; Ku-I-tschi's ^,
f^ Hj- Sie-tschi's, Hi-khang's "^ ^ ^ Tai-khuei's ■', Lö-
tan- wei's ^", -4fr- ^ !^ Ku-pao-sien's, ^ ^ ;^ Yuen-
tsien-ku's und ^ ^& ^r King-sieu-tschi's i'.
Hält man Tsi, Liang, die nördlichen Tsi, die späteren
Wei, Tschin und die späteren Tscheu für das niedere Alter-
thum, so hat man den Lebenslauf ^^ ^^ Yao-tan's, |^ |i|-
Sie-he's, Lieu-thien's, Mao-hoei-yuen's '-, d(!s Kaisers Vucn,
^ ^ Yuen-ngang's, Tschang-seng-yao's ':>, ^ fg" /X
1 Lieu-feu ist oben (S. 177) vorgekommen.
2 Tsehang-heng ist oben (S. 148) vorgekommen. Die bier genannten
vier Maler lebten in dem Zeitalter der späteren Han.
' Siü-mo ist oben (S. lOG) vorgekommen. Die bier genannten vier Maler
lebten in dem Zeitalter der frülieren Wei.
* Tsao-pü-hing lebte in dem Zeitalter von U.
5 Tscbii-ko-liang ist bei den Kniistfertigkeiten (R. 148) vorgekoiniiicn. Kr
b^bte in dem Zeitalter von Sclio.
6 Wei-bie ist bei den Kunstfertigkeiten (S. 1 63) vorgekommen.
~' Kn-I-tscbi ist oben (S. 167) vorgekommen.
8 Hi-kbang ist bei den Kniistfertigkeiten (S. 148) vorgekommen.
9 Die obigen acbt Maler lebten in dem Zeitalter der Tsin.
1" Lö-tan-wei ist oben (S. 168) vorgekommen.
11 Die obigen vier Maler lebten in dem Zeitalter der Snng.
12 Lien-tbien nnd Mao-boei-ynen sind oben (S. 168) vorgekonini.'ii. Die bier
genannten vier Mab'r lebten in dem Zeitalter der Tsi.
" Tschang-seng-yao ist oben (S. 179) erwäbnt worden.
12*
180
P f i z ra a i e r.
Kiang-seng-pao's I, 0 ^ ^ Yang- - tse - hoa's, >^ f§ B3
Tieu-seng-liang's, J^ ?^ #J Lieu-schä-kuei's , g ^}^ ^
Tsao-tscliung-tas'-i, ^ ^ M Tsiang - schao - yeu's,
-g Jl^ Yang-khe-te's :\ Ku-ye-wang's i und jjß ^ }^
Fuui>--ti-kia's ^.
Was den Wertli von Sui und Thang, welche die nahen
Zeitalter sind, betrifft, so ist hier der Lebenslauf ^ ^Q
Tuug-pe-jin's, ^ -^ M Tschen-tse-khien's, ^ ^
Sün-schang-tse's, i ft SB Tsching-fa-sse's, ;^ ^
Yang-ke-tan's, ^ ^ |^ Tschin-schen-kien's «, gjg ^
Tschang -hiao-sse's, ^ ft ^ Fan - tschang - scheu's,
!& ^ Ä it Wei-tschi-yi-seng's, ^|^ ^ J Wang-tschi-
schin's, ^^ Vr IMl Yen-ll-tc's und Yen-li-pen's ''.
liliiV .11* l^jJ
Wenn man von Büchern und Schrifttafeln spricht, wie
könnten da die neun Bücher und die drei Geschichtschreiber
mangeln? Die Männer der Geschlechter Ku, Lö, Tschang
und U sind die richtigen Bücher. Die Männer der Ge-
schlechter Yang, Tsching, Tung und Tschen sind die drei
Geschichtschreiber. Die übrigen Gemälde sind die hundert
Häuser.
Einst sagte Sie-he^: Bei dem Malen gibt es sechs Weisen.
Die erste heisst: Der Einklang der Luft entsteht und bewegt
sich. Die zweite heisst : Nach dem Vorbilde der Knochen führt
man den Pinsel. Die dritte heisst: Den Dingen entsprechend
bildet mau die Gestalt. Die vierte heisst: Je nach der Art
1 Die hier genannten vier Maler lebten in dem Zeitalter der Liang.
2 Die hier s-enannten vier Maler lebten in dem Zeitalter der nördlichen Tsi.
3 Die hier genannten zwei Maler lebten in dem Zeitalter der späteren Wei.
•• Ku-ye-wang ist oben (S. 170) vorgekonuuen. Derselbe lebte in dem Zeit-
alter der Tschin.
5 Dieser Maler lebte in dem Zeitalter der späteren Tscheu.
^ Die hier genannten sechs Maler lebten in dem Zeitalter der Sui.
■^ Yen-li-pen ist oben (S. 171) vorgekommen. Die hier genannten sechs Maler
lebten in dem Zeitalter der Thaug.
6 Sie-he ist oben (S. 17i)) erwähnt worden.
KuiistfeitigkoitPTi nml Ki'instp der altpn Chinnsfin. 1 i^ |
breitet man den Far})enschmiick. I)i(i fünfte! hoisst: Durch
Aufbauen und Einrichten wird die Kang-stufe gesetzt. Die
sechste heisst: Das Muster anlegen und abzeichnen. Seit dem
Alterthum waren die Maler selten fähig, dieses nebenbei zu wissen.
Die Erörterungen des Versuches sagen : TJnter den Ma-
lern des Alterthums gab es Einige, welche die Aehnlichkeit
der Gestalt hintansetzten und die Luft der Knochen schätzten.
Durch etwas, das ausserhalb der Aehnlichkeit der Gestalt,
trachteten sie zu malen, ITierüber kann man schwer mit den
gewöhnlichen Menschen reden. Die jetzigen Maler lassen es
geschehen, dass sie die Aehnlichkeit der Gestalt erlangen^ aber
der Einklang der Luft wird nicht hervorgebracht. Trachtet
man, nach dem Einklang der Luft zu malen, so ist die Aehn-
lichkeit der Gestalt von selbst dazwischen enthalten.
Die .Gemälde des höheren Alterthums waren gekürzt und
ihr Gedanke ruhig. Der Gedanke war ruhig und die Zierlich-
keit richtig. Dieses ist der Lauf der Männer der Geschlechter
Ku und Lö. Die Gemälde des mittleren Alterthums waren fein,
verschlossen und geistig. Durch Ausbessern gelangten sie zu
Zierlichkeit. Dieses ist der Lauf der Männer der Geschlechter
Tschen und Tsching. Die Gemälde der nahen Zeitalter sind
hellglänzend und zeigen ein Streben nach Vollendung. Die
Gemälde der jetzigen jMenschen sind unordentlich und ohne
tiefen Sinn. Dieses ist die Spur sämmtlicher Künstler.
Bei der Abbildung der Dinge handelt es sich gewiss um
die Aehnlichkeit der Gestalt. Bei der Aehnlichkeit der Gestalt
muss man die Luft der Knochen unvei'sehrt erhalten. Die Luft
der Knochen und die Aehnlichkeit der Gestalt haben ihren
Grund in der Hinstellung des Gedankens und kehren zurück
zu der Führung des Pinsels. Desswegen sind künstliche Ge-
mälde häufig künstliche Schriften. Somit sind bei den Frauen
des Alterthums die Ai'me schmächtig und die Knochen stache-
lich. Bei den Pferden des Alterthums ist die Schnauze spitzig
und der Bauch dünn. Die Erdstufen und Söller des Alterthums
waren hoch und bergartig. Die Kleider und der Schmuck des
Alterthums waren voll und reichlich. Desswegen bieten die
alten Gemälde nicht alhnn durch das veränderliche Aussehen
Wunderbares und Merkwürdiges. Es ist vielmehr auch die
Verschiedenheit der Gestalt der Dinge.
■Jg2 Pfizmaier.
Betrachtet man rings alle Gemälde, so hat blos der
Geborene des Geschlechtes Kn die weisen Männer des Alter-
thnms gemalt und die wundervolle Anordnung erlangt. Ihnen
gegenüber wird bewirkt, dass der Mensch den ganzen Tag
nicht ermüdet, erstarren zu machen den Geist, weithin zu
denken. Das wundervolle Aufwachen erfolgt von selbst. Die
Dinge und unser Selbst werden beide vergessen. Man trennt sich
von der Gestalt, entfernt sich von dem Verstände. Der Leib kann
sicher dahin gebi'acht werden, dass er gleich einem verdorrten
Baume. Das Herz kann sicher dahin gebracht werden, , dass es
o-leich todter Asche. Gelangte er da auch nicht zu wundervoller
Anordnung? Dieses ist es, was man die Wege des Malens
nennt.
Tschang-heng von Plan führte den Jünglingsnamen -^ ^
Ping-tse, Einst war auf dem Berge des Districtes Pu-tsching
in Kien-tscheu ein vierfüssiges Thier, dessen Name jjj^ ^
Kiai-schin (den Geist erschreckend). Dasselbe hatte den Leib
eines Schweines, das Haupt eines Menschen, und sein Aussehen
war böse. Die hundert Dämonen fürchteten es. Es trat gern
an den Rand des Wassers und auf die Felsen. Ping-tse ging
hin und zeichnete es. Das vierfüssige Thier trat in die Seiten-
tiefe und kam nicht hervor. Man sagte, dieses Thier fürchte
das Malen, desswegen komme es nicht hervor. Man möge das
Papier und den Pinsel entfernen. Man entfernte dieses sofort,
und das Thier kam wirklich hervor. Ping-tse legte die Hände
zusammen und bewegte sie nicht. Er zeichnete das Thier heim-
lich mit den Zehen. Gegenwärtig heisst der Ort: die Seiten-
tiefe des abgebildeten vierfüssigen Thieres.
Einst lernte ^ ß^ Tschang-tschi die Weise der Pflan-
zenschrift jg ^ Thsui-yuen's und ^ j^^ Tu-tö's. Dabei
verändei'te er sie und bildete die Zeichenkörper der heutigen
Pflanzenschrift. Dieselbe besteht darin, dass sie mit ganzen
Pinselsti'ichen gebildet wurde. Luft und Adern hingen im
Verkehr zusammen, abgeschlossene Ziigc wurden nicht durch-
schnitten. Bloss ^ -^ ^ Yang-tse-king erleuchtete deren
tiefen Sinn. Desswegen setzten die Zeichen der späteren Haupt-
Kunstfertigkeiten uiui Künsto Her alten Chiiiesoii. 183
stücke allmälig die iVüiioron Züge fort. Das Zeitalter nannte
sie : die Schrift der ganzen Pinselstriclie. 8j)äter erfand Lö-tan-
wei ebenfalls eine Schriftgattung. Die Striche hingen in ihr
zusammen und waren nicht unterbrochen. Daher wusste man,
dass Schrift und Malerei bei Führung des Pinsels die Weise
gemeinschaftlich haben. Lo-tan-wci war geistvoll, scharf, mild,
einschmeichelnd, neu, ausserordentlich, über alles wundervoll.
Sein Name ragte hoch in dem Zeitalter der Sung. Zu seiner
Zeit gab es nicht seines Gleichen.
ijl" "^ Tsao-tschi von Wei sagte: Diejenigen, welche
Gemälde betrachten, wenn sie die drei Erhabenen, die fünf
Kaiser sehen, ist keiner, der nicht emporblickt und sie auf
dem Haupte trägt. Sehen sie die fünf letzten bedrückenden
Vorgesetzten, ist keiner, der nicht Schmerz empiindet und er-
schrocken seufzt. Sehen sie widerrechtlich Besitz ergreifende
Diener, mörderische Söhne, ist keiner, der nicht mit den Zähnen
knirscht. Sehen sie hohes Maasshalten, wundervolle Männer,
ist keiner, der nicht vergisst, Speise zu nehmen. Sehen sie
Umschränkung der Redlichkeit, Tod bei dem Unglück, ist
keiner, der nicht das Haupt aufstützt. Sehen sie entlassene
Diener, verjagte Söhne, ist keiner, der nicht seufzt. Sehen sie
ausschweifende Männer, eifersüchtige Weiber, ist keiner, der
nicht seitwärts blickt mit den Augen. Sehen sie edle Königinnen,
gehorchende Kaiserinnen, ist keiner, der sich nicht über ihren
vornehmen Stand freut. Was in einem Spiegel Fortbestand zu
geben weiss, ist die Malerkunst.
Tschü - ko - Hang von Scho führte den Jünglingsnanien
BH ^ Khung-ming. Die Denkwürdigkeiten des Reiches Hoa-
yang sagen: Bei den Fremdländern d(!S Südens war es Sitte,
Beschwörer und Dämonen vorzuladen. Man liebte es, Verträge
zu schliessen, zu verwünschen, zu versprechen und Geissein
zu geben. Tsehü-kö-liang verfertigte jetzt für die Fremdländer
Gemälde. Er malte zuerst den Himmel und die Erde, die
Sonne und den Mond, die Gebieter, die Aeltestcn, Stadtmauern
und Sammelhäuser. Hierauf malte er Götter und Drachen
134 Pfizmaier.
sammt Rinderu, Pferden, Kamehleu und Schafen, Zuletzt malte
er Abtheilungen, Vorgesetzte, Angestellte, die mit Pferden fuhren,
Fahnen, Wageudächer, weite Reisen^ Gemächlichkeit und Sorge.
Ferner malte er Fremdländer, die an Stricken Rinder führten,
auf dem Rücken Wein trugen, Gold und Kostbarkeiten brachten
und sich her begaben. Er schenkte es den Fremdländern.
Diese schätzten es sehr hoch.
Tsao-pü-hing ' stammte aus U-hing. Sün-kiuen hiess ihn
Windschirme bemalen. Pü-hing Hess aus Versehen den Pinsel
fallen, wodurch reine Stellen tüpfelig wurden. Er bildete daraus
Fliegen. Sün-kiuen muthmasste, es seien wirkliche Fliegen und
fuhr gegen sie mit der Hand. Um die Zeit rühmte man die
acht Ausgezeichneten '^ von U.
In dem Zeiträume Tschl-U (238 bis 250 n, Chr.) gelangte
Pü-hing nach Tsing-khi. Er sah daselbst einen rothen Drachen,
der über dem Wasser hervorkam. Er zeichnete ihn ab und
überreichte ihn ^ -^ Sün-hao. Dieser schickte ihn in das
geheime Sammelhaus. Als die Zeiten des Hauses Sung gekom-
men waren, sah Lö-tan-wei das Gemälde und seufzte über
das Wundervolle desselben. Als er jetzt nach Tsing-khi gelangte,
sah er diesen Drachen wieder. Zu den Zeiten der Sung
herrschte Monate hindurch übermässige Dürre, und das Beten
war ohne Erfolg. Man nahm jetzt den Drachen Pü-hing's und
stellte ihn an dem Rande des Wassers auf. Als dieses geschah,
ward das angehäufte Wasser zu Nebel, und es regnete Monate
hindurch in Strömen. Sie-he sagte, die Werke Pü-hing's seien
in dem Zeitalter nicht mehr zu sehen, und es gebe nichts
weiter als einen Drachen in dem Inneren eines geheimen Söl-
lers. Betrachtet man den Wind und die Knochen des Werkes,
1 Tsao-pü-hing ist oben (S. 179) erwähnt worden.
- Was die acht Ausgezeichneten betrifft, so verstand sich Tsching-yü von
Ku-tsching auf die Beobachtung. Lieu-tün verstand sich auf die Stern-
bilder. U-fan verstand sich auf die Erspähung des Windes und der Luft.
Tschao-tä verstand sich auf die Rechenkunst. Yen-wu verstand sich auf
das Bretspiel. Sung-scheu verstand sich auf die Auslegung der Träume.
Hoang-siang verstand sich auf die Schrift. Tsao-pü-hing verstand sich
auf die Malcrkunst,
Kunstfertigkeiten tind Künste der alten Chinesen. 1 35
SO ist der Name dieses Mannes kein leerer, l^r gehört zu den
Malern ersten Ranges.
Ku-I-tschi von Tsin führte den Jünglingsnanien
Tschang-khang. Derselbe malte einst in der nördlichen Vor-
halle des Klosters des Palastes der Dachziegel einen ^ J^ ^
Wei-mo-ke. Als das Gemälde vollendet war, leuchtete es täg-
lich über einen Monat.
Die Geschichte der Klöster der Mutterstadt sagt, in dem
Zeiträume Hing-ning (363 bis 365 n. Chr.) habe man in das
Kloster des Palastes der Dachziegel zum ersten Male Bonzen
gelegt. Man bewerkstelligte eine Zusammenkunft und bat
die weisen Männer des Hofes, die Geldstücke des J^ ^|J
Sä-tschü (buddhistischen Klosters) klingen zu lassen. Um die
Zeit war unter den vorzüglichen Männern und Grossen des
Reiches keiner, der mehr als zehnmal zehntausend Stücke
Geldes besass. Als Tschang-khang angekommen war, warf er
gerade hundertmal zehntausend Geldstücke des Sä-tschü aus.
Tschang-khang war ganz arm, und man hielt es für Prahlerei.
Später baten ihn die Bonzen, dass er sich mit dem Malen
befasse. Tschang-khang sagte: Man soll mir eine Wand in
Bereitschaft halten. Hierauf verschloss er die Thüre und ging
über einen Monat täglich hin und wieder. Als das Kunstwerk
eines von ihm gemalten Wei-ma-ke fertig war, wollte er die
Augäpfel mit Punkten versehen. Er sagte jetzt zu den Bonzen
des Klosters : Den ersten Tag wurde eine Spende von zehnmal
zehntausend Stücken erbeten. Den zweiten Tag mochten es
fünfmal zehntausend sein. Den dritten Tag kann man seines
Gleichen beauftragen und die Spende fordern. — Als man die
Thüre öffnete, erleuchtete der Glanz das ganze Kloster. Den
Spendern war die Kehle verschlossen. Unverhofft erlangte
man hundertmal zehntausend Stücke Geldes.
I-tschi sagte einst, Menschen malen sei das Schwerste.
Hierauf folgen Berge und Flüsse. Diesen zunächst kommen
Hunde und Pferde. Erdstufen und Söller seien sicher nur eine
Geschicklichkeit, sie seien nach Maassgabe leicht. Dieses Wort
trifft die Sache. Dämonen, Geister und Menschen, die leben
und sich bewegen, kann Gestalt gegeben werden. Man wartet
186 Pfizmaier.
auf den Einklang- des Geistes, und sie sind dann ein Ganzes.
Wenn der Einklang der Luft sich nicht herumdreht, breitet
man vergebens Gestalt und Bild. Wenn die Kraft des Pinsels
noch nicht gekommen, versteht man sich vergebens auf das
Auftragen bunter Farben. Man sagt, es ist nicht wundervoll.
^ '^ 'S Ku-siün-tschi von Sung suchte sich immer
ein hohes ^Stockwerk, um daselbst zu malen. »So oft er ein
Stockwerk erstieg, entfernte er die Leiter. Die Menschen des
Hauses sahen ihn selten. Wenn eine Zeitlang helles Sonnen-
licht glänzte, dann erst nahm er die Haarspitzen in den Mund.
Wenn Himmel und Erde düster und traurig waren, erfasste
er nicht den Pinsel. Bei den heutigen Malern kommen Pinsel
und Tinte mit Staub in Berührung. Wenn das Mennigrothe
und Grüne sich mit Schlamm und Bodensatz verträgt, verun-
reinigt man blos die weisse Seide. Wie könnte man dieses
ein Gemälde nennen? Seitdem Alterthum verachteten diejenigen,
welche gut malten, Kleider und Mützen, sie schätzten aber die
Panzer. Als unabhängige Männer und hochsinnige Menschen
erhoben sie das Wundervolle. Zu einer Zeit überlieferten sie
das Vortreffliche für tausend Jahre. Dieses ist etwas, das die
Niedrigen und Gemeinen der Thore der Gassen nicht zu thun
im Stande sind.
Tsung-tsi ' von dem südlichen Tsi führte den Jünglings-
namen :jU ^ King-wei. Er war der Enkel ^ Piug's^.
Geschickt im Malen, setzte er die Beschäftigung seines Gross-
vaters fort. Um die Zeit wollte er zu den berühmten Bergen
wandeln. Er zeichnete jetzt das Bildniss ^^ -^ '^ Schang-
tse-ping's, das von seinem Grossvater Ping gemalt worden, an
die Wand, zog sich in das Gebirge von j^ Lu zurück und
l)ewohnte das alte Wohnhaus Ping's. Er malte ^ ^j^ Yuen-
tsie, wie dieser mit ^ ^ Sün-teng an der Schutzwehr des
Wandeins zusannnentraf. Er sass und lag dem Bilde gegen-
' Tsung-tsI ist oben (S. 168) erwähnt worden.
- Tsnng-inng, ebenfalls ein berühmter Maler, wird in diesen Nachrichten
nicht erwähnt.
Kunstfertigkeiten luul Iviinste der alti'ii Cliinesen. 187
über. Dann malte er die Ei-dstufe des Schattens Biiddha's in
dem Kloster von Yung-nio. Beide Werke wurden als überaus
wundervoll gepriesen.
Sie-he i und ^ jiß^ Yao-tsui von dem südlichen Tsi
sagten, bei dem Tüpfeln, Putzen und geistigen Schleifen sei
der Gedanke auf durchgängige Achnlichkeit gerichtet. Wenn
man Bildnisse zeichnet, brauche man die Menschen nicht gegen-
über zu sehen. Nothwendig sei, dass man sie einmal anblickt.
Alan kehre sofort heim und erfasse den Pinsel. Man denke
sich vor den Augen Haarspitzen und Haupthaar, niehts werde
zurückgelassen und versäumt. Die zierliche Kleidung und der
Putz verändern sich und wechseln mit der Zeit. Die Augen-
brauen und der gekrümmte Haarschopf wetteifern mit den
Geschlechtsaltern in Neuheit. Die besondere Vcrköi'perung des
Dünnen und Unscheinbaren nahm in vielen Fällen von He
seinen Anfang. Hierauf sandte man ihn aus und setzte ihn in
die Gässchen. Er verfolgte die Spitzen immer auf ähnliche
Weise. Er ahmte das Brauenrunzeln bis zu dem Einklang der
Luft nach. Sein Geistiges und Reingeistiges waren unerschöpflich.
Bei dem Anbringen des Lebens und der Bewegung war der
Weg seines Pinsels fein und schwach. Er theilte nicht das
Innige des zierlichen Anbringens. Nach dem Zeiträume Tschung-
hing (501 . bis 502 n. Chr.) malte er ]\Ienschen und Pferde.
Hinsichtlich des Ansehens steht er unter iM y^ Tschin-piao -
und über Mao-hoei-yuen.
Lieu-thien von dem nördlichen Tsi führte den Jünglings-
namen y^ -^ Ssse-wen und stammte aus Peng-tsching. In
seiner Jugend war er scharfsinnig, einsichtsvoll, besass viele
Begabung und Sinn für schöne Kunst. Er verlegte sich auf
die Schrift und malte weibliche Obrigkeiten. In seinem Zeit-
alter war er der Erste. Der Mann von dem Geschlechte Sie
sagte, dessen Aufmerksamkeit sei anhaltend und stetig gewesen,
das Wesen seiner Gemälde von kurzer Fassung und dünn,
' Sie-he ist oben (S. 179) crvväliiit worden.
- Tschiu-j)i;io wird in diesen N^iehrichtun nielit erwülmt,
188
Pf izma ier.
die Kraft seines Pinsels ühuniächtig- und schwach. Bei der
Einrichtung stelle er das Einfache und Beschränkte hin. Die
Weiber seien sein Trefflichstes. Nur treibe er das Feine und
Gespaltene zu weit. Das Ungleiche und Flatternde sei ein
Fehlei-, in Wirklichkeit tcändle er"dainit. Wenn man sie auf-
merksam betrachtet, haben sie sehr ausgeprägte Züge.
Mao-hoei-yuen von dem südlichen Tsi stammte aus Yang-
wu in Yung-yang. Er malte mit Geschicklichkeit Pferde. Um
die Zeit malte Lieu-thien mit Geschicklichkeit Weiber. Beide
waren in iln-em Zeitalter die Ersten. Sie erhandelten eintausend
zweihundert Pfund Lasur und verwendeten für überreichte
kaiserliche Gemälde fünfiindsechzigmal zehntausend Stücke
Geldes. Man sagt, es sei wahr gewesen, dass Ploei-yuen sich
geheime Vortheile zugeAvendet habe. Der oberste Buchführer
bemass den Werth auf achtundzwanzigmal zehntausend Stücke
Geldes. Man tödtete ihn. Später standen die Genossen seines
Hauses an der Wand und waren sehr von Leid und Schmerz
erfüllt. ^ ^ Hoei-sieu, der jüngere Bruder Hoei-yuen's,
wartete in dem Zeiträume Yung-ming (483 bis 493 n. Chr.)
auf die höchste Verkündung an der geheimen Seitenthüre.
Als Kaiser Schi-tsu den Angriff im Norden unternehmen wollte,
befahl er Hoei-sieu, ein Bild des von Kaiser Wu von Han nach
Norden unternommenen Eroberungszuges zu malea. j^^ ^
Wang-yung, der Leibwächter für die Bücher der Mitte, befasste
sich mit der Durchsicht dieses Bildes. Kaiser Tsching ' schätzte
es auf das Höchste und Hess es in die Erdstufe von Lang-ye
stellen. Er schlug es immer auf und durchblickte es.
Yang-tse-hoa2 von dem nördlichen Tsi wurde zu den
Zeiten Schi-tsu's » mit dem Amte eines Heerführers der geraden
Thürpfosten betraut. Er malte einst Pferde an die Wand. In
1 Oben Schi-tsu ,cler Grossvater des Geschlechtsalters' genannt. Der Name
dieses Kaisers ist aber Wu, nicht, wie hier angegeben, Tsching.
2 Yang-tse-hoa ist oben (S. 180j erwähnt worden.
3 Schi-tsu ist hier Kaiser Wu-tsching aus dem Hause der nördlichen Tsi
(561 bis 5G5 n. Chr.)
Kuustfertigkeiteu uiul Künste der alten Chinesen. 189
der Nacht hörte man Hufschläge, ein Nagen und andauerndes
Wiehern, als ob sie Wasser und Gräser suchten. Er zeichnete
Drachen in eine ungesclnuückte, ausgebreitete Rolle. Sofort
sammelten sich rings umher Wolkendihiste. 8chi-tsu schätzte
ihn hoch und Hess ihn in dem abgeschlossenen Tlieile des
Palastes wohnen. Der Ilimmelssohn gab ihm den Ehrennamen
eines Höchstweisen der Malerkunst. Ohne die höchste Ver-
kündung durfte er den Menschen keine Gemälde geben. Um
die Zeit verstand sich '/f^ -^ ^ Wang-tsc-tschung gut auf
das Bretspiel. Beide verkehrten mit dem Geiste, und man
nannte sie die zwei Unvergleichlichen.
Lieu-schä-kuei von dem nördlichen Tsi war ein Zeit-
genosse Yang-tse-hoa's. Schi-tsu schätzte beide hoch. Jener
malte kämpfende Sperlinge an die Wände. Der Kaiser sah sie
und hielt sie für lebendige. Als er gegen sie mit der Jland
fuhr, bemerkte er es erst. Jener befand sich einst in dem ab-
geschlossenen Thcile des Palastes und erhielt ein Geschenk
von zehntausendmal zehntausend Stücken Geldes. Er wurde
mit dem Amte eines stechenden Vermerkers von Liang-tscheu
betraut.
Kaiser jr Yuen von Liang führte den Namen ^M Yl
und den Jünglingsnamen ^j^ jti^ Schi-sching. Er war geschickt
im Malen und hatte einen höchstweisen Bonzen gemalt. Kaiser
Wu pries ihn desswegen mit eigenem Munde und betraute
ihn mit dem Amte eines stechenden Vermerkers von King-
tscheu '. Jener malte täglich Gäste von ^fe Fan. Als er bei
Hofe eintrat, bildete er den Kaiser ab, und man lobte überaus
die Vortrefflichkeit des Gemäldes. Ferner malte er Bilder des
Tributes, anbei Schulgebäude, Wagendächer und die Ankunft
aus den auswärtigen Reichen mit Geschenken. Sein ältester
Sohn ^ ~jj Faug-tschi, dessen Jünglingsnamen yji^
Schi-siang, war äusserst geschickt im ^Vbbildeu der Wirklich-
' Kaiser Yuen, der Neffe des Kaisers Wu von Liang, war früher König
von Siang-tung und stechender Vermerker vdii King-tscheu.
]^90 Pfizinaier.
keit. Von den Gästen in der Sitzlialle hatte er nach ihrem
Aussehen, ihren Punkten und Verunreinigungen mehrere fertig.
Die Knaben, die man fragte, erkannten sie.
^T S" Siao-fen von I^iang führte den Jünglingsnamen
-^ A^ Wen-hoan und stammte aus Lan-ling. Er besass viele
Grelehi'samkeit und Sinn für Schrift und Malerkunst. Er hatte
auf einen Fächer Berge und Flüsse gemalt. In einem Räume
von dem Umfange eines Schuhes sah man, was auf einer Strecke
von zehntausend Weglängen wissenswerth ist. Yao-tsui sagte,
dessen zierliche Eigenschaften seien geistig und gedrängt. Die
später kommenden seien mit ihm nicht zu vergleichen. Er
nehme in den Mund die Haarspitzen, gebiete über das Un-
geschmückte. In seiner Thätigkeit halte er sich gewiss an das
Wahre. Er lerne nicht der Menschen Avillen, er habe daran
Freude, nichts weiter. Unter den Menschen sehe man selten
einen ihm Ebenbürtigen.
M" ^ [^ Tao-hung-king führte den Jünglingsnamen
HH äS Tliung-ming und stammte aus Mo-ling in Taii-yang.
In seiner Jugend besass er ungewcihnliche Ausdauer. Zehn
Jahre alt las er Bücher. Als er die von Ko-lmng verfassten
Ueberlieferungen von göttlichen Unster})lichen sah, fasste er
sogleich den Entschluss, sich in die Verborgenheit zurückzu-
ziehen. Er wohnte auf dem Berge Miao und nannte sich den in
Verborgenheit Weilenden von Hoa-yang. Er liebte es, zu ver-
öffentlichen, fortzusetzen und die schönen Künste zu beleuchten.
Kaiser Wu wollte ihn einst vorladen und verwenden. Der in
Verborgenheit Weilende malte zwei Rinder. Das eine zog man
in einem goldenen Käfige, das andere wandelte abseits und
begab sich zu dem Wasser und den Pflanzen. Kaiser Wu
wusste, was Jener meine und nöthigte ihn nicht wegen Aemter
und Würden.
Tschang-seng-yao von Liang stammte aus U. In dem Zeit-
rniiiui' Tliicii-kien (502 bis 519 n. Chr.) Avai- er in dem Reiche
Dil' Kunst rcrti<?kpiteii und Künste der alten Chineseii. 191
des König-s von Wu-liiig- aufwartender Leibwächter und bei
den Seitenthüren der geheimen Schriften angestellt. Er ver-
stand sich auf Malerei. Unter den Klöstern ]*)uddha's, die
Kaiser Wu verehrte und ausschmückte, wurden viele duj'ch
Seng-yao ausgemalt. Um die Zeit befanden sich die Könige
auswärts, und Kaiser Wu gedachte ihrer. Er entsandte Seng-
yao, der mit unterlegten Pferden reiste und die Bildnisse der
Könige malte. Der Kaiser sass diesen Bildnissen gegenüber,
als ob er die Könige von Angesicht sähe.
Das Kloster des Erhabenen des Himmels in Kiang-ling war
von Kaiser Ming errichtet worden. In dessen Inneren befand sich
die Halle der Pistazienbäume. Seng-yao malte Liü-sche-na Buddha
sowie Tschung-ni und zehn Verständige. Der Kaiser wunderte
sich und fragte die Schamanen, wie so man in dem Inneren den
Höchstweisen von dem Geschlechte Khunff yemalt habe. Seno--
yao sprach: Später soll man sich nur hierauf verlassen. — Als
man in dem späteren Zeitalter die Vorschriften Buddha's tilgte,
die Klöster und Pagoden der Welt verbrannte, Hess man blos
in diesem Kloster, weil in der Vorhalle sich das Bildniss
Tschung-ni's befand, nichts zerstören und zerbrechen.
Ferner malte er in dism Kloster von Ngan-lu in Kin-ling
vier Drachen, deren Augäpfel er nicht mit Punkten versah.
Man fragte ihn desshalb, und Seng-yao sagte: Wenn ich die
Augäpfel mit Punkten versehe, so fürchte ich, dass die Drachen
davonfliegen. — Die JVIenschen hielten dieses füi' oÄue leere
unsinnige Rede und baten ihn inständig, die Punkte zu setzen.
Hierauf setzte er Punkte bei zwei Di'achen. Aun-enblicklich
erfolgte Donner und Blitz, die Wand l)arst, die beiden Drachen
stiegen in die Wolken und zu dem Himmel empor. Die zwei
Drachen, deren Augäpfel er noch nicht mit Punkten verschen
hatte, blieben zur Stelle.
Er malte ferner zwei Bonzen von Hu aus l'hien-tchö.
Zur Zeit der Empörung -M* '^^ H('u-kiiig.s ' spaltete sich das
Gemälde, und es wurden zwei Bonzen. Si)äter wurde ein Bonze
durch ^^ 1^ Lö-kien von Thang, den beständigen Aufwar-
tenden der Rechten, zu einer Kostbai'keit gemacht. Kien
' Heu-kiug empörte sich im zwfiteu Jahre des Zeitraumes Ta-tsiug (540
n. Ch.) und tödtete später den Kaiser AVu von Liang.
J92 Pfizmaier.
erkrankte ernstlich. Er träumte, dass ein Bonze von Hu zu
ihm sag-te: Ich habe einen gleichen Gefährten. Derselbe ist
getrennt und abgerissen seit langer Zeit. Er befindet sich jetzt
in dem Hause des Geschlechtes ^ Li in Lö-yang. Wenn du
trachtest, mit ihm zusammenzutreffen und wenn du ihn er-
langst, werde ich mit der Kraft der Vorschrift dir beistehen. —
Kien löste mit Geldstücken und Seidenstoffen wirklich an jenem
Orte den Bonzen aus und erlangte ihn. Seine Krankheit wurde
hierauf geheilt. #n -^ ^J Lieu-tschaug-king erwähnte die
Sache und erzählte sie weiter. Die Anregung des Reingeistigen,
das die Gemälde des Mannes von dem Geschlechte Tschang
besassen, konnte nicht dabei erwähnt werden.
^T ^i "^ Kao-hiao-heng von dem nördlichen Tsi
war der zweite Sohn des jüngeren Bruders des Kaisers Schi-
tsu. Er wurde in das Lehen eines Königs der Provinz Kuang-ning
eingesetzt. Der Gebietende des obersten Buchführers, der Vor-
steher der Scharen j^ \M. Pö-sche besass viele Gaben und
Sinn für schöne Kunst. Er hatte an die Wand des Gerichts-
saales grüne Falken gemalt. Wer sie sah, hatte die Vermuthung,
dass es echte seien. Die Tauben und Sperlinge getrauten sich
nicht, ihnen zu nahen. Ferner malte er die Bildnisse der vor-
züglichen Männer des' Hofes. Die Gemälde waren seinerzeit
über alles wundervoll.
Yang-ke-tan ' von Sui gelangte im Amte bis zu einer
, obersten Weise'^ 'j»^ j'^ |^ Tung-seng-tsung sagte: Die
sechs Vorschriften sind vorbereitet und werden gesungen. Er
besitzt viel Luft der Knochen. Die verkörperte Einrichtung
von Schan-tung gehört ihm Avahrhaftig. Dieser Mensch steht
unter Yen-li-pen. Den Werken Ke-tan's gebricht es nicht an
Männlichkeit und Reichthum. Vergleicht man ihn mit den
Männern der Geschlechter Tung und Tschen, so ist er arm
an Geist und unscheinbar.
Yang-ke-tan ist oben (.S. 180) erwähnt worden.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Cliinesen. 193
Der Mann von dem Gesclileclitc ^ Li sägt: Die Männer
der Geschlechter Tien ' und Yani>- - sind den ]\Iännern der
Geschlechter Tung- •'* und Tschen * gleichgestellt. Einst malten
die Männer der Geschlechter Tien und Yang mit Tsching-fa-
sse '■> gemeinschaftlich in dem hellglänzenden Kloster der Mutter-
stadt die kleine Pagode. Der Mann von dem Geschlechte Tsching
zeichnete Bilder auf die östliche und nih-dliche Wand. Der
Mann von dem Geschlechte Tien zeichnete Bilder auf die
westliche und südliche Wand. Der Mann von dem Geschlechte
Yang malte die vier Flächen der äusseren Seiten. Man nannte
dieses die drei unvergleichlichen Werke.
Der Mann von dem Geschlechte Yang verdeckte mit einer
Bambusmatte den Ort, wo er malte. Tsching betrachtete ihn
verstohlen und sagte zu dem Manne von dem Geschlechte
Yang: Deine Art zu malen kann durchaus nicht erlernt werden.
Warum bemühst du dich, dich mit einer Schutzwehr zu be-
decken? — Der Manu von dem Geschlechte Yang verschwägerte
sich mit ihm und zwischen beiden bestand die Freundschaft
der gegenüberstehenden Thore.
Ferner begehrte jener das Bilderbuch des Mannes des
Geschlechtes Y^ang. Der Mann von dem Geschlechte Yang
führte den Mann des Geschlechtes Tsching zu der Halle des
kaiserlichen Hofes, zeigte mit dem Finger auf den l\ilast, die
Thorwarten, die Kleider und Mützen, Wagen und Pferde.
Dabei sagte er: Dieses ist mein Bilderbuch. — In Folge dessen
seufzte der Mann von dem Geschlechte Tscliing tief und konnte
nichts entgegnen.
Tschang-hiao-sse '' von Thang war I>(!ruhiger der raschen
Reiter. Er malte überaus gut die Luft und die tiefe Finstei--
niss der Hölle. Hiao-sse war gestorben und wieder lelxMidig
geworden. Dabei hatte er die im Dunkel befindliehen Dinge
' Der oben (S. 180) erwähnte Tien-sien-liang.
2 Yang-ke-tan.
•' Der oben (S. 180) erwälnite Tung-pe-jin.
* Der oben (S. 180) erwähnte Tselien-tse-khien.
^ Tsching-fä-ssc ist ()))en (S. 180) orwäliiit worden.
•^ Tscliang-hiao-sse ist oben (S. isO) erwälnit worden.
Sitzb. a. phil.-liist. Cl. LXIX. K.l. H. Illt. 13
2 C^A V i i 7. TU a i e r.
gesehen. Er fand sie daher schon vorräthig-. TC ^ :^
U-tao-yuen ' sah diese Gemälde und ahmte sie nach. Er
hildete die Verändermigen der Hölle.
"?* 1^ i Wang-to-tse von Thang verstand sich auf
Berge und Flüsse. Sein Dunkles und Tiefes, die Berggipfel
waren äusserst vortrefflich. Die Menschen des Zeitalters sagten:
Die Berge und Flüsse nennen To-tse das Haupt, Tao-tse -
die Füsse.
-^ ^^ -^ U-tao-tse von Thang stammte aus Yang-ti.
Er liebte den Wein und bethätigte den Geist. So oft er die
Haarspitzen bewegen wollte, musste er bis zur Anheiterung
trinken. Er lernte die Schrift bei ^ Hö, dem ältesten Ver-
merker von dem Geschlechte ^ Tschang, und bei ;^ ^
Tschi-tschang, dem Aufseher von dem Geschlechte ^ Hö •'.
Bei dem Erlernen der Schrift brachte er es nicht zur Voll-
endung, und er verlegte sich desshalb auf die Malerkunst.
Er hatte ^BJ ^ Wei-sse, Fürsten von Tschao-yao, gedient
und wurde von diesem zu einem kleineu Angestellten erhoben.
Er zeichnete bei dieser Gelegenheit den Körper der Berge und
Flüsse der Wege von Schö und gründete ein eigenes Haus.
Seine Schrift hat Aehnlichkeit mit derjenigen '^ -j[^ g^
Sie-schao-pao's und ist ebenfalls sehr bequem.
Er war ursprünglich mit der Stelle eines Beruhigers des
Districtes Hia-khieu in Yen-tscheu betraut worden. Kaiser
Yuen-tsang berief ihn und Hess ihn iu den abgeschlossenen
Theil des Palastes treten. Er gab Tao-tse den neuen Namen
JC ^^ Tao-yuen. Derselbe erhielt somit den Unterricht im
Inneren und galt als vorzüglicher Mann von vielseitigem Wissen.
Ohne dass eine höchste Verkündung erfolgte, durfte er nicht
malen. jM 'Im ß^ Tschang-hoai-kuan sagte immer, der
1 Der nuten vorkommende U-tao-tse, der .später statt des Namens Tao-tse
den Nanicu Tao-yuen erhielt.
- Der gleich luiten vorkommende U-tao-tse.
3 Beide Mäinior werdoii sonst Tsehang-ho nnil Ho-tschi-tsehang genannt.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 105
niedrigere Pinsel der Gemälde des Geborenen von dorn Ge-
schlechte U besitze Göttlichkeit. Er sei der spätere Leib
Tschaug-seng-yao's. Es lässt sich sagen, dass ei- zu reden
verstand. Jener gelangte im Amte bis zu einem Gefährten
des Königs Ning.
In dem Zeiträume Khai-yuen (713 bis 741 n. Chr.) tanzte
der Heerführer ^ ^ Pei-min gut den Tanz der Schwerter.
Tao-yuen sah ihm zu. Als Min zu tanzen aufhörte, bewegte
jener die Haarspitzen des Pinsels und brachte die Sache noch
weiter. Um die Zeit war ferner das grosse Mädchen von dem
Geschlechte -^ ^ Kung-sün. Dasselbe tanzte ebenfalls gut
den Tanz der Schwerter des westlichen Flusses. Die Luft
löste sich in gleichem Masse. Tschang-hö sah dieses und
bildete daraus eine Pflanzenschrift. Tu-fu brachte durch ein
Lied diese Sache in Gang und überlieferte sie. Hieraus er-
kannte man, dass man bei der schönen Kunst der Schrift und
des Malens Sinn und Geist braucht, um es zu vollenden. Sie
sind auch etwas, das ein Schwächling nicht im Stande ist, zu
verfertigen.
# fi
Jm Liü-ling-kia von Thang war dci' Schüler
des Mannes von dem Geschlechte U. Seine Weise zu malen
hatte Aehnlichkeit mit derjenigen des Mannes von dem Ge-
schlechte U, nur hatten Begabung und Kraft eine Gränze. Er
war ziemlich im Stande, klein in dem Zwischenraum eines Schuhes
zu malen. Berge und Flüsse, leere Räume, die Gestalten leben-
diger Wesen, Vorrichtungen des Geistigen, Vei-gänglichkeit
und Veränderung, Bilder Buddha's sind es, in denen er Meister
war. Der Geborne von dem Geschlechte U malte einst in der
Mutterstadt die di'ei Thore des leitenden und erfassenden
Klosters. Er erhielt in grosser Menge Geld und Gut. IJng-
kia malte jetzt verstohlen die drei Thore des kräftigen und
strengen Klosters. Li Erschliessung und Ausdehnung scharfer
Gedanken gelangte er ziemlich zu dem Wundervollen. Eines
Tages erblickte es der Geborne von dem Geschlechte U un-
verhofft. Er erschrack und sprach seufzend: Dieser Sohn hat
hinsichtlich der Kraft des Pinsels in <li r gegenwärtigen Zeit
mich nicht erreicht. Jetzt aber ist er mir ähnlich. Sein Geist
13*
HJQ Pfizmaier.
und seine Erleuchtung sind zu Ende g-egang-en. — Es währte
noch einen Monat, und Ling-kia starb wirklich.
j^ J^ y^^ Fung-schao-tsching von Thang malte über-
aus gut Falken, Tauben, Hühner und Fasanen. Er brachte zu
äusserster Vollendung ihre Gestalt und ihr Aussehen. Schnabel,
Augen, Füsse, Klauen, Federn und Farbenschinuck waren wunder-
voll. Er hatte in dem abgeschlossenen Theile des Palastes
fünf Drachen gemalt. Man rühmte ebenfalls deren Vortreff-
lichkeit. Es gab das Machtvolle niedersteigender Wolken und
angehäuften Regens.
i!f| >S» ^ Li-sse-hiün von Thang war ein Mitglied des
kaiserlichen Hauses und der Vaterbruder "^ T^ Lin-fu's.
Er war frühzeitig durch schöne Kunst berühmt. In seinem
Zeitalter waren fünf Menschen eines einzigen Hauses im Mennig-
roth und Grün bewandert. Kaiser Kao-tsung schätzte ihn sehr
hoch. Seine Schrift und seine Gemälde wurden als das Wunder-
vollste der ganzen Zeit gepriesen. Er malte Berge, Flüsse,
Bäume und Felsen. Sein Pinsel erschöpfte das Kräftige, Strom-
schnellen, Rieseln des Wassers, Wolken, rothen Wolkendunst
und Fernsichten. Man sah um die Zeit die Dinge der gött-
lichen Unsterblichen, fern und tief das Dunkle der Felsenwände
und Berghöhen. Die Zeitgenossen nannten ihn den Heerführer
von dem grossen Geschlechte Li.
WS Han-khan von Thang malte überaus kunstvoll
Pferde. Plötzlich war ein Mensch, der sich zu dem Thore
begab. Derselbe nannte sich einen Abgesandten der Dämonen
und bat um ein Pferd. Der Gebieter von dem Geschlechte
Hau malte ein Pferd und verbrannte es. Den anderen Tag
kam ein Abgesandter der Dämonen auf einem Pferde geritten
und bedankte sich. Jener machte solchen Eindruck auf die
Götter. Sein Schüler ^ ^ Khung-ying stieg desswegen
empor.
Kunstfertigkeiten und Künste der iilton Chinesen. 197
I^ EM Tschang-tsao von Tlianjj- fiilirt^! den Jiingling's-
namen ^^ 'aT Wen - thung. Ei' inalte überaus kunstvoll
Bäume, Felsen, Berge uiul Flüsse. •^ S. Pi-liung- hatte
in dem Zeitalter ausschliesslich einen Namen besessen. Der-
selbe sah einmal jene Gemäkle. Er erschrack, seufzte und staunte
über sie. Tsao bediente sich blos eines kahlen l*insels. Beim
Vollenden zeichnete er mit der TTand auf den weissen Stoß"
des Taffets. Jener fragte Tsao, was ihm übergeben worden.
Tsao sprach: Aeusserlich sind es die bewerkstelligten Ver-
wandlungen. In der Mitte erlangte ich die Quelle des Herzens. —
Pl-hung lud hierauf die Pinsel auf den Wagen.
)^ ^ Li-tschan von Thang malte vortrefflich das
Wundervolle der Pferde von Fan, der Reiter, Bogenschützen,
Schwäne, Rinderhirten, Flüsse und Hochebenen. Die Werke
seines Pinsels haben hinsichtlich Luft und Herrichtung in
der Gegenwart und in dem Alterthum nicht ihres Gleichen.
TJ^n ^4* ^ Li-tschung-ho war im Stande, dessen schöne
Kunst fortzusetzen, aber in Kraft des Pinsels erreichte er
ihn nicht.
^ Ä gg Tschang-yi-tschi aus der Zeit des Hofes der
Himmelskaiserin ' machte an dem Hofe die folgende Eingabe:
AVenn man die j\Ialer der Welt herbeiriefe, die Gemälde der
Rüstkammern des Inneren ordnete, dann jeden Künstlei- das
aufschlagen Hesse, worin er ein Meister ist, so würde der scharfe
Gedanke abgebildet, man hätte die alte Ausstattung, und es
wäre nicht die geringste Abweichung. — Unter den echten
Bildern lassen sich viele auf Yi-tschi zurückführen.
^ -^ ^ U-tao-yuen aus den Zeiten des Hofes von
Thang schritt in dem Alterthum und in der Gegenwart allein
einher. Vor sich sah er nicht die Männer der Geschlechter
Ku und Lö. Nach ihm kam Niemand. Er übergab die Vor-'
Schriften des Pinsels Tschang-hö -. Dieser wusste jetzt, dass
' Die Kaiserin Wu von Tliang.
2 Tschang-hö ist oben (S. 194) erwähnt worden.
198 Pfizmaier.
bei Schreiben und Malen der Gebrauch des Pinsels derselbe
ist. Da man den Mann des Geschlechtes Tschang mit dem
Namen des Scheitels der Schrift bezeichnet hat, sollte der Mann
des Geschlechtes U ein Tlöchstweiser der Malerkunst sein. Sein
Geist entlehnt die Werke des Himmels. Sein Reingeistiges
imd seine Blüthenfülle sind unerschöpflich.
Die Beurtheilungcn der Gemälde der Thang sagen:
U-tao-yuen von Thang erschöpfte das Wundervolle des
Mennigrothen und Grünen. Er umschloss in grossem Mass-
stabe Tschang-seng-yao, den Meister von Sung. Kaiser Yuen-
tsung sehnte sich in dem Zeiträume Thien-pao (742 bis 75ü
n. Chr.) plötzlich nach den trefflichen Erdhügeln, den Strömen
und Flüssen in Schö, Er lieh alsbald dem Gehörnen des Ge-
schlechtes U unterlegte Postpferde, hiess ihn die Keise antreten
und jene Orte zeichnen. Bei der Rückkehr fragte ihn der
Kaiser, was es für eine Bewandtniss habe. Jener meldete au
dem Plofe: Ich besitze kein Buch der weissen Tünche. Zugleich
befindet sich der Bericht in meinem Herzen. — Der Kaiser
schickte ihn in die Vorhalle der grossen Uebereinstimmung,
damit er daselbst die trefflichen Erdhügel, die Ströme in einer
Länge von dreihundert Weglängen, die Berge und Flüsse male.
Er wurde damit in einem Tage fertig. Um die Zeit besass
der Heerführer von dem Geschlechte Li hinsichtlich der Berge
und Flüsse ausschliesslich einen Namen. Derselbe malte eben-
falls die Vorhalle der grossen Uebereinstimmung. Er wurde
in einigen Monaten fertig. Yuen-tsung sagte, Li-sse-hiün ' habe
das Verdienst mehrerer Monate, U-tao-yuen habe das Werk
eines einzigen Tages geliefert. Beide gipfelten in dem Wunder-
vollen.
Ferner malte U-tao-yuen in der Vorhalle fünf Drachen.
Ihre Schuppen flogen und bewegten sich. So oft es stark regnen
wollte, entstand Rauch und Nebel. Der Geborne von dem Ge-
schlechte U trug immer in der Hand das diamantene Buch und
machte sich darlurch kenntlich. In dem Zeiträume Thien-pao
Avar -^ ^ :^ Yang-ting-kuang mit ihm im Rufe gleich.
Derselbe malte heimlich das Bildniss des Gehörnen von dem
Gcschlechte U an der Matte der Erklärungen inmitten sämmtlicher
Der oben (S. 196) vorgekommene Li-sse-hiün.
Kunstfertigkeiten und Künslp der alten Cliinesen. ^ 199
Menschen. Der Gcborne von dem Geschlechte IJ sah es tmd
erschrack sogleich bei dem ersten Anblicke. Er sprach mit
Ting-kuang und sagte zu ihm: Ich, der alte Mann, bin von
Aussehen hässlich. Wozu brauchtest du mich abzubilden?
RJ JS Tscheu-fang von Thang führte -den Jünglings-
namen jj' -M- King-yuen und war der Eidam ^^ -^ ^
Kö-tse-I's '• 3^ ^ Tschao-wei Hess gewöhnlicli durch Han-
kan 2 sein Bildniss malen. Alle priesen dieses als vortrefflich.
Später bat jener auch Fang, dass er sein Bildniss male. Diese
zwei Maler besassen Fähigkeit und Ruf. Der Fürst •' stellte
gewöhnlich die zwei Gemälde in der Sitzhallc neben einander,
und man konnte nicht bestimmen, welches vorzüglicher sei,
welches nachstehe. Als die Gemalin des Geschlechtes Tschao
in den abgeschlossenen Theil des Palastes heimkehrte, fragte
sie der Fürst: Wen stellen diese Gemälde vor? — Sie ant-
wortete: Den Gemahl von dem Geschlechte Tschao. — Er
sprach: Welches ist ähnlich? — Sie sprach: Beide Gemälde
sind treffend ähnlich. Der spätere gute Maler Hess sich in
seiner Vortrefflichkeit freien Lauf. — Jener fragte, in wie fern
sie dieses sage. Sie sprach: In dem friUieren Gemälde traf
man einfach die Gestalt und das Aussehen des Mannes von
dem Geschlechte Tschao. In dem späteren traf man zugleich
dessen Geist, Luft, Leidenschaft und Gemüthsart, die Miene,
mit welcher er lacht und spricht. — Der Fürst fragte: Wer
ist der spätere Maler? — Sie sprach: Tscheu-fang. — An
diesem Tage bestimmte man, welches von den zwei Gemälden
besser oder schlechter sei. Man hiess mehrere hundert Stücke
Brocates und buntfarbiger Seide überbringen.
Was Yen-li-pen von Thang betrifft, so war zu den Zeiten
Tai-tsung's in dem südlichen Gebirge ein reissendes Thier,
das die Menschen verdarb. Tai-tsung schickte tapfere und
kühne Männer, damit sie es fangen. Sie erlangten es nicht.
1 Kö-tse-I war zu verschiedenen Zeiten Heerführer der Thang.
2 Han-kan ist oben (S. 196) vorgekonuncn.
3 Der Fürst ist Kö-tse-I.
200 Pfizraaier.
TT* Yiien-fung, König von Kup, war redlich und g-erecht.
Er raffte sich auf und ging selbst hin^ um es zu fangen. Es
war mit einem einzigen Pfeile niedergestreckt. Tai-tsung be-
lobte des Königs Kraft. Er Hess durch Li-pen dessen gesattelte
Pferde, die Knechte und das Gefolge nach dem Leben zeichnen.
Alles erschrack und war über die Fähigkeit des Malers betroiTen.
Als Tai-tsung die Hauptstadt des Königs von dem Ge-
schlechte Yuen besuchte, Hess er auf dem Teiche die Wasser-
vögel kämpfen. Er berief Li-pen und Hess achtzehn lernende
Männer, die verdienstvollen Diener des Söllers des kalten
Rauches und andere noch lebende Menschen abbilden. Er
verherrlichte auch die frühere Zeit und das Alterthum.
^, ^ _^ Wei-wu-tien von Thang stammte aus dem
Kreise der Mutterstadt. An dem Hofe Yuen-tsung's besass er
wegen des Malens berühmter Pferde und ungewöhnlicher Thiere
ausschliesslich einen Namen. Um die Zeit rühmte man, dass
unter den Vierfüsslern des Mannes von dem Geschlechte Wei
aHes ohne Ausnahme wundervoll sei. Unter den von ihm ffc-
malten Dingen waren die von den auswärtigen Reichen zum
Geschenk geraachten Löwen den wirklichen vollkommen ähn-
lich. Später wurden die Löwen losgelassen und kehrten in
ihre Heimat zurück. Bios die gemalten befanden sich auf den
Bildern, und man betrachtete sie um die Zeit. Die hundert
vierfüssigen Thiere, die diese Bilder sahen, empfanden Furcht.
Ferner schoss Yuen-tsung mit Pfeilen und jagte. Er traf
mit einem einzigen Pfeile zwei Wildschweine. Er befahl in
einer höchsten Verkündung, dieses an dem nördlichen Thore
des ursprünglichen Kriegsmuthes abzubilden und den lebenden
Menschen zu überliefern. Es war die Gipfelung des Wunder-
vollen.
j^ j^ Tschin-hung von Thang stammte aus Kuei-ki.
Da er im Stande war, nach dem Leben zu malen, empfahl
ihn sein eigener Weg. In dem Zeiträume Khai-yuen (713 bis
741 n. Chr.) berufen, trat er ein und reichte die Gegenstände
dar. So oft ihm aufgetragen wurde, nach dem Leben zu zeichnen,
war das kaiserliche Antlitz über alles wundervoll. Damals
Kunstfertigkeiten und Kunhto der altoii Chinesen. 201
sehoss Yuen-tsimg Schweine, Hirsche, Ilasön, Falken und
andere Thiere. Zugleich untersuchte er die wahi'en Gestalten
der Abbildungen des Tanzes. Jener empfing überall die höchste
Verkündung, der zufolge er die Bildnisse zeichnete. Auch das
Bildniss Sü-tsung's in dem grossen klaren Palaste hatte nicht
blos das Wesen des J^rachen, das Aussehen des Paradiesvogels.
Es war der Winkel der Sonne, das Seitendach des Himmels,
jedoch die Kraft des Pinsels war stark und weich, der gött-
liche Farbenschmuck blüthenreich und frei. Der Himmel lieh
wirklich seine Fähigkeiten. Der Nachfolger der Trefflichkeit
des Mannes von dem Geschlechte Yen war ein einziger Mensch,
sonst keiner.
^ß i Wang-me von Thang war von unbekannter Her-
kunft. Derselbe führte den Namen }^ Leng und war geschickt
im Begiessen mit Tinte. Die Zeitgenossen nannten ihn Wang-
me (die Tinte von dem Geschlechte Wang). Er wanderte viel
an den Strömen und Seen. Er malte geschickt Berge, Flüsse,
Fichten, Pistazienbäume, vermischte Bäume und Aehnliches.
Von Gemüthsart war er roh und bäuerisch. Er liebte den Wein.
So oft er eine Einfassung zeichnete und er sich mit Wein
erheitert hatte, begoss er sie mit Tinte. Indem er es mit den
Füssen trat und mit den Händen berührte, wurde Einiges zu
Aesten, Anderes zu Stengeln. Je nach der Gestalt bildete er
Berge, Bambusstauden und Bäume. Seinem Sinne gemäss und
nach seinen Gedanken geschah es rasch wie bewerkstelligte
Verwandlungen. Er vollendete auf dem Bilde die Bewegung
der Wolken und des rothen Wolkendunstes, das Geräusch von
Wind und Regen. Man sah keine Spur der Verunreinigung
mit Tinte.
^ *^ ^ß Li-ling-tsio von Thang war arm und <jhne
häusliche Beschäftigung. Er hielt sich an keine Schranke. So
oft er eine Einfassung zeichnete, konnte er zu dem, was er nicht
wollte, nicht gezwungen werden. Er verschaffte sich Gedanken
durch Wein und genügte stolz sich selbst. Das Geehrte der
Könige und Fürsten, die Abende der Hitze oder Kälte wurden
gleichwie Berge, Flüsse, Bambusstauden und Bäume durch
202 r f i z m ii i e r.
einzelne Punkte, durch einzelne Berührung-en von selbst voll-
endet. Einmal waren es Abi^ränzungen der Berggipfel, allein-
stehende Wolken, ein anderes Mal Inseln des Meeres, das
äusserste Meer. Es waren keine gewöhnlichen Hersteilungen.
^n ;g 5R Tschang- tschi-ho von Thang führte den
Jünglingsnamen [^ -^p Tse-tung. Man nannte ihn den Sohn
der Wellen des Rauches. Er angelle gewöhnlich Fische in dem
Tung-ting. ^ ^ ^ Yen-lu-kung hatte zur Zeit, als er sich
in IJ-hing befand, dessen hohe Einschränkung erkannt. Er
beschenkte ihn mit fünf Fischerliedern. Jener zeichnete die
Stifte der Rollen. Je nach den Abschnitten und darstellenden
Gedichten bildete er Menschen, Fische, Vögel, vierfüssige
Thiere, Wind, Regen, Wolken und Monde. Den Schriftzeichen
gemäss brachte er Gestalten zu Wege. Zierlichkeit vereinte
sich mit Wundervollem,
Kunststücke.
Das Buch der späteren Han sagt:
^ ^ Kö-hien führte den Jünglingsnamen j^ -^
Tse-hung-. Im siebenten Jahre des Zeitraumes Kien-wu (31 n. Chr.)
wurde er an der Stelle j^ ^ Tschang-kan's der ,Verdienst-
volle des glänzenden Gehaltes^ und begleitete den Kaiser zu
Wagen in die südliche Vorstadt. Während Hien sich auf seinem
Posten befand, wendete er sich plötzlich gegen Nordosten,
nahm in den Mund Wein und sprudelte ihn dreimal aus. Er
wurde dem Gesetze gemäss festgenommen, und man meldete
an dem Hofe seine Unehrerbietigkeit. Eine höchste Verkün-
duug gebot, ihn um die Ursache zu fragen. Hien antwortete:
In dem Reiche Tsi ist Feuer ausgebrochen. Desshalb habe
ich es dadurch unterdrückt. — Später reichte Tsi wirklich
eine Eingabe wegen Fevierschaden empor. Es war an dem-
selben Tage, an welchem man sich in die Vorstadt begeben
hatte.
Kunstfertigkeiten und Kunsto der ;ilton Cliinesen. 203
^ ^ Puaii-ying führte den Jüns>-lint;»ii,iiii('n ^ ^
Ki-tsi. I)er.s(!lbe verstand sich gut auf die Ecken dos Windes ',
die Zähhmgen der Sterne, den FIuss, den Lö und die sieben
Einschläge-^. Es war einst ein Stui-m, der sich aus Westen
erhoben hatte. Ying sagte zu den Lernenden : Auf dem Markte
von Tsching-tu ist ein sehr grosses Feuer ausgebrochen. —
Er nahm Wasser in den Mund und sprudelte es gegen Westen.
Hierauf hiess er den Tag und die Stunde verzeichnen. Später
kam ein Gast aus der Hauptstadt von Scho und sagte: An
diesem Tage war eine grosse Feuersbrunst. Da erhob sich
phitzlich eine schwarze Wolke aus Osten. In einem Augen-
blicke erfolgte starker liegen und das Feuer erlosch alsbald. —
Man pries jetzt in dci- Welt die Kunst Puan-ying's.
Die Ueberlieferungen von dem Hause des Geschlechtes
Schao sagen :
S '^ w[i Schao-sin-tschin bekleidete die Stelle des
kleinen Sammelhauses. In Nan-yang kam Feuer zum Ausbruch,
und es verbrannten die Häuser von mehreren zehntausend Men-
schen. Sin-tschin befand sich um die Zeit in der Gesellschaft des
Reichsgehilfen ^ ^ Kuang-heng und war im Herzcui be-
wegt. Er nahm in den Mund Wein und sprudelte ihn gegen
Osten. An dem Orte, wo das Feuer ausgebrochen war, sah
man eine Wolke von Nordwesten herankommen. Es folgte
Finsterniss und ein starker Regen, der das Feuer auslöschte.
Der Regen hatte einen Weingeruch.
Die Ueberlieferungen von Unsterblichen von Kuei-yang
sagen
"7* ^ f& Tsching- wu-tse hatte gerade am Morgen
eine grosse Zusammenkunft. Er bespülte die Mitte der Vorhalle
mit Wein. Die Inhaber der Vorsteherämter fragten ihn um
die Ursache. Er antwoi'tete : In dem Districte Lin-wu ist Feuer
ausgekommen. Ich bringe Rettung durch Wein. — Man schickte
hin, um sich zu überzeugen. Es veidiielt sich wirklich so.
Die Ueberlieferungen von göttlichen Unsterblichen sagen :
G« isl Luan-pa war der Richtige des obersten Buch-
führers. Am geraden Morgen hatte er eine Zusammenkunft.
Als er Wein erhielt, sprudelte er ihn gegen Südwesten und
' Er beobachtete den Winrl der vier Ecken oder Weltgcgenden.
2 Die sieben Einscliläpre sind die fünf Planeten samnit Sonne und Mond.
204 Pfizinaier.
sagte, in Tscliing-tu sei Feuer ausgebrochen, er mache Regen
und bringe Rettung. Später kam ein Abgesandter an. Es ver-
hielt sich wirklich, wie Jeuer gesagt hatte.
Das Buch Pao-po-tse sagt:
Die Männer der Arzneikunst in den auswärtigen Reichen
können Drachen beschwören. Sie treten an den Abgrund der
Wasser und schreiten langsam einher. Die Drachen schwimmen
heraus. Sie sind mehrere zehn Klafter lang. Die Männer der
Arzneikunst beschwören sie. Die Drachen schrumpfen dann
zusammen und verkürzen sich bis zu einer Länge von einigen
Zollen. Jene erfassen sie mit den Händen und legen sie in
einen Topf. Die Drachen sind alsbald vier bis fünf Zoll lang,
und man nährt sie mit Wasser. Wenn die übrigen Reiche wenig
Regen haben und öfters von Dürre heimgesucht werden, so
gibt man sofort einen Drachen her. Man geht hin und ver-
kauft ihn. Ein Drache kostet tausend Pfunde Goldes. Man
nimmt ein Stück und legt es in den Abgrund der Wasser.
Alsbald bringt es Wolken und Regen zu Stande.
M "4^ ^ Hoa-nien-sse, Statthalter von Liü-kiang,
begab sich zu einem Manne des Weges und lernte die Kunst
des Sehens der verborgenen Dinge. Es waren noch nicht ganz
hundert Tao;e, so sah er in der Nacht den Schmuck des Hirn-
mels, und in den vier Nachbarschaften gab es keine Dächer,
Häuser, Zäune und Schutzwehren mehr. Er hatte eine Neben-
gemalin, die längst gestorben war. Er sah auch die Gestalt
dieser Letzteren und sprach mit ihr wie bei Lebzeiten. Nien-
sse glaubte jetzt an die Kunst des Weges.
Ein gewisser jjpj* ^ Ki-0 wandelte auf dem Wege
und begegnete einem daherrollenden Wagen. Die beiden Beine
O's stiessen an den Wagen und wurden sogleich abgebrochen.
Sein Schüler ^Q^ "d^ Ku-mi ', der dieses sah, war erschrocken
und von Bangigkeit erfüllt. O nahm augenblicklich die abge-
schnittenen Beine und setzte sie wieder an, wie sie früher
gewesen.
' Ku-mi stammte aus Wei,
Kunstfertigkeiteu und Künste der alten Chinesen. 205
Die sämmtlichen zehntausend Künste von Jloai-nan sagen :
Das Gehirn der Aelster bewirkt, dass die Menschen
gegenseitig sich sehnen. Man nimmt zwei Aelstern, ein Männ-
chen und ein Weibchen, und löstet sie an einem Kreuzwege.
An dem Tage Ping-ying (8) trinkt man mit den Menschen in
Gesellschaft Wein. Man gibt das Gehirn in den Wein, und
sie sehnen sich gegenseitig.
Ein alter Sophorabaum bringt Feuer hervor. Wenn Leim
das AVasser aufregt, so wird es klar. Eine abgenützte Staub-
schüssel entzieht das Salzige. Man nimmt die Staubschüssel
und legt sie in den zubereiteten Trank. Das Salzige legt sich
an die Staubschüssel.
Die Feuchtigkeit des Hauptes macht Nadeln schwimmen.
Man nimmt den Schmutz des Hauptes, bestreicht und verstopft
damit deren Oehre. Wenn man sie in das Wasser legt, so
schwimmen sie.
Wenn ein rothes Tuch sich innerhalb der Thüren befindet,
so bleibt das Weib angeschlossen. Man nimmt das Tuch des
Monatlichen des Weibes und verbrennt es am siebenten Tage
des siebenten Monats zu Asche. Legt man diese über die
Dachbalken, so geht das Weib nicht mehr fort. Mau darf es
das Weib nicht wissen lassen.
Nimmt man die Haut der Stechwinde und legt sie in
einen Krug, so plätschert es in diesem wie Regen.
Verbrennt man Hörn imd tritt in das Gebirge, so halten
sich Tiger und Leoparden fern. Sie hassen diesen Geruch.
Der Buchsbaum bringt Wolken zu Wege. Man nimmt
Buchsbäume und stellt sie in zolin grosse Krüge. Wenn die
Luft zu Ende ist, schicken sie Wolken hei-vor.
Kupferne Krüge ertönen wie Donner. Man nimmt sieden-
des Wasser und ffiesst (!s in einen Kriijr. Wenn man diesen
206 P f i z m a i e r.
in einen Brunnen versenkt, so hört man den Ton auf einer
Strecke von mehreren Weg-langen.
Man nimmt Rog-gen des Haustempels und lässt ein Kind
ihn beissen. Das Kind sehnt sich dann nicht mehr nach der
Mutter.
Man nimmt rothen Roggen des Winters des Thores, weicht
ihn in Fuchsblut und trocknet ihn im Verborgenen. Wenn man
trinken will^ nimmt man davon eine Kugel und legt sie unter die
Zunge. Wenn man sie mit dem Weine verschluckt, bewirkt
dieses, dass der Mensch nicht trunken wird.
Rother Roggen des Winters des Thores und Früchte der
Wasserlinsen, zu Kugeln geformt, bewirken, dass das Weib
nicht eifersüchtig ist.
Man nimmt ein Hühnerei, entfernt die Schale und ver-
brennt es bei einem Feuer von Beifuss. Der schnelle Wind
in der inneren Höhlung erhebt sich dann hoch, und es fliegt
von selbst fort.
Man nimmt das Kleid eines abwesenden Menschen, legt
einen Magnet hinein und hängt es in dem inneren Hause auf.
Der Abwesende kehrt dann von selbst zurück.
Man nimmt Spinnen und streicht sie über ein Tuch. Der
Regen des Himmels kann dieses dann nicht befeuchten.
Mau nimmt einen Rossschweif, hält ihn an das Feuer
und legt ihn in die Kleider der Freunde oder Gatten. Diese
empfinden dann gegen einander Abscheu.
Man haut Eis ab und gibt ihm eine runde Gestalt. Er-
hebt man es gegen die Sonne und fängt mit Beifuss deren
Strahlen auf, so entsteht Feuer.
Nimmt man Rindsgallo und bestreicht damit einen heissen
Kessel, so tönt dieser,
Kunstrcrtigki'itfii und Künste der alton Chint-sen. 207
Zieht man das Schwert uiul lehnt sich ahi das Thoi-, so
gerathen die Kinder niclit in Schrecken.
Befindet sich eine Wolfshaut innerhalb der Thüren, so
g-ehen die Schafe nicht aus dem Stalle. Es ist, weil das Schaf
den Wolf fürchtet.
Man verbrennt Holz und verkauft Wein. Das Menschen-
volk sammelt sich an. Man nimmt das Holz von feinem Hause,
in welchem man Feuer auskommen Hess, und schnitzt daraus
ein Menschenbild. Man opfert diesem allmorgendlich. Die
jMenschen sammeln sich dann an.
Man nimmt Lockspeise der Eidechsen und Insecten,
trocknet sie im Verborgenen mit Zinnober und bestreicht damit
den Leib des Weibes. Wenn ein Mann sich mit ihr vereinigt,
wird er sogleich vernichtet.
Bestreicht man mit Igelfett Eisen, so wird dieses weich
und bricht nicht.
Ein röhrenförmiges Thongefäss bewirkt, dass der Vogel
zu singen aufhört. Man nimmt den Boden der Röhre und
wirft ihn weg. Der Vogel hört dann auf zu singen.
Legt man Rhinoceroshorn in eine Fuchshöhle, so kommt
der Fuchs nicht zurück.
Bestreicht man mit dem Blute eines Taubenschenkels
das Haupt eines Huhnes, so kann das Huhn sich niclit erheben.
Wenn ein Pferd Menschen beisst, nimmt man zu Boden
gestürzte Seidenraupen und l)estreicht damit dessen Oberlippe;.
Es lässt dann sogleich ab und beisst die Menschen nicht mehr.
208 Pfizinaier.
Yerzanbeniiiff.
Das Bucli der späteren Han sagt:
Zu den Zeiten des Kaisers Tschang lebte ein gewisser
"f^ ^fe ft Seheu-kuang'-heu. Derselbe konnte die hundert
Dämonen ihrer Schuld überführen. Sämmtlichen Ungethümen
ward befohlen, sich selbst zu binden und ihre Gestalt zu zeigen.
Unter den Menschen seines Bezirkes war ein Weib, das durch
ein Ungethüm mit Krankheit heimgesucht wurde. Heu über-
führte ihretwegen das Ungethüm seiner Schuld. Er fand eine
grosse Schlange, die mehrere Klafter lang war. Dieselbe war
todt ausserhalb des Thores.
Ferner gab es einen göttlichen Bamn. Die Menschen,
die bei ihm stehen blieben, waren sogleich todt. Die Vögel,
die zu ihm hinflogen, tielen gewiss zu Boden. Heu überführte
ihn wieder seiner Schuld. Der Baum vertrocknete und verlor
die Blätter mitten im Sommer. Man sah eine grosse Schlange,
die sieben bis acht Klafter lang war. Dieselbe hing todt zwischen
den Aesten.
Der Kaiser hörte dieses und forderte ihn zu sich. Er
sagte: Unter meiner Vorhalle erscheinen nach Mitternacht
immer einige Menschen in hochrothen Kleidern. Sie sind von
ihrem Haupthaare bedeckt, halten in den Händen Feuer und
fols-en einander. Könntest du sie wohl der Schuld überführen?
— Heu sprach : Dieses ist eine kleine Seltsamkeit. Man kann
sie leicht tilu-en. — Der Kaiser täuschte ihn und Hess durch
drei Menschen die Sache bewerkstelligen. Heu überführte die
drei Menschen ihrer Schuld. Sie stürzten in einem Augenblicke
leblos zu Boden. Der Kaiser erschrack sehr und sagte : Es sind
keine Ungethüme. Ich habe dich nur auf die Probe gestellt. —
Jener befreite sie und sie wurden Avieder lebendig.
^ ^ Siü-teng stammte aus i\Iiu-tschung. Seine eigene
Tochter verwandelte sich in einen Manu. Er verstand sich gut
auf die Kunst der Beschwörung. Ferner war i^ ^ Tschao-
ping, dessen Jünglingsname |$pj" ^ Kuug-0, ein Mensch
von Tung-yang, im Stande, die lleilkunst von Yue zu üben.
Um die Zeit ereigneten sich Unordnungen durch die Waffen,
Kunstfertigkeiten niul Künste der alten Chinesen. 209
Krankheiten und Seiielien entstanden in grosser Ausdehnung.
Die zwei Menschen begegneten einander an dbni Wasser des
Baches der Verletzung der VögcL Alsbahl gaben sie sich (bis
Versprechen und kamen überein, gemeinschaftlich durch ihre
Kunst die Krankheiten zu heilen.
Einer sagte jetzt zu dem Anderen : Da wir eines Sinnes
geworden sind, kann Jeder von uns versuchen, was er im
Stande ist. — Teno- verzauberte hierauf das Wass(;r des Baches.
Das Wasser floss desswegcn nicht. Fing blies Avieder und v(m--
zauberte dürre Bäume. Die Bäume erhielten sogleich Blüthen-
schmuck. Die beiden Menschen sahen einander an und lachtcni.
Sie gingen gemeinschaftlich ihres Weges. Teng war in Jahren
der Aeltere. Fing diente ihm als seinen Lehrer. Er schätzte
dessen Reinheit und Sparsamkeit als etwas Vornehmes und
bezeiffte dessen Geiste Ehren. Sie schenkten nur solches Wasser
ein, welches nach Osten floss. Sie hieben die Rinde des Maul-
beerbaumes ab und bereiteten Dörrfleisch. Sie übten blos die
Kunst der Verzauberung. Alles, dessen Heilung sie unternahmen,
wurde entfernt.
Später starb Teng, und Fing trat in ^ ;^ Tschang-
nffan ein. Die hundert Geschlechter des Volkes kannten ihn
noch nicht. Er bestieg desswegen eine Leiter, stellte auf das
Dach einen dreifüssig-en Kessel und machte darunter Feuer an.
Der Hauswirth sah dieses und empfand Schrecken und Furcht.
Fing lachte und gab keine AntAvort. Hierauf hatte er das Feuer
angemacht, der Kessel wurde heiss, jedoch das Dach erlitt
keinen Schaden und keine Veränderung. Ferner stand er einst
an einem Wasser und verlangte überzusetzen. Der Schiffer
kam mit ihm nicht überein. Fing spannte einen Sonnenschirm
auf, setzte sich hinein und pfiff" und rief foi-twährend. Bei
Wind und aufgeregter Strömung setzte er über.
Die Denkwürdigkeiten von IT sagen:
^ ^ Ho-tsi strafte die Räuber der Berge. Unter
diesen war Jemand, der sich auf die Verzauberung verstand.
So oft man im Kampfe zusammentreffen sollte, konnten in dem
Kriegsheere der Obrigkeiten die Messer und Schwerter nicht
gezogen werden. Die abgeschossenen Ffeile der Bogen und
Armbrüste kehrten zurück und waren gegen das eigene Kriegs-
heer gewendet. Sofort war die Thätigkeit nutzlos. Tsi dachte
Sitzl». d. phil.-hist. Cl. LXIX. Ud. II. Ilft. 14
»
210 Pfizmaier.
lange nach und sagte : Ich habe gehört, dass Eisen, welches
eine Schneide besitzt, kann verzaubert werden. Die Insecten,
welche Gift besitzen, können verzaubert werden. Besitzen aber
diese Dinge keine Schneide und kein Gift, so können sie nicht
verzaubert werden. Jene können gewiss unsere Waffen ver-
zaubern. Sie können gewiss nicht Dinge verzaubern, die keine
Schneide besitzen. — Hierauf verfertigte man in grosser Menge
starke hölzerne Dreschflegel. Man wählte fünftausend muthige
und von Kraft auserlesene Krieger, damit sie früher empor-
steigen. Sie alle erfassten die Dreschflegel. Jene Räuber der
Berge verliessen sich auf die Geschicklichkeit im Verzaubern
und trafen keine strengen Vorkehrungen. Das Kriegsheer der
Obrigkeiten griff sie hierauf mit blossen Stöcken an. Die Ver-
zauberimg ging bei Jenen nicht mehr von Statten. Die Er-
schlagenen zählten nach Zehntausenden.
Das von Siao-tse-hien verfasste Buch der Tsi sagt:
^ ^ 1^ Tschin-hien-tä stammte aus dem südlichen
Peng-tsching. Er trat aus dem Wohnhause der Lehrerin von
dem Geschlechte j^ Tu und lieferte eine grosse Schlacht.
Er ward von einem Pfeile der Räuber in das linke Auge e-e-
troffen. Er zog den Schaft heraus, aber die Spitze des Pfeiles
ging nicht heraus. Die Mutter des Geschlechtes *)|^ Fan aus
dem Dorfe des Erdgelbs verstand sich auf die Verzauberung.
Sie schlug früher einen Nagel in den Pfeiler. Sie schritt lang-
sam einher und machte Luft. Der Nagel ging mit der Zeit
heraus. Sie verzauberte jetzt die Pfeilspitze in dem Auge Hien-
tä's und machte sie herausgehen.
Vor dem Thore ^^ ^ Ku-hoan's, dessen Schüler
^! '^ JmS Pao-ling-scheu gewesen, befand sich ein Baum,
flessen Stamm zehn Umschliessunp-en mass. Auf der Höhe des-
selben befand sich ein Gespenst und Ungethüm. Dasselbe zeigte
mehrmals seinen Schatten und bewegte sich. Hoan legte ein
Siegel an den Baum, und dieser vertrocknete sogleich und
starb ab.
Jn dem Dorfe der weissen Steine in Schan-yin gab es
vieles Unrecht und Krankheiten. Die Menschen des Dorfes
meldeten es ihm und ljat(;n, dass er sich ihrei- erbarme. Hoan
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 21 1
ging- hin. Die Menschen des Dorfes erklärten seinetwegen
Lao-tse. Jenei- bemass die Erde und zeiclinet^; ein Gefängniss.
Nach einer Weile sah man Füchse, Dachse, grosse Schild-
ki-öten und Molche, die in das Gefängniss traten. Es waren
sehr viele, und er befahl sogleich;, sie zu tödten. Alle Kranken
wurden geheilt.
Es gab ausserdem Krankheiten und Unrecht, worüber
man Hoan befragte. Dieser sprach: Gibt es in dem Hause
Bücher? — Man sagte: Wir haben blos das Buch der Aeltern-
liebe. — Hoan sprach: Man kann es nehmen und neben das
Kopflvisscu der Kranken legen. Wenn sie es verehren, werden
sie wiederhergestellt. — Die Kranken genasen wirklich. Die
Menschen fragten ihn um die Ursache. Er antwortete: Das
Gute wirft das Böse zurück. Das Richtige besiegt das Unrecht.
Hierdurch wurden sie geheilt.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
^^ -^ ^ Thsui-tse-wu war ein Enkel des Spitenge-
schlechtes -^J- ^ß Ki-schü. In seiner Jugend übernachtete
er in dem Hause seines Grossvaters von mütterlicher Seite,
^ ^ Li-hien's aus der Provinz Tschao, stechenden Ver-
luerkers von Yang-tscheu. In einer Nacht träumte ihm, dass
ein Mädchen von sehr lieblichem Aussehen sagte: Die Tochter
des Königs von -»jl ^^ Fung-lung wünscht mit dem Leib-
wächter von dem Geschlechte Thsui im Geheimen zu ver-
kehren. — Tse-wu fand an ihr Gefallen. Er zog sie an Kleid
und Rock, und die Naht ward ein wenig aufgerissen. Noch vor
Tagesanbruch sagte sie Lebewohl, band den Gürtel uiul trennte
sich. Als es Tag ward, erkundigte sich Jener, und es war die
Gottheit des Berges. Er ging- hierauf in den Tempel und
betrachtete ihn. Die zur Seite gemalte Mädchengestalt war
dieselbe, die er im Traume gesehen. Der aufgerissene Rock
war noch vorhanden, ebenso der geknüpfte Gürtel. Tse-wu
verkehrte jetzt mit ihr im Traume. Er war ganz ausser sich
und zog sich eine Kraidvheit zu. Spätei' traf er einen Arzt,
der die Göttin verzauberte. Die Sache liatte hierauf ein Ende.
Das Buch der Sui sagt:
§^ ^C ^ Tschang-wen-hiü hatte immer Lenden-
schmerzen. Der Arzt, mit dem er zusannnentraf, sagte, dass
er sicli gut aul" die Verzauberung verstehe. Wen-hiü hiess ihn
14*
212
Pf izmaier.
die Krankheit verzaubern. Alsbald ward er durch eine Schwert-
schneide verwundet, so dass er niederstürzte und auf dem Kissen
des Bettes lag. Der Arzt schlug das Haupt an den Boden und
bat wegen seiner Schuld. Wen-hiü schickte ihn eilig fort.
Das Buch der Thang sagt:
^ it- ^ Ye-fä-schen errichtete einst auf "der Warte
-^ iÄ ^F«
Jr^ i^ Ling-kung in der östlichen Hauptstadt einen Altar und
opferte. Die vorzüglichen Männer und Mädchen in der Feste
o-ino-en wetteifernd hin, um es zu sehen. Plötzlich warfen
sich etliche zehn Menschen in das Feuer. Die es sahen, waren
sehr erschrocken. Sie kamen ihnen zu Hilfe und retteten sie,
Fä-schen sprach : Dieses sind Ungethüme. Sie haben mich krank
gemacht und wurden nur durch die Vorschrift herbeigezogen. —
Man fragte sie, und es verhielt sich wirklich so. Fä-schen
verzauberte sie alle und überführte sie ihrer Schuld. Seine
Krankheit war hierauf geheilt.
Die sechs Köcher sagen:
Als König Wu den Angriff auf Yin bewerkstelligte, er-
schien der Lehensfürst von ~p Ting nicht an dem Hpfe. Der
grosse Fürst zeichnete den Lehensfürsten von Ting auf eine
Tafel und schoss nach ihm mit drei Pfeilen. Der Lehensfüi-st
von Ting erkrankte und hatte Mühsal. Der Mann der Schild-
krötenschale wahrsagte und sprach : Das Unheil ist in Tscheu. —
Jener fürchtete sich und bat, mit seinem ganzen Reiche ein
Diener sein zu dürfen. Der grosse Fürst hiess Menschen an
dem Tage Kiä-yi (1, 2) den Pfeil, der an dem Haupte des
Lehensfürsten von Ting haftete, herausziehen. An dem Tage
King-ting (3, 4) Hess er den Pfeil, der an dessen Munde haftete,
herausziehen. An dem Tage Sü-I (5, 6) Hess er den Pfeil, der
an dessen Bauche haftete, herausziehen. Die Krankheit des
Lehensfürsten von Ting ward allmälig geheilt. Die Fremd-
länder dei- vier Gegenden, welche dieses hörten, kamen mit
Tribut.
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt:
^ 1^ Yang-tung von Yung-kia war ein gewöhnliche)'
Lehrer aus den Zeiten Sün-kiuen's. Derselbe bestieg einst allein
ein Schiff und begab sich zu dem Ankerplatze von Kien-ning.
An dem Haltplatze des Flussarmes kam in der Nacht plötzlich
ein Dämon und wollte gegen ihn einen Schlag führen. Tung
Kuiistfertigkoiten iiiul Künste der alten Oiiuosen. ' '2\'j
erhob sich und sii<j;tQ zu ihm : Wer wag-t, Y,^iiiu'-tuDg- nahe zu
treten? — Der Dämon senkte sogleich das Haupt zu Boden
und sagte: Ich wusste Avirldich nicht, dass es der Abgesandte
von dem Geschlechte Yang ist. — Tung warnte ihn sofort und
Hess ihn in das Schiff steigen. Man flog sclincller dahin, als
wenn man starke Segel gehabt hätte. Als er in dem Districte
ankam, schickte er ihn fort.
A^ ^ Tschao-heu liebte in seiner Jugend die Kunst-
stücke. Sein Aussehen und seine Gestalt Avaren kümmerlich
und elend. Seine Länge betrug nicht ganz einige Schuhe. Er
füllte eine Schüssel mit Wasser, schloss die Augen und be-
werkstelligte die Verzauberung. Fische imd Drachen zeigten
sich auf der Stelle.
Heu besass weissen Reis, der von Katten gestohlen wurde.
Er ergriff ©in Messer, zeichnete auf die Erde ein Gefängniss
und öffnete an den vier Seiten desselben die Thüren. Er wandte
sich nach Osten, pfiff, und eine Schar Katten kam herbei. Er
beschwor diese und sagte : Die nicht davon gegessen haben,
mögen sich entfernen. — Diejenigen, die stehen blieben, waren
ungefähr zehn. Er schnitt ihnen den Bauch auf und betrachtete
die Eingeweide. Der Reis war daselbst vorhanden.
Er war einst baarfuss und larauchte Schuhe. Er erhob
das Haupt und summte etwas leise vor sich hin. Ein Paar
Schuhe kam von selbst herbei.
Wenn Jemand seine Gestalt verlachte, sagte er sogleich
verstellter Weise, dass er den Weinbecher dessen JMunde zu-
wende. Unterdessen verhielt er diesem Menschen die Nase
und Hess sie nicht los. Wenn dieser Mensch jezt das Haupt
zu Boden neigte und sich wegen seines Vergehens entschuldigte,
leffte er ihn auf die Erde und hob ihn nicht auf.
In Yung-khang ])efindet sich der Jkrg des Steinreiters.
Auf der Höhe des Berges befand sich ein steinerner Mensch,
der auf einem steinernen Pferde litt. Heu blickte empor und
zeigte auf ihn mit dem Finger. Dem Pferde fiel augenblicklich
der Kopf ab. Derselbe befindet sich gegenwärtig noch inmier
an dem Fusse des Berges,
914 Pfizmaier.
Die Ueberlieferuiigcu vou göttlichen Unsterblichen sagen :
^ ^ Yan-tsing kehrte immer in der Nacht von dem
Hause seines Schülers heim. Der Beruhiger der Hauptstadt
wandelte in der Nacht und begegnete Tsing. Er rief diesen
an und fragte, was für ein Mensch in der Nacht wandle. Tsing
fragte ihn ebenfalls mit scharfer Stimme: Was für ein Mensch
bist duj dass du in der Nacht wandelst? — Der Beruhiger der
Hauptstadt zürnte über diese Antwort und wusste nicht, dass
es Tsing sei. Er schrie daher auf die ihn begleitenden Kriegs-
niänner und hiess sie den in der Nacht wandelnden Menschen
verhören. Tsing schrie ebenfalls auf die ihn begleitenden Geister
und sagte: Bindet die in der Nacht wandelnden Menschen! -
Tsing entfernte sich alsbald, allein der Beruhiger der flaupt-
stadt und dessen Begleiter, etliche zehn Menschen, konnten
sich sammt ihren Pferden nicht mehr entfernen.
Am nächsten Morgen sahen wandernde Menschen den
Beruhiger der Hauptstadt und fragten ihn, wie es komme, dass
er sich hier befinde. Der Beruhiger der Hauptstadt sagte, wie
die Sache sich verhielt. Die wandernden Menschen sprachen:
Es ist gewiss der Fürst von dem Geschlechte Yen. — Der
Beruhiger der Haupstadt sprach: Ich bin nicht im Stande, mich
zu bewegen. Man kann es in meinem Hause melden. — Als
die Menschen des Hauses es erfuhren, gingen sie zu Jenem
hin, schlugen die Häupter gegen den Boden und entschuldigten
sich bei Tsing, indem sie sagten: Gestern Nachts wusste er
nicht, dass es der Frühgeborne gewesen. Wir bitten, dass es
ihm vergönnt sei, losgelassen und fortgeschickt zu werden. —
Tsing rief jetzt mit lauter Stimme: Lasset los und schicket
fort die in der Nacht wandernden Menschen, die ihr gestern
Nachts verhört habt, damit sie zurückkehren! — Der Beruhiger
der Hauptstadt konnte sich jetzt entfernen. Wenn er später
in der Nacht wandelte und Menschen gehen sah, setzte er sich
immer mit ihnen früher in Verbindung und fragte, ob es nicht
der Fürst von dem Geschlechte Yen sei.
2B1 Hb Dp Wang-fang-ping stieg zu dem Hause
Ä M Tsai-king's herab. In der nördlichen Behausung befand
sich ein Mann, dessen Geschlechtsname (SB Tschin und dessen
Kunstfertigkeitoii uiul Künste der alten Cliinescn. 21 O
Jüiialinsrsnameii man uit'lit luelir wcsiss. Derselbe hatte einst
die Stelle eines Bcruhigers aufgegeben. Beim Austreten hörte
er, dass in dem Hause King's sich ein unsterblicher Mensch
befinde. Er begab sich zu dessen Tliore, schlug (bis Haupt
gegen den Boden und bat, sich vor ihn verbeugen und ihn
sehen zu dürfen. Fang-ping entsandte Leute, die Jenen zu
ihm führten. Er Hess sich mit ihm in ein Gespräch ein. Diesem
Menschen Avard es sogleich gestattet, ihm zu folgen, mit ihm
einherzujagen, und er Hess ilm soviel gelten wie Tsai-king,
Fang-ping sprach: Erhebe dich einstweilen und wende dich
gegen die Sonne. ~ Fang betrachtete ihn von rückwärts und
sagte : Leider ist dein Herz schief und nicht gerade. Ich kann
dich niemals den Weg der Unsterblichen lehren. Ich werde
dir das Amt eines Vorgesetzten über der Erde übergeben. — •
Im Begriffe, sich zu entfernen, legte er eine Beglaubigungs
marke sammt einer Ueberlieferung in eine kleine Kiste und
gab es dem Beruhiger von dem Geschlechte Tschin. Er sagte
zu diesem: Dieses bewirkt nicht, dass du das Zeitalter über-
setzest. Es kann bewirken , dass deine Lebensdauer über
hundert Jahre beträgt. Kannst du Unglück bannen, Krank-
heiten heilen, so ist das Lebenslos noch nicht zu Ende. Bist
du noch frei von Schuld und Fehlern, so gelangst du mit
der Beglaubigungsmarke in dein Haus, und dii bist sogleich
hergestellt. Gibt es unrechte Dämonen und (hi vermuthest
im Herzen, wer das Unglück Ijewirkt, so trage sogleich die
Beglaubigungsmarke an dem Gürtel. Durch diese Ueberlieferung
warnst du, die Angestellten der Altäre werden autgreifen und
herbeibringen die Dämonen. In dem Herzen wirst du dann
auch erkennen das Leichte und das Schwere. Wenn die Zeit
naht, wirst du nach Gutdünken Jene zurechtbringen.
Der Beruhiger von dem Geschlechte Tscliin heilte durch
diese Beglaubigungsmarke Krankheiten. Diejenigen, welche
diese Sache lernten, waren einige hundert Häuser. Kr starb
in einem Alter von einhundert zehn Jahren. Später befasstcn
sich seine Schüler mit dieser Beglaubiguugsmarke, ohne die
Sache zu lernen.
Das Buch Pao-po-tse sagt:
Wenn man Wunden, die durch Metall geschlagen wurden,
heilt, bläst man auf sie mit dem Athcm, und man schneide
yiß Pfizmaier.
sofort den Schmerz ab. Wenn man Berge besteigt und Schlangen,
Nattern, giftige Würmer den Menschen beissen, so gehen die-
jenigen, die sich in der Nähe befinden, hinzu und verzaubern
sie durch den Athem. Die sich fern von ihnen, manchmal
mehrere zehn Weglängßn entfernt belinden, heilen sie sogleich
durch Erreichung. Man ruft ihren Geschlechtsnamen sammt dem
Namen und beschwört sie. Bei Männern bläst man auf die
eigene linke Hand. Bei Weibern bläst man auf die eigene
rechte Hand. Man verzeichnet die Stunde. Wenn man später
nachforscht und fragt, so sind sie um die Stunde genesen.
Ferner gibt es Leute von kleiner Gestalt. Dieselben
können durch den Athem eine Weglänge verzaubern. Die
innerhalb der Strecke wohnenden Menschen können bei dem
Heizen der Kessel kein Brennholz verlangen. Jene verzaubern
durch den Athem die Bäume. Die auf diesen befindlichen
Vögelschaaren fallen sofort zu Boden. Ferner zünden sie über
Riedgras Feuer an und braten Hühner. Diese werden aus-
gebraten, aber das Riedgras ist nicht verbrannt. Ferner ver-
zaubern sie Schwerter und Lanzen. Sie stechen damit Menschen
in den Bauch und schlagen . sie mit Keulen. Die Schwerter
krümmen sich^ aber dringen nicht mehr ein. Ferner machen
sie Kessel glühend. Wenn diese ganz roth sind, stellen sie
sich auf sie. So lange es dauert, empfinden ihre Füsse keine
Hitze. Sie werfen Kupfermünzen in das siedende Wasser
eines Kessels. Sie suchen ebenfalls und nehmen die Kupfer-
münzen, aber ihre Hände werden nicht verbrannt. Sie sind
im Stande zu bewirken^ dass die Menschen eines ganzen Marktes
sitzen bleiben und nicht aufstehen können.
Z a II b e r k 11 n s t.
Das Buch der späteren Han sagt:
Ln ersten Jahre des Zeitraumes Yung-ning (120 n; Chr.)
begab sich der König des von südwestlichen Fremdländern
bewohnten Reiches i|| Tan zu der Thorwarte und machte
zum Geschenk Musik und Zauberkünstler. Dieselben konnten
sich verwandeln, aus dem Munde Feuer werfen, sich zertheilen
und lösen, die Häupter der Rinder und Pferde vertauschen.
Kunst fortigkeiten uiul Künste iler alten Cliineson. 217
JJui der ersten Zusaunnenkuntt in dci- Vorliallc luhrten sie
Musikstücke auf. Kaiser Ngan sah iliuen in (Jenieinscliaft mit
seinen Dienern zu. Er g-erieth in j^rosse Verwunderung.
Zu den Zeiten des Kaisers Ngan fülirte man die jMusik-
stücke der neun Gäste auf. Man liatte das den Nutzen des
Einvernehmens mit den Gästen in dem Munde lialtende vier-
füssige Thier. Dasselbe kam aus der westlichen Gegend und
spielte in dem Vorhofe. Es trat in das gestaute Wasser
der vorderen Vorhalle und verwandelte sich in einen Fisch.
Es sog das Wasser und brachte Nebel hervor. Es verwandelte
sich in einen gelben Drachen, der acht Klafter lang war. Der-
selbe trat aus dem Wasser, lustwandelte und spielte in dem
Vorhofe. Er glänzte und leuchtete wie das Licht der Sonne.
Was ^ ^ j^ Kiai-nu-ku und ^g JR Tschang-tiao
betrifft, so weiss man ebenfalls nicht, aus welcher Provinz odei-
aus welchem Reiche sie stammten. Beide waren im Stande,
sich zu verbergen, zu versinken, ein- und auszutreten, ohne
sich eines Thores oder einer Thüre zu bedienen. Nu-ku war
im Stande, die Gestalt der Wesen zu verändern und wechseln
zu machen. Er täuschte durch Zauberkunst die Menschen.
Das Buch der Tsin sagt:
jM ^n Ko-pö wollte sich zur Reise ausrüsten und sich
entfernen. Er liebte die Sclavin seines Hauswirthes und
hatte kein Mittel, sie zu erlangen. Er nahm drei Nössel kleine
Bohnen, ging um das Wohngebäude des Hauswirthes und
verstreute sie. Als der Hauswirth am frühen Morgen aufstand,
sah er mehrere tausend rothgekleidete Menschen, die sein Haus
umringten. Als er sich näherte und hinblickte, waren sie ver-
schwunden. Dieses war ihm sehr zuwidc;]-, und er sagte es
Kö-pö. Dieser sprach: Du solltest in deinem Hause nicht
diese Sclavin halten. Du kannst sie im Südosten in einer Ent-
fernung von zwanzig Weglängen verkaufen. Hüte dich, dass
du wegen des Preises nicht streitest. Diese Ungeheuerlichkeit
kann dann beseitigt werden. — Der Wirth befolgte dieses.
Po hiess im Geheimen Menschen diese Sclavin wohlfeil kaufen.
21,<^ Pfizmaier.
Er verfertigte wieder eine Baglaubigung-smarke und warf sie
in den Brunnen. Mehrere tausend rothgekleidete Menschen
taumelten umher und warfen sich einzeln in den Brunnen. Der
Ilauswirth hatte grosse Freude. Po nahm die Sclavin und ent-
fernte sich.
Das Buch der späteren Wei sagt:
Das Reich -j^ ^j*^ Yue-puan schickte im neunten Jahre
des Zeitraumes Tschin-kiün (44<S n. Chr.) einen Gesandten an
den Hof mit Tribut. Zugleich schickte es Zauberkünstler.
Man gab vor, dass diese im Stande seien, die Kehle und die
Adern der Menschen zu durchschneiden. Man hiess sie Menschen -
häupter abhauen, man hiess sie diese zermalmen und eindrücken.
Ueberall kam Blut hervor, und es tröpfelten dessen mehrere
Gantang. Jemand füllte ein Nössel mit Pflanzen und Arznei-
stoffen. Man hiess die Menschen diese zerbeissen und ver-
schlucken. Augenblicklich war die Blutung gestillt. Schi-tsu
fürchtete sich und sagte, es sei ein leeres Vorgehen. Er nahm
die Todten, setzte sie in ein Gefängniss und machte mit ihnen
eine Probe. Es bestätigte sich alles.
Die Verzeichnisse des nördlichen Liang von Thsui-hung
sagen :
Im siebenten Monate des vierzehnten Jahres des Zeit-
raumes^ Yuen-schi (437 n. Chr.) bestand der Tribut der west-
lichen Grenzländer in den geheimen Zauberkünsten des Ver-
schluckens der Messer, des Ausspeiens von Feuer und in wunder-
baren Kunstfertigkeiten.
Das Buch der nördlichen Tsi sagt:
Ä ^ ^ ^ Yeu-ngu-tao-ying stammte aus Lang-ye.
Anfänglich war ein IMensch aus Tsin-yang in der Kunst der
Vorschriften sehr bewandert. Derselbe war ein Taglöhner und
Niemand wusste etwas davon. Tao-ying hörte es und erfragte
diesen Menschen. Weil Tao-ying die vorzüglichen Männer
liebte, übergab ihm dieser Mensch die Vorschriften. Er sagte
zu Tao-ying: ich bin eigentlich (iin unsterblicher Mensch des
Berges lieng. Ich machte mich eines Verbrechens schuldig
und wurde durch den Ilimmelspalast zur Rechenschaft gezogen.
Jetzt ist die Frist zu Ende, und ich werde heimkehren. Mögest
du mich unterdess bis zu dem Flusse Fen begleiten. -- Als
sie zu dem Flusse Fen gelangten, kam das Wasser ungestüm
Kuustl'üitigkeiten und Künste der alten Chinesen. 219
heran. Jener Mensch blickte auf das Was^ei-, schritt rulii<>-
einher und Avart" in dasselbe eine Beglaubigiinj^-.sniarkc. Uie
Strömung' des Wassers war sogleich unterbruchen. Kr über-
setzte langsam auf dem Sand uud den Steinen den I'luss und
entfernte sich.
Tao-ying gelangte einst zu den Bergen von Liao-yang.
Um Mitternacht begegnete er einem reissenden Thiere. Er
zeichnete mit dem Stock auf die Erde, und es entstand sofort
eine grosse Grube. Das reissende Thier li(;f alsbald fort.
Das Buch der Thang sagt :
Im ersten Jahre des Zeitraumes Hien-khing (ßöO n. Chr.)
besuchte der Kaiser den Söller und die AVarte des Thores von
Ngan-fo. Er gab daselbst ein grosses Fest. Die Menschen
von Hu wollten Messer ergreifen und sich erstechen. P^s war
dieses ihre Zauberkunst imd ihr Spiel. Dei- Kaiser erlaubte
es nicht. Er erliess eine höchste Verkündung, worin er sagte:
Ich habe erst gehört, dass es auswärts Po-lo-men, Hu und Aehn-
liches gibt. So oft diese Menschen beim Spiele verweilen,
nehmen sie das Schwert, stechen sich in den Bauch, sie schneiden
mit Messern die Zunge ab. Sie betrügen die hundert Geschlechter.
Dieses ist äusserst ordnungswidrig. Man soll sie sämmtlich
fortschicken uud nach den Gehegen zurückkehren lassen. i\Ian
bewirke nicht, dass sie sich lange aufhalten. — Dabei gab er
den seitwärts liegenden Landstrichen das Versprechen, dass,
wenn dergleichen nochmals vorkommen sollte, man diese Menschen
nicht an den Hof zu schicken brauche.
Das Buch Kiu-leu-tse sagt:
Zu den Zeiten des Königs Mo von Tscheu gab es an
den vier Gipfelungen verwandelte Menschen. Dieselben traten
in Wasser und Feuer, durchbohrten Felsen, Berge und Flüsse,
rückten Stadtmauern und Städte Aveiter, erstiegen den leeren
Raum, ohne herabzufallen, stiessen gegen das Dichte, ohne
zermalmt zu werden. Die tausend Veränderungen, die zehn-
tausend Verwandlungen waren unerschöpflich. König Mö er-
richtete für sie die Erdstufe des mittleren Himmels. Tsching
und Wei brachten die Musik der aufnehmenden Wolken.
Jeden Tag machte man ihnen zum Geschenk kiinigliche Kleidei-,
jeden Monat reichte mau ihnen Edelsteine und Speise. -Die
Zauberkünstler mochten noch innner nicht daselbst hausen.
220 Pfizmaier.
Man führte jetzt den König zu dem Palaste der Zauberkünstler.
Man wog sie mit Grold und Silber, man umgab sie mit Perleu
und Edelsteinen. Was die Nase und der Mund erhielten, waren
keine Dinge gewöhnlicher Menschen, Hierdurch ward der
König in seinem Herzen des Palastes und des inneren Hauses
überdrüssig. Die Zauljerkünstler sagten: Man möge es nur
wechseln. — Dem Könige gefiel dieses. Er erweiterte sofort
seine Vorsätze und wanderte in der Ferne umher.
Die vermischten Erzählungen der Mutterstadt sagen:
Unter meinen Bekannten befand sich »ji ^^ W^ Khio-
tao-lung. Derselbe verstand sich gut auf die Zauberkunst. Er
wendete sich mir zu und sprach von alten Dingen. Wie er
sagte, gab es den gelben Fürsten, einen Menschen von Tung-
liai. Derselbe übte in seiner Jugend die Zauberkunst. Er war
im Stande, Schlangen zu erstechen und Tiger zu lenken. Er
behängte den Giü'tel mit rotheni Metall und bildete daraus ein
jMesser. Er band das Haupthaar mit hochrothem Taffet. Wenn
er stand, Hess er Wolken und Nebel sich erheben. Wenn er
sass, brachte er Berge und Flüsse zu Stande. Als er alt wurde,
waren seine Kräfte erschöpft. Er trank Wein im Uebermasse
und war nicht im Stande, wieder seine Kunst auszuüben.
Der König von Hoai-nan liebte die Männer der Arznei-
mittel. Dieselben zeigten ihre Kunst und traten dann nach
rückwärts. Sie zeichneten die Erde und bildeten Ströme und
Flüsse. Sie häuften das Erdreich und bildeten Berge und
Berghöhen. Sie holten Athem und brachten Hitze und Kälte
zu Wege. Sie sprudelten mit dem Munde und brachten Regen
und Thau zu Wege. Der König entfernte sich auch zuletzt in
Gesellschaft der Männer der Arzneimittel.
Der Garten der Merkwürdigkeiten sagt:
^ ^ Seu-tsin von Sin-tsching in Kao-yang gründete
in dem Zeiträume Hien-ning (275 bis 279 n. Chr.) ausschrei-
tende Tempel und ungeheuerliche Zauberkunst. Er setzte hun-
dert Obrigkeiten ein. Wenn man ferner sich in dem Wasser
spiegelte, sah man sogleich die von ihm eingesetzten Menschen.
Deren Kleider und Mützen waren prachtvoll. Die hundert
Geschlechter glaubten es und wurden irre gefühi-t. Der ^ ^
Hi-si der Hauptstadt Hess ihn aufgreifen und enthaupten.
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Cliinesen. 221
^ V^ "^ Süvi-hoan- nu von 8chanj^-yü war weg-cn
Zauberkunst und Kunstfertigkeit berülimt. Im Anfjinge des
Zeitraumes Yuen-kia (424 bis 453 n. Chr.) entlief er seinen
Vorg-esetzten. lu dem Zeiträume Kien-ng-an ') kam er wieder
unter dem Volke zum Vorschein. Er behandelte den Wind
des Hauptes der Menschen, die Fülle fliessenden Blutes, er
hauchte auf sie und schnitt sogleich die Verwundung ab. Ferner
fasste er sie zusammen. Verletzungen durch Tiger, Schlangen-
biss, lästiges Gift, das zum Tode bringt, hier wehrte und wahrte
er, überall erfolgte Wiederherstellung. Er wandte sich gegen
den leeren Raum, pfiff längere Zeit, und Schaaren von Polstern
kamen und sammelten sich. In der Nacht beschwor er die
Mücken, und sie fielen alle todt nieder. Als er dreissig Jahre
alt war, wurde er in Tschang-schan von seinem Gebieter er-
tappt. Derselbe wusste, dass Hoan-nu die Kunst besitze und
dachte, dass dieser gewiss verschwinden und entlaufen werde.
Er band und belegte ihn mit doppelten Halseisen und Ketten.
Schon am nächsten Tage wusste man nicht, wo Jener hin-
gekommen.
Die Geschichte des Suchens der Götter sagt:
In dem Zeiträume Yung-kia (807 l)is 312 n. Chr.) war
ein Mensch von Hu aus Thien-tschö, der kam und nach Kiang-
nan übersetzte. Dieser Mensch ^var im Besitze mehrerer Künste.
Er konnte die Zunge abschneiden und sie wieder ansetzen.
Er warf aus dem Munde Feuer. Wo er sich befand, sammelten
sich die Menschen und vorzüglichen Männer, sahen zu und
prüften es. Wenn er abschnitt, zeigte er die Zunge früher
den Gästen und schnitt sie dann durch. Das Blut floss und
bedeckte die Erde. Er legte sie jetzt in (;iu Gefäss und zeigte
sie nach der Reihe den Menschen. Als man sie sah, war die
Hälfte der Zunge noch vorhanden. Hierauf nahm er sie wieder
und setzte sie an. Nachdem er eine Weile gesessen, sahen die
Menschen der Gesellschaft die Zunge an: sie war wie früher.
]\Ian wusste nicht, <jb er sie Avirklich abgeschnitten habe.
Unter den Dingen, die er abschnitt und ansetzte, nahm
er ein Tuch, gab dasselbe den Menschen und Hess Jeden ein
1 Kien-ügaii steht hier ofifeiibar unrichti«' statt Ivicu-yueu (der Zeitraum
454 bis 456 n. Chr.).
222 Pfizmaier.
Ende halten. Er schnitt es vor ihnen in der Mitte durch. Hier-
auf legten sich die beiden Stücke aneinander. Wenn man es
sehen wollte, hing-eu sie wieder zusammen und waren von dem
früheren Stoffe nicht verschieden. Die Menschen glaubten häufig,
dass es Betrug und Verheimlichung sei. Sie prüften es, und
es war wirkliches abgeschnittenes Tuch.
Wenn er Feuer aus dem Munde warf, befanden sich
frühei" Arzneistoffe in einem Gefässe. Er nahm davon ein Stück
und vereinigte es mit Roggeugrütze. Er hauchte darauf zwei-
bis dreimal. Nachdem dieses geschehen, öffnete er den Mund,
und das Feuer erfüllte das Innere seines Mundes. Wenn man
sich dabei der brennenden Masse näherte, sie nahm und damit
einen Kessel ei'hitzte, so war es Feuer. Er nahm ferner Dinge
wie Bücher, Papier, Stricke, Fäden und warf sie in das Feuer.
Alle blickten in Gemeinschaft hin. Man sah, dass diese Dinge
verbrannten und vernichtet wurden. Als man sie aber erhob
und hervornahm, waren es die früheren Gegenstände.
Die Denkwürdigkeiten von reingeistigen Dingen und
Dämonen sagen :
Im zwölften Jahre des Zeitraumes Tai-yuen (387 n. Chr.)
war ein Mensch des Weges. Derselbe kam aus den auswärtigen
Reichen und erklärte, wie man in dem Munde Messer halten,
aus dem Munde Feuer, Perlen, Edelsteine, Gold und Silber
werfen könne. Den Lehrer, von dem er dieses gelernt, nannte
er den Schamanen von ^fe ^ Pe-fei. Er wandelte einst
des Weges und sah einen Älenschen, der eine Last trug, lieber
der Last befand sich ein kleiner Korb, der einen Gantang
fassen mochte. Er sagte zu dem Lastträger: Ich bin zu Fasse
gegangen und bin auf das Aeusserste ermüdet. Ich möchte
mich deiner Last anvertrauen. — Der Lastträger war hierüber
sehr verwundert und dachte sich, dass Jener ein Wahnsinniger
sei. Sofort sagte er zu ihm : Ich kann es wohl thun. Wohin
willst du dich setzen? — Jener Mensch antwortete: Wenn es
mir erlaubt wird, möchte ich gerade in das I^örbchen treten.
Ein Korb ist auch ohne Nutzen. — Der Lastträger verwun-
derte sich noch mehr. Er stellte die Last nieder und liess
Jenen in den Korb treten. Der Korb wurd(; nicht grösser,
jener Mensch wurde nicht kleiner, und es wurde aucli nicht
Kunstfertigkeiten und Künste der alten Chinesen. 223
bemerkt, dass die Last schwerer g-e worden, als sie früher
g-ewesen.
Nachdem man einig-e Weglängen fortgezog-en, hielt man
unter einem Baume, um zu essen. Der Lastträger i'ief jenem
IMenschen zu, dass er mit ihm essen möge. Jener sprach : Ich
habe selbst zu essen. ~ Er mochte nicht heraussteigen, son-
dern blieb in dem Korbe. Gefässe mit Speise und Trank
standen in Reilien, vortreffliche Gerichte Hessen - sich auch in
JMeuge unterscheiden. Er rief den Lastträg'or, dass er komme
und esse. Man hatte noch nicht die Hälfte gegessen, als er
zu dem Lastträgei' sagte : Ich will, dass mein Weib mit mir
esse. — Er gab aus seinem Bauche durch Erbrechen ein
junges Weib von sich. Dasselbe wai- ung-efähr zwanzig Jahre
alt und von Kleidung und Gestalt sehr schön. Beide assen
mit einander. Als die Esslust befriedigt war, leg'te sich der
Mann sogleich nieder. Das Weib sagte zu dem Lastträger:
Ich habe einen Kebsmanu. Ich wünsche, dass er komme und
mit mir esse. Wenn mein Mann erwacht, nu'igest du ihm nichts
sagen. — Das Weib nahm sofort aus ihrem Munde einen jungen
IMann, der in dem Korbe ass, und es waren alsbald drei
Menschen. Langsamkeit und Eile waren bei ihnen ebenfalls
nicht verschieden. Nach einer Weile regte sich der Mann, als
ob er erwachen wollte. Das Weib steckte sogleich den Kebs-
mann in den Mund. Der Mann erhob sich und sagte zu dem
Lastträger: Wir können fortgehen. — Er steckte hierauf das
Weib in den Mund und hauchte die Essgeräthe weg.
Als dieser Mensch, in dem Reiche ankam, war daselbst
ein sehr reiches und vornehmes Haus. Das Gut betrug zehn-
tausendmal zehntausend Stücke. Man war aber von Gomüths-
art geizig. Jener sagte zu dem Lastträger: Ich werde es ver-
suchen, deinetwegen den Geiz zu brechen. — Als er demnach
in dieses Haus gelangte, befand sich daselbst ein vortreffliches
Pferd, das man für sehr kostbar hielt, l^r Ijand es an die
Höhe des Pfeilers, und es war plötzlicii verschwunden. Man
suchte es, aber fand es nicht. Am nächsten Tage sah man
das Pferd in einem fünf Gantang fassenden Kruge. Man konnte
diesen durchaus nicht zerbrechen. P]r sagte hierauf zu dem
Manne: Wenn du eine Küche für hundert Menschen herstellst
und die Erschöpften und Dürftigen der ganzen Gegend betheilst.
224 Pfizmaior. Kunstfertigkeiten uml Künste der alten Chinesen.
SO kann das Pferd herauskommen. — Der Hauswirth that
dieses. Als es g-eschehen, befand sich das Pferd wieder an
dem Fusse des Pfeilers.
Den nächsten Tag in der Frühe befanden sich die Aeltern
des Mannes in der Halle. Plötzlich waren sie nicht zu sehen.
Das ganze Haus empfand Bangigkeit, und man wusste nicht,
wo sie seien. Man öifnete die Packe und Gefässe. Plötzlich
sah man die Aeltern in einem feuchten Topfe. Man wusste
nicht, wie dieses kam. Man ging wieder zu Jenem hin und
bat ihn. Dieser Mensch sagte: Du musst nochmals Speise und
Trank für tausend Menschen herstellen und damit die Er-
schöpften der hundert Geschlechter betheilen. — Mau that dieses
sofort zur rechten Zeit, und die Aeltern sassen auf dem Bette.
Z im mer mann. Zwfi Hriefc IFoibarfs. 22ö
Zwei Briefe Herbart's.
Als Beiti-fig zu seiner Biogr ajiliic inito-ctlio il t
Dr. Robert Zimmermann,
wirkl. Mitsrlied der kaiserl. Akad. der Wissenschaften.
I. Torbemerknug.
iJie Reihe der deutschen Denker ersten, theilweise (wie C. L.
Keinhokl, J. F. Fries U.A.), selbst zweiten Ranges, welche ihre Bio-
graphen gefunden haben, ist seit dem Erscheinen des Lebens von
Schelling in Briefen nahezu vollständig. Nur für PTerbart, den
einstigen Nachfolger Kant's auf dem Königsbergor Lehrstulil, und,
vor Schopenhauer's Bekanntwerden, lange Zeit einzigen Vertreter
der realistischen Richtung unter dessen Epigonen, ist mit Aus-
nahme der kurzen Lebensskizze, welche Hartenstein der Ausgabe
der sämmtlichen Werke desselben und seiner kleineren Schriften
einverleibte, bis auf die jüngste Gegenwart so gut wie nichts ge-
schehen. Die zahlreichen Schüler, die er, unter ungünstigen Verhält-
nissen fast allein gegen den Strom der Natui-philosophie und den
subjectiven und absoluten Idealismus ankämpfend, anfänglich mir
langsam, aber seit dem Ausgang der Hegerschen Schule und dem
Beginne der Epoche der Erfahrungswissenschaft desto rascher ge-
funden hat, scheinen es bisher vorgezogen zu haben, die Ideen statt
der Persönlichkeit ihres Lehrers dem Publicum liekannt zu
machen. Die natürliche Folge, dass sich über die letztere ver-
schiedene falsche oder doch wenigstens schief aufgefasste An-
sichten verbreitet haben, und von dm Gegnern der Schule l)e-
gierig w eitergetragen worden sind, ist nicht ausgeblieben. Unter
anderem hat seine echt philosophische Zurückhaltung in Sachen
des blossen Glaubens, sowie das von ihm seiner Zeit als Decan
in Güttingen in der bekannten Angelegenheit der sieben Pro-
Sitzb. d. lAil.-hist. Cl. LXIX. Bd. U. Uft. 15
OOß Zimmermann.
fessoren eingehaltene streng amtliche Verfahren Veranlassung
geboten , ihn in aufgeregten Zeiten eines zu weitgetriebenen
kirchlichen und politischen Conservativismus anzuklagen. Gegen
die erstere Beschuldigung sich zu verantworten, hat Herbart,
nach dem Vorgange Kant's, stets unter der Würde des Philo-
sophen gehalten, gegen die letztere sich seiner Zeit in einer
allerdings nur die Besonnenen zu befriedigen geeigneten Weise
vertheidigt. Nach beiden Richtungen hin wird sein künftiger
Lebensbeschreiber , der, wie das im Jahre 1876 bevorstehende
hundertjährige Gedächtniss seiner Geburt am 4. Mai 1776 mit
(irund erwarten lässt, nicht mehr lange ausbleiben kann,
eine würdige Aufgabe an der Richtigstellung- des öffentlichen
Urtheils zu erfüllen haben, deren Ausfall nicht zweifelhaft
sein kann.
Tax dieser künftigen Biographie einen urkundlichen Bei-
trag zu liefern, ist die Absicht dieser Mittheilung, um deren
Aufnahme in ihre Sitzungsberichte die hohe kaiserliche Akademie
zu ersuchen ich mir die Freiheit nehme. Derselbe ist nicht
nur bisher ungedruckt, sondern mit Ausnahme weniger ent-
fernt lebender Freunde selbst dem weiteren und engeren Kreise
der Schüler und Jünger Herbart's durchaus unbekannt geblieben.
Er bietet aber zugleich einen so wichtigen Anhaltspunkt zum rich-
tigen Verständniss der Stellung Herbart's zu der Philosophie
Anderer und zu von ihm selbst nicht speciell bearbeiteten
Zweigen seiner eigenen dar, dass die Veröffentlichung desselben
nicht nur als eine Bereicherung des wissenschaftlichen Materials,
sondern als eine literarische Pflicht gegen ihn selbst anzusehen
sein wird.
Die Ersten, welche einzelne Briefe und Schriftstücke aus
dessen Nachlass veröffentlichten , waren die Herausgeber der
Zeitschrift für exacte Philosophie, des Organs der Herbart'schen
Schule, Allihn und Ziller (vgl. Zeitschr. f. ex. Phil. B. I, H. 3,
S. 321 ff.), ferner die Gründer des Leipziger Vereins für wissen-
schaftliche Pädagogik, in welcher letzteren Herbart bekanntlich,
durch Pestalozzi angeregt, neue Bahnen verfolgt hat, deren
Spuren, durch Exner und Bonitz weiter fortgetragen, bekannt-
lich auch in der gegenwärtigen Organisation der österreichischen
Gymnasien zu finden sind. In dem zweiten Jahrgange des
Jahrbuchs dieses Vereins publicirte Prof. Ziller zuerst Auszüge
Zwei Briefe Herbarf s. 227
und Mittheilungen, die sich auf llerbart's IL^uslchrerleben im
Hause des Berner Patriziers von Steiger bezogen, sodann als
abgesondertes Werk im vergangenen Jaln-e Originalbriefe und
Actenstücke von und über Herbart unter dem Titel Herbartische
Reliquien (Leipzig 1871), soweit es ihm gelungen, dieselben
zusammenzubringen. Die Mehrzahl der Briefe ist an den sehr
geliebten einstigen Zögling Carl von Steiger in Bern und an den
Jugendfreund Herbart's, den nachher als Patriot und Politiker
berühmt gewordenen Bürgermeister Johannes Smidt von Bremen
gerichtet. Zu dem Werthvollsten gehören die Rectoratsrede eines
einstigen unmittelbaren Schülers von Herbart, des Geheimraths
und Professors der Rechte zu Königsberg Dr. Fr, D. Sanio, über
Herbart als Lehrer der Universität von Königsberg, sowie eine
Reihe von Festreden, die Herbart als Präsident der Königs-
berger Kant-Gesellschaft alljährlich an Kant's Geburtstag zu
halten gewohnt war. Beide liefernden Beweis, nicht nur, welcher
Verehrung Herbart mit Grund bei seinen Zuhörern sich er-
freute, sondern auch, welcher Pietät er selbst, bei der unab-
hängigsten wissenschaftlichen Stellung, gegen Denjenigen fähig
war, zu dessen Andenken er sich öffentlich am Schluss der
Vorrede zu seiner Allgemeinen Metaphysik (1828), sowie in
der Rede an Kant's Geburtstag (22. April) vom Jahre 1832
einen ,Kantianer' nannte.
Ich hebe hier letztere Stelle hervor, weil sie mit einem
der Beiträge , die ich der h. Classe heut vorlege , direct im
Zusammenhang steht. Herbart war sich bewusst^ dass obige Be-
zeichnung bei Jenen, die wussten, dass er an Stelle der Kant'-
schen eine in vielen und darunter wichtigen Dingen abweichende
eigene Lehre gesetzt habe, einige Ueberraschung hervorrufen
könne. Nicht in der stolzen Meinung, sagt er dort (a. a. O.
S. 330), habe er sich so genannt, als ob Kant, wenn er lebte,
wenn er jetzt unter den Versammelten hervorträte, ihm diese
Benennung unbedingt bewilligen würde. Wie Vieles, was seit-
her geschah, würde Kant selbst mit Kopfschütteln betrachten!
Die philosophischen Compendien von heute (1832) sähen denen
aus der KanL'schen Zeit nur wenig ähnlich, und sein Name
selbst habe schon angefangen, in eine Art von historischer Ferne
zurückzutreten. Wenn die Wissenschaft einmal von Kant'schen
Bahnen ablenke, wer könne sie halten? Nichtsdestoweniger
15*
'2'2S Z immer m iinn.
sei es ihm Ernst gewesen, als er sich Kantianer nannte,
ungeachtet er selbst vielleicht beschuldigt werde, an die Stelle
der Kant'schen Lehre eine andere und weit verschiedene ge-
setzt zu haben. Es sei ihm Ernst gewesen, wiederholt er mit
Nachdruck, und es bleibe ihm Ernst, zu wünschen, dass der
Ruhm des Kant'schen Namens sich nicht irgend einmal in
einen leeren, wirkungslosen Ruhm verwandle, sondern ein starker
Haltungspunkt der redlichen , unbefangenen , vorurtheilsfreien
Forschung, der echt sittlichen Gesinnung, der besonneneu Bürger-
tugend, der ungeschminkten Frömmigkeit sein und zu allen
Zeiten als solcher bestehen möge.
Diese nicht misszu verstehenden Worte wurden am 22. April
des Jahres 1832 in öffentlicher und festlicher Sitzung der Kant-
Gesellschaft gesprochen. Kaum ein volles Jahr darauf muss
Herbart das am 20. Januar des folgenden Jahres ausgegebene
elfte Heft des Brockhaus'schen Conversationslexikons der neuesten
Zeit zu Händen gekommen sein, in welchem er einen mit Nr. 73.
unterzeichneten Artikel über sich und seine Philosophie und
in demselben auf S. 419 folgende Stelle fand: ,Herbart ist
der Urheber eines eigenthümlichen, sehr interessanten Systems,
auf welches zAvar das Fichte'sche unverkennbaren Einfiuss ge-
äussert hat, . . . das aber gleichwohl durch eine andere Methode,
durch ein skeptisches Moment in Beziehung auf das Ich selbst,
so wie durch realistische Frincipien, welche an I>eibuitz' Monaden
erinnern , sich von demselben wesentlich unterscheidet. Auch
nennt sich Herbart zuweilen einen Kantianer, weicher Ausdruck
jedoch wie Hohn klingt, wenn man erwägt, dass er dem Haupt-
werke Kants, der ,Kritik der reinen Vernunft' fast allen ub-
jectiven Werth abspricht, sie, sowohl der Ausführung als dem
ihr zu Grunde liegenden Gedanken nach, für ein verfehltes
Werk hält, dessen Weg, wenn anders Metaphysik dauerhaft
begründet werden solle, man gänzlich aufgeben müsse, um sich
in einer ganz anderen Richtung zu bewegen.'
Mit welchen Gefühlen Herbart diesen Ausfall gelesen
haben möge, konnten Diejenigen, die mit dem wahren Sachver-
halt bekannt waren , sich bisher nur in Gedanken vergegen-
wärtigen. Der eine der beiden imgedriickten Briefe Hei'bart's,
in dei-en Besitz ich durch die Güte des obengenannten Herrn
Geheimen Justizraths Prof. Sanio gelaugt und die ich der h. Classe
Zwpi BriptV Hovbiirt's. 229
vorzuleg'cn im Stande bin, legt tliatsäc hlich dar, wie er
über denselben geurtheilt hat. Derselbe ist unmittelbar
nach der Lecture des Ai'tikels am 2(i. J\Iärz des .Jahres 1833
o-eschrieben und an den Geheimen Medieinalrath Prof. Dr. Sachs
in König-sberg, einen ehemaligen Zuhörer Fichte's in Jena und
Verehrer Spinoza's (er war jüdischer Herkunft), der aber Ilerbart's
Vorlesungen über Psychologie beigewohnt hatte, gerichtet. Die
Kenntniss letzterer Umstände verdanke ich, wie die weitere,
dass der am Schlüsse des Briefes erwähnte Prof. SiefFert der
noch lebende Professor der Theologie zu Königsberg dieses
Namens und Herbart's Schüler Avar, Hrn. Prof Sanio.
Der Ton des Briefes selbst gibt Zeugniss davon, wie in-
dignirt Herbart sich fühlte, dass seine ernstlicii gemeinten
Worte zu Ehren Kant's als ,Hohn'^ aufgefasst werden konnten.
Ueber den Verfasser des Artikels äussert er keine Vermuthung,
obgleich er eine solche gehegt haben soll. Zu der Kecognos-
cirung der von Herbart angegebenen Verbindung des Meta-
physischen mit dem vorgeschobenen Psychologischen in
der Kritik der reinen Vernunft, wie Herbart wünschte, durch
Sachs, ist es von dessen Seite leider nicht gekommen. Auch
Herbart scheint die ihn anfänglich so tief berührende Ange-
legenheit nachher fallen gelassen zu haben. Das Original seines
Briefes gelangte, nachdem die genannten Personen davon Ein-
sicht und Prof. Sanio die hier vorliegende Abschrift genommen
hatten, seinem Wunsche gemäss an ihn zurück. Es befindet
sich wahrscheinlich noch in diesem Augenblick in dem reichen
handschriftlichen Nachlass, den Herbart's nun schon hochbetagte
verehrungswürdige Wittwe, eine Engländerin von Geburt, mit
für dessen Verehrer fast zu ängstlicher Pietät bewahrt, hoffentlich
aber bei der herannahenden Säcularfeier der Oeffentlichkeit nicht
länger entziehen wird.
Das zweite mir in der Originalhandschrift vorliegende
Schreiben ist an Prof. Sanio gerichtet und bezeugt, wie sehr
Herbart daran gelegen wai-, die rechtsphilosophischen Begriffe
seiner Philosophie und zwar von einem Kenner des positiven
Rechts weiter bearbeitet zu sehen. Dieser, als Professor für
römisches Recht eine umfassende Lehrthätigkeit entfaltend, als
eines der angesehensten Senatsmitglieder mit akademischen
Geschäften überhäuft, war, wie er in einem an mich am
9'-}r) Zimm ermann.
6. Nov. (1. J. gerichteten Sclireiben sagt, zu seinem Leidwesen
ausser Stande, sich die zu rechtsphilosophischen Arbeiten uner-
lässliche Müsse zu gönnen. Die Monographie über Hugo Grotius,
die Herbart im Auge gehabt zu haben scheint, ist später von
Hartenstein (1851) ausgeführt worden. Unter der im Briefe
erwähnten ,anstössigsten Schwärmerei' sind ohne Zweifel jene
im Anfang der Dreissiger Jahre vielbesprochenen, noch immer
nicht völlig aufgeklärten Ereignisse gemeint, die auf das Treiben
einer gewissen Partei im Schooss der angesehensten Familien
der Provinz ein sonderbares Licht warfen. Die Stelle verdient
deshalb beachtet zu werden, weil sie von Herbart's, den manche
seiner Gegner orthodoxer Sympathien verdächtigten, ungeheuchel-
ter Verachtung des Muckerthums Zeugniss giebt.
II. Abdruck.
An den Geh. Medicinalrath Professor Dr. Sachs
in Königsberg i./P.
Bei Rücksendung des mir gütig geliehenen 11. Hefts des
Conversations-Lexikons der neuesten Zeit erlaube ich mir einige
Worte nicht blos an Sie, sondern zu jedem Gebrauch, den
Sie angemessen erachten werden. Sie liehen mir nämlich das
Heft beinahe nur unter der Bedingung, dass ich den mich be-
treffenden Artikel nicht beantworten würde. Gut, wenn er
mich allein anginge; nicht gut, in wiefern er das Andenken
Kaufs als durch mich compromittirt darstellt. Dies hat locale
Wichtigkeit und Sie wissen, dass meiner Zeit für hiesige Ver-
hältnisse eine Grenze gesteckt ist. In Ihre Hände will ich
eine kurze Erklärung niederlegen über die Frage: ob ich Ur-
sache hatte mich Kantianer zu nennen, welcher Ausdruck nach
dem Vorgeben des Conv.-Lex. ,wie Hohn klingt.'
An Kant's Vernunftkritik haben sichtbar zwei Wissen-
schaften, die bei aller innigen Verbindung doch toto genere
verschieden sind, ziemlich gleichen Antheil, nämlich Metaphysik
und Psychologie. Natürlich kann nun das Werk verschieden
beiu'theilt werden, je nachdem mau die eine oder andere Seite
desselben vorzugsweise iu's Auge fasst. Die unbedingten
Kantianer unterscheiden das nicht, vielmehr da im Vortrage
Zwei Briefe Ilorbarfs. 231
Kant's das Psychologische zur Grundhige gemacht ist, so lassen
sie sich's gefallen, das Metaphysische als ein ctarauf beruhendes
(gerade gegen das wahre und in älterer Zeit allgemein aner-
kannte Verhältniss beider Wissenschaften) hinzunehmen. Was
aus dieser Weise der Auffassung wird, das lässt sich mit einem
Worte ausspi-echen ; denn F r i e s ist's , der so zu Werke ging
und deshalb als orthodoxer Kantianer lange, genug gegolten
hat. Meine Weise ist die umgekehrte : ich betrachte zuerst
das Ziel Kant's, was durch den Titel selbst ganz unzweideutig
bezeichnet ist. Die reine Vernunft im Gegensatze des Ver-
standes — mit andern Worten : die speculative Theologie im
Gegensatze der Erfahrungs-Erkenntniss, wie der Bau des Werks
unw idersprechlich zeigt — soll kritisirt werden. Aber damals,
da die Arbeit entworfen wurde, war speculative Theologie noch
weniger als jetzt ein Gegenstand, den man geradezu hätte an-
fassen können. Er war mit der Dogmatik verwachsen. Und
gesetzt, dass Kant das Anstössige nicht scheute: so musste
theils das Bestreben, deutlich und eindringlich zu sprechen,
theils die von Locke, Leibnitz, Hume herrührende Richtung
ihn auf das psychologische Feld führen. Was fand er hier?
die Seelenvermögen. Was war die Folge V Sie war ganz ähn-
lich der, wenn Jemand, der ein Messer braucht, nur eine Axt
oder ein Beil statt aller anderen schneidenden Wei'kzeuge vor-
fände, und nun, um damit doch einigermassen schneiden zu
können, sich alle Mühe gäbe, das schlechte Geräth möglichst
scharf zu schleifen. Ohne Bild : Kant brauchte die Psychologie
als Mittel zum Zweck eines möglichst klaren Vortrags ; daher
bildete er den Irrthum der Seelenvermögen so weit aus, als
er konnte.
Bin ich nun Kantianer, wenn ich diese ganze psycho-
logische Zurüstung als eine Summe von Missgriffen tadele ?
Vermiithlich nicht! Aber wie, wenn ich darüber den richtigen
metaphysischen Blick und den im Wesentlichen richtigen Tact
in Behandlung dci- Hauptsache, nämlich der vorgeblich wissen-
schaftlich-strengen speculativen Theologie — als Verdienst
Kant's anzuerkennen versäumt — wenn ich das Aehnliche
meiner Lehre mir als mein Eigenthum, gegenüber dem modernen
Spinozismus, zugeschrieben hätte? Mit einem Worte, wenn ich
nicht hätte Kantianer heissen wollen? Dann würde man mit
932 Z immer man 11.
Recht gefragt liaben, ob denu meine Veränderungen des Innern
der Wissenschaft wohl die Vergleichung' aushalten könnten mit
den von Kant schon festgestellten grossen Haupt -Umrissen. —
Kant stritt gegen die alte metaphysische Theologie ; ich streite
mit den Spinozistön, aber ich müsste mit sehenden Augen blind
sein wollen, um nicht zu sehen, dass dieser Streit und jener
im Wesentlichen einerlei ist. Denn Spinoza und Descartes
waren gar nicht so fern von der alten Metaphysik der Schulen,
dass hier ein grosser Unterschied sein könnte, und ich habe
am gehörigen Orte ausführlich genug gezeigt, dass Spinoza's
Ijchre nur eine besondere durch ihre Keckheit mehr hervor-
leuchtende Form der alten Schul-Metaphysik ist.
Beinahe ein Viertel - Jahrhundert lang war Kaut's ehe-
malige Stelle an der hiesigen Universität die meinige. Und
nachdem ich diese Stelle durch ihn mit bleibendem Glänze um-
geben anerkannt, ja mir selbst einen Sectennamen beigelegt
habe, den ich allerdings aus hundert starken Gründen ver-
schmähen konnte, fängt man noch Händel mit mir an, indem
man als Anmassung missdeutet, was gerade nur Vorkehrung
gegen alle denkbare Anmasslichkeit war? Der Meinung bin
ich nicht; meine Geduld hat ihre Grenzen. Für's Erste aber
begnüge ich mich, diese sehr flüchtigen Zeilen in Ihre Hände
zu legen, wobei die Absicht wohl klar sein wird. Es kommt
nämlich darauf an, dass meine Protestation nicht als ein leeres
polemisches Gerede erscheine, dergleichen Jedermann, der eine
dreiste Stirn hat und mit der Feder leidlich umzugehen weiss,
bei allen Gelegenheiten ohne Mühe vorbringt. Sie, Verehrtester !
werden wohl einmal so viel — oder so M^enig Müsse (denn
viel ist dazu nicht nöthig) linden, als Sie brauchen, um in
Kant's Vernunft-Kritik die von mir angegebene Verbindung des
Metaphysischen mit dem vorgeschobenen Psychologischen
zu recognosciren und zu verificiren. Das Uebrige bietet sich
Ihnen von selbst dar und Sie können dann in meinem Namen
jedem Ehrenmann Bescheid geben, der durch ein so vielftich
verbreitetes Buch, wie ein Conversations-Lexikon, gegen mich
aufgeregt glauben könnte, man müsse Kant's Andenken gegen
mich in Schutz nehmen.
Wollen Sie sich aber nicht weiter einlassen, so belieben
Sie nur Ihr legi zu unterzeichnen und alsdann das Blatt an
Zwei Briefe Herbart's. 233
die Professoren Sanio und Siefiert zu schick(^n , welche wohl
die Gefälligkeit haben werden, diese Zeilen durchzusehen, ihr
legi gleichfalls beizufüg-eu und alsdann mir dieselben wieder
zukommen zu lassen. Was ich weiter thun werde, das wird
sich finden, für's Erste war nöthig, dass ich einig-e sachkundige
Männer in den Fall setzte, mit dem Gegenstände der Frage
sich einigermassen zu beschäftigen.
Königsberg, den 2ö. März 1833.
(gez.) Her hart.
An den Geh. Justizrath und Prof. der Rechte an
der Un iversität zu Königsb erg i./P. Dr. Friedrich
Daniel San io. - .
Göttingen, 26. Juni 1836.
Ihi- gütiger Brief war mir sehr schätzbar als ein Zeichen
Ihres Andenkens; er war es nicht minder durch seinen Inhalt,
und besonders durch den Schluss, der mir künftige Briefe von
Ihnen verspricht. Mögen Sie nur dies Versprechen nicht ver-
gessen! Sie werden bald Anlass finden, es zu erfüllen, denn
meine analytische Beleuchtung des Naturrechts und der Moral
ist unter der Presse, und kann bald in Ihren Händen sein.
Dann werden Sie bemerken, wie sehr ich mit Ihnen überein-
stimme in Ihrer Behauptung, man müsse zeigen, wie jedes
Rechtsinstitut in das ^Gänze des gesellschaftlichen Zustandes
eingreife. Geben Sie uns nur bald auch Proben davon ! Es
ist nicht einerlei, wie bald Sie es thun. Wenn Sie das beachtet
haben, was Drobisch früher schrieb, so wird Ihnen seine jetzige
Leistung in der Logik auch nicht entgehn, und noch weniger
dies, dass Er auf Hartenstein gewirkt hat, dessen Metaphysik
mit nicht geringem Talent meine Arbeiten in eine bequemei-e
Zusammenstellung bringt und manche bedeutende Nebenbemer-
kung enthält, welche zeigt, dass er den Gegnern gewachsen
ist. Aber — diese Männer wundern sich , wie ich so wenig
von Königsberg aus sei unterstützt worden, und, wenn ich
nicht irre, haben sie Ursache dazu. Ein akademischer Lehrer
hat noth wendig das Vorurthcil gegen sich, wenn an dem Orte
234 Z i m ra e r ra a n n.
und von dem Orte, wo er lange Jahre hindurch gesproclien
liat, keine Spur seines Thuns zum Vorschein kommt ; und es
ist nicht zu leugnen, dass Königsberg mir stillschweigend ein
schlechtes öffentliches Zeugniss ausstellt, welches doch, wie
ich aus Ihrem Briefe mit Vergnügen sehe, wenigstens Ihre
Absicht nicht gewesen ist. Was Gegenwirkungen anlangt, so
sind deren an jedem Orte zu überwinden, und wenn wir gerecht
sein wollen , können wir die preussische Regierung nicht an-
klagen, dass sie Schwierigkeiten in den Weg gelegt hätte, die
sich nicht recht füglich überwinden Hessen. Was jetzt in Leipzig
geschieht, bedarf Unterstützung, oder es kann bald genug stocken,
und kommt es dahin, so wird es zehnfach schwerer sein, die
frühere Bewegung zu erneuern, als es jetzt ist, sie fortdauern
zu machen.
Ganz abgesehen hiervon hat das achtungswerthe gelehrte
Publicum Königsberg's dringende Veranlassung, sich vor ganz
Deutschland in einer wüi'digen Gestalt zu zeigen. Denn was
sollen Diejenigen denken, die nicht so gut wie ich wissen, wie
vielerlei sich dort neben einander mit wundersamer Behutsam-
keit bewegen kann, ohne sich zu stossen? Das hat man all-
gemein vernommen, dass die Geburtsstadt Kant's zum Sitze der
anstössigsten Schwärmerei geworden ist; man weiss überdies,
dass nicht IjIos die niedere Klasse der Sitz eines unbegreif-
lichen Taumels geblieben ist. Bei dieser Gelegenheit frage
ich mich nun nicht, was aus meiner Wirksamkeit geworden
sei, denn diese zu überschätzen — dagegen bin ich wohl genug
gewarnt ; aber ich frage , was für Früchte die gelehrten An-
strengungen der Schulen seit 1812 getragen haben, die so tief
in das ganze Publicum der Stadt und der ganzen Umgegend
einzugreifen schienen? Sollte es wohl auch darin am Ueber-
legen und Darstellen der Beziehungen gemangelt haben, die
Sie sogar in der positiven Jurisprudenz vermissen? — Wie
lange wird ein gelehrtes Studium noch fortdauern, das sich um
seine Beziehungen nicht bekünnuert? — Und hier frage ich mich
endlich : wo ist der Gewinn meiner Bemühungen um Pädagogik,
uml^ehrkunst? Das ist der hoffnungslose Theil meiner früheren
Arbeit, den man in Leipzig nicht wieder aus dem Schutte auf-
graben kann. Diese Ruinen liegen in Königsberg.
Zwei Rriefe Herhart's. 235
Sie lesen hier Betrachtung-en eines scelisziojährigen Maniuss,
der einige Mühe hat, von seinen früheren Sorgen zu selieiden,
der es aber doch nicht bereut, solche Sorgen gehabt zu haben,
die freilich von den gewöhnlichen Lebensverhältnissen ablenken.
Wer etwas wagt, muss sich gefallen lassen, Einiges zu ver-
liei-en. Wer nichts wagt, hat es sich am Ende zuzuschreiben,
wenn ihm nichts bleibt als die Erinnerung an ein verlebtes Leben.
Alles dies wollen wir bei Seite setzen , sobald es Ihnen
gefällt, Sich mir über die jetzigen Angelegenheiten der Rechts-
philosophie weiter mitzutheilen. Vermuthlich wird Hugo Grotius
dabei zur Sprache kommen, den Sie in meiner neuen Schrift
dem Spinoza gegenüber erblicken werden; — nicht aber blos
diesem, sondern auch dem neueren Naturrechte gegenüber,
welches eine andere Gestalt würde erlangt haben, wenn man
im guten Geiste des Grotius fortgearbeitet hätte. Mir ist bei
einigen freilich unvollständigen Vergleichungen dessen, was er
selbst sagt, mit den Relationen dessen, was Andere von ihm
angaben, ein Verdacht aufgestiegen, als hätte man nur seine
prolegomena gelesen , und die dortige Anknüpfung an einige
bekannte Stellen des Cicero für seine wahre Grundlegung ge-
halten. Jedenfalls hätten Kant und Schleiermacher den Grotius
lesen sollen; von Fichte will ich nicht sprechen, dessen Talent
bekanntlich nicht das war, recht zu lesen, was Andere ge-
schrieben hatten. Nicht Er, aber wohl Jene hätten von Grotius
lernen können. Am lesbarsten für mich war freilich das Capitel
de poenis, worin ich fand, dass mein Capitel vom Lohnsystem
nur wiederholt, was ein Anderer und Grösserer schon gesagt hatte.
(gez.) Herbart.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISKßLICIIEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
LXIX. BAND. III. HEFT.
JAHRGANG 1871. - DECEMBER.
239
XXVII. SITZUNG VOM r.. DECEMBER 1871
Der Secretär legt vor:
1. eine Note des Herrn Ministers für Cultus und Unter-
richt, Dr. V. Stremayr, womit derselbe dem Präsidium der
kais. Akademie seinen Amtsantritt anzeigt;
2. ein Danksagungsschreiben des Vorstandes der kais.
Universitätsbibliothek in Strassburg^ Herrn Dr. Barack, für
die der dortigen Bibliothek zum Geschenk gemachten Schriften
der phil.-hist. Classe der kais. Akademie.
Der Referent der Weisthümer-Commission , Herr Prof.
Siegel, legt den von Herrn Dr. Hans Lambel eingesendeten
Bericht vor über die Ergebnisse der von demselben in Ober-
österreich vorgenommenen Weisthümer-Forschungen.
Der Vice-Präsident Herr Hofrath A. Ritter von Arnetli
hält einen Vortrag über ,Zwei Denkschriften der Kaiserin
Maria Theresia', welche in dem Archiv für österreichische
Geschichte abgedruckt werden.
Auf Antrag der Commission für die Savigny- Stiftung
beschliesst die Classe, dass die gegenwärtig der kais. Akademie
zur Verfügung gestellte Zinsenmasse des Savigny - Stiftungs-
Capitals der letzten zwei Jahre dazu verwendet werde, eine
Bearbeitung des kaiserlichen Land- und l^ehnrechts (sogen.
Schwabenspiegels) zu veranlassen und mit derselben den Ar-
chivar Herrn Dr. Ludwig Rockinger in München zu beauf-
tragen.
240
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Accademia, R., delle Scienze di Torino: Memorie. Serie II. Tomo XXV e
XXVI. Torino, 1871; 4». — Atti. Vol. VI., disp. 1^—1^ (Novembre 1870
— Luglio 1871). Torino ; 8". — BoUettino meteorologico ed astronomico
del K. Ossei-vatorio dell' Universitk di Torino. Anno V. 1871; 4^*. —
Atlante di carte celesti contenenti le 6.34 stelle principali visibili alla lati-
tudine boreale di 45^ etc. Torino, -1871 ; Folio.
Akademie der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München: Abhandlungen
der philos.-philolog. Classe, XII. Bandes I. und IL Abtheilung (1870 und l.s71).
— Abhandlungen der mathem.-physikal. Classe. X. Bandes III. Abtheilung
(1870). — Abhandlungen der histor. Classe. XL Bandes II. und III. Ab-
theilung (1869 und 1871). (Nebst den betreffenden Separat- Abdrücken.)
4". — Almanach für das Jahr 1871. 120. _ Monumenta hoica. Vol. XL.
Monachii, MDCCCLXX; 40. — Preger, Wilh., Die Entfaltung der Idee
des Menschen durch die Weltgeschichte. (Vorti-ag, gehalten in der öffent-
lichen Sitzung am 28. März 1870.) München, 1870; 4". — Hang, Martin,
Brahma und die Brahmanen. (Vortrag, gehalten in der öffentlichen Sitzung
am 28. März 1871.) München, 1871 ; 4».
Bonn, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1870.
40 und 80.
Breslau, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren
1869 und 1870. 4,0 und 80.
Catal ofjus codicum mannscriptorvin orienfalivm, qui in Mitseo Biifanviro
asservantnr. Pars II., Codices arnhiros amplecf.ens. Londhn, MDCC'CXLVI;
Folio.
Central-Commission, k. k. statistische: Mittheilungen. XVIII. Jahrgang,
?>. Heft. Wien, 1871; kl. 40. — Tafeln zur Statistik der österr.-ungar.
Monarchie. Die Jahre 1860 bis 1865 umfassend. VL Heft. Wien, 1871; 4".
Gesellschaft der Wissenschaften, königl., zu Göttingen: Abhandlungen.
XV. Band. Göttiugen, 1871 ; 4". — Gelehrte Anzeigen. 1870. I. und IT.
Band. Göttingen, 80. — Nachrichten aus dem Jahre 1870. Göttingen,
1870; 80.
Rostock, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre
1869/70. 40 und 80.
Society, The Asiatic, of Bengal: BihUofheca Indien. Old Series. Nrs 2-22—
226. New Series. Nrs 164—207 and 209-2.30. Calcutta, 1869 — 1871;
40 and 80.
Wright, W., Catalogue of Syriac Manuscripts in the British Museum, acquired
since the Year 1838. Parts I & II. London and Berlin, 1870 & 1871; 40.
Zürich, Universität: Akademische Gelegenheitsschrifteu aus dorn Jahre
1869/70. 40 und 80.
Lambel. Weisthümer-Forscliungen in Ober-Oesterreicli. 241
Bericht
über die im August und 8ei»teml)er 1871 in Ober-
Oesterreich angestellten Weisthtlnier - Forsohuni»(^n
von
Hans Lambel.
Uas Resultat meiner im Aug-ust 1868 in Ober-0 esterreich
ang-estelltcn Weistliümer- Forschungen (Sitzungsber. Bd. LX,
S. 553 — 562) berechtigte zu der Hoffnung, dass weiteres Nach-
spüren nicht ohne Erfolg bleiben dürfte. Ich mochte daher
den Gedanken an eine Fortsetzung des damals Begonnenen
nicht aufgeben, und erbot mich^ im Juli d. J. einen Tlieil der
Sommerferien dazu zu verwenden ; die Comraission für Samm-
lung und Herausgabe österreichischer Weisthüiner ging auf
dieses Anerbieten bereitwillig ein und so machte ich mich, von
derselben mit Reisemitteln ausgerüstet , Anfangs August auf
den Weg.
Zunächst begab ich mich wieder nach Linz, um mir von
der k. k. Statthalterei und der Landesiiauptmannschaft Em-
pfehlungsschreiben zu erbitten, die sich das erste mal als wirk-
same Unterstützung erwiesen hatten. Sic wurden mir von dem
Herrn Statthalter Freiherrn Conrad von Eybesfeld, sowie von
Herrn Dr. von Pessler als Landeshauptmann-Stellvertreter bereit-
willig zugestanden, und ohne dieselben wäre ich an manchem
(3rte wohl nicht zum Ziele gelangt.
Meine Forschungen im J. 1868 waren vorzugsweise auf
das Mühlviertel gerichtet gewesen ; ein beträchtlicher Theil des-
selben war aber noch unerforscht geblieben. Diesem Theile
des (unteren) Mühlkreises also galt diesmal meine erste Reise,
um hier zunächst einen vorläuligen Abschluss zu gewinnen.
Sitzb. d. pbil-hist. (Jl. LXIX. IM. IH. Hit. 16
242 Laml.f^l.
Gleich in Mauthausen g-elaiig es, von dem Bürgermeister
Herrn Leopold Heindl und dem Gemeindebeamten Herrn
Gliristopli Paulus freundlich unterstützt, nach einigem Suchen
in einem älteren Kasten die Marktordnung aus dem J. 1522
in dreifacher Aufzeichnung zu linden. Auch in Perg war mit
Hülfe der Herren Anton Grienling, Bürgermeister, und Joseph
Hueber, Gemeindeausschuss , das alte Marktbuch in zwei Auf-
zeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert ziemlich rasch ge-
funden. ' Ich suchte sogleich die drei Punkte , den Wochen-
markt betreffend, die ich nach einem im landständischen Archiv
zu Linz im Jahre I8(j8 gefundenen Extract von 1082 bereits
in meinem ersten Bericht (Sitzungsber. LX, S. 560) mitgetheilt
hatte, und verglich den neugefundenen Text. Das Ergebniss
ist, dass statt der im Extract dreimal wiedei'kehrenden wid
markhtzeit die ältere Aufzeichnung das erste mal imder dem
(sie) marckhtzeit, die beiden andern male nnder marckhtzeit
offenbar das richtige bietet. Die Freude über den glücklichen
Anfang musste nun zunächst der Enttäuschung weichen, als
weder Münz b ach, noch St. Thomas auf dem ßlasenstein ,
noch Kreuzen Ausbeute gewährte. Auch in Grein schien
es Anfangs, als wären meine, Nachforschungen vergeblich.
Als ich al)er nach etwa vorhandenen Urbarien fragte, reichte
mir Herr Johann Karer, Gemeindebeamter, in welchem mir
der Plerr Bürgermeister Dr. Franz Wagcnthaler einen un-
ermüdlich gefälligen und eifrigen Helfer zur Seite gestellt
hatte, einen schönen Pergamentband, der unter andern die
gesuchten Rechtsbestimmungen auf Bl. 80''— 97'' enthält. Die
Handschrift ist zwischen 1485 und 1491 angelegt, denn von
1485 ist die jüngste der auf Bl. 2'' — KV' copirten Urkunden (die
älteste ist von 1379), 1491 aber ist das Jahr der Erhebung
des einstigen Marktes Grein zur Stadt : im ganzen Codex ist
aber immer nur die Bezeichnung Markt gebraucht, und die
Erhebuugsurkunde, die im Archiv noch aufbewahrt wird, wäre
ohne Zweifel eingetragen worden, wäre der Codex später als
' Auch ein alter Richterstab, mit Silber beschlagen, wird dort noch anf-
bewahrt. Das Beschläge des einen Endes stellt einen Mann in seltsamer
Tracht dar mit Schild und (nun abgebrochenem) Schwert. Sonst erinnere
ich mich solcher Stäbe aber ohne derartigen Sclnnuck, nur noch ans
Münzbach und Käfermarkt.
Weisthümer-Forschungen in Ober-Oesterreich. 243
1491 g-eschricben. Bei weiterem Nachforschen jfiuid ich in dem-
selben Archiv noch einen aus Prag-, 16. Sept. 1579 datirtcn,
von den kaiserl. Commissären Achatz Herrn zu Losen stein,
Dr. jur. Johann Tönner den Eltern von Trüppach und Jacob
Kurtz von Senfftnau unterzeichneten Vero-leich zwischen der
Herrschaft Greinburg und der Stadt Grein, dessen zehnten auf
die Abhaltung- der Pantaiding-e bezüglichen Punkt (auf Bl.
12'^ und 12') ich hier mittheilen will: ,(12") Zum zehenden die
Panthädigung hefreffendt dietceün ain herr auf Greinburg Oder
an dessen Statt ain Pfleger in deren von Gh^ein gehalttenen
Panthädigung Yhe vnnd Älheg gesessen vnnd loas dem Statt-
wesen zutüider gewest vnnd Ime sonsten in Annderweg mißfallen
dasselb Ahgescliafft vnnd eingestelt hat, So ist an Jetzo vnnd
hinfüran zicüschen heden taillen dahin heschlossen vnnd Ancjeno-
men toorden, das fürter die Erste vnnd hauM Panthädigung
Alhegen auf den negsten Monntag nach Trium. Regiim (12'') in
heysein der Herrschafft oder dero Pfleger 2vie von Alter herkhomen
gehallten werden, Es begäbe sich dann, das die Herrschafft oder
Pfleger durch Gottes geicalt darann, das Sie auf bestimbten taq
darbey nit sein khönden, verhindert tvürden, So solle damit ver-
tzogen vnd doch dieselb Anderioerts Als verstannden durch die
Herrschafft oder Pfleger gefährlicher weiß nit aufgezogen loerdenJ'
Auf Schloss Greinburg fand ich ein zwar ziemlich
grosses, aber wider Erwarten ungeordnetes Archiv, bei dem an
ein längeres Verweilen behufs systematischer Nachforschung
nicht zu denken war. Ein paar Versuche auf gut Glück, die
namentlich den äusserlich leicht erkennbaren Urbarien galt(Mi,
brachten mir nichts ein. Von Grein aus machte ich auch einen
Ausflug in den nahen Markt K 1 a m , fand aber in der dortigen
]\Iarktlade uicbts als eine handschriftliche Notiz, nach welcher
,das gar alte Panthadungsbuech' im Jahre 1021 im Schloss Klam
noch vorhanden, die Urkunden aber, die im Markt aufbewahrt
worden waren, schon damals bis auf wenige Fragmente durch
zweimalige Feuersbrunst zerstört waren. Auf diese Notiz hin
begab ich mich auf das Gräfl. Schloss, wo mich Herr Verwalter
Romuald Franz äusserst gefällig und zuvorkommend aufnahm,
micli in das Archiv führte, aber erklärte, in Abwesenheit des
Herrn Besitzers ohne besondere P^rlaubniss desselben mir nicht
gestatten zu können , dass ich darin Nachsuchungen anstellte.
16*
244
Lambel.
Einen älteren Katalog- über das Archiv aber, den ich sah, Hess
er mich bereitsvilligst in seiner Wohnung durchsehen. Darin
fand ich unter Kasten 2, Fach 41, Stück 1 (ß, 7) ein ,Pantha-
dung von Markt Clam', unter K. 2, F. 72-77, St. 1 1/2, ein
,Panthadung für die H. Clam. Unterthanen', und unter K. 2,
F. 72—77, St. 2, ein ,Panthadung für die Aussernsteinischen^
(der Aussernstein ist jetzt ein Meierhofj verzeichnet. Hoffent-
lich ist die Ordnung im Gräfl. Archiv seitdem nicht verändert
worden, und die bezeichneten Stücke auffindbar. Auch die
Orte Struden, St. Nicola und Sarmingste in wollte ich
von Grein aus nicht unberührt lassen, wiewohl die Taiding-e
der letzteren schon im Notizenblatt gedruckt sind, es fand sich
aber keine weitere Aufzeichnung davon. Von Grein wandte
ich mich nordwärts nach Pabneukirchen und Minich-
dorf: an beiden Orten war mein Suchen vergeblich. Im Markte
Königswiesen traf ich, Abends spät ankommend, den Bürger-
meister im Posthause, wo ich übernachtete, bereits zur Abreise
gerüstet, und der Marktvorstand, an den jener mich wies, war
des andern Tags gleichfalls abwesend. So musste ich von hier
vorläufig- unverrichteter Dinge weiterziehen ; später fragte ich
brieflich mit genauer Beschreibung der gesuchten Urkunden
bei dem Bürgermeister Herrn Chirurgen Anton Reiter an, der
mir nach dem Gespräch bei unserer früheren Begegnung Sinn
und Verständniss für dergleichen Forschungen zu haben
schien; bis zur Stunde aber habe ich keine Antwort erhalten.
Mein nächstes Ziel war Weissenbach, der alte Sitz eines
Pfleggerichtes, wo ich mir sichere Ausbeute versprach. Aber
weder in der Marktlade, noch beim Bezirksgerichte und Steuer-
amte, deren Archivalien unter freundlicher Theilnahme der
Herren Vorstände durchsucht wurden , war etwas zu finden.
In den oberösterreichischen Bezirksgerichten ist überhaupt wenig
Hoffnung, solche Denkmäler zu finden ; wie ich schon im Greiner
Bezirksgerichte erfuhr, wurden infolge einer Weisung der k. k.
Stutthalterei die älteren Urkunden, die nicht etwa für die laufen-
den Geschäfte nothwendig waren , gleich bei Gründung der
Bezirksgerichte nach Linz geschickt. In Weissenbach mögen
auch Brände manches , was einst vorhanden war, vernichtet
haben; auch das Pfarrarchiv, um das ich mich beim Herrn
Pfarrer erkundigte, enthält nach dessen Versicherung keine der-
Weisthümer-Forscliungen iu Ober-Oesterreich. 245
artigen Urkunden. Nach solchen Misserfolgeiji war ich doppelt
erfreut, in Waid er sfelde n mit freundlicher Unterstützung
des Marktvorstandes Herrn Johann Schönaucr die von Frei-
herrn Johann Georg Adam von Hoheneck im J. 1733 auf-
gerichtete jFreiheit und Ordnung^ aufzufinden. In St. Oswald
war, als ich ankam, der Marktvorstand, Herr Zitter, verreist;
auf nachträgliche briefliche Anfrage erhielt ich den Bescheid,
dass ausser drei Rechnungsbüchern keine Urkunden dasetbst
aufbewahrt werden. In Freistadt fand ich das städtische
Archiv in demselben Zustand, wie im Jahre 1868, soweit nicht
Herr Prof. Schmidt aus eigenem Antriebe und Interesse sich
der Mühe der Ordnung unterzogen hat (und das ist allerdings
ein gutes Stück): ein Weisthum kam seiner gefälligen Mit-
theilung zufolge bei dieser Gelegenheit nicht zum Vorschein.
Ein Ausäug nach Lassberg, wo Herr Marktrichter Paul Tost
das in seiner Verwahrung Befindliche bereitwilligst vorwies,
brachte das ,Ehaft-Täding^ des Ortes ein, das sich in einem
1732 angelegten Marktprotokoll aufgezeichnet fand. Nicht so
glücklich war ich in Käfer markt, wo doch die dortigen
Urkunden des Marktes, Zunftordnungen u. dergl. mit einer
Sorgfalt aufbewahrt werden, wie ich sie nicht überall traf. Auf
dem nachbarlich gelegenen Schlosse Weinberg fand ich in
einem beschränkten, nicht eben sehr lichten Archivraum, zu
dem ich durch eine Fallthüre herabstieg, eine beträchtliche
Zahl Archivalien ohne Ordnung durcheinander geworfen. Es
gelang nicht mehr, als eine Notiz zu erbeuten, die ich mir aus
einem auf gut Glück hervorgezogenen gewaltigen Urbarium aus
den Jahren 1591 und 1592 abschrieb und hier nicht übergehen
will : ,Paiitliäding zu halfen in den ämhtern ehnhidh der Thonaiv
— Erstlich ist daß tüdting im Amht Püchlern jährlichen den
negsten Erichtag nach vnser frawn Liechtmeßtag ze halten, loie
es dan von alter also herJchomhen. Item im amht Leonstain hell
man das thäding am negsten j)ßngstag darnach. Item im amht
Warttj)erg hell man daß thäding am negsten Samhstag darnach.
Inn amht Viechtwang und Khoßlpodenaio helt man khain tädting,
dan die nnderthonnen daselbst all jährlichen gehn Warttperg in
daß tüdting ze khvmhen schuldig sein.' In Neumarkt fand
ich, nachdem Herr Marktvorstand Michael Gstöttenbauer mir
schon beinahe den ganzen Inhalt der bereitwillig geöffneten
246 Lambel.
Marktlade gezeigt hatte, das Ehafttaiding- in einer Papierhs.
iu Kl. 4°, die ich aus einem Päckchen von Schriften her-
auszog, das einer Bemerkung auf dem Umschlage zufolge ,nichts
wichtiges^ enthalten sollte und daher unbeachtet zu unterst lag.
Die Hs. enthält ausserdem einige Copicn von Urkunden und
einen Bäckersatz. Nach vergeblichen Nachforschungen in P r e-
P' a r t e n wendete ich mich nach Galneukirchen, wo ich
wider Erwarten des Herrn Bürgermeisters Dr. Pokorny und,
wie es schien, auch nicht eben zu seiner Freude, die von
Heinrich Grrafen von Starhemberg den 12. März 175G erneuerten
,Datingspuucten' fand. Damit glaubte ich vorläufig meine Nach-
forschungen im Mühlviertel abschliessen zu sollen, um sie nun
auch auf die rechts von der Donau liegenden Gebiete Ober-
Oesterreichs auszudehnen.
Nach Linz zurückgekehrt, erbat ich mir zunächst die Er-
laubniss zur Fortsetzung meiner vor drei Jahren begonnenen,
aber unvollendet gebliebenen Forschungen im Archiv der k. k.
Statthalterei. Sie wurde mir ohne Schwierigkeit ertheilt; da
ich aber wegen Abwesenheit des Vorstandes desselben und
Mangels eines Kataloges augenblicklich davon keinen Gebrauch
machen konnte, machte ich mich, nach einem erfolglosen Aus-
flug in das von Krieg und Bränden hart mitgenommene Ebels-
berg, ohne Zeit zu verlieren, auf die weitere Reise.
Mein nächstes Ziel war diesmal das Fürstl. Starhembergische
Archiv zu Eferding, von dem ich wusste, dass darin sämmt-
liclie andere Starhembergische Archive nunmehr vereinigt sind,
und dass es bis auf einen kleineren Theil, der, wie ich jetzt
wohl vermuthen darf, für meine Aufgabe schwerlich ergiebig
gewesen wäre, völlig geordnet ist. Nicht geringer und minder er-
freulich als dieses Verdienst des gegenwärtigen Besitzers, Sr. Durch-
laucht des Fürsten Camillo von Starhemberg, war die ausgezeich-
net freundliche Aufnahme und die rühmenswerthe Gefälligkeit,
womit er mir zunächst die Cataloge zur Einsicht gab und dann
unverdrossen, ja eher freundlich ermunternd alles, was ich mir
irgend als beachtenswerth daraus notirt hatte, aushob und zu
näherer Prüfung übergab. Das Resultat zeigte, dass die Er-
wartung, mit der ich an die Benutzung dieses Archives ging,
nicht zu hoch gespannt war: es bot mir Taidinge von Breiten-
bruck, Hol maus öd. Kurzen Zwettl, Mühlgraben
Weistliüinor-Fi.irschniigeii in Olier-Oosterreich. 247
(iu Nieder -Gest.), Reichen au, Spitz (Ih^ieder-Oest.) iiud
Windhaj»; (seit 1()41 ein Markt im Mülilviertel nordöstlich
von Freistadt, nahe an der böhmischen Grenze) zum Theil in
doppelter verschiedener Aufzeichnung-, wodurch meine früheren
Forschung-en im Mühlkreise aus dem Jahre 1868 sowohl
(Sitzung-sb. LX, 555, 556, 560), als die heuer angestellten in
willkommener Weise ergänzt Averden. In wiefern etwa das eben
gefundene Taiding von Zwettl mit dem der Commissiou früher
zugekommenen identisch oder davon verschieden ist, kann ich
im Augenblick, wo mir dieses zur Vergleichung nicht vorliegt,
nicht entscheiden. Von Reichenau kam dadurch ausser einer
neuen collationirten Abschrift (1628) der alten von Eberhart
Marschalch 1495 ertheilten Freiheiten, welche die k. Academie
schon besitzt, und einem Extract aus dem von mir 1868 in
der Marktlade zu Reichenau gefundenen Taidinge von 1661
noch eine dritte, so viel ich urtheilen kann, verschiedene Auf-
zeichnung der ,Ehehaft-Tädings-Puncten' aus dem 18. Jahrh,
zum Vorschein. Um sicher zu sein, dass mir nichts Erreich-
bares entgangen sei, wurde auch das Stadtarchiv in Eferding
durchsucht, welches unter seinen Urkunden aber kein Taiding
verwahrt. In G r i e s k i r c h e n fand ich, unterstützt vom Herrn
Bürgermeister Heinr. Bräjmanu und Herrn Gemeindebeamten
Max Bauer, im Stadtarchiv ausser Pi-otokollen über abgehaltene
Ehafttaidinge, die, soviel ich sah, bis 1732 herabreichen, nach
einigem Suchen auch das Ehafttaidingsbuch selbst in einer Hs.
aus dem 17. Jahrh. Es muss aber mindestens über das Jahr
1564 hinaufreichen: denn in derselben Hs. findet sich eine,
den 31. October des genannten Jahres von Sigmund von Polheim
aufgerichtete Markt-Grdnung , welche sich bereits auf das alte
Ehafttaidingsbuch als Grundlage bezieht. Von dieser Markt-
Ordnung fand sich weiter nicht blos eine zweite, nach dem
Original coHationirte Abschrift von 1698, sondern bei Durch-
sicht der in Verwahrung des Herrn Ijürgermeisters selbst be-
findlichen Urkunden auch noch das Oi'iginal auf Pergament
mit Unterschrift und Siegeln. Ueber diese Markt-Ordnung sei
es gestattet, eine Vermuthung auszusprechen, die v(jn Kundigeren
bestätigt oder widerlegt werden möge. Unter den erwähnten
Urkunden ist auch ein Vergleich zwischen den Grieskirchnern
und den Polheimern von 156-5. Ein Punct desselben belehrt
248 Lambel.
uns, dass die Bürger behaupteten _, die Pollieinier hätten noch
ihre Freilieiten in Händen und ihnen davon Absehrift ver-
sprochen, die Polheimer jedoch das abläugneten. Dieses Streit-
punktes sollte nach dem Vergleich nicht mehr gedacht werden.
Wahrscheinlich um ihn vollends zu erledigen, fühlte sich Sig-
mund veranlasst, im Jahre darauf die genannte Marktordnung
zu geben. Vielleicht folgte auch das alte Ehaft; oder wenig-
stens eine Abschrift davon mit zurück. Auf dem nahen
Schloss Parz war ausser zwei Vorkaufsurbarien, die aber kein
Weisthum enthielten, von dem einstigen Archiv nichts mehr
voi-handen. Ein Ausflug nach Galschbach und Aisters-
heim brachte das Marktbuch des ersteren Ortes von 1607 ein,
das ich in Verwahrung des Herrn Marktvorstandes Franz
Wimmer in der Marktlade fand. Auf Aistersheim existirt wohl
ein nicht unbeträchtliches aber nicht geordnetes Archiv, dessen
Durchsicht, wie ich nachträglich von kundiger Seite belehrt
wurde für meine Aufgabe von zweifelhaftem Erfolge, jedenfalls
mehr Zeit erfordert hätte,, als ich zu verwenden hatte, so dass
ich wohl besser that, der lockenden Einladung des Herrn Be-
sitzers Dworzak zu widerstehen. Sollte sich bei Ordnung des
Archives ein Weisthum finden, so ist von der Gefälligkeit des
Herrn Besitzers die Einsendung ohne Zweifel zu erwarten. In
Neu markt (Hausruck) fand ich von dem alten Ehaft nur
mehr 7 beschriebene Blätter aus der Wende des 15. u. 16. Jahrh.
in der Gemeiudelade, die mir vom Herrn Bürgermeister Wurm
bereitwillig geöffnet wurde. Der Anfang ist verloren und auch
gegen die vorgefundene Ordnung der Blätter hege ich Zweifel.
Damit war aber mein Fiuderglück vorläufig für einige
Zeit zu Ende. Denn in sämmtlichen Orten , die ich nun be-
suchte: Riedau, Raab, Schärding, Kloster Reichers-
berg, Obernberg, Aurolzmünster, Ried, Altheim,
Braunau, Schloss Hagenau, Mauerkirchen, Utten-
dorf, Mattighofen und Friedburg, blieben meine
Nachforschungen erfolglos. Zum Theil erklärt sich dies
durch Feuersbrünste, die mehrere dieser Orte um ihre Urkun-
den brachte, so auch Reicliersberg , dessen Archivreste der
fleissige Bibliothekar und Archivar des Klosters, Herr Conrad
Meindl eben mit grösster Sorgfalt ordnet. Dass bei dem Gottes-
hause Taidingc abgehalten wurden, also auch Aufzeichnungen
Weisthüiner-Forschungeu iu Ober-Oostonoicli. 24'J
ü))cr das })oi denselben gewiesene Roclit iiicfht werden gefehlt
hahen, wird man von vorneherein nieht Unahi bezweifeln, zum
Ueberfluss ist in Urkunden mehrfach von den ,8tifttaidinü-en'
die Rede : ^loir suUn auch in ir Stifttaydtnij chömen, loann vns
darin gepotn ivtrt', heisst es in dem mir von Herrn Meindl
freundlich g-ewiesenen Revers auf ein vom Kloster vererb-
rcchtetes Gut zu Parz vom 25. Juli 131)2 und ebenso in einem
andern Revers vom 23. April 1393. InBraunau konnte ich
das Archiv gar nicht sehen, weil, wie mir Herr Bürgermeister
J. C. Prechtl, dcj- sich selbst eben zur Abreise rüstete, mit-
theilte, der einzige, der darin Bescheid wisse, Herr Secretär
Maier, verreist war. Doch versprach der Herr Bürgermeister,
durch diesen nach seiner Rückkehr nachforschen zu lassen und
von einem etw^aigen Funde Mittheilung zu machon. Auf wSchloss
Hagen au sah ich durch die Grofälligkcit des Herrn Besitzers,
S. Excellenz Freiherrn von Handel, ein, wie es scheint, nicht
unbedeutendes Archiv, al)er ungeordnet in Kisten verpackt, so
dass ich auf genauere Durchsicht verzichten musste. Auch im
Archiv der Propstei zu Mattighofen wäre es möglich, dass
mir bei dem ungeordneten Zustande desselben etwas entgangen
wäre. Wenn ich auch au diesem Orte keinen Fund verzeichnen
konnte, so erhielt ich doch daselbst von dem Finanz-Bezirks-
commissär, Herrn Carl Hell, eine wichtige Notiz mitgetheilt,
wonach das alte Öalbuch von Friedburg v. J. 13G3 mit dem darin
aufgezeichneten Weisthum nicht mehr in Friedburg zu suchen
war, sondern in Linz bei der Finanz - Landesdirection , wohin
es im Jahre 18GG vor den Preussen soll geflüchtet worden sein.
Ich hatte also" keine Veranlassung, mich in Friedburg mit der
Zeit raubenden Durchsicht der trotz zahlreicher Verschleppung
noch immer beträchtlichen Reste des einstigen Herrschaftarchives,
die in zwei Scheunen mehr der Benützung entzogen, als auf-
bewahx't sind, lange aufzuhalten.
Ich wendete mich von da nach V ö kl a markt, dessen
Ehafttaiding die k. Akademie zwar schon besitzt, aber nur nach
einer jungen und noch dazu an mehreren Stellen schadhaften
Abschrift von 1729, so dass mindestens schon behufs Ergänzung
der Lücken im Texte die Auffindung einer zweiten Ilandschrilt
wünschenswerth erschien. ^Virklich gelang es mit Hilfe des
kundigen Bürgermeisters von Vöklamarkt, des Herrn Chirurgen
250 Lambel.
und Geburtsarztes Josef Furgstallcr, das alte Original vun 1489
selbst autzutinden, dessen Einsendung- zugleich bereitwillig zu-
gesagt wurde. Ein Ausflug nach St. Georgen im Attergau
bi'achte Kenntniss von zwei gleichlautenden Aufzeichnungen der
,ranthädigungsfreiheiten' dieses Ortes ein, enthalten in den Frei-
heitsbriefen der Kaiser Ferdinand 11. und III. vom 4. Octbr. 1G31
lind 23. Octbr. 1637. Ein älteres ,Pergameenen LibelP, auf
welches sich bereits die ältere Aufzeichnung beruft, war, trotz-
dem mir Herr Marktvorstand Josef Zapf die gesammten Ur-
kunden mit grosser Bereitwilligkeit zur Einsicht vorlegte, nicht
mehr zu finden. Von gleichem Finderglücke war ich in F r a n k e n-
burg begünstigt, wo unter den mir vom Herrn Marktvorstand
jMichael Wipplinger vorgezeigten Archivalien die von Franz
Christoph von Khevenhüller 1672 gegebene Marktordnung-
leicht und rasch gefunden war. In T i m e 1 k a m dagegen
suchte ich vergebens; doch besass ich ein Timelkamer oder
richtigoj" Wartenburger Weisthum schon früher in einer Ab-
schrift meines Freundes Friedrich Koch , prot. Pfarrvicars in
Gmunden. Es weist mehrfach Abweichungen auf von dem
durch Chmel im Notizenblatt von 1854, S. 484—496 mitge-
theilten ,Hofmarch- und Landgericht -Püechl der Herrschaft
Wartenburg im Lande ob der Enns. 1611.' Ich theile sie,
unwichtige, bloss sprachliche Verschiedenheiten ausgenommen,
unten mit. Leider kann ich bis jetzt über die Handschrift,
aus der Kochs Abschrift stammt, und deren Alter nichts mit-
theilen. Dass sie offenbar jünger ist, als die Chmels, liegt auf
der Hand. Ich zweifle, ob sie über den Anfang des 18. Jahrh.
hinaufreicht.
Schon früher hatte ich mich mit Herrn Julius Strnadt, Ge-
richtsadjuncten in Vöklabruck, dem Verfasser einer sehr fleis-
sigen verdienstlichen Monographie über Peuerbach (im 27. Bericht
über das Museum Francisco-Carolinum Linz, 1868) in Ver-
bindung gesetzt und ihn namentlich über die Archive, die er
zu jener Arbeit durchforscht hatte: von Peuerbach, Waizen-
kirchen, Neidvirchen am Walde, Wesenurfahr, Kalham, Weiden -
holz und Aistersheim, befragt. Seine schriftlichen Mittheilungen,
sowie die weiteren mündlichen, die ich nunmehr bei einem
Besuche, den ich ihm von den nahen Timelkam aus machte,
von ihm ei-hiclt, überhoben mich dui'chaus der Nothwcndigkeit,
Woisthümer-Forsohiiugeu in 01»er-0üsterreich. 251
die genaiinton Orte erst noch zu besuchen » (über Aistersheini
s, oben S. 248). Seinen zuvei-lüssigen Angaben nach war in
denselben ausser dem Marktrecht von Peuerbach , dem Eliaft
von Neukirchen im Wakle und den Marktfreiheiten von Wcsen-
urlahr von 1582 (vgk kSitzungsber. LX, 553, 5()2) nichts zu
holen. Das erste ist bereits in seiner Monographie über Peuer-
bach gedruckt (a. a. O. S. G14 — 016), und von den beiden
letztern hatte er Abschrift genommen, die er mir mit i'ühmens-
wei-ther Uneigennützigkeit zur Vei'fügung stellte. Ich erhielt
sie von ihm sammt einer Abschrift der Vöklabrueker Stadt-
rechte aus dem Stadtbuche von 1391 nach meiner Rückkehr
von der Reise zui»:esendet. Ausserdem hatte er mich schon
früher brieflich auf ein Ehaft in der Marktlade von Schörf-
ling aufmerksam gemacht. Da er davon noch keine Abschrift
genommen, so begab ich mich selbst dahin. Herr Marktvor-
stand Frikli erinnerte sich wohl des Denkmals, fügte aber die
nicht eben tröstliche Bemerkung hinzu, dass es seither wieder
gesucht wurde, aber nicht mehr zu üuden war. Ich machte
mich trotzdem daran, die bei-eitwillig geöffnete Marktlade zu
durchsuchen, und es gelaug zu meiner Freude, nicht nui- das
Ehaft von 1499 selbst in zwei gleichlautenden, freilich jungen
Abschriften, sondern auch Protokolle über gehaltene' Taidinge
bis zum Jahre 1839 herab aufzulinden. Die ältere der beiden
Abschriften von 1781 wurde mir vom Plerrn Älarkt vorstand
mit ehrendem Entgegenkommen behufs Abschriftnahme an-
vertraut; eine ältere von 1713 war bei der Collation jener
(1781) in der k. k. Böhmisch- und Oesterreiehischen Hof-
Kanzleiregistratur aufbewahrt und müsste sieh, wenn ich recht
berichtet bin, jetzt im Archiv des Ministeriums des Innern
tinden. Ob da vielleicht auch das alte Original oder das ,iu
alter Schrifft in pargamen gebundtene Buech' zu suchen wäre?
Meine weiteren Nachforschungen in den Archiven von
Hallstatt, Laufen imd Ischl blieben leider erfolglos. In
G m u n d e n konnte ich das Archiv eines Umbaus wegen , wie
man mir sagte, nicht sehen. Da die Zeit schon etwas vorge-
rückt war und in Linz noch nach zwei Seiten Aufgaben zu
erfüllen waren, so begab ich mich unverzüglich dahin zurück.
Meine erste Sorge war es nun, das alte Friedburger Sal-
buch zu suchen. Ich wendete inieli daher an den Chef der
252 Lambel.
Finanz - Landesdirectioii in Linz, Herrn HotVatli Carl Taine,
Kittor von Felsenbrunn , um Erlaubniss zur Einsicht in das
Archiv, die derselbe mir mit grösster Zuvorkommenheit ertheilte.
Ebenso war der Hilfsämter- Vorstand, Herr Adalbert Hoschna,
an den er mich wies, voll Eifer, so dass es bald g-elang, den
schönen alten Pergamentcodex zu finden, in dem das Weis-
thum, das älteste ober-österreichische, das wir meines Wissens
besitzen, auf Bl. 82"— 86" geschrieben ist.
Nachdem dieser schöne Fund geglückt und noch eine,
freilich erfolglose Nachforschung in der Gemeindelade des be-
nachbarten Marktes Urfahr angestellt war, galt es, meine
Forschungen im Archiv der k. k. Statthalterei zum Abschluss
zu bringen. Wie im Jahre 1868, war mir auch diesmal Herr
Adjunct Franz Razenberger ein unennüdlicher und ganz unent-
behrlicher Helfer. Er legte mir alles vor, was irgend für meine
Aufgabe Ausbeute erwarten liess, so dass von dort her schwer-
lich ein neuer Zuwachs zu unserer Sammlung kommen dürfte.
Und meine Nachforschung war auch diesmal nicht ohne Erfolg.
Sie brachte ausser den jüngeren Marktfreiheiten von Neufelden
vom Jahre 1631 in einer collationirten Abschrift von 1705 (vgl.
Sitzungsber. LX, 555, 559), das Ehafttaiding von Reger in
einem Regerer Urbar aus dem 17. Jahrb., und von Zell im
Achlande (Innviertel), in einer Abschrift gleichfalls aus dem
17. Jahrb., ans Licht. Eine Notiz über die Pantaidinge von
Traunkirchen, die ich gleichfalls dort fand, theile ich unten mit
in einer Anmerkung zu den ,Weißarticuln' zwischen Kloster
Traunkirchen und Ort, die mir schon auf der Rückkehr in
Wien durch Herrn Anton Bettelheim bekannt wurden, der sie
im vergangenen Sommer in Gmunden in der Trafik der Luise
Lang (Vogelgasse) fand und erwarb. Sie berufen sich mehr-
mals auf das Ehafttaiding und sind mindestens theilweis von
rechtshistorischem Interesse.
So hat meine diesjährige Forschungsreise wieder eine nicht
unerhebliche Anzahl von solchen Rechtsurkunden, und zwar
zum allergrössten Theile ganz unbekannte, ans Licht gebracht.
Einige derselben sind nicht eigentliche Pan- oder Ehafttaidiuge
dem Namen und der Form nach. Sie enthalten aber jedesmal
eine Bestimmung, der zufolge sie zur Verlesung auf den Jahres-
gedingen kamen, und waren daher, auch mit Bezug auf den,
Weisthümpr-Forschungen in Ober-Oesterreich. So.S
Oesterr. Woisthiimer I, VIII ausgesprochenen Grundsatz unbe-
denklich mit aufzuführen. Auf die Frage, ob nun die Samm-
lung: oberösterreichischer Weisthümer absreschlossen sei, mtteste
ich selbstverständlicli mit Nein antworten. Der grösste Tneil
des Landes ist freilich nunmehr durchforscht, aber überall hin-
zugehn, wo etwa ein Fund zu erwarten wäre, war natürlich
unmöglich: dazu hätten Zeit und Mittel nicht- gereicht. Ueber-
haupt ist aber an einen Abschluss der Sammlung nicht zu denken,
so lange die Besitzer von Privatarchiven , die bis zur Stunde
mit wenigen rühmlichen Ausnahmen die ihnen überkommenen
Schätze gleichgiltig im Winkel liegen und im besten Falle nur
nicht verderben lassen, nicht die Bedeutung derselben und die
Verantwortung begreifen lernen, die sie für die Erhaltung und
Benützung des ihren Händen Anvertrauten vor der Wissen-
schaft tragen. Einstweilen wäre es höchst wünschenswert!!,
dass jeder Einzelne, der Zeit, Gelegenheit und Verständniss hat,
in seinem Kreise nachforschte und durch Mittheilung etwaiger
Funde sich um die Vervollständigung unserer Sammlung ver-
dient machte. x\n einer lohnenden Nachlese könnte es nicht
ganz fehlen.
Zum Schlüsse spreche ich noch Allen, die mich bei meinen
Forschungen mit Rath imd That unterstüzt, meinen Dank aus,
nebst den schon Genannten noch Herrn Gustos Ehrlich in Linz,
der auch diesmal an meinen Reisen den lebhaftesten Antlunl
nahm.
Im folgenden gebe ich wieder ein alphabethisches Ver-
zeichniss der gefundenen Stücke nach den Orten mit kurzer Be-
schreibung der Handschriften und Angabe des Fundortes.
1. Aiissernsteiii, s. oben S. 244.
2. Breiteubi'uck.
16G7. Auf Bl. 3r— 46" des ,Vrbarium Vbei- daß Schloß
Pi'ayttenpruckh an der Gußen im Machlandt etc.' Pap. fol. im
Fürst]. Starhembergischen Archiv zu Eferding, Fach 37, Nr. 17.
Bl. 31". ,Vermerckht Die Jeuige Hernach Beschribene
Thättiuo-s Puncta Deß Hoch vnd Wollgebohrnen Grauen vnd
Herrn Herrn Hainrich W^ilhelm deß Heyl. Rr)m. Reichs Grau
vnd Herr von Starchemberg auf Wildtbcu-g Riedteegg Loben-
stain Reichenau Auerbcrg Praytenpruckh vnd Kriechpaumb' etc.,
,so Ihr Hochgräf. Excell. Vnterthanen der Veston Praitcnpruckh
254 Lambel.
Jährlichen in den EhehafFt Tätting' Abg-eleßen vnd Vorgehalten
Wirdt. Anno 1667/
r 3. Frankenburg.
Perg. 16 Bll. fol. 1632 in der Marktlade zu Frankenburg.
Bl. 1^. Medaillon gemalt für den Titel, der fehlt.
El. 2^ Wappen.
Bl. 3* — 5". Franz Christoph Khevenhüller zu Aichelberg-,
Graf zu Frankenburg etc. bekennt, nachdem er vom Kaiser
,ain Landsfürstliehe Gnad vnd Burg-erliche Marckht Freyheit^
über den zur Grafschaft Frankenburg gehörigen ,Fleckhen oder
das Dorf Zwispaln vnnd dessen einwohner^ erlangt, habe er
seine ,vnderthonen Zwispaln vnd Freyn' laut des auf Bl. 3'' — 4"
folgenden kais. Freibriefs d. d. Wien, 11. Juni 1621 ,in den
Bürgerlichen Standt Gredieren' wollen und , hernach volgent ein
gemaine Ordnung vnnd pollicey' verfasst.
,Volgen Anfangs sonderliche Articl, damit ich oben im
Eingang benenter Frantz Christoph Kheuenhüller , Graf zu
Franckhenburg etc. zu Aufnembung des Marckhts Francken-
burg Burger vnnd Inwohner daselbst bedenckhen vnd begnaden
thue^ etc.
9''. ,Wie sich mit Verlosung diser Pollicey vnd Ordnung
zu halten.'
,Diüe Pollicey vnnd Marckht Ordnung solle zu allen Jar-
märckhten an ainem vor dem Marckht benenten Tag in Gegen-
wart ganczer Burgerschafft vnnd Gmain SowoU auch wenn
Richter Rath vnnd Gmain versprecher Erwölt oder Burger auf-
genomben werden, damit sie sich sollher Ordnung nacli zu
halten wissen, öffentlichen verlosen werden' etc.
16'\ Actum Franckhenburg 1. Januar] 1632.
Mit Unterschrift und anhangendem Siegel.
4. Friedburg.
Auf Bl. 82''— 86^ des ,Saallpüech Der Curfrtl. Pfleg : Vnnd
Ilerrschafft Fridburg aüfgericht Anno 1363' Perg. fol.
82\ jVermerckt die herlichkait der herschafft ffridburg
vnd des walldes honhartt' (rot).
Item die rechten der herschafft zu fridbui'g vnd des walldes
honhartt dieselben rechten werdü zu drein czeytn Im Jare in
Woisthüiiier-Forschungen in Ohor-OpsterrPinh. 255
der Schraniien zu fVidhui-o; der InundtschaiFt j^-emelldet vnd ^e-
öffenut in EeluifFteu taidiug-on des mantags nach lieclitmess
vnd des niantag-s nach sand phlipps (.so) vnd sand Jacobs tag
vnd dos mantags nach sandt Michels tag' etc.
Rothe Ueberschriften stehen noch, 84" ,Die Recht der
Gotzhawser', und 84'' ,Des Gotshaws Recht zu Ranshofen^
5. Galueukirclieii.
Pap. 18 beschr. BIL fol. 1756, in der Gemeindelade von
Galneukirchen.
Bl. r. ,Ich Hanrich (so) Maximilian Des Heyl. Römi-
schen Reichs GrafF Vnd Herr uon Starhembero- auff Wiltberir
Riedegg Lobenstain Reichenau Aurberg, Praydenprückh Kriecli-
baum, Au Haggn, Wangern und Schmellendorff', Herr der GrafF-
schafft Schaumburg und Herrschafft Eferding, Der Rom. Kay.
Königl. Cath. May. Wirklichen geheimber [so) Rath und N. O.
Cammerer
Gibe hiemit in Gnaden zu vernehmen Waß gestalten
euch die unumgängliche nothwendiget zur einfuhrung guctter
Ordnung, einbiudtung deß schuldigen gehorsamb gegen seiner
vorgeseczten Obrigkeit und Endlichen zur ablainung deß Öflfters
entstehenden Hafß und Neuth vnter der Burger.gemainde er-
forderen will, dz gleicli wie Meine Vorgeweste (l'') Gräfl. Ahn
vnd Vranen Beflifßen gewesten (so) zur aufnähme des Burgers
verschidene gesacze einzuführen, Ich also uon Obhabender Juris-
diction vnd Vortführung der Justiz wegen dergleichen vntei-
euch fortzupflanczen geruechen, dise euer alte herkhommen vnd
Datingspuncteu fernershin erneuern vnd aufs Neue vntern Meiner
Aigenen Namens vnterschrifft vnd gräfl. Förttigung Bostättigen
wollen wie volgt' etc.
18". ,Defßen zur Wahrer Vrkhundt habe ich solches
mit aigener Handtschrifft vnd mit meiner Erbangebohi-nen gräfl.
Förttigung Bestättigeu wollen. Gebern Auf Meiner Herrschafft
Riedegg den zwölfften Merczen deß Aiu dausent Sibenhundert
Sechs vnd Fünfzigsten Jahrs.
(Uiiteiscliiift) Heinrich Graff vndt Heir von Starhemberg m. p.
den 12. März 7o() Jahrs'.
Riegel anhangend.
256 Lambel.
6. Galschbach.
Ferg. 8 Bll. Gr. 4°. 1607, in der Marktlade zu Galschbach.
Bl. r. ,Ich Hannß Lüdtwig Geymann zu Galspach vnnd
Trättneg-g- Auf Schwartzgrueb etc. Bekhenne Hiemit fuer mich
All meine Erben Vnnd Nachkombente Besitzer meines Guetts
vnnd Herrschafft Alda zu Galspach, Das fuer mich Erschinen
vnnd Khumen sein Meine vnnderthonnen Als Richter ain Ganntze
Bürg-erschafft vnnd Gemain So In meinem Befreiten Marckht
alda zu Galspach Sefß vnnd wonhafft sein .... Mich Hierauf
vnnderthenig- Vnnd gehorsamblichen Mündt: vnnd schriftlichen
Angerueffen Vnnd g-ebetten . . . (l*") Innen Bürgerliche Ordnung
vnnd Manzucht genedig Mitzethaillen vnnd Aufrichten zulassen.
Wann Ich dann Mergedachter meiner Burger vnnd Vnnder-
thonnen Gehorsambe Bit angesechen Also Hab Ich
Alß Rechter Erb vnnd Grundtherr der Herr schafft Galspach
vnnd des Marckhts daselbst .... Dise Nachvolgunde gnadt
Freihait vnnd Ordnung gegeben, Thue das Hiemit wissentlich
wolbedächtlichen Vnnd In crafft dises Gnadenbriefs, Auch zu
der zeit da Ichs zu Thuen Rechten fueg vnnd Macht gehabt
wie solches Hernach von Articl zu Articl volgt' u. s. w.
3". ,Viertten sollen Sy Bey Gemainem Marckht Ain Orden-
liche Ladt,Haben Darinen Sy dises Gnaden vnnd Marckht-
puech ..... Haben Vnnd Albegen an Sant Thomas tag Von
Articl zu Articl Ainer Ganntzen Bürgerschafft Füerlesen Lassen
sollen' etc.
8^. ,Beschechen den Ersten Monatstag May nach Christi
vnnsers Erlösers vnd Sälligmachers ffebuerth Im Öechtzechen-
hundert vnnd Sibennten Jarr.'
Mit Unterschrift und Siegel anhangend.
7. St. Georgen im Attergau.
A. Perg. 23 Bll. 4°. 1631, in der Marktlade zu St. Georgen.
Bl. 1 leer.
Bl. 2''— 7" bestätigt K. Ferdinand IL die Vorlage zweier
Briefe über die Freiheiten der Bürger, die ihn baten, dass er
ihnen nicht nur diese, , sondern auch Ingleichen Ir von alters
bero in ersessenem Gebrauch habende Panthädigungs-Freyhaiten
alß Jetzt Regierender Herr vnd Lanndtsfüerst zu Confirmieren
VII Hfl zubestetten allergenodigist geruehen* wollte, , Massen dann
Weisthümer-Forschungen in Ober-Oesterreich. 257
dieselben vermüg- Vns producierten Pergameenen Libells Eben-
fals alles Ires Inhalts hernach geschriben stehen Wie volgt.
Hernach volgen die Frag vnd Urttl so Sy in Irem Rechten
zu handien haben Vnnd Erstlich Frag (8') Wie weith Ir Purckh-
fridt wehret/
Auf Bl. 22" schliesst das Taiding. Der Rest von 22'' und
23 enthalten den Schluss der k. Bestätigung mit dem Datum:
Wien, 4. Oct. 1631.
Siegel gebrochen.
B. Erneuerung von A. durch Kaiser Ferdinand III., d. d.
Schloß Eberstorff, 23. Oct. 1637. Perg. 29 Bll. 4"., in Sammt-
einband mit Siegel, gleichfalls in der Marktlade.
8. Grein.
Auf Bl. 80^—97" des zwischen 1485—1491 (s. ob. S. 242) an-
gelegten sog. Urbarium von Grein Perg. fol. im Stadtarchiv daselbst.
Bl. 80". ;,Hie sindaufgeschriben vnd vermerkt die Aintzigenn
Rechten die dy Burger zu Grein haben Vnnd der Margkt von
alter beer ist komen.^
85^ ,Die haubt wanndl Oder grossn wanndP.
87*. ,Wie die von Grein Ain den Anndern zum Rechtn
verpewt oder ain gast den Anndern.'
SS''. ,Wer die Freyung zupricht in de Jar Margkt.'
89" zum grössten Theil, und 89''— 91'' ganz leer.
92". , Hernach vermerkt von den Pantaydirigen zu Grein
wie es von alter damit herkömen sey wordnn.'
94" zum grössten Theil, und 94''— 95'' ganz leer.
96". , Hernach ist vermerkt wie man Einen Richter ze
Grein Setzen sol Vnd wie man das Gericht Jerlichn widerumb
Aufsagen sol.'
98 und folg. Bll. leer.
9. Grieskirchen.
I. Das Ehafttaiding auf Bl. 1" — 13" einer Papierhs. 1 7 Jahrh.
46 Bll. fol. im Stadtarchiv zu Grieskirchcn.
Bl. 1". jGemainefs Marckht Grieskirchcn EehafFtthäding
Buech darinen Mann gcmainefs Marckhts Rechten Fündt.'
2". ,Ich frag Euch ob es an Weil vnnd Zeit Sey, Das
ich Sütz Vnnd Rieht EehafFtthäding' etc.
l2^ ,46. Zum Beschlufs Spricht Richter: Welcher wafs
zukhlagen hatt Es Sey Rechtlich oder Güetlich die weil Ich
Sitzb. d. plül.-hist. Cl. LXIX. 13d. lU. Hft. 17
258 Lambel.
den Gerichts Stab In der hanndt hab der Mag es thain (13'')
Zum Ersten mal. Zum Andern mal. Zum dritten mal.
Darnach Sagen Richter vnnd Rath Ire Ambter auff vnnd
Stelt es der Purgerschafft vnnd Gmain wider haimb bifs auff
dass Ehaffthäding vber vierczechen Tag dornach Aisdan wierdt
widerumben vonn Ainer Gannczer Burgerschafft Richter vnnd
Rath geseczt aufs freier wähl wie von alter herkhumen ist^
II. Die bürgerliche Ordnung Sigmunds von Polheim.
A. Perg. 21 Bll. 4^ 1.5G4 in der Gemeindelade zu Gries-
kirchen.
Bl. 1*. ,Sigmundt Herr zw Polhaim auff Parcz Bekhenn
fuer mich all mein erben vnnd Nachkhomen Öffentlich vor Aller
Meniü'khlich Das füer mich khumen sein Richter Rath vnnd
Gemaine Burgerschafft Meines Pannmarckhts Grieskirchen Die-
miettigclich Bittundt das Ich .... Ain Bürgerliche Ordtnung
vnd Pollicey Innen Aufrichten .... wollte .... hab ich . . .
auf Ir Alltes Ehehafft Tättigen Puech so sy mir pracht Die
Articul Inhalt der Römisch Khaiserlichen Maiestath etc. Policey
vnnd gehabt Altem herkhomen vnnd geprauch .... Innen vnd
Iren nachkumen Nachuolgundte Bürgerliche Ordnung Bestätth' etc.
,Item Nachdem Gemainer Marckht Von Alter hero Jer-
lich zw Bestimbter Zeit Ehehafft Tätting gehalten solle Inne
dasselbig durch mich vnd meine erben Noch (1'') Vnuerwerth
sein, doch das sy wider mich oder dieselbigen meine erben
nichts handien besiezen vnnd halten Auch diso bestatte vnnd
verneurte marckhtß Ordnung Jerlichen damit sich Menigkhlich
darnach zuuerhaltten Aufs wenigist Im jar Ainmall füerhalten
vnnd Lesen Lassend
21''. jBeschechen zu Parcz den Leczten Octobris Funff-
czechenhundert Im vierundsechczigisteu Jare^
Mit Unterschrift und 4 anhangenden Siegeln.
B. Nach A collationirte Abschrift. Pap. 50 Bll. fol.
1698, im Marktarchiv zu Grieskirchen.
C. Abschrift auf Bl. 17* — 45" der unter I angeführten
Handschrift.
10. Helmausöd.
A. Pap. 16/17. Jahrh. 18 Bll. fol.
bergischen Archiv zu Eferding, Fach. 41,
im Fürstl.
Starhem-
I., N. 21.
Weisthümer-Forschungen in Ober-Oesterreich. 259
Bl. P. jZuuermerckhen Was Ich Reichart hcrr von
Starheniberg auf Wiltpcrg- Kiedog-g vnd loberistain auf Erich-
tag den ainHffteu Januari Anno vieruudtncuczig (so) In denn
Gehaltnen Tätting zu Helbmanseedt allen vnd Jeden meinen
Burgern vnd vnderthonnen füerczubringen darneben aucli In-
struction vnd Ordnung waß Ich disen Jeczigen Richter zu
Helbmanseedt und allen khunftigen Richtern zuuerrichten auf-
erlegen vndt befelchen thue wie solches vnderschiedlichen her-
nach zuuernemben:
Vorige Vermahnung vnnd Instruction (am Rande links).
Erstlichen wissen sich alle Purger vnd vnderthonnen zweiffelß
frei zu berichten was Inuenn durch weillundt den woUgebornnen
herrn Hainrichen herrn von Starhemberg .... Meinen lieben
herrn vnd Vattern Selliger Gedechtnuß Inn dem Aintausent
fünff hundert fünff vndt Sechczigister (so) Gehaltnen Ehehoff (so)
Tätting vermelt vnd fürgehalten, hernach auch ain (1. am) tag
Georgi Anno drei und Sibenczigisten durch sonnderbare Instruc-
tionen meinen Richter zu Helbmansedt zuuerrichten auferlegt vnd
beuekhen (so) worden wellihe Meines lieben herrn Vattern Ge-
thonne vermelt vnnd Ordnung hiemit nit aufgebebt sunder
vilmer mit hernach vollgunten Articln confirmiert vnd von neuem
bestätt sein solle' etc.
14". ,Zu Vrkhundt Guetter Nachrichtung So gib ich
Jeczigen vnd Khunftigen meinem Richter zu Helbmansedt diso
Instruction die ich mit aigner Hanndt vnnterschriben vnnd
meinem fürgestellten Petschafft verferttigt. Beschechen den
Aiulifften January Anno Ain Tauseudt fünffhundert vierundt-
neunczigisten Jahrs.'
14'' und 15" steht eine Weisung über ,büi'gerlichen Gewerb
vnd Handtierung'.
\b^. jHernach vollgt mein herrn Reicharten herrn von
Starhemberg auf Wiltperg Riedegg vnd lobenstain Mondat die
Wochen märckht vnd fuerkhauff breffennt' [so).
\&. ,Geben zu Wiltperg denn Ainlifftcn Januarj Anno 1594.'
Hierauf folgen Zusätze von jüngerer Hand auf IG'', 17% 18".
B. Pap. 1624. 22 beschr. Bll. 4^ im Fürstl. Starhembergi-
schen Archiv zu Eferding. Fach 43, N. 2.
Bl. 1". ,Des marckht Hellmansedt Eehafft Täding'.
17*
260 Lambel.
2^ • ,Zue Vermerckhen des wollgeborneu herrn herrn
Pärdlme Von Starhemberg vnsers gnedigen herrn freihaithen
vnd markhts gerechtikhaitn des markht zue helmansedt so im
Ehafftdäting welch Alweg aines Jeden Jars des mandag vnd
mitwohen nah Sant Erharts dag gehalden vnd zue reht Er-
khandt werden, die Anheind Sambstags nah dem neuen Jars
dag des Xxxiiij Jar auß denn Alden freihalten der (so) dattum
der wenigem Jar Zall Cristj im Lxxxj Jar von neuem Abge-
schriben worden/
17^. ,Die herrn fodruug betre/.
18^ ,Das gejait vnnd wiltbom des Roth vnd Schwarczn
gewilt auh waß in geringen neczen so man Reißgejait nennt
zefahen vnd diser herschaflft Wiltberg zuegehorig ist vnd Reht-
lich nah gewonhaith hern frejhaiden gejagt werden Soll vnd
mag, auch wie weith vnd lang Solhes werde anfahent vnd
Endete, wierth hernah vnderschiedlich begriffen vnd angezaigt^
20". ,Hernach volgt das gemerkht des laudgrichts zue
der herschafft Wiltberg.'
Unten: ,hernach Voigt wie Stokh vnd galgen geseczt wer-
den solle.'
11. Klani, s. oben 8. 243, 244.
12. Kurzen Zwettl.
Pap. 17. Jahrh. 18 beschr. BU. 4", im Fürstl. Starhem-
bergischen Archiv zu Eferding, Fach 43, N. 6.
Bl. r. ,Des Marckhts in der kürtzen Zwedtl Ehafft
Tading.'
2% , Vermerckht Die Rechten Des Marckhts In, der kürtzen
Zwedl vnnd Der Hausgenossen deß Ambts vndt Herschafft
Lobenstain Inn Ehafft Tading Alhie erkhandt vnnd gesetz sindt
wordten.'
14*. ,Aller Wilt Pann Rotten vnnd Schwartzen gewilteß
sambt andern khlainen Wiltgefengen vnnd Reittsgeiadten etc.'
l7^ ,Hernach Voigt Das Gemerkht des Landt Gerichts
zu der Herrschafft Lobmstain.'
Weiter unten: , hernach Voigt wie Stokh vnnd galgen
gesetz werden soll.'
13. Lassherg.
Im Marktprotocoll von 1732, Pap. lol. S. 592—021, in
der Marktladc zu l^assberg.
Weisthümer-Forschungon in Ober-Oesterreich. 261
S. 592: jVermerckht die Rechten viid l'^lu^haHt Täding-,
so man Jälirlichen als von alter herckliomen holt zu Der obrig--
ckhait zum Weinberg alhie zum Marckht Lasperg Darein Das
ambt Dornach kömbt Wie volgt' etc.
S. 615: jVermörckht tätliche gar hochnotwendtige vnd
vnuermeydliche Puncten, welche In allen der herrschafft Ehehafft
Tädingen zum Beschlus den vndterthannen fürzuhalten vnd die
Richter, ambtleuth, ansager vnd Lanndtrichter Irfleissiges Obacht
darauf zu haben auch khains zuuerschonen oder was zu uer-
schweigen ganz Ernstlich angemahnt werden sollen.'
S. 621 : jDal:^ sein alle vnsere Recht vnd von alter also
herckhommen.'
14. Maiithauseii.
A. Perg. 1552. 6 Bll. fol., im Marktarcliiv zu Mauthausen.
Bl. 1\ ,Mathausen Markht Ordnung.'
Bl. 3''. .Nachdem auch die obbemelt vnnser Burgerschaft
zu Mäthausen ains yeden Jars das Pantäding dreimal besitzen,
Nämblichen das Erst am Montag nach vnnser frauen tag der
Liechtmessen. Das aunder am Montag nach sannt Johanns
Gottes Tauffers tag. Das dritt des Montags nach sannt Michels
tag. Zu wölhem Rechtn Sy die burgerschafft Ir Burkhrecht
zuerlegen schuldig seinn. Lassen wir es demnach bei sölhem
Irem herkhumben nochmaln gnedigisst bleiben, Doch das Sy
in sölhem Irem Pantäding nichts annders riegen noch handln
als was hieoben begriffen vnnd diso vnser Ordnung wie her-
nach uolgt mit sich bringt.
Nämblichen wer Äckher hat' etc.
B. Perg. 1.552, 10 beschr. Bl. fol., wie oben.
Bl. 1". ,Der von mauthausen Markhtordnung.'
Auf k. Befehl für Mauthausen und Wolf Egkhennfelder,
Pfandinhaber der Aemter Ungelt und Landgerichts zu Maut-
hausen, gefertigte collationirte Abschrift, d. d. ,Lynntz den 22.
tag des Monats Julj Im 1552. Jare', mit anh. Siegeln.
C. Bl. 50"— 73*' einer Pap. Hs. 17. Jahrh. fol. w. o.
Bl. 50"— 69" enthcält die ,Mauthausensche Markht Ordnung
vnd Freyhaiten' wie A und B.
Bl. 70" — 73'' folgen 13 weitere Punkte: (70") ,Hie Ist Ver-
merckht was wier Freyen von Alter gedenckhen des Gerichts
zu 'Mautthausen Rechten vnnd Zuegehörung vnnd vnnser Richter,
262
L am bei.
die wür Freyen haben in demselben gericht vnnd von Alter
herkhumen sein.^
15. Mülilbach.
A. Pap. 17. Jahrb. 4 Bll. 4". im Fürstl. Starhembergi-
schen Archiv zu Eferding, Fach 45, N. 4.
Bl. 1". ,Panu Biechl Im Hochgräffl. Starhemberg. Obrist
Hoffmarschallischen Ambt Mühlpach In Vnder Ossterreich Iner-
halb SPitz.
Hie sint Vermörckht Vnßere Recht auf dem Gueth im
Mühlpach/
Bl. 4" stehen von derselben Hand, die das ,Pann Biechl'
schrieb, also offenbar aus dem Original herübergenommen, zwei
Notizen über Abhaltung von Ehafttaidingen am 5. October 1599
und 20. October 1622.
B. Pap. 18. Jahrb., 10 beschr. Bll. fol. w. o.
Bl. V ,Ehafftes Tädings Büechel.'
Bl. 2*. ,Ehaffte-Tädings Puncten Welche denen Hochgräfl.
Starhembergisch- Vnd nach der Herrschafft Wildberg gehörigen
Vnterthannen in Mühlgraben bey SPiz in dem Ehehafft täding,
wie vnnd was sich ein Jeder zuuerhalten hat, alljährl. abzu-
legen vnnd vorzuhalten seynd. Wie Voigt' etc.
Von A verschieden.
16. Meiifelden.
Pap. 1705, 10 Bll. fol. imStatthalterei-ArchivzuLinzXXXI.
Collationirte Abschrift (d. d. 22. September 1705) nach einem
Vidimus d. d. 7. Jänner 1689.
Bl. 1* — 2* bestätigt und renovirt K. Ferdinand II. dem
Richter, Rath und der Gemeinde von N. auf ihre Mittheilung
,wie das noch vor etlich Jahren durch Feuersbrunst vmb ihre
vralte in yeblichen brauch gehabte Privilegien vnd Freiheiten
khomben' und ihrer Bitte entsprechend diese Freiheiten.
,Hernach folgen die Freiheits Puncten.'
Bl. 3^ ,Zum Vierten seind auch alle Burger vnd Inleith
wie auch sonst maniglich so dem g'hrts Stab in Neufelden vnder-
worffen ainen Richter oder in abwesenheit dessen dem an- oder
nachge (.3'') sezten Richter in allen Recht vnd billichen Sachen
gehorsamb zu laisten vnd gewärttig zu sein schuldig vnd ver-
bunden, dahcro auch Jährlich zu Ehehaffts zeiten die Märckht-
liche befreyungen vor ainer ganzen Burgerschafft vnd gemain
Weistbttmer-Forschungen iu Ober-Oesterreich. 203
otFeutlicli verlesen vnd piiblicicrt, wehr daii hiervber vnge-
horsamb erfunden wurde oder gahr auübleilju, derselbe seinem
verbrechen nach destwegen gestrafft oder gebüest werden sollet
Bl. 9" und 9'^ steht die Datirung des Briefes ,Wien, II. De-
cember 1631^
17. Neukircheii am W.alde.
Abschrift J. Strnadts nach ,B1. 1—3 des mit Eisenklamniern
zum Sperren versehenen I. Bandes des Marktbuches von N.
am W., welcher die Urkunden vom Jahre 1485 an enthält.^
,Vermerkht die Statut vnd gebrauch von Alter her (Ips '
löblichen Markts Nownkirchen In disem Buech verschriben Zu
der herschafft wesenn zue gehörig, ^
Erstlich werdt der purg fridt' etc.
18. Neumarkt (im Hausruckviertel).
Pap. 15/16. Jahrb., 7 beschr. Bll. 4", in der Gemeindc-
lade zu N. (vgl. oben S. 248 ).
Der Anfang fehlt. Bl. l'': ,der Ayner oder mer nit hielten^ etc.
7". , Richter vnnd ratt setzt man Indem erhafftu (so)
tading zw sannd Jörgen Tag: wan ain richter nicht lennger pe-
leyben will oder seyn nit haben will, So hatt dy gemain ain
auß dem ratt zw nemen vnnd der ratt ayn auß der gemayn
vnnd dy selben zwen mit sambt dem alten richter gein hoff
schickhen vnnd welichen dy herschafft vnnder den dreyen nymbt.^
19. Neumarkt (im Mühlkreise).
Auf Bl. 33"— 44*. einer Pap. Hs. 4"., in der Gemeiudelade
zu N., von einer Hand des 17. Jahrh.
Bl. 33". ,Vermei'ckht Die gerechtigkheitt die Von Alter
Herkhumben ist Inn Vnsern Marckht zum Neumarckht zuege-
hörig zu der Herrschafft Freystatt genanndt.
Erstlichen haben wüer die Gerechtigklieitt dz ain Jeder
Richter, der tlaß Gericht Innhat, soll alle Jahr Jährlich daß
Eehafftädiug Beseczen Anschaden sein' etc.
Bl. 43". ,Vermerckht Wie Wcidt vnnser Burgfrüdt geett
vnnd von alter zum Neumarckht gebraucht ist.'
44". ,Daß sein All vuser Rechten die Von Alter her-
khumben vnd Gebraucht sein, Bitten hierauf Vnnser füergesetzte
' Strnadt setzt das , Statut' c. 1519: Am 2(i. Dec. 1.518 erhob K. Maximilian
die frühere Hofmarch Neukirchen am W. zu einem Markt; vgl. -27. Kecheu-
schafts-Bericht des Museums Franc. Carol. S. 419. 42U.
264 Lambel.
Obrigkheitt Vnderthenigkhliclien Vnnß bei solcher Alter Ge-
rechtig-kheitt Handt zuhalten/
20. Perg.
A. Pap. 16. Jahrh., 19 beschr. Bll. 4". im Marktarehiv
zu Perg.
Bl. 1". ,Das ist daß Marckht puech darin seinew Rechten
des Marckhts zu Perg begriflfen synnd/
2*. ,Vermerckht das (so) Marchhts rechten zu Perg vnd
auch der Burger daselbs.
Von Erst So mellden wier das wier vnser pandoding drey
mall in dem jar haben^ etc.
15*. ,Hie sind vermerckht die wanndel nach aineß yetz-
lichs Verhandlung aufF Genad.'
B. Perg. 1660, 14 Bll. 4*'., voraus 2 Bll. Pap., auf dem
2. der Titel wie in A. Bei der geh. Hofcanzlei in Wien col-
lationirte Abschrift (d. d. Wien, 7. Nov. 1660) enthält ausser
dem Inhalt von A noch die Formeln des Beisitzer- und Rath-
geber-Eides (mit d. Jahrzahl 1512) und dessen Erklärung, des
gemeinen Bürgereides und des kurzen Eides. Mit kais. ,Secret-
InsigP. Im Marktarchiv zu Perg.
21. Reger.
Auf Bl. 5^—10" des ,VRBARIVM Vber Beede Kay.
Vicedomb. Reeger Vnd Weissenburger Ambter^, Pap. 17. Jahrh.,
im Statthalterei-Archiv zu Linz, XLIX.
5\ ,Ehehafft-Thättung.
Würd Jährlich am Mitwoch nach St. Egidij zu Oberreger
am Hoff nach einer vorher den Vhralten herkhomben gemefß
gehaltenen Meß wouon dem Pfarrer 1 fl. 4 ß, dem Mefßner
4 ß vnd den Minißtranten 2 ß außgeworffen ist negst denen
sonst darbey yeblichen gebreuchen öffentlich abgelesen, aller-
massen hernachuolgent zuuernemben, auch die Schranen dienst,
daß dancz vnd Zapffenrecht, Item der Bstandt von Fahln vnd
Pögenrechten daselbst an der stöll Bezalt vnd ein Cafsirt'
5''. ,Vermörckht die Freyheiten vnd Frag auch Vrthail
der Reegerischen aigen, so Jahrlich am Mittwochen nach Egidi
in rechten gehalten vnd den Vnderthanen in offner Schranen
durch den Reegerischen Ambtmann Bey dem Gottshauß St. Veith
zu Ober Reeger verlesen werden wie volgt' etc.
WeiBthümer-ForBchungen in Ober-Oesterreich. 265
10*. ,Deß zu Vrkhundt ist diso abschrifft in dem (10*)
Vhralteii Original collationirt vnd gleiches Inhalts erfundten
auch mit dem gewohnlichen Vicedomb Ambts Secret verfcrt-
tiget vnd von handton vnderschriben wordtcn. Actum Kay.
Vicedomb Ambt Lincz den acht vnd zwainzigisten Januarj im
Sechzechen Hundert vier vnd dreissigisten Jahr.'
(L.S.) Constantin Grundman von Falckhenberg,
Rom. Kay. May. Hoff Camerrath Landrath vnd Vicedomb
in Ossterreich ob der Ennß.'
22. Reichenali.
A. Pap. 1628, 14 Bll. 4"., im Fürstl. vStarherabergischen
Archiv zu Eferding, Fach 38, Fase. 1, Nr. 9. (Vgl. S. 247.)
Bl. 1% ,Die Freihaith DerFessten Reichenaw.' Rechts in der
Mitte: ,Eberhardt Marschalc(h) Hanndtschrüfft Anno 1495.'
V. Bestätigung des Gleichlauts mit dem Original ,Actum
Linz, den 15. Decemb. 1628'.
2^ ,Ihesus Maria. Ich Eberhardt Marschalch zu Reichenaw
Als der Elter meiner Gebrüder Georgen' etc.
B. Pap. 1661, 1 Bl. fol. w. o., N. 75 (vgl. Sitzungsber.
LX, S. 560).
,Extract auß Ihro Hochgräffl. Excell. Herrn Herrn Heinrich
Wilhelmb deß Heil. Rom. Reichs Grafen vnnd Herrn von
Starhemberg etc. dero aigenthumblichen Marckhts Reichenau
sambentlich sefßhafften Burgerschafft sub Dato Herrschafft
Reichenau den leczten Decembris Anno 1644 de nouo crthailten
auch aigenhändig vnderschribenen vnnd mit dem gröfßeren In-
sigel verförttigten Täding Büechl.
Dann so mögen die Burger nach altem herkhommen ein
ieder in dem Markht Wein vnnd Bier Schcnckhen, Bierprewen
vnnd alle händl auf allerley Khauffmanschafft treiben, wie immer
in ainer Statt oder in ainem andern Pan Marckht etc.
Collationirt gegen dem Original vnnd belindet sich gleichs
Inhalts Actum Reichenau den 4'®° Nouemb. Anno 1661.
Zacha. Carl Rapp m. p., Pfl.'
C. Pap. 18. Jahrb., 16 Bll. fol. w. o., Fach 41, I, N. 21.
Bl, 1\ jEhehafft Tädings Puncten. AVelche der hochgraf.
Starhembergischen herrschafft Reichenau etc. (von späterer
Hand corrigirt in ,Wiltberg') angehörigcn vnderthannen in dem
266 Lambel.
p]liehafft Täding, wie vnd was sich ein ieder zuuerhalten , ab-
zulesen vnd für zuhalten seind wie folgt/
Das Taiding endet Bl. 15^ Bl. 16*^ enthält 6 Namen der
jSchran vnd beysizer/
23. Schörfling.
Pap. 1781; 11 Bll. fol. in der Marktlade zu Seh.
Bl. V. ,Hienacli ist vermerckht die Abgeschrüfft oder
Copie der Freyheit des Marckht zu SchörfFling' etc.
Weiter unten: , Vermerckht die EhafFtn täding des M'ckhts
zu Schörffling, wann dieselben gehalten solln werden.'
Bl. 10''. ,Das Markhts Buech ist geschrieben worden mit
seinen (IT*) articuln, wie öie dan hie Inen begriffen sein, auf
Piingstag vor St. Niclastag, als man zeit von Cristi Vnßers
Lieben herrn gebürt vierzechen hundert vnd darnach in dem
Neun vnd Neünzigisten Jahre.'
Dieses Exemplar ist Abschrift nach einem ,bey der kayl.
königl. Böhmisch- und Oesterreichischen Hof- Kanzley Registra-
tur aufbewahrten authentico', das nach einer dieser unmittelbar
(Bl. IV) vorhergehenden Collationsnotiz, d. d. Linz, 7. May 1713,
gegen dem in alter Schrifft vorgebrachten pargamen gebundtenen
Buech' collationirt war (vgl. oben S. 251).
B. Pap. 19. Jahrh. w. o., gleichlautend mit A.
24. Spitz.
Pap. 17. Jahrh. 10 Bll. 4". im Fürstl. Starhembergischen
Archiv zu Eferding, Fach 44, N. 1.
Bl. 1. Georg Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Ober-
und Nieder-Baiern bekennt, dass die Bürger von Spitz ihn um
Bestätigung ihrer Freiheiten gebeten ,vnndt nach genuegsamber
Erkhundung so Wier aus unsern alten Salpiechern Registern
auch Ambtleithen , alten Herkhömen vnnd lebendigen (2") Kundt-
schafften genohmben Haben, so sindt dos die gemerckh Ober-
khait vnnd Grenitz des bemelten vnsern Landtgerichts' etc.
2^. ,So folgen Hernach die Recht die dy bemelten vnser
Burger zu SPitz von alter Her als Vorsteht bey Vergangner
Herschafft von Payrn etc. auch den von Khünring vnnd Meyfßau
gehabt vnndt herbracht haben.'
4''., 8. Es soll auch Jedermann wer in der Herrschafft zu
SPitz sitzt wes Holdt er dan ist dreystund in dem Jahr zu
Weisthümer-Forscliuugen in Ober-Oesterreich. 2d7
Ehehafften Tcythung Komen vnnd soll i^ieldcn wos er weiß
dz dz gericht angehet' etc.
9^— 10'". Bestätigung der vorstehenden alten ,Rccht unnd
Herkhomen' mit dem Datum : Wien am Frey tag nach St. Vrbans
Tag 1480.
25. Trauiikirchen. '
A. Pap. 17. Jahrh. 10 Bll. fol. im Besitze des Herrn
Anton Bettelheim in Wien.
Titel aussen : ,Weiß Articul Ad perpetuam Rei Memoriam
Johann Ziglmiller der Societet JESV Priestor vnd Superioris
zu Traunkirchen Contra Weilland herrn herrn Georg Sigmundt
Grafen vnd herrnß von Salburg seel. gelafRenc herrn Erben etc.
In causa StüfFts Traunkirchen Gmainschafft Wiltpaan Reiß-
geiaidt vischen vnd gerechtigkeit am Traun See mit GrafschafFt
Orth vnd waß deme mehreres anhängig betr.'
Bl. V. ,Weiß Articul Ad perpetuam Rei Memoriam.
Erstlich wahr das Traunkirchen mit GrafschafFt Orth an ienigen
orthen so iahrlich im Traunkirch. Ehehafft Thätting abgeleßen
in allen fündten Gründten vnd heußern Ob vnd vndter der
Erdt durchgehendt völlige Gmainschafft habe wie zween finger
von ainander gehen.'
B. Pap. 17. Jahrh. 4 Bll. fol. w. o.
Titel aussen : ^Weiß Articul ad perpetuam Rei Memoriam
des StüfFts Traunkirchen GemainschafFt Wiltpaan Reißgciaidt
vischen vnd gerechtigkeit am Traun-See vnd waß deme an-
hänig (so) mit GrafschafFt Orth betr.'
r. jWeiß Articul Ad perpetuam Rei Memoriam. Erstlich
wahr daß Traunkirchen mit GrafschafFt Orth etc. au Jenigen
Orthen so in Ehehafft Thättung Jährlich abgelesen wordten vnd von
vnderschiedlich alten Leuthen vor villen Jahren also gehörth auch
noch vor wenig Jahren ohnuerhindert exerciert wordten vralters
hero in allen Sachen durchgehent die Gmainschafft habe : hierinen
nach belieben durch Traunkirch. vnderthannen graset: holcz
1 Im Statthalterei-Archiv zu Linz wird eine Abschrift der Freiheiten des
Gotteshauses Traunkirchen von 1449 aufbewahrt, aus der ich folpiende
Stelle aushob: ,Er (der Vogt oder Verweser) soll auch zu den rantaidiugeri
die die Abbtessin mit Ihren Leuthen drej Stundt Im Jar pfleget zu haben
nicht khomen, Er werdt dann sonderlich von Ihn darzue gebetten vnd
gefordert: so soll Er dann khommen.'
268 Lambel.
abgeliacgkht: im Sigcrspacli viech außgetriben wordten und waß
sonst gemeltes Eheliafft Thättung vermöge, Traunkirchen mit
Orth in allen fündten Grründten vnd Heußern in gleicher be-
rechtigung vnd Gmainschafft seye wie zween Finger von ein-
ander gehen/ Folgen die Zeugen dieses ,Weiß ArticuP.
26. Vöklamarkt.
Perg. 1489, 47 Bll. 4" in der Gemeindelade zu V.
Bl. 1\ Copie der von K. Friedrich 26. Jänner 1489 er-
theilten Freiheit.
2* — 2^. ^Hienach volgt der purckfridt des veclamarcks' etc.
2''. jVermerckt die Ehaftn tayding des vecklamarcks zw was
zeittn die gehalttn sulln werden als hernach geschriben stett^ etc. etc .
47". ,Das marcktpuech ist geschribii wordn mit seinen
artickeln wie sy dan hie Inn begriffen sein auff montag vor
vnser lieben fraue tag der liechtmeßn als man zalt von Cristi
vnsers liebenn h'rn geburd vierzehenhundert vnd dornach Im
Newnvndachzigisten Jare.'
27. Waidersfeldeii.
Perg. 1733, 4 Bll. (das letzte unbeschrieben) fol. in der
Marktlade zu W.
Bl. 1\ Johann Georg Freiherr von Hoheneck bekennt,
nachdem er ,Vnlängst die beeden Ambter Waidesfelden und
Stampf Eckh an mich erkaufft und Meiner Herrschafft Schlissl-
berg incorporiert habe; vndter welchen Ambtern auch der Be-
freyte Marckt Waydersfelden Begriffen, Bey Selben Marckt
aber ainige Bürgerliche Ordnung oder Marckt Buech Bishero
Niemahlen verbanden noch vorhin aufgericht gewesen
Also habe ich alß dermahliger Rechtmässiger Erb und grund-
herr Ersagtes Marckts Waydersfelden vor mich Mein Erben
und nach Komben Ersagt meinen vndterthannen vnd Samment-
llcher Burgerschafft gedacht Meines Marckts hernach folgendte
gnadt Freyheit und Ordnung gegeben^ etc.
Mit Unterschrift und Siegel.
28. Wartenbiirg (vgl. Notizenblatt 1854, S. 484 — 496).
Abschrift von Friedrich Koch in Gmunden, s. oben S. 250.
,Neue Abschrift von dem uralten Thätingbttchl bei der
löblichen Landesgerichtsherrschafft Wartenburg wie man solches
auf denen haltenden ehehaft Thäting oder Schrannenrechten
zu Timmelkam öffentlich zu verlesen pfleget.
Weisthümer-Forschungen in Ober-Oesterreich. 269
Folgt, wie man das Ehehaft Thäting zu halten
pfleget. (NB. S. 487, Fol. 18".) ^
Erstlich muß der über das Atzbacher- und Schwanenstädter
Amt bestellte Amtmann die Landgerichtsschrannen auf den Platz
zwischen dem Gerstopler Praun und Hafnerhaus unweit des
Prangers im Markt Timmelkam aufrichten.
Item dieweilen das Ottnanger- und Deülbrunner Amt
durch Abwegnehmung vieler Untertanen merklich geringert,
hingegen aber das Haizinger- und Schleiuzer Amt dafür herzu-
gebraclit worden : also muß der AmtsschafFner des Haizinger
Amtes einen weiß aufgeputzten Stab zur Stelle bringen und
auf den Tisch legen, deme (so) der Richter wie hernach folgt,
in die Hand nehmen muß.
Der Amtmann des Schleinzeramtes ruft auf offenem Platz
im Markt Timmelkam^ u. s. w. wie im NB. a. a. O.
,Landrichters erste Frag': (NB. S. 488, fol. 19").
,Ihro hochgräfliche Excellenz etc. etc. Meines gnädig und
hochgebietenden Grafen und Herrn Herrn etc. etc. des hoch-
geboren Grafen und Herrn Herrn Johann Albrecht Herrns
von St. Julian des heil. Römischen Reiches Grafen von und
zu Wallsee Herrn derer Herrschaften Wartenburg, Oberperckham
und Ainwalding etc. etc. dero Rom. Kays, und Königl. Majestät
wirklich geheimen Rat und Obersten Falkeumeister etc. etc.
verordneter und bestellter Reichssprecher vnd Johann Paul
Geißlitzer von Wittweng, Ich frage hiemit' etc.
Die Antworten des Rechtsprechers fehlen, ebenso die Be-
stimmung Umb Freyung (NB. 489).
,Vom Beherbergen' (NB. 489, Fol. 24): ,und da er
nicht waiss — verfallen' fehlt.
,Wo ein Müllner seinen Zeug bessern soll' (NB. 491).
Die fragliche Stelle lautet in Koch's Abschrift: ,innerhalb
der Räder und wieder in das Akmader' lassen,
daß die Brut der Fische nicht verderbe'. Hierauf
folgen zwei im NB. fehlende Bestimmungen.
,W e n n einer dem andern Neuerung macht.'
Wenn einer über den andern Neuerung macht, es wären
Weg oder was es ist, und wären von Alter nicht gewesen und wo
' Ob so, oder Aknacler, steht, ist in Koch's Abschrift nicht deutlich.
270 Laml)6l.
solches mit Bschau erfunden und erweist wurde, soviel daß wahr,
Süll ein Landrichter nach Aussag der Alter (so) hinwider legen
zu Wegen und Stegen, und wer die Neuerung und Frevel ge-
macht hat dem Richter 60 und 5 fi aS zu Wandel verfallen.
Ein jeder Edler und Unedler
Ein jeder der im Herrschaft Wartenburg. Gericht hat (so),
es seien Prälaten, Edler oder Unedler, sollen die Schraunen
besuchen alle ehehafte Thättigung und sollen auch ihre Amt-
leut dabei erscheinen, thäten sie aber das nicht und wann eine
Klag über solche ihre Leut vorkäme, die möchten fürohin
nicht mehr ihre Leut aus der Schrannen ziehen'.
Nach der Bestimmung Georgi Wässerung (NB. 49 1 ,
Fol. 30) folgen in Koch's Abschrift wieder zwei, die NB. fehlten.
,Am St. Georgitag Jag-en.
W^eilen an solchem Tag das Jagen in denen Feldern und
andern Orten ein strafmäüiger Mißbrauch und purer Aber-
glauben ist, womit dann nicht allein die Wildpahns obrigkeit
sondern auch sogar Gott selbst beleidigt werde, Also solle sich
keiner bei Verhütung grossen Unglücks und obrigkeitliche Straff
dessen nicht mehi' unterfangen ; ' auch jeder seine Paar (1. Haar)
Rasten wohl eingezäunter erhalten, damit sowohl das Wild als
Mensch und Vieh vor dem Ertrinken sicher sein ; Im Fall sich
aber dergleichen Unglück ereignete, solle derjenige, deme der-
gleichen Haarrästzeug zugehörig nicht nur den Schaden zu er-
setzen schuldig sein sondern auch wegen den gegen der Obrig-
keit zu erzeugenden Ungehorsam bestraffet werden.
R a u c h f a n g s ä u b e r n und H a a r d ö r r e n betreffend.
Es ist auch durch vielseitige frische Exempel vorhin genug-
sam wissend, daß nicht allein durch die ungesäuberten Rauch-
fänge oder schlechten Feuerstätten sondern auch mit den Haar-
dörren in ihren Häusern solche Unglück entstanden , womit
ganze Häuser und Dörfer bis auf den Grund verbrunueu und sogar
die Leut selber ihr Leben eingebüßt, als soll sich ein jeder
1 Was von hier an nnter dieser Bestimmung folgt, hat mit dem Jagen am
St. Georgitag kaum noch durch die Erwähnung des Wildes einen
schwachen Zusammenhang. Wahrscheinlich als Naclitrag etwa zur folgen-
den Bestinnnung an den Rand einer älteren Handschrift geschrieben^
verdankt es seinen jetzigen Platz dem Versehen eines Abschreibers.
Weisthümer-Forschungen in Ober-Üosterreich. 271
hüten, und bei welchen ein unsauberer Rauchfang erfunden
würde, derselbe soll in die schärfeste Straf Verfallen sein/
Die Bestimmung V o n Ross Tauschen (NB. 491) fehlt
dageg-en in Koch's Abschrift, ebenso die Antwort des Reclit-
sprechers, NB. 492, Fol. 32, auf die Frage des Landrichters.
Es folgt gleich : , Landrichter muß nach gethanen umfragen aus
dem Urbarium die Hofmarch und den hei-rschaftl. Warttenburg.
Landgerichtgezirk öffentlich verlesend Die March (NB. 492. 493)
fehlt, ebenso wieder die Antwort des Rechtsprechers (NB. 493).
Mit dem Absatz ,Der Amtsschaffner (Ambtman NB.) — besetzt
sei' (NB. 493) schliesst das Taidingsbuch in Kochs Abschrift.
29. Wesenurfahr (vgl. Sitzuugsber. LX, 562).
Abschrift Jul. Strnadts ,Aus der Bestätigung des K. Leo-
pold L, d, d. Laxenburg, 30. Mai 1()79. Orig. Perg. mit Hänge-
siegeln in Holzkapsel in der Marktlade zu W.'
Kaiser Rudolph IL bestätigt s. d. Wien, 15. December. 1582
die Ordnung und das Marktrecht von Wesenurfahr, nachdem
Richter und Gemeinde ihm berichtet, , Weichermassen sie Zwayer-
lay vnderschiedlichen Obrigkheiten vnderworffen ', vnd alß sich
vor Zeiten zwischen ihnen allerlay Stritt und Irrung begeben,
hetten sie sich vnlängst Zu Verhiettung allerlay vneinigkheit
und erhaltung guetes fridcns auch ordentlicher guter PoUiccy
mit Vorwißen ihrer Grund Obrigkheiten einer bestendigeu
Ordnung verglichen, welche von worth zu worth also lauthet:
Zum Ersten Nachdem bißhero der Gebrauch gehalten
worden' etc.
30. Wiudhag.
A. Pap. 1577, 13 BU. 4". im Fürstl. Starhembergischen
Archiv zu Eferding, Fach 39, Waldämter, Nr. 6.
Bl. 1\ ,1577 Jarr Ambt Windthag Pannthäding puech.'
Die untere Hälfte des Blattes abgerissen.
2\ ,Die An der Schran Sützen': 12 Namen.
,Item Vischen mit den Liechten Bey der nacht ist Ainem
Jedigclichen verpodten pey dem Vall dem lierrn 72 ^ Vnnd dem
Richter 12 ^.'
9=^ schliessen die 41 urprünglichon Bestimmungen: ,Auch wo
Ainer war der mit khuertzer wör oder pixen in ein wierthshauß
1 den Herrschaften Wesen und Pührnstein ; vgl. 27 Ber. d. Mus. Frauc-
Car. S. 376.
272 Lambel.
gieng, so sol er dem wierth dieselbig zuestellen, wouer Aber
Ainer vngehorsamb erfundten, sol dem Herrn verfallen sein 72 ^
Vnd dem Richter 12 ^/
Bl. 10 — 13 ist später angebunden und enthält von einer
Hand des 17. Jahrh. 12 Nachtragsbestimmungen.
10\ jltem Nachdem sich auch der Mafß vnd Mezens
halber' etc.
12''. jlttem welcher vnderthon in besetzter Schi-an sich
verclagen lest;, mueß derselb nit Allain bei Scheineter Son be-
zallen, Sonndern ist auch der obrigkhait in der Straff, da Er
aber nit zu bezallen hete, soll Tme die Entrichtung wie sonsten
vnder diser obrigkhait gebreichich auferlegt werden.'
B. Pap. 1646, 16 Bll. 4". w. o. N. 25.
Bl. r. ,Ambt Windthag Pannthätting Puech Anno 1577.'
Bl. 2* enthält dieselben Namen derer ,Die an der Schran
Sützen' wie in A.
Hierauf folgen auf Bl. 2^ — 7* zunächst 38 von den alten
41 Bestimmungen aus A:
2". jErstlichen ist ietwedern wer der sey auf der Molcz-
schen vnnd andern der Herrschafft gehörigen Wassern bey
Hocher Leib vnd guets Straff zue vischen verbotten.'
6'' und T unter N. 38 die 41. Bestimmung aus A: ,Auch
wo ainer wahr — dem Richter 12 ^.'
Bl. 7"— 9" enthält s. N. 39-50 die zwölf Nachtragbestim-
mungen aus A, welchen auf 9^ — lO"" vier weitere §§ folgen.
lO"". jBeschechen Lincz den zwainczigisten October diß
Sechzechenhundert Sechs vnd vierigisten (so) Jahr'.
Mit Unterschrift Heinrich Wilhelms von St. und rothem
aufgedrückten Siegel.
Bl. 11" — 15'' folgen Verzeichnisse der in mehreren Pan-
taidingen (1648 — 1674) in den Aemtern Windhag und Lichtenau
gesetzten Amtspersonen.
31. Zell (im Achlande).
Pap. 17. Jahrh., 10 Bll. fol. im Statthaltereiarchiv zu
Linz LXII.
Bl. 1" — 1''. Johannes, Administrator des Stiftes Regens,
Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Baiern, bestätigt dem Richter,
Rath, der Gemeinde und dem ganzen Urbar zu Zell im Ach-
lande ,1er freyhait gerechtigkhait loblich alts herkhumcn vnnd
Woistliümer-Forsclmngen in Ober-Oestorreich. 273
gewonhait, wie sie dann die erlannt^t, dami^ ])0^nadet gefreit
vnnd der wie nachiiolgt Jnn ruehig-cn Innhaben vnud gebrauch
gewesen sein, Närablich vnnd von Erst So haben sy ain pau-
markht' etc.
3\ ,Innen soll auch (3") ain Richter drey ehehafFt Tading
besitzen Alle Jahr, ainß zw Sanndt Georgen, das ander zw
Sanndt Michaelistag vnnd das dritt zw Liechtmessen, Denn
Urbarem ain Panthading auch zw Liechtmessen : in denn vier
Tadigen sollen alle lere Recht vor vnnd hernach begriffen
geöffent werden/
10% ,Geben zw Regenspurg auf Eritag nach Sanndt Veyts-
tag vnnd Cristi vnnsers lieben heiTn geburdt Im Funffzchen-
hundert vier und dreifßigisten Jar/
Sitzl). d. pliil.-hist. Ol. LXIX. P.a. III. Htt. 18
274
XXVIII. SITZUNG VOM 13. DECEMBER 1871
Das w. M. Herr Prof. Dr. Julius F ick er in Innsbruck
sendet eine Abhandlung : ,Ueber die Datirung einiger Urkunden
Kaiser Friedrichs IL'
An Druckschriften wurde vorgelegt:
Basel, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1870/71.
i" und 8".
B e r e n d t , C. Hermann, Analytical Alphabet for the Mexican and Central Ame-
rican Languages. New York, 1869; 8".
Breslau, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre
1870/71. 4f und 8". v
Commission Imperiale Archeologique de St. Petersbourg: Compte-rendu pour
l'annee 1868. St. Petersbom-g, 1869; 4". (Avec un Atlas in Folio.)
Gesellschaft, geographische, in Wien: Mittheilungen. N. F. 4. 1871. Nr. 11.
Wien; 8«.
— der Wissenschaften, K. Sächsische, zu Leipzig: Abhandlungen der philol.-
histor. Classe, V. Band, Nr. 6 — 7 (1870). Abhandlungen der mathem.-phys.
Classe, IX. Band, Nr. 4— 5 (1870); 4». — Berichte der philol.-hist. Classe,
1867, I; 1868, II— III; 1869, I— III. Berichte der math.-phys. Classe,
1869, n-IV; 1870, I- II. 8«.
Halle, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahi'e 1870.
40 und 80.
Neubegründung, Die, der Strassburger Bibliothek und die Göthe-Feier am
9. August 1871. Strassbm-g, 1871; 8'\
Quatrefages, A. de, La race pnissienne. Paris, 1871; kl. 8^,
,Revue politique et litteraire', et ,La Revue scientifique de la France et de
Tetranger'. P« Annee. (2« Serie.) Nrs. 23—24. Paris et Bruxelles, 1871; 4".
Societe des Antiquaires de Picardie: Memoires in 4*^. Tome VlI*^. Paris et
Amiens, 1869; Memoires in 8^. S" Serie, Tome IL Paris et Amiens, 1868,
— Bulletins. Tome IX. (1865—1866—1867.) Paris et Amiens, 1867; 8".
— des Antiquaires du Nord: Memoires. Nouv. Serie. 1869. Copenhaguo; 8".
— Aarbii-ger. 1869, .3. & 4. Hefte & Tillaeg; 1870, 1. Hefte;. 1871, 2. &
3. Hefte. Kj^rbenhavn; 8«.
Würz bürg, Universität: Akademische Gelegenheitsscluiften aus den Jahren
1869—1871. 4" und S".
Z c i s s b e r g , Heinrich, Ueber eine Handscln-ift zur älteren Geschichte Preussens
und Livlands. Königsberg, 1871; 8^*.
Pickor. Uebov die Datiruiig einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 275
(
lieber die
Datirimg einiger Urkunden Kaiser Friedrichs IL
Von
Julius Fieker.
o .
i Jeg-en die früher allm-emeine Ansicht, dass Kaiser Fried-
rich II. seit dem Hei'bste 1237 die Alpen nie molir überschritten
habe, suchte Schirrraacher in seiner Geschichte Kaiser Friedrichs
die Annahme zu begründen, dass derselbe allerdings im Früh-
jahre 1242 noch einmal auf kurze Zeit in Deutschland gewesen
sei. Fand seine Ausführung mehrfach ausdrückliche Zustimmung,
so suchte mein Freund und College liuber die ünlialtbarkeit
derselben zu erweisen. Dem gegenüber nahm Öchirrmacher
Veranlassung, die Untersuchung nochmals aufzunehmen und
seine Ansicht zu vertheidigen. (Vgl. Forschungen zur deutschen
Geschichte 10,049 ff. und 11,337 ff.) Mir schienen die von
Huber vorgebrachten Gründe von ausschlaggebendem Gewichte
zu sein; und auch die erneuerte Beweisführung Schirrmachers
schien mir nicht genügend, meine Ansicht zu ändern. Für
diese war mir, von anderm abg-eschen, vor allem massgebend,
dass die nicht übereinstimmenden und an und für sich manchen
Bedenken unterliegenden Nachrichten der Geschichtsschreiber,
auf welche Schirrmacher siclv stützt, in dem uikundlichen Ma-
terial nicht allein keinerlei bestimmtere Unterstützung fanden,
sondern auch mit demselben nur durch sehr gewagte und un-
wahrscheinliche Annahmen in Einklang zu bringen waren. Um
so mehr war ich überrascht, als mir vor einiger Zeit mitgetheilt
wurde, dass Cardauns in der Alfterischen Sammlung auf der
18*
276 Ficker.
Stadtbibliothek zu Köln eine um jene Zeit vom Kaiser in Deutsch-
land ausgestellte Urkunde aufg-efunden habe. Die Güte meines
Freundes und Collegen Stumpf ermöglicht es mir, dieselbe nach
einer von ihm selbst aus dem Originale genommenen Abschrift
mitzutheilen :
Fridericus dei gracia Romwiorum Imperator semper augustus,
Jherusalem et Sycilie rex. Universis Christi et Romani irtiperii
fidelihus, ad quos littera jpresens devenerit, graciam suam et omne
honum. Celestis altitudo consilii in ea dignitafis collocavit nos
apice^ quod semper virtutibus intendere et circa nostros et sacri
imperii ßdeles de plenittidine nostre gracie teneamur semper agere
graciose. Pateat igit^ir et clarescat omnibvs, qiiod nos Hermanno
de Calichem militi , fideli nostro dilecto ^ facientibus devocionis
sne obsequiis in omni cultura fidei fidelissime et frequenter inpensis,
feodum decem marcarum in thelonio castri nostri We7'densis annis
singidis damns, concedimus et depntamus hereditarie possidendum
et in festo beati Martini hyemalis ab ofßciato castri nostri ibidem,
qui pro tempore fuerit, eidem ammota difficidtate qualibet assig-
nandum. In cuius facti protestationem et roboris firmitatem
presentem ei suisque heredibus litteram conscribi et imperiali
nostro sigillo fecimus comnuiniri.
Datum Wyene , xx. die novembris , indictione xi (xv7),
anno incarnationis dominice millesimo cc. xl. pjvimo.
Wäre uns diese Urkunde nur in Abschrift erhalten, so
wären gewiss die erheblichsten Bedenken gegen ihre Echtheit
vollkommen gerechtfertigt. Vor allem natürlich deshalb, weil
wir den Kaiser nach den sonstigen Nachrichten damals zu
Foggia in Apulien verrauthen dürfen. Und auch davon abge-
sehen, zeigt die Fassung der Urkunde, worauf wir zurück-
kommen, manches Auffallende, wenigstens wenn wir sie mit
der Fassung anderer kaiserlicher Urkunden dieser Zeit ver-
gleichen. Aber dem wohlerhaltenen Originale gegenüber ist
jeder Gedanke an Unechtheit der Urkunde aufzugeben.
Wird demnach die Lösung jener Bedenken in anderer
Richtung zu suchen sein, so legt die Nichtübereinstimmung der
Jahresangaben gewiss den Gedanken am nächsten, ein Versehen
in der Angabo des Incarnationsjahres anzunehmen. Im No-
vember 1241 lief die fünfzehnte Indiction. Was die Bezeich-
nung derselben in der Urkunde betrifft, so theilt mir Stumpf
Ueber die DatiruiiR oiuiser Urkuuden Kaiaur Friedrichs II. 277
mit, wie das auch schon in seiner Abschrift angedeutet war,
es bleibe mög-lich, dass ein Haarstrich verwischt und ursprüni>^-
lich XV. geschrieben sei, während im jetzigen Zustande doch
wohl nur xi. gelesen werden könne. Die eilfte Indiction würde
uns nun freilich gerade auf das Jahr 1237 führen, in welchem
der Kaiser lange zu Wien verweilte und dort zahlreiche Ur-
kunden ausstellte. Aber das fällt in die ersten Monate des
Jahres ; im November stand Friedrich den Mailändern am Oglio
gegenüber. Mit solcher Annahme wäre also nichts gewonnen.
Ist das Incarnationsjahr wenigstens theilweise in Worten ge-
geben, während bei den Ziffern der Indiction an und für sich
ein Versehen leichter anzunehmen wäre, ist überdies die Mög-
lichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Indictionsziffer die ent-
sprechende gewesen sein könne, so wird nichts erübrigen, als
am Jahre 1241 festzuhalten.
Es kommt hinzu, dass der Inhalt der Urkunde, wenn er
auch nichts enthält, was der Entstehung in einem andern Jahre
widersprechen würde, doch der Sachlage gerade in dieser Zeit
bestimmter entspricht. Die schon länger drohende Auflehnung
deutscher Fürsten war, wie wir jetzt aus den Annalen von
S. Pantaleon, bei Böhmer Fontes 4, 478, bestimmter wissen,
bereits zu offenem Ausbruche gekommen; nach Abschliessung
eines Bündnisses am 10. Sept. 1241 hatten die Erzbischöfe
von Mainz und Köln alsbald die Feindseligkeiten begonnen.
Es war unter diesen Verhältnissen vorauszusehen, dass in den
niederen Landen kaum ein Punkt für die kaiserliche Partei
wichtiger sein werde, als die feste Reichsburg Kaiserswerth ;
sieben Jahre später hat sie König Wilhelm bis in den zweiten
Monat widerstanden, ist auch dann nur auf sehr günstige Be-
dingungen übergeben worden. Die von Calichem führen ihren
Namen von dem östlich bei Kaiserswerth gelegenen Calkum, und
werden dort ihren Sitz gehabt haben. Erscheint gegen Ende
des Jahrhunderts ein Ritter Gottschalk als Mann des Grafen
von Berg, so finden wir 1271 den Ritter Heinrich, Vogt von
Calkum, dann die Brüder Adolf, Arnold und Anton im Gefolge
des Burggrafen von Kaiserswerth; sie gehörten damals zweifel-
los zur Burgmannschaft (Lacorablet Niederrhein. Urk.-Buch
2,365. 573. 603). Mag nun, wie mir wahrscheinlich ist, der
in der Urkunde genannte Hermann gleichfalls Reichsburgmann
278
r ick er.
gewesen sein, mag er ohne bestimmtere Verpflichtung gegen
das Reich in nächster Nähe der Reichsburg gesessen gewesen
sein, in jedem Falle ist es erklärlich, wenn ihm gerade im
Herbst 1241 besondere Begünstigamgen von Seiten des Kaisers
zu Theil wurden.
Werden wir nach allem vorläufig an der in der Urkunde
gegebenen Zeit festhalten müssen, so Hesse sich noch die Frage
aufwerfen, ob nicht eine andere Deutung des Ausstellungsortes
statthaft sei, durch welche sich die Bedenken heben würden.
Aber vergebens habe ich nach einem Orte ähnlichen Namens
in nicht zu grosser Entfernung von Foggia gesucht ; und würde
es sich um einen eingegangenen Ort handeln können, so wäre
doch kaum abzusehen, wie derselbe bei den häufigen und langen
Aufenthalten des Kaisers gerade in dieser Gegend nicht wenigstens
auch sonst ein oder anderesmal als Ausstellungsort oder ander-
weitig genannt sein sollte, wie das ja bei sehr unbedeutenden
apulisclien Orten nicht selten der Fall ist.
Es wird nichts erübrigen, als den Ausstellungsort auf
Wien zu deuten, und sich damit die Frage bieten, ist es irgend
mit den anderweitigen Zeugnissen in Einklang zu bringen, dass
der Kaiser am 20. November 1241 zu Wien war? Es dürfte
sich nun aber empfehlen, die Frage etwas weiter dahin zu
fassen, ob in dem Winterhalbjahre 1241 auf 1242 überhaupt
eine Reise des Kaisers nach Deutschland irgend annehmbar ist.
Denn auch eine andere, angeblich vom Kaiser in Deutschland
ausgestellte Urkunde wird uns auf diese Zeit zurückführen,
und es würde mich nach später zu Erörterndem in keiner Weise
überraschen, wenn noch mehrere derartige Urkunden aus dieser
Zeit aufgefunden werden sollten.
Wenn der Gang der Ereignisse es irgend gestattete, so
bezog der Kaiser feste Winterquartiere in südlichem Gegenden 5
diesfe wurden vorher bestimmt, damit das l!^öthige vorgekehrt
werden konnte. So schreibt der Kaiser 1245, dass er ohne
grosse Unbequemlichkeiten während der schlechten Jahreszeit
in der Lombardei nicht verweilen könne, dass er daher be-
schlossen habe, zu Grosseto zu überwintern, und dass man dort
alles herrichten möge, um ihn und sein Gefolge aufzunehmen
(Huillard-Breholles Eist. dipl. Friderici II., G, 374). Im Jahre
1241 war dazu zweifellos Foggia von vornherein ausersehen.
Ueber die Datirung oinigor Urkunden Kaibor FriodricliB II. '21 \)
da Richard von San Gerniano meldet, dass der Kaiser im
October die von ihm mit Beschlag belegten Kirchenschätzc von
San Germano nach Foggia zu bringen befahl. Sind die Winter-
quartiere einmal bezogten, so verbleibt der Kaiser nicht gerade
immer, so weit die Zeugnisse das beurtheilen lassen, an dem-
selben Orte; aber der Kreis, in dem er sich bewegt, ist doch
ein sehr beschränkter; insbesondere findet sich kein Fall, dass
er in den achtzehn Wintern, in welchen er seit seiner ersten
Rückkehr von Deutschland bis zu seinem Tode im Königreiche
überwinterte, die Grenzen desselben überschritten hätte; der
2:rösste Wechsel ist da der zwischen der Insel und dem Fest-
lande, und auch das. kommt nur in früheren Jahren einmal
vor. Gerade im Winter 1241 auf 1242 scheint Friedrich be-
sonders unbeweglich gewesen zu sein. Wir können ihn vom
October bis zum April nur zu Foggia selbst und einmal in
dem wenige Stunden entfernten l'Incoronata nachweisen. Und
zwar nicht gerade wegen Mangels an Zeugnissen. Wir haben
eine Urkunde aus dem October, zwei aus dem December, vier
aus dem Januar, eine aus dem März, während der Kaiser dann
nach Abzug aus dem Winterquartier im April zu Neapel ur-
kundet. Dem schliessen sich eine Reihe uudatirter Stücke an,
welche ihrem Inhalte nach auf diese Zeit, vielfach auch be-
stimmter auf Ausstellung in dieser Gegend hinweisen. Zudem
weiss der hier zunächst zu beachtende Geschichtschreibcr,
Richard von San Germano, sichtlich nur von einem Aufenthalte
des Kaisers in Foggia; niemand wird bestreiten, dass er nach
der ganzen Weise seiner Darstellung eine längere Abwesenheit
des Kaisers aus dem Königreiche sicher erwähnt hätte, wenn
er darum wusste, und wieder ist es schwer denkbar, dass gerade
er um eine solche nicht gewusst haben sollte.
Dem gegenüber würden gewiss schon gewichtige Zeugnisse
vorhanden sein müssen, um auch nur ein Verlassen Apuliens
durch den Kaiser wahrscheinlich zu machen. Handelt es sich
aber gar um eine Reise nach Deutschland, so ist doch nicht
abzusehen, wie auch nur die urkundlichen Daten für eine solche
Raum lassen. Es wäre einmal zu denken an den November,
aus dem wir keine Urkunden haben ; wir kommen darauf zurück.
Weiter hält Schirrmacher eine Reise nach Deutschland für
möglich im März und April, obwohl Friedrich in jenem zu
280 Ficker.
Függia, in diesem zu Neapel urkimdet. Leider enthalten diese
Urkunden j wie die meisten dieser Zeit, keine Tagesangaben.
Naeli der Durcliselmittsrcclinung würde der Raum zwischen
ihnen vier Wochen betragen, möglicherweise freilich acht Wochen,
oder aber umgekehrt auch nur wenige Tage. Nichts berechtigt
uns, gerade den längston Zeitraum anzunehmen. Dass Friedrich
nicht gerade nur in den ersten Tagen des März noch zu Foggia
war, ergibt sich doch ziemlich sicher aus der Angabe Richard's,
dass der Kaiser eben im März die entsetzten Justitiare zu sich
nach Foggia berief und dort eine Untersuchung gegen sie ein-
leiten Hess. Und auch der Schluss Schirrmachers, dass die
eine Urkunde in die letzten Tage des April fallen werde, weil
Friedrich auch am 3. Mai zu Neapel urkundet, ist ganz un-
sicher; es wäre vielleicht der Schluss eben ^o berechtigt, der
Kaiser dürfe schon früher im April zu Neapel gewesen sein,
da er im Mai auch noch mehrfach zu Capua urkundet, und
schwerlich anzunehmen ist, dass er in einer Zeit, wo ihn nichts
drängte, nur wenige Tage zu Neapel gewesen sein sollte. Und
läge wirklich der möglichst grosse Zwischenraum zwischen der
Ausstellung der Urkunden, ein wie grosser Zufall müsste es
dann weiter sein, dass die urkundliche Lücke des Itinerars
sich gerade mit der Zeit der Reise decken sollte, dass sich
gerade Urkunden erhalten hätten, welche unmittelbar vor der
Abreise und unmittelbar nach der Rückkehr ausgestellt sein
müssten.
Die Behauptung, dass das urkundliche Itinerar hier die
Annahme einer Abwesenheit von etwa sieben Wochen, wie sie
Schirrmacher beansprucht, gestatte, erscheint mir an und für
sich so gewagt, dass gewiss nur die gewichtigsten und unzwei-
deutigsten Beweise für solche Abwesenheit sie als zulässig er-
scheinen lassen könnten. Aber selbst angenommen, in dieser
Richtung beständen keine Bedenken, wei- dürfte dann bei ge-
nauerer Erwägung der Umstände geneigt sein, der Annahme
btsizupflichten, Friedrich sei in drei Wochen von Foggia nach
Frankfurt gereist, habe dort etwa durch acht Tage Hof ge-
haken und sei dann in drei Wochen nach Neapel zurückgereist?
Das wäre für einen Eilboten in günstiger Jahreszeit gewiss
eine ganz anerkenneuswerthe Leistung. Sie dem Kaiser zu-
zutrauen, der sich den Fünfzigern näherte, dürfte unter allen
Uol)er ilic natinuif; einiger Urlauulon Kaiser Friodriclis IT. 281
Umstämlon gcwag-t gcin. Erwägeu w'w dabei die Notliwcudiii-
keil oiuos zweimaligen Alpenübergang'S im März und iiii April,
also in der Jahreszeit, avo die UcLersehrcitung der Pässe am
beschwerlichsten und bedenklichsten zu sein pflegt, so dürfte
da kaum noch von einer Möglichkeit die Rede sein können.
Und hatte der Kaiser, wenn er sich überhaupt einmal zum Ver-
lassen des Winterquartiers cntschloss, es irgend nöthig, nicht
allein hin, wo das seine Krklänuig iindet, sondern auch zurück
einen solchen Eilritt zu machen? Sollte er wirklich die Ge-
legenheit unbenutzt gelassen habcn^ auf der Uückkehr ordnend
in die oberitalieuischen Verhältnisse einzugreifen? Und was
konnte ihn veranlassen, gerade bis Neapel zurückzukehren,
wenn die Behaglichkeit dos Ueberwinterns im Königreiche doch
einmal irestört war? Waren seine Blicke damals zunächst auf
Rom gerichtet, was war dann natürlicher, als dass er rück-
kehreud etwa in Tuszien Stellung nahm?
Dazu kommt nun das Fehlen jedes urkundlichen Zeug-
nisses, jeder Erwähnung bei solchen deutschen und italienischen
Geschichtschreibern, welche den Kaiser und die allgemeineren
Reichsverhältnisse bestimmter verfolgen. Die Reise eines Kaisers,
zumal zu einem Hoftage, pflegt mancherlei Spuren zurückzu-
lassen; es dürfte sich kein Beispiel tinden, wo diese so ganz-»
lieh fehlen würden, wie hier. War es auf einen Hoftag abge-
sehen, so musste, wollte der Kaiser nicht wochenlang in Deutsch-
land warten, derselbe nicht blos im allgemeinen, sondern mit
Angabe von Zeit und Ort den Fürsten von Apulien her ange-
kündigt sein ; die Reise musste geraume Zeit vorher beschlossen
sein. Dennoch findet sich in den mancherlei Schreiben und
Verfüo-Liua-en des Kaisers aus diesem Winter nicht das geringste,
was auf die Absicht längerer Abwesenheit deutete, welche doch
auch im Königreiche besondere Vorkehrungen nöthig gemacht
haben würde. Es ist richtig, dass es Iloftage gibt, welche die
Geschichtschreiber nicht ei-wähnen; wir lernen sie aus den tlort
ausgestellten Urkunden kennen. Würden nun nicht gerade
damals, wenn der Kaiser nach mehrjähriger Abwesenheit nach
Deutschland kam, seine Anhänger die Gelegenheit benutzt
haben, sich zahlreiche Verbriefungen von demselben zu er-
wirken? Sollte uns gerade von diesen keine erhalten sein?
Schirrmache)- erinnert an die Reise nach Deutschland V2V2.
282 Ficker.
Aber über diese, obwohl sie theilweise geheim gehalten wurde,
haben wir zahlreiche Zeugnisse, können sie ziemlich genau
verfolgen. Auch sonst wird ja sehr gewöhnlich in localen Ge-
schichtsquellen erwähnt, dass der Kaiser die Stadt auf der
Durchreise passirte ; gerade hiei* wäre das nirgends geschehen.
Endlich findet sich noch ein Zeugniss, welches auffallender-
weise von Schirrmacher, obwohl es ihm vorlag, gar nicht zur
Sprache gebracht ist. Am 3. Mai 1242 schreibt der Kaiser
denen von Mantua und wahrscheinlich gleichlautend andern
lorabardischen Städten, dass er in seiner Fürsorge für die Zu-
stände Italiens die Absicht gehabt habe, sogleich mit Beginn
des Sommers persönlich in die Lombardei zu kommen, dass
er das wegen der noch immer nicht zu Stande gekommenen
Pabstwahl für jetzt aufgeben müsse und deshalb vorläufig den
Generallegaten Enzio mit einem Heere dorthin sende. Ist ein
solches Schreiben denkbar, wenn er soeben von einer Reise
zurückkam, welche ihn zweimal durch die Lombardei geführt
hatte? Denn an den Seeweg über das adriatische Meer ist zu
einer Zeit, wo der Kaiser mit Venedig im Kriegszustande war,
natürlich nicht zu denken. Und wenn Schirrmacher glaubt.
Gewicht darauf legen zu dürfen, dass der Kaiser schon im
Herbst 1241 einem deutschen Fürsten schrieb, es sei seine Ab-
sicht, nach erfolgter Pabstwahl nach Deutschland zu kommen,
so scheint das doch viel eher gegen seine Ansicht zu sprechen ;
derselbe Grund, der ihn im Frühjahr 1242 vom Zuge in die
Lombardei abhielt, der auch in jenem Schreiben betont wird,
hielt ihn auch von dem Zuge nach Deutschland ab, der gewiss
ohnehin nicht schon für den Winter beabsichtigt war.
Finden sich nun solcher Sachlage gegenüber in Quellen
zweiten Ranges Angaben, wonach der Kaiser in jener Zeit in
Deutschland gewesen wäre, so scheint mir die Aufgabe der
Kritik nur noch darin zu bestehen, das zweifellos vorhandene
Missverständniss zu erklären, um die bezüglichen Angaben etwa
in anderer Richtung verwerthbar zu machen. Es ist nicht meine
Sache, darauf näher einzugehen. Die Stellen des Mathäus Paris
gehören ohnehin zunächst in eine andere Zeit, gewinnen für
unsere überhaupt nur Bedeutung, wenn sich da ein bestimmterer
Anknüpfungspunkt findet. Diesen bietet nur das Legendär
der Dominikanermönche zu Erfurt. Zumal für unsere Zwecke
üebor dio Datirung einiger Urkunden Kaiser Frioilriclis II. 2oö
ist dasselbe zweifellos nur als Quelle untergeordneteii Weitlies
zu betrachten. Einmal, weil es sich nicht um eine den Ei"-
eignissen gleichzeitig-e Aufzeichnung handelt; dann, weil sein
Zweck kein reichsgeschichtlicher war, für seinen Zweck nichts
daran lag, ob die nebenbei erwähnten Ereignisse von reichs-
geschichtlichem Interesse genau dargestellt Avaren, oder nicht.
Ich zweifle nicht, dass der Verfasser auch- solche Ereignisse
so richtig erzählen wollte, als er sich ihrer erinnerte oder als
er sie gehört hatte, während er andererseits auch kein Interesse
daran hatte, sich da um möglichste Richtigkeit seiner Erzählung
zu bemühen. In der bezüglichen Stelle erzählt der Verfasser,
dass das Ende seines Heklen, des frommen Bruder Elger,
herannahte, regminte tunc Frlderico invperatore secundo, qiu coii-
vocacionem principum iu Alemannia liahidt in Frankenfort, wohin
auch der Landgraf Heinrich berufen wurde, welchen Elger be-
gleitete. Des Kaisers wird mit keiner Silbe weiter gedacht.
Irrte der Verftisser etwa darin, dass nicht der Kaiser, sondern
der König Konrad den Tag abhielt, so wird man ihm das nicht
hoch anrechnen dirrfen. Eben so wenig, wenn der Sachverhalt
etwa der war, dass der Fürstentag nur von dem in Italien
weilenden Kaiser angeordnet wurde, ohne dass er selbst erschien,
wie sich dafür ja Beispiele finden; deutet das Wort hahuit
allerdings zunächst auf persönliche Anwesenheit, so würde es
sich doch kaum um eine übermässige Nachlässigkeit der Fassung
handeln, falls dem Verfasser auch bekannt gewesen wäre, dass
der Tag nur ein vom Kaiser berufener, nicht auch besuchter
war. Mag nun diese' oder jene, oder irgend eine andere Er-
klärung die zutreffende sein ; keinenfalls wird uns jene Stelle
als Beweis für eine Thatsache genügen dürfen, welcher bei
näherer Erwägung der Umstände die Gesammtheit der übrigen
Zeugnisse aufs bestimmteste widerspricht.
Au und für sich viel gewichtiger ist nun allerdings ihis
urkundliche Zeugniss, wonach der Kaiser am 20. November 1241
zu Wien war. Uer Zweck einer solchen Reise könnte eine
Zusammenkunft mit dem Herzoge Friedrich gewesen sein, mit
dem der Kaiser seit zwei Jahren wieder in gutem Einvernehmen
stand; es würde sich dann etwa um die Besprechung von Mass-
regeln gegen tlie noch immer drohende IMongolengefahr ge-
handelt haben, obwohl der Kaiser dieser im allgemeinen wohl
284 • Ficker.
weiiig-er Aufnierksainkeit öcliunktu, als billig gewesen wäre.
Aber fast alle Gründe, welche wir gegen die Zulässigkeit der
Annahme einer Reise in diesem Winter überhaupt oder im
März 1242 insbesondere geltend machten, linden auch hier ihre
volle Anwendung,
Nur bezüglich des für die Reise nöthigen Zeitraumes
scheint sich hier auf den ersten Blick die Sachlage etwas
günstiger zu gestalten, insofern für den ganzen November ein
ausdrückliches Zeugniss für Anwesenheit des Kaisers zu Foggia
durchaus fehlt. Beziehen wir nun die Zeugnisse aus dem Oc-
tober auf den Anfang des Monats, so wird wenigstens die Mög-
lickeit kaum zu bestreiten sein, dass Friedrich bis zum 20. No-
vember zu Wien sein konnte. Schwieriger ist es aber, ihn
rechtzeitig nach Foggia zurückzubringen. Huillard gibt zwei
im December ohne Tagesangabe ausgestellte Urkunden, aber
ohne Ort. Von der für den Abt von San Salvatore de Sesto
sah ich im Archive zu Mailand eine beglaubigte Abschrift mit
dem in andern Texten fehlenden Ortsnamen Foggia. Die zweite
für Gubbio war Huillard nur im Auszuge bekannt; sie ist voll-
ständig gedruckt Gentile Disamina di Pergola 103. Die Orts-
angabe fehlt allerdings auch hier; doch lässt das Wiedervor-
kommen fast aller Zeugen jener ersten Urkunde keinen Zweifel,
dass auch diese zu Foggia oder in der Nähe ausgestellt ist.
(Eine dritte Urkunde vom 29. Dec, Huillard 6, 901, gehört
schwerlich in dieses Jahr.) Handelt es sich hier um zwei
Urkunden, sind diese, da beide noch das Jahr 1241 nennen,
wahrscheinlich, wenn auch die Regel nicht festzustellen ist, vor
dem 25. Dec. ausgestellt, ist weiter schwer anzunehmen, dass
zufälligerweise beide, deren Zeugen doch auch Abweichungen
zeigen, gerade in den letzten mit ihrer Datirung überhaupt
vereinbarlichen Tagen ausgestellt sein sollten, so muss schon
dieser Umstand die Annahme, der Kaiser habe seit dem 20. Nov.
von Wien zurückkehren können, als überaus gewagt erscheinen
lassen, zumal wenn wir^ wie schon bemerkt, die Benutzung des
Seeweges nicht werden in Rechnung bringen dürfen. Dazu
kommt aber noch ein anderes. Die Kaiserin Isabella starb
am ]. Dec. zu Foggia. Dass der Kaiser bei ihrem Tode an-
wesend war, ist allerdings ausdrücklich nirgends gesagt. Aber
wir haben zwei Schreiben, in welchen Friedrich ihren Tod
Ueter die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 285
beklagt. Nirgends die leiseste Andeutung, dass er bei dem-
selben nielit zugegen war; und schwerlie^ würde doch der
Kaiser sagen, dass dieser Schlag ihn getroli'en, uohh jmce j)o-
Hentihus et quiefe, wäre er eben damals auf einer so anstren-
genden Reise begriffen gewesen. Weiter aber enthält eines
jener Schreiben, das undatirt zunächst an den Capitän des
Königreichs gerichtet ist und sichtlich bestimmt war, das Kr-
eigniss zuerst zu allgemeiner Kunde zu bi-ingen, zugleich den
Befehl, überall Exequien abzuhalten. War der Kaiser ab-
wesend, so würde man mit derartigen Veranstaltungen gewiss
nicht auf seine Rückkehr gewartet haben; das Schreiben ist
zweifellos in den nächsten Tagen nach dem Todesfalle zu Fog-
sria oder in der Nähe erlassen. Der Kaiser konnte aber nicht
am 20. Nov. zu Wien und Anfang Deceinber in Apulicn sein,
auch von allem andern abgesehen, wird schon danach die An-
wesenheit des Kaisers zu Wien zur Zeit der Ausstellung jener
Urkunde als Unmöglichkeit bezeichnet werden müssen.
Es erübrigt uns demnach nichts mehr, als die Frage dahin
zu stellen, wie ist es zu erklären, dass man eine angeblich
am 20. Nov. 1241 ausgestellte Urkunde des Kaisers aus Wien
datirte, während derselbe doch erweislich damals in Apulien
war? Für diesen Zweck wird es nöthig sein, noch zwei an-
dere Urkunden des Kaisers ins Auge zu fassen, bei denen sich
ähnliche Bedenken ergeben, welche aber leichter durch diese
oder jene Erklärung zu beseitigen schienen, weil sie nicht mehr
im Originale vorliegen.
In der einen verpfändet der Kaiser dem Grafen Wilhelm
von Jülich die Stadt Düren um zehntausend Mark. Als dabei
gegenwärtig werden genannt Graf Friedrich von Leiningen,
Gottfrid von Hohenlohe, Konrad von Schmidelfeld, Kraft von
Bocksberg, Walter Schenk von Limburg, Wilhelm Bonus.
Datirt ist die Urkunde aus Cremona, 1241, October, Ind. In.
Zuerst veröffentlicht wurde sie in Kremers Academischen Bei-
trägen zur Gülch- und Bergischen Geschichte 3, 82. Der Her-
ausgeber Lamey fühi-t für diese Urkunde keine besondere Quelle
an ; nach der allgemeinen Angabe der Vorrede wird sie aus der
damals zu Mannheim, jetzt zu München befindlichen Abschriften-
sammlung von Rodinchoven's , pfälzischen Geheimenraths zu
Düsseldorf, entnommen sein. Nach Mittheilung von Sclicffer-
286 , Ficker.
Boichorst findet sie sich B. 72 S. 137 jener Sammlung; als
Quelle nennt Redinchoven einfach T. 6, 417, worunter die von
ihm vielfach benutzten Sammlungen des Gelenius zu verstehen
sein dürften. Das Original wird verloren sein, da Lacomhlet
es zweifellos abgedruckt haben würde, wenn es sich noch zu
Düsseldorf fände.
Da der Kaiser im Oct. 1241 nachweislich zu Foggia war,
so ergeben sich hier dieselben Anstände. Böhmer verzeichnete
in seinen Reg-esten die Urkunde unter den uneinreihbaren
Stücken Friedrichs und bemerkte dazu: ,Zeugen, Zeitdaten
und Inhalt gewähren die Ueberzeugung, dass diese Urkunde
nicht von Friedrich, sondern von Konrad IV. herrührt.^ In
seinem mir vorliegenden Handexemplare ist er noch weiter
gegangen und hat die Urkunde geradezu unter die Konrads
eingereiht, den Ausstellungsort in seiner Weise in die Text-
columne versetzend; eine Anmerkung wiederholt wesentlich
das Obige, ausserdem noch auf den kurzen Kanzleistil, als Kon-
rad entsprechend, verweisend. Huillard 6, 824 schliesst sich
der Ansicht Böhmers an, reiht die Urkunde gleichfalls unter
Konrad ein und meint, es werde Colonie oder Tremonie statt
Cremone zu lesen sein. Schirrmacher, Kaiser Friedrich II., 4, 359,
weist das mit Recht zurück, da der König sich damals in
Schwaben befand. Er hält an der Ausstellung durch den Kaiser
fest, betonend, dass auch die Fassung des Textes auf solche
hinweise, und vermuthet, es sei Coronate, l'Incoronata bei Fog-
gia, zu lesen.' Diesem Erklärungsversuche stehen nun die
Zeugen entgegen; keiner unter ihnen deutet auf Apulien, da-
gegen handelt es sich um Personen, welche wir vorzugsweise
in der Umgebung des jungen Königs finden, von welchen die
von Hohenlohe, Schmidelfeld, Bocksberg und Limburg wenig-
stens später ausdrücldich als seine Räthc bezeichnet werden,
welche zweifellos schon damals Mitglieder der Reichsregierung
waren. Schirrmacher meint, sie dürften als Gesandte des
Königs beim Kaiser gewesen sein. Das ist mir ganz glaublich
bei Konrad von Hohenlohe, der im December zu Foggia Zeuge
ist. Aber wozu hier die grosse Zahl? und ist es denkbar,
dass gerade in jener gefahrdrohenden Zeit, wo der bisherige
Reichsverweser ofi'en abgefallen, ein neuer noch nicht bestellt
i
Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 287
war, die Mehrzahl der Reichsräthe Deutschland für längere
Zeit verlassen haben sollte? '>
So bestimmt mir das geg-en die Ansicht Schirrmachers
zu sprechen scheint, so gebe ich gern zu, dass auch die An-
nahme überaus misslich ist, es sei etwa durch Schuld der Ab-
schreiber aus einer Urkunde Konrads eine des Kaisers gemacht
worden, nicht allein Namen und Titel, sondern auch der Ort
geändert. Keine der bisherigen Erklärungen scheint mir zu
genügen; da wird es doch am nächsten liegen, wenigstens
versuchsweise anzunehmen, die Urkunde sei so ausgestellt, wie
sie vorliegt, wonach dann freilich wiedei" die Frage zu beant-
worten ist, wie ist es zu erklären, dass eine Urkunde des da-
mals in Apulien weilenden Kaisers aus Cremona datirt sein
kann, und dass in ihr die damals wahrscheinlich in Schwaben
beündlichen Räthe des Königs als Zeugen genannt werden?
In einer andern Urkunde verspricht der Kaiser den Her-
zogen von Brabant, Lothringen und Limburg, den Grafen von
Geldern, Loos und Jülich, den Herren von Limljurg und Heins-
bei-g, welche ihm und seinem Sohne unverbiiichlich anhängen
wollen, sie bei ihrem Rechte zu schützen, ihnen gegen Ver-
letzer desselben beizustehen; eine etwaige Sühne mit dem
Papste Gregor auch auf sie auszudehnen ; sie bei den Diensten,
welche sie ihm leisten, nach Möglichkeit schadlos zu halten,
und sie auf Grund der Dienstbriefe, Avelche sie ihm ausstellten,
nicht zum Ueberschreiten der Alpen verhalten zu Avollen.
Acta sunt liec anno dorn. ine. m. cc. xli., mense aprili, indictione
decima quarta, apud^ Leodinm. Die Urkunde wurde zuerst
veröffentlicht in Butkens Trophees du duchc de Brabant ], 84
aus einem Kartular des Herzogthums Brabant. Davon un-
abhängig scheint der Druck bei Bertholet Histoire de Luxem-
bourg 4, 69 zu sein, der sie aus Mantelius Historia Lossensis
entnahm. Es zeigen sich hier einige kleine Abweichungen ; so
fehlt bei corone das anstössige mee, welches übrigens auch
leicht aus nre corrumpirt sein könnte; in allem Wesentlichen
stimmen die Texte überein.
Mit dem Itinerar des Kaisers, der am 14. April Faenza
einnahm und dann bis in den Mai zu Faenza verblieb, ist der
Ausstellungsort ganz unvereinbar. Böhmer reihte die Urkunde
in den Rea-esten Friedrichs zur angegebenen Zeit ein, aber
288 Fickcr.
mit der Bemerkung': , Unecht oder doch sehr entstellt^ Huil-
lard 6, 1116 hält die Urkunde im Allgemeinen für echt, nur
annelmiend, dass einige auffallende Ausdrücke auf Rechnung
des Abschreibers zu setzen seien, welcher denn auch das apwcZ
Leodmm statt des ihm vielleicht unbekannten apucl Faventiavi
geschrieben haben werde. Schirrmacher scheint das zu billigen,
da er mehrfach (Gesch. Friedrichs 3, 208. 4, 10; Albert von
Possemünster 113) ohne weitere Bemerkung unter Verweisung
auf Huillard von der Urkunde für die in ihr angegebene Zeit
Gebrauch macht.
Mögen sich Bedenken gegen Einzelnheiten der Urkunde
erheben lassen, so entspricht dieselbe doch im Allgemeinen
den Zeitverhältnissen so genau, dass sie in ihrem wesentlichen
Bestände gewiss für echt zu halten ist. Ein Versuch, die
Schwierigkeit auch hier in derselben Weise zu lösen, wie das
Böhmer und Huillard für jene andere thaten, anzunehmen, es
sei eine Urkunde König Konrads, bei welcher nur Namen und
Titel geändert, ist ganz unzulässig. Die gesammte Fassung
des Textes weist aufs bestimmteste auf den Kaiser als Aus-
steller hin. Bei einer nur aus Abschriften erhaltenen Urkunde
würde auch die Vermuthung, es sei Faenza in Lüttich geändert,
wohl etwas gewagt, aber an und für sich doch nicht gerade
unzulässig erscheinen. Aber einmal ist es doch auffallend, dass
diese nun schon die dritte, auf niederrheinische Verhältnisse
bezügliche Urkunde ist, bei welcher der Ort mit dem Itinerare
des Kaisers nicht stimmt; das wird doch genügende Ver-
anlassung sein müssen, es wenigstens zu versuchen, die Schwie-
rigkeit in anderer Richtung, als durch Annahme eines Ver-
sehens der Abschreiber, zu erklären. Weiter aber scheint es
mir keineswegs nur die Ortsangabe zu sein, welche hier
Schwierigkeiten bietet; die blosse Aenderung dieser würde
keineswegs alles Auffallende erklären.
Bei beiden besprochenen Urkunden erheben sich nämlich
auch Bedenken bezüglich der Zeitangabe. Können sie zu
Lüttich im April und zu Cremona im October 1241 zweifellos
wenigstens nicht vom Kaiser ausgestellt sein^ so ist es mir
sehr unwahrscheinlich, dass ihre Entstehung überhaupt in
jene Monate filllt. An äussern Gründen fehlt es da allerdings
durchaus. Beide Urkunden sind nicht blos mit dem Licar-
Uober die Datirnii},' einigor Urluiiulen Kaiser Friedrichs IL 289
nationsjalire, sondern auch mit der für jene Monate ent-
sprechenden Indiction versehen. Die Annahme von Abschreiber-
corruptionen wird dadurch ganz unwahrscheinlicli ; wir werden
annehmen müssen, dass die Zeitangaben sich schon im Origi-
nale so fanden. Dennoch scheint mir der Inhalt kaum mit
ihnen in Einklang- gebracht werden zu können.
Nach der Urkunde vom April hatten eine Anzahl lothrin-
gischer Fürsten, Grafen und Herren Briefe ausgestellt, durch
welche sie sich dem Kaiser und dem Reiche zu besonderm
Dienste verpflichteten. Sichtlich nicht etwa gegen einen äussern
Feind, wobei zunächst an die Mongolen zu denken wäre, sondern
gegen einen Innern ; es heisst, dass jene entschlossen sind, dem
Kaiser und seinem Sohne unverbrüchlich anzuhängen zur Er-
haltung der Krone und der kaiserlichen Würde. Schon das
deutet auf Zusammenhang mit dem Streite zwischen Kaiser
und Papst, wie das bestimmter dadurch hervortritt, dass der
Kaiser ver'spricht, jene in einen etAvaigen Frieden mit dem
Papste einzuschliessen. Verzichtet der Kaiser weiter ausdrücklich
darauf, ihre Dienste jenseits der Alpen in Anspruch zu nehmen,
so kann der Brief doch wohl nur in einer Zeit entstanden
sein, wo die Anhänger des Papstes in Deutschland selbst be-
reits zu einem offenen Kampfe übergegangen waren oder letz-
teres wenigstens in bestimmterer Aussicht stand.
Dass der Kampf selbst erst im September 1241 von den
Erzbischöfen von Mainz und Köln eröffnet wurde, ersehen wir
bestimmt aus den Annalen von S. Pantaleon in Verbindung
mit den urkundlichen Zeugnissen. An und für sich wäre nun
kaum zu bestreiten, dass der Kaiser schon geraume Zeit früher
eine solche Wendung voraussehen, sich durch Sonderverträge
mit deutschen Grossen darauf vorsehen mochte. Aber von
unserer Urkunde abgesehen, fehlen dafür doch bestimmtere
Zeugnisse. Schirrmacher 4, 11 möchte allerdings schon eine
Verbriefung König Konrads für die Stadt Köln vom 7. Juli 1240
mit diesen Verhältnissen in engere Verbindung bringen. Ihr Inhalt
erinnert auch wirklich mehrfach an den unserer Urkunde. iVber
nach den genaueren Nachrichten, welche uns jetzt in den Annalen
von S. Pantaleon vorliegen, ist die Veranlassung jener Verbriefung
in einer Fehde localer Natur, in welche der König hineingezogen
wurde, zu suchen. Der Erzbischof und die Stadt Köln waren
Sitzb. d. phU.-hist. Cl. LXIX. lid. III. Uft. 19
290 Ficker.
seit längei-er Zeit in Fehde mit den Herzogen von Brabant
und Limburg und andern Grossen. Der König verlangte, dass
die Parteien auf einem Tage zu Frankfurt sich seiner Ver-
mittlung oder seinem Urtheile unterwürfen; da der Erzbischof
nicht erschien, erklärte sich der König für dessen Feinde. Er
wird nun die Stadt Köln zur Einstellung der Fehde aufgefor-
dert haben; aus dem Inhalte jener Urkunde lässt sich schliessen,
dass diese sich dazu bereit erklärte, wenn sie auf den Schutz
des Königs, zunächst wohl gegen den Erzbischof, bauen dürfe.
Dieser Schutz wurde dann am 7. Juli nicht allein im Allge-
meinen verheissen, sondern es wurden auch bestimmt die
Grafen von Sayn und Geldei-n damit beauftragt. Dass die
Stadt daraufhin die Fehde einstellte, ergibt sich einmal daraus,
dass sie sich am 27. Juli vom P^rzbischof bezeugen Hess, dass
sie ihm vom Beginn der Fehde bis zum 25- Juli getreulich
beigestanden habe (Lacomblet ITrk. Buch 2, 127), während
weiter die Annalen melden, dass nach dem Friedensschlüsse,
der nach den Urkunden Anfang September fällt, Misshellig-
keiten zwischen dem Erzbischofe und der Stadt entstanden
seien, weil dieselbe jenen ihren Versprechungen gemäss nicht
bis zum Ende unterstützt habe.
Waren bei der Verbriefung Konrads für Köln besondere
Verhältnisse massgebend, so könnten diese nun auch die Ver-
muthung nahe legen, der Inhalt unserer Urkunde gehe auf
einen damals vom Könige mit den niederländischen Grossen
geschlossenen Vertrag zurück. Auch der Stadt wurde damals
eine entsprechende Verbriefung des Kaisers selbst versprochen ;
unsere Urkunde wäre dann die aus unliekannten Ursachen sehr
verzögerte kaiserliche Bestätigung des Abkommens mit dem
Könige. Allerdings handelt es sich um Grosse, welche durch-
weg 1240 Feinde des Erzbischofs gewesen zu sein scheinen.
Dass sie dein Könige, als ei- für sie Partei ergriff, bestimmtere
Zusicherungen machten, ist gewiss nicht unwahrscheinlich ;
aber schwerlich in solcher Fassung, wie sie unsere Urkunde
zeigt. Auch nach der Einmischung des Königs behielt jene
niederrheinische Fehde doch durchaus einen localen Charakter,
wurde insbesondere auch wohl vom Könige, beziehungsweise
der Reichsregierung so aufgefasst, da man nicht einmal Ver-
anlassung nahm, in der Nähe zu bleiben, das Hoflager fort-
Ueber die Datiruiig einiger Urkunden Kaiser Friedrichs IL 291
während in Oberdeutschland war. Das ganze Eingreifen der
Reichsgewalt scheint sich darauf beschränkt zu haben, dass
man der Stadt Köln ihre Neutralität verbürgte, dass man der
Reichsstadt Aachen und Anderen, Avelche_ dem Reiche unmittel-
bar verpflichtet Avaren, gestattete, gegen den Erzbischof Partei
zu nehmen. Solcher Sachlage entspricht offenbar die auf
grössere Verhältnisse bereclmete Fassung unserer Urkunde
nicht; von Kämpfen, bei welchen es sich um die Behauptung
der Krone und der kaiserlichen Würde handelte, konnte 1240
noch nicht die Rede sein; solche Ausdrücke waren erst dann
an ihrem Platze, wenn es sich um die Bekämpfung von Fein-
den handelte, welche sich offen auf den Staudpunkt des Papstes
stellten, das Recht des gebannten Kaisers auf das Reich für
verwirkt betrachteten.
Mochten bis April 1241 bestimmtere Anzeichen hervor-
getreten sein, dass die päpstliche Partei selbst offene Auf-
lehnung nicht scheuen werde, so hat doch gewiss auch in
dieser Zeit ein Abkommen, welches diesen Fall so bestimmt
ins Auge fasst, an und für sich etwas Befremdendes. Das
steigert sich dann aber ausserordentlich, Avenn wir die beson-
dere Sachlage im April beachten. Gerade damals war das ge-
sammte Reich durch die Mongolen in solcher Weise gefährdet,
dass dem gegenüber alle andern Parteiungen zurücktreten muss-
ten, dass damals wohl am wenigsten Grund vorhanden war, auf
möglicherweise ausbrechende innere Streitigkeiten Bedacht zu
nehmen; gerade der damaligen Sachlage gegenüber ist mir ein
Sonderabkommen mit einzelnen Fürsten und Grossen, das
sichtlich nur auf innere Kämpfe berechnet ist, ganz unAvahr-
scheiulich.
Zu diesen allgemeinen Erwägungen tritt nun aber noch
ein besonderer Grund hinzu. Nach unserer Urkunde würde zu
denen, welche sich schon im April 1241 dem Kaiser zum Dienste
gegen die päpstliche Partei verpflichteten, auch der Graf Wil-
helm von Jülich gehören. Aus anderen Quellen wissen wir nun
ganz bestimmt, dass es erst geraume Zeit nach Ausbruch des
Kampfes gelang, denselben durch besondere Vergünstigungen zur
Parteinahme für die Sache des Kaisers zu bewegen. In den
Fragmenten der rheinischen Chronik, welche Pertz in den Ab-
handlungen der Berliner Academie von 1855 mittheilt, heisst
19*
292
F i c k e r.
es: Munera cesarea comitem, sihi JuUacensem armant interea
donis in Coloniensem, prelatum. [ Die Annalen von S. Pantaleon
beginnen das Jahr 1242 mit der Nachricht: Imperiales in
dioecesi Coloniensi in partem suam traxerunt Wilhelmum co-
mitem Jidiacensem 'per pecuniam. Das findet nun seine Bestä-
tigung und genauere FeststeUung durch eine Urkunde bei La-
comblet Urk. Buch 2, 134. Am 1. Dec. 1241 bekundet die
Stadt Aachen, wie sie mit dem Grafen von Jülich überein-
gekommen sei, dass derselbe mit seiner ganzen Macht dem
Kaiser und dessen Sohn gegen Jedermann dienen und darin
gemeinsam mit der Stadt handeln solle; dafür habe er ah im-
perio zum Zwecke der Vermehrung seines Lehens fünfhundert
Mark Kölner Denare erhalten, deren Anlage er auf Verlangen
nachzuweisen habe; zur Bekräftigung dessen sei ihm dieser
Brief unter dem Siegel der Stadt, des Schultheissen und des
Vogtes ausgestellt. Daraus ist doch, zumal wenn wir jene
Stellen hinzunehmen, mit Sicherheit zu schliessen, dass der
Graf bis dahin noch nicht für den Kaiser Partei ergriffen hatte.
Die sonderbare Urkunde findet weiter doch wohl nur dann ihre
Erklärung, wenn die erste Anwerbung des Grafen nicht von
der in Oberdeutschland befindlichen Reichsregierung selbst aus-
ging, sondern von den Imperiales, zunächst der Stadt Aachen,
welche als Negotiorum gestor auftretend auf eigene Hand im
Interesse des Reichs handelt, w^ährend dann die Geldsumme
von den dortigen Reichsbeamten berichtigt sein mag.
Mit einem schon im April eingegangenen Dienstvertrage
des Grafen reimt sich das im Allgemeinen nicht. Doch gebe
ich gerne zu, dass, wenn sich kein anderer Ausweg fände, etwa
angenommen werden könne, der Graf sei seinen früheren Ver-
pflichtungen untreu geworden. Besonderes Gewicht scheint
mir nun aber der Umstand dadurch zu erhalten, dass eine
Ausstellung der andern von uns besprochenen Urkunde zu der
in ihr angegebenen Zeit mit jenen Nachrichten über die Ge-
winnung des Grafen von Jülich ganz unvereinbar erscheint.
Nach jener wäre dem Grafen schon im October 1241 zur Be-
lohnung seiner Dienste vom Kaiser die Reichsstadt Düren um
zehntausend Mark Silber verpfändet, also um das zwanzigfache
von dem, was zwei Monate später ausgereicht hat, ihn für die
kaiserliche Sache zu gewinnen ; denn auch bei den fünfhundert
Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 293
Mark liandelte es sich nicht etwa um eine Aushülfe zu augen-
blicklicher Verwendung, sondern um dau&rnde Vei-mehrung-
seiner reichslehnbaren Einkünfte. Ich wüsste nicht, wie dieser
Gegensatz bei Einhaltung der Zeitfolge der Urkunden irgend-
wie zu erklären wäre. Und auch an und für sich wüsste ich
mir die Anweisung einer so überaus bedeutenden Summe im
October nicht zu erklären. Von Diensten, welche der Graf
bis dahin geleistet hatte, kann noch nicht die Rede sein ; und
so bedeutend war seine Macht doch nicht, dass die Hülfe,
welche er möglicherweise in Zukunft leisten konnte, um eine
solche Summe nicht zu theuer erkauft sein sollte. Der ungleich
mächtigere Herzog von Brabant hat im März 1242 nur drei-
tausend Mark erhalten. Und höher hat man später unter
zweifellos viel drängenderen Verhältnissen auch die Hülfe des
Grafen nicht angeschlagen. Jene frühere Verpfändung von
Düren nämlich muss rückgängig geworden sein ; zweifellos in
Folge der Aussöhnung des Grafen mit dem Erzbischofe von
Köln im November 1242. Am 12. Dec, 124G, also nach Auf-
stellung eines Gegenkönigs und Verlust einer grossen Schlacht
gegen denselben, wurde dann aber der Graf um dreitausend
Mark für die Sache des Kaisers wiedergewonnen und ihm
abermals Düren als Sicherheit bestellt; vgl. Huillard 6, 881.
Sehen wir nun aber von der Zeitangabe der Urkunde,
welche ja ohnehin imhaltbar zu sein scheint, ganz ab, so fin-
den wir leicht eine Sachlage, wo die Verschreibung einer so
bedeutenden Summe gerade an den Grafen von Jülich den
Verhältnissen durchaus entspricht. Das war damals, als der
Graf nach der Schlacht bei Lechenich das eine Haupt der
päpstlichen Partei, den Erzbischof von Köln, gefangen in seinen
Händen hatte. Wäre ihm damals zur Belohnung für die ge-
leisteten Dienste und um sich seiner Treue zu versichern,
eine solche Summe ohne weitere Gegenleistung verschrieben,
so würde das in dieser Zeit an und für sich weniger auffixllen.
Es müssen aber weiter damals vom Grafen bestimmte Ver-
pflichtungen gegen das Reich übernommen, es muss ein Ver-
trag geschlossen sein, wonach der Graf den Erzbischof fortan
nicht als eigenen, sondern als Gefangenen des Reichs in seinem
Gewahrsam haben sollte. Denn als der Graf treubrüchig am
2. Nov. 1242 sich mit dem P>zbischofe verständigte, heisst
294 Picker.
es in der Vertragsurkunde ausdrücklich, dass der Erzbischof
ex parte imperii g-efangen gehalten wurde ; der Erzbischof ent-
bindet zugleich den Grafen und dessen Räthe de illicito iura-
mento, quod fecerunt regt et consiUo imperii, nimmt es auf sich,
quod iuramentum ipso iure mdlum fuit, und verpflichtet sich,
die päpstliche Genehmigung dafür zu beschaffen; vgl. Lacom-
blet, Urk. Buch 2, 140. Werden nun bei der Verpfändung
von Düi'en als anwesend gerade die Personen genannt, welche
wir in jener Zeit als Mitglieder des Reichsraths zu betrachten
haben, wurde weiter, wie schon bemerkt, jene Verpfändung
später, da der Graf seineu Verpflichtungen nicht nachgekom-
men war, als erloschen betrachtet, so liegt doch gewiss nichts
näher, als der Gedanke, dass jene Verpfändung der Preis da-
für war, dass der Graf sich eidlich verpflichtete, den Erz-
bischof als Gefangenen des Reichs zu behandeln.
Halten wir das im Auge, so wäre es nun allerdings
wichtig, die Zeit der Gefangennahme des Erzbischofs genauer
feststellen zu können, über welche sich ein unmittelbares
Zeugniss nicht erhalten hat. Man hat die Schlacht bei Leche-
nich (irrig ßadua) bisher vorwiegend in den April gesetzt ; noch
neuerdings hat Schirrmacher, Albert von Possemünster 122, das
zu begründen gesucht, als ausschlaggebend die am 27. März,
daun zu Köln am 3. April ausgestellten Urkunden des Erz-
bischofs betrachtend. Bei Urkunden, welche, wie diese, nur
eine einfache Jahresbezeichnung haben, ist die Grundlage immer
eine etwas unsichere; und wenigstens nach dem, hier aller-
dings weniger üblichen Jahresanfänge mit Ostern würden beide
erst 1243 fallen. Malg- nun diese Erklärung zutreffen, mag auf
eine andere zu denken sein, jedenfalls scheint mir die Ueber-
einstimmung anderer, von einander unabhängiger Zeugnisse
keinen Zweifel zu lassen, dass die Schlacht schon in den
Februar fällt.
Darauf führt uns zunächst die Angabe mehrerer Quellen,
darunter der nahestehenden rheinischen Chronik, dass die Ge-
fangenschaft des am 2. November entlassenen Erzbischofs
neun Monate, oder doch bis in den neunten Monat gedauert
habe; vgl. Pertz a. a. O. 135. 137. Das Mense nono der rhei-
nischen Chronik, wie Schirrmacher^ auf den November zu be-
ziehen, ist doch sehr gewagt und würde zudem nur die An-
i
Ueber die Diitirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 295
gäbe der einen, allerdings beachtcnswerthesten Quelle erklären.
Doch würde ich dem weniger Gewicht bpilegen, wenn uns
nicht, was Schirrraacher unbeachtet lässt, die Angaben der
Annalen von S. Pantaleon in Verbindung mit den Urkunden
srleichfalls auf den Februar führen würdtui. Die Annalen l^e-
ginnen den Bericht über das Jahr 1242 mit der Erzählung
der Fehde und führen diese fort bis zur Abführung des gefan-
genen Erzbischofs auf die Feste Nideck. " Sie fahren dann
fort: Quo in captivitate detento Conradus, ßlius imperatoris se
habens pro rege, Treverim venu, uhi midti nohiles adfuerunt et
priores Colonienses pro domino stio capto sine profectu suppli-
cantes; weiter sei dann der König in den Fasten auch nach
Köln gekommen, um die bischöflichen Einkünfte mit Beschlag
zu belegen, habe aber davon abstehen müssen. Dass die Ge-
fangeunehmung der Reise des Königs vorherging, ist danach
doch gar nicht zu bezweifeln, wenn wir nicht annehmen wollen,
dass eine so wohl unterrichtete Quelle Dinge erzählt, welche
rein aus der Luft gegriffen sind. Die Zeit der Reise des
Königs aber^ welche die Annalen, und ebenso die Gesta Tre-
virorum nur ungenau nach den Fasten bezeichnen, lässt sich
nach den Urkunden genau feststellen. Dass eine vom 1. März
1241 aus Trier datirte Urkunde zu 1242 gehört, ist gar nicht
zu bezweifeln; aber selbst davon abgesehen, haben wir Ur-
kunden, welche ohne Tagesangaben im März 1242 zu Trier
und Köln ausgestellt sind. Danach werden die Zeitverhältnisse
keinem Bedenken unterliegen können. Im Februar wurde der
Erzbischof gefangen. Die Reise des Königs wird dadurch
zumeist veranlasst sein. Ist unsere Vermuthung richtig, dass
die Verpfändung von Düren in Verbindung steht mit dem
Abkommen über den gefangenen Erzbischof, so sehen wir uns
damit auf den März 1242 hingewiesen.
Schienen sich nun auch für jene andere, angeblich im
April 1241 ausgestellte Urkunde Gründe zu ergeben, dass sie
einer späteren Zeit angehöre, so liegt gewiss auch für diese
die Annahme am nächsten, dass es sich da um Abmachungen
aus der Zeit der Reise des Königs an den Niederrhein handle.
Jedenfalls würde die Annahme, die in der Urkunde erwähnten
Dienstverträge mit den lothringischen Fürsten und Grossen
seien damals zum Abschlüsse gelangt, sehr wohl dazu stimmen,
296 " Ficker.
dass der König im März zu Köln einem von jenen, dem Her-
zoge von Brabant, eine Zahlung von dreitausend Mark ver-
brieft. Allerdings steht ein anderer Umstand im Wege. Nicht
blos die Datirung der Urkunde, sondern auch eine Angabe des
Textes deutet auf frühere Entstehungszeit. Es ist darin näm-
lich eine Sühne des Kaisers mit dem Papste Gregor in Aus-
sicht genommen; dieser aber starb schon am 21. Aug. 1241.
Wir haben aber in diesen Urkunden bisher schon so viel
Räthselhaftes gefunden, dass uns das wenigstens von vorn-
herein nicht ausschlaggebend sein darf gegenüber so manchen
Gründen, welche für spätere Entstehung zu sprechen scheinen.
Nach allem Gesagten ergibt sich also ein Fall, welcher
der allgemeinen Regel, dass eine Urkunde von dem in ihr ge-
nannten Aussteller am genannten Orte zur angegebenen Zeit
ausgestellt sei, in einer Weise Hohn spricht, wie nicht leicht
ein anderer. Es handelt sich um drei Urkunden aus demselben
Jahre, bei welchen erweislich der Aussteller zur angegebenen
Zeit nicht an den genannten Orten sein konnte, während sich
überdies bei zweien der dringende Verdacht erhebt, dass sie über-
haupt nicht zu der in ihr angegebenen Zeit entstanden sind. Und
ist bei der einen die Echtheit gar nicht zu bezweifeln, so ent-
sprechen auch die beiden andern im Allgemeinen der Sach-
lage so genau, dass wir, von jenen Umständen abgesehen,
keinen Grund haben, ihre Echtheit in Frage zu stellen ; wie
denn auch der Umstand, dass sie mit jener zweifellos echten
in nahem sachlichen Zusammenhange stehen, für ihre Echtheit
ins Gewicht fällt und uns darauf hinweisen muss, nach einer
Lösung zu suchen, welche gleichmässig bei allen drei-en jene
auffallenden Verhältnisse erklärt.
Hier eine möglichst sichere Lösung zu linden, würde
sicher nicht ohne Werth sein. Es wäre schon von nicht ge-
ringer Bedeutung für die genauere Kenntniss der Ereignisse
jener Zeit. Schwerer aber fällt etwas anderes ins Gewicht.
Die oben berührte Regel ist eins der wichtigsten Hülfsmittel
kritischer Forschung. Um so dringender ist das Bedürfniss,
festzustellen, in wie weit da überhaupt Ausnahmen stattfinden
und wie diese im Einzelfalle zu ei'klären sind.
In der Vorrede zum Additamentum IH zu Böhmers Re-
gesten 1314 — 47 S. XI habe ich nachgewiesen^, dass sich im
Ueber die Datirung einiger Urkunden -Kaiser Friedrichs II. 207
vierzehnten Jalirhunderte häufifi; Kaiserurkunden finden, l^ei
welchen der Kaiser am angegebenen Tag-e s^weifeHos nicht am
Ausstelkingsorte war, während einige Tage früher oder später
der Ort durchaus stimmen würde. Ich glaubte das daraus er-
klären zu müssen, dass für die Angabe von Ort und Zeit ver-
schiedene Momente der Beurkundung massgebend waren. Das-
selbe nimmt Sickel Acta Carolinorum 1,235 für die Karolinger
Urkunden an. Die sich in dem urkundlichen Itinerar Kaiser
Ottos IV. zeitweise zeigende Verwirrung wird auf denselben
Grund zurückzuführen sein; vgl. meine Bemerkungen zu
Böhmer Acta imperii n. 239. 240. Für Friedrich II. selbst hat
Huillard Introductiou LVTI einen ganz zweifellosen Fall nach-
gewiesen ; sicher würden sich da noch mehrere nachweisen
lassen, Aväre nicht in so vielen seiner Urkunden nur der Monat
angegeben, nicht aber der Tag, so dass kleinere Verschiebun-
gen dieser Art sich meistens nicht feststellen lassen; es dürfte
nicht unwahrscheinlich sein, dass jener Brauch es der Kanzlei
erleichtern sollte, bei der Datirung nicht fehlzugreifen. Für
unsern nächsten Zweck muss dieses Verhältniss ausser Rech-
nung bleiben. Denn es handelt sich da um Fälle, wo der
Kaiser nicht allein um mehrere Tage, sondern um Monate und
Jahre vorher oder nachher nicht am betreffenden Orte gewesen
sein kann.
Eben so wenig ist an eine Unregelmässigkeit zu denken,
für welche mir bisher erst ein sicheres, im Addit. III S. XIII
besprochenes Beispiel vorgekommen ist, dass man nämlich
Kaiserurkundeu , welche erst an einem spätem Zeitpunkt zur
Verwendung kommen sollten, im Voraus anfertigte und mit
ganz willkürlichen Ortsangaben versah.
Ausserdem kenne ich nur Fälle, wo die Unvereinbarkeit
der Angaben über Aussteller, Zeit und Ort daraus zu erklären
ist, dass Jemand einem Andern Vollmacht gab, in seiner Ab-
wesenheit unter seinem Namen und unter seinem Siegel Ur-
kunden auszustellen. So wurden nachweislich 1299 unter
Namen und Siegel König Albrechts mehrere Verbriefungen für
Frankreich und in Frankreich vom Reichskanzler ausgestellt,
welchem zu diesem Behufe das grosse königliche Siegel mit-
gegeben war, so dass der König selbst während dessen unter
dem Sekretsiegel urkundete; vgl. Böhmer Reg. Albr. n. 204.
298 Ficker.
Diese Urkunden haben keine Ortsangabe. Dagegen tinden
sich Urkunden König Johanns von Böhmen mit Ortsangaben,
welche nur in seiner Abwesenheit von der dazu bevoUmcäch-
tigten Regentschaft Böhmens ausgestellt sein können; vgl.
Addit. III S. XIII. Unter dem Namen Herzog Rudolfs von
Oesterreich sind am 20. Aug. 1360 eine Reihe von Urkunden
zu Wien ausgestellt , obwohl der Herzog damals nicht allein
erweislich zu München war, sondern auch in den Urkunden
selbst erklärt, da er gegenwärtig nicht im Lande sei, so habe
er befohlen, der Urkunde vorläufig das Siegel der Stadt Wien
anzuhängen; vgl. Lichnowsky Gesch. des H. Habsburg 4,
Urkk. n. 204 ff. Aus früherer Zeit hat Delisle Catalogue des
actes de Philippe Auguste LXI ein zweifelloses Beispiel nach-
gewiesen. Aus der Zeit, während der der König 1190 und
1191 auf dem Kreuzzuge war, haben sich neun unter seinem
Namen und Siegel ausgestellte Urkunden erhalten, theils aus-
drücklich aus Paris datirt, theils ohne Ortsangabe, aber sicht-
lich zu Paris entstanden; der König muss der von ihm be-
stellten Regierung die Vollmacht dazu gegeben haben und es
wurde für diesen Zweck ein eigenes königliches Siegel gefer-
tigt; in einer der Urkunden ist bemerkt: In presentia uostro-
rum hurgenshmi, qui sigllhmi nostrum cxistodiunt. Auf einen
weitern Fall macht mich Stumpf aufmerksam. Dieser hat
früher die Urkunde König Konrads für Werden, gegeben am
17. Oct. 1147 zu Nimwegen als unecht bezeichnet, weil der
König damals auf dem Kreuzzuge v/ar; er theilt mir jetzt mit,
dass die Echtheit des von ihm inzwischen eingesehenen Ori-
ginals keinem Zweifel unterliegen könne. Es müssen daher
während der Abwesenheit des Königs unter seinem Namen und
Siegel Urkunden ausgestellt sein.
Für uns ist nun von besonderer Bedeutung, dass auch in
den frühern Zeiten Kaiser Friedrichs II. Achnliches vorgekom-
men zu sein scheint. Wir haben Urkunden des Kaisers datirt
Melfi im Aug. 122,3 und Febr. 1224, dann Brindisi im März
1224, Huillard 2, 395. 404. 943. (Eine von Böhmer zu 1223
Oct. 3 eingereihte Urkunde ist nicht allein unecht, sondern
müsste nach dem Inhalte erst nach 1229 ausgestellt sein.) Der
Kaiser war seit Juli 1223 auf der Insel; die Annahme, er
sei zu jener Zeit an jenen Orten gewesen, ist ganz unzulässig.
Uober die Datlrung einiger Urkuuden Kaiser Friedrichs II. 299
Böluner scheint die Urkunden als echt zu betrachten und reiht
sie ein, einerseits auf die Uebereiustiminun* aller Zeitangaben,
andererseits auf die Unvereinbarkeit mit dem Intinerare ver-
weisend ; bei der dritten bemerkt er in seinem Handexemplare,
dass das Original zu Neapel echt zu sein scheine. Huillard
hatte nur die dritte anfangs zu den unechten Stücken ver-
wiesen, erklärte dann aber später Introduction LVIL, dass die
von der zweiten und dritten vorhandenen Originale unverdäch-
tig seien, und denkt daran, der Kaiser habe Ende Februar
und Anfang März eine rapide Excursion auf das Festland ge-
macht. Liegen uns aus dem Februar eine Reihe zu Catania
gegebener Urkunden vor, urkundet der Kaiser dann wieder
am 5. März und weiter zu Catania, so wird das gewiss nicht
als zulässig erscheinen können. Schirrmacher vertheidigt 2, 356
die Echtheit der zweiten Urkunde gegen Winkelmann, ohne
sich über die Ortsangabe weiter auszusprechen. Winkelmann,
Gesch. Kaiser Friedrichs 1, 182, äussert sich zweifelnd über
die Richtigkeit der Ortsaugabe der ersten Urkunde.
Ich glaube die Erklärung darin finden zu müssen, dass
die Urkunden unter dem Namen des Kaisers von dem dazu
bevollmächtigten Grosshofjustitiar, der jetzt zugleich ständiger
Statthalter von Apulien war (vgl. meine Ital. Forschungen 1, 354),
auf dem Festlande ausgestellt wurden. Allerdings scheint dieser
Ansicht auf den ersten Blick entgegenzustehen, dass nach den
Urkunden der Kaiser doch keineswegs im Allgemeinen darauf
verzichtet hat, unmittelbar in die apulischen Verhältnisse ein-
zugreifen; an eine unbeschränkte Vollmacht des liofjustitiar
ist gewiss nicht zu denken. Wohl aber, wie ich glaube, für
Ausfertigung gerade von Urkunden, wie die fraglichen. Alle
drei betreffen festländische Klöster, denen ihre Besitzungen
und Rechte bestätigt werden; in zweien ist ausdrücklich be-
merkt, dass es sich dabei nur um Erneuerung der auf Grund-
lage der auf dem Hoftage zu Capua verkündeten Verordnung
resignirten Privilegien handelte. Diese Prüfung und Erneue-
rung sämmtlicher Privilegien war eine sehr umfassende Arbeit,
die längere Zeit in Anspruch nahm. Es liegt auf der Hand,
dass dieselbe, so weit es sich um festländische Kirchen han-
delte, leichter von der apulischen Regierung, als am Hoflager
I
300 Ficker.
des Kaisers auf der Insel durchzuführen war. Nehmen wir
an, der Grosshofjustitiar habe die VoUmacht erhalten, unter
Namen und Siegel des Kaisej's nicht etwa ganz allgemein zu
Urkunden, wohl aber solche Privilegien, bei welchen die Prü-
fung keinen Anstand bot, einfach zu erneuern, so scheint mir
das den Verhältnissen durchaus zu entsprechen und jene auf-
fallenden Ortsangaben am einfachsten zu erklären. Ob die
Ortsangaben dem Aufenthalte des Grosshofjustitiar entsprechen,
können wir nicht prüfen. Sie mochten auch willkürlich ge-
macht werden ; wenigstens scheint die Ortsangabe Brindisi
einem früheren Privileg für dasselbe Kloster entnommen zu
sein; vgl. Huillard 2, 950.
Damit sind wir auf einen Weg hingewiesen, auf den es
uns gelingen dürfte, auch für unsere Urkunden die Lösung zu
hnden. Sind diese überhaupt nicht vom Kaiser selbst, sondern
von einem Andern in seinem Namen ausgestellt, so kann zu-
nächst über diesen Andern kein Zweifel herrschen. Es ist da
nur an König Konrad, beziehungsweise die ihm zur Seite ste-
hende Reichsregierung zu denken ; liegt das doch nach Allem
so nahe, dass eine jener Urkunden von bewährten Forschern
geradezu für eine Urkunde König Konrads gehalten wurde.
Versuchen wir es nun, zu prüfen, ob jene Annahme den be-
sondern Zeitverhältnissen entspricht, so" wird die Sachlage hier
dadurch etwas verwickelter, dass nicht allein Aussteller und
Ort nicht zusammentreffen, sondern in zweien der Urkunden
auch Zeit und Inhalt nicht übereinstimmen. Ich suchte nach-
zuweisen, dass die vom April und Oct. 1241 datirten Urkunden
frühestens im December, nach dem Uebertritt des Grafen von
Jülich zur kaiserlichen Partei, höchst wahrscheinlich aber erst
im März 1242 entstanden sein dürften. Ob Aehnliches dann
auch für die vom 20. November datirte anzunehmen ist, deren
Inhalt keine bestimmtere Anhaltspunkte bietet, mag, wenn es
mir auch wahrscheinlich ist, dahingestellt bleiben. Denn für
unsere nächsten Zwecke begründet es keinen Unterschied, ob
die Urkunden in einer frühern oder spätem Zeit des Winter-
halbjahres 1241 auf 1242 ausgestellt sind, während unsere
Annahme im April 1241 allerdings auf grössere Schwierig-
keiten stossen würde. Wir stellen demnach die Aufgabe dahin,
zu prüfen, ob die Annahme, jene Urkunden seien im März 1242
Uobor (lio Patirung einiger Urlainden Kaiser Friedrichs 11. 301
oder in den vorhergehenden Monaten von der deutschen Reichs-
regierung- unter Namen und Siegel des Kaisers ausgestellt
worden^ den sonstigen Verhältnissen entspricht.
Von den sonst bekannten Fällen dieser Art unteftcheidet
sich der unsrige nun zunächst dadurch, dass es in Deutschland
einen anerkannten König gab, also an und für sich kein Be-
dürfniss vorlag, im Namen des abwesenden Kaisers zu Ur-
kunden. Es wird nun aber nicht zu vergessen sein, dass der
König erst im vierzehnten Jahre stand. Die ganze Verant-
wortung für seine Regierungshandlungen traf die ihm zur
Seite stehende Reichsregierung. Nun war aber gerade in un-
serer Zeit die Sachlage eine solche, dass das Ansehen dieser
ausserordentlich gemindert erscheinen musste. Es fehlte ihr
an dem fürstHchen Haupte. Der Erzbischof von Mainz, bis-
her Reichsverweser und Pfleger des jungen Königs, trat spä-
testens im September offen auf di(^ Gegenseite. Ein ent-
sprechender Ersatz war gerade unter den damaligen Zeit-
verhältnissen schwer zu beschaffen; man fand ihn erst im fol-
genden Frühjahre in dem Landgrafen von Thüringen. Dürfen
wir die in der Urkunde für den Grafen von Jülich genannten
Personen als die Mitglieder der Reichsregierung betrachten, so
bestand diese in der Zwischenzeit aus dem Grafen von Lei-
ningen und einigen Edelherren and Dienstmannen. Dass man
zögern mochte, Verpflichtungen der Reichsgewalt, für welche
zunächst nur diese eintraten, als genügend bindend zu betrach-
ten, ist erklärlich. Zumal einem Kaiser, wie Friedrich gegen-
über, der sich schon mehr wie einmal selbst an solche Hand-
lungen der Reichsregierung, welche von den Fürsten ausdrücklich
gebilligt waren, nicht gebunden erachtet hatte. Auch zu andern
Zeiten legte man daher besondern Werth auf eine ausdrückliche
Bestätigung des Kaisers, liess sich eine solche in den Urkunden
des Königs wohl ausdrücklich zusichern. Gerade damals konnte
nun aber eine Lähmung des Ansehens der Reichsregierung in
dieser Richtung der Sache des Kaisers unersetzlichen Schaden
zufügen. Da kann gewiss die Annahme nichts Bedenkliches
haben, dass er jener Ansehen durch unbeschränkte Vollmachten
zu heben suchte, ihr die Befugniss ertheilte, sogleich in seinem
Namen und unter seinem Siegel zu Urkunden, und sich so in
bindendster Weise zur Genehmhaltung ihrer Handlungen ver-
302 Ficker.
pflichtete. Grösseren Bedenken würde das allerdings im April
1241 unterlieg-en, wo der Erzbischof von Mainz noch an der
Spitze der Reichsregierung stand.
E^' Hesse sich dann weiter der Einwand erheben, wesshalb
denn in dieser Zeit nicht alle Verbriefungen der deutschen
Reichsregierung im Namen des Kaisers ausgestellt seien ? wess-
halb insbesondere eine inhaltlich sich jenen so eng anschliessende
Urkunde, wie die vom März 1242, worin dem Herzoge von
Brabant dreitausend Mark versprochen werden, dennoch im
Namen König Konrads ausgestellt ist? Dem gegenüber liösse
sich zunächst daran denken, dass die kaiserliche Vollmacht
keine allgemeine, sondern auf gewisse Angelegenheiten be-
schränkte gewesen sei; für unsern Zweck würde die Annahme
genügen, der Kaiser habe die Reichsregierung ermächtigt, sich
für alle Zugeständnisse, welche geeignet seien, im Kampfe
gegen die Erzbischöfe Anhänger zu gewinnen, seines Namens
und Siegels zu bedienen. Aber auch bei ganz allgemeiner
Vollmacht würde jene Erscheinung sich vollkommen erklären.
Es ist natürlich, dass man sich einer so ungewöhnlichen Form
der Verbriefung nur in Fällen bediente, wo das einen bestimm-
ten Zweck hatte, also da, wo eine etwaige spätere Nichtgeneh-
migung durch den Kaiser den Werth der Urkunde wieder in
Frage stellen konnte. Gerade um solche aber handelt es sich
bei unseren Urkunden. Die eine, in welcher den niederlän-
dischen Fürsten der Schutz des Kaisers und Einscljluss in
einen etwaigen Frieden mit dem Papste versprochen wird, be-
zieht sich auf eine persönliche Verpflichtung des Kaisers,
konnte nur in der Form einer eigenen Verbriefung desselben
von Werth sein. Bei den beiden andern handelt es sich um
dauernde Belastung des Reichsgutes durch Verpfändung der
Reichsstadt Düren und Anweisung jährlicher Bezüge aus dem
Reichszoll zu Kaiserswerth. Dagegen betrifi't keine der andern
aus dieser Zeit bekannten Urkunden Verpflichtungen des
Kaisers selbst oder neue Belastungen des Reichsguts. Die den
Bürgern von Mainz im Februar zugestandene Befreiung von
Reichszöllen, welche sich etwa hieher ziehen Hesse, ist nur
Erneuerung einer früheren Bewilligung des Kaisers. Insbeson-
dere ist auch bei jener Verbriefung für den Herzog von Bra-
bant die Sachlage eine durchaus andere. Es handelt sich da
Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 303
lediglicli um die persönliche Verpflichtung des Königs oder
der Reichsregierung, ihm bis zum kommehiden Remigiustag
dreitausend Mark zu zahlen, ohne dass etwa durch Verpfän-
dung von Rcichsgut auch hier eine dauernde Belastung des
Reiches begründet wäre. Dass gerade nur jene drei, nicht
auch andere Urkunden dieser Zeit unter dem Namen des
Kciisers ausgestellt sind, scheint sich aus dem besonderen In-
halte vollkonmien zu erklären.
Bei der Richtigkeit unserer Annahme wäre nun vielleicht
zu erwarten, dass die Ortsangaben dem Aufenthalte König
Konrads und seiner Regierung entsprächen. Das ist in keiner
Weise der Fall. Dass Konrad während der Zeit, in welcher
die Urkunden entstanden sein müssen, weder zu Cremoua,
noch zu Wien war, wird keiner Beweisführung bedürfen, wenn
auch das urkundliche Itinerar einen Aufenthalt zu Wien nicht
gerade unmöglich macht. Weniger bestimmt wird sich das be-
züglich Lüttichs behaupten lassen. Einmal war Konrad dort
nach der Hist. mon. Ö. Laiu'entii bei Martene Ampi, collectio
4, 1099 am 1. Nov. 1239, um den in Zwiespalt gewählten
Bischof Otto zu inthronisiren ; die Bedenken Böhmers gegen
diese Angabe dürften kaum ausschlaggebend sein, da er un-
beachtet Hess, dass auch Gilles d'Orval bei Chapeaville Gesta
pont. Leod. 2, 264 das übereinstimmend meldet. Auch im
Frühjahr 1240 soll Konrad nach den Annalen von S. Panta-
leou zu Lüttich gewesen sein. Damals kann unsere Urkunde
noch nicht entstanden sein. Es melden nun aber weiter die
Annalen von S. Pantaleon, dass der König 1242 nach Trier
kam, dann digressus Leodium pro admvahdo Ottone electo, Colo-
niam in quadragesima permniL Gegen die Genauigkeit dieser
Angabe der sonst wohlunterrichteten Quelle habe ich aber Be-
denken. Dass es sich da um eine einfache Verwechslung mit
jener frühern Anwesenheit handeln müsse, wird gei'adc nicht
zu behaupten sein. War inzwischen zu Lüttich ein anderer
päpstlich gesinnter Bischof erwählt, dem gegenüber Otto seine
Ansprüche aufrecht erhalten haben mag, so würde eine noch-
malige Anwesenheit zu demselben Zwecke an und für sich
nicht auflallen können. Da aber die Lütticher Quellen über
eine solche Anwesenheit schweigen, von einer Bedrohung
Bischof Roberts durch den König und den Gegenbischof nichts
304 Ficker.
wissen, weiter auch die Gesta Trevirorum nur eine Ausdehnung
der Reise des Königs bis Aachen erwähnen, so ist es mir
wahrscheinlicher, dass der König vielleicht die Absicht hatte,
von Trier bis Lüttich zu gehen, das aber nicht ausführte. Nur
die Möglichkeit wird nicht zu bestreiten sein, dass für die
Ortsangabe einer jener Urkunden der Aufenthalt des Königs
massgebend gewesen sei.
Wir sehen uns demnach auf die Annahme hingewiesen,
dass man die Urkunden mit ganz willkürlichen Ortsangaben
versah. Es wäre vielleicht angemessener gewesen, gar keinen
Ort anzugeben, wie das bei mehreren der früher angeführten
Beispiele der Fall war, wie das auch sonst wohl bei Unregel-
mässigkeiten der Verbriefung vorkommt; so bei einer 1167
in Italien ausgestellten Beurkundung von früher in Deutsch-
land Geschehenem, in welcher nun insbesondere die Zeugen
der Handlung dem jetzigen Aufenthaltsorte nicht entsprochen
hätten; vgl. Böhmer Acta imperii 121. Da aber der Ort für
die Rechtskraft der Urkunde nicht in's Gewicht fällt, so wer-
den auch ganz willkürliche Ortsangaben nicht gerade über-
raschen können. Aus späterer Zeit wenigstens lässt sich ein
sicheres Beispiel geltend machen. Es wurden 1327 über die
jährliche Reichssteuer der Stadt Lübeck könighche Quittungen
bis zum Jahre 1334 im voraus angefertigt und dem Grafen
von Henneberg, welchem jene Steuer überwiesen war, einge-
händigt; die eine Hälfte datirte man ganz willkürlich aus Nürn-
berg, die andere aus Frankfurt; vgl. Additam. III, S. XIII.
Nicht gerade auffallender ist es, wenn unsere Unter-
suchungen zu ergeben schienen, dass man wenigs>tens zwei
jener Urkunden willkürlich mit einer früheren AusstoUungszeit
versehen zu haben scheint. Eine besondere Veranlassung dazu
kann bei der angeblich im April 1241 ausgestellten Urkunde
für die niederrheinischen Fürsten und Grossen darin gefunden
werden, dass ihnen bei solcher Datirung der Kaiser auch schon
für den Schaden haftete, welcher ihnen in der Zwischenzeit
bis zur wirklichen Ausfertigung der Urkunde durch das Ein-
treten für die Sache des Kaisers erwachsen war. Nahm man
bewusst bei der Ausfertigung den Staudpunkt einer frühern
Zeit ein, so kann dann auch die Erwähnung des Pabstes Gregor
nicht sehr befremden. Auch wäre es nach frühei- Erörtertem
Ueber dio Datirung einiger Urlaimloii Kaiser Friedrichs II. 30o
möglich, dass sclion ein Abkommen des Königs mit eben jenen
Grossen aus dem Jahre 1240 vorhig, welches auf die Fassung
der Stelle um so eher Einfluss üben konnte, als jetzt der päbst-
liche Stuhl erledigt war. Ebenso ist es denkbar, dass dem
Grafen von Jülich daran liegen konnte, dass ihm Düren nicht
erst vom März 1242, sondern schon vom October 1241 an ver-
pfändet erschien; es mochte sich dabei um Einkünfte handeln,
welche in der Zwischenzeit fällig geworden waren. Selbst bei
der Urkunde für Hermann von Calkum, bei welcher sich aller-
dings keine bestimmtere Haltpunkte für spätere Abfassung er-
geben, wäre es möglich, dass die Zeitangabe gerade vom 20.
November damit zusammenhänge , dass ihm der Bezug seiner
Jahresrente auf den 11, November angewiesen war.
Nach allem Gesagten glaube ich behaupten zu dürfen,
dass die Annahme, jene Urkunden seien im März 1242 zu
Aachen oder Köln von der Reichsregierung im Namen des
Kaisers ausgefertigt, der damaligen Sachlage recht wohl ent-
spricht und nirgends auf Schwierigkeiten stösst, die nicht zu
beseitigen wären ; jeder andere Versuch , die hier zweifellos
vorliegenden Unregelmässigkeiten zu erklären , scheint mir
zu unzulässigen Annahmen zu führen. Ein Erklärungsversuch,
der darauf ausläuft, dass Urkunden nicht bloss von einer anderen
Person, sondern auch von einem andern Ort und aus einer
andern Zeit herrühren, als. in ihnen selbst angegeben ist, mag
allerdings an und für sich gewagter erscheinen, als manche der
von mir früher als unzulässig bezeichneten Erklärungsversuche.
Ich würde auch kaum voraussetzen, für meine Ansicht allge-
meinere Zustimmung zu linden, käme nicht noch ein Umstand
hinzu, welcher mir den Hauptpunkt meiner Behauptung unwider-
leglich zu erweisen scheint. Geht diesei- dahin, dass die Ur-
kunden nicht vom Kaiser Friedrich, sondern von der deutschen
Reichsregierung ausgestellt seien, so wird derselbe kaum mehr
einem Widerspruche begegnen, wenn sich feststellen lässt, dass
die Urkunden nicht aus der kaiserlichen, sondern aus der
Kanzlei König Konrads hervorgegangen sind.
Auf die Prüfung einiger Punkte, welche unter andei-n
Verhältnissen für eine solche Beweisführung massgebend sein
k()nnten, werden wir freilich verzichten müssen. Zunächst hat
sich das Siegel auch an der im Originale vorliegenden Ur-
Sitzlj. d. pLil.-hist. Cl. LXL\. 13d. 111. llft. 20
306 Ficker.
künde nicht erhalten. Wäre hier eine Prüfung möglich, so
würde sich im Falle der Richtigkeit meiner Annahme wahr-
scheinlich eine Abweichung von dem bezüglichen Siegel des
Kaisers ergeben ; es dürfte ein besonderer Stempel gefertigt
sein, wie das in dem entsprechenden Falle, wo die französische
Regierung unter dem Siegel König Philipp Augusts urkundete,
nachweisbar ist.
Bezüglich der Schrift würde nun allerdings das Vor-
handensein eines Originals an und für sich eine Prüfung noch
gestatten. Aber freilich nur demjenigen, der in der Lage
wäre, jenes Stück mit einer grösseren Zahl der in den ver-
schiedensten Archiven befindlichen Originale kaiserlicher und
königlicher Urkunden aus den nächstliegenden Jahren ver-
gleichen zu k()nnen. Darauf musste ich natürlich verzichten.
Unter günstigen Verhältnissen würde das Ergebniss vielleicht
ein ganz ausschlaggebendes sein. Aber schon der Umstand,
dass diese Prüfung sich nur auf eine der Urkunden beziehen
könnte, würde da bei ungünstiger Sachlage möglicherweise
selbst bei ausgedehntester Vergleichung zu keinem durchaus
sicheren Ergebnisse führen.
Um so günstiger liegen die Verhältnisse für eine Prüfung
" der wörtlichen Fassung. Kann diese einerseits alle drei Ur-
kunden berücksichtigen, so ist da andei-erseits durch das grosse
Urkuudenwerk Huillards die Vergleichung mit andern Urkunden
des Kaisers wie des Königs ausserordentlich erleichtert. Es
waren da natürlich insbesondere die zeitlich am nächsten lie-
genden Stücke zu beachten, aber- doch auch nicht in zu enger
Begrenzung, da ja durch Zufall gerade die nächstliegenden
Urkunden zur Vergleichung weniger geeignet und irreleitend
sein könnten. Die folgenden Ergebnisse stützen sich auf eine
Vergleichung der bei Huillard gedruckten Urkunden Kaiser
Friedrichs von Beginn 1239 bis Ende 1243 und eine genauere
Vergleichung der Urkunden König Kom-ads vom Beginne
seiner Regierung bis Ende 1243, welche dann für einzelne
beachtenswerthe Punkte bis Ende 1250 fortgesetzt wurde.
Wenn diese Vergleichung zu günstigen Ergebnissen
führte, so musste das selbst bei Richtigkeit unserer Annahme
nicht gerade nothwendig der Fall sein. Bei Ausfertigung der
Urkunden hat man sich offenbar nicht darauf beschränkt, m;r
Ueber ilio Datii'uuj; (üiüfier Urkuudeu Kaiser l''riodricli8 11. 307
den kaiserlichen Titel vorzusetzen und das kaiserliche Siegel
anzuhängen. Man hat sich sichtlich bei der ganzen Fassung-
geg-enwärtig gehalten, dass es der Kaiser sei, welcher spricht;
ein Zurückfallen in Ausdrücke, welche sachlich nur dem Kö-
nige entsprechen würden, oder ein ähnlicher Verstoss findet
sich da nicht. Leicht hätte man noch einen Schritt weiter
gehen, und nicht allein sachlich, sondern auch bezüglich der
formellen Fassung sich genau entsprechenden Verbriefungen
des Kaisers , für welche es an Clustern nicht gefehlt haben
wird, anschliessen können. Man würde sich dann etwa nicht
begnügt haben, sachlich richtig das imperiale sifjiUum anzukün-
digen^ sondern auch beachtet haben, dass dieser Ausdruclc den
Urkunden des Kaisers ganz fremd und sifjilhmi nostre maie-
statis zu schreiben sei. Aber im Interesse unserer Unter-
suchung ist die Sorgfalt sichtlich nicht so weit gegangen.
Aber auch dann war auf schlagende Ergebnisse von vorn-
herein wenigstens mit Sicherheit nicht zu rechneii. Das ür-
kundenwesen der kaiserlichen und der königlichen Kanzlei
steht doch sichtlich in sehr engem Zusammenhange, wie sich
das aus den verschiedensten Gründen leicht erklärt. Dieselben
Wendungen, ganze Formeln finden wir hier, wie da überein-
stimmend gebraucht. Dazu kommt mehrfach noch eine aus-
nahmsweise Uebei-einstiminung, welche sichtlich dadurch her-
beigeführt ist, dass Schriftstücke der einen Kanzlei so häufig
bei denen der andern als nächste Vorlage dienten, und nun
nicht allein auf den Inhalt, sondern auch auf die formelle
Fassung derselben einwirkten. Ein Beispiel mag genügen.
Den königlichen Urkunden ist der Ausdruck sigillum nostre
maiestatis fremd; aber ausnahmsweise finde ich ihn zweimal,
Huillard 6, 888. 848. In beiden Fällen handelt es sich um
Bestätigung vollständig eingerückter Urkunden des Kaisers;
dass nur diese die Unregelmässigkeit veranlassten, tritt ins-
besondere in dem zweiten Falle deutlich dadurch hervor, dass
hier die ganze Siegelforrael, welche auch abgesehen von jenem
Ausdrucke in den Urkunden des Königs nur ganz vereinzelt
(H. 5, 1177. HÖH) gebraucht wird, aus der kaiserlichen Ur-
kunde herübergenommen wurde. Dieser Umstand wird es
rechtfertigen, wenn wir auch solche Ausdrücke und Formeln
beachten, welche sich zwar in beiden Kanzleien nachweisen
20*
308 Ficker.
lassen, aber iu der einen nur als vereinzelte Abweichung- er-
scheinen.
Der enge Zusammenhang des Brauches beider Kanzleien
erlaubt nun wirklich bezüglich mancher Bestandtheile der Ur-
kunden kein Urtheil. So würde die Fassung der Zeitangaben
beiden Kanzleien gleichmässig entsprechen. Folgt in der Ur-
kunde für Hermann von Calkum das Incaruationsjahr erst auf
die Indiction, so ist das dem Brauche beider Kanzleien gegen-
über eine Unregelmässigkeit. Andererseits ergeben sich aber
doch genügsame Verschiedenheiten, um ein sicheres Urtheil zu
gestatten.
Zunächst fällt ein allgemeiner Gegensatz leicht ins Auge.
Die kaiserlichen Urkunden zeigen in ihrer Gliederung wie in
ihren Formeln eine sehr auffallende Einförmigkeit. Die For-
meln sind da durchweg feststehende mit nur geringen Modi-
ficationen, welche sich zudem grossentheils darauf beschränken,
dass der kürzeste Bestand der Formel derselbe bleibt, nur
durch Einschiebungen erweitert erscheint. Sind sie in dem
uns erhaltenen Theile des Regestum vielfach nur mit den An-
fangsworten bezeichnet, so genügte das zweifellos nicht
blos deshalb, weil es gleichgültig war_, in welchen Wendungen
die Ergänzung erfolgte ; es genügte auch in der Richtung, dass
die feststehenden Wendungen nach den Anfaugsworten über-
haupt keinem Zweifel mehr unterlagen. Dass es sich da zu-
nächst nur um sicilische Angelegenheiten handelt, begründet
keinen Unterschied. Für die sachliche Behandlung mag der
Unterschied zwischen sicilischen und Reichsangelegenheiten
noch beachtet sein ; für die formelle ergibt sich ein solcher
im Allgemeinen nicht, die Schriftstücke müssen von denselben
Schreibern oder vv^enigstens nach denselben Formularen abgefasst
sein, wie das die Vergleichung der vollständig erhaltenen Ur-
kunden leicht ergibt.
Dagegen zeigen die Urkunden König Konrads eine ausser-
ordentliche Mannigfaltigkeit der Fassung. Wo es sich nicht
um ganz kurze Formeln handelt oder etwa um eine Anzahl
von Urkunden, welche in derselben Sache gleichzeitig aus-
gefertigt wurden, da sind die Fälle selten, dass die Formel
sich bezüglich Wahl dci- Ausdrücke und Wortstellung ganz
übereinstimmend in mehreren Urkunden lindet. Es uuiss da
Ueber die Datirung einiger Urkuudeu Kaiser Friedrichs II. 309
dem Belieben der unterg-eordneten Kanzleibeamten, deiicn lüe
Ausfüllung der Fornieln oblag, ziemlich freier Spielraum ge-
lassen sein. Andererseits zeigt dann doch auch hier tlie regel-
mässige Wiederkehr gewisser Wendungen und Ausdrücke, für
welche eben so wohl andere gleichbedeutende hätten gewählt
werden können, dass die Schreiber nach Formularen arbeiteten
und sich in manchen Beziehungen doch ein bestimmterer
Kanzleigebrauch festgestellt hatte.
Für unsern Zweck legt das zunächst die Folgerung nahe,
dass drei Urkunden, welche sämmtlich derselben Klasse der
Litterae patentes angehören, wahrscheinlich auch in nächst-
liegender Zeit ausgestellt sind, und doch so viele Unterschiede
in den allgemeinen Formeln zeigen, wie das bei unsern der
Fall ist, eher in der königlichen, als in der kaiserlichen Kanzlei
entstanden sein dürften. Es wird weiter die Folgerung nicht zu
bestreiten sein, dass jede Abweichung von dem Brauche der
kaiserlichen Kanzlei auch dann für meine Annahme ins Gewicht
fällt, wenn sich keine Annäherung an den der königlichen
zeigt; dass alle Wendungen und Ausdrücke, für welche sich
ein Beleg überhaupt nicht findet, an und für sich eher auf die
königliche deuten.
Zum Behufe der Einzelprüfung bezeichne ich die Ur-
kunde vom April aus Lüttich mit I^ die vom October aus Cre-
mona mit II, die vom November aus Wien mit III.
Da der kaiserliche Titel in allen dem Brauche der kaiser-
lichen Kanzlei entspricht, so wenden wir uns zmn Eingange
der Urkunden, uns für die Theile derselben der von Sickel
aufgenommenen, zunächst auf eine frühere Periode berechneten,
aber auch hier anstandslos verwendbaren Bezeichnungen be-
dienend. Alle drei beginnen mit einer Inscription oder
Adresse, welche, da es sich um offene Briefe handelt, nicht
an bestimmte Personen, sondern an die Gesammtheit gerichtet
ist. In allen dreien findet sich weiter eine Promulgation; in
I und II unmittelbar nach der Inscription; in III von der-
selben durch eine Arenga getrennt, welche in jenen fehlt.
Schon das widerspricht dem Brauche der kaiserlichen
Urkunden. Eine Inscription findet sich in diesen regelmässig
nur da, wo das Schriftstück an bestimmte Personen gerichtet
ist, nicht aber, wie in offenen Briefen, an die Gesammtheit.
310 Ficker.
In diesen folgt auf den Titel entweder unmittelbar die Pro-
mulgation, oder diese ist von jenem nur durch eine Arenga
getrennt. Aus der Gesammtheit der aus fünf Jahren erhalte-
nen Patente des Kaisers weiss ich nur drei Fälle (H. 5, 1755.
6, 55. 56) nachzuweisen, in welchen sich eine an die Gesammt-.
heit gerichtete Inscription findet. Sie betreffen deutsche Sachen ;
es kann ein Einfluss von Vorlagen aus der königlichen Kanzlei
wirksam gewesen sein. Denn in dieser ist es durchaus ge-
bräuchlich, auch die offenen Briefe mit der Inscription zu be-
ginnen; die Fälle, wo sie fehlt, sind die weniger zahlreichen.
Ebenso folgen dann in der Mehrzahl der Fälle entweder so-
gleich die Promulgation, wie in I, II, oder Arenga und Pro-
mulgation, wie in III.
Bestimmter noch ergibt sich der enge Zusammenhang mit
der Kanzlei Konrads bei Vergleichnng des Wortlautes. Die
Inscription lautet in I: Universis jyresens scriptum visuris in
perpetuum- in II: Universis imperii ßdelihus graciam suam et
omne honiim; in III: Universis Christi et Romani imperii fide-
lihus, ad quos littera, presenB devene')-it , graciam suam et omne
honum. Alles cursiv Gesetzte findet sich in Urkunden Kon-
rads in derselben Formel und derselben Stellung verwandt,
nur gerade nicht immer in ein und derselben Urkunde. Die
Formel II findet sich genau so H. 5, 1208. Aus I das Uni-
versis presens scnptum visuris 5, 1192, aber mit dem Schluss
von II und III; dagegen das in perpetmmi 5, 1180. 1195.
1196. 1203. 6, 830. 838. Für HI findet sich das ungewöhn-
liche Christi fidelihus wenigstens einmal 6, 838; in nieder-
rheinischen Urkunden findet es sich oft; in der Verbriefung
der Stadt Aachen für den Grafen von Jülich vom 1. Dec. 1241
das noch näher kommende Christi et imperii fidelihus; ohne
darauf gerade Gewicht zu legen, könnte da die vermuthete
Entstehung am Niederrhein von Einfluss gewesen sein. Für die
folgende Wendung ergibt sich 6, 834. 835 unbedeutend ab-
weichend ad quos presentes littere pervenerint; der Gebrauch
von littera statt littere findet sich übrigens auch sonst in Ur-
kunden Konrads. Der Anschluss ist hier offenbar ein so enger,
als sich das bei der Mannichfaltigkeit der Formeln in den Ur-
kunden Konrads nur irgend erwarten lässt.
TJeljer die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 311
Anders bei den Urkunden des Kaisers. Findet sich liier
regelmässig, wie gesagt, nur eine an Einzelpersonen gerichtete
Inscription, so geben nur die Schlussworte einen Halt. Das
in perpetmcm findet sich nie in Kaiscrurkunden dieser Zeit.
Das gratiam suam et omne honum, welches die Urkunden Kon-
rads ausnahmslos haben, wo nicht in loerpetnuvi gebraucht ist,
findet sich zwar in Kaiserurkunden ; aber etwa viermal Imufiger
heisst es gratiam suam et honam voluntatem. In den schon er-
wähnten vereinzelten Fällen, wo Kaiserurkunden eine an alle
Getreuen gerichtete Inscription haben, heisst es : Universis pre-
sentes litteras inspecturis ßdelihus suis gratiam suam et omne
honnm, Avas sich der in den Urkunden Konrads am häufigsten
vorkommenden Formel genau anschliesst, mit unsern Urkunden
aber lediglich in dem stimmt, was sich ziemlich ausnahmslos
in allen Inscriptionsformeln der Urkunden Konrads findet.
Ist mir für die nur in III vorkommende Arenga ein
Beleg in den Urkunden weder des Kaisers, noch des Königs
aufgefallen, so gestattet die in allen drei Urkunden vorkom-
mende Promulgation wieder einen genaueren Vergleich. Sie
lautet in I : Per presens scriptum notnm esse volumus tam pre-
sentihus quam futuris. Das entspricht der in den Urkunden
Konrads am häufigsten vorkommenden Formel bis auf das vo-
lumus, für welche es vielleicht sehr zufällig in den am genaue-
sten übereinstimmenden Fällen cupimus heisst, während sich
das notum esse volumus an und für sich in der Formel bei
etwas mehr abweichender Fassung oft genug nachweisen lässt.
Eine fast ganz übereinstimmende Formel wird nun allerdings
auch in den Kaiserurkunden am häufigsten gebraucht, aber so,
dass ich das notum esse nie finde und in offenen Briefen regel-
mässig ein universis eingeschoben wird; im Regest ist die
regelmässige Abkürzung Notum facimus universis etc. In II
heisst es: Ad notitiam (wie statt presentiam zweifellos zu lesen
ist) universitatis vestre volumus pervenire. Das entspricht genau
keiner der Urkunden Konrads; fassen wir aber das häufig
vorkommende ad modernorum et futxtrorum notitiam pei-venire
cupimus ins Auge, und dazu noverit universifa-s vestra oder uni-
versitati vestre notum esse volumus und ähnliche oft vorkommende
Ausdrücke, so ist der Anschluss eng genug. Dagegen finde
ich in den Urkunden des Kaisers keinen Beleg; die Ausdrücke
312 Ficker.
imiversitas und ad notitiam jjervenire sind ihnen in dieser
Formel wenigstens iu dieser Zeit fremd. Für die Promulgation
in III: Pateat igitur et clarescat omnihus^ weiss ich weder aus
den königlichen, noch aus den kaiserlichen Urkunden einen
Beleg anzuführen.
Dasselbe gilt für die Einführung der nur in II vorkom-
menden Zeugen mit Huic facto nostro interfuerunt. Aber es
wird sich da geltend machen lassen, dass kaum eine andere
Wendung so regelmässig in den kaiserlichen Urkunden vor-
kommt, als Huius rei testes sunt'^ die Einschiebung eines autem
oder vero ist da die einzige mir aufgefallene Modilication. In
der Kanzlei Konrads ist dagegen auch diese Formel keine
feststehende 5 doch zeigt sich kein näherer Anschluss, als
5, 1183: Testes huius rei adfuerunt. Leider ist keine der auf
der Reise des Königs an den Niederrhein entstandenen Ur-
kunden mit Zeugen versehen, so dass sich seine damaligen
Begleiter nicht bestimmter feststellen lassen ; dass aber im
Allgemeinen die Namen der Zeugen durchaus auf den König
deuten, wurde schon früher bemerkt.
Sichere Ergebnisse gewinnen , wir dann insbesondere aus
der Ankündigung des Siegels. Sie lautet in I: Ad cuius rei
testimonivm perpetuo valiturum presentem paginam conscribi fe-
cimus et sigillo nostre celsitudinis rohorari; in II: In cuius rei
festimonium presens ei dedivius scriptum sigillo nostro munitum;
in III: In cuius facti protestationem et roboris ßrmitatem pre-
sentem ei suisque heredibus litteram conscribi et imperiali
nostro sigillo fecirnus communiri. Allerdings ist keine dieser
Formeln genau so in einer Urkunde Konrads nachzuweisen.
Aber es kann das nicht befremden. Zeigt sich einerseits eine
gewisse Gleichmässigkeit der Formel, welche insbesondere mit
kaum nennenswerthen Ausnahmen immer mit roborari oder
communiri oder einer von diesen abgeleiteten Participialform
schliesst, so ergibt sich andererseits wieder eine so grosse
Mannichfaltigkeit der Wendungen und Ausdrücke, dass ich
aus den Urkunden Konrads bis Ende 1243 über dreissig ver-
schiedene Gestaltungen der Formel notirte und der Fall selten
ist, dass sie sich ganz übereinstimmend auch nur in zwei Ur-
kunden nachweisen lässt. Wenn daher alle cursiv gedruckten
Worte sich genau in derselben Forni, wenn auch in verschie-
Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II. 313
dener Verbindung, belogen lassen, so wird das unter solchen
Verhältnissen vollkommen genügen können. Auch für das
Nichtbelegte ist der nähere Anschluss doch durchweg nach-
zuweisen. Die Zurückbeziehung auf den Empfänger der Ur-
kunde, wenn nicht gerade mit ei, aber doch mit sihi oder
diclo j)re])osito u. s. w. findet sich oft. Die nachweisbaren
Schlussworte mimiendam und conmiunitas treten dem munitum
nahe genug. Der Ausdruck protestatio kann nicht befremden,
wenn sich in Promulgationsformeln Konrads notum esse volumiis
et 'protestamur findet. Ergibt sich gerade für rohoris firmitatem.
kein Beleg, ?,o i^i dioc^ diwi rohur firniitatis 6, 849 zu verweisen.
Sollten wir statt des imperiale sigillum in den Urkunden Kon-
rads ein regium sigillum erwarten, so ist der Ausdruck aller-
dings ungebräuchlich, lässt sich aber doch einmal 5, 1172
nachweisen.
Es kann auffallen, dass in zweien unserer Urkunden der
Ausdruck testimonium gebraucht ist, wo es in den Urkunden
überwiegend memonam, evidentiam oder rohur heisst. Aus-
nahmsweise finde ich testimonium 6, 828 zuerst in einer zu
Trier am ersten März 1242 ausgestellten Urkunde, dann wieder
6, 838 im Juni; und um einen so schwachen Haltpunkt es
sich da handeln mag, so scheint das doch unserer Ansicht,
dass jene Urkunden im März 1242 entstanden sein dürften,
eine gewisse Stütze zu bieten. Später finde ich den Ausdruck
nur noch einmal 6, 882 bei einer abermaligen Verpfändung
von Düren an den Grafen von Jülich gebraucht, wo er leicht
durch die Urkunde 11 veranlasst sein kann.
Dagegen lässt sich nun mit vollster Sicherheit behaupten,
dass jene Formeln dem Brauche der kaiserlichen Kanzlei durch-
aus nicht entsprechen. Dieser hat für die Siegelformel eine
ganz feststehende Grundlage : Ad ciiius rei memoriavi — presens
scriptum fieri et sigillo maiestatis nostre iussimus communiri.
Modificationen sind da einmal bedingt durch die Besonderheit
des Falles; statt rei heisst es genauer concessionis, conßrmatio-
nis u. s. w. ; statt des allgemeineren presens scriptum auch pri-
mlegium oder bei gewissen Klassen pi'esentes litteras ; die Gold-
bulle wird mit hulla aurea typario nostre maiestatis impressa
angekündigt. Bios formelle ]\Iodificationen ergeben sich ins-
besondere nur durch Zusätze zu jenem festen Bestände; ins-
314 Ficker.
besondere wird häufig hinter memoriam noch zugefügt et ,sta-
hllem firmitatem oder rohnr perpetuo valiturum oder predictorum
mercatorum cautelam; über diese drei Ausdrücke geht auch da
die Mannichfaltigkeit nicht hinaus. Diese regelmässige For-
mel ist auch im Gebrauche der einzelnen Worte, wenn wir
von dem Wechsel zwischen cuius und hnivs absehen, eine so
feststehende, dass ich z. B. in mehr als fünfzig Fällen nur
einmal precepiimis statt iussimus, und je einmal insigniri und
miiniri statt conwmniri fand. Eine über einzelne Worte hin-
ausgehende Abweichung von jener Grundformel finde ich nur
fünfmal, 5, 282. 342. 995. 6, 106. 133; handelt es sich da
sichtlich um vereinzelte, unter sich in keinem nähern Zusam-
menhange stehende Unregelmässigkeiten, welche theihveise
durch Vorlagen aus der deutschen Kanzlei veranlasst sein
können, so zeigt sich doch selbst hier noch immer ein näherer
Anschluss an jene Formel. Bei zweien, 5, 342. 995, liegt der
Unterschied nur darin, dass die Formel, wie oft in den Ur-
kunden Konrads, in eine Participialconstruction ausgeht; bei
zwei andern, 5, 282. 6, 133, ist der Anfang abweichend, der
Schluss wesentlich beibehalten ; endlich zeigt 6, 106 : Ad cuius
rei memoriam et tutelam presentes litteras conscrihi et culminis
nostri sigillo iussimus commimiri, drei der regelmässigen Formel
fremde Ausdrücke.
Vergleichen wir damit unsere drei Urkunden, so ergibt
sich, dass in allen die Abweichung von der feststehenden
Formel ungleich grosser ist, als selbst in den unregelmässigen
Formeln der Kaiserurkunden, während sie andererseits auch
wieder unter sich in keinem besonders nahen Zusammenhange
stehen. Zeigt sich noch einiger Zusammenhang mit der regel-
mässigen Formel der kaiserlichen Kanzlei, so ist nicht zu ver-
gessen, dass dieselbe Formel auch in der Kanzlei König Kourads
in Gebrauch war, zuweilen ungeändert, so 5, 1177. 1193, ge-
wöhnlich mit grösseren oder geringeren Abweichungen. Und
dann ergibt sich für unsere Urkunden auch bei solchen Resten
alsbald der nähere Anschluss an die Kanzlei Konrads. Stimmt
z. B. das communiri in III mit den Kaiserurkunden, aber
ebenso mit zahlreichen Urkunden Konrads, so ist das ergänzte
fecimus communiri den Kaiserurkunden ganz fremd, während
Ueber dio Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedriche IL 315
in denen Konrads nur selten inssimus, ungleich häufiger fecimus
gebraucht wird.
Insbesondere wird auch die Bezeichnung des Siegels zu
beachten sein. In den Kaiserurkunden findet sich kaum ein
Ausdruck mit gleicher Regelmässigkeit gebraucht, als sicjillnm
nostre maiestatls, mit der entsprechenden Bezeichnung der
Goldbulle wechselnd. In allen von mir durchgesehenen Ur-
kunden ergaben sich nur drei Ausnahmen, welche sämmtlich
die schon oben als unregelmässig bezeichneten Fälle treffen.
Das vereinzelte nostri culminis findet sich mehrfach in Ur-
kunden Konrads; unsere Urkunden trifft es nicht. Zweimal,
5, 282. o42. gebraucht Friedrich sigälnm nostrmn, wie in II,
wie es aber auch bei Konrad überaus häufig vorkommt. Nie
heisst es bei Friedrich Imperiale, nostriim sigiüimi, wie in III;
ebenso wenig finde ich dort sigillum. nostre celsitudmis, wie in I,
während das gerade der in Urkunden Konrads am häufigsten
vorkommende Ausdruck ist.
Schliesslich mag noch erwähnt werden, dass es in den
Kaiserurkunden regelmässig Datum heisst, wenn nicht bei voll-
ständigerer Datirung die Zeit mit Acta, der Ort mit Datum
eingeleitet wird. Nur in den spätem Jahren Konrads heisst
es regelmässig Datum; früher herrscht auch da grosse Will-
kür. Das Acta bei Trennung der Datirung verschwindet nach
den ersten Jahren; dann heisst es bald Actum und Datum mit
Trennung der Datirung, bald Actuin et Datum, bald Datum,
sehr häufig aber auch nur Actum. So finden wir denn auch
in I diesen letztern, der kaiserlichen Kanzlei vollkoimnen
fremden Brauch.
Eine genauere Prüfung der Fassung auch des besondern
Theiles der Urkunden würde wohl zweifellos noch weitere Halt-
punkte bieten. So mühsam eine solche sein würde, so über-
flüssig scheint sie mir zu sein. Wo alle Formeln, welche eine
Prüfung zulassen, von dem feststehenden Brauche der kaiser-
lichen Kanzlei abweichen, dagegen umgekehrt sich dem der
königlichen aufs engste anschliessen, da wird das fragliche Ver-
hältniss keinem Zweifel mehr unterliegen können. Behaupte
ich in erster Reihe, dass jene Urkunden nicht vom Kaiser,
sondern von der deutschen Reichsregierung ausgestellt sind,
so wird das kaum mehr einem Widerspruche begegnen. Be-
316 Ficker. Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II.
liaupte ich weiter, dass die Urkunden auch nicht an dem an-
gegebenen Orte, nicht zu der angegebenen Zeit entstanden sind,
so überschreitet das freilich alle bisher festgestellten Unregel-
mässigkeiten bei Ausfertigung von Urkunden so weit, dass ich
dabei wohl kaum auf gleiche Zustimmung rechnen darf. Aber
ich sehe auch keinen anderen Ausweg, welcher die früher her-
vorgehobenen Schwierigkeiten genügend erklären würde; ist
ein Anderer da glücklicher, so werde ich gern auf meine an
und für sich so gewagt erscheinende Annahme verzichten.
317
XXIX. SITZUNG VOM 20. DECEMlJEll 1871.
Die Classe verhandelte über Gesuche und Anträge in
Betreff ihres Schriftenverkehrs.
An Druckschriften wurde vorgelegt:
A c a d e m i e Imperiale des Sciences de St. P^tersbourg : Memoires. VII. S^rie.
Tome XV, Nrs 5—8; Tome XVI, Nrs 1—8. St. Petersbom-g, 1870; 4". —
Bulletin. Tome XV, Nrs 1—5; Tome XVI, Nr 1. St. Pctorsbourg, 1871; 4".
Accademia Pontificia de' Nuovi Lincei: Atti. Anno XXII, Sess. 1* — 7" (1868
—1869); Anno XXIV, Sess. 4« e 6\ (1871.) Roma; 4".
Genootschap, Bataviaasch, van Künsten en Wetensehappen : Vcrhandelingen.
Deel XXXIII. Batavia, ISCjS; 4'\ — Tijdsclirift. Deel. XVI. (V. Serie.
Deel II), Aflev. 2— (i (1806—1867); Deel XVII (V. Serie. Deel III), Aflev.
1_6 (1868—1869); Deel XVIII (V. Serie. DeellV). Aflev. 1 (1868); Ba-
tavia; 80. — Notiilen. Deel IV, Afl. 2 (1867); Deel V (1867); Deel VI
(1868); Deel VII (1869), Nr. 1. Batavia; 8'K — Catalogus der ethnolo-
gische Afdeeling van het Museum (1868); Catalogus der numismatische
Afdeeling van het Museum (1869). Batavia; 8".
Gesellschaft, histoiische, in Basel : Beiträge zur vaterländischen Geschichte.
IX. Band. Basel, 1870; 8^
— Kurländische, für Literatur und Kunst: Sitzungsberichte aus dem Jahre
1870. Mitau; S».
Göttingen, Universität: Akademische Gelegenheitsschi-iften aus dem Jahre
1869/70. 4" imd 8°.
Harz-Verein für Geschichte und Altertimmskunde: Zeitschrift. III. Jahrg.
1870, 2.— 4. Heft. Wernigerode; 8". — Festschrift ziu- dritten ordentlichen
Hauptver.sammlmig des Harz -Vereins zu Nordhausen am 7. und 8. Juni
1870. Wernigerode; 8».
Institution, The Royal, of Great Britain: Proceedings. Vol. VI. Parts I & H.
(Nrs 52-53.) London, 1870; 8". — List of the Members etc. 1870. 8«.
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre
1869/70. 4" und 8°.
Society, The American Oricntal: Journal. IX. Vol. Nr. 2. New Haven, New
York, London & Leipzig, 1S71; 8».
Verein für Geschichte und Alterthum Schlesiens: Zeitschrift. X. Band, 2. Heft.
Nebst Register zu Band VI— X. Breslau, 1871; 8". — Scriptores verum
Silesiacarum. VL Band. Breslau, 1871; 40. — Die schlesischen Siegel bis
1250. Von Alwin Schultz. Breslau, 1871; 40.
Wright, W., Apocryphal Acts of the Ai)ostles, cdited from Syriac Manuscripts
in the British Museum and other Libraries. Vols I & IL London, 1871; S«.
o
ptb^ w^m
AS Akademie der Wissenschaf ten^
14-2 Vienna. Philo sophi sc h-Histo-
A53 rische Klasse
B(i.68-69 Sitzungsberichte
PLEASE DO NOT REMOVE
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UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY